Bericht über die Projektmittel 2005 der LAG NW

 

Inhalt

1. Gesamtübersicht

2. Darstellung der einzelnen Projekte

 

1. Gesamtübersicht

 

Die LAG NW hat 2005 mit den Mitteln des Ministeriums für Städtebau und Wohnen, Kultur und Sport/Ministerpräsidenten/ Staatskanzlei des Landes Nordrhein-Westfalen 44 Projekte von 39 Zentren/ Initiativen und KünstlerInnen gefördert.

 

Es gab insgesamt 81 Anträge von 62 Zentren/ Einrichtungen/Initiativen/KünstlerInnen mit einem Gesamtkostenvolumen von 1.349.452 € und einem Zuschussbedarf von 599.315 €. Der Beirat hat in einer Sitzung und einem Mailverfahren für Nachrücker über die Anträge befunden und die obengenannten 44 Anträge bewilligt. Diese Ergebnisse wurden auf den jeweiligen LAG NW Tagungen vorgestellt, diskutiert und letztendlich entschieden.

 

Nach der Abrechnung betrugen die Gesamtausgaben der geförderter Projekte 503.050,58 €. Dabei betrug der Anteil des Landes mit 125.000 € = 24,85 %. Insgesamt wurde 1 Projekt mit 5.000 € und mehr gefördert. 23 Projekte erhielten 3.000 € und mehr und 20 Projekte wurden jeweils mit weniger als 3.000 € aus Landesmitteln finanziert.

 

Die Leistungen Dritter (vor allen Dingen der Kommunen) betrugen 188.866,38 €, das entspricht 37,54 %. Die Leistungen der Kommunen waren jedoch weit höher, denn sie sind entweder Bestandteil innerhalb einer direkten Kooperation und/oder Bestandteil der Zuschüsse zu den Betriebs- und Programmkosten der jeweiligen Zentren. Auf der anderen Seite sind hier auch Landesmittel enthalten, die von anderen Stellen bewilligt worden sind. Die Eigenleistungen der Träger lagen insgesamt bei 189.184,20 Euro €. Das sind 37,61 %.

 

Die Gesamtkosten verminderten sich um den Betrag von 1.968,82 €, das entspricht 0,39 % Abweichung vom ursprünglichen Kostenplan.

 

Grundsätzlich haben die Zentren in allen Kunst- und Kultursparten (Musik, Theater, Literatur, Medien) sowie spartenübergreifende Projekte durchgeführt. Tendenziell sind die Projekte in erster Linie der Stadtteilarbeit, der Kulturpolitik und dem Kinder- und Jugendbereich zuzuordnen.

 

 

2. Darstellung der einzelnen Projekte

 

1. BÜZ Schuhfabrik Ahlen - Visualisierung der Integration von Migranten

Vorbemerkungen

In zahlreichen Projekten der letzten Jahre hat sich das Bürgerzentrum Schuhfabrik mit Fragen der Integration, Migration, Fremdenfeindlichkeit, Rassismus und mit der Vermittlung von interkultureller Kompetenz intensiv auseinander gesetzt. Dies geschieht auf der Ebene der hauptamtlich Beschäftigten in theoretischer Form. Dies ist nicht die Ebene, auf der die meisten der Besucher, die das Haus und die angeschlossene Gastronomie als ihren Treffpunkt nutzen, zu erreichen sind. Aus diesem Grunde ist es uns ein besonderes Anliegen die theoretischen und politischen Auseinandersetzung zum gesellschaftlichen Wandel, die auf dem Weg zu einer multikulturellen Gesellschaft notwendig sind, auch für diese Altersgruppe greifbar und erfahrbar zu machen. Dafür braucht es immer wieder Darstellungsformen, die speziell von dieser Zielgruppe angenommen werden und niedrig schwellig sind.

 

Anmerkungen zu den einzelnen Projektteilen

Projektbaustein 1: Gestaltung des Hauses zum Aspekt Integration

Ausgangspunkt für diesen Projektbaustein bildete die Idee die Unterschiedlichkeit und Vielfältigkeit der Nutzer, Besucher und Gäste des soziokulturellen Zentrums deutlich zu machen und abzubilden. Dies sollte zum Einen sehr niedrigschwellig Interessierte teilnehmen lassen und anschließend in ansprechender und exponierter Lage in der Gastronomie präsentiert werden. Ein junger Mediengestalter, der seit langen Jahren im Verein aktiv mitarbeitet, entwickelte die Foto Fix Box (Fotos hiervon sind in der Anlage enthalten). Ein kleiner Raum, der sich zwischen der Kneipe und dem angrenzenden Veranstaltungssaal befindet, wurde für die Dauer von 3 Wochen umgestaltet. Ähnlich der Fotokabinen im öffentlichen Raum und an Bahnhöfen wurde dieser Raum mit einem nicht bis zum Boden reichenden schwarzen Vorhang zugehängt. Innen wurde er mit einem Barhocker, einem am Nylonfaden hängenden schlichten blauen Bilderrahmen, einem Monitor zur Kontrollansicht für die Nutzer, einer Filmkamera mit Standbildeinstellung und einer Fernbedienung mit Selbstauslöser ausgestattet. Dieser Raum fand regen Zuspruch, mit dem in diesem gewaltigen Umfang niemand gerechnet hat. Insgesamt wurden über 4.000 Bilder in dem oben genannten Zeitraum geschossen. Selbstverständlich zeigten viele Fotos die selben Gesichter, da gerade an gut besuchten Kneipenabenden die Foto Fix Box zum Gruppenspaß avancierte. Insgesamt haben sich über 300 verschiedene Menschen abgelichtet. Dabei sind vom 6jährigen Kind bis zur 92jährigen Besucherin, vom asiatisch aussehenden Mädchen aus Usbekistan, die seit kurzem in Ahlen lebt, über den ehemaligen chinesischen Kellner des Hauses auch zahlreiche Menschen abgebildet, denen man den Status Migrant und somit ihre soziale und kulturelle Herkunft nicht ansieht. Herausgekommen sind 460 Fotoabzüge in der Größe 10 x 15 cm, die auf Pappe geklebt ein Streifband von ca. 100 Metern ergeben, dass sich auf Sitzhöhe durch den gesamten Gastronomieraum der Schuhfabrik zieht. Herausgekommen ist auch eine breite Begeisterung für diese Aktion. Immer wieder beobachten wir Menschen in unserem Haus, die fasziniert an diesem Fotoband entlanggehen.

 

Projektbaustein 2: Rollenspiel im öffentlichen Raum

Die Suche nach professionellen Schauspielern, die diesen Projektbaustein künstlerisch leiten würden, gestaltete sich weitaus schwieriger als zunächst eingeschätzt. Nach und nach wurden Anfragen bei sechs verschiedenen SchauspielerInnen gestartet, die alle die Idee spannend fanden, aber aus unterschiedlichsten Gründen nicht zusagen konnten. Die Kernaussage war aber bei allen gleich: Improvisationstheater ohne den Rahmen, in dem es stattfinden soll und ohne die teilnehmenden Menschen zu kennen, ist in der geplanten kurzen Probenzeit nicht zu schaffen. Aus diesem Grunde entschieden wir uns für eine Anfrage bei uns bekannten SchauspielerInnen, die das Haus und einige TeilnehmerInnen aus vorangegangenen Theaterprojekten schon kennen. Dabei kam aber aufgrund von Terminkollisionen leider kein Zeitpunkt mehr in 2005 zustande, so dass die Durchführung für Anfang März festgesetzt werden musste. Susanne Tiggemann und Bernd Witte erarbeiten ein tragfähiges Konzept, in dem die TeilnehmerInnen in zuvor festgelegten Rollen improvisativ agieren. Ein erstes Vorbereitungstreffen findet am 2. Februar statt (in der Anlage befindet sich die Pressemitteilung). Interesse haben zum jetzigen Zeitpunkt schon über 10 Personen geäußert. Beide Profi- SchauspielerInnen werden an diesem Abend gemeinsam mit den Amateuren den Abend bestreiten und auch selber spielen. Die Inszenierung der Kneipe als „Treffpunkt von Menschen in einem fremden Land“ findet am Samstag, 4. März statt. Man darf sehr gespannt sein, wie die Gäste diesen Abend, der vorab in der Presse angekündigt wird, aufnehmen werden. Selbstverständlich werden die Kellner dieses Abends eingewiesene MitspielerInnen sein, um die verfremdete Wirklichkeit real erscheinen zu lassen.

 

Projektbaustein 3: Weltreise in der eigenen Stadt

Der Künstler Stefan US ist in Ahlen nicht gänzlich unbekannt, da das Projekt mit dem Titel „Service vis à vis“ mittlerweile seine vierte künstlerische Arbeit in Ahlen ist. Gerade dieser Projektbaustein wurde von der Presse sehr ausführlich und häufig begleitet (siehe Anlagen). Trotzdem nahmen letztendlich nur 10 Personen an der Aktion teil. Die Organisatoren hatten sich eine weitaus höhere Beteiligung gewünscht. Für die Teilnehmenden spielte es keine Rolle, denn egal wie hoch die Gesamtteilnehmeranzahl ist, sie haben immer zwei Kontakte. Diese Aktion lebt von der Intensität und den persönlichen Begegnungen, die Quantität ist dabei unerheblich. Jede/r TeilnehmerIn wurde einmal von demjenigen eingeladen, der/die sein/ihr Service erhalten hat und lud selbst eine/n TeilnehmerIn ein, der/die ihn dann mit einem Gastgeschenk besuchte. Häufige Rückmeldungen waren:

·   wenn ich von der Aktion früher gewusst hätte, hätte ich wohl mitgemacht

·   ich möchte keine fremde Person in meiner Wohnung haben

·   Ach, eine Einladung in die Pizzaria oder die Dönerbude oder ein Picknick wäre auch möglich gewesen?

·   Ich finde das Projekt total klasse.

·   Ich habe jemanden besucht, den ich schon vom Sehen her kannte und nun habe ich einen guten Bekannten gewonnen.

Als Organisatoren hatten wir die Angst die eigene Wohnung für eine fremde Person zu öffnen doch wesentlich unterschätzt. Bei einer Wiederholung der Aktion in dieser oder in ähnlicher Form muss dieser Punkt besonders beachtet werden.

 

Nachbemerkungen und Gesamteinschätzung

Innerhalb dieses Projektes konnten drei verschiedene Herangehensweisen und Darstellungsformen zur Visualisierung von Integration ausprobiert werden:

·   Die öffentliche Ausstellung von Selbstporträts

·   die sehr persönliche Begegnung mit Menschen im privaten Raum

·   und die Inszenierung bzw. Veränderung eines bekannten öffentlichen Raumes.

Alle drei Formen finden ohne Eintrittsgelder, Vorbedingungen und Voraussetzungen statt. Ziel ist es bei zahlreichen Projekten der Schuhfabrik die Menschen dort abzuholen, wo sie sind. Ausgangsfrage ist dabei immer wieder: Wie erreiche ich Menschen und wie bringe ich sie dazu, sich mit gesellschaftlich wichtigen Fragen auseinander zu setzen.

„Integration bedeutet, dass Menschen sich und ihre Kultur gegenseitig akzeptieren, achten und Konflikte

kommunikativ lösen. Niemand kann deshalb andere und für andere integrieren.“ Alessandra Cuppini Alberti

Als Trägerverein eines soziokulturellen Zentrums ist es wesentlicher Bestandteil der Arbeit Bedingungen zu schaffen unter denen Begegnung stattfindet und Integration möglich ist .

 

 

2. Druckerei Begegnungszentrum e.V., Bad Oeynhausen – Zimmerlautstärke

 

Konzept - Auf Grund stetig ansteigender Nachfrage von Künstlern und Besuchern der Druckerei nach einer alternativen Veranstaltungsform und Auftrittsmöglichkeit entstand das Projekt „Zimmerlautstärke“.

Als Veranstaltungsreihe kleiner Konzerte in der Kneipe und im Biergarten unserer Einrichtung wollten wir Solo-Künstlern und kleinen Musikgruppen ein Forum bieten und unseren Kneipenbesuchern ein abwechslungsreiches und kreatives Programm präsentieren.

 

Durchführung - Für die 15 geplanten Veranstaltungen, waren schnell mehr als genügend Musiker gefunden. Lediglich eine Veranstaltung entfiel wegen Krankheit des Künstlers. In der Zeit vom 08.04. bis 16.12.2005 präsentierten sich 28 Künstler bei 14 Veranstaltungen jeweils freitags ab 20.30 Uhr in der Kneipe des Druckerei Begegnungszentrums und erreichten damit über 580 Besucher.

 

Fazit - Dank der Anschubfinanzierung durch die LAG haben wir in der Bad Oeynhausener Kulturszene eine Veranstaltungsart anbieten können, die es hier bisher nicht gab, obwohl offensichtlich Bedarf bestand. „Kneipenkultur“ konnte durch die Reihe „Zimmerlautstärke“ erfolgreich in unserem Begegnungszentrum etabliert werden.

Diese neue Form der Präsentation wurde sowohl von den Besuchern, als auch von den Künstlern sehr gut angenommen.

Für das Jahr 2006 sind 10 weitere Veranstaltungen dieser Reihe fest geplant, sowohl mit neuen Musikern, als auch mit Künstlern vom letzten Jahr, die ihre Teilnahme wieder zugesagt haben.

 

 

3. Alarm Theater, Bielefeld - „mach mal halblang“

Theaterprojekt mit arbeitslosen jungen Menschen aus verschiedenen Kulturkreisen

 

Im Rahmen der Jungen Bühne des AlarmTheaters haben wir im 2. Halbjahr 2005 die Erarbeitung und Präsentation einer Theatercollage mit 10 Schulabgängern ohne Ausbildungsplatz, bzw. arbeitslosen Jugendlichen durchgeführt.

Über Flyer und Presse, Aushängen bei schulischen und außerschulischen Institutionen und jugendlichen Multiplikatoren luden wir ernsthafte Interessenten Ende August/Anfang September 2005 ein sich schriftlich bei uns zu bewerben. Daraufhin gab es bis Mitte September Informations- und Beratungsgespräche über das Theaterprojekt. Anschließend wurden insgesamt 17 Personen zu einem Casting am 16.09.2005 ins Theater eingeladen. Von diesen jungen Leuten wurden 10 ausgewählt das Theaterprojekt zu beginnen.

 

Zeitraum: 24.09.05 – 21.12.05

Teilnehmer: 10 (6 Frauen, 4 Männer) im Alter von 18 – 28 Jahren

Arbeitszeit: Mo. bis Fr. von 9 bis 17 Uhr, während der Aufführungen gestaltete sich dies aber variabel

Nachdem die Teilnehmer erfolgreich ein Bewerbungsgespräch und ein Casting hinter sich gebracht hatten, startete am 24.09.05 das Laboratorium der Jungen Bühne. Dies bedeutete die vielfältige Mitwirkung in den unterschiedlichen Projekten des freien Theaters.

Für jeden einzelnen Jugendlichen wurde ein Platz im Theater gefunden und darin praktisch und theoretisch geschult. Die Jugendlichen erhielten Einblicke in die verschiedenen Bereiche (Bühnenbild, Schauspiel, Technik, Bühnenbau, Requisite, Video/ Film, Büroorganisation) des Theaters.

Als praktischen Teil erarbeitet die gesamte Gruppe eine Theatercollage, in dem die einzelnen Jugendlichen in den angelernten Berufsfeldern tätig waren.

 

Struktur

·         Lehrer und täglicher Unterricht während der gesamten Zeit

 Schauspiel / Körper- und Gesangstraining / Rhythmus und Taketina /

 Büroorganisation

·         Externe Lehrer und wöchentlicher Unterricht ab dem 14.11 – 21.12.

 Fechten / Tanz / Stimmbildung

·         Typischer Tagesablauf

 09.00 – 10.00 Uhr : Aufwärmtraining / 10.00 – 11.30 Uhr: MO – Sprecherziehung, DI – Gesang, MI – Taketina,

 DO – Fechten, FR – Tanzen / 11.30 – 13.30 Uhr: Schauspieleinheit 1/ 13.30 – 14.30 Uhr: Mittagspause

 14.30 – 17.00 Uhr: Schauspieleinheit 2

Während der Aufführungszeiten und je nach Aufgabengebiet kam es zeitweise zu Verschiebungen der regulären Arbeitszeit.

 

Verlauf

Unter dem Motto „Weg zu mir“ dienten die ersten drei Wochen dazu erste Theatererfahrungen zu sammeln.

Dazu gehörten sowohl körperliche Übungen, wie zum Teil geleitete Improvisationen, Körpersequenzen und Isolation, als auch Personenstudien in denen es galt, eine reale Person zu beobachten und deren Verhaltensweisen genau beschreiben und umsetzen zu können. Auch verschiedene Übungen, wie „Antagonist – Protagonist“ schulten die schauspielerischen Fähigkeiten der Teilnehmer.

Für den Gesangsunterricht galt es, sich ein Lied auszusuchen, welches man gerne singen wollte und die Gruppe einigte sich auch auf ein gemeinsames Stück.

Dann wurde mit diesen Liedern gearbeitet. Dabei wurde nicht allein auf die Stimme geachtete, denn auch Körperhaltung und Vorstellungskraft spielen beim Gesang eine große Rolle.

Durch „Taketina“ wurde zum einen das Rhythmusgefühl der Teilnehmenden geschult, zum anderen gehören aber auch die Erfahrung Fehler machen zu dürfen und sich auf seinen Körper verlassen zu können zu einem wichtigen Bestandteil der Übung.

Nach drei Wochen folgte die erste Aufführung vor Verwandten und Freunden, in der die Junge Bühne einen Einblick in ihre Arbeit gewährte.

In den nächsten Wochen wurde der Unterricht um Sprecherziehung, Tanzen und Bühnenfechten durch externe Lehrer erweitert.

Im Rahmen der Sprecherziehung wurden, durch verschiedene Atemtechniken und Artikulationsübungen, die Stimmen der Laboranten bühnentauglicher gemacht.

Die Dozentin für Tanz gab einen Einblick in modernen Tanz und ließ die Teilnehmer auch selbst tänzerisch kreativ werden. So dachte man sich zum Beispiel einen Tanz über die eigene Person aus oder versuchte die Stimmung einer Postkarte in Bewegungen auszudrücken.

Für das Bühnenfechten war große Genauigkeit gefragt. Jeder Schritt und jede Parade waren genau abgestimmt um den Kampf möglichst professionell aussehen zu lassen, Verletzungen aber zu vermeiden.

Zur gleichen Zeit starteten im AlarmTheater auch die Proben für das Kinderstück „Kikerikiste“, in dem die Mitglieder der Jungen Bühne zwar nicht als Schauspieler mitwirkten, doch hinter den Kulissen gab es einiges zu tun.

Hierbei erhielten die Jugendliche Einblicke in den professionellen Bühnenalltag und zwar in den verschiedenen Bereichen des Theaters (Bühnenbild, Licht- und Tontechnik, Bühnenbau, Requisite und Büroorganisation).

Unter der Anleitung einer erfahrenen Künstlerin entwickelte ein Teil der Jungen Bühne das Bühnenbild und die Kostüme. Einem anderen Teil wurde von kompetenter Seite die Einstellung von Licht und Ton während der Vorstellung übertragen.

Selbstverständlich wurde darüber hinaus angepackt, so dass in dieser Zeit auch mal das normale Arbeitspensum überschritten wurde. Hatte man keinen Unterricht wurden Briefe gefaltet, Flyer verteilt oder man ging als „Kikerikiste“- Werbeperson durch die Stadt um Werbung für das Stück zu machen.

 

Fazit:

Während dieser Zeit kamen neue Teilnehmer hinzu, wobei übereinstimmend und relativ schnell klar wurde, dass eine Integration in den Gruppenprozess und Arbeitsdynamik nicht mehr möglich war. Am Ende des Jahres wurde eine weitere Teilnehmerin verabschiedet, die Theater und Beginn einer Ausbildung nicht länger vereinbaren konnte. Alle anderen gaben ihre Zustimmung für die Mitarbeit im neuen Jugendstück für das Frühjahr 2006.

Die theatrale Praxis bot für das Zusammentreffen zwischen den Teilnehmern und den Künstlern eine großartige Metapher.

Theater schult – vor allem das Leben.

Neben einem umfangreichen Einblick und der Qualifizierung in den verschiedenen Berufsfeldern des Theaters, boten das Lernen in der Gruppe und das Erarbeiten einer gemeinsamen Produktion gute Voraussetzungen für die Teilnehmer. Die Jugendlichen wurden emotional eng betreut. Durch Gruppen- und Einzelgespräche wurden Konflikte angesprochen und gelöst. Verantwortungsbewusstsein, soziales Miteinander und ein Selbstbewusstsein wurden entwickelt, welches sich auf das ganze weitere Leben der Jugendlichen auswirkt. Dadurch waren sie sind in der Lage auch Krisen und Auseinandersetzungen durchzustehen, Entscheidungen zu treffen und für sich und das Theater hoch motiviert zu handeln. Sie trauten sich mehr zu und entwickelten Wünsche hinsichtlich ihrer Berufswahl und ihres Berufslebens.

Leider musste die geplante Jugendproduktion aus organisatorischen und finanziellen Gründen auf das Frühjahr 2006 verschoben werden. Dies tat aber der Motivation der Teilnehmer und dem Erfolg des Projektes keinen Abbruch.

 

 

4. Theater leibeigen, Bochum – MACHTMENSCHEN! - Bewegungstheater für Jugendliche

 

Kurzbeschreibung

In der Vorbereitungsphase erarbeitete ich mit den Darstellern in Improvisationen Material zum Thema Macht – Hunger/ Terror/ Ordnungsstrukturen von Gesellschaften/ Machttypen/ Magersucht als Ausdruck von Machtstreben. Die Darsteller verfassten auch selbst Texte dazu. Aus dem entstandenen Material schrieb ich dann das Stück MachtMenschen!

In der Intensivphase wurde das Stück geprobt. Der Bühnenbildner kam dazu. Die Darsteller experimentierten mit den Möglichkeiten, mit Kisten gesellschaftliche Strukturen nachzuempfinden. Als Aufführungsort diente ein leer stehendes Geschäftsgebäude in der Bochumer Innenstadt (auf die vorher angedachte Nutzung von Live Musik verzichteten wir nicht aus künstlerischen, sondern aus organisatorischen Gründen!).

Ziel des Projektes war es, Jugendliche auf der Ebene von Körper – Sprache für das Thema Macht zu sensibilisieren und seine Komplexität sinnlich erfahrbar zu machen. Das Aufgreifen des Krankheitsbildes Magersucht sollte einen für Jugendliche ganz aktuellen Bezug herstellen, wohin Machtstreben im übersteigerten Maße führen kann und wie der eigene Körper dafür missbraucht wird: die Kontrolle über ihn zu erlangen. Indem die Darsteller in die emotionale Welt dieses Krankheitsbildes hineinspürten, veränderte sich auch ihre Wahrnehmung/ Perspektive auf vorherrschende gesellschaftliche Werte.

Zielgruppe der Zuschauer waren Jugendliche ab 14 Jahren. In den Rückmeldungen der Zuschauer zeigte sich jedoch, dass MachtMenschen! ein Stück von Jugendlichen aber keinesfalls nur für Jugendliche ist, sondern genug Stoff bietet für alle Interessierten von 14 bis 104!

 

Umsetzung

a) Vorbereitungsphase 1: September – Dezember 2004

b) Vorbereitungsphase 2: März bis Mai 2005

c) Probenphase: 3. Mai bis 29. Juni

d) Aufführungen: 30. Juni (Premiere)/ 2. und 3. Juli

 

Erfahrungen und Ergebnisse

Anzahl der Teilnehmer: Insgesamt 14 Darsteller: Jugendliche von 14 bis 18 Jahren/ 1 Darsteller: 28 Jahre (Der Chor wurde auch von Jugendlichen gespielt, nicht wie geplant von Kindern)

Erfahrung Motivation: Jugendliche sind für einen überschaubaren Zeitrahmen zu motivieren. In der Vorbereitungsphase hatten wir mit Motivationsschwierigkeiten zu kämpfen. Nicht alle Darsteller blieben „am Ball“. In der Probenphase war es umgekehrt: Motivation und Leistung der Darsteller überstiegen unsere Erwartungen bei weitem

Ergebnis Verantwortung: An die Darsteller wurde von uns ein hohes Maß an Selbstverantwortung/ Verantwortung für die Gruppe herangetragen. Wir vermittelten, dass sie für das Ergebnis des Stückes mit verantwortlich sind. Diese Arbeitsform ist mit Jugendlichen möglich, die grundsätzlich in der Lage sind, Verantwortung zu tragen. Beim nächsten Projekt werden wir das gründlicher kommunizieren, im Hinblick darauf, wer geeignete Fähigkeiten für eine solche Arbeit mitbringt. Als wichtig hat sich auch die Kommunikation mit den Eltern dargestellt (z.B. Probenaufwand „contra“ Schule).

 

Eine professionelle Dokumentation (DVD) wird noch erstellt. Weitere Aufführungen in Theatern und auf Festivals bis Ende 2006 und eventuell ein Jugendaustausch sind geplant. Das Ensemble bekommt ein regelmäßiges Grundlagentraining um bewegungs-/ schauspielerische Fähigkeiten auszubauen. Ein Probenraum ist im Jugendfreizeithaus Bochum Gerthe vorhanden, d. h. die Kooperation mit dem Förderverein besteht weiter.

 

 

5. Bahnhof Langendreer, Bochum - Odyssee – Kulturen der Welt

 

Rahmen

2005 verstanden sich die Konzerte und Werkstattgespräche im Rahmen von Odyssee – Kulturen der Welt als Bausteine im Brückenbau zwischen Orient und Okzident und als Beitrag zum Dialog zwischen Mehrheitsgesellschaft und (muslimischen) Eingewanderten.

Die drei Konzerte präsentierten den Sound des Bosporus, die beiden Werkstattgespräche fanden zum Thema „Islam“ statt. Zwei Abende, an denen es um Fragen ging wie: In welche Richtung läuft die Auseinandersetzung zwischen Rechts und Links, zwischen Christen und Moslems, zwischen Einheimischen und Zugewanderten? Sind wir am Beginn einer gefährlichen Polarisierung oder eines chancenreichen Klärungsprozesses?

Die Werkstattgespräche fanden zeitnah zu den Konzerten statt.

 

Veranstaltungsorte

Ziel bei der Auswahl der Orte war das Anliegen, ein Publikum anzusprechen, das ein breiteres Spektrum repräsentiert als das Publikum, das normalerweise im Bahnhof Langendreer anzutreffen ist. Eine der Veranstaltungen wurde im Haus der Geschichte des Ruhrgebiets, die andere in der Evangelischen Stadtakademie – beide in der Bochumer Stadtmitte – durchgeführt. Das Ziel, ein breites Publikum zu gewinnen, wurde in der Evangelischen Stadtakademie erreicht, die Veranstaltung dort war sehr gut besucht. Den Weg ins Haus der Geschichte fanden nicht ganz so viele Leute.

 

Die Referenten

Ludwig Ammann hat Islamwissenschaft, Literaturwissenschaft und Völkerkunde in Freiburg / Br. Studiert. Er ist Publizist und betreibt einen Filmverleih. 2004 erschien sein Buch Cola und Koran – Das Wagnis einer islamischen Renaissance sowie das gemeinsam mit Nilüfer Göle herausgegebene Sammelwerk Islam in Sicht. Der Auftritt von Muslimen im öffentlichen Raum.

Michael Lüders hat arabische Literatur in Damaskus und Islamwissenschaft, Politologie und Publizistik in Berlin studiert. Er war langjähriger Nahostredakteur der „ZEIT“ und schreibt aktuell für die „Frankfurter Rundschau“. Sein Arbeitsschwerpunkt liegt zur Zeit in der Nahostberatung für Wirtschaft und Politik. Der Autor mehrerer Bücher hat zuletzt Im Herzen Arabien – Begegnungen mit einer zerissenen Kultur im Herder Verlag veröffentlicht.

 

Die Themen

Islam in Sicht. Muslime in Deutschland und Europa.

Ludwig Ammann – 15. September 2005 – Haus der Geschichte des Ruhrgebiets

Ammann erläuterte die These, in Europa entstehe ein moderner Islam, in dem sich Tradition und Moderne miteinander verbinden. Entlang seiner Untersuchungen und Erfahrungen schilderte er die neuen, in Europa geborenen Generationen von Muslimen, die sowohl die Vision von Rückkehr als auch die Träume vollständiger Anpassung hinter sich gelassen haben. Sie seien auf dem Weg in eine Gesellschaft, in der sie am öffentlichen Leben teilnehmen wollen, ohne dieses allerdings bestimmen zu können. Sie beanspruchten Anerkennung für einen eigenen Lebensstil und Respekt vor dem kulturellen Anderssein. Dabei begegnen sie nicht nur Empfindlichkeiten der Mehrheitsgesellschaft, sondern auch solchen traditionsbewusster bis fundamentalistischer Muslime.

Ammen begegnete Einwänden, Europa werde „islamisiert“ mit differenzierten Argumenten. In seinen Ausführungen zu Islam „Islamismus“ und Terrorismus widerlegte er die Vorstellung des Islam als eines homogenen, fundamentalistischen Blocks.

 

Okzident trifft Orient – Gegen Hysterie und simplizistische Denkweisen

Michael Lüders – 27. September 2005 – Evangelische Stadtakademie

Nach Lüders Ausgangsthese reagiert hiesige Politik auf Terroranschläge wie die Ermordung des niederländischen Filmemachers von Gogh oder den Anschlägen in London überwiegend mit dem Ruf nach härteren Gesetzen. Muslime, die im Westen leben, müssten beinahe täglich erfahren, dass sie pauschal als Sicherheitsrisiko gelten und verschärft mit der Forderungen konfrontiert werden, ihre islamische Identität im Namen westlicher Zivilisation aufzugeben und vor allem sich öffentlich von denjenigen zu distanzieren, die solche Terrorakte ausführen.

Dem Ansinnen, Muslime kollektiv in Verantwortung zu nehmen für die Taten einiger weniger aus ihren Reihen, setzte Lüders den Anspruch entgegen, Ursachen, die ein gleichberechtigtes Miteinander problematisch machen, zu erforschen – und zwar auf beiden Seiten. Einen Anspruch, den er selbst an dem Abend äußerst spannend einlöste.

 

 

6. Brotfabrik Bonn - Memorybooks
Ein Theaterprojekt zum Thema "Erinnern und Vergessen"

 

Im Februar 2005 startete dieses Projekt für Jugendliche zwischen 15 und 18 Jahren und hatte im Oktober 2005 Premiere.

Das Thema - Mit Jugendlichen, die noch nicht auf lang zurückliegende Lebenszeiten zurückblicken, das Thema 'Erinnerungen' zu bearbeiten, weckte meine Neugier. Wenn Erinnerungen und Erfahrungen uns als Menschen prägen und ausmachen, was bedeuten sie dann für einen Menschen beim Übergang zum Erwachsenwerden?

Welche Erinnerungen sind wichtig, und warum? Woran erinnere ich mich gerne? Was möchte ich am liebsten vergessen? Welche Erinnerungen verberge ich?
Erinnerungen an die Kindheit, an Freunde, Großeltern, an schöne und traurige Ereignisse, etwas zum ersten mal tun, die neue Schule, Familienanekdoten, Gerüche, Bilder, Lieder,....aus all diesem Material wollten wir ein Stück entwickeln.
 
Zeitplanung - Start war Februar 2005. Unsere Probenzeiten umfassten sowohl wöchentliche Einzeltermine und Wochenenden in der Anfangsphase des Projektes und Intensivprobenwochen und -wochenenden in den Sommer- und Herbstferien.
Die häufigen und intensiven Probentermine forderten von den Teilnehmern viel Engagement und führten dazu, dass sich die Gruppenfindungsphase sehr lange hinzog. Es kamen immer wieder neue Interessenten dazu, die gerne einsteigen wollten, aber die Termine nicht einhalten konnten. So stand erst mit Beginn des 1. Probenwochenendes in den Sommerferien das Ensemble fest.

Die Spielerinnen - 6 Mädchen im Alter von 15 bis 19 Jahren. Die kleine Gruppengröße ermöglichte eine intensive gemeinsame Arbeit, beinhaltete aber auch immer wieder das Risiko, dass bei Krankheit o.ä. die Gruppe sofort sehr zusammenschrumpfte. Diese Tatsache verunsicherte die Spielerinnen anfangs sehr, bis sich über die Proben eine vertrauensvolle und verbindliche Basis für eine gemeinsame Theaterarbeit entwickelte.

Die Tatsache, dass nur Mädchen in der Gruppe waren wurde anfangs als Mangel empfunden, bot in der praktischen Arbeit dann aber die Möglichkeit gerade dies als Potential zu nutzen (Szene zum 1.BH, etc.)

Die Stückentwicklung - Der Beginn der Probenarbeit diente dem Zusammenwachsen der Gruppe und der autobiografischen Materialsammlung. Ausgangsmaterial/Themen für Improvisationen war z.B.:

-          was ich als Kind geliebt/gehasst habe

-          ein wichtiges Erinnerungsstück aus meiner Kindheit

-          Kinderlieder und Kinderfotos

-          Zeit/Zeitvergehen

-          etc.


