Landesarbeitsgemeinschaft Soziokultureller Zentren NW e.V.

 

Bericht über die Projektmittel 2006 der LAG NW

 

 

Inhalt

 

1. Gesamtübersicht

2. Darstellung der einzelnen Projekte

 

 

1. Gesamtübersicht

 

Die LAG NW hat 2006 mit den Mitteln des Ministerpräsidenten des Landes Nordrhein-Westfalen 44 Projekte von 38 Zentren/ Initiativen gefördert.

 

Es gab insgesamt 102 Anträge von 89 Zentren/ Einrichtungen/ Initiativen mit einem Gesamtkostenvolumen von 2.132.238 Euro, ursprünglich 2.214.748 Euro und einem Zuschussbedarf von 418.072 Euro, ursprünglich 488.362 Euro. Der Beirat hat in einer Sitzung und einem Mailverfahren für Nachrücker über die Anträge befunden und die oben genannten 44 Anträge bewilligt. Diese Ergebnisse wurden auf den jeweiligen LAG NW Tagungen vorgestellt, diskutiert und letztendlich entschieden.

 

Nach der Abrechnung betrugen die Gesamtausgaben 522.805,19 €. Dabei betrug der Anteil des Landes mit 130.000 € = 24,87 %. Insgesamt wurde 3 Projekte mit 5.000 € und mehr gefördert. 24 Projekte erhielten 3.000 € und mehr und 17 Projekte wurden jeweils mit weniger als 3.000 € aus Landesmitteln finanziert.

 

Die Leistungen Dritter (vor allen Dingen der Kommunen) betrugen 204.369,73 €, entsprechend 39,09 %. Die Leistungen der Kommunen waren jedoch weit höher, denn sie sind entweder Bestandteil innerhalb einer direkten Kooperation und/oder Bestandteil der Zuschüsse zu den Betriebs- und Programmkosten der jeweiligen Zentren. Auf der anderen Seite sind hier auch Landesmittel enthalten, die von anderen Stellen bewilligt worden sind. Die Eigenleistungen der Träger lagen insgesamt bei 188.435,46 €. Das sind 36,04 %.

 

Die Gesamtkosten erhöhten sich um den Betrag von 8.880,69 €, das entspricht 1,73 X % Abweichung vom ursprünglichen Kostenplan.

 

Grundsätzlich haben die Zentren in allen Kunst- und Kultursparten (Musik, Theater, Literatur, Medien) sowie sparten übergreifende Projekte durchgeführt. Tendenziell sind die Projekte in erster Linie der Stadtteilarbeit, der Kulturpolitik und dem Kinder- und Jugendbereich zuzuordnen.

 

 

Zu den einzelnen Projekten

 

 

Nr. 2) BÜZ Schuhfabrik Ahlen - Partnerschaft will gelebt werden - ein Kulturaustausch zwischen der Schuhfabrik Ahlen und der Kulturfabrik Hoyerswerda

 

Projektausgangslage

Seit über drei Jahren besteht ein intensiver Austausch mit den Kolleginnen der Kulturfabrik Hoyerswerda. Durch die Förderung der LAG im Jahr 2006 konnte das so genannte „Proitzer Abkommen“ aus dem September 2005 umgesetzt werden. Dieses Abkommen wurde im Rahmen einer Klausurtagung im Wendland, an der jeweils 10 Vertreterinnen aus Hoyerswerda und Ahlen teilnahmen, getroffen und enthielt geplante Vorhaben für das Jahr 2006.

 

Verlauf der einzelnen Projektbausteine

Die Einrichtung der jeweiligen „Ständigen Vertretungen“ waren beide Male überaus medienwirksame Projektbausteine. Im April brachten die Ahlener eine Badewanne, die von der ortsansässigen Firma Kaldewei gesponsert wurde, nach Hoyerswerda. Im Juni wurde bei dem Gegenbesuch eine Original-Durchreiche aus dem typischen Plattenbau nach Ahlen gebracht. Mit viel Spaß, vielen Infomaterialien und einer Portion Ernst richteten die Delegationen in Anwesenheit auch von städtischen Vertretern diese StäV´s ein.

 

Im Rahmen des persönlichen Treffens bei der Einrichtung der StäV Hoyerswerda in Ahlen entstand die Idee (die gleich umgesetzt wurde), die Projektdokumentation unter anderen auch an Honoratioren wie Horst Köhler, Angela Merkel, Wolfgang Thierse und Hans-Joachim Gauck, an den Bürgermeister von Teltow (Partnerstadt von Ahlen) und an Gisela Schäfers, eine Alt Hoyerswerdaerin, die auf uns durch die Presse aufmerksam geworden ist, zu verschicken. Über positive Reaktionen von vielen Seiten, unter anderem auch von Bundespräsident Horst Köhler und Bundestagsvizepräsident Wolfgang Thierse haben wir uns gefreut.

Im Verhältnis zu den Besuchen zum Aufbau der ständigen Vertretungen war der Besuch einer 7köpfigen Delegation aus Ahlen zum Kunstmarkt in Hoyerswerda kein besonders medienwirksamer Baustein. Dafür aber stellte dieser Besuch einen wesentlichen Impuls für die Arbeit in Ahlen her. Immer wieder sind die Ahlener verblüfft wie professionell die Hoyerswerdaer auch im Bereich der bildenden Kunst tätig sind. Auch bei diesem Besuch waren wieder drei Menschen aus Ahlen erstmalig in Hoyerswerda und begeistert von dem Ort und der dortigen Gastfreundschaft.

Im Oktober stand der Theaterauftritt der Gruppe „einmaldieWoche“ auf dem Programm. Spontan ergab sich die zusätzliche Möglichkeit Ausschnitte aus ihrem Stück im Rahmen des Jour Fix (eine monatlich stattfindende, offene Bühne im Theater am Wall) in Warendorf zu präsentieren. Dort wurden sie begeistert gefeiert und dies führte dazu, dass mehrere Warendorferinnen am nächsten Tag zur Aufführung des kompletten Stücks nach Ahlen kamen. Spannende Diskussionen über das unterschiedliche Publikumsverhalten in Ost und West begleiteten dieses Wochenende.

Und dann war da noch die Erstellung eines Gestaltungskonzeptes für die Gastronomie durch eine Architektin aus Hoyerswerda. Die 1:1 Umsetzung des Konzeptes begeistert in Ahlen alle Besucherinnen der Schuhfabrik und in Hoyerswerda wohnt eine Architektin, die erstaunt und hoch erfreut die gelungene Fernberatung feiert.

Eine Teilnahme an den Jahresklausuren der jeweiligen Vereine war real leider aufgrund von Zeitproblemen nicht möglich, aber von beiden Häusern wurden im Projektzeitraum Jahrestagungen durchgeführt und die jeweiligen Protokolle/Arbeitsberichte wurden den Partnern zur Verfügung gestellt. Auf der Jahrestagung der Schuhfabrik Ahlen wurden von den 20 anwesenden Ehrenamtlichen und Hauptamtlichen die Filme der Medienwerkstatt der Kufa Hoyerswerda aus dem Jahr 2006 bestaunt.

Die Postkartenaktion gestaltete sich weitaus schwieriger als bei der Planung des Projektes angenommen. So wurde die ursprüngliche Idee der Verteilung in den Kneipen des jeweiligen Umlandes über einen professionellen Postkartenvertrieb verworfen, weil um Hoyerswerda herum diese Form der Werbung keine Relevanz besitzt und für die Macher der Kufa nach gründlicher Überprüfung nicht in Frage kam. Die Ausschreibung eines kleinen Wettbewerbs in den jeweiligen Häusern zur Motivsuche lief sehr schleppend. Zum aktuellen Zeitpunkt befinden sich die ausgewählten vier Motive im Druck, zwei Motive legen wir der Pressemappe bei.

 

Abschlussbemerkungen

Die umfangreiche und vielfältige Pressemappe spiegelt die Aktivitäten sehr gut wieder. Der Name Hoyerswerda ist in Ahlen häufig in der Presse präsent und im Sommer kamen Menschen in die Schuhfabrik, die sich aus den Prospekten über die Kulturfabrik Hoyerswerda und besonders über die Lausitzer Seenplatte informierten. Regelmäßig wird die Durchreiche/ Ständige Vertretung neu mit Werbematerialien aus der Lausitz und Programmprospekten der Kulturfabrik ausgestattet.

Schön ist es Post zu erhalten von Menschen, die sich darüber freuen, dass ihnen ihre „alte Heimat“ Hoyerswerda mit unserem Projekt wieder so nahe kommt. Uns Ahlenern ist seit diesem Kulturaustauschprojekt unter vielem anderen auch die Bedeutung von Heimwehkennzeichen bewusst geworden. Menschen aus Hoyerswerda gibt es eine ganze Menge in unserer Gegend, die sich gegenseitig diese Herkunft durch die Buchstaben HY im Autokennzeichen zeigen.

Aus dem Erleben der zahlreichen Einzelprojekte ist eine stabile Beziehung zwischen beiden Einrichtungen entstanden. Eine Aussage von Uwe Proksch (Geschäftsführer Kulturfabrik Hoyerswerda): „Bei Problemen im Zusammenhang mit unserem Haus, wie zum Beispiel der Absage des Konstantin Wecker Konzertes im Frühjahr 2006, fragen eher die Kolleginnen aus der Schuhfabrik nach, was bei uns los ist und wie es uns geht, als die Zentren in unserer direkten Nachbarschaft.“ Freundschaft bedeutet gegenseitiges Vertrauen und kann auch Kritik vertragen.

Als nächster Schritt ist ein Besuch aus Ahlen bei der „Prohibitions-Party“ am 3.3.2007 in Hoyerswerda geplant.

 

 

Nr. 3) Druckerei Begegnungszentrum, Bad Oeynhausen - Kinderkram

 

Das Projekt „Kinderkram - generationsübergreifend erleben“, sollte eine Begegnung und die Kommunikation zwischen Jung und Alt fördern. Durch gemeinsames Erleben und durch den Austausch von Erfahrungen sollte neues Interesse zwischen den Generationen aufgebaut und vertieft werden. In erster Linie sollten Erwachsene einen Einblick in die Lebenswelt der Kinder erlangen und an den Erfahrungen der Kinder teilhaben. Ziel war es miteinander in Beziehung zu treten und sich gegenseitig neu wahrzunehmen. Dazu wurden die Bereiche Tanz, Theater und kreatives Handeln auf unterschiedliche Weise aufbereitet und präsentiert.

Das Projekt „Kinderkram“ erstreckte sich über das gesamte Jahr 2006 und umfasste 28 angebotene Aktionen von denen 22 durchgeführt würden. Insgesamt nahmen mehr als 1000 Kinder und Erwachsene an diesem Angebot teil.

Im Theaterbereich wurden sowohl Wochenendworkshops als auch wöchentliche Kurse durchgeführt, die jeweils mit einer kleinen Präsentation abschlossen. An diesen Theater-Workshops waren Kinder im Alter von 6-12 Jahren sowie die Senioren des Amateurtheaters „Jetzt-Erst-Recht“ beteilig.

Die sieben Theateraufführungen verschiedener Theatergruppen wurden in ihrer Form als Familienvorstellungen gern und regelmäßig von Jung (ab 4 Jahren) und Alt besucht.

Die Tanzangebote „orientalischer Tanz für Mütter und Töchter“ und „Kreativer Tanz“ gaben Eltern die Möglichkeit sich mit ihren Kindern (3-14 Jahren) zu bewegen und ihren Körper neu zu erfahren.

Im Bereich kreatives Handeln fand das Filzangebot großen Zuspruch, wo hingegen die herkömmlichen Bastelthemen weniger Nachfrage fanden.

Besonders gelungen war die Zusammenführung zweier hausnutzender Gruppen, der UHW- Senioren und der KSB-Kindern, die gemeinsam zwei Bastelnachmittage bestritten und sich auch im Jahr 2007 in regelmäßigen Abständen zum kreativ Sein treffen wollen.

Einen großen Bedarf gab es auch im Kleinkindbereich, ein musikalisches Angebot für Eltern und ihre Kinder ab 18 Monate war sehr gefragt, musste aber auf Grund von Krankheit des Kursleiters frühzeitig abgebrochen werden.

Von den Familienfahrten konnte leider nur eine Fahrt durchgeführt werden, die anderen mussten auf Grund der zu geringen Anmeldungen abgesagt werden.

Das große Kinderfest anlässlich des Weltkindertags mit vielen Spiel- und Bastelangeboten wurde von vielen Kinder und Familien aus Bad Oeynhausen besucht.

Dank der finanziellen Unterstützung durch die LAG war es uns möglich trotz Ausstieg seitens der Kommune im Bereich Kinderveranstaltungen ein hochwertiges und abwechslungsreiches Kinderprogramm für das Jahr 2006 zu präsentieren. Das ermöglichte uns dem Kinderangebot in unserem Haus ein neues Gesicht zu geben und unser Logo „Kinderkram“ nachhaltig im Bewusstsein unseres Publikums zu hinterlassen, um in den kommenden Jahren darauf aufzubauen.

Die Kinder haben viel erlebt, was sie mit ihren Eltern oder anderen Erwachsenen teilen konnten und die Erwachsenen hatten die Gelegenheit wieder auf ihre Kinder zuzugehen.

 

 

Nr. 44) Verein zur Förderung des Kindertheaters, Bergisch-Gladbach - Internationales Erzählfestival

 

Das zweite internationale Erzählfestival fand vom 8. bis zum 18. März im Bergischen Land statt, in drei Kreisen, in sieben Kommunen, an neunzehn verschiedenen Veranstaltungsorten in Bergisch Gladbach, Gronau, Bensberg, Moitzfeld, Frankenforst, in Schloss Eulenbroich in Rösrath, im OJO Overath, Steinenbrück, in der Dellinger Kirche und im K 44 in Kürten, Delling, im Odenthaler Bürgerhaus und im Freilichtmuseum Lindlar, ja sogar in Lohmar-Donrath, im benachbarten Rhein-Sieg-Kreis.

Damit wurde eine Vernetzung angestrebt, die eine nachhaltige Förderung der Erzählkunst über das Festivalevent hinaus ermöglicht.

Motto war „Frühling auf die Wiesen, Frühling in die Köpfe“. Viele Zuhörer kamen immer wieder, gaben den Erzählerinnen Rückmeldung, trugen bei zu einer wunderbaren Festivalatmosphäre und zeigten, dass sie viele Anregungen mit nach Hause nahmen.

Höhepunkt zum Weltgeschichtentag war der lange Abend der Erzähler im Freilichtmuseum Lindlar. Das Ambiente der „Restauration Römer“ gab den Geschichten von Jana Raile und Festivalleiter Stefan Kuntz einen besonderen Reiz.

Weitere zwölf Erzählerinnen und Erzähler aus drei Ländern haben mit 23 Veranstaltungen insgesamt rund 1200 Besucher erreicht. Der Festivalleiter Stefan Kuntz zeigte sich sehr zufrieden mit dem regen Zuspruch, mit der Mobilität (einige Zuhörer kamen aus dem Rhein-Sieg-Kreis in den Oberbergischen Kreis, einige auch aus Wuppertal und Solingen) und Neugier der Zuhörer, über drei Kreisgrenzen hinweg hochprofessionelle Erzähler zu erleben. Die Ausweitung gegenüber dem ersten Festival 2005 wurde möglich durch die finanzielle Unterstützung von der Kultur- und Umweltstiftung der Kreissparkasse Köln, von der Landesarbeitsgemeinschaft Soziokultureller Zentren Nordrhein-Westfalen (LAG NW) mit Mitteln vom Ministerpräsidenten des Landes Nordrhein-Westfalen, von der Regionalen Kulturpolitik mit Mitteln vom Ministerpräsidenten des Landes Nordrhein-Westfalen, vom Fonds Soziokultur, von der Stadt Bergisch Gladbach, Bürger für uns Pänz u.a.. Die Schirmherrschaft hatte der Landrat Rolf Menzel übernommen.

Von den 23 Veranstaltungen fanden 10 Erzählauftritte vormittags in Grundschulen statt, darüber hinaus wandten sich 2 öffentliche Veranstaltungen ausdrücklich an Kinder. Das Interesse der Lehrer war nach anfänglichen Schwierigkeiten enorm groß, die Rückmeldungen sehr positiv. Eine leider schlecht besuchte Veranstaltung für junge Leute fand im Jugendzentrum Overath statt.

Elf interessierte Erzählerinnen und Erzähler konnten sich im Rahmen eines Workshops bei Erzählprofi Peter Glass frische Tipps holen für ihre Auftritte und sich vor Publikum ausprobieren. Diese Möglichkeit nahmen auch 4 Erzählerinnen außerhalb dieser Region wahr. Die Verbesserung der kulturellen Teilhabe, der kulturellen Bildung von Kindern und Jugendlichen im Bereich der oralen Literatur und ihrer Vermittlung ist dabei erklärtes Ziel. Im Vordergrund stehen dabei Erzähltechniken für das Erzählen eigener Erlebnisse, aber auch die literarische Bearbeitung eigener Anekdoten im Sinne oraler Literatur. Dabei sind diese partizipatorischen Angebote naturgemäß prozessorientiert.
Es geht dabei nicht um das larmoyante Vermissen apostrophierter intakter Kommunikationskultur, sondern um das Verbessern der Bedingungen heutiger Kommunikation in dem Bedingungsgeflecht Zuhören und Erzählen. Der Workshop mit Peter Glass erreichte Menschen, die Geschichten erzählen. Oder vorhaben, dies zu tun. Drei Tage im spannenden Feld zwischen Geschichte, Erzähler und Zuhörer. Überraschende Erfahrungen zwischen Sicherheit und Wagnis. Die Teilnehmer konnten ihre Geschichte mitbringen und erproben mit der Unterstützung des Workshopleiters, was die Zuhörer erwärmt, fesselt und bewegt. Praktische Übungen aus der darstellenden Kunst gaben erstaunliche Hinweise darauf, wie ein Vortrag sich zu einem lebendigen Ereignis wandelt.

Auch unabhängig von der Workshop-Teilnahme waren alle Erzählerinnen der Region, egal ob Anfänger oder Fortgeschrittene, eingeladen, sich gegenseitig mit ihrer Kunst beim Festival-Happy-End am 18.3. kennenzulernen und auszuprobieren, das taten immerhin fünf. Peter Glass moderierte eine Zusammenkunft, die im Charakter einer Werkschau allen Ambitionierten Raum bietet, sich als Erzähler auszuprobieren – entspannt für die Agierenden, interessant und unterhaltsam für die Zuhörer.

Außer Peter Glass haben ihre Kunst gezeigt: Katharina Ritter, München, die am 8.3. den Auftakt im Kreishaus machte; Martin Ellrodt, Nürnberg; Martin Moffor, Kamerun/ Stuttgart; Heima Hasters, Freiburg, die schon im Februar 2005 begeisterte; Stefan Kuntz, der Organisator des Ganzen; Stan Lafleur, Köln; Christiane Willms, Stuttgart; Dorit David, Hannover, Gerhard Bosche und Jana Raile aus Lensahn, Mehmet Dalkilic, Linz, mit seinen Nasreddin-Hoca-Geschichten.

Gute Geschichten gut erzählt zu präsentieren, war das Ziel dieses zweiten Festivals, das fast immer erreicht wurde. Den Zuhörern wird im Rahmen von kultureller Partizipation Gelegenheit gegeben und Lust gemacht zum eigenen Erzählen.

Die eingeladenen Erzählerinnen waren in der Regel professionelle, hauptberuflich tätige Künstler. Sie erzählten frei ihre eigenen Texte oder von ihnen selbst bearbeitete Geschichten. Dabei wurde auch je nach Reaktionen des Publikums improvisiert. Es handelte sich nicht um Lesungen, mit einer Ausnahme, der Spoken Word Performance von Stan Lafleur, mit der die Brücke zu den Autoren, zu einer anderen Szene geschlagen werden sollte. Die Erzähler waren immer ganz nah dran am Publikum. Sie sind sie selbst, sie spielen keine Rolle. Erzählerinnen wirken durch ihre Persönlichkeit.
Es handelt sich um eine besondere Form der Literaturvermittlung, eben die der oralen Literatur.
Das Festival präsentierte nur am Rande Märchen für Kinder. Dieses Festival verließ die Märchenpfade. Es experimentierte immer neu mit neuen Formen der Erzählkunst, verschreckte aber andererseits trotz mancher Irritationen nicht die Liga der Märchenfreundinnen, indem es besonders gute Vertreter dieser Richtung ebenfalls und exemplarisch, aber anders präsentierte und andererseits die Hand zur Kooperation mit dem Festival-Happy-End ausstreckte. Es verzichtete auf falsches Pathos und will eher durch authentischen Kontakt und Qualität beeindrucken.

Basis dieses besonderen Festivals war die 27-jährige Tätigkeit des Initiators Stefan Kuntz als Erzähler, auch auf Festivals in Graz, Tasmanien, Wimborne Minster, Aachen, Kairo, Köln, Nürnberg und Berlin und seine Erfahrung als Festivalleiter seit 1997.

Dieses Erzählfestival war für die Rheinisch-Bergische Region eine Gelegenheit, kulturelle Identität zu gewinnen, Heimat erneut zu definieren und ihre weltoffene Gastlichkeit wieder einmal und anders zu zeigen. Dieses Erzählfestival war in besonderem Maße geeignet, gegenüber der benachbarten Großstadt nachhaltig ein eigenes, kulturelles Profil zu entwickeln, über Kultur ein Alleinstellungsmerkmal mit aufzubauen, auch gegenüber der leider vorverlegten lit.cologne. Erzähler machen die eigene Stadt im Bergischen lebens- und liebenswert. Wo erzählt wird, da wird ein Fest gefeiert.

Das Festival ist für drei weitere Wiederholungen, jeweils mit unterschiedlichen Schwerpunkten, in 2009, 2011 und 2013 geplant. Für 2009 ist die Durchführung bereits für den 12. bis 22. März reserviert.

 

 

Nr. 4) Alarm Theater, Bielefeld - Ikarus – oder der Traum vom Fliegen - Multimediales Theaterprojekt mit professionellen KünstlerInnen und jungen Männern (ehemals Drogenabhängige) aus verschiedenen Kulturkreisen

 

Es fanden insgesamt 4 Vorbereitungstreffen zwischen den Verantwortlichen der therapeutischen Wohngruppe Loxten und der Projektleitung des AlarmTheaters statt.

In diesen gemeinsamen Arbeitssitzungen wurde zunächst die terminliche und finanzielle Organisation geklärt. Danach die Rahmenbedingungen und die Einbindung des Projektes in die Lebenswelt der jungen Erwachsenen. Darüber hinaus kam es zu einer Verständigung über Art und Umfang der theaterpädagogischen Arbeit und der Betreuungszeit.

Die Anforderungen der Kooperationspartner waren sehr hoch: Ein großer Teil der Klienten der therapeutischen Einrichtung Loxten (Teilnehmer 10 / Alter zwischen 18 – 32 Jahre) nahm full time von 9 –17.00 Uhr an dem Theaterprojektes im AlarmTheater Bielefeld teil.

Der Faktor „Mehraufwand an Betreuungszeit“ mußte ohne eine hauptamtliche Kraft aus Loxten auskommen (Einsparungen der Institution). Dies musste auf Seiten des AlarmTheater durch einen Mehraufwand an Betreuung und eine stärkere handwerkliche Ausrichtung neben der Theaterarbeit aufgefangen werden.

Die TN des Berufs- und Ausbildungsjahr „Junge Bühne“ sollten als Teil ihrer Ausbildung in und hinter den Kulissen mitarbeiten. Dies musste speziell vorbereitet werden, insbesondere in Bezug auf den Umgang mit den Klienten der Therapieeinrichtung.

Neben dem theaterpädgogischen Prozess steht am Ende eine Reihe von Vorstellungen. Nicht nur die Fachöffentlichkeit fand Zugang, sondern massiv auch die Öffentlichkeit im lokalen und regionalen Bereich. Zudem wurden schulische und außerschulische Kooperationspartner für die Aufführungen unter dem Thema „Theater und Prävention“ gewonnen, sodass insgesamt 9 Aufführungen durchgeführt werden konnten.

Die erste Voraussetzung für die Teilnahme an der ganztägigen Theaterarbeit war, dass die Teilnehmer zum Zeitpunkt des Projektes drogenfrei waren.

Neben der künstlerischen Arbeit ging es zu einem großen Teil auch um Training der körperlichen Belastbarkeit, da ein nicht kleiner Teil der Drogenabhängigen wenig Kondition und körperliche Leistungsfähigkeit hatten. Sie kamen z.T. direkt aus dem Entzug in das Projekt.

Klare Regeln wurden von der Projektleitung gleich zu Anfang festgelegt.

Die praktische Durchführung des Projektes lief über den Zeitraum vom 18. April – 1. Juni 2006. Die Theaterarbeit mit den Drogenabhängigen war sehr am Prozess orientiert. Sie wurde in aufeinander folgenden Phasen artikuliert und immer von Abschnitten der Evaluation, der Reflektion und des Innehaltens alterniert.

Am Anfang standen die Begegnung und der Austausch zwischen den jungen Erwachsenen und den KünstlerInnen. In 4 Wochenblöcken wurden mit den Teilnehmer in künstlerischen Laboratorien (Schauspiel, Akrobatik, Tanz, Rhythmus, Gesang) Material erarbeitet und gesammelt. In den 2 folgenden Blöcken kam es zur Erarbeitung der Szenen, der theatralen Montage und schließlich zur Einprobung des Stückes.

Im Vorfeld hatten die Teilnehmer die Aufgabe, einen umfangreichen Fragebogen zur Themenstellung Ikarus und einer möglichen theatralen fiktiven Figur auszufüllen. In Form schriftlicher und mündlicher Äußerungen der Teilnehmer sollte das Thema zunächst frei assoziativ erarbeitet werden. Zu Beginn der praktischen Arbeitssitzungen wurden die Berichte und Aufzeichnungen der Teilnehmer unter der Fragestellung Vorbild – Selbstbild - Fremdbild bearbeitet.

Fernab von der herkömmlichen Bühnenarbeit – wo jede Handbewegung der Regievorgabe folgt, entwickeln die Akteure hier ein Theaterstück aus der Improvisation heraus.

Texte, Literatur und Musik wurden einerseits vorgeschlagen, andererseits wurden persönliche Wünsche der Männer respektiert und integriert.

Die volle Einbringung der Einzelnen für diese szenische Collage wurde stets gefordert. Die Facetten und Kompetenzen jedes Einzelnen mussten erkannt werden und in individueller Arbeit herausgebildet werden. Niemand sollte in diesem Projekt `fremdbestimmt´ oder `blamiert´ werden, vielmehr wurden die vorhandenen persönlichen Fähigkeiten (z.B. tanzen, singen, Text präsentieren, etc.) der Einzelnen bewusst gemacht und für die theatrale Arbeit genutzt.

Die Premiere fand am 24. Mai 2006 um 20.00 Uhr im Alarm Theater statt. Anschließend fanden

weitere 8 Aufführungen vom 25. Mai 2006 - 01. Juni 2006 - 20.00 Uhr statt.

 

Das Projekt IKARUS wurde darüber hinaus wissenschaftlich begleitet von Ulrike Sirch vom Fachbereich Gesundheitswissenschaften der Universität Bielefeld.

Als die Aufführungen den Prozess enden ließen, war es für alle das Erleben eines Vulkanausbruchs. Wichtig waren auch die Wiederholungen der Aufführungen, damit die Akteure glauben und annehmen lernten, dass das hervorgeholte Beste, die Kraft und auch die Liebesfähigkeit keine Eintagsfliege ist. An dieser Stelle ist auch die Öffentlichkeit in Form der Zuschauer mitten im Prozess des Erlebens vom schönen, würdevollen Menschen, der in die Gesellschaft gehört. Spätestens hier wurde klar, dass unser aller Leben eine Bereicherung erfährt, wenn wir vom Wegschauen/Ignorieren hin zur Begegnung kommen.

 

 

Nr. 99) Bürgerinitiative Bürgerwache e.V., Bielefeld – Theater mit Migranten

 

Der Rahmen - Vom 09.– 13.10.2006 fand in der „Bürgerwache“ die Kernphase des interkulturellen Theaterprojekts „Spuren­suche“ mit insgesamt 11 Kindern im Grundschulalter statt. Die künstlerische und pädagogische Leitung hatte die Zweitsprachenerwerbstrainerin, Performancekünstlerin und Theaterpädagogin Daniela Körtner. Es nah­men 4 Mädchen mit türkischer, 2 Mädchen mit kurdisch-syrischer und 5 Mädchen mit deutscher Herkunft an dem Projekt teil. Der zeitliche Rahmen umfasste täglich 8 Unterrichtseinheiten á 45 Minuten inklusive Refle­xion, Vor- und Nachbereitung.

Das pädagogisch-künstlerische Projekt „Spurensuche“ - Neben der Thematisierung von kultureller Herkunft ging es in „Spurensuche“ vor allem um eine differenzier­te und ressourcenorientierte Persönlichkeitsarbeit, die Vergangenheit und Gegenwart gleichermaßen mitein­ander verbindet, um den Weg für neue Spuren in die Zukunft zu ebnen.

Am ersten Tag lernten die Kinder theaterpädagogische Grundlagen kennen. Dabei stand das Verhältnis von Körper und Raum im Vordergrund.

Am zweiten Tag experimentierten die Teilnehmerinnen mit Farben und Formen sowie mit verschiedenen Sprachen. Durch Theatertechniken nach Augusto Boal spürten die Kinder unbewusste Konflikte auf und spiegelten sich die Themen gegenseitig. Die Kinder sprachen über Nähe und Distanz, über Heimweh und Fernweh, über Armut und Reichtum, über Sucht und Krankheit, über Trauer, Angst und Lebensfreude. In der anschließenden Integrationsphase konnten die Kinder ressourcenorientiert gestärkt werden.

Thematisch ging es am dritten Projekttag um das Eigene und das Fremde. Die Kinder hatten hier viel Refle­xionsbedarf. Aus Modelliermasse gefertigte Masken wurden von den Kindern gezielt besprochen und durch vorausgehende Übungen in Tanz und Theater umgesetzt.

Am vierten Tag wurden in Solo- Duo- und Ensemblearbeit die Ideen aus dem eigenen Lebensalltag für das Theaterstück weiter ausprobiert und in eine Form gebracht. Eine wichtige Komponente war das gegenseitige Vorspielen der eigenen Szenen und Choreografien im Plenum. Konstruktive Anregungen wurden von den Teilnehmerinnen der Gruppen ausgetauscht. Dabei unterstützte Daniela Körtner den Prozess der Kinder aus der Perspektive der ästhetischen Form und aus der Perspektive des Zweitsprachenerwerbs Deutsch.

Am letzten Kurstag probten die Kinder ihre Geschichten weiter und führten schließlich ihr eigenes Stück vor Publikum auf. In der anschließenden Reflexion sprachen die Kinder über ihre Eindrücke während des tägli­chen Trainings und während der Aufführung.

Abschließende Betrachtung - Die größte Herausforderung bei der Durchführung des Projektes bestand in der Aquise von TeilnehmerInnen mit Migrationshintergrund, die schlecht in die deutsche Gesellschaft integriert sind. Hier war der personelle und materielle Aufwand höher als bei der Planung des Projektes angenommen. Deren Familien, so bestätig­ten auch die angesprochenen Multiplikatoren (SchulsozialarbeiterInnen, MitarbeiterInnen der offenen Ju­gendarbeit etc.) nehmen pädagogische Angebote, die von „außen“ kommen, i.d.R. nicht wahr, da sich ihr ge­samtes Leben innerhalb der eigenen kulturellen Teilgesellschaft abspielt. So gab es sehr viele Gründe, warum die Kinder nicht an dem Projekt teilnehmen konnten: Aufpassen auf jüngere Geschwister; mit Geschwistern für die Schule üben; kein Geld und keine Zeit, das Kind zur „Bürgerwache“ zu bringen; gemeinschaftliche Verwandtenbesuche; komplette Überforderung der Eltern mit dem alltäglichen Leben etc. Hier bedurfte es z.T. langer Gespräche, den Eltern Perspektiven zur Teilnahme ihres Kindes zu eröffnen. 3 Kinder konnten nur teilnehmen, weil die künstlerische Leiterin sich anbot, sie mit dem Auto abzuholen und anschließend wieder nach hause zu bringen. Bei der Planung eines möglichen weiteren Projektes mit ebendieser Zielgrup­pe wird der Punkt „Aquise von TeilnehmerInnen“ einen sehr viel größeren Raum einnehmen.

Daniela Körtner gelang es mit dem Projekt „Spurensuche“, aktuelle und soziale Ereignisse aus dem Leben­salltag der Kinder zu thematisieren und eine künstlerische Gestaltung der teilweise brisanten Themen zu er­reichen. In den 8 sehr unterschiedlichen Szenen kamen tiefgründige Themen der Kinder wie z.B. die Integra­tion von entwicklungsverzögerten Außenseiterinnen, Geburtsträume und Geburtstraumata, Halb­sprachigkeit, Fremdheit und Einsamkeit, Heim- und Fernweh sowie Armut sehr feinfühlig und humorvoll zum Ausdruck. Das tägliche Mittagessen eröffnete den Kindern eine weitere Ebene des sozialen Kontaktes und bot einen Raum, um die neuen Erfahrungen gemeinsam in der Gruppe „sacken“ zu lassen und zu verar­beiten. In der Projektnachbesprechung zeigten auch schwächere Kinder eine neue Motivation und Lebendig­keit. Sie waren mutiger, als zu Beginn des Projektes und trauten sich insgesamt mehr, miteinander in der deutschen Sprache zu kommunizieren. Die Kinder haben neue Freundschaften geschlossen. Kinder mit deut­scher Herkunft ver­abredeten sich mit Kindern nicht deutscher Herkunft. Die Eltern waren beeindruckt, dass ihre Kinder z. T. mit mehreren Sprachen auf der Bühne standen und sich die Geschichten selber ausgedacht haben. Ein türki­scher Vater bedankte sich zum Abschluss mit den Worten: „Meine Tochter hat viel gelernt. Schade, dass die Klassenlehrerin von E. nicht da war. Sie hätte gesehen, wie viel Deutsch und wie viel Tür­kisch E. wirklich sprechen kann“. Die Eltern haben ihre Kinder mit all ihren Potenzialen wahrgenommen und sie haben sich in ihren Kindern positiv gespiegelt. Es kann daher davon ausgegangen werden, dass sich diese Theaterarbeit der Kinder indirekt auch auf die psychosoziale Situation der Eltern auswirkt.

 

Individuelle Nachbetreuung - Derweil findet die Nachbetreuung der Projektkinder und ihrer Familien großen Anklang. Daniela Körtner führt mit jedem Kind und seinen Eltern (auf besonderen Wunsch auch ohne Eltern) ein intensives persönli­ches Gespräch zum weiteren Verlauf der künstlerischen, sprachlichen, psychosozialen und schulischen Ent­wicklung an, um die Kinder und ihre Familien nachhaltig zu stärken. Ziel ist es, außerhalb des Kontextes Schule eine persönliche Kontaktbrücke für Kinder und Eltern herzustellen, um Berührungsängste abzubauen und um eine allgemeine Kommunikation mit und zwischen den Kulturen zu erleichtern.

