Bericht über die Projektmittel 2008 der LAG NW

 

Inhalt

1. Gesamtübersicht

2. Darstellung der einzelnen Projekte

 

1. Gesamtübersicht

 

Die Landesarbeitsgemeinschaft Soziokultureller Zentren Nordrhein-Westfalen (LAG NW) hat 2008 mit den Mitteln des Ministerpräsidenten und der Staatskanzlei des Landes Nordrhein-Westfalen 36 Projekte von 29 Zentren/ Initiativen und KünstlerInnen gefördert.

 

Es gab insgesamt 69 Anträge von 55 Zentren/ Einrichtungen/Initiativen/KünstlerInnen mit einem Gesamtkostenvolumen von 1.153.642 € und einem Zuschußbedarf von 329.679 €. Der Beirat hat in einer Sitzung und einem Mailverfahren für Nachrücker über die Anträge befunden und die obengenannten 36 Anträge bewilligt. Diese Ergebnisse wurden auf den jeweiligen LAG NW Tagungen vorgestellt, diskutiert und letztendlich entschieden.

 

Nach der Abrechnung betrugen die Gesamtausgaben der geförderter Projekte 389.358,43 €. Dabei betrug der Anteil des Landes mit 130.000 € = 33,39 %. Insgesamt wurden 10  Projekte mit 5.000 € und mehr gefördert. 16 Projekte erhielten 3.000 € und mehr und 10 Projekte wurden jeweils mit weniger als 3.000 € aus Landesmitteln finanziert.

 

Die Leistungen Dritter (vor allen Dingen der Kommunen) betrugen 148.041,53 €, das entspricht 38,02  %. Die Leistungen der Kommunen waren jedoch weit höher, denn sie sind entweder Bestandteil innerhalb einer direkten Kooperation und/oder Bestandteil der Zuschüsse zu den Betriebs- und Programmkosten der jeweiligen Zentren. Auf der anderen Seite sind hier auch Landesmittel enthalten, die von anderen Stellen bewilligt worden sind. Die Eigenleistungen der Träger lagen insgesamt bei 70.113,01 €. Das sind 18,01 %.

 

Die Gesamtkosten erhöhten sich um den Betrag von 9.441,90 €, das entspricht 2,49 % Abweichung vom ursprünglichen Kostenplan.

 

Grundsätzlich haben die Zentren in allen Kunst- und Kultursparten (Musik, Theater, Literatur, Medien) sowie spartenübergreifende Projekte durchgeführt. Tendenziell sind die Projekte in erster Linie der Stadtteilarbeit, der Kulturpolitik und dem Kinder- und Jugendbereich zuzuordnen.

 

 

2. Darstellung der einzelnen Projekte

 

Nr. 23 Stephan Us, Münster - Antrag für Nichts

 

Das Projekt Antrag für Nichts wurde erfolgreich durchgeführt. Ich habe null Euro beantragt, null Euro wurde bewilligt, womit ich natürlich nichts anfangen konnte. Ich habe also im prozessorientierten Sinne des Projektes nichts investiert und nichts ausgegeben. Mein Eigenanteil belief sich auf
null Euro, womit ich nichts getan habe. Das Projekt hat niemand wahrgenommen, niemand hat reagiert oder agiert. Es passierte definitiv nichts. Vielleicht passiert ja etwas, wenn dies jemand liest. Reaktionen gerne unter: stephan.us(at)archiv-des-nichts.de
Stephan US möchte allen und jedem Abwesenden für die Unterstützung des Projektes danken.

 


Nr. 63 AlarmTheater e.V., Bielefeld - Mach dich lang

 

Eine generationenübergreifende Theaterbegegnung zwischen arbeitslosen jungen Menschen, der „Jungen Bühne“, der „Alten Bühne“ und professionellen KünstlerInnen aus verschiedenen Kulturkreisen

 

Vorlauf

Aufgrund des durchschlagenden  Erfolges der Produktion Schwund im Jahre 2007 – eine generationenübergreifende Theaterbegegnung zwischen jungen und alten Menschen aus verschiedenen Kulturkreisen und professionellen KünstlerInnen  zum Thema Demographischer Wandel - entschlossen wir uns zu einer Fort- und Weiterentwicklung dieser Erfahrung.

Für das Jahr 2008  entschieden wir uns daher  unter einem Projektschwerpunkt die verschiedenen Erfahrungen zu sammeln und zu vertiefen.

Unter dem Thema “Wo wohnt das Glück“ arbeitete:

Die JUNGE BÜHNE, eine Einrichtung des AlarmTheaters, die seit 2003 durch ihre Produktionen ein breites Publikum fand. Hierbei wurde das Stück „Bonnie und Clyde“ produziert.

die ALTE BÜHNE, die nach der Produktion im letzten Jahr hierfür ins Leben gerufen wurde. Die Produktion „Rosarot und Himmelblau“, ein Schauspiel über ältere Menschen produziert.

Zusätzlich wurden unter dem Titel „Mach dich lang“ anlässlich dieses Projektes 12 jungen Menschen ohne Ausbildungsplatz aufgenommen und geschult und für den Projektschwerpunkt vor und hinter der Bühne eingesetzt.

 

Im Frühjahr 2008 fanden mehrere Vorbereitungstreffen zwischen den TeilnehmerInnen und der Projektleitung des AlarmTheaters statt. In den folgenden gemeinsamen Arbeitssitzungen wurde zunächst die inhaltliche und strukturelle Organisation geklärt, anschließend die Rahmenbedingungen und die Einbindung des Projektes in die Lebenswelt der Akteure. Darüber hinaus kam es zu einer Verständigung über Art und Umfang der theatralen Arbeit und dem Zeitaufwand.

Während auf der einen Seite für „ Bonnie und Clyde“ und „Rosarot und Himmelblau“ Proben und Aufführungstermine festgesetzt wurden, ging es bei dem einzelnen Jugendlichen von „Mach dich lang“ darum, einen Platz in unserem Theater zu finden, um dann praktisch und theoretisch geschult zu werden.

Ziel war es, den Jugendlichen  Einblicke in die verschiedenen Bereiche (Bühnenbild, Schauspiel, Technik, Bühnenbau, Requisite, Video/ Film, Büroorganisation) des Theaters zu geben. Als praktischen Teil arbeitete die gesamte Gruppe bei der Vorbereitung, Durchführung und Nachbereitung der Thementheaterproduktion „Wo wohnt das Glück“.

Anstatt so wie bisher jede Produktion linear für sich zu planen und durchzuführen, mussten hier die Aktivitäten paralell laufen, eine relativ rigides Zeitmanagement eingehalten werden und trotzdem den verschiedenen Produktionsgruppen eine Erfahrung des großen Ganzen vermittelt werden.

 

Daraus ergab sich eine große logistische  Aufgabe, aber auch mentale Herausforderungen diesen Prozess  dynamisch zu begleiten und zu steuern.

Für die insgesamt 30 Akteure vor und hinter der Bühne musste ein genauer Stundenplan und auch ein genaues Skript erstellt werden. Dies entsprach nicht dem herkömmlichen Modus unserer Arbeit: „Jedem seine Zeit, für die Prozesse und Entwicklungen des Stückes…“

Es wurde auch sehr schnell klar, dass zum Teil zeitgleich geprobt werden musste. Auch hier mussten wir unsere bisher praktizierten gruppendynamischen Prozesse modifizieren.

Die TN aus „Mach dich lang“ sollten als Teil ihrer Ausbildung in und hinter den Kulissen mitarbeiten. Dies musste speziell vorbereitet werden, insbesondere in Bezug auf die Dynamik einer so großen Gruppe.

 

Durchführung

Die Voraussetzung für die praktische Teilnahme an der Theaterproduktion  war, dass die Teilnehmer alle Termine wahrnehmen konnten und ein  erfolgreich bestandenes Casting erreichten.

Neben der künstlerischen Arbeit ging es zu einem großen Teil auch um Training der körperlichen Belastbarkeit, da ein nicht kleiner Teil wenig Kondition und körperliche Leistungsfähigkeit hatte.

Klare Regeln wurden von der Projektleitung gleich zu Anfang festgelegt.

Die praktische Durchführung des Projektes erstreckte sich über den Zeitraum von Februar – November 2008.

 

Am Anfang standen die Begegnung und der Austausch zwischen den Akteuren und den KünstlerInnen. In den ersten 2 Blöcken wurden  mit den  TN zeitgleich in verschiedenen künstlerischen Laboratorien (Schauspiel, Akrobatik, Tanz, Rhythmus, Gesang) Material erarbeitet und gesammelt.

Hier galt es die unterschiedlichen Ausgangspunkte für die Sinnfrage des Lebens herauszuarbeiten:

eine Gruppe junger Leute, die sich auf das Leben zu bewegen und trotzdem – oder gerade deswegen - das Extreme in ihrem Dasein suchen, große Risiken und sich auch vom Tod nicht schrecken lassen. Dahinter  aber  auch  Trauer durchscheinen zu lassen, die Furcht und eine tiefe Sensibilität, die nach Ausdruck ringen.

eine Gruppe alter Leute, die das Leben schon fast hinter sich haben. Sie trauern aber nicht ihrer Jugend hinterher, sondern stellen sich dem Jetzt.   Dabei soll kaum eine Frage unberührt gelassen werden: Identität, Liebe, Glück, Sex, Wünsche, Träume und Ernüchterung – alles soll zum Thema werden.

 

Danach trennten sich die Gruppen und wurden „Bonnie und Clyde“ bzw. Rosarot und Himmelblau“ zugeteilt. Während auf der einen Seite für „ Bonnie und Clyde“ und „Rosarot und Himmelblau“ Proben und Aufführungstermine festgesetzt wurden, ging es bei den einzelnen Jugendlichen von „Mach dich lang“ darum einen Platz in unserem Theater zu finden, worin er praktisch und theoretisch geschult wird.

 

„Bonnie und Clyde“ sollte bereits im März 2008 zur Aufführung gebracht werden. Auf Grund der Einbeziehung einer Live Band stellte sich dies aber bald als nicht realisierbar dar.  Des weiteren entschied sich das Theater, nach einer Anfrage des Stadttheaters Bielefeld  für eine Wiederaufnahme der Großproduktion „Schwund“, sodass alle Kräfte darauf konzentriert werden mussten. Die weiteren Proben fanden dann z. Teil im Juni, den ersten Teil des Juli und August statt und die Premiere war am 14. August 2008. Insgesamt wurden 9 Aufführungen realisiert.

 

„Rosarot und Himmelblau“ hatte als Arbeitstitel „Bremen“ und war auch  in der der ersten Fase als eine Art Szenencollage gedacht. Hier sollte neben älteren Akteuren auch eine Musikerin aus unserem Ensemble mitwirken. Nach dem Weggang zweier Akteure aus familiären Gründen, mussten wir die  Konzeption der alten Bühne komplett überarbeiten. Das Scheitern dieses Projektteils kam für uns nicht in Frage. Auggrund dessen entschieden wir uns für ein bereits geschriebenes Stück. Weitere Proben nach der Anfangsphase waren praktisch während des ganzen Monats Mai und von Mitte August bis Mitte September 2008. Premiere war der 18. September 2008. Auf Grund der fortgeschrittenen Zeit konnten nur 6 Aufführungen realisiert werden.

Den TN von „Mach dich lang“ wurden dadurch Einblicke in die verschiedenen Bereiche (Bühnenbild, Schauspiel, Technik, Bühnenbau, Requisite, Video/ Film, Büroorganisation) des Theaters gegeben, worin sie praktisch und theoretisch geschult wurden. Die volle Einbringung der Einzelnen für dieses Projekt wurde stets gefordert.  So arbeitete die gesamte Gruppe bei der Vorbereitung, Durchführung und Nachbereitung der Thementheaterproduktion „Wo wohnt das Glück“.

 

Fazit

Als die  verschiedenen Aufführungen den Prozess enden ließen, war es für alle das Erleben eines großen Erfolges. Trotz zahlreicher Hindernisse und Schwierigkeiten  gelang es uns mit allen Beteiligten vor und hinter der Bühne dieses komplexe Projekt zu realisieren. Den Anspruch unter dem Titel „Wo wohnt das Glück“, sich den  damit innewohnenden Fragen nach dem Leben und dem Tod zu stellen und dies  aus den unterschiedlichen Lebenswelten der Generationen darzustellen, ist  trotz Schwierigkeiten  geglückt.

Die Fort – und Weiterentwicklung unseres Konzeptes „ Junge Bühne“ konnte gewährleistet werden und die erfolgreiche Integration der „alten Bühne“.

Stand bei der Geburt der „Jungen Bühne“ das Konzept  „Theater als Lebensschule“, d.h. Jugendliche aus unterschiedlichen Lebenswelten bei ihren Schritten nach Standpunkten und Verantwortungen des Erwachsenseins zu begleiten, so steht nun die „Alte Bühne“ als Reaktion und selbstbewusste Erklärung in Bezug auf den Demografischen Wandel.

 

Auch waren wir über die Unterstützung vom Land sehr froh und sahen darin eine Bestätigung unser kontinuierlichen und qualitativ hochwertigen Theaterarbeit.

Wir sind sicher, dass bei allen aktiv Beteiligten und auch bei den Besuchern nachhaltige Eindrücke im Gedächtnis bleiben werden. Wir glauben, dass viele Impulse und Anregungen aus diesem Projekt dauerhaft Einfluss auf alle, besonders auf die TN von „ Mach dich lang“ haben werden.

Wie sagte einer der Jugendlichen?

„Man kann überall etwas Besseres als den Tod finden“.

 


Nr. 61 Bahnhof Langendreer, Bochum - 75 Jahre Bücherverbrennung

 

Mit dem  Projekt der politischen Erwachsenenbildung „Bücherverbrennung unter dem Hakenkreuz in Bochum vor 75 Jahren“ “ wurde in Bochum Anfang zwischen Mitte Mai und Mitte Juni 2008 durch eine vielfältige Veranstaltungsreihe ein Beitrag zur Auseinandersetzung mit dem Faschismus und dessen Verfolgung von DichterInnen und DenkerInnen geleistet. An dem Projekt haben sich eine große Zahl Bochumer Initiativen und Institutionen beteiligt.

Als Beitrag des soziokulturellen Zentrums Bahnhof Langendreer bestand in der regelmäßigen Mitarbeit im Vorbereitungskreis des Bochumer Bündnisses gegen rechts , in der inhaltlichen und organisatorischen Vorbereitung und Unterstützung des Gesamtveranstaltungsprogramms, in der Realisierung einer Konzertlesung und einer Kinoaufführung. Von der Realisierung der ursprünglich vorgesehenen Lesungen in Schulen wurde verzichtet, da die beteiligten Schulen und Jugendgruppen sich dazu entschieden haben, die Texte der Autoren, deren Bücher 1933 verbrannt wurden, eigenständig zu bearbeiten. Die Ergebnisse dieser Arbeit wurden am 10. Juni in der Bochumer Innenstadt und in der Christuskirche im Rahmen der zentralen Gedenkveranstaltung präsentiert.

Die künstlerische Bearbeitung von Heinrich Heines „Deutschland. Ein Wintermärchen“ am 1. Juni im Bahnhof Langendreer stellte nicht nur den Dichter, dessen Bücher verbrannt wurden, in den Mittelpunkt eines Abends, die meisterlich-musikalische Bearbeitung ließ die Texte Heines mit seinen scharfzüngigen Urteilen wieder aufleben. Als namhafte VetreterInnen des freien europäischen Jazz unterlegten Günter Baby Sommer, Uwe Kropinski und Katharina Hilpert die historischen Bilder mit freien und strukturierten Improvisationen. Für die leider nicht sehr zahlreich erschienenen BesucherInnen war die Darbietung ein besonderes Erlebnis.

Truffauts berühmter und preisgekrönter Film „Fahrenheit 451“ von 1966 wurde am 18. Juni im endstation.kino gezeigt.  Der Film thematisiert sowohl die repressive Gesellschaft, die Bücherverbrennungen hervorbringt, wie auch die Möglichkeit, sich aus Anpassung und Stillstand zu befreien. Der große, emotional beeindruckende und ambitionierte Film ist in den Kinos kaum mehr zu sehen. Der Film war gut besucht, am anschließenden Filmgespräch mit Rainer Vowe nahmen noch 16 BesucherInnen teil.

Das Gesamtprojekt, bei denen die von der LAG Soziokultur geförderten Veranstaltungen ein integraler Bestandteil waren, hat besonders viele Jugendliche dazu bewegt, sich intensiv mit dem Nationalsozialismus und den Texten der Autoren, deren Bücher 1933 verbrannt wurden, auseinander zu setzen. Da Gesamtprogramm wurde von der Öffentlichkeit gut wahrgenommen.

 


Nr. 62 Konstantinos Andrikopoulos, Bochum - Kommunikation der Kulturen und Generationen

 

Das Projekt hat - wie geplant – mit Erfolg statt gefunden und alle gesetzten Ziele erreicht:

 

1. Es hat viele Menschen, unterschiedlichen Alters (4 bis 70 Jahre), und unterschiedlicher Kulturen  zusammen gebracht, künstlerisch engagiert und feste Beziehungen geknüpft.

Das wurde erreicht durch:

a. Die  ein Jahr lang wiederholten, wöchentlichen Proben (Bochum & Dortmund), ca.  85 Unterrichtsstunden.

b. Weitere verschiedene Zwischenproben mit anderen Initiativen & Kulturgruppen (ca. 30 Stunden)

c. Die  engagierte & professionelle Arbeit des Leiters, der Musiker & der Helfer der Initiative „Paradoxon“.

 

2. Diese Arbeit wurde in großen sowie kleineren Veranstaltungen mit Erfolg präsentiert:

a. 4 mal, Sonntags in der Orthodoxen Kirche Dortmund (Eintritt frei), in Form „Offene Türen“ mit ca. 30 Musikern und Sängern, jedes mal.

b. Friedenskirche, Bochum-Wattenscheid mit 7 Musikern, 2 Chören, 1 Tanzgruppe (insgesamt 60 Künstler)

c. Freilichtbühne Wattenscheid mit 7 Musikern, 1 Chor, 1 Tanzgruppe (insgesamt 40 Künstler)

d. Orthodoxe Kirche Dortmund, Veranstaltung mit Musik, Tanz, Essen, Geschenken für 150 Waisenkinder. 10 Musikern, 1 Tanzgruppe, 1 Chor (insgesamt 60 Künstler)

 

Die Akteure: Initiative „PARADOXON“, Chor „Eppendorfer Liederfreunde“, Junge Chorgemeinschaft Wattenscheid, Byzantinischer Chor der griechisch- orthodoxen Kirche Dortmund, Tanzgruppe „Alexander der Große“, „Terpsichori“ e.V. Leverkusen

 

3. Die Dokumentation des Projektes:

a. durch Profi-Fotografen. Veröffentlichung im Internet & Erinnerungsfotos für die Beteiligten

b. Presseberichte

c. Videoaufnahmen nur mit Technik der Initiative „Paradoxon“

Die Ursprünglich geplante Dokumentation durch die professionelle Produktion einer CD-DVD konnte nicht realisiert werden, da weitere Drittmittel nicht akquiriert werden konnten.

 


Nr. 60 Theater Marabu, Bonn - Experimentierplatz Regie 08

 

Nachdem mehrere Konzepte für den Experimentier Platz Regie eingereicht wurden, entschied sich der Verein marabu projekte e.V. für das Konzept von Jasmin Jerat, die seit 2006 bei JungeBühneBonn mitspielt und sich gerade für den Studiengang „angewandte Theaterwissenschaft“ in Gießen beworben hatte. Mittlerweile hat Jasmin Jerat das Bewerbungsverfahren erfolgreich abgeschlossen und wird ab Oktober 2008 in Gießen studieren. Im Rahmen des Experimentierplatz Regie bekam Jasmin Jerat dabei professionelle Regie-Unterstützung von Tina Jücker und Claus Overkamp vom Theater Marabu.

Die inhaltliche Vorbereitung zu dem Stück begann Anfang Mai 2008, im Mai, Juni und Juli gab es mehrtätige Probenblöcke, ab 01. August begannen die Endproben. Uraufgeführt wurde das Stück am 16. und 17. August 2008.

 

Das Konzept von Jasmin Jerat hatte den Arbeitstitel „Hemmungs-Looser“ unter dem es auch im Spielplan von Theater Marabu angekündigt wurde. Ausgangspunkt ihres Konzeptes war ein aufgeschnapptes Zitat: „Der größte Fehler westlicher Demokratien; die Angst davor Fehler zu machen.“ (Garri Kasparow)

Der Anspruch politisches Theater Politisches zu machen erschien jedoch für das erste eigene Regie-Projekt zu groß und ungreifbar. Deshalb traf die Regisseurin die Entscheidung, beim Umgang mit diesem Thema bei sich zu bleiben. Aus der gesellschaftlichen Angst wird eine subjektive: „Die Angst davor schlechter zu sein als andere.“

Hemmungen: Wie fühlen sie sich an? Was ist das? Wo? Warum? Und wie dagegen angehen?

Nach der ersten Probenphase kristallisierte sich ein dreiköpfiges Schauspiel-Ensemble heraus, das, ohne dass es gewollt war, aus verschiedenen Nationen (Deutschland, England, El Salvador) stammte. Über Improvisationen zum Thema und Versuchen daraus Figuren zu entwickeln, entstand ein körperbetonter Ansatz, der die Analyse von Hemmungen in der Bewegung suchte und zunächst nach den Gründen von „Berührungsängsten“ suchte.

Hinzu kamen Videoszenen, die mit einer ausgebildeten Tänzerin gedreht wurden, und später in das Stück eingebaut wurden. In der mittleren Probenphase wurde sehr viel Material gesammelt und einzelne Szenen entwickelt.

In der letzten Probenphase stieß Kerstin Kurat, Praktikantin beim Theater Marabu, als Regieassistentin dazu und half der Regisseurin, Jasmin Jerat, das umfangreiche Material zu sichten und zu strukturieren. Tina Jücker, künstlerische Leiterin des Theaters Marabu, beriet zunächst im Hintergrund und betreute schließlich die Endproben intensiv, indem sie der Regisseurin das Gesehene durch Fragen spiegelte und eine kritische Gesprächspartnerin war. Bene Neustein sorgte in den technischen Endproben als Lichtdesigner für die so wichtige Strukturierung in Traum- und Alltagsszenen.

 

Zu der Produktion "ausgestiegen – abgefahren“ gab es ein Plakat und eine Postkarte mit Information und Benennung der Darsteller, Informationen zu dem Stück im Marabu-Spielplan 2008 sowie in den monatlichen Brotfabrik-Programmheften.

Im August 2008 fand eine Verschickung des aktuellen Spielplans und der Postkarte von "ausgestiegen abgefahren" an alle weiterführenden Schulen im Bonn Rein Sieg Kreis, an interessierte Einzelpersonen und den Kulturausschuss sowie weitere Kulturinstitutionen statt. Es wurden Vorankündigungen an Presse, Hörfunk, TV verschickt. Zudem wurden Einladungen zur Premiere verschickt. Die Pressekritik war sehr positiv und liegt bei. Anlässlich der großen gemeinsamen Spielzeiteröffnung in der Brotfabrik im August fand eine umfangreiche Ausstellung zu „Experimentierplatz Regie“ statt, welche die Arbeit einer breiten Öffentlichkeit vorstellte.

Mit „ausgestiegen – abgefahren “ ist im Rahmen des Projekts Experimentierplatz 2008 wieder ein aktuelles und erfolgreiches Stück entstanden, das Nachwuchsregisseuren die Möglichkeit gibt, unter professionellen Bedingungen und mit fachlicher Betreuung erste Berufserfahrung zu sammeln.

 


Nr. 59 Brotfabrik, Bonn-Beuel - Seniorentheater-Projekt

 

Konzept

Das Projekt war in drei Phasen gegliedert, die nahtlos in einander übergingen. Die erste Phase ermöglichte es, zwanglos herein zu schnuppern und sich auszuprobieren. So erhielten auch publikumsscheue oder zeitknappe Teilnehmer die Chance, ihre Spiellust und ihr Spieltalent zu entdecken – ohne verpflichtende Teilnahme an der Bühnenproduktion und ohne den vollen Kursbeitrag zu zahlen.

Die zweite und dritte Phase markierten den Unterschied zu üblichen Schauspielkursen. Erklärtes Ziel war es hier, ein Ensemble zu formen, das ein Stück öffentlich darbieten wird. Darüber hinaus sollte eine feste Seniorenbühne mit einem Kern enthusiastischer Darsteller entstehen.

 

Stück

Was ist aus all den Kindern geworden? Das ist die Frage, die sich Theater Uhu, ausgehend von Frank Wedekinds Kindertragödie FRÜHLINGS ERWACHEN, gestellt hat. Angenommen, Wendla wäre nicht an den Folgen der Abtreibung gestorben. Angenommen, Moritz hätte sich nicht erschossen. Und wenn sie nicht gestorben sind, dann leben sie noch heute.

FRÜHLINGS ERWACHEN RELOADED führte die Überlebenden Lichtjahre später zu einem Klassentreffen zusammen. Ein Klassentreffen, das es in sich hat: Partyrausch und Katzenjammer, Lügen und Intrigen, Lieb- und Feindschaften, Erinnerungen und dieses Untier namens Sehnsucht, das uns einflüstert: Ach, wie kümmerlich ist die Wirklichkeit.

 

Umsetzung

Im August 2008 starteten wir mit einem Projektaufruf. Eine Vorankündigung in der Lokalpresse, eine Flyeraktion und eine Präsentation am Tag der offenen Tür der Brotfabrik Bonn sorgten dafür, dass genügend Interessentinnen zusammen kamen. Nach einer längeren Workshop-Phase hatte sich die Gruppe von ca. 30 Interessentinnen auf eine handhabbare Größe von 13 Mitgliedern gesund geschrumpft. (Zeitmangel und gesundheitliche Probleme waren zumeist die Gründe für das Aufhören.) Mit dieser Gruppe gingen wir in die nächsten Phasen. Wir formten ein Ensemble mit dem wir zusammen Figuren und Stück entwickelten. Dann erst setzte mit der letzten Projektphase die eigentliche Probenarbeit ein.

 

Beteiligte

Mitwirkende Darsteller: Kathrin Bechtloff (Jo Roller), Elsa Bleeck (Wilma Berggrün), Shiri Dettmann (Mrs. Smith), Christiane Goepel (Sophie Kötter-Kleinschmidt), Martina Gruber (Maria Kaulbach), Bernd Haslinde (Heinz Schuh), Jochen Krampe (Hektor Gaburg), Petra Marx-Kloß (Erna Röhl), Edith Oepen (Marla Bell), Jannick Tapken (Jan Kaulbach), Monika Tapken (Isabelle), Marion Van Slooten (Grete Klingel), Bärbel Weinstock (Alma Berggrün)

Regie: Volker Maria Engel, Ausstattung & Dramaturgie: Sandra Van Slooten, Regieassistenz: Kathrin Marder, Öffentlichkeitsarbeit: Ulrike Dümpelmann, Projektleitung: Jürgen Becker

 

Erfahrungen

Unsere Erfahrung mit der Seniorentheaterarbeit waren sehr positiv. Die Teilnehmerinnen waren neugierige, reife und vor allem unerschrockene Persönlichkeiten, die neuen Erfahrungen offen gegenüber standen. Wermutstropfen war der akute Männermangel. Wir hatten nur zwei Männer im Ensemble. Ein Problem war auch die Zeitknappheit vieler Mitspielerinnen. Die meisten Seniorinnen stehen noch voll im Berufsleben.

 

Perspektiven des Projekts

Es gab Anfragen von verschiedenen Stellen bei der Stadt Bonn, aber auch aus anderen Städten nach Konzeption und Umsetzung des Projektes. Sollte aus dem Projekt in einer zweiten Phase eine spielfertige Inszenierung entstehen, sind Vorstellungen und Gastspiele (via NRW Seniorenplattform) in Planung. Eine Projektvorstellung beim Tag der Senioren im Kunstmuseum Bonn am 25. April ist in Vorbereitung.

Im Laufe der Zeit ist ein großes Zusammengehörigkeitsgefühl unter den „Uhus“ entstanden, welches weit über die Theaterarbeit hinausgeht. Fast alle möchten bei der nächsten Produktion wieder dabei sein. Zudem gibt es einige neue Interessentinnen, die sich bereits für die nächste Produktion angemeldet und auch bei unseren Treffen hinein geschnuppert haben.



Nr. 58 Brotfabrik, Bonn-Beuel - Factoy reloaded - eine Entdeckungsreise

 

Die achtköpfige Performergruppe von „factory reloaded“ besteht aus Menschen sehr unterschiedlichen Alters mit verschiedener Vorerfahrung und Hauptinteressen. Wir sind dennoch zu einer homogenen Gruppe zusammengewachsen, die Stimmung bei der bisherigen Zusammenarbeit war von Neugierde geprägt. Alle konnten sich einbringen und den anderen so einen Einblick in die eigenen Interessen gewähren. Wir profitierten von unterschiedlichsten künstlerischen Ansätzen und hatten Gelegenheit voneinander zu lernen, neue Kontakte zu knüpfen und bisher Unerfahrenen den Zugang zu Performance und tänzerischer Improvisation zu ermöglichen. Die Brotfabrik nahm den von der UNESCO

ausgerufenen Welttanztag zum Anlass am 26.04. ein Minifestival zu veranstalten. Im Verlauf des Tages gab es kurze Präsentationen der Kindertanzkurse, ein Bühnenprogramm und einige Performances im öffentlichen Raum. Auf Grund des großen Publikumsandranges wurde entschieden, dass wir unser „work in progress“ zwei Mal vorführen. Das Publikum teilte mit, dass es die Stimmung im Haus als sehr positiv empfunden habe und berichtete im Zusammenhang mit unserer Performance von positiven Überraschungs- und Irritationsmomenten. Alle Performer und andere Mitwirkende (Musiker, Fotografen und bildende Künstler) des Projektes „factory reloaded“ waren begeistert von

der gemeinsamen Arbeit. Es wurden weitere Zusammenarbeiten vorgeschlagen.

Leider hatten wir nicht die Möglichkeit uns die anderen Performances anzusehen, da vieles parallel gezeigt wurde. Es gab aber viele Gespräche, die von großem Interesse für die Arbeit der anderen zeugten.

 


Nr. 66 balou e.V., Dortmund – Familiengeschichten

 

Neun Kinder und Jugendliche im Alter ab 11 Jahren setzten sich in der zweiten Woche der Osterferien 2008 mit einem ganz besonderen Aspekt des Themas „Generationen“ auseinander – der eigenen Familiengeschichte. Zielsetzung des Projektes war es, den TeilnehmerInnen einen anderen Zugang zur Geschichte zu eröffnen und sie zur Reflexion der eigenen Werte und Vorstellungen – in Bezug gesetzt zu denen ihrer Großeltern – anzuregen.

