Bericht über die Projektmittel 2009
der Landesarbeitsgemeinschaft Soziokultureller Zentren Nordrhein-Westfalen (LAG
NW)
Inhalt
1. Gesamtübersicht
2. Darstellung der einzelnen
Projekte
Zu 1. Gesamtübersicht
Die LAG NW hat 2009 mit den Mitteln des Ministerpräsidenten/ der Staatskanzlei
des Landes Nordrhein-Westfalen 39 Projekte von 31 Zentren/ Initiativen und
KünstlerInnen gefördert. Es gab insgesamt 85 Anträge von 68 Zentren/
Einrichtungen/Initiativen/KünstlerInnen mit einem Gesamtkostenvolumen von 1.545.810
€ und einem Zuschussbedarf von 525.063 €. Der Beirat hat in zwei Sitzungen und
einem Mailverfahren für Nachrücker über die Anträge befunden und die obengenannten
39 Anträge bewilligt. Diese Ergebnisse wurden auf den jeweiligen LAG NW
Tagungen vorgestellt, diskutiert und letztendlich entschieden.
Nach der Abrechnung betrugen die Gesamtausgaben der geförderter Projekte 513.499,18
€. Dabei betrug der Anteil des Landes mit 130.000 € = 25,32 %. Insgesamt wurde 6
Projekte mit 5.000 € und mehr gefördert. 22 Projekte erhielten 3.000 € und mehr
und 11 Projekte wurden jeweils mit weniger als 3.000 € aus Landesmitteln
finanziert.
Die Leistungen Dritter (vor allen Dingen der Kommunen) betrugen 200.700,--
€, das entspricht 39,08 %. Die Leistungen der Kommunen waren jedoch weit höher,
denn sie sind entweder Bestandteil innerhalb einer direkten Kooperation
und/oder Bestandteil der Zuschüsse zu den Betriebs- und Programmkosten der
jeweiligen Zentren. Auf der anderen Seite sind hier auch Landesmittel
enthalten, die von anderen Stellen bewilligt worden sind. Die Eigenleistungen einschl.
Eintritte der Träger lagen insgesamt bei 182.709,18 €. Das sind 35,6 %.
Die Gesamtkosten erhöhten sich um den Betrag von 6.774,18 €, das entspricht
1,34 % % Abweichung vom ursprünglichen Kostenplan.
Grundsätzlich haben die Zentren in allen Kunst- und Kultursparten (Musik,
Theater, Literatur, Medien) sowie spartenübergreifende Projekte durchgeführt.
Tendenziell sind die Projekte in erster Linie der Stadtteilarbeit, der
Kulturpolitik und dem Kinder- und Jugendbereich zuzuordnen.
Zu 2. Darstellung der einzelnen
Projekte
Erstes Halbjahr 2009
Nr. 1 Schuhfabrik, Ahlen – In die Jahre gekommen
Projektentwicklung
Auf der Grundlage des
Projektantrages wurde auf der gemeinsamen Jahrestagung des Vereins und der
MitarbeiterInnen Mitte Januar 2009 das Jubiläumsprogramm konkretisiert. Die 25
Anwesenden entschieden sich für den Projekttitel „zeit-los“. Die gemeinsame
Beratung und die damit verbundene Aneignung der Projektidee führten letztlich
zum Gelingen des Gesamtprojektes. An diesem Wochenende wurde viel über die
Gründungsideen, die Entwicklung in den vergangenen 25 Jahren, die verschiedenen
Erlebnisse Einzelner in dieser Zeit und über Erklärungsmodelle für Organisationsphasen
gesprochen. Diese Ausgangsbasis beeinflusste im weiteren Projektverlauf
besonders die Rahmenveranstaltungen.
Projektbeschreibung
und Darstellung der einzelnen Bausteine
Im Jubiläumsmonat Mai
ging es uns darum das gesamte Spektrum der unterschiedlichen Veranstaltungen in
der Schuhfabrik zu zeigen und in einem Programmheft mit überregionaler
Verteilung zu präsentieren. Es ging uns bewusst nicht darum „große Namen“
einmalig für ein Jubiläum zu verpflichten, sondern die Vielschichtigkeit des
Programmangebotes der Schuhfabrik zu verdeutlichen. Mit einer Auflage von 2.500
Stück und einem außergewöhnlichem Verschickungsaufwand erreichten wir mit dem aufwendig
gestalteten Programmheft ein großes Einzugsgebiet und ungewöhnlich viele
mögliche Interessierte. Letztlich sind dies nicht alles Gäste der
Veranstaltungen, aber der Imagegewinn ist immens.
Das
Ausstellungsprojekt
In der Zeit vom 13.
Mai bis zum 13. Juni wurden Arbeiten von Annegret Soltau, Katharina Monka,
Annet van der Voort, Lenka Clayton und James Price, Rabea Eipperle und Stephan
US in der etage eins präsentiert. Leider musste kurzfristig eine Umbesetzung
bei den ausstellenden KünstlerInnen erfolgen. Die im Programmheft angekündigte
Arbeit von Camille Norment war nicht verfügbar. Dafür sprang die Künstlerin
Katharina Monka aus Münster mit der Nachbildung eines menschlichen Rückens in
einer Vitrine und als eine Vertreterin der Objektkunst, ein. Die gesamte
Ausstellung fand auf zwei Etagen und in einem großzügigen Rahmen statt. Die
einzelnen Objekte fanden ausreichend Platz und konnten auf dieser Fläche gut
wirken.
Der Ausstellungseröffnung
wurde bewusst mit dem offiziellen Empfang zum Jubiläum verbunden. Neben
Vereinsmitgliedern und zahlreichen NutzerInnen des Hauses kamen als
BesucherInnen auch Vertreter der Parteien und eine Gruppe von älteren
kunstinteressierten Menschen, die sich regelmäßig zum Kulturstammtisch treffen.
In dieser Atmosphäre kam es zu Kontakten und lebhaften Gesprächen mit den vier anwesenden
Künstlerinnen.
Bereits am Vorabend
der Eröffnung hatten die Vereinsmitglieder die Gelegenheit zum Preview und zum
Gespräch mit dem Ausstellungsmacher Stephan US. Diese Gelegenheit wurde gut genutzt
und selten endete eine Jahreshauptversammlung so gelöst und mit so viel Spaß,
was eindeutig an der Ausstellung lag.
Insgesamt erzielte die
Ausstellung eine gute Beachtung. Dies lag besonders an den provokanten Arbeiten
von Rabea Eipperle, die zu teilweise heftigen Diskussionen führte. Die
Reaktionen reichten von „ihr zeigt nichts Neues, sondern das ist alles schon
dagewesen“ bis hin zu „wir bestehen darauf, dass wir andere Räumlichkeiten für
unsere Kindergruppen erhalten oder diese Ausstellungsteile müssen an den
kommenden Montagen zugehängt werden“ reichten die Reaktionen. Die Darstellung
von nackten Männern scheint immer noch ein Tabu zu sein. Die Leitungspersonen,
der in unseren Räumen stattfindenden Integrationskursen, zeigten sich
ängstlich, ob sie dies ihren Teilnehmerinnen und besonders den muslimischen
Frauen zumuten können. Und wir hörten in diesem Zeitraum ein häufiges Kichern
vor den Bildern …
Gerade die
Niedrigschwelligkeit unserer Ausstellungsräume stellt die Besonderheit dar.
Hier werden Menschen mit Kunst konfrontiert, die wahrscheinlich nicht oder nur
selten in Museen gehen.
Das Erinnerungszimmer
stellte für die Ahlener aber einen ganz besonderen Teil dieser Ausstellung dar.
Hier war der Ort sich die alten Geschichten zu erzählen, sie auszutauschen und
sie angemessen zu würdigen. Bei der Veranstaltung „Zeitgeist – damals und
heute“ standen und saßen gut 40 Personen gedrängt an Obstkisten auf Matratzen
im Erinnerungszimmer in einer überaus dichten und gegenseitig achtenden
Atmosphäre. Sicherlich war es auch der Anwesenheit von Dr. Hans-Jörg Siewert zu
verdanken, dass der Abend nicht in ein gegenseitiges Schulterklopfen
abrutschte, sondern dass ein kritischer Distanzblick gewahrt blieb. Die Achtung
zwischen den Gründern und ehemaligen Besetzern und den heutigen Machern des
Hauses ist an diesem Abend ausgesprochen worden und vielleicht auch gewachsen.
Begleitprogramm
Neben der
Ausstellungseröffnung und der Veranstaltung „zeitgeist“ im Erinnerungszimmer
wurde das Jubiläumsprogramm durch weitere Veranstaltungen ergänzt. Chronologisch
folgte am Samstag, den 9.5. „Die Tafel“ für Ahlen. Zusammengesetzt aus 60
Biertischgarnituren entstand in der Fußgängerzone eine Tafel in der Länge von
110 Metern. Anlässlich des Jubiläums luden wir die Ahlener Bevölkerung unter
freiem Himmel zum kostenfreien Spaghetti-Essen ein. Bei strahlendem Wetter war
die Begeisterung über diese Geburtstagseinladung riesengroß.
Am 20.05. wurde das
Erinnerungszimmer zum zweiten Mal mit einer Veranstaltung belebt. Mit dem
Radiomoderator und DJ Klaus Fiehe zogen 25 Jahre Musikgeschichte an den
BesucherInnen vorüber. Und mit dem Konzert der Custard Pies lebte die „alte“
Musik der Rockband Led Zeppelin wieder auf.
Nach den vielen
Erinnerungen und den Musikveranstaltungen bildete die Veranstaltung
„Lebenswert(e) Stadt“ und der Blick auf die Visionen für Ahlen den Abschluss
des Jubiläums. Unter Anwesenheit des Filmemachers Holger Lauinger wurde
zunächst der Film „Neuland“ als Anregung zum Querdenken gezeigt. Leider war
diese Veranstaltung absolut schlecht besucht und verkam ein wenig aufgrund der
anwesenden Bürgermeisterkandidaten zum Vorwahlkampftermin.
Erwähnen wollen wir an
dieser Stelle noch die Fensterdekoration in diesem Zeitraum. Aus den
Presseberichten der vergangenen 25 Jahren wurden von uns 25 Bezeichnungen für
das Haus ausgewählt und als Schriften in die Fenster geklebt. Die Palette
reichte dabei von Heimat über Metal Schuppen, Nichtrauchertempel, Lieblingskind
der SPD, Freizeittempel bis Kaderschmiede. Über diese „Stempel“ wurde viel
diskutiert und fehlende Begriffe konnten bei uns bestellt werden.
Auswertung und
Perspektiven
Das Programm zum
25jährigen Jubiläum kann als rundum gelungen bezeichnet werden. Diese
Einschätzung teilten auch viele unserer Gäste, die uns ihre Meinung zum
Jubiläum rückmeldeten. Besonders auswärtige Gäste oder auch LeserInnen des
Programmheftes lobten die Vielschichtigkeit und die sich widerspiegelnde
Ideenvielfalt. Genau das war beabsichtigt und so ist das Konzept für dieses
Jubiläum grundsätzlich aufgegangen.
Und noch ein kleiner
Nachtrag: um die letzte – schlecht angenommene - Veranstaltungsidee der
Lebenswerten Stadt nicht ganz untergehen zu lassen, wurde bereits an dem Abend
auf die Idee eines Ausstellungsprojekt hingewiesen. Ab August 2009 haben wir
Fotomontagen von Gebäuden oder Orten in der Stadt Ahlen präsentiert, die auf
ungewöhnlichen Ideen und Nutzungen beruhen und durch die Montagetechnik
visualisiert werden. Die Ausstellung wurde im September um weitere Ideen von
SchülerInnen einer Hauptschule ergänzt.
Nr. 3 AlarmTheater e.V., Bielefeld – Ich
kam allein-Kindertransporte
Eine Theaterbegegnung
zwischen 25 SchülerInnen und jungen Erwachsenen und professionellen
KünstlerInnen
Einleitung:
„Wir waren Hunderte
von Kindern und hundert Prozent allein.“
Auf diese Weise
beschreibt eine Zeitzeugin ihre Emigration mit dem Kindertransport nach
Großbritannien. Mit dem Begriff Kindertransport ist die Auswanderung von
Kindern und Jugendlichen (überwiegend) jüdischer Herkunft aus Deutschland,
Österreich und der Tschechoslowakei in den Jahren 1938 und 1939 in verschiedene
europäische Länder gemeint. Wie alle anderen glaubten die Kinder, England sei
nur ein Zwischenaufenthalt und Paläst
Kurzdarstellung:
Das Studium ihrer
Lebensgeschichte und verschiedener autobiographischer Romane hat den Anstoß für
das Theaterprojekt gegeben. Mit dem erstmals im Frühjahr 2009 zur Aufführung gebrachten
Theaterstück „Ich kam allein. Kindertransporte“ – die Vorstellungen zwischen
dem 23. und dem 29. April 2009 waren restlos ausverkauft - sollte an diese
Ereignisse von 1938/ 39 erinnert werden, die auch einen Teil der Bielefelder
Geschichte darstellen.
Dabei ging es nicht um
die Abbildung der Historie selbst, es wurde auch nicht die Geschichte eines
Kindertransport-Kindes erzählt, sondern es sollten die Reaktionen und Gefühle
der Kinder und Jugendlichen in ihrer Vielfalt und Komplexität vergegenwärtigt
werden, ihre Irritation, aber auch immer wieder ihre Vitalität. Die Bandbreite
der betroffenen Kinder und Jugendlichen (vom jüdischen Arbeiter- bis zum
Bürgerkind zwischen 4 und 17 Jahren) sowie die zahlreichen Zeitzeugenberichte,
die von großer Heterogenität, von Vielstimmigkeit der Biografien und Erinnerungen
geprägt sind, legten eine solche Darstellung nahe.
Bei aller
Unterschiedlichkeit der Erfahrungen waren für alle Teilnehmerinnen und
Teilnehmer der Kindertransporte die Reise ins Ungewisse und in die Fremde, das
ständige Unterwegssein, die Entwurzelung und das `nicht Ankommen´ prägend,
später kamen noch die Schuldgefühle der Überlebenden gegenüber den Toten hinzu.
Das Stück stellt die Gefühle und Reaktionen der Kinder in den Mittelpunkt: Von
den zunehmenden Erfahrungen des Fremdseins im eigenen Land über das
Abschiednehmen von der Familie bis zum Fremdsein in der Fremde. Dabei brechen
bei allen leidvollen Erfahrungen immer wieder die Kraft und Spielfreude der
jungen Menschen, ihr Optimismus und ihre hoffnungsfrohe Gewissheit auf eine
bessere Zukunft durch.
Über die historische
Bindung an die nationalsozialistische Geschichte h
Verlauf
Die Konzeption und
Gestaltung dieses Theaterprojekts kann sowohl als ‚work in progress’ wie auch
als gelungene Kooperation zwischen Schule und Theater angesehen werden.