 

 

Nr. 90) Bahnhof Langendreer, Bochum - In Spanien stand's um unsre Sache schlecht...

70 Jahre Spanischer Bürgerkrieg

 

Mit 5 Vorträgen in Form offener Abendveranstaltungen, 3 Dokumentarfilmen, 2 Spielfilmen und dem Jazz-Konzert "Cantos de Libertad" wurde zwischen dem 26.9. und 27.10.2006

·         ein ereignisgeschichtlicher Überblick über die Entwicklungen während des spanischen Bürgerkriegs gegeben

·         die Bedeutung Deutschlands sowohl für den Widerstand als auch für die Unterstützung des Francoregimes diskutiert,

·         unterschiedlicher Vorstellungen von anarchistischen, freiheitlichen und autoritären Sozialismuskonzeptionen erörtert

·         zeitgenössische kulturelle Formen in Film und Lied in ihrem historischen Kontext und ihre Relevanz für aktuelle politisches und soziales Engagement kritisch diskutiert.

 

Die offenen Abendveranstaltungen, die Dokumentar- und Spielfilme waren gut bis sehr gut besucht, zu dem Konzert kamen ca. 80 zahlende Gäste, die Presseresonanz war insgesamt gut.

Zu den Veranstaltungen im Einzelnen: Zu Beginn der Veranstaltungsreihe am 26.9. wurde der spanische Dokumentarfilm von 1936 Pueblo en armas – Ein Volk in Waffen gezeigt. Pueblo en armas wurde von Mitgliedern der anarchistischen Gewerkschaft CNT während des Spanischen Bürgerkrieges gedreht. Der Film vermittelt eine libertäre Geschichtsschreibung, - über die Selbstorganisation der Arbeiter, die Milizen, den Krieg und die Rolle der Sowjetunion. Der Film war mit 35 BesucherInnen gut besucht.

Zu dem anschließenden Einführungsvortag von Walther L. Bernecker „Der Bürgerkrieg in Spanien 1936-1939. Natioanle und internationale Dimensionen“ kamen 47 BesucherInnen, davon ca. 20 unter 30 Jahren. In dem sehr engagierten, informativen und gut systematisierten Vortrag Walther L Bernecker einen ereignisgeschichtlichen Aufriss des spanischen Bürger­kriegs gegeben und die zu Grunde liegenden innenpolitischen und sozioökonomischen Ursa­chen beleuchtet. Dabei hat er auch ausführlich die deutsche Intervention auf Seiten der Nationalisten und die internationale Unterstützung der Republik beleuchtet. Im Anschluss kam es zu einer engagierten Diskussion.

Der am 1.10. gezeigte DEFA-Spielfilm von 1960 Fünf Patronenhülsen in der Regie von Frank Beyer war mit 18 BesucherInnen leider nur mittelmäßig besucht. Der Film wurde ebenso wie der Spielfilm „Land an Freedom“ in Kooperation mit dem Endstation.kino und dem KOKI _ Kommunales Kino der VHS Bochum gezeigt; Darum entstanden uns für die Vorführung der Spielfilme keine Kosten.

Der am 3.10. gezeigte beeindruckende Dokumentarfilm Unversöhnliche Erinnerungen von 1979 fand dagegen mit 33 BesucherInnen einen guten Zuspruch. Der Film zeigt die unversöhnlichen Erinnerungen des Maurers Ludwig Stillger, der auf Seiten der internationalen Brigaden kämpfte und des Bundeswehrgeneral a.D. Henning Strümpell, der für die „Legion Condor“ Kampfeinsätze flog, an die Weimarer Republik, an den Bürgerkrieg in Spanien, an die Nazi-Zeit und an die Wiederaufrüstung in der Bundesrepublik.

Zu dem Ken Loach-Spielfilm von 1995 Land and Freedom, der am 5.10. und 8.10 gezeigt wurde, kamen 68 BesucherInnen.

Zu dem Vortrag von Reiner Tosstorff „Anarchismus, freiheitlicher und autoritärer Sozialismus im spanischen Bürgerkrieg“ am 13.10. kamen 32 BesucherInnen. Tosstorff schilderte den Kampf hinter den Fronten, zwischen bürgerlichen, rechtssozialistischen und stalinistischen Revolutionsgegnern sowie den kom­munistischen, linkssozialistischen und anarchistischen Verfechtern sozialer Revolution. Dabei ging er insbesondere auf die ökonomischen Selbstverwaltungsmodelle der AnarchistInnen ein. Im Anschluss kam es zu einer engagierten Diskussion über die Rolle der KommunistInnen und der Sowjetunion im spanischen Bürgerkrieg.

Am 15.10 setzte sich Ekkehard Jost unter dem Titel „Die Republikaner hatten die besseren Lieder“ anhand von Tonbeispielen mit der Musik des Spanischen Bürgerkriegs auseinander. Die 23 BesucherInnen erlebten einen gut informierten und unterhaltsamen Vortrag. Im Anschluss daran trat das Ekkehard Jost Ensemble mit dem Programm „Cantos de Libertad“ auf. Der Musikwissenschaftler und Musiker Ekkehard Jost (u.a. Hessischer Jazzpreis) hat mit neun weiteren namhaften Jazzmusikern im Rahmen des Projekts „Cantos de Libertad“ das Repertoire der republikanischen Lieder aus dem „spani­schen Bürgerkrieg“ aus dem Blickwinkel des freien europäi­schen Jazz bearbeitet. Das Konzert stieß bei den ca. 80 zahlenden BesucherInnen auf begeisterte Reaktionen – lang anhaltende standing ovations.

Am 17.10. hielt Vera Bianchi vor 27 BesucherInnen den Vortrag „Feministinnen in der Revolution“. Dabei berichtete sie über die Gruppe Mujeres Libres: In den drei Jahren ihres Bestehens waren mehr als 20.000 Mitglieder in über 150 Ortsgruppen organisiert; sie leiteten Bildungs- und Ausbildungskurse für Frauen, organisierten Hilfsarbeiten für die Frontkämpfer und eigene Kolonnen von Frontkämpferinnen. In der anschließenden Diskussion wurde insbesondere über die Grenzen historischer Aufarbeitung in Spanien diskutiert.

Am 27.10. hielt Streck Ralf Streck vor 22 BesucherInnen einen Vortrag zu „ Spanien heute - emanzipatorische Bewegungen, Linke, Antifaschismus“. Dabei ging er insbesondere auf die 40 prägenden Jahre der Franco-Diktatur, die erst langsam beginnende, trotzdem aber heftig geführten Auseinadersetzungen um Erinnerungskulturen und die Frage der regional eigenständigen Entwicklungen (Katalanien, Galicien, Andalusien, Euskadia) ein.

Insgesamt sind wir als Veranstalter mit der Resonanz auf das Angebot sehr zufrieden; auch die örtliche Presse hat alle Veranstaltungen angemessen angekündigt und vereinzelt berichtet.

 

 

Nr. 5) Bahnhof Langendreer, Bochum - What a wonderful world

 

Die Initiative zu diesem Projekt ging von art@work, einem bundesweiten Zusammenschluss von Kulturschaffenden aus. Das Projekt wurde konzipiert und durchgeführt als multimediales Projekt, an dem Laien und professionelle Musiker gleichermaßen beteiligt waren:

- ein Projektchor unter Leitung von Annegret Keller (Duisburg) mit 120 Mitgliedern, an dem sich Schul- und Kirchen-, gewerkschaftliche und freie Chöre aus NRW beteiligten.

- das Jugendsinfonieorchester Mühlheim mit 70 Jugendlichen unter Leitung von Ottmar Müller bei den Konzerten in Mühlheim und Moers das Schulorchester der Gesamtschule Dortmund Gartenstadt unter Leitung von Ernst-Walter Hemmerich bei den Konzerten in Bochum und Dortmund

- weitere Instrumentalformationen der Gesamtschule Saarn, der Waldorfschule Mülheim, des Gymnasium Adolfinum Moers und der Gesamtschule Dortmund Gartenstadt

- zwei Bands aus NRW: eine afrikanische Percussion-Group mit acht Mitgliedern und „Grupo Latinoamericano“ unter der Leitung von Sergio Teran

ChoreographInnen: Anna Staedler – Modern Dance, Claude De Souza und Radi Dimic – HipHopDance (Talentschmiede NRW)

Sologesang: Antonia Ponti, M-Proud, Melanie Rain, Semra Günel, Moritz Steckenstein, Monika Tönessen

Rezitation: Leonardo Martinez, Paula Keller, Martin Plange-Tönessen

Orchesterbearbeitung: Peng Yin

Dirigentinnen und Dirigenten für die Probenarbeit und Bereitstellung von Übungs-CD’s für die beteiligten Chöre: Monika Tönessen, Pe Stöve, Kerstin Gennet, Heidrun Haardt

Regie: Garcia Devaraj

Musikalische Leitung: Annegret Keller

Projektphasen :

Sept. - Nov. 2005: Konzept, Projektwerbung und Konstituierung des Projektes

Nov. 05 - Jan. 06: Diskussion und „An“proben im Rahmen von Workshops:

16.-18. Dez. Euskirchen ( Musikseminar )

28./29. Dez. DU-Rheinhausen u. 7. Jan. 2006 Mülheim ( Theater / Rezitations-Seminare )

Febr. und März 06: Konkretisierung und künstlerische Umsetzung der Produktion

je 2 dezentrale Regionalproben in Köln und Duisburg

Tanztheater - Werkstätten: Freier Tanz 17. – 19. Februar im Gymnasium Adolfinum Moers
HipHop-Trainings in den Schulen vor Ort
Zentrale Proben: 3./4. März und 1./2. April 06 Waldorf-Schule MH

April – Okt. 06: Konzertaufführungen

Fr. 7. April 06 IPPNW-Kongress Bonn - alter Plenarsaal des Bundestages
Sa. 6. Mai 06 Mülheim, Aula der Waldorf-Schule
So. 7. Mai 06 Stadtkirche Moers
Sa. 17. Juni 06 Open air Moers, Kastellplatz - Jugendcamp der Ev. Jugend im Rheinland
So. 1. Sept. 06 Düsseldorf, Freizeitzentrum Garrath
Sa. 2. Sept. 06 Bochum, Christus Kirche Bochum
Sa. 23. Sept. 06 Dortmund, Gesamtschule Gartenstadt

 

Das Projekt wurde (örtlich unterschiedlich) unterstützt von örtlichen Tschernobyl-Initiativen, dem IBB, der Bundesarbeitsgemeinschaft „Den Kindern von Tschernobyl, Heimstatt Tschernobyl e.V., der Gesellschaft Bochum-Donezk e.V., DGB, Arbeit und Leben, Soziokulturelles Zentrum : Bahnhof Langendreer, Bochum, LAG Soziokulturelle Zentren NRW, Deutsches Institut für Entwicklungspolitik, Bonn, Evangelische Kirche und Katholische Kirche, Chorizonte - Chorverband politisch engagierter Chöre ( Verbreitung, Koordination, Beteiligung von Ensembles bzw. SängerInnen , Universität der Künste Berlin ( Kompositionsbeiträge)

 

Konzert in Bochum

Für das Konzert in Bochum konnte zusätzlich zum Bahnhof Langendreer der DGB Bochum und die Gesellschaft Bochum-Donezk e.V. als Mitveranstalter gewonnen werden – eine Konstellation, die es so sicher zum ersten Mal in Bochum gab. Die Oberbürgermeisterin von Bochum, Frau Dr. Ottilie Scholz hat die Schirmherrschaft übernommen und die Veranstaltung auch eröffnet

Aufführungsort:

Das Konzert fand in der Christuskirche Bochum statt. Dieser Aufführungsort ist von besonderer Bedeutung: Die Christuskirche ist ein Denkmal gegen Gewalt und Krieg. Beim Wiederaufbau der Christuskirche wurde der ausgebrannte Turm der alten Kirche integriert, der einzig die totale Zerstörung der Bochumer Innenstadt überlebt hatte. „Ohne die vergangene Gewalt zu leugnen, verdeutlicht das Ensemble den Bruch mit ihr“ (www.christuskirche-bochum.de) Die Kirche ist heute als „Kirche der Kulturen“ ein Raum für Konzerte und andere Veranstaltungen, die inhaltlich zu ihrem Charakter als Denkmal gegen Gewalt passen.

Wir haben uns sehr darum bemüht, diese Kirche als Veranstaltungsort zu gewinnen, auch wenn wir in Kauf nehmen mussten, dass sich dadurch die Veranstaltung verteuert hat. Wir mussten sowohl für den Chor als auch für die TänzerInnen Gerüste in der Kirche aufbauen, die in der Kalkulation nicht vorgesehen waren.

Werbung und Medienecho:

Das Konzert wurde sowohl im Programm des Bahnhof Langendreer als auch mit Plakaten und Flyern beworben. Plakate und Flyer sind über den DGB auch an die Einzelgewerkschaften und an Betriebs- und Personalräte gegangen. Das Konzert war die zentrale Antikriegstagsveranstaltung des DGB Bochum.

Im Internet wurde auf den Seiten des Chores Chorrosion (www.chorrosion.de), des Bahnhof Langendreer, der Gesellschaft Bochum-Donezk (www.bochum-donezk.de) und der Christuskirche Bochum für die Veranstaltung geworben. Zeitnah gab es auch einen längeren Artikel auf der Seite Bochum-Alternativ (www.bo-alternativ.de), die über Bochum hinaus für alle, die sich u.a. für Soziokultur interessieren, eine besondere Bedeutung hat.

Die Presse hat sehr positiv berichtet. Die WAZ hat an 2 Tagen der Woche in kurzen, der Stadtspiegel mit einem ausführlichen Artikel auf das Konzert hingewiesen. Radio98 hat am 2.9. ein kurzes Interview gebracht. Die Ruhrnachrichten haben begeistert über das Konzert berichtet (s. Pressespiegel).

Fazit

Wir betrachten die Veranstaltung insgesamt als großen Erfolg, wenn man sich auch gewiss mehr BesucherInnen gewünscht hätte. Leider gab es gerade an diesem Samstag eine Fülle von Veranstaltungen (Ende der Sommerpause, schönes Wetter) Es ist uns aber gelungen– sicher auch auf Grund des Spektrums der Veranstalter – , in Bezug auf Lebensalter und -hintergrund sehr unterschiedliche Menschen für das Konzert zu interessieren. Ungeachtet dieser Unterschiede war das Publikum restlos begeistert.

 

 

Nr. 46) Theater leibeigen, Bochum – Creeps

 

Konzept: Dieses Projekt setzte sich mit den Mitteln des Körpertheaters kritisch mit der allgegenwärtigen „medialen Materialmache“ und deren Folgen auseinander. Ausgangspunkt der künstlerischen Auseinandersetzung war das elementare Spannungsfeld von Zerrissenheit, in dem Jugendliche sich heute befinden: sie bedienen sich der Übermacht der medialen Bilderflut. Auf die Spitze getrieben führt diese radikale Selbstveräußerung zu der Frag: bin ich real? Nur wenn mich jemand anschaut, bin ich da! Es wird mich aber nur jemand anschauen, wenn ich aussehe wie…In dem Projekt ging es darum, diesem „Idealbilderstrom“ die Sehnsucht nach Anerkennung individueller Eigenheiten gegenüber zu stellen.

Die gemeinsame Arbeit mit Profis und Laien: Das Stück Creeps bot sich inhaltlich auf hochaktuelle Weise für so ein gemeinsames Projekt an: in der Arbeit an Creeps ging es darum zu erfahren: was zeichnet mich aus, worin bin ich gut, bekomme ich Anerkennung. In Improvisationen experimentierten wir mit diesem Thema. Für die jungen Darstellerinnen bedeutete die Entdeckung ihres Potentials aber auch Konfrontation mit eigenen Schwächen. Mit den professionellen Darstellern als Orientierungspunkt konnten sie sich auf konstruktive Weise damit auseinander setzen. Anders als im Stück, wo die Protagonistinnen in ihrem Können bzw. Nicht-Können gnadenlos vorgeführt werden, konnten sie auf der Ebene des Arbeitsprozesses die Erfahrung machen, wie sie durch das konkrete Feedback von Regie und ausgebildeten Schauspielern täglich über sich hinaus wuchsen.

Formal betrachtet stellen Schauspieler eine Rolle mit Hilfe ihres Handwerks dar, während Jugendliche sich an authentischen Erfahrungen und Emotionen orientieren: die Zusammenführung beider Ebene bildete in der Inszenierung einen interessanten Kontrapunkt. Bei dieser Herangehensweise hatte ich anfänglich durchaus Bedenken, ob die Laiendarsteller nicht am Ende tatsächlich vorgeführt werden. Dieser Effekt sollte auf keinen Fall entstehen!

Im Arbeitsprozess lernten die jungen Darsteller durch körperorientiertes Schauspiel im Zusammenspiel mit den Profis innerhalb kürzester Zeit, wie sie eine Rolle konkret gestalten können; die Profis wurden mit ihrer Bereitschaft konfrontiert, inwiefern sie sich hinter ihrer Technik „verstecken“ oder eine Rolle wahrhaftig verkörpern.

Für die Jugendlichen Zuschauer bot die Tatsache, dass einige Bühnenfiguren von Schülerinnen gespielt wurden ein hohen Identifikationsgrat. In den Nachgesprächen ergaben sich kontroverse Diskussionen in denen klar wurde, wie präsent Castingsituationen für Jugendliche heute sind: insbesondere Mädchen berichteten über ihre diesbezüglichen Ängste und Unsicherheiten.

 

Erreichte Ziele: Das hochaktuelle Stück Creeps wurde mit den Mitteln des Körpertheaters eindringliche mit Jugendlichen und professionellen Darstellern auf die Bühne gebracht. Den Jugendlichen wurde die Möglichkeit gegeben, das Thema in körperorientierten Improvisationen vor allem sinnlich zu erfahren. Darüber hinaus wurden ihnen Theatergrundlagen vermittelt.

Es gab regen Austausch und Kommunikation zwischen professionellen Schauspielern und den jugendlichen Darstellerinnen und Mitarbeiterinnern. Die Jugendlichen bekamen einen Einblick in das Berufsfeld des Schauspielers. Darüber hinaus wirkte sich die Kooperation in hohem Maße positiv auf deren Selbstvertrauen/ Selbstwahrnehmung aus.

Durch die Vernetzung von Kooperationspartnern in Bochum und Dortmund wurde die städteübergreifende Kulturarbeit der Region gefördert. (Schwierig, bzw. unmöglich, gestaltete sich aufgrund der bekannten Situation der Tagespresse eine städteübergreifende Öffentlichkeitsarbeit. In Zukunft werden wir unsere PR deshalb vermehrt über das Internet gestalten).

 

 

Nr. 6) Brotfabrik Bonn - Bonn 2006 – Normal bekloppt – Ein Crashkurs in schöner Wohnen

 

Die Proben der Jugendtheatergruppe „All you need“ fanden ein Mal die Woche drei Stunden im Probenraum der Brotfabrik statt. Aufgegliedert sind die Proben in ein halbstündiges Körper- und Stimmtraining. Dieses setzt sich zusammen aus Körperbewußtseinsübungen und Spielen, die alle Sinne und den Körper erwecken, um ihn im vollen Maße während der Proben einzusetzen, beziehungsweise eine spielerische Form zu finden, sich mit diesem auszudrücken.

Das Stimmtraining hat die Zielsetzung, die Stimmqualität und die Stimmkraft zu entwickeln und in einen inhaltlichen Bezug zu den zu spielenden Texten zu setzen. Beides lässt sich nicht von einander trennen, und benötigt eine konsequente und immer wiederholende Übung. Konzentrations- und Koordinationsspiele ermöglichen eine disziplinierte und freudige Arbeit innerhalb der Gruppe.

 

Zur 1. Probenphase (3 Monate)

Die Gruppe hat sich mit dem Thema „ Zuhause in Bonn oder was ist das für ein Gefühl: Zuhause“ auseinandergesetzt. Diese erste Probeneinheit diente zur „Probier – und Findungsentwicklung“. Was haben wir für Bilder zu dem Thema und wie können wir diese mit unserem Körper, unsere Stimme und der Phantasie umsetzten. Es wurden an Hand von Bilderbüchern Szenen ausgedacht und improvisiert. Einzelne haben improvisiert, sowie in Kleingruppen, bis dazu dass die gesamten Gruppe sich einer Szene näherte. Als Material dienten neben den Bildern, Zeitungsartikel, Liedtexte sowie erlebte Geschichten in der Familie oder auf der Straße, die nachgespielt wurden.

Wir haben uns Fragen gestellt: Was ist mein Zuhause? Was ist mir wichtig an meinem Zuhause? Wer gehört zu dem Gefühl oder dem Ort oder dem Bild von Zuhause? Wenn ich nicht zuhause bin, was ist dann anders?

Die Fragen entstanden aus dem unmittelbaren Erlebnis- und Erfahrungsschatz der Jugendlichen.

Es entstanden Situationen, die die Jugendlichen erlebt haben, ebenso Momente die mit ihrer Zukunft zusammen hängen. Es wurden Bilder entwickelt, was ist wenn ich nicht mehr Zuhause bei meinen Eltern bin, sondern alleine lebe, oder in einer Wohngemeinschaft. Ist das dann auch mein Zuhause? Oder ein neues Zuhause?

Wir sind in die probenfreie Zeit (Sommerferien) gegangen und hatten ganz viel Material, welches sortiert und geordnet werden musste. In dieser Zeit hat die Regie mit dem Autor, dem Komponisten und dem Bühnenbildner- und Bühnentechniker, eine Art Basisgrundlage geschaffen, um die Proben weiter zu entwickeln. Der Bühnenraum hat sich gefunden, so dass wir einen Ort als Zuhause definieren wollten. Die Küche; aber auch individuelle Zimmer, in denen jeder Spieler agieren kann. So entstand die Idee der übergroßen Umzugskisten, welche als Zimmer sowie als Kücheninventar dienen konnten. Parallel dazu, wurde dem Autor alles Material von den Proben überliefert, so dass er aus allen Improvisationen, und Textentwürfen der Jugendlichen ein Theaterstück schreiben konnte.

 

2. Probenphase (2 Monate)

Nach der langen probenfreien Zeit, waren die Jugendlichen neugierig auf den Textentwurf und die fertig entwickelten Szenenabläufe. Diese Probeneinheit wurde mit einem Probenwochenende (Freitag bis Sonntag) in der Brotfabrik eingeführt. Das grob entworfene Bühnenbild, durch die Bühnenteile der Umzugskisten, sowie Requisiten die sich manifestierten durch die Improvisationen und die als Material dienende Textvorlage waren fertig, so dass ein neuer Probenprozess entstehen konnte. Thema war, sich mit den Bühnenteilen zu beschäftigen und sie mit sich als Spieler zu verbinden, und einen Umgang zu finden, wie die Figur mit diesen und den Requisiten umgeht.

Der Spieler in Auseinandersetzung mit dem geschaffenen Raum und den Utensilien, so dass ein Raumgefühl und Handlungsablauf entstehen konnte. Intensiv wurde die Textvorlage des Öfteren gelesen und motivierte zu starken Diskussionen innerhalb der Gruppe. Alle Eindrücke und Bewertungen der Szenen oder der Figuren waren nun ein neuer Motor sich der Geschichte zu widmen, als Gruppe in einer Wohngemeinschaft zu leben.

Als nächster Schritt standen die Beziehungen untereinander in der Gruppe zur Debatte. Wie verhält sich wer, wem gegenüber und warum? Warum sagt er dieses und sie jenes? Was bewegt die Figuren? In welchen emotionalen Zusammenhängen stehen sie zu einander? Da die Grundsituationen von den Jugendlichen geschaffen worden sind, haben sie Erfahrungswerte oder Phantasien, die sie in die einzelnen Szenen erwecken und einbringen konnten.

 

Nun wurden auch die Leidenschaften der musikalischen Spieler mit einbezogen. Da in dieser Gruppe fast alle ein Instrument erlernt haben - nicht jeder wollte dieses auch in das Stück mit einfließen lassen - fand sich eine Kleingruppe von vier Spielern, die ihren Figuren auch eine musikalische Seite schenken wollten. So entstand eine „Zuhause-Band“ aus einer E-Gitarre, einem Bass, einer Melodika und einem Saxophon.

Hierbei war ganz wichtig, dass die Jugendlichen diese Situation der Band und ihrer Probe, als Bestandteil des Theaterstückes ansahen. Es ging darum, wie spielen die Figuren in unserer ‚Geschichte’ die Musik. Was hat es für sie zu bedeuten? Welche Beziehungen haben die Spielenden in dem Stück untereinander, welche sich auch in den anderen Szenen wieder finden. Es wurde viel darüber gesprochen, dass es hier nicht um Jugendliche geht, die zeigen, dass sie auch ein Instrument spielen können, sondern, dass sie dieses als Figuren in ihrer Geschichte tun.

Am Ende dieser Probeneinheit sind wir für ein Probenwochenende in eine Jugendherberge gefahren, um dort von morgens bis abends zu proben. Diese intensiven Probentage hatten zur Folge, dass sich ein Gruppengefühl in den spielerischen Szenen wieder spiegelte, und die Arbeit an Tiefe erlang.

Nun begann der Prozess der Szenenarbeit. Szenen wurden besprochen, ausprobiert und wiederholt. Ein wichtiger neuer Schritt, der für jeden Einzelnen eine neue Herausforderung darstellte. Die Wiederholbarkeit. Die Anstrengung immer wieder das gleiche zu machen, und Handlungsabläufe zu konkretisieren. Die Regel, dass man sich auf einander verlassen kann und muss, damit das Stück seinen Weg nicht verlässt. Es entstanden neue Zusammenhänge und die Figurenfindung vertiefte sich!

 

3. Probenphase (2 Monate)

Zu den Figuren hatten sich nun auch Kostüme entwickelt, die sich nach und nach zu einem Bild zusammensetzten. Nun waren die Spieler gefordert Bühnenraum, Bühnenkostüm und die szenischen Abläufe zu einer runden Geschichte werden zu lassen. Ein weiterer Schritt stand an erster Stelle, sich in seinem Zeitempfinden in den Situationen den Raum zu geben, den jeder brauchte.

 

 

Nr. 50) hartware medien kunst verein, Dortmund - Glanz und Globalisierung: Fußball, Medien und Kunst

 

Vom 5. Mai bis 16. Juli 2006 zeigte der Hartware MedienKunstVerein (HMKV) in der PHOENIX Halle Dortmund zwei Ausstellungen zum Thema Fußball und Globalisierung:

·         Glanz und Globalisierung (kuratiert von Inke Arns, HMKV, Dortmund) und

·         Fanshop der Globalisierung: Fußball, Raum und Ökonomie (ein Projekt der Bundeszentrale für politische Bildung und raumtaktik, Berlin).

Der Ausstellungstitel des HMKV-Projektes lautete zum Zeitpunkt der Antragstellung beim NRW Kultursekretariat Wuppertal noch „Fanshop der Globalisierung: Fußball, Raum und Ökonomie“. Er wurde im weiteren Verlauf abgeändert in „Glanz und Globalisierung“, um die Medienkunst-Ausstellung deutlich vom Projekt der Bundeszentrale für politische Bildung abzusetzen. Die Förderung des NRW Kultursekretariats Wuppertal bezog sich auf die Ausstellung Glanz und Globalisierung.

 

Im Folgenden werden beide Projekte kurz beschrieben, da sie inhaltlich aufeinander verweisen und während der Laufzeit der Ausstellung(en) zu einer sehr produktiven gegenseitigen Ergänzung geführt haben.

Der Fanshop der Globalisierung, ein Projekt von Bundeszentrale für politische Bildung und raumtaktik, präsentierte in einem zwölf Meter langen Seecontainer eine Gesamtschau über das globale Wirtschaftssystem. Hier konnte sich der Fußballfan auf unterhaltsame Weise mit den ökonomischen Mechanismen, politischen Hintergründen und kulturellen Kontexten des Fußballs im Zeitalter der weltweiten wirtschaftlichen Veränderungen auseinandersetzen. Die fünf thematischen Schwerpunkte des „Fanshops“ waren Wertschöpfung, Migration, Verflechtung, Kulturelle Identität und Social Divide. Zentrale Elemente der Ausstellung waren von Designern neu gestaltete Fußballtrikots aus aller Welt mit Informationen zu Hintergründen und Folgen der Globalisierung und visuelle Darstellungen zum weltweit agierenden System Fußball. Während der Container durch neun weitere WM-Städte reiste, war ein Teil der Inhalte bis zum 16. Juli 2006 in der Ausstellung „Glanz und Globalisierung“ zu sehen. Im Gegenzug reisten einige Videos der Ausstellung „Glanz und Globalisierung“ mit dem Container durch Deutschland und wiesen so auf die Ausstellung in der Dortmunder PHOENIX Halle hin.

Der Hartware MedienKunstVerein präsentierte in der Ausstellung Glanz und Globalisierung vierzehn internationale MedienkünstlerInnen, die sich mit den fünf thematischen Schwerpunkten des parallel stattfindenden „Fanshops der Globalisierung“ auseinander setzen und diese erweitern und vertiefen: (Arbeits-)Migration, Wertschöpfung, Verflechtung, Kulturelle Identität und Social Divide.

So untersuchen Ursula Biemann/Angela Sanders und Etta Gerdes/Jens Sundheim neue Formen der transnationalen (Arbeits-)Migration, die maßgeblich durch die Globalisierung hervorgerufen werden. Während Mieke Gerritzen die „schöne Welt“ der Globalisierung als endlose Reihe bunter Verkaufsslogans zeigt, lässt Ingeborg Lüscher zwei Fußballmannschaften in eleganten Designeranzügen gegeneinander antreten. Wie in der Wirtschaft gewinnt nur derjenige, der es versteht, die Spielregeln zu durchbrechen, ohne sich dabei erwischen zu lassen. 2003 benannte die Gruppe 0100101110101101.org in einer spektakulären Aktion den historischen Wiener Karlsplatz in „Nikesquare“ um. Nike reagierte auf diese positive Imageverschmutzung mit einer Klage wegen Verstoßes gegen das Markenrecht. Die Yes Men, die seit Jahren als ‚offizielle’ Vertreter der World Trade Organisation (WTO) und des Chemieunternehmens Dow Chemical auftreten, stellten 2005 begeisterten Managern den „Acceptable Risk Calculator“ vor und enthüllten dabei Gilda, das goldene Skelett. Eva Hertzsch & Adam Page führten 2001 als ebenso ‚offizielle’ Vertreter Leipzigs in den Austragungsorten der Fußball-WM in Japan und Korea teils erstaunliche Gespräche mit dortigen Fußball-Offiziellen. In einem monumentalen kartografischen Wandbild stellt die Gruppe Bureau d’Etudes die kapillaren Verflechtungen globaler (Medien-)Unternehmen dar und zeigt so das, was die Welt im Innersten zusammenhält. Mit dem Thema Kulturelle Identität setzt sich Ömer Ali Kazma in seiner 12-kanaligen Videoinstallation zu Galatasaray Istanbul auseinander. Weitere Arbeiten, die Fußball als gesellschaftliches Phänomen in Zentren und deren Rändern verhandeln, sind von Ulf Aminde, Martin Brand und RASSIM®. Während Brand und Aminde auf die sozialen Kontexte des Spiels fokussieren, verweist RASSIM® auf das Wohlstandsgefälle zwischen erster und zweiter Welt. Die London Psychogeographical Association erklärt derweil die Spielregeln des von Luther Blissett eingeführten dreiseitigen Fußballs.

Teilnehmende KünstlerInnen (Glanz und Globalisierung):

0100101110101101.org (I), Ulf Aminde (D), Ursula Biemann / Angela Sanders (CH), Luther Blissett / London Psychogeographical Association, Martin Brand (D), Bureau d'Etudes (F), Etta Gerdes / Jens Sundheim (D), Mieke Gerritzen (NL), Eva Hertzsch & Adam Page (D/GB), Omer Ali Kazma (TR), Ingeborg Lüscher (CH), RASSIM (BG), The Yes Men (USA)

Zusammenfassung und Bewertung der Ergebnisse: Die Ausstellung Glanz und Globalisierung zeigte parallel zur Fußballweltmeisterschaft 2006 14 künstlerische Arbeiten von 14 internationalen MedienkünstlerInnen. Alle künstlerischen Projekte setzten sich mit dem Phänomen und den ökonomischen, politischen und gesellschaftlichen Effekten der Globalisierung im Fußball bzw. angrenzenden Bereichen auseinander. Dabei hat die inhaltliche Bezugnahme auf die fünf Themen des Fanshops der Globalisierung zu einer sehr produktiven gegenseitigen Erweiterung und inhaltlichen Vertiefung der beiden Projekte geführt.

Die Ausstellung des HMKV griff damit zentrale Themen der beide Schwerpunktbereiche „Neue_Medien_Kunst“ und „Diskurs Kunst: Kultur und Arbeit“ des NRW Kultursekretariats Wuppertal auf.

Am 4. Mai 2006 wurden beide Ausstellungen gemeinsam eröffnet. Zur Eröffnung sprachen: Thomas Krüger, Präsident der Bundeszentrale für politische Bildung; Dr. Gerhard Langemeyer, Oberbürgermeister der Stadt Dortmund, Dr. Christian Esch, Direktor des NRW Kultursekretariats Wuppertal; Dr. Inke Arns, künstlerische Leiterin des HMKV und Dr. Friedrich von Borries, raumtaktik, Berlin.

Angekündigt wurde die Ausstellung in der PHOENIX Halle Dortmund durch Anzeigenschaltungen in Zeitungen, Kunstzeitschriften und Veranstaltungskalendern. Für das Ausstellungsprojekt Glanz und Globalisierung wurden verschiedene Drucksachen hergestellt und an den Postverteiler des HMKV versandt, im Ruhrgebiet verteilt bzw. an ausgewählte Kulturinstitutionen zur Auslage verschickt: Halbjahresprogramm („goldenes Heft“, DIN A 6), Einladungskarten, Postkarten und Broschüren Glanz und Globalisierung (DIN A 5). Des Weiteren wurde die Ausstellung auf der Website des HMKV angekündigt und über diverse Internet-Mailinglisten sowie den HMKV-eigenen e-mail-Verteiler angekündigt. Die Ausstellung Glanz und Globalisierung fand als eines von drei Dortmunder Kultur-Projekten Aufnahme in das vom Land NRW zur Fußball-WM veröffentlichte Fußball-Veranstaltungsheft (Auflage: 1 Million).Die Medienresonanz über die Ausstellung Glanz und Globalisierung war sehr gut. Ingesamt erschienen 30 Presseartikel in der regionalen, überregionalen und bundesweiten Tagespresse, 9 Artikel in Fachzeitschriften sowie 12 Artikel in Online-Publikationen (gesamt: 51 Berichte). Insgesamt kamen im Zeitraum vom 4. Mai – 16. Juli 2006 3.500 BesucherInnen in die Ausstellung Glanz und Globalisierung in der PHOENIX Halle Dortmund.

Ingesamt fanden zwischen dem 4. Mai und dem 16. Juli 2006 elf öffentliche Führungen durch die Ausstellung statt.