Ein großer Geschichten und Ideenfundus war die gemeinsame Mittagspause an den Wochenenden und in den Probenwochen. Beim gemeinsamen Essen sprudelten, wie oft auch von Familienfesten bekannt, Anekdoten, Kindergeschichten, kleine Geheimnisse sowie schwere Erinnerungen durcheinander. Oft starteten wir von hier aus mit neuen Improvisationsideen in die Probe.
Bei all der Lebendigkeit und Leichtigkeit konnte sich innerhalb der Improvisationen auch eine Schwere bzw. Starre einstellen, wenn mit dem autobiografischen Material gearbeitet wurde. Die Tatsache keine Figur auf der Bühne zu verkörpern, sondern das Persönliche zu einer Geschichte für die Bühne zu machen, verunsicherte die Spielerinnen anfangs und ließ sie ihre Szenen in Frage stellen. Wir suchten nach Texten, Liedern, etc. die von außen Impulse gaben (hieraus entstand z.B. eine Szene in der Erinnerungen aus Briefen vorgelesen werden).

Der ständige Umgang mit den eigenen persönlichen Erinnerungen und denen der anderen Mitspielerinnen in einem so kleinen Ensemble bedeutete große Intensität und auch einen sehr aufmerksamen Umgang miteinander. Hierbei war die Phase, das Autobiografische zu Geschichten und Szenen für die Bühne zu nutzen und umzuarbeiten, der eigentliche Schritt zur Stückentwicklung.

Entstanden ist ein Theaterstück welches von der Lebendigkeit der Spielerinnen und ihrer Authentizität lebt und durch die Unterschiedlichkeit der Spielerinnen und ihre persönlichen Geschichten den Zuschauer berührt.

 

 

7. Förderverein Universum Bünde - Writing & Acting - Jugendliteraturwerkstatt

 

Ab dem 12. März trafen sich die Jugendlichen der Jugendliteratur Werkstatt wieder regelmäßig im Universum, um die im Vorjahr besprochene Theaterstückentwicklung zu beginnen.

 

Der TeilnehmerInnenkreis hatte sich nach eingehender Diskussion thematisch auf die Bearbeitung des Shakespearestückes: Romeo und Julia geeinigt. Das Stück sollte sich nur vom Thema auf die Vorlage beziehen und in die Gegenwart transformiert werden. Ein wesentliche Änderung wurde in den Rollenaufteilungen gesehen: Julia nicht das brave Mädchen sein, sondern der „Vamp“, Schülerin einer Hauptschule, sehr selbstständig, die sich als Bedienung in einem Cafè schon das Geld für ihren Lebensunterhalt dazu verdient. Der tragische Held Romeo dagegen, der etwas verschüchterte Schüler einer Internatsschule, Sohn aus besserem Haus , der sich in das Mädel verliebt. Hier war erst mal eine kleine Sozialstudie angesagt. Danach wurde mit Rollenspielübungen und der Textentwicklung begonnen, die von Norbert Horst und Peter Wanjek unterstützt und wenn nötig, korrigiert oder noch mal zur Diskussion in den „Arbeitskreis“ getragen wurde.

 

Daneben fand, angeleitet durch den Theaterpädagogen Friedrich Brünger, die handwerkliche Einführung in das Theaterspiel statt. Bei insgesamt 7 Treffen wurden die Textbausteine und Theaterszenen entwickelt und zusammengestellt.

 

Leider mußte die Arbeit an dem Stück erstmal unterbrochen werden, da drei der Teilnehmerinnen „erst mal mehr Zeit für die Schule“ brauchen. Das war zwar für die Weiterarbeit an dem Stück bedauerlich, aber in der Kürze der verbleibenden Zeit war kein Ersatz zu finden und einige der angesprochenen „Ersatzspielerinnen“ hatten auch „keinen Bock“ auf die Idee „Romeo und Julia“ zu bearbeiten. Hier wurde von allen die Entscheidung getroffen, das Stück erst mal „auf Eis zu legen“.

 

Danach wurde der nächste Schritt, nämlich eine Theaterwerkstatt, wie sie im Projektantrag 2005 vorgesehen war, vorzubereiten. Dazu trafen sich Peter Wanjek und Friedrich Brünger, um festzulegen, was für Jugendlich im Alter von 12 – 18 Jahren hierbei von Interesse seien könnte und was unabdingbar zum Grundstoff eines Workshops dazugehören mußte. Zu der erfolgreich angebotenen Theaterwerkstatt hat Friedrich Brünger einen Sachbericht geschrieben, der als Anlage beigefügt ist.

Im Übrigen haben sich die teilnehmenden Jugendlichen gegen eine öffentliche Aufführung der improvisierten Szene ausgesprochen, da sie es für sich selbst als „zu früh“ empfanden.

 

JuLit Homepage: Die Website der Jugendliteratur Werkstatt ist eingerichtet und im Netz. Das ist das erfreuliche Ergebnis der Diskussion der JuLit Teilnehmer und einer Gruppe von jugendlichen Schülern und Auszubildenden, die sich für das „Projekt im Projekt“ der Jugendliteraturwerkstatt Bünde gemeldet hatten.

Hier stand die sog. Technik im Vordergrund. Das bedeutete: die inhaltlichen Vorgaben wurden von der Jugendliteraturwerkstatt vorgegeben. Die Jugendlichen hatten die Aufgabe, diese in einer Homepage gestalterisch und technisch so umzusetzen, dass

1. die Homepage eine interessante und attraktive Form erhält, darüber hinaus eine einfache, überschaubare und schnelle Handhabbarkeit gewährleistet werden kann und dass die Homepage im Netz funktioniert.

Diese Vorgaben wurden von den Jugendlichen mit professioneller Unterstützung erfolgreich umgesetzt.

 

 

8. Depot e.V., Dortmund - Projekt „Sinnesrauschen“

 

Anläßlich des zehnjährigen Bestehens des Depot e.V. haben sich mehrere professionelle Künstler unterschiedlicher Sparten zusammen getan, um an einem Wochenende im Oktober 2005 ein gemeinsames Projekt zu initiieren und der Öffentlichkeit zu präsentieren.

Highlight war ein künstlerisch gestalteter Galaabend für ca. 150 Gäste. In verschiednen Räumen im Depot gab es außergewöhnliche künstlerische Angebote zu sehen. Ein Vier-Gänge-Menü stellte den kulinarischen Rahmen dar. Dabei waren die „Gänge“ durchaus wörtlich zu nehmen: Die Besucher wandelten von Gang zu Gang und Raum zu Raum und konnten so das Depot in seiner ganzen Vielfalt entdecken. Zum Speisen und Kommunizieren versammelte man sich in „Großfamilien“ an langen Tafeln in der großen Halle. Dazu gibt es Jazz, Theater, Literatur, Performances etc.

 

Eine Jubiläumslounge mit Lesungen, Musik, Performances und Gesprächsrunden sowie ein Familien-Nachbarschaftsfest mit einem bunten Programm aus Kinderkino, Zirkus und Malaktionen rundeten das Jubiläumsprogramm ab.

 

Es gab Berichterstattungen im Hörfunk und in der lokalen Presse. Wir haben äußerst positive Reaktionen von Besuchern erhalten, welche von der Vielzahl der Darbietungen und Sparten überrascht waren. Insgesamt konnten wir ca. 1500 Besucher verzeichnen.

 

 

9. Kulturbunker Bruckhausen, Duisburg – Der Stand der Dinge.Bruckhausen

 

LAST EXIT BRUCKHAUSEN

Ein Kunstprojekt erkundet den „Stand der Dinge“ in einem postindustriellen Vorort Duisburgs

Von Stefan Keim

 

Moderationsvorschlag

Duisburg-Bruckhausen ist ein Ort, der selten in unseren Kulturmagazinen vorkommt. Dabei stand dort bis in die vierziger Jahre des vorigen Jahrhunderts die größte Bühne der Stadt, das Apollo-Theater. Heute ist Bruckhausen ein Ort mit hoher Arbeitslosigkeit und über 50 Prozent nichtdeutschen Einwohnern. Dort haben nun die Fotografin Annette Jonak und einige Theatermacher ein Projekt gestartet, das von Bruckhausen handelt, den Problemen und den Träumen, dem Frust und den Chancen. Treffender Titel: „Der Stand der Dinge“. Stefan Keim über eine faszinierende Reise in die Realität.

 

Beitrag

O-Ton „Der Alsumer Berg ist heute begrünt, und früher befand sich unter dem Alsumer Berg der Stadtteil Alsum, der aber Ende der sechziger Jahre von heran rückendem Industriemüll verschluckt wurde.“ MD Track 7

Die Zuschauer wandern durch Bruckhausen, geführt von einem Schauspieler, der in dem Duisburger Vorort aufgewachsen ist. Die riesigen Bauten der Thyssen Krupp AG bestimmen das Bild der Stadt, aber darum geht es beim Stadtrundgang nur am Rande. Der Fremdenführer erzählt vom Leben der einfachen Leute, von einem Buchladen, in dem jetzt eine türkische Teestube ist, von Wohnhäusern, die im Bombenhagel des zweiten Weltkriegs zerstört wurden. Plötzlich klingt Musik zwischen Garagen hervor. Wo jetzt Autos geparkt werden, war früher das Apollo-Theater, eine riesige Operettenbühne.

 

Musik „Dein ist mein ganzes Herz“ mit Motorradlärm MD Track 9 / 2

 

Auf dem Dach einer Garage steht ein Theaterportal. Ein Mann und eine Frau spielen pantomimisch eine Verführungsszene zur Musik aus Franz Lehárs Schmalzschmonzette „Das Land des Lächelns“. Es war die letzte Operette, die im Apollo-Theater 1943 gespielt wurde. Dann kamen die Bomben. Der Librettist vom „Land des Lächelns“, berichtet der Fremdenführer, war längst in Auschwitz erschlagen worden. Motorräder knattern zur Operettenmusik. Während der Proben gab es keinen Strom. Die einzige Beleuchtung kam von den Scheinwerfern der Motorräder, die deshalb laufen mussten. Deshalb hat Regisseur Moritz Pankok sie in die Aufführung eingebaut – und damit eine hinreißend surreale Szenerie geschaffen.

O-Ton Pankok „Es hat sich rumgesprochen, dass wir hier Theater machen. (…) Wir sind, obwohl ich aus einer anderen Stadt komme, aus Mülheim, irgendwie ein Teil von Bruckhausen geworden, mit dieser Art zur arbeiten. Es ist nicht nur, dass wir dokumentarisch etwas aufzeichnen, sondern wir erzeugen auch eine Reaktion bei den Menschen hier. (…) Wir haben hier eine große Solidarität erfahren. (…) Überall wo ich etwas angetickt habe, bin ich auf eine positive Reaktion gestoßen. Und das in einem Stadtteil, der von außen betrachtet immer mit so vielen Vorurteilen behaftet ist.“ MD Track 4 / 4

Der Rundgang endet in einem Bunker. Kriegsgefangene haben ihn während der letzten Kriegsjahre gebaut, nun ist er renoviert und zum Kulturbunker umgestaltet worden. Dafür war noch Geld da, für ein regelmäßiges Programm gibt es keins mehr. Aber immerhin haben Stadt und Land nun das Projekt „Der Stand der Dinge“ finanziert, in Zusammenarbeit mit dem Verein Theorie und Praxis, der sich darauf spezialisiert hat, das Leben in – wie es politisch korrekt heißt – „Stadtteilen mit besonderem Erneuerungsbedarf“ zu erforschen.

O-Ton Schoppe „Alles was hier steht, ist 1895 ff. gebaut worden, als August Thyssen dieses Werk gebaut hat und den wunderschönen Satz gesagt hat zu den Bauern, es war ein Dorf: Ich möchte jetzt eure Äcker, später eure Söhne. Das ist ein ganz krasser Satz.“ MD Track 4 / 11

Christian Schoppe leitet mit Stefan Schroer das Projekt. Er hält Bruckhausen nicht für einen Sonderfall.

 

O-Ton Schoppe „Das ist ein gesellschaftlicher Prozess, Deindustrialisierung, der überall anders auch passiert, der hier aber besonders stark sichtbar ist. Die Migrationgeschichte (…) ist hier krasser. Man kann in Bruckhausen 50 Jahre leben ohne ein Wort deutsch zu sprechen. Die ganze Parallelgesellschaftsdebatte ist hier in einer Weise virulent, die ansonsten zwar medial vorhanden aber in anderen Stadtteilen nicht so sichtbar ist. Es ist kein Zufall, dass wenn in Frankreich Autos brennen, sofort der WDR ein Team los schickt, hierhin, und die stellen die Frage: Warum brennt hier nichts?“ MD Track 4 / 12

 

Musik „Roter Stein, schwarzer Rauch, der uns bumst. Guckma da, der Landschaftspark, Arbeitslosigkeit geputzt. Das Monster wächst, bis es bald mal stirbt. Ich wünschte Godzilla kommt, weil es beruhigend wirkt.“ MD Track 12

Aus Gesprächen mit Einwohnern Bruckhausens hat der Regisseur Moritz Pankok ein Theaterstück entwickelt. Zwei Theatergruppen und eine HipHop-Formation zeigen das Leben auf einem türkischen Markt, Annäherungen und Konflikte, Spannungen aber auch Momente lähmender Langeweile.

O-Ton Schoppe „Ich hab mit Kindern hier gesprochen, hier gibt´s nichts. Für eine Generation, die älter ist als sechs und jünger ist als 18 – und dann kann man glücklicherweise wegziehen- gibt´s hier nichts. (…) Diese Langweile finde ich kann man auch durchaus den Menschen, die hier hin kommen und sich dieses Stück ansehen, in gewisser Weise zumuten. Um diesen Ort wirklich zu erfahren als einen Ort, der einen großen Teil des Jahres leer ist.“ MD Track 4 / 9

Am Schluss rasten alle aus, zermatschen das Gemüse, zerschlagen die Holzkisten. Dann sagt eine Frau, jetzt müsse sie aber los und einen Antrag stellen. Und ein Butohtänzer, der vorher schon eine intensive Performance in einem mit schwarzer Asche ausgestreutem Ladenlokal gespielt hat, tritt auf mit einem entwurzelten Baum auf dem Rücken. Ein starkes Bild der Verlorenheit. Poetische und melancholische Bilder hat auch die Fotografin Annette Jonak in Bruckhausen gefunden.

O-Ton Jonak „Ich bin einfach los, bin erstmal die Straßen abgelaufen, mehrmals. Das führte dann dazu, dass mich Leute nach Hause bringen wollten, weil ich schon das zehnte Mal durch die Straße bin. Hab mir alles angeguckt, hab mir ein Bild von Bruckhausen gemacht, die anderen Teile des Projektes auch mitbekommen, hab Geschichten mitbekommen, mit Leuten gesprochen, hab daraus erstmal im Kopf Bilder geschaffen aus dem Material, das ich vorgefunden habe, aus den Kulissen, aus den Vorstellungen, aus allem, was ich mitbekommen hab.“ MD Track 4 / 5

Ein leuchtend gelbes Zelt in einem trostlosen Hinterhof, spielende Dalmatiner auf einer Wiese vor der Thyssen-Krupp-Verwaltung, verschwimmende Passanten in einer gruseligen Unterführung – Annette Jonaks Bilder überhöhen die Wirklichkeit, ohne sie zu verniedlichen. In der Fotoausstellung wie im Theaterstück gibt es viel Humor und auch Momente der Schönheit. Ohne die, sagt Christian Schoppe, wäre der „Stand der Dinge“ in Duisburg-Bruckhausen wohl kaum zu ertragen.

O-Ton Schoppe „Was hier wirklich krass ist, ist der Mangel an sinnlicher Herausforderung der Menschen, die hier leben. Die (…) sind wirklich draußen. Da gibt´s ein Büdchen, ne Bierverkaufsstelle, als übrig gebliebene Herausforderung. Und den Bierkauf als einziges, was eine Funktion ins Leben bringt.“ MD Track 4 / 10

Service:

Im März/April werden die Ergebnisse des Projektes „Der Stand der Dinge. Bruckhausen“ als Buch und CD veröffentlicht. Dann wird auch die Theaterproduktion noch einige Aufführungen haben. Die Fotoausstellung ist im Kulturbunker Bruckhausen zu sehen. Weitere Informationen: www.kulturbunker-bruckhausen.de

 

Inszenierung “Der Stand der Dinge”

Vorpremiere stand im Programm. Was tatsächlich am Samstag Abend, 7. Januar 2006 (wiederholt am nächsten Tag) über die Bühne und durch den Stadtteil ging, war eine Inszenierung vom “Feinsten”.

In Punkto Einladungen -behindert durch Proben bis zur letzten Minute- war es leider nicht ganz so gut gelaufen.

Das “Jahrhundertstück Bruckhausens” hätten einige Hundert Besucher mehr sehen müssen! Wir hoffen daher auf die nachfolgende große Premiere, auf das angekündigte Buch und die DVD.

“Bruckhausen - Der Stand der Dinge” war nicht nur künstlerische Bestandsaufnahme des Arbeitstadtteils - nach einem halben Jahr Projektvorlauf vom “Jungen Theater” perfekt umgesetzt - der Abend ließ vielmehr die staunenden Gäste in die “Ästhetik der sozialen Zerrissenheit” verbunden mit einer “Traumatmosphäre aus früheren Erlebniswelten” eintauchen. Zurück zum Kulturbunker, ”Tatort und Tatzeit ”: 18.00 Uhr. Die Besucher konnten sich auf 3 Stunden randvolles Kulturprogramm verbunden mit einer beeindruckenden Foto-Ausstellungseröffnung einstimmen. Anfangs stand man daher noch dicht gedrängt vor den großformatigen Bildern der Fotografin Anette Jonak, wie z.B. “der Matenatunnel” (in 60X80 cm). Der geneigte wie auch erschütterte Betrachter fühlte sich regelrecht hineingezogen! Schon war Jung und Alt, Zeitzeuge wie Zeitkritiker, in erste hitzige ortsteiltypische Gespräche verwickelt.

Dann folgte der Aufbruch in den “geschundenen Stadtteil” - erinnerten Macher, Regie und Dramaturgie!

Die inzwischen Zusammengekommenen aus Nah, aber wohl eher Fern, begleitet von Wunderkerzen schwingenden Bruckhauser Jugendlichen, pilgerten über die Reinerstraße, der ersten Performance im ehemaligen Tapetengeschäft Kiewitz (Edithstraße) entgegen.

Themen und Typen des “Phänomens Bruckhausen” überwältigend dar- und nachgestellt. Eine kurze Bemerkung Moritz Pankoks an mich, als den begleitenden (und im Vorfeld beratenden) EG DU Mitarbeiter, tat ein Übriges: “Lass dich mal überraschen!” Kaum hatte man sich auf der Straße zur Begehung weiterer Visionen und Wegmarken gesammelt, ergriff ein “Stellvertreter”, ein schauspielender Stadtteilführer die Initiative. Ich hörte mich ab nun quasi selbst reden.

“Stellen Sie sich vor - 1965 - Sie stehen vor Bruckhausens letzter Vollbuchhandlung. Unser damaliges Kulturzentrum. Inhaberwaren die Geschwister Ohlsen” - gleich hier links!” Jetzt scheinbar Internet-Café , Jugendclub oder Teestube. Hier war die Zeit seit über 40 Jahren stehen geblieben; entsprechend riskant gestaltete sich der Weg über morsche Holzbretter, dunkle Höfe und schmale Hintereingänge. Taschenlampen beleuchteten notdürftig eine pechschwarze und zudem noch eiskalte Nacht. Die lieber auf der Straße (vor dem Laden) gebliebenen Nachtwanderer erlebten erst eine zelebrierte Schaufensterenthüllung, dann den personifizierten “Geist Bruckhausens”;

beklemmend dargestellt durch japanische Butohtanzformen des Künstlers Harald Schulte. Eingerahmt von unwirklich gedämpften Licht-Klang-Kulissen konnte man so den Einstieg in die “phantastisch-real-morbide Stadtteilinszenierung” des Regisseurs Moritz Pankok finden.

Quälend wirkende Bewegungen des staubgrau geschminkten Tänzers assoziierten “Geschichts-Zeitlupen”. Dazwischen die gebannten Blicke der Besucher. Verstummen inzwischen auch bei den neugierigen Jugendlichen von der Teestube nebenan. Allerdings schauten einzelne nach über 30 Minuten auch schon mal auf die Uhr - aber wenn man eine Vorahnung von der noch folgendem Inszenierungskette gehabt hätte...?!

“Darüber wohnte unsere kleine, schüchterne Mitschülerin. Weiter, dort hinter den Thyssen-Hochöfen, (Hälse reckten sich in die Dunkelheit)...am Ende des Matenatunnels (nicht das Licht, sondern...) fand 1962 der Untergang des Nachbarstadtteils Alsum statt. Letztes Abrisshaus: Die Gaststätte “Zur Hoffnung”. Der Wirt hieß Stahl und...Rohre der Werksanlagen waren durch einige Häuser verlegt worden.”

“Ach ja, schräg vor Ihnen war seinerzeit die Kneipe “Alte Wache”. Die Theatergäste schauten sich verwundert wie schmunzelnd an. Dann der Wink Richtung Hausecke.

“Hier, an der Bayreuther-, Ecke Kaiser-Wilhelm-Straße - dort bei den 50er-Jahre Werkswohnungen - rückt irgendwann auch der Bagger an”.

Noch ahnte keiner, was sich Minuten später anbahnte: “Meine Damen und Herren, jetzt kommen wir zum Höhepunkt: Hier stand das Große Haus, die Oper der Stadt Hamborn, auch Apollotheater genannt.” “Neben der ehemaligen Villa des Intendanten, hier links, müssen Sie sich das Foyer und den imposanten Aufgang zum Bühnensaal vorstellen.” Andächtig schritt man weiter. Jeder konnte denken, er steht nun “mitten drin” - in der Phantomoper! “Nicht zu vergessen”, wieder erhob sich das Megaphon des Fremdenführers, “die Schneise des alles zerstörenden Bombenteppichs vom Dezember 1943”. Nun gut;...bzw. schlecht, die konnte man sich im Vergleich: Altbau - Nachkriegsneubau

sicher vorstellen.

Dann die eigentliche Überraschung! Scheinwerfer flackerten uns entgegen, zeigten in den dunklen, in Hochofenrichtung orangeroten,

Himmel. Es ertönten nun aber keine Luftschutzsirenen, dafür - langsam anschwellend bis auf “Blockbuster-Lautstärke” - erklingt aus dem fernen Land der Operette Franz Lehar! “Du bist man ganzes Herz, wo du nicht bist, kann ich nicht sein”, schallt es uns und halb

Bruckhausen entgegen. Am Ende des großen, ehemaligen Theatergrundstücks; exakt hinter Orchestergrabenhöhe auf einem Garagendach, erhob sich vor den inzwischen unvermeidlich “tränenden Augen” die nach gebaute Apollo-Bühne! Es war kaum zu fassen! Wie damals nach der Schicht auf dem Weg ins ”Land des Lächelns”! Bruckhausens Musentempel, einschließlich Ensemble - von roten Vorhängen eingerahmt, war wieder auferstanden!

Jetzt ja nicht aufhören! Die Gäste klatschten sich die Hände wund. Was zum Ausklang die Nacht in einen gespenstischen Nebel hüllte, waren dann noch die Auspuffgase des “scheinwerferlichtgebenden” Mopedclubs! Ungewollt drängten sich Erinnerungsgerüche auf: Fliegender Wechsel in die 50er Jahre? Nein, doch nicht. Man stand inzwischen, nur Schritte weiter, auf dem Theater-Tiefbunker und konnte sich den folgenden Spätnachrichten von Kriegsgefangenen hier, Granateinschlägen da und Tod des Operettenlibrettisten im KZ - wohl zeitgleich mit dem damaligen Untergang von “Hamborns Apollo-Herrlichkeit” nicht entziehen.

 

Wieder im Kultur-Bunkersaal angekommen, empfing uns die “ernüchternde Abrechnung mit der Gegenwart”. “Guten Tag, Edelgard K. mein Name” begrüßte eine geschult smart wirkende Ortsteilmanagerin jeden einzelnen eintretenden Gast.(Verwechslungen mit echten Personen nicht gewollt...?!) Dazu gesellten sich weitere Protagonisten von “Multi-Kulti-Casa”. Der ganze Innenraum war Ortsteil-Marktplatz; ein Hipp-Hopper, ein junger Türke, Stahlwerks-Manager und ein Herr M., bekannt vom “Runden Tisch” sowie Gabi von der EG DU, wie immer nur “Baumscheiben” im Sinn und (heute mal) ein Bonsai-Bäumchen auf dem Schoß. “Das war nie unser Marktplatz! Der war auf dem Wilhelmplatz an der Kirche!” Rentner M. vom Runden Tisch legte sich nun heftig ins Zeug - fast wie sonst auch. Unser Stadtteilführer von vorhin hatte inzwischen gekonnt seine Rolle gewechselt. Nach den aufgezeichneten Interviews penibel zitiert, redete dieser alte, junge Herr nun bis zum Ende des Abends ungebremst weiter. So kannte jeder Leben, Berufsweg und Standpunkte:

“Von der Zone rüber gekommen” bis zum (Markt-) Stand der Probleme.

Eingerahmt von weiteren Diskussionen um fremde Gebräuche, Moscheen und dem “höchstpersönlichen Auftrag” zum finalen sozio- und multikulturellen Ortsteilzentrum. Edelgard K. traf auf Manager Dr. Stahl, dieser auf Herrn M. - fertig war die virtuelle TKS Werksbesichtigung

zwischen Walzstraße und “Werkschutz-Grünwall”. Moritz Pankok zauberte inzwischen mittels 16mm Filmprojektion eine flimmernde Vorzeige-Arbeitswelt der Werktätigen darüber. Dazwischen -langsam genervt- wieder Gabi: “Meine Baumscheibe...Mensch Kinder...

meine Baumscheibe.” Dann Edelgard K. zwischen Marktstandhektik und Fitnesscenter: “Moment, habe M... am Apparat!” (Ähnlichkeiten mit lebenden Ortsteilakteuren nicht beabsichtigt?!)

Wie das Ganze endete?

Obstkisten samt Inhalt - der ganze schöne Marktstand: Zerstört von den ausgerasteten Akteuren! Also, Aufräumen! Morgen noch einmal! Das reale, zukünftige Finale in Bruckhausen wird wohl glücklicherweise nicht so dramatisch (hoffe ich).

 

 

10. Farbfieber e.V., Düsseldorf – Immer an der Wand lang

 

3 Projekte wurden 2005 zusammen mit der Sprayerszene und Kindern der Jugendeinrichtung Icklack realisiert.Mit den Sprayern und Kindern wurden in 2 intensiven Workshops die Grundlagen von Wandmalerei, Maltechnik Gestaltung und Inhalten vermittelt.

1. 2005 "Das Tor zu Flingern", Düsseldorf, Ackerstr.59
Künstler: Klaus Klinger, Majobrothers, Benni Noack Paola Ramirez

Das Tor zu Flingern - Flingern, Arbeiterviertel und multikulturell, im Wandel der Zeiten. Berühmt durch seine Fußballmannschaft Fortuna Düsseldorf, auch wenn sie gerade drittklassig ist, berüchtigt durch Figuren wie "der Vampir von Düsseldorf" (Peter Kürten, Massenmörder in den 30zigern Jahren) oder Graf Mocca von Tonelli" (Hellweg-Gang mit Robin Hood Image in der Nachkriegszeit). Die Firma Henkel hatte ihre Anfänge in Flingern und wurde wegen Geruchsbelästigung und aus Umweltschutzgründen nach Holthausen vertrieben und nicht zuletzt die Kiefernstrasse, damals berühmt durch Hausbesetzungen und Polizeirazzien. Heute ist Flingern im Umbruch, viele Fabriken haben zugemacht und die Arbeitslosigkeit steigt. Dafür kommen Yuppies, die Automeile, Spaßbad und viele Künstler.

Die Hauswand wurde von der Familie Buchwald zur Verfügung gestellt, die in dem Haus lange ein Frisörgeschäft hatten und Flingerer Urgestein sind.

 

2. 2005 "Ordnung muss sein" oder "Erwin City"
Graffitiprojekt mit Düsseldorfern Sprayern an der 17 Meter langen Mauer. Düsseldorf Aktuell: Thema ist der zunehmende Ordnungs -und Sauberkeitswahn unseres Oberbürgermeisters und die stetig wachsende Anzahl seiner Ersatzpolizei im Kampf gegen Graffiti, Obdachlose, Strassenmusiker und nicht angeleinte Hunde.

 

3. Begegnungen

2005 Altenheim Haus Rosmarin, Rosmarinstr., Düsseldorf

Künstler: ausländische und deutsche Kinder der Freizeiteinrichtung IcklacK, Klaus Klinger und Sabine Breier

 

Das von dem Atelier Icklack (Sabine Breier) und Klaus Klinger angeleitete Projekt trägt den Titel „Kinder-Comix“. Die Kinder erzählen Geschichten wie in einem Comic: Verschiedene Einzelbider auf einer Wand ergeben eine Geschichte. Die Grundidee ist, das in dem Stadtteil Flingern in vielen verschiedenen Orten kleine Geschichten von den Kindern gemalt werden.

Das 24 Meter lange Bild ist jetzt am Altenheim Haus Rosmarin entstanden. Die Kinder dachten sich eine Geschichte aus, die aus einem Konflikt heraus, ein Zusammentreffen von Jung und Alt und eine positive Botschaft für ein Miteinander Leben hat. Während der arbeit an der Wand kamen die Senioren öfters aus dem Haus zu Besuch und die Fertigstellung des Bildes wurde mit einem gemeinsamen Kaffee/Kakao trinken im Altenheim gefeiert.

 

 

11. zakk, Düsseldorf - Slam Specials oder: Die „Poesieschlacht auf Abwegen“

 

Der Poetry Slam im zakk gehört zu den ältesten und anerkanntesten Poetry Slams im deutschsprachigen Raum und ist dadurch auch zu einem unverzichtbaren Element der Literaturförderung in Düsseldorf geworden. Wie auch schon im letzten Jahr möchten wir neue Dichter und ein noch größeres Publikum erreichen, indem wir unseren Poetry Slam in andere Einrichtungen schicken und so die bekannte und beliebte Dichterschlacht anderen Orts veranstalten. Für dieses Projekt hat das zakk einen Antrag auf Förderung durch die LAG Soziokultur gestellt und auch erhalten.

 

Netzwerke und Schulen

Ein Großteil der Vernetzung erfolgt heute über das Internet, also durch homepages, websites und newsletter via E-Mail. Auf der Poetry Website unserer Moderatoren www.poesieschlacht.de erfährt man alles über den Slam im zakk. Man kann alle Slam Termine abrufen, Fotos der Gewinner sehen, eine Nachwuchsseite für den Kinderslam und genaue Details über die Moderatoren Pamela Granderath & Markim Pause finden. Sie erhalten Informationen zu anderen Poetry Slam Veranstaltungen und natürlich eine Kontakt-Mailadresse zu den MC’s.

 

Poesieschlacht-auf-abwegen

Die Poesieschlacht-auf-abwegen fand an drei unterschiedlichen Orten und zu unterschiedlichen Gegebenheiten statt. So konnten wir den Slam auf Abwegen in den rheinischen Kliniken, dem Hofgarten (einem sehr zentralgelegenen Park) und im neu entstandenen IHZ Park in Düsseldorf Oberbilk veranstalten.

Zu Beginn des Jahres haben wir unseren ersten Slam auf Abwegen in die Rheinischen Kliniken in Düsseldorf Gerresheim geschickt. Durch eine enge Kooperation mit den Veranstaltern „Kultur in der Klinik“ war es unser Ziel neben den Slammern aus dem „zakk“ auch Slammer aus der Klinik zu gewinnen. Leider war die Herausforderung für die Patienten noch zu hoch. Für uns war der Slam sehr arbeitsintensiv: Das Team „Kultur in der Klinik“ mußte uns auf die vielen alltäglichen Lebensrhythmen in der Klinik hinweisen und einführen. Die Anfangszeit wurde dementsprechend aus Rücksicht auf die Patienten auf 18.30 Uhr gelegt; so konnten sie ihre Mahlzeit auf der Gruppe einnehmen und dort auch wieder pünktlich zur Nachtruhe sein. Die Veranstaltung war in unseren Augen von den Örtlichkeiten und von der Anfangszeit eine der schwierigsten. Dennoch haben wir es geschafft - trotz starkem Regen - ca. 70 Gäste in die Räumlichkeiten der Klinik zu bekommen.

Ein weiterer Slam auf Abwegen kam spontan doch wieder auf Abwegen ins zakk. Ein Wolkenbruch und „orkanartige“ Stürme machten es uns unmöglich, den Slam im neu gewonnenen IHZ Park zu veranstalten. Der Wolkenbruch 15 Minuten vor Veranstaltung hat uns leider auch einige Besucher verprellt. So saßen wir dann mit vier Slammern und ca. 40 Gästen in der zakk Kneipe.

Die Planungen wurden inhaltlich unterstützt von dem Stadtteilbüro Oberbilk, das den Kunstverein „Werksetzen e.V.“ vorher in einem Oberbilker Kindergarten einsetzte. Dort wurde die Dekoration für die „Veranstaltung im Park“ gemacht. Die Kinder malten Fahnen, welche auf Bambusstangen den „Veranstaltungsraum“ dekorierten.