Der erste Tag begann mit einer großen Kennenlernrunde und entsprechenden Kennenlernspielen. In dieser Runde war es den TeilnehmerInnen auch möglich, ihre Erwartungen und Wünsche sowie eigene Zielsetzungen zu formulieren. Schon in dem ersten anschließenden Brainstorming zum Thema „Generationen“ sammelten die Kinder und Jugendlichen viele Ideen und auch Fragen, die ihnen wichtig erschienen. Zwei Jugendliche hatten bereits mit ihren Großeltern gesprochen und diese zu einer Mitarbeit im Projekt gewonnen. Die Kursleiterin Nicola Multmeier hatte viel technisches Equipment mitgebracht, das die TeilnehmerInnen sogleich faszinierte. Doch vor der Praxis stand die Theorie: ein kleiner Exkurs zum Thema „Vom Foto zum Film“ führte in die Grundlagen der Film– und Kameratechnik ein. Dann durften sich die TeilnehmerInnen zum ersten mal ausprobieren und erste Übungen mit Kamera, Licht und Ton durchführen. Dafür wurden dann auch Testinterviews durchgeführt, in deren Verlauf jeder zumindest einmal Kameramann sein durfte. Die Möglichkeit, sich selbst auf dem Display zu sehen und sich reden zu hören, sorgte bei den meisten TeilnehmerInnen für Gesprächsbedarf und so kam es ganz ungezwungen zu einem Erfahrungsaustausch, bei dem die Einstellungen gelobt und kritisiert wurden. Nach diesen Übungen fühlten sich alle bereit, die ersten regulären Aufnahmen zu machen. Schon in der ersten Runde war besprochen worden, vor den Interviews mit den Großeltern, die am nächsten Tag folgen sollten, untereinander fiktive Interviews durchzuführen. Inhaltlich sollten dabei Großeltern des Jahres 2078 – also die jetzt jungen TeilnehmerInnen – von ihren Enkeln nach ihrem Leben, ihren Werten und Vorstellungen befragt werden und dann umgekehrt diese befragen. Nachdem die ersten Vorüberlegungen abgeschlossen worden waren, ging es an das Zusammenstellen der Requisiten. Besonders wichtig war den älteren teilnehmenden Mädchen auch der Aspekt des Schminkens und Verkleidens. Dann konnten die Zukunftsgroßeltern und die Zukunftskinder ausgestattet werden und der erste Dreh der gespielten Interviews konnte stattfinden.

Am zweiten Tag freuten sich alle schon auf den Besuch bei den – für die meisten ja fremden – Großeltern. Die Vorbereitung auf diese Interviews war sowohl von technischer als auch von journalistischer Seite besonders bedeutend. Von der journalistischen Seite war für die Planung in erster Linie wichtig, was die Interviewer eigentlich erfahren wollten. Nach den entsprechenden Überlegungen wurde ein Fragenkatalog zusammengestellt. Die Kursleiterin ging mit den TeilnehmerInnen auch ganz bewusst Verhaltensregeln des journalistischen Arbeitens durch. Zu den technischen Vorbereitungen zählte zunächst das Überlegen, welches Equipment gebraucht werden würde. Dieses stellten die TeilnehmerInnen dann zusammen, testeten es und verpackten es sorgfältig. Da die beiden Großelternpaare, die sich zur Mitarbeit bereit erklärt hatten, im Stadtteil wohnten, machte sich die Gruppe zu Fuß auf den Weg. Sie wurde sehr herzlich empfangen. Ihre Interviewpartner schauten mit ihnen alte Fotoalben durch und freuten sich über Nachfragen der jungen Generation. Oft staunten die Kinder und Jugendlichen, wie es vor mehr als 50 Jahren in er Schule zugegangen war oder wie zu damaligen Zeiten die Umgebung der Kinder gewesen war. Nach dem ersten Interview setzten sich die TeilnehmerInnen mit der Kursleiterin für eine Auswertung zusammen. Lob und Kritik wurden geäußert. Dann machten sie sich zu dem zweiten Großelternpaar auf. Das Interview, dass sie hier führten, hatte sehr emotionale Momente, allerdings bat der Großvater darum, einige Teile nicht zu senden – ein Wunsch, der dann auch respektiert werden muss.

Am dritten Tag sollten die Jugendlichen Interviewsituationen auf der Straße suchen. Die Interviewpartner befragt werden, was ihnen zum Stichwort „Generationen“ einfiel. Wieder stand zuerst die Vorbereitung an. Die TeilnehmerInnen führten gemeinsam ein Brainstorming durch zum Thema „Was möchte ich erfahren?“ und erstellten einen Fragenkatalog. Die Verhaltensregeln für Straßeninterviews wurden durchgegangen. Dann stellten die Kinder und Jugendlichen das benötigte Equipment zusammen und führten Tests durch. Anschließend gab ihnen die Kursleiterin noch Tipps und Tricks für bessere Bilder und erfolgreiches Befragen mit auf den Weg. Zur Umsetzung des Erlernten machten sich die TeilnehmerInnen in zwei Gruppen auf, um Passanten in Dortmund – Brackel zu befragen. Wieder im balou wurde gemeinsam das Material gesichtet und in der gesamten Gruppe ausgewertet. Nach einer Pause wurde das Thema des ersten Tages – die fiktiven Interviews – noch einmal aufgegriffen. Durch die Erfahrungen der vergangenen beiden Tage, besonders auch durch die Gespräche mit den Großeltern, hatten sich die Vorstellungen der Kinder und Jugendlichen erweitert, so dass die nun entwickelten Szenen einen anderen Charakter hatten als die ersten. Beim Dreh konnte jeder einmal Kameramann, Regisseur, Schauspieler, Tonmeister, Maskenbildner, Ausstatter oder Aufnahmeleiter sein.

Am vierten und letzten Tag der Aufnahmen wurde eine Spielszene aus der Zukunft vorbereitet. Einen regen Austausch und auch Diskussionen gab es in der Gruppe zum Drehbuch und den einzelnen Dialogen, die dann auch in Schriftform gebracht wurden. Zusätzlich mussten sich die TeilnehmerInnen auch überlegen, welche Spezialeffekte, die ihnen von der Kursleiterin vorgestellt worden waren, sie in die Szene aufnehmen wollten. Nachdem dann auch noch die Rollenverteilung geklärt war, konnten die Dreharbeiten beginnen. Direkt im Anschluss wurde das gewonnene Material gesichtet und besprochen, so dass bestimmte Szenen auch noch einmal gedreht und verbessert werden konnten. Schließlich wurden auch mit den letzten TeilnehmerInnen, die sich noch äußern wollten, fiktive Interviews gedreht. Abwechselnd konnte wieder jeder einmal Kameramann, Regisseur, Schauspieler, Tonmeister, Maskenbildner, Ausstatter oder Aufnahmeleiter sein. Nachdem die TeilnehmerInnen nun selbst schon benahe Experten in Sachen Film waren, wurde auch dieses Material sofort gesichtet und besprochen. Zum Abschluss traf sich die ganze Gruppe noch einmal in großer Runde.

Die immer sehr aufwendigen Schnittarbeiten fanden in den Räumen der Kursleiterin statt. Einzelne TeilnehmerInnen konnten nach Absprache daran teilhaben.

Die Aufführung des Films fand in Rahmen einer „Premierenfeier“ im balou statt. Sehr stolz konnten die TeilnehmerInnen ihren Freunden und Verwandten, die auch zahlreich mitgekommen waren, ihr Werk präsentieren.

Das Projekt war ein großer Erfolg. Die TeilnehmerInnen – insbesondere auch die Mädchen, denen eine entsprechende Begeisterungsfähigkeit ja oft abgesprochen wird, waren sehr fasziniert von der Technik und haben diesbezüglich einiges gelernt. Das Selbstbewusstsein der TeilnehmerInnen ist durch die Möglichkeit, etwas zu schaffen und vor und hinter der Kamera ernst genommen zu werden, positiv angesprochen worden. Für alle war während der Dreharbeiten das Gespräch mit den Großeltern ein Highlight. Sie als Enkelgeneration konnten sich aus einem Blickwinkel mit der nahen Geschichte befassen, der sonst oft verborgen bleibt – aus der Alltagssicht der Menschen jenseits von Jahreszahlen und großen Namen. Einige Abschnitte des Interviews haben die Kinder und Jugendlichen tatsächlich zum Nachdenken gebracht – so z.B. die Erzählungen eines Großvaters über die Nahrungsmittelknappheit nach dem Krieg und seine Verzweiflung über den heutigen Umgang mit Lebensmitteln. Die TeilnehmerInnen wurden auch angeregt, über die eigenen Vorstellungen nachzudenken. Dies erfolgte in den fiktiven Interviews in besonderem Maß. Natürlich lag der Vergleich mit dem, was die Großeltern erzählt hatten, nah und so auch die Frage nach den unterschiedlichen Einflüsse auf die Werte der jeweiligen Generation. Aus vielen Überlegungen und ernsthafter Auseinandersetzung ist in jedem Fall ein toller Film entstanden.

Durch die Stadt Dortmund wurde das Projekt im Oktober 2008 im Rahmen der Ausschreibung „1000+1 Idee für Familien in Dortmund“ als besonders familienfreundlich ausgezeichnet.

 


Nr. 56 Theater Arbeit Duisburg e.V., Duisburg - Im Ausland wie Glas

 

Die Vorarbeiten zum Projekt begannen Anfang 2008 mit inhaltlicher und organisatorischer Vorbereitung. Zu dieser gehörte insbesondere die Herstellung von Kontakten zu Asylbewerberinnen und Asylbewerbern. Ziel war es, möglichst mit AsylbewerberInnen in Kontakt zu kommen, die in sogenannten Übergangswohnheimen leben.

Dies gelang sowohl in NRW als auch in Brandenburg nicht mit den ersten Anläufen. Mehrere Besuche bei Flüchtlingsberatungsstellen und -Selbsthilfeorganisationen brachten zwar sehr viele Informationen, auch erfuhren wir sehr positive Reaktionen auf unser Vorhaben, dauerhafte, für weitere Arbeit tragfähige Kontakte zu BewohnerInnen von Übergangswohnheimen entstanden aber zunächst nicht.

Es folgten angemeldete Besuche in verschiedenen Wohnheimen in Duisburg, Oberhausen, Berlin, Potsdam, Henningsdorf und Luckenwalde. Hier bestand die Schwierigkeit, entweder mit Hilfe der Heimleitungen oder (besser) zwar mit deren Wissen und Zustimmung, aber selbständig in Kontakt zu den BewohnerInnen zu kommen. Dieser entscheidende Schritt gelang in Oberhausen, Henningsdorf und Luckenwalde, wo zu mehreren BewohnerInnen erste und zunehmend intensive Kontakte entstanden. Einzelne Kontakte entstanden zudem zu zwei jungen Frauen in Düsseldorf, einem jungen Paar aus Duisburg und einem Mann aus Berlin, die nicht in Asylunterkünften leben (der Mann, Abdoul Rafiou Yacoubou, hatte bereits ein mehrjähriges Asylverfahren hinter sich und lebte illegal in Berlin).

Die praktischen Projekt-Arbeiten begannen auf dieser Basis im August 2008. In Oberhausen waren unter den angesprochenen AsylbewerberInnen viele Kinder und Jugendliche. Unter Beteiligung von (türkischen und deutschen) Mitgliedern des TAD-Jugendtheaters "Junges Theater Bruckhausen" und den vier Projekt-Beteiligten aus Düsseldorf und Duisburg fanden mit diesen Jugendlichen an mehreren Wochenenden im August, September und Oktober 2008 Workshops (Theater, Musik, Tanz) in Duisburg (Hennes-Lokal und Musikprobebunker Marientor) und Oberhausen (im und um das Wohnheim Weierstraße herum) statt. Als besonders spannende Spielfläche wurde eine alte Industrie-Brache hinter dem Wohnheim Weierstraße entdeckt. Einige Sequenzen aus den Theater-Improvisationen auf dieser Brache fanden später Einlass in den Film zur Aufführung.

In Henningsdorf und Luckenwalde waren die AsylbewerberInnen älter und lebten seit erst kürzerer Zeit in Deutschland. Hier bewegte sich die gemeinsame Arbeit von vorne herein auf der Ebene des Erzählens – ihrer real erlebten sowie literarischer und erfundener Geschichten. Insbesondere Stella Cristofolini vertiefte über mehrere Wochen regelmäßiger Besuche in den Wohnheimen in Henningsdorf und Luckenwalde die Beziehungen und die nötige Vertrauensbasis zu den BewohnerInnen. Erste Gesprächs-Aufzeichnungen erfolgten auf dieser Basis im Dezember 2008.

Ende Dezember 2008 bis Anfang Januar 2009 erfolgte ein in drei Phasen unterteilter Arbeits-Aufenthalt in Kaperich (Eifel). Die erste Woche stand im Zeichen der abschließenden Materialsammlung in gemeinsamen und zuletzt in einzeln geführten und aufgezeichneten Gesprächen. Über Sylvester wurde aus diesem und dem bereits vorher vorhandenen Material der Stücktext komponiert. In den ersten Tagen des Januar wurde der literarische Teil des Textes (Ausschnitte aus Aglaja Veteranyis Warum das Kind in der Polenta kocht) aufgenommen, weitere Videoaufnahmen ausprobiert und die Bühnenlösung konzipiert und erprobt.

Nach der Rückkehr nach Duisburg und Berlin begann die Schlussprobenarbeit, in Berlin mit Arbeit am Bühnenbild, in Duisburg mit verschiedenen Versuchen zu szenischen Lösungen. Mitte Januar wurde das Bühnenbild im Hennes-Lokal in Duisburg installiert, die letzte Probenwoche wurde in diesem Bühnenbild abgehalten. Hier entstand die letztendliche Lösung für die Aufführung, in welcher die szenische Handlung auf ein pantomimisches (v.a. Schatten-) Spiel minimiert und eine Komposition aus diesem Spiel, dem Bühnenobjekt (Zelt, schwebendes Schiff), Lichtspielen sowie Ton (Stücktext, Geräusche) und Videoprojektionen erschaffen wurde.

Besondere Erlebnisse – insbesondere für die am Projekt beteiligten AsylbewerberInnen – waren die Aufführungen des Stücks. Die Premiere im Hennes-Lokal in Duisburg war insbesondere eine Feier für die am Projekt beteiligten Jugendlichen aus Oberhausen, deren Familien und Freunde (die als GesprächspartnerInnen und Beteiligte der Workshops auf der Brache in Oberhausen zu großen Teilen ebenfalls am Projekt beteiligt waren) die Aufführung besuchten. Zum Schlussapplaus kamen so fast 1/3 der ZuschauerInnen mit auf die Bühne.

Auch die Theorie-Veranstaltung am Abend nach der Premiere stand im Zeichen des Schicksals der beiden am Projekt mitwirkenden Familien aus Oberhausen. Ein örtlicher Mitarbeiter von Amnesty International, der sich seit Jahren für ein Bleiberecht dieser Familien einsetzt, war Hauptreferent an diesem Abend.

Es folgten Aufführungen in Düsseldorf (hier nur als Hörspiel + Film, da der Raum für die Bühnenlösung zu klein war), Dortmund, Essen (im größten Raum, dem Maschinenhaus der Zeche Carl) und Krefeld, ehe für viele Beteiligte der Höhepunkt des Projekt anstand: die Reise nach Berlin und Luckenwalde.

Aus Oberhausen fuhren drei Jugendliche mit nach Berlin. Es war für sie der erste Besuch dieser Stadt und ein großartiges Erlebnis. Aber eben als solches auch ein trauriges, da die aufkommende Begeisterung nicht zu "Hier will ich auch mal leben"-Plänen führte, sondern dieser sich einstellende Wunsch sofort gebrochen wurde durch das Wissen, dass ihnen diese Entscheidung nicht frei steht. Ihr Realismus/Pessimismus war größer als ihre Kraft zu wünschen. Uns (TAD) verwies das Miterleben dieser im klassischen Sinne tragischen Situation noch einmal deutlich auf den gleichberechtigt neben dem künstlerischen stehenden humanen und politischen Aspekt des Projekts.

Dieser Aspekt stand auch im Mittelpunkt einer langen und intensiven Diskussionsveranstaltung nach der Aufführung in Luckenwalde, an der neben den aus NRW mitgereisten Projektbeteiligten auch AsylbewerberInnen aus dem örtlichen Übergangswohnheim teilnahmen. Es kamen dort Menschen aus Luckenwalde miteinander ins Gespräch, die zu einem solchen zuvor nicht gefunden hatten. Konkrete Ideen für eine bessere Integration der BewohnerInnen des Übergangswohnheims in das Leben vor Ort und für Möglichkeiten ihrer Unterstützung entstanden, ihre Umsetzung wurde verabredet. Und der örtliche Fußballverein erfuhr, dass mit Serge Ndama ein ehemaliger Profifußballer aus Kamerun im Ort wohnt. Er trainiert nun Jugendmannschaften in Luckenwalde.

Der Höhepunkt der Reise war das abschließende Gastspiel in der Theaterkapelle in Berlin. Mit einer Aufführung des Stücks vor ausverkauftem Haus und mit sich an die Aufführung anschließenden Gesprächen aller Beteiligten mit den BesucherInnen bis tief in die Nacht fand das Projekt einen ersten großartigen Abschluss.

Aber es ging und geht weiter. Am 11./12. Mai 2009 präsentierte TAD "Im Ausland wie Glas" auf der Fachtagung "Ausländerpolitik im Wandel" in der katholischen Akademie in Mülheim. Im Juni wird es eine weitere Aufführung in Berlin geben und im Juli auf dem Festival "Stoppt die Landflucht" in Velbert. Die Aufführung in Mülheim fand statt mit dem Wunsch, das Schicksal der seit 18 Jahren in Oberhausen lebenden AsylbewerberInnen in die auch von politisch Verantwortlichen besuchte Fachtagung einzubringen. Alle zukünftigen Aufführungen dienen zugleich der Sammlung von Spenden für die Ermöglichung einer Wiedereinreise von Abdoul Yacoubou, der zwischenzeitlich verhaftet und nach Togo abgeschoben wurde.

Auch der Kontakt zu den meisten anderen am Projekt beteiligten AsylbewerberInnen besteht weiter. So wirkt, wie erwartet, der menschliche, soziale, politische Teil der Projektarbeit über die praktische Theaterarbeit hinaus weiter.

 


Nr. 52 Klaus Klinger, Düsseldorf - 5mal5

 

Künstler und Mitarbeiter: Ben Mathis, Till Martin Köster, Christian Bolte, Klaus Klinger, MaJo Brothers

Marq Eichberger                                                                                                       

 

Am 13.09.2008 endete die Wandmalaktion auf der Kiefernstraße mit einem großen Abschlussevent. Ein ganzer Straßenzug, 14 Häuser, sind von Künstlern in den letzten vier Jahren gestaltet worden. Die letzten 5 Häuser wurden jetzt fertig gestellt, nach monatelangen Vorbereitungen und Treffen mit den Hausbewohnern.

Sicherlich ist damit die Straße zur einer der künstlerisch interessantesten Straßen hier in Düsseldorf und weit darüber hinaus geworden.

Am 13.09. wurden die neuen 5 Kunstwerke offiziell eingeweiht, ab 19.00 gab es Live-Musik von Düsseldorfer Bands, später am Abend drehten DJs an ihren Plattentellern. Damit bedankte sich die Künstlerkooperation 5mal5 bei allen Freunden, Helfern und Sponsoren.

Die Kiefernstraße in Düsseldorf, besetzt 1985, „berühmt und berüchtigt“ wie die Hamburger Hafenstraße, ist mittlerweile befriedet und wurde jetzt zu einer der interessantesten künstlerisch gestalteten Straße in Deutschland. Seit Jahren wurden die Hausfassaden nach und nach von unterschiedlichsten Künstlern in Absprache mit den Hausbewohnern gestaltet, immer mit wenig Geld und viel persönlichem Einsatz.

Mit weiteren fünf großflächigen Wandbildern ist 2008 die gestalterische Lücke auf der Kiefernstraße geschlossen worden, so dass ein ganzer Straßenzug ein lebendiges Kunstwerk bildet

 

Ziel der Aktion ist es, das Besondere der Kiefernstraße durch die weitere

künstlerische Gestaltung zu unterstützen.

Ein Vorhaben, das auch angesichts der geplanten Neugestaltung des Oronto-Geländes an der Erkrather Straße und dem Bau des neuen Justizzentrums an der Werdener Straße von hoher Aktualität ist. Schließlich werden sich durch die groß angelegten Baumaßnahmen Gesicht und Bedeutung des Stadtteils nachhaltig verändern, so dass auch in dieser Hinsicht der Erhalt der Straße eine wichtiges

Anliegen ist. Nicht nur das durch die Aktion die Fassaden repariert und ausgebessert werden, sondern es entsteht auch äußerlich eines der interessantesten Straßenbilder von Düsseldorf und darüber hinaus. Schon im vergangenen Jahr gab es eine Reihe von Gesprächen mit den Bewohnern der Häuser und im Dezember 2007 eine erste Veranstaltung auf der Kiefernstraße, wo die Künstler erste Ideen bezogen auf die Anregungen der Bewohner präsentierten.

 

Düsseldorf (9/2008) Vorwitzige Affen schwingen sich von Ast zu Ast, während die Achterbahn durch die vierte Etage des bunten Kinder-Clubs saust. Nebenan eine Erinnerung an alte Zeiten, aber immer noch aktuell „Besetzt leere Häuser statt andere Länder“ steht über dem Bild, der Geier auf dem Schornstein wartet noch auf Spekulationsgewinne und der Ordnungsdienst späht von den Alkoven auf das bunte Käfergewimmel auf dem nächsten Haus. Dazwischen das einzige unbemalte Haus, die Bewohner konnten ihren Diskussionsbedarf auch noch nach einem Jahr nicht zu Ende bringen. Unbeeindruckt davon schlängelt sich ein chinesischer Glücksdrachen durch farbige Wolken, ein Motiv von den Anwohnern des Hauses gewünscht. Es ist eine wahrlich illustre Gesellschaft, die die fertigen Fassaden der Kiefernstraße bevölkern, selbst die Schornsteine sind in die Gestaltung einbezogen

„Müde aber glücklich“, beschreibt Ben Mathis, einer der 5 Künstler von 5mal5, seinen Gefühlszustand angesichts der Fertigstellung seines Wandbildes auf der Außenwand von Haus Nr. 7. Wie seine Kollegen hat der 31-jährige vier Wochen lang täglich an seinem Kunstwerk gefeilt, bis er endlich fertig und zufrieden war. Jetzt hat er seinen buchstäblichen Schluss-Strich gezogen.

„Wir sind froh, dass wir rechtzeitig fertig geworden sind“, seufzt Till Martin Köster, der zusammen mit Christian Bolte mit viel Liebe zum Detail Käfer um Käfer auf den „Felsen“ der Hausnummer 11 entstehen ließ. „Das Wetter drohte uns einen dicken Strich durch die Rechnung zu machen, zwischendurch schien es wie ein Wettlauf gegen die Zeit.

Besonderen Dank von 5mal5 gilt daher auch den vielen Freunden und Helfern, die ihnen tatkräftig und ehrenamtlich zur Hand gegangen sind. „Ohne sie hätten wir es sicher schwerer gehabt“, versichert Klaus Klinger von Farbfieber e.V. Der Kinderclub der Straße stellte für die vielen Treffen und das Material seine Räume zur Verfügung, Freunde halfen bei der Vorbereitung der Hauswände, der Veranstaltungen und Feste.

Im Namen von 5mal5 bedanken sich die Künstler auch bei den privaten und offiziellen Sponsoren, die die Aktion überhaupt erst ermöglicht haben: Das Kulturamt Düsseldorf, die LAG Soziokultur NRW, das Stadtteilbüro Flingern, die SWD Städtische Wohnungsgesellschaft AG, Sonnen-Herzog, Montana Cans und die Slowboys haben dazu beigetragen, auf der ehemalig besetzen Straße in Düsseldorf Flingern ein besonderes Kunstwerk entstehen zu lassen.

Dokumentiert ist das Projekt mit einem 20 Minuten Video, das auch demnächst im lokalen Programmkino läuft und einem 2,40m langen Leporello mit der Gesamtansicht der Häuser. Außerdem natürlich auf verschiedenen Webseiten, unter www.farbfieber.de oder www.5mal5blogspot.com

 


Nr. 55 zakk, Düsseldorf –  Gerechtigkeit - auf den Spuren der gesellschaftlichen Teilhabe

 

„Gerechtigkeit – ein Projekt auf der Spur der gesellschaftlichen Teilhabe“ – unter diesem Titel führte das Kulturzentrum zakk 2008 eine Projektreihe durch, in der unterschiedliche Perspektiven und unterschiedliche Genres der Kultur das Thema bedienen sollten. Ein gesellschaftlicher Diskurs mit dem Publikum und den Wissenschaftler/-innen und den Künstler/-innen wurde im Rahmen des Projektes geschaffen.

„Gerechtigkeit“ – ein Begriff wie er in den letzten Jahren immer wieder in politischen Zusammenhängen diskutiert wurde. Denn wo fängt Gerechtigkeit eigentlich an, wer entscheidet was gerecht ist und wie kann eine gerechte Gesellschaft aussehen? Wenn Gerechtigkeit z.B. darin bestehen würde, allen Menschen einen Zugang zu den materiellen und geistigen Errungenschaften der Menschheit zu gewähren, dann sieht die gegenwärtige Bilanz mehr als schlecht aus: Im reichen Deutschland fordern Politiker/-innen Einsparungen bei den Renten, damit für die nachkommenden Generationen noch etwas übrig bleibt – haben sie denn damit recht? Im gleichen Land nimmt die Kinderarmut zu, bei gleichzeitig steigenden Gewinnen der großen Unternehmen – ist das noch gerecht? Noch immer haben Frauen schlechtere Aufstiegschancen und verdienen für gleiche Leistung weniger Geld – sieht so Gleichheit und Gerechtigkeit aus? Und im globalen Maßstab verhungern weiterhin zehntausende Kinder täglich, während Vertreter/-innen der Industrienationen die Entwicklungsländer zur Mäßigung wegen der drohenden Klimakatastrophe aufrufen.

Das zakk hat sich in dem Projekt auf die Suche nach Antworten gemacht, denn wir wollten herausfinden, was in verschiedenen gesellschaftlichen Bereichen Gerechtigkeit meint und in wieweit sie verwirklicht worden ist, verwirklicht werden kann und verwirklicht werden muss. Aber gerade der Gedanke, wer ein solcher Träger der Gerechtigkeitsgedanken ist und welche Ausdrucksformen das Ringen um Gerechtigkeit annehmen kann haben wir hierbei nicht außer acht gelassen und immer wieder in die Diskussion mit eingebracht.

 

Gerechtigkeit – auf der Spur der gesellschaftlichen Teilhabe bestand aus folgenden Veranstaltungen:

 

Thomas Münch, Professor an der FH Düsseldorf und langjähriger Praktiker der Sozialen Arbeit, diskutierte mit dem Publikum zum Thema „soziale Gerechtigkeit“. In der Veranstaltung ging es um die nähere Betrachtung und Begriffsverwirrung der Begrifflichkeiten „Verteilungsgerechtigkeit, Chancengerechtigkeit, soziale Gerechtigkeit“. Aber was verbirgt sich hinter den Begrifflichkeiten, wo liegen die inhaltlichen und politischen Positionen und was lässt sich dahinter verbergen? Die Besucher/-innen diskutieren über die Begrifflichkeiten und mit praktischen Beispielen aus den Reihen des Publikums wurde es anschaulich geschildert.

Prof. Dr. Hans Schiller, ebenfalls Professor an der FH Düsseldorf, nahm sich das Thema „Gerechtigkeit ist Gleichheit“ an. Diese philosophische Feldvermessung schaffte Grundlagen in weiteren Diskussionen. Denn wie sieht die Verteilung aus? Hans Schiller erörterte die Fragen nach „soll wirklich jeder das Gleiche erhalten oder nur im Verhältnis zu den Leistungen?“ mit den Besucher/-innen. Das ließ eine Menge weitere philosophische Gedankengänge nicht aus, denn was ist Leistung überhaupt? Das einzige Kriterium der Verteilung, ist Verteilung – das einzige Gebiet der Gerechtigkeit? Wer bestimmt eigentlich darüber? Ist Gerechtigkeit nicht einfach eine Machtfrage?

 

Unter den Titel „Gerechtigkeit in Beziehungen“ trat Prof. Dr. Peter Bünder, Professor FH Düsseldorf, Fachgebiet Erziehungswissenschaften, in der Projektreihe auf. Der Beitrag thematisierte die Bedeutung von nahen Beziehungen für das Wohlergehen von Menschen. Angesprochen wurden hier vor allem die Aspekte, Pflege und Vernachlässigung von Beziehungen. Da auch in Beziehungen gilt, dass es die nicht nicht Kommunikation nicht gibt, bleibt die zentrale Frage, wie die jeweilige Kommunikation in einer Beziehung genutzt werden kann.

Julia Friedrichs, Journalistin und Autorin, sprach mit dem Publikum über die Elite. Aus ihrem Buch „Gestatten: Elite – Auf den Spuren der Mächtigen von morgen“ stellt sie die Frage nach der Elite? Braucht Deutschland wirklich wieder Eliten oder was ist eigentlich heute Elite? Julia Friedrichs begab sich auf eine Reise zu den angesehensten Eliteschmieden des Landes und las, diskutierte mit dem Publikum über die Welt, welche sie damals begegnete.

„Die Alphamädchen“ unter diesem Titel stellen Barbara Streidl und Susanne Klingner ihr Buch vor. Denn gerade die Frage nach dem Feminismus im 21. Jahrhundert hat nicht nur die Medien, sondern auch das Publikum zu vielen Fragen und einer anregenden Diskussion geführt. Welche Rolle spielt die Gerechtigkeit im Feminismus? .....

Mit dem Programm „Anarchie und Leidenschaft“ führten Marc-Uwe Kling und Nils Heinrich, Kabarettisten und Poetry Slammer, einen Abend voller Ungerechtigkeiten vor. Denn wenn Manager von Banken Jahr für Jahr reicher wird, weil mehr und mehr Arbeitsplätze in den Filialen einer Bank eingespart werden, dann ist es höchste Zeit, ihn mit politischem Kabarett  eine Bilanz der einzig richtigen Art zu präsentieren. Und wenn die beiden Kabarettisten mit dem Publikum das Lied „Scheiß Verein“ als Zugabe und Abschied singen, dann ist die Frage der Ungerechtigkeit schon lange in den Köpfen der einzelnen.

 

Viele der Ziele in dem Projekt konnten erreicht werden, insbesondere die große Publikumsresonanz sorgte dafür, dass das Thema in die öffentliche Diskussion kam. Die kontinuierliche Einbeziehung des Publikums, der Besucher/-innen, war nicht nur ein muss in der Reihe, sondern auch eine wichtige Erfahrung, die wir in unserer Arbeit gemacht haben. Das zakk wird sich auch weiterhin mit diesem Thema befassen und dem Thema der Gerechtigkeit auf dem Grund gehen!



Nr. 51 Stroetmanns Fabrik, Emsdetten - Aquariana - Straßentheaterprojekt mit Kindern

 

Eine Gruppe von 21 Kindern im Alter von elf bis zwölf Jahren erarbeitete über zwei Wochen eine große Straßentheaterproduktion in Kooperation mit Künstlern und Technikern des Theater Titanick.