Begleitprogramm zu Glanz und Globalisierung: Während der Ausstellung Glanz und Globalisierung fanden folgende, extern finanzierte Veranstaltungen in der PHOENIX Halle Dortmund statt:

·         Solar Radio Station, eine Installation von RIXC (Riga) und radioqualia (NZ/AUS/GB/NL), im Rahmen der HMKV-Ausstellung „mit allem rechnen. Medienkunst aus Estland, Lettland und Litauen“ (20. Mai – 16. Juli 2006)

·         Wie ich lernte, RFID zu lieben, öffentliche Vortragsreihe und Workshop, ein Kooperationsprojekt von HMKV (Dortmund) und RIXC (Riga), im Rahmen von „mit allem rechnen. Medienkunst aus Estland, Lettland und Litauen“, PHOENIX Halle Dortmund (20.-22. Mai 2006)

·         Solar Radio Station – Live Performance, DJ Clausthome (Riga), VJ Martins Ratniks (Riga) in der Installation von r a d i o q u a l i a / RIXC, im Rahmen von „mit allem rechnen. Medienkunst aus Estland, Lettland und Litauen“, PHOENIX Halle Dortmund (20. + 21. Mai 2006)

·         Elektronik Baltikum: Elektronische Musik und Visuals aus Estland, Lettland & Litauen, veranstaltet von Sternschaltung/Dortmund, im Rahmen der Ausstellung „mit allem rechnen. Medienkunst aus Estland, Lettland und Litauen“, PHOENIX Halle Dortmund (27. Mai 2006)

·         Rekorderrennen 2006, PHOENIX Halle Dortmund (3. Juni 2006)

·         Extraschicht, vor der PHOENIX Halle (17. Juni 2006); in diesem Rahmen: Marketenderin. Giveaways und Performances, Finissage des Projektes von Dagmar Lippok (Hagen) – mit Klara Hobza/Trish Maud (New York), Anny Öztürk (Frankfurt/Main), Robert Barta (München), Paole Anziché (Frankfurt/Mailand), Jan Jakub Kotik (Prag), Aneta Mona Chisa & Lucie Tcakova (Prag/Bratislava), Yvonne Diefenbach (Wiesbaden), Dagmar Lippok (Hagen), Sandra Mann (Frankfurt/Main)

·         Fußball Filme: Die Todeself, in Kooperation mit der VHS Dortmund, PHOENIX Halle Dortmund (24. Juni 2006)

·         Fußball Filme: Wie der Fußball nach Georgien kam, in Kooperation mit der VHS Dortmund, PHOENIX Halle Dortmund (1. Juli 2006)

 

 

Nr. 9) Zakk, Düsseldorf - Jugend unter Druck

 

Jugend unter Druck – unter diesem Titel führte das Kulturzentrum zakk im Herbst ein Projekt durch, in dem aus unterschiedlichen Perspektiven und mit unterschiedlichen Genres der Kulturarbeit eine Annäherung an dieses komplexe Thema gesucht wurde.

Die Überschrift Jugend unter Druck bildet eine Klammer um Probleme in einem Jugendalter, das zwar nach wie vor als eine Übergangsphase gekennzeichnet werden kann aber von Jugendlichen in den differenzierten sozialen und kulturellen Milieus sehr unterschiedlich erlebt wird. Druck erfahren Jugendliche in benachteiligten Lebenslagen hinsichtlich ihrer Abgrenzung zur Gesellschaft durch Cliquenbildung, Ausdrucks- und Umgangsformen. In den Medien wird ihnen vielfach pauschal Gewaltbereitschaft zugesprochen, obgleich diese Delikte insgesamt nachgelassen haben (darauf weist u. a. der Kriminalitätsexperte Christian Pfeiffer hin). Aber auch Kinder und Jugendliche aus so genannten besseren sozialen Verhältnissen fühlen sich vielfach unter Druck gesetzt, darauf verweist die aktuelle Shell-Studie 2006. Einer großen Bereitschaft auf Integration in die Gesellschaft steht die große Sorge gegenüber, ob das auch funktionieren wird oder am Ende ein Scheitern steht (siehe dazu den Beitrag von Gudrun Quenzel). Der junge Autor Ric Graf berichtet in seinem Roman „icool“ von der Verunsicherung, die junge Menschen angesichts einer immer stärker zunehmenden Flexibilisierung von Gesellschaft erfahren. Die der Jugend(phase) eigenen Gedanken über den Sinn der eigenen Existenz sind mit einer anderen Perspektive verknüpft als in den frühen Zeiten der Modernisierung und so zieht Ric Graf seine Protagonisten zwischen Karrierepunktesammlei, sinnentleerter Dauerpartystimmung und Zukunftsängsten durchs Leben ziehen. Der Jugendforscher Wolfgang Schröer wirft auf die gleichen Fragen einen Blick aus anderer Perspektive. Er fragt, ob der bisherige Status der Jugendphase als „geschuldete Zeit“ (Moratorium) für die Entwicklung im „digitalen Kapitalismus“ nicht schon längst von einer „Entgrenzung“ betroffen ist. Frühere Freiheiten, ein gewisses Maß an Ausprobieren und von der Norm abweichen, werden von einem Zwang verdrängt, bereits frühzeitig die optimale Arbeitsbiografie herzustellen oder ein Scheitern zu riskieren. Aus gleicher Perspektive plädierte Reinhold Knopp in der Diskussion für die Förderung von „kultureller Kompetenz“, der er in einer flexiblen Gesellschaft einen großen Stellenwert für die Bewältigung der physischen und psychischen Anforderungen beimisst, die durch unterschiedlichen biografischen Phasen mit Zeiten der Integration und der Desintegration zu erwarten sind.

Jugend unter Druck bedeutet nicht, dass sich die Jugendphase zu einem freudlosen Jammertal entwickelt hat. Jugend lässt es sich – zumindest in demokratischen Gesellschaften – nicht nehmen, immer wieder Neues auszuprobieren und auf jeweils besondere Weise auch Spaß zu haben. Viel stärker als in früheren Generationen vollzieht sich dies in einem Spannungsverhältnis von der Suche nach Selbstbestimmung auf einer Seite und Einflussnahme durch Markt und Medien auf der anderen. „Coolhunters in eigener Sache“ bezeichnen Klaus Neumann-Braun und Birgit Richard die heute Jugendgeneration, in der „Kinder des Pluralismus“ in einem „Crossover von Moden und Ideologien“ zu recht finden müssen. Kulturelle Eigenaktivität bietet dafür eine starke Basis, dass zeigt ein Blick auf die Gruppe der Teilnehmer/innen von solchen Projekten und Veranstaltungen wie „Sei Artig“, dem Poetry Slam & der Reggae Veranstaltung „Culture rock“.

Insbesondere die Kultureinrichtungen der freien Szene müssen ihre Türe weit öffnen, um Jugendliche zusätzliche Räume zu bieten, in denen mehr als Rezeption und Party möglich ist. Und sie können der Ort sein, an denen Auseinandersetzung und Selbstvergewisserung ermöglicht wird, um Strategien für eine pfiffige Bewältigung oder auch Umgehung gesellschaftlicher Anforderung entwickeln zu können, denn der Druck auf Jugend wird weiter zunehmen.

 

 

Nr. 10) Zakk, Düsseldorf – Lebenslang

 

Die Menschen in Deutschland leben deutlich länger als früher und bleiben auch im Alter länger mobil. Diese ausgesprochen positive Nachricht führt allerdings nicht zu Begeisterungsstürmen. Stattdessen ist in den Medien von einer Vergreisung der Gesellschaft und mitunter gar von einem Kampf der Generationen die Rede. Um die möglichen Folgen der demografischen Entwicklung ranken Mythen, Altersstrukturen werden eins zu eins mit wirtschaftlichen und sozialen Fragen verknüpft, vielfach ohne die wechselseitige Abhängigkeit zu hinterfragen. Während die Diskussionen um die wirtschaftlichen und sozialen Kosten eines längeren Lebens ungebrochen anhalten, Bewegung in die öffentliche Diskussion um das Bild vom Alter gekommen zu sein. Alter wird zunehmend nicht mehr mit Gebrechlichkeit in Verbindung gebracht, stattdessen rückt das Bild der fitten und mobilen Alten in den Vordergrund, dies zeigt sich besonders deutlich in der Werbung. Mit diesem Perspektivenwechsel im Blick auf das Alter gehen neue Mythen einher.

Mit dem Projekt „Lebenslang“ hat sich zakk das Ziel gestellt, den Zugang zu einer sperrigen Diskussion zu öffnen. Der Konzeption dieses Projektes war eine intensive Auseinandersetzung mit Thema Alter und seiner Bedeutung für die Kulturarbeit voraus gegangen. Um die hierbei erarbeiteten Ziele mit dem Projekt „Mythos Alter…“ zu realisieren, wollten wir vielfältige kultureller Ausdrucksformen und Veranstaltungen einsetzen. Die knappe Finanzierung hat dies leider nur in einem kleinen Ausblick er möglicht. Veranstaltungen realisieren sich aber nicht im Selbstlauf; hierzu müssen Angebote geschaffen werden, die Älteren Möglichkeiten für Entfaltung, Engagement und Auseinandersetzung bieten und die Begegnungen von Alt und Jung fördern. Hier ist Soziokultur mit ihren Ansprüchen einer Verknüpfung von Kultur und Fragen gesellschaftlicher Entwicklung besonders gefordert.

 

Das Projekt „Lebenslang“ war in insgesamt in zwei Veranstaltungen des zakks eingebunden: Albrecht Müller, stellte die Frage nach der Reformlüge. In seinem Vortrag mit anschließender Diskussion wurde die Frage nach den 40 Denkfehlern, den Mythen und Legenden mit welche die Politik und Wirtschaft Deutschland diskutiert hinterfragt. Ein Reformbuch welches sicherlich für Diskussion und Wirbel im Haus gesorgt hat. Die Gruppen und Initiativen des Hauses, attac Düsseldorf, Düsseldorfer Sozialforum und aber auch der Seniorenbeirat stellten unterschiedlichste Thesen und Diskussionsstränge für ein gemeinsames lebenslanges Leben auf.

Einen ganz anderen Schwerpunkt wurde mit dem „Kulturspaziergang Oberbilk“ mit der Künstlerin Anne Mommertz gesetzt. Anne Mommertz welche u.a. bei dem Generationenhaus des Schauspielhauses Düsseldorf mit wirkt, zeigte Orte auf, welche den gesellschaftlichen Kontext in ihrem ständigen Handeln thematisieren, so wurde z.B. das Generationenprojekt zwischen Wohnstift „Haus St. Josef“ und dem ansässigen Kindergarten vorgestellt.

Viele der selbst gesteckten Ziele konnten erreicht werden, insbesondere die große Medienresonanz sorgte dafür, dass das Thema zumindest kurzfristig in die öffentliche Diskussion kam. Die kontinuierliche Einbeziehung des Seniorenbeirates war eine der wichtigsten Erfahrungen, welche wir in unserer Arbeit gemacht haben. Die inhaltliche Auseinandersetzung mit dem Alter wurde gerade von der Gruppe des Seniorenbeirates gefördert. Dennoch gestaltete sich die kontinuierliche Arbeit unter Einbeziehung aller Altersgruppen als schwierig. Dies ist allerdings zum Teil auch darauf zurückzuführen, dass die finanziellen Mittel zur Deckung des Projektes nicht in vollem Umfang realisiert werden konnten.

 

Es kann zusammengefasst gesagt werden, dass der geplante Austausch erreicht wurde und, unabhängig von den Ergebnissen, auch die angestrebten „Folgen“ in Sicht sind. Auch für das zakk blieb diese Veranstaltung nicht ohne Folgen. Die positive Resonanz auf das Projekt und die Kommunikation mit dem Publikum hat die Veranstaltung „50plus Party“ geschaffen, so dass diese ab 2007 regelmäßig im zakk Programm aufgenommen wird. Im Gespräch mit dem zakk-Team und durch Fragebögen an die Gäste der Veranstaltung „Wir können auch anders“, wird das Programm nach den Wünschen des Publikums orientiert.

 

 

Nr. 10) Stroetmanns Fabrik Emsdetten - Feuer und Flamme - Theaterpädagogisches Projekt in Kooperation mit dem Straßentheater Titanick

 

Stroetmanns Fabrik geht seit vielen Jahren im Bereich Kulturpädagogik anspruchsvolle Wege. Ferienprojekte werden in Kooperation mit professionellen Künstlern durchgeführt, die keinen pädagogischen Ansatz haben, sondern den Kindern durch ihre künstlerische Arbeit eine nachhaltige Begegnung mit unterschiedlichsten kulturellen Sparten von bildender Kunst über Film und Musik bis hin zu Tanz und Theater bieten.

In 2006 konnte das Straßentheater Titanick für eine Kooperation gewonnen werden. Die Beteiligung von Laien ist ein wichtiger Bestandteil des Titanick Konzeptes. Die Zusammenarbeit mit Kindern wurde mit unserem Projekt erstmals erprobt.

Vom 11.-19.7. erarbeiteten fünfundzwanzig Kinder im Alter von elf und zwölf Jahren mit dem Titanick Ensemble ein poetisches Feuermärchen, das im Rahmen einer Abschlussperformance unter großem, öffentlichem Interesse (weit über 1000 Zuschauer) aufgeführt wurde.

Für die meisten teilnehmenden Kinder war „Straßentheater“ ein völlig unbekanntes Chambre. Zu Beginn des Workshops meldete sich nur ein Kind auf die Frage, wer schon einmal Straßentheater gesehen habe. Die Motivation der Kinder lag im Bereich der Pyrotechnik, der Schlüsselbegriff „Feuer“ war zentral in Zusammenhang mit der Anmeldung zum Workshop. So sah man eher fragende Augen in der ersten Kennenlernrunde, auch die Videoaufzeichnung einer Titanick Performance beantwortete für die meisten noch nicht die Frage, was sie in der Aktionswoche erwartete. Der erste Tag begann mit Schauspieltraining und Übungen zum Körperausdruck. Dieses Training wurde jeden Tag wiederholt, sodass die Fortschritte für Kinder und Trainer gleichermaßen sichtbar wurden. Was am ersten Tag mit endlosem Kichern und coolen Sprüchen möglichst unbeteiligt absolviert wurde, war am letzten Tag vor der Aufführung ernsthaftes, konzentriertes Warmmachen, routiniert und selbstständig durchgeführt.

Die Kinder durchliefen neben dem Schauspielunterricht auch sämtliche anderen Arbeitsbereiche eines Open-Air-Spektakels, wie Bühnenbau, Kostümschneiderei, Lichtdesign, Pyrotechnik und Choreographie.

Die Pyrotechnik, die für viele zu Beginn im Mittelpunkt stand, deren Einsatz vor allem die Jungen kaum abwarten konnten, wurde kurzfristig fast noch zum Problem. Bei den ersten Proben zeigte sich, dass der unmittelbare Kontakt mit Feuer für viele Kinder doch mit mehr Angstgefühlen verbunden war als vermutet. Langsame Annäherung, intensive Beschäftigung mit Sicherheitsaspekten und zahlreiche Wiederholungen sorgten dafür, dass die großen Feuerskulpturen während der Performance von allen Kindern sicher getragen wurden.

 

Der Inhalt der Produktion wurde gemeinsam mit den Kindern erarbeitet:

Die Geschichte unter dem Titel „Drachen-Invasion“ spielt in Erddetten. Dort lebt friedvoll und naturverbunden im Wald ein Volksstamm von Erdlingen, der eines Tages von einem Drachen hört, der ihren Wald bedrohen soll. Sie bereiten sich auf einen Kampf vor, um sich vor dem Feuer des Drachens zu schützen. Als er jedoch tatsächlich erscheint, reagiert er auf die Schutzattacken der Erdlinge nicht feuerspeiend und angriffslustig, sondern verzieht sich seufzend mit einer kleinen Wasserfontäne im Wald. Die Erdlinge versuchen ihn mit verschiedenen Feuereinsätzen zum Kämpfen zu motivieren, müssen aber einsehen, dass der Drache nicht kämpfen will, sondern traurig ist. Mit neuen Ideen und dem Tanz einer mutigen Erdlingfrau gelingt es schließlich, den Drachen wieder fröhlich zu stimmen und mit ihm ein Fest zu feiern, das in einem großen Feuerspektakel endet.

Die Umsetzung der Geschichte gelang sehr überzeugend. Poetische, große Bilder, wie man sie aus Titanick Inszenierungen kennt, gelangen durch die Choreographie des Titanick-Ensembles auch den Kindern. Die standen jedoch vor allem in der zweiten Workshophälfte unter großem Druck. Die Probenzeit war wie immer zu kurz, der Arbeit während der sehr heißen Sommertage war körperlich anstrengend und verlangte gleichzeitig absolute Konzentration. Aber nur durch diese große Anstrengung, die mit „kindgerechter Ferienbelustigung“ absolut nichts zu tun hatte, konnten die Kinder zu einem wirklichen Erfolgserlebnis kommen. Sie haben Hemmungen überwunden, sind mit Ängsten umgegangen, haben Disziplin geübt und Lampenfieber kennen gelernt. Als sich im backstage herumsprach, dass nicht wie erwartet 200, sondern eine Stunde vor Beginn schon über 500 Zuschauer da waren, wurden viele Erdlinge unter der Schminke blass, bald darauf brachte die Meldung, dass es vielleicht sogar 800 Zuschauer oder mehr waren, noch größere Aufregung. Die Abschlussperformance war für Akteure wie Publikum gleichermaßen beeindruckend. Und zwar nicht, weil die Kinder es so „schön“ gemacht haben und Angehörige alles bewundern, was ihre Kinder tun, sondern weil die Inszenierung in dem Park mit altem Baumbestand, mit überraschenden Licht- und Pyroeffekten sowie dem konzentriertem Spiel der Akteure wirklich ein großes Stück Theater war. Es gab einen großen Anteil von Zuschauern, die nicht Angehörige der teilnehmenden Kinder waren und sich dennoch sehr beeindruckt und begeistert zeigten.

Das Projekt kann aus Sicht des Veranstalters, der Teilnehmer und des Kooperationspartners zusammenfassend als sehr erfolgreich beurteilt werden. Gespräche über eine möglich Fortsetzung und den Aufbau einer kontinuierlichen Zusammenarbeit sind in Planung.

 

 

Nr. 11) Initiative Zentrum Zeche Karl Essen - Geschichten und Musik

 

In erzählfreundlicher, gemütlicher Atmosphäre mit entsprechender Bühnendekoration wurden Geschichten, Fabeln, Sagen, Märchen... erzählt. Mit Worten, Melodien und Liedtexten. Es waren Geschichten – erzählte wie musizierte -, die „typisch“ sind für ihr Land – uns entführten in andere Welten.

Neben einer Produktion des Consol-Theaters mit dem Sprecher Andre Wülfing als Erzähler und der Folkgruppe Dobrze Trala, die sich mit irischen Geschichten und Balladen präsentierten, wurden zwei weitere Erzähler gewonnen, Programme zu erarbeiten, die „Spanien“ und jüdische Geschichten zum Inhalt hatten.

Richtig europäisch wurde es am 7. Mai – Marco Holmer, Niederländer, erzählte auf deutscher Sprache spanische Geschichten – musikalisch begleitete ihn niemand geringeres als Rafael Cortes.

Im September standen jüdische Geschichten und Kleszmer-Musik auf dem Programm. Thomas Hoffmeister-Höfener hat sich auf jüdische Anekdoten und Geschichten spezialisiert – Badheken di Kalla bestritten den musikalischen Part.

Im Dezember 2006 sollte die vierte Veranstaltung der Reihe mit türkischem Inhalt folgen – wurde aber wegen zu geringer Publikumsresonanz bereits vorzeitig gecancelt.

 

Über Gründe und Ursache, warum das Angebot von unseren Gästen nicht angenommen wurde, kann mannigfaltig spekuliert werden... vielleicht erreichen wir mit unserer Werbung bestimmte Zielgruppen nicht, vielleicht war die Umsetzung der Idee an den Bedürfnissen unserer Gäste vorbeigeplant... Fakt ist, dass der Zuschauerzuspruch mehr als gering war und wir – um nicht noch mehr Defizite aus dieser Reihe auflaufen zu lassen – das Projekt vorzeitig einstellen mussten.

 

 

Nr. 12) Grend, Essen – Grendionik

 

Vom 24.07. – 04.08.2006 veranstalteten wir, d.h. der Werkstatt – Bildungswerk Essen e.V. und der Kulturzentrum Grend e.V., zwei Kinderprojektwochen mit dem Thema: Forscherwerkstatt – GRE(A)NDioses aus dem biotechnologischen Wunderland. Die Kinder wurden dazu eingeladen mit uns auf Entdeckungsreise zu gehen und sich intensiv mit "natürlichen" und "technischen" Prozessen zu beschäftigen. Wir wollten zeigen, dass die Natur Vorbild für neue Technologien ist und an ausgewählten Beispielen diese Arbeitsweisen erforschen. So konnten die Kinder biologische Vorbilder auf einfache und spielerische Art und Weise nach bauen und die technischen Möglichkeiten ausprobieren. Es standen drei Arbeitsgruppen zur Auswahl: Team Bauen, Team Bewegung und Team Energie.

Insgesamt nahmen über 75 begeisterte Kinder im Alter von 7 – 14 Jahren an den beiden einwöchigen Projektwochen teil. Im Sommer 2006 boten wir zum 8. Mal in Folge Ferienprojektwochen für Kinder an. In den Schulferien ist dieser „Kinderkultursommer“ zu einem festen Bestandteil des Programms geworden. Pädagogische Zielsetzung:

1. Erfindungen der Natur waren schon oft Ausgangspunkte für die Lösung technischer Probleme des Menschen. So entwickelte schon um 1500 das Universalgenie Leonardo da Vinci Fallschirme und andere Flugapparate nach Vorbildern der Natur. Der menschliche Erfindergeist hat aber auch in vielen Fällen technische Lösungen hervorgebracht, die - wie es sich herausstellte - in der Natur schon seit Jahrmillionen existierten. Eine Menge Zeit und Mühe könnte eingespart werden, würde man die lebende Natur gezielter als Ideenquelle nutzen. Viele technische Geräte und Anlagen sind noch nicht ausgereift und belasten unsere Umwelt. Die Natur ist da viel weiter, denn sie hat viele Millionen Jahre Entwicklungsvorsprung vor der Technik. Die Bionik deckt diese Prinzipien auf und versucht sie in der Technik umzusetzen und nutzbar zu machen. Bionik ist eine interdisziplinäre Wissenschaft, die eine Brücke zwischen Natur und Technik schlägt und eine Zusammenarbeit von Wissenschaftlern verschiedener Disziplinen nach sich zieht. Die Bionik kann jedoch nur effektiv betrieben werden, wenn die Natur tiefgründig und intensiv erforscht wird. Hierbei ist als Basismethode die Analogiebildung besonders wichtig. Die Analogiebildung übernimmt im Verlauf des bionischen Vorgehens die Aufgabe, funktionelle und strukturelle Merkmale nach dem Prinzip der Ähnlichkeit aufzuzeigen, um diese als Werkzeug für die Problemlösung einzusetzen. Hierbei steht die Natur als Vorbild und Ideenquelle im Vordergrund. Die biologischen Systeme sollen nicht direkt genutzt werden, sondern vielmehr indirekt, indem Prinzipien über Funktionen, Strukturen und Organisationsformen von biologischen Systemen ermittelt und in kreativer Weise auf technische Sachverhalte übertragen werden. Vor allem der Schwerpunkt des Experimentierens und Erfindens bzw. Nacherfindens sowie der Bezug zur Natur können hervorragende Anknüpfungspunkte bieten. Diese wesentlichen Bestandteile und die Fähigkeiten, die durch das bionische Handeln entwickelt werden, werden beim „Naturorientierten Lernen“ aufgegriffen. Bei dieser Lernstrategie dient die Natur als Erkenntnis- und Inspirationsquelle, d.h. die Natur ist der hauptsächliche Bezugspunkt des „Naturorientierten Lernens“. Ihr Ziel ist es, die Kinder und Jugendlichen dazu zu befähigen, selbstständig technischnaturwissenschaftliche Probleme und Defizite zu erkennen bzw. aufzudecken und anschließend diese Probleme eigenständig zu lösen.

 

2. In der Tier- und Pflanzenwelt gibt es also unendlich viel Interessantes zu

entdecken. Dies wollten wir zeigen und den Kindern und Jugendlichen die Gelegenheit geben, kleine Ausschnitte der Tier- und Pflanzenwelt selbst zu erforschen. Biologische Systeme wurden auf einfache Art und Weise nachgebaut und in künstlerische Objekte übertragen. Unser Ziel war es, die Kinder neugierig zu machen und aufzuzeigen, dass die Natur ein unerschöpfliches Potential an Verfahrensweisen und Lösungen bereithält und es sich lohnt, die Natur zu erforschen und zu schützen. Mit unserem Projekt haben wir uns von einer passiven Wissensvermittlung abgegrenzt. Die Kinder konnten unter fachkundiger Begleitung aktiv Wissen erwerben und in kleine Forschungsprojekte umsetzen. Videokameras, Fotoapparate und Computer standen den Kindern für ihre „Forschungszwecke" zur Verfügung. Mit kreativen Methoden, wie malen, bauen und gestalten, spürten die Kinder der Natur nach und setzen ihre Eindrücke künstlerisch um. Für die Kinder war es spannend zu erleben, wie der Einsatz der bekannten Medien für ihre Forschertätigkeit genutzt werden konnte. Die Technik hilft, die Natur besser zu sehen und zu verstehen. Die Natur hilft der Technik, ihre Verfahrensweisen zu verbessern. Für die Kinder erschloss sich hierdurch die Erkenntnis, dass Natur und Technik sich nicht gegenseitig ausschließen, sondern sich sinnvoll ergänzen können.

 

Organisatorischer Rahmen

Das Projekt fand in den beiden letzten Wochen der Sommerferien 2006 vom 24.7.06 – 28.07.06 und 31.07.06 – 04.08.06 statt. Die Plätze waren wieder sehr begehrt. Da diesmal drei Teams parallel arbeiteten, und die Gruppengröße pro Projektthema klein gehalten werden sollte, konnten in den zwei Wochen somit insgesamt etwa 75 Kinder teilnehmen. Jeder Projekttag dauerte von morgens 10.00 Uhr bis nachmittags 16.00 Uhr. Die Kinder wurden morgens von den Eltern zum Veranstaltungsort gebracht und dort von den Betreuern in Empfang genommen. Als Veranstaltungsort wurde diesmal das Landhaus Baldeney gewählt. Mitten in einem Waldgebiet oberhalb des Baldeneysees gelegen, abseits der Stadt, bot das Gelände ideale Bedingungen für die Ferienfreizeit. An Räumlichkeiten standen dem Projekt ein Gebäude mit Küche und großem Saal für die Mittagszeit, ein Nebengebäude mit einem kleineren Aufenthaltsraum und ein Raum in den Unterkünften für die Vorbereitung zur Verfügung. Ebenso konnte die überdachte Veranda als Arbeitsraum genutzt werden. Das weitläufige Gelände war zum großen Teil eingezäunt und bot zahlreiche Möglichkeiten für Spiele und Forschung. Ein Teich, liegende Baumstämme, Gebüsche und Holzstapel, eine große Wiese und zahlreiche Bäume luden zu spannenden Spielen ein. Da das Wetter größtenteils mitspielte, konnten die meisten Aktivitäten draußen stattfinden. Für den Notfall wurde aber ein großes Sonnen/Regensegel gespannt, es war aber auch ein guter Schattenspender. Auch die nähere Umgebung wurde in das Programm mit einbezogen, z.B. kleinere Waldwanderungen, um Material einzusammeln. Kostspielige technische Geräte und Werkzeuge für Forschung und Spiele konnten zum großen Teil ausgeliehen werden, ein Teil musste jedoch angeschafft werden; diese können aber für weitere Projekte genutzt werden. Für den künstlerischen und handwerklichen Bedarf waren jedoch auch wieder Anschaffungen von Verbrauchs- und Verschleißmitteln notwendig. Die eingesetzten Materialien waren wieder so umfangreich, dass für die Anlieferung und den Aufbau der Geräte wieder zwei Arbeitstage notwendig wurden. Die Projektgruppen Energie, Bewegung, und Bauen wurden ganztägig von zwei Pädagogen, jeweils einem Umweltpädagogen und einem/er Kunstpädagogen/ in, betreut. Die Koordinierung der Gruppen übernahm ein Leitungsteam aus zwei Personen, Birgit Klaner war dabei zuständig für Organisation und Finanzen, Klaus Zimmermann für die pädagogische Leitung und Koordinierung. Unterstützt wurde die pädagogische Arbeit durch das Küchenteam, einen Praktikanten, einen Fotografen und ehrenamtliche Helfer.

 

Das Team: Das Arbeitsgruppenteam bestand aus erfahrenen Umwelt- und Kunstpädagogen aus unterschiedlichen Berufsgruppen. Die Mitglieder der einzelnen Projektgruppen erarbeiteten selbständig ihre Konzepte. Die Projektleitung unterstützte die Teams in Vorbereitungstreffen und täglichen Nachbesprechungen mit dem gesamten Team und stimmte die einzelnen Konzepte mit der pädagogischen Zielsetzung und dem organisatorischen Rahmen ab.

 

Projektstruktur – Allgemein: Zu Beginn jeder Projektwoche wurden den Kindern kurz die Themen vom pädagogischen Projektleiter vorgestellt. Die Kinder wurden dann altersabhängig den verschiedenen Teams zugeordnet. Die älteren Kinder wurden dem Team Energie zugeteilt und die etwas Jüngeren dem Team Bauen und die Jüngsten dem Team Bewegung. Die Kinder verteilten sich mit etwas Regieführung relativ gleichmäßig auf die drei Gruppen. Die Alterseinteilung erfolgte aufgrund der verschiedenen Schwierigkeitsstufen der Experimente und der eingesetzten Werkzeuge. Jeder Tag begann in einer großen Eröffnungsrunde, die im Freien abgehalten wurde. Diese gemeinsame Runde förderte das Gemeinschaftsgefühl der Gesamtgruppe. Die Kinder blieben bis zum Nachmittag in ihrer Gruppe. Die Mittagszeit wurde gemeinsam beim Mittagessen im großen Aufenthaltsraum verbracht. Nach dem Mittagessen bestand für die Kinder die Möglichkeit zum Spielen und Ausruhen, die Pädagogen widmeten sich in dieser Zeit der weiteren Vorbereitung. Den Abschluss eines Projekttages bildete wieder eine gemeinsame große Runde, man verabschiedete sich mit entsprechendem Gruppenschlachtruf. Die Kinder wurden dann von den Eltern abgeholt. Am letzen Projekttag jeder Woche bereiteten die Mitglieder jeder Gruppe je eine kurze Präsentation für die anderen Gruppen vor. In den Ausstellungen und Vorführungen spiegelte sich das Erlebte der Woche wieder. Nachdem die Kinder sich gegenseitig ihre Ergebnisse vorgestellt hatten, konnten auch die Eltern einen Blick auf die Kunstwerke und Experimente werfen und die Kinder zufrieden die Projektwoche beschließen.

 

Reflexion: Die Veranstaltung hatte in diesem Jahr ein sehr komplexes Thema, daher war von vorne herein eine geeignete Auswahl der Themen gefragt. Von allen beteiligten Pädagogen waren übergreifende Kenntnisse gefragt. Die Themen wurden dann für verschiedene Altersgruppen vorbereitet. Hier zeigte sich, dass die Wahl der Altersgruppen geeignet war. Kein Kind fühlte sich unter- oder überfordert. Die Umsetzung erfolgte in den Gruppen Hand in Hand von Umweltpädagogen und Künstlern, eine scharfe Trennung der einzelnen pädagogischen Bereiche war nicht sinnvoll. Die Konzentration auf ein abgegrenztes Gelände diente sicherlich dem Gruppengefühl und hielt Störungen durch Besucher fern. Auch das naturnahe Umfeld und die konsequent vollwertige Ernährung dienten dem Thema. Durch die tatkräftige Mithilfe von Praktikanten wurden auch die Pausenzeiten kreativ genutzt. Tägliche Nachbesprechungen dienten der Aussprache über Ereignisse, Schwierigkeiten und organisatorische Erfordernisse. Durch die Erfahrenheit der eingesetzten Pädagogen konnten Probleme rasch gelöst werden. Es zeigte sich aber auch, dass der umfangreiche Einsatz persönlicher Werkzeuge und Materialien für eine facettenreiche Veranstaltung mit Kindern notwendig ist.

Die Kinder fühlten sich bis auf wenige Ausnahmen in ihren Gruppen wohl, daher blieben Konflikte unter den Kindern selten. Die Freude der Kinder über ihre Kunstwerke und über die Veranstaltung gibt Ansporn für neue Planungen.

 

 

Nr. 16) Kulturzenrum Pelmke - Musikprojekt Rufchor

 

TAOS – The Art Of Shouting - Projektzeitraum: 2.9.2006 – 8.12.2006

2.9.06 – 1.von 12 Veranstaltungen: 4 Frauen (2 Studentinnen, 1 Sprachlehrerin, 1 Musikerin) 3 Männer (1 Fußballfan). Einführung, Vorstellung der Arbeitsweise, Lockerungsübungen, Beginn mit den ersten vorbereiteten Materialien, Hinweis auf Eigenmaterialien der Teilnehmer. Die Presse war ca. 1 Std. anwesend und brachte als Folge einen sehr ausführlichen, groß bebilderten Artikel, mit dem Hinweis auf noch freie Plätze. Der Sonntag wurde mit den vorhandenen Teilnehmern bis auf weiteres als Kurstag verabredet. Bis Anfang Dezember fanden insgesamt 12 Probentermine statt.

 

Die TeilnehmerInnenzahl schwankte zwischen 6 und max. 12 Personen. Von den vorhandenen TeilnehmerInnen wurde die Idee gut, anregend, witzig gefunden, die Übungen wurden bereitwillig und mit guter Konzentration durchgeführt, die Atmosphäre war locker entspannt. Trotz des nochmaligen Presseartikels, verstärkter Mundpropaganda und verteilter Flyer konnte die Anzahl der Teilnehmer nicht auf chorische Stärke gebracht werden, das Erlebnis der Kraft und Gemeinsamkeit konnte so nur erahnt werden. Trotzdem beschlossen die TeilnehmerInnen die angefangene Arbeit fortzusetzen und auch am Ende die Ergebnisse öffentlich vorzustellen. Die Präsentation fand am 8.12.2006 vor rund 30 ZuschauerInnen statt.

Abschließend lässt sich feststellen, dass es nicht gelungen ist, mit der Projektidee die potentielle Zielgruppe von Männern (also Leute, die im Alltag durchaus in der Lage sind, zu schreien) anzusprechen. Chorarbeit scheint, zumindest im soziokulturellen Umfeld in Hagen, doch eher eine Frauendomäne zu sein. So hat sich z.B., im Projektzeitraum im Kulturzentrum ein rund 20-köpfiger Chor (18 Frauen, 2 Männer) gebildet. Diese waren zu dem Zeitpunkt allerdings nicht für die Mitarbeit im Projekt zu begeistern. Das ursprüngliche Ziel des Projektes wurde also nicht erreicht.