Zunächst erarbeiteten sich Kollegiatinnen und Kollegiaten des
Oberstufen-Kollegs anhand historischer und literarischer Quellen den Stoff,
besuchten Orte, wo in Bielefeld die Schwestern Loewenthal gelebt haben, und
entwarfen erste Szenen. Außerdem machten sie Interviews mit Bielefelder
Bürgerinnen und Bürgern und befragten sie nach ihrem Wissen über die
Kindertransporte. Schließlich nahmen sie Kontakt zu Flüchtlingsorganisationen
auf und stellten Filme als Rohmaterial für das geplante Stück her, z.B. auch
über das im Dezember errichtete Denkmal zur Erinnerung an die Kindertransporte
in Berlin.
Die Inszenierung -
unter künstlerischer Leitung des AlarmTheaters - begann in der Projektphase des
Oberstufen-Kollegs, im Januar 2009, und setzte sich als gestrecktes Projekt von
Februar bis April mit wöchentlichen Proben, zwei Wochenenden und einer Woche in
den Osterferien im AlarmTheater fort. Die Grundlage der Theaterarbeit war aber
weder ein Rollenskript noch eine zu dramatisierende Biografie, vielmehr beruhte
sie in einer offenen Form, an der alle Beteiligten ihre Materialien
einbrachten: Zeitzeugenberichte, Lieder, Tänze, Kostüme usw.
So entstand in den
ersten Monaten zunächst eine Vielzahl von Mosaiksteinen (Module), die durch
konzeptionelle Arbeit der beiden Projektleitungen (Oberstufen-Kolleg und
AlarmTheater), die Kommunikation mit den Darstellern und Darstellerinnen wie
auch durch die intensiven Probenarbeiten schließlich das Theaterstück zu einem
Ganzen zusammenfügten.
Die den Bereich
„Schauspiel“ gewählten Kollegiatinnen und Kollegiaten wurden auf diese Weise
mit den vielfältigen Aufgaben und Vorgehensweisen der Theaterarbeit vertraut
gemacht, erfuhren, wie durch eine vertiefte inhaltliche Vorarbeit einerseits
und Improvisation, Choreographie, Gesang, Bühnenbau und Bühnentechnik
andererseits eine Inszenierung entsteht. Damit haben sich die Jugendlichen den
Herausforderungen des Theaters gestellt und hingegeben, sich mit den
unterschiedlichen Biografien ause
Die andere,
zahlenmäßig kleinere Gruppe „Grafik, Werbung, Dokumentation“ erstellte parallel
dazu die Werbematerialien (Plakate und Flyer) und das Programmheft, arbeitete
sich intensiv in Grafik und Computer-Design ein und begleitete die
Projektarbeit per Videokamera.
Fazit:
Auf unterschiedliche
Weise hat das Theaterprojekt zur Persönlichkeitsbildung, zur Teamfähigkeit und
zur erhöhten Lernmotivation der Akteure beigetragen. Immer wieder wird in
Reflexionsberichten der Kollegiatinnen und Kollegiaten hervorgehoben, dass sie
sich – trotz Durststrecken – gern auf die lange Theaterarbeit eingelassen, die
Konzentration auf das gemeinsame Ziel, die Aufführung des Stücks, das
gegenseitige Vertrauen und die Zuverlässigkeit in der Gruppe schätzen gelernt
und sich selbst in neuen Rollen und Positionen erfahren haben. Diese für alle
neuartigen Erfahrungen hätten sie zu besonderen Leistungen auch im schulischen
Alltag inspiriert.
Der gesamte
Projektprozess ebenso wie die Theateraufführungen und Zuschauerreaktionen
wurden filmisch festgehalten, eine Filmversion wurde zum Abschluss gebracht,
auch daran sind Kollegiatinnen und Kollegiaten beteiligt, und wurde anlässlich
der Bielefelder Uni-Theatertage im Juli 2009 der Öffentlichkeit präsentiert. Darüber
h
Das Theaterstück „Ich
kam allein. Kindertransporte“ hat in Bielefeld – so eine Reaktion – „großes
Aufsehen erregt und war wirklich ungemein anrührend, eine geradezu unglaubliche
Leistung für Nichtschauspielerinnen und –Schauspieler.“ „Wie in den traurigsten
Verhältnissen bei Kindern immer wieder Fröhlichkeit und Spiel zum Zuge kommt
und andererseits eben auch trauriges Erschrecken sichtbar wird, werde ich nie
vergessen“, so ein anderer Besucher. Eine ehemalige Mitschülerin der Schwestern
Loewenthal, heute über 80 jährig, die von dem Stück in der Zeitung gelesen
hatte, nahm die Gelegenheit ihres Aufführungsbesuches wahr und erzählte den
jungen Menschen, die gerade ein Stück Geschichte hatten lebendig werden lassen,
von ihren Erlebnissen in den dreißiger Jahren des letzten Jahrhunderts damals
in Bielefeld.
Das Besondere dieser
Theaterarbeit ist sicher darin zu sehen, dass mit dem Stück über die
Kindertransporte Geschichte(n) erzählt werden, die es wert sind, im Theater
erzählt zu werden. Dies geschah und geschieht nicht nur aus einem historischen
Verantwortungsbewusstsein heraus, sondern weil diese Geschichten lebendig
gehalten werden und die ihnen innewohnende hoffnungsvolle Kraft entdeckt und
genutzt werden soll. Indem die heutigen Jugendlichen den historischen jungen
Menschen eine Stimme geben, wird mit der Kraft ihres Gesangs, ihres Körpers und
ihrer Leidenschaft eine kreative Ause
Aufgrund der großen
Resonanz des Stückes im Frühjahr 2009 ist es vom 23.-31. Oktober 2009 nach
intensiver Probenarbeit, die in Teilen vom WDR aufgezeichnet und gesendet
wurde, - zu einer Wiederaufnahme im AlarmTheater gekommen. Hier zeigte sich,
dass die die erneute Arbeit am Stück zur Verbesserung der Qualität beitrug und
das darstellende Spiel an Dichte gewann.
In Vorbereitung sind
auch Festivalbewerbungen (bisher konkret: Berliner Festspiele /Kinder- und
Jugendtheater Sommer 2010 und Favoriten Theaterfestival NRW Herbst 2010) und
einer Einladung aus Theresienstadt in der Gedenkstätte zu spielen.
Nr. 4 Bahnhof Langendreer, Bochum –
Was vom Osten übrig blieb
Mit dem
spartenübergreifenden Projekt „Was vom Osten übrig blieb“ wurde im Bahnhof
Langendreer zwischen August und Dezember 2009 durch Vortragsveranstaltungen,
Dokumentar- und Spielfilme, einer Ausstellung, einem Konzert und einer Lesung
ein Beitrag zur Auseinandersetzung mit künstlerischen und sozialen
Entwicklungen in der DDR und mit ihrer diesbezüglichen Wirkungsgeschichte in
der (vereinigten) Bundesrepublik geleistet.
Die
Veranstaltungsreihe wurde mit dem Vortrag „Die DDR: Notwendiger und legitimer
Versuch und / oder Unrechtstaat?“ des Historikers Detlef Nakath am 20.August
eröffnet. Nakath hat dabei jenseits von Stasi-Hysterie und nostalgischer
DDR-Verklärung die Entstehungsbedingungen der DDR im Rahmen der „doppelten“
Staatsgründung 1949 analysiert und die sozialen und politischen Entwicklungen
in der DDR bis 1989 beurteilt. Im Anschluss daran entspann sich in der leider nur
mäßig besuchten Veranstaltung (17 TeilnehmerInnen) eine kontroverse Diskussion
vor allem um den Begriff des Unrechtstaates.
Parallel sollte
eigentlich die Plakatausstellung „Im Blick der Massen“ eröffnet werden.
Aufgrund organisatorischer Problem bei kunsttick.com wurden die Plakate
allerdings erst Anfang September geliefert, so dass die Ausstellung erst ab der
2. Septemberwoche gezeigt wurde; sie blieb bis Anfang November im
endstation.café im Bahnhof Langendreer zu sehen. Begleitend wurde ein
Handzettel zur Erläuterung der Plakate produziert.
In Kooperation mit dem
endstation.kino haben wir im September / Oktober Spiel- und Dokumentarfilme aus
der DDR, die die gesellschaftlichen und politischen Umbrüche vorwegnehmen,
gezeigt. Zur Einführung hat der Autor und Filmhistoriker Claus Löser aus Berlin
am Dienstag, den 1. September um 19.30 Uhr über filmische Vorboten der Wende im
DDR-Film vor ca. 35 BesucherInnen gesprochen. Unmittelbar im Anschluss haben
wir zwei Dokumentarfilme der Hochschule für Film und Fernsehen der DDR „Konrad
Wolf“: Sonnabend, Sonntag, Montag früh (DDR 1979 - 44 min - Dokumentarfilm - R:
Hannes Schönemann) und Wozu denn über diese Leute einen Film? (DDR 1980 - 33
min - Dokumentarfilm - R: Thomas Heise) gezeigt. Im Anschluss gab es noch eine
intensive Diskussion mit Claus Löser über die beiden Filme sowie Ausbildung und
Produktsbedingungen im Bereich Film in der DDR. In der Reihe wurden zudem
folgende Filme gezeigt: Das Kaninchen bin ich (DDR 1965, 118 min., R.: Kurt
Maetzig) Denk bloß nicht, ich heule (DDR 1965, 91 Min., R.: Frank Vogel),
Winter adé (DDR 1988 - 115 min - Dokumentarfilm - R: Helke Misselwitz - K:
Thomas Plenert), Jadup und Boel (DDR 1981/88 - 100 min - R: Rainer Simon - K:
Roland Dressel ) und Überall ist es besser, wo wir nicht sind (BRD 1988 - 79
min - R: Michael Klier - K: Sophie Maintigneux).
Am 6. September
gastierte mit dem Zentralquartett die Insitution des Jazz der DDR im Bahnhof
Langendreer. Ihr Programm „Aus teutschen Landen“ wurde von den knapp 50
BesucherInnen begeistert aufgenommen.
Zum Abschluss der
Reihe haben wir zusammen mit der „Bochumer Literarischen Gesellschaft“ Christop
Hein zu einer Lesung aus seinem Roman Landnahme eingeladen. Der
Gesellschaftsroman ist in der fiktiven sächsischen Kleinstadt Guldenberg
angesiedelt, hat seinen Schwerpunkt in den fünfziger Jahren und spiegelt 50
Jahre deutsche Geschichte – Nachkriegszeit, Wende und die Jahre danach. Im
Anschluss an die Lesung mit über 50 Besucherinnen kam es zu intensiven
Diskussionen über den Roman, über das Leben in der Kleinstadt in der DDR und
vor allem über die „Wende“ und die uneingelösten Versprechen des 9. November
1989.
Insgesamt hat die
Reihe spannende und erkenntnisfördernde Diskussionen ausgelöst. Angesichts der
medialen Dauerpräsenz der „Wende“ hätten wir uns aber durchaus mehr Publikum
gewünscht. Insbesondere die im weitesten Sinnen links-alternative Szene, die
üblicherweise die politischen Diskussionsveranstaltungen im Bahnhof
Langendreer, besucht, hat das Thema zumindest in Bochum weitestgehend
ignoriert. Demgegenüber hat der Bahnhof Langendreer mit der Literarischen
Gesellschaft Bochum und dem Institut für Deutschlandforschung an der Ruhr-Uni
Bochum möglicherweise auch für zukünftige Projekte neue Kooperationspartner
gefunden.
Nr.6 leibeigen. theater., Bochum - RuhrLab 2.0.
Projektverlauf
Im ersten Workshop wurde das Thema und das Videokonzept vorgestellt. Der
Workshop wurde gemeinsam von Noulesa/ Feldmann geleitet. Ziel war es, die
Jugendlichen (TN) für die differenzierten Facetten des Themas Gier zu
sensibilisieren und deren Motive zu erkennen. Dazu wurden auch Theaterübungen/
Improvisationen durchgeführt. Den TN wurden Grundlagen der Clipregie und
Kameraführung vermittelt. Sie wurden angeleitet, ihre eigenen Ideen zum Thema
zu entwickeln und an filmische Umsetzungsmöglichkeiten herangeführt.
Im Verlauf des Workshops rückten verschiedene Jugendkulturen in den Fokus
des Themas, den die Beteiligten teilweise selbst angehören. So entstand die
Idee, einen einen Beitrag zum BMX-Fahren zu entwickeln, in dem das Thema
Adrenalin-Kicks umgesetzt werden sollte. Ein weiterer Clip beschäftigt sich mit
dem Thema Kaufsucht. Während sich diese beiden ersten Beiträge mit dem
Oberthema Gier/ Sucht beschäftigen wird in den beiden anderen Clips mit dem
Porträt eines jungen Transvestiten und einem Clip über Mobbing die Verbindung
von Gier und Macht deutlich.
Im weiteren Projektverlauf wurden gemeinsam Drehorte gesucht. Unter
Anleitung von Noulesa wurden
Videokonzepte entwickelt, die von den TN selbstständig umgesetzt wurden.
Als Drehorte fungierten z.B. private Wohnräume der Jugendlichen,
Einkaufsstraßen und öffentliche Orte, z. B. die BMX Halle der Marienkirche in
Bochum. Das Material wurde unter Anleitung von Noulesa geschnitten. Es
entstanden 4 Videoclips von 3 bis 5 Minuten.
Nachhaltigkeit
Die Videoclips werden 2010 als Gesamtpräsentation mit moderierter
Diskussionsrunde an Schulen und in Jugendfreizeithäusern gezeigt. Ziel ist es,
die künstlerischen Beiträge der Beteiligten weiter zu verbreiten und anhand
dessen eine Diskussion anzuregen, die sich im Kontext der Lebenswelt von Jugendlichen
kritisch mit dem Thema Gier auseinander setzt. Die große inhaltliche Bandbreite
der Beiträge von ermöglichst eine hochaktuelle und spannende Auseinandersetzung
mit dem Thema und gibt gleichzeitig einen Einblick über die Vielfältigkeit der Extreme, die Jugendliche heute leben.
Die einzelnen Beiträge werden darüber hinaus bei myspace und myvideo ins Netz
gestellt. Kommentare und Videobeiträge dazu werden gesammelt und ggf. als
Diskussionsmaterial genutzt.
Nr. 13 Kabawill, Düsseldorf – Ich, Me and I
Projektzeitraum: März
und April 2009
Projektleitung: Petra
Kron, Kulturpädagogin
Planung:
Ca. 20 Mädchen und
Jungs im Alter von 13 bis 18 Jahren befassen sich in Schreibwerkstätten – erst
genderspezifisch, dann gemeinsam – mit dem Thema „Identität“ und setzen die
Ergebnisse ihrer Arbeit künstlerisch mit bildender Kunst, Tanz und Musik um.