 

Thema Wasser

Neben der Entwicklung des kreativen Potentials der teilnehmenden Kinder stand die inhaltliche Auseinandersetzung mit dem Thema Wasser im Mittelpunkt: Wasser und mit dem Klimawandel einhergehende Wasserknappheit in zahlreichen Regionen der Erde führen derzeit zu einer intensiven öffentlichen Auseinandersetzung über den Umgang mit einer Ressource, die auch Kinder und Jugendliche zu zahlreichen Fragen und Überlegungen anregt. Im Workshop ging es darum, die teilnehmenden Kinder zu einer künstlerischen Auseinandersetzung mit dem Element Wasser zu motivieren und ihnen dessen Kostbarkeit zu vermitteln. Die Lebensnotwendigkeit von Wasser wurde deutlich. Die Kinder erkannten, dass der Zugang zu dieser lebenswichtigen Ressource nicht immer einfach, teilweise sogar unmöglich ist. Sie konnten in der inhaltlichen und künstlerischen Auseinandersetzung einen respektvollen Umgang mit dem Element Wasser entwickeln.

Die poetische Umsetzung in der Geschichte des Märchens „Aquarius“ über das Verschwinden und wieder Finden von Wasser unterstützte diesen Prozess auf einer emotional-ästhetischen Ebene.

Ganz gewiss werden die Kinder darüber hinaus zukünftig jeden Brunnen, der ihnen im Alltag oder auf Reisen begegnet mit besonderer Aufmerksamkeit und Interesse betrachten. Was wird dargestellt, welche Rolle hat das Thema Wasser, welche Gestaltungsidee liegt dem Brunnen zugrunde? – Die Kinder werden sich immer als „Spezialisten“ in diesem Themenkomplex sehen und den „Wasserideen“ auf den Grund gehen wollen.

So erhielt die Auseinandersetzung mit dem Element Wasser auch kulturhistorische Aspekte. In allen Epochen der menschlichen Geschichte war die Bereitstellung von Wasser für private und öffentliche Bedürfnisse eine besondere Aufgabe und Herausforderung.

Ein Bezug zu diesem Hintergrund schufen die Kostüme der Akteure, die sich in ihren Gestaltungselementen an den Ideen des Barock orientierten. Im Barock spielte Wasser als künstlerisches Gestaltungselement in Städtebau und Gartengestaltung eine besondere Rolle.

 

Die Geschichte „Aquarius“

Die Geschichte der Theaterproduktion wurde vom Titanick- Regisseur Uwe Köhler entwickelt, der seiner Inszenierung zum Element Wasser die örtlichen Gegebenheiten zugrunde legte: den Katthagen mit den im Rahmen der Innenstadterneuerung geschaffenen Wasserspielen, sowie den Brink als zentralen Platz in der Stadt, der durch den „Morgentaubrunnen“, einem Kunstwerk von Walter Jasper, ein Wahrzeichen Emsdettens beheimatet.

In der Geschichte „Aquarius“ begeben sich die „Aquadetten“ auf die Suche nach dem Element Wasser. Am Emsdettener Katthagen beginnt ihre Reise: mit Eimern, Gießkannen und Amphoren versuchen sie in den unterschiedlichen Brunnen Wasser zu schöpfen – aber vergebens: die magischen Brunnen verweigern ihr Wasser; Enttäuschung und Verzweiflung breiten sich aus. Da erschallt der Ruf von „Aquaria“, der weißen Frau, die am Morgentaubrunnen lebt. Die Kinder folgen hoffnungsvoll ihrem Gesang und entdecken statt des Morgentaubrunnens doch nur eine Wüstenlandschaft – das Wasser des Morgentaubrunnens scheint versiegt. Es gelingt den Aquadetten mithilfe der Aquaria, das Wasser des Morgentaubrunnens wieder zum Fließen zu bringen. Die Magie des Wassers kann sich endlich frei entfalten, es bahnt sich sprudelnd seinen Weg aus alltäglichen Objekten und faszinierenden Brunnenstatuen. In einem Finale mit spektakulären Wasser- und Feuereffekten feiern die Kinder gemeinsam mit Aquaria die Befreiung des Elements Wasser.

 

Der Prozess

Im Prozess der Produktion gab es zahlreiche ineinander verwobene Ebenen, auf denen gearbeitet, entwickelt, ständig verbessert und immer nur auf ein Ziel hingearbeitet wurde:

Die große Abschlussvorführung.

 

Darstellerische Techniken

Eine erste Ebene, in der es um die Vermittlung von technischen Grundlagen und Schlüsselkompetenzen ging, stellte die morgendliche „Aufwärmrunde“ dar , bei der mit Übungen aus Körperarbeit und Schauspiel an Ausdruck, Mimik, Rollenfindung und Präsenz gearbeitet wurde. Die Anforderungen an die Kinder wuchsen während des Projektverlaufs. Die Kinder bewältigten diese Herausforderung, die Abläufe und Übungen waren stets allen geläufig. Die Kinder absolvierten das morgendliche „Exercise“ routiniert und diszipliniert, obwohl es manche zunächst Überwindung kostete. Sie erkannten, dass Technik, Üben und Wiederholen notwendig sind, um die eigene Ausdrucksfähigkeit zu erweitern.

Umgesetzt wurden die Ergebnisse der Übungen u.a. in der Darstellung menschlicher Brunnenstandbilder, die die Kinder in Gruppen erarbeiteten.

 

Werkstätten: Requisite, Kostüm, Wassertechnik

Am Nachmittag wurde in Werkstätten (Kostüm, Requisite, Wassertechnik) gearbeitet. Hier kam die Ebene des handwerklichen Arbeitens und des kreativen Gestaltens hinzu.

In der Einführung in die Objektarbeit lernten die Kinder unter Anleitung eines Technikers zunächst unterschiedliche Wassertechniken kennen. Auf dieser Basis entwickelten sie Schlauchsysteme für ihre Wasserkostüme und bauten Wasser spritzende Objekte, die als Requisiten im Stück Aquarius eingesetzt wurden.

Bei der Einführung in die Kostümarbeit gestalteten die Workshopkinder vorbereitete barocke Kostüme und bastelten Kopfbedeckungen, wobei sie unterschiedliche Materialien kennen lernten und verwendeten.

Im Bereich Pyrotechnik, Licht und Musik erhielten die Kinder eine Einführung in die Arbeit des Pyrotechnikers, des Musikers und des Lichttechnikers, die an Generalprobe und Aufführung beteiligt waren.

 

Die Erarbeitung des Stückes

Schließlich erarbeitete die gesamte Gruppe den Ablauf der Aquarius Geschichte, darunter u.a. eine umfangreiche Wasserchoreographie, in der mit Hilfe von Wasserstrahlen und zu Musik Wasserbilder inszeniert wurden.

Die Kinder entdeckten gemeinsam mit dem Regisseur die Orte, an denen sich die Vorführung abspielen sollte und passten die erarbeiteten Standbilder und Choreographien an Brunnen, Wege und Plätze an. Auf dieser zentralen Ebene ging es darum, Abläufe zu gestalten, festzulegen, zu behalten und umzusetzen. Die richtigen Haltungen mussten am richtigen Ort eingenommen werden, Tanzschritte und choreographische Elemente im richtigen Moment parat sein, der Einsatz von Requisiten durfte nicht verpasst werden, die Gruppe und der eigene Platz in der Gruppe durfte nicht aus dem Blick verloren werden und schließlich verlangten schnelle Kletteraktionen auf Brunnen und Objekte, das Einhängen von Sicherungsgurten und das Herstellen von Schlauverbindungen in großer Höhe besondere Konzentration.

Gleichzeitig war die ganze Ausdruckskraft mit Körper und Mimik gefragt. Bei allen Aktionen stand die Geschichte und die Darstellung der Rolle im Mittelpunkt, - die Anforderungen an die jungen Darsteller waren hoch.

 

Die Gruppe

Eine weitere Prozessebene war die Gruppe, die über die großen Anstrengungen aber natürlich auch übe die gemeinsame Freude schnell zusammenwuchs. Freundschaften entstehen in besonderen Situationen besonders intensiv. Die lange und spannende Zeit, in der  Kinder und Erwachsenen gemeinsam gearbeitet haben, in der sie oft gemeinsam und ernsthaft gebangt haben, ob alles bis zur Aufführung „stehen“ wird hat alle sehr eng zusammen geführt. Das gemeinsame Lachen war ebenso wichtig wie das Durchstehen von Müdigkeit und Erschöpfung. Es gab natürlich auch „Nervereien“ und Durchhänger, die für das Wachsen einer Gemeinschaft und eines gemeinsamen Projektes wichtig und richtig sind.

Die gewachsene Beziehung zwischen Künstlern und Kindern stellte eine ganz besondere Ebene dar. Die Künstler waren in hohem Maß Vorbild und gleichzeitig Partner. Über die Persönlichkeit der Künstler wurden die künstlerischen Inhalte und Ansprüche, die Faszination für das Genre Theater und der Wert kultureller Arbeit für die Kinder existentiell erlebbar.

 

Organisation/Produktion

Eine sehr aufwendige Ebene stellte die Organisation der Produktion dar. Sie wurde von Stroetmanns Fabrik als dem Projektveranstalter übernommen. Nur wenn die Künstler von Veranstalterseite in allen organisatorischen Bereichen umfassend und professionell unterstützt werden, ist die Umsetzung einer großen, aufwändigen Straßentheaterproduktion in so kurzer Zeit möglich. Unzählige Fragen mussten geklärt werden: Wie werden die kommunalen Brunnen geschaltet, ist ein individuelles Ein- und Ausschalten möglich, wo dürfen Absperrungen vorgenommen werden? Sondernutzungen für öffentliche Flächen wurden beantragt, Garderoben- und Maskenräume in der Innenstadt eingerichtet. Die Voraussetzungen für die speziellen Wassereffekte mussten geschaffen werden, zahllose Fragen in Bezug auf Wasserdruck, Schlauchverbindungen und vorhandene Hydranten standen im Raum und wurden geklärt. Die anliegenden Nachbarn und Geschäftsinhaber wurden gebeten, ihre Beleuchtung für den Zeitraum der Vorführung abzuschalten, die Öffentlichkeit wurde über die Probenarbeit in der Innenstadt informiert. Darüber hinaus wurden nicht nur im Blick auf die Pyrotechnik zahlreiche Fragen hinsichtlich der Sicherheit der Darsteller (Gurte, Leitern, Podeste) und  Zuschauer (Absperrungen, Sicherheitshinweise, Wegeplanung) bedacht. Auch eine Over Night Security wurde im Blick auf die aufwendige Technik nötig.

Im Bereich des Marketings wurde durch Plakate, Handzettel, Pressemitteilungen, Interviews und Rundfunkbeiträge auf das Projekt aufmerksam gemacht.

 

Streiflichter – Stimmen der Beteiligten

Die Kinder

…wenn mich jemand fragen würde, ob ich dieses Projekt empfehlen könnte, würde ich gewaltig mit dem Kopf nicken…

…man hat wirklich für etwas geübt und nicht einfach nur etwas gemacht. Man hat auch neue Freunde gefunden und Erfahrungen gesammelt…

...am liebsten habe ich geschauspielert, weil es toll war, jemandem etwas vorzuspielen...

…Die Schritte zu merken fiel mir schwer, wann, wo, wie man sich hinstellt und bewegt, das war schwer. Der Abschied nach so langer Zeit war auch schwer…

.. Die Arbeit mit den Titanick Leuten war gut. Sie waren immer gut drauf und haben nur in den notwendigen Fällen gemeckert. Man kann sie nicht mit Lehrern vergleichen, denn sie machen es aus einem anderen Grund…

…Titanick ist Schauspielen, in der Theater AG in der Schule müssen wir nur auswendig lernen und aufsagen…

…man ist am Ende, wenn man die Personen verlassen muss wohl etwas traurig, weil man sie danach so gut kannte…

...das werde ich nie vergessen !!!!

 

Eltern

…sie hat sicherlich viel mitgenommen. Selbstbewusstsein und Sozialverhalten wurde gestärkt, technisches Verständnis ist gewachsen, Freundschaften wurden gestärkt. Sie hat die Erwachsenen als Partner kennen gelernt, sie hat sich sehr akzeptiert gefühlt….

… Meine Tochter war während der gesamten zwei Wochen zufrieden und ausgeglichen. Abends war sie angemessen erschöpft. Eigentlich könnte ich besser sagen, sie war während des gesamten Projektes glücklich!

…Unser Sohn wollte absolut nicht am Projekt teilnehmen. Mit Überredungskunst habe ich ihn mit einer Freundin dazu bewegt. Nach dem ersten Tag schon war begeistert und fand schon die zwei freien Tage nicht gut…

…sie war von Anfang an begeistert und begierig zu den Proben zu kommen. Sie ist ohne Freundin allein zu der Gruppe gekommen, fühlte sich aber von Beginn an integriert. Alles andere in diesen zwei Wochen war absolut nebensächlich. Sie war voller Energie und Tatendrang, gleichzeitig aber auch wohlig erschöpft von den Anforderungen. Ihre Ausgeglichenheit war ansteckend.

…sie ist selbstständiger geworden und hat auch selber darauf geachtet, ob sie pünktlich weg fährt und ihre Sachen alle dabei hat…

…sie findet, dass andere Theater-AGs nur „Pipikram“ sind. Das Arbeiten mit den Profis hat sie schon als ein besonderes Privileg erkannt und wahrgenommen. Sie hat Mut gefasst, sich in weiteren Schulprojekten einzubringen. Sie hat den Glauben an sich, eine gute Leistung erbracht zu haben, - wie wir als Eltern natürlich auch finden.

...er ist selbstbewusster und mutiger geworden, war stolz, dass er in so einem großen Projekt mitwirken durfte und möchte aufgrund dieser Erfahrung an der Theater AG der Schule teilnehmen...

...er hat mehr Mut! z.B. vor anderen Leuten während der Proben in der City zu spielen. Normalerweise wäre das „voll peinlich“...

...sie hat an Selbstbewusstsein gewonnen – sie geht nun mehr eigene, individuelle Wege (in Schule/Klassenverband) und passt sich nicht der Gruppe zwingend an. Es gab Situationen am Schulanfang, - so kannte ich meine Tochter noch nicht...

...Die ganze Familie war von dem Projekt und der Aufführung begeistert (mein Sohn will nun Pyrotechniker werden). Wir wollen bei nächster Gelegenheit eine Titanick Aufführung besuchen. Ich bin dankbar, dass unsere Tochter diese Möglichkeit eingeräumt bekommen hat, vielen Dank dafür...

...sie traut sich heute eher Dinge auch vor Publikum und ist einer Tanzgruppe beigetreten. Sie ist mutiger und selbstbewusster geworden...

…hier wurde deutlich, was wir Kindern zutrauen können, mit wie viel Spaß sie an einer Sache arbeiten können und mit wie viel Stolz, Mut und Konzentration sie ihre Arbeit einem Publikum vorführen.

…die Kinder erleben, dass einem nicht alles in den Schoß fällt, dass man aber mit viel Arbeit, die riesig Spaß macht, etwas Besonderes produzieren kann, auf das man dann richtig stolz ist!

...Etwas Sinnvolleres und Schöneres kann ich mir im Moment für mein Kind für die Ferien nicht vorstellen!

…besonders gefallen hat mir, dass ein ganzes Stück mit Kindern eingeübt wird und auch vor großem Publikum, nicht nur vor Eltern aufgeführt wird!

…Ich habe in meiner ganzen Laufbahn als „Mutter“ noch nichts Vergleichbares erleben dürfen und selbst am Tag der Aufführung war ich so gefesselt, dass mir erst zum Schluss aufgefallen ist, dass es die ganze Zeit geregnet hat.

…mein Sohn hat sich wohl und gebraucht gefühlt…

…beim Abschluss die traurigen Gesichter waren sehr ergreifend. Schade, dass es zu Ende war…

 


Nr. 49 Grend, Kulturzentrum, Essen -  Hipstars - Das TV-Jugendmagazin

 

Übersicht:

“Hipstars” sollte Jugendlichen im Alter von 12-15 Jahren die Möglichkeit bieten, hinter die Kulissen einer TV-Produktion zu schauen und selbst aktiv mit zu produzieren.

In einem einwöchigen Ferienworkshop mit Übernachtung und Verpflegung erhielten 16 Jugendliche Einblick in die TV-Produktion. Erlernt werden konnten dabei sowohl journalistische Grundlagen, Grundkenntnisse im Umgang mit digitaler Video- und Schnitttechnik, ästhetische Aspekte der Videoproduktion als auch die Arbeit in einem Redaktionsteam.

Betreut wurden die Jugendlichen während der 5 Tage von zwei Medientrainern, einer Freizeitpädagogin, einem Verpflegungsbeauftragten, einer pädagogischen Hilfskraft und einer Ansprechperson im Haus.

 

1.    Die Einrichtung:

Das soziokulturelle Zentrum "Grend" liegt im Kern von Essen-Steele und ist auch über die Stadtgrenzen hinaus für seine kulturellen Angebote bekannt. Die Vereine „Werkstatt-Bildungswerk Essen e.V.“ und Kulturzentrum „Grend“ e.V. haben hier ein Kinder- und Jugendkunstatelier eingerichtet, das jungen Essenern Raum für kreative, soziale und ästhetische Prozesse bietet. Zahlreiche Kinder und Jugendliche aus Essen-Steele und den angrenzenden Stadtteilen nutzen das künstlerisch-kulturelle Angebot und die entsprechenden Kursangebote im Haus.

Seit einigen Jahren ist die Organisation von Projekten Bestandteil der Kinder- und Jugendkulturarbeit im Kulturzentrum “Grend”. Dank des Gästehauses sind auch Projekte mit Übernachtung und Verpflegung möglich. Sie sind in den Schulferien ein fester Bestandteil des Programms geworden. Jedes Jahr widmen sie sich einem neuen Themenschwerpunkt.

 

2.    Das Projekt

Das Sommerferienprojekt “Hipstars” ermöglichte Jugendlichen aus Essen und Umgebung in einer  TV – Produktion aktiv eigene Ideen in Bild und Ton umzusetzen und gemeinsam in einem Produktionsteam ein Video-Magazin zu gestalten.

Dabei wurde den Jugendlichen die Chance geboten, grundlegende Kenntnisse im sachgerechten handwerklichen Umgang mit videotechnischen Gerätschaften zu erlernen. Unter der Aufsicht geübter Medientrainer konnten die Jugendlichen alle Schritte einer Produktion selbst bewerkstelligen. Neben Recherche, Beitragsplanung,  Moderation, Interviews, Bildgestaltung, Kameraführung und Redaktionssitzungen gehörte auch die Nachbearbeitung am Schnittplatz zu den Lerninhalten.

In Kooperation mit dem Offenen Kanal Essen/OK 43 entstand für die Zeit des Projekts im "Grend" ein Art Jugend-Fernseh-Labor, in dem die teilnehmenden Jugendlichen alle wichtigen Schritte einer TV-Magazin-Produktion selbst durchprobieren konnten. Die dazu notwendige video- und fernsehtechnische Ausrüstung wurde vom Offenen Kanal fachgerecht im "Grend" installiert.

Viele Jugendliche träumen heute von einer Karriere in den Medien. Meist sehen sie sich in der Rolle des Moderators, als Schauspieler/in oder haben sogar noch unkonkretere Vorstellungen vom glanzvollen Job in der Fernsehbranche. Für viele Jugendliche ist ein Blick hinter die Kulissen jedoch nur schwer möglich. Fernsehen bleibt für sie das, was sie auf der Mattscheibe zu sehen bekommen. Auch bei “Hipstars” war es für die meisten Teilnehmenden der erste Schritt vom passiven Konsum hin zur aktiven Mitgestaltung dieses Mediums.

Thematisch ist bei "Hipstars" der Name Programm. Das Projekt griff das jugendliche Interesse an Freizeittrends und Lifestyle für die eigene Altersgruppe auf. Im Fokus standen Essen und das Ruhrgebiet: Wo trifft man sich? Was hat das Ruhrgebiet für Jugendliche zu bieten? Gibt es Freizeitfun für wenig Geld? Oder muss man in der Einkaufsstadt für alles blechen? Ist das Ruhrgebiet für Kids Provinz oder Metropole?

Die Gegenstände der Recherche und der Produktionsprozess der Beiträge wurden federführend von den Jugendlichen selbst entwickelt und gestaltet. Die Pädagogen hatten die Aufgabe, den Jugendlichen einen Organisationsrahmen zu schaffen in dem dies möglich ist und sie in ihren inhaltlichen und technischen Fragestellungen und Zielsetzungen unterstützt. Dafür waren zunächst kleinere Workshops und die Aufteilung der Jugendlichen in Kleingruppen notwendig.

Nach Abschluss von Recherche und Beitragsplanung reisten die Jugendlichen in ihren Gruppen per öffentliche Verkehrsmittel durch das Ruhrgebiet, um mit Kamera und Mikrofon diesen Fragen auf den Grund zu gehen und an den Orten ihrer Wahl Bild- und Tonmaterial für ihre Magazinbeiträge zu sammeln. Begleitet wurden sie dabei von den Medientrainern und Hilfskräften.

Das Ziel war die Entstehung einer kompletten Magazinsendung, in der alle produzierten Beiträge einen Platz finden sollten. Diese Sendung wurde im Anschluss an das Projekt im Programm des Offenen Kanal Essen ausgestrahlt.

Da das viel Arbeit bedeutete und viel Zeit in Anspruch nahm, wurde den Jugendlichen bei der Essenszubereitung unter die Arme gegriffen. Ein Koch sorgte für warme Mahlzeiten und stellte Lunchpakete für unterwegs zusammen. Das Frühstück musste von den Teilnehmenden selbst organisiert werden. Es gab also jeden morgen eine Gruppe, die für Brötchen holen, Tisch decken und abräumen verantwortlich war.

Die Gruppen, die gerade nicht unterwegs oder mit Recherche beschäftigt waren, hatten freie Zeit, die sie nach ihren Wünschen nutzen konnten. Für Aktivitäten, bei denen die Gruppe das Haus für längere Zeit verlassen wollte, standen die Freizeitpädagogin und Hilfskraft zur Verfügung. Sie begleiteten die Jugendlichen bei diesen Unternehmungen und waren für das abendliche Rahmenprogramm zuständig. Zu ihren Aufgaben gehörte es, jugendgeeignete Filme für die letzten Stunden des Tages herauszusuchen, Spiele vorzuschlagen und auf die Einhaltung der Nachtruhe zu achten.  Selbstverständlich standen ihnen die Medientrainer dabei zur Seite.

Die pädagogischen Ziele von “Hipstars” waren:

·       die Förderung selbständigen Verhaltens (z.B. Kontakte herstellen, Terminplanung 

     mit Interviewpartnern, Anfahrt zu den Drehorten, Führen von Interviews, Frühstücksdienst,..)

·       die Förderung der Jugendlichen in ihrer Team- und Kommunikationsfähigkeit,

·       die Förderung des aktiven Erkundens des eigenen Umfeldes und des Ruhrgebiets

·       die Vermittlung von effektiver Recherchearbeit,

·       Förderung des Selbstbewusstseins,

·       die Vermittlung der technischen handwerklichen Fertigkeiten,

·       Förderung des Bewusstseins aktiv "Handelnder und Gestalter" sein zu können.

 

3.    Der Projektverlauf

Tag 1: Gästehaus erobern, Kennenlernen und Projekt Vorstellen:

Nachdem die Jugendlichen alle angereist waren und die Zimmer untereinander aufgeteilt hatten, die Formalitäten erledigt waren und die weiteren Räumlichkeiten vorgestellt wurden, ging es daran, sich gegenseitig kennenzulernen. Alle fanden sich im Freizeitraum des “Grend” zu einem Stuhlkreis zusammen.

Die erste Herausforderung war, einem Jugendlichen, der stark stottert, die Möglichkeit zu bieten, sich ohne unnötige Aufregung vorzustellen. Es sollte niemand unter Druck geraten. Die Medientrainer fanden schnell eine Lösung. Sie schlugen ein geeignetes Kennenlernspiel vor, das auf Kärtchen basiert. Die Teilnehmenden schrieben jeweils drei Hobbies oder Eigenschaften von sich auf die Vorderseite der Karte und auf der Rückseite den eigenen Namen. Dann wurden die Kärtchen eingesammelt. Eine Medientrainerin las vor und die Jugendlichen sollten versuchen zu erraten, um wen es sich handelt. Die Blicke kreisten aufmerksam von Gesicht zu Gesicht. Die ersten Hürden des Kontaktaufnehmens waren überwunden.

Die Medientrainer gaben die grobe Planung der Woche bekannt. Es wurde erklärt, was im Rahmen des Projektes möglich ist und wie sie sich den Ablauf der Woche vorgestellt hatten. Auch die Aufenthaltsbedingungen des Gästehauses wurden noch einmal deutlich betont. Alkohol und Co waren verboten, die Frühstückteams wurden nach Zimmern aufgeteilt. Um 9.30 Uhr sollte das Frühstück fertig sein und ab 23 Uhr Nachtruhe. Damit wurden die Jugendlichen entlassen, um ihre Zimmer zu beziehen, sich ein wenig häuslich einzurichten und die Zimmernachbarn kennenzulernen.

Am Nachmittag gab es die ersten inhaltlichen Workshops. Es sollten mögliche Beitragsthemen gesucht und erste Versuche in Sachen Recherche gestartet werden.

 

Workshop Fernsehformate – Magazinsendung und Beitrag:

Das erste Workshopthema beschäftigte sich mit dem Medium Fernsehen ganz allgemein. Was schauen die Jugendlichen für Sendungen? Wo ist der Unterschied zwischen Fernsehen und etwa You-Tube? Was ist ein Fernsehmagazin und wieso eignet sich dieses Format am ehesten für die “Hipstars”- Projektwoche? Welche Aufgaben gibt es in einem Produktionsteam und wie ist die Zusammenarbeit organisiert.

 

Welche Themen sind für Jugendliche interessant – was machen die Teilnehmenden in ihrer Freizeit in Essen und Umgebung:

Diese Einführung ins Projekt fand noch nicht in Kleingruppen sondern mit allen Teilnehmenden gemeinsam statt. Auch die Themenfindung wurde gemeinsam begonnen. Um den Einstieg in die Ideenfindung etwas einfacher zu gestalten, gaben die Medientrainer Kategorien vor. Gefunden werden sollten jugendrelevante Orte, Menschen, Ereignisse und Dinge im Ruhrgebiet. Wie erwartet fiel die kreative Leistung aus dem Stehgreif zunächst etwas schwer, aber nachdem ein Anfang gemacht war, sprudelten die Ideen schnell. Von Aidspräventionsstelle und Mädchenheim über Warner Bros. Movie World bis hin zur Kulturhauptstadt 2010 ging es quer durch das Ruhrgebiet. Die große Tafel wurde bald zu klein und auch nach dem Workshop gingen die Diskussionen noch weiter.

 

Für einige Themen entscheiden – nicht Realisierbares aussortieren:

Leider war die Woche zu kurz, um alle Ideen umzusetzen. Einige Themen hätten auch lange Vorbereitungszeiten vorausgesetzt. Es musste also aussortiert werden. Das fiel nicht leicht, aber nach den ersten Rechercheversuchen trennten sich die Jugendlichen bereitwillig von zu umfangreichen Projekten. Das Vorhaben, einen Beitrag zum Thema Kulturhauptstadt 2010 zu produzieren und dafür die Verantwortlichen zu interviewen, wurde nach einem halben Tag herumtelefonieren und Internetrecherche fallen gelassen. Dafür erschienen den Jugendlichen einfache Produktionen wie etwa Umfragen immer attraktiver.

 

Workshop Recherche – wie geht das – ausprobieren:

Einige Teilnehmende entwickelten aber auch Spaß daran, “wichtige Erwachsene” anzurufen und sie zu einem Interview zu überreden. So ergaben sich aus den Recherchen ein feststehender Interviewtermin mit dem Leiter der Lichtburg, ein Termin in einem Hochseilklettergarten in Oberhausen und einer im Kinderspielhaus „Kalle“ in Essen-Karnap. Es fanden sich ein Zauberer und ein Parcourkünstler, die für Interviews und Kostproben ihres Könnens ins Grend kamen. Geplant wurden zudem Umfragen zum Thema Jugendkultur in Essen und ein Besuch im Steeler Freibad.

Die Internetrecherche schien für die Jugendlichen Neuland. Das war überraschend, da die 12-15jährigen Teilnehmerinnen durchaus mit dem Internet vertraut wirkten. Fast alle hatten eine Schülervz-Identität, chatten mit MSN und ICQ und haben zum Teil sogar eigene kleine Internetpräsenzen aufgebaut. Aber wie man effektiv und gezielt Informationen durch Google und Co heraussucht, war für alle neu. Die Jugendlichen wurden in Gruppen mit jeweils eigenen Rechercheaufgaben aufgeteilt und abwechselnd vom Medientrainer und der Medientrainerin betreut. Auch Recherche mit Printmedien wurde geübt, war jedoch nicht so ergiebig. Nach einer intensiven Rechercherunde ging der erste Workshop-Tag zuende.

Freizeit:

Einige besonders motivierte Mädchen recherchierten auf eigene Faust noch ein wenig im Internetcafé weiter. Sie wollten unbedingt den Zauberkünstler “Magic Marc” zum Interview einladen und hatten die Kontaktdaten noch nicht herausgefunden. Vom Rest der Teilnehmenden wurde die Freizeit dazu genutzt, gemeinsam die Gegend ein wenig zu erkunden. Dann gab es das erste gemeinsame Abendessen und ein Abendfilm wurde ausgesucht. Mit dem Film, ein paar Knabbereien und einem Sandwichtoast ging der Tag zuende.

 

Tag 2: Recherche, die Zweite:

Nach einem Einleitungsspiel -um die Aufmerksamkeit zu sammeln- ging es in die zweite Runde des Rechercheworkshops. Die am Vortag erlernte Internetrecherche wurde fortgeführt. Telefonate die im ersten Workshop aufgrund der fortgeschrittenen Uhrzeit nicht mehr geführt werden konnten, wurden nun nachgeholt. Interviewtermine wurden endgültig festgelegt und hilfreiche Informationen zu den Interviewgegenständen herausgefunden. Auf der Basis des zusammengetragenen Materials sollten später die Interviewfragen formuliert werden.

 

Kamera – und Tonworkshop:

Damit die Jugendlichen sich nicht von der geballten Theorie erschlagen oder zumindest gelangweilt fühlen sollten, wurde erst einmal ein etwas praktischerer Workshop durchgeführt. In zwei Gruppen aufgeteilt bekamen die Mädchen und Jungen die Funktionen der Kameras erklärt, die der Offene Kanal Essen zur Verfügung gestellt hatte. Learning by Doing hieß das Prinzip. Anhand von einfachen Beispielen wurden Einstellungen und deren Wirkung geübt. Es kam Bewegung in die Gruppen, denn die nachzustellenden Situationen waren lustig und so waren Blende, Fokus, Perspektive, Einstellungsgröße, Weißabgleich und Co. schnell verstanden.

Etwas diffiziler war der Ton – hier musste konzentriert auf zappelnde Balken geachtet und jeder Satz mit dem Kopfhörer überwacht werden – das war nicht jedermanns Sache. Doch als ehrenvolle Position im “Technikteam” fand auch diese Aufgabe ihre SpezialistInnen.

Zum Schluss wurden schnell noch einige wichtige Situationen wie etwa Bildaufbau beim Interview oder bei einer Umfrage ausprobiert. Die Zeit drängte ein wenig, denn am Nachmittag standen schon die ersten Drehtermine auf dem Plan. Nach einer Pause, in der sich alle stärken und ausruhen konnten, ging es dann an die Beitragsplanung.