Einen wichtigen Punkt haben wir bei diesem Slam erreicht: Durch die frühe Anfangszeit und den „rauchfreien“ Park haben wir den Kindern der Poesieschlachtabacht, die wir angeschrieben und eingeladen haben, die Möglichkeit gegeben, mit Ihren Eltern und Freunden gemeinsam zuzuschauen, mitzumachen oder einfach einmal neue Anregungen zu sammeln. Immerhin haben zwei Kinder bei dem Slam-auf-Abwegen mitgemacht und Ihre Texte dem Publikum vorgestellt.

Die für das Jahr 2005 letzte Poesieschlacht veranstalten wir bei strahlendem Sonnenschein im Hofgarten (Stadtmitte Düsseldorf) im Pavillon. Auf einem Sonntagnachmittag konnten wir ca. 250 bis 300 Gäste zum Zuhören der Veranstaltung gewinnen. Die Parkbesucher nutzen die Örtlichkeit, um zu verweilen und zu lauschen. Dieses Format der Poesieschlacht bietet sich für Spaziergänger und Parkbesucher an. Aber auch die Slammer konnten von dem Ambiente überzeugt werden; so sprachen uns Kinder und Jugendliche an, ob sie auch kleine Gedichte, Geschichten und Texte vortragen dürfen.

 

Die Poesieschlachtabacht

Der so genannte Kinderslam in Kooperation mit dem Libelle Magazin hat sich zu einer festen Institution im zakk entwickelt und ist nicht mehr wegzudenken. Die letzten Veranstaltungen waren mit jeweils 14 Slamkindern und ca. 70 Gästen hervorragend besucht. Die Kinder im Alter von 8 bis 14 Jahren werden in zwei Altersgruppen eingeteilt und das Publikum bewertet durch „Applaus“ die Texte und das Vortragen der zwei Altersgruppen. Ein eigentlicher Gewinner wird nicht wirklich gekürt, hier sind alle mitmachenden Kinder die Gewinner! Die Texte der Slamkinder und ihre Arbeit werden von Autoren unterstützt und begleitet. Pamela Granderath steht den Kindern auch neben ihre Moderation zur Verfügung und unterstützt sie durch Tips beim Schreiben. Aber auch Autoren wie Frank Schablewski und Alexa Hennig von Lange unterstützen die Kinder mit Ihrem Wissen.

 

Und wie geht’s weiter?

Die Veranstaltungsformate werden in der stehenden Form weitergeführt. Die Erschließung von neuem Publikum und teilnehmenden Slammern hat sich als positiv erwiesen und die Förderung von Nachwuchsautoren sehen wir als eine wichtige Aufgabe für das zakk und für die Stadt Düsseldorf an.

Durch die Arbeit mit den 8 bis 14-Jährigen hat sich für das nächste Jahr noch eine weitere Veranstaltung in das zakk Programm geschlichen: der Slam für die 14- bis 20-Jährigen. So haben uns die 14-Jährigen in diesem Jahr angesprochen, wo sie denn im nächsten Jahr „hingehen“ sollen und ob wir mit Ihnen nicht ein neues Format veranstalten möchten. Unter den derzeitigen Arbeitstitel „Zwischenruf“ planen wir mindestens zwei Veranstaltungen mit den Jugendlichen im Bereich Slam Poetry. Parallel dazu sollen auch weiterhin Workshops und Autoren den Kindern und Jugendlichen zur Seite stehen.

 

 

12. KABAWIL e.V., Düsseldorf - Hungryfeet.de on Tour – Trainingsfahrt nach „Meck-Pom“

 

Gleich zu Beginn der Sommerferien fuhren mit einem Bus nach Mecklenburg Vorpommern. Unser Ziel war Neu Sammit, ein kleines (wirklich klein! 7 Häuser) Dorf direkt an einem See gelegen. Wir wohnten in einem evangelischen Jugendgästeheim und waren dort mit unseren 30 Tänzern und den Begleitern (2 Projektleiter, Schauspieler, Praktikantinnen und eine Mutter, die im Ehrenamt die Küche führte) Selbstversorger. Das bedeutete natürlich Dienste, Dienste ... neben dem Tanzen versteht sich! Der Tagesablauf war hart für viele Jugendliche. Es waren ja Ferien!

Um 7 Uhr wecken, 8 Uhr Frühstück, 9 – 12 Uhr Training, Mittagspause, 15 – 19 Uhr Training (wir hatten sehr viel Glück mit dem Wetter, es schien durchgehend die Sonne, dadurch war es aber auch mittags sehr heiß), Abendessen und danach meist Beachvolleyball Turniere, bis man den Ball nicht mehr sah.

An einem Tag machten wir nachmittags für 5 Stunden eine Kanutour, wir hatten 10 Boote (Kanadier) und einen Führer und los gings. Viele waren völlig outdoor unerfahren und hatten etliche Vorbehalte um nicht zu sagen Angst. Gerade unsere afrikanisch - deutschen Jugendlichen genierten sich sehr in die Boote zu steigen, ein ausgewachsener 19 Jähriger meinte, da gäbe es doch bestimmt wilde Tiere im Wasser! Was war das für eine tolle Erfahrung für Alle. Das Wasser, die Weite, die Stille und dann der Sonnenuntergang auf dem Rückweg. Wir waren natürlich auch Baden und im samtweichen Wasser vergaß man die Angst vor den wilden Tieren.

Im Vergleich zur Stille der Kanufahrt war der Geräuschpegel beim Training sehr hoch. Um die Anwohner und Feriengäste für ihr Verständnis zu belohnen oder um Verständnis zu wecken, organisierten wir kurzerhand eine Vorstellung für das ganze Dorf. Nach dem Begrüßungscocktail gab es eine Kurzeinführung in das Projekt und dann wurde getanzt und gespielt. Verwunderung bis Begeisterung und vor allem Respekt für das tägliche Training waren das Feedback der Zuschauer.

Sonntagnachmittag traten wir auf der Kurpromenade in Krakow am See auf. Nach einem dänischen Orchester, das klassische Musik spielte. Wir tanzten auf einer künstlichen Insel aus Holz, die man über einen Steg vom Ufer aus betrat. Das Publikum bestand aus ca 100 Senioren und Seniorinnen, die dort einen geruhsamen Sonntag verbrachten. Ja welch ein Kontrastprogramm, in jeder Hinsicht. Die „bunten“ deutschen Stadtkinder und die gesetzten, gutbürgerlichen, älteren Sommerurlauber. Und dann die Musik. Wir hatten unsere transportable Anlage mitgebracht, damit man auch laut genug Beschallen konnte. Nach einem Warming Up fürs Publikum begann der Auftritt. Nach 15 Minuten Tanzdarbietung wippten alle mit. Die Zugabe wurde mit stürmischem Applaus begrüßt und dann wurde für die Tänzer gesammelt (auf Initiative vom Publikum hin). Hier trafen wirklich Welten aufeinander, Vorurteile wurden abgebaut und alle hatten ihren Spaß.

Am letzten Abend hatten wir im nahe gelegenen Linstow, in der Van der Falk Urlaubsresidenz, einem 5 Sterne Hotel, die Vorführung eines Teilstückes von hungryfeet.de organisiert. Richtige Bühne, Riesensaal und elegant gekleidete Menschen. Die Darstellung dauerte 40 Minuten und die Jugendlichen bekamen vorher Snacks serviert in ihren „Künstlergarderoben“. Sie wuchsen sichtlich mit dieser Erfahrung. Applaus gab es natürlich auch!

Am nächsten Morgen ging es früh, nach wenig Schlaf zurück nach Hause. Sie hatten viel gelernt, ihre Vorurteile und Ängste wurden nicht bestätigt (im Osten gibt’s doch Fachos, warum müssen wir denn dahin..) ja und Rentnern und wilden Tieren waren sie auch begegnet und sie waren als Gruppe wieder wesentlich stärker geworden! Ziel erreicht! (Teilziel ).

 

 

13. Stroetmanns Fabrik, Emsdetten - „Nachtschicht – Dokumentationsfilmprojekt mit Kindern“

 

Unter dem Motto „Nachtschicht“ konzipierten und drehten Kinder einen Dokumentarfilm über unterschiedlichste Lebensbereiche ihrer Stadt bei Nacht. Zwei Kindergruppen filmten in vier Nächten an insgesamt 16 Drehorten. Überall wurden die Menschen, die nachts noch arbeiteten oder aktiv waren, interviewt. Zu den Drehorten gehörten u.a. eine Gießerei, die Polizeiwache, eine Taxizentrale, eine Apotheke, eine Gaststätte, ein Altenwohnheim, ein Logistikcenter, ein Hotel, eine Bäckerei, eine Diskothek und natürlich die städtische Feuerwache.

 

Jeder Projekttag begann mit einer Regiebesprechung. Die Kinder entwickelten im Planungsgespräch Interviewfragen und bereiteten den Dreh inhaltlich vor. Einen großen Stellenwert nahm dabei das Einüben der Interviewsituationen ein. Wichtige Regeln mussten gelernt werden: Drei Sekunden nach dem Regieruf „Kamera läuft“ durfte erst eine Frage gestellt werden, damit es beim Schnitt später keine Probleme gab! „Niemals in die Kamera gucken!“ und „Laut und deutlich fragen!“ waren weitere Regeln. Die interviewenden Kinder sollten die Chefs sein und mussten den Menschen vor Ort die Angst vor der Kamera nehmen, indem sie selbst keine hatten!

Alle Kinder haben sich innerhalb kürzester Zeit zu engagierten Fragestellern entwickelt. Die Ausnahmesituation, als Kind bei Nacht der fragende Chef zu sein, machte selbst den schüchternsten Teilnehmern ausreichend Mut.

Nach der anstrengenden Vorbereitungsphase „…welche Frage stellen wir einem Gießer?“ wurden bei einem anschließenden Arbeitsessen weitere Detailfragen geklärt und die Spannung auf die Nacht wuchs.

Die Drehorte wurden in einem Bus angefahren. Während der Fahrt übten die Kinder ihre Fragen, es gab Möglichkeit zur Nachbesprechung und Entspannung zwischen den Drehs.

Nach den vier Drehnächten wurde an zwei Tagen der Film geschnitten und vertont. Hierbei wurde von den Kindern noch einmal viel Geduld und Konzentration gefordert. Sie erlebten, wie aufwendig und mühsam es ist, aus 20 Stunden Drehmaterial einen 45 Minuten Film zu schneiden.

Gleich am ersten Drehtag war allen Beteiligten klar geworden, dass man sich viel zu viel vorgenommen hatte. Jeder Drehort war so faszinierend, dass Material für einen ganzen Film zur Verfügung gestanden hätte.

Das Abenteuer der Nacht kam als zusätzlicher „Katalysator“ hinzu, war aber nicht, wie eigentlich geplant, das Hauptthema. Anfangs versuchten die Erwachsenen, die Fragen der Kinder auf die Nacht zu lenken, es zeigte sich aber immer wieder, dass die Drehorte das Thema waren und die Nacht die Drehorte nur noch einmal zu etwas Besonderem machte.

Das Projekt war für alle Beteiligten ein Riesenerfolg. Das wichtigste war für alle Kinder das lange Aufbleiben. Es ist Erwachsenenprivileg, es ist verboten, es ist toll! Nachts durch die Straßen zu laufen, wenn alle schlafen; ein einmaliges, leicht gruseliges aber faszinierendes Erlebnis für alle Kinder.

Ein weiterer wichtiger Aspekt war die Rolle der Filmemacher, die die Kinder einnahmen. Sie stellten die Fragen, sie entschieden, welche Szenen herausgeschnitten oder übernommen wurden. Die Kinder merkten schnell, wie nervös die Erwachsenen wurden, wenn es an den Drehorten hieß „Kamera läuft“. Das gab ihnen selbst eine große Sicherheit und Selbstbewusstsein. Über die Faszination an der Sache wuchsen die Kinder zum Teil über sich selbst hinaus.

Durch den großen Arbeitsaufwand und die natürlich eintretende Müdigkeit wurden Kinder und Betreuer zu einem echten Arbeitsteam. Wie schon in früheren Projekten beobachtet, gab es zwischen Erwachsenen und Kindern keinerlei Disziplinprobleme oder Notwendigkeiten, „pädagogisch“ tätig zu werden. Hierfür war der Projektinhalt viel zu spannend und der gemeinsame Wunsch, den Film fertig zu stellen, viel zu wichtig. Nachdem alle erkannt hatten, wie viel Arbeit vor der Gruppe lag, stand tatsächlich an einigen Tagen die Frage im Raum, ob bis zur Premiere überhaupt irgendein brauchbares Ergebnis zustande kommen könnte. Die Kinder spürten, dass auch den Erwachsenen die Arbeit über den Kopf wuchs und die Gruppe entwickelte großen Zusammenhalt und Ehrgeiz, das Projekt zu einem Erfolg werden zu lassen.

Vor dem Premiereabend wurden die möglichen Reaktionen der Zuschauer thematisiert. Was den Filmemachern als einmalig und spannend erschien, konnte schließlich für das TV verwöhnte Publikum nichts Besonderes mehr sein. Durch die Notwendigkeit, den Film auf 45 Minuten zu begrenzen, musste viel herausgeschnitten werden. Was bei den Kindern als Notwendigkeit erkannt und akzeptiert wurde, konnte bei den beteiligten Firmen u.U. zu Enttäuschungen führen. In diesem Gespräch wurde das gesamte Thema „Dokumentation“ noch einmal behandelt. Den Kindern wurde deutlich, welchen Gestaltungsspielraum sie bei der Zusammenstellung ihres Films hatten und wie schwer es ist, Wesentliches zu erkennen und sich auch von Szenen, an die man die schönsten Erinnerungen hat, zugunsten des Gesamtfilmes zu trennen.

Am Premierenabend kamen schließlich über 500 Besucher. Neben den Familien und Freunden der Projektkinder natürlich auch die Interviewpartner, ihre Kollegen und viele Firmeninhaber. Die Reaktionen waren von allen Seiten positiv. Viele Eltern schilderten die große Begeisterung der Kinder, die nach den nächtlichen Drehterminen ihre Eltern weckten und erst alles Erlebte im Detail berichten mussten, bevor an Schlafen zu denken war.

In einem Unternehmen, das regelmäßig Firmenführungen anbietet, wird der Film nun sogar als Einstieg gezeigt. Der Bürgermeister erhielt einige Kopien, die er als Gastgeschenk und zur Selbstdarstellung der Stadt an Besucher verschenkt. So ist unser Projekt nicht nur aus soziokultureller und medien-/kulturpädagogischer Sicht erfolgreich gewesen, sondern hat außerdem zum Stadtmarketing und Wirtschaftsförderung beigetragen.

 

 

14. Grend Kulturzentrum, Essen - Auf die Koffer, fertig los! - Eine spielerische Rundreise durch Europa

 

Vom 8. bis 19. August 2005 fand ein von Steffen Russler konzipiertes Europaprojekt im Rahmen

des Kinderkultursommers des Werkstatt Bildungswerks Essen e.V. im Kulturzentrum

Grend mit über 80 Kindern im Alter zwischen 6 und 11 Jahren statt. Ziel dieses Projektes war

es, die kulturelle Diversität in Europa aufzuzeigen und die Kinder neugierig auf andere Länder,

deren Sitten und Eigenarten zu machen, um so den Grundstein für eine weltoffene Lebenseinstellung

zu schaffen.

Ausgangslage für das Projekt - Bei der Planung des Kinderkultursommers 2005 waren zwei Ereignisse für die Themenfindung ausschlaggebend. Dieses ist zum einen die Osterweiterung der EU im Mai 2004 gewesen, welche deutlich gemacht hat, dass Europa (zumindest politisch) weiter zusammenwächst und somit, bedingt durch das Schengener Abkommen bzw. den Vertrag von Amsterdam, auch in den einzelnen Mitgliedstaaten der EU Multikulturalität alltäglicher wird. Das zweite Ereignis war die Europawahl am 13. Juli 2004, welche gezeigt hat, dass das Interesse der Bevölkerung an übernationalen Themen nach wie vor gering ist (Wahlbeteiligung bei 43 % im Vergleich der letzten Bundestagswahl (2002) mit 79 %). Das Scheitern der EU-Verfassung an den Referenden in Frankreich und den Niederlanden bestätigte, dass es eine Diskrepanz zwischen dem politischen Engagement für ein vereintes Europa und der (emotionalen) Involviertheit der EU-Bürger gibt. Vor diesem Hintergrund ist die Idee entstanden, ein Projekt zu initiieren, welches den Weg zu globalem Denken und Weltoffenheit dadurch bereiten soll, dass bei den Teilnehmern des Projekts Interesse und Faszination an der Welt außerhalb ihres alltäglichen Erfahrungshorizonts geweckt wird.

 

Multikulturalität und Toleranz - Die Zielsetzung des Projekts ist in erster Linie demnach nicht die Vermittlung von Sachwissen über Europa gewesen, sondern vielmehr wurde eine positive Einstellungsveränderung bei den Kindern angestrebt. Die Haupt-Message lautete somit: Europa macht Spaß! Hierbei steht Europa, bzw. die für das Projekt ausgewählten Länder nur stellvertretend für alle anderen Länder und Kulturen innerhalb und außerhalb Europas. Ablehnende Haltungen gegenüber andersartigen Kulturen oder Gemeinschaften beruhen unseres Erachtens vornehmlich auf dem Gefühl der Fremdheit bzw. in einem zweiten Schritt auf negativen Assoziationen. Bei Kindern im Grundschulter kann noch eher davon ausgegangen werden, dass die Vorstellungen, welche von anderen Kulturen / Ländern vorhanden sind, noch nicht negativ geprägt sind. Hier setzt das Projekt an, in dem versucht wird, das Fremdheitsgefühl zu reduzieren und positive Assoziationen zu vermitteln. Dazu soll kindliche Neugier gefördert und Interesse an anderen Kulturen geweckt werden, um so Fremdheitsgefühlen später einmal statt mit Ablehnung mit Faszination und Entdeckungsfreudigkeit begegnen zu können. Im Idealfall ist Andersartigkeit dann ein Grund, aufeinander zuzugehen, anstatt sich abzugrenzen.

Die Begrenzung und die Auswahl auf 5 europäische Länder pro Woche bot hierfür einen geeigneten Rahmen, wobei bei der Auswahl der Länder Wert darauf gelegt wurde, jeweils eines aus Süd-, Ost-, West-, Nord- und Mitteleuropa mit aufzunehmen, um eine gute Mischung an Ländern/ Regionen zu repräsentieren. EU-Zugehörigkeit spielte bei der Auswahl übrigens keine Rolle.

 

Pädagogische Grundhaltung - Da es sich bei dem Kinderkultursommer um ein Ferienprogramm für Kinder handelt, sollte es in erste Linie Spaß für die Kinder vermitteln. Lernen fand somit im Rahmen dieses Projekts nonformal statt.

Kirchhöfer unterscheidet diese Form des Lernens in der Freizeit noch einmal in informelles Lernen und beiläufiges Lernen. Ziel des Projektes war es hauptsächlich beiläufiges Lernen zu initiieren, d.h. daß die Teilnehmer, während sie an den verschiedenen Projektaktivitäten teilnahmen sozusagen „ganz nebenbei“ etwas gelernt haben, z.T. ohne dass es ihnen bewußt geworden ist. Dieser Ansatz deckt sich sowohl mit dem Ziel, eine positive Einstellung zu anderen Ländern und Kulturen zu vermitteln, da wir die Kinder hierfür hauptsächlich emotional statt kognitiv ansprechen mußten, als auch zu dem lerntheoretischen Hintergrund dieses Projektes, welches einen Konstruktivistischen Lernansatz verfolgte. Hierfür galt es eine Lernumgebung zu gestalten, die den Teilnehmern Anreize bietet, ihr Konstrukt von der Welt, Europa, einzelnen Ländern, aber auch ihrem Verständnis davon, wie mit Andersartigkeit und Fremdheit umgegangen werden kann, neu aufzubauen oder zu verändern. Was dieses Projekt von anderen Projekten unterscheidet, ist der Aufwand und die Tiefe

mit der die Inszenierung dieser Lernumgebung stattgefunden hat. Das Ziel war es, zum einen kindgerecht, zum anderen aber auch möglichst authentisch eine Reise in verschiedene Länder zu simulieren.

 

Die Inszenierung - Die Lerninhalte waren dabei in eine Rahmengeschichte eingebetet, in der Konrad das Koffermonster, welches in einem Koffer in einer Gepäckaufbewahrungsstelle lebt, beschließt, die Länder, aus denen die anderen Koffer um ihn herum kommen, einmal selbst zu bereisen. Allerdings vergißt er seinen Freund mitzunehmen und so reist dieser – ebenfalls ein Monster – hinterher, immer auf der Suche nach seinem Freund Konrad dem Koffermonster. Die Kinder des Kinderkultursommers

reisten auf diese Weise an der Seite dieses Freundes durch die ausgewählte Länder Europas und beteiligen sich an der Monsterjagd. Diese Grundidee wurde mit folgenden Elementen umgesetzt:

 

1. Theaterspiel - Die Geschichte um Konrad dem Koffermonster und seinem blauen Freund wurde zu Beginn der Woche als Bühnenshow vorgespielt. Hierzu wurde für Konrad das Koffermonster eine ca. 80 cm große Handpuppe angefertigt, sowie ein Ganzkörperkostüm für seinen blauen Monsterfreund. Die Bühne wurde als Gepäcklager gestaltet und dekoriert. Als kleiner Zaubertrick wurde der Koffer, in dem Konrad lebt, bei seinem Abgang von einem Kofferträger rausgetragen, so dass nicht ersichtlich wurde, dass es sich hierbei um eine Handpuppe handelt. Am Ende der Woche kamen sowohl Konrad als auch sein blauer Freund wieder zurück und so wurde das Wiedersehen ebenfalls auf der Bühne vorgespielt.

2. Videobotschaften - Um die Geschichte lebendig zu erhalten, wurden regelmäßig kurze Videobotschaften über einem Beamer vorgeführt, in denen das blaue Monster sich aus den einzelnen Ländern meldete und somit bekannt gab, in welches Land die Kinder auf ihrer Suche nach Konrad reisen würden. Die Videobotschaften boten außerdem schon einmal Gelegenheit, einen ersten Eindruck von dem Land zu vermitteln (Hintergründe, Motive, Tätigkeiten) und Besonderheiten des Landes vorzustellen (z.B. in Schweden das „Jedermannsrecht“ oder Loch Ness in Schottland).

Aufnahmen wurden u.a. auf dem Düsseldorfer Flughafen gedreht, im Zoo Duisburg (Rentiere für Schweden), in der Innenstadt von Venlo, sowie auf Burgen, Schiffen, Feldern, Höfen u.ä. Am letzten Tag wurde die Bühnenshow ebenfalls mit einer Videobotschaft eingeleitet, in der das Monster erst am Essener Bahnhof mit dem Zug ankam dann abgeholt wurde und just, als im Video gezeigt wurde, wie es in den Veranstaltungsraum hineingeht, betritt das „echte“ Monster den Raum.

3. Gespiele Reiseberichte - Im Anschluss an die Videobotschaften wurden zu Beginn eines neuen Landes Reiseberichte von ein oder zwei Mitarbeitern vorgetragen. Hierbei wurden die Kinder animiert, Handlungen und Aktionen, die in den Reiseberichten vorkamen, nach zu spielen. Auf diese Weise konnten spielerisch einige erste Informationen über das Land vermittelt werden (z.B. in Österreich Bergsteigen und Skifahren, in Irland Schafe knuddeln und Regenschirm aufspannen). Synchron hierzu wurden Fotos aus dem jeweiligen Land über die Beamerprojektion dargeboten. In diesen Reiseberichte kamen jeweils auch Vokabeln aus dem Land vor (z.B. Guten Tag oder Danke), so dass die Landessprache mit vorgestellt wurde.

4. Postkarten: Nachricht von Konrad - Wenn man auf Monsterjagd geht, dann braucht man auch Spuren und Hinweise. Aus jedem Land, welches die Kinder bereisten, erhielt jede der vier Aktionsgruppen eine Postkarte. Auf den Postkarten war jeweils eine Nachricht von Konrad an die Gruppe, in denen er etwas über seine Reisen und seine Abenteuer in dem jeweiligen Land berichtete. Hier wurde viel wert auf Authentizität gelegt: Dank vielfältiger internationaler Kontakte kamen alle Postkarten aus dem jeweiligen Land, d.h. Briefmarke und Poststempel waren echt. Lediglich die Nachricht wurde nachträglich auf die Postkarten geschrieben.

5. Der Koch: Kulinarisches auf die Hand - Zur Mitte eines jeden Blocks ging ein Koch durch die Gruppen und brachte eine kleine Köstlichkeit aus dem jeweiligen Land, um auch die kulinarischen Aspekte des Reisens zu vermitteln. In Österreich waren es beispielsweise Mozartkugeln, in Schweden Knäckebrot und Schwedische Haferflockenkekse, und in den Niederlanden Maigouda, „belegen“ Gouda sowie zwei Jahre gereiften Gouda.

6. Das Lied zum Projekt - Passend zu dem Projekt wurde ein Lied von Gerhard Schöne („Hallo und Guten Tag“) umgedichtet und zum Tagesende sowie bei der Elternpräsentation mit den Kindern gemeinsam gesungen. Das Besondere an dem Lied ist, dass es die Grußformel „G uten

Tag“ in den verschiedenen Sprachen enthält und so nach jedem bereisten Land eine neue Strophe dazu kam.

 

Reisevorbereitungen - Neben den inszenatorischen Elementen, in denen bereits vieles über Europa eingearbeitet war, gab es natürlich noch viele weitere Möglichkeiten, sich mit Europa und den einzelnen Ländern auseinander zusetzen. Zu Beginn der Woche wurden erst einmal vier Reisegruppen á 9-11 Kinder gebildet, in denen erste Kennenlern- und Teambuildingspiele stattfanden und mit denen es dann in die einzelnen Gruppen ging. Montag Vormittag wurden so in den ca. 25 minütigen Rotationsgruppen die Reisevorbereitung für den Europa-Tripp getroffen. Die Kinder bastelten sich dort zunächst einen Reisepass, in dem natürlich ein Passfoto nicht fehlen durfte, und den die Kinder in den anderen Rotationsgruppen mit Passnummer, Nationalität und Wohnort vervollständigen konnten. Der Reisepass erhielt im späteren Projektverlauf die selbe Funktion, wie ein echter Reisepass: Bei Einreise in ein neues Land erhielt er einen neuen Stempel, jeweils mit dem Aufdruck „Willkommen in ...“ in der jeweiligen Landesprache des bereisten Landes. Geld brauch man natürlich auch, wenn man verreisen möchte, und so ging es in der zweiten Rotationsgruppe um den Euro in Form eines Euro-Tausch-Spiels weiter. In der dritten Gruppe konnten die Kinder ihr Wissen über Europa in einem Quiz testen und in der letzten Gruppe schließlich galt es, aus Teppich-Puzzle-Teilen, eine 4 mal 6 Meter große Europakarte zusammenzulegen.

 

Die Aktionsgruppen - Trotz aufwendiger Rahmeninszenierung liegt der Schwerpunkt des Kinderkultursommers nach wie vor auf der Projektarbeit. Die Kinder reisten zunächst mit ihren

Reiseleitern nacheinander in jede der vier Projektgruppen, bevor sie sich zur Mitte der Woche für eine Gruppe entscheiden konnten, in denen sie den Rest der Woche verbringen wollten. Die Projektgruppen waren so konzipiert, dass sie jeweils passende Angebote zu den Ländern anboten, in denen die Kinder sich gerade aufhielten.

1. Kunst und Handwerk - Ob Buchbinden in Island oder Korbflechten in Rumänien oder wie einst Vincent van Gogh einmal auf einer echten Leinwand malen: Hier konnten die Kinder unter großen Materialaufwand selber ausprobieren, was in den Ländern hergestellt oder künstlerisch geschaffen

wird.

Im Wahlprojekt der ersten Woche errichteten die Kinder einen Österreicherischen Kunst- und Handwerksmarkt, den sie auf der Elternpräsentation den Eltern stolz zeigten. In der zweiten

Woche zum Thema Schweden schufen die Kinder ein eigenes Halma-Spiel (welches

übrigens seinen Ursprung in Schweden hat), wobei sie die Spielfiguren selber aus Ton modellieren, und das Spielfeld mit Stofffarbe auf einen Spielfläche aufmalten. Außerdem zeigte die Gruppe auf der Elternpräsentation noch ein Pipi Langstrumpf-Memory, bei dem die K nder einmal selbst die Memory Karten waren.

2. Musik - In der Musikgruppe sollte den Kindern Musik aus den einzelnen Ländern vorgestellt werden oder alternativ von Interpreten aus diesen Ländern. Allerdings wurden hier i.d.R. nicht auf Volksmusik und Folklore zurückgegriffen, sondern entweder auf Lieder, welche die Kinder bereits aus dem Radio kennen konnten, oder auf Musikstile, welche dem Musikgeschmack Jugendlicher nahe kommt, also eher Rock und Pop Musik. Mit Abba und Roxette aus Schweden, Falco und DJ Ötzi aus Österreich oder Peter Maffay (Rumänien) und Desire (Frankreich) wurde so versucht, Kinder über die Musik für Europa zu begeistern. Darüber hinaus konnten die Kinder einen Text zu einer bekannten Melodie über die Eigenarten des jeweiligen

Landes schreiben, welches später gesungen und aufgezeichnet wurde. Alle Lieder einer Woche wurden letztlich auf eine CD gebrannt und den Eltern auf der Abschlußveranstaltung angeboten. Natürlich wurde in der Musikgruppe nicht nur gesungen, sondern auch musiziert. Hierzu standen verschiedene Instrumente von einfachen Rhythmusinstrumenten über Gitarre, Keyboard und Klavier bis hin zu landestypischen Instrumenten wie ein Akkordeon

oder Kastagnetten zur Verfügung. Für die Elternpräsentation wurde in dem Wahlprojekt jeweils ein Musical entworfen, einstudiert und letztendlich vor Publikum aufgeführt.

Hier spielten auch Theaterelemente eine große Rolle wozu ebenfalls - dank eines reichhaltigen Kostümfundus – das Verkleiden zählte, sowie die Gestaltung des Bühnenbildes.

3. Sport und Spiele - Die Sportgruppe hatte sich zum Ziel gesetzt, Sportarten aus den einzelnen Ländern vorzustellen und nachzuspielen. Sei es bei der Tour de Franc e, bei einem nachgestellten Winterpentathlon in Island, Wasser- und Strandspiele in Spanien oder bei den Worldgames, bei denen die Polen in den Disziplinen Sumo-Ringen und Fliegenfischen besonders gut abgeschnitten hatten... Besonderer Höhepunkte waren in der ersten Woche die Highlandgames, bei denen

die Kinder von einem Schotten in den Disziplinen Baumstammwurf, Heusackwerfen, Gummistiefel- und Steinweitwurf, Schubkarrenrennen und Tauziehen herausgefordert wurden, und in der zweiten Woche das Guinnessbuch der Rekorde, welches bekanntlich aus Irland kommt. Hier sollten die Kinder versuchen, verschiedene Rekorde als Gruppenleistung zuüberbieten.

Im Wahlprojekt der ersten Woche (Österreich) fuhren die Kinder schließlich zum Alpenverein in den Kletterpütt Helene um wie echte Bergsteiger zu klettern und sich abzuseilen. Die Kanutour, welche für die zweite Woche zum Thema Schweden geplant war, mußte leider wegen Hochwassers der Ruhr ausfallen. Statt dessen ging es wegen des schönen Wetters in das nahegelegene Freibad. Für die Elternpräsentation hatte die Sportgruppe schließlich eine gespielte Geschichte mit den sportlichen Ereignissen der vorangegangenen Woche vorbereitet, welche die Kinder für die Eltern auf der Bühne vorspielten.

4. Architektur - In der Architekturgruppe konnte die Kinder Papiermodelle von bedeutenden oder typischen Bauwerken aus den bereisten Ländern nachbauen, z.B. ein englisches Reihenhaus, eine niederländische Windmühle, eine gotische Kirche aus Irland oder einen isländischen Bauernhof. Anders als bei der Kunst & Handwerksgruppe stand bei der Architekturgruppe das gemeinsame Bauen der gesamten Gruppe an einem gemeinsamen Objekt im Vordergrund. Um entsprechend große Modelle bauen zu können, wurden die Model lvorlagen (dank des Kösener Kopierservice) zuvor auf Din A 0 vergrößert und auf Karton oder aber im Wettstreit gegeneinander versuchen konnten, den höchsten, freistehenden Turm aus Legosteinen zu bauen. Im Wahlprojekt der ersten Woche wurde der Österreicher Architekt und Künstler Friedensreich Hundertwasser als Vorbild genommen, einen Durchgang am Außengelände des Kulturzentrums Grend neu zu gestalten. Zuvor hatten die Kindern die Möglichkeit, mit einem am Lehrstuhl von Prof. J. Fromme (Universität Magdeburg) entwickelten Computerprogramm die typischen Elementen der Hundertwasserarchitekt im Rahmen des Malprogramm weiter kennen zu lernen und damit ein eigenes Hundertwasserhaus zu malen. In der zweiten Woche (Schweden) bauten die Kinder mit Säge und Hammer einen Wegweiser zu ihren Europäischen Lieblingsstädten, der vor dem Kulturzentrum Grend aufgestellt wurde. Außerdem bauten Sie eine Blockhütte, die in den für Schweden typischen Farben bemalt wurde.