Verlauf:
Nach gezielter
Ansprache von Jugendlichen, die bereits bei Kabawil mitgemacht hatte, deren
Freunde und auch nach Werbung bei den Kooperationspartnern von Kabawil
(Jugendfreizeiteinrichtungen, Kinderhilfezentrum etc.) lief das Projekt
zunächst erst sehr langsam an. Um die Jugendlichen besser zu erreichen, wurde
das Projekt dann im März mit einem Tanzworkshop unter der Leitung von Tina
Nabbefeld und mit Unterstützung durch Hüsnü Turan gestartet. Hier war die
Resonanz wie erwartet relativ groß, so dass ca. 30 Jugendliche zum ersten
Workshop kamen. Es wurde ihnen allerdings auch direkt vermittelt, dass neben
Tanz auch inhaltliche Auseinandersetzug, Texten und künstlerisches Arbeiten
angesetzt war. Eine weitere Änderung, die mit Hinblick auf die nun real
mitwirkenden Jugendlichen vollzogen wurde, war die Besetzung der Position
„Autor“ mit Ade Odokoya, der mit dem Schwerpunkt Rap arbeitet. Gemeinsam mit
der Projektleitung Petra Kron wurde zunächst mit einfachen Textarbeit zum Thema
„Meine Familie“ begonnen und dann in einer Mädchen- und einer Jungengruppe
weiter gearbeitet. Der erste Workshop wurde dann wieder mit einer Tanzeinheit
abgeschlossen.
Insgesamt wurden die
Schwerpunkte im Projekt etwas verlagert: Rapen, Texten und Schreiben bildeten
auch weiterhin die Basis aber es wurde wesentlich mehr als geplant mit anderen
Elementen gearbeitet: Der Schaupspieler Oliver S. El-Fayoumy machte den
Jugendlichen Übungen und ließ sie im Stadtteil Beobachtungen zum körperlichen
Ausdruck „sammeln“ - mit Unterstützung der bildenden Künstlerin Anne Mommertz
wurden Collagen zu den Themen erstellt und in jedem Workshop gab es Elemente
von Tanz. Diese bewegungs- und handlungsorientierte Arbeit gefiehl den
Jugendlichen und hielt sie „bei der Stange“.
In den folgenden
Workshopterminen wurde immer auch eine Einheit Tanz integriert. In den geschlechtsspezifischen
Text- und Schreibwerkstätten entwickelte sich die thematische Annäherung an
Identität zunächst unterschiedlich. Bei den Jungs war ein Thema „Identität und
(Traum-) Beruf“, die Mädchen wollten zunächst dieses Thema nicht aufgreifen und
fangen einen Einstieg in die Textarbeit über Freundschaft und Beziehung. Die
Künstlerin Katja Stuke richtete einen nur intern zu nutzenden Web Blog ein, den
sowohl die Mädchen als auch die Jungs auf „ihren“ Seiten und den Seiten der anderen
Gruppe besuchen und kommentieren durfte. An der Arbeit am Web Blog zeigten sich
allerdings nicht alle interessiert, im späteren Verlauf siegten dann doch meist
die Neugierde und das Bedürfnis, sich selber zu präsentieren.
Die Ergebnisse aus dem
Projekt wurden genutzt, um für die neue Jahresproduktion von KABAWIL e.V.
„net-sein.de“ (virtuelle Identitäten) erste Vorlagen zu erhalten. Auch war ein
Teil der Projektteilnehmenden bereit, sich bei der Audition Ende Juni für die
neue Tanztheaterproduktion zu bewerben.
Nr. 14 zakk, Düsseldorf – Die 13.
deutschsprachigen Poetry Slam Meisterschaften
Poetry Slam
Poetry Slam ist ein
literarischer Vortragswettbewerb. Bei einem „Poetry Slam“ performen
Dichterinnen und Dichter ihre eigenen selbst geschriebenen Texte. Das Publikum
bewertet die beste Darbietung des Abends. Dabei fließen nicht nur die Texte
sondern auch die Art des Vortrages in die Wertung mit ein. Poetry Slam ist für
alle literarischen Gattungen offen, von Gedichten, über Rap, Geschichten,
Erzählungen, satirischen Texten bis hin zu frei improvisierten Texten, alles,
was in die vorgegebene Vortragszeit von sechs Minuten passt. Hilfsmittel, wie
Musik, Kostüme oder Requisiten sind beim Poetry Slam nicht erlaubt. Am Ende
eines Poetry Slams kürt das Publikum einen Sieger oder eine Siegerin durch das
Notensystem von 1-10, wobei 1 die niedrigste Wertung und 10 die höchste Wertung
ist. Aus Gründen der Gerechtigkeit (Freunde, Verwandte & Feinde in der
Jury) werden die höchste und die niedrigste Note gestrichen.
Meisterschaften
Einmal im Jahr trifft
die deutschsprachige Performance Poetry Slam Szene zusammen um den
deutschsprachigen Poetry Slam Meister oder die Meisterin auszudichten. Dazu
gehören die Länder Deutschland, Österreich, die Schweiz & Liechtenstein.
Nach den Austragungsorten in Berlin und Zürich in den letzten Jahren kamen vom
29. bis 31. Oktober 2009 rund 250 Performance Poeten und Poetinnen nach
Düsseldorf um in den Kategorien „Einzel“, „Team“ und „U20 - unter 20-jährige“
die Gunst des Publikums zu gewinnen. Dabei wird der Text und die Performance
auf der Bühne mit Punkten von 1 bis 10 (mit Kommastelle) bewertet. Darüber
hinaus gibt es neben den Wettkampfveranstaltungen im Rahmen der Meisterschaften
auch noch ein eigenes Rahmenprogramm, wo die ganze Kreativität der
Sprachperformance geboten wird. So gab es in Düsseldorf z.B. einen Mundartslam,
Coverslam oder einen Open Mike, wo auch die Rapper unter den Slammern ihr
Publikum fanden. Mit Partnern, wie dem Düsseldorfer Schauspielhaus, dem
Literaturbüro NRW e.V., Art Connection und Markim Pause war mehr als eine
solide Basis für das größte europäische Festival für Bühnenliteratur in
Düsseldorf geschaffen. Ein geplanter Synergieeffekt dieser Poetry Slam
Meisterschaften, war unter anderem auch, die Bevölkerungskreise für
Literaturveranstaltungen zu gewinnen, die sonst selten bis gar nicht Lesungen
oder Theaterhäuser besuchen. Welche kreativen Köpfe sich auf Poetry Slam Bühnen
bewegen, zeigen die vielen preisgekrönten Poeten wie etwa Michael Lentz, Nora
Gomringer, Bastian Böttcher, Sebastian23 oder Gabriel Vetter. Mit dem im
slam2009 integrierten Jugendwettbewerb (U20 Poetry Slam) wurde außerdem die
Jugend auf breitem Feld aufgerufen und motiviert, selber Texte zu schreiben und
damit aufzutreten. In dieser Kategorie gab es 35 Startplätze und erstmalig ging
dieser Pokal an eine österreichische Poetin, Yasmin Hafedh, vom „Textstrom“
Poetry Slam in Wien.
Poetry Slam in Düsseldorf
Die Wurzeln der
Düsseldorfer Poetry Slam Szene gehen auf das „Poetry Café“ zurück, wo Anfang
der Neunziger ein waschechter Amerikaner noch wertungsfreie Veranstaltungen mit
zumeist jungen Autoren und Autorinnen anbot. Die Künstlergruppe „Maulgetrommel“
begann ab 1995 mit unregelmäßigen Poetry Slams an verschiedenen Orten, bevor
sie sich 1997 endgültig mit einer monatlichen Veranstaltung im zakk etablierte.
Schon im Jahr 2000 war das zakk in Düsseldorf Austragungsort der Poetry Slam
Meisterschaften und bot erstmalig Startplätze für rund hundert Poeten und
Poetinnen an. Es waren auch die ersten Meisterschaften mit Abgesandten aus
Österreich (u.a. der weithin bekannte Kinderbuchautor Martin Auer) und der
Schweiz mit dem legendären Tom Combo, der mit dem Verlag „der gesunde
Menschenversand“ maßgeblich die Schweizer Slamszene aufbaute.
Rasante Ausdehnung und enorme Popularität
Nachdem die
deutschsprachigen Poetry Slam Meisterschaften 1997 zum ersten Mal in Berlin
ausgetragen wurden, entwickelte sich die Szene rasant. München, Hamburg und
Düsseldorf zählen zu den ältesten Slamstädten und beherbergen heute - wie in
Hamburg - bis zu acht Slams in einer Stadt. Heute gibt es in größeren und
kleineren Städten Poetry Slams, zudem gibt es jedes Jahr unzählige
Einzelveranstaltungen bspw. im Rahmen von Kulturfestivals. Auch die
anhaltenden, intensiven Berichterstattungen in den Medien und eigene Poetry
Slam Sendungen im WDR oder auf 3Sat, haben zu einem enormen Wachstum dieser
Szene beigetragen. Mit den Jahren hat sich die Zusammensetzung des Publikums
geändert. Zu dem jungen größtenteils studentischen Publikum der Anfangsjahre
sind Besucher und Besucherinnen jeden Alters und aus allen Bildungs- und
sozialen Schichten dazugekommen.
Sprungbrett Poetry Slam
Für viele Wortkünstler
und Wortkünstlerinnen ist Poetry Slam eine Möglichkeit, neue Texte und
künstlerische Konzepte zu erproben und auf sich aufmerksam zu machen. Vielen
deutschsprachigen Künstlern und Künstlerinnen ist dies seither gelungen und sie
treten heute nicht selten mit dem eigenen Buch und Soloprogrammen auf.
Bühnenerfahrungen auf Poetry Slams machten aber auch Kabarettisten und
Comedians wie Dagmar Schönleber (Gewinnerin des „Bielefelder Kabarettpreises“,
2004 nominiert für den „Prix Pantheon“) und Christian Hirdes (Gewinner
der „Heilbronner Lorbeeren“, Nominierung „Bockleter
Brunnenschöpfer 2004“).
Jugend Poetry Slam und andere Formate
Das zakk war der erste
Veranstalter, der Poetry Slams für alle Altersgruppen anbot. Nach dem erfolgreichen
Start der „Poesieschlacht“ 2001, des reformierten „Maulgetrommels“, das mit den
neuen Moderatoren Pamela Granderath und Markim Pause weitere Formate
entwickelte, entstand 2002 der erste Kinder Poetry Slam – die
„Poesieschlacht-ab-acht“ (8 bis 14 Jahre) und 2005 der „Zwischenruf“ für 14 bis
20 Jährige (auch U20 genannt). Spezielle, unregelmäßige Veranstaltungen wie die
„Poesieschlacht-auf-abwegen“ (zu Gast auf Einladung in anderen Institutionen),
oder mit Menschen die ein Handycap haben, wie geistige Behinderung oder
Hörschädigung, wurden in den letzten Jahren umgesetzt. Ebenso ein
deutsch-türkischer Slam, ein drei Generationen-, ein reiner Team- und
Themenslam erweiterten die Poetry Slam Angebotspalette.
slam2009 in Düsseldorf
Der slam2009 wurde vom
29. bis 31. Oktober 2009 in Düsseldorf ausgetragen. Die Veranstaltungen wurden
im Großen- und Kleinen Haus des Düsseldorfer Schauspielhauses, im Club und der
Halle des Kulturzentrums zakk und dem Club des Pretty Vacant durchgeführt.
Während der drei Tage traten über 250 Dichter und Dichterinnen in verschiedenen
Vorrunden, Halbfinale und Finale in den Kategorien „Einzel“, „Team“ und „U20“
gegeneinander an. Bei allen Veranstaltungen war das Publikum die Jury.
Begleitet wurden die Meisterschaften durch ein öffentliches Rahmenprogramm mit
weiteren Veranstaltungen wie Themen-Slams und After-Show-Partys. Ein geplantes
Fußballspiel gegen die deutsche Autoren-Nationalmannschaft sorgte nicht nur bei
den Slammern für eine ganz besondere Rahmen-Unterhaltung und schaffte dazu noch
den Austausch zwischen der klassischen Literatur und der Off-Literatur.
Der slam2009 war auch
für alle Poetry Slam Veranstalter aus Deutschland, Österreich, Schweiz &
Liechtenstein eine Gelegenheit sich zu treffen und auszutauschen: Bei dem so
genannten „Slammaster-Meeting“ treffen sich diese und diskutieren die weitere
Entwicklung der Szene, wo die nächsten Meisterschaften ausgetragen werden, wie
die Zusammenarbeit mit den europäischen Nachbarländern vorangeht und was es zu
verbessern gibt. Dabei haben alle Slammaster und Veranstalter pro Slam eine
Stimme.
Wie erwartet gab es
eine sehr hohe mediale Aufmerksamkeit, sodass ca. 10.000 Zuschauerinnen und
Zuschauer die Wettkämpfe besuchten.
Wettbewerbe
Es fanden gemäß der
Tradition der deutschsprachigen Poetry Slam Meisterschaften drei Wettbewerbe
statt:
Einzel: Die
Performance Poeten treten mit eigenen Texten gegeneinander an, die
Meisterschaft geht über Vorrunden, Halbfinals bis zum Finale. Es traten 104
Teilnehmer und Teilnehmerinnen an. Gewinner: Phillipp „Scharri“ Scharrenberg
Team: Es treten nicht
einzelne Poeten an, sondern Teams bis zu vier Personen. Die Meisterschaft geht
über Vorrunden bis zum Finale. Es traten 33 Teams aus dem gesamten
deutschsprachigen Raum an. Gewinner: PauL (Poesie aus Leidenschaft) mit:
Bumillo, Phillipp „Scharri“ Scharrenberg und Heiner Lange
U20: Der Poetry Slam
ist auch unter Jugendlichen immer stärker verbreitet: 35 Jugendliche, darunter
sechs aus der Schweiz und drei aus Österreich, performten ihre Texte bei den
U20 Poetry Slam Meisterschaften. Der Wettbewerb geht über eine Vorrunde bis zum
Finale. Gewinnerin: Yasmin Hafedh (Wien)
Werbung
Das Werbekonzept des
slam2009 basiert auf den Grundpfeilern Medienpartnerschaften, Plakate/Flyer,
Öffentlichkeitsarbeit, Werkstätten in Schulen und Promotion.
Medienpartnerschaften
Rheinische Post,
Center TV, Coolibri – Monatsmagazin für NRW, Campus Radio NRW (Zusammenschluss
aller Hochschulradios in NRW)
Broschüre, Plakate, Flyer, E-Mailinglisten und Co.
Flyer und Programme
wurden hand to hand verteilt:
an Schulen
(Sekundarstufen, Berufsschulen, Gymnasien in Düsseldorf, speziell das U20 Poetry
Slam Programm)
an Hochschulen in
Düsseldorf, Köln und dem Ruhrgebiet
an allen Poetry Slams
in NRW
an
Kulturveranstaltungen in der Region (und bei den Mitveranstaltern)
Plakate wurden an den
Plakatsäulen der Stadt (vier bis sechs Wochen vor den Meisterschaften) gehängt
und an vielen Veranstaltungsorten in Düsseldorf und dem Umland.