 

Beitrags- und Interviewvorbereitung:

Da am Nachmittag schon die ersten Drehtermine anstanden, hatten alle ein konkretes Ziel vor Augen. Die MedientrainerInnen erklärten verschiedene Ansätze, ein Interview aufzubauen und was man sonst noch für einen Beitrag braucht. Die Technikgruppe bekam zwei Checklisten ausgehändigt, auf denen alle wichtigen Schritte vor und zu Drehbeginn aufgeführt sind. Die einzelnen Posten konnten abgehakt werden, so dass man auch in der Aufregung des ersten Ausseneinsatzes nichts vergessen konnte. Während die Technikbeauftragten die Checklisten durchgingen und letzte Instruktionen erteilt bekamen, zogen sich die Interviewer kurz zurück und formulierten Fragen nach der “Kesser-Besser-Methode”.

Das Thema Moderation musste nicht mehr näher beleuchtet werden. Die Teilnehmenden hatten dank ausreichenden Fernsehkonsums bereits sehr konkrete Vorstellungen, wie eine Moderation auszusehen hat. In wenigen Sätzen war alles Nötige gesagt und die Jugendlichen machten eine gute Figur als AnsagerIn.

Die Interviewteams setzten sich dann noch einmal einzeln mit der Medientrainerin zusammen, um die ausgedachten Fragen durchzugehen. Es wurde noch ein wenig strukturiert, einige Fragen verworfen, andere umformuliert. Feinheiten wie verschiedene Fragetypen (Suggestivfragen, Balkonfragen u.ä.) und deren Vorzüge wurden erläutert und das Problem der offenen und geschlossenen Frage erklärt. Die Aufregung ließ die Jugendlichen sehr konzentriert und motiviert arbeiten. Zum Schluss gab es einen Fragekatalog auf Kärtchen und verteilte Rollen für die Interviews. Alle waren zufrieden und nach einer Stärkungs- und Stylingpause ging es auf zum ersten Interview.

 

Ausflug in die Essener City - erste Interviews und Umfragen:

Erster Anlaufpunkt war die Lichtburg – ein Filmkunsttheater in der Essener Innenstadt. Herr Wilmer, der Leiter des Kinos mit dem größten Kinosaal Deutschlands, hatte sich bereit erklärt, ein Interview zu geben. Das Team war etwas zu früh da, der Securitybeauftragte am Eingang glaubte den Jugendlichen aufgrund ihres Alters zunächst den Interviewtermin nicht. Doch gut vorbereitet hatte das Team die Handynummer parat und die Situation wurde schnell aufgeklärt. Nach ein paar Innenaufnahmen, für die extra das große Deckenlicht im Saal angeschaltet wurde, begab sich das Filmteam in die “Bar”, die aufgrund des schummrigen Ambientes besonders geeignet für das Interview schien. Nach einem kleinen Kampf mit der Technik – in der Hektik des Aufbruchs wurden fast nur leere Akkus mitgenommen und das Netzkabel war zu kurz für die geplante Einstellung – schafften es die Jugendlichen doch noch mit Hilfe von Herrn Wilmer, der ein Verlängerungskabel auftreiben konnte, das Interview abzudrehen. Die gemeinsam gelösten Technikprobleme hatten auch die Anspannung gelöst und das Interview lief locker und ohne Stress. Zum Schluss gab es noch eine kleine Fotosession mit allen Beteiligten. Herr Wilmers verabschiedete die Gruppe sehr herzlich. Die Mädchen und Jungs aus dem Team waren begeistert und wollten am liebsten gleich weiterdrehen.

 

Umfragen in der Stadt und an der Ruhr:

Die Jugendlichen, die nicht in der Lichtburg waren, drehten in der Zwischenzeit Umfragen in der Essener City. Sie wollten von anderen jungen EssenerInnen wissen, was man in Essen als Jugendlicher unternehmen kann, wo man sich trifft, wo man feiert usw. Ältere Passanten wurden ebenfalls befragt. Von der älteren Generation wollte die Gruppe wissen, was sie in ihrer Jugend in Essen unternehmen konnten, was die Stadt ihnen als Jugendliche geboten hat.

Die anfänglichen Hemmungen, Passanten anzusprechen vergingen schnell und die Jugendlichen entwickelten in kurzer Zeit ein erstaunliches Selbstbewusstsein, Leute abzufangen und um ein paar Minuten Zeit zu bitten. Auch im Umgang mit der Technik gab es schnell kaum noch Unsicherheiten. Halfen zunächst noch die Checklisten, konnte man schon nach einigen Umfragerunden routinierte Handgriffe und Abläufe erkennen. Die Gruppe spielte sich als Team ein.

Für die Umfragen wurden verschiedene Standorte wie Kenedyplatz, Kettwiger Strasse und der Cinemaxx-Vorplatz gewählt. Die Ergebnisse ähnelten sich: Essen könnte mehr zu bieten haben. Fuhr man früher noch Rollschuh, geht man heute vor allem shoppen oder hängt in einer Shisha-Bar ab. In einem Punkt sind sich alle einig: Freizeitaktivitäten, die nichts kosten und jungen Leuten Spaß machen, gibt es kaum. Das war früher so und das ist auch heute noch der Fall.

Das Lichtburg-Team, angesteckt von der Begeisterung der anderen und beflügelt vom gelungenen Interview, versuchte sich auch noch mit ein paar Umfragen. Dann gab es noch eine gemeinsame Runde Subway-Sandwiches (Fragen macht scheinbar hungrig) und der Heimweg wurde angetreten.

Die Jugendlichen planten weitere Umfragen vor Ort in Steele, die Medientrainer waren froh, dass alles so gut gelaufen war und nun ein paar ruhige Minuten winkten.

Nach eine Pause und einer Neuformierung der Gruppen zogen einige noch mit Kamera, Mikrofon und einem Medientrainer bewaffnet ans Ruhrufer, um dort Spazierende zum Freizeitwert der Ruhr zu befragen. Die anderen Gruppen bereiteten sich auf die Produktionen für den nächsten Tag vor. Das Erstellen geeigneter Fragekataloge auf Basis des recherchierten Materials fiel den Jugendlichen nicht leicht. Alle Gruppen nahmen das Angebot der Medientrainerin wahr, die Fragen noch einmal gemeinsam zu überarbeiten. Diese nahm sich für alle ausreichend Zeit und arbeitete mit jeder Gruppe einen Pool interessanter Interviewfragen aus.

Am Abend gab es wieder einen Film. Nach dem aufregenden Tag war es gar nicht so einfach, zur Ruhe zu kommen. Bis das letzte Licht endgültig gelöscht war, dauerte es eine kleine Ewigkeit und etliche kollektive Toilettengänge. Die MedientrainerInnen hockten noch bis tief in die Nacht wie drei Uhus in Lauerstellung auf ihrem Zimmer. Aber schließlich schien es doch reizvoller, einfach zu schlafen, statt sich ewig neue Ausreden einfallen zu lassen, warum man noch ein weiteres Mal aufstehen muss.

 

Tag 3:

Die kurze Nacht sah man einigen Jugendlichen an den Rändern unter den Augen deutlich an und die Frühstücksgruppe, die am Abend noch besonders aktiv war, quälte sich nur mühsam aus dem Bett. Am Frühstückstisch gab es auch unter den Teilnehmenden verschiedene Ansichten zum Thema Nachtruhe. Die Fraktion der Schlafwilligen gab klar zu verstehen, dass sie sich am nächsten Abend früher Ruhe erhoffte. Nachdem auch die Medientrainer noch einmal die ursprünglichen Regeln ins Gedächtnis riefen und einige vermittelnde Worte gesprochen hatten, vertrug man sich wieder bei Brötchen mit Nuss-Nougat-Aufstrich und Weizenpops.

Schließlich wollten alle wieder auf Achse, neue Beiträge produzieren und die Interviewtermine rückten immer näher. Die Jugendlichen waren in drei Gruppen unterteilt. Eine Gruppe fuhr ins “Tree 2 Tree”, einem Hochseilklettergarten in Oberhausen, eine weitere besuchte das Kinderspielhaus „Kalle“ im Essener Norden und die dritte Gruppe blieb gemeinsam mit der Freizeitpädagogin in Essen-Steele und nahm dort das Steeler Freibad unter die Lupe.

 

Klettergarten “Tree 2 Tree”:

In Oberhausen gibt es einen Hochseilklettergarten mit dem Namen “Tree 2 Tree”. In einem Waldstück nahe der Neuen Mitte Oberhausen verbinden Seile, Strickleitern und andere Konstruktionen Plattformen, die in verschiedener Höhe an den Bäumen angebracht sind. Das Klettern in diesem Klettergarten erfordert keine Vorkenntnisse und auch keine übermäßige Sportlichkeit. Einige Mädchen hatten bereits Erfahrungen mit Hochseilklettergärten und wollten unbedingt einen Beitrag vom Klettern in den Seilen drehen. Die Vorbereitung verlief etwas chaotisch, da sich keine funktionierende Telefonnummer der Niederlassung in Oberhausen finden ließ. So blieb nur der Kontakt per E-mail mit einigem Zweifel, ob die Gruppe so kurzfristig eine Antwort erhalten würde. Auf die hoffnungsvoll gemeinschaftlich verfasste Anfrage an den Klettergarten, erfolgte tatsächlich eine positive Antwort in telefonischer Form. Es wurde eine Uhrzeit ausgemacht und kurz erklärt, was gedreht werden sollte. Leider vergaßen die Mädchen in ihrer Aufregung nach einem Ansprechpartner und der möglichen Anzahl von Teilnehmenden zu fragen. Eine  Telefonnummer hatten sie auch nicht notiert. So blieb nur zu hoffen, dass sich vor Ort alles von allein klären würde. Die Internetwegbeschreibung war auch nicht übermäßig genau und so wurde die Anreise zur Gruppenerfahrung. Kameras und Stative wiegen einiges, die Sonne brannte und es war sehr heiß. Als die Gruppe ankam, wusste am Eingang niemand Bescheid. Der Chef war gerade unterwegs und nicht erreichbar, alle Gurte waren ausgeliehen und es herrschte Hochbetrieb. Schließlich ließ sich der junge Mann an der Kasse doch noch darauf ein, dass die Mädchen drehen dürfen. Allerdings nur nachdem sie nachweisen konnten, dass sie bereits Klettererfahrung hatten und Eintritt zahlen würden. Plötzlich erschien doch noch der Chef und alles klärt sich auf. Alle Mädchen dürfen kostenlos klettern. Die Gruppe bekam eine kostenfreie Einweisung von einem der Klettertrainer und ein ausführliches Interview mit dem Geschäftsführer. Diese Wendung stärkte sofort das Gruppengefühl und das Selbstbewusstsein. Mit großem Eifer begann die Gruppe mit dem Marathondreh. Mehrere Stunden dauerte es, bis alle geplanten Szenen im Kasten waren. Dann folgte noch das Interview, das auch noch einmal eine Stunde Zeit in Anspruch nahm. Danach waren alle sehr müde und hungrig. Deshalb gab es für jeden ein Belohnungseis, bevor es wieder auf die lange Rückreise mit Bus und Bahn ging. Der Weg nach Hause schien dennoch nicht so lang wie der Weg zum Klettergarten. Die Mädchen hatten sich als Team eingespielt und besprachen die Erfahrungen, die sie gemacht hatten. Dabei wurden die mitgenommenen Lunchpakete verputzt und spekuliert, was es wohl zum Abendessen geben würde.

 

Kinderspielhaus Kalle:

Zum Kinderspielhaus Kalle in Essen Karnap war kein so weiter Weg zu überwinden. Die Unterschiede zwischen Essen-Steele und Essen-Karnap sind jedoch unverkennbar. Karnap ist einer der Stadtteile Essens, der einen besonders hohen Anteil an Bewohnern mit Migrationshintergrund zu verzeichnen hat. Türkische und arabische Geschäfte prägen das Straßenbild und Frauen mit Kopftuch sind keine Seltenheit. Die Familien, die hier wohnen sind nicht wohlhabend. Viele Kinder hier könnten sich die Teilnahme an einem Ferienprojekt wie “Hipstars” nicht leisten. Die soziale Realität ist eine andere als die, die die “Hipstars” aus ihrem Alltag kennen. Zu Beginn des Projektes hatten die Medientrainer gefragt, wo sich Jugendliche in Essen treffen können. Auf die Nachfrage, warum Jugendhäuser nicht gern angenommen werden, kam mit gerümpfter Nase die Aussage, das wären “doch nur so Türkentreffs”. Keiner erhob Einspruch, obwohl eigentlich noch keiner wirklich in einer solchen Einrichtung gewesen ist.

 

Im “Kinderspielhaus Kalle” wurde den Jugendlichen also ein Blick in eine andere Lebenswelt gewährt, mit der sie sonst keine Berührungspunkte haben. “Kalle” bietet eine Reihe von Freizeitaktivitäten an, die von den Kindern und Jugendlichen der Umgeben dankbar angenommen werden. Auch die Gruppe hatte Spaß auf dem Gelände und probierte einige Angebote selbst aus. Ein engagierter Sozialarbeiter stand den “Hipstars” im Interview Rede und Antwort und auch die Interviews, die die Jugendlichen anschließend mit Besuchern des Kinderspielhauses und Kindern in der Umgebung führten, waren aufschlussreich.

 

Steeler Freibad:

Die dritte Gruppe plante einen Beitrag zum Steeler Freibad. Sie wurden während der Aufnahmen von der Freizeitpädagogin betreut. Die Jugendlichen wollten gern nach einem freien Konzept arbeiten. Das aufgenommene Material erinnert stark an You-Tube-Clips, ein authentisches Produkt aktueller Jugendkultur. Das entstandene Material wurde wegen der geringen Bekleidung mit dem Einverständnis aller Beteiligten nicht verwendet. Spaß haben die Aufnahmen trotzdem gemacht.

Angesichts ihrer mageren Ausbeute an Aufnahmen im Freibad und dem Verdacht, in der “Hipstars”-Sendung nicht ausreichend vertreten zu sein, begab sich die Gruppe dann noch ans Ruhrufer und führte dort weitere Umfragen zum Thema Jugend in Essen durch.

 

Workshop Nachbearbeitung - Material sichten:

Nachdem alle Gruppen von ihren Drehorten zurückgekehrt waren, wurde nach einer ausreichend langen Pause ein neuer Workshop durchgeführt. Vermittelt wurde die Nachbearbeitung des Videomaterials, auch Schnitt genannt. Das Thema ist komplex und nicht so leicht zu verstehen. Deshalb wurde der Workshop aufgeteilt. Dieser Teil des Workshops beinhaltete das effektive Sichten des entstandenen Bandmaterials. Wie erwartet war es für die Jugendlichen spannend, sich selbst beim Agieren zu beobachten und es gab viel zu lachen. Lustige Szenen wurden zurückgespult und ein zweites Mal angesehen. Die InterviewerInnen waren stolz auf ihre nun sichtbaren Leistungen. Während des Sichtens lernten die Workshopteilnehmer erste Grundschritte im Umgang mit der Schnitt-Software Avid. Dieses Nachbearbeitungsprogramm wird auch bei großen Fernsehsendern wie etwa dem WDR genutzt. Das entstandene Material war sehr umfangreich. Das Sichten wurde nach einiger Zeit beendet und der Rest auf den nächsten Tag verlegt.

 

Magic Marc:

Am Abend kam noch Besuch ins “Grend”. „Magic Marc“ ist ein Nachwuchszauberkünstler. Zwei Mädchen bereiteten ein ausführliches Interview vor  und recherchierten dafür stundenlang im Internetcafé Informationen und Kontaktdaten. Mit der Medientrainerin gemeinsam wurden die Fragen überarbeitet und es herrschte einige Aufregung bei den beiden.

Der Nachwuchszauberer ist selbst noch ein Teenager. Er geht noch zur Schule und reiste mit seiner Mutter an. Das Interview verlief hervorragend und dem Team wurden noch einige Zaubertricks vorgeführt. Anschließend blieben die beiden Gäste noch zum Abendessen und so kommen auch alle anderen in den Genuss einer kleinen Privatvorstellung. Marc wurde von den “Hipstars”-Teilnehmenden regelrecht belagert. Seine Kartentricks faszinierten alle.

Interessant waren sicherlich auch die Gespräche, die sich mit dem fast schon prominenten Gleichaltrigen über mögliche Berufsziele ergaben.

 

Tag 4: Workshop - Nachbearbeitung: Nachdem das Sichten der DV-Bänder abgeschlossen war, wurden Schritt für Schritt alle weiteren Stationen der Nachbearbeitung erklärt. Die Jugendlichen schnitten anschließend eigenständig in den jeweiligen Kleingruppen, in denen auch die Beiträge produziert wurden. Die erste Zeit wurden sie dabei durchgehend betreut. Später durften sie allein weiterarbeiten. Das machte es notwendig, eigene Entscheidungen fällen zu müssen. Die Frage, ob die eine Szene besser als die andere ist, wie lang eine Einstellung stehen gelassen werden soll und in welcher Reihenfolge die Einstellungen hintereinander angeordnet werden sollen, musste dann in der Gruppe beschlossen werden. Ein gutes Training für die Teamfähigkeit, denn bei dem Thema wer, wann, wie oft, zu sehen sein soll, gingen die Meinungen immer wieder auseinander. Natürlich standen Medientrainerin und Medientrainer jederzeit für Fragen und Hilfestellung zur Verfügung.

Planung des Abschiedsabends:

Den letzten Abend vor Abreise wollten die Jugendlichen gern mit einer Abschiedsparty feiern. Die Idee fanden alle gut, aber für Organisation und Einkauf hatten die BetreuerInnen keine Zeit. Deshalb wurde ein Partykomitee gewählt, das den Auftrag erhielt, Knabberzeug, Süßigkeiten, Getränke und Dekoration zu organisieren. Vor allem die Mädchen und Jungen, die an der Nachbearbeitung des Videomaterials keine Freude entwickelten, waren hier im Einsatz. Die Jugendlichen bekamen ein Budget ausgehändigt, einen Raum zur Verfügung gestellt und durften dann selbstständig die Party ausrichten.

 

Pablo – der Parcourkünstler:

Das letzte Beitragshighlight kam die “Hipstars” in Form eines Parcourkünstlers am letzten Abend im Grend besuchen. Parcours ist eine Trendsportart, die zur Zeit hip ist und in den Medien häufiger thematisiert wird. Mit entsprechender Neugierde wurden Pablo und sein Kollege erwartet. Außerdem waren die meisten Jugendlichen froh über eine kleine Abwechslung zwischen dem eher ruhigen und auch anstrengenden Schneiden des Filmmaterials. Das Interview verlief super. Inzwischen waren die Jugendlichen schon fast routiniert im Umgang mit dem Mikrofon. Aber leider spielte das Wetter nicht  mit. Als Pablo den Jugendlichen einige Tricks beibringen und sein eigenes Können zur Schau stellen wollte, begann es zu regnen. Der geplante Aussendreh fiel leider im wahrsten Sinne des Wortes ins Wasser. Allerdings ergaben sich zwischen Pablo und den Kids sehr interessante Gespräche. Der Parcourkünstler ist durch seine Workshops geübt im Umgang mit Kindern und Jugendlichen und so ging es um Pläne und Träume  für die Zukunft. Es wurde von Schule und Selbstwahrnehmung geredet und er erntete von den Teilnehmenden großen Respekt für seine Ansichten. Alles in allem war die Zeit mit Pablo ein sehr schöner Abschlussevent für die Medienarbeit.

Danach feierten die Jugendlichen ihren letzten gemeinsamen Abend bei Chips, Cola und Schokolade. Es durfte laut Musik gespielt werden, da der Raum etwas außerhalb des Gästehauses gelegen ist. In die ausgelassene Stimmung mischte sich auch ein wenig Wehmut, dass die Woche so schnell vorbei gegangen ist. Einige, die am Anfang von Heimweh geplagt wurden, wollten nun am liebsten gar nicht mehr weg. Immer wieder fragten die Jugendlichen, ob es das Projekt denn im nächsten Jahr wieder geben würde und versicherten sich gegenseitig, dass sie natürlich wieder dabei wären.

 

Tag 5:

Dann war es soweit, eine ereignisreiche Woche ging zu Ende. Die Zimmer mussten geräumt und die Sachen zusammengepackt werden. Kontaktdaten wurden ausgetauscht und einige Jugendliche belagerten die Medientrainerin mit der Bitte sie in einem Jugendmedienprojekt unterzubringen. Sie hatten so viel Spaß im Umgang mit der Kamera und beim Interviewen gehabt, dass sie das auch gern nach dem Ferienprojekt fortführen wollten. Die Medientrainerin versprach sich umzuhören.

Danach gab es ein wenig Zeit, noch schnell ein letztes Mal Hand an die nicht ganz fertig gewordenen Beiträge zu legen. Schließlich wollte man den anderen auch etwas vorführen. Zum Schluss gab es eine Präsentationsrunde. Die fertigen Beiträge wurden gezeigt und einige staunten, was sich aus dem Material alles herausholen lässt.

Nachdem alles fertig war, wurde noch eine Abschlussmoderation gedreht. Alle gingen gemeinsam nach draußen und stellten sich in einer Gruppe vor dem „Grend“ auf. Ein Jugendlicher bekam das Mikrofon und durfte die fertige Magazinsendung anmoderieren. Nun war wirklich alles im Kasten. Die Moderation und das Zusammensetzen der einzelnen Beiträge zu einer fertigen Sendung würden die MedientrainerInnen später im Offenen Kanal vornehmen.

 

Jetzt musste nur noch die Technik abgebaut werden. Dazu kamen Mitarbeiter des Offenen Kanals, um gemeinsam mit einigen Jungendlichen und den MedientrainerInnen kistenweise Kabel abzuschrauben, abzuziehen und zusammenzurollen, Monitore und Mischpulte zu verstauen und Computer und Kamerasets abzutransportieren.

Die ersten Eltern kamen und nach und nach wurden alle Jugendlichen abgeholt. Fast alle waren traurig, dass es schon vorbei ist. Die meisten waren stolz auf ihre Produkte.

Es war eine gute Zeit. Alle hatten Spaß und es wurde viel gelernt, nicht nur über Technik und Journalismus, sondern auch Teamarbeit, selbstständiges Verhalten und reflektiertes Handeln waren zentrale Aspekte.

 

4.    Das Ergebnis

Entstanden ist in den 5 Tagen im „Grend“ eine Magazinsendung von 30 Minuten Länge. Enthalten sind die Beiträge über die Lichtburg, über das Kinderspielhaus Kalle in Essen-Karnap und über den Klettergarten „Tree 2 Tree“, ein Interview mit dem Parcourkünstler Pablo und ein Interview mit Mark Weide alias Magic Marc und mehrere Umfragen in denen herausgefunden werden sollte, was Essen Jugendlichen zu bieten hat und welchen Freizeitwert die Ruhr und das Ruhrufer für die Essener bieten.

Die Sendung wurde im Offenen Kanal Essen e.V. im Nachmittagsprogramm mit mehreren Wiederholungen ausgestrahlt. Die Sendung war auch für alle, die nicht über Kabelfernsehen verfügen, per Internetstream auf der offiziellen Internetseite des Offenen Kanals www.ok43.de verfolgbar. Es wurde auch eine Master-DVD erstellt, die bei Bedarf kopiert werden kann.

Alle 16 teilnehmenden Jugendlichen haben die Chance bekommen, jeden Schritt einer TV-Produktion nachzuvollziehen und selbst auszuprobieren. Sie wurden dabei von den MedientrainerInnen und der Freizeitpädagogin technisch und inhaltlich beraten und unterstützt. Einige Jugendliche haben sich so mit dem Medium angefreundet, dass sie nach Beendigung des Ferien-Projektes mit Hilfe der Medientrainerin eine Videogruppe gründeten, um Inhalte für die Internetpräsenz von townload-essen.de und für „Fifteen“ – das Jugendvideomagazin im Offenen Kanal zu produzieren.



Nr. 47 Kulturzentrum Pelmke, Hagen - Pelmke Exhibition 2008

 

Die EXHIBITION versteht sich als Sprungbrett für KünstlerInnen aus Hagen und der Region, besonders auch für die, die das erste Mal ihre Arbeiten der Öffentlichkeit präsentieren. Außerdem ist sie Kontaktbörse, bei der bestehende Netzwerke gestärkt und neue Kooperationen geschlossen werden.

Die Mischung von „Newcomern“ und erfahrenen KünstlerInnen, bietet den Teilnehmenden einen bereichernden Austausch und präsentiert den Besuchern eine

erfrischende Vielfalt. Bei der Pelmke Exhibition 2008 wurden erstmals gezielt auch  Kinder & Jugendliche als KünstlerInnen gesucht und gefunden.

Ein weiteres wichtiges Merkmal der EXHIBITION ist die Verbindung von Bildender

Kunst und Live Darbietungen von Musik über Tanz, Lyrik, Film usw.

Ein Live Spektakel, in das die KünstlerInnen bereits bei der Planung mit einbezogen sind, und das Geschehen in enger Zusammenarbeit mit den Projekt Leitern gestalten.

 

Nach einem Aufruf in der lokalen und regionalen Presse im Winter 2007, meldeten sich bei einem ersten Informationstreffen bereits 20 KünstlerInnen zur Exhibition 2008 an. Besonders erfreulich war, dass einige Künstlergruppen und Vereine dabei waren, die durch gemeinsame Kooperation wirksame Multiplikatoren waren. Auch eine Gruppe der Bodelschwinghschen Antstalten Bethel, die im Rahmen eines Projektes mit Kalligraphie gearbeitet haben, meldeten sich an.

Bereits Anfang 2008 waren alle Plätze vergeben, und weitere Interessierte mussten

leider abgelehnt werden. An den folgenden Planungstreffen nahmen jeweils immer ca. 20 KünstlerInnen teil.

Im Projektverlauf verwandelten 60 Bildende und an die15 Live KünstlerInnen aus der Region bis hin nach Köln und Berlin, im Alter von 8-75 Jahren, Anfänger und Profis, das KUZ Pelmke für 3 Tage in eine große Galerie und Live Bühne.

Die KünstlerInnen waren in der Auswahl Ihrer Arbeiten frei, es gab kein übergeordnetes Motto oder qualitative Vorgaben. Die TeilnehmerInnen unterstützen sich best möglich bei Auswahl und Präsentation ihrer Arbeiten.

Das Kulturzentrum stellte das technische Equipment (Beleuchtung, Bildhalter, etc.) zur Verfügung und übernahm die Gesamtkoordination des Projektes. Zur Ausstellungseröffnung wurde ein  Katalog produziert, in dem die TeilnehmerInnen die Möglichkeit hatten sich in Wort und Bild, sowie Kontakt Informationen vorzustellen.

Was gab es zu sehen und zu hören:

Vor dem Eingang musste jeder Besucher zum „Eintritt“ ein kleines Bild malen

Malerei unterschiedlicher Techniken

Zeichnungen

Fotografie

Raum Installation

Skulpturen aus Metall, Stein und Holz

Kurzfilmprogramm von Hagener und Kölner FilmemacherInnen

Tanzperformances mit  Bollywood, Hip Hop & Modern Dance von Kids  Jugendlichen bis hin zu Profis

Live Musik von Country Rock, Chanson, Rap, bis zu Dudelsackspieler, Klassik und Klezmer

Wissenschaftliche Experimente als Varieté

Lyrik Lesung

Industrial Raum-Klang-Video Installation

 

Die Exhibition wurde über lokale und regionale Presseartikel, Radio Beiträge, Flyer, Plakate und Mundpropaganda beworben. Ca. 800 Besucher von Klein bis Groß kamen an den 3 Veranstaltungstagen.

Von den TeilnehmerInnen wurde die Veranstaltung als voller Erfolg gewertet.

Die KünstlerInnen haben interessante und weiterführende Kontakte untereinander und

auch mit Besuchern geknüpft und es sind bereits weitere Zusammenarbeiten entstanden. Einige haben auch Kunden gewonnen und Arbeiten verkauft.

Außerdem sind einige neue Projekt Ideen entstanden, die über eine weitere Exhibition hinausgehen, und von denen einige bereits in konkreter Planung sind.

Die Wiederbelebung des Cafés im Kulturzentrum mit regelmäßigen Einzel-Ausstellungen wird in Zusammenarbeit des KUZ Pelmke und einigen KünstlerInnen aktuell organisiert.

Für das Kulturzentrum war die Exhibition eine wichtige Darstellungsmöglichkeit als multifunktioneller Ort für Experimente, Selbstorganisation und Treffpunkt für unterschiedlichste Bevölkerungsgruppen, und trägt weitere Früchte für folgende Projekte.

 


Nr. 44 aufabwegen, Köln – Geräuschwelten

 

Im Jahre 2008 wurde von Februar bis Dezember das Projekt „geräuschwelten“ von aufabwegen durchgeführt, welches mit Mitteln der LAG, des Kulturamts Köln und des Kulturamts Münster gefördert wurde.

Im Rahmen des Projekts „geräuschwelten“ sollte der international aktive Szene der zeitgenössischen elektronischen Musik in zwei Feldern weiter entwickelt werden: durch Vernetzung und künstlerischen Austausch und durch ein dezidiertes Sound Projekt mit dokumentarischem Charakter. Im zweiten Feld hat sich eine inhaltliche Änderungen ergeben dahingehend, dass das ursprünglich geplante Konzept, mit Klängen aus dem Kölner Zoo zu arbeiten und die Basisklänge als Grundlage für eine internationale CD-Veröffentlichung zu verwenden, leider organisatorisch und finanziell nicht umsetzbar war. Dieses Vorhaben soll nun im Rahmen der MusikTriennale 2010 in Köln umgesetzt werden. Ein Soundprojekt mit vermittelnden Aspekten konnte aber trotzdem umgesetzt werden, welches eventuell sogar noch spannendere Ergebnisse als das ursprüngliche Vorhaben produzierte: durch eine günstige Umstände konnte der schwedische Ausnahmekünstler Carl Michael von Hausswolff gewonnen werden, ein Klangprojekt zum Thema Flughafen zu machen und mit Geräuschen von Flughäfen eine CD zu produzieren. Seien Recherchearbeiten und Arbeitssituationen hat er wiederum zu einem künstlerischen Film verarbeitet, der im Rahmen eines Präsentationskonzertes gezeigt wurde (mit anschließender Diskussion). Dies brachte den gewünschten Effekte des Sound-Projekts sehr schön zur Geltung: durch starke, eigenständige künstlerische Arbeit wird dem Publikum die Möglichkeit des Arbeitens mit dem Alltäglichen, mit den Geräuschen des Alltags gewahr.

Im Zuge der internationalen Vernetzung wurden zahlreiche Begegnungen zwischen verschiedensten Künstlern ermöglicht und vor allem durch neue Kooperationspartner auch die Geräuschmusik an völlig neuen Orten präsentiert (Städtische Bühnen, Museum Ludwig). Kurator der Reihe „geräuschwelten“ war Till Kniola. Folgende Konzerte konnten 2008 veranstaltet werden. Die Konzerte im Februar fanden im Rahmen des Klangzeit Festivals 2008 statt, bei dem der Veranstalter, die Gesellschaft für neue Musik Münster, aufabwegen eingeladen hatte, zwei Abende mit Geräuschmusik im Sinne der Publikumsentwicklung zu präsentieren. Diese Abende wurden von der GNMM finanziert.