 

 

Nr. 60) aufabwegen, Köln – geräuschwelten 2006

 

Im Jahre 2006 fand im cuba, Achtermannstr. 12, 48143 Münster, durchgeführt von aufabwegen eine Veranstaltungsreihe mit dem Titel "geräuschwelten" statt. Diese Reihe wurde u.a. mit Mitteln der LAG gefördert. Ziel der Veranstaltungsreihe war es, internationale Musiker aus der Szene der nicht-akademischen elektronische Musik auf lokale Künstler aus Deutschland treffen zu lassen, um so den internationalen Austausch zu fördern. Angeregt werden sollte die Interdisziplinarität und das Arbeiten in mehreren Medien, wie z.B. Musik, Performance Art oder Video.

 

Dies sollte wie folgt umgesetzt werden: Mit einer regelmäßig durchgeführten Konzertreihe im cuba, Münster, bei der internationale Acts der Geräuschmusik sich in oft exklusiven Auftritten dem Publikum präsentieren. Durch die Form einer regelmäßigen Reihe wird dem Bereich der nicht-akademischen elektronischen Musik ein wichtiges Forum gegeben – es kam regelmäßig zu Gesprächen zwischen Künstlern und Publikum. Im Vorprogramm dieser Gastspiele war fast immer ein einheimischer Künstler eingeladen, der so von den internationalen Ansätzen des Hauptkünstlers profitieren konnte. Ziel war, dass sich neue Arbeitsweisen, ästhetische Fragestellungen und technische Herangehensweisen im lokalen Milieu verfangen.

Es fanden Konzerte statt mit Martin Tetreault (Canada), Z’ev (USA), Fear Falls Burning (Belgien), Tim Hecker (Kanada), Bernd Schurer, Marcus Maeder, Phroq, Ralph Steinbrüchel (alle Schweiz), Tape, Ass (Schweden). Diese internationalen Künstler trafen auf die Aktiven aus Deutschland: Centrozoon, Ramp, Ignaz Schick, Gaumen, FS Blumm, Homologation Korea Nord und Frank Niehusmann und förderten so den Austausch zwischen den verschiedenen künstlerischen Ansätzen.

Neben der Förderung durch die LAG Soziokulturelle Zentren NW e.V. wurde die Veranstaltung vom Kulturamt der Stadt Münster, sowie anteilig von der Stiftung ProHelvetia gefördert. Bei allen Förderinstitutionen möchten wir uns hiermit noch einmal herzlich bedanken!

Insgesamt ist festzuhalten, dass die Veranstaltungsreihe das oben definierte Ziel erreicht hat. Die Veranstaltungen wurden größtenteils mit starkem Interesse aufgenommen und auch die Presse berichtete häufig.

 

 

Nr. 20) Bahnhof Alte Feuerwache, Köln - Ein Tag in meinem Leben

 

Mit diesem Projekt wurden die 3 Zielgruppen der pädagogischen Bereiche, nämlich Kinder, Mädchen und Jugendliche angesprochen. Auch in diesem Jahr ermöglichte uns die Unterstützung der LAG, die Aspekte künstlerischer Bildung in die offene pädagogische Arbeit einzubringen. Im Folgenden wird die Herangehensweise der verschiedenen Zielgruppen beschrieben.

Das Theaterprojekt “ Ein Tag in meinem Leben“ für Kinder von sieben bis zwölf Jahren fand in der ersten Herbstferien-Woche im Kinderbereich der Alten Feuerwache statt. Die Probe-Termine waren vom 2. bis zum 6. Oktober jeweils von 14 bis 17 Uhr. Das Projekt wurde von einer Theaterpädagogin durchgeführt.

Aufgrund der im Vergleich zum Antrag reduzierten finanziellen Ressourcen konnte nur eine Theaterpädagogin engagiert werden, so dass die Teilnehmerzahl des Projektes auf acht Kinder begrenzt wurde. Es haben Kinder verschiedener kultureller Hintergründe (deutsch, türkisch, griechisch) teilgenommen. Dabei handelte es sich hauptsächlich Kinder aus dem Kindertreff der Alten Feuerwache, die meist aus bildungsfernen Familien kommen.

Die Kinder und die Eltern haben sich schriftlich zu einer regelmäßigen Teilnahme am Projekt verpflichtet. Dadurch wurde eine Verbindlichkeit hergestellt, die als Voraussetzung notwendig war, um in einem kurzen Zeitraum gemeinsam ein Theaterstück zu entwickeln. Alle Kinder haben sehr engagiert und verbindlich teilgenommen, obwohl sie sich zum Teil selbst organisieren und Termine eigenständig einhalten müssen.

Zu Beginn des Projektes stand der Aufbau der Gruppe im Vordergrund. Es wurden vielfältige Spiele eingesetzt, um die Kinder zu motivieren und zu unterstützen, Beziehungen untereinander aufzubauen und Kooperation zu üben. Viele der Spiele waren „darstellende Spiele“, mit denen z.B. Körperausdruck und Körperwahrnehmung geübt wurden und dienten gleichzeitig als Vorübung für das Theaterspiel.

Am ersten Nachmittag wurde über ein Rate-Spiel mit verschiedenen Bildern das Thema „Ein Tag in meinem Leben“ eingeführt. Darauf aufbauend haben die Kinder in Form eines Brainstormings eine Reihe von für sie bedeutsamen Lebenssituationen benannt.

Am zweiten Nachmittag haben die Kinder paarweise eine dieser Situationen ausgewählt und großformatig gemalt. Im nächsten Schritt erhielten die Kinder die Aufgabe, die entstandenen Bilder als Standbild theatralisch umzusetzen. Auf diese Weise wurde die Grundlage für vier Theaterszenen geschaffen. Die Standbilder wurden im weiteren Verlauf des Projektes mit Texten versehen und mit Unterstützung der Theaterpädagogin zu vier Szenen ausgearbeitet. Die Kinder haben dafür in der Regel in Kleingruppen gearbeitet und sich ihre Szenen dann gegenseitig vorgespielt.

Durch den regelmäßigen Wechsel zwischen Zuschauen und Darstellen haben die Kinder zum einen die Wirkung der dargestellten Ausdrucksformen kennen gelernt und reflektiert. Zum anderen wurden sie dadurch unterstützt und angeregt, sich selbst bewusst über Körper und Sprache zum Ausdruck zu bringen. Weiterhin wurden jeden Nachmittag vielfältige Spiele und spielerische Übungen eingesetzt (Warming-up-Spiele, darstellende Spiele, kooperative Spiele), um Theater-Techniken zu vermitteln. Eine spielerische Form ist insbesondere bei den „Kindertreff-Kindern“ sehr wichtig, um trotz der Notwendigkeit des wiederholten Probens den Spaß und das Interesse am Theaterspielen zu fördern und zu erhalten.

Als Ergebnis des Projektes wurde eine Aufführung von ca. 20 Minuten erarbeitet, die vier Szenen beinhaltete. Die wesentlichen Themen, die zur Sprache kamen, waren Freundschaft, Ausgrenzung und das Verhältnis zwischen Mädchen und Jungen. Die Übergänge zwischen den Szenen wurden durch Musik gestaltet. Als Hintergrund für das Bühnenbild wurden große farbige Tücher verwandt.

 

Die Aufführung wurde am letzten Nachmittag des Projektes im Großen Forum der Alten Feuerwache als „Werkpräsentation“ gezeigt. Zu der kleinen Feier waren Eltern und FreundInnen sowie die Kinder aus dem Kindertreff eingeladenen. Es gab viel Applaus und die Kinder aus dem Theaterprojekt waren mit ihrer Präsentation sehr zufrieden.Nach der Aufführung nutzten viele Kinder die Möglichkeit, sich zu schminken und sich in ihre Lieblingsfigur oder ihr Lieblingstier zu verwandeln.

Das Projekt „Ein Tag in meinem Leben“ - „Moments of my life“ wurde über einen Zeitraum von drei Monaten durchgeführt. Es haben 17 Mädchen im Alter von 12 bis 16 Jahren verschiedener kultureller (deutsch, türkisch, iranisch, brasilianisch) und sozialer Herkunft teilge­nommen. Zunächst suchten die Mädchen aktuelle, zukünftige oder auch sich wiederholende Momente des Lebens in Form eines Brainstormings. Es sammelten sich verschiedene Momente und Anlässe, fröhlicher, lustiger, spannender und trauriger Art. Jede erzählte oder erfand nun eine kleine Story zu einem frei ausgewählten Moment. Die einzelnen Beiträge wurden in der Gruppe mehr oder weniger intensiv besprochen, je nach Geschichte und persönlicher Betroffenheit der Erzählerin.

In der nächsten Phase wählte jedes Mädchen ihren persönlichen Moment des Lebens aus, um ihn da zu stellen : dies konnten Träume, schöne Erlebnisse, alltägliches oder Zukunftsvorstellungen sein.

Mit viel Phantasie wurden nun verschiedene Kleidungsmodelle für diesen einen Moment oder Tag des Lebens entworfen. Die Mädchen zeichneten mit Bleistift, Filzstift, Buntstift, alternativ wurden Collagen aus Stoff, Bunt- und Zeitungspapier geklebt. Die ausgewählten Modelle sind diesen Themen zuzuordnen: Sport, Schule, Party, Abschlussfeier, Zukunft, Beruf. Für die Präsentation ihrer Kreationen wählten die Mädchen die Form der Moden­schau, ergänzt durch tänzerische und mimische Elemente.

Das Projekt wurde in Kooperation mit der Nähwerkstatt in der Alten Feuerwache durchgeführt. Nach der gemeinsamen Stoffauswahl wurden die Mädchen unter fach­licher Anleitung der Schneiderin und Kostümbildnerin Schritt für Schritt an das selbstständige Nähen ihres Kleidungsstücks herangeführt. Nach einer Einführung in die Handhabung der elektrischen Nähmaschine wurden zunächst verschiedenartige Linien zur Übung auf Papier genäht. Anschließend kopierten die Mädchen ausge­wählte Schnitte auf ihre Stoffe, schnitten diese mit den vorher angezeichneten Naht­zugaben aus, um dann mit dem Nähen zu beginnen. Mit großer Spannung wurde die Umsetzung der eigenen Idee verfolgt. Viele Mäd­chen entwickelten viel Kreativität und sie zeigten handwerkliches Geschick. Einige Mädchen mussten sich bei den Näharbeiten einer großen Geduldsprobe unterzie­hen, doch die beharrliche Ermutigung und Unterstützung seitens der Sozialpädago­gin ermöglichte auch diesen Mädchen ein erfolgreiches Ergebnis.

Mit der fachkompetenten Unterstützung der Schneiderin konnten alle Mädchen ihre Ideen umsetzen, die von Eigenwilligkeit, Keckheit oder Eleganz und von einem indi­viduellen Ausdruck geprägt waren.

Eine professionelle Tanzpädagogin entwickelte mit den Teilnehmerinnen die Bühnenperformance.

Für das Bühnenbild fotografierten sich die Mädchen gegenseitig, um die entstande­nen Einzel- oder Gruppenportraits zu Beginn der Show auf einer Wand neben dem Laufsteg im Großen Forum zu zeigen. Ein weißer Vorhang aus Lackfolie, in Fransen geschnitten, und von zwei bunten Scheinwerfern beleuchtet, stellte den Mittelpunkt des Bühnenbildes dar. Die Mädchen präsentierten einzeln und in thematischen Kleingruppen zu individuell ausgewählter Musik, ihre Modelle.

Im Rahmen der Performance „Moments of my life“ haben die Mädchen ihre Szenen eindrucksvoll zum Ausdruck gebracht. Trotz größter Aufregung haben sie ihre Mo­denschau stolz und souverän vor einem kräftig applaudierenden Publikum präsentiert. Per Video wurde die Präsentation gefilmt, so dass sich alle Teilnehmerinnen bei einem späteren Treffen selber sehen konnten. Das gemeinsame Betrachten löste noch einmal große Aufregung, aber auch Stolz und Freude bei vielen Mädchen hervor. Jede erhielt einen Mitschnitt ( DVD) der Vorführung.

Im Rahmen des Projekts besuchte eine Gruppe Interessierter eine Ausstellung der Akademie für Gestaltung- eccosign, in der Kölner Innenstadt. Die Mädchen hatten Gelegenheit sich über den Beruf der Designerin zu informieren.

Mit dem Projekt wurde ein wesentliches Ziel der pädagogischen Arbeit im Mädchen­treff der Alten Feuerwache aufgegriffen und umgesetzt: die Mädchen stärken und sie in der Entwicklung ihres Selbstwertgefühls und ihres Selbstbewusstseins zu fördern. Gleichzeitig wurden die Mädchen in ihren kreativen Ausdrucksmöglichkeiten gefördert. Sie erhielten Gelegenheit Einblicke in das nicht mehr alltägliche Handwerk der Schneiderei zu nehmen.

 

„Ein Tag in meinem Leben - Wir trommeln uns durchs Leben“ war ein Projekt des offenen Jugendbereiches. Die Projektbestandteile waren unter anderem die direkte Arbeit an der Trommel

Und der Einsatz des Instruments in eigener Musik. Das Spiel mit der Trommel zeigt viel über die Befindlichkeit der Spieler, ist ein tolles Medium um sich auszudrücken. Trommeln geht alleine und auch mit Vielen. Wohl dem, der viele Möglichkeiten und Wege findet, sich und seine Befindlichkeiten auszudrücken. Über dieses Thema ergab sich eine Kooperation mit der Fachhochschule Düsseldorf und dem Trommelmeister Bruno Assenmacher. 8 StudentInnen, die im Studium der Kultur- und Sozialwissenschaft den Schwerpunkt Trommeln in Beziehung mit Methodik und Didaktik bei Professorin Dr. Schmitz belegt hatten, kamen im November mit dem für die musikalische Anleitung zuständigen Trommelmeister Bruno Assenmacher an 4 Tagen in die Alte Feuerwache. Jugendliche konnten sich für diese 4 Termine anmelden, um Grundwissen im Bereich Trommeln zu erlernen. Die Anleitung sollte durch die Studenten unter Supervision von Bruno Assenmacher in Kleingruppen und in der Gesamtgruppe erfolgen. Für alle Beteiligten war dies ein Experiment in der Schnittstelle Lehre, Kulturarbeit und offene Jugendarbeit. Wir Jugendarbeiter hatten auch keine Erfahrungen im Bereich Trommeln - Umso besser, dass auch 3 von uns an diesen Terminen hierin fortgebildet wurden.

10 Jugendliche beteiligten sich direkt an den Trommelworkshops. Das Interesse konnte bei 10 – 22 Jährigen aus 4 verschiedenen Cliquen geweckt werden. Über die gesamte Zeit von 4Terminen nahm aber niemand teil, an der abschließenden Präsentation 2 Jungendliche.

Auf die unterschiedlichen Wissensstände der Jugendlichen wurde möglichst eingegangen. Die Erfolge und Misserfolge wurden jeweils anschließend besprochen und für eine weitere Einheit ausgewertet. Der Ort des Workshops war mit der Ausstellungshalle in der Alten Feuerwache so gewählt, dass ebenerdig eine sehr geringe Schwelle zum Innenhof und damit zum alltäglichen Aufenthaltsort der Jugendlichen gegeben war. Das Dazukommen Neugieriger war gewünscht – und wurde auch immer wieder wahrgenommen. Zu der Abschlusspräsentation kamen so auch etwa 25 Jugendliche.

Ein Ziel, Interesse am eigenen Trommeln zu wecken, ist eindeutig erreicht worden. Für eine weitere Kooperation BAF / FH Düsseldorf wurden Ergebnisse bereits analysiert und für eine Planung 2007 einbezogen.

Von vornherein war geplant, die neuen Trommelkünste in ein Hip Hop Projekt einzubeziehen: Eigene Texte am Computer nicht nur mit computergenerierten Rhythmen zu unterlegen, sondern auch mit Originalinstrumenten. Dies wurde auch bei 3 Stücken erreicht. Von den 8 Jugendlichen hatten allerdings nur 2 an dem Trommelworkshop teilgenommen. Wir waren zunächst überrascht, dass kein großes Interesse bei den Anmeldungen zu dem Thema Trommeln vorhanden war. Die Zielgruppen aus unserer offenen Jugendarbeit, Clique der 20 – 24 Jährigen, im Kern 20 junge Erwachsene, 100 % Migrationshintergrund ( 90% türkisch, ex-jugoslawisch, afghanisch); Clique der Altersstufe 18 - 21 Jahre, im Kern 20 junge Erwachsene, 95% Migrationshintergrund ( türkisch, griechisch, italienisch, polnisch); Clique der Altersstufe 14 – 16 Jahre, im Kern 15 Jugendliche, 95% Migrationshintergrund (50% türkisch, 25% italienisch, griechisch, albanisch); Clique der Altersstufe 12 – 14 Jahre, im Kern 13 Jugendliche, 90% Migrationshintergrund waren dann doch durch einzelne Aktive vertreten und kamen immer wieder neugierig dazu. Zusätzlich wurde der erste Kontakt zu 10 – 13 Jährigen mit diesem Projekt geknüpft, die sich seitdem zu einer eigene Gruppe mit festem Termin im offenen Jugendbereich entwickelt haben. Spaß und Interesse konnte bei den Jugendlichen vermittelt werden – die Studenten würden an einem weiteren Projekt teilnehmen.

 

 

Nr. 59) Drama Köln e.V. - Heimatabende

 

Während der Fußballweltmeisterschaft entstanden vier Temporäre theatrale Zonen für jeweils 28 Stunden am 11. und 12.6., 17. und 18.6., 20. und 21.6., 23. und 24.6.2006.

Alle acht Länder, die mit ihren Nationalteams in Köln zu Gast waren wurden auf vielfältige Weise vorgestellt, den Mittelpunkt bildeten dabei die jeweiligen Heimatabende: acht Referate, landesspezifische Bibliothek und Mediathek, lange Filmnacht und Kurzfilme, PC-Spiele, Gesellschaftsspiele, Kunstausstellung, Tanz- und Kochkurse realisiert von jungen deutschen AutorInnen, SchauspielerInnen, RegisseurInnen und zahlreichen MigrantInnen aus Köln und Umgebung, die ihre Heimatländer vertraten. Die Heimatabende umrahmten das „klassische“ Theater der TTZ mit ihren acht Kurzstücken und machten es zum Totaltheater. Die Locations (alles Leerstände im Kölner Innenstadtbereich: ehem. katholische Hochschulgemeinde, Jeans-Outlet, Sportverein, Messehallen) waren für jeweils ca. 28 Stunden durchgehend geöffnet, ein Schlafsaal ermöglichte es KünstlerInnen und Publikum völlig in die jeweilige Welt einzutauchen. Obwohl die WM große Aufmerksamkeit auf sich zog kamen immerhin gut 400 Zuschauer zu den vier zweitägigen Veranstaltungen. Neben den aktiv beteiligten Migranten aus Ghana, Tschechien, Angola, Portugal, England, Schweden, Frankreich und Togo kamen auch zahlreiche Besucher aus diesen Ländern in die Veranstaltungen. Rund um das Theater, die Installationen und den Fußball konnten so auch intensive Gesprächsrunden zu vielen nationalen und internationalen Themen entstehen.

 

 

Nr. 62) Frank Bölter, Köln - Papphaus – savoir vivre

 

Haus - savoir vivre ist die verwirklichte Kopie des gängigen durchökonomisierten Einfamilienhaus-

traum aus Wellpappe in Originalgröße.

Auf dem in der Siedlung Osteresch in Bünde einzigen freien Bauplatz an der Leisniger Straße 17 wurde mit Hilfe der Kinder und Jugendlichen der dort siedelnden Familien (überwiegend mit Migrationshintergrund) eine Kopie des dort ausschliesslich realisierten Einfamilienhauskonzeptes "Haus Alpha" der Bau- und Siedlungsgenossenschaft für den Kreis Herford e. V. (B&S Bünde) aus Wellpappe in Originalgröße gebaut. Mit der Fa. wellcarton konnte ein Vertreter der Wellpappen-industrie für eine Beteiligung am Projekt gewonnen werden, deren Ingenieure einen speziellen faltbaren Wellpappstein entwickeln konnten, mit dem das Bauvorhaben in Originalgröße (10 x 9,8 Grundfläche, 9,75 m Firsthöhe) in Angriff genommen werden konnte.

Ablauf:

15. April - Anschreiben der Nachbarn per Informationsbroschüre über das Bauvorhaben in unmittelbarer Umgebung/Einladung zum Informationsabend
23. April - Informationsabend mit Projektvorstellung unter Anwesenheit aller beteiligter Parteien, Kreis Herford, B&S Bünde, Fa. wellcarton, Bauherr Frank Bölter, Presse. (Vorbehalte der Nachbarn gegen das Bauvorhaben bzgl. Wetterfestigkeit, Brenngefährdung incl. benachbarter Häuser etc. wurden vorgebracht.)
7. Mai - Aufstellung des Bauschildes zum Bauvorhaben "Haus - savoir vivre", Pressetermin
19. Juli - Baubeginn an der Leisniger Straße 17
12. August - Richtfest und Einweihung des Wellpapphauses "Haus - savoir vivre"
13. September - Abtragen und Recycling der Wellpappe

Fazit: mit der Realisierung des Bauvorhaben "Haus - savoir vivre" wurde eine Kommunikationsbasis geschaffen für die Hinterfragung eines modernen uniformen Bau- und Siedlungsgedanken sowie ein alternatives freies Integrationsprojekt geschaffen (www.wellpapphaus.de). Unmittelbar nach der Ankunft des faltbaren Wellpappenbaumaterials auf der Baustelle begannen die Kinder der unmittelbaren Nachbarschaft, Pappsteine zu falten. Die etwas älteren Kinder wurden mit dem "Mauern" betraut, die Jungendlichen der Siedlung und der Nachbarsiedlungen erschienen, als es an den Bau des Dachgeschosses ging ("Das ist cooler auf dem Baugerüst!"). Die Realisierung des Wellpapphausprojektes fand schnell lokale wie überregionale Beachtung, sodass durch die Begeisterung, die das Projekt auslöste, das Bauvorhaben trotz zahlreicher Bedenken von Statikern, Bauingenieuren u. A.) bezüglich bau- wie materialtechnischer Aspekte fertig gestellt werden konnte. Das Wellpapphaus stand eingereiht neben den anderen Modellen des Siedlungskonzeptes "Haus Alpha" , bevor Wind und Wetter den Ruinierungsprozess einleiteten, der durch das Abtragen und den Beginn des Recyclingprozesses am 13. September abgeschlossen wurde. Auf der Baustelle herrschte trotz schwelender ethnischer Konfliktherde innerhalb der Siedlung eine aufgrund des gemeinsamen Zieles der rechtzeitigen Fertigstellung des Bauvorhabens zum Richtfest eine gewissenhaft ruhige Arbeitsatmosphäre. Am 12. August 2007, dem ersten Gedenktag des Wellpapphauses wird das erste gemeinsame Straßenfest "Osteresch" gefeiert mit allen dort angesiedelten ethnischen Gruppen. Mehr unter www.wellpapphaus.de

 

 

Nr. 64) Frauen helfen Frauen, Köln - Mutige Wege....Raus aus gewalttätigen Beziehungen

 

„Mut zeigen und Mut machen, das ist das Hauptanliegen dieses Projektes“, so stand es in unserem Antrag bei der LAG Soziokulturelle Zentren NRW. Dieses Ziel - das sei vorweg genommen - ist in jeder Beziehung erreicht worden: sowohl die teilnehmenden Frauen als auch Publikum und Presse bestätigen dies in eindrucksvoller Weise.

Wie geplant haben an dem Theaterprojekt ausschließlich Frauen mit häuslicher Gewalterfahrung teilgenommen, die vor einigen Jahren (5 – 10 Jahre) in einem der beiden Kölner Frauenhäuser gelebt haben. Insgesamt sind ca. 25 Frauen zu den ersten Treffen gekommen, einige Deutsche und viele Frauen mit Migrationshintergrund. Bis September 2006 haben zehn Frauen aus sechs verschiedenen Ländern (Türkei, Iran, Deutschland, Indien, Togo, Libanon) im Alter zwischen 36 und 61 Jahren teilgenommen. Im September ist die deutsche Teilnehmerin aus dem Theaterprojekt ausgestiegen, da ihr neben einer aktuell schwierigen persönlichen Lebenssituation durch die Theaterarbeit zu viele Erinnerungen hochkamen und sie das Gefühl hatte, „es zieht mir den Boden unter den Füßen weg“. So sehr wir alle es bedauert haben, dass sie aufhören wollte, so sehr haben wir sie in dieser Entscheidung bestärkt. Sie hatte für sich klar erkannt, wo ihre persönlichen Grenzen liegen, und dies ist ein wesentliches Ziel von Frauenhausarbeit. Der Kontakt zu ihr besteht weiterhin, sie kam auch gerne zu den Aufführungen und hat die Gruppe sehr bestärkt.

Das Projekt wurde geleitet von der Theaterpädagogin Charlott Dahmen und begleitet durch die beiden Frauenhausmitarbeiterinnen Claudia Schrimpf und Ute Fingaß. Diese Kombination hat sich sehr bewährt: Zum einen hatten alle Teilnehmerinnen bereits Vertrauen zu den Frauenhausmitarbeiterinnen und gaben dadurch gerne auch der noch unbekannten Theaterpädagogin einen „Vertrauensvorschuss“. Zum anderen schafften die Kompetenzen auf mehreren Ebenen, d.h. theaterpädagogische wie psychosoziale Beratungs-Kompetenzen, einen sicheren Boden, um auch mit schmerzlichen und/oder traumatischen Erinnerungen angemessen umgehen zu können.

Das erste Infotreffen für alle interessierten Frauen fand im Februar 2006 statt. Bis Mai fanden die Treffen in etwa 2-wöchigem Rhythmus statt, später – abgesehen von einer 4-wöchigen Sommerpause – im wöchentlichen Rhythmus. Aufgrund der Tatsache, dass die meisten teilnehmenden Frauen alleinerziehende Mütter waren, hatten wir uns auf Treffen am Samstagmittag von 11.00 – 14.00 Uhr geeinigt. Im Projektverlauf gab es immer häufiger längere Proben, ab Herbst oft von 11.00 – 17.00 Uhr sowie in der letzten Phase vor den Aufführungen zusätzliche Einzelproben am Abend. Alle Proben (bis auf die Einzelproben) fanden in den Räumen des Bürgerzentrums Alte Feuerwache statt.

Parallel zu jedem Treffen wurde eine Kinderbetreuung von einer bis zwei professionellen Betreuerinnen angeboten, ebenfalls in der Alten Feuerwache. Insgesamt 10 Kinder im Alter zwischen 5 und 12 Jahren wurden betreut. Es gab ein vielseitiges Angebot für die Kinder, bei längeren Treffen wurden auch Ausflüge organisiert (z.B. Eislaufen, Zoo, Picknick im Wald…) Ohne diese Kinderbetreuung hätte das Projekt nicht stattfinden können, da die meisten Frauen alleinerziehende Mütter waren, die nicht über große soziale Netze, geschweige denn finanzielle Möglichkeiten, verfügten, um die Kinder anderweitig unterzubringen.

 

Verlauf: Über Ehemaligentreffen, persönliche Kontakte, Telefonate und Anschreiben wurden möglichst viele ehemalige Bewohnerinnen über das geplante Theaterprojekt informiert und dazu eingeladen.

Das erste Treffen im Februar 2006 stand zunächst vor allem im Zeichen der Wiedersehensfreude: Wiedersehen anderer ehemaliger Bewohnerinnen ebenso wie Wiedersehen von Mitarbeiterinnen. Hauptmotive für das Interesse am Projekt waren: Lust, andere ehemalige Bewohnerinnen wieder zu sehen und Kontakte wiederaufleben zu lassen, Wunsch nach positiver Abwechslung im Alltag und - Neugierde. Denn kaum eine hatte eine Vorstellung davon, wie dieses Projekt aussehen könnte. Keine hatte bislang jemals in ihrem Leben Theater gespielt, die meisten hatten auch noch nie ein Theaterstück gesehen.

Entsprechend standen bei den ersten Treffen der Einstieg ins Theaterspiel und Spaß in der Gruppe im Vordergrund. Themen wie „eigene Stärken / kraftvolle Frauen / Nein sagen“ wurden dabei vorsichtig angerissen. Methodisch wurde mit Standbildern gearbeitet, Gefühlstableaus, choreografischen Grundlagen, Übungen zu Stimmbildung und Körperausdruck, Assoziationsspielen. In den ersten Wochen blieben die interessierten Frauen jedoch trotz Freude an der Gruppe sehr unverbindlich: Die Anzahl der Teilnehmerinnen an den Treffen schwankte zwischen 3 und 9 TN, viele kamen oft mit großer Verspätung zu den Treffen, es gab Fluktuation; die interessierten Frauen mussten oftmals vor den Treffen telefonisch an den Termin erinnert werden.

Bei einer Tagesprobe Ende April wurde es persönlicher: Jede Frau malte auf einen großen Kartonbogen sechs Ereignisse/Situationen, in denen sich ihr Leben ab der Zeit im Frauenhaus positiv verändert hat. Anschließend stellte jede Frau ihre Bilder der Gruppe vor, zusammen mit einem Musiktitel, der ihr besonders wichtig ist und einem Gegenstand, der für sie ein Symbol von Kraft / positiver Stärke darstellt. Es waren sehr eindrucksvolle Präsentationen, die allen sehr nahe gingen. Es zeigte sich, dass es einige Parallelen gab: Z.B. war die Zeit im Frauenhaus für alle Frauen eine sehr positive und wichtige Zeit. Eine Teilnehmerin: „Dort haben sie, die Engel, die, die dort arbeiten, mir meinen Namen beigebracht: Mensch. Dort habe ich gelernt, auf meinen eigenen Beinen zu stehen.“ Auch Erfahrungen wie „die erste eigene Wohnung“, „Teilnahme an einem Deutschkurs“, „selbst Geld verdienen“ oder die „erste Reise zusammen mit den Kindern vom eigenen Geld“ waren für mehrere Frauen wichtige Schritte hin zu einem eigenständigen Leben. Die Frauen empfanden dieses Treffen als emotional aufwühlend, gleichzeitig jedoch als sehr wichtig und vertrauenbildend.

Doch wie nun tiefer inhaltlich einsteigen, ohne dass der Spaß verloren geht? Im Mai gab es eine wichtige Zäsur: Die Theaterpädagogin fragte die teilnehmenden Frauen, ob sie tatsächlich den Blick zurück auf ihre Geschichte und ihre Erfahrungen werfen möchten. Nach kurzem Überlegen sagten alle Frauen übereinstimmend: „Ja, wir wollen. Wir wollen kleine Blicke zurück werfen, aber nicht die ganze Geschichte. Wir wollen unsere Geschichte öffentlich machen und anderen Frauen damit auch Mut machen.“ Ab diesem Treffen wurde die Verbindlichkeit stärker und es wuchs allmählich die feste Kerngruppe, die dann auch bis zu den Aufführungen fast komplett zusammen blieb.

In den Einstiegswochen war deutlich geworden, dass die Teilnehmerinnen viel Freude an Musik, Bewegung und Choreografie haben, ebenso wie an der Improvisation von kleinen, konkreten Szenen aus ihrem Leben. Beide Parts spielten eine große Rolle in der Entwicklung der Theatercollage. Die Theatercollage ist vollständig im Prozess gemeinsam mit den Teilnehmerinnen entwickelt worden, es gab keine bereits zuvor festgelegten Themen oder gar Szenen. Ausgehend von den persönlichen Erfahrungen der Teilnehmerinnen entstanden viele kleine, konkrete Szenen zu z.B. „Alltag im Frauenhaus“ und „Probleme auf Ämtern (Jugend-/Ausländer-/Sozialamt)“. In mehreren Bewegungschoreografien wurden Themen und Gefühle auf tänzerischer Ebene umgesetzt, z.B. „Probleme“, „Hoffnungen“, „Wachstum“. Die Frauen wurden auch sehr dazu ermutigt, eigene Inszenierungsideen zu entwickeln. So kam es, dass nach der Sommerpause zwei Teilnehmerinnen jeweils eigene Ideen für Szenen mitbrachten – beide Szenen waren später sehr wesentlich in der Theatercollage.

Entsprechend der Tatsache, dass Deutsch die einzige gemeinsame Sprache aller Beteiligten war und gemäß dem ausdrücklichen Wunsch einiger Teilnehmerinnen, durch das Theaterprojekt ihre Deutschkenntnisse zu verbessern, wurde während der Proben immer Deutsch gesprochen. In der Theatercollage wird spielerisch zwischen Deutsch und den jeweiligen Muttersprachen der Teilnehmerinnen gewechselt.

Die Dramaturgie der Collage orientierte sich an dem tatsächlichen Entwicklungsprozess der Frauen: von der Zeit im Frauenhaus über neue, eigenständige Wege hin zu einem selbst bestimmten Leben. Mit Höhen und Tiefen, Humor und viel Power.

Musik spielte in der Theatercollage eine sehr große Rolle: Ein hoher Anteil der verwendeten Musik stammt von den Teilnehmerinnen selbst und wurde von der Theaterpädagogin für die jeweiligen Szenen ausgewählt. Entsprechend der musikalischen Vorlieben der Teilnehmerinnen sowie ihrer unterschiedlichen kulturellen Herkunft spiegelt auch die Musik kulturelle Vielfalt wider: arabischer Bauchtanz, Tango, indische Bollywood-Filmmusik, persischer Pop, deutsche Filmmusik… Darüber hinaus singen die Teilnehmerinnen in manchen Szenen selbst.

Requisiten und Kostüme wurden sparsam, aber gezielt eingesetzt: Das Spiel der Frauen sollte im Vordergrund stehen und durch Requisiten, Kostüme und eine klare Farbwahl unterstützt werden.

Erst nach den Herbstferien, d.h. wenige Wochen vor der Premiere im November wurde den Teilnehmerinnen wirklich bewusst, dass sie vor Publikum auf der Bühne stehen werden und dass es nun „ernst“ wird. Trotz des Erinnerns seitens der Leitung an den näher rückenden Aufführungstermin und der Bitte, sich Abläufe von Szenen einzuprägen, war dieses der Mehrheit der Teilnehmerinnen zuvor nicht bis in alle Konsequenz klar gewesen. Ein Grund hierfür lag sicherlich in der Theaterunerfahrenheit der Teilnehmerinnen. In Zusatzeinzelproben wurde nun in der letzten Phase an den Szenen gefeilt, die Teil-nehmerinnen begannen, sich privat zu treffen, um gemeinsam ihre Parts zu proben und den Ablauf der Collage zu lernen. Kostüme wurden von den Teilnehmerinnen selbst noch gekürzt oder anderweitig verändert. Denn für alle stand fest: Wir wollen schön sein auf der Bühne!