Medienarbeit
Poetry Slam ist seit
jeher stark medienaffin. Eine intensive Medienarbeit hat die anderen Werbemaßnahmen
erheblich unterstützt.
Promotion-Events
Bei vielen Poetry
Slams im Umland wurde für die Meisterschaft geworben und Festivaltickets für
den slam2009 an das jeweilige Publikum vergeben.
Verpflegung und Unterkunft
Es gehört zur
Tradition der deutschsprachigen Meisterschaften, dass der Gastgeber für
Unterkunft und Verpflegung der auftretenden Poeten und Poetinnen sorgt. Diese
treten dafür bei allen Veranstaltungen auf und machen keine finanziellen
Forderungen geltend. Des Weiteren ist der Gastgeber bemüht für Teilnehmer und
Teilnehmerinnen mit weiter Anreise anteilige Fahrkosten zu zahlen.
Verpflegung
Die Teilnehmer und
Teilnehmerinnen wurden täglich mit einem Frühstück und einer warmen Mahlzeit
verpflegt, auch wurden kleinere Snacks und Getränke für die aktiven Poeten und
Poetinnen im Backstagebereich bereitgestellt. Für alle Teilnehmer und
Teilnehmerinnen des slam2009 wurden Getränke vergünstigt angeboten.
Unterkunft
Es wurden rund 750
Übernachtungen gebucht, wobei das Ziel war, alle Teilnehmenden zentral und mit
guten Anbindungen an den ÖPNV unterzubringen. Die Wahl fiel auf ein neues
Hostel mit Hotel in der Innenstadt. Außerdem wurden an alle Teilnehmer und
Teilnehmerinnen Tagestickets für die öffentlichen Verkehrsmittel verteilt (zum
Einen wegen Düsseldorfs Umweltzone und zum Anderen wegen der innerstädtischen
Parkplatzsituation, aber auch um Anreize zu schaffen, nicht mit dem Auto
anzureisen und um den Teilnehmern und Teilnehmerinnen die Möglichkeit zu geben,
über den slam2009 hinaus Düsseldorf zu entdecken).
Das sagen die Slammer:
Auch von mir ein
herzliches DANKESCHÖN!
Es war ein schöner,
netter, spannender, unterhaltsamer (...) National!
Herzlichen Glückwunsch
den Gewinnern...:-).
Es war grandios :-)
Danke Düsseldorf...Danke Slamily...ich geh schlafen...
Vielen Dank für die
verrückte Zeit in Düsseldorf an alle, die gleich nicht genannt werden, sowie an
Markim, Pamela und Christine! Es war ein großes Erlebnis.
Wir haben drei Tage
gesoffen und gefickt der Rest der Welt hat bloß vergeblich am Weltschmerz
geflickt
Zurück und kaputt,
kaputt und glücklich, glücklich und wehmütig, wehmütig und vorfreudig. Danke.
Düsseldorf. Die Schönheit des Nationals verhielt sich diametral zur Schönheit
der Stadt, aber ihr, liebe SlammerInnen und Organisatoren, wart
wunderWUNDERschön. Ich liebe euch! (RUUUHHEEE!)
Nr. 50 LAG NW, Münster, Düsseldorf – Projekt
Create NRW Chancen und Nutzen des Web2.0 für die Soziokultur NW"
In einem achtmonatigen Prozess
von Februar bis September 2009 haben wir recherchiert, wie die Soziokultur sich
zum Web 2.0 verhält, welche Chancen gesehen werden, welche Risiken und Konkurrenz
erfahren wird.
Fokus der Untersuchung war
dabei die Frage, ob es Bedarf und Möglichkeiten gibt, Teile der Medienarbeit
der Zentren zum Nutzen aller zu bündeln, wo und wie das geschehen kann, und
welche Vorteile sich daraus ergeben können. Erste Ideen dazu waren ein
(digitales) Archiv und ein gemeinsamer Kalender.
Projektbeschreibung – Ausgangsüberlegung:
Mit den technischen Möglichkeiten der digitalen Vernetzung haben sich in
den letzten zehn Jahren auch gesellschaftlich-kulturelle Tätigkeiten und
künstlerische Produktion teilweise in "das Netz" verlegt. In
"Sozialen Netzwerken" zeigen Kulturschaffende Ihre Texte, Fotos und
Videos, geben Informationen, spielen Musik, bieten Diskussionsforen.
Lokal sind diese Felder Schwerpunkte der Arbeit soziokultureller
Zentren, von denen es in NRW über 65 gibt. Ob klein oder groß, spezialisiert
oder breit aufgestellt, die Zentren sind das Rückgrat einer kulturellen
Basisversorgung. Sie haben mit ca. 5 Mio. Besuchern pro Jahr eine große
Akzeptanz, sind lokale Marken („Wohnzimmer der Szene“) und stehen für
unkonventionelles, alternatives Non-Profit Kulturangebot mit hohem
Authentizitätsfaktor vor Ort.
Die „Neuen Medien“ brechen gerade in eine neue Qualitätsstufe auf: „web
2.0“ heißt nicht mehr nur, jeder kann im Netz alles immer finden (und kaufen),
sondern auch: Jeder kann überall mitreden und mitspielen. Die andere Neuerung:
Jeder kann Fernsehen machen - das Internet lernt gerade laufen. Das bekannteste
Beispiel hierfür dürfte „YouTube“ sein.
Die Möglichkeiten, die hier für die Kultur liegen, sind groß, genau wie
die Gefahren:
Bei vielen kulturellen Trägern gibt es enorme Vorbehalte gegen Formate
und Inhalte, andere sehen sich Ihrer Rechte beraubt (besonders die
Tonträgerindustrie), gerade der Bildungsbereich fürchtet Videospiele und
Chaträume wegen angeblicher "sozialer Verarmung" und
"Agressionssteigerung" der "jugendlichen" Nutzer.
Das "web 1.0" ist von den Zentren von Anfang an aktiv genutzt,
aber auch kritisch begleiten worden: In vielen Orten NRWs gab es die ersten
Internetcafés in den Soziokulturellen Zentren, Kurse "Internet für
Anfänger" fanden genauso selbstverständlich statt wie kritische
Diskussionen, beispielsweise mit Referenten des Chaos Computer Club.
Auch das web 2.0 ist verschiedentlich in den Zentren angekommen, so gibt
es Beispielsweise im zakk nach wie vor einen offenen, selbst gestalteten
Treffpunkt für ältere ComputernutzerInnen, ein Blog als Teil der Webseite und
Informations-Veranstaltungen zum Nutzen und Schaden des "Second Life"
für den Menschen.
Aspekte der Internetnutzung und Medienerstellung in
den einzelnen Zentren, Ergebnis der Recherche an ausgesuchten Beispielen:
Das zakk hat
langjährigen Erfahrungen mit dem Internet (erstes Düsseldorfer Internetcafe,
erster Internet-Initiativen-Führer "Stattbuch", erstem Blog eines
Soziokulturellen Zentrums). In den letzten Jahren kamen Themenbezogenen Medien
dazu, wie die Text-Werkstätten (http://www.textwerkstatt-duesseldorf.de) und
das lokalen Bandportal (http://www.musikszene-duesseldorf.de). Auch der Vorstand stellt
inhaltliche Papiere zu seiner Arbeit regelmäßig auf die Internetseite des
Zentrums (http://zakk.de/verein). Auch Broschüren und Videos
entstehen regelmäßig im zakk. Bisher schafft es das Zentrum aber nicht, diese
Aktivitäten nachhaltig zu bündeln. Die Internetseiten gelten hausintern
hauptsächlich als Werbung / Vertrieb, nicht etwa als mehrkanaliger
Kommunikationsweg; ein Archiv gibt es nicht, Verknüpfungen zu den Inhalten der
Themenportale kaum.
Das soziokulturelle Jugendzentrum ‚Die Welle’ betreibt seit 10 Jahren
einen eigenständigen Medienbereich mit breitem Erfahrungshorizont. Im Bereich
der Videoproduktion sind in den letzten Jahren Konzertmitschnitte, Musikvideos,
Videos von Kulturveranstaltungen und thematische Dokumentationen entstanden. Im
Rahmen des Ausstellungsprojektes ‚zeit zu sehen’ in der ‚Galerie im Bahnhof
Lennep’ wurden Künstlerinterviews produziert und Ausstellungsbegleitend im
Internet präsentiert. (www.zeitzusehen.de)
Der Medienbereich realisierte ebenfalls Projekte und Kurse im Bereich
Digitale Fotografie und Bildbearbeitung, intergenerative Medienprojekte,
medienübergreifende Projekte (Video / Theater, Foto / Video), sowie Aus- und
Fortbildungsveranstaltungen im Bereich Medien / Medienpädagogik. Seit Anfang
2009 verfügt ‚Die Welle’ über ein eigenes kleines Tonstudio und legt hiermit den
Grundstein für die Professionalisierung der Arbeit im Bereich Musik- und
Audioproduktionen.
Das Werkhaus Krefeld e. V., (Kultur,
Generationenbildung, offene Jugendarbeit) ist seit 5 Jahren Mitherausgeber der
lokalen Netzwerkzeitschrift „Kultursommer Krefeld“ (www.krefelder-kultursommer.de)
zur Bündelung freier und städtischer Veranstaltungen in Krefeld. Im letzten
Jahr wurden zwei Trailer im Bereich zeitgenössischer Tanz sowie ein
Konzertmitschnitt und ein Kurzfilm produziert. Es gab die Beteiligung an
mehreren Musik CD Produktionen regionaler Künstlern, seit Anfang 2009 ist das
Werkhaus auch Träger des Südbahnhof in Krefeld (Bau- und Planungsphase), der
als interkultureller Kulturort mit einer angestrebten Schwerpunktentwicklung
"Neue Medien" geplant ist. Das Werkhaus betreibt für jedes Projekt
eigene Internetseiten; auch hier finden sich aber vor allem Information und
Werbung, nicht aber Kommunikation oder aufbereiteter Content (wie die erstellten
Filme). Ein Archiv der eigenen Arbeit wird nur in Form von Presseberichten
geliefert.
Das Bürgerzentrum “Alter
Schlachthof” (Soest) bietet seit über 12 Jahren einem Aufnahmestudio des
Bürgerfunks Platz, es werden wöchentlich 1-2 Sendungen zum Kulturgeschehen in
Soest und Umgebung produziert. Im Haus befindet sich ebenfalls ein
professionelles Tonstudio, in dem CDs produziert werden, das aber auch zu
Nachvertonung von Filmen genutzt wird. Es betreibt seit über 10 Jahren eine
Internetplattform, in denen die gesamten Veranstaltungen aus der Kulturregion
Hellweg veröffentlicht werden. Außerdem hat der Schlachthof ein Ticket System
für die Region maßgeblich mit aufgebaut. Hier existiert also Erfahrung in der
übergreifenden Mediennutzung, auch weil seit der Schließung des städtischen
Kulturamtes für alle Soester Kulturtermine die Pressearbeit (Printmedien,
Rundfunk, TV und Internet) übernommen wurde. Auch hier existiert aber kein
öffentliches Archiv und kein echter Rückkanal auf den Internetseiten.
Im Bereich der Jugendkultur existiert in den Flottmann-Hallen seit einigen Jahren ein kleines Team hochmotivierter,
kreativer und medienbegeisterter junger Leute, die im Rahmen einer monatlich durchgeführten
Reihe unter dem Label "RoomService" insbesondere neue Medien mit in
ihr Programmkonzept einbeziehen. Veranstaltungen wie der Internationale
VeeJay-Battle, das UKF- (UltraKurzFilm)-Festival oder die VideoLounge in
Kooperation mit dem Internationalen Video Festival Bochum wurden von ihnen
erfolgreich umgesetzt. Hinzu kamen kleinere, selbst produzierte Videobeiträge,
die zu Wettbewerben eingereicht wurden.
Die Seite der LAG soziokultur-nrw.de bietet nur einen
Dokumentenservice für Mitglieder der Landesarbeitsgemeinschaft, Interessierte
finden lediglich die Links zu den Mitgliedern.
Fazit
Eine Menge Zentren beschäftigen sich auf die unterschiedlichsten Weisen
mit Mediennutzung und Produktion, vereinzelt werden auch web 2.0 Angebote
genutzt, kaum aber geboten. Die Zentren werkeln dabei „vor sich hin“, ein
erster Austausch zum Thema wurde erst über dieses Projekt erreicht. Ein
gemeinsamer Terminkalender liegt nicht vor, die Terminkalender, die die Zentren
Ihren Gästen bieten, sind in der Qualität sehr unterschiedlich. Einen echten Online-Vorverkauf
bekommen nur wenige Zentren hin. Ein Archiv oder gar einen Shop zu digitalen
Inhalten oder auch T-Shirts gibt es nicht. Vielen Zentren fehlt auch noch eine
überzeugende, in der Bedienung unaufwendige Newsletter-Lösung.
Gerade Lösungen zu perfekte Kalendern, Ticket Shop, Merchandising und
Newslettern könnten über einen zentralen Einkauf sowohl der Technologie wie
auch der nötigen Redaktion für die einzelnen Zentren erstaunlich preiswert
erstellt werden. So eine gemeinsame Technologie / Redaktion könnte auf Dauer
auch über ein digitales Archiv Wissen über Kulturgeschichte zur Verfügung
stellen, und damit gleichzeitig Kulturschaffende wie Kulturrezipienten an die
Soziokultur binden.
Einen dabei auch entstehender zentralen Kalender der Soziokultur würde
die Lobbyarbeit der LAG mit Sicherheit unterstützen.
Ein Projekt, das "YouTube" und Co etwas Eigenes, technologisch
ebenso Interessantes entgegen stellt und zugleich dem soziokulturellen Anspruch
"Kultur für Alle" ein neues "Medien von Allen" zur Seite zu
stellt, könnte für die Soziokultur eine interessante Verbreiterung des eigenen
Angebots bedeuten.
Die Chance eines gemeinsamen Projektes „Internetnutzung in der
Soziokultur“ besteht also in einer dauerhaften Stärkung der einzelnen Zentren
durch bessere, preiswerte Werbung und neuen Kooperation mit der Künstlerschaft,
der Medienwirtschaft und den Bildungsinstitutionen.
Mit den zunehmenden Bedeutungsverlust des Prints wird es für die Zentren
nötig, sich um den Zugang zu den neuen digitalen Infokanälen zu sichern, um die
Generation „always-on“ nicht als Nutzer der Zentren zu verlieren.
Durch die
Digitalisierung ist der Markt für Medienprodukte ein unwiderruflich anderer
geworden, auf dem die bisherigen "Spieler" ihre jeweiligen Rollen
komplett überdenken müssen, wenn sie nicht vom Markt verschwinden wollen.