 

Die Konzerte waren im Einzelnen:

08.02. N.U.Unruh (Einstürzende Neubauten) vs. Pure, Klangzeit Festival cuba/blackbox, Münster

09.02. Marcus Schmickler vs. Chad Popple, Klangzeit Festival Städtische Bühnen, Münster

06.04. Illusion Of Safety, If, Bwana, mecha/orga, Stadtgarten/Studio 672, Köln

17.05. Ah-Cama Sotz, Paul Hubweber, Michael Northam, Josef Suchy, cuba/blackbox, Münster

06.06. Inade, BJNilsen, [law-rah] collective, Anemone Tube, cuba/blackbox, Münster

12.09. Carl Michael von Hausswolff, Filmforum NRW, Museum Ludwig, Köln

26.09. Francisco Lopez, Fetisch Park, Das Synthetische Mischgewebe, cuba/blackbox, Münster

11.11. Merzbow + Richard Pinhas, Das Synthetische Mischgewebe, Stadtgarten, Köln

29.11. Asmus Tietchens, Thomas Köner, Pure vs. HATI, cuba/blackbox, Münster

 

Insgesamt ist festzuhalten, dass es durch die Veranstaltungsreihe gelungen ist, den internationalen künstlerischen Austausch und die Vernetzung zu fördern, mehr Publikum für die das spezielle Feld der  Geräuschmusik zu gewinnen und ein künstlerisch spannendes Soundprojekt durchzuführen.

 

Neben der Förderung durch die LAG Soziokulturelle Zentren NW e.V. wurde die Veranstaltungsreihe anteilig vom Kulturamt der Stadt Münster und vom Kulturamt der Stadt Köln gefördert. Bei allen Förderinstitutionen möchten wir uns hiermit noch einmal herzlich bedanken!

 


Nr. 45 BAF, Köln - Vielfalt = Spannung + Abenteuer

 

Das kulturpädagogische Projekt wurde im zweiten Halbjahr 2008 in der Alten Feuerwache durchgeführt. Zielgruppe waren Kinder, Mädchen und Jugendliche aus den drei pädagogischen Bereichen (Kinderbereich, Mädchenbereich, Jugendbereich). Die regelmäßigen BesucherInnen kommen aus verschiedenen kulturellen und gesellschaftlichen Gruppierungen, insbesondere aus sozial benachteiligten Familien.

Das Projekt hatte zum Ziel, die Vielfalt und Unterschiedlichkeit von Lebenshintergründen, Sichtweisen und Interessen der Kinder, Mädchen und Jugendlichen aufzugreifen und zum Thema zu machen. Die Heranwachsenden sollten auf spannende Weise angeregt werden, sich mit künstlerischen Mitteln selbst auszudrücken und in ihrer Verschiedenheit wahrzunehmen.

Höhepunkt und Abschluss des Projektes war die gemeinsame Präsentation am Sonntag, den 25. Oktober 2008 im und vor dem Saal der Alten Feuerwache. Die öffentliche Veranstaltung unter dem Thema „Vielfalt macht´s spannend“ wurde von ca. 180 Kindern, Jugendlichen, Eltern, Freunden und anderen besucht. Die unterschiedlichen künstlerischen Produkte der verschiedenen Altersstufen und Geschlechter fanden im ebenfalls breit gemischten Publikum sowie bei der Presse eine positive Resonanz.

 

Kinderbereich der Alten Feuerwache - Tanzende Besen, Becher, Bälle – Rhythmus gibt´s auf alle Fälle“ - Stomp-Theater

 

Um das Thema „Vielfalt“ mit Kindern aus dem Kindertreff möglichst spielerisch, handlungsorientiert, vielfältig und spannend umzusetzen, war das Medium Schwarzlichttheater vorgesehen. Mit einer Gruppe bis zu zwölf Kindern verschiedener kultureller und sozialer Hintergründe im Alter von sieben bis zwölf Jahren sollten verschiedene von den Kindern selbst entwickelte Szenen erarbeitet werden. Diese sollten,  eingebettet in eine Rahmengeschichte, Vielfalt im Leben von Kindern mit theatralen Mitteln zum Ausdruck bringen.

Da im Kölner Raum keine TheaterpädagogInnen mit Kompetenzen für Schwarzlichtheater zur Verfügung standen, haben wir nach einer anderen Theaterform mit einem starken spielerischem und experimentellem Charakter gesucht und das Medium Stomp ausgewählt. Stomp beinhaltet ungewöhnliche Verbindungen von Alltagsgegenständen, Rhythmen, Bewegungen und kurzen Geschichten und lädt zum Experimentieren ein.

Eine besondere Schwierigkeit beim Start des Theaterprojektes bestand zunächst darin, den Kindern zu vermitteln, was Stomp-Theater bedeutet. Um einen  Eindruck zu schaffen und für das Projekt zu motivieren, haben wir sowohl Auszüge einer DVD über Stomp eingesetzt als auch zwei praktische Schnupper-Einheiten angeboten.

Daraufhin haben sich zehn „Kindertreff-Kinder“ deutscher, türkischer und griechischer Herkunft im Alter von acht bis zwölf Jahren für das Projekt angemeldet. Von dem auf Rhythmus ausgerichteten Charakter des Stomp haben sich besonders Kinder angesprochen gefühlt, die in der Theaterarbeit weniger kognitiv und verbal ausgerichtet sind und bei anderen Theaterprojekten eher nicht teilgenommen haben. Sehr auf Sprache ausgerichtet Kinder waren weniger interessiert. Zu den TeilnehmerInnen gehörten auch zwei Kinder mit Lernbehinderung.

Über neun Nachmittage (hauptsächlich in den Herbstferien) haben die Kinder intensiv in einer Gruppe zusammengearbeitet und sich mit Unterstützung von zwei TheaterpädagogInnen mit Theater, Rhythmen und Geschichten aus ihrem Lebensalltag beschäftigt.

Ein Junge hat das Projekt abgebrochen, weil er die regelmäßige verbindliche Teilnahme an den Probeterminen trotz pädagogischer Begleitung (wiederholtes Erinnern, Anrufen, Motivieren etc.) nicht leisten konnte.

Im Zentrum der ersten fünf Nachmittage stand das Experimentieren mit dem zur Verfügung gestellten Alltagsgegenständen (Tonnen, Besen, Becher, Bälle und Tüten). Jeden Nachmittag wurden ein Material vorgestellt, von dem für jedes Kind ein Exemplar zur Verfügung stand, und in vielfältige Spiele und Übungen – teilweise auch mit Musik - eingebunden. Dabei haben sich die Kinder von den Gegenständen zu verschiedenen Bewegungen und Geräuschen inspirieren lassen und wurden angeregt, diese auch anderweitig einzusetzen (z.B. Geräusche mit beiden Seiten eines Besens auszuprobieren).

Es wurden zahlreiche theaterpädagogische Spiele und Übungen mit und ohne Material eingesetzt, um Theatertechniken zu vermitteln, die Zusammenarbeit in der Gruppe zu stärken, Themen zu erarbeiten und gemeinsam Spaß zu haben.

Jeder Nachmittag wurde mit dem gleichen Ritual (rhythmischen Spiel) begonnen und mit einem gemeinsamen Abschlussritual beendet.

Bei dem spielerischen Experimentieren mit den ausgewählten Gegenständen wurde der Einsatz von Rhythmen zunehmend in den Vordergrund gestellt. Die Kinder haben sich sowohl selbst Rhythmen mit dem jeweiligen Material ausgedacht haben als auch Rhythmen erlernt. Dieses Prinzip wurde auch bei der Ausarbeitung der Szenen angewandt: in einem Teil der Szenen war der Rhythmus von den Kindern komplett selbst erarbeitet, in einer Szene wurde er vorgegeben.

 

Vom ersten Nachmittag an haben die Kinder beim Ausprobieren des Materials unter der Fragestellung „Was ist das für ein Material?  Wo findet man es in meiner Umgebung?  Was kann man damit machen?“ Orte bzw. Situationen zu den einzelnen Gegenstände entwickelt. Zugeordnet wurden Baustelle, Einkaufen in der City/ Bus-Haltestelle, Putzen, Mittagessen, Turnhalle. Auf diese Weise wurden fortlaufend die Grundlagen für den späteren Szenenaufbau gesammelt. 

Am fünften Nachmittag wurden aus einem Spiel zum Tagesablauf die Bestandteile der Rahmengeschichte ( „Mein Tagesablauf“) entwickelt, die die verschiedenen Orte und Szenen miteinander in Verbindung bringen sollte. Der Text der Rahmengeschichte wurde auf Kassette gesprochen und eingespielt.

Die Kinder konnten sich nun aussuchen, in welchen Szenen sie mitspielen wollten. Für die einzelnen Szenen haben sie verschiedenen Personen-Typen entwickelt (z.B. Chef, der Faule, der Fleißige) und haben sich ihre Rollen selbst ausgesucht. In jeder Szene war ein anderes Kind Chef/ Chefin und hat als solche/ r den Rhythmus vorgegeben und die anderen haben imitiert, oder mit einem Rhythmus begonnen und die anderen haben mit ihrem Rhythmus geantwortet.

An den drei folgenden Nachmittagen wurden - hauptsächlich in Kleingruppen - die einzelnen Szenen weiter ausgearbeitet. Inszeniert wurden fünf Szenen, in denen jeweils ein Material rhythmisch bespielt wurde:

In der Stadt/ an der Bushaltestelle – Tüten

Mittagspause in der Schule – Becher

Putzkolonne  in der Schule – Besen

Sport in der Turnhalle – Basketbälle

Auf der Baustelle – Tonnen und kleine Percussion-Instrumente

Bei der Generalprobe konnten die Szenen auf der professionellen Bühne im Veranstaltungssaal geübt werden, wodurch die Motivation und Ernsthaftigkeit der Kinder nochmals gesteigert wurde.

Die ca. 20minütige rhythmische Stomp-Theater-Aufführung „Tanzende Besen, Becher, Bälle – Rhythmus gibt´s auf alle Fälle“ fand bei den ZuschauerInnen großen Anklang.

 

In diesem Projekt ist es gelungen, in einem relativ kurzen Zeitraum mit Kindern, die rhythmisch eher wenig sicher sind, eine ungewöhnliche spielerische und anspruchsvolle Verbindung von Theater und Rhythmik herzustellen und diese mit Spaß zu vermitteln.

 


Nr. 39 AK Kulturarbeit der Mütze - Köln - Mülheim - Weggeworfen - wertlos?

 

vorab

im bürgerzentrum mütze in köln-mülheim existiert schon seit längerem kein Kinderbereich mehr. die Probleme im Stadtteil haben sich in den letzten Jahren verschärft. als Stichworte seien angeführt: soziale not, Kinderarmut, kulturelle Unterversorgung, steigende Chancenlosigkeit für Kinder aus Migrantenfamilien.

gemeinsam mit Herrn oberem – in der mütze für Kultur zuständig – entwickelte ich vor diesem Hintergrund die Idee für einen Kunst-workshop für Kinder im Alter von 10 Jahren. das Projekt sollte eingebunden sein in die in Mülheim seit längerem existierende Vernetzung der verschiedenen im Stadtteil tätigen Akteure. wir fanden für die Durchführung als Kooperationspartner die Hauptschule Tiefentalstrasse (Ganztagsschule mit Arbeitsgruppen an den Nachmittagen). am Workshop nahmen zwölf Schülerinnen und Schüler der Klassen 5a und 6a teil, die die Arbeitsgemeinschaft Kunst gewählt hatten.

 

Konzept

das Ergebnis des Workshops sollte ein großes kunstwerk – eine Installation, eine Skulptur – sein, die am Ende in der Dachkonstruktion über dem Saal der mütze hängend ausgestellt werden sollte. die Kinder sollten Kunst machen, am Ende vor einem großen Kunstgebilde stehen, staunend, zu was sie fähig sind, und stolz auf ihre Arbeit.

das Gesicht des Stadtteils rund um das bürgerzentrum mütze „schminkt sich“, grell, auffallend, aufdringlich – mit Müll. den verborgenen Schönheiten nachgehen in der hässlichen Fratze, in der klischeeförmig verformten Selbstkarrikatur des „sozialen Brennpunkt“-Stadtteils – das Material liegt also im Wortsinn auf der Straße: Müll. das ist mein bevorzugtes material als Künstler und ich weiß aus Erfahrung mit anderen Workshops, wie spannend das für Kinder sein kann. das Material trägt „von selbst“ Ideen und künstlerische Ansätze mit sich. man braucht es „nur“ aus dem Zusammenhang des achtlos weggeworfen seins herausnehmen, es neu zusammenzusetzen und die Chancen stehen nicht schlecht, das daraus poetische Funken schlagen. „alle Kunst kommt aus dem vermüllten Gerümpel.“ (1)

die Kinder sollten nichts aufheben, was sie ekelhaft finden. Lebensmittel, gebrauchte Spritzen, tote Tiere etc. waren tabu – nicht anfassen, nicht mitnehmen.

nur leichte Materialien sollten gesammelt werden, die in Maschendraht einflechtbar und mit kleister/ Pappmaché fixierbar sind. holz- und plastikgegenstände sollten als Konstruktionselemente benutzt werden. die Farbigkeit sollte sich aus der gezielten Verwendung der gefundenen Materialien ergeben (z.b. die Buntheit von Plastiktüten).

die Installation, die Skulptur sollte „organisch wachsen“, Sammelspaziergänge im Stadtteil immer dann unternommen werden, wenn das früher gesammelte Material verbaut war.

die Arbeit sollte als gruppe getan werden, mit viel Freiraum für einzelne oder kleinere Untergruppen, nach ihren Vorstellungen und Fähigkeiten individuell Akzente zu setzen.

die Frage, ob wir eine konkrete Figur bauen – ein Tier, ein Roboter, eine menschliche Figur – oder die form sich aus den gefundenen Materialien ergeben würde, war offen.

die „Technik“ – Assemblage plus kleister und Pappmaché erfordert Geduld und Durchhaltevermögen, die „Mühsal der ebenen“ würde sich erst im Anblick des Ergebnisses als notwendig und sinnvoll erschließen. „Kunst ist schön, macht aber viel Arbeit“(2).

es sollte auch um eine Auseinandersetzung mit dem Ort gehen, mit dem Stadtteil, in dem die Kinder leben: eine Neu-Aneignung mit künstlerischen Mitteln – genau so, wie ich mir selbst als Künstler orte aneigne.

ich habe versucht, mich nicht zu eng festzulegen auf ein starres Konzept, mich wach und offen zu halten für die Impulse der Kinder. der gemeinsame Prozess sollte im Vordergrund stehen.

um den zu erwartenden „Disziplinschwierigkeiten“ zu begegnen und die Sammelspaziergänge sicher gestalten zu können, planten wir eine zweite Person als Begleiterin ein. schon wegen des mehr als 50prozentigen Mädchenanteil in der gruppe sollte es eine frau sein. elfie ritter übernahm den Part (sie ist u.a. Kampfsporttrainerin mit langjähriger Erfahrung in der Arbeit mit Mädchen).

an einem der ersten Termine plante ich einen Ausflug ins Museum Ludwig. mit einer befreundeten Mitarbeiterin des Museumsdienstes hatte ich eine spezielle Führung verabredet. keines der Kinder war schon einmal in einem Kunstmuseum.

 

Vorbereitung

ich unternahm einen ausgedehnten Stadtteilspaziergang mit Peter Bach, der seit 30 Jahren aktiv ist in den sozialen und politischen Netzwerken des Stadtteils; und führte mehrere ausführliche Gespräche mit Mitarbeiterinnen der mütze und der Schuldirektorin der Hauptschule Tiefentalstrasse, frau stumpf. bei einem netzwerktreffen in der mütze hörte ich den äußerst selbstkritischen und reflektierenden Bericht des Leiters des Don-Boso-Clubs über die Arbeit dieser „offenen Tür“, die in direkter Nachbarschaft von mütze und Hauptschule Tiefentalstrasse liegt.

 

Probleme

an die Hauptschule Tiefentalstrasse werden von den umliegenden Grundschulen vor allem die „Problemfälle“ abgegeben. die Schule ist z.b. bei der Bewerbung für ausbildungsplätze eine der schlechtesten Adressen von Köln.

der Workshop begann nach den Sommerferien. die Hälfte der Schülerinnen (klasse 5a) waren neu an der Schule, sie lernten sich gerade erst gegenseitig kennen. Freundschaften waren noch nicht geschlossen, jedes Kind war noch dabei im neuen Umfeld seine Position zu finden.

die altersspanne bewegte sich zwischen 10 und 13 Jahren (teilweise mehrfaches sitzenbleiben). die jungen waren 10, einige der Mädchen 13 Jahre alt.

ein Junge wurde anfangs von allen anderen gemobbt und reagierte mit jähzorniger Aggressivität, was ihn weiter zu isolieren drohte. auch zwischen verschiedenen anderen kam es immer wieder zu heftigen verbalen, aber auch körperlichen Auseinandersetzungen. jedes einzelne Kind „schrie“ auf die ein oder andere Art und Weise nach ungeteilter Aufmerksamkeit und Zuwendung.

nur wenige – vor allem die jüngeren Mädchen – waren von Anfang an in der Lage, sich länger als 15 Minuten auf etwas zu konzentrieren.

meine Sicherheit aus anderen Workshops, ich „begeistere“ die Kinder durch praktisches tun, lief hier zunächst völlig ins Leere.

der Workshop begann jeweils mittwochs um 14.15 Uhr, die Kinder hatten also schon viele Stunden Unterricht ohne Bewegung hinter sich. ein Teil der ständigen Unruhe war dem Bewegungsdrang geschuldet.

es war hilfreich und problematisch zugleich, den Workshop außerhalb der Schule durchzuführen. die Kinder genossen die unschulische Atmosphäre des bürgerzentrums, hatten aber gleichzeitig wesentlich mehr Möglichkeiten der Ablenkung. unter einem Künstler „aus Fleisch und Blut“ konnten sich die Kinder nichts vorstellen, so jemand war in ihrem bisherigen leben nicht vorgekommen. ich war kein Lehrer, verhielt mich offensichtlich auch nicht so. sie waren neugierig, ablehnend und aufsässig; versuchten mich auszutricksen, zu provozieren – es brauchte mehrere treffen, bis wir ein gegenseitig ein eingespieltes, halbwegs „normales“ umgehen miteinander gefunden hatten.

trotz entsprechender Mitteilungen an die Eltern kam keines der Kinder mit angemessener Kleidung (Arbeit mit Kleister und Farbe). so konnten nur wenige wirklich im werkeln „alles um sich herum vergessen“. besonders die Kinder, die peinlichst genau darauf achteten, dass ihre Kleidung sauber blieb, gingen äußerst unachtsam mit den Arbeitsmaterialien und dem Raum um, in dem wir arbeiteten.

wichtig für einen produktiven Umgang mit den Problemen und letztlich für ein Gelingen des Projektes waren: der ständige austausch und die Reflektion mit frau stumpf und Herrn oberem; die gute Zusammenarbeit zwischen Frau Ritter und mir, und die geduldige Unterstützung durch Robert Marelle und andere Mitarbeiterinnen der mütze.

 

verlauf

„ich fasse keinen Müll an“.

„wenn mich jemand sieht, wie ich hier Müll aufhebe, kann ich mich nirgends mehr blicken lassen“.

„wenn mein Onkel mich sieht“.

„mein Vater erlaubt mir nicht, Müll aufzuheben“.

so oder ähnlich waren die Reaktionen der meisten Kinder während des ersten Sammelspaziergangs im Stadtteil.

die Widerstände waren so groß, dass ein festhalten am ursprünglichen Konzept die wenige Energie der Kinder in einem Machtkampf hätte verbrennen lassen. die Kinder bestanden darauf, einen konkreten Gegenstand zu bauen.

nach dem ersten Workshoptermin waren wichtige Elemente meines ursprünglichen Konzepts hinfällig.

beim zweiten treffen legten wir die zu bauende Figur fest. die Kinder machten verschiedene Vorschläge, wir sprachen über die vor- und Nachteile der Vorschläge und die zu erwartenden Schwierigkeiten beim bauen. sie entschieden sich per Abstimmung für einen Löwen. dann sollten sie wie „richtige Künstler“ sich mit Zeichnungen klarmachen, was an der Figur eines Löwen wichtig ist. gegen Ende versuchten wir, die Zeichnungen unter diesem Aspekt zu besprechen. dieser Termin war eine „mittlere Katastrophe“. die individuell sehr unterschiedlich entwickelten Zeichenfähigkeiten förderten die Konkurrenz, der Abstimmungsvorgang geriet zum Kampf um die Führung in der gruppe.

meine Quintessenz: bei den nächsten Terminen müssen schnell sichtbare Fortschritte beim Bau der Skulptur entstehen. dazu reduzieren wir den Löwen auf die wichtigsten Teile und diese wiederum auf möglichst einfache Formen: vier „röhren“ für die Beine, zwei größere „Röhren“ für den Körper, eine „Kugel“ als Kopf und natürlich einen Schwanz. sollten die Kinder schneller als zu erwarten damit fertig werden, könnten Tatzen (kleinere Kugeln) und eine Mähne hinzukommen. die Figur sollte am Ende bemalt werden.

bei den nächsten Terminen fertigten die Kinder in zunehmend festeren kleingruppen nach und nach die „röhren“ aus Maschendraht und begannen, sie mit zeitungspapierschnipseln zu bekleben. es existieren keine Fotos von den ersten Nachmittagen, weil frau ritter und ich unsere ganze Konzentration darauf richten mussten, die Auseinandersetzungen zwischen den Kindern nicht ausufern zu lassen, Hilfestellungen zu geben und uns abwechselnd intensiver um einzelne besonders auffällige Kinder zu kümmern. es gelang uns z.b. erst gegen Ende des Workshops, den anfangs extrem gemobbten jungen Anschluss an einen Teil der gruppe finden zu lassen.

die ersten Fotos stammen vom 4. Termin. für fast eine Stunde waren die meisten Kinder konzentriert bei der Arbeit – eine Art Durchbruch.

die Kinder arbeiteten sehr unterschiedlich mit dem Material. wir ermutigten sie, einen eigenen Weg zu finden. einige entdeckten, welche lustigen und absurden neuen zusammenhänge sich ergeben, wenn man teile von anzeigen, Fotos, Überschriften zusammenklebt. einige klebten sehr viele Schichten übereinander, andere nur zwei oder drei; einige arbeiteten die bunten Werbeprospekte zu farblich homogenen flächen, andere klebten „wild durcheinander“.

bei den ersten Treffen führten vor allem die älteren Mädchen eine Art Machtkampf mit uns: wie weit können sie gehen, werden sie sanktioniert. beim dritten Termin haben wir von Frau Stumpf vorbereitete Arbeitsblätter dabei (Rechenaufgaben). wer nicht mitarbeitete oder die anderen Kinder permanent störte, musste sich an einen separaten Tisch setzen und Aufgaben lösen (das hatten wir am Anfang angekündigt). solches Vorgehen ist mir fremd, aber nach dieser „Machtprobe“ wurde es bei den nächsten Treffen leichter, das nötige Mindestmaß an Disziplin aufrecht zu erhalten.

einige Kinder kamen bei der Arbeit – biegen von Maschendraht zu einfachen Formen, fixieren mit Draht, Zeitungspapier reißen und mit breiteren pinseln mit Kleister Schicht für Schicht um die Drahtformen kleben – an ihre feinmotorischen Grenzen. einige halfen sich gegenseitig, andere zogen sich immer wieder schnell zurück, hatten keine Lust, fanden das ganze „kinderkram“, „streikten“ oder versuchen die anderen zu stören und provozierten streit.

 

Farbe fließt

im Hinblick auf das Ergebnis des Projektes lief uns eigentlich die zeit davon – bei aller Prozessorientiertheit sollte und musste am Ende ein „richtiges“ kunstwerk stehen. wir entschieden uns trotzdem, einen „freien“ Nachmittag einzuschieben: als alle Einzelteile des Löwen fertig waren – im Rohbau und noch nicht bemalt – trafen wir uns zu Kakao und Kuchen an einer langen Tafel mit weißer Tischdecke. Mitarbeiter der mütze bedienten uns.

in der Rückschau war der Termin danach, an dem wir anfingen die teile zu bemalen, der konzentrierteste, produktivste und kreativste. mehr als eine Stunde lang malten alle Kinder eifrig. einige ließen die pinsel beiseite und benutzen ihre Hände, um immer neue Muster und Verwischungen auszuprobieren. zum ersten mal waren es nicht nur einzelne, die am Ende der zwei Stunden nicht aufhören wollten zu arbeiten.

 

Ausstellungseröffnung

den Abschluss des Projektes gestalteten wir wie eine richtige Vernissage. Den Löwen hatte ich am Vortag  gemeinsam mit Mitarbeitern der mütze in der Dachkonstruktion des Saals aufgehängt, ein prominenter Platz – die einzelnen Teile frei hängend, so dass die ganze Figur mit jedem Luftzug „lebendig“ werden konnte.

gute Kunst verändert den Raum, in dem sie präsentiert wird. Der Löwe nahm es leicht mit diesem Raum auf und hing gleichzeitig so selbstverständlich dort, als wäre er schon immer da gewesen.

der Sonnenschutz unter dem Löwen war zugezogen, so dass man ihn von unten aus dem Saal heraus nicht sehen konnte.

Herr Oberen begrüßte das Vernissagepublikum – die Kinder, einige Lehrer der Hauptschule Tiefentalstrasse, MitarbeiterInnen der mütze und einige Erwachsene aus dem Umfeld der mütze. die Direktorin der Hauptschule, frau stumpf, hielt die Eröffnungsrede – hoch offiziell und angemessen feierlich. dann wurde der Sichtschutz beiseite geschoben. „Herr Römer, was bauen wir als nächstes?“ und sie fangen an zu streiten: „einen Delfin!“ „nein, einen Roboter!“ „nein, einen Dinosaurier,“ sagt m., und die anderen, die ihn lange systematisch gemobbt haben, hören ihm zu.

 

Fazit

„ein Tropfen auf den heißen stein“. und: ich habe mindestens so viel von den Kindern gelernt, wie sie von mir.

(1) Michael Thompson (2) Karl Valentin

 

Rückblick

auf ein Kunstprojekt im Bürgerhaus MüTZe unter der Leitung von Joachim Römer im 1. Schulhalbjahr 2008/09

 

Im Rahmen unserer Stadteilkonferenz hat die GHS Tiefentalstraße die Möglichkeit, mit den dort vertretenen Kooperationspartnern Projekte verschiedenster Art (künstlerisch-musisch, sportlich u.a.) zu gestalten.

In diesem Fall handelte es sich um ein Kunstprojekt größeren Umfangs, initiiert von Herrn Oberem, Kulturreferent in der MüTZe und dem Künstler Joachim Römer unter Mitwirkung von Schülerinnen und Schülern der 5. und 6. Klassen der GHS Tiefentalstraße.

Das Ziel sollte das gemeinsame Herstellen einer großen Plastik/Installation sein, als Material sollte im direkten Wohnumfeld auf Sammelspaziergängen gesammelt werden. Papier, Plastik Flaschen Tüten, leere Zigarettenschachteln usw.: kurz: Müll.

Müll?? – da gab es Riesenproteste, „ich hebe keinen Müll auf“, „ist ja ekelhaft“, „meine Eltern haben mir das verboten“, „da gehe ich nicht hin“, so und ähnlich lauteten die Kommentare der Schülerinnen und Schüler.

Also musste gehandelt werden. Gemeinsam mit Herrn Römer und Frau Ritter, die die Gruppe in allen Belangen unterstützte, wurden neue Konzepte entwickelt. Nach einigen Diskussionen und großem Hin und Her wurde entschieden, einen Löwen aus Draht und Pappmaché herzustellen.

Und dann ging es los: Jetzt wurde gebastelt, geschnitten, gezankt, geklebt, gekleistert, wieder vertragen, gemeckert, gemalt, sich schmutzig gemacht, die Kleider versaut, gelacht und anderes mehr.

Alle Kinder waren immer zur rechten Zeit im Bürgerzentrum anwesend, laut und meist fröhlich bei der Arbeit. Den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern in der MüTZe sei noch nachträglich Dank gesagt für ihren Einsatz.

Auf Nachfrage bei meinen Schülerinnen und Schülern bekam ich nur positive Rückmeldungen, die regelmäßige Teilnahme bestätigt dies.

In vielen Gesprächen mit Herrn Römer wurde ihm und mir klar, dass die Vorstellungen, die er von seinem Projekt zu Beginn hatte, sich so nicht verwirklichen ließen. Aus diesem Grund die berechtigte und schnelle Änderung, die Arbeit wurde in eine festere Struktur gepackt, womit die Schülerinnen und Schüler besser umgehen konnten.

Auch einen Besuch im Museum haben wir erst mal auf später verschoben – aufgeschoben ist nicht aufgehoben.

Eingebunden in dieses Projekt war ein gemütlicher Nachmittag mit Kakao und Kuchen. Bei dieser Gelegenheit erfuhr ich, dass alle Kinder und Erwachsenen ganz stolz auf ihre Arbeit und ihr Kunstwerk waren, was dann am 10. Dezember in der MüTZe der Öffentlichkeit vorgestellt wurde.

Als könnten sie kein Wässerchen trüben, so standen die Schülerinnen und Schüler vor uns, als wir offiziell die Ausstellung eröffneten, voller Stolz auf ihren „Schwebenden Löwen“. Stolz können aber auch Joachim Römer, Elfie Ritter und die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der MüTZe sein, die alle zum Gelingen beigetragen haben.

 

Nr. 41 Kulturbunker Mülheim e.V., Köln-Mülheim - Play gender - Geschlechterverhältnisse im Pop

 

„Frauen wird immer wieder suggeriert: Es ist alles erreicht! Ihr könnt alles schaffen, wenn ihr nur wollt! Aber sind die Forderungen des Feminismus wirklich eingelöst worden?“ (Klappentext Sonja Eismann „Hot Topic – Popfeminismus heute“, 2007) 

Was haben Geschlechterverhältnisse mit Popkultur zu tun war das Thema des Projektes?

Heute muss Frau nicht mehr als Mann verkleidet auftreten, jedoch sind Frauen in der Musik immer noch unterrepräsentiert. „Wenn eine Musikzeitschrift die 100 besten GitarristInnen auflistet, sind darunter nur fünf Frauen“ (Sonja Eismann in terz 12/07). 

Gerade in der populären Musik, vor allem im Rock / Punk / Hardcorebereich, ist der Anteil von Musikerinnen verschwindend gering und liegt um ca. 5 %. In der experimentellen Musik dürfte der Anteil sogar noch niedriger sein.

Frauen werden erst dann wahrgenommen, wenn sie hörbar erfolgreich sind.

Wenn Frauen in Bands spielen, dann als Sängerinnen. Ein Instrument spielende Frauen treten kaum auf. An Schlagzeug und Gitarre sind Frauen nahezu ausgeschlossen

Hier setzte das Projekt „Play Gender – Geschlechterverhältnisse im Pop“ an.

Warum ist der Anteil von Frauen in der populären Musik so gering?

Welche Rollenbilder werden transportiert und durch Medien vermittelt?