 

Vertiefung von Lerninhalten - Der wichtigste Faktor für eine Erfolgssicherung waren in erster Linie die Arbeit in den Gruppen selber, da hier der Rahmen gegeben war, individuell auf Kinder einzugehen. Zu Beginn einer neuen Ländergruppe wurde dort noch einmal auf das Land eingegangen und beispielsweise auf der Weltkarte lokalisieren. Hierbei wurde noch einmal überprüft, ob den Kindern bewusst war, in welchem Land sie sich (virtuell) gerade befanden. Außerdem konnten hier aktionsgruppenbezogene Informationen über das Land vermittelt werden (z.B. Fotos von rumänischen Klöstern und Kirchen für die Architekturgruppe) und so ein Bezug zwischen der Aufgabe und dem Land hergestellt werden. Gemäß vorrangigem Ziel, eine positive Einstellung bzw. Interesse an Europa zu vermitteln, wurden für die weitere Beschäftigung mit bestimmten

Ländern und Themen ein Europa-Info-Raum eingerichtet. Nach Kirchhöfer kann beiläufiges Lernen zu informellem (also bewusstem, selbstgesteuertem) Lernen werden, wenn das beiläufige Lernen reflektiert wird. Hierzu sollte mit dem Europa -Info-Raum die Möglichkeit gegeben werden, so daß die Kinder in ihrer Mittagspause die Wahl hatten, sich im Europa-Info-Raum weiter mit dem Thema Europa zu beschäftigen, oder lieber im Ruheraum Brettspiele zu spielen oder zu malen, in einem

dritten Raum an Bewegungsspielen teilzunehmen. Der Europa-Info-Raum wurde so mit Info-Wandtafeln zu den bereisten Ländern ausgestattet. Außerdem gab es dort einen Fundus von über 30 Büchern, den die Stadtbücherei Magdeburg projektbezogen mit kindgerechter Literatur zu den

Themen Europa oder einzelnen Ländern zusammengestellt hatte. Außerdem wurden im Europa-Info-Raum Reisevideos von den am Vormittag bereisten Ländern gezeigt sowie dazu passende nationale Radioprogramme in der jeweiligen Landesprache als Hintergrunduntermalung wiedergegeben, welche zuvor aus dem Internet aufgezeichnet wurden. Außerdem stellte das Essener Jugendinformationszentrum drei Rechner zur Verfügung, so dass die Kinder auch interaktiv recherchieren konnten. Neben zwei Multimedia-Enzyklopädien, standen den Kindern hier das Hundertwasser-Mal-Program (nur 1. Woche), ausgewählte Webseiten (im Offlinemodus) zum

Thema Europa sowie - passend zu den Ländern-Reise-CD-ROMs zur Verfügung. Alle anderen Programme einschließlich Spiele wurde jedoch vom Rechner entfernt.

 

Reflexion - Am Ende eines jeden Vor- bzw. Nachmittagsblocks kamen die Kinder noch einmal aus den einzelnen Aktionsgruppen zusammen, und konnten darüber erzählen, was sie dort erlebt hatten. Da jede Gruppe stets etwas anderes gemacht, bzw. auch eine andere Postkarte von Konrad erhalten hatte, bekamen die anderen Kinder hierdurch einen Gesamtüberblick von dem Projekt. Zum anderen wurde dabei ein Ritual geschaffen, welches die Kinder dazu ermutigte, von ihren Erlebnissen zu berichten und dabei ihr Handeln zu reflektieren. Besonders wichtig für die Reflexion war natürlich der Projektabschluss. Am letzten Tag wurde deshalb mit der gespielten Geschichte noch einmal die gesamte Woche durchlebt. Auch Konrad brachte am letzten Tag Fotos von seinen Reisen mit, auf denen er natürlich auch selbst zu sehen war. Anschließend war Zeit, in den einzelnen Gruppen Abschied zu nehmen und die Kinder konnte eine Postkarte an sich oder ihre Eltern schreiben, welche jedoch erst zwei Wochen später verschickt wurde.

 

Die Elternpräsentation - Beim Kinderkultursommer im Grend ist es Tradition, Ergebnisse der Projektwochen den Eltern, Freunden oder Verwandten am letzten Tag vorzuführen. Auch wenn in diesem Jahr die Konzeption des Projekt eher prozessorientiert ausgerichtet war, gab es doch eine Menge zu zeigen und zu präsentieren. In der ersten Woche wurde zunächst ein Rundgang über den österreichischen Handwerksmarkt sowie eine Hundertwasserführung angeboten, während in der zweiten Woche ausschließlich Bühnenprogramm gezeigt wurde. Hier stellte die Kunst und Handwerksgruppe die niederländischen Gemälde im Veranstaltungsraum mit aus und zeigt das Pippi Langstrumpf-Memory, während die Architekturgruppe die Papier-Modelle versteigerte. Die Musikgruppe zeigt ihr Musical und die Sportgruppe präsentierte ihr Actionprogramm im Rahmen einer gespielten Geschichte. Außerdem wurden das umgeschriebene Gerhard Schöne Lied mit vorgesungen und ein Tanz gezeigt, er die ganze Woche über immer mal wieder getanzt worden war. Schließlich wurde ein Film mit Mitschnitten aus dem

Projektverlauf vorgeführt.

 

Dokumentation -Wie in den Jahren zuvor wurde auch dieser Kinderkultursommer sehr aufwendig dokumentiert.

Neben den CD´s mit den selbstgeschriebenen Liedern der Musikgruppe stehen den Eltern pro Woche knapp 1500 Fotos zur Verfügung. Außerdem wurde ein Film erstellt, der den Eltern bei der Abschlusspräsentation in einer ersten Version gezeigt werden konnte.

 

Das Team - Konzipiert und geplant wurde das Projekt von Dipl.-Soz.-Päd. Steffen Russler, wissenschaftlicher Mitarbeiter der Otto-von-Guericke Universität und freiberuflich tätig im Bereich Theater-, Medien- und Freizeitpädagogik.

Unterstützt wurde er von einem pädagogischen Team, welches für die Konzeption und Durchführung der Aktionsgruppen zuständig war:

Zusätzlich gab es noch ein studentisches Team mit Kim Helmstorff, Anne Rumohr, Anna Michalik, Kerstin Wetzel, die als Reiseleiter fungierten sowie die Betreuung des Ruhe- , Bewegungs- und Europa-Info-Raums während der Mittagspause übernahmen. Für die Foto- und Videodokumentation wurden zwei Mitarbeiter über ProInternational gewonnen: Elena Grebkina und Victor Aspidov aus Russland, mit dem Leitgedanken, den Kindern Multikulturalität nicht nur zu zeigen sondern auch vorzuleben. Da Victor über keine Deutschkenntnisse verfügte, mussten sich die Kinder mit ihm auf Englisch oder durch Gestikulieren verständigen. In der zweiten Woche wurde die Videodokumentation von Matthias Soundso übernommen.

 

Fazit und Ausblick - Das Projekt kann als voller Erfolg gewertet werden, da das Feedback der Kinder als auch der Eltern ausschließlich positiv war. Das angestrebte Lernziel, ein positives Grundgefühl zu Europa bzw. anderen Kulturen zu vermitteln, ist voll erfüllt worden, was nicht zuletzt in dem immensen Arbeitseinsatz begründet ist, mit dem die Teammitglieder dieses Konzept umsetzten. Für einen flächendeckenden Einsatz bzw. eine Adaption des Konzepts für Schulprojektwochen ließen sich hieraus jedoch Modulbausteine für spätere Projekte sowie entsprechende Materialien erarbeiten.

 

 

15. Kulturzentrum Pelmke – Hagen - Herz und Hirn – Ein Projekt des Kulturzentrum Pelmke in Kooperation mit der Gesamtschule Haspe

 

Das Projekt war eine Kooperation des Kulturzentrums Pelmke und einer 10. Klasse der Gesamtschule Haspe und der Hagener Musikinitiative „hagenrocks.de“.

Im Rahmen des Projektes sollte die Möglichkeit von Rockmusik thematisiert werden, aktiv am gesellschaftlichen und sozialen Prozess teilzunehmen oder gar einzugreifen, bzw. in welchem gesellschaftlichen Kontext sich heute grosse der Teile der Musikszene bewegen.

 

Projektverlauf:

-                      Vortrag von Martin Büsser: „Wie klingt die neue Mitte“ vormittags mit SchülerInnen und abends als offene Veranstaltung mit rund 40 BesucherInnen (beides im Kulturzentrum)

-                      Vortrag Tobias Staiger: RechtsRock vormittags mit SchülerInnen (Kulturzentrum)

-                      Weitere inhaltliche Arbeit im Unterricht

-                      Dokumentarfilm über eine mexikanische Ska-Band von Sarah Möckel /Stefan Schulte vormittags mit SchülerInnen (Kulturzentrum)

-                      2 Konzerte mit deutschsprachigen Bands am 7.10. & 29.10.05 (Kulturzentrum) Zu den Konzerten waren die SchülerInnen der Projektwoche eingeladen. Beide waren mit insgesamt 350 meist jungen Leuten gut besucht.

-                      Teile der Aktivitäten wurden in Kooperation mit der Kraftstation Remscheid (dort lief ein thematisch ähnliches Projekt) filmisch dokumentiert. Die DVD wird demnächst vorliegen.

 

 

Das Projekt „Herz und Hirn“ in der letzten Septemberwoche des Jahres 2005 ist aus Sicht der Gesamtschule Haspe sehr erfolgreich gewesen. Dies soll hier in Bezug auf einige Aspekte verdeutlicht werden.

 

1. Die Schüler haben am Montag sehr intensiv an Rocktexten unterschiedlicher politischer Richtungen gearbeitet. Dabei wurden die Texte, die sonst vor allem konsumiert werden, einer genauen Analyse unterzogen. Deutlich wurde den Schülerinnen und Schüler dabei, dass Musiktexte Inhalte transportieren, die oft nur unbewusst, dafür aber umso tiefer aufgenommen werden. Die Schülerinnen und Schüler haben dabei Grundbegriffe der Analyse kennen gelernt. Sie haben gelernt, das Ziel, das Musikgruppen mit bestimmten Texten verfolgen, und die Strategie, mit der sie dies tun, herauszuarbeiten. Dabei zeigte sich, dass Musiktexte ihre Botschaften manchmal ganz raffiniert vermitteln.

2. Am Dienstag haben die Schülerinnen und Schüler einen Vortrag von Martin Büsser in der Pelmke gehört und mit ihm diskutiert. Das teilweise hohe Niveau des komplexen Vortrags war nicht ganz einfach, aber doch wurden die Schülerinnen und Schüler zum Nachdenken angeregt.

3. Am Mittwoch haben die Schülerinnen und Schüler sich dann mit Kunst im Nationalsozialismus beschäftigt: Wie wurde Kunst dort zum Transport politischer Inhalte benutzt?

4. Am Donnerstag war für die Schüler der Höhepunkt der Woche: Der Vortrag von Tobias Staiger zu rechter Rockmusik war sowohl sprachlich als auch inhaltlich sehr schülernah. Tobias Staiger hat mit Musik- und Textbeispielen sehr lebendig die verschiedenen Phasen rechter Musik dargestellt. Die Schülerinnen und Schüler haben sich lebhaft beteiligt und viel mitgenommen, wie die geschriebenen Berichte und das Gespräch in der Schule zeigten.

Nach dem Vortrag haben die Schülerinnen und Schüler einen Film über die Musikgruppe panteon rococo von Stefan Schulte und Sarah Möckel gesehen. Sarah Möckel gab eine Einführung. Auch dies kam bei den Schülerinnen und Schüler sehr gut an.

5. Am Freitag wurden die Ergebnisse der Woche zusammengefasst und die Methode der Analyse von Musiktexten vertieft, und zwar sowohl an Texten, die sie selbst mitgebracht haben als auch an vorgegeben Texten. Bei der Auseinandersetzung mit den Texten rechter Rockmusik wurde deutlich, dass kritische Distanz dazu nicht selbstverständlich ist und dass junge Menschen nicht allein schon deswegen immun gegen die Beeinflussung durch rechte Musik sind, dass es immer wieder Thema in der Schule ist.

 

Insgesamt kann gesagt werden, dass das Projekt sehr erfolgreich verlaufen ist und eine große Sensibilisierung der Schülerinnen und Schüler für Musiktexte gebracht hat. Was vorher nur konsumiert worden ist, wurde nun bewusster gehört. Die Schülerinnen und Schüler haben gelernt, nach den Zielen von Musikgruppen zu fragen und die Strategien und sprachlichen Mittel zu erkennen, mit denen sie ihr Ziel zu erreichen versuchen. Ein Indiz für die Sensibilisierung der Schülerinnen und Schüler für die Gefahr rechter Einstellungen war die große kritische Aufmerksamkeit, die sie einem Überfall von Naziskins auf die Musikgruppe panteon rococo entgegenbrachten, der kurze Zeit nach dem Projekt geschah.

Das Projekt ist bei den Schülerinnen und Schüler sehr gut angekommen und sollte nach Möglichkeit wiederholt werden.

Die Zusammenarbeit zwischen Schule und Kulturzentrum hat sich als sehr erfolgreich erwiesen. So ist geplant, auch in Zukunft zu verschiedenen Themen zu kooperieren (Infoveranstaltungen, Lesungen, Konzerte, Kino).

 

 

16. Kulturzenrum Pelmke - Musikprojekt „Fetter Jazz“ im Hebst 2005

 

Im Rahmen des Projektes wurden die folgenden Veranstaltungen geplant und durchgeführt:

08.09.05 Konzert frei improvisierte Musik

03.11.05 Konzert Echo At Once mit anschließender Session

10.11.05 Konzert Diswojdas Orkiestra (D/Pl)

01.12.05 Session.

 

Auf das Projekt wurde im Vorfeld in der örtlichen Presse in Mitteilungen über das monatliche Jazzcafé im Kulturzentrum Pelmke hingewiesen. Im Jazzcafé wurde im Einzelnen über das Projekt informiert, mit JazzhörerInnen und MusikerInnen diskutiert und Anregungen ausgetauscht. Es stellte sich

heraus, dass es in Hagen keine geeignete Rhythmusgruppe für die beabsichtigten Sessions gab, in der Öffentlichkeit kein Nachwuchsensemble mit modernem Jazzprogramm bekannt und in Jazzkonzerten Musikerinnen kaum zu erleben waren.

Der Hagener Musiker Martin Verborg erklärte sich jedoch bereit, die Verantwortung für die Durchführung von zwei Sessions zu übernehmen. Das Nachwuchsensemble Echo At Once entschied, sein erstes Konzert im Kulturzentrum Pelmke zu geben und anschließend als Session-Band zur Verfügung zu stehen. Mitglieder des Ensembles komplettierten auch die Session-Band am 1.12. Durch Vermittlung des in Hagen arbeitenden Musikers Ludger Schmidt konnte das deutsch-polnische Diswojdas Orkiestra unter der

Leitung von Katrin Mickiewicz mit zahlreichen Musikerinnen engagiert werden. Im Rahmen des Projektes übernahmen Einzelne auch organisatorische Aufgaben wie die Verteilung von Plakaten, den Verkauf von Eintrittskarten und Cateringaufgaben.

 

Das Konzert frei improvisierter Musik stellte mit den in Hagen lebenden bzw. arbeitenden Musikern Martin Verborg und Ludger Schmidt Jazz lokaler experimentierfreudiger und hochklassiger Musiker vor. Das Konzert wurde ausführlich und positiv in der westfälischen Rundschau vom 10.09.2005 rezensiert.

 

Das Konzert der in Hagen probenden und teilweise auch in Hagen lebenden Nachwuchsband „Echo At Once“ machte mit der hohen Besucherzahl von etwa 70 das Interesse an jungen, lokalen Ensembles deutlich. Die sich an das Konzert anschließende Session vermittelte einen ersten Eindruck, wie eine

Session mit den am Projekt Interessierten ablaufen könnte. Es stieg an diesem Abend nur ein Schlagzeuger kurzfristig ein, die Bandmitglieder waren über das offene Zusammenspiel mit Martin Verborg jedoch begeistert und die Session zeigte auch beim Publikum eine gute Resonanz.

 

Das „Diswojdas Orkiestra“ wurde vom Jazzwerkruhr als hochklassiges regionales Nachwuchsensemble mit einem Förderpreis ausgezeichnet. Über das Konzert entstand ein Kontakt zum Jazzwerkruhr, der sich im Jahr 2006 zu einer Zusammenarbeit mit dem Jazzwerkruhr entwickeln kann. In die abschließende

Session am 1.12. stiegen vier Musiker ein, auch diese Veranstaltung wurde von MusikerInnen und Publikum sehr positiv aufgenommen.

 

Aus dem Projekt ist eine zur Zeit noch lose Gruppe hervorgegangen, die Erfahrungen in Planung und Durchführung von Jazzkonzerten und Jazzsessions in Hagen gesammelt hat. Aufgrund des Interesses für und der positiven Resonanz auf alle Veranstaltungen des Projektes soll die Arbeit fortgesetzt werden und Veranstaltungen mit lokalem Bezug einen festen Platz erhalten. Aus dem Kontakt mit dem Jazzwerkruhr soll für das Jahr 2006 eine erste Zusammenarbeit mit Jazzclubs in Essen, Dortmund und Witten-Bochum angestrebt werden.

 

 

17. Open System e.V., Herne - „Stadt, Land, Fluss – Neue Klänge aus dem Lebensumfeld Emscher“

 

Zeitlicher Ablauf (Januar bis Dezember 2005)

Januar / Februar: Konzeptions-, Planungs- und Recherchephase; Vorgespräche mit beteiligten Interviewern und Komponisten

März: Emscher-Infotour in Begleitung von Ralf Schumacher (Emschergenossenschaft)

Beginn Aufnahmen der Interviews und Sounds für die Klang-CD

April: Auswahl der beteiligten Schulen

Juni / Juli: Vorgespräche in den Schulen mit den jeweiligen Komponisten

Juli / August: Studioarbeiten, Aufnahmebearbeitung

September: CD-Fertigstellung, Erstellung des Info-Folders, Beginn Projektarbeit der Komponisten in den Schulen, Pressegespräch in den Flottmann-Hallen Herne am 21.09.2005

Oktober: Verteilung und Verschickung Folder

November: Filmaufnahmen in den Schulen zur Dokumentation des Projektes: Abschlusspräsentation in den Flottmann-Hallen Herne am 19.11.2005

Dezember: Digitalisierung der Filmaufnahmen, Filmschnitt

 

Kurzdarstellung zu Durchführung und Auswirkung - Als wichtigste Punkte sind festzuhalten:

·         Das Projekt konnte weitestgehend wie geplant und im Antrag formuliert durchgeführt werden. Eine Änderung ergab sich traurigerweise durch den überraschenden Tod von Hans Kanty im Oktober 2005. Da die konzeptionelle und kompositorische Arbeit zu diesem Zeitpunkt bereits sehr weit fortgeschritten war, haben wir das mit ihm vereinbarte Honorar an seine Witwe Mutsumi Suzuki ausgezahlt.

·         Geringfügige finanzielle Abweichungen von der ursprünglichen Kalkulation ergaben sich aufgrund des Wegfalls der für Hans Kanty zu zahlenden Umsatzsteuer sowie wegen des zusätzlichen Einkaufs von Getränken und Keksen für die Kinder am Tag der Abschlusspräsentation.

·         Durch die Auswahl der Schulen, die bis auf die Heinrich-Böll-Gesamtschule in Bochum zuvor noch nie an einem musikalischen Projekt teilgenommen hatten, konnten die Kinder ihre Kreativität und Fähigkeiten auf einem für sie bis dato unbekanntem Gebiet erproben und so neue Erfolgserlebnisse sammeln. Die Begeisterung war dementsprechend. Viele Kinder äußerten am Tag des Abschlusskonzertes den Wunsch, das Projekt möge fortgeführt werden.

·         Die Beschäftigung mit ihrem eigenen Lebensumfeld auf musikalischer Ebene war für die Kinder und Jugendlichen ebenfalls eine komplexe Erfahrung mit neuen Sichtweisen und Einblicken. Die Wahrnehmung einer sich wandelnden Region und die damit verbundenen Auswirkungen auf das individuelle Erleben spiegelten sich zum Teil wider in den musikalischen Ausdrucksformen.

·         Die im Vorfeld angedachte Verknüpfung mit unterschiedlichen kulturellen Einflüssen, die den Kindern in der Emscherregion im alltäglichen Miteinander ständig begegnen, ließ sich ebenfalls verwirklichen. So wurde in der Hauptschule Aplerbeck beispielsweise mit Trommeln gearbeitet, die der Komponist und Musiker Sahbi Amara aus Tunesien mitgebracht hatte. Kombiniert wurden diese Instrumente mit dem sogenannten „Schrottophon“ von Richard Ortmann, das aus entlang der Emscher gefundenen Gegenständen besteht.

·         Das Projekt stieß auf eine ungewöhnlich große Resonanz in den Medien.

 

 

18. BAF Alten Feuerwache, Köln - Money, Mäuse, Schotter – Geld regiert die Welt?

 

Armut und Reichtum aus Sicht der Kinder, Mädchen und Jugendlichen der Alten Feuerwache, dargestellt mit verschiedenen künstlerischen Mitteln

 

Ziel des Projektes war eine künstlerische Auseinandersetzung mit Armut und Reichtum. Dieses Thema nimmt in der Lebenswelt der Kinder, Mädchen und Jugendlichen, die die Alte Feuerwache besuchen, eine wesentliche Rolle ein. Mit verschiedenen künstlerischen Mitteln sollten die Heranwachsenden angeregt werden, sich mit ihren Leitbildern auseinander zu setzen und ihre Sichtweisen zum Ausdruck zubringen. Anliegen des Projektes war es, Reichtum über die materielle Ebene hinausgehend zu betrachten und den Blickwinkel der Kinder, Mädchen und Jugendlichen zu erweitern.

Das Thema wurde je nach Erfahrungshintergrund und Möglichkeiten der verschiedenen Altersgruppen unterschiedlich akzentuiert und bearbeitet.

Mit den Kindern erfolgte der Zugang zu dem Thema über die Fragestellungen wie „Was wünscht Ihr Euch? / Was gefällt Euch nicht?“.

Im Mädchenbereich stand die Frage „Was ist Glück? / Macht Geld glücklich?“ im Vordergrund.

Die Jugendlichen haben zu dem Thema eine Soziale Skulptur entwickelt.

Die Ergebnisse des Projektes wurden im Rahmen einer Präsentation öffentlich vorgestellt. Die Aufführung des Theaterprojektes der Kinder sowie der Videoproduktion der Mädchen erfolgte am 30.10.2005 im Veranstaltungssaal der Alten Feuerwache.

Aus zeitlichen und organisatorischen Gründen wurde die Soziale Skulptur der Jugendlichen zu einem späteren Zeitpunkt (am 9.12.2005) im Jugendbereich präsentiert.

 

„Theater der Wünsche“ - Ein Theaterprojekt im Kinderbereich

Im Herbst 2005 haben zwei Theaterpädagoginnen von ConAction e.V. mit 14 Kindern im Alter zwischen 7 und 12 Jahren zum Thema Wünsche gearbeitet.

Die Jungen und Mädchen unterschiedlicher kultureller und sozialer Herkunft haben sich in spielerischen Übungen mit dem Thema auseinandergesetzt, Theatertechniken kennen gelernt, eigene Texte geschrieben, Szenen entwickelt und sich selbst auf der Bühne erprobt. Daraus ist ein Theater der Wünsche entstanden, in welchen die Kinder ihren Blick auf die Welt darstellen und ihre Sehnsüchte, Ängste und Wünsche in mehreren Szenen auf künstlerisch-theatrale Weise zum Ausdruck bringen.

Das Theaterprojekt im Kinderbereich fand in Kooperation mit dem Verein ConAction e. V. statt. Dieser hat für die Projektdurchführung zusätzlich zu der Förderung durch die Landesarbeitsgemeinschaft Soziokultureller Zentren eine Spende der Kölner Spendenaktion „Wir Helfen“ erhalten.

 

Das Theaterprojekt hatte folgende Ziele, die grundsätzlich allen kulturpädagogischen Projekten im Kinderbereich zugrunde legen:

1.       Das Projekt soll an den Bedürfnisse der Kinder ausgerichtet sein und ihnen Spaß machen.

2.       Die Kinder sollen neue Techniken des Ausdrucks und der Darstellung erlernen.

3.       Die Kinder sollen sich mit ihren Wünschen, Sehnsüchten und Ängsten auseinandersetzen

4.       Die Kinder sollen ihre eigenen Ideen einbringen und ihre Vorstellung entwickeln.

5.       Die Kinder sollen sich intensiver kennen lernen

6.       Die Kinder sollen intensiv und verbindlich arbeiten.

7.       Die Kinder sollen Zusammenarbeit üben.

8.       Die Kinder sollen durch einen öffentlichen Auftritt in ihrem Selbstbewusstsein gestärkt werden

9.       Durch den professionellen Rahmen der Präsentation sollen die Kinder eine Wertschätzung für ihre künstlerische Darstellung erfahren.

 

Ablauf des Projekts

Das Projekt hat in der zweiten Herbstferienwoche jeweils von 14 bis17 Uhr stattgefunden und wurde an vier weiteren Nachmittagen und mit einer Generalprobe am Samstag vor der Aufführung fortgesetzt.

Das Theaterprojekt war an den Kindertreff der Alten Feuerwache angebunden. Dieser wird von Kindern aus dem umliegenden Stadtteil besucht und spricht insbesondere Kinder mit besonderem Unterstützungsbedarf aufgrund von Migration, Familiensituation und sozialem Milieu an. Die 14 TeilnehmerInnen setzten sich wie folgt zusammen : sechs deutsche Kinder, fünf Kinder mit türkischem Hintergrund, zwei griechische Kinder und ein indonesisches Kind. Die zwei jüngsten siebenjährige Kinder haben die intensive Theaterarbeit nicht bis zum Schluss durchhalten können und haben kurz vor Ende des Projektes aufgehört. Die anderen Kinder haben sehr engagiert und verbindlich teilgenommen, obwohl sie sich zum Teil selbst organisieren und Termine eigenständig einhalten müssen.

 

In der ersten Woche stand der Aufbau der Gruppe, die Vermittlung von Theatertechniken und die Erarbeitung des Themas im Vordergrund.

Dafür wurden verschiedene Theater-Techniken, Übungen und Spiele eingesetzt. Es wurden Spiele durchgeführt, die den Kindern die verschiedenen Rollen und Aufgaben im Theater vermitteln (SchauspielerIn, RegisseurIn etc). Eine immer wiederkehrende Theaterübung zur Förderung der Darstellung waren Standbilder zu verschiedenen Themen sowie die Technik des „Einfrieren“ (Freeze) von Bewegung und Darstellung. Der „Klatschkreis“ als Aufwärmspiel wurde täglich genutzt, um den Einsatz der Stimme zu üben und Konzentration und Kooperation der Kinder zu unterstützen. Bei Theaterübungen im Saal der Alten Feuerwache konnten die Kinder erste Bühnenerfahrungen machen und deutliches und lautes Sprechen üben.

Von Anfang an wurde bei allen Übungen mit den Kindern das Bewusstsein für Bühnenpräsenz entwickelt. Die Bühne mit ihren Regeln wurde stets als gedachter Raum einbezogen, den die Kinder nur über den „Aufgang“ betreten und über den „Abgang“ verlassen sollten.

 

Es wurden ebenfalls vielfältige Spiele und Übungen eingesetzt, um die Vorstellungen, Wünsche und Ängste der Kinder spielerisch zu erarbeiten. Zum Beispiel wurden Bilder (eine verschlossene Tür, ein verpacktes Packet u.ä.) als Impulsgeber aufgehängt, um die Vorstellungskraft der Kinder anzuregen oder es wurden Staffelspiele durchgeführt mit der Aufgabe, eigene Wünsche zu benennen.

Eine weitere Übung bestand darin, dass die Kinder auf der Bühne einzeln dargestellt haben, in wen sie sich für einen Tag verwandeln möchten. Die Mehrzahl der jüngeren Kinder wünschte sich, für einen Tag ein Tier zu sein, die Älteren wünschten sich Macht oder einen bestimmten Beruf wie z.B. Ärztin zu sein. Die Tierverwandlungen wurden im Projektverlauf weiter bearbeitet : es wurden Tierbewegungen geübt und der Tagesablauf der Tiere als Theaterszene ausgebaut.

 

Zum Ende der Woche wurde ein Brainstorming mit folgenden Fragen durchgeführt:

·         Ich finde es blöd, wenn ...

·         Ich finde es gemein, wenn ...

·         Ich finde es langweilig, wenn ...

Viele Kinder fanden es z.B. gemein, wenn ihre Eltern sie ungerecht behandeln. Die Ergebnisse dieses Prozesses wurden zunächst als Standbilder dargestellt. Diese wurden später mit Text versehen und zu kleinen Szenen ausgestaltet.

 

Um zusätzlichen Freiraum für eigene Vorstellungen und Gedanken zu schaffen, durften die Kinder jeden Nachmittag eine halbe Stunde früher kommen, um zu dem Thema zu malen oder zu schreiben.

Zwei der älteren Mädchen haben sich dort und auch zuhause mit dem Thema auseinandergesetzt und eine kleine Geschichte mit verschiedene Rollen für alle am Projekt beteiligten Kinder geschrieben. Diese Geschichte wurde als Grundlage für die Theaterinszenierung „Die Königinneninsel“ genutzt, dem Hauptteil der Theateraufführung. In diesem Stück stehen die Vorstellungen und Wünsche der Kinder im Mittelpunkt, die vorher gemeinsam erarbeitet wurden. Es agieren eine Königin, eine Tierärztin und ihre Helferin, Hexen, Tiere, ein Tieraufpasser u.a. und es geht darum, wer die Mach auf der Königinneninsel hat. Mit Unterstützung der Theaterpädagoginnen wurde aus der Geschichte eine spannende Szenenfolge entwickelt und an den folgenden Nachmittagen weiter geprobt.

 

Für die Aufführung haben die Kinder ein Szenarium von ca. 30 Minuten erarbeitet.

Der erste Teil beinhaltete spielerische Theater-Improvisationen über den Tag im Leben eines Tieres (Wildgänse, Katzen, Geparden), die mit Musik und Bühnenbild unterlegt wurden.

Im zweiten Teil wurden die Rollen von Kindern und Eltern umgekehrt. Mit dem Kommentar „Kinder wollen mächtig sein“ spielten die Kinder in drei verschiedenen Sequenzen Situationen, in denen Eltern ihre Kinder um Erlaubnis bitten, etwas zu tun wie z.B. „Kind, darf ich jetzt endlich zur Arbeit?“

 

Im dritten Teil wurde als Höhepunkt das Theaterstück „Die Königinneninsel“ präsentiert.

Bei der professionellen Inszenierung wurden Musik, ein sparsames Bühnenbild sowie Kostüme eingesetzt.

Das Projekt wurde zeitweise von einem Kamera-Team von Carasana Film begleitet, um die Struktur und den Ablauf des Projektes zu dokumentieren. Daraus entstand ein ca.10minütiges „Making Of“, das als Einstieg vor der Präsentation der Kinder gezeigt wurde. Der kurze witzig und professionell gestaltete Film hat dem Publikum anschaulich verdeutlicht, wie die nachfolgend präsentierten Theaterszenen von den Kinder entwickelt wurden.

Die Aufführung wurde ebenfalls gefilmt und zusammen mit dem “Making Of“ auf einer DVD festgehalten.

Diese DVD wurde den Kindern und Eltern ca. 4 Wochen nach der Aufführung im Kinoraum der Alten Feuerwache vorgeführt und den Kindern nach einer abschließenden Auswertung des Theaterprojektes ausgehändigt.

 

„Auf der Suche nach unserem Glück“ - Eine Videoproduktion des Mädchentreffs

Das Projekt „Was ist Glück oder macht Geld glücklich?“ wurde in einem Zeitraum von

acht Wochen durchgeführt. Es haben zehn Mädchen im Alter von 13 -17 Jahren ver­schiedener kultureller und sozialer Herkunft teilgenommen. 80% der Teilnehmer-

in­nen haben einen Migrationhintergrund (türkisch und iranisch) und 20 % sind Deut­sche. Die Gruppe hat sich im Rahmen des Mädchentreffs einmal wöchentlich an

ei­nem Nachmittag mit den Fragen „Was ist Glück?“ und „Macht Geld glücklich?“

 be­schäftigt.

Anfänglich assoziierten die beteiligten Mädchen in Form eines Brainstormings zu dem Begriff „Glück“. Glück verbanden sie mit Geld, Freundschaft, Liebe, Beruf/

Er­folg . Diese Begriffe wurden auf einem Plakat notiert und in der Gruppe in Form eines Mindmaps weiterentwickelt, um anschließend darüber zu diskutieren. Der Begriff „Geld“ wurde beispielsweise mit Freiheit- Macht-Freizeit- Shoppen- Urlaub-Medien belegt.

Anhand eines Kärtchenspiels zum Thema Geld/ Konsum, indem verschiedene Sta­tements und Situationen dargestellt waren, konnten die Mädchen ihre persönliche Einstellung zeigen, indem sie das Dargestellte als richtig oder falsch bezeichneten.

Anschließend wurde die Frage zur Diskussion in die Gruppe gegeben.