Nr. 17 Kulturzentrum Pelmke, Hagen - Pelmke Exhibition für
Kids
Die EXHIBITION für
KIDS - sollte Kids und Teens zwischen 8-16 Jahren für 3 Tage eine Plattform
geben um sich mit unterschiedlichen kreativen Techniken auszuprobieren und
auszudrücken.
Entstanden ist die
Idee zur EXHIBITION für KIDS bei der letzten Exhibition 2008, bei der neben den
erwachsenen Künstlern zum ersten Mal bereits Kinder und Jugendliche mitgemacht
haben.
Unter dem Motto
"Wir machen uns die Welt, wie sie uns gefällt" wurden 7 verschiedene
Workshops unterschiedlicher Genres angeboten. Die Ergebnisse sollten dann beim
Live Spektakel auf der Bühne präsentiert und auf unterschiedlichen
Ausstellungsflächen gezeigt werden. Darüber hinaus haben wir einzelnen
Kindern/Jugendlichen und auch Schulklassen angeboten ihre Werke unabhängig und
zusätzlich zu den Workshop Ergebnissen beim Live Spektakel zu präsentieren.
Wichtiges Merkmal für
alle Pelmke Exhibitions und so auch für die EXHIBITION –NEXT GENERATION für
KIDS war das spartenübergreifende Angebot, sowie der Gedanke ein Netzwerk
zwischen den Teilnehmenden und zwischen verschiedenen Institutionen zu stärken.
Darüber hinaus sollte
das Projekt ein erster Auftakt und Test sein, um die Kursangebote für Kinder
und Jugendliche verstärkt in das laufende Angebot der Pelmke aufzunehmen.
Nach einem Aufruf zur
Akquise von Workshopleitern und Teilnehmerinnen, in der lokalen Presse im
Herbst 2009 und durch direkte Kontakte zu verschiedenen Hagener Schulen und
Institutionen der Jugendarbeit konnten wir 7 verschieden Workshops anbieten:
Performance "Wie es uns gefällt" 8-16 Jahre mit Akrobatik, Maskenspiel und
Fakirelementen
Leitung: Bartholomäus
Kleppek
Malerei - 8-14 Jahre - Malen im Großformat
Margit Wölk
Hip Hop Tanz - 14-16 Jahre zu fetten Sounds eure eigene Live Choreographie
Leitung: Chris
Greiffenbach
Handy Fotografie - 8-16 Jahre - Porträt und Szene Fotos
Leitung: Halim Dogan
Bilderbuch - 8-12 Jahre lesen, malen und schreiben zur "Gramusel" Geschichte
Leitung: Rosemarie
Lichte & Jürgen Hotan
Lichtobjekte - 8-12 Jahre - ungewöhnliche Figuren bauen
Leitung: Gabi Ruhnau
Experimente - 8-16 Jahre - erforschen, experimentieren und basteln
Leitung: Manuela
Kieseier
Ursprünglich sollte
die EXHIBITION für KIDS im Dezember 2009 stattfinden. Der Termin erwies sich
jedoch als ungünstig, und es konnte leider nur ein Teil der Workshops
durchgeführt werden.
Daraufhin haben wir
den Termin verschoben und das gesamte Angebot noch mal für das letzte
Wochenende im Februar 2009 aufgenommen.
Erneute Pressearbeit
in den Monaten Dezember 2009 - Februar 2010, sowie die Bewerbung über Flyer,
Plakate und verschiedene Verteiler führten jedoch leider auch nicht zur
gewünschten und notwendigen Teilnehmerzahl um die EXHIBITION für KIDS zu
realisieren.
Daraufhin mussten wir
die EXHIBITION für KIDS leider absagen.
Aktuell recherchieren
wir zum einen noch die Gründe, warum das Angebot in diesem Februar nicht den
entsprechenden Zuspruch gefunden hat.
Zum einen kann man
schon sagen, dass so ein umfassendes Angebot an einem normalen Wochenende und
mit anschließender Präsentation u.U. einen gewissen Leistungsdruck bei den Kids
und Teens suggeriert hat, und eine Projektwoche dieser Art außerdem besser in
den Ferien durch zu führen ist.
Da sich durch unsere
Akquise der Workshopleiter ein kleines Netzwerk gebildet hat, und alle noch
motiviert sind, arbeiten wir weiterhin an der Installation von kreativen
Workshops für Kids und Teens. Gemeinsam mit den Workshopleitern haben wir
überlegt, dass wir mit Start in den Osterferien für die folgenden Monate bis
zum Herbst jeweils einzelne Workshops anbieten möchten, um die Nachfrage im
Kleinen und ohne die Verbindlichkeit zur öffentlichen Präsentation anzubieten.
Die entstandenen
Kontakte und der Austausch mit den Workshopleitern und weiteren Gesprächen mit
Institutionen der Jugendarbeit sind trotz des Scheiterns der EXHIBITION für
KIDS ein wichtiges und fruchtbares Ergebnis um weiterhin an unserer Idee zu
arbeiten.
Nr. 22 Werkhaus, Krefeld – Urbane Zeiten
Eine Stadteroberung
der besonderen Art
Mit dem Label „Krefeld
TANZT zeitgenössisch“ haben das Kulturbüro Krefeld und der Werkhaus e.V. im
Jahr 2008 eine Plattform geschaffen, die dem zeitgenössischen Tanz in Krefeld
eine größere Wertschätzung ermöglichen soll. Die Partner arbeiten eigenständig
und sind auch für die Finanzierung ihrer Projekte eigenverantwortlich.
Unter dem Motto „Wer
Tanz lernt – lernt das Leben“ (Royston Maldoom) arbeit das Werkhaus mit
unterschiedlichen Dozenten Generationen übergreifend in Kurs-, Workshop- und in
der offenen Jugendarbeit kostenfreien Angeboten zum zeitgenössischen Tanz. Über
dieses Engagement hinaus arbeitet das Werkhaus nun im zweiten Jahr unter der
Leitung des Tänzers und Choregraphen Andreas Simon an der Realisation und
Präsentation von Tanzperformances mit Laien im öffentlichen Raum.
Weitere Dozenten
(Ricardo Brown, Chris Parker, Sabine Kreuer) wurden punktuell in den
Produktionsprozess mit eingebunden und arbeiteten mit den Teilnehmenden in den
von ihnen vertretenen Schwerpunkten tänzerischen Ausdrucks. In eigenen
Angeboten um die Produktionen herum, sollten sie darüber hinaus in
unterschiedlichen Kontexten zur Vernetzung unterschiedlicher Teilnehmergruppen
beitragen.
Die Zusammenarbeit
wirkt über den Projektzeitraum hinaus als „vertrauensbildende Maßnahme“
zwischen den Dozenten, die vorher noch nicht miteinander gearbeitet hatten und
sich teils erst während des Projektes kennen lernten.
Die Möglichkeiten
individueller wie institutioneller Vernetzungen konnten so ausgebaut werden
(Vertretungs-, Vermittlungsstrukturen), die das Werkhaus zur Profilentwicklung
im Bereich Tanz nutzen will.
Das Projekt Urbane
Zeiten sollte sowohl eine tänzerische wie persönliche Auseinandersetzung mit
Stadtraum mit einem inklusiven Ansatz der Einbeziehung von Anwohnern der
Gebiete sein als auch tänzerische Fähigkeiten weiterentwickeln helfen. Neue
Gruppen Tanzinteressierter sollten erreicht und zur Beteiligung motiviert
werden.
Neben den beiden
Produktionen (Butterfahrt, litho tiger) wurden ein fortlaufendes Angebot mit
Kindern aus dem Stadtteil als offenes Angebot (Ricardo Brown), sowie ein
externes Angebot (Sabine Kreuer) mit dem Solidaritätshaus e.V. Krefeld
durchgeführt.
Dabei gestaltete sich
der Produktionsprozess (Butterfahrt ebenso wie litho tiger) sowie die
Durchführung der Veranstaltungen als logistische Herausforderung und enorm
aufwändig und auch auf der individuellen Ebene schwierig.
Der demokratische und
an den Wünschen und Ideen der Teilnehmenden ausgerichtete Arbeitsprozess, sowie
die Selbsteinschätzung individueller tänzerischer Möglichkeiten erforderte ein
großes Maß an Moderation durch die künstlerische Leitung. Oft standen
Arbeitsteilergebnisse in Widerspruch zu den künstlerischen Intentionen der
Leitung.
Der Wunsch, sowohl des
künstlerischen Leiters Andreas Simon wie auch des Werkhauses, Ergebnisse zu
erarbeiten, die besonders auch künstlerischen Kriterien standhalten konnten,
führte die Teilnehmenden an ihre Grenzen.
In der öffentlichen
Wahrnehmung überzeugten die Ergebnisse aber gerade auf Grund dieser intensiven
Auseinandersetzung.
Es haben sich 5
Projekte mit unterschiedlichen Zielsetzungen realisieren lassen:
Butterfahrt:
innerer Kern der Mitwirkenden: Claudia Falz, Selma Lavon, Gertrud
Thelen-Marzouk, Kala Wassenberg, Stefanie Weghs
Weitere Statisten und Kleinrollen
(Passanten, Bewohner Hochhaus, Gastwirt) sowie die Blauen Männer (E. Hasse, D.
Hintzen, A. Kriegler, Th. Wiemann) wurden integriert.
Die Aufgabe der Beteiligten war, durch
die räumlich –visuelle Recherche eines zusammenhängenden Stadtgebietes, diese
emotional und reflektierend erlebbar zu machen.
Fast allen Zuschauern war dieser
urbane Raum gänzlich unbekannt. Als stadtraumplanerisch „abgehängt“ liegt das
ehem. Wohnquartier von Bahnangestellten und –arbeitern, durch Arbeitsplatzabbau
seines sozialen Gefüges beraubt, in einem Winkel zwischen Autobahnbrücke und
Gleisanlagen in eigenartiger Stille. Assoziative, tänzerische Bilder verführten
den Zuschauer zu einer zwar distanzierten, aber gleichzeitig willigen
Konsumentenhaltung. Diese „Unorte“ wurden mit Reizen und Scheinrealitäten
überdeckt und die augenscheinliche Wehmütigkeit verlorener Idylle als Kulisse
kommerzieller Fragwürdigkeiten genutzt.
Die Recherchen und choreographischen
Vorarbeiten wurden im März 2009 begonnen und im Prozess zigfach verändert. In
Gesprächen mit den Anwohnern wurden von den Teilnehmenden geschichtliche
Details der Entstehung und Veränderung erfragt. Kaffee und Kuchen, Schnittchen
oder auch einfache Ablehnung gehörten zu den Begleiterscheinungen.
Genehmigungen und Erlaubnisse mussten eingeholt werden, wurden erteilt und
verworfen.
Die Bereitschaft zur Unterstützung,
Rückzieher und überraschende Entwicklungen machten das Projekt für alle
Beteiligten zu einem großen Erlebnis.
Andreas Simon: „Die Choreographie
bindet die Betrachtung der Menschen in urbanen Alltäglichkeiten, von denen sie
geprägt werden und in deren Einflüssen sie sich bewegen. Sie ist die „längste
Belichtungszeit“. Dieser Ist-Zustand des Alltags, seine Bewegungsform wird im
Tanz aufgenommen und künstlerisch verarbeitet. Es entstehen skurrile Bilder,
Sehnsüchte nach Mystik und Spiritualität; aber auch Tänze des kleinen
Unscheinbaren.“
Es wurden drei
Aufführungen (4./ 10./ 11.10.2009) durchgeführt, die entsprechend der
Buskapazitäten mit mehr als 150 Zuschauern (inkl. Gäste und zzgl. Privatautos)
ausverkauft waren.
LithoTiger
Mitwirkende: Thore Michalk, Felix
Trebo, Joshua Ben Knops, Ron Engels, Jeremy Brünker, Nico Bonas
Durchgeführt wurden drei Aufführungen
6./7./8.Nov.2009 innerhalb eines Stadtcarrés, welches von Roßstraße,
Blumenstraße, Steinstraße umschlossen wird. Es handelt sich um ein typisches
Krefelder Carré, in dessen Innenhöfen ehemals Manufakturen bzw. Webereien
existierten. Diese sind heute teilweise abgerissen und durch Gärten ersetzt und
folgen oft irritierenden Begrenzungen und Mauern, die historisch gewachsen,
einen wilden Anachronismus zu begradigten, mit dem Lineal gezogenen Flurstücken
darstellen. Ein kreatives Experimentierfeld für Kleingewerbe, Selbständige,
Gärtner und wilde Kinderphantasien.
Das Publikum wurde von der Straße aus
durch Wohnungen, Gärten, Hinterhöfe, Schuppen, Partyräume der Anwohner geführt
und erhielten so einen Einblick in sonst privatisierte Hinterhofbereiche und
ein besondere Lebens- und Wohnrealität in der Innenstadt von Krefeld.
Street Dance, New Dance, Butho und
Parkour: Festgelegte Choreographien wurden von freien Improvisationen abgelöst.
Rasendes Durcheinander mit Drunter und Drüber mündet in meditativer Stille.
Die Stile wurden mit ihren jeweiligen
philosophischen Ansätzen vermittelt. Hieraus ergaben sich im Prozess des
Findens für die Jungs (Alter zwischen 9 und 11 Jahren) Fragen über das Zusammenleben
in der Stadt und die sich hieraus ableitenden unterschiedlichen Ausdrucksformen.
Die eigene Lebensrealität wurde ertastet und getestet.
Auch hier ergab sich
wie bei der Butterfahrt der besondere Reiz durch das Verlassen geregelter und
gewohnheitsorientierter Verhaltensmuster.
Eine Prozession von 60
– 90 Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen folgte einer in mehrfacher Hinsicht
losgelassenen Jungengruppe, die ihren assoziativen Phantasien tänzerische
Gestalt gaben.
Dieses Projekt führte
zu konkreten Anfragen nach Wiederholung in 2010.
Tanz als offenes
Angebot
Nach guten Erfahrungen
in den Vorjahren und dem Verlust eines zuverlässigen Tanzpädagogen im Bereich
Breakdance waren wir auf der Suche nach neuen Dozenten, die im Umfeld nicht zu
finden waren. Wir entschlossen uns zu dem Experiment einen Nachwuchstänzer
(Ricardo Brown) als Honorarkraft einzubinden, der sowohl im Bereich von
Jugendlichen wie auch mit Kindern im Alter bis 14 Jahren kontinuierlich jeweils
Donnerstag unterrichten sollte. Gedacht war, die entstehenden Gruppen in das
Gesamtprojekt und eine Präsentation bei Butterfahrt oder Litho Tiger
einzubeziehen. Dies konnte leider nicht realisiert werden. Die Gruppe der
Jugendlichen (5 junge Frauen 17-19) konnte nicht stabilisiert werden und fiel
im Laufe des Jahres auseinander.