Warum ist 40 Jahre nach der zweiten Frauenbewegung keine „Chancengleichheit“  der „Geschlechter“ gegeben? Muss es von daher zunächst einen „Freiraum“ für Mädchen/ Frauen geben, wie bei den Ladyfesten, der Platz für Entwicklung lässt, Raum für feministische Kommunikation, Raum für eine „weibliche“ Ästhetik? (vgl. hierzu Lindsay Cooper in „Die lachenden Außenseiter“, Landolt, P. (Hg.) Zürich 93, S. 331) 

Sind die bestehenden Geschlechterverhältnisse ein Problem, weil wir die Konstruktion von Gender im Kopf haben und „Geschlecht“ eine gesellschaftliche Definitionsmacht hat?

Wie wirken Dekonstruktionen durch Queerbands auf HörerInnen?

Mit „Play Gender – Geschlechterverhältnisse im Pop“ sollte ein Forum geschaffen werden, das die Geschlechterverhältnisse in der populären Musik in Frage stellte und ins Wanken brachte

Das Projekt startete ab April und beinhaltete 4 Konzerte mit Solokünstlerinnen und Bands, die von Frauen geprägt sind, bzw. einen Queeransatz verfolgten und verschiedene, stilistische künstlerische Ansätze repräsentierten (Punk, Hardcore, Improvisation, Elektro) Vorab gab es einen thematischen Vortrag, wie z.B. Geschlechterverhältnisse in der Popmusik, Gender und Sex, Sexismus im Pop. Neben regionalen Bands und Künstlerinnen sollten auch überregional bekanntere und internationale Bands auftreten.

An Bands traten auf, aus dem Indiebereich Tiny Vipers (Februar), Clara Lucia (September) aus der improvisierten, elektronischen Musik GHQ (März), 16 Bitch Pile Up (Juni), und mit einer Spoken Word Performance die Indieikone Lydia Lunch (November), was auch der Auftakt zum 1. Kölner Ladyfest war, das vom 18.11 – 23.11. stattfand.

Zur Organisation dieses großen Festivals trafen sich seit März regelmäßig ein Kreis von 20 „popfeministischen Frauen“, die mit Soliaktionen zusätzliche Mittel erarbeiteten.

So konnte ein großartiges Festival mit vielen Workshops (Sexismus, Queerer Pop, Siebdruck, Scenes, etc.) Diskussionen (Ingrid Strobl „Etwas besseres als Gender?“), Theorie (Feminismus, Riot Grrrrls) , Filmen (Sarah Diehl, Gits), Konzerten (u.a. spielten (hooker), Kuupuu, Des Ark und Kania Tieffer) , Partys, Performances (Lynn Breedlove), auf die Beine gestellt werden, das mit fast 700 Besucherinnen phänomenal angenommen wurde.

 

Schön ist das die Ladyfestgruppe weiter existiert und der Kulturbunker mit „Play Gender“ eine Konzeptförderung für drei Jahre bekam. Diese nachhaltige Entwicklung hätte ohne das geförderte Projekt nicht stattgefunden. 

„Jawohl, sie hat`s geschafft“ (Les Reines Prochaines) rückt näher.



Nr. 42 Kulturbunker Mülheim e.V., Köln-Mülheim - Unter dem Pflaster liegt der Strand

 

Das Projekt "Unter dem Pflaster liegt der Strand" war eine (pop)kulturelle,  gesellschaftliche Spurensuche nach den Veränderungen aus 40 Jahre 1968.

Ausgehend von dem geschichtlichem Jubiläum 40 Jahre "Sommer der Revolution", des Aufbruchs, des studentischen, jugendlichen und subkulturellen Protestes, der großen Festivals (Woodstock / Monterey), des politischen Liedes, Demos gegen den Vietnamkrieg, Beginn der "sexuellen" Revolution, der "Sommer of Love", Anfang der Neuen Sozialen Bewegungen und zweiten Frauenbewegung und letztlich auch "Gründungsfunke" der soziokulturellen Zentren, wollten wir uns mit dem Projekt auf eine Spurensuche begeben. 

Das Projekt "Unter dem Pflaster liegt der Strand" war gemeinsam mit dem Publikum eine Spurensuche nach den Überbleibseln kulturellen und politischen Protestes der 68er. Mehreren Fragestellungen sind wir nachgegangen, wobei ausgehend von einem historischem Rückblick das Hauptaugenmerk auf der heutigen Zeit lag.

 

Was haben die 68er bewirkt und verändert?

Gibt es heute eine Verbindung von musikalischem Ausdruck und Protest und wo sind die Verbindungslinien?

Gibt es (Pop)Künstlerinnen die sich politisch verorten und wie drückt sich das aus? Gibt es Unterschiede von den USA zu Europa / Deutschland? 

Welche politischen, gesellschaftlichen Themen waren damals aktuell und welche sind es heute? 

Ist der politische Protest von damals, nach dem geforderten Marsch durch die Institutionen, im Mainstream angekommen?

Welchen Protest gibt es heute, oder ist dieser nur marginal vorhanden?

Was sind die gesellschaftlichen Bedingungen von Protest?

Gibt es heute einen kulturellen Ausdruck, der das politische, gesellschaftliche beinhaltet?

Wie nehmen Jugendliche und junge Erwachsene diese Zeit war?

Ist Protest eine Frage der Adoleszenz?

 

Das Projekt ermutigte sich kulturell mit gesellschaftlichen Fragestellungen auseinander zu setzen. In der multidisziplinären kulturellen Verknüpfung sollten unterschiedlich Kulturinteressierte angesprochen und für das Thema sensibilisiert werden.

   Die Ausstellung "Plakate aus 40 Jahren Neue Soziale Bewegungsgeschichte" bildete den Mittelpunkt, die von einem thematischen Kulturprogramm begleitet war. In diesem fanden  Vorträge, Filme und Konzerte statt, die miteinander verknüpft worden.

 

Das Programm im Einzelnen:

Plakatausstellung HKS 13 „Vorwärts bis zum nieder mit“

Mo 01.12. – Fr 19.12.

Die Plakatausstellung zeigte Plakate aus 40 Jahren unkontrollierten Bewegungen. Neben 68er Plakaten zu diversen Bewegungsthemen, waren auch „neuere“ zu sehen und zeigten die Geschichte der außerparlamentarischen Bewegungen auf.

 

Mo 01.12. - The One Ensemble

Daniel Padden fantastisches The One Ensemble spielte Musik zwischen Improvisation, Free Folk, Geräusch und betörender Schönheit. Leider war das Konzert nur mäßig besucht.

 

Di 02.12. - Ulrich Peltzer

Ulrich Peltzer las aus seinem hochgelobtem Zeitroman „Teil der Lösung“, in dem es u.a. um die Möglichkeiten des politischen Handelns geht. Peltzer versetzte seiner Handlung filmische Schnitte, dass die LeserInnen  selbst Teil der Lösung oder des Problems werden.

 

Do 11.12. - Die Goldenen Zitronen / Martin Büsser

Die Goldenen Zitronen sind eine der wenigen Bands, die sich im Pop mit dem Beharren auf die Konkretheit politischer Aussagen positionieren. Vorab gab es einen Vortrag von Martin Büsser über politpop und die Entwicklung seit 1968. Diese Veranstaltung war ausverkauft und ein großer Erfolg.

 

Di 16.12. - Wolfgang Seidel (Ton Steine Scherben)

Wolfgang Seidel las aus dem Ton Steine Scherben Buch und einem Text, der sich mit der popkulturellen Gegenwart auseinandersetzt. Vorab wurde der Kurzfilm „Lehrlinge“ gezeigt, der 1972 bei den Internationalen Kurzfilmtagen in Oberhausen den 1.Preis gewann.

 

Mo 08.12. - Jean Luc Godard Filmnacht

Weekend / Pierrot le fou  - Zwei Meilensteine der Subversion und des Anarchismus.

 

Fr 19.12. - Markus Mohr (HKS 13) : Vorwärts bis zum nieder mit…

Markus Mohr von HKS 13 gab zur Finnisage vom „Unter dem Pflaster liegt der Strand“ anhand der ausgestellten Plakate einen Streifzug durch 40 Jahre unkontrollierter Bewegungsgeschichte.

 

Fr 19.12. - 68 – Bewegen und bewegt haben

Film von vier FilmemacherInnen, in dem ZeitzeugInnen zu Wort kommen, die  kritisch, aber dennoch solidarisch mit den Ereignissen und ihrer persönlichen Geschichte zum Ende der 1960er Jahre umgehen.

 

Mit dem Projekt wollte der "Kulturbunker" zur aktiven Spurensuche ermutigen und ein Zeichen zur Verknüpfung von Kultur und Gesellschaft setzen.

Eine Losung der 68er war, dass der Alltag politisch ist, dies ist ein wenig sichtbar geworden, aber auch die geschichtliche Veränderung und Mainstreamisierung von Protestbewegungen.

 


Nr. 37 Werkhaus, Krefeld – Kontext

 

Wie schaffe ich Zusammenhänge? Wie verbinde ich Elemente künstlerischer und soziokultureller Arbeit? Wie binde ich kreatives Potential ein in die Weiterentwicklung der Einrichtung!

 

Das Werkhaus sucht verstärkt Verknüpfungsmöglichkeiten mit jungen Künstlern aus der Region, die eigene künstlerische Konzepte und Experimente realisieren wollen. Mit dem Projekt „Kontext“ sollte jungen Künstlern die Möglichkeit gegeben werden, mit einem durch die Projektfinanzierung gesicherten Etat, ihre künstlerischen Ambitionen unter Beweis zu stellen und unter professionellen Voraussetzungen zu arbeiten.

Die Idee verschiedene künstlerische Genre zu verknüpfen und eine Auseinandersetzung mit einem kunstengagierten, interessierten Publikum zu führen, ergab sich aus vielen Gesprächen seit Ende 2007. Das gemeinsam realisierte Filmprojekt „Antigone“ und die in dieser Zeit positive Zusammenarbeit führten zum Wunsch einer intensiveren konzeptionellen Zusammenarbeit.

Das Werkhaus setzte sich mit großen Erwartungen für die Realisierung des Projekts „Kontext“ ein, zumal in 2008 zwei interessante Veranstaltungen mit Beteiligung der Musiker Christian Baakes und Bastian Vogel sowie anderen jungen Leuten aus dem Umfeld der Musiker im Bereich bildender Kunst und Theater erfolgreich durchgeführt wurden.

Durch Moderation von Peter Neumann, freischaffender Fotograph und Dozent sowie der künstlerischen Realisation unter jeweiliger Leitung von Bastian Vogel (Leadsänger und Gittarrist der Band Serinity) und Christian Baakes (Schlagzeuger der Band Syntonic) wurden am 28.11. und 06.12.08 zwei Veranstaltungen organisiert und konzipiert, die von ihrem Anspruch her verschiedene künstlerische Genre verknüpfen sollten. Sowohl die organisatorische wie auch künstlerische Umsetzung wurde im Wechsel zwischen Herrn Neumann und jeweils einem der beiden Musiker realisiert. Es waren 10 Musiker beteiligt, die Besucherzahl beider Veranstaltungen betrug 65 Personen.

Auf Grund recht kurzfristiger Projektentwicklung ergaben sich dabei unterschiedliche Probleme bei der Realisierung:

Die Terminwahl gestaltete sich als äußerst schwierig. Es konnten lediglich Termine an zwei aufeinander folgenden Freitagen gefunden werden. Der professionelle Umgang mit Absprachen war nicht immer gegeben, da sich ein Zeitdruck entwickelte, der das Projekt zeitweise in Frage stellte. Inhaltlich mussten mehrfach Änderungen vorgenommen werden. Beteiligte stiegen kurzfristig aus den Vereinbarungen aus, sodass die Veranstaltungen trotz intensiver Vorbereitung und inhaltlich Vorarbeit die Erwartungen nicht erfüllen konnten! Konzeptideen konnten nicht umgesetzt werden, was zu starken Spannungen führte.

Die Werbung (Plakat, Flyer) musste entgegen der Absprache kurzfristig vom Werkhaus übernommen werden. Im Falle von Gerry X gefährdete ein kurzfristiger Krankenhausaufenthalt bis zwei Tage vor der Veranstaltung die Durchführung.

Im Ganzen waren die Vorbereitungen und die Umsetzung eine große Herausforderung und Belastung für alle Beteiligten. Auf Grund der engen Terminwahl und schlechten Vorbedingungen war eine Mobilisierung des Publikums schlechter als erwartet.

Aus Kontext wurden im Ergebnis zwei Veranstaltungen bestehend aus jeweils einer Lesung eingebettet in ein musikalisches Konzept von Konzeptmusik und Jamsession.

Zwei Extreme, Klaus Kinski „Ich bin so wild nach deinem Erdbeermund“ sowie Charles Bukowski wurden interpretiert und mit eigenen Texten der Protagonisten Lukas Mokros (Student der Philosophie, Germanistik) und dem Dichter Gerry X  ergänzt. Die Vortragenden sollten in einen kommunikativen Prozess mit den Musikern treten und so ein Spannungsfeld zwischen Worten, Szenensetting und spontanen Improvisationen schaffen.

Erstaunlicherweise gelang dem Nichtprofi Lukas Mokros eher die angedachten Erwartungen zu erfüllen als dem Profi Gerry X.

Aufgrund seiner Natürlichkeit und der fehlenden Bühnenerfahrung sprang der Funke zwischen Publikum, Musikern und Leser über, so dass eine Kommunikation zum und mit dem Publikum entstand, die nicht geplant aber durchaus innerhalb des Konzepts wünschenswert war.

Trotz der vielen Widrigkeiten waren die Veranstaltungen inhaltlich interessant und führten zu angeregten Gesprächen und kontroversen Auseinandersetzungen zwischen den Beteiligten.

Eine Weiterentwicklung von Veranstaltungskonzepten unter Einbindung örtlichen Kunstschaffender wurde in fortführenden Gesprächen festgeschrieben.

Dabei wurden auch die Rollen der Beteiligten kritisch hinterfragt und die Wichtigkeit einer stärker moderierten Veranstaltungsorganisation verabredet. Eine Fortsetzung der Zusammenarbeit im Jahr 2009 wurde vereinbart. Eine Einbindung interkultureller Aspekte und Beteiligter wurde als wesentlicher Wunsch des Hauses aufgenommen und sollen als konzeptionelle Entwicklung zur Arbeit des Werkhauses im neuen Veranstaltungsort „Südbahnhof“ genutzt werden. Auch wurde vereinbart andere Interessierte mit der inhaltlichen Umsetzung zu beauftragen. Die Einbeziehung anderer Kunstformen soll verstärkt realisiert werden.

Insbesondere soll das Konzept an Schulen, Klassen 11-13, Deutschunterricht, Literatur AGs, Musik AGs und im Bereich Schauspiel-,Theater Foto und Video vorgestellt werden.

 


Nr. 34 Jugendkulturzentrum Volksschule, Moers - Voll Scheiße

 

Die Projektarbeit zu „Voll Scheiße“ lief schleppend an. Zu viel Zeit war seit den Aktionen, Diskussionen und Entscheidungen vergangen. Die meisten Jugendlichen hatten „keinen Bock“ mehr, überhaupt über die Situation des Jugend-Kultur-Zentrums zu sprechen und sich frustriert zurück gezogen. Es fiel also schwer, Einzelne zu motivieren, sich zu einem Filmteam zusammen zu finden.

Die Gruppe traf sich besonders am Anfang in immer wechselnder Besetzung, ein handelnder, „fester“ Kern bildete sich erst relativ spät heraus. Dieser diskutierte dann allerdings  sehr intensiv über Inhalt, Form und Gestaltungsmittel des geplanten Films. Wie im Film deutlich wird, zeigten sich ganz unterschiedliche Interessen: Es gibt neben den Interview-Sequenzen einen Trickfilm-Block und einen fiktiven „Story“-Block. Der Projektleitung war es wichtig, alle Interessen in die Gestaltung des Films mit ein zu beziehen, da sich alle – auf ganz unterschiedliche Weise – mit der Darstellung und Verarbeitung des Themas befassten.

„Die Wahrheit kommt ans Licht“ beschreibt das Gefühl der Jugendlichen, dass alles immer „schön geredet“ wurde und sie als kritische Stimme, nie genug Gehör bekommen haben.

„Ene Mene Meck und Du bist weg“ geht aus von den Wahrnehmungen „Wir sind doch gar nicht wichtig!“ und „Wir kommen hierher, die Volksschule ist unser Haus und trotzdem interessiert keinen unsere Meinung! Wir zählen nicht.“ – ein Gefühl dass vor allem die Jugendlichen beschrieben haben, die von Anfang an den Entscheidungsprozess beobachtet hatten und versucht hatten, auf ihn einzuwirken.

Die Interview-Arbeit war mit das langwierigste an der Projektarbeit und produzierte das meiste (Film-) Material. Zunächst  war es schwierig, überhaupt,  Gesprächspartner zu finden, die ihre Meinung vor der Kamera erzählen wollten. Nach und nach fanden sich dann sprechbereite Teilnehmer. Interview-Training (richtiger: Interviewer-Training) war ebenfalls Bestandteil der Projektarbeit und nach und nach wurden die Interview-Gespräche länger und das Material ergiebiger.

Im Verlauf der Monate gab es zwei gegensätzliche Tendenzen:

Die erste Arbeitsphase war geprägt vom „Sammeln“  - d.h. vor allem: Ideen entwickeln, Interviewpartner finden, Material filmen – die spätere Hälfte dann vom „Verdichten“ – d.h. vor allem: Schneiden, Musikauswahl etc. .

Gerade beim Interview-Material war es schwierig, jeweils die Essenz aus einem Gespräch heraus zu schneiden. Viel Material und auch einige Interviews fielen heraus. Je nachdem wie das Material geschnitten wurde, änderte sich der Sinnzusammenhang der Aussagen. Diese einfache Erkenntnis medialer Gestaltungsprozesse sorgte in der Gruppe für lebhafte Diskussionen. Es wurde deutlich, wie einfach es in der Film- und Videoproduktion ist, Aussagen aus ihrem Sinnzusammenhang zu lösen und sie einem anderen Kontext „verdreht“ oder falsch zu verwenden. Diese schlichte Tatsache löste in der Gruppe eine lebhafte medienkritische Debatte darüber aus, dass doch hinter jedem (Nachrichten-) Beitrag oder jeder filmischen Dokumentation eine Erzählintention und eine Produktionsfirma (= ein Geldgeber) stehe und es somit keine wirklich unabhängige oder objektive Berichterstattung geben könne. 

Die Erzählhaltung von „Voll Scheiße“ änderte sich im Verlauf der Projektarbeit. Zu Beginn gab es sehr wütende Äußerungen, die sich in Anschuldigungen gegen politisch oder hauptamtlich Beteiligte des Prozesses erschöpften – nach und nach wich diese Haltung einer sachlicheren Betrachtungsweise. Die Bitterkeit und Enttäuschung über den „verlorenen Kampf“ war allerdings nicht restlos auflösbar.

Es bleibt abzuwarten, wie sich die Zukunft der „neuen“ Volksschule entwickelt.



Nr. 3 Ringlokschuppen, Mülheim -  We´re on a highway to hell

Zwischen Januar 2008 und April 2008 konnten wir im Ringlokschuppen 3 verschiedenen Musiktheaterproduktionen zeigen.

 

Ursprünglich hatten wir geplant 4 Musiktheaterproduktionen im Ringlokschuppen zu veranstalten. Aufgrund des reduzierten Förderbetrages konnten wir aber nur 3 szenische Musikprojekte tatsächlich zur Aufführung bringen.

 

Mit unserem Projekt sollte für Jugendliche ein niederschwelliger Zugang zu klassischen dramatischen und literarischen Stoffen geschaffen werden. Dieser Ansatz zur Kulturvermittlung ist geglückt. Wir konnten mit den Veranstaltungen wie geplant ein überwiegend jugendliches Publikum erreichen, dass sich erfahrungsgemäß an reinen Theaterabenden eher mäßig interessiert zeigt. Insbes. bei der Produktion „Faust“, die wir an 3 Abenden spielten, arbeiteten wir mit Schulen zusammen, denen wir  umfangreiches Infomaterial zu der Inszenierung zur Verfügung stellten. Darüberhinaus ermöglichten wir den jugendlichen Besuchern Kontakt und Austausch mit den darstellenden und musizierenden Profis, aus dem für die Jugendlichen hoffentlich ein tieferes und anhaltendes Interesse für Theater und Musik erwachsen wird.

 

Diese Musikproduktionen fanden im Rahmen unseres Projekts „We ´re on a Highway to Hell“ im Ringlokschuppen statt:

 

„Jacques un pour soi“, eine Produktion des Schauspielhaus Hamburg in der Regie des Regisseurs Armin Petras, kam am 19.01.2008 im Ringlokschuppen zur Aufführung. Ein feinsinniger Herrenabend als Hommage an Jacques Brel in der eigenwilligen Instrumentierung Philipp Haagens, mit Alexander Simon, Nicolas Rosat und Philipp Haagen.

 

„Goethes Faust - Der Tragödie erster Teil“, eine Produktion des Theaters Rigiblick Zürich, konnten wir am 08., 09 und 10.02.2008 im Ringlokschuppen zeigen. Die Schauspieler Daniel Rohr und Silvester von Hösslin und eine fünfköpfige Band (Beat Escher, Gerhard Gerstie, Julius Helm, Likas Meier, Heiner Wirz) erzählen und erklären „Faust“ mit Hilfe der besten Rock- und Popsongs und zeigen das die Themen Genuss im Hier und Jetzt, Bewusstseinserweiterung, das Nirgends-Zuhause-Sein, die Rebellion gegen das Althergebrachte zeitlos aktuell sind.

 

„Schuberts Winterreise“, eine Produktion des Thalia Theaters von und mit Rainer Piwek & Friends fand im Ringlokschuppen am 05.04.2008 statt. Diese Rockversion von Franz Schuberts Winterreise für die der Musiker und Schauspieler Rainer Piwek für jedes der 24 Lieder eine eigene Form fand, präsentierte er zusammen mit den experimentierfreudigen Musikern Lothar Müller, Albrecht Husen und Philipp Haagen.

 

 

Nr. 20 cactus Jugendtheater, Münster - Shopping

Unter der Leitung der Schauspielerin und Theaterpädagogin Silvia Jedrusiak-Schwab und der Tanztrainerin Tamami Maemura arbeiteten 8 weibliche Jugendliche im Zeitraum von April 2007 bis September 2008 zum Thema „Shopping-Konsum“. Basis bildete dabei ein Training, worin sich die Mädchen im Alter von 13 bis 18 Jahren mit und ohne Migrationshintergrund Grundlagen des Theaterspielens sowie des Tanzes aneigneten. Dazu gehörten im Bereich Theater Stimm-, Atem- und Sprechmethoden sowie Wahrnehmungs-, Improvisations- und Ensembleübungen. Der Tanzunterricht umfasste ein Körper-, Bewegungs- und Koordinationstraining sowie Grundlagen des modernen Tanzes.

Darüber hinaus setzten sich die Mädchen intensiv mit dem Thema „Shopping und Konsum“ auseinander. Shopping - und dies nicht nur im Internet - ist ohne Frage ein zentraler Aspekt im Leben von Jugendlichen. Mittels Tanz- und Theaterimprovisationen sowie Schreibwerkstätten wurden Szenen und Choreografien zum Thema „Shopping“ in Kleingruppen als auch im gesamten Ensemble erarbeitet und der Frage nachgegangen, wie man sich in einer konsum- und wohlstandsgeprägten Gesellschaft überhaupt zurechtfinden kann? Die selbst entworfenen Szenen, Bilder, Ideen und Texte wurden von den Mädchen und jungen Frauen in einem Projektheft festgehalten und weiter bearbeitet. Zudem wurden Interviews mit eigens erstelltem Fragebogen rund um das Thema „Shopping“ in den einschlägigsten Einkaufszonen Münsters durchgeführt. Weiterer Bestandteil bildete eine genaue Feldforschung von Konsumenten. Die Jugendlichen beobachteten Käufer während ihren Shoppingtätigkeiten. Zu einem wichtigen Ergebnis daraus gehörten Tierhandlungen und – gesten, die in den Konsumenten gesehen wurden und zentraler Bestandteil der Inszenierung wurden. Die Gier und Taktik mitten im Konsumrausch, das Rivalisieren mit andern Käufern und die Angst, ein Produkt zu verpassen, wurden so überspitzt ins Stück mit eingebracht.

Ein weiterer wichtiger Schwerpunkt während der Stückentwicklung bildete die Umsetzung in abstrakte ästhetische Bilder. Die Jugendlichen lernten mittels physischer Ausdrucksformen Szenen und Texte neu und unkonventionell umzusetzen und sie einem breiten Publikum zugänglich sowie verständlich zu machen.

 

Zum Inhalt des Stückes:

Absicht des Stückes ist, den Zuschauer in die Welt des Konsums zu verführen, ihm den damit verbundenen Rausch und die Gier ironisch aufzuzeigen und gleichzeitig die Kauf-Leidenschaft zu entlarven. Bewusst wird mit überspitzten und stilisierten Überzeichnungen gearbeitet, um die Absurdität des Konsumierens zu verdeutlichen. Das Bühnenbild und die Kostüme zeigen ein futuristisch anmutendes Einkaufsparadies, in dem sich unsere Gesellschaft verbindet, verdeutlichen. Die Kostüme sind bewusst aus viel Plastik, Abfallsäcken und Verpackungsmaterial angefertigt, um die Künstlichkeit („Life in Plastik, it’s fantastik“) zu symbolisieren. Die Bühne schafft einen in sich abgegrenzten Raum, der eine eigene Welt für sich darstellt, aus der auszubrechen kaum möglich ist.

Die Marke „Lettam“, die durchs gesamte Stück führt und die Mädchen in ihrem Handeln beeinflusst, steht für den Markenwahn, dem gerade Jugendliche ausgesetzt sind. Wir wollten bewusst keinen existierenden Markennamen auf der Bühne nennen, um Sponsoring zu verhindern. So wählten wir „Lettam“, was rückwärts die Spielzeugkette „Mattel“ bedeutet. „Lettam“ bildet einen zentralen Bestandteil des Stückes, es treibt die Mädchen vorwärts zur Kaufgier, zum animalischen Verhalten und drängt sie gleichzeitig in tiefe Verzweiflung. „Lettam“ findet sich symbolisch wieder in Schaumstoff-Quadern, welche für alle Konsumgüter stehen. Dadurch soll die Banalität und Beliebigkeit in Kaufartikeln verdeutlich und gleichzeitig eine abstraktere Ebene der Konsumgüter aufgezeigt werden. Nicht was ich gekauft habe, spielt eine Rolle, sondern dass und wie viel ich gekauft habe, bestimmt das Wie des Shoppens bei Jugendlichen.

Auch wenn eine Befreiung am Schluss des Stückes aufgezeigt wird, so bleibt die Versuchung bis zum Ende bestehen und bestimmt das Handeln der Jugendlichen weiter.

 

Probezeiten und Aufführungen:

Im Zeitraum von August 2007 bis Dezember 2007 fanden neben den wöchentlichen Proben 3 Probenwochenenden statt. Am 07./08./09.12.2007 wurden im „Jib – Jugendinformations- und beratungszentrum“ erste erarbeitete Choreografien einem öffentlichen Publikum im Rahmen einer Werkstattaufführung gezeigt.

Von Januar bis September 2008 fanden sieben Probenwochenenden sowie zwei Intensivprobewochen in den Osterferien statt. Am 11. Juni 2008 fand ein Preview mit dem Titel „Buy or die“ des Tanztheaterstückes statt, das am 3. September  2008 Premiere feierte.  Rund um das Thema »Ich kaufe, also bin ich« sind ironische, absurde, aber auch authentische Bilder aus einem futuristisch anmutenden Einkaufsparadies entstanden.

 

Nr. 22 cuba, Münster - Stage off limits

STAGE of LIMITS bot ein Forum für improvisierte und experimentelle Musik und Klangkunst mit Workshops, offene Improvisationstreffen und Konzerten.

 

Bemerkungen zu  den einzelnen Programmbausteinen

 

Konzerte

Mit Musikern wie Paul Lovens, John Butcher, LeQuan Ninh (F), Hans Reichel (D), Alan Tomlinson (GB) und dem ROVA Saxophon Quartett (USA), gelang es herausragende Vertreter der Improvisierten Musik für die Konzertreihe zu verpflichten.

Obwohl die Ikone des Free Jazz in Deutschland – Peter Brötzmann das1erste in der reihe gepln ate Komzert kurzfristig absagte kamen doch erstaunlich viel Besucher zur Auftaktveranstaltung mit dem Ruhrgebiets – Trio: Stefan Keune | Achim Krämer | Hans Schneider. Dem Anspruch eines internationalen Austauschs zu genügen, waren Musiker aus den USA, Mexiko, Italien, Frankreich, Österreich, den Niederlanden, der Schweiz und Indien vertreten.

 

Kooperation mit Musikhochschule und Computermusikinstitut Harvest Works

Für das in der Musikhochschule Münster jährlich stattfindende Projekt „Musik unserer Zeit“ in dem Studenten mit zeitgenössischen Komponisten zusammenarbeiten, wurde der Wiener Komponist und Musiker Karlheinz Essl (Kompositionsprofessur für elektro-akustische und experimentelle Musik an der Universität für Musik und darstellende Kunst in Wien) eingeladen, der zusammen mit dem Münsteraner Gitarristen Erhard Hirt einen exemplarischen Beitrag von Live-Elektronischer Improvisationsmusik beisteuerte.  www.essl.at

Einen musikalisch – ästhetisch ähnlichen Hintergrund hat das New Yorker Computermusik – Institut Harvest Works. Mit Hans Tammen´s „Die Schrauber“ wurde ein international besetztes Trio vorgestellt, das durch „Circuit Bending“, also dem Einsatz elektronischer Alltagsgeräte jenseits ihres determinierten Gebrauchs eine geräuschhafr komplexe Musik schuf, in dem sie sich an Schaltkreisen, Platinen und Software zu schaffen machten, also  „daran herumschrauben“

Der Einsatz elektronischer Medien hat in der zeitgenössischen Kunst- und Musikproduktion eine wachsende Bedeutung. Genreübergreifend werden Formen der Zusammenarbeit und korrespondierende Arbeitsverfahren von Video- und Tonkunst entwickelt. Mit der im Juni 08 vorgestellten Formation „Die Schrauber“ wurde gleichzeitig über den Stand des Instituts für künstlerische Computertechnologien informiert und Anregung für junge Musiker aus allen Bereichen – sei es klassische Schule oder alternative Elektronik-Szene – gegeben werden.  www.harvestworks.org

 

Austausch Österreich

Im Jahre 2008 fand das Landesprojekt Österreich – NRW statt

Leider war die Stadt Münster nicht am musikalischen Teil des Landesprogramms NRW - Österreich beteiligt.

Da aber mit Michael Moser (Cello) und Dieb 13 (Turntables) weitere interessante Musiker der Wiener Szene zu Konzerten eingeladen waren, präsentierten wir diese gemeinsam mit MeX / Dortmund und Zeitkunst / Düsseldorf in der STAGE ff LIMITS Reihe.

 

Einschätzung

Die vorab formulierten Ziele:

STAGE off LIMITS soll Struktur bildend, vernetzend, kommunikativ sein.

STAGE off LIMITS soll sich ein fester überregionaler Platz für die improvisierte, experimentelle Musik und Klangkunst gefestigt werden, der für Künstler wie Publikum eine Anlaufstelle wird.