Darüber hinaus spornte ein gemeinsamer Besuch einer Aufführung des Jugendprojektes „Projekt Shakespeare“ von IN VIA e.V. im Arkadas Theater alle an: „Bald werden wir selbst hier auf der Bühne stehen.“ Und: „Guck mal, das sind ja auch alles Laien und MigrantInnen. Die sprechen ja auch nicht perfekt Deutsch.“ Zugleich: „Die haben so viel Text gelernt und spielen so toll. Dann werden wir es auch schaffen, unsere Texte und Abläufe zu lernen.“

 

Aufführungen: Kurz vor der Sommerpause präsentierten die Frauen ein erstes Werkstattergebnis vor Publikum. Da alle Frauen bislang keine Theatererfahrung hatten, war diese Präsentation außerordentlich wichtig, um den Frauen eine erste Idee davon zu vermitteln, was „Aufführung“ bedeutet. Trotz kleinem Publikum (die Kinder der teilnehmenden Frauen sowie ein paar Freundinnen) war die Aufregung groß und erst recht der Stolz nach rundum gelungener Aufführung.

Im Rahmen der bundesweiten Fachtagung autonomer Frauenhäuser in Köln „Gewalt gegen Frauen im globalen Kontext“ fand am 22.11.2006 die interne Premiere vor insgesamt ca. 200 Zuschauerinnen statt. Dieser Rahmen war wunderbar für die Premiere: Zum einen ein wirklich großes Publikum, zum anderen ein „geschützter Ort“ für den Schritt in die Öffentlichkeit. Denn alle Zuschauerinnen – Mitarbeiterinnen der Frauenhäuser, ehemalige und jetzige Frauenhausbewohnerinnen – wussten genau, wovon die Theatercollage handelte, und wie groß der Schritt für die Spielerinnen war, auf die Bühne zu gehen.

Zwei Tage später folgte der nächste Schritt: ein Ausschnitt aus der Collage wurde im Rahmen des Frauenfestes „30 Jahre autonome Frauenhäuser“ im Stollwerck, Köln, gezeigt, ebenfalls vor ca. 200 Zuschauerinnen.

Nach dem riesigen Erfolg entschieden sich die Theatergruppe und die Leitung mit Herzklopfen, mutig weitere Schritte zu gehen: Die Collage sollte in einem öffentlichen Theater gezeigt werden und auch Männer sollten kommen dürfen. Am 21. Januar 2007 fand die öffentliche Premiere im absolut ausverkauften Arkadas-Theater statt. Es folgten weitere Aufführungen am 1. und am 4. Februar (am 4.2. nur für Frauen), die ebenfalls fast ausverkauft waren. Nach jeder Aufführung gab es ein Gespräch mit dem Publikum: Raum für Reaktionen und Fragen.

Im Rahmen der Fachtagung fand ein gut besuchter Workshop statt, in dem Teilnehmerinnen der Gruppe, die Theaterpädagogin und eine Frauenhausmitarbeiterin über die Entwicklung der Theatercollage und den gesamten Prozess berichteten und auch in praktischen Übungen die Workshopteilnehmerinnen an der Arbeit teilhaben ließen. Mehrere Teilnehmerinnen der Theatergruppe gaben Interviews für Zeitung und Radio zum Thema „häusliche Gewalt“.

 

Ziele / Ergebnisse: „Nach zehn Monaten Zusammenarbeit blicke ich mutig in die Zukunft.“

„Jetzt haben wir eine Vision.“; „Wir sind alle viel selbstbewusster geworden.“; „Meine Kinder sind stolz auf mich.“ (Aussagen von Teilnehmerinnen)

Die Teilnehmerinnen haben in großem Maße ihr Ausdrucksvermögen erweitert: sowohl im körperlichen Ausdruck als auch auf sprachlicher Ebene. Sie haben neue Fähigkeiten bei sich selbst entdeckt wie auch alte wiederentdeckt. Alle haben sich äußerst kreativ und fantasievoll in die Stückentwicklung mit eingebracht; alle haben ihr Stimmvolumen sehr erweitert und sind insgesamt viel präsenter geworden, sowohl auf der Bühne als auch im Leben. Die Deutschkenntnisse haben sich bei vielen stark verbessert.

Wie sehr Theaterspiel sich positiv auf das ganze Leben auswirken kann, wurde in diesem Projekt überdeutlich. Alle teilnehmenden Frauen haben im Projektverlauf enorm an Selbstbewusstsein gewonnen. Viele von ihnen hat der gemeinsame Rückblick auf die eigene Geschichte und die im Theaterspiel gemachten Erfahrungen darin bestärkt, sich auch in ihrem Alltag weiter zu verändern. Mehrere haben im Verlauf des Theaterprojektes Weiterbildungen / Fortbildungen begonnen, z.B. „Qualifizierung zur Tagesmutter“, „Deutschkurs“, „Rundumqualifizierung zum Einstieg ins Berufsleben“. Eine Teilnehmerin hat mit dem Rauchen aufgehört, eine andere hat das Singen für sich wiederentdeckt, mehrere haben begonnen, regelmäßig Sport zu treiben.

Auch die Beziehung zu ihren Kindern hat sich bei einigen sehr positiv verändert. Durch das Theaterspiel hatten die Frauen einen Raum „ganz für sich“ und einen Ort zum gemeinsamen Lachen und Tun. Nach diesen Samstagmittag-Treffen hatten die Frauen oft viel mehr Lust, danach wieder etwas gemeinsam mit ihren Kindern zu unternehmen. „Es ist toll, dass unsere Mütter hier mitmachen. Danach haben sie immer gute Laune.“ (zwei Kinder von Teilnehmerinnen). Manche der Kinder entwickelten auch einen neuen Respekt vor ihren Müttern und großen Stolz auf sie, besonders, nachdem sie die Aufführungen miterlebt hatten und den großen Beifall des Publikums für ihre Mütter.

 

Öffentlichkeit: Im Vorfeld der Theateraufführungen kam Yvonne Greiner von der Kölner StadtRevue zu einer Probe in die Alte Feuerwache, um „hautnah“ die heiße Probenphase mitzuerleben und die teilnehmenden Frauen anschließend zu interviewen. Yvonne Greiner war begeistert, neben einem ganzseitigen Artikel sorgte sie für einen Fototermin und kam zur Aufführung, die StadtRevue kündigte die Theateraufführung 2x als Tagestipp groß an. Ihr Urteil: „ „berührt mich und nötigt mir Respekt ab“, „eine bestechende Direktheit“. Für das Programm „Venus FM“ von WDR 5 kam die Journalistin Meryem Atam zu einer Probe; auch sie war begeistert von der positiven Power und den künstlerischen Fähigkeiten der Frauen und verfasste einen 5-Minuten-Beitrag.

Funkhaus Europa vom WDR kündigte die Theateraufführungen in einem eigenen Beitrag an und verloste Gästekarten. JournalistInnen von Deutsche Welle / Iran (Mitra Shodjaie) und von einem arabischsprachigen Radiosender besuchten die Theateraufführungen und machten Beiträge.

„Ein ganz tolles Stück – eine starke Aufführung. Mutmachend für alle Frauen!“ (Marlis Bredehorst, Sozialdezernentin der Stadt Köln)

Die Theatergruppe hat es geschafft, völlig neue Bilder von „Frauen mit Gewalterfahrung“ zu setzen.

In den Gesprächen im Anschluss an die Aufführungen und in den ungewöhnlich zahlreichen Einträgen im ausliegenden Gästebuch (27 DIN A 4-Seiten!) wurde sehr deutlich, wie stark bewegt das Publikum auf die Theatercollage reagierte: Viele waren zutiefst beeindruckt von der Kraft und positiven Ausstrahlung der Spielerinnen und nahmen viel Mut auch für sich selbst mit nach Hause: Veränderung zum Guten hin ist möglich!

Auszüge aus dem Gästebuch: „Das Theater traf das Zentrum unseres Herzens.“; „Wahnsinnig gut, ganz toll und zum Heulen schön.“; „Dieses Stück macht allen Mut, die es sehen – für diese positive Energie und den Humor, den Ihr in vielen Szenen gezeigt habt: Gratulation!“; „eine ganz berührende Aufführung mit schönen Bildern, die sich einprägen und an das Wesentliche erinnern: an die Zuversicht.“; „Mir tut es gut, durch eure Episoden an meine eigenen noch mal erinnert zu werden. Trotz der Probleme war die Zeit im Frauenhaus für mich auch glücklich und diese gemeinsame Stärke habt ihr deutlich gemacht. Danke.“; „Danke für den Mut, den ihr uns gemacht habt.“; „Wie Ihr Schweres in Leichtigkeit verwandelt, Trauer und Verzweiflung, aber letztlich Hoffnung, Mut und Stärke vorgespielt und vorgelebt habt, hat uns tief beeindruckt. Bewunderung und Dank.“; „Ihr seid wirklich die stolzesten, lebensfrohesten Frauen, die ich je traf…“; „Ich hoffe, wir sehen mehr so schöne Stücke von Euch!“

Es scheint, als ob die Aufführungen einen wichtigen Beitrag dazu geleistet haben, dass es mehr in das Bewusstsein der Öffentlichkeit gerückt ist, dass es Wege raus aus der Gewalt gibt und dass Frauen es schaffen, sich ein neues, selbst bestimmtes Leben aufzubauen.

Ausblick / Perspektiven: Anfang März 2007 fand das Abschlusstreffen des Projektes statt. Bei allen Beteiligten gibt es jedoch einen großen Wunsch nach Fortsetzung – mit Ideen auf mehreren Ebenen:

„Wir würden gerne nach Hollywood eingeladen werden!“ (eine Teilnehmerin augenzwinkernd)

Nach den Theateraufführungen wurde von verschiedenen Seiten Interesse bekundet, dass die Collage weiter aufgeführt werden soll, auch über Köln hinaus. Aktuell laufen Gespräche für Aufführungen in Bremen, Hamburg, Wetzlar und Freiburg. Die Theatergruppe und die Leitung hätten große Lust, im Herbst „auf Tour“ zu gehen. Ob es auch finanziell und organisatorisch möglich sein wird, wird sich in den kommenden Wochen zeigen.

Fast alle Teilnehmerinnen möchten unbedingt weiter Theater spielen und ein neues Stück entwickeln. Auch andere Frauen, unter ihnen einige, die anfangs Interesse am Projekt gezeigt hatten und sich dann aber doch dagegen entschieden hatten, möchten jetzt sehr gerne mit einsteigen. An der Idee eines neuen Theaterprojektes wird momentan kräftig gesponnen – mit großer Hoffnung, dass es in 2008 Realität werden kann.

Die Gruppe hat beschlossen, dass sie eigenständig die Kontakte untereinander weiter pflegen möchte. Sie treffen sich jetzt 1x monatlich und laden sich gegenseitig reihum zum Essen ein. Für uns als Leitung ein überaus positives Zeichen, dass es offensichtlich gelungen ist, dass die Frauen zu einer echten Gruppe zusammengewachsen sind.

Last, but noch least: Das Projekt ist von Anfang an filmisch begleitet worden. Im Mai 2007 erscheint eine DVD mit einer ca. halbstündigen Dokumentation des Projektverlaufs, einer vollständigen Dokumentation der Premiere im Arkadas Theater sowie einem Werbetrailer zur Aufführung.

 

 

Nr. 18) Kulturbunker Mülheim - Reading Pop

 

Im Jahre 2006 fand im Kulturbunker Mülheim, Berliner Str. 20., 51063 Köln, durchgeführt vom Kulturbunker Mülheim e.V. eine Veranstaltungsreihe mit dem Titel "Reading Pop" statt. Diese Reihe wurde mit Mitteln der LAG gefördert. Das Projekt fand im Zeitraum März – Dezember 2006 statt.

„Reading Pop“ hatte zum Ziel, neue Verbindungen zwischen Popkultur und Literatur aufzuzeigen. Wann wird Literatur zu Pop, wie fließen musikalische Foren und Literatur ein und umgekehrt, wie setzen sich Wissenschaftler mit dem Phänomen Popliteratur auseinander, etc.

Hierzu wurden im o.g. Zeitraum im Kulturbunker Mülheim eine Reihe von Konzerten veranstaltet, die sich explizit literarisch verstanden, sowie eine Filmpräsentation zum Thema. Zum Ende des Projekts gab es dann geballt drei Lesungen, die rückblickend auf die vorangegangenen Veranstaltungen bezug nahmen. Eine popkritische Analyse des Medienwissenschaftler Christoph Jacke von der WWU Münster. Eine Lesung als Pop-Performance von Thomas Ernst und eine klassische Lesung von Dietmar Dath (ex Spex Chef, jetzt bei Suhrkamp als Autor).

Im Rahmen der Veranstaltungen kam es spannenden und manchmal auch kontroversen Diskussionen, aber auch zu kritischen Hinterfragungen der bekannten Rezeptionsmuster. Besonders bei Christoph Jackes Abend stellte sich die Frage, was hinter dem Hype liegend der aktuelle Kern von Literatur als Pop sein könnte. Die Veranstaltungen wurden insgesamt positiv Aufgenommen und rege besucht.

 

 

Nr. 17) Kulturbunker Mülheim – Aufwärmphase

 

Aufwärmphase war ein Kulturprogramm, welches die Fifa Fußball WM 2006 kritisch begleiten sollte und den „König Fußball“ von allen Seiten unter die Lupe nehmen sollte. Das Projekt fand im Zeitraum Mai – September 2006 statt.

Neben der Übertragung der Spiele der WM gab es folgende Veranstaltungsformen. Eine Ausstellung „Fußballhelden“ von Martin Görtzen, welches das Thema Fankulturen und Größenwahn im Profifußball beleuchtete Konzerte im Rahmen von Übertragungen, die z.T. den Kommentatoren-Ton ersetzten und so eine neue Begleitung von Fußballübertragung ermöglichten. Aber auch vor und nach dem Spielplan fanden begleitend Konzertveranstaltungen statt.

Lesungen/Fußballmonologe rund um die Welt des runden Leders, die zu kritischen Diskussionen des Systems Profifußball einluden, aber auch humorvoll die Eigenarten berühmter Spieler thematisierten.

Besonders im Rahmen der Übertragungen kam es oft zu lebhaften Diskussionen zwischen den Besuchern. Spannend waren im Falle von Konzerten auch die Diskussionen zwischen Gästen und Musikern aus Ländern, in denen der Fußball noch nicht in dem Maße zur Popkultur zählt, wie bei uns.

Die Veranstaltungen wurden insgesamt positiv Aufgenommen und rege besucht.

 

 

Nr. 67) Anne Engelhardt, Lengerich - Mensch sucht Mensch - Ein Tanztheater für Gehörlose und Hörende

 

Verlauf: Das Projekt „Mensch sucht Mensch“ hatte die elementare Suche jedes Menschen nach Verstanden werden zum Thema. Dabei wurde das Kommunikationsmedium Sprache von verschiedenen Zielgruppen beleuchtet und künstlerisch gestaltet. In dem Zeitraum von Mai 2006 bis Dezember 2006 haben drei Arbeitsgruppen aus verschiedenen menschlichen Perspektiven das Thema künstlerisch gestaltet. Insgesamt beteiligten sich 26 Teilnehmer/Teilnehmerinnen aus verschiedenen Kulturen und Altersgruppen am Projekt.

In der ersten Gruppe sollten Tanztheaterstücke zum Thema „Sprache, Worte, Kommunikation, Verständigung in unserer heutigen Zeit“ kreiert werden und zwar mit Gehörlosen und Hörenden. Aber es taten sich gleich am Anfang des Projektes in der Kooperation mit den wenigen gehörlosen Interessierten organisatorische Schwierigkeiten auf. Die interessierten gehörlosen Teilnehmerinnen wohnten alle soweit weg (Osnabrück, Bremen, Schwerte, Münster), dass eine regelmäßige Teilnahme an einer gemeinsamen Tanzgruppe von Gehörlosen und Hörenden in Lengerich zeitlich und finanziell nicht möglich war. Aus diesem Grunde wurde diese Tanzgruppe von 7 hörenden Tänzerinnen aus verschiedenen Kulturen und Altersgruppen auf eine Kooperation mit einer professionellen Gebärdensprachdolmetscherin verändert.

In dieser Kooperation erlebten zuerst einmal die hörenden Tänzerinnen Gebärdensprache. Es wurde dann an den spezifischen Ausdrucksmöglichkeiten von Gebärdensprache gearbeitet und anschließend von den Tänzerinnen in Tanz umgesetzt. Von Mai 2006 bis zur Aufführung im Dezember 2006 vertiefte sich immer mehr der Bezug zu dieser Sprache. Das stumme Sich Verständigen durch Mimik, Gestik, Körpersprache und Pantomime setzte einen kreativen tänzerischen Prozess in Gang. Die 3 Tänzerinnen aus der Türkei und dem Iran erlebten diesen Entwicklungsprozess als sehr entlastend, denn nun standen alle Beteiligten vor der Herausforderung, sich mit einem neuen und fremden Kommunikationsmittel auseinanderzusetzen. Am Ende dieser tänzerischen Arbeit standen fünf verschiedene Tanzstücke, die für Hörende und Gehörlose, für deutsch- und fremdsprachige Menschen verständlich waren.

 

In der zweiten Arbeitsgruppe mit 2 Rappern, 3 Sängerinnen und einem Sprecher entwickelten sich auf der Basis des Gedichtes von Rainer Maria Rilke „Wer fürchtet sich vor der Menschen Wort“ sehr schnell viele Ideen für verschiedene Interpretationen. Sowohl die Rapper und die Sängerinnen als auch der Sprecher nutzten den künstlerischen Freiraum ihren eigenen Zugang zu diesem Gedicht zu entwickeln. Daraus entstanden drei verschiedene Gedichtsversionen: eine verrappte, eine rezitierte und eine konsonantisch gesprochene. Außerdem ergab sich auch hier eine Zusammenarbeit mit der Gebärdensprachdolmetscherin, die das Gedicht parallel zum Sprechvortrag in Gebärdensprache übersetzte, es mit Gebärdensprache interpretierte, eine eigene Form der Interpretation für das konsonantische Sprechen des Gedichtes entwickelte und auf dem Hintergrund der Rappmusik das Gedicht in Gebärdensprache rhythmisierte. Diese Arbeit war besonders für die Jungendlichen eine ganz neue Erfahrung, denn die meisten kannten die Gebärdensprache nicht und waren völlig fasziniert über diese Form der Verständigung. Außerdem haben sich noch zwei junge Tänzerinnen für eine tänzerische Interpretation des Gedichtes engagiert und einen Tanz dazu entwickelt.

 

In der dritten Arbeitsgruppe wurden unter Anleitung eines Filmtechnikers in einem Technikstudio vier Stummfilme zu vorher ausgewählten Themen und Tanzmusiken entwickelt, die gemeinsam mit den entsprechenden Tanztheaterstücken eine mediale Einheit bildeten. Diese Arbeit hat von den Beteiligten viel Geduld verlangt, besonders sich längerfristig den teilweisen schrecklichen Talkshows auszusetzen und diese zusammen zu schneiden. Gleichzeitig wurde aber durch diese Konzentration die Unmenschlichkeit und Beziehungslosigkeit dieser Talkshows erfahrbar.

Am 9. und 10. Dezember fanden dann zwei Aufführungen in der Gempthalle in Lengerich statt. Der Erfolg dieser Aufführung zeigte sich in den Reaktionen des Publikums und in weiteren Engagements sowohl für einzelne Stücke, als auch in einem weiteren Auftritt im Kreativhaus in Münster. Besonders die zahlreiche Anwesenheit von gehörlosen Zuschauerinnen und Zuschauern machte uns deutlich, dass ein gemeinsames kulturelles Erleben für Gehörlose und Hörende möglich ist und sogar neue künstlerische Dimensionen eröffnet. Die Rückmeldung von einem Gehörlosen, dass es die erste explizit gemeinsame Kulturveranstaltung für Gehörlose und Hörende sei, die er erlebt habe und dass wir weitermachen sollten, war für alle Beteiligten des Projektes eine der schönsten Rückmeldungen.

Fazit: Zusammenfassend lässt sich sagen, dass dieses Projekt ein wunderbar kreativer und bereichernder Prozess war. Die Gebärdensprache hat viele Teilnehmerinnen und Teilnehmer zu den Wurzeln der Kommunikation zurückgeführt und ganz neue Erfahrungen in der Verständigung ermöglicht. Der Wunsch mit Gebärdensprache weiter zu arbeiten, ist von allen Beteiligten geäußert worden.

Durch dieses Projekt sind Kooperationen zwischen ganz unterschiedlichen Jugendlichen zu Stande gekommen, die über die Projektzeit hinaus weiter bestehen. So konnten soziale und strukturelle Schranken durch eine gemeinsame künstlerische Arbeit überwunden werden und eine menschliche Begegnung stattfinden. Durch die Gebärdensprache gab es außerdem Kontakte zu und Begegnungen mit Gehörlosen, die in Zukunft auf eine stärkere Integration von Gehörlosen in die kulturelle Welt der Hörenden hoffen lassen. Denn Gebärdensprache ist eine kulturelle Bereicherung für uns alle.

 

 

Nr. 68) Kulturwerkstatt Alte Schule, Lüdenscheid - Fass ohne Boden

 

Ziel von „Fass ohne Boden“ sollte die Möglichkeit für kreative junge Menschen sein, sich in Form eines Filmprojektes selbst zu verwirklichen. Im Zeitraum von ca. einem Jahr ist dieses Ziel in Form des Spielfilms „Fass ohne Boden“ realisiert worden. Alle Bereiche der Filmproduktion wurden von den jungen Laien ausgefüllt. Hier fanden Maske, Requisite, Drehbuchschreiben, Ton, Kamera, Regie, Schauspiel und Schnitt ihre Besetzung. Jeder der Mitwirkenden hat so die Möglichkeit gefunden, sein Potenzial zu entfalten, seine Fähigkeiten auszutesten und auszubauen.

Die erste Phase im Januar/Februar 2006 des Projektzeitraums verbrachte das Film-Team mit dem Finden des Filmstoffs, der Ausarbeitung der einzelnen Figuren und dem eigentlichen Drehbuch schreiben. Hierbei erschlossen sich vor allen Dingen wichtige Regeln für den dramatischen Aufbau einer Geschichte und den Einfluss der Charaktere auf den Verlauf der Story.

Nach diesem Abschnitt begann das Team im März mit den Gedanken zur Besetzung der Rollen und den Überlegungen zu Zeit- und Ortmanagement des Drehs. Nachdem alle Teilnehmer koordiniert waren und im Juni einige technische Workshops in Anspruch genommen worden waren, startete die Intensivdrehzeit im Juli mit genauen Zeit - und Ortsplänen. Hier waren neben Regie und Schauspiel vor allem Kamera und Ton gefragt. Im Anschluss an die Intensivzeit begann die Schnittarbeit im Offenen Kanal Schwerin und die Abstimmung der Musik auf den Film im Oktober 2006. Parallel organisierten die Jugendlichen die Werbung in Form von Flyern und Plakaten. Ihren krönenden Abschluss fanden die Arbeiten dann in der Uraufführung von „Fass ohne Boden“ in Lüdenscheid und der 2. Premiere in Wismar, beide im November 2006. Die beiden Vorführungen boten noch einmal Gelegenheit für Lob, Kritik und Auseinandersetzung, sowohl für die Projektteilnehmer als auch für die Besucher. Ganz entscheidend ist jedoch, dass beide Premieren einen sehr guten Zuspruch erfahren durften („volles Haus“), und den „Machern“ vor allem Begeisterung bei den zahlreichen Zuschauern entgegenschlug.

Eine direkte Auswirkung des Projekts „Fass ohne Boden“ war der feste Entschluss aller Beteiligten, die vorhandenen Erfahrungen zu nutzen und ein weiteres Filmprojekt zu realisieren. Dies ist aktuell im Entstehungsprozess und widmet sich dem Thema Reizüberflutung in der modernen Gesellschaft. Die Teilnehmer/innen von „Fass ohne Boden“ bezeichnen im nachhinein als die größte Schwierigkeit bei der Umsetzung des Projekts weder die technische noch die organisatorische Arbeit, sondern das Bemühen, auch das eigene Umfeld bzw. wichtige Anlaufstellen davon zu überzeugen, dass der Film tatsächlich realisiert wird und es nicht nur bei der guten Idee als solcher bleibt.

Dies hat das junge Team dann auch eindrucksvoll mit dem gelungenen Kunstwerk bewiesen. Die Arbeiten verliefen insgesamt nach Plan, allein die Schnittzeit war aufwändiger als geplant. Die finanzielle Kalkulation war realistisch, bis auf die Vorstellungen über die Miete der Räumlichkeiten für die Filmaufführungen.

 

 

Nr. 26) Jugendkulturzentrum Moers - Generationsübergreifendes Theaterprojekt - Remember me

 

Einleitung: (Theater-) Projekte in den für sie vorgesehen Zeitraum zu pressen, fällt schwer – jeder, der sich in der Praxis von Projektarbeit bewegt, kennt die Unwägbarkeiten des Gruppenalltags: Gruppen verhalten sich nicht (oder nur sehr selten) nach Plan.

Ein gescheitertes, bzw. ein nicht nach Plan durchgeführtes Projekt ist allerdings keineswegs ein erfolgloses Projekt: Jede Projektarbeit setzt Impulse für künftige Entwicklungen und bringt Menschen miteinander in Kontakt. Aus diesen Kontakten entwickeln sich weitere Konsequenzen und so ist kein jugendkulturelles Projekt nur singulär zu betrachten, im Gegenteil: Aus einzelnen Projekten bilden sich Netzwerke und Pools für künftige Kulturarbeit.

Erfolge: „Remember me“ ist ein solches Erfolgsprojekt, auch wenn es sich nicht nach vorgesehenem Plan durchführen ließ. Es hatte sich zum Ziel gesetzt, Menschen verschiedener Generationen ins Gespräch zu bringen und sie anzuregen, sich über ihre Erfahrungen aus zu tauschen. Persönliche und fiktive Liebesgeschichten dienten als Anlass und Impuls, um miteinander ins Spiel zu kommen. Dieses Ziel hat remember me erreicht: Eine Gruppe von vier Seniorinnen und 5 jungen Erwachsenen erarbeitet eine gemeinsame Inszenierung. Zudem bildete sich eine Kooperation mit dem Theater Bilanz, einer seit mehreren Jahren bestehenden Seniorentheatergruppe in Moers und eine beginnende Kooperation mit dem Seniorentheater Moers heraus. Das Theater Bilanz hat großes Interesse an einer generationsübergreifenden Arbeit, ein gemeinsames Projekt für die zweite Jahreshälfte 2007 ist bereits in Vorbereitung.

Im Lauf der Suche nach Spielerinnen und Spielern, nach weiteren Theaterschaffenden mit Interesse an generationsübergreifender Arbeit und nach individuellen (Liebes-)Geschichten und Erinnerungen fanden viele Begegnungen und Überraschungen statt: Immer wieder fiel der Ausspruch: „Das hätte ich ja gar nicht gedacht!“ Zum Beispiel, dass „Theaterspielen miteinander soviel Spaß macht, dass man sich miteinander gut unterhalten kann, dass „die anderen“ ganz anders sind, als ich mir vorgestellt habe, dass eine Sechzigjährige David Bowie-Fan ist, dass es eigentlich ganz egal ist, wie alt derjenige ist, mit dem ich spiele.“

 

Das Entscheidende ist: Das gemeinsame Spiel.

Wie bei jeder Theaterarbeit mit Amateuren stellt sich auch im gemeinsamen Spiel von jungen Erwachsenen und Senioren eine partnerschaftliche Beziehung her, die unbeeinflusst ist vom Lebensalter oder sonstigen Unterschieden. Im Miteinander des Spiels stellen sich die Spielenden auf ihr Gegenüber ein; wie er oder sie ist, ist einerlei und gleichzeitig entscheidend: Um mit ihm oder ihr spielen zu können, akzeptiere ich sein/ ihr Anderssein und setze ihm/ ihr mein eigenes entgegen: Daraus entsteht Spiel.

Falsche Rücksichtnahme oder andere Vorurteile müssen abgelegt werden, sonst funktioniert es nicht. Dass sich Menschen unterschiedlicher Generation und ohne schauspielerische Vorerfahrung auf diesen Prozess eingelassen haben, ist ein erster Erfolg des Projekts.

Während des Projektverlaufs wurde viel erzählt und gelacht. Gemeinsame Abendessen und Frühstücke wurden von der Gruppe gewünscht und selbst organisiert. Als besonders witzig erschien dabei die Tatsache, dass tatsächlich viel über Krankheiten geredet wurde, ein Senioren gegenüber sehr beliebtes Vorurteil. Bezeichnender Weise verspürte jedoch vor allem die junge Generation ein Bedürfnis, körperliche Befindlichkeiten zu erörtern. Dies wurde vom älteren Part des Ensembles immer wieder mit Schmunzeln heraus gestellt.

Weitere wichtige Themen waren Lebensentwürfe, gesellschaftliches Rollenverständnis und natürlich, durch das Thema der Arbeit bestimmt: Beziehungen. „Was hat sich verändert? Wie war das damals (bei Dir)? Wie stellst Du Dir Deine Zukunft vor? Ich hätte gern Deine Freiheiten. Ich hätte gern Deine Erfahrung.“

Das gemeinsame Interesse an Theater und Musik verband die Teilnehmenden, bemerkenswert waren die unterschiedlichen Perspektiven und Haltungen zur Sache.

Im szenischen Prozess wurde deutlich, wie festgelegt auf bestimmte Rollen die verschiedenen Generationen zunächst waren: Eltern und Kind (Konflikt-)Situationen funktionierten mühelos und lebensecht. Besetzte man sie „gegen den Strich“, also umgekehrt, waren sie stets sehr komisch. Beiden Parteien fiel es jedoch zunächst schwer, sich in der anderen Rolle zurecht zu finden. Die Arbeit mit der Tanzpädagogin war sehr fruchtbar und stieß auf großes Interesse. Gruppendynamisch wie ästhetisch war die Körperarbeit eine bereichernde Probenergänzung und ein behutsames Verfahren, sich dem empfindlichen Thema „Körperlichkeit und Sinnlichkeit“ zu nähern. Das Nebeneinander junger und alter Körper im Tanz erzeugt Bilder großer individueller Ausdruckskraft. Schnell wurde der erhöhte Tanz-Probenbedarf klar und der Umfang der Honorartätigkeit aufgestockt.

Schwierigkeiten: Die Suche nach Teilnehmenden für ein Generationen übergreifendes Theaterprojekt gestaltete sich durchgängig schwierig. Der Ruf des Hauses, ein Treffpunkt für Punker und andere alternative, nicht gesellschaftskonforme Lebensentwürfe zu sein, trug einiges dazu bei. Die Vorurteile die dem Jugendkulturzentrum entgegen gebracht werden, reichen von „Assizentrum“ bis „Aggrotreff“ und sind ebenso unhaltbar und unbegründet wie hartnäckig. Dies sind sicherlich Schwierigkeiten, wie sie viele Zentren mit lebendiger, bunter und lautstarker Szene haben und sie haben sich im Lauf der letzten Jahre nicht wesentlich verändert. Die Feierkultur und Inszenierungslust von Jugendlichen und jungen Erwachsenen spielt sicherlich mehr oder weniger bewusst mit Provokation und Klischees.

Das Jugendkulturzentrum „Die Volksschule“ steht vor der Situation, in naher Zukunft mit einer seniorenstarken Nachbarschaft konfrontiert zu sein und unternimmt offensive Schritte, sich dieser Herausforderung zu stellen und Situationen zu schaffen, die Begegnungsräume für junge und ältere Menschen bieten. Dies glaubhaft nach Außen zu kommunizieren und Menschen zu gewinnen, die Lust haben, sich auf dieses Experiment einzulassen, bedarf großer Überredungskunst und Geduld. Zudem ist die Bereitschaft zur Auseinandersetzung von beiden Seiten stark bestimmt durch das Entdecken eines gemeinsamen Interesses. So war die Gruppenfindung für das Projekt sehr zeitaufwändig und geprägt von einer dauerhaften „komm her – geh weg“- Phase. Es dauerte mehrere Monate, bis sich ein arbeitsfähiger Kern gebildet hatte. Dabei spielten Sympathien und Antipathien ebenso eine Rolle wie Zeitmangel der Teilnehmenden und leider auch Ausfälle durch Krankheit.

Um eine aufführungsreife Inszenierung und die anderen Projektziele zu verwirklichen, blieb also wenig Zeit. Der angestrebte Termin im Dezember war sicherlich ambitioniert und knapp kalkuliert. Ensemble und Projektleitung arbeiteten dennoch motiviert darauf hin.

Szenische Prozesse sind in der Arbeit mit Laien immer mit einem hohen Maß an Selbsterfahrung verbunden. Dies lässt den Einzelnen in der Gruppe nicht unberührt. Die Offenheit, die die eigene Darstellung erfordert, gerade wenn es um persönliche Erlebnisse und Erfahrungen geht, setzt manchmal enormen Mut voraus, die eigenen Grenzen zu überschreiten. Dies setzt ein Vertrauen voraus, das sich manchmal als nicht tragfähig erweist. Die Anstrengung, die teilweise mit der Verarbeitung der gemachten Erfahrung verbunden ist, ist nicht immer im Vorhinein abschätzbar.

 Der straffe Zeitplan erzeugte einen zunächst positiven „Gruppendruck“, der sich leider kurz vor dem Premierentermin als zu stark heraus stellte: Ein Spielerin sagte ihre Teilnahme ab. Die Angst vor der Auftrittssituation und ihre körperliche Verfassung waren die Gründe, die sie nannte, um ihre Entscheidung zu erklären. Abgesehen vom dramaturgischen Problem, diese Spielerin kurzfristig zu er- oder umzubesetzen (bei biographisch-prozessorientierter Arbeit eigentlich nicht möglich), war dieses Ereignis für Spielleitung und Gruppe einschneidend: Die Premiere fand nicht statt.

 

Nach dem Spiel ist vor dem Spiel – Resümee und Ausblick: „Und jetzt?“ „Wir machen weiter!“

Theater machen ist ein Prozess, dem Veränderung immanent ist. Im Amateurtheater gilt dies im besonderen Maße auch für die Auseinandersetzung innerhalb der Gruppe. Schließlich ist es eine freiwillige Freizeitbeschäftigung, die vor allem Spaß machen und sinnstiftend sein soll. Konflikte und Befindlichkeiten der Einzelnen sind daher im Miteinander oft ein großes Thema. Das Ensemble von „remember me“ hat trotz intensiver Auseinandersetzungen und dem Frust einer abgesagten Premiere die Lust am gemeinsamen Spiel nicht verloren. Neue Spieler sind dazu gestoßen, Kooperationspartner haben sich gefunden oder sind im Gespräch. Die Proben laufen weiter. Wie oft ist es ein Sprichwort, dass die Situation treffend zusammenfasst: „Nähe erzeugt Reibung.“ Demnach ist der Bericht dieses vermeintlich „gescheiterten“ Projektes gleichzeitig ein leidenschaftliches Plädoyer für seinen Erfolg: Intensive Auseinandersetzung mit Themen und Menschen verbunden mit Reflexion und eventueller Evaluation, ist das Kernziel jeder Projektarbeit. Ziel erreicht.