Die Kindergruppe wurde
im Laufe des Prozesses (August 09) von einer jungen Frau (17J) ehrenamtlich
betreut. Sie beteiligte sich mit den Kindern an unserer 25 Jahrfeier im Oktober
2009. Die Gruppe arbeitet seitdem kontinuierlich weiter und wird in 2010
weitergeführt.
Ricardo Brown, ein
hervorragender Tänzer, wurde von Andreas Simon in das Projekt Litho Tiger als
Gastdozent mit eingebunden und konnte mittlerweile in weitere Projekte
vermittelt werden.
Vernetzung
Solidaritätshaus e.V.
Im Rahmen des Projekts
„Urbane Zeiten“ wurde mit der Kooperation mit dem Solidaritätshaus e.V. Krefeld
versucht, eine Vernetzung mit einer eigenständigen Migrantenorganisation zu
entwickeln und dies als Element gemeinschaftlicher kultureller Initiative
weiter zu entwickeln. Leider haben wir es in 2009 nicht geschafft, diesen
Versuch in eine gemeinsame tänzerische Aufführung einmünden zu lassen.
Gleichwohl wird von beiden Häusern eine Fortsetzung angestrebt. Eine familiäre
Darbietung fand Ende Januar 2010 im Solidaritätshaus statt.
Krefeld Tanzt
Zeitgenössisch: Modern Dance
Mit dem Workshop
sollte in einem Orientierungsangebot ein neuer Interessentenkreis angesprochen
werden, welcher eventuell in der Zukunft in weitere Projekte, bzw. Produktionen
im Bereich des zeitgenössischen Tanzes eingebunden werden kann. Als Basis für eine
gemeinsame tänzerische Zusammenarbeit war der Workshop als „Initialworkshop“
geplant. An der Konkretisierung eines Projektes wird noch gearbeitet.
Chris Parker selber
arbeitet seit langen Jahren in Deutschland als eigenständige Tänzerin und
Choreographin und speziell als Dozentin mit der Limón-Technik.
Es fanden sich neun
Teilnehmerinnen zusammen, in an einem Wochenende an ihrem persönlichen
tänzerischen Ausdruck arbeiteten.
Nr. 23 Kulturzentrum BÜZ, Minden – Poetry Slam
Projektzeitraum: Januar
bis Dezember 2009
Projektbeschreibung
und Projektverlauf
Der Poetry Slam ist
eine neue Form des literarischen Ausdrucks, der langsam an Popularität gewinnt.
Poetry Slams bieten
Lesenden ein Podium für ihre Texte, die in der Regel ihre Texte nicht auf
andere Weise publizieren können oder wollen.
Wir ermutigen mit
Poetry Slams viele Menschen aus Stadt und Region, ihre Gedanken zu Papier zu
bringen und diese auf einem öffentlichen Podium im Dichterwettstreit
vorzutragen.
Die besonderen
Qualitätsmerkmale des Slams im BÜZ sind vor allem:
Intergeneratives
Miteinander: es lesen Menschen von 16 bis 75 Jahren
Vernetzung mit
literarischen Institutionen Mindens wie unabhängigen Buchhandlungen, der
Stadtbibliothek, verschiedenen literarischen Vereine und Vereinigungen der Stadt,
Schulen und freien Autoren und Autorinnen. Gerne kommt zu uns regelmäßig die
deutschsprachige Slammer-Szene, vorzugsweise aus dem norddeutschen Raum. Es
entsteht ein kreatives Klima zwischen all den genannten Gruppierungen.
Im Rahmen ihrer
Jahrestagung in Minden ist die Internationale Autorenvereinigung „Die KOGGE“
einmal im Jahr beim unserem Slam zu Gast. Der Wettstreit zwischen etablierten
Autoren und den traditionellen Slammern führt zu hochinteressanten
Veranstaltungen und Ergebnissen.
In der heimischen
Presse haben wir eine feste Rubrik, in der wir Slammer und Slammerinnen
portraitieren und ihre Texte veröffentlichen.
Wir entsenden die
Sieger und SiegerInnen unseres Slams regelmäßig zu überregionalen und
internationalen Poetry-Slam-Großveranstaltungen: den NRW-Slam, die Deutschen
Meisterschaften und den Deutschsprachigen Poetry-Slam in Zürich.
Unser Poetry Slam ist
fester Bestandteil des „offiziellen“ Corporate Image der Stadt Minden.
Projektziele
Wir wollten mit den
Zuwendungen der LAG NW die Poetry-Slam-Szene in Minden weiter stärken. Wir sind
der Ansicht, dass Poetry Slams eine herausragend positive kulturelle
Ausdrucksform sind, die Mindener und MindenerInnen - neben den Einflüssen von
Schule und anderen Bildungsinstitutionen - an Literatur zu führen und binden zu
können: als ZuhörerInnen im Publikum und als kreative Aktive auf der Bühne. So
manche vormals passive BesucherInnen des Poetry Slams sind jetzt selbst
schriftstellerisch tätig und treten bei uns und den oben genannten
Großveranstaltungen für Minden auf.
Es war unser
ursprünglicher Plan, im Jahre 2010 den im Jahre 2008 erstmals in Münster statt
gefundenen „NRW-Slam“ in Minden zu veranstalten. 2009 wollten wir in unserer
Stadt dem Poetry Slam einen höheren Stellenwert verschaffen, um dem
Großereignis 2010 den Boden zu bereiten.
Aus verschiedenen
Gründen verzichteten wir im Sommer 2009 auf die Austragung des NRW-Slam 2010 in
Minden. Stattdessen planen wir für Oktober 2010 für ein langes Wochenende das
„1. Mindener Literatur-Festival“. Dabei wird der Poetry Slam mit verschiedenen
Formaten und Workshops einen Schwerpunkt bilden.
Die Mittel aus der
LAG-Förderung 2009 wendeten wir insbesondere für die anfallenden Reisekosten
von auswärtigen namhaften Slammern auf. Wir haben damit die inhaltliche
Attraktivität des Poetry Slams in Minden durch das Mitwirken dieser Autoren
erheblich gesteigert und eine hohe Werbewirksamkeit für alle folgenden Poetry
Slams in unserem Hause erzielt.
Nr. 25 Annette Knuf Schrägstrichtheater, Münster -
Andersartig
Im Mai 2002 wurde das
Schrägstichtheater (früher Wawanko-Theater) unter der Leitung der Dipl.
Theaterpädagogin Annette Knuf als Freizeitangebot der Lebenshilfe für Menschen
mit geistiger Behinderung Ortsvereinigung Münster e.V. gegründet. Im Dezember
2003 feierte es seine erste Premiere mit dem Stück „Ein Bonbon für Neuseeland“.
Dem folgten 2005 „Rapunzel hat Spliss“ und 2006 „up & down“ mit jeweils 15
Aufführungen im Kreativhaus Münster. Das Schrägstrichtheater steht für
professionell künstlerische integrative Theaterarbeit.
Die Produktion „Um
Vier bei Ihr“ (Arbeitstitel „Andersartig“)
Es ist gelungen für dieses Projekt die Fachhochschule Münster, Fachbereich
Sozialwesen als Koproduktionspartner zu gewinnen. Dank dieser Kooperation und mit
Unterstützung seitens der „Aktion Mensch“, des Kulturamtes der Stadt Münster, sowie
der LAG Soziokultur NW und damit dem Ministerpräsidenten des Landes NRW konnte
das Projekt doch durchgeführt werden, nachdem die Bezirksregierung Münster eine
zunächst in Aussicht gestellte Förderung abgelehnt hatte.
Durch die Kooperation
mit der Fachhochschule Münster waren 20 Studierende an dem Projekt beteiligt.
Neben 7 Menschen mit geistiger Behinderung waren 6 Studierende mit im
Schauspiel engagiert, die übrigen waren im Kostüm-, Bühnen- und
Regieassistenzbereich tätig. Die Studierenden waren auch für die Begleitung der
Menschen mit Behinderung zu den Proben verantwortlich (Fahrdienste).
Die Regie führten die
Theaterpädagogin Annette Knuf und der Regisseur Manfred Kerklau. Professionelle
Mitarbeiter für Bühnen- und Kostümbild, Lichtdesign, Graphik, Fotographie und
Film begleiteten das Projekt.
Die Proben begannen
mit wöchentlichen Proben (3Std.) ab Anfang Oktober 2008 in den Räumen der
Fachhochschule. Es wurden zwei Blockwochen (30.3. – 3.4. 09 und 25.5. –
29.5.09) durchgeführt, in denen ganztägig von 10:00 – 17:00 Uhr geprobt wurde.
Diese Blockwochen waren von entscheidender Bedeutung für die Entwicklung des
Stückes und auch für die Gruppendynamik. Da nun behinderte und nicht behinderte
Menschen ganze Tage miteinander verbrachten und über die Pausen ect. einen ganz
anderen Zugang zueinander und Kontakt gewinnen konnten.
In Form von
geleiteteten Improvisationen begann das Ensemble sich mit dem Thema
Andersartigkeit, Unartigkeit, Höflichkeitsformen und Ritualen bei
Festlichkeiten auseinander zu setzten. Erfahrungen und Ideen der Gruppe wurden
zur weiteren Materialfindung verwandt. Dazu kamen Texte aus „Kaspar Hauser“ von
Peter Handke und eigene Texte der SchauspielerInnen. Die Textebene wurde bewusst
sparsam gehalten. Das Thema der Feier mit ihren Ritualen und Förmlichkeiten
kristallisierte sich als gute Möglichkeit mit „Andersartigkeiten“ zu arbeiten, heraus.
Mit diesem Thema konnten sich alle gut identifizieren, alle kannten die
unterschiedlichsten Feiern, das Einhalten von Formen und die Peinlichkeiten,
die dabei entstehen können.
Entstanden ist
schließlich eine schräge Geburtstagsfeier, in der es um Zwischenmenschliches
und Kontaktaufnahme geht, um Missverständnisse und Reibung, die u.a. aus den
unterschiedlichen Wahrnehmungen von behinderten und nichtbehinderten Menschen
resultieren. Die Inszenierung baut auf Ensemble und Zusammenspiel. Behinderte
und nichtbehinderte Menschen begegnen sich gleichberechtigt auf der Bühne, auf
Augenhöhe, im gemeinsamen Spiel.
Für die integrative
theaterpädagogische Arbeit war es wichtig, die unterschiedlichen Bedürfnisse in
der Gruppe zu berücksichtigen und jeden Einzelnen zu fördern. Die Gruppe probte
fast immer zusammen, da alle SchauspielerInnen immer auf der Bühne sind. Dabei
die unterschiedlich Beteiligten weder zu unter – noch zu überfordern war ein
Balanceakt, der große Klarheit und Entschiedenheit in der Leitung erforderte.
Das Stück wirkt durch
die starke Präsenz und das Zusammenspiel aller Beteiligten, ohne pädagogischen
Zeigefinger wird ein mögliches gleichwertiges Miteinander gezeigt.
Premiere feierte das
Stück „Um vier bei Ihr“ am 17. Juni 2009 im Theater im Pumpenhaus, Münster. Dem
schlossen sich 5 weitere Aufführungen an.
Wichtig, um als
eigenständiges kulturelles Ereignis wahrgenommen zu werden, ist ein guter
Spielort. Das Theater im Pumpenhaus als das renommierte Theater für neues
Theater in Münster ist dafür prädestiniert. Dies Theater bietet nahezu doppelt
so viele Plätze als das ursprünglich geplante Kreativhaus, daher haben wir 6
statt der ursprünglich geplanten 10 Aufführungen angesetzt. Die Aufführungen
(170 Sitzplätze) waren alle ausverkauft. Das Publikum setzte sich aus dem
allgemeinen Theaterpublikum und zu ca. 1/3 (soweit ersichtlich) aus Menschen
mit Behinderung zusammen. Das Stück wurde von allen begeistert aufgenommen.
(s. Anlage Presse)
Die Kooperation mit
der Fachhochschule war sehr hilfreich, da die Räume dort genutzt werden konnten
( Proberaum in den ersten Monaten; Werkstatträume für Bühnenbildbau und Kostüm
) Für die Blockwochen wurde ein Probenraum genutzt, der von der VHS Münster zur
Verfügung gestellt wurde.
Bei den Kosten gab es
Veränderungen im Regiehonorar. Der Aufwand für die Regiearbeit war höher als
geplant, weil die zwei verschiedenen Zielgruppen (Studierende / Menschen mit
Behinderung) intensiver zu berücksichtigen waren, als ursprünglich angenommen.
Hier ging es darum, die sehr unterschiedlichen Bedürfnislagen dieser zwei Gruppen
in die gemeinsame Theaterarbeit zu integrieren. Nach den Aufführungen wurde
häufig diese besonders „gelungene Augenhöhe“ gelobt (was nicht bei allen
Projekten mit behinderten Menschen gelingt). Der Mehraufwand an Regiekosten ist
durch den Regieassistenzposten ausgeglichen worden, da die Studierenden in
diese Arbeit eingeführt werden mussten.
Statt der geplanten
Schulvorstellungen wurde das Stück nun im Rahmen der „Ständigen Konferenz Spiel
und Theater an Hochschulen“ aufgeführt und eigens eine Aufführung für gehörlose
Menschen ausgerichtet.. Zudem wurde durch die Kooperation mit der
Fachhochschule ein stark studentisches Publikum gewonnen.
Da eine der behinderten
Schauspielerinnen gehörlos ist, war es zwingend, die Aufführung auch gehörlosen
Menschen zugänglich zu machen. Dies war bei der Antragstellung noch nicht klar.
Daher entstand der zusätzliche Ausgabenposten für den
Gebärdensprachdolmetscher.
Ursprünglich war nur
ein Musiker geplant, die Live Musik des Trios „Klanc“ war ein entscheidender
Gewinn für das Stück und wurde deshalb mit integriert.
Es gab Anfragen, das
Stück anderorts zu spielen, doch für eine Tournee müssten zunächst neue Gelder
akquiriert werden.
Insgesamt hat das
Stück großen Anklang gefunden, sowohl bei den teilnehmenden Menschen mit und
ohne Behinderung als auch bei den Zuschauern sowie in der Presse. Das Projekt
hat – wie beabsichtigt – einen großen Beitrag zur Inklusion von Menschen mit
Behinderung in Münster geleistet und kann als rundum erfolgreich bewertet
werden.
Nr. 30 Stephan US, Münster – Die Präsenz der Abwesenheit
Die Präsenz der Abwesenheit - Ein bundesweiter Audio-Wettbewerb für einen Anrufbeantworter
Entree
In unserer Zeit der
mobil-digitalen Kommunikationstechnologie stellt sich immer wieder die Frage:
„Wo ist sie?“, „Wo ist er?“ „Wo bist Du?“. Diese Fragen nach dem real
existierenden Menschen und das Bemühen um die Verortung seiner Abwesenheit sind
die am häufigsten gestellten Fragen bei Telefonaten mit Mobiltelefonen. Und wer
kennt nicht die Abwesenheitsnotizen als Antwort auf eine E-Mail, die
elektronische Stimme, die auf einen Anruf folgend sagt: „The person you´ve
called is not available“ oder den schon fast antiquierten Anrufbeantworter, der
einem erzählt, dass die Person nicht da ist.