Ein aktueller Zeitungsartikel, der das Ergebnis einer repräsentativen Umfrage mit „Freunde sind wichtiger als Geld“ beschreibt, wurde ebenfalls vorgestellt und besprochen.

Ziel dieser Einheiten war es, die Mädchen zu einer allgemeinen Reflexion der gesell­schaftlichen Bedingungen anzuregen und sie zu einer persönlichen Auseinanderset­zung mit den Themen Geld und Glück einzuladen.

 

Glücklich sein stellte sich für die Mädchen u.a. wie folgt dar:

·         Erfolg im Beruf

·         Eine glückliche Ehe bzw. Partnerschaft

·         Freunde

·         Gesundheit

·         Innerer Frieden

·         Urlaub

·         Neue Zimmereinrichtung

 

Im Anschluss an die Projektarbeit im Mädchentreff wurde das Projekt während einer fünftägigen Ferienfahrt in den Herbstferien nach Pullach bei München fortgesetzt.

Nach dem Motto „Tun contra Konsum“ war die Gruppe hier aufgefordert einen Video­film zum Thema zu drehen. Zunächst wurde der Umgang mit Kamera- und Tontechnik vorgestellt und anschlie­ßend anhand von Videointerviews innerhalb der Gruppe geübt. Auf der Grundlage der im Mädchentreff in Köln erarbeiteten Aussagen wurden nun gemeinsam Ideen für den Film entwickelt und in drei Kleingruppen Szenen geschrie­ben. Jede Gruppe hat sich mit einem anderen Themenschwerpunkt beschäftigt, ihre eigene Geschichte erfunden und ein kleines Drehbuch dazu geschrieben.

Mit Unterstützung einer Filmemacherin arbeiteten die Mädchen sehr intensiv an dem Projekt. Es wurde an verschiedenen Orten gedreht, dabei standen die Mädchen vor und hinter der Kamera, sie haben den Ton kontrolliert, Requisiten erstellt und Regie geführt.

Das zielorientierte Arbeiten stellte für einige Mädchen eine ganz große Herausforde­rung dar. Anforderung wie Kooperationsbereitschaft, Zuverlässigkeit, Geduld, und Teamarbeit konnten diese Mädchen nur schwer erfüllen und sie stellten sich immer wieder gegen die anstehenden Aufgaben und Prozesse. Nur mit großer Unterstüt­zung seitens der Pädagogin konnten diese Teilnehmerinnen zur weiteren Beteiligung und Erfüllung der Aufgaben motiviert werden.

Das wiederholte Drehen einer Szene, bis sie den Vorstellungen entsprach, brachte alle Mädchen mehr oder weniger an ihre Grenzen. Trotz hoher Anforderungen hat das Projekt den Mädchen viel Spaß gemacht und sie sind sehr stolz auf das gelun­gene Ergebnis.

Der Film beleuchtet das Thema Glück aus der Perspektive jugendlicher Mädchen. In drei authentischen Spielfilmszenen zeigen sie ihre Sichtweisen:

„Die neue Hose“ stellt einen Mutter- Tochter Konflikt dar, „Lottogewinn“ handelt von einer armen Familie, sich durch den plötzlichen Geldsegen entfremdet und „Falsche Freundinnen“ zeigt das Verhältnis von Freundschaft und Geld. Neben den Spielfilmszenen zeigt der Film lebendige Interviews mit Passanten, ge­dreht in der Münchener Innenstadt. Diese Interviews laden zum Nachdenken und zur persönlichen Beschäftigung mit dem Thema ein.

Für die letzten Details trafen sich die Mädchen noch an drei Nachmittagen vor der Präsentation im Mädchentreff. Es wurde gemeinsam ein Titel für den Film gesucht und die Musik ausgewählt. Auch die Präsentation des Filmes wurde gemeinsam mit den Mädchen vorbereitet und besprochen.

Es ist ein 30 Minuten langer Film entstanden, der nicht nur für jungendliche, sondern auch für erwachsene Zuschauer informativ, spannend und anregend ist. Die Mäd­chen haben im Rahmen des Filmes eindrucksvoll ihre Sicht von Auseinandersetzung mit Reichtum, Glück, Konsum und eigenen Wünschen zum Ausdruck gebracht.

 

Einige Aussagen der Teilnehmerinnen über das Projekt:

„Ich bin jetzt viel selbstbewusster geworden! Ich hätte mich vorher nie getraut Leute auf der Straße mit der Videokamera zu interviewen!“ G.16 Jahre

„Jetzt weiß ich, dass es mich viel glücklicher macht, wenn ich selber etwas schaffe, z.B. mir eine Videokamera von meinem gesparten Geld zu kaufen, als wenn man reich ist und sich immer alles kaufen kann.“ M.15 Jahre

„Zuerst dachte ich, das ist aber anstrengend, wenn wir hier soviel Zeit mit dem Vi­deoprojekt verbringen und so wenig Freizeit haben, aber jetzt hat es mir ganz viel Spaß gemacht und es ist richtig gut, so etwas gemacht zu haben.“ E. 14 Jahre

 

Am 30.Oktober fand die Präsentation des Films vor einem begeisterten Publikum im großen Saal der Alten Feuerwache statt.

Zur Einleitung des Films präsentierte eine weitere Gruppe von Mädchen einen Hip-Hop Tanz. Acht Mädchen zwischen 12 und 17 Jahren haben das Stück in den Herbstferien unter Anleitung der Choreografin Clarissa Djossou erarbeitet.

Da C. Djossou aus zeitlichen Gründen die Gruppe über die Ferien hinaus nicht mehr begleiten konnte, haben die Mädchen in den folgenden zwei Wochen das Stück bis zur Aufführung eigenständig geübt.

 

Mit dem Projekt wurde ein wesentliches Ziel der pädagogischen Arbeit des Mäd­chentreffs der Alten Feuerwache aufgegriffen und umgesetzt:

die Mädchen stärken und sie in der Entwicklung ihres Selbstwertgefühls und ihres Selbstbewusstseins zu fördern.

 

 „Vom armen Sammler zum reichen Künstler“ - Die Soziale Skulptur – Ein Experiment im offenen Jugendbereich

Innerhalb eines Zeitraumes von 5 Monaten haben 30 Jugendliche im Alter von 12 – 21 Jahren die Arbeit an einer Sozialen Skulptur ( in Anlehnung an Josef Beuys) aufgenommen.

Die Aktivitäten fanden während des laufenden Betriebes des Jugendcafé´s (5 mal pro Woche), nach Absprache und in Wochenendworkshops statt. Das zu gestaltende Objekt war der gesamte Aktionsraum des offenen Jugendbereiches.

 

Die Idee - Der Raum sollte durch das Sammeln von wertlosen Stadt- und Naturdingen, an denen oft im Viertel achtlos vorbeigegangen wird, sowie mit individuellen handwerklichen und künstlerischen Fähigkeiten der Jugendlichen und Pädagogen eine Veränderung / eine Aufwertung erfahren.

Stichwort: „Aus Müll wird Kunst“

Bewusste Handlungs- und Gestaltungsprozesse in der Gruppe waren und sind wichtige Bestandteile der Sozialen Skulptur. Die Interaktion / Kommunikation gemeinsamer und konträrer inhaltlicher Entscheidungen der Jugendlichen und Pädagogen bildeten und bilden die menschliche Basis der Skulptur

 

Aktive Phase - Baustahlmatten werden angeliefert, hochgetragen und an alle Wände fast flächendeckend angebracht. Die ersten Reaktionen er Jugendlichen gingen von Neugier bis zu Unverständnis – sporadischem Mithelfen inbegriffen. Intensive Erklärungen und Diskussionen über das, was gemeint ist und geschaffen werden soll. In der Anfangsphase wurden geringfügig Materialien, Sperrmüllutensilien, Hausrat und Schrott zur Verfügung gestellt.

Häufige Unterredungen über Sinn und Unsinn der Arbeit an eine Sozialen Skulptur führen zu einer aktiven Beteiligung der anfangs noch skeptischen Jugendlichen.

Alte Fahrräder, Skier, Mülltonnen, Computerschrott und anderes werden gesammelt und auf unterschiedliche Arten angebracht. Ein Zelt wird mittig im Raum gebaut.

Interessanterweise agierten und kommunizierten Besucher des Jugendbereiches miteinander, wenn es zum Beispiel galt, ein Problem mit einer Befestigung oder Zusammenfügung verschiedener Materialien anzugehen und zu lösen.

Im normalen Miteinander der Jugendlichen ist dies oft nicht zu beobachten.

Originalkommentare zur wachsenden Skulptur: …. Sieht gut aus … / ..das ist Kunst/ …mal was anderes/ …spannend/ …hässlich/ …das ist scheiße…

Die unterschiedlichen Aussagen gingen parallel einher mit Destruktion.

Geringfügiger Vandalismus und Sätze wie „Das sieht voll schwul aus“ oder „Du Schwuler können als Prozesserfolge angesehen werden und boten ein Forum für konstruktive Auseinandersetzung.

Parallelthematiken wie „ alles was anders ist“ – sowie Beleidigungen von Schwächeren und Minderheiten in Form von Sprüchen und Graffitis an den Wänden der Skulptur sind auch ein Spiegelbild der Themen in der täglichen offenen Jugendarbeit.

Zeitgleich mit der Sozialen Skulptur befasste sich eine Filmgruppe mit dem Thema „Schwul“.

Einen schönen Abschluss der Arbeit an der Sozialen Skulptur leisteten 8 Jugendliche, die in Zusammenarbeit mit dem Glaskünstler Jim o´Daly aus der Glaswerkstatt der Alten Feuerwache eigene Fenster gestalteten, die dann auf die Fenster im Aktionsraum aufgesetzt wurden.

 

Präsentiert wurde die Soziale Skulptur der Öffentlichkeit vom 9.12. 2005 bis um 13.1. 2006. Zur Vernissage am 9. Dezember kamen 60 Gäste und Jugendliche und junge Erwachsene der verschiedenen Altersstufen . Der offene Jugendbereich, ansonsten der Treffpunkt der Jugendlichen, wurde zu einem Begegnungsort mit viel Austausch zwischen den Generationen, was alle sehr beeindruckend fanden.

 

 

19. Kulturbunker Mülheim e.V., Köln - "Freispiel"

 

Im Jahre 2005 fand im Kulturbunker Mülheim, Berliner Str. 20., 51063 Köln, durchgeführt vom Kulturbunker Mülheim e.V. eine Veranstaltungsreihe mit dem Titel "Freispiel" statt. Diese Reihe wurde mit Mitteln der LAG gefördert.

Für das Projekt wurde in Absprache mit der LAG ein vorzeitiger Maßnahmenbeginn ab Februar 2005 vereinbart.

Ziel der Veranstaltungsreihe war es, jungen aufstrebenden Nachwuchsmusikern die Möglichkeit zu geben, im Vorprogramm für bekanntere oder internationale Acts Bühnenerfahrung zu sammeln und sich direkt von den Großen etwas abschauen zu können. Der Genre übergreifende Erfahrungsaustausch zwischen de Musikern stand im Vordergrund; nicht zuletzt ging es aber auch darum, Bands, die gerade am Anfang ihres Schaffens stehen, ein Forum zu bieten.

Hier wurde als Partner die große Kölner Tageszeitung „Kölner-Stadt-Anzeiger“ mit ins Boot geholt, die oft über die Bands berichtete. Außerdem wurde auch gerade zum Zeitpunkt des Festivals c/o Pop gerade ein solches Schaufenster für junge Bands aufgehalten, um sich so präsentieren zu können.

Die Reihe „Freispiel“ konnte einigen Nachwuchsmusikern aus Köln und Umgebung neue Impulse und neuen Mut für das eigene Schaffen geben. Nicht zuletzt sind Auftritte ein wichtiger Faktor, wenn es darum geht, dem was man tut einen Sinn zu geben.

 

 

20. AK Kulturarbeit der Mütze, Köln-Mülheim – Soziokulturelles Projekt "Am Liebsten"

 

Vorbereitung: In der ca. dreimonatigen Vorbereitungsphase habe ich mich auf die Suche gemacht nach Mülheimer Bürger/innen die Interesse haben an unserem Projekt teilzunehmen.

Hierbei war mir sehr wichtig eine Vielfalt von unterschiedlichsten Menschen für die Teilnahme zu gewinnen, sprich Menschen unterschiedlichsten Alter, Herkunft, Menschen mit und ohne Behinderung, Arbeitslose etc. Also Bürger/innen die das Stadtbild von Mülheim Nord prägen.

Auf meiner Suche nach Teilnehmern habe ich Einrichtungen wie Seniorenheime, Behinderteneinrichtungen, Kirchen, eine Polizeistation , ein Kinderclub, Kneipen, verschiedene Geschäfte ( afrikanische, türkische etc.) aufgesucht. Dazu stand mir manchmal auch einen Übersetzer zur Seite zwecks mangelnder Verständigung.

So entstand eine Liste von Beteiligten wie Künstlern, Polizisten, Kinder und Jugendliche, Arbeitslosen, ausländischen Bürgern, psychisch Kranken, Hausfrauen/männer, Kneipen- und Kioskbesitzern und vielen mehr. Mit den ausgeteilten Einwegkameras sollte dann in einem bestimmten Zeitrahmen die Aufgabenstellung bearbeitet werden.

 

Bearbeitung: Ich stand nun in ständigem Kontakt zu den ca. 30 Teilnehmer/innen um Fragen zu beantworten, wenn nötig Hilfestellung zu leisten, Kameras einzusammeln, die Bilderauswahl mit jedem persönlich zu besprechen usw.

Nach und nach wurden dann verschiedene Ideen zur Austellungsrealisierung gesammelt und vorbereitet. Für jedes der 10 zu fotografierenden Objekte wurde eine eigene Form der Präsentation gewählt.

Zusätzlich wurde dann an einem geeigneten Rahmenprogramm für die Ausstellungseröffnung gearbeitet. Auf vielseitigen Wunsch der Teilnehmer/innen haben wir uns für einen Tanztee und ein Konzert entschieden. Für den Tanztee haben wir dann Tanzschulen aufgesucht um "ehrenamtliche Animationstänzer" zu organisieren die das ganze auflockern sollten. Im Anschluss an den Tanztee wurde dann die Band "Aktion Mutante" verpflichtet, die neben dem musikalisch-künstlerischen Charakter auch einen pädagogischen verfolgt, d.h. mit auffälligen Kids arbeitet.

 

Ausstellungseröffnung: Am 01.10.2005 wurde dann die Ausstellung eröffnet. Für die Präsentation wurde das ganze Haus genutzt. Für den Tanztee wurde eine großer Raum ganz im Stil einer Tanzveranstaltung dekoriert um eine möglichst gemütliche Atmosphäre zu schaffen.

Mit Sekt wurden dann die Interessierten und Beteiligten empfangen. Die Teilnehmerzahl der Veranstaltung belief sich auf etwa 150 an diesem Abend. Die Ausstellung selbst wurde in der Ausstellungszeit von ca.100 Besuchern angeschaut.

Fazit: Die zu fotografierenden Menschen und Objekte waren

1.       Lieblingswort

2.       Lieblingsschuhe

3.       Lieblingsmöbelstück oder Lieblingsspielzeug

4.       Lieblingsessen

5.       Lieblingsplatz/stelle in Mülheim

6.       Lieblingsbeschäftigung

7.       Lieblingsnachbar

8.       Lieblingsverkäufer/in

9.       Lieblingsgesicht

10.   Selbstportrait

 

Beurteilungen der Teilnehmer/innen:

- alltäglicher Dinge bewusst werden und ihnen ein positives Augenmerk verleihen

- Mülheim als einen schönen Stadtteil zu erleben und sich mit ihm zu identifizieren

- Als teilweise neue Erfahrung wurde das Ansprechen verschiedener Leute empfunden um sie zu fotografieren, also die Kontaktaufnahme zu vermeidlich Fremden.

- Freude am Wiederkennungswert der eigenen Bilder sowie der abgebildeten Menschen(z.B. Lieblingsverkäufer) , also auch eine Identifikation mit dem Stadtteil und den hier Ansässigen.

- Freude an der eigenen kreativen Freiheit ohne genaue Vorgaben.

- Austausch mit anderen Teilnehmern/innen und Erfahrungsaustausch.

- Motivation für weitere Projekte.

Ein im ganzen höchst positiv empfundenes Projekt für Teilnehmer/innen, Besucher, Interessierte und Verantwortliche.

 

 

21. Kulturausbesserungswerk, Leverkusen - Clerks – das Stück

Ein Theaterprojekt mit Jugendlichen aus dem Kulturausbesserungswerk

 

„Aus einem wunderbaren Film wird ein wunderbares Theaterstück, das während der Proben und Aufführungen ein Stück gelebte Utopie bedeutet.

Vorlage ist der Film „Clerks – die Ladenhüter“ von Kevin Smith.

Ein sogenannter „Talkie Movie“, eine Komödie, die vor allem durch Dialoge und die Charaktere besticht. Ein Stück über das Erwachsenwerden, darüber Verantwortung zu übernehmen und sein Leben in den Griff zu bekommen, ohne (!) dabei den Zeigefinger zu erheben.“

Soweit die Vorankündigung im Frühjahr 2005 - Ziel war ein gemeinsames Projekt mit ca. 40 jungen Männern und Frauen, für die das Leverkusener Kulturausbesserungswerk seit seiner Gründung ein wichtiger Bezugspunkt geworden war. Ein eigenes Projekt, das die gesamte kreative Energie der Menschen in unserem autonomen Zentrum bündeln sollte und in das jeder, der Lust hatte, im Rahmen seiner Möglichkeiten und Fähigkeiten einbezogen werden konnte. Thema, Sprache und Charaktere sollten möglichst nah am realen Alltag von Jugendlichen heute bleiben.

Nachdem die Übersetzung des englischsprachigen Stücks fertiggestellt und die konkrete Vorbereitung abgeschlossen war, wurde im Juni 2005 mit dem Casting begonnen. Alle 42 Rollen waren schnell besetzt, da die Jugendlichen und jungen Erwachsenen, die angesprochen wurden, von Anfang an mit Begeisterung bei der Sache waren. Auch die insgesamt sechs Hauptrollen wurden von den jungen Darstellern und Darstellerinnen, von denen die Mehrzahl nur wenig bis gar keine Theatererfahrung hatte, mit viel Spaß und Vorfreude angegangen. Im Umfeld der „30+“ und „40+“- Generation im Kulturausbesserungswerk wurden wehmütige Erinnerungen an die Schultheaterzeit wach, auch hier wurde für ein paar Nebenrollen bald eifrig geprobt. Ein Team professioneller Handwerker aus dem KAW-Solidaritätskreis baute die anspruchsvolle Bühne, die den Kiosk und die benachbarte Videothek realitätsnah und doch transparent für das Publikum darstellte. Nach den Sommerferien wurde unter der Leitung der Filmemacherin und Regisseurin Petra Clemens mit den Proben begonnen, auf die sich alle Beteiligten freuten. Die für den Winter geplanten Aufführungen mussten auf das Frühjahr verschoben werden, da sich der Einbau einer Heizung für die große Halle des Kulturausbesserungswerks leider verzögerte.

Am 21. April feierte ‚Clerks’ vor ausverkauftem Haus Premiere (s. Anlage Zeitungsbericht). Auch die Vorstellungen an den beiden folgenden Tagen waren ausverkauft. Die nächsten Termine sind für den Juni angesetzt, wobei erneut von einer jeweils ausverkauften Vorstellung auszugehen ist.

Die beteiligten Schauspieler/innen, Bandmitglieder, für Bühnentechnik, Publikumsbetreuung oder Catering Verantwortlichen erklären übereinstimmend, dass ‚Clerks’ ein neues ‚Wir-Gefühl’ im Kulturausbesserungswerk bewirkt hat: Gemeinsam proben, diszipliniert sein, Spaß haben, unbekannte Talente an sich selbst und den Anderen entdecken, sich auf einander verlassen können und gemeinsam lange beklatscht werden schweißt zusammen. Eine Erfahrung, die auf andere Zentren übertragbar sein könnte. Das Publikum kam bereits bei der zweiten Vorstellung aus einem erweiterten Umfeld. Die ungewöhnliche Inszenierung erwies sich als auch attraktiv für Menschen aus den umliegenden Großstädten.

 

 

22. Kulturzentrum BÜZ Minden, 1. Improtheater Festival Minden

 

Das Programm: Freitag, 28.10.2005:

Am ersten Abend erleben wir die Weltpremiere des vom künstlerischen Leiter des 1. Mindener Improtheater-Festivals Eric Kolb ("Verschwägert") selbst erfundenen Formates: das "Familien-Duell" zwischen den Hatfields und McCoys. Diesem neuen Spiel liegt die Idee des Impro-Matches zugrunde, nur wird es zwischen zwei fiktiven Familien und nicht zwischen zwei Teams ausgetragen.

Die Hatfields und McCoys sind zwei Familien, die sich schon seit hundert Jahren bekriegen. An diesen Abend wollen sie ihre Differenzen ein für alle Mal beseitigen. Beide Familien sind hinterhältig, listig und hassen sich gegenseitig bis aufs Blut. Nur äußerlich unterscheiden sie sich sehr. Die Hatfields sind in dem allerfeinsten Gewand bekleidet, und die McCoys tragen Lumpen. Dieses Match Format unterscheidet sich insofern von anderen Impro-Match Formaten, indem alle Spiele von den beiden Familien gemeinsam gespielt werden. Um die Punkte einzuholen stellt der Moderator die Frage: „Welche der beiden Familien hat mehr zum Gelingen der Szene beigetragen?“

Die Punkte werden dann mit dem „10 point must system“ eingefordert. Das bedeutet: das Publikum klatscht einmal für die Hatfields und dann ein Mal für die McCoys. Die Familie, die den lautesten Beifall bekommt, kriegt 10 Punkte. Die andere Mannschaft bekommt Punkte von einer dreiköpfigen Jury, welche vor Showbeginn bestimmt wurde. Jede Person in der Jury darf der Verlierer-Familie 1 bis 3 Punkte vergeben, so dass bestenfalls der Punktestand 10-9 und schlimmstenfalls 10-3 ausgehen kann.

Der Clou dieses Formats ist, dass die Spieler im Grunde zwei Rollen haben. Als Familienmitglied können sie zur anderen Familie so gehässig sein, wie sie wollen. Doch auf der Bühne müssen sie zusammen spielen. Dem Publikum wird vorgegaukelt, dass die eine Familie der anderen das Leben schwer machen wolle. Dafür ist es sehr wichtig, die richtigen Spiele auszusuchen. Ein Beispiel: die Hatfields fordern die McCoys zu einem „Kromolog Switch“, und einer der Hatfields darf „Switch“ sagen. Danach fordern die McCoys die Hatfields zu einem Rate Spiel heraus, und die Hatfields müssen raten.

Im Prinzip wird ein ganz normales Show Format gespielt, jedoch wird dem Publikum vorgegaukelt, die zwei Familien versuchen sich gegenseitig aufs Glatteis zu führen.

Das Rahmenprogramm unterstützt diese Illusion, denn die Hatfields und der McCoys haben viele Familienmitglieder. Jede Familie erhält Unterstützung aus dem Publikum, die genau so gekleidet ist, wie die Spieler auf der Bühne. Die Show wird erst um 20.00 Uhr beginnen, die Show beginnt jedoch zugleich mit dem Einlass um 19.00 Uhr: verschiedene Familienmitglieder der „Hatfields“ und „McCoys“ sorgen schon vor dem offiziellen Start für Unruhe und Unterhaltung im Saal.

 

Samstag, 29.10.2005: Der zweite Festivaltag wird mit einer musikalischen "Feuershow" auf dem Johanniskirchhof eingeläutet. Am Abend spielen wir in der ersten Hälfte einen so genannten "Harold". Im Rahmenprogramm werden wir fünf auffällig gekleidete Walk-Acts haben, jeder spielt einen ganz eigenen und von den anderen deutlich unterscheidbaren Charakter. Ihre Gemeinsamkeit besteht darin, dass jeder von ihnen einen bestimmten Künstlertypus darstellen. Dies wird dem Publikum zunächst vorenthalten, dieses kleine Geheimnis lüften die fünf Walk-Acts erst in der zweiten Hälfte. Die wichtigste Aufgabe der Walk-Acts besteht darin, im Saal eine sinnliche Atmosphäre zu schaffen und das Publikum in kleine Gespräche zu verwickeln.

In der Pause drehen die Walk-Acts etwas mehr auf.

Nach der Pause werden sich die Figuren als "Die Regisseure" entpuppen. Die Regisseure werden verschiedene Stereotype von Künstlern darstellen. Da könnten wir z.B. den typischen Macho-Künstler haben, den zerstreuten und zugleich elaborierten Kunstprofessor, den tuntigen Künstler, oder den, Michael-Moore-Typ. Jeder der fünf Regisseure wird dann Regie für eine Impro Geschichte führen.

Der Regisseur kündigt ein allen Spielern bis jetzt unbekanntes Spiel an. (Die Regisseure besprechen nur unter sich, wer welche Spiele macht) Während des Spiels kann der Regisseur alle möglichen Inputs geben: neue Wahl, switch, Gefühle - alles ist möglich!

 

Sonntag, 30.10.2005: Am Sonntag beginnen wir am Nachmittag mit einem speziellen Programm für und mit Kindern ab sieben Jahren. Ab 15.00 Uhr wird es in Minden eine "Kinder Impro Show" geben. Erfahrene und bekannte Improtheater-Schauspieler leiten die Kinder live zum Improvisieren auf der Bühne an. Jedes der teilnehmenden Kinder hat dabei seinen eigenen Paten, der die Kinder zum zwanglosen improvisieren anleitet. Dabei ist es völlig gleichgültig, ob die Kinder bereits über Bühnenerfahrung verfügen! Hier stehen vor allem das Spielerische und der Spaß im Vordergrund. Im Anschluss findet ein Workshop für Kinder.

Am dritten und letzten Abend spielen wir einen "Maestro" nach dem Motto „Deutschland sucht den Super Star“, allerdings wird von den Kandidaten niemand ausscheiden müssen. Im Rahmenprogramm werden wir eine Jury haben. Diese setzt sich aus von der Welt zu Recht vergessenen Prominenten ("B-Promis") zusammen, die an das Publikum zudem bereitwillig Autogramme vergeben. Eine Security Mannschaft wird für ihre Sicherheit sorgen. Zum krönenden Abschluss wird der Pokal für den Sieger des 1. Mindener Impro Festival verliehen.

An allen drei Festivaltagen finden von 12.00 Uhr bis 18.00 Uhr Workshops mit unterschiedlichen Themen unter der Leitung von bekannten und erfahrenen Improtheater-Schauspielern im Kulturzentrum BÜZ statt. Genaueres siehe unter oben unter" "Der Programmablauf".

 

 

23. Jugendkulturzentrum Volksschule, Moers - Alco-Pop? - Ein mehrschichtiges Präventions-Projekt von und für Jugendliche

 

1.       Einführung / Zum Projekt: Sozialpädagogische Arbeit zur Drogenthematik ist wohl so alt wie die Sozialarbeit selbst. Umso erstaunlicher ist es, dass vielerorts an wohlmeinenden, aber über Jahrzehnte hinweg von eher bescheidenem Erfolg gekrönten Konzepten festgehalten wird: Rauch- und alkoholfreie Discoveranstaltungen etwa sind als Schutzraum für Kinder im discofähigen Alter zwischen 10 und 14 Jahren wichtig, werden von Jugendlichen über dieser Altersgrenze jedoch konsequent gemieden. Der Versuch, eine bedingungslos alkoholfrei feiernde Jugendszene zu erziehen, übersieht dabei zudem schlichtweg die Rolle erster Erfahrungen mit derartigen Substanzen innerhalb völlig normaler Ablösungs- und Identifikationsprozesse junger Menschen. Als ebenso wenig Erfolg versprechend erweisen sich reine Informationsveranstaltungen; baut man auf die komplette Verteufelung aller Drogen (in Polizeikreisen nach wie vor beliebt), wobei unter Verweis auf die „Einstiegsdrogenproblematik“ Cannabisprodukte gleich mit einbezogen werden, gilt man für Jugendliche, die mitunter ein beträchtliches Potential an Wissen um die Thematik entwickelt haben, von vornherein als unglaubwürdig oder schlimmer noch, als inkompetent. Realistischere Vorträge durch verschiedene hinzugeholte Fachleute etwa von der DroBS und ähnlichen Drogenberatungsstellen sind unter Jugendlichen anerkannter, haben auf sich allein gestellt jedoch kaum messbaren Erfolg. Letztlich erweist sich oft die Altersschranke als schwer zu überwinden: Referenten im Erwachsenenalter wird zwar Kompetenz und Erfahrung, kaum jedoch der authentische Einblick in die Lebenswelten Jugendlicher zugestanden.

„Alco-Pop“ unterschied sich insofern grundlegend, als hier von vornherein auf Augenhöhe der avisierten Zielgruppe gearbeitet werden sollte. Jugendkulturelle Besonderheiten und hier vor allem die spezifischen Eigenheiten verschiedener Subkulturen sollten nicht nur Beachtung finden, sondern gleichsam die Basis der Arbeit darstellen. Folgerichtig wurden Jugendliche, die sich verschiedenen Sparten und Strömungen zugeordnet fühlen, getrennt voneinander „betreut“.

Alco-Pop wandte sich an Jugendliche und junge Erwachsene verschiedener jugendkultureller Zusammenhänge. Aufbauend auf die langjährige Erfahrung der Einrichtung mit verschiedensten Zielgruppen und ihren spezifischen Ausprägungs- und Darstellungsformen wollte das Projekt die besondere Problemstellung des Drogenkonsums auf sensible, szenenahe und authentische Art und Weise angehen. Zentrale Idee war dabei, die themenbezogene Kommunikation unter Jugendlichen einerseits und unter Angehörigen derselben spezifischen Jugendkultur andererseits anzuregen und zu fördern, statt auf das „Alt unterrichtet Jung“-Konzept zuzugreifen. Glaubwürdigkeit und Authentizität sollten somit aus dem Prozess selbst erwachsen statt „künstlich“ dargestellt zu werden. Die Arbeit fand im adäquaten jugendkulturellen Umfeld statt, das heißt innerhalb ihrer Szene(n) prominente Musiker und Künstler arbeiteten aktiv mit, da sie das Vertrauen der entsprechenden Zielgruppe besitzen. Nicht wenige Multiplikatoren innerhalb der Szenen haben trotz jugendlichen Alters bereits ihre Erfahrungen mit Alkohol und Drogen gesammelt oder bereits erste Probleme damit erfahren und überwunden. Gerade im Straight Edge-Bereich sind Alkohol und Drogen zentrales Songthema selbst bei mit noch sehr jungen Leuten besetzten Bands. Erfahrungsaustausch unter Jugendlichen anstelle von Frontalunterricht war Dreh- und Angelpunkt des Projekts.

 

2.       Zeit- und Sachbericht: Den Auftakt zu „Alco-Pop“ bildete ein Aktionstag am 30.4.2005, der in ein Ska-Konzert mündete; diese Musikrichtung spricht mit Punks und Skinheads die im Bereich Alkohol wohl konsumfreudigsten Szenerien der Jugendkultur an, was sich in jeder Einrichtung durch entsprechende Thekenumsätze im Rahmen einschlägiger Veranstaltungen niederschlägt. Gleichwohl beinahe jeder Angehörige der Szene in überdurchschnittlichem Maß Alkohol – und hier vorwiegend Bier – konsumiert, ist die Bereitschaft, sich mit der Thematik ernsthaft auseinanderzusetzen, relativ gering. Die Tatsache, dass beinahe jede Band mindestens einen Song dem Alkohol widmet, sei es in relativ stumpfem Lobgesang auf „Schnaps und Bier“ oder in augenzwinkernder Selbstkritik eigener Verhaltensmuster („Filmriss“), widerspricht dem nur auf den ersten Blick. Grundsätzlich werden mit Alkoholkonsum einhergehende Probleme am ehesten ausgeblendet oder allenfalls mit der punktypischen Selbstironie benannt, aber als unlösbar hingenommen. Entsprechend oberflächlich blieb die Auseinandersetzung mit dem Thema: Abenteuerliche alkoholinduzierte Erlebnisse wurden gerne ausgetauscht, daraus zu ziehende Konsequenzen selten gesehen. Dennoch ist es positiv zu bewerten, dass eine mit dem Themenschwerpunkt versehene Veranstaltung auf relativ große Resonanz in der Besucherschaft gestoßen ist.

Im Sommer 2005 fand ein Kunst- und Graffiti-Workshop statt, der sich hauptsächlich an Angehörige der HipHop-Kultur wandte, aber grundsätzlich auch für andere jugendkulturelle Gruppierungen, die sich mit Graffiti beschäftigen, zugänglich war. Unter Leitung eines Künstlers aus Moers, der aus langer Szenezugehörigkeit ein beträchtliches Maß an Erfahrungen mit Drogen, vor allem aber mit ihren Konsumenten, sammeln konnte, wurde an vier Nachmittagen mit ca. 15-20 Jugendlichen und jungen Erwachsenen gearbeitet und diskutiert. Insbesondere der vermeintliche Zusammenhang zwischen Kreativität und Drogenkonsum, die Bedeutung „weicher“ Drogen für die HipHop- und Graffiti-Szene und die Unterschiede und Gemeinsamkeiten zum als „selbstverständlich“ und „gesellschaftstauglich“ betrachteten Alkoholkonsum wurden diskutiert. Zudem wurde die Thematik durch das Erstellen von Graffitis in künstlerischem Ausdruck umgesetzt.