STAGE off LIMITS ein Beitrag zu einer neuen Kultur des Hörens sein, das Publikum für akustische Wahrnehmung und nicht alltägliche Klänge sensibler machen.

STAGE off LIMITS soll ein neues junges Publikum (der Club-Szene) für zeitgenössische Musik gewonnen werden in dem ästhetische Stränge von Club- und Ambient-Musik mit experimentellen Ansätzen aus der Kunstmusik vermittelt werden.

STAGE off LIMITS soll Impuls für die regionale Musikszene geben.

 

Die Ziele konnten nach unserer Einschätzung durch ein qualitativ hochrangiges Programm weitgehend umgesetzt werden.

Erfahrungen aus dem Projekt werden auch in das 2009 anlaufende Konzeptförderungsprogramm ZUKUNFTSMUSIK mit eingehen.

 

Das Konzertformat STAGE off LIMITS wird inhaltlich und als regelmäßigen Veranstaltungsrhythmus beibehalten um dem Publikum eine inhaltliche Orientierung zu geben.

 

Rückblick: STAGE off LIMITS 2008

 

STAGE OFF LIMITS        Sonntag, 7. Dezember 2008 um 20:00 Uhr

Blast4tet (NL/CH/I)

Dirk BruinsmaSopran & Baritonesaxophone, flute with Electronik // Komposition

Paed Conca – E-Bass, Electronik // Komposition

Fabrizio Spera – Schlagzeug. Perkussion, elektro-akustische Objekte

Frank Crijns – E-Gitarre, Diverses // Komposition

Das Projekt Blast existiert seit 1989. Anfangs ein holländisches Projekt, wurde es über die Jahre hinweg immer internationaler. Charakteristisch für Blast ist der Bezug

auf zeitgenössische Kompositionen die sie unter Einbezug von Elementen aus Jazz und Rock zu einer kraftvoll organischen Mischung verbinden.

Blast4twet

 

Sonntag, 2. November 2008 um 20:00 Uhr

INT. GITARRENFESTIVAL MÜNSTER

Reichel – Uchihashi – Duo (D/Jap)

Hans Reichel – Gitarre, Daxophon

Kazuhisa Uchihashi – Gitarre, Daxophon

Mit seiner selbst entwickelten Gitarre und vor allem mit dem von ihm erfundenen Daxophon spielen Hans Reichel und sein kongenialer japanischer Partner

unterhaltsame, zeitweise humorvolle Improvisationen.

Hans Reichel

Kazuhisa Uchihashi

 

STAGE OFF LIMITS        Sonntag, 5. Oktober 2008 um 20:00 Uhr

ButcherBraida – Edwards – Spera (I/GB)

John Butcher – Saxophon

Alberto Braida - Klavier

John Edwards – Kontrabass

Fabrizio Spera – Schlagzeug

 

Sonntag, 7. September 2008 um 20:00 Uhr

STAGE OFF LIMITS

Alexander FrangenheimKontrabass

Thomas Lehn – Analogsynthesizer

LeQuan Ninh – Perkussion

Frederic BlondyKlavier

 

STAGE OFF LIMITS        Sonntag, 1. Juni 2008 um 20:00 Uhr

Die Schrauber (D/MEX)

Hans Tammen – endangered guitar, live sound processing

Joker Niesomnichord, circuit bent instruments

Mario DeVega – SPK®, glitch sampling

 

Freitag, 16. Mai 2008 um 22:00 Uhr, Musikhochschule Münster

STAGE OFF LIMITS

Karlheinz Essl – Erhard Hirt - Duo

im Festival Musik unserer Zeit – Österreich –  in Kooperation mit Musikhochschule Münster

 

STAGE OFF LIMITS – WIEN SPEZIAL         Sonntag, 4. Mai 2008 um 20:00 Uhr

Michael Moser & Dieb 13

Michael Moser – Cello

Dieb 13 – Turntables

 

STAGE OFF LIMITS        Sonntag, 6. April 2008 um 20:00 Uhr

Schubert - Wierbos - Hübsch (D/NL)

Matthias Schubert – Saxopphon | Wolter Wierbos – Posaune | Carl Ludwig Hübsch – Tuba

 

STAGE OFF LIMITS        Samstag, 15. März 2008 um 20:00 Uhr

ROVA Saxophonequartet (USA)

Bruce Ackley, Larry Ochs, Jon Raskin, Steve Adams – Saxophone

Das Rova Saxophone Quartet, 1977 in Oakland gegründet ist neben dem World Saxophone Quartet das dienstälteste Saxophonquartett.

 

STAGE OFF LIMITS        Sonntag, 2. März 2008 um 20:00 Uhr

Alan Tomlinson-Willi Kellers-Duo (GB/D) & Ganesh Anandan (IND)

Alan Tomlinson – Posaune | Willi Kellers –Schlagzeug Ganesh AnandanRahmentommel & Shruti Stick

 

STAGE OFF LIMITS        Sonntag, 3. Februar 2008 um 20:00 Uhr

Claus van Bebber-Paul Lovens-Duo

Paul Lovens – Schlagzeug / Claus van Bebber – Schallplatten

 

STAGE OFF LIMITS        Sonntag, 6. Januar 2008 um 20:00 Uhr

Keune -Krämer-Schneider 

Stefan Keune – Saxophone | Achim Krämer – Schlagzeug | Hans Schneider – Kontrabass

 

 

Nr. 21 cuba, Münster -  Lesebühne Die2+ Münsters neue Literaturbühne

Eine feste monatliche Lesebühne in Münster zu etablieren, das war der Anspruch, den sich das cuba-cultur im Bereich Poetry für das Jahr 2008 vorgenommen hatte. Immer am vierten Montag im Monat luden der Autor Micha El Goehre und Andreas Weber literarische und musikalische Gäste ins Kulturzentrum ein, die mit ihren Arbeiten noch abseits der großen Verlage standen. Autoren aus dem Umfeld der deutschsprachigen Lesebühnenlandschaft und der kleinen Off-Verlage standen neben deutschsprachigen Singer/ Songwritern.

 

Am Anfang stand für die Münsteraner erst einmal die Skepsis für die neue Literaturbühne. Für das jüngere, „Event“- Publikum roch sie zu sehr nach Wasserglaslesung und  für die Zuhörerschaft der traditionellen Literaturformate  war die Lesebühne auf den ersten Blick zu Nahe am Event und der Kurzweiligkeit.

So konnte nur kontinuierliche Qualität die lokale Szene überzeugen. Inhaltsvolle Texte von Autoren und Liedermachern präsentiert, eine Clubatmosphäre die sowohl jung als auch alt einschließt und eine angemessene Präsentation der Autoren und Liedermacher führten im Laufe des Jahres 2008 dazu, dass die Lesebühne Die2+ eine feste Einrichtung innerhalb des literarischen Programms der Stadt Münster wurde.

 

 

Nr. 2 cuba/LAG/Create, Münster -  Vernetzung der lokalen Poetry-Slams

In den letzten Jahren hat sich das Format Poetry Slam zu einer rasant wachsenden Sparte innerhalb der Literaturwirtschaft entwickelt. Beim Poetry Slam, dem literarischen Vortragswettbewerb, geht es darum, eigene Texte in einer bestimmten Zeit vor Publikum vorzutragen.

 

In NRW gibt es fast in jeder größeren Stadt einen Poetry Slam. Trotz allem stehen die einzelnen Poetry Slams lose nebeneinander, einen größeren Austausch zwischen den Städten gab es kaum.

 

Zur Vernetzung der Szene fand im September 2008 der erste NRW Poetry Slam statt. Drei Tage lang traf sich die Slam Szene in Münster und bot neben einem landesweiten Poetry Slam Wettbewerb, Konzerte, Lesungen, eine Mini-Buchmesse und Partys. Weit über 700 Zuschauer erlebten den Facettenreichtum der Performance Literatur, getragen durch mehr als 50 Künstler, die an verschiedenen Orten in Münster auftraten. Auch überregional wurde das Literaturereignis in der Presse wahrgenommen (u. a. von Sat1 oder dem WDR).

 

Am Abschlusstag kam es zu einem ersten Poetry Slam Master Meeting NRW, wo über  zukünftige Schritte zur Vernetzung nachgedacht wurde. Der Erfolg des Festivals ließ alle beteiligten optimistisch in die Zukunft blicken, dass man den NRW Slam jährlich austragen kann. So haben sich für die Jahre 2009 und 2010 schon Veranstalter in Siegen und Bielefeld gefunden, die den NRW Slam -  in seiner in Münster entwickelten Konzeption - weiterführen möchten.

www.nrw-slam.de

 

 

Nr. 27 Innennetz e.V.  Münster - Festival des kleinen Films

 

Das Projekt „MINI MINUTES“- Festival des kleinen Films, das vor anderthalb Jahren  von der Gruppe INNENNETZ e.V. in Planung genommen wurde,  wurde  am  29. und 30. August 2008 im Cinema in Münster mit freundlicher technischer Unterstützung der „Linse“  realisiert.

Die drei Kuratorinnen des Festivals, Anja Kreysing, Sibille Böckelt und Holle Frank, sind Mitglieder der Künstlerinnengruppierung INNENNETZ.e.V. und selbst Filmschaffende. Ihr Ziel war es, kleine und kleinste Formen der Videoproduktion, wie sie bislang fast ausschließlich  im Internet zu sehen sind, auf die große Leinwand zu bringen und auf diese Weise künstlerische Fundstücke herauszufiltern, die normalerweise nicht an das Licht der Öffentlichkeit geraten. Das Kino sollte so zum Labor für künstlerische Prozesse werden.

 

Für  die Akquisition wurde von uns  eine Internetseite eingerichtet, die laufend mit Information über das Prozedere aufgearbeitet  wurde. Darüber hinaus wurde  ein Flyer  mit einem “Call for entries“ an deutsche und europäische Hochschulen für Gestaltung versendet, die in ihrem Programm Video und Film anbieten. Als Leitfaden durch die Veranstaltung selbst wurde sowohl ein Programmflyer als auch  Din A 4 Zettel mit den Titeln der Blöcke, der Filme  und den Namen der Künstler ausgelegt bzw. zur Verfügung gestellt. Auf dem Veranstaltungsplakat wie auf den Flyern und der Internetseite sind alle fördernden Institutionen mit ihrem Logo erschienen.

An zwei Tagen wurden 80 kurze Videos gezeigt, die  in einer Abschlussveranstaltung  mit drei Jurypreisen, einem Publikumspreis und dem Preis der Kuratorinnen prämiert wurden.

Aus  über 150 Einsendungen wurden von den  Kuratorinnen in einem sorgfältigen Sichtungsverfahren zunächst 80 Filme ausgewählt, die dann fünf thematischen  Blöcken zugeordnet wurden. Ohne vorher festgelegte thematische Vorgabe wurden die Beiträge in folgende Themenblöcken zusammengefasst:

Zorniger Protest ­­– Video als abstrakte Kunst ­– Musikvideos

Freie Dokumentation und Mischformen

Körpererkundungen – Performance & Installation

MINI-Bollywood und andere Persiflagen

Animation und Videopoems.

Die drei  Juroren, Frau Barbara Fischer–Rittmeyer, Herr Michael Spengler und Herr Benjamin Zureck, haben alle Filme an den beiden Veranstaltungstagen gesehen, inklusive der Filme des 5. Blockes, die durch eine Vorraussichtung möglich gemacht wurde. Während  der öffentlichen Präsentation des 5. Blockes am Samstag, dem 30. Aug.,  haben die Juroren ihre Beratung vorgenommen und ihre Entscheidung getroffen. Ihre Wahl fiel auf:

  1. Platz: Requiem für Frau H. von Phillip Hartmann, Hamburg
  2. Platz: Electronic Plot von Matthias Fitz, Berlin
  3. Platz: 1AM-2AM von Britta Thie, Münster

Publikumspreis: Styx von Aike Arndt, Münster

Kuratorinnenpreis: Wiederholungen von Saschli Glokar, Düsseldorf

 

Die Veranstaltungen an den zwei Tagen des letzten Wochenendes im August waren trotz des spätsommerlichen Wetters sehr gut besucht und wurden von den angereisten Filmschaffenden wie auch vom Münsteraner Publikum sehr gut aufgenommen. Viele der jungen Künstler haben die Veranstalter ermuntert, die aufgenommene Initiative in den kommenden Jahren weiterzuführen. Da die Veranstaltung deutlich gemacht hat, dass es sich nicht um ein Konkurrenzunternehmen zu dem bereits etablierten Münsteraner Filmfestival der Filmwerkstatt u.a. handelt, sind  Formen einer Weiterführung bedenkenswert.

Die Veranstalter freuen sich über den Erfolg des MINI MINUTES Festival des kleinen Films, der nicht zuletzt auch durch die großzügige Förderung  kultureller Einrichtungen und der hilfreichen Zusammenarbeit mit dem Cinema zustande gekommen ist.



Nr. 32 Theater Sycorax e.V., Münster - Das apokalyptische Fest

Ab Oktober 2007 liefen die Vorbereitungen für die Produktion „Hochzeit“.

Ds Ensemble umfasst 17 SchauspielerInnen, von denen der größte Teil Erfahrungen mit psychischer Erkrankung und / oder Psychiatrie hat. Die künstlerische Leitung oblag Paula Artkamp und Manfred Kerklau.

Es wurden 3 – 4 Stunden  pro Woche geprobt.

In der ersten Phase wurden Grundlagen des Schauspiels und der Ensemblearbeit vermittelt. Zudem wurde begonnen unabhängig vom der Textvorlage zum Thema  Hochzeit- und Familienfeiern zu improvisieren. Wichtig für diese Arbeit waren die persönlichen Erfahrungen der Schauspieler mit Familienfesten.

Ab Januar 2008 wurde  auf Grundlage dieser Improvisationen ein Gerüst für das Stück entwickelt und szenisch gearbeitet.
Ein wesentlicher Faktor und Kontrastpunkt in der Inszenierung sind die mehrstimmigen Lieder, die ab Januar 2008 intensiv mit Hilfe der Gesangslehrerin  Henrike Mahlmann einstudiert wurden.

Eine wichtige Unterstützung war die  5-tägige Arbeitseinheit mit der Choreographin Sarah Taylor, die wesentliche Impulse gab für das Zusammenspiel, die choreografischen Elemente und Verteilung der Akteure im Raum.

Eine weitere Herausforderung für die SchauspielerInnen  war das Puppenspiel.

Für das  Vorspiel wurden 5 Szenen mit Handpuppen erarbeitet, die eigens für diese Produktion von Agnieszka Barczyk gebaut wurden.

Eine Betroffene war sehr interessiert an der Theaterarbeit schaute vielen Proben zu und beteiligte sich am warming up, traute sich aber nicht zu mitzuspielen.

Sie übernahm nun einen Part des Puppenspiels. 

Ab Februar 2008 wurde neben den Ensembleproben vermehrt an den Einzelszenen und Rollen geprobt (2-3-mal wöchentlich). Bettina Zumdick begleitete schon früh die Proben konnte dadurch die individuellen Bedürfnisse der Schauspieler berücksichtigen und ein feierlich schräges Gesamtkostümbild entwickeln.

Für das komplexe Stück mit 17 Akteuren, mit einem schnellen wechselnden  Dialogszenen  und  Ensemblespiel schuf Hans Salomon eine Bühne, die durch Fadenvorhänge geschickt neue Räume erschafft, unterstützt durch das pointierte Lichtdesign von Volker Sippel. 

Am 1. Mai war die Premiere im Theater im Pumpenhaus, die ebenso wie die 3 nachfolgenden Aufführungen  ausverkauft waren.

Publikum und Presse zeigten sich  begeistert von der schrägen, bitterbösen Darbietung,  bei der  einem das Lachen im  Halse stecken bleibt.

 

Für die Theater Sycorax bedeutete diese Produktion einen großen Schritt nach vorne. Mit 17 SchauspielerInnen  und einer Länge von 1 ½ Std. ist dies die größte und aufwendigste Theater Sycorax Produktion.

Ein breites Spektrum neuer Erfahrungen kam auf die SchauspielerInnen zu,  neben dem Ensemblespiel und der intensiven Arbeit an der Rolle waren nun Gesang, Handpuppenspiel und die Choreographien zu bewältigen.

 

Die 1 ½ stündige Aufführung, mit Puppenspiel und Gesangseinlagen und reichlich Text konzentriert darzubieten, ist für die Schauspielerinnen vom Theater Sycorax wirklich eine enorme Leistung.

In deren Rückmeldungen wurde betont, dass diese hohen Anforderungen erfüllt werden konnten durch das in sie gesetzte Vertrauen, das Vertrauen in ihre Fähigkeiten und Möglichkeiten.

 

 

Nr. 15 Theater am Schlachthof, Neuss - Liebesbriefe an Hitler - Briefe in den Tod

 

Regie: Johann Wild

Mit: Carolin Stähler, Ilva Melchior, Melanie Kleinsorg, Ana Maria Gonzalez

 

Wir fanden die Aufzeichnungen des amerikanischen Soldat W. C. Emker, die unter dem Titel "Liebesbriefe an Hitler" veröffentlicht wurden.

Von den etwa 8000 Briefen an die Reichskanzlei, in deren Besitz W.C.Emker als amerikanischer Offizier in Berlin kam, wurden in diesem Buch 43 Briefe an Adolf Hitler ausgewählt. Es wurde bei der Lektüre sehr deutlich, welchem Realitätsverlust ein Großteil der Schreiberinnen erlegen waren: Die Befürwortung des nationalsozialistischen Staates an sich und die Verdrängung der Greueltaten und militärischen Niederlagen.

Viele Ansichten und Äußerungen in diesen Geschichtsdokumenten des Dritten Reiches erscheinen uns heute, mit unserer Geschichtskenntnis, als absurd oder naiv; wir versuchten jedoch, uns in die Zeit um 1940 zurückzuversetzen, um zu erkennen, wie sich die Verfasserinnen der Briefe wohl gefühlt haben müssen und vieles wurde logisch und klar.

Das Projekt "Liebesbriefe an Hitler" wirft einen anderen Blick auf die NS-Zeit und die Rolle der Frau in dieser Zeit.

Der Regisseur Johann Wild versuchte, auch mit Hilfe von Liedern und Musik dieser Zeit, den Zuschauern die Beweggründe der Frauen aufzuzeigen. Er konzipierte aus den veröffentlichten Briefen eine Lesung gestalten, die von drei Schauspielerinnen und einer Moderatorin auf die Bühne gebracht wurde. Ein Musiker/Komponist gestaltete den Abend musikalisch mit Lieder und Musikstücke aus der Zeit, teilweise auch verfremdet mit Elementen aus der heutigen Zeit. Die Entwicklung/Konzeption des Stücks und der Probenprozeß wurde von einer Schulklasse einer Neusser Gesamtschule unter der Leitung des Theaterpädagogen Stefan Filipiak  begleitet.

Wir haben diese Lesung an Jugendzentren, Schulen und im Abendspielplan des Theaters angeboten. Gerade im Abendbetrieb wurden zahlreiche Schulklassen eingeladen, so dass im Anschluß an die Vorstellungen, geleitet von einem Theaterpädagogen, Diskussionsrunden mit den Schauspielern und dem Regisseur zu Stande kamen, um Fragen zu beantworten und mit den Schülern über dieses Thema zu diskutieren.

Über dieses Projekt wurde in über 40 internationalen Zeitungen berichtet (siehe Anlage).

 


Nr. 17 Theater am Schlachthof, Neuss - Aufruhr in Neuss/ Der Kampf um eine Stadt

Regie: Markus Andrä/Michael Hewel

Autor: Martin Maier-Bode

Mit: Jens Spörckmann, Carolin Stähler, Tim Fleischer, Anke Jansen, Bertold Kastner, Elisabeth Pleß, Johann Wild

 

Das Theater am Schlachthof hat in den letzten Jahren bereits durch drei Theaterprojekte (Königxparade, Meererhof, Neuss Underground) versucht, sich mit der Stadt Neuss zu beschäftigen. Fast jedes Mal ging ein Aufruhr durch die Stadt.  Bei Recherchen für ein weiteres Neuss-Stück sind wir im Neusser Stadtarchiv auf die Aufzeichnungen des damaligen Stadtschreibers (1474) Wierstraet und auf Unterlagen eines Festspiels aus dem Jahr 1924 gestoßen. Es handelt von dem Mut der Bürger, der Motivationskunst des volksnahen Landgrafen Hermann von Hessen und dem Zusammenhalt der Bürger ohne Rücksicht auf Standesunterschiede. Diese Geschichte der Belagerung und der Sieg über die Angreifer ohne eine offene Schlacht werden in der Neusser Geschichtsschreibung bis heute als die größte Errungenschaft von Neuss angesehen. Die Abkapselung (Verteidigung) von der übrigen Welt spielt dabei bis heute eine grroße Rolle.

Heute: Eine wirtschaftlich erfolgreiche Stadt, seit Kriegsende konservativ regiert mit einem volksnahen Bürgermeister, einer traditionsbewussten Bürgerschaft, die alljährlich zum größten Schützenfest lädt und eine handvoll einflussreicher Familien, die bereits seit Jahrzehnten die Geschicke der Stadt aus dem Hintergrund lenken.

Diese Geschichte der Stadt Neuss in den letzten 500 Jahren bis heute haben wir in einem Theaterstück mit Schauspielern und mit Hilfe der Neusser Bürger unter dem Titel „Der Quirinus-Code“ (Schutzheiliger der Stadt Neuss) auf die Bühne gebracht.

Dazu haben wir im Vorfeld einen Fragebogen entwickeln, um die heutige Sicht der Bürger auf ihre Heimatstadt genauer zu erforschen. Fragen wie: Wie stehen die Bürger zu ihrer Stadt, wie sehen sie ihre Stadt, Wie beurteilen Sie ihre Repräsentanten, ihre Politiker, Wie ist das politische und soziale Klima, Welche Freizeitaktivitäten werden bevorzugt, Wie ist das eigene Lebensgefühl und Was wissen die Bewohner über Geschichte und Machtverhältnisse ihrer Stadt, haben wir darin abgefragt. Heraus kam, dass die meisten Bürger erstaunlich wenig über die Geschichte ihrer Stadt wissen (gerade die Jugendlichen), sich aber hier sehr wohl fühlen, aber mit ihren Politikern nicht sehr zufrieden sind.

Das Theater am Schlachthof beauftragte den bundesweit bekannten Autor Martin Maier-Bode der sein Wissen über seine Heimatstadt in ein Theaterstück einfließen lässt, in Zusammenarbeit mit dem Leiter des Neusser Stadtarchivs ein Stück über die Neusser Geschichte bis in die heutige Zeit zu schreiben.

Heraus kam „Der Quirinus-Code“, ein Stück über zwei Politiker, die zusammen mit dem Archivar der Stadt durch die Neusser Geschichte reisen und so alle wichtigen Zeitgenossen kennenlernen (Hexe Hester Jonas, Thile Kolop, den Fetzer usw.), bis sie schliesslich in der heutigen Zeit mit allen amtierenden Politikern zusammen treffen.

Dieses Stück wurde zum Publikumsmagneten der diesjährigen Spielzeit. Aus diesem Grund stiegen auch die Eigeneinnahmen und damit verbunden die Gagen an die Schauspieler.

 

 

Nr. 12 Altstadtschmiede, Recklinghausen -  Keep your body always moving

 

Mit der Zielsetzung eigenständige elektroakustische Raummusik einem Publikum aller Altersstufen zu vermitteln und die Konzerterfahrungen in speziellen Workshops zu vertiefen wurde 2008 eine von der LAG Soziokultur geförderte Reihe von 8 Konzerten und Workshops in der Altstadtschmiede in Recklinghausen durchgeführt.

Nach rein künstlerischen Kriterien sind die Konzerte hervorragend gelungen, es entstanden auch Dank der eingeladenen internationalen musikalischen Gäste spannende Musikabende, die alle aufgezeichnet und unserem Konzertarchiv zur Verfügung gestellt werden konnten.

Die Teilnehmer der Workshops waren hoch motiviert und zugleich sehr verschieden in ihrem Vorwissen.

Als Beispiele sind hier eine etwa 75 jährige Dame, die sich ausdrücklich für die Einführung in die ihr bisher unbekannte Musikart bedankte und eine Lehrerin der Schule für Körperbehinderte aus Herten, die einen ihrer Schüler mitbrachte, der trotz spastischer Lähmungen sehr sensibel auf einem Klavier spielen konnte, zu nennen.

Leider gelang es trotz aufwändiger Werbung mit Presse, Plakaten und Flyern nur wenige Zuhörer/Teilnehmer für die Konzerte und Workshops zu gewinnen.

Daher planen wir für zukünftige Veranstaltungen eine Umstrukturierung der Werbemaßnahmen und der Gestaltung der Konzerte und Workshops.

 

In Arbeit sind dazu:

1) der Aufbau eines bundesweiten e-mail Verteilers mit mehr als 10000 Adressen von Musikinteressierten

2) Optimierung aller weiteren Werbeträger

3) Gesprächskonzerte „Musik zum Anfassen“ (anstelle der bisherigen Workshops), kurze Einführung in die Konzepte der Musiker und eine Diskussion/Fragestunde mit dem Publikum nach jeder Aufführung

4) Vernetzung mit anderen Veranstaltern elektroakustischer Musik (Köln, Düsseldorf, Berlin, Dortmund, Bochum, Münster etc.)

 

Uns ist bewusst geworden, dass es eines langen Atems und langfristiger Kontinuität bedarf, um für experimentelle elektroakustische Musik eine breitere Publikumsresonanz zu generieren.

Daher möchten wir guten Mutes und mit erneuerten Konzepten unsere Konzertreihe in der zweiten Hälfte des Jahres 2009 fortführen und hoffen auf weitere vertrauensvolle Unterstützung durch die LAG.



Nr. 9 Die Welle e.V., Remscheid -  map_365

 

Das Projekt map 365 fand im Zeitraum April bis Dezember 2008 statt.

Im Rahmen des Projektes wurden von einer Gruppe von 11 Jugendlichen, unterschiedliche Kalender zum Thema Jugendkultur gestaltet. Die Zusammensetzung der Gruppe war sehr unterschiedlich. Verschiedene aktuelle jugendkulturelle Strömungen spiegelten sich darin wieder.

So gab es Jugendliche, die zum Beispiel aus dem Bereich Sprayen, veejaying oder Gestalten kamen. Andere interessierten sich mehr für Musik unterschiedlichster Stilrichtungen. Ein dritter Schwerpunkt war der Bereich Mode.

In einem Ersten Schritt traf sich die Gruppe um die inhaltliche Gestaltung des Projektes zu planen. Die unterschiedlichen Jugendlichen präsentierten erste Ideen für ihre eigenen Kalender. Diese Ideen wurden in der Gruppe  zu Diskussion gestellt und im Anschluss verfeinert.

Parallel zu der inhaltlichen Diskussion, startete in dieser Phase des Projektes die Vermittlung von Grundlagen im Bereich Gestaltung und Medienkompetenz.

Die Teilnehmenden erlernten den Umgang mit Bildbearbeitungs- und Gestaltungssoftware, den Umgang mit Scannern und Digitaler Fotografie.

Dieses Grundlagen benötigten die Jugendlichen um ihrer eigenen Kalender und zum Abschluss auch einen gemeinsamen Kalender zu gestallten.

 

Als Grundlage der Kalender wurden im Layoutprogramm verschiedene Kalendarien erstellt, die von allen Teilnehmenden genutzt werden konnten.

In der Zeit bis August 2008 sammelte die Jugendlichen ihr Layoutmaterial aus ihrem jeweiligen Themengebiet. Nach den Sommerferien wurde dann die Kalendergestaltung der einzelnen Teilnehmenden abgeschlossen.

Im zweiten Arbeitsschritt wurden die Kalender gebunden.

Die Layouts hierfür wurden ausgedruckt und gebunden. Dabei wurden die Teilnehmer in Grundlagen des Buchbindehandwerks geschult, so dass alle Beteiligten fähig waren ihren eigenen Kalender selbständig zu binden.

Die Produktion der eigenen Kalender erfolgte dann in den Herbstferien.

In unterschiedlichen Arbeitsschritten fertigen die Teilnehmenden ihre Kalender in Handarbeit.

In der zweiten Ferienwoche wurde dann auch der gemeinsame Kalender erstellt.

Eine Gruppe von 8 Jugendlichen wählte aus den individuellen Kalendern einzelne Motive aus, um damit den neutralen Kalender zu gestallten.

Hierbei mussten verschiedene Aspekte berücksichtigt werden. So war es zum Beispiel einigen Jugendlichen wichtig, dass zu persönliche Motive nicht veröffentlicht wurden.

Auch wurde über die Wirkung einiger szenetypischer Motive länger diskutiert und entschieden, ob diese im Kalender zu veröffentlichen seien oder nicht!

Letztendlich entschied sich die Gruppe meist für Gestaltungsmaterial, welches eher neutral gehalten ist, als solches welches  explizite Aussagen trifft. Dies war von der Projektidee nicht unbedingt so gewollt, entsprach aber den Willen der Jugendlichen für ihr gemeinsames Produkt!

Die Gruppe entwarf gemeinsam einen gestalterischen Rahmen (Deckblatt, etc.) für den Kalender!

Folgende Jugendkulturen/Themen fanden Eingang in den gemeinsamen Kalender:

Antifa/Politik, Musik( DUB, veejaying), Graffiti, Tanz, Mode, Religion.

Oft war es für die Jugendlichen schwierig hier eindeutige Abgrenzungen vorzunehmen, da die meisten der Teilnehmenden sich gar nicht so klar über eine explizite Jugendkultur definieren!

Als Ergebnis ist ein DIN A 6 großer Kalender mit Ringbindung entstanden, der jeweils eine Seite für jede Woche beinhaltet. Darüber hinaus enthält er einen Bereich für Adressen und eine Ferienplanung (für NRW!).

 

Fazit

Entstanden sind im Projekt durchweg sehr sehenswerte Ergebnisse. Besonders bei den mit viel Liebe gefertigten individuellen Kalendern.

Auch der gemeinsame Kalender besticht durch ein ungewöhnliches, modernes Design.

Was die Projektziele angeht kann festgestellt werden, dass diese bei den teilnehmenden Jugendlichen durchweg erreicht wurde.

Es fand bei allen eine Auseinandersetzung mit dem Thema Jugendkultur statt. Der Zugang über ihre eigenen kulturellen Sichtweisen und Einstellungen erwies sich als sinnvoll. Darüber hinaus erlernten die Teilnehmenden Fähigkeiten im Umgang mit gestalterischen Mitteln, theoretisch wie praktisch.

Auch wurde der Nutzwert des Kalenders für sie selbst, durch die Jugendlichen als sehr hoch eingeschätzt.

Auf der Jugendseite ‚x-ray’ der Lokalzeitung ‚rga’ gab es eine positive Presse auf das Projekt und den Kalender. Der Kalender wurde unter den Teilnehmenden des Projektes und Jugendlichen Besucher des Hauses verteilt. Auf einen Verkauf des Kalenders wurde verzichtet, da die meisten Jugendlichen zum Zeitpunkt des Erscheinens bereits über eigene Kalender verfügten.



Nr. 10 Kraftstation, Remscheid - Cook it yourself - Kulturküche Kraftstation

Eine Konzertreihe, die gemeinsam mit Remscheider Jugendlichen geplant und durchgeführt wurde. Den teilnehmenden Jugendlichen der Kulturküche war es möglich, sich aktiv an dem kulturellen Geschehen ihrer Stadt zu beteiligen.