Jeder kennt auch den nächtlichen Blick in die Dunkelheit und wird vom Antlitz
der Sterne verzaubert, nur sind diese, obwohl wir sie sehen, überhaupt noch
da?
Und wo ist die Krise? Ist sie da? Und wenn ja, warum bekommt mein Nachbar sie
nicht mit? Sie ist doch so groß?
Andererseits kann auch die Abwesenheit eine höhere Präsenz schaffen, zum
Beispiel, wenn wir vor Sehnsucht nach einer geliebten Person schmachten und
diese weit entfernt, fast unerreichbar, gerade vielleicht ebenfalls schmachtet.
Aber auch der Tod eines geliebten Menschen schafft häufig eine besondere
Präsenz der Abwesenheit. Durch den Tod und folglich der Abwesenheit kann dieser
Mensch so stark in das Bewusstsein treten, was manchmal zu Lebzeiten nicht
erreicht wurde.
Dies alles sind Spuren der Präsenz der Abwesenheit und es gibt noch viele mehr.
Was ist also diese Abwesenheit, diese paradoxe? Wie spielt diese Abwesenheit
mit der Präsenz? Ist das neu oder war es nicht schon immer so? Und was hat
diese „neue/alte?“ Form der Abwesenheit für Folgen zum Beispiel auf unsere
Kommunikation, unseren Körper, auf unsere soziale und seelische Befindlichkeit?
Viele Fragen tauchen auf, die für diesen Wettbewerb das Motiv sind. Jedoch
sollen die Beiträge nicht wissenschaftlicher Art sein, sondern sich im
literarisch-musikalisch-künstlerischem Spiel – in Deinem Beitrag – äußern.
Der Wettbewerb
Jeder, der etwas zur Präsenz der Abwesenheit zu sagen, darüber zu singen,
einen Text, ein Gedicht, konkrete Poesie, eine Klangcollage oder ein Hörspiel
im Kopf hat, konnte mitmachen,!
In dem Zeitraum vom 1. bis 31. Dezember 2009 hatten die Interessierten unter
der Telefonnummer 0251-6253824 die Möglichkeit auf den
Wettbewerbsanrufbeantworter ihren Beitrag zu singen, zu sprechen oder
aufzuspielen. Es gingen über 200 Anfragen aus dem gesamten Bundesgebiet ein. 62 Beiträge, von Kiel bis München,
von Köln bis Berlin, sogar aus Strassbourg und Linz, wurden schließlich auf den
Anrufbeantworter gespielt. Teilnehmer im Alter von 12 bis 61 Jahre nahmen an
dem Wettbewerb teil. Der Wettbewerb lief, trotz intensiver Werbung, erst etwas schleppend an, aber
zum Ende hin wurde es richtig dicht. Aus den eingegangenen Beiträgen
wählte Ende Januar 2010 die Jury: Antje Damm (Gießen), Christine Dissmann
(Berlin) und Till Kniola (Köln) die besten Hörstücke aus, von denen dann eine
professionelle Audio-CD hergestellt wurde.
Die 15 Preisträger sind (es gibt da keinen 1. oder 2. Platz!):
1. Bist du da - Andreas Ottmer -
Osnabrück
2. Das Lied der Butter - Dazze Kammerl
- Berg
3. I have a LIFE - Alexandra Socher -
4. K. - der Stupor - Wolfgang Schwarz -
Oldenburg
5. Abwesenheit der rechten Hand - J.S.
Bach BWV 924 - Heike Eickhoff - Münster
6. Kein Dichter - Jürgen Flenker -
Münster
7. Büro für abwesende Angelegenheiten -
Octavia C. Gloggengießer - Berlin
8. Mente Ausente - Sascha Ruchti -
Münster
9. Niemals ohne Dich - Annemarie
Pfeiffer - Schöpstal
10. Kein Gedicht - Jutta Tonigs -
Münster
11. Das Abwesen (Textperiment-Nr. 1) -
Christian Schliephake - Münster
12. Dasein im Aus der Welt sein - Dino
Sonnenfeld - Münster
13. Über die Ohnmacht - Sarah Spletzer -
Bösensell
14. Weg! - Ute Almoneit - Köln
15. 31.12.2009 00.00 Uhr Öffentliche
Telefonzelle mit fünf Euro gefüttert. Ich rufe Dich an, du bist nicht da und
ich lege den Hörer beiseite und gehe weg. - Moshe Rosenfeldt - Berlin
Die Präsentation der CD am 22.02.2010 um 20 Uhr in der Stadtbücherei
Münster wurde begleitet von einer Vielzahl anwesender Preisträger, einen Teil
der Jury und ca. 50 Besuchern. Fast alle anwesenden Preisträger trugen ihren
Beitrag live vor, was den Abend sehr kurzweilig gestaltete. Die Resonanz auf
die Beiträge war durch den Facettenreichtum und Originalität sehr positiv.
Als Preise wurden den Preisträgern jeweils 20 CD´s, einen 25 € Gutschein
von buch.de internetstores und eine kleine grafische Edition zum Thema
Abwesenheit meinerseits überreicht.
In der Zeit vom 23.-27. März 2010 konnten alle Interessierte dann auch alle
62 für den Wettbewerb eingegangenen Beiträge im Archiv des Nichts, daß in der
Stadtbücherei Münster ausgestellt war und vor Ort betreut wurde, anhören.
Schulklassen und Interessierte nutzten diese Möglichkeit rege.
Alles in allem war das Projekt sehr erfolgreich und ruft nach einer
Wiederholung unter ähnlichen Vorzeichen. Weitere Infos zum Wettbewerb unter: www.archiv-des-nichts.de/die_praesenz_der_abwesenheit/index.htm
Nr. 31 Theater Sycorax, Münster – Tatendurst - Kommt noch
was
Im Oktober 2008 begann
unter der künstlerischen Leitung von Paula Artkamp und Manfred Kerklau die
Arbeit an der Produktion „Kommt noch was“ mit dem Arbeitstitel „Lob der
Faulheit / Tatendurst“. Der erste Impuls zu dieser Eigenproduktion über den
ungewollten oder gewollten Müßiggang und seine Folgen war der 1858 erschienene
Roman „Oblomow“ von Iwan Gontscharow. In der ersten Arbeitsphase wurde über
Improvisationen Material zur Muße und des sich Verlierens in Augenblick
entwickelt. Geprobt wurde einmal wöchentlich drei Stunden im Probenzentrum des
Theater im Pumpenhaus. Außerdem gab es 7 Wochenenden an denen intensiver geprobt
werden konnte. Auf der Bühne waren 14 Akteure, die schon bei verschiedenen
Sycoraxproduktionen mitgewirkt haben und ein Neueinstieg.
Bedingt durch die
improvisatorische Arbeit und der Verwendung von persönlichem Material aus der
Lebenssituation der Schauspieler verschob sich der inhaltliche Schwerpunkt
immer mehr von der Auseinandersetzung mit der Muße hin zum Wert von Arbeit an
sich bzw. den Wert von Menschen, die aus welchen Gründen auch immer, aus der
Arbeitswelt herausgefallen sind.
Dies führte zu
folgender Ausgangsituation: 12 Menschen sitzen und warten, sie sind in einer (Arbeitsamt?)
- Maßnahme, welcher Art auch immer, sind dieser ausgeliefert und keiner weiß
welchen Sinn diese haben mag. Die Schauspieler entwickelten für sich eigene
Lebensläufe von Menschen, die aus diesem Arbeitssystem herausgefallen oder
geworfen worden, bzw. sich selbst gegen dieses System entschieden haben.
(Aufgrund von
verschiedenen Gründen, Krankheit, Beginn eines Studiums hatte sich in den
ersten 2 Probenmonaten die Zahl der Akteure auf 12 reduziert.)
Wie auch in den
früheren Theater Sycorax Produktionen wurde ein großes Gewicht auf die Ensemble
Arbeit gelegt. Alle 12 Spieler sind nahezu die ganze Zeit auf der Bühne. Es
gibt keine Protagonisten. Dies erfordert von allen ein hohes Maß an
Konzentration.
Die Premiere war am
29.04.2009 im Theater im Pumpenhaus, weitere Aufführungen waren am 1. ; 2. und
3.05. 09. Zudem gab es am 5.05. eine Vorstellung für die Stadtwerke Münster,
die das Projekt unterstützt hatten.
Die Aufführungen waren
alle nahezu ausverkauft und das Stück ist als aktuelle Auseinandersetzung über
die Situation von Arbeitssuchenden von Publikum und Presse sehr gelobt worden.
„ Es ist ein absurdes
Stück, humorvoll und ernst zugleich. „Kommt noch was“ sprudelt vor Energie,
kratzt an Oberflächen und geht zugleich in die Tiefe, hatte die Lacher und
minutenlangen Applaus auf seiner Seite.“ – Westfälische Nachrichten
Am 23.; 24. und
25.9.09 wird es drei weitere Vorstellungen im Theater im Pumpenhaus geben.
Zudem gibt es eine Einladung für April 2010 zu einem Theaterfestival in Kassel.
Nr. 32 Theater
am Schlachthof,
Das Theater am
Schlachthof hat schon lange mit dem Gedanken gespielt auch das Metier Oper mit
in sein Programm aufzunehmen. Eine traditionelle Oper war jedoch künstlerisch,
organisatorisch und von der Zuschauerstruktur her nicht möglich. So haben wir
lange nach einer richtigen Umsetzung gesucht. Durch die Jugendlichen im
angrenzenden Barbaraviertel ist uns die Idee gekommen, eine moderne Umsetzung
mit heutiger Musik zu versuchen. Die Oper "Cosi fan tutte" lieferte
uns dafür die passende Geschichte: Eine Rockband steht im Mittelpunkt der
Geschichte, ihre Beziehungen untereinander, ihre Musik und ihre Liebe. Mit
dieser Geschichte gehen wir auf die Lebenswelt der Jugendlichen ein und werden
sie so für unser Projekt begeistern.
Wir haben in
Zusammenarbeit mit dem Kulturbus des Neusser Jugendamtes, der wöchentlich die
verschiedenen Stadtteile mit Problemlagen anfährt, versucht Jugendliche mit
musikalischem oder tänzerischem Interesse anzusprechen und für unser Projekt zu
begeistern. Auch durch die verschiedenen Schulprojekte/Theater-AG’s des
Theaters am Schlachthof haben wir Jugendliche angesprochen.
Wir haben so eine
Gruppe von 19 Jugendlichen gebildet, die über mehrere Wochen hinweg mit dem
Regisseur/Theaterpädagogen und den professionellen Schauspielern und Musikern
eine moderne Version der Mozart-Oper Cosi fan tutte erarbeitet haben.
Der Regisseur und
Autor Michael Hewel vermittelte den Jugendlichen die Originalhandlung der Oper
Cosi fan tutte, die im 18. Jahrhundert in Neapel spielt. Dort rühmen sich zwei
Junge Offiziere damit, dass ihre beiden Verlobten sie über alles liebten und
niemals untreu werden würden. Don Alfonso, ihr Freund und ein erfahrener Mann
von Welt, bietet ihnen eine Wette an, um sie vom Gegenteil zu überzeugen. Beide
Offiziere verkleiden sich und verführen unerkannt die Braut des anderen. Ihre
Wette auf die Treue der Frauen geht deshalb verloren, doch Alfonso befiehlt den
enttäuschten Paaren sich zu umarmen und zu schweigen. Am Ende erklingt das
berühmte Loblied über die Wechselfälle des Lebens: Glücklich sei der Mensch,
der alles von seiner besten Seite nimmt, über die Liebe lacht und im Unglück
Ruhe bewahrt…
Diese Handlung haben
wir den Jugendlichen neben verschiedenster Videoaufnahmen der Originaloper auch
in einer heutigen Sprache vermittelt, so dass sie den Inhalt auf ihre eigene
Lebenswelt, auf ihre Beziehungen, Verliebt sein, Treue usw. übertragen konnten.
So entstand aus den selbst erlebten oder von Freunden gehörten Geschichten eine
neue, heutige Geschichte um zwei Paare und ihre Liebe und Treue. Diese
Erzählungen brachte der Regisseur und Autor Michael Hewel in eine dramatische
Bühnenfassung und ließ diese im Laufe der Zusammenarbeit immer wieder von den
Jugendlichen überprüfen und auch ändern. So entstand am Ende eine moderne
Rockoper bzw. expressives Musiktheater.
Ähnlich verlief die
Arbeit mit dem Komponisten und Musiker Andreas Steffens. Auch er verbrachte
viel Zeit mit den Jugendlichen, um so das Lebensgefühl und die Ausdrucksweise
der Jugendlichen kennen zu lernen. Er bat die Jugendlichen ihm ihre Musik
vorzuspielen und komponierte so aus den Musikbeispielen verschiedene Melodien
in verschiedenen Stilrichtungen z.B. HipHop, Rock, Metal usw., so dass die
Jugendlichen ihre Lieblingslieder aussuchen konnten. Mithilfe einiger
Textbeispiele und der vorgegebenen Aussage für die Bühnenfassung erfanden die
Jugendlichen eigene Texte zu den Melodien. So entstanden zwölf verschiedene
Lieder die sich in den Text einfanden und so zur Gesamtkonzeption Rockoper
beitrugen.
Einige besonders
engagierte Jugendliche assistierten auch bei den Proben und beim Bau des
Bühnenbilds und der Gestaltung der Kostüme, sowie bei der Erarbeitung des
Lichtkonzepts. Andere nahmen an den Proben teil, um so die Arbeit der
Schauspieler und Musiker kennen zu lernen und den Fortschritt in der Arbeit zu
begleiten. Alle beteiligten Jugendlichen haben so einen tiefen Einblick in die
Theaterarbeit erhalten und haben so zum Gelingen des Stücks beigetragen. Es ist
eine Rockoper entstanden, die das Lebensgefühl und die Realität von
Jugendlichen widerspiegelt, weil diese konkret an der Entwicklung mitgearbeitet
haben.
Die Handlung spielt in
einem Proberaum einer Rockband. Deren Markenzeichen sind die Auftrittskostüme
aus dem Rokoko (ähnlich wie bei der Rockband „Queen“ in ihren Anfängen). Einer
der Bandmitglieder will aussteigen und woanders Karriere machen. Aus diesem
Anfangskonflikt ergeben sich allerlei Verwirrungen, auch in den
Liebesgeschichten der Mitglieder der Rockband. Aus der Handlung ergeben sich auch
die Rocksongs, die die Sehnsüchte und Träume der Bandmitglieder besingen.