Am 28.5. wurde ein durch ein abendliches Konzert abgerundeter Aktionstag zum Thema Alkohol und Drogen durchgeführt, der sich besonders an die Hardcoreszene wandte. Die geladenen Bands hatten sich bereits zuvor auch an anderen Orten an Aktionen zur Suchtproblematik beteiligt. Am Nachmittag wurde im Süden, dem Café-Bereich der Einrichtung, angeregt diskutiert und gearbeitet. Jugendliche und junge Erwachsene aus der Besucherschaft tauschten ihre Erfahrungen mit Alkohol- und Drogenkonsum aus, wobei insbesondere deren Auswirkungen auf den Verlauf spezifischer Konzerte diskutiert wurde. Bei den Hardcorern stellt die grundsätzlich auf Drogen (wozu auch Kaffee, Zigaretten und natürlich Alkohol gezählt werden) verzichtende Straight-Edge-Bewegung, die gegen Mitte der 80er Jahre entstanden ist, eine Besonderheit dar. Nicht wenige heutige „Edger“ blicken auf exzessive einschlägige Erfahrungen zurück, deren Folgen sie letztlich zur Bewegung hinzustoßen ließen. Mit fast schon missionarischem Eifer sind diese Jugendlichen und jungen Erwachsenen dann auch bereit, ihre Erfahrungen ausführlich und wortgewaltig zu schildern. Andere Angehörige der Hardcore-Szene konsumieren durchaus Alkohol, legen jedoch einen deutlich zurückhaltenderen und vorsichtigeren Umgang mit ihm an den Tag als etwa Punks oder Skinheads. Insgesamt ist der Szene eine differenzierte Auseinandersetzung mit der Thematik zu bescheinigen, was jedoch auch mit dem grundsätzlich höheren Anspruch an Inhalte und Aussage etwa von Songtexten übereinstimmt. Um es vereinfacht auszudrücken: Die Szene geht grundsätzlich jedes Thema differenziert und analytisch an, wobei die Alkohol- und Drogenproblematik eines der zentralen Gebiete ist.

 

3.       Fazit: „Alco-Pop“ hat gezeigt, dass auch als für die klassische Sozialarbeit als unerreichbar geltende Szenen durchaus bereit sind, sich mit spezifischen Themengebieten auseinander zu setzen, wenn sich das Angebot auf ihrer Augenhöhe bewegt und sich an authentischen Gesichtspunkten orientiert. Das von der VOLKSSCHULE immer wieder erfolgreich umgesetzte Konzept, Frontalunterricht durch Ermutigung und Anleitung zum Erfahrungsaustausch innerhalb der Zielgruppe(n) zu ersetzen, hat dazu geführt, dass Zugangsschwellen zu entsprechenden Angeboten überwunden werden konnten oder gar nicht erst entstehen mussten: Im Kreise von „Gleichgesinnten“ vergleichbarer Altersklassen und Szenezugehörigkeit tauschen sich Jugendliche und junge Erwachsene wesentlich unbefangener und letztlich effektiver aus, insbesondere wenn auf ihre signifikanten Merkmale und ihre Verschiedenheit Rücksicht genommen wird. Wenngleich sich Projekte wie „Alco Pop“ nicht anhand qualitativ messbarer Ergebnisse – wie gemindertem Alkohol- oder Drogenkonsum innerhalb der Zielgruppe – evaluierbar sein können, so ist es als Erfolg zu werten, dass die bewusste Auseinandersetzung mit alltagsbestimmenden, unbewusst vollführten Ritualen und Gewohnheiten angestoßen werden und über Multiplikatoreneffekte in verschiedene Szenen hinein getragen werden konnte.

 

 

24. Jugendkulturzentrum Volksschule, Moers - Hundert Plus

 

„Das Haus ist alt geworden, die Menschen sind jung geblieben“ (Neue Rhein Zeitung)

Das Jugendkulturzentrum „Die Volksschule“ in Moers hat mit Hundert Plus seine Wurzeln erforscht, die eigene Gegenwart gefeiert und den Blick in die Zukunft gewagt. Anlass des Projekts war das hundertjährige Bestehen des Gebäudes, in dem „Die Volksschule“ beheimatet ist, das eigentlich schon 2004 hätte gewürdigt werden müssen. In der alltäglichen Hektik des Betriebs war dafür schlicht keine Zeit gewesen. Hundert Plus hat das nun nachgeholt.

 

Ziel des Projekts war die Innenschau, wie die Öffnung der Institution nach Außen - Jugendliche sollten sich mit der Vergangenheit ihres Jugendkulturzentrum aus einander setzen, Initiativen und Trägerverein ihren Standpunkt bestimmen und gleichzeitig sollte in die Stadt hinein die aktuelle jugendkulturelle Arbeit kommuniziert werden. Die Entwicklung der politischen Situation vor Ort im Verlauf des Projektjahres zeigte, wie notwendig gerade die letztgenannte Ebene von Hundert Plus war: Seit einigen Jahren wird in Moers die Umgestaltung der Innenstadt vehement diskutiert. Immer neue Konzepte wurden in den vergangenen Jahren erstellt und wieder verworfen. Das Jugendkulturzentrum, das mit seiner zentralen Lage ein ideales Baugrundstück besetzt und zudem in direkter Nachbarschaft einen großen Parkplatz hat, der ebenfalls auf Bebauung wartet, geriet dabei immer wieder mitten in die Diskussion der Stadtplaner. Mitte des Jahres 2005 nahmen diese planerischen Gespräche durch das Auftreten eines Investors konkretere Formen an. Diskutiert und beschlossen wurde nun der Bau einer Senioren-Wohnanlage in direkter Nachbarschaft des Jugendkultur-zentrums. Die Bedenken, dass dieses direkte Nebeneinander von Jung und Alt große Konflikte hervorrufen wird, die auf lange Sicht zur Einstellung des Konzertprogramms sowie zur Einschränkung der Öffnungszeiten führen werden, wurden nicht in die Überlegungen mit einbezogen. Im Zuge dieser Entwicklung, in der auch alternative (aber nicht realistische, weil von der Politik nicht bezahlbare) Standorte im Gespräch waren, wurde es immer wichtiger, die Öffentlichkeit mit ein zu beziehen und als Institution aktiv zu werden. Der „Tag der Offenen Tür“ am 26.11.2005 fand daher zu einem idealen Zeitpunkt statt. Und auch die Dokumentation, die sich im Schwerpunkt mit der Entwicklung des Jugendkulturzentrums und seiner inhaltlichen Schwerpunkte beschäftigt, ist ein gutes Instrument, die Tradition und Bedeutung des Hauses als einen Ort für Jugendliche mitten in der Innenstadt zu verdeutlichen.

 

Von diesen Rahmenbedingungen abgesehen nun zum Verlauf und zur Reflektion des Projekts:

 

„Schaffen wir das noch?“ – „Wir schaffen das!“ (unter Kollegen)

Hundert Plus war geprägt von vielen Auf und Ab´s, die ihren Ursprung in vielen unwägbaren Faktoren hatten. Im Projektzeitraum fielen zwei hauptamtliche Mitarbeiter des ohnehin kleinen Teams jeweils über einen längeren Zeitraum durch Krankheit aus, die politische Situation schuf zusätzliche Bedrängnis und sorgte für eine große Belastung. Auch die Zusammenarbeit mit den Schulen, bzw. Schülergruppen, die sich mit verschiedenen thematischen Schwerpunkten der Vergangenheit des Hauses beschäftigen sollten, war von hoher Fluktuation und Unzuverlässigkeit geprägt. Der „schlechte Ruf“ der Institution als laute und chaotische „Drogenhöhle“, der sich natürlich auch auf die extrovertierten und „bunten“ Jugendlichen erstreckte, sorgte für Misstrauen in der älteren Generation, die gezielt angesprochen wurde, um einen Austausch von Jung und Alt zu ermöglichen. Es mussten viele Vorurteile und Widerstände abgebaut werden, um überhaupt Teilnehmer für das generations-übergreifende Erzähl-Café zu gewinnen.

 

„Hier riecht´s immer noch nach Kakao. Wie früher.“ (Maria, 84 Jahre)

So war die Hauptbeschäftigung der Projektleitung: Reden - Menschen aus der Vergangenheit der Volksschule aufzuspüren, sie in das Haus einzuladen, mit ihnen zu sprechen und sie dann miteinander ins Gespräch zu bringen. In diesem Zusammenhang fand durchaus sehr wohlwollender Kontakt statt: Das Erzähl-Café am 19.11.05 im „Süden“, der Kneipe im Haus, war geprägt von lebhaften Gesprächen und Erinnerungen. Rund 20 Menschen von 17 – 84 Jahren gingen gemeinsam durchs Haus und tauschten sich im daran anschließenden moderierten Gespräch aus. „Jung“ fragte, „Alt“ antwortete – und umgekehrt. In den späteren Stunden gab es dann vermehrt intensive Einzelgespräche.

 

„Trichter-Lernen“ (Titel einer Skulptur)

Auch wenn die Schwierigkeiten zu Anfang groß waren, fanden sich Jugendliche, die sich inhaltlich mit der Volksschule auseinander setzten: Die Gruppe unter dem Stichwort „Vergangenheit“ recherchierte wochenlang im beengten Moerser Stadtarchiv und suchte weitere Quellen, um die Lücken in der hundertjährigen Geschichte des Hauses schließen zu können. In der Zusammenarbeit mit einem Kunst-Leistungskurs einer Moerser Gesamtschule entstanden großformatige Bilder und kleine Skulpturen, die sich mit der Thematik der Vergangenheit des Hauses und dem aktuellen Schulalltag auseinander setzen. In den Gesprächen, wie auch den Bildern und Skulpturen wurde die kritische Haltung der Schülerinnen und Schüler zu ihrem Schulalltag immer wieder massiv deutlich.

 

„100 Jahre Volksschule – Wir laden ein!“

Der „Tag der Offenen Tür“ am 26.11.05 war auf jeden Fall eines der High-Lights des Projekts. Auch hier war im Vorfeld mit Schwierigkeiten zu kämpfen, fiel doch die für die Hauptorganisation und Koordination verantwortliche Mitarbeiterin drei Wochen vor dem Veranstaltungstermin wegen Krankheit aus. Die Fertigstellung der schriftlichen Dokumentation zu diesem Termin war daher nicht möglich.

Trotz heftigem Schneetreiben folgten doch zahlreiche Besucher der Einladung zum „Programm auf allen Ebenen“. Alle Initiativen des Hauses waren im Nachmittagsprogramm vertreten: Unterm Dach auf der Bühne zeigten sich Orientalischer Tanz, Afrikanisches Trommeln, die Künstlerinitiative „Productus“ und die Impro-Theatergruppe „Rheinflipper“. Im Erdgeschoss verblüfften die „Sportfreunde der Sperrtechnik“ mit kunstvollem Schlösserknacken und der Trading-Card-Club Moers führte ein in die komplexe Welt der YU-GI-OH! .

Im Keller gab es eine Ausstellung der Kinder-Mal-Werkstatt und Workshops zum Mitmachen. Über das gesamte Haus verteilt konnte man die Ergebnisse des Kunstkurses betrachten und sich durch Plakatausstellung, Fotos und Texte über die Geschichte des Hauses informieren. Im Veranstaltungssaal der „Volksschule“ rockten dann ab 20:00 Uhr die „Hausbands“ der Volksschule vor ca. 200 begeisterten Zuschauern. Erfreulicherweise waren auch zahlreiche Vertreter der Moerser Lokalpolitik der Einladung gefolgt, nach den offiziellen Reden ergab sich so noch die Möglichkeit zu Gesprächen.

 

Fazit „Initiiert wurde der Bau der Volksschule 1904 in dem Bestreben, einen Ort zu schaffen, der jungen Frauen die Möglichkeit gibt, ihre Lebenssituation über Bildungsangebote zu verbessern. Über hundert Jahre danach versteht sich das Jugendkulturzentrum als einen Ort, der jungen Menschen Raum für Ideen zur Verfügung stellt und sie bei deren Verwirklichung unterstützt. Wir arbeiten daran, dieses Haus als einen solchen Ort zu erhalten.“ (aus dem Grußwort der Dokumentation)

Hundert Plus hat viele Menschen miteinander ins Gespräch gebracht. Im gemeinsamen Bemühen, die eigene Geschichte zu rekonstruieren und die Menschen zu benennen, die mit der Entwicklung des Jugendkulturzentrums verbunden sind, fiel nicht selten ein „Sag mal, wie war denn das nochmal?“ . Es wurde viel telefoniert, Kontakt aufgenommen zu Ehemaligen und Aktiven und dabei wurden einige Querverbindungen entdeckt, die vorher nicht deutlich waren. Der Email-Verteiler des Trägervereins wuchs sprunghaft an. Deutlich wurde bei fast allen, die so wieder mit ins Gespräch mit einbezogen wurden, wie wichtig und prägend „ihre Zeit“ mit der Volksschule gewesen war, dies zeigte sich bei der ehemaligen Schülerin ebenso wie bei dem Mitbegründer des Jugendzentrums aus den 70er Jahren. Generationen von Moerser Bürgerinnen und Bürgern verbinden einen Teil ihrer Jugend mit dem Gebäude der Volksschule, erinnern Begebenheiten, Gerüche, die heute noch erhaltenen Muster in Böden und Geländer. Das es sinnvoll ist, dass Jugendarbeit in Häusern mit Geschichte stattfindet und ein Gebäude über so viele Jahre konsequent für und von Jugend genutzt wird und dadurch eine besondere Bindung an diesen Ort entsteht, scheint unbestreitbar.

Für die Mitarbeiter des Jugendkulturzentrums sind die Auswirkungen von Hundert Plus alltäglich spürbar: Ein kurzfristiger Aufruf etwa, eine entscheidungsschwere Ratssitzung mit der Präsenz von Volksschul-Befürwortern zu füllen, ließ 200 Jugendliche über Email-Verteiler und Telefonkette informiert, direkt aktiv werden. Weitere Aktionen schließen sich an. Neben einer Demo in der Innenstadt wird ein Foto-Projekt, die Gesichter der Volksschul-Besucher abbilden und ihre Statements zum Haus darstellen. Die Identifikation der Jugendlichen mit ihrem „Süden“, wie die Institution stellvertretend genannt wird, ist groß und wächst stetig. Auch die Zahl der ehrenamtlich Aktiven ist gestiegen, neue AG´s sind entstanden.

Die Auseinandersetzung von Alt und Jung hat nicht solch unmittelbar sichtbare Entwicklungen in Gang gesetzt, doch ein Grundstein für einen produktiven Umgang mit der künftigen Nachbarschaft und weitere Projekte, die generations-übergreifend arbeiten, ist gelegt.

 

 

25. Ringlokschuppen Mülheim - „Dylan denken“ - eine multimediale Performance

im Rahmen der Veranstaltungsreihe LIED.GUT

 

Die Veranstaltung „Dylan denken“ wollte von mehreren Seiten Einblicke in den Kosmos Bob Dylan geben.

Bob Dylans Politik als Haltung und Lebensweise, Bob Dylans Poesie und nicht zuletzt seine Musik, die beispielhaft ist in der Geschichte der amerikanischen Musik.

Es gibt niemanden in der populären Musik, der so heraus ragt.

Die Veranstaltung am 12. Februar 2005 war gleichermaßen Konzert, Lesung, Filmvorführung - eine Performance.

Die Hommage an Bob Dylan in Rahmen der Veranstaltungsreihe LIED.GUT war erdacht vom Autor Theo Roos und vom Musiker Günther Jansen. Es ging darum, Eindrücke zu gewinnen.

Eine sechsköpfige Band spielte Stücke von Bob Dylan. Dazu wurden Bilder des Rockpoeten auf eine Leinwand projiziert. Der Soziologe Klaus Theweleit, bekannt geworden durch sein Buch „Männerphantasien“, referierte über Dylan in all’ seinen Facetten. Leider konnte er wegen eines Unfalls nicht, wie ursprünglich vorgesehen, live vor Ort sein. Seine auf Film gebannten Beiträge wurden eingespielt.

Moderator Alan Bangs las Dylan-Texte und sprach darüber.

 

„Nach gut eineinhalb Stunden Programm war die Hommage an den Musiker zu Ende. Die Zuschauer verließen den Saal mit einem kleinen Eindruck des Gesamtkunstwerks Dylan.“

 

26. AZ Mülheim. Mülheim-Ruhr – Wüste – ein Theaterprojekt

 

Projektbeginn war der 1. Mai 2005.Durch Aushänge im AZ, das AZ Programmheft und die Internetseite hatten mehrere junge Leute von dem ersten Treffen erfahren. In den folgenden drei Monaten erarbeitete die Gruppe, bestehend aus acht Jugendlichen für den Bereich Spiel, zwei Jugendlichen für die Bereiche Co- Regie und Dramaturgie und dem Regisseur Dirk Vittinghoff eine Theatercollage auf der Grundlage eigener Erfahrungen und der im Vorgespräch ausgesuchten Texte. Für den Bereich Musik entwickelten zwei Jugendliche in enger Zusammenarbeit mit der Regie und der Theatergruppe eigene Stücke, die während den Vorführungen live gespielt wurde. Während der intensiven Probenphase fuhr die Gruppe ein Wochenende gemeinsam in ein Ferienhaus. Das Bühnenbild wurde von einer Jugendlichen allein (in Rücksprache mit der Gruppe) entwickelt, da die anderen Interessierten zwischendurchabsagten. Zusätzlich zu den im Antrag beschriebenen Bereichen wurden für die Bühnentechnische Umsetzung fünf Jugendliche im Umgang mit Licht und Bühnenaufbau angeleitet. In dem Rahmen wurden unter anderem Lichtstimmungen ausprobiert, in Rücksprache mit der Gruppe für das Stück entwickelt, das Pult programmiert und bei den Vorführungen bedient. Es fanden fünf Aufführungen Ende Juli/ Anfang August im AZ

statt, die alle recht gut besucht waren. Die Gruppe wurde von einem Duisburger Zentrum für eine Aufführung im November angefragt.

Die im Antrag formulierten inhaltlichen Ziele wurden alle erreicht.

 

 

27. cuba-cultur, Münster – Festival PERFORMANCE - KLANG

Ein Festival zwischen Klang und Handlung , 5.- 6. November 2005

 

Performance und Klangkunst – eine kurze Definition

Waren in archaischen Formen menschlicher, -kultureller Äußerungen: Klang und Musik – Bewegung und Tanz – Sprachen und Poesie noch untrennbar in und mit Ritualen verbunden, haben sich in der historisch-kulturelle Entwicklung unterschiedliche Darstellungsformen und Genres herausdifferenziert.

Gleichzeitig gab es aber immer auch Mischformen.

In der aus den Aktionen Bildender Künstler gewachsenen Performanceszene, nimmt ritualisierte Handlung wieder eine wichtige Rolle ein.

Performance kann in abstrahierter Form als „Kunst der Handlung“ begriffen werden.

 

Fragestellung - Was unterscheidet nun Klangkunst von Musik? Wo beginnt Performance als künstlerisches Ritual? Ist nicht jeder musikalische Auftritt eine Performance?

Wo ist die Schnittstelle zwischen künstlerischer Handlung und musikalischer Praxis?

 

Das Festival - Das Festival war ein offenes Feld für Fragestellungen der Wechselwirkung zwischen Klang und Handlung. Es sollte dabei weniger eine theoretische Debatte über die Definition und Abgrenzung von Genres und Begriffen leisten, als vielmehr ein Verständnis für die Vielfalt möglicher Ansätze in zeitgenössischer Kunstentwicklung fördern. Neun internationale KünstlerInnen, die mit der Reduzierung auf die wesentlichen Elemente und Prinzipien von Klang und Handlung experimentieren und arbeiten, luden zu einem Festival jenseits der Genregrenzen ein.

 

Das Programm im Detail

Sa. 5. November 20 Uhr:

Stephan US + Erhard Hirt (D) - Staht III: Mit Staht wird - reduziert auf einfachste Materialien, wie Stein und Draht - das Verhältnis von Bewegung und Klang ausgelotet.

Charles Dreyfus (F) - Ein, Zwei .... Dreyfus: Aus den Wurzeln der Fluxus-Bewegung entwickelte sound poetry, mit der er in unmittelbaren Kontakt zum Publikum tritt.

Antoni Karwowski (PL) – Self: Klangexperiment verbunden mit der Präsenz des agierenden menschlichen Körpers bildet die Basis seines Festivalbeitrags.

Sam Ashley (USA) - Every Heaven is the Best One: Scheinbar ein Perkussionist, tatsächlich ein Schamane im Spannungsfeld von Besessenheit und Exorzismus.

 

So. 6. November 20 Uhr

Harald Busch + Hainer Wörmann (D) – Cardboard: Mit Cardboard lenken die beiden Bremer Künstler den Blick auf die Parallelität von Klangerzeugung und gestischer Handlung.

Maria de Alvear (E) - Sol Alto: Erweitert durch symbolhafte Videoimpressionen wird Ihre Gesangsperformance zur eindrücklichen Multimedia-Aufführung.

Erwin Stache (D) - Klänge, Gesten und Motoren: Der Titel ist schon anschauliche Beschreibung dessen, was der Klangsurrealist mit selbst konstruierten Musikmaschinen erwarten lässt.

 

 

28. cuba-cultur, Münster - Grenzgänger / 6 Tanzimprovisationen

 

Die Reihe „grenzgänger // tanz und neue musik“ präsentierte 2005 Positionen aus dem Umfeld von experimental intermedia mit Elementen des Theaters, der Konzept- und Installationskunst.

grenzgänger // transmediale tanzimprovisationen stellte im Sinne eines künstlerischen Labors in intimen, bühnenlosen Situationen Zusammenarbeiten zwischen Tanz- und Musikimprovisationen transmedial vor. Von den Künstlern wurde die Bereitschaft zu Sparten übergreifender audiovisueller Experimentierfreude erboten.

Das Projekt stellte in einer losen Folge – in den Städten Berlin, Dortmund, Köln, (Saarbrücken) und Berlin - Begegnungen von improvisiertem Tanz, Musik und Medienkunst in bühnenlosen Situationen vor. Ausgewählt wurden Künstler, deren Stücke die Kommunikation zwischen Tanz und Klang untersuchen und in ein neues Licht stellen. Im Sinne eines künstlerischen Labors verschmolzen Ideen der Tanzimprovisation und audio-visuellen Künste mit Elementen von medialem Theater, Konzeptkunst und Klanginstallation und wurden im Zusammenspiel neu definiert.

Die vorgestellten Grenzgänger waren Tänzer, Musiker, Lichtgestalter sowie Medienkünstler.

Die Reihe „grenzgänger“ gab hierdurch Impulse für die Tanzszene als Forum für möglichen Austausch, neue Kooperationen bis hin zu gemeinsam entwickelten neuen Veranstaltungen auf europäischer Ebene.

 

Georg Dietzler, freies rheinland e.V., Köln: Diese Konzeption stellt in einer losen Folge Begegnungen von improvisiertem Tanz, Musik und Medienkunst vor, in Tuchfühlung mit dem Publikum in intimen, bühnenlosen Situationen. Ausgewählt sind Künstler deren Stücke die Kommunikation zwischen Tanz und Klang untersuchen und in ein neues Licht stellen. Im Sinne eines künstlerischen Labors verschmelzen Ideen der Tanzimprovisation und Neuer Musik mit Elementen von medialem Theater, Konzeptkunst und Klanginstallation und werden im Zusammenspiel neu definiert. Von den Künstlern wird die Bereitschaft zu Sparten übergreifender audiovisueller Experimentierfreude angenommen.

Die experimentierfreudige und multimediale Ausrichtung dieser Tanzreihe, als Ansatz ist nach wie vor richtig und ein wichtiger Beitrag Tanztheater heute zu reflektieren, wie es mir in persönlichen Gesprächen Herrn Jeschonnek vom Fonds Darstellende Künste und Stephan Schwarz vom Tanzhaus NRW bestätigt haben.

Aus meiner Beobachtung: Für Köln lässt sich sagen, das Interesse in der Region, Düsseldorf, Bonn, Belgien, Niederlande ist größer. Das Kölner Tanzpublikum nimmt andere Veranstaltungsorte, die nicht für Tanz (Städtische Bühnen, Alte Feuerwache) stehen, nur sehr zögerlich an, die Räume der Galerie Rachel Haferkamp werden akzeptiert, die Räume der SK-Stiftung Köln, obwohl sie das deutsche Tanzarchiv beherbergt, grenzgänger mitfinanziert, war ein Desaster mit zweimal 10 Besuchern, die eine Veranstaltungsperle sahen, aber der Raum ist schwer zu finden, darf nicht im Haus beworben werden und das Wachpersonal, hat suchende Besucher weggeschickt, dafür waren extrem hohe Mietzahlungen zu leisten. Die Akzeptanz von Veranstaltungsorten ist ein Phänomen auch in anderen Städten, im cuba-cultur und Kreativhaus waren die Veranstaltungen aufgrund von Konkurrenzveranstaltungen im Pumpenhaus, schlecht besucht, so dass freier Eintritt gewährt wurde, Atelier Freie Stücke, war sehr gut besucht. Grenzgänger im Rahmen des Festivals open systems war mit 200-300 Besuchern im neu eröffneten Domicil hervorragend besucht. Berlin als neue Stadt im Netzwerk war aufgrund der Vorweihnachtszeit mittelmäßig besucht, die Tanzfilme am 14. Dez in Köln aus gleichem Grund, zumindest für die Künstler der Tanzfilme hat sich ergeben, dass Filme für’s Tanzarchiv erbeten wurden.

Durch die späte Kölner Haushaltsbewilligung ergaben sich Programmänderungen, Ortsveränderungen, höhere Kosten, niedrigere Einnahmen und eine Zeitverschiebung in die Vorweihnachtszeit hat sich als unglücklich herausgestellt. Und dann gab es in Köln die Überlappung mit meiner Konzertreihe korona/experimental intermedia, die zu einer Programmdichte führte, die das Kölner Publikum nicht akzeptiert. Da würde ich mir mehr Flexibilität bei den Geldgebern wünschen.

Im Ausblick führe ich grenzgänger 2006 erstmal nur in Saarbrücken mit 2-3 Veranstaltungen weiter, da ich seit Februar 2006 eine befristet Hochschulstelle in Cornwall habe, kuratorisch in Köln ein Medienkunstfestival betreue, in Finnland ein ambitioniertes Ausstellungsprojekt mit aufgebaut habe und dieses bis 2011 für den Ostseeanliegerraum weiterentwickle.

 

 

29. Kreativhaus, Münster - Kabarett im Juli - Sommerfestival 2005

 

Vom 08. bis 23. Juli 2005 fand im Kreativ-Haus Münster das Sommerfestival „Kabarett im Juli“ statt. Zwei Wochen lang präsentierten Münsteraner Kabarettistinnen und Kabarettisten ihre aktuellen Kabarettprogramme auf der Bühne des Kreativ-Hauses. Ergänzt wurde das Festival durch die Veranstaltung „Wilde Mischung“ und eine Gartenparty.

 

Insbesondere die „Wilde Mischung“ war ein unerwartet großer Erfolg. Die Veranstaltung war eigentlich als kleiner „Appetizer“ im Café des Kreativ-Hauses geplant – alle am Festival beteiligten Kabarettisten sollten kurze Ausschnitte aus ihren Programm zeigen. Doch dann war der Andrang der Zuschauerinnen und Zuschauer an dem Sonntagnachmittag derart groß, dass die Veranstaltung kurzfristig auf die Bühne verlegt werden musste. Da wir für die „Wilde Mischung“ keinen Eintritt genommen haben, können wir die Anzahl der Zuschauerinnen und Zuschauer nur schätzen: Es waren ca. 150 Menschen, die diesen Festival-Auftakt begeistert feierten.

 

Auch die darauf folgenden Kabarett-Veranstaltungen liefen sehr gut. Von fünfzehn Vorstellungen waren fünf ausverkauft. Insgesamt haben über 1.300 Menschen das Kabarett-Festival besucht. Die positive Resonanz war für uns eine kleine Überraschung – waren wir doch vor dem Festival davon ausgegangen, dass es in den heißen Sommermonaten schwierig sein könnte, ein Publikum für Bühnenvorstellungen zu begeistern. Dem war nicht so; trotz sonnigem Wetter genossen die Menschen das Programm auf der Bühne und nahmen auch das Angebot wahr, nach der Vorstellung im Garten des Kreativ-Hauses den Abend zusammen mit den Künstlern ausklingen zu lassen.

 

Auch die beteiligten Kabarettistinnen und Kabarettisten nutzen das Festival, um sich die Programme der Kolleginnen und Kollegen auf der Bühne anzuschauen. Es war ein sommerlich leichtes und unbeschwertes Festival, das allen Beteiligten sehr viel Spaß gemacht und gezeigt hat, wie vielseitig die Münsteraner Kabarett-Szene ist.

 

 

30. Jugendtheater Cactus, Münster - Theater – Projekt „ANgedreht“

 

Eine Produktion von Cactus Junges Theater in Kooperation mit Jugendtheater - Werkstatt e.V., Theater im Pumpenhaus, Jugend Informations- und Beratungszentrum Münster.

 

Entwicklung des Projektes

Pop – Musik bietet Jugendlichen oft Identifikationshilfen, Ausdrucksmöglichkeiten, Reibungsflächen. Gleichzeitig ist sie aber auch emotionale Unterstützung und/oder Spiegelbild ihrer Wahrnehmungswirklichkeiten. Die Musikindustrie, die sich die Identifizierungssuche der Jugendlichen teilweise mit Plattitüden und Klischees um bestimmte Musikrichtungen herum zu Nutze macht, bietet meistens (durch ihre Abhängigkeit vom Markt) Musik nicht als Hörgenuss, sondern als Konsumform an, bei der es gilt, in möglichst schneller Zeit das „Richtige“ zu hören, um noch „dabei“ zu sein und „mitreden“ zu können. Um dieses Phänomen künstlerisch zu untersuchen und darzustellen, wollte Cactus Junges Theater ein theatrales Experiment wagen:

Acht junge (Laien-)Schauspieler sollten thematisch improvisieren, über ihre eigenen Musikerfahrungen, ihre Musikwahrnehmung und die Bedeutung des Musikhörens. Dabei sollte die Musik selbst als gleichberechtigte Kunstform neben dem Schauspiel existieren. Durch die Musiker Klaus Wallmeier (Schlagzeug und musikalische Leitung) und Jim Campbell (Elektronische Musik), die ihrerseits improvisierten, sollten die Schauspieler sowohl Anregung als auch Unterstützung bekommen. Regie führte Alban Renz. Von den Anfangs acht SchauspielerInnen (3m, 5w), verließ nach dem ersten Probewochenende aus Termingründen eine Spielerin das Ensemble, so das sich die Gruppe aus sieben Spielern zwischen 15 und 24 Jahren zusammen setzte.

ANgedreht sollte sowohl mit der Schauspielkunst der Improvisation, als auch mit der Kunst der improvisierten Musik arbeiten. Geplant war eine Aufführung mit zwei Teilen zu je zwanzig Minuten, jeder Teil zu einem anderen Thema, vergleichbar mit einer Session bei einem Jazzkonzert.

 

Proben und thematische Arbeit

Die Proben für das Projekt fanden am Wochenende des 11/12/13 März und in den Osterferien (21.03 – 03.04.) diesen Jahres statt. Die Aufführungen wurden am 6/7 März im Theater im Pumpenhaus präsentiert.

Um Material für die Musiker und Diskussionsgrundlagen innerhalb des Ensembles zu bekommen, hatten die Schauspieler die Aufgabe, eine Kassette mit dem „Soundtrack ihres Lebens“ aufzunehmen, also Musikstücke (egal welcher Art), die sie mit bestimmten für sie besonderen Momenten ihres Lebens, ihren Erfahrungen in Verbindung brachten. Diese Kassetten dienten auch als Basis für Texte, die von den Schauspielern in einer Schreibwerkstatt verfasst wurden. Gleichzeitig boten diese Aufnahmen Assoziationsgrundlage für gesprochene Texte, die von den Spielern auf Diktiergeräte gesprochen wurden, während sie die Kassetten hörten. Mit den Bändern der Diktiergeräte und den Musikkassetten improvisierte und arbeitete der elektronische Musiker Jim Campell. Er verzerrte die Musikstücke, schnitt sie zusammen, lies sie langsamer oder schneller abspielen. Zusammen mit dem Schlagzeuger Klaus Wallmeier entstanden so Soundteppiche und Klangbilder, zu denen die Schauspieler improvisieren konnten.

Während dieser Phase der Proben stellte sich heraus, das Musik von den Spielern (besonders in dem Zusammenhang „Der Soundtrack meines Lebens“ als Erinnerungshilfe genutzt wird. Sie läßt emotional wichtige Momente des Lebens noch einmal Revue passieren. So sollte der erste Teil der Improvisation das Thema „Erinnerung“ behandeln. Er hieß „Retro rapsody“. Im zweiten Teil beschäftigte sich das Ensemble mit der Thematik „Musik nur für mich und/oder Musik für alle“ (Titel: "Solo vs. Tutti“), davon ausgehend, das darüber diskutiert wurde, ob besondere Momente, die man mit Musik erlebt, eher alleine oder in Gruppen wahrgenommen werden.