 

 

Nr. 25) Jugendkulturzentrum Moers - Jam.Sessions - Open Stage – Open Mind

 

Das Projekt „Open Stage – Open Mind“, das in der Volksschule Moers beinahe während des gesamten Jahres 2006 durchgeführt wurde, muss in mehrfacher Hinsicht als einzigartig bezeichnet werden. Mit durchschnittlich 20-25 aktiv musizierenden TeilnehmerInnen und weiteren rund 50 das Geschehen beobachtenden Von vornherein als Anschubfinanzierung für eine fortzusetzende Reihe gedacht, wurde das Projekt mehr als zufrieden stellend angenommen und konnte darüber hinaus ein völlig neues und nicht mehr wegzudenkendes Format innerhalb der Kneipenkultur in Moers etablieren.

„Open Stage – Open Mind“ zielte darauf ab, dass Jugendliche und junge Erwachsene erkennen, dass sie nicht zum passiven Konsum verpflichtet sind, sondern in der musikalischen Szenerie vor Ort ihrerseits aktiv „mitspielen“ können. Gleichzeitig sollte die grundsätzlich durchaus wünschenswerte Auffächerung der regionalen Musikszene in zahllose, nicht immer harmonisierende und kooperierende Gruppierungen und Sparten zumindest für einen bestimmten Zeitraum „überbrückt“ werden. Verschiedene Musikkulturen sollten lernen, miteinander zu spielen und umzugehen, ohne zu verwässern und ihre Identität zu verlieren. Als zusätzlicher Effekt war gewünscht, dass musikalisch Aktive wieder verstärkt an die musikbegeisterten Jugendlichen vor Ort „angekoppelt“ werden, anstatt innerhalb eines eigenen Zirkels vor sich hinzuarbeiten. Interaktivität und Vernetzung waren formulierte Ziele von „Open Stage – Open Mind“.

In zahlreichen Gaststätten existieren seit vielen Jahren fest etablierte „Jam-Sessions“; im Gegensatz zu „Open Stage – Open Mind“ zeigen sie sich jedoch beinahe allerorts stilistisch und personell stark verfestigt – so dominieren hauptsächlich „ältere“ Besucher jenseits der 30 und vor allem der Blues-Szenerie entstammend. Die völlige musikalische Offenheit des Projektes in der Volksschule beschritt hier absolutes Neuland, der ebenso vielfältigen BesucherInnenschaft der Einrichtung verpflichtet.

Bereits bei den ersten Veranstaltungen ging das Konzept auf: Während die im Haus probende Rockband „Day After“ den „Einheizer“ mimte und so andere Akteure zum Mitspielen animierte, warteten vom Gitarristen mit Irokesenschnitt bis zum mit Kongas angereisten Percussionfreund Angehörige verschiedenster musikalischer Kulturen geduldig auf ihren Einsatz. Spannende „Crossover-Situationen“ mit Musikern diverser Stilrichtungen, vor allem aber auch unterschiedlichster Altersgruppen und sozialer Herkunft, sorgten an jedem Abend der Jam-Sessions für bunte Bilder auf und vor der Bühne, aber auch für einzigartige musikalische Performances. Dementsprechend reichten auch die Reaktionen der „nur“ zum Zuschauen und –hören erschienenen Gäste vom ausgelassenen Mitsingen bis zum gespannten Erleben der spontan entstehenden Darbietungen. Bestandteil des Konzepts war eine „Belohnung“ für aktiv werdende TeilnehmerInnen: Für jede Beteiligung am musikalischen Geschehen auf der Bühne wurde ein Getränkegutschein ausgegeben. Da die Zahl der die Bühne enternden BesucherInnen von der ersten Veranstaltung an höher ausgefallen ist als erwartet, stiegen dadurch auch die Ausgaben für das „Catering“ über das im Finanzierungsplan vorgesehene Maß hinaus.

Jugendlichen und jungen Erwachsenen sollte unabhängig von ihrer sozialen und wirtschaftlichen Situation die Möglichkeit gegeben werden, sich kulturell auszuprobieren und im Austausch mit anderen ihre Fähigkeiten zu erfahren und zu verbessern. Als Veranstalter stellte die Volksschule daher das gesamte benötigte Equipment: Gitarren- und Bassverstärker standen ebenso auf der Bühne bereit wie ein komplettes Schlagzeug, was „Open Stage – Open Mind“ ebenfalls von anderen „Jam Sessions“ unterschied. Erfreulicherweise halfen sich die Musiker untereinander auch unkompliziert und entgegenkommend mit Instrumenten aus, so dass es sogar möglich war, sich völlig spontan zum Aktivwerden auf der Bühne zu entschließen. Wer weiß, wie eng Musiker mit ihren Instrumenten verbunden und wie groß daher zumeist die Bedenken, die teuren und lieb gewonnenen Geräte aus der Hand zu geben sind, kann sich vorstellen, dass die Atmosphäre von positivem Miteinander und großem Vertrauen geprägt war.

Gerade aufgrund der dramatischen Proberaum-Situation auch in Moers, stellte das Projekt darüber hinaus zusätzlich eine der wenigen Möglichkeiten dar, sich musikalisch überhaupt zu betätigen ohne massive Auseinandersetzungen mit Eltern, Vermietern, Nachbarn etc. zu provozieren. Nicht zuletzt durch diesen Umstand reichte das Feld der Interessierten weit über die übliche Besucherschaft der Einrichtung hinaus. Viele „neue Gesichter“ waren an jedem Session-Sonntag zugegen, ergänzt um neugierige „Stammgäste“ und den ein oder anderen mittlerweile in der regionalen Szenerie bereits recht prominenten Musiker, der ansonsten mit seiner Band die Bühnen der Einrichtung im Rahmen von Konzertveranstaltungen bespielte.

Insgesamt fanden 2006 zehn „Open Stage“-Abende statt, und zwar am zweiten Sonntag jeden Monats mit Ausnahme der Sommerpause. Das Projekt hatte ausnahmsweise bereits vor Eintreffen des endgültigen Bewilligungsbescheides begonnen, da der Antrag im ersten Anlauf abschlägig beschieden worden war, die Einrichtung jedoch mit „Mut zum Risiko“ beschlossen hatte, unabhängig einer finanziellen Unterdeckung in Aktion zu treten, da die Resonanzen bereits im Vorfeld außergewöhnlich groß und positiv ausgefallen waren.

Bei den aktiv Teilnehmenden war Anteil von Frauen und Mädchen für ein Angebot aus dem musikalischen Bereich ungewöhnlich groß und betrug an manchen Abenden bis zu 25 %. Noch ausgewogener war das Geschlechterverhältnis im „Publikum“, wo Frauen und Mädchen bisweilen gut die Hälfte der BesucherInnenschaft stellten. Einer der Gründe hierfür ist mit Sicherheit im sonntäglichen Termin der Veranstaltung zu sehen, eben einem klassischen „Pärchenabend“, aber auch die gemütliche und friedliche Atmosphäre dürfte den Besuch für Frauen attraktiv gemacht haben.

Die Altersstruktur zeigte sich ebenso weit gefächert: Die jüngsten Akteure auf der Bühne waren gerade 13 Jahre alt, die ältesten jenseits der 40. Der Schwerpunkt lag mit ca. 23-25 Jahren über dem anderer Musikveranstaltungen in der Einrichtung.

„Open Stage – Open Mind“ wurde beinahe ausschließlich von deutschen Jugendlichen und Erwachsenen besucht, was die gewohnte BesucherInnenschaft der Einrichtung widerspiegelt.

Die außergewöhnlich gute Resonanz auf das Projekt und die bis Jahresende mit ungebremster Begeisterung teilnehmenden Besucher zeugen nicht nur von der Notwendigkeit niederschwelliger, zur Eigenaktivität animierenden und sie ermöglichenden Angeboten im musikalischen Bereich, sondern bestätigen die Volksschule auch um ein weiteres Mal in ihrer Abkehr vom klassischen Workshop- und Seminarwesen zugunsten moderner, „offener“ Angebote.

 

 

Nr. 73) cactus Jugendtheater, Münster - Jemand da!

 

Vor dem Hintergrund der Erfahrungen aus der Arbeit an „Zungen“ (2006) und dem Roma-Projekt „Ich tanze so schnell ich kann“ (2006) wurde dieses Projekt von Anfang an speziell konzipiert. Statt ohne Verzug eine Gruppe zu erstellen, mit der direkt zum Projekt gearbeitet werden sollte, wurde hier eine lange Phase der Gruppenfindung und -festigung angesetzt. So wurde auch zunächst nur eine allgemeine interkulturelle Theatergruppe gegründet. Den Großteil der Jugendlichen für die Gruppe gewannen wir durch Mundpropaganda: Jugendliche, die bereits beim „Zungen“-Stück mitgewirkt hatten oder dieses gesehen hatten, brachten Freunde und Klassenkameraden zu den offenen Probenterminen mit. Wie erwartet gab es bei den ersten Proben eine hohe Fluktuation bei den Jugendlichen. Einige kamen nur ein einziges Mal, andere sporadisch, wieder andere kamen zunächst regelmäßig, blieben dann aber ohne Erklärung fern. Das Problem an der Methode einer zu ungerichteten Arbeitsweise zeigte sich darin, dass die Jugendlichen, die regelmäßig kamen, keine Fortschritte in den Proben erlebten. Das Problem des nicht immer offenkundigen roten Fadens, wie es bei „Zungen“ schon auftrat, zeigte sich auch hier, ließ sich aber durch unseren Arbeitsstil des gemeinsamen Experimentierens und Recherchierens von spannenden Momenten nicht vermeiden. Mit der Zeit kristallisierte sich eine Gruppe von etwa 12 Jugendlichen heraus, die regelmäßig zu den Proben kamen. Mit diesen arbeiteten wir fortan intensiver.

Wie wir in den anderen Stücken bereits erfahren hatten, ist die Einbindung von Tanz und Bewegung in die Arbeit für die Jugendlichen von Vorteil. Für das regelmäßige Tanz- und Körpertraining konnte mit Tamami Maemura eine erfahrene Tänzerin und Tanzlehrerin gewonnen werden, die unsere Arbeit schon bei „Zungen“ unterstützt hat. Durch ihren Migrationshintergrund und ihre Lebenserfahrungen in verschiedenen Ländern (Japan, Costa Rica, Deutschland) hat sie einen speziellen Bezug zu den Jugendlichen; sie wurde von diesen schnell akzeptiert. Nicht nur, dass die Jugendlichen ein ganz neues Auftreten durch eine verbesserte Körperlichkeit erhalten, gerade den bei uns mitwirkenden Jugendlichen mit Migrationshintergrund fiel es oft aufgrund von Sprachproblemen und Hemmungen, sich verbal mitzuteilen, oft leichter, sich durch Tanz auszudrücken. Zudem ermöglicht der Tanz eine eigene Ausdrucksform, die wir in viele unserer Stücke mit einbinden. Einige Jungs aus der Gruppe, die eine Präsentation der südafrikanischen Gumboot- Dance-Company Shosholoza gesehen hatten, waren davon so begeistert, dass sie selbst eine Choreographie in diesem Stil erarbeitet haben. Dies verdeutlicht neben der Begeisterung, die Tanz, und hier gerade moderne Elemente wie HipHop und Breakdance, bei den Jugendlichen auslöst, auch etwas anderes: Es ist wichtig in unserer Arbeit, die Jugendlichen nicht nur durch Proben auf das eigene Stück vorzubereiten, sondern ihnen auch andere Theater- und Tanzstücke zu zeigen, um ihnen so Anregungen zu geben, Möglichkeiten aufzuzeigen und allgemein ihre Theaterkompetenzen zu erhöhen.

Konsequent wurden auch alle Jugendlichen aus den verschiedenen Projekten immer wieder zu den Aufführungen der anderen Cactus-Ensembles und wenn möglich auch zu anderen Theaterproduktionen eingeladen. Dadurch konnten sie einen Ausblick darauf erhalten, was sie selbst leisten könnten, und erfahren, dass auch andere Theaterstücke für sie von Interesse sein könnten. Die Arbeit mit den Jugendlichen war von einigen Schwierigkeiten geprägt. Die Gruppe besteht aus einer Reihe befreundeter Jugendlicher, die so auch ihre Cliquenprobleme mit in die Proben bringen, weiterhin haben viele der Jugendlichen eine Reihe schwerwiegender Probleme familiärer und anderer Natur, was oft dazu führte, dass Proben im geplanten Rahmen nicht durchgeführt werden konnten, weil es Streite zu schlichten galt oder einzelnen Jugendlichen in persönlichen Gesprächen bei Problemen weiterzuhelfen. Oft wird der Probenablauf von den Jugendlichen in einem erheblichen Maße gestört. Eine Fassade aus Posing und Coolness verhinderte es wiederholt, dass sich die Jugendlichen auf die Übungen einließen. Während die Mädchen sich oft hinter Schüchternheit und Kichern versteckten, hatten die Jungs eine interne Hackordnung errichtet; Schimpfwörter wurden bei jeder sich bietenden Situation benutzt, wiederholt mussten sich einige vor der Gruppe produzieren, um die eigene Unsicherheit zu kaschieren. Immer wieder mussten Übungen daher abgebrochen werden, weil sich niemand ernsthaft darauf einlassen konnte oder wollte, um bloß nicht als „uncool“ vor den anderen Jugendlichen dazustehen. Durch offene Gespräche, Diskussionen und sehr klaren Worte konnten die einzelnen Situationen dann aber meist überwunden werden, bei diesen Gruppengesprächen galt es dann aber die einzelnen Übungen und den darin liegenden Sinn sehr deutlich zu machen. Andere Jugendliche ließen sich wesentlich leichter auf Übungen ein, selbst wenn für sie deren tieferer Nutzen nicht immer auf der Hand lag und sie den Sinn erst im Nachhinein erkannten; da sie aber darauf vertrauten, dass es einen Zweck geben musste, waren sie weitaus aufgeschlossener, als es diese Jugendlichen in der interkulturellen Theatergruppe waren. Den besonderen Schutzraum, den eine Probe eröffnet, um sich auszuprobieren, zu experimentieren und sich und andere so auf andere Art und Weise zu erleben, diesen Schutzraum galt es bei den Jugendlichen mit Migrationshintergrund immer wieder neu zu etablieren und zu kräftigen. Selbstverständlich erscheinende Regeln wie das Ausschalten der Handys, das Tragen von Sportkleidung, das Ausziehen von Schuhen und Ablegen von Schmuck aller Art bei Körperübungen mussten immer wieder eingefordert werden. Übungen wurden immer ausführlich vorgemacht, auch ständige positive Bestätigungen halfen, um Hemmungen abzubauen. Statt ablenkende Verhaltensweisen zu kritisieren, wurden die Gründe dafür erfragt und dies dann besprochen; wiederholte Vertrauensübungen mit der ganzen Gruppe sollten auch dazu beitragen, eine gelöste und aufgeschlossene Probensituation zu fördern. Dennoch verging kaum ein Probentermin ohne einen Moment, in dem eines der Mädchen sich bei Übungen noch vor Beginn verweigerte („Ich kann das nicht!“) oder einer der Jungen sich vor den anderen durch besonders auffälliges Verhalten produzierte. Dies erschwerte das Vorankommen in einem erheblichen Maße. Erst als wir die Gruppe zeitweise aufteilten und mit den Jungs und Mädchen bestimmte Szenen gesondert probten, kamen wir auf dem Weg zum Stück erheblich weiter. Plötzlich entspannten sich alle TeilnehmerInnen erheblich. Die Jungs arbeiteten konzentrierter und intensiver mit, da sie sich nicht mehr so stark produzieren mussten. Hier kam auch der interkulturelle Beirat zum Einsatz: Joel Finke arbeitete mit den Jungen und erarbeitete eine Szene für das spätere Stück, Barbara Kemmler mit den Mädchen. Die Mädchen, die insgesamt bislang sehr zurückhaltend waren, blühten auf, da sie nicht mehr so eingeschüchtert wurden. Mit dieser verbesserten Ausgangssituation kamen plötzlich zahlreiche neue Ideen von Seiten der Jugendlichen, Anregungen und kreative Einfälle entstanden aus den verschiedenen Spielsituationen und Aufgaben, so dass wir mit Spannung der Premiere im Mai 2007 entgegenblicken konnten. Die Aufführungen im Theater im Pumpenhaus waren gut besucht und die Pressekritiken positiv. Über die ersten Spieltermine hinaus wurden bei verschiedenen Gelegenheiten Ausschnitte präsentiert (z.B. in einem Seniorenheim). Nach den Sommerferien wir die Gruppe weiter arbeiten, dann zunächst mir dem Schwerpunkt andere Theaterprojekte zu besuchen und zu diskutieren.

 

 

Nr. 33) cuba-cultur Münster - Poetry Slam

 

Monatlich hieß es in der Gaststätte des Kultur- und Begegnungszentrum Cuba Vorhang auf für Lyrik, Prosa, Beatbox und Rap. Die Moderatoren Michael Roland Sauer und Andreas Weber – später ergänzt durch Katharina Troch – luden zur offenen Bühne und monatlich kamen mehr Dichter, um ihre Texte auf der TatWort Bühne vorzutragen. Die Interaktion mit dem Publikum, dieses konnte die Texte bewerten und den Sieger des Abend bestimmen, führte schnell dazu, dass der TatWort Poetry Slam zu einer beliebten Montagsveranstaltung in Münster wurde.

Ergänzt wurde das Programm durch fünf Leseabende, wo junge lokalen Literaten die Möglichkeit bekamen, ihre Texte ohne Zeitdruck dem Publikum vorzutragen und später mit den Zuhörern ins Gespräch zu treten, sowie durch ein Literaturheft, in dem viele junge unbekannte Autoren ihre Texte das erste Mal auf Papier gedruckt einer größeren Leserschaft präsentieren konnten.

Der Erfolg der TatWort Veranstaltungen haben den Moderatoren gezeigt, wie notwendig Münster die offene Literaturbühne hat. Nach einem Jahr hat sich in Münster eine völlig neue Szene junger Autoren gebildet, die, durch das verbindende Glied der Tatwort Abende zusammengehalten, sich austauschen und voneinander lernen kann.

Ohne Frage: 2007 werden die TatWort Abende vorgesetzt und das Programm sogar noch durch eine Lesebühne erweitert.

 

 

Nr. 72) Die Linse, Münster - Münster Globale Stadt 2006

 

Das gesamte Projekt lief vom 15.9.2006 bis zum 31.3.2007. Einige der zugesagten Fördermittel waren auf das Kalenderjahr 2006 beschränkt. Für sie wurde diese Teilabrechnung über den ersten Teil des Projekts, die Erstellung der Filmbeiträge, zusammengestellt.

Kooperationspartner - In der Planungsphase (März – August 2006) wurden bereits die vier Kooperationspartner dieser Veranstaltungsreihe unter Federführung des Vereins Die Linse e.V. gefunden:

·       Cactus Junges Theater (Barbara Kemmler),

·       GGUA Flüchtlingshilfe e.V. (Anna Laumeier, Katrin Schnieders),

·       der Caritasverband der Diözese Münster (Thomas Borgs) und

·       der Ausländerbeirat der Stadt Münster (Spyros Marinos).

 

Während der Konzeption gab es regelmäßige Gespräche mit allen Partnern und vor dem Auftakt, am 10. Januar 2007, eine gemeinsame Pressekonferenz, die in der lokalen Presse auf breite Resonanz stieß. Bei der Auswahl der ProtagonistInnen war die enge Kooperation ebenfalls von großer Bedeutung, konnte doch das Netzwerk der fünf Organisationen auf der Suche nach geeigneten Personen genutzt werden.

Suche der ProtagonistInnen - Von September bis Mitte November zog sich die Suche und Auswahl geeigneter ProtagonistInnen für die elf Veranstaltungen hin. Sechs ProtagonistInnen traten von sich aus nach einem Aufruf an das Projekt heran. Fünf Personen mussten von der Projektkoordination mit Hilfe der Kooperationspartner gesucht werden. Vier Personen zogen sich nach zum Teil intensiven Vorgesprächen wieder zurück.

Außerdem wurden Fadil Mehmeti, Mitra Qurban und Sarah Happersberger zur Konzeption, Öffentlichkeitsarbeit und Filmrecherche in die Projektarbeit – sei es ehrenamtlich, sei es über ein Honorarvertrag - einbezogen.

Filmarbeiten - Die Filmschaffenden sind weitgehend ehrenamtlich tätig geworden für die Filmbeiträge dieser Reihe. Die Aufwandsentschädigung von 150 – 200 Euro decken kaum die Materialkosten oder Apparaturmieten. Ganz zu schweigen von der Arbeitszeit, die die zum Teil professionell tätigen Kameraleute in dieses Projekt steckten. Jeder einzelne Filmbeitrag hat natürlich seine eigene Besonderheit. Hervorzuheben sind hier der Film von Katrin Schnieders über Familie Ajetovic in Belgrad, und ein Filmbeitrag eines Literaturkurses des Schillergymnasiums, in dem sie ihren Mitschüler Muzafar Nawaz porträtieren.

Die zeitliche Planung der Filmerstellung verschob sich in einigen Fällen in das Jahr 2007, sodass nicht alle Beiträge schon 2006 abgerechnet werden konnten. Die Motivation sowohl der ProtagonistInnen als auch der Filmschaffenden ist allerdings ausgesprochen hoch. Eine fristgerechte Fertigstellung der Filme vor den jeweiligen Veranstaltungen ist daher ohne weiteres gesichert.

Die ProtagonistInnen beteiligen sich ausschließlich ehrenamtlich an der Veranstaltungsreihe. Ihnen ist über eine „Globale-Stadt-Karte“ der kostenlose Eintritt zu allen elf Veranstaltungen möglich. Zudem gibt es an jedem Abend insgesamt 12 Freikarten, die sich ProtagonistInnen und Filmleute des jeweiligen Abends teilen müssen, um Familie und Freunde zu „ihrem“ Abend einladen zu können. Die so entstandenen Kosten sind im Finanzbericht unter „sonstige Handlungskosten“ als „Gästekarten“ aufgeführt.

Öffentlichkeitsarbeit - Der Vorlauf der Öffentlichkeits- und Pressearbeit begann bereits im Dezember mit dem Programmheft und dem Vorbereiten einer Pressekonferenz, die am 10.1.2007 stattfand. Die Layout- und Druckkosten wurden mit in die 2006-Abrechnung hinein genommen und kompensieren so die Filmhonorare, die erst 2007 wirksam werden. Es betrifft also eine budgetneutrale Verschiebung innerhalb des Projekts.

Produkte - Wie geplant, wurden – bzw. werden noch - elf Filmbeiträge erstellt, die auf einer DVD zusammen gestellt werden. Diese DVD wurde am letzten Veranstaltungsabend, den 25.3.2007 den Mitwirkenden angeboten. Alle fördernden Institutionen erhielten dann ebenfalls ein Exemplar dieser DVD.

Es wurde bereits im Dezember das Programmheft und ein Plakat entworfen und gedruckt. Ebenfalls im Dezember wurde die Website www.dielinse.de/globalestadt erstellt. Sämtliche Druck- und Bildmedien (Faltblätter zu den einzelnen Abenden, Hintergrundinformationen, Fotos von den Veranstaltungen, Pressemitteilungen, Pressespiegel, etc.) finden sich ebenfalls dort.

 

 

Nr. 34) Kreativhaus, Münster - Die Kunst des Augenblicks - Festival der Improvisation in Tanz, Theater und Musik

 

Vom 24. bis 28. Mai 2006 fand im Kreativ-Haus das Festival „Die Kunst des Augenblicks“ statt. Im Mittelpunkt dieses ambitionierten Kunstprojekts stand die künstlerische Auseinandersetzung mit dem Thema Improvisation.

Eingeladen waren international renommierte Künstlerinnen und Künstler wie Peter Honegger aus Zürich und Sabine von der Tann aus Berlin für Theater, Matthias Schwabe aus Berlin, Wolfgang Schliemann aus Wiesbaden und Erhard Hirt aus Münster für Musik, Eileen Standley und Hillary Blake Firestone aus Amsterdam, Lilo Stahl aus Freiburg und Regina Biermann aus Münster für Tanz.

Die künstlerische Leitung des Festival hatte Regina Biermann, Tänzerin aus Münster, die Festivalorganisation übernahmen Nathalie Nehues, Leiterin der Weiterbildung und Anne von Papen, Leiterin der Theaterbühne im Kreativ-Haus.

Das Programm des Festivals bot Gastspiele, Workshops, eine Werkschau und zur Einstimmung in das Thema eine Podiumsdiskussion.

Die Podiumsdiskussion am ersten Festivalabend war die Auftaktveranstaltung des Festivals und stand im Zeichen des Themas „Improvisation in der Kunst“. Auf dem Podium diskutieren, moderiert von Sabina Kocot, Künstler aus den Bereichen Theater, Tanz, Musik und Bildende Kunst. Die Künstler sprachen über die Faszination des Improvisierens, über das Unvorhergesehene, das Überraschende und Neue. Parallelen zwischen den Künsten wurden gesucht, wie improvisiert man in der Bildenden Kunst, wie im Theater? Was lernt man beim Improvisieren? Wie kann man Improvisation unterrichten? Was hat man im Alltag davon, improvisieren zu können, waren Fragen, die auch vom Publikum gestellt wurden.

Von Donnerstag bis Sonntag fanden die Workshops in den Bereichen Tanz, Musik und Theater statt. Die Workshop-Gruppen arbeiteten immer wieder auch in unterschiedlichen Konstellationen, z.B. die Tänzer improvisierten zusammen mit den Musikern, die Musiker mit den Theaterleuten usw.

Am Donnerstagabend zeigten Eileen Standley, Monica Page und Hillary Blake Firestone eine aufregende, spannende und witzige Tanz-, Musik- und Lichtperformance. Freitagabend folgte ein Konzert mit Matthias Schwabe, Erhard Hirt und Wolfgang Schliemann. Alle drei Musiker hatten in dieser Besetzung noch nie miteinander gespielt. Samstagabend zeigten die Dozenten aus den Bereichen Tanz, Theater und Musik vor einem ausverkauften Haus wie man spartenübergreifend improvisieren kann. Das Festival endete am Sonntagnachmittag mit einer Werkschau, in der die Teilnehmenden der drei Workshops ihre Ergebnisse öffentlich präsentierten.

Das Festival war für alle Festival-Teilnehmenden und für die Zuschauer ein spannendes und schönes Erlebnis. Sowohl die Dozenten, die Künstler als auch die Workshop-Teilnehmer erhielten wichtige Impulse und Anregungen für ihre künstlerische Arbeit. Lernen und Lehren gingen Hand- in Hand. Besonders spannend waren immer die Momente – sowohl in den Workshops als auch auf der Bühne – wenn Grenzüberschreitungen zwischen den verschiedenen Kunstsparten tatsächlich passierten, wenn Improvisation funktionierte.

 

 

Nr. 75) Lebenshilfe, Münster - Kultur schafft Begegnung

 

2006 hat Lebenshilfe Münster über das ganze Jahr in drei Teilprojekten Kultur von und mit Menschen mit Behinderung einer breiten Öffentlichkeit nahe gebracht wurde. Es konnte gezeigt werden, wie Menschen mit Behinderung Kultur definieren, erleben und schaffen. Zentrales Anliegen war mit Hilfe kultureller Betätigung und Darbietung Begegnung zwischen Menschen zu schaffen: Menschen mit und ohne Behinderung, Menschen unterschiedlicher Altersgruppen, Künstlern verschiedener Kulturprojekte, Menschen verschiedener Nationen.

Dazu haben drei Kulturgruppen, das Kunstprojekt „Probierstube“, das „Schrägstrichtheater“ und die Tanzgruppe „Schrittwechsel“ jeweils gezielt für das Projekt „Kultur schafft Begegnung“ neue Stücke bzw. Exponate geschaffen, die das Thema „Begegnung, Freundschaft, Partnerschaft“ inhaltlich aufgegriffen haben. Die „Jule-Band“ als vierte Gruppe konnte wegen des Wechsels des Bandleiters nicht teilnehmen.

Die „Probierstube“ und das Projekt „Kultur schafft Begegnung“: Die „Probierstube“ wurde 1999 ins Leben gerufen. Hier treffen sich KünstlerInnen mit geistiger Behinderung zum kreativen Arbeiten. Sie werden durch die freischaffende Künstlerin, Simone Jänke angeleitet, die den kreativen Prozess unterstützt.

In der „Probierstube“ kommen Menschen zusammen, die den gemeinsamen Spaß und die Freude am künstlerischen Schaffen teilen. Im Vordergrund stehen die Lust und die Begeisterung am Ausprobieren und Experimentieren. Durch den Umgang mit Form und Farbe, unterschiedliche Techniken und Materialien eröffnen sich Räume für ein kreatives Miteinander. Die Bilder, die dabei mit viel Ausdauer und Kontinuität entstehen, begeistern und lassen Freude und Intensität ihrer Entstehung erahnen.

Für das Projekt „Kultur schafft Begegnung“ wurde eine zusätzliche Gruppe von sechs KünstlerInnen mit Behinderung unter der Anleitung von Simone Jänke gebildet, die sich inhaltlich mit dem Thema „Begegnung, Freundschaft, Partnerschaft“ auseinandergesetzt hat. Die normalen Angebote der Probierstube liefen weiter.

Neben der wöchentlichen Atelierarbeit im Atelier in Münster fanden ein Wochenendseminar intern und ein Kooperationstag mit der Kunstwerkstatt „Artistik“ in Hengelo und der Besuch des Museums „De Stadshof“ in Zwolle statt. Im Museum in Zwolle ist vor allem naive Kunst und „Outsiderkunst“ zu sehen. In diesem Projekt war es auch möglich, mit ungewohnten Materialien (Bsp. Leinwand) und in ungewohnten Techniken (Bsp. Tischstaffelei im Sitzen) zu arbeiten.

Besonders gut gelungen ist die Einbindung der Ausstellung der Bilder im Rahmen der „Nacht der Museen“. Die Nacht der Museen hat am 2. September 2006 an 44 Standorten in Münster in Museen und Galerien eine breite Schau von Kunst und Kultur geboten. Die Ausstellung vom 1. bis zum 8. September im Foyer des Stadthauses ist so doppelt gut zum Zuge gekommen, zum einen in der Nacht der Museen und zum anderen durch die Aufstellung im gut besuchten Foyer des Stadthauses.

 

Das “SchrägstrichXTheater” und das Projekt „Kultur schafft Begegnung“: Im Mai 2002 wurde das Schrägstrichtheater (früher „Wawanko-Theater”) unter der Leitung der Dipl. Theaterpädagogin Annette Knuf als Freizeitangebot der Lebenshilfe gegründet. Im Dezember 2003 feierte es seine erste Premiere mit dem Stück „Ein Bonbon für Neuseeland“. Dem folgte 2005 „Rapunzel hat Spliss“ mit 16 Aufführungen inkl. Tournee. Ziel ist es, diese Theaterarbeit auf Dauer auch ohne direkte Unterstützung der Lebenshilfe zu ermöglichen. Eine Vereinsgründung wird zurzeit vorbereitet. Das Schrägstrichtheater steht für professionelle, künstlerisch orientierte integrative Theaterarbeit.

Die Produktion „up & down“: Das Ensemble für „up & down“ wurde für diese Produktion neu zusammengestellt. Es besteht aus vier SpielerInnen mit Down-Syndrom und zwei SpielerInnen ohne Behinderung im Alter zwischen 20 und 38 Jahren. Mit jeweils drei Männern und drei Frauen ist die Gruppe vom Geschlecht her ausgewogen. Die Regie führte die Diplom Theaterpädagogin Annette Knuf und der Regisseur Manfred Kerklau in der Co-Regie. Begleitet wurde das Projekt von zwei Assistentinnen, sowie professionellen MitarbeiterInnen für die Bereiche Bühnenbild, Kostüme, Lichttechnik, Graphik-Design, Fotographie und Film.

Die Proben begannen mit wöchentlichen Proben und regelmäßigen Probenterminen am Wochenende. In Form von geleiteten Improvisationen begann das Ensemble sich dem Thema Liebe und Freundschaft zu nähern. Erfahrungen und Ideen der Gruppe wurden zur weiteren Materialfindung verwandt. Dazu kamen Textauszüge, die die Arbeitsgrundlage der SpielerInnen ohne Behinderung bildeten. Das Thema „Down-Syndrom“ wurde aufgegriffen, ein Spiel mit Chromosomen zieht sich als roter Faden durch das ganze Stück.

Entstanden ist eine Szenencollage in der die up’s & down’s der Liebe präsentiert werden. Die Inszenierung ist so gestaltet, dass es Sequenzen gibt, in denen die ganze Gruppe zusammen spielt und Einzelszenen. Wichtig war es der Regie zu zeigen, dass der Umgang mit Liebe ein vielschichtiger ist und Menschen mit und ohne Behinderungen unterschiedlich mit den „Wirren“ der Liebe umgehen. Die SpielerInnen ohne Behinderungen sprechen ihre Gedanken vielfach aus, die SpielerInnen mit Behinderungen wählen ihren Weg über ihre Direktheit im Handeln. Es geht um Annäherung und Ablehnung, Träume und Realitäten. Dabei verzichtet das Stück auf den moralischen Zeigefinder und konzentriert sich auf das Darstellen von ästhetischen Bildern, die vom Zuschauer selbst interpretiert werden.

Für die integrative theaterpädagogische Arbeit war es wichtig, die unterschiedlichen Bedürfnisse in der Gruppe zu berücksichtigen und jeden Einzelnen zu fördern. So arbeitete die Gruppe der nichtbehinderten SpielerInnen vermehrt mit Texten und einem dementsprechendem Schauspieltraining. Für die SpielerInnen mit Behinderung war das Wiederholen und kleinschrittige Arbeiten äußerst hilfreich. Die Gruppe probte fast immer zusammen, da alle SpielerInnen immer auf der Bühne sind.

Premiere feierte das Stück „up & down“ am 6. September 2006 im Kreativ-Haus Münster, dem schlossen sich zehn weitere Aufführungen an (davon vier Vormittagsaufführungen für Schulklassen). Die Aufführungen waren durchgängig gut besucht. Das Publikum setzte sich aus dem allgemeinen Theaterpublikum und zu ca. 1/3 aus Menschen mit Behinderungen zusammen. Das Stück wurde von Menschen mit und ohne Behinderungen begeistert aufgenommen.

Das Projekt fand in Kooperation mit der VHS Münster statt, die ihre Theaterräume kostenlos zu Verfügung stellte. Das erleichterte den Probenprozess, da die Räume jederzeit genutzt werden konnten und auch der Bau des Bühnenbildes dort stattfand. Die Kooperation mit dem Kreativ-Haus beschränkte sich auf die Konditionen eines Gastspielvertrages für die Aufführungen.

Die Tanzgruppe „Schrittwechsel“ und das Projekt „Kultur schafft Begegnung“: „Schrittwechsel“ ist eine Gruppe von TänzerInnen mit Behinderung, die unter der Leitung der Diplom-Tanzpädagogin Doris Gillmann eigene, spannende Wege zum Tanz beschreitet. Mit Engagement und Ideenreichtum bringen die TänzerInnen ihr Körpergefühl zum Ausdruck. Von ersten Ideen bis zur Aufführung eines Stückes entwickeln die TänzerInnen in einem kreativen Prozess immer neue und unverwechselbare Tanzgeschichten. Das Repertoire der Gruppe erstreckt sich von Modern Dance über das Tanztheater bis zur freien Improvisation.