 

Zielsetzung des Projektes

Mit dem Projekt Cook It Yourself wurde Jugendlichen die Möglichkeit gegeben sich aktiv an der Programmentwicklung der Kraftstation zu beteiligen. Verschiedenen Jugendgruppen wurde die Chance eröffnet ihre eigenen Konzertideen umzusetzen. Mit der Kulturküche wurde ein reeller Ort der Partizipation angeboten und eine Platzform für neue kreative Programmformate gegeben. Langfristig sollte durch dieses Angebot eine neue Generation von aktiven Jugendlichen für die kulturelle Ausgestaltung der Kraftstation gewonnen werden.

 

Durchführung des Projektes

Direkt im Anschluss an den Sommerferien trage zum ersten Mal die Kulturküche der Kraftstation. Bereits am ersten Treffen waren 7 Jugendliche anwesenden. Bei diesem ersten Treffen wurden die nächsten Monate geplant. Zu verschiedenen Themenschwerpunkten wurde die Kulturküche in der Kraftstation etabliert. Nach und nach wurden verschiedene Konzerte für die Musikreihe Kultstuff entwickelt und organisiert. Eine der Jugendgruppe hat sich im Speziellen um die Werbung gekümmert und für die Kraftstation neue zielgruppengerechte Ausdrucksformen entwickelt. So wurde ein erster Entwurf einer Myspaceseite von den Jugendlichen selbst angefertigt und gemeinsam mit einem Grafiker optimiert. Zudem wurden für die Reihe Kultstuff insgesamt 3 Flyer entworfen. Dabei wurden verschiedene Formate entwickelt, wobei ein Flyer in Größe einer Visitenkarte sicherlich ein einmaliges Highlight bleibt. Kultstuff umfasste insgesamt 5 Konzerte aus verschiedenen Musikrichtungen – Pop, Rock, Metal, HipHop und einen Contest.

Die TeilnehmerInnen der Kulturküche stellten den Kontakt zu den KünstlerInnen her und waren auch während der Konzerte für deren Betreuung zuständig. Zwei Jugendliche interessierten sich besonders für die Licht- und Tontechnik und durften hier dem Techniker über die Schultern schauen. Bei unserem Abschlusskonzert waren sie so geschult, dass sie das Lichtpult selbständig bedienen können.

 

Erreichung der Ziele

Mit dem Projekt Cook It Yourself konnten wir durch die Kulturküche insgesamt 18 Jugendliche aktiv an der Programmgestaltung der Kraftstation beteiligen. Zwar waren die Jugendlichen nicht alle kontinuierlich an den fünf Veranstaltungen beteiligt, jedoch hat sich ein fester Kern von 7 Jugendlichen gebildet, die auch zukünftig an weiteren Musikprojekten der Kraftstation als Helfer mitwirken. Von vier Jugendlichen haben wir zum Abschluss noch eine Karte mit folgendem Spruch bekommen:

„Haii Ihr Lieben, wir möchten uns ganz herzlich bei euch bedanken, für das was ihr uns ermöglicht habt. Wir wünschen euch ein frohes und erfolgreiches neues Jahr und hoffen weiter mit euch so glücklich und erfolgreich weiter arbeiten zu können. Mit lieben Gruß, B., A., S., und C.“ Diese wirklich schönen Worte machen den Erfolg des Projektes noch mal deutlich.

Mit den Konzerten der Reihe Kultstuff konnten wir viele neue junge BesucherInnen ansprechen. Das Hip-Hop-Konzert wurde Beispielsweise von ca. 250 Jugendlichen besucht. Die anschließende Autogrammstunde des Künstlers wurde von vielen als besonderes Highlight empfunden (ebenfalls eine Anregung der Kulturküche).

 

Kritik und Ausblick

Wir haben festgestellt, dass die Kulturküche als Ort der Programmentwicklung zeitlich deutlich früher hätte starten müssen. Auf Grund des Zeitdrucks - möglichst schnell Konzertformate an den Start zu bringen - mussten wir viele Kompromisse machen und so konnten nicht alle Ideen realisiert werden.

Deshalb werden wir die Kulturküche am Leben behalten und in angebrachten Intervallen die Mitglieder zusammenrufen. Zudem haben sich 7 Jugendliche bereiterklärt, verschiedene Aufgaben zu übernehmen. Damit haben wir die gesetzten Ziele des Projektes erreicht.

 

 

Nr. 11 Kraftstation, Remscheid - inter_kult@remscheid - Zeig mir wer du bist!

 

Das Projekt Inter_Kult@Remscheid hat Remscheider Jugendlichen die Möglichkeit gegeben, Bühnenerfahrung sowohl durch einen Schreib- als auch durch einen Theaterworkshop zu sammeln. Unter professioneller Anleitung wurde in dieser Projektreihe der Fokus auf die interkulturelle Verständigung gelegt.

 

Zielsetzung des Projektes

Mit dem Projekt Inter_Kult@Remscheid sollte bei den Teilnehmern und Teilnehmerinnen zum einen die kulturelle Verständigung als auch die Stärkung der individuellen Kommunikationsfähigkeit gefördert werden. Hierzu wurde im speziellen die Improgruppe Fatma Express eingeladen, die sich auf beide Aspekte spezialisiert hat. Innerhalb der verschiedenen Workshops wurde zu folgenden Fragestellungen gearbeitet:

Wo gehöre ich dazu? Was bin ich? Was ist Nationalität? Welchen Rang haben ethnische Gruppen in unserer Gesellschaft überhaupt. Mag ich die anderen Gruppen oder lehne ich sie ab? Wie lässt sich der eigene Kontext in Worte fassen oder wie kann ich meine Welt für andere sichtbar machen?

Mit Inter_Kult@Remscheid wollten wir Jugendlichen einen Anstoß geben, sich eine neue Kommunikationsplattform zu erarbeiten. Durch einen Improkurs und einer Poetry-Slam Schreibwerkstatt, wollten wir Jugendlichen die literarische Selbstreflexion schmackhaft machen. Ziel war es die eigenen Alltagsthemen auf die Bühne zu bringen und im Spannungsfeld der verschiedenen Kulturen auszutragen. Die entstandenen Texte sollten natürlich einer kleinen Öffentlichkeit präsentiert werden, um so die kulturelle Landschaft Remscheids zu bereichern.

 

Durchführung des Projektes

In der zweiten Jahreshälfte 2008 wurde das Projekt Inter_Kult@Remscheid mit einer Schreibwerkstatt gestartet. Da Jonas Digjuris kurzfristig verhindert war, konnten wir als Alternative die Schriftstellerin Pamela Granderath gewinnen. Aus zeitlichen Gründen haben wir den Schreibworkshop auf die Wochenenden gelegt. Insgesamt haben sich hier 11 TeilnehmerInnen gemeldet. Bereits nach dem ersten Durchlauf standen schon 6 TeilnehmerInnen der Schreibwerkstatt auf einem offiziellen Poetry Slam der Kraftstation. Ein Teilnehmer hat es sogar ins Finale gebracht.

Anfang 2009 haben wir einen weiteren Slam veranstalten und konnten uns zum ersten Mal über zahlreiche Gäste freuen. Der Workshop und die aktiven TeilnehmerInnen haben zum Erfolg dieses Formates beigetragen. Besonders erfreulich ist, dass wir drei junge Slammerinnen in unserer Werkstatt und auch auf dem öffentlichen Slam begrüßen konnten.

Ein besonderes Highlight dieses Projektes war sicherlich der Theaterworkshop mit Fatma Express. Tatsächlich haben sich an zwei Tagen jeweils ca. 50 Jugendliche zwischen 12 – 16 Jahren in die Räume der Kraftstation eingefunden. In fünf Gruppen wurden die verschiedenen Improwerkzeuge ausprobiert und eine kleine Showeinlage erarbeitet.

Diese wurden während einer Abschlussveranstaltung der Öffentlichkeit präsentiert. Zahlreiche Gäste – Eltern, Geschwister, LehrerInnen und Freunde – besuchten diesen bunten Abend.

 

Erreichung der Ziele

Mit diesem Projekt haben wir unsere Ziele erreicht. Beide Angebote wurden von den Jugendlichen sehr gut angenommen und wurden letztlich auch von der Öffentlichkeit angenommen. Wir haben von vielen TeilnehmerInnen ein hervorragendes Feedback erhalten. Gerade die Beschäftigung mit verschiedenen Kulturen haben sie als sehr spannend empfunden. Wir als Kraftstation werden hier ansetzen und weitere Projekte anschieben. Beide Formate – sowohl die Schreibwerkstatt als auch das Improtheater – werden wir weiter in der Programmstruktur der Kraftstation behalten.



Nr. 8 WerkStadt, Witten  - Jugendliebe

Das Tanztheaterprojekt „JugendLiebe“ wurde im Zeitraum vom 22. September bis zum 12. Oktober 2008 in der WERK°STADT Witten durchgeführt.

Eine Choreographin, ein freier Theaterregisseur, ein Kulturpädagoge und eine Pädagogin der Stadt Witten haben das Projekt gemeinsam geplant und umgesetzt.

Das Projekt hatte zunächst mit Startschwierigkeiten zu kämpfen: Bereits am 13. September 2008 – also knapp zwei Wochen vor dem eigentlichen Projektbeginn – wurde eine Audition veranstaltet, zu der leider nur drei Jugendliche erschienen. Zwar war in der Presse ausführlich auf das Projekt und auf die Audition hingewiesen worden, allerdings hatte sich durch ein Missverständnis der Drucktermin der Werbeflyer verzögert, so dass diese vor der Audition nicht mehr im großen Stil verteilt werden konnten.

Die Verteilung der Flyer wurde nach der misslungenen Audition stark intensiviert. Ebenso wurden verstärkt Teilnehmer aus den Tanzkursen der WERK°STADT und aus früheren Projekt persönlich angesprochen, so dass sich zu Projektbeginn am 22. September schließlich doch noch 23 interessierte Jugendliche in der WERK°STADT einfanden. 17 von ihnen nahmen regelmäßig an dem Projekt teil und standen am Ende schließlich auf der Bühne. Sie kamen aus Witten, Bochum und Dortmund und waren zwischen 13 und 21 Jahren alt.

Zwei Wochen lang wurde während der Herbstferien intensiv gearbeitet. Dabei gab es zunächst noch klare unterschiedliche Interessensschwerpunkte bei den Jugendlichen: Einige wollten nur tanzen, andere dagegen ausschließlich schauspielern. Man einigte sich schließlich darauf, dass ALLE Teilnehmer sowohl tänzerisch als auch schauspielerisch auf der Bühne zu sehen sein sollten. Dies stellte die Dozenten vor die Herausforderung, die unterschiedlichen Vorerfahrungen und Fähigkeiten der Teilnehmer unter einen Hut bringen zu müssen, ohne dass während der Probenarbeiten Langeweile bei den fortgeschrittenen Tänzern und Schauspielern aufkommt.

Von den Jugendlichen wurde außerdem der Wunsch geäußert, Live-Gesang mit in die Bühnenaufführungen zu integrieren, so dass schließlich außerplanmäßig auch Gesangsproben durchgeführt wurden; allerdings ohne musikalische Fachanleitung.

Körperübungen und Tanztraining bildeten das tägliche Warm-up. Danach wurde vor allem in Kleingruppen gezielt an einzelnen Szenen und Choreographien gearbeitet. Sowohl Anfänger als auch Fortgeschrittene konnten so einzelne Szenen und Tänze erarbeiten, die ihrer individuellen Leistungsstufe entsprachen. Insbesondere in der ersten Woche wurde darüber hinaus im gemeinsamen Plenum viel über das Oberthema Liebe gesprochen. Alle Jugendlichen verfügten bereits über persönliche Liebeserfahrungen und berichteten darüber mit einer unerwartet großen Offenheit. Trotz der z. T. doch recht großen Altersspanne zwischen den einzelnen Teilnehmern kam es dabei zu lebhaften und tiefgehenden Diskussionen über Verliebtheit, Freundschaft, Liebeskummer, Sex, ewige Liebe, Fremdgehen, Hochzeit, Homosexualität, Geschlechterrollen u. a.

Bemerkenswert war in diesem Zusammenhang die Feststellung, dass die Jugendlichen unabhängig vom jeweiligen Alter und Bildungsstand überwiegend „konservative“ Moral- und Wertvorstellungen sowie ein durchweg positives Bild von Liebe äußerten.

Als Resultat aus diesen Gesprächen entwickelten die Jugendlichen Texte und Szenen, die mit Hilfe des Theaterdozenten auf die Bühne gebracht wurden. Einen Großteil der Texte schrieben die Jugendlichen selbst; aus der klassischen Theaterliteratur wurde die Balkonszene aus William Shakespeares „Romeo und Julia“ verwendet. Tänze aus den Bereichen HipHop, Ballett und Showdance fügten sich thematisch passend in das Stück ein. Gesungen wurde zum einen auf Playback-Versionen von aktuellen Popsongs zum Thema Liebe, zum anderen begleitete ein 16-jähriger Teilnehmer manche Gesangseinlagen auf dem Klavier. Entstanden ist so eine knapp 50-minütige Collage zum Thema (Jugend-)Liebe, die in vielen Teilen sehr persönliche Geschichten der Teilnehmer enthielt, sehr abwechslungsreich war und das Publikum fasziniert in ihren Bann zog.

Durch die misslungene Audition konnte die schauspielerische, tänzerische und gesangliche Qualität der Projektteilnehmer nicht schon im Vorfeld des Projektes „gefiltert“ werden. Künstlerisch mag sich dies vielleicht negativ auf das Projekt ausgewirkt haben, aus pädagogischer Sicht jedoch erwies sich dieses vermeintliche Manko unterm Strich sogar als vorteilhaft: Durch unterschiedlich große Vorkenntnisse und den z. T. deutlichen Altersunterschieden waren die Teilnehmer in einem hohen Maße gefordert, eine Vielzahl an sozialen Fähigkeiten zu trainieren wie zum Beispiel Teamwork, Hilfsbereitschaft, Kritikfähigkeit, Disziplin, Toleranz und Geduld. Alle Teilnehmer meisterten diese Aufgabe mit Bravour, auch wenn gelegentliche Streitigkeiten oder Frustrationen natürlich nicht ausblieben. Der Spaß auf der Bühne war ihnen deutlich anzumerken und übertrug sich auch auf das Publikum. Die professionelle Bühnentechnik und das kreative Bühnenbild von Objektdesignerin Sabine Kehse taten ein übriges, um einen spannenden und unterhaltsamen Tanztheaterabend zu garantieren.

Am 11. und 12. Oktober fanden zwei Aufführungen in der WERK°STADT Witten statt; die geplanten Schulaufführungen am 14. und. 15. Oktober mussten aufgrund von Klausurenterminen einiger Projekttteilnehmer leider kurzfristig abgesagt werden.

Das Projekt ist insgesamt als sehr erfolgreich zu werten. Es fand ein reger thematischer Dialog zwischen den Jugendlichen statt, und die Probenarbeiten waren nicht nur durch tänzerische und schauspielerische, sondern auch durch eine Vielzahl von sozialen Lernprozessen geprägt. Die Jugendlichen haben ihre persönlichen Erfahrungen sehr diszipliniert und kreativ auf die Bühne gebracht. Das Gruppengefühl als gemeinsames Ensemble war dabei sehr stark ausgeprägt, obwohl die Gruppe hinsichtlich Alter, Herkunft, Schulformen und Vorkenntnissen eigentlich sehr heterogen war.

Eine erneute Kooperation zwischen der WERK°STADT Witten und der Stadt Witten ist bereits in Planung, das neue Projekt soll in der zweiten Jahreshälfte 2009 stattfinden.

 

 

Nr. 70 Börse, Wuppertal - Generationsübergreifendes Theaterprojekt

 

„2gather again“ – Zwei Generationen suchen nach Verbindendem in ihren Körpern und ihren Seelen. Im Miteinander zweier Generationen entstand ein Tanztheaterabend. Unter der Leitung der Choreographin und Tanzpädagogin Barbara Cleff entwickelte eine Gruppe Jugendlicher und eine Gruppe Senioren in einer 5-monatigen Workshop- und Probenphase ein Tanztheaterstück zum Thema „Gemeinsamkeiten“.

Das Projekt richtet sich an Jugendliche und junge Erwachsene zwischen 16 und 21 Jahren und an

Menschen ab 55 Jahre. Kooperationspartner des Kommunikationszentrums die börse in Wuppertal

war die Bergische VHS Wuppertal. Junge und ältere Menschen machten sich in diesem Bühnenprojekt auf die Suche nach Verbindendem und Ergänzendem. In der gemeinsamen Arbeitsphase tauschten sich die TeilnehmerInnen auf der Basis ihrer persönlichen Erfahrungen über ihre Lebenssituation aus. Über eine Zeit, in der sich mehr oder weniger augenscheinlich etwas ändert. Was ähnelt sich und wo entdeckten sie Gemeinsamkeiten zweier unterschiedlicher Lebensabschnitte, die auf ihre eigene Art und Weise einen Aufbruch bedeuten können?

Vieles lässt sich schwer in Worte fassen, aber es lässt sich erfühlen, erleben und gestalten. In der

tänzerischen Arbeit das Verbindende suchen, musikalische und szenische Elemente zu kombinieren

und dieser gemeinsamen Reise Ausdruck zu verleihen, ermöglichte uns einen offenen Blick auf einen

anderen Lebensabschnitt und bot die Möglichkeit zur Kommunikation zwischen zwei Generationen.

 

Voraussetzungen

Seit fünf Jahren engagiert sich das Kommunikationszentrum die börse intensiv für eine Begegnung

zwischen Jugendlichen und Künstlern. Wir wollen für Jugendliche nicht nur Veranstaltungshaus sein,

sondern auch künstlerisches Laboratorium. Hier können sie unter professionellen Rahmenbedingungen und unter Anleitung von Künstlern experimentieren, kreativ werden und sich selbst erfahren. Durch unsere Arbeit haben wir ein großes Interesse der Jugendlichen an unseren Kulturveranstaltungen geschaffen, sie sind fester Bestandteil unseres Publikums geworden.

Auch für Seniorinnen und Senioren bietet das Programm der „börse“ vielfältige Möglichkeiten. So gibt

es seit der Gründung des Kommunikationszentrums als feste Einrichtung einmal wöchentlich den

„Seniorenschwoof“, eine gern genutzte Gelegenheit für Senioren und Seniorinnen, in der Gruppe mit Gleichgesinnten aktive gesellige Stunden zu erleben und gleichzeitig bis ins hohe Alter ihre Vitalität zu erhalten. Das "theater rauhreif", eine Seniorentheatergruppe, die seit Jahren fest an unser Haus gebunden ist, ist ein engagiertes, experimentelles Theater, das auf Körperausdruck und Bewegung basiert. Die Vorstellungen sind für Jung und Alt geeignet. Der Kooperationspartner Bergische Volkshochschule hält im Bergischen Städtedreieck mit rd. 150 Angeboten pro Semester das größte Veranstaltungsangebot für ältere Menschen vor. Das „Programm für Seniorinnen und Senioren“ der VHS beinhaltet mehrere Tanz-Angebote. Seit 2004 gibt es ein regelmäßiges Training mit dem Schwerpunkt Moderner Tanz/Tanztheater und Bühnenprojekte unter der professionellen Leitung von Barbara Cleff. Sie entwickelt und choreographiert seit Anfang 2001 Projekte für diese Zielgruppe und leitete auch das erste Generationenprojekt imagine!. Hiermit begann 2005 die gemeinsame Projektarbeit von VHS und „die börse“ und findet nun seine Fortsetzung/Ergänzung. Beide Institutionen blicken auf einen großen Erfahrungsschatz in der Arbeit mit den jeweiligen Zielgruppen zurück und ergänzen einander inhaltlich und in der praktischen Arbeit. Im Sinne von Nachhaltigkeit wurde nun mit der erneuten gemeinsamen Arbeit zurückgegriffen auf die bewährten Zusammenhänge. Auf dieser Grundlage konnten sich neue Ideen bestens entfalten. Das Projekt nimmt Bezug auf das künstlerische Profil Wuppertals, das seit vielen Jahren vom zeitgenössischen Tanz und improvisierter Musik geprägt wird.

 

Konzept

Der Zusammenhalt der Generationen ist für die Zukunft unserer Gesellschaft entscheidend, er muss

auch und gerade angesichts der demografischen Entwicklung erhalten bleiben. Dieses Projekt wollte

Möglichkeiten schaffen, damit die Generationen sich auch außerhalb der Familie begegnen und ins

Gespräch kommen können. Jung und Alt konnten hier gemeinschaftlich innerhalb eines künstlerischen

Konzeptes arbeiten und voneinander lernen.

Jugendliche empfinden sich oft als noch nicht vollends und Ältere als nicht mehr ganz anerkannter Teil

der Gesellschaft. Für beide Gruppen wird ihr Körper zum Teil problematisch. Durch die Körperarbeit

konnten die TeilnehmerInnen neues Selbstvertrauen in die eigene Kraft gewinnen, geistige und

körperliche Beweglichkeit wurden unterstützt und das alltägliche Leben durch die Gruppenarbeit positiv bereichert. Unter professioneller Leitung entdeckten und erforschten die Teilnehmer dieses Projekts ihren sich in Veränderung befindlichen Körper für den Ausdruck auf der Bühne.

Ziel der generationsübergreifenden Tanztheaterarbeit war es, das gesellschaftspolitische Potential von

Jugendlichen und Älteren zu stärken. Ein wiedergewonnenes Zusammenspiel der Generationen ist ein wichtiges Regulativ in der Gesellschaft. Im Rahmen dieser Arbeit konnten die TeilnehmerInnen als

Individuen ihre wertvolle Funktion füreinander wieder entdecken.

Ein weiteres Ziel war es, dass beide Gruppen die Spielräume ihres kreativen Ausdrucksvermögens

selbst erfahren und erweitern. Generell fördert musikalische und tänzerische Erziehung

Persönlichkeits- und Identitätsbildung, Schlüsselkompetenzen, Körperwahrnehmung und

Bewegungsphantasie, Gestaltungsfähigkeit und eigenschöpferisches Handeln.

 

Arbeitsweise

In den unterschiedlichen Phasen gab es sowohl gemeinsame als auch getrennte Proben der beiden

beteiligten Gruppen. Die choreographische Arbeit wurde in Zusammenarbeit mit dem

Interaktionskünstler Han Halewijn um gemeinsam erarbeitete rhythmisch/musikalische und

bildkompositorische Ebenen erweitert. In der Endprobenphase wurden schließlich die erarbeiteten

Szenen zu einem abendfüllenden Tanztheaterstück verbunden.

Den getrennten Tanzworkshops lagen keine feste Choreographie und kein fertiger Text zugrunde. Im Vordergrund stand zunächst der Arbeitsprozess. Wichtigster Ausgangspunkt der Arbeit waren die

Akteure selbst. Das wichtigste Arbeitsprinzip war die Suche nach Gemeinsamkeiten der beiden

Generationen. Die gewählten thematischen Ansätze wurden in der parallelen Arbeit der künstlerischen

Leiterin Barbara Cleff in die jeweils andere Gruppe übertragen. Aufgrund dieser gleichen

Fragestellungen entwickelte sie mit den TeilnehmerInnen themengebundene Improvisationen und

erarbeitete daraus festgelegte Choreographien. Persönliche Assoziationen und Gedanken, die eigenen Erfahrungen innerhalb und außerhalb des gemeinsamen Arbeitens, wurden so zu tragenden

Bestandteilen einzelner Szenen und Bilder. In der gemeinsamen Arbeitsphase tauschen sich die TeilnehmerInnen beider Altersgruppen auf der Basis ihres erarbeiteten szenischen Materials über ihre Lebenssituation aus und prägten gemeinsam einen künstlerisch qualitätsvollen und inhaltlich anspruchsvollen Tanztheaterabend. Dieses interdisziplinäre Projekt entstand in enger Zusammenarbeit mit dem Komponisten und Interaktionskünstler Han Halewijn, der ein dynamisches Bühnenbild entwickelte und in die dramaturgische Arbeit eingebunden war. Seine Arbeitsformen und -strukturen als Musiker und Installationskünstler ergänzten und bereicherten das Projekt, und machten gemeinsame Erfahrungen auf unterschiedlichen Ebenen möglich.

 

Projektverlauf

Mit einem vorbereitenden Impulsworkshop zu den Themen „Meine Vision vom eigenen Leben in 50

Jahren“ und der Annäherung an das Thema „älter werden“ sollten im Herbst 2007 Jugendliche für das

Projekt gewonnen werden und sowohl erste inhaltliche Annäherungen erarbeiten, als auch mit der

Arbeitsweise der Choreographin Barbara Cleff und des Interaktionskünstlers Han Halewijn vertraut

gemacht werden. Hierfür wurden sowohl Teilnehmer aus vorangegangenen Projekten der „börse“, als auch Schülerinnen und Schüler aus weiterführenden Schulen angesprochen. Jugendliche für das Thema und die Auseinandersetzung mit dem Älterwerden zu gewinnen, erwies sich als ausgesprochen schwierig. Zwar fanden sich immer wieder Neugierige, diese ließen sich jedoch – der jugendlichen Zielgruppe entsprechend – nicht immer für die kontinuierliche Zusammenarbeit binden. So entstanden zwar für die weitere künstlerische Entwicklung des Projektes wertvolle Ideen und Bilder, die Ensemblefindung im Bereich der Jugendlichen erwies sich aber als sehr schwierig. Erst wiederholte Angebote und persönliche Kontaktaufnahme zu den Jugendlichen, die sich sowohl für Tanz interessierten, als auch an soziokulturellen Themen interessiert waren, ließen die gewünschte Eigendynamik entstehen, die zur Folge hatte, dass sich ein homogenes Ensemble auf Seiten der Jugendlichen bilden konnte. Die dadurch erforderliche Verlegung des Premierentermins wirkte sich zunächst als Verunsicherung auch auf die bereits vorhandene Gruppe der älteren Teilnehmer aus, die eine hohe Flexibilität im Bezug auf die Terminplanung aufbringen musste. Bereits in der Anfangsphase war somit auf der Ebene der Zusammenarbeit eine Annäherung der beiden Gruppen erforderlich. Flüchtigkeit versus Zuverlässigkeit – Offenheit versus Festlegung.

Als sehr hilfreich in dieser Phase erwies sich der gewählte interdisziplinarische Ansatz in der

Zusammenarbeit mit dem Interaktionskünstler Han Halewijn und die Einbindung des Mediums Video,

der gewährleisten konnte, das bestimmte wichtige Ansätze und Ideen im Medium festgehalten und

zwischen den Gruppen kommuniziert werden konnten, ohne dass eine permanente Anwesenheit

erforderlich war. So konnte den unterschiedlichen Bedürfnissen Rechnung getragen werden und alle

Interessenten konnten in die Entwicklung des Stückes eingebunden werden, auch wenn sie nicht für

die komplette Projektlaufzeit zur Verfügung stehen konnten. Der gesetzte Rahmen der in den beiden Gruppen zunächst getrennten Entwicklung des Bewegungsmaterials, gewährleistete außerdem einen geschützten Raum der thematischen Annäherung, ohne das das entstandene Konfliktpotential direkt aufeinander traf. Nach dieser Phase der thematischen Annäherung und der im Vorfeld geleisteten Bereitschaft sich auf die Grundbedürfnisse der jeweils anderen Gruppe einzustellen, war es möglich, in die gemeinsame Arbeit einzusteigen und in der anspruchsvollen und arbeitsintensiven letzten Arbeitsphase ein Ensemble zu bilden, in dem jedes Mitglied altersunabhängig seinen Platz und seine Funktion fand. Die gemeinsame Arbeit wurde von

Beteiligten beider Generationen in der Rückschau als sehr bereichernd empfunden. Der in den Endproben zusammen gewachsene Tanztheaterabend bestach durch die gleichberechtigte

szenische Gestaltung mit jungen und alten Darstellern und lebte vom spielerischen Rollentausch, der

die Unterschiede verschwimmen ließ und die Gemeinsamkeiten humorvoll betonte. Die beiden

ausverkauften Vorstellungen wurden vom Publikum begeistert aufgenommen.

Das Projekt „2gather again“ bot vielfältige Möglichkeiten sich selbst zu erforschen, das eigene Können

zu erweitern und sich in neuen Zusammenhängen kennen zu lernen. Es war für alle Beteiligten eine

Herausforderung das eigene Potential zu erleben, ihm zu vertrauen und es auch füreinander zu nutzen.

 

 

 

Nr. 4 Die Börse, Wuppertal - Sommertanz Junge Talente 2008 

 

Zum fünften Mal fand in den Sommerferien 2008 das Nachwuchsförderprojekt Sommertanz Junge Talente in der Wuppertaler börse statt. In vier Castingrunden haben sich 13 junge Tanztalente (3 Jungen / 10 Mädchen im Alter von 15 bis 18 Jahren) aus der ganzen bergischen Region unter über 60 Bewerbern für die Teilnahme an dem außergewöhnlichen Projekt qualifiziert. Auswahlkriterien waren nicht tänzerische Erfahrung, sondern Bewegungsfreude, Kreativität, Rhythmusgefühl, Körperkoordination, Ausdrucksvermögen, eine ernsthafte Motivation und Bereitschaft zu viel Disziplin.

Vom 30.06. an trainierten die Jugendlichen täglich mit Profis und erlernen Techniken von Ballett über Modern bis HipHop. Am Nachmittag studierten sie mit internationalen ChoreografInnen kürzere Stücke für den diesjährigen Tanzabend „Vor dem Spiel ist nach dem Spiel“ ein. Premiere war am 9. und 10. August in der börse. Im Anschluss ging der Tanzabend wieder in NRW auf Tournee.

In 2008 arbeiten neben Geraldo Si und den Wuppertaler Choreografinnen Hilke Kluth und Nadja Varga die Kroatin Desanka Virant, die Engländer Ben Fox und Helen Stirland und der Deutsch-Marokkaner Soufian Rhazi mit den jungen TänzerInnen.

Unsere Aufführungen waren auch in diesem Jahr überdurchschnittlich gut besucht und wurden von Publikum und Medien durchgehend positiv bewertet. Die Einnahmen konnten so den Fehlbedarf von 2.000 € erheblich reduzieren. Die restlichen Kosten blieben im geplanten Rahmen. Nach den Aufführungen in den Partnerstädten erreichten uns teilweise sofortige Neuanmeldungen für das Projekt im Folgejahr.

 

Zielsetzung des gemeinsamen bergischen Projekts, das seit 2004 von die börse Wuppertal in Zusammenarbeit mit dem Teo Otto Theater Remscheid und den Kulturbüro Hilden, Solingen und Wuppertal organisiert wird, ist neben der Vermittlung künstlerischer Arbeitsweisen und tänzerischer Ausdrucksformen auch die Heranführung an den Beruf und die Lebensrealität des Tänzers und Choreografen. Für 2009 möchten wir neben dem besonderen Augenmerk auf die Förderung besonderer Talente aus sozial benachteiligten Bevölkerungsschichten, die Nachbetreuung systematisieren und um den Aspekt der Berufsorientierung erweitern, im Sinne eines Zukunftscamps im Übergang von Schule und Beruf.

 

 

Münster, den 31.8.2009