In dieser Phase wurde auch über das Thema der Ausgrenzung von bestimmten Musikrichtungen improvisiert. Gerade im Bereich bestimmter Jugendgruppen ist die Musik, die man hört oft ein so großer Identifikationsfaktor, daß jeder, der andere Musik hört, als die in der Jugendgruppe akzeptierte Musik, ausgegrenzt wird.

Jede Phase wurde durch Ensemble- und Improvisationsübungen in Kapitel aufgeteilt, innerhalb dieser Kapitel, die durch Signale der Musiker oder der Schauspieler beendet oder begonnen wurden, konnten die Teilnehmer improvisieren. So gab es im ersten Teil die Kapitel „Aufwachen“, „Entdecken“ etc.

Die Auseinandersetzung mit der zunächst fremd anmutenden elektronisch verzerrten Musik verursacht bei den Spielern erst einmal Verwirrung, doch mit zunehmender Freiheit in ihren Improvisationen konnten sie auch die assoziativen Klänge annehmen.

 

Reaktionen und Fazit

Über die geplanten Aufführungen im Pumpenhaus hinaus wurde Cactus Junges Theater eingeladen, diese experimentelle Arbeit „ANgedreht“ im Rahmen des Festivals „Spieltrieb, Junge Tanz-und Theaterbegegnung, 1.-8.Juni“ vom Forum Freies Theater, Düsseldorf und Die Börse, Wuppertal zu präsentieren. Außerdem wurde „ANgedreht“ noch weitere 2mal in der Cactus Sommertheaterwoche (7.-12.6.05) im Theater im Pumpenhaus gezeigt. In den Wiederaufnahmeproben arbeitete das Ensemble noch einmal daran, Spannungen und Focus auf der Bühne stilistisch klarer zu fassen und zu intensivieren. Außerdem wurde einige Kapitel durch neue ergänzt, während in der ersten Aufführungsphase vor allem körperlich gespielt wurde, spielten nun (im zweiten Teil) sprachliche Improvisationen und Gesang eine größere Rolle. „ ANgedreht“ versteht sich als ein „work-in-progress“ Projekt, schon allein durch seinen improvisierten Charakter. Der gesamte Projektverlauf dieses Experimentes im Theater war sehr spannend und wirkt nachhaltig. Es besteht großes Interesse seitens der Regie und der Teilnehmer weiter und dezidierter zu diesem Thema zu arbeiten. Angedacht und in Vorbereitung ist eine größere Theaterproduktion im kommenden Jahr.

Die Besucher der experimentellen Abende waren sehr neugierig auf das Thema und sehr offen für diese Form der „Präsentation“.

„Gleich der Auftakt des neuen Stückes „ANgedreht“ von Cactus Junges Theater begeisterte das Publikum im Pumpenhaus. Unter der Leitung von Regisseur Alban Renz gelang ein schillerndes Experiment aus Schauspiel- und Musikimprovisationen. „ ( Münstersche Zeitung, 8.4.05)

 

 

31. Stephan US, Münster - Archiv des Nichts 2005

 

Das Archiv des Nichts blickt auf ein erfolgreiches und ereignisreiches Jahr zurück. Und ich könnte einen kleinen Roman schreiben über die zahlreichen Gespräche, Diskussionen und Erlebnisse rund um das Archiv des Nichts. Mache ich aber nicht, sondern ich versuche alles in wenigen Worten und Stichpunkten zusammen zu fassen.

 

Aktionen rund um das Nichts - Da das Archiv des Nichts immer in Zusammenhang mit Aktionen beworben wurde, fanden in 2005 10 Aktionen bzw. Ausstellungen zum Thema in Münster, Berlin, Stettin, Gummersbach und Aachen statt:

1.       Klang-Performance „Zero:A.....the end“ Open-house, Münster 5/2005

2.       Installation “Nichts” Open-house, Münster 5/2005

3.       Aktion: Kaufen Sie Nichts, Münster 6-7/2005

4.       Klang-Performance „Zero:A.....the end“ cuba-cultur, Münster 9/2005

5.       Performance „Creationes ex nihilo“, Nacht der Museen u. Galerien, Münster 9/2005

6.       Klang-Performance „Zero:A.....the end“ Kulturtage Hiltrup, Münster 10/2005

7.       Performance „Zero“, Galeria Officzina, Stettin/Polen, 10/2005

8.       Performance „Zero“, Aktionsbank, Berlin, 10/2005

9.       Performativer Vortrag über das Nichts, Gummersbach, 11/2005

10.   Performativer Vortrag über das Nichts, Aachen, 11/2005

 

Internetpräsenz und Dokumentation - Des weiteren wurde die Internetseite www.archiv-des-nichts.de, die erst für 2006 geplant war, dank des Sponsorings durch RosenbaumWebDesign in deutscher Sprache realisiert. Dank dieser Internetseite konnte das Projekt in hoher Qualität und mit einer weltweiten Präsenz beworben und dokumentiert werden.

 

Archiv des Nichts - Für das Archiv hatte ich bis zur ersten Präsentation durch eigene Recherche und vielen Zusendungen schon über 250 Beiträge über das Nichts, die Stille, die Leere, Null und viele verwandte Bereiche des Nichts gesammelt. Es gingen Beiträge von Vaasa, Finnland bis Rom, Italien, von Stettin, Polen bis Chicago, USA ein. Zahlreiche dieser Beiträge sind Bücher, DVD´s, CD´s und andere Medien, wie auch künstlerische Beiträge, Gedichte, Texte und Gegenstände.

 

Erste Präsentation des Archivs - Die Eröffnung und erste Präsentation des Archivs war ein voller Erfolg und hat meine Erwartungen weit übertroffen:

·   Zur Eröffnung waren über 60 Menschen da und es kamen über 250 Besucher an den fünf Tagen von Bielefeld bis Köln angereist.

·   Das WDR 3-Radio, der Deutschlandfunk und der bayrische Rundfunk sendeten zur ersten Präsentation einen Beitrag bzw. eine Rezension über das Archiv des Nichts.

·   Über die dpa erschien die Ankündigung bundesweit in den Printmedien, mir bekannt in Augsburger Allgemeine, Rheinische Zeitung, Schwäbische Zeitung, Westfalen Blatt etc..

·   Die Online-Dienste der Zeitungen haben es vom Bodensee bis nach Flensburg veröffentlicht, darüber hinaus in Online-Diensten wie Glaube-aktuell, web.de etc..

·   Die regionale Presse hat sehr positiv und umfangreich berichtet.

·   Das Archiv ist in der Zeit auf über 300 Exponate angewachsen, viele Emails mit Texten und Gedichten aus dem gesamten Bundesgebiet.

·   Ein wahrer Boom von Zugriffen auf die Internetseite ist zu verzeichnen.

Meinen Dank an allen Förderern!

 

 

32. Theater am Schlachthof Neuß - „Uhrwerk Orange 2004- Gewaltige Gesellschaft“

 

Vorbereitung:

Im Januar 2005 begannen die Vorbereitungen zu diesem Projekt. Eine Ausschreibung an Schulen, Jugendclubs und durch die örtliche Presse lud zu einem Vorbereitungstreffen/Casting für das Stück „Clockwork Orange“ ein. Eingeladen wurden Jugendliche ab 14 Jahren. Es meldeten sich über sechzig Jugendliche zum Casting, so dass die Auswahl der 14 teilnehmenden Jugendlichen sehr schwer fiel. Aus diesem Grund wurden auch die Aufgaben der Regieassistentin, der Techniker und Bühnen- und Kostümbildner an Jugendliche übergeben, um so alle interessierten Jugendlichen an dem Stück mitarbeiten zu lassen.

·                     In der Bühnenbildgruppe wurden zwanzig großflächige Bühnenprospekte / Comics gemalt.

·                     In der Kostümgruppe über 30 Kostüme geschneidert.

·                     In der Werkgruppe wurden alle Bühnenteile gebaut.

Mit der Schauspielgrupe wurde in den nächsten Wochen das Theaterstück erarbeitet. Durch den sehr gewalttätigen Inhalt dieses Stücks kam es immer wieder zu Gesprächen und Diskussionen über dieses Thema und die Lebenswirklichkeit der Jugendlichen. Während der Probenarbeit wurden immer wieder interessierte Jugendliche und Jugendgruppen zu den Proben eingeladen, um so eine breite Diskussion über das Thema Gewalt anzuregen.

 

Das Stück:

Alex ist 16 Jahre alt, als die Geschichte ihren Anfang nimmt: In einer Großstadt irgendwo auf diesem Planeten Erde irgendwann in einer nahen Zukunft geht er gemeinsam mit seinen "Droogs", seinen gleichgesinnten Kumpanen, ihrer nächtlichen Lieblingsbeschäftigung nach - zerstören, klein machen, tot machen.

Sinn gibt es keinen, Spaß ist angesagt. Der Spaß hört jedoch auf, als Alex von seinen Droogs verraten wird - er wandert ins Gefängnis.

 

Umsetzung:

Die Jugendlichen fanden ich sehr schnell zu einem Team zusammen und arbeiteten sehr intensiv an dem Projekt.

Großen Anteil an der guten Arbeitsatmosphäre hatten der Choreograph Björn Brackelsberg, die Pädagogin und der Regisseur Sven Post.

Nach achtwöchiger Probenarbeit wurde Ende April das Stück Clockwork Orange im Theater am Schlachthof aufgeführt. Wie man den beiliegenden Pressekritiken entnehmen kann, wurde es ein großer Erfolg.

Dieses Stück wurde aber auch als Anregung einer Diskussion über Gewalt, Gewaltdarstellung im Theater und der Gewalt in der Wirklichkeit genutzt. Aus diesem Grund entstanden nach den Vorstellungen immer wieder Diskussionen mit Zuschauern (meist Jugendliche) über dieses Thema. Die eingesetzte Theaterpädagogin hat also nicht nur die Probenarbeit begleitet, sondern auch die Vorstellungen, um in beiden Situationen die Diskussionen zu lenken und Denkanstösse zu geben.

 

 

33. Theater am Schlachthof Neuß - „Ich kreuzige meinen Teddybär“

 

Im Sommer 2005 produzierte das Theater am Schlachthof in Kooperation mit dem Kinder- und Jugendtheater Dortmund das Ein-Personen-Theaterstück „Co-Starring“.

Der Regisseur kam aus Dortmund und der Schauspieler aus dem Theater am Schlachthof in Neuss. (Abrechnung erfolgte bei beiden über Dortmund)

 

Die Proben wurden hauptsächlich in Neuss durchgeführt, so dass eine Jugendgruppe aus Neuss zusammen mit einer Theaterpädagogin die Entwicklung des Stückes verfolgen konnte.

Im Zuge dieser Zusammenarbeit kam es immer wieder zu interessanten Gesprächsrunden, da das Stück z.B. die Selbstmord-Problematik bei Jugendlichen auf eine sehr satirische Weise beschreibt. (siehe auch Anhang, schriftliche Äußerungen der Jugendlichen).

Viele der teilnehmenden Jugendlichen, die diese Erfahrung im Freundeskreis oder bei sich selber bereits gemacht haben, gaben immer wieder Anregungen zur Umsetzung und brachten Ihre Erfahrungen mit ein.

Die Jugendlichen wurden nicht nur in die thematische Arbeit mit eingebunden, sondern konnten auch erfahren, wie ein Theaterstück überhaupt auf die Bühne gebracht wird. So konnten Erfahrungen im Bühnenbildbau, bei den Kostümen und der Gestaltung des Plakates gemacht werden.

 

Im Anschluß an die Premiere erarbeiteten die Jugendlichen mit der Theaterpädagogin einige eigene Szenen zum Thema Pubertät, Erwachsenwerden, Selbstmord usw. Diese Szenen wurden dann mit großem Erfolg vor Freunden und anderen Interessierten gezeigt.

Da an dem Projekt, viele Jugendliche mit Suizid Erfahrungen teilnahmen, konnte nur eine geschlossene Veranstaltung stattfinden (Initiative der Jugendliche um psychisch anfällige Jugendliche zu schützen.

 

 

34. Druckluft Oberhausen - Wi(e)der die Alleinunterhaltung

 

Das Jugend- und Kulturzentrum Druckluft veranstaltete in der Zeit vom 06.Juni bis 12. September eine Kulturreihe zur Förderung der Auseinandersetzung mit Kunst und Kultur.

An 15 Montagen wurden im Gartencafe des Zentrums „Alleinunterhalter“ (auch in mehrfacher Ausführung) aus den Bereichen Musik, Performance, Literatur, Theater und Film präsentiert. Die Aufgabe, ein Gartencafe mit lebendiger Kultur zu erfüllen, bildete die Basis und den Anspruch für dieses Projekt. Das Gartencafe wurde in dieser Zeit vom Ort des Konsums und Abschaltens zum Zentrum für künstlerische Aktivitäten und der Auseinandersetzung mit Kunst und Kultur.

 

Programmübersicht:

Mo. 06.06. 20h Markus Küsters liest: Eugen Egner: Erinnerungen eines Elektrogitarristen

Musikalische Begleitung: Cellolitis (Nikolaus Herdieckerhoff) - Cello
Mo. 13.06. 20h Tom Liwa (ausgefallen und am 15.08. nachgeholt)

Ein Tom Liwa Abend der etwas anderen Art…

Mo. 20.06. 20h Archaic Pop Stuff mit Ralf Werner
(Violoncello & Sampler & Live Elektronik) und Raul Sengupta (Tabla & Percussion)

Mo. 27.06. 20h Massiv – Vorprogramm: Gian Piero Piria

Was ist MASSIV? „Einmannwortfetzenmantramassacker“ hat ein Zuhörer mal gesagt!

Mo. 04.07. 20h Ralf Schumann

Ralf Schumannn, Oberhausener und Musiker und Ex DJ (Musikzirkus, Old Daddy, Ebertbad) lädt ein zu einer Klangreise durch die experimentelle Popmusik.

Mo. 11.07. 20h Wi(e)der die Alleinunterhaltung: Markus Kaiser und Paul Mc Dowell (Liverpool England)

Mo. 18.07. 20h Wolf Köss – Rezitation und Schlagzeug

Mo. 25.07. 20h Wickie Dub Band feat. Johannes Terbach

 Der Alte Ortlepp – Eine Homage (Dinner Session I + II)

 Wickie Dub Band, das sind Dr. Scratchy Snuggles (Bass), Maja (Saxophon), Raul Rossi (Percussion), Ma Jah-Jah (Doun Douns) und Prince Rice I (Effekt-Hascher-Ei).

Mo. 01.08. 20h Wi(e)der die Alleinunterhaltung: Big Al Dilly – 40jähriges Bühnenjubiläum

Mo. 08.08. 20h Wi(e)der die Alleinunterhaltung: Giampiero Piria - VILLON - DAS TESTAMENT

Mo. 15.08. 20h Wi(e)der die Alleinunterhaltung: Tom Liwa

 Ein Tom Liwa Abend der etwas anderen Art…

Mo. 22.08. 20h Wi(e)der die Alleinunterhaltung: Knoblauch Nuß

Mo. 29.08. 20h “zwey“ (tone centrale)
Anne Krickeberg, Stahlcello, trad. Cello, Nyckelharpa
Stefan Schmitt, CD´s und laptop.

Mo. 05.09. 20h Wi(e)der die Alleinunterhaltung: Britta Lemmon Trio

Mo. 12.09. 20h Wi(e)der die Alleinunterhaltung: Serge Corteyn (Gitarre) und Lisa Grothe (Cello)

 

 

35. Kraftstation Remscheid - „Blick in die Matrix - Reloaded“

 

Wir befanden uns auch 2005 in der Matrix.

Jungen und Mädchen, Frauen und Männer, x und y. Festgelegte Geschlechterrollen ! Hetereosexualität ! Männlich - Weiblich?

Das Projekt „Blick in die Matrix - Reloaded“ setzte die vergangenen Gendermainstreamingprojekte fort. In Theaterstücken gingen wir der Frage nach Rollenverständnissen von Jungen und Mädchen heute nach.

Eine Kernfrage war die nach der heutigen Bedeutung von Genderrollen ? Ist das für Jungen und Mädchen eine Frage, oder werden Rollenmodelle ohne hinterfragen rezipiert.

Keine Frage, oder eine Frage, Jungs sind cool, Mädchen sind zickig ?

Wie kommen Jugendliche mit den Rollenzuschreibungen in der Matrix zurecht ?

Werden die in Frage gestellt?

Wir wagten einen gemeinsamen Blick in die Matrix und hinterfragten mit dem Publikum die Konstruktion von Geschlecht und Rollen.

Ein Bestandteil des Projektes war die Konzertreihe in-sects, in der wir die Frage stellten, was Pop mit Geschlechtlichkeit zu tun hat? Inwieweit ermöglicht es Popmusik die „Matrix“ zu „queeren“ ?

Das Theater Marabu spielte im Forum Hackenberg, an der Gesamthauptschule vor 400!!! Kindern (5. Und 6.Klasse) das Theaterstück „Zwei unzertrennliche Feinde“. Zwei Jungen liegen in ewigem Wettstreit. Sie raufen und zanken, wie schon Ihre Väter. Wer ist der Bessere, Mutigere und Stärkere? Sie spielen dieses Spiel gnadenlos zu Ende. Als sie erkennen, dass es nur Verlierer gibt, ist es zu spät.

Begeisternder Applaus war die Reaktion.

In der Kraftstation spielte das Theater am Schlachthof „Stones“.

Zwei Jugendliche werfen Steine von einer Brücke und töten dabei einen Autofahrer. Zwei Polizisten befassen sich mit dem Fall. Zwei Schauspieler spielen in diesem authentischen Fall alle Rollen. Ein Theaterstück in atemberaubender Geschwindigkeit.

Zum Abschluss zeigten wir in einer erstmaligen Kooperation mit der Albert Einstein Gesamtschule das Stück „Strandläufer“ vom Theater Grüne Soße.

Vier Männer treffen sich am Strand. Es sind 4 Jungs aus dem gleichen Stadtteil. 4 Jungs, die sich zufällig im Urlaub kennen lernen. 4 Männer, die Abschied genommen haben. 4 Väter, die auf Erholungsreise sind. Dieses Stück sahen 180 Jungen!!! aus der 5. und 6. Klasse. Auch hier Applaus auch an Stellen, wo es nicht zu erwarten war. Gerade dieses Stück eignet sich hervorragend männliche Rollen deutlich zu machen.

Die Veranstaltungsreihe war ein großer Erfolg. Gerade in der schwierigen Altersgruppe 13 – 16 Jahren werden in Remscheid kaum thematische Theaterstücke angeboten.

Verbesserungsfähig ist die Zusammenarbeit mit den Schulen im Bereich Nachbesprechungen der Theaterstücke.

 

 

36. Kraftstation Remscheid - POP IN OPPOSITION

 

„Und wir argumentieren, und wir analysieren, doch wir werden verlieren, wenn wir uns nicht organisieren“

Bernadette La Hengst in „Die da oben machen ja doch was wir wollen“

 

Das Projekt „Pop in Opposition“ knüpfte an vorhergehende Popprojekte in der Kraftstation an. Wichtig ist uns die gesellschaftliche Bedeutung von Popmusik herauszustellen. Pop ist nicht losgelöst von gesellschaftlichen Aspekten, sondern in dieser spiegeln sich „Befindlichkeiten“ . Gerade für Jugendliche hat Popmusik eine orientierende Wirkung. Was vermitteln Bands in ihrem Gestus und in ihren Liedern war ein entscheidender Aspekt in diesem Projekt.

Zentral war die Frage wohin Pop(musik) steuert ? Wie verhalten sich Bands im Spagat „Wut“ oder „Liebe“? Wie regiert Pop auf einen gesellschaftlichen Nationalisierungskurs? Geht Pop, die KünstlerInnen, in Opposition, oder dominieren Lieder mit Innerlichkeitsbezug.

Mit dem Projekt „Pop in Opposition“ wollten wir diese Entwicklung aufzeigen und mit dem Publikum auf Spurensuche nach oppositioneller Popmusik gehen.

Die Veranstaltungsreihe „Pop in Opposition“ :

Fr 30.09.; Jupiter Jones / Duesenjäger / Kescher / Vortrag Marvin Chlada

Jupiter Jones und Duesenjäger waren ein Manifest im Punk verwurzelter Gitarrenmusik, waren Energie und Einkehr, Kraft und Emotion. Marvin Chlada stellte einige Fragestellungen zu „Pop in Opposition“ vor, die vom Publikum kontrovers diskutiert worden..

Fr 04.11.; Planlos / Vortrag Tobias Staiger

Schnörkellos, geradlinig, ehrlich – Planlos kamen ohne Umschweife auf den Punk(t) und sangen Klartext. Der Vortrag von Tobias Staiger entsprach inhaltlich und sprachlich dem jungen Publikum und kam sehr gut an.

Fr. 11.11.; Bernadette La Hengst / Question Mark

Bernadette La Hengst hielt einen Vortrag über ihre Arbeitsweise mit Musik und demonstrierte im Konzert die Einheit von politischem Standing und Bauch. Sie sang Lieder über das Recht auf Faulheit, Internationalismus und die Forderung : „Her mit der Utopie“.

Fr. 25.11.; muff potter. / Ni Ju San / Vortrag Martin Büsser

muff potter. Sangen ihren Angry Pop, der viel Punk enthielt, und Texten die zwischen politischen Statements (Punkt 9) und Gefühlslagen pendelten. Martin Büsser referierte über „I can`t relax in Deutschland“, und stellte Initiative, Buch und CD vor.

 

Insgesamt waren die Veranstaltungen gut besucht und die Veranstaltungsreihe hat eine hohe Aufmerksamkeit, in der Presse und bei den BesucherInnen erfahren. Nach der Reihe wurde die Kraftstation angesprochen, Pop im Rahmen einer Projektwoche in der Schule zu thematisieren. Immer noch ungewöhnlich ist für die meisten BesucherInnen, das es vor den Konzerten einen Vortrag gibt und Pop mit Gesellschaft in Verbindung gesetzt wird. Jedoch wird das sehr gut angenommen und die Reaktionen sind positiv.

Das Projekt ist in Kombination mit einem ähnlichen Projekt im Pelmke (Hagen) auf DVD dokumentiert worden und kann bei der Kraftstation oder der Pelmke angefordert werden.

Für 2006 möchten wir an das Projekt anknüpfen und als neuen Aspekt eine Schulprojektwoche durchführen.

 

 

37. ZUFF Rheinberg - Hitzefrei

 

Die Ausgangsposition des Projektes Hitzefrei, war die Situation des Jugendkulturzentrums ZUFF! innerhalb seiner Stadt Rheinberg. Die Arbeit des ZUFF! geriet und gerät immer wieder in die Kritik von Verwaltung und Politik und hat zudem einen schwer greifbaren „schlechten Ruf“ in der Öffentlichkeit. Ansatzpunkt war daher, die Vielfalt der Arbeit, die im ZUFF! passiert, aufzuzeigen und innerhalb der einzelnen Gruppen eine Verknüpfung herzustellen, bzw. ihnen über eine Sommerveranstaltungs-Reihe eine gemeinsame Plattform zu schaffen. Zusätzlich war geplant, ehemalige Aktive und Initiatoren des Jugendkulturzentrums aufzuspüren und dadurch Tradition und Geschichte des ZUFF! deutlich zu machen.

 

„Scheitere weiter, scheitere besser!“ (S. Beckett)

Das Projekt „Hitzefrei“ hat auf seinen unterschiedlichen Ebenen sehr unterschiedlich erfolgreich funktioniert. Die initiierten Projekte in allen Bereichen des ZUFF (Theater, Offene Tür, Kindertheater, Musikveranstaltungen) arbeiteten zwar äußerst produktiv und zielstrebig auf den genannten Aufführungszeitraum hin, der gewünschte integrative Effekt blieb jedoch in seinem erwarteten Rahmen aus. Jeder Bereich blieb in seiner Teilnehmer- wie Zuschauerstruktur zunächst sehr „unter sich“. Auch die Recherchen zur Vergangenheit des ZUFF gestalteten sich mühsam. Zwar „kannte immer jemand einen, der jemanden kannte ...“, doch die realen Personen blieben lange Zeit nicht greifbar. Auch Dokumente über die frühere Arbeit des Jugendzentrums, während der Zeit der städtischen Trägerschaft, blieben lange Zeit aus und stellten sich dann erst spärlich ein. Die Projektleitung fragte sich immer wieder, ob der Zeitpunkt des Projekts einfach falsch gewählt sei, da sie immer wieder mit mangelnder Resonanz zu kämpfen hatte. Oder war der Anspruch, so viele verschiedene Gruppen und Aspekte miteinander zu vereinen einfach zu groß?

 

Zusätzlich zu diesen Anlaufschwierigkeiten fiel mitten im Veranstaltungszeitraum dann ein hauptamtlicher Mitarbeiter längere Zeit durch Krankheit aus, was zusätzliches Organisationschaos und eine Überlastung des verbleibenden Teams zur Folge hatte. Geplante Veranstaltungen wurden abgesagt (auch durch Absage der betreffenden Bands) und zudem wurden durch Fehlinformationen Termine ungünstig und parallel zu anderen Veranstaltungen gelegt, was im Publikumszuspruch der eigenen Veranstaltungen deutlich wurde. Die Projektleitung hat sich daher entschlossen, einige geplante Veranstaltungen Ende des Jahres 2005 nachzuholen.

 

„Hitzefrei“ einiges hat in der Institution ZUFF! und im Umfeld seiner Besucherschaft in Gang gesetzt. Alle im Haus verankerten Gruppen reagierten äußerst positiv auf die Idee einer gemeinsamen Präsentation innerhalb eines Auftrittsforums im Sommer und wurden zielstrebig aktiv. Es konnten zahlreiche freiwillige Helfer für die Durchführung der Projekttage gewonnen werden. Die inhaltliche Recherche im Stadtarchiv und den Zeitungsarchiven der Stadt förderte zu Tage, dass die Institution ZUFF! seit jeher für Schlagzeilen sorgte: Dies wurde durch eine Ausstellung während der Veranstaltungstage neben alten Plakaten im gesamten Haus präsentiert. Weitere Texte und Fotos zeichneten ein Bild der bewegten Geschichte der Institution. Auch wenn die „offiziellen“ Gesprächsangebote für die ehemaligen Aktiven der Institution von Terminschwierigkeiten und daher einer eher spärlichen Besucherschaft geprägt waren, hat „Hitzefrei“ zahlreiche inoffizielle Gespräche und Telefonate initiiert und vor allem durch die gemeinsame Organisation der Veranstaltungstage, die zuvor sehr isoliert agierenden Gruppen des ZUFF! miteinander in Kontakt gebracht. Bei der Gestaltung des Programms wurde direkt auf die Interessen und Vorschläge der derzeitigen Aktiven des ZUFF! reagiert: So gliederten sich die drei Projektwochenenden zunächst thematisch unter die Stichworte „Theater“, „Musik“ und „Familienprogramm“, im Weiteren zeigte sich, dass die gemeinsame Plattform im Wesentlichen unter den Jugendlichen funktionierte, die ihre selbst organisierten Veranstaltungen gegenseitig besuchten. Die große Gruppe der Eltern und Ehrenamtlichen des Bereichs des Kindertheaters mit und für Kinder, wurde zwar äußerst aktiv in Workshop–Angeboten und Kuchenspenden, war aber für die HIPHOP und HARDROCK-Veranstaltungen nicht zu gewinnen.

 

Die Öffnung der Institution nach Außen und der gewünschte Effekt, die Vielfalt der Arbeit des ZUFF! in die Stadt hinein deutlich zu machen und darzustellen, hat zu vielen Gesprächen angeregt, die vor allem die Projektleitung als direkte Reaktion auf ihre „Kontaktversuche“ zu anderen Institutionen der Kinder- und Jugendarbeit als positive Überraschung wahrgenommen hat. Sicher kann man nicht von einem „Image-Wechsel“ des seit Jahrzehnten gewachsenen „schlechten Rufs“ des ZUFF! sprechen, der gewiss wie bei vielen anderen Einrichtungen der Jugendarbeit auf den Generationskonflikt und ein gewisses Unverständnis für jugendliche Kulturformen zurück zu führen ist, doch ist durch die intensive Kommunikationsarbeit des Projekts konkret deutlich geworden, wie wichtig es für das ZUFF! ist, aktiv und selbstinitiativ an einer positiven Darstellung der inhaltlichen Arbeit mitzuwirken. Sehr deutlich wurde auch, dass diese Ebene der Arbeit vor allem an äußeren Umständen wie Personalmangel scheitert. Gerade in einer kleinen Stadt wie Rheinberg bewegt sich die Kommunikation in die Stadt hinein auf zahlreichen informellen Ebenen – Presseberichte oder Flyer werden in diesem Zusammenhang kaum wahrgenommen. Diese informelle Ebene ist personengebunden und daher sehr zeitintensiv. Der Anspruch, ein positives Bild der Institution in der Öffentlichkeit aufzubauen, muss daher bewußt relativiert werden. Viel wichtiger erscheint die Erkenntnis, dass das ZUFF! mit seinen vielen Besuchergruppen mit sehr unterschiedlichen und teilweise gegensätzlichen Interessen, ein funktionierendes sensibel ausbalanciertes System praktiziert, das sich vom „Nichtangriffspakt“ zur wohlwollenden gegenseitigen Akzeptanz und sporadischen gemeinsamen Aktivitäten herausfordern läßt.

Abschließend bleibt zu sagen, dass nicht zuletzt die Grenzen der Projektarbeit und die enttäuschten Erwartungen oder Ansprüche, die während der Laufzeit von Hitzefrei immer wieder deutlich wurden, maßgeblich dazu geführt haben, die inhaltliche Ausrichtung des ZUFF! zu überprüfen, Strukturen in Frage zu stellen und somit einen produktiven internen Prozess in Gang gesetzt haben. Auch ist die Freude am herausfordernden Miteinander der unterschiedlichen Klientel keineswegs geringer, sondern im Gegenteil durch zahlreiche positive Begebenheiten während des Projekts, bestätigt worden. Die Erfahrung mit „Hitzefrei“ fließt ein in weitere Projekte, die gezielt das komplexe Nebeneinander der Gruppen deutlich machen und ein Miteinander nachhaltig initiieren.

 

 

38. Alter Schlachthof, Soest – Stadtoper Soest – Die Zauberflöte

 

Gedanken zur Entstehung der StadtOperSoest

 

Mozart. Das bedeutet, die Welt hat einen Sinn und er ist uns erspürbar im Gleichnis der Musik.

(Hermann Hesse, Tagebuch 1920/21)

Die Strahlen der Sonne vertreiben die Nacht, singt Sarastro am Schluss der Zauberflöte, einer Oper, die einzig dasteht, in der Musikgeschichte.

Die Verknüpfung von Volkstheater, Märchen- und Zauberspiel mit Idealen und Riten der Freimaurer hat immer wieder Anlass zu tiefsinnigen Überlegungen und Spekulationen gegeben. Die Größe der Musik dieses Werkes aber ist über alle Diskussionen erhaben. Die Geschichte um die so verschiedenen Männer wie Tamino und Papageno als einem Handlungsstrang der Oper, die auf ganz unterschiedliche Art zu ihren „Traumfrauen“ finden, begeistert nach wie vor das Publikum. Mozart gelang mit dieser, seiner letzten Oper, ein weiterer Geniestreich.

Der Faszination Oper sind auch wir erlegen, als vor ca. 2 Jahren Herr Busch vom Singkulturhaus AlmaViva als neuer Chorleiter des Städt. Musikvereins erstmalig von der Idee sprach, in Soest eine Stadtoper aufführen zu wollen. Eine Stadtoper, das meint viele Bürger einer Stadt ohne eigenen Opernbetrieb so für einen künstlerischen und organisatorischen Entwicklungsprozess zu begeistern und einzubinden, dass an dessen Ende die professionelle szenische Aufführung eines Musiktheaterstücks stehen kann. Eine ganze Stadt macht Oper.

Die Idee griff um sich und infizierte zunächst den Vorstand des Musikvereins wie auch den Schulleiter. Erste Sondierungsgespräche mit dem Bürgermeister und dem Kulturbüro Alter Schlachthof waren ermutigend und zeigten den Willen, dieses Projekt mit zutragen und zu unterstützen.

Die Idee wurde weiter getragen in den Chor des Musikvereins, benachbarte Chöre wurden angesprochen und ein bundesweit ausgeschriebenes Casting wurde organisiert, um die Solistenpartien in der Oper besetzten zu können.

Je weiter sich die Stadtopernidee entwickelte und je größer ihre Dimension wurde, um so deutlicher wurde allen verantwortlichen Handlungsträgern, dass dieses Projekt nicht nur eine große künstlerische Herausforderung darstellt, sondern dessen Realisierung nur mit einem sozialen Experiment zu erreichen ist: wird es gelingen, die finanzielle Last auf viele Schultern zu verteilen und die anstehende Arbeit in viele helfende Hände zu geben? Wird eine Stadt sich durch die Faszination Oper begeistern lassen?

Auf einer eigens dafür eingerichteten Internetseite wird dieser Prozess zeitnah dokumentiert und Sie können auch nach der Aufführung sich selber ein Bild von den vielschichtigen Aktionen machen, die dieses Projekt ausgelöst hat (www.stadtopersoest.de).