Für das Projekt „Kultur schafft Begegnung“ begann das Ensemble in einem Wochenend-Workshop zum Thema mit den Vorbereitungen. Es wurde im Laufe der folgenden Probenarbeit zwei Tanzstücke erarbeitet und einstudiert, wobei die Empfindungen und Ideen der Ensemblemitglieder eingeflossen sind.

Ende Januar 2006 wurde beim Auftritt beim „Ball des Sports“, einem Ereignis, das vom Sportamt der Stadt Münster organisiert wird, zu dem viele bekannte Persönlichkeiten der münsteraner Sportszene sowie Personen aus Politik und Kultur geladen sind, erste Ideen präsentiert.

Im Juni 2006 bei einem Auftritt bei einem von der Stadt Münster organisierten „Hafen-Kultur-Spektakel“ im Rahmen der Fußball-WM zeigte die Gruppe die Ergebnisse vor großem Publikum.

Im November 2006 schließlich wurde das Projekt gekrönt mit der Teilnahme beim Münsteraner Tanzfestival, einem Event, bei dem verschiedene Münsteraner Tanzschulen und –gruppen vor tanzbegeistertem Publikum tänzerische Darbietungen präsentieren.

Die Einbindung in die großen Veranstaltungen und die damit verbundene Wertschätzung und Beachtung haben beiden Seiten, den TänzerInnen und dem Publikum viele Eindrücke gebracht.

 

Resumee: Die Ziele des Projekts „Kultur schafft Begegnung“ konnten zum großen Teil umgesetzt werden. Zwar konnte mit dem Ausfall der „JULE-Band“ ein Teilprojekt nicht umgestzt werden, auch hat es wenig Kooperation der Teilprojekte untereinandner gegeben, aber die gute Resonanz der Ausstellung und der Aufführungen mit einem Publikum, das sich ganz deutlich von einem „Gut-will“-Publikum aus Freunden und Familienitgliedern der Mitwirkenden sowie Mitarbeitern der Behinderteneinrichtungen unterschieden hat, zeigte, dass die Produkte dieses Projektes als eigenständiger künstlerischer Ausdruck verstanden wurden und genauso auch vom Publikum bewertet wurden. Teilnehmende und Publikum haben die Chance genutzt, Neues zu erfahren und „dem Anderen“ zu begegnen.

 

 

Nr. 76) Mekomnet Münster - An Kinderhand durchs Münsterland

 

Projektziel - Hauptziel des Projekts war es, den teilnehmenden Grundschulkindern ein Erfahrungsfeld zu eröffnen, das es ihnen möglich macht, eine persönliche Beziehung zur Stadt aufzubauen und sich damit Orte und ihre Geschichte „aneignen“ zu können. Im Sinne zeitgenössischer Kunstansätze verknüpft das Projekt künstlerische und journalistische Arbeitsweisen und Ausdrucksformen.

 

Projektergebnis - „Materielles“ Ergebnis dieses Prozesses ist eine ca einstündige Audio-CD mit zwanzig Geschichten, die den Hörer/die Hörerin auf einen Stadtrundgang aus Kindersicht mitnehmen. Einige Geschichten sind ausschweifende Erzählungen, andere erinnern in ihrer Kürze und Präzision an Gedichte. Favoriten der Kinder waren die historischen und touristischen Highlights der Erwachsenenwelt wie der Dom, das Rathaus, die Promenade, doch auch für die Augen der Erwachsenen eher unscheinbare Objekte, Pflanzen und Tiere erhielten eine Stimme.

 

Projektverlauf - Das Projekt verlief in vier Phasen. In der ersten Phase liefen die Kinder als Stadtforscher gemeinsam durch Münster. Der dafür entwickelte Rundgang führte an viele stadtgeschichtlich interessante Orte. Hinzukam eine Führung im Stadtmuseum. Auf dieser Grundlage hat sich jedes Kind „seinen“ Ort ausgesucht und in der zweiten Phase als Stadtschreiber einen Text dazu geschrieben. Idee war, sich in den Ort hinein zu versetzen, aus seiner Perspektive heraus zu schreiben. Diese Grundidee setzten die Kinder ganz unterschiedlich um. Viele recherchierten in Büchern und im Internet zu ihren Orten und bauten ihren Text aus historischen Fakten zusammen. Andere haben Figuren und Ereignisse frei erfunden und so ihren Orten einen phantastischen Charakter verliehen. In der dritten Phase nahmen die Kinder als Stadtreporter Originaltöne an ihren Orten auf, um sie später als akustischen Hintergrund für ihre Geschichten nutzen zu können. Auch die vierte Phase spielte sich im außerschulischen Raum ab: Hier erhielten die Kinder eine Einführung in das Medium Bürgerfunk und die Funktionsweise eines Tonstudios in den Räumen des medienforums münster. Im Anschluss folgte die Studioarbeit, jedes Kind arbeitete als Stadtsprecher und sprach seine Geschichte im Tonstudio auf. Um auch das Booklet der CD mitzugestalten, arbeiteten die Kinder in einer letzten Phase als Stadtmaler und machten Zeichnungen von ihren Orten. Den Tonschnitt übernahmen die Projektleitung und der Medienpädagoge und Tontechniker des medienforums. Zehn Geschichten der fertigen CD präsentierten die Kinder Mitte Juni 2006 selbständig vor Publikum im Forum der Wartburg-Grundschule der Schule. Ein Kinderteam entwickelte Moderationstexte für eine Bürgerfunksendung und stellte den Hörer/innen dort das Projekt und die zweite Hälfte der CD mit weiteren zehn Geschichten vor.

 

Projektauswertung - Im Projektkonzept wurden allgemeine und übergeordnete, projektspezifische Lernziele formuliert. Inwiefern diese Ziele erreicht wurden, soll die folgende Auswertung kurz schildern:

Die Wahrnehmung schulen - Das Projekt bot viele Situationen, in denen die Kinder ihre Sinne wecken, nutzen und trainieren konnten. Die Vorübungen zur Stadterforschung sprachen den Seh- und Tastsinn sowie das Raumgefühl an, die Übungen im Tonstudio zu Lippenspannung und Artikulation stimulierten die taktil-kinästhetische und auditive Wahrnehmungsfähigkeit der Kinder. Die Stadtexpeditionen schließlich forderten alle Sinne: Augen, Ohren, Hände, Füße, den Sinn für Raum, Zeit und Orientierung.

Neue Lernerfahrungen machen - Die Lernsituationen im Tonstudio und im öffentlichen Raum unterschieden sich am stärksten vom normalen Unterricht: Hier wurde „draußen“ oder an einem „Erwachsenen-Arbeitsplatz“ produktiv gehandelt, was den Umgang mit Technik, die inhaltliche Arbeit und soziales Lernen maximal miteinander verschränkte. Entsprechend lobten die beteiligten Kinder in ihren Projektkommentaren vor allem diese Situationen.

Kreative Fähigkeiten entdecken und entwickeln - Für jedes Kind ergab sich im Verlauf des Projekts mindestens eine neue kreative Herausforderung, die es zu meistern galt. Mit der Aussicht auf ein öffentliches Produkt, das Bestand hat, entwickelten die Kinder Ehrgeiz. Alle haben die Aufgaben, die sie sich zum Teil selbst gestellt hatten, zu Ende gebracht und das Projekt in ein persönliches Erfolgserlebnis verwandelt. Kreativität erlebten sie so auch als Fähigkeit, gestalterische und inhaltliche Hürden manchmal durch schieres Durchhaltevermögen – die zehnte Skizze, die fünfte Aufnahme – zu nehmen. Diese individuellen Probleme und ihre kreativen Lösungen haben sie eindrücklich in der Abschlusspräsentation vor Publikum kundgetan.

Die eigene Persönlichkeit ausdrücken - „Am besten fand ich, dass wir unsere Geschichten so schreiben durften, wie wir wollten.“ Kommentare dieser Art im Rückmeldebogen waren Beweis dafür, dass das Projekt trotz vieler Vorgaben Raum für den persönlichen Ausdruck der Kinder gelassen hat. Das zeigt sich vor allem in der großen Heterogenität der Geschichten, die die Charaktere der Kinder und ihre individuellen Vorlieben spiegelt.

Eine besondere Beziehung zur Stadt entwickeln - Viele Kinder haben ihren Ort aus eigener Initiative heraus auch außerhalb der Schulzeit be- und untersucht und sich so im Verlauf des Projekts zunehmend mit „ihrem“ Ort identifiziert.

 

Zu den übergeordneten Zielen: Kinder im Stadtraum – Haben wir die Stadt erobert? - Viele Kinder schrieben in ihren Rückmeldungen und Erinnerungsheften, dass sie es wichtig und gut fänden, die Stadt nun besser kennen gelernt zu haben. „Erobert“ haben wir sie sicher nicht, doch erste Schritte einer „Aneignung“ von Teilen des städtischen Raums sind wir gegangen.

Schule im Austausch mit der Kommune – Ist eine weitergehende Öffnung gelungen? - Die Wartburg-Grundschule ist für dieses Thema bereits sehr sensibilisiert. Bei diesem Projekt lag die Stundenzahl der Einheiten im öffentlichen und außerschulischen Raum höher als bei anderen Schulprojekten, gleich mehrere außerschulische Institutionen waren eingebunden. Die CD wurde öffentlich präsentiert, in der Schule und in einer Bürgerfunk-Sendung. Inzwischen steht der Verkauf einer größeren Stückzahl zur Diskussion. Damit hätten sich die beteiligten Kinder einen dauerhaften Platz in der Münsteraner Öffentlichkeit erobert.

Interdisziplinäres Team – Haben die beteiligten Lehrenden voneinander gelernt? - Das pädagogische Team ließ der Projektleitung alle pädagogischen und künstlerischen Freiheiten in der Planung und Umsetzung. In mehreren Treffen stellte die Projektleitung die Tages- und Wochenplanungen vor, die dann gemeinsam besprochen wurden. Das Projekt wurde auch in andere Unterrichtseinheiten integriert, bis hin zum Mathematik-Unterricht. Die Projektleitung hat vom pädagogischen Team vor allem durch Beobachten viel über eine Form der Pädagogik gelernt, die dem Kind mehr Raum lässt, selbständig zu arbeiten und neugierig zu bleiben.

Die Kooperation mit dem Stadtmuseum beschränkte sich auf eine Absprache der Inhalte der Führung, hier fehlte es an weitergehendem Interesse für das Projekt. Die Kontakte mit MitarbeiterInnen des Geschichtsorts Villa ten Hompel und vor allem die Zusammenarbeit mit dem Tontechniker und Medienpädagogen des medienforums gestalteten sich sehr konstruktiv.

Kunst als ein Produkt von Gruppen- und Einzelleistung – Ist die Initiierung eines gemeinsamen kreativen Prozesses gelungen? Im Projekt überwogen der Anteil der Gruppenarbeit und hier die Arbeit in kleineren Teams, so z.B. bei den vorbereitenden Übungen zu allen Projektphasen, bei den O-Ton-Aufnahmen und den Vorbereitungen für die Präsentation.

Was das Projekt auszeichnet, ist sein durchgehend integrativer Charakter. Wir achteten von Anfang an darauf, die Gruppen ständig neu zu mischen, um alle Phasen integrativ zu gestalten. Dies hat vor allem bei den Förderkindern zu überraschenden und berührenden Ergebnissen geführt. Alle haben originelle Texte erfunden, die sie aufgeschrieben oder diktiert und später im Studio gesprochen haben. Die prägnante Kürze und der ganz besondere sprachliche Ausdruck dieser Texte macht sie zu Highlights auf der CD.

Ortsbezug, Recherche, Prozess – Hat das Projekt einen erweiterten Kunstbegriff vermitteln können? Bisherige Projekte der Klasse hatten die ganzheitliche Vermittlung bildungsbürgerlichen Kulturguts und naturwissenschaftlicher Erkenntnisse zum Ziel. Dass nicht die Verarbeitung einer künstlerischen Vorlage, sondern die Schaffung eines eigenständigen Kunstprodukts Projektziel sein kann, war für das pädagogische Team nicht selbstverständlich. Und dass „An Kinderhand...“ auf so umfassende Weise journalistische, literarische und darstellerische Arbeitsformen im Innen- und Außenraum verbunden hat, war für die beteiligten Pädagoginnen eine neue Erfahrung. Hier hat sicherlich eine Vermittlung eines in der Schule bisher eher selten gelebten, erweiterten Kunstbegriffs stattgefunden.

Partizipatives Medium Bürgerfunk – Haben die Kinder eine Sendung selbst gemacht?: Für die Kinder des Bürgerfunk-Teams kann dieses Ziel als erreicht gelten. Die drei haben erlebt, was Moderation bedeutet, wie eine Sendung aufgenommen und produziert wird. Ein gelungenes, das Projekt endgültig abschließendes Gemeinschaftserlebnis war es, den Mitschnitt noch einmal in der Klasse zu hören. Für alle Kinder neu war die Tatsache, dass ein solches partizipatives Medium wie der Bürgerfunk überhaupt existiert und dass sie dort als gleichberechtigte Nutzer eigene Sendungen gestalten können. Bleibt zu hoffen, dass sie diese Möglichkeit auch in Zukunft nutzen werden.

Kritische Anmerkungen: Die oben beschriebenen vier Projektphasen durchliefen die Kinder aufgrund der straffen Unterrichts- und Projektplanung im letzten Grundschuljahr innerhalb von nur zwei Wochen. Ursprünglich geplant war stattdessen eine kontinuierlichere Projektarbeit, die sich über zwei bis drei Monate erstrecken und den Unterricht ergänzen und nicht komplett ersetzen sollte. Für die Projektleitung bedeutete dies, dass die klassischen pädagogisch-didaktischen Anteile des Projekts mehr Raum einnahmen als geplant, zuungunsten der partizipativen, selbstbestimmten Anteile. Mehr Zeit hätte es uns ermöglicht, die Kinder an allen kreativen Prozessen stärker zu beteiligen, so z.B. an der Entwicklung des Stadtrundgangs für die Expeditionen, am Tonschnitt und Layout.

 

 

Nr. 74) Stephan US, Münster - Service – vis a vis

 

„Das Ganze ist mehr als die Summe seiner Teile“

Service-vis-á-vis in Münster ist zu Ende. Nachdem das Projekt endete, fragten mich viele Menschen, ob das Projekt denn für mich ein Erfolg sei, worauf ich als kritischer Mensch immer erst mit einer Antwort hadere. Selbst zu bemessen, wie erfolgreich ein Projekt ist, ist schwierig. Es geht ja immer, egal, was man macht, etwas besser, schneller, noch genauer oder größer. Aber als ich die vielen Rückmeldungen und Eindrücke der Teilnehmer las, konnte ich nur antworten: Service - vis-à-vis ist ein voller Erfolg. Wie viele der Teilnehmer sich schon wieder mit ihrem Gast oder Gastgeber getroffen, ihn zum Geburtstag eingeladen haben oder ihn wieder treffen wollen, spricht allein für sich. Oder der Satz einer Teilnehmerin: „Ich habe in zwei Menschen, die ich vorher gar nicht kannte und auch noch nie vorher gesehen habe, glaube ich, zwei neue Freunde gefunden.“ Aber allein die Vielfalt der sozialen und kulturellen Kontexte in denen die 53 Teilnehmer leben, wies schon auf das Potenzial dieser Skulptur hin. Hier fand ein Austausch, eine Kommunikation zwischen Menschen aus den unterschiedlichsten sozialen Situationen und kulturellen Kontexten statt. Neben den Eindrücken der Teilnehmer, die sich alle mit Neugierde und Begeisterung auf das Projekt eingelassen haben, gab es zahlreiche Reaktionen von Menschen aus Münster über Anrufe und E-mails, die das Projekt interessant und spannend fanden, aber denen klar wurde, dass sie zuviel Angst haben, einen fremden Menschen in ihr Privates zu lassen. Alle diese Eindrücke, Reaktionen, Statements und anderen Dokumente zeigen in etwa, wie groß die Dimension der Kommunikation in dieser Skulptur war.

Die Vielfalt zeigte sich aber nicht nur in der Kommunikation, sondern auch in den mit viel Spaß gezauberten kulinarischen Genüssen, in der Esskultur der Teilnehmer. Von Niederländischer Appeltaart über Pommes mit Currywurst, Kokossuppe bis zum Freestyle-Gericht, vom Frühstück bis zum abendlichen Dinner war alles dabei. Dieses Bemühen, seinen Gast und damit natürlich auch sich, gut zu versorgen, ihm und sich etwas zu gönnen, öffnete viele Türen und macht die Skulptur zu dem, was sie ist.

Einen wesentlichen Beitrag zum Gelingen haben auch die öffentlichen Medien geleistet. Sowohl auf regionaler als auch auf überregionaler Ebene wurde es als besonderes Kulturprojekt wahrgenommen. So war ein Beitrag auf WDR 5 – Radio in der Kultursendung Scala zu hören und im WDR – Fernsehen in der Sendung Lokalzeit zu sehen. Die regionale Presse und TV-Münster berichtete über den gesamten Projektzeitraum aufmerksam und ausführlich.

Mit viel Spaß, einer großen Offenheit und Neugierde aller Teilnehmer und Mitwirkenden entstand diese soziale Skulptur als gelebte Vision einer von engagierten, offenen Menschen und durch Vielfalt geprägten Gesellschaft.

Ihnen gebührt mein Dank!Und was mich persönlich besonders glücklich macht, ist, dass einige Menschen diese Soziale Skulptur weiter tragen wollen: Ein Teilnehmer richtet einen offenen Adventstreff bei sich zuhause ein. Er will draußen vor der Haustür ein Schild aufstellen mit der Einladung an den Adventstagen zu ihm zu kommen und mit ihm Advent zu feiern, egal ob er diese Menschen kennt oder nicht. Ein anderer Teilnehmer will jetzt einfach Menschen, die er nur vage kennt, zu sich einladen. Insofern ist die soziale Skulptur auch nicht zu Ende.

Die zahlreichen Reaktionen und vielfältigen Eindrücke auf das Projekt Service - vis-à-vis dokumentieren in etwa, wie viel Kommunikation durch und über dieses Projekt stattfand. Viele kleine Ereignisse deuteten schon zu Beginn des Projektes auf dieses kommunikative Potenzial hin: Fremde Menschen sprachen mich auf der Strasse oder im Supermarkt an und wollten etwas über das Projekt wissen. Oder eines Tages lag vor meiner Ateliertür ein Essgeschirr aus Teig gefertigt mit filigranem Besteck aus eben diesem. Dazu ein Zettel mit Wünschen zu einem erfolgreichen Projekt. Oder eine Schwester aus dem Klarissenkloster schrieb: „….leider können wir an solchen Aktionen nicht teilnehmen. Doch ich halte es für eine sehr gute Sache um Menschen miteinander in Beziehung zu bringen und Kommunikation zu ermöglichen.“

Wie viel dann wirklich darüber kommuniziert wurde, kann ich nicht erfassen. Aber die zahlreichen Reaktionen, Eindrücke, Photos unter der Dokumentation www.service-vis-a-vis.de geben vielleicht einen Einblick in die Dimension der Kommunikation dieser sozialen Skulptur. Neben den 53 direkt Mitwirkenden, die sich alle mit Neugierde und Begeisterung auf das Projekt eingelassen haben, gab es zahlreiche Reaktionen von Menschen aus Münster über Anrufe und E-mails, die das Projekt interessant und spannend fanden.

„Hallo Herr US - ich find diese Aktion so so so toll!!! Leider habe ich zu spät davon erfahren. Wird es weitergehen? Bitte schicken Sie mir eine Kurzinfo, ich les nämlich keine Zeitung, das wäre wunderbar. Viele beglückwünschende Grüße von Jutta X, Münster“; „Habe erst jetzt von der Aktion erfahren. Schade, dass nur Einwohner Münsters teilnehmen können. Kann man den Teilnehmerkreis beim nächsten mal nicht erweitern? Trotzdem eine super Idee. Herzlichen Gruß Monika X aus Nottuln“; „…Wir würden uns freuen wenn diese Soziale Skulptur weitergeht und uns wieder beteiligen. Vielleicht sollte man beim nächsten mal verstärkt ausländische Vereine ansprechen und mit einbeziehen, so das noch mehr Kontakte über unterschiedliche Kulturen und Religionen hinweg entstehen. Lieben Gruss Familie X aus Münster.“

Viele Reaktionen kamen von Menschen, denen klar wurde, dass sie zuviel Angst haben, einen fremden Menschen in ihr Privates zu lassen. Einige haben mir dann etwas über ihre Gedanken, diese Angst, die Fragen, die entstanden, geschrieben. Hier drei Beispiele: „ Vis-à-vis ist ein sehr schöne Idee Menschen zusammen zu bringen, aber ich komme aus dem Iran und meine Erfahrung ist, das deutsche Menschen viel angst vor ausländern haben. Ich glaube nicht, das die deutschen Menschen meine Kultur verstehen wollen, aber vielleicht mache ich ja noch mit, grusse Farhad X, Münster“; „Meine Gedanken zu Service-vis-a-vis: oh, ein neues Projekt spannend!.... Begegnungen mit anderen Leuten, auch spannend!....offen für Fremde bin ich ja....aber an jedem Tag?...was ist wenn ich an dem Tag so kaputt bin?.... fremde Leute könnten ja auch anstrengend sein.... will ich das überhaupt?...wer weiß, wer da kommt???......upps, was denke ich denn da, ich bin doch so tolerant....oder doch nicht?....ups?!.....eigentlich sollte ich jetzt erst recht mitmachen, oder?.... ja, genau!.... oder?...Hilfe, mein Selbstbild wackelt!!!.... ich mach´s...oder? o.k., wenn Stefan X mit macht - oder sonst jemand.... o.k. ich habe ja noch 2 Wochen Zeit zum Überlegen....Gott sei dank noch 2 Wochen.... bin ich kompliziert!... oder?“; „…Was mir aufgefallen ist …, dass fast alle davor zurückschrecken, jemanden wild fremdes in ihre Wohnung einzuladen bzw. dorthin zugehen. Es erschrickt mich schon etwas, dass so viel Misstrauen (berechtigt oder nicht) besteht….Ellen X.“

Auch gab es Reaktionen, die das Projekt für sehr wichtig halten als Zeichen für Offenheit und Toleranz „gerade in Zeiten, in denen die Angst vor dem Fremden geschürt wird.“

Alle Reaktionen und die Eindrücke der Mitwirkenden zu ihrem Treffen mit dem Fremden sind im Internet unter www.service-vis-a-vis.de dokumentiert, damit ein breites Bild aufgezeigt wird, was in dieser Sozialen Skulptur alles stattfand.

 

Kooperationen und Werbung : Das Projekt Service - vis-à-vis konnte nur durch eine Vielzahl von Kooperationen mit unterschiedlichen Gruppierungen, Vereinen und Institutionen aus Münster als Werbepartner gelingen. Über das Auslegen von Werbeflyern ermöglichten diese Kooperationen eine breite Kommunikation in der Münsterschen Öffentlichkeit und reichten vom Schützenverein bis Sinti und Roma, vom Punkclub bis zum Altenstift, vom Heimatverein bis zum Schwulen und Lesbenverein. Zu dem wurden in allen Stadtteilen die Flyer verteilt und/oder lagen in Stadtbüchereien, Stadtteilbüros und den jeweiligen Stadtteilzentren aus. Weiterhin wurde über die Berichterstattung der regionalen Presse, über Münster.de,/ publicom –dem Stadtnetz für Münster und der eigenen Internetseite www.service-vis-a-vis.de intensiv geworben.

Presse: Service-vis-à-vis hatte in Münster eine große mediale Aufmerksamkeit. Sämtliche Phasen der sozialen Skulptur sind von der regionalen und überregionalen Presse, dem Radio und Fernsehen begleitet und dokumentiert worden.

Überschriften in den Zeitungen wie „Künstler bringt Fremde an einen Tisch“ oder „Wer hat von meinem Tellerchen gegessen?“ warben für das Projekt und haben durch die intensive Berichterstattung wesentlich zum Erfolg von Service-vis-à-vis beigetragen. Durch die überregionale Berichterstattung, wie z.B. ein Beitrag in dem Kulturmagazin Scala auf WDR 3 vom 5.10.2006, bekam das Projekt sehr viele Resonanzen aus ganz NRW und darüber hinaus.

Alle Zeitungsartikel und einige Beiträge aus Radio und Fernsehen finden Sie unter der Dokumentation www.service-vis-a-vis.de.

 

Resümee: Service-vis-á-vis in Münster ist zu Ende und wie das so ist, tritt dann eine Form der Erleichterung und der Melancholie ein. Viele Erinnerungen an kleine und große Ereignisse, an viele charmante, lustige und ernste Begegnungen, die viele Arbeit, die ca. 256 in Münster Fahrrad gefahrenen Kilometer, die vielen Wohnzimmer und Küchen tauchen als viele kleine Puzzleteile auf und setzen sich zu einem großen Bild zusammen. Das dieses Bild viele Lücken und Leerstellen hat, ist klar und beabsichtigt, denn diese Skulptur ist in ihrem ganzen Umfang nicht zu erfassen. Aber die Bilder, die ich davon bekommen habe, sagen mir: Diese soziale Skulptur ist gelungen und sie wächst weiter.

Mit dieser Dokumentation versuche ich den Charme, die Lebensfreude und den Lebensernst dieser Skulptur und Transaktion, das Potenzial des neuen sozialen Geflechts zu veranschaulichen. Wie viele der Teilnehmer sich wieder mit ihrem Gast oder Gastgeber getroffen, ihn zum Gegenbesuch eingeladen haben oder ihre Hilfe in bestimmten Situationen dem Anderen angeboten haben, spricht für dieses Potenzial.

Die Reaktionen von Teilnehmern wie: „Schön war's einem Menschen zu begegnen, den man sonst nicht kennen gelernt hätte. So übte man ein Stück Offenheit gegenüber einem Unbekannten, freundlich, respektvoll und wertfrei. Und ich würde wieder teilnehmen, weil man sich innerlich öffnet und bewegt. Ein Schauen über den altbekannten Tellerrand!“

oder „Ich habe in zwei Menschen, die ich vorher gar nicht kannte und auch noch nie vorher gesehen habe, glaube ich, zwei neue Freunde gefunden.“

berühren mich und machen Lust auf ein neues Service-vis-á-vis in Münster. Und dann werden es mit Sicherheit noch viel mehr Menschen, denn schon jetzt haben sich für eine Neuauflage weit über 100 Menschen gemeldet.

Was mich persönlich besonders glücklich macht, ist, dass einige Menschen das Prinzip dieser Sozialen Skulptur weiter tragen wollen. Wenn sich diese Offenheit und Neugierde so engagiert weiter trägt, kann die Vision einer von engagierten, offenen Menschen und durch Vielfalt geprägten Gesellschaft real werden.

 

 

Nr. 93) Theater am Schlachthof Neuß - „Neuss-Underground“ - Eine Momentaufnahme der Jugendlichen

 

Als Projektverantwortlicher wurde Nadim Hussein gewonnen, der durch seinen Migrationshintergrund das multikulturelle Teilnehmerfeld gut betreuen konnte. Ferner wurden Tanzpädagogische und theaterpädagogische Angebote gemacht.

Im Vorfeld des Projektes wurde durch die Projektverantwortlichen eine Bestandsaufnahme der Neusser Jugendkultur und ihrer Ausprägungen erstellt. Dabei wurde speziell auch die Jugendmusikszene in Neuss betrachtet. Des Weiteren fand parallel dazu eine Ausschreibung statt, in der Jugendliche aufgefordert wurden, eigene Texte, Geschichten und Ideen einzusenden. Schließlich konnten sich interessierte Jugendliche um eine aktive Teilnahme an dem Projekt bewerben. Dabei wurde bewusst auf ein konventionelles Casting verzichtet, um so auch Interessenten ohne oder mit geringer Theatererfahrung den Einstieg zu erleichtern.

Auf Basis des Beobachteten, den Einsendungen und den Gesprächen mit den Projektteilnehmern wurde als Zielsetzung eine szenisch-musikalische Collage festgelegt, deren genauer Inhalt im Rahmen des Projekts erarbeitet werden sollte.

Dabei wurden als wesentliche Inhalte des Arbeitsprozesses folgende Schwerpunkte gesetzt:

Literatur und Sprache - Um ein größeres Verständnis für Literatur im Theater und ihre sprachliche Vielfalt zu wecken, wurden mit den Teilnehmern unterschiedliche Auszüge und Szenen aus der Gegenwartsdramatik betrachtet. Dabei war das Kernziel dieses Arbeitsabschnitts, den Blick weg von den heute noch in den Schulen gelehrten Schreibstil (Jeder kennt den klassischen Schulaufsatz.), einer modernen Sprachmetrik und der Freude an Experimenten hinzuwenden. So sollte für die Teilnehmer die Möglichkeit eröffnet werden, sich beim Schreiben eigener Szenen und der Auswahl aus vorhandener dramatischer Literatur mehr zu trauen und auch unkonforme Wege zu gehen

Schauspiel - Es werden sowohl in Einzel- als auch Gemeinschaftsproben Szenen erarbeitet. Dabei wird nicht nur auf dramaturgische Gesichtspunkte wert gelegt, sondern auch darauf, die schauspielerischen Mittel der Teilnehmer zu erweitern. Dies umfasst neben der regulären Probenarbeit auch vorbereitende Übungen aus den Bereichen Körper- und Sprechtraining, Bewegungsimprovisation und Body-Movement.

Parallel finden gesonderte reine Schauspieltrainings statt, in welchen die schauspielerischen Grundlagen vermittelt und vertieft werden.

Tanz - Als dem Körper als eines der wichtigsten Ausdrucksmittel auf der Bühne, wird besonderer Wert darauf gelegt, dass die Teilnehmer sich ihrem Körper und ihren Bewegungen auf der Bühne bewusst werden. Daher wird auch bei den Tanzproben besonderes Augenmerk auf ein Körpertraining gelegt, welches die Grundlage bildet für die folgenden Choreografien. Da Tanz ein integraler Bestandteil der Inszenierung ist, soll dieser auch inhaltlich in die Szenen eingebunden werden und somit die Möglichkeit schaffen, dort, wo Sprache alleine nicht mehr reicht, durch tänzerische Mittel eine Handlung fortzuführen. Aus diesem Grund wird bewusst darauf verzichtet, die Teilnehmer in Schauspiel – und Tanzinteressierte zu trennen. Beide Bereiche sind für alle wichtig und daher die Proben auch bindend.

Damit alle Teilnehmer einen gewissen Einblick in den Aufbau professioneller Proben erhalten, wurden und werden die Proben nicht in schulübliche Zeitabschnitte unterteilt. Wesentliches Ziel ist auch, den Jugendlichen zu vermitteln, dass Theaterarbeit ein hohes Maß an Konzentration erfordert. Daher sind Proben von 3 – 6 Stunden nicht unüblich und verlangen speziell in der Monolog-Arbeit den Teilnehmern viel Selbstdisziplin ab.

Musik: Es konnten drei Gruppen / Duos von Nachwuchsmusikern gewonnen werden: „maximNoise“, den „Rough Guys“ und „A Virgin´s Miscarriage“.

Eine erste Präsentation des Projektes fand am 14.12.06 im TAS statt. Auf Wunsch der Jugendlichen wird das Projekt auch im Jahr 2007 fortgeführt. Eine Abschlusspräsentation findet am 16.6.07 im TAS statt.

 

 

Nr. 36) Theater am Schlachthof Neuß - Ich will mitspielen!

 

Theaterprojekt: Kick&Rush: Das Jugendtheaterstück beschäftigt sich mit dem Hoffen&Bangen von Nachwuchs- Fußballspielern auf der Ersatzbank.

Regie: Bianca Künzel Es spielten: Falk Merlin Grossmann, Benjamin Wroczinski, Thomas König.
Drei Spieler auf der Ersatzbank. Beyeler lässt seine drei komischen Antihelden leiden und hoffen. Sie jubeln und Singen. Das Maskottchen bringt das Stadion in Stimmung. Fußball ist ihr Leben, zumindest ein wichtiger Teil davon. Sie hoffen auf ihren Einsatz und das TOR! Chrigel und Mischa gehen zur Schule, zum Training und sitzen beim Spiel am Wochenende zusammen auf der Ersatzbank. Wenn sie eingewechselt werden, dann meist nur zum Zeit schinden. Trotzdem bleiben sie sich und dem Fußball treu, auch wenn auf der Tribüne Mischas Mutter sitzt und vergeblich auf den Einsatz ihres Sohnes wartet, auch wenn die Mädels amüsiert zu ihnen herüber gucken und der besserwisserische Laurenz ständig ankommt, um das Spiel ihrer Mannschaft in Grund und Boden zu kritisieren. Und der Einsatz kommt und das TOR fällt ...You never walk alone....
 ’Kick & Rush’ ist ein Muster an Witz und schreiberischem Talent.

Es konnten drei männliche Jugendliche (aus Theatergruppen oder Projekten) gefunden werden, die die drei Jugendlichen spielten. Ein eigener Fußballclub wurde gegründet. Der „NFC“, (Neusser Fußballclub von 1989) . Das Bühnenbild wurde so gestaltet, das der Eindruck eines Stadions im TAS entstand. Es wurde ein Logo für den Verein gestaltet. Es wurden Fanartikel hergestellt z.B. Fahnen und Sticker mit dem Aufdruck des Logos. Vor und nach der Aufführung wurden Snacks wie in einem Fußballstadion verkauft (z.B. Bockwurst).

Die Werbung war darauf ausgerichtet Sportaktive und Fußballfans zu erreichen, die sonst kein Theater besuchen. Darum wurden alle Sportvereine eingeladen, sowie in den Jugendeinrichtungen Werbung gemacht.

Wie der Presse zu entnehmen ist herrschte bei jeder Aufführung eine Atmosphäre wie bei einem Fußballspiel. Viele Jugendliche, die noch nie ein Theater besucht hatten äußerten sich nach der Aufführung wie folgt: „Ich wusste gar nicht das Theater geiler ist als Kino.“

 

Ich spiel mit - Projekt mit der Nordparkschule, eine Schule für körperlich und geistig behinderte Schülerinnen und Schüler in Neuss. Künstlerische Leitung: Jens Spörckmann, Pädagogische Leitung: Norbert Ebel

Die Nordparkschule ist eine Schule für körperlich und geistig behinderte Schülerinnen und Schüler in Neuss. Nach Absprache mit den teilnehmenden Lehrkräften (Frau Ingenhoven, Frau Wagner, Herr Böker) wählten wir die Schüler aus, die für die Teilnahme am Projekt in Frage kamen. Wir wählten insgesamt zwölf Schülerinnen und Schüler aus, von denen wir annahmen, dass sie einerseits den Anforderungen, die ein solches Projekt stellt, gerecht werden können, und die andererseits von der Probenarbeit in ihrer Entwicklung bestärkt und gefördert werde. Bis zu den Herbstferien führten wir mit den Lehrern zusammen die notwendigen Vorbereitungen für das Projekt durch. Hierin eingeschlossen war jeweils ein Probenbesuch und ein Vorstellungsbesuch der Schüler bei den Stücken: „Emil und die Detektive“ und Kick & Rush“ im Theater am Schlachthof.