Als bei der weiteren Planung zum Stadtopernprojekt die Zauberflöte sich als die Oper der Wahl herauskristallisiert hatte, und als Aufführungsort nach Abwägung der verschiedenen Alternativen (Zelt, Stadthalle, Industriehallen) die Kirche Neu St.-Thomä ausgewählt wurde, hatten wir zwar einen Aufführungsort, der den Vorteil einer engen thematischen Verklammerung zu Teilen der Handlung zeigt, aber uns auch die besondere akustische Problematik einer gotischen Hallenkirche aufbürdet.

Es wurde klar, dass in dieser Räumlichkeit mit einem fehlenden Orchestergraben die in Mozarts Partitur vorgegeben Orchesterstärke in einem krassen akustischen Ungleichgewicht zu weiten Teilen der von einzelnen Gesangssolisten getragenen Oper steht.

Daher entstand die mühsame aber reizvolle Aufgabe, Mozarts Partitur für Kammerensemble – 5 Solostreicher, Holzbläser, Glockenspiel / Orgel, kein Blech keine Pauken – einzurichten. Dabei wurde keine Note von Mozart weggelassen, sondern einzelne Teile umorchestriert und Stimm-verdoppelungen reduziert. Als Vorlage dafür diente eine Ausgabe des Carus-Verlags, der Teile der Zauberflöte in Kammerensemblebesetzung bereits in den 90er Jahren herausgegeben hatte. Der Kompromiss einer verringerten Klangfarbigkeit wird hier kompensiert durch eine größere Transparenz der musikalischen Struktur.

So wie mit Sarastro die Welt des Guten, Edlen, Schönen über die dunkle Königin der Nacht siegt, so vertreibt auch Mozarts Musik alle Dunkelheit. Mozart appelliert in diesem Werk an die Menschlichkeit, an die Brüderlichkeit. Ein Appell, der heute nicht weniger dringend ist als zur Zeit der Uraufführung im Jahre 1791. Mozarts Musik ist zutiefst menschlich. Sie strahlt Ruhe, Würde und Erhabenheit aus. Sie ist klar und ehrlich, und sie ist absolut zeitlos.

 

Oper fürs Volk! Die Zauberflöte in Soest als demokratisierte Volksoper

 

„Unter großem Jubel und donnerndem Applaus verabschiedete sich gestern ein begeistertes Soester Publikum von ‚seiner’ Zauberflöte. Fünfmal hatten Papageno, Pamina und Monostatos das Meisterwerk Mozarts in der Thomäkirche vor insgesamt rund 3.000 Zuschauern inszeniert - stets vor ausverkauftem Haus“, berichtete der Soester Anzeiger am 9. Mai 2005.

Michael Busch, Chorleiter des Städtischen Musikvereins, hatte im Frühjahr 2003 die Idee, eine große Oper in Soest aufzuführen. Der Weg, möglichst viele Institutionen, Gruppen und Einzelpersonen in das Projekt einzubinden, sollte zu einer professionellen Aufführung führen, die es in dieser Art in Soest noch nicht gegeben hatte. Nach anfänglicher Skepsis, ob der Verein diese finanzielle und organisatorische Herausforderung bewältigen könnte, haben sich letztlich die meisten Mitglieder von Michael Buschs Enthusiasmus für die Oper anstecken lassen.

Das Projektleitungsteam, bestehend aus Ulrike Burkert, Michael Busch, Winfried Kempf, Christiane Mackensen, Ulrich Rikus und Thomas Volbers war schnell gefunden. Es organisierte und begleitete die Entstehung der Oper von der Suche nach einem geeigneten Aufführungsort und SponsorInnen, bis hin zur Organisation einer Abschlussfeier mit allen Beteiligten.

Daneben entstanden mehrere Arbeitsgruppen für verschiedene Aufgaben: Technik, Licht, Kostüme, Requisiten, Quartiervermittlung für die KünstlerInnen, Internet und Film, Öffentlichkeitsarbeit, Programmheftgestaltung, Catering und so weiter. Insgesamt waren mehr als 200 Personen ehrenamtlich beteiligt, was die Erwartungen bei weitem übertraf. Zudem haben viele Firmen, Institutionen und Einrichtungen das Projekt mit Sach- und Geldspenden unterstützt, sodass die Aufführung zu dem wurde, was sie war: ein voller Erfolg!

Christiane Mackensen, erste Vorsitzende im Städtischen Musikverein stellt klar: „Man muss schon ziemlich vernarrt in die Idee sein, um ohne Infrastruktur eine solche Oper zu machen!“ Aber der Musikschulleiter Ulrich Rikus ahnte: „Wir werden alle mit dem Opern-Fieber anstecken!“ Letztendlich haben gute Organisation und großes Engagement für das positive Erlebnis StadtOperSoest gesorgt. Daneben gab es allerdings auch zahlreiche Schwierigkeiten: Wo können sich die KünstlerInnen umziehen? Wie bekommt man nach der Erkrankung der „Königin der Nacht“ auf die Schnelle eine neue? Passt auch dieser das Kostüm? Wie kann der Straßenverkehr während der Aufführung umgeleitet werden? Auch für den Regisseur, Lutz Schwarz, gestaltete sich die Inszenierung schwierig, da kurz vor der Generalprobe die Auftrittswege geändert werden und die KünstlerInnen kurzfristig umlernen mussten. Es gab mehrere unvorhergesehene Probleme, die aber dennoch erfolgreich gelöst werden konnten. Nicht nur Friedrich von Mansberg, der Darsteller des Tamino, war begeistert vom Zusammenspiel des außergewöhnlichen Orts, der musikalischen Professionalität und dem bürgerschaftlichen Engagement: „So eine Stimmung gibt es an einem rein professionellen Theater nicht.“ Ulrike Burkert, zuständig für die Gesamtorganisation, formulierte es so: „Es gibt beim Theater Schwarze und Bunte. Die Bunten stehen auf der Bühne und bekommen Applaus. Die Schwarzen arbeiten im Verborgenen, doch ohne sie liefe nichts.“ Michael Buschs Fazit: „Wir haben den Beweis angetreten, dass man das mit Laien machen kann. Der Erfolg war zu neunzig Prozent Motivationsfähigkeit und Engagement.“

(von Caren Volbers)

 

 

39. Kultur Für Werl e.V., Werl - Heimat

 

„Playstation präsentiert: Werl, Paris, Usbekistan“

Mit Jugendlichen wurde das Theaterstück "Playstation präsentiert: Werl-Paris-Usbekistan" entwickelt und aufgeführt. Im Bahnhof Werl wurde der Ort der Aufführung mit dem Ort der Handlung in Einklang gebracht. Zu Beginn der Geschichte treffen sich junge Menschen auf einem Bahnsteig und hängen Ihren Träumen und Hoffnungen nach.

Insgesamt gelang es Jugendliche verschiedenster Herkunft, die bisher keinen Zugang zum Theater hatten, zusammenzuführen und gemeinsam mit ihnen ein Projekt zu entwickeln, das ihre Lebenswelt widerspiegelt.

Die drei Aufführungen waren ein großer Erfolg. Weiterhin ist positiv zu bemerken, dass sich auch im Publikum viele Besucher befanden, die sonst eher selten ein Theater besuchen. Auch sie konnten überzeugt werden.

Zwei Studentinnen der Kulturwissenschaften mit Studienschwerpunkt Theater übernahmen die künstlerische Leitung und führten das Projekt im Rahmen ihrer Diplomarbeit durch. Unterstützt wurden sie im Bereich der sozialarbeiterischen Begleitung von einem Mitarbeiter des Kolpingbildungszentrums Werl.

Der Verein Kultur für Werl trat als Veranstalter auf und übernahm die Rahmenorganisation.

Beginn der Maßnahme war im Januar 2005, abgeschlossen wurde sie nach der letzten Aufführung am 29.04.05.

 

 

40. Kulturzentrum Lichtburg Wetter - [text:noten]

 

Das Kulturzentrum Lichtburg e.V. plant ein künstlerisches Projekt, welches mehrere Aspekte der Veranstaltungsdurchführung abdecken wird.

Im Vordergrund des Projektes [text:noten] stehen kleine monatliche Abendveranstaltungen, bei welchen jeweils ein Autor und ein Musiker das 45-60 minütige Programm bestreiten.

Das gesamte Projekt ist in zwei bzw. drei Blöcke geteilt. Der 1. Block geht über einen Zeitraum von ca. 1-2 Wochen. Die Arbeiten an Block 2 laufen bereits und der 3. Block erstreckt sich von März bis Dezember 2005. Hier finden die monatlichen Veranstaltungen statt.

Das Projekt ist auf eine Verlängerung ausgelegt und soll im Jahr 2006 weitergeführt werden.

 

1. Block: Technik-Workshop: Die technischen Anforderungen für eine solche Veranstaltung sind nicht sehr aufwändig, jedoch wird standartmäßig eine Mikrophonierung und Lichteinstellungen für den Autor und den Musiker benötigt. Auch das Einrichten von Monitorboxen soll den jungen Technikern gezeigt werden. Des weiteren ist die Einbindung von Lichteffekten und evtl. Videoprojektion möglich.

In einem vorangehenden Workshop sollen in Zusammenarbeit mit der Technik-AG des Geschwister-Scholl-Gymnasiums (Leitung: Jürgen Merkel) interessierte Schüler für diese Aufgaben gefunden und ausgebildet werden. Geplant ist eine Einführung in die Haustechnik der Lichtburg, sowie die Probe verschiedener Einstellungen. Die jungen Techniker können auf diesem Weg lernen, wie eine Veranstaltung als Gesamtwerk funktioniert und Erfahrungen sammeln.

Gruppen von 2-3 Schülern werden dann die monatlichen Abendveranstaltungen begleiten, das Licht einrichten und für die Autoren und Musiker Mikrophone einstellen.

Der Technikworkshop wird als Projektwoche (Projekttage) Vor- und Nachmittags im Kulturzentrum Lichtburg durchgeführt. An 3 Tagen á 5 Stunden wird mit den interessierten Jugendlichen die Technik neu eingerichtet und verkabelt.

Unter Anleitung eines professionellen Technikers und dem Musiklehrer Jürgen Merkel werden die Jugendlichen den Umgang mit der Haustechnik lernen. Hierbei soll geprobt werden, wie z.B. eine E-Gitarre abzumischen oder ein Spot einzustellen ist. Hier kann die Technik so eingerichtet werden, dass die Veranstaltungen problemlos von der Technikergruppe begleitet werden können.

 

2. Block: Vorbereitung [text:noten] : Für die Verbreitung und Umsetzung des Projektes [text:noten] soll neben den monatlichen Veranstaltungen ein Forum geschaffen werden, in welchem sich Autoren und Musiker finden können. Geplant ist eine Homepage mit News, Veranstaltungsterminen, Kontaktadresse und Gästebuch, sowie ein angehängtes Forum für angemeldete Mitglieder. In diesem Forum können sich die einzelnen Autoren und Musiker darstellen, Texte oder Musik von sich anbieten und mit anderen Künstlern des Projektes Kontakt aufnehmen. So finden sich neue Konstellationen für die Abendveranstaltungen auf sehr einfachem Wege.

Die Bekanntmachung der Homepage soll des weiteren das Zuschauerinteresse an dem Projekt wecken und Künstler aus der gesamten Region ansprechen ("Amateur-Datenbank").

 

3. Block: Durchführung [text:noten] : Im dritten Block des Projektes kommen alle Teile von [text:noten] zusammen. Die Techniker des Workshops haben nun ihren festen monatlichen Einsatz, das Forum bringt die ersten Kooperationen zwischen Autor und Musiker auf die Bühne.

Die Künstler wechseln von Monat zu Monat, probieren untereinander neue Konstellationen aus und sind frei in der Veranstaltungsumsetzung. Gemeinsam können sie entscheiden, ob sich Text und Musik abwechseln oder ergänzen sollen. Eine Veranstaltung kann nur Werke des unbekannten Autors enthalten, jedoch auch als Themenabend Werke bekannter Autoren einfließen lassen. Der Musiker ist ebenfalls nicht strikt an seine eigenen Kompositionen gebunden, jedoch sollten sowohl Text als auch Musik zum Großteil Eigenproduktionen sein.

Auch für die Dekoration und Lichteinstellungen sind die Künstler verantwortlich, werden hierbei aber von der Technikgruppe unterstützt.

 

Das gesamte [text:noten]-Projekt soll sich einen "Underground"- bzw. Jugendcharakter bewahren. So wird die Veranstaltung für ca. 3€ zu besuchen sein, Werbemittel werden eigenhändig erstellt und verteilt. Die gesamte Organisation findet hierbei als enge Zusammenarbeit zwischen den Musikern und Autoren, der Technikgruppe, sowie der Projektleitung statt.

Als Aufführungs- und Probeort steht den Beteiligten das Kulturzentrum Lichtburg zur Verfügung, sodass Durchlaufproben, Technik- und Voreinstellungen mehrfach getestet werden können. Die Künstler können so die optimalen Licht- und Tonarrangements finden, die Technikgruppe lernt eigenständig Einrichtungen vorzunehmen und Veranstaltungen abzumischen.

 

Projektziele: Das Projekt [text:noten] soll der Wetteraner Kulturszene eine neue und junge Komponente geben, bei welchem gleichzeitig Jugendliche eingebunden und in Ton- und Lichttechnik eingeführt werden.

Den unbekannten Künstlern wird ein Forum zur kreativen Umsetzung ihrer Werke und Ideen geboten, in welchem sie sich frei entfalten können.

Dem jungen Technikerteam wird die Möglichkeit gegeben, praxisnah zu lernen und monatliche Veranstaltungen mit wechselnden Anforderungen durchzuführen.

Fernziel ist es, die monatlichen Abendveranstaltungen in das Wetteraner Kulturleben zu integrieren und die Kunst Jugendlicher aus Wetter (und Umgebung) zu präsentieren.

Frei nach dem Motto des Kulturzentrum Lichtburg: Klein(e) Kunst, ganz groß!

 

Rückblick & Auswertung: Die Ziele des Projektes sind weitestgehend erreicht worden. Zwar fand der Technikworkshop nicht statt, jedoch konnten einige junge Techniker durch Proben und Veranstaltungsbegleitungen viele Erfahrungen sammeln. So haben 4 Nachwuchstechniker Einblicke in die Haustechnik des Kulturzentrum Lichtburg e.V. bekommen.

Die Veranstaltungen bekamen durchweg positive Resonanz. Auf Grund der Sommerpause im Juli fanden nicht 10, sondern 9 [text:noten]-Abende statt, wobei das Projekt am Mittwoch, den 07. Dezember 2005 mit einer großen Jahresabschlussveranstaltung endete. Hier waren nahezu alle Autoren und Musiker der vorangegangenen Veranstaltungen zu Gast.

Auch wenn die angestrebten 60 Besucher pro Veranstaltung leider nicht erreicht wurden, so war das Publikum doch stets begeistert; besonders positives Feedback kam von den Autoren der Literaturinitiative Treibgut der Ruhr-Universität Bochum, die seit einigen Jahren selber Lesungen in dem Kulturcafé der Uni durchführen. Sie waren von der Kombination mit Livemusik und Videoprojektionen sehr angetan und gerne zu Gast im Kulturzentrum Lichtburg e.V.

Als weiteres Beispiel sei der wetteraner Jungautor Joschka Haltaufderheide genannt, welcher neben der künstlerischen Leitung auch selber auf der Bühne stand. Seine Abende mit dem Namen „Beobachtungsposten“ zeigten eindrucksvoll die Qualität seiner Texte; ein gleichnamiges Buch ist auf dem Netlabel und Onlineverlag Digital Kunstrasen erschienen, ein Hörbuch ist ebenfalls geplant.

 

 

41. Beate Albrecht , Witten – Theaterprojekt Alkohölle

 

Das Projekt `Alkohölle´ beinhaltete verschiedene Phasen der Erarbeitung eines Theaterstücks zum Thema Alkoholkonsum. Ein wesentlicher Kernpunkt des Projekts war die Zusammenarbeit und die gemeinsame Erarbeitung des Theaterstücks mit Selbsthilfegruppen für trockene Alkoholiker in Witten und Genthin, der Drogen- und Suchtberatungsstelle Genthin und dem `Aufbruch´ e.V. In allen Arbeitsphasen waren Betroffene integriert.

Die erste Arbeitsphase des Projekts bestand aus der Recherchenarbeit zum Thema Alkohol, Alkoholkonsum bei Jugendlichen und Präventionsmaßnahmen. Nach ausgiebiger Literaturrecherche und zahlreichen persönlichen Gesprächen mit Alkoholkranken und Jugendlichen, wurden erste Texte verfasst. Die Gespräche verliefen offen und sehr kooperativ. Die Herausforderung bestand in dieser Phase darin, die vielen Geschichten und Informationen vorzufiltern und wesentliche, für das Stück relevante Punkte, herauszuarbeiten. Daraufhin folgte die Schreibphase, in der sowohl die Schauspieler, als auch trockene Alkoholiker Texte verfassten, die später in das Theaterstück eingearbeitet wurden. In dieser Phase fand ein Schreibworkshop in der Suchtberatungsstelle Genthin mit Betroffenen und Theatermachern statt. Auch in dieser Phase ging es darum, die vielen Ideen und Texten zu sondieren und daraus einen Handlungsstrang zu machen. Interessant waren hier die vielseitigen Sichtweisen auf das Thema. Die Gruppe der trockenen Alkoholikern plädierten immer wieder dafür, im Theater den Alkohol weder zu verharmlosen, noch ein `Happy End´ anzustreben. Den jungen Zuschauern sollte dennoch ein Weg aufgezeigt werden, wie ein kontrollierter Umgang mit Alkohol möglich sein kann.

Nach vielen Proben fanden wir eine Lösung, die uns die verschiedenen Aspekte zu beinhalten schien.

 

In der dritte Phase wurden die Texte szenisch erarbeitet und das Theaterstück `Alkohölle´ im laufenden Probenprozess verbessert und komplettiert. Neben den vier Schauspielerinnen des Teams Theaterspiel in Witten wurden drei trockene Alkoholiker aus Genthin und Witten professionell als Schauspieler in das Theaterstück eingearbeitet, um eine Rolle in dem Theaterstück zu übernehmen. Die Einarbeitung der Laienschauspielern verlief sehr gut, was auf das große Engagement aller Beteiligten zurückzuführen ist. Grundlagen des Schauspiels wie Textlernen und Lautstärke mussten geübt werden. Durch die hohe Motivation der Laienschauspielern und die sehr intensive und lange Proben vor der Premiere, konnten die ersten Aufführungen sicher und künstlerisch ausgefeilt gespielt werden. Nach den Aufführungen entstanden interessante Nachgespräche mit dem Publikum, sowohl mit Jugendlichen, als auch mit Pädagogen und Betroffenen. In diesen Gesprächen, wie auch im gesamten Prozess des Projektes, wurde immer wieder klar, wie aktuell die Auseinandersetzung mit dem Thema Alkohol ist.

Mit der Premiere am 10. Juli in Genthin und drei weiteren Aufführungen endete die Erarbeitungsphase des Projekts. Die Premiere in Witten folgte am 27.8.05

Das Theaterstück wird nun auf Tour gehen und soll hauptsächlich in Schulen Jugend- und Suchteinrichtungen gespielt werden. `

 

Da wir weniger Fördermittel erhalten haben als geplant, reduzierten wir unsere Ausgaben auf ein Minimum. Der daraufhin geänderte Kosten- und Finanzierungsplan wurde eingehalten.

Ohne die Unterstützung der Förderer und ohne der hohen Kooperationsbereitschaft aller Beteiligten hätten wir das Projekt `Alkohölle´ nicht so verwirklichen können

Herzlichen Dank dafür !!!!

 

 

42. Die WerkStadt, Witten - Gehacktes - Talentbühne für Jugendliche

 

Zeitraum des Projekts: Mai bis Dezember 2005, Alle 2 Monate, 9 Termine

 

Warum „GEHACKTES“?

Diese Frage stellte sich die WERK°STADT weniger in einem ernährungswissenschaftlichen Zusammenhang. Vielmehr ging es um die Entwicklung eines Forums für junge Nachwuchskünstler und Talente aus unterschiedlichen Sparten und Zielgruppen.

Die Talente gibt es, aber es fehlt an ihrer Präsenz in der Öffentlichkeit.

Gesucht wurde der eigene Charakter dieser vielfältigen Jugend-Kultur oder auch: die vielfältigen Charaktere der eigenen Kultur.

Man wurde fündig!

Mit der Unterstützung zunehmender Selbstorganisation durch Jugendliche und der Unterstützung in der Erarbeitung kleiner Auftritte für die Öffentlichkeit konnte sich das Angebot mehr und mehr etablieren und immer wieder neue und „nachwachsende“ junge Künstler für das Angebot gewinnen.

Nicht zuletzt reagierte die WERK°STADT damit auf ein deutlich artikuliertes Bedürfnis von Seiten der Wittener Jugend.

Das Bedürfnis wurde bedient, präsentiert wurden 9 mal die wilden Mischungen roher Elemente – GEHACKTES.

 

Nur für Vegetarier?

2005 hat sich die Talentbühne „GEHACKTES“ der WERK°STADT mittlerweile zu einer „Institution“ entwickelt.

Die Veranstaltung ist für junge Menschen zwischen 14 und 25 Jahren zu einem Synonym für pulsierende Jugendkultur in Witten geworden.

Mehr als 3000 Jugendliche genossen die künstlerischen Freiräume vor und auf der Bühne.

Zahlreiche Nachwuchs-Künstler verschiedener Sparten und Bands unterschiedlichster Stilrichtungen vorrangig aus Witten aber auch aus dem gesamten Ruhrgebiet präsentierten ihre Werke mit einer besonderen Resonanz - Vorort durch das Publikum und als Nachruf durch die Medien.

Insbesondere bei themenbezogenen Veranstaltungen mit Ausstellungen oder Lesungen, mischte sich die Publikumsgruppe vielfältiger als sonst.

 

Mehr GEHACKTES?

Gehacktes ist ein Teil Wittens und der Regio geworden. Wittener Jugendliche identifizieren sich in hohem Maße mit dem Angebot, es mangelte im gesamten Jahr nie an interessierten Künstlerinnen und Künstlern, die sich oftmals ein erstes mal auf die Bühne gewagt haben.

Teilweise musste einigen Interessenten aufgrund der großen Nachfrage sogar abgesagt werden. Für ihre Auftritte haben die Jugendlichen selbständig Ideen entwickelt und in unterschiedlichsten Sparten ihr Talent unter Beweis gestellt.

Auch die Organisation im Vorfeld machte vielen Jugendlichen Spaß. Sie haben Verantwortung übernommen für Dekoration, Moderation und Programmabfolge.

Der Kulturpädagoge der WERK°STADT stand dem jungen Orga-Team jederzeit als Ansprechpartner zur Verfügung.

Genauso gefragt waren aber auch Materialien und Equipment welches aufgrund der freundlichen Unterstützung der LAG von der WERKSTADT zur Verfügung gestellt werden konnte.

Insbesondere hierdurch wurde Kreativität gestützt und herausgefordert. Es wurden Projekte ermöglicht, die sich die Jugendlichen aus Eigenmitteln nicht hätten finanzieren können. Auch die Räumlichkeiten der WERK°STADT wurden viel zum Proben genutzt.

 

Resümierend lässt sich sagen, das Projekt Gehacktes ist eindeutig nachfrage- und dienstleistungsorientiert.

Genau damit fordert das Projekt die Initiative der jungen Wittener heraus.

Das letzte Jahr hat gezeigt, dass diese Idee erfolgreich aufgeht.

Das Projekt kann als erfolgreich bewertet werden und sollte im nächsten Jahr unbedingt weitergeführt werden.

 

 

43. Die Börse, Wuppertal – Spieltrieb - Ein Tanz- u. Theatertreffen mit jugendlichen Akteuren u. Künstlern

 

Kurzbeschreibung des Projektes:

In enger Zusammenarbeit haben die börse, Wuppertal, und das Forum Freies Theater, Düsseldorf, das Projekt Spieltrieb – Junge Tanz- und Theaterbegegnung ins Leben gerufen. Vom 1.-8. Juni 2005 zeigten Jugendliche aus Wuppertal und Düsseldorf in beiden Städten Produktionen, die sie mit professionellen Künstlern erarbeitet haben. Weiterhin war das cactus junges theater aus Münster mit zwei Produktionen zu Gast. Aus den Niederlanden gastierte die Theatergroep Dox ebenfalls mit einer Produktion mit jugendlichen Darstellern, die mit Profis erarbeitet worden ist. Das holländische Gastspiel wurde im Rahmen des Projektes „DutchDance&Drama@De“ finanziell ermöglicht. Die mitwirkenden jungen Akteure hatten während der Jungen Tanz- und Theaterbegegnung nicht nur die Möglichkeit, die Arbeit anderer junger Ensembles kennen zu lernen, sondern entwickelten in der theatralen Städteerkundung „Fluss Land Stadt“ an Rhein und Wupper mit zwei Theater- und Tanzpädagoginnen selbst eine Performance, die öffentlich präsentiert wurde.

 

Umsetzung des Projektes / Resonanz und Nachhaltigkeit:

Die gemeinsame Idee zu Spieltrieb entstand im Spätsommer 2004. In guter kollegialer Zusammenarbeit verfolgen beide Häuser schon seit längerem die kulturelle Projektarbeit mit Jugendlichen und Künstlern des jeweiligen Partners. So entstand der Wunsch nach einem intensiveren Austausch. Eine gemeinsame Konzeption war schnell gefunden. Zusammen sichteten wir im Herbst / Winter 2004 verschiedene Produktionen, die als Gastspiele in Frage kamen. Von Herbst 2004 bis Frühjahr 2005 erfolgte die Antragsstellung. Da es nicht gelang, die Mittel in der ursprünglich beantragten Höhe einzuwerben, musste das anfängliche Konzept reduziert werden. Die Durchführung des Projektes war letztlich erst durch die Bewilligung der Fördermittel von der Aktion Mensch gesichert, die im April erfolgte. Daher konnten wir erst spät mit der Produktion der Werbemittel und der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit beginnen. Aufgrund der intensiven PR-Arbeit beider Häuser wurde jedoch eine beachtliche Presseresonanz erreicht. Während des Festivals in der ersten Juni-Woche lief organisatorisch alles plangemäß. Im Anschluss erfolgte die gemeinsame Abrechnung und Auswertung.

 

Erfahrungen und Ergebnisse:

Die Zusammenarbeit zwischen beiden Häusern verlief sehr harmonisch, effektiv und reibungslos. Die Kooperation hat sich aufgrund ähnlicher Schwerpunktsetzung im Jugendbereich, aber auch durch die räumliche Nähe zwischen Wuppertal und Düsseldorf als sehr praktikabel und ausbaufähig erwiesen. Der Bedarf nach Austausch und Vernetzung ist vorhanden und wurde uns auch seitens anderer freier Jugendensembles bestätigt. Im nächsten Jahr wollen sich Gruppen aus den Städten Bonn, Köln und Münster am Festival beteiligen, das Münsteraner Ensemble zeigte großes Interesse an einer erweiterten Netzwerkarbeit.

Was hat das von beiden Häusern professionell durchgeführte Festival "inhaltlich" gebracht? Wir erkennen Tendenzen und Weiterentwicklungen. Der Trend scheint eindeutig wegzugehen von der ästhetischen Auseinandersetzung mit vorgegebenen Stücken hin zu selbst verfaßten und gestalteten Vorlagen. Die unterschiedliche Herangehensweise wurde in vielen Anschlussdiskussionen thematisiert und problematisiert. Die Rolle der Spielleiter in diesem Prozess könnte ein interessanter Aspekt für ein Fortsetzungstreffen sein. Denkbar ist auch beim nächsten Mal Literaturbearbeitungen einzuladen. Weiterhin zeigt sich, dass Tanz immer stärker Ausdrucksform Jugendlicher wird.

Für das Festival gab es eine durchweg positive und breite Ankündigung in den Printmedien, wie auch in Rundfunk und Fernsehen. Im ausreichenden Maße jugendliches Publikum zu mobilisieren; ist trotzdem nur bedingt gelungen. Die beteiligten jungen TheatermacherInnen nutzten die Möglichkeit, die Arbeit der anderen Gruppen kennen zu lernen und sich über die verschiedenen Arbeitsansätze auszutauschen, die Vorstellungen waren darüber hinaus leider weniger gut besucht. Die Schulen, die mit gezielten Mailing-Aktionen und persönlicher Ansprache auf das Festival aufmerksam gemacht worden sind, zeigten großes Interesse am Festival, was sich allerdings in diesem Jahr nicht in Besucherzahlen niederschlug. Gründe dafür könnten das nahende Schuljahresende und das breit gefächerte und konkurrierende Kulturangebot im Mai und Juni sein. Die Terminierung des Festivals ist im nächsten Jahr auf jeden Fall neu zu diskutieren.

 

 

44. Alexandra Schmidt, Wuppertal - Imagine... - ein Tanzprojekt für Senioren und Jugendliche

 

Tanzprojekt für Jugendliche und Menschen ab ca. 60 Jahre

 

Ein Projekt in Kooperation mit die börse, Wuppertal, VHS Wuppertal, Hasper Hammer Hagen, Kulturamt Hagen und VHS Hagen.

Choreographie/ Regie/ Durchführung: Barbara Cleff

 

Vorstellungstermine in Wuppertal:

Samstag, 19. November, 19.30 Uhr / Sonntag, 20. November, 18.00 Uhr / Montag, 21. November, 11.00 Uhr

Vorstellungstermine in Hagen:

Montag, 5. Dezember, 19:30 / Dienstag, 6. Dezember, 11:00

 

Ein Ausschnitt des Projektes wurde bei der Messe „vitactiv", am 3. November 2005 in Essen vorgestellt, sowie beim Festival „Hagen tanzt“, am 27. November 2005 in der Stadthalle Hagen präsentiert.

Insgesamt haben 48 Menschen an dem Projekt 'imagine…!' teilgenommen:

in Wuppertal waren es 7 jugendliche und 16 ältere TeilnehmerInnen, in Hagen

haben 25 ältere Menschen teilgenommen. Bis auf zwei Jugendliche waren alle bis zur Premiere dabei. In Zusammenhang mit schulischen Anforderungen konnten 3 Schülerinnen leider bei den Vorstellungen in Hagen nicht mehr auftreten.

Zu Beginn der ca. 3-monatigen Projektphase arbeiteten wir im Durchschnitt 2 mal pro Woche in getrennten Gruppen. Im späteren Verlauf probten die Wuppertaler Jugendlichen und SeniorInnen regelmäßig gemeinsam. In dieser Zeit entstand ein Geflecht aus Tanz- und Bewegungsszenen, in denen beide Generationen sowohl getrennt, als auch gemeinsam und gleichberechtigt agierten.

Das Ergebnis war ein zweigeteilter Abend, dessen erster, in sich abgeschlossene Teil von dem Ensemble aus Hagen getanzt wurde. Dieser enthielt sowohl choreographisch, als auch bildnerisch einen Verweis zum zweiten Teil, den das gemischte Ensemble aus Wuppertal tanzte.

In Szenen, Bewegungmaterial und Ausstattung beider Teile spiegelten sich sammelte Ideen, Texte, Bilder, Fragen, Geschichten und Erlebnisse, noch offene und schon erfüllte Träume zweier Generationen.

Die Synchronisation von Terminen der insgesamt drei Gruppen, vor allem in der Endphase, mit Proben- und Vorstellungsräumen, war nicht unproblematisch, da u.a. Unterrichtszeiten und Anforderungen in den Schulen nicht viel Spielraum ließen.

Es war für alle Beteiligten (inklusive meiner Person) eine grosse Aufgabe mit vielen Emotionen auf allen Ebenen. Die Atmosphäre war geprägt von: Neugierde, Diskussionsfreude innerhalb der Gruppen und auch zwischen den Gruppen, Kollegialität mit gegenseitiger Unterstützung und viel warmherziges Miteinander. Es gab ein grosses Interesse füreinander, für Ideen und Sichtweisen, Erfahrungen und Empfindungen, Zweifel und auch ganz persönliche Probleme … .

Es entstand ein Tanzabend der die Intensität des Arbeitsprozesses spüren ließ.

Im Anschluß an 'imagine…!' wünschte sich ein grosser Teil der Gruppe der älteren TeilnehmerInnen aus Wuppertal ein regelmäßiges Tanztraining. Dies konnte organisiert werden und wir arbeiten seit Februar 2006 gemeinsam in der VHS Wuppertal mit Blick auf ein zukünftiges Bühnenprojekt.

Ebenfalls ein grosser Teil aus der Gruppe der älteren TeilnehmerInnen aus Hagen wünschte sich eine Fortsetzung. Auch dies wurde unterstützt von der VHS in Hagen. Es gab bereits eine Trainingsphase bis zu den Osterferien. Ab Herbst wird ein neues TanzTheaterTraining starten und geplant ist eine neue Projektsphase ab 2007.

Drei jugendliche Tänzerinnen wollten sich gerne nach einigen Erfahrungen mit modernem Tanz, Hip-Hop, etc. dem klassisches Tanztraining widmen. Mit ihnen arbeite ich im Moment auf ganz privater Ebene weiter.

Die Internetseite zur Dokumentation des Projektes 'imagine… ! wird bis Ende Mai 2006 fertiggestellt sein.

 

 

Ende

 

Münster, den 25.8.2006