Nach den Herbstferien stiegen wir dann in die konkrete Probenarbeit ein. Hierbei konzentrierten wir uns zunächst darauf in Improvisationen die körperlichen und sprachlichen Möglichkeiten der Schüler zu trainieren und auszubauen. Einen besonderen Schwerpunkt legten wir auch auf Konzentrationsübungen und Training des Rhythmusgefühls.

Schließlich begannen wir in wechselnden Besetzungen Szenen zu improvisieren, die mit den Szenen des Stückes vergleichbar sind, z.B. Was passiert auf einer Ersatzbank im Stadion, Aufregung bei einem Trainer; Streit beim Fußball, das Benutzen öffentlicher Verkehrsmittel, Verhalten gegenüber Autoritäten (Eltern; Polizei) oder das Schließen von Freundschaften. Mit den Eindrücken, die wir aus diesen Improvisationen gewannen, entwickelten wir schließlich einen konkreten Ablaufplan für die Improvisationen und eine Besetzungsliste. In dieser berücksichtigten wir sowohl die individuellen Fähigkeiten der Schüler, als auch die Kombinationen der tragenden Rollen.

Eine erste Präsentation fand an Weihnachten an der Schule statt. Auf Wunsch der Schüler, Eltern und der Lehrer wird das Projekt mit der Unterstützung des Fördervereins fortgesetzt. Eine abschließende Präsentation ist zum Sommerfest der Schule im Juni 2007 geplant.

 

 

Nr. 37) Druckluft Oberhausen – Brachland

 

In der Zeit vom 23. September bis 03. Oktober 2006 stellte Druckluft seine gewohnten Aktivitäten ein und stellt sich künstlerisch dem Ort Brachland. Ein Ort im Übergang und in der Veränderung. Aber auch ein neu zu bestellender Boden. Herausgekommen sind zahlreiche Pflänzchen in Form eines umfangreichen, vielfältigen und wie wir finden, auch anspruchvollen Kulturprogramms.

Der Blick auf das Gelände nebenan hat dem Projekt den Titel verpasst: Nach der Aufregung um die Räumung der Bauwagenburg der Gruppe "Plan B" im vergangenen Jahr wurde das Areal gerodet, damit es für Investoren interessant wird. Jetzt wächst dort Unkraut vor sich hin, sichtbar passiert sonst nichts - eine Brache eben. Als Leitmotiv sieht Druckluft die Brache, die tatsächliche hat das Haus freigelegt, damit ist es sichtbarer, präsenter, und rückt mehr ins öffentliche Bewusstsein.

Das Jugend- und Kulturzentrum Druckluft führte im Herbst 2006 das Projekt "Brachland" durch. Druckluft existiert seit mehr als 27 Jahren in Oberhausen. Insofern kann man nicht von einer Brache sprechen. Aber mit dem Projekt Brachland wurde Raum geschaffen für neue Ideen und Experimente. Die entstandene Brache war Motiv, nicht Spielstätte. Sie war aber als Leitgedanke zu verstehen, im Sinne der Neubestellung eines Kulturzentrums, welches die gewohnten Aktivitäten einstellt, um einen Freiraum zu schaffen für neue künstlerische Konzepte, Ideen und Experimente.

Es ging darum, Druckluft neu zu entdecken. Deshalb gab es den Aufruf an bildende und darstellende Künstler, Menschen, die mit Theater oder Film arbeiten, an kulturell Interessierte, andere Vereine und Institutionen: Mit solchen Menschen wollte Druckluft in der Brachland-Zeit kooperieren. Wir hofften auf neue Impulse, neue Kontakte und Ideen für ungewöhnliche Veranstaltungsformate. Die erprobten Wege waren zwar nicht schlecht, aber eben auch eingefahren: Da wollten wir mal Halt machen und überlegen, ob wir nicht auch in andere Richtungen gehen können.

Das ist nur zum Teil gelungen. Aber einige etablierte Gruppen, die im Drucklufthaus regelmäßig Programm gestalten, haben umgedacht, Neues probiert. Allerdings haben wir uns noch mehr Resonanz von Kulturschaffenden gewünscht. Ursprünglich sollte das Festival 14 Tage dauern.

Dennoch: Mit Programmbeiträgen und Ausstellung des Port e.V., Programmen der Internationalen Kurzfilmtagen Oberhausen, der Kinemathek im Ruhrgebiet, einer Ausstellung von Artenoir und insgesamt vier Premieren von Oberhausener Künstlern wurde teilweise die inhaltliche Zielsetzung auch umgesetzt. Ebenfalls erfolgreich war die Umsetzung des Ansatzes ungewöhnliche Räume wie die Bewegungshalle oder eine Autowerkstatt zu bespielen.

Das Spaten- und Sparten-Programm im Drucklufthaus ist nun vorüber. Druckluft zieht also Bilanz des Festivals. Wenn Spaten auf ein Brachland treffen, wird etwas gebaut. Oder umgegraben. In jedem Fall verändert sich die Landschaft. So sollte es auch beim Brachland-Projekt des Drucklufthauses sein. Damit hat sich Druckluft so etwas wie eine Kur, eine Regeneration, eine Neubestellung verordnet. Statt mit Spaten wurde hier mit (Kunst-)Sparten geackert. Rund 20 Veranstaltungen, darunter Konzerte, Lesungen, Partys und Filme gab es auf dem Gelände.

Dabei war die Resonanz sehr unterschiedlich. Zur Eröffnung am 23. September ist es voll gewesen, andere Veranstaltungen wurden nur schwach besucht. Auf die reinen Besucherzahlen ist es Druckluft aber auch gar nicht angekommen. Vielmehr ist es auch darum gegangen, neue Ideen zu verwirklichen. Und das nicht nur sparten-, sondern auch szeneübergreifend, damit Menschen ins Druckluft kommen, die sonst nicht zu den Besuchern zählen.

Wie nachhaltig und fruchtbar Brachland tatsächlich für das Zentrum war, wird sich noch zeigen. Vielleicht wird sich dann auch die Umgebung des Drucklufthauses verändert haben. Da, wo jetzt noch auf der tatsächlichen Brache nebenan das Unkraut wuchert, soll ein Gewerbepark entstehen.

 

 

Nr. 78) Theater Gegendruck, Recklinghausen - Die Ausnahme und die Regel

 

Das Projekt - Erneut hat sich die neue Produktion des Theaters Gegendruck an ein junges Publikum gewendet, das nach einem Standpunkt und Handlungsmöglichkeiten sucht. Auch in dieser Produktion war der Schaffensprozess selbst wesentliches Ziel des Projektes. Außerdem sollten die Kunstsparten Theater und Musik erneut miteinander verbunden werden.

All dies ist auch tatsächlich gelungen. Das selten gespielte Stück „Die Ausnahme und die Regel“ bot anhand einer Parabelgeschichte die Möglichkeit, ganz aktuell über die Beziehungen zwischen den Industrienationen und den Ländern der dritten Welt nachzudenken. Eine Gerichtsverhandlung am Ende des Stücks stellte die Frage nach menschlichem Verhalten als Ausnahme oder Regel in einer sozial immer mehr erkaltenden Welt.

Das Theater Gegendruck arbeitet seit einigen Jahren mit und für junge Menschen. Nach der erfolgreichen Auseinandersetzung mit dem Stück „Genua 01“ arbeiteten wir auch in dem „Brecht“- Projekt mit Jugendlichen und jungen Erwachsenen, die durch „Genua 01“ eine neue Sicht auf die Welt und vor allem von den eigenen Möglichkeiten zur Mitgestaltung dieser Welt erhalten haben. Viele der Darsteller und Darstellerinnen waren deshalb auch dieselben wie bei „Genua 01“, denn sie hatten durch das vorangegangene Projekt erfahren, dass das Theater ein Medium ist, dessen sie sich bedienen können, um sich Gehör zu verschaffen, um sich zu artikulieren. Das Theaterspielen selbst haben sie bereits als Möglichkeit erfahren, sich auszuprobieren, zu spielen und dabei unterschiedliche Standpunkte einzunehmen. Und wir bedienten uns wie schon bei „Philoktet“ einer weiteren Kunstsparte, die auch und gerade die Jugend anspricht: der Musik. Neben den gesprochenen Rollen und gespielten Figuren wirkte die im Kreis Recklinghausen bekannte und beliebte Hip Hop Band „STB Crew“ mit, die die Rolle des Chors übernahm. Sie begleitete die Handlung und kommentierte sie mit eigenvertonten Texten aus dem Stück.

Bei diesem Projekt kooperierten wir, das Theater Gegendruck, erneut mit dem AKZ (Alternatives Kulturzentrum Recklinghausen) in Recklinghausen Süd. Dieses von jungen Menschen selbstverwaltete Kulturzentrum ist in doppelter Hinsicht von enormer Bedeutung für die soziokulturelle Landschaft Recklinghausens. Das Haus ist einer der wenigen Anlaufpunkte für junge Menschen in Recklinghausen Süd, einem enorm vernachlässigten Stadtteil mit einer großen sozial- und bildungsschwachen Bevölkerungsschicht. Außerdem ist das Zentrum im ursprünglichen Sinne so angelegt, wie die soziokulturellen Zentren gedacht sind: selbstverwaltet, demokratisch und sozial!

Die Durchführung - Mit sechs Musikern und Musikerinnen, fünf Darstellern und Darstellerinnen, einem Regisseur, einer Bühnenbildnerin, einer Theaterpädagogin und jeder Menger interessierter Helfer und Helferinnen, Techniker und Fotografen, starteten wir das Projekt im Januar 2006. Die wöchentlichen Proben dauerten bis März 2006. Die Premiere fand am 31.03.2006 im AKZ statt und war komplett ausverkauft. Es folgten zwei weitere Aufführungen am 01. und 02.04 im AKZ und in der Altstadtschmiede. Beide waren ebenfalls ausverkauft. So planten wir für den Mai weitere Veranstaltungen. Das Stück wird am 21.05.2006 erneut im AKZ aufgeführt. Am 28.05.2006 gibt es eine Vorstellung im Bahnhof Langendreer. Die IGM Bildungsstätte in Sprockhövel hat uns für den Dezember dieses Jahres ebenfalls angefragt.

Die MusikerInnen, bereits seit Jahren als Band „STB-Crew“ mit einem sehr guten Ruf in - nicht nur Recklinghausens – (der) Hip Hop Szene, vertonten die im Text durch Brecht vorgegebenen (Chor)-gesänge nach ihren eigenen Vorstellungen und gaben so dem Stück eine sehr spritzige Note. Da die Proben für das Stück in den Abendstunden stattfanden, hatten wir nicht mit dem Problem des Ausfalls aufgrund von „Verschlafen“ zu kämpfen. Allerdings kam es ab und an vor, dass das „Vergessen“ um sich griff. So manche Probe stellte erneut unsere Geduld auf die Probe, aber wir waren ja schon so einiges von dem Projekt „Genua 01“ gewohnt.

Auch bei den Proben für dieses Stück bewährte sich die theaterpädagogische Einheit, die jeder Probe vorangestellt wurde. Durch sie konnte besonders auf die individuellen Fähigkeiten, Bedürfnisse und Ängste eingegangen und dem Anspruch an die pädagogische Komponente genüge getan werden kann. Bewährt haben sich besonders die Auflockerungs- und Entspannungsübungen, die vor jeder Aufführung stattfanden. Das Lampenfieber konnte gedämpft, die Aufregung gemildert und das Vertrauen ins eigene Können gestärkt werden.

Es hat erneut viel Spaß gemacht, mit diesen jungen Menschen zu arbeiten. Und auch wir „alte Hasen“ haben erneut viel gelernt von diesem jungen Gemüse. Wir freuen uns schon auf das nächste Projekt...

 

 

Nr. 38b) Kraftstation Remscheid - Matrix Revolution

 

Wir befanden uns auch 2006 in der Matrix. Jungen und Mädchen, Frauen und Männer, x und y. Festgelegte Geschlechterrollen ! Hetereosexualität ! Männlich - Weiblich?

Das Projekt „Blick in die Matrix - Revolution“ setzte die vergangenen Gendermainstreamingprojekte fort. In Theaterstücken gingen wir der Frage nach Rollenverständnissen von Jungen und Mädchen heute nach.

Eine Kernfrage war die nach der heutigen Bedeutung von Genderrollen ? Ist das für Jungen und Mädchen eine Frage, oder werden Rollenmodelle ohne hinterfragen übernommen. Wie kommen Jugendliche mit den Rollenzuschreibungen in der Matrix zurecht ? Werden die in Frage gestellt? Wir wagten einen gemeinsamen Blick in die Matrix und hinterfragten mit dem Publikum die Konstruktion von Geschlecht und Rollen.

Ein Bestandteil des Projektes war die Konzertreihe in-sects, in der wir die Frage stellten, was Pop mit Geschlechtlichkeit zu tun hat ? Inwieweit ermöglicht es Popmusik die „Matrix“ zu „queeren“? Vor dem Konzert gab es einen Vortrag zu „Geschlechterverhältnissen in der Punk – und Hardcoreszene“. Im Anschluss gab es intensive Diskussion über „Mackerverhalten“ und die Rolle von Frauen in der Szene.

Das Theater Karo Acht aus Hildesheim spielte erstmals in der Kraftstation das Stück mit dem provokanten Titel „Geschichten vom Vögeln“, wobei es um Sexualität und dem jeweiligem Rollenverhalten ging. Vier 9. Klassen der Albert – Einstein - Gesamtschule waren zu Besuch. Das Stück wurde begeistert angenommen und in der anschließenden Diskussion überraschend ehrlich über dieses Thema gesprochen.

Das Theaterhaus Frankfurt spielte zum Abschluss des Projektes „Stones“ vor 10. Klassen der Gesamtschule. Erstmals fand das in der Kraftstation statt, die neuen höheren Räumlichkeiten machten es möglich.

Zwei Jugendliche werfen Steine von einer Brücke und töten dabei einen Autofahrer. Zwei Polizisten befassen sich mit dem Fall. Zwei Schauspieler spielen in diesem authentischen Fall alle Rollen. Ein Theaterstück in atemberaubender Geschwindigkeit. Ein großer Erfolg.

Die Veranstaltungsreihe war wieder ein großer Erfolg. Gerade in der schwierigen Altersgruppe 14 – 17 Jahren werden in Remscheid kaum thematische Theaterstücke angeboten. Positiv ist auch die Zusammenarbeit mit der nahen Gesamtschule, die intensiviert wurde.

 

 

Nr. 38a) Kraftstation Remscheid - politpop – Pop in Opposition

 

„Pop ist wie das Leben selbst: überraschend, unvorhersehbar und eigenwillig. Manchmal will er die Welt vergessen und manchmal verändern.“ ( Martin Büsser in „On the wild side” 2004)

Das Projekt „Politpop“ knüpfte an vorhergehende Popprojekte in der Kraftstation an. Wichtig ist uns die gesellschaftliche Bedeutung von Popmusik herauszustellen. Pop ist nicht losgelöst von gesellschaftlichen Aspekten, sondern in dieser spiegeln sich „Befindlichkeiten“. Gerade für Jugendliche hat Popmusik eine orientierende Wirkung. Was vermitteln Bands in ihrem Gestus und in ihren Liedern war ein entscheidender Aspekt in diesem Projekt.

Zentral war die Frage, ob es heute noch politische Popmusik gibt, oder der Pop nur noch „niedliche“ Lieder hervorbringt? Wie verhalten sich Bands im Spagat „Wut“ oder „Liebe“? Geht Pop, die KünstlerInnen, in Opposition, oder dominieren Lieder mit Innerlichkeitsbezug. „Gemütlichkeit und Niedlichkeit verdrängen die rebellischen Posen“...,so das die „Popmusik offenbar nicht mehr das Leitmedium ist, über das die Jugend Angst, Wut oder Gegenwehr zum Ausdruck bringt“ (Philipp Holstein „Niedliche Helden“ in RP 07.09.05). Ist der „Kampf“ um das Subversionsmodell Pop verloren angesichts einer zunehmenden Besetzung des Pop durch „hippe Wohlstands – und Wohlfühlpatrioten“ (F. Zaimoglu in Jungle World) ?

Mit dem Projekt „Politpop“ wollten wir diese Entwicklung aufzeigen und mit dem Publikum auf Spurensuche nach politischer Popmusik gehen.

 

Die Veranstaltungsreihe „Politpop“ :

Fotos / Mit / Decorder/ Equal Silence / Vortrag Martin Büsser - Mit den Hamburgern Fotos kam eine Band in die Kraftstation, deren energiegeladenes, wütendes Debütalbum höchstes Lob von Visions bis Zeit bekam und die auch Live überzeugten. Leider mussten Martin Büsser und krankheitsbedingt absagen. Martin Büssers Veranstaltung wurde nachgeholt und war für einen Einzelvortrag gut besucht.

Normahl / Ni Ju San - Ein Abend im Zeichen des Punkrock. Normahl wirkten auch nach über 20 jähriger Bühnenpräsenz unverbraucht und frisch. Die Songs waren für alle die,...die ihr Leben fernab von Globalisierungsgeschwätz, Profitgier und Gewinnmaximierung leben wollen. Für „jugendliche“ Energie im Vorfeld sorgten Ni Ju San.

Tchi / Tut das Not / Madison Zero / Vortrag Mark Terkessidis - Die Indiepopband Tchi aus Braunschweig brachten im Handgepäck Herzblut, ein Augenzwinkern und große Hoffnung mit. Tut das Not aus Süddeutschland reflektieren in ihren Liedern die aktuelle politische und gesellschaftliche Lage. Mark Terkessidis setzte in seinem Vortrag den "Mainstream" der Minderheiten“ in aktuellen Pop – Kontext und kam sehr erfrischend rüber.

Insgesamt waren die Veranstaltungen gut besucht und die Veranstaltungsreihe hat eine hohe Aufmerksamkeit, in der Presse und bei den BesucherInnen erfahren. Inzwischen ist es für die BesucherInnen „normal“, dass es vor den Konzerten einen Vortrag gibt und Pop mit Gesellschaft in Verbindung gesetzt wird.

 

 

Nr, 39) Cobra, Solingen - Trying Babylon - ein Musiktheater

 

Hintergrund - Die Auseinandersetzung mit unterschiedlichen Lebensstilen und Jugendkulturen unterstützt Entwicklungs- und Identitätsprozesse junger Menschen.

Es gibt in Solingen viele verschiedene Jugendkulturen, die oft nur nebeneinander existieren. Um eine Vernetzung dieser Gruppen möglich zu machen ist es notwendig sie zuerst an einem gemeinsamen Projekt zu beteiligen.

Die jungen Erwachsenen bekommen die Möglichkeit, ihre Lebenswelten darzustellen mit den Methoden, die sie täglich umgeben. Durch gezielt eingeplante Diskussionsphasen setzen sie sich mit ihren persönlichen Erfahrungen zur Gestaltung auseinander. Umbruch und Wandel von Jugendkulturen und ihren gesellschaftlichen Herausforderungen werden hierbei zur Sprache kommen. Durch die Umsetzung ihrer Vorstellungen treten sie aus der Konsumentenrolle heraus und lernen stattdessen selbst Präsentationen für ihre Belange einzusetzen.

Kinder und Jugendliche lassen sich von zeitgemäßen Konzepten ansprechen und begeistern. Neben den vielfältigen Anreizen, die Kunst und Kultur gerade für junge Menschen haben, gibt es einen weiteren Aspekt, Tanz, Musik, Theater, Literatur, Kunst oder Medien in die Angebote von Jugendarbeit und Schule zu integrieren – das ist die mögliche Ansprache von Kindern und Jugendlichen mit Migrationshintergrund.

Gerade deren Partizipation ist eine gesellschaftliche Herausforderung an eine erfolgreiche Jugendarbeit – und gleichzeitig eine große Bereicherung. Denn Kinder und Jugendliche mit ihren Erfahrungen und ihrem kulturellen Background prägen auch die kulturellen Programme und Angebote.

 

Die Geschichte - Die biblische Erzählung des Turmbaus zu Babylon ist die Geschichte eines Desasters: Von Hochmut und Selbstüberschätzung geblendet, bauen die Menschen einen Turm, dessen gigantische Höhe bis zu Gott in den Himmel reichen soll. Durch ihre bloße, diesseitige Menschenkraft, so glauben die alttestamentarischen Bauherren, könnten sie sich ihrem Schöpfer ähnlich machen.

Doch Gottes zornige Reaktion auf Anmaßung und Hybris verändert die Welt: Es ist die Sprichwort gewordene "babylonische Sprachverwirrung", mit der er die Arbeit auf einen Schlag zum Erliegen bringt. Die Bauarbeiter des Turms verstehen sich nicht mehr und jeder weitere Versuch, Stein auf Stein zu setzen, versinkt im Chaos der tausend Zungen.

Was bleibt ist eine Bauruine, das Mahnmal menschlichen Hochmuts - und zugleich die biblische Erklärung für die Vielsprachigkeit der Menschen in aller Welt.

Eine folgenschwere Strafe, die zugleich Aufgabe ist: Was die in alle Teile der Welt zersprengten Babylonier trotz unterschiedlicher Sprachen eint, ist die Möglichkeit, aufeinander zuzugehen: sich einzulassen, zu akzeptieren, fremde Sprachen zu verstehen - und den Reichtum der Vielfalt zu entdecken.

 

Kulturpädagogischer Ansatz - Vor dem Hintergrund der biblischen Geschichte des "Turmbaus zu Babel" hat das Jugendmusical BABYLON die verschiedenen Kulturen der Solinger Jugendlichen in einem Gesamtkunstwerk zusammengeführt:

Die kulturellen "Sprachen" der Jugendlichen (Musik, Tanz, Theater, Medien etc.) als Äquivalent zu den Sprachen der gescheiterten Babylonier bildeten die Basis der Produktion. Die Situation der vielfältig kulturell interessierten und tätigen Jugendlichen, die sich facettenreich in verschiedensten Kunstformen ausdrücken, sich jedoch auch voneinander abgrenzen und dabei bestenfalls tolerieren, wird also auf die babylonische Folie projiziert.

Dabei sollen die Kulturformen einander befruchten, miteinander verschmelzen, sich gegenseitig bereichern und ein homogenes, ungewöhnliches "Ganzes" erzeugen - keine "Nummernrevue" nacheinander auf die Bühne gebetener Acts.

Die Jugendlichen waren sehr begeistert und haben stark von der Produktion profitiert. Ein Beispiel hierfür war die Mädchenrap Combo „Die rappende Rasse“, die inzwischen schon mehrere Auftritte hatte. Manche Jugendliche kamen auch ohne Begleitung.

Die Jugendlichen sind zusammengewachsen, es ist aber auch wichtig, dass sie zuerst durch Bezugspersonen zu den Proben gebracht werden. Später, wenn Bezüge zu den anderen Jugendlichen hergestellt worden sind, entsteht eine Eigendynamik, ein verstärktes Eigeninteresse.

Insgesamt standen 32 Jugendliche auf der Bühne, über 100 Teilnehmer haben mitgemacht, haben sich miteinander vernetzt, verknüpft, geschnuppert, Es ist ein Teamgeist entstanden, Kompetenzen und höhere Verbindlichkeiten wurden entwickelt. Auf dem Nachtreffen wurde klar, sie wollen weiterarbeiten. Eigene Ideen von Jugendlichen konnten verwirklicht werden.

Das Projekt begann im Januar 2006 mit der Orientierungsphase, danach gab es die Workshopphase und im August-September wurden die verschiedenen Workshops zusammengeführt zu einem kompletten Stück. mit 2 Aufführungen (COBRA und im Rahmen des Bergischen Jugendkulturfestivals). Das Projekt endete im Oktober mit der Auswertung und Reflexion.

Eine Weiterführung des Projektes „Trying Babylon ist auch für das Jahr 2007 angedacht.

Als kulturpädagogische Facheinrichtung konzipiert und organisiert der Verein im Kommunikationszentrum „Cobra“ im Bereich kultureller Bildung Projekte für Kinder, Jugendliche und Erwachsene, soziokulturelle Projekte, Weiterbildung, Veranstaltungen, sowie diverse Serviceleistungen.

Ziel war und ist es, den kreativen, verantwortungsvollen und selbständigen Umgang mit Musik, Kunst, Theater und Medien zu unterstützen. Die Förderung der Gesamtpersönlichkeit, die Auseinandersetzung mit aktuellen künstlerischen und gesellschaftlichen Entwicklungen, die Arbeit mit Mädchen und Jungen sowie die Integration ethnischer, religiöser und sozialer Gruppen charakterisieren die Arbeit des Vereins „Die Provinz lebt“.

Kooperationspartner - Das Projekt Babylon wurde in Kooperation mit dem Kinder- und Jugendtheater Wuppertal, der Jugendförderung Solingen, den Hauptschulen Central und Krahenhöhe sowie dem Kulturbüro Solingen durchgeführt.

 

 

Nr. 84) Kulturinitiative Werl - Werlside Story

 

Unter der Anleitung von zwei künstlerischen Leiterinnen erarbeiteten 20 Jugendliche ein Theaterstück mit viel Musik und Tanz.

Der Aspekt der Ausbildung spielte eine wesentliche Rolle. Mehr noch als die Aufführungen, obgleich diese den Höhepunkt für die Teilnehmer darstellten, stand die Erlernung von künstlerischen und kreativen Kompetenzen im Vordergrund. Neben den Bereichen des Schauspielens und der darstellenden Kunst wurden die Protagonisten auch ausgiebig auf den Gebieten Tanz und Musik gecoacht. Parallel wurden begleitende Workshops zu Video- und Fotoerstellung sowie Ton- und Lichttechnik angeboten. Die Jugendlichen, die hieran teilnahmen, begleiteten das Projekt dokumentarisch bzw. übernahmen die Licht- und Tontechnikbetreuung an den Veranstaltungsabenden.

Ab Anfang April wurden Teilnehmer akquiriert, bis zu den Sommerferien wurde die Rahmenorganisation vorangetrieben, die Öffentlichkeitsarbeit intensiviert und Inhalt und Konzept weiterentwickelt. Ab Mitte August, nach den Ferien, begann dann das aktive Proben und die begleitenden Workshops wurden in der Folgezeit abgehalten. Die Aufführungen am 20., 22. und 23.10. waren ein voller Erfolg. Für einige Besucher blieben teilweise nur noch Stehplätze. Das Publikum zeigte sich begeistert. Das Medieninteresse war groß und das Projekt wurde von der lokalen Presse über die Monate ausgiebig begleitet und es wurde umfassend publiziert. „Wir könnten Helden werden“ wurde unterstützt durch nahezu alle Werler Jugendeinrichtungen. Die Kooperation erwies sich als sehr fruchtbar und es wurden zahlreiche Erfahrungen für weitere Aktivitäten im Jugendkulturbereich in Werl gesammelt. Nun ist man bestrebt, die gewonnen Impulse und Ressourcen auch für das kommende Jahr zu aktivieren und weitere Strukturen für gezielte Jugendkulturarbeit aufzubauen.

 

 

Nr. 42) Die WerkStadt, Witten – DisTanz

 

Im Oktober 2006 wurde das Tanztheaterprojekt „Distanz“ durchgeführt! Ein Choreograph, eine Kulturpädagogin und die Pädagogin aus dem JFH Vormholz haben das Projekt gemeinsam geplant und umgesetzt.

Als Auftakt wurde am 16. September 2006 eine Audition veranstaltet! Durch einen Flyer, ein Radiointerview und die örtliche Presse wurden die Jugendlichen darauf aufmerksam gemacht. Durch die Teilnahme an einen Tanzworkshop, ein Schauspieltraining und die Möglichkeit vorzusingen wurden aus 35 Jugendlichen 23 ausgewählt, die an dem Projekt teilnehmen konnten! Die Jugendlichen kamen aus Witten, Dortmund, und Dülmen und waren zwischen 13 und 19 Jahren alt.

2 Wochen lang wurde täglich hart gearbeitet. Ein Tanztraining bildete den täglichen Einstieg, die zweite Hälfe des Tages wurde thematisch gearbeitet.

Die Jugendlichen haben ihre Erfahrungen rund um das Thema Distanz eingebracht. Diese waren sehr vielfältig. So hatten fast alle schon einmal erlebt, dass sie aus unterschiedlichen Gründen ausgeschlossen wurden. Zu diesen Gründen zählten: Einfach „Anderssein“, als Junge zu tanzen, andere Musik zu hören, keine Markensachen zu tragen, die Nationalität…! Dies reichte oft aus, um sehr gravierende Reaktionen bei MitschülerInnen hervorzurufen.

Die Jugendlichen haben sehr offen über ihre Erfahrungen gesprochen. Drei Mädchen wurden dadurch ermuntert von ihren persönlichen Gewalterfahrungen in Beziehungen zu berichten.

All diese persönlichen Erlebnisse, aber auch theoretische Auseinandersetzung mit dem Thema sind in das Stück eingeflossen.

Die Jugendlichen haben zunächst selbst Szenen entwickelt, die dann mit Hilfe der Dozenten theatral ausgearbeitet wurden. Die TeilnehmerInnen haben selbst Songtexte geschrieben und die Songs gesungen. Ein Junge hat ein Stück auf dem Klavier selbst komponiert.

Die HipHop Tänze fügten sich thematisch in das Stück ein.

Entstanden ist eine dreiviertel Stunde lange Collage zum Thema Distanz, die durch eine Rahmengeschichte und eine Erzählerin den roten Faden erhielt. Durch die Auswahl der Jugendlichen zu Beginn des Projektes, ist das Tanztheaterstück tänzerisch, schauspielerisch und gesanglich qualitativ sehr hochwertig einzustufen. Durch die Bühnentechnik wurde die Professionalität noch untermauert.

Das Stück wurde einmal in der WERK°STADT am 14.10.2006 und einmal im JugendFreizeitHaus Vormholz am 15.10.2006 aufgeführt.

Es ist geplant im nächsten Jahr weitere Auftrittsmöglichkeiten auch in anderen Städten zu organisieren. Konkret ist eine weitere Aufführung im Depottheater in Dortmund im Februar 2007 geplant!

Grundsätzlich ist das Projekt als voller Erfolg zu werten. Die Jugendlichen haben die eigenen Erfahrungen in einer professionellen Form auf die Bühne gebracht. Diese Erfahrung hat ihr Selbstbewusstsein extrem gesteigert. Die Atmosphäre war durchgehend sehr positiv und die Jugendlichen waren mit vollem Einsatz und Kreativität bei der Sache. Es ist ein außergewöhnliches Gruppengefühl entstanden. Hervorzuheben ist die Zusammensetzung der Gruppe: Viele der Teilnehmerinnen kommen aus sozial sehr schwierigen Verhältnissen und haben schon einschlägige Erfahrungen mit dem Gesetz und Grenzüberschreitungen gemacht. Darüber hinaus hat das Projekt die Zusammenarbeit der WERK°STADT und dem JFH Vormholz nachhaltig gestärkt und es ist ein weiteres Projekt für 2007 geplant und beantragt!

 

 

Nr. 43) die Börse, Wuppertal - Träume – ein Musik- und Tanzprojekt

 

Die Traumzeit, die im Nu vergeht (Dora Kelani-Kiama, 14 Jahre)

Im August 2006 starteten die Proben zum 4. Musik- und Tanztheater-Projekt der börse, Wuppertal in Kooperation mit den Gemeinschaftsgrundschulen Hesselnberg und Königshöher Weg.

Unter Anleitung professioneller und pädagogisch erfahrener Wuppertaler KünstlerInnen aus den Bereichen Neue Musik, zeitgenössisches Tanztheater und Bildende Kunst wurde von Kindern aus zwei Grundschulklassen und 17 HauptschülerInnen in einer 4-monatigen Workshop- und Probenphase ein Musik- und Tanzstück erarbeitet.

Jugendliche der Hauptschule Langerfeld gestalten mit Profitänzern bzw. Theater- und Bewegungspädagogen aus Bewegungs-Improvisationen und eigenen Texten eigenverantwortlich eine Choreographie. Mit einer bildenden Künstlerin arbeitet eine weitere Hauptschul- AG zudem regelmäßig im Atelier an der Bühnengestaltung und den Kostümen. Parallel zu der tänzerischen Arbeit entwickeln eine dritte Klassen der uns benachbarten Grundschule GGS Hesselnberg und eine jahrgangsübergreifende Klasse der GGS Königshöher Weg mit ihren Stimmen und ungewöhnlichen Klangkörpern eine Bühnenmusik zu dem Tanzstück. Unter Anleitung zweier Improvisationsmusiker und Komponisten erarbeiten sie in jeweils acht Unterrichtseinheiten in ihren Schulen eine strukturierte Komposition. Tanz, Musik und Gestaltung werden in den gemeinsamen Endproben zu einem Stück zusammengefügt, das mehrmals öffentlich aufgeführt werden wird.

„Träume“ war das Thema, das schon im Dezember 2006 von 57 Kindern und 12 Jugendlichen auf die Bühne der börse gebracht wurde. Die Jugendlichen kamen zum ersten Mal hauptsächlich von der Hauptschule Langerfeld. Diese Gruppe wurde durch einige Teilnehmer des Vorgängerprojektes „Heimat“ ergänzt.

Obschon die 6 leitenden Wuppertaler Künstler schon viel Erfahrung in den letzten Projekten sammeln konnten, hatten sie sich sicherlich nicht träumen lassen, was in dieser kurzen Zeit entstehen würde.

Die Künstler beschreiben in den nachfolgenden Kapiteln ihre Erfahrungen mit diesem Projekt.

Bewährte Konzeption traf auf neue Aufgaben, die sich nicht nur durch das Thema ergaben, das viel Spielraum ließ, aber in seiner Poesie, seiner Emotionalität und seiner surrealen Natur auch eine Herausforderung an die Kinder und vor allem an die Jugendlichen stellte.

Die beteiligten Grundschulen liegen im sogenannten sozialen Brennpunkt. Ziel des Projektes ist es gerade solchen Kindern einen Zugang zur Kultur zu ermöglichen, die in ihrem familiären Umfeld selten dazu Gelegenheit haben. An den beiden Grundschulen haben die Projekte mit der börse inzwischen einen hohen Stellenwert im jährlichen Ablauf, so dass der Rückhalt seitens der Leitung, der Lehrer und auch der anderen Schüler sehr groß ist.

Die Jugendlichen probten in der börse. Für sie war ein außerschulischer Lernort besonders wichtig.

Für die beteiligten Künstler sind die Kinder und Jugendlichen in der Entwicklung des Stückes Partner, mit einem reichen Schatz an Erlebnissen, Phantasie und Fertigkeiten. Das ist eine neue Erfahrung für alle SchülerInnen.

Diese Form der künstlerischen Auseinandersetzung unterstützt wie kaum eine andere Art der Arbeit mit Kindern und Jugendlichen deren gesamte Entwicklung. Das hat das Projekt „Träume“ wieder gezeigt. Auch die positive Resonanz des Publikums zeigte, wie groß das Interesse an solchen Projekten in der Öffentlichkeit ist.

 

 

Ende