Die Handlung löst sich
durch die Ankündigung einer Schwangerschaft, zwei Bandmitglieder werden Mutter
und Vater, neue Verantwortungen entstehen...
Aus der barocken
Vorlage wird ein Stück über Traum und Wirklichkeit einer Rockband, über Liebe
und Liebelei, Langeweile und Protest, Lebensgefühl, Identität, Veränderung und
neuen Lebensentwurf, über amouröse Subkultur. Früher hieß das mal: Sex &
Drugs & Rock 'n' Roll. Zwei Paare, die sich lieben und dennoch über Kreuz
gehen: Così fan tutte - so machen's alle! Wir mögen beim Sex das meiste erlebt
haben, die Liebe schockt uns immer noch.
Die COSY WARRIORS im
Studio. Die Zeit drängt, denn die Newcomer haben das Studio nur für exakt 24
Stunden zur Verfügung. Ausgerechnet da kommt es zu Verwicklungen und
Komplikationen. Jens, der Leadsänger, hat das Angebot eines großen
Plattenlabels, sein Flieger geht in ein paar Stunden. Anke, seine Freundin,
erfährt, dass sie schwanger ist. Bloß von wem? Vor kurzem hatte sie nämlich
einen kleinen unbedeutenden Seitensprung mit Jo, dem Schlagzeuger der Band.
Eli, dessen Freundin, sinnt auf Revanche. Natürlich mit Jens. Ein Stück
über die unmoralische Unbeständigkeit der Liebe und die erstaunlich tiefe Sehnsucht
nach Liebe... Die 12 Songs der Cosy Warriors werden im Laufe des Stücks auch in
voller Länge live gespielt.
ich atme luft von anderen planeten
ich bin der mann der mit den sternen spricht
ich bin ein funke von dem großen feuer
und letzte worte gibt es von mir nicht
Die Rockoper wurde im
Theater am Schlachthof und im Depot, Dortmund mit großem Erfolg gespielt.
Nr. 34 Theater am Schlachthof, Neuss -
Meine Worte sind wie Sterne…
Bekannt wurde
Häuptling Seattle durch die Rede, die er im Januar 1854 bei einer Anhörung vor
dem Gouverneur des Washington-Territoriums gehalten hatte. Die Tatsache der
Rede und ihre Dauer von etwa einer halben Stunde sind historisch dokumentiert.
Allerdings gibt es keine authentische Niederschrift des Inhalts, sodass viele
unterschiedliche - und möglicherweise verfälschte - Versionen kursieren.
Ein zentraler Punkt
der Rede ist die Bedeutung des Landes für den Ahnen- und Totenkult der
Indianer, ein zentraler und wahrscheinlich authentischer Satz lautet auch:
"Jeder Teil dieses Landes ist meinem Volk heilig."
Die Rede stellt
Häuptling Seattle phantasievoll als einen frühen ökologischen Visionär dar, der
über die Einsichten seines Volkes in das Wesen der Natur und des Menschen
spricht. Diese Rede faszinierte zahlreiche Menschen und gewann damit starke
Bedeutung für die Umweltbewegung, für die die Rede des Häuptlings Seattle
genauso wie die Weissagung der Cree zu einem modernen Mythos wurde.
"Auch
die Weißen werden untergehen, vielleicht schneller als alle anderen Stämme und
Völker. Fahrt fort, euer Bett zu besudeln, und ihr werdet eines Nachts in eurem
eigenen Abfall ersticken."
"Bald werdet ihr
das Land überfluten wie die Flüsse, die nach einem plötzlichen Regen die
Schluchten hinunterstürzen. Aber mein Volk ist eine versiegende Ebbe, wir
werden niemals wiederkehren."
"Die Erde gehört
nicht dem Menschen; der Mensch gehört der Erde."
"Die Weißen
scheinen die Luft, die sie atmen, nicht wahrzunehmen. Wie ein Mensch, der seit
vielen Tagen im Sterben liegt, sind sie abgestumpft gegen den Gestank."
"Euer Gott liebt
euer Volk und hasst meins." - "Euer Gott scheint parteiisch zu
sein."
"Jeder Teil
dieser Erde ist meinem Volk heilig. Jede glänzende Kiefernnnadel, jeder lichte
Nebel in dunklen Wäldern, jede Lichtung und jedes summende Insekt ist heilig in
der Erinnerung und der Erfahrung meines Volkes."
"Meine Worte sind
wie Sterne. Sie gehen nicht unter."
"Vielleicht sind
wir letztlich doch Brüder und Schwestern; wir werden sehen."
"Was immer der
Erde widerfährt, widerfährt auch den Kindern dieser Erde." –
"Wenn Menschen
auf die Erde spucken, bespucken sie sich selbst."
"Wir wissen, dass
die Weißen unsere Art nicht verstehen. Ihr Appetit wird die Erde verschlingen
und nur Wüste zurücklassen." –
Der Regisseur Theo
Meller und der Schauspieler Halil Yavuz überlegten lange, wie sie die Rede auf
die Bühne bringen können und wer, mit welcher Haltung, diese Rede in der
heutigen Zeit halten sollte. Dieser lange Prozess des Überlegens und
Ausprobierens brachte die beiden auf die Idee genau diesen Prozess und somit
die verschiedenen Möglichkeiten auf die Bühnen zu bringen und so die Zuschauer
an ihrem Prozess teilhaben zu lassen und sich so selber eine Meinung bilden zu
lassen, welches die beste Form ist. So hatte die Zuschauer einerseits die
Möglichkeit an einem wirklichen Entstehungsprozess eines Theaterprozesses
teilzuhaben und andererseits konnte sich jeder seine eigene Meinung bilden über
die Art und Weise in der die Rede gehalten wurde und welche Aussage damit
verbunden ist. Dadurch entstanden nach den Vorstellungen viele Diskussionen mit
dem Regisseur/Schauspieler und dem Publikum über die Aussagen der Rede und
deren Bezug zur heutigen Zeit. So wurde die Rede zu einem großen künstlerischen
aber auch „politischen“ Erfolg des Theater am Schlachthof.
Nr. 35 Druckluft, Oberhausen – Café Kollabo
Projekt 2009
Einleitung
Was zunächst unter dem Namen Kollabo bei der LAG Soziokultur beantragt und
in den ersten Besprechungen zum Kunst-Projekt auch unter diesem Namen geführt
wurde, kam vor Beginn der ersten Veranstaltung, dadurch dass auch dort schon
neue kreative Köpfe zur Gruppe gestoßen waren, schon zum neuen Namen Skribble Gebibble Colour Geballer. Somit begann im März die Kreativ-Veranstaltung
für Gestalter und Kunstinteressierte im Drucklufthaus und konnte sich im
Verlauf des Jahres neben des erneut veränderten bzw. verkürzten Namens Skribble Gebibble inhaltlich
weiterentwickeln. Fortan soll das Kollabo Projekt nun Scribble Gebibble genannt
werden.
"Scribble Gebibble
"Im klartext ein abend zum basteln, malen,
mucke hören, hängen, schlemmen und im jetzt sein. macht spass, kost nix und
ihr. " - myspace.com/skribblegebibble Skribble Gebibble bedeutet es werden Tische aufgestellt,
Material verteilt und alle
dürfen Mitmalen und Mitbasteln. Die Ergebnisse werden aufbewahrt und in dem jeden dritten Donnerstag im
Druckluft Oberhausen stattfindenden Kunst
Kneipen-Abenden präsentiert, bei denen es auch immer gutes veganes Essen
und angenehme Musik zu Sinnen gibt.
Zum Eindrücke ausdrücken...
Die Gruppe konnte sich vor allem durch neu geknüpfte Kontakte mit anderen
Kulturveranstaltungen das Programm auch am Stammabend erweitern. So geht es nun
vielmehr darum einen grenzenlosen Freiraum für Kreativität zu schaffen in
welchem jeder Drang von künstlerischem Ausdruck ausgelebt werden darf. Es
finden sich mittlerweile Fotografen, Musiker, Kurz- und Animationsfilmdreher,
Poeten bzw. Poetry Slammer, Breakdancer, Kurzfilm-Zuschauer, plastische
Künstler, Illustratoren, Zeichner, Maler, Graffiti - und Streetart - Künstler
unter unseren Gästen wieder. Neben den üblichen Stammterminen, jedem 3.
Donnerstag im Monat, konnten wir zusätzlich an verschiedenen Festivals, Events
und Kulturveranstaltungen teilnehmen. Somit finden sich in der ersten Hälfte
der Auflistung vor allem Kooperationen welche zu unseren Stammterminen
stattfanden und in der anderen Hälfte die mit anderen Veranstaltungen.
Im Rahmen der Stammveranstaltung:
Start der Veranstaltung im März 2009 jedem Monat eine Veranstaltung jeden
Donnerstags Beginn um 19 Uhr bis mind. 23 Uhr (insgesamt 10 Stück)
Kooperationen mit Künstlern bzw. Ausstellern:
Hardy Bock, Lovleyloops, OnyTwo, Hide, Franka Levandowski, Jakub Laska,
Simon Mellnich, Marius Chwalek, Sinja Possekel, David Jansen, Jan Ahlt, Jan
Ehlen, Oliver Klub
Kooperationen mit Musikern:
A Giraffe, Fingers on Tallin, Beiler von der Couch, Pit Wenninger, Familie
Staub, Jibble Jay, Wendy, diverse Rap und Poetry Freestyler, oder auch
Gitarristen (welche als Gäste kamen und spontan das Mikrofon verlangten), Oskar
Ohlson, James Reindeer (GB),Filkoe (USA), James P. Honey (GB), Zoén (F), und zu
guter letzt The Scribbles (USA), welche uns via Internet kontaktierten um im
Skribble Gebibble Rahmen ein Coverdesign für ihr kommendes Album zusammen mit
unseren Gästen zu erstellen.
Kooperationen mit DJ’s:
Neben den Stamm Dj’s: Frau Keludowig, Tofuland, Kid Data, Hemon und Einar.
Zuviel nahmen auch Andere Einfluss auf Musik und Atmosphäre unter anderem
Ilona, Morpheus B, Phillip Brinker, Der Phatischist aka. Beatvater, Jan und
Felix Möser.
Kooperation mit den internationalen Kurzfilmtagen
Oberhausen:
Im November 2009 sind wir vom Leiter der Kurzfilmtage angesprochen worden
ob wir Interesse an einem gemeinsamen Projekt hätten, in welchem es darum geht,
dass wir unseren Gästen den Zutritt zu den Archiven der internationalen
Kurzfilmtage ermöglichen um daraufhin ein Alternativ-Programm zu erstellen,
welches zeitgleich zu den Kurzfilmtagen in einem anderen Veranstaltungsort
präsentiert wird.
Im Rahmen von Kooperationen mit anderen
Veranstaltungen:
Die Beatplantation ( Mini-Festival )
Erste Kooperationen fingen im Juni an und wurden im Dezember vertieft,
sodass sie zur Stammbesetzung dieser Veranstaltung hinzugefügt worden sind und
fast jeden Monat zusammenarbeiten. In dieser sehr Kultur bezogenen Party-Veranstaltung
haben hatte Scribble Gebibble einen eigenen Raum und konnte sein Programm nach
Belieben gestalten.
Das Art-Attack Festival (
Kunst-Festival / Mülheim )
Bei diesem Festival gestalteten wir den Cafe-Bereich und waren das
verbindende Glied zwischen den Präsentationsräumen Musik und Kunst.
Die Kreativ-Party 2010 ( im Zentrum
Altenberg / Oberhausen)
Auf Anfrage der Organisatoren von Kulturhauptstadt 2010 GmbH. wurden das
Kollektiv Gebeten das Grundgerüst dieser Veranstaltung zu stellen. So wurden
sieben eingeladen, auch oben erwähnte, Künstler ein um eine große Ausstellung
präsentieren zu können. Von Seiten der Kulturhauptstadt 2010 GmbH. wurden die
Örtlichkeiten, 2 Bands und ein Buffet gestellt.
Eröffnungsfeier Kulturhauptstadt 2010 ( auf Zeche
Zollverein / Essen)
Gemeinsam mit der Beatplantation wurde die Kreativ Halle (Halle 5) während
der Eröffnungsfeier gestaltetet und erhielt eine weitere Web-Präsenz auf der
Internetseite http://www.2010lab.tv.
Teilnahme an 30 Jahre Druckluft ( Jubiläumsfestival
/ Oberhausen )
Teilnahme Zinefest Mülheim ( „Zine“ =
illustrierte Magazine im Taschenformat )
Teilnahme im Emokeller (
Veranstaltungsort / Duisburg )
Nr. 38 Die Welle e.V., Remscheid - Wir hier -
Menschen und wo sie leben
Fotoplakatausstellung
und Videoinstallation im öffentlichen Raum
Das
Projekt WIR HIER fand im Stadtteil Hasenberg statt.
Der
‚Hasenberg’ in Remscheid-Lennep ist ein Wohngebiet, in dem in
Hochhaussiedlungen viele Familien mit Migrationshintergrund (Deutsch-Russen,
Italiener, Türken), aber auch deutsche Familien der mittleren und unteren
Bevölkerungsschichten leben. Dieser kulturellen Vielfalt steht aber kein
adäquates kulturelles Angebot gegenüber.
Das
Projekt richtete sich an folgende Gruppen und Institutionen:
Besucherinnen
und Besucher des Seniorentreffs der IG Hasenberg
Bewohnerinnen
und Bewohner des Augusta-Hardt-Heims (AHH) (Wohnheim für ältere Menschen mit
psychischen Erkrankungen)
Kinder
und Jugendliche des Stadtteils
Jugendliche
der evangelischen Kirchengemeinde (JÜXX)
Die
Grundidee des Projektes war, den Menschen des Stadtteils die Möglichkeit zu
geben sich mit ihrem Lebens- und Wohnumfeld, ihrer kulturellen Situation aktiv
und gestalterisch auseinander zu setzen. Grundlage des Projektes boten die
langjährigen Kooperationen von Die Welle e.V. mit unterschiedlichen
Institutionen im Stadtteil. Aus diesem kamen die Menschen, die am Projekt
beteiligt waren.
Im
Frühsommer starteten die ersten Gruppen mit der Arbeit. Die Senioren der IG
Hasenberg machten sich daran ihren Stadtteil mit der Fotokamera zu entdecken.
Im Laufe der Arbeit entwickelten sie einen sehr detaillierten Blick auf
einzelne Aspekte des Stadtteils. Vor allem die Wege und die Bebauung standen
hier im Vordergrund. Aber auch die Naturnähe des Stadtteils floss mit in die
Arbeit ein!
Im
Anschluss an die Gestaltung der Fotoplakate machten sich die Senioren noch auf Entdeckungsreise
mit der Videokamera. Diese Arbeiten flossen in die Videoinstallation mit ein.
Ebenfalls
im Frühsommer startete die Jugendgruppe (JÜXX) der ev. Kirche mit der Arbeit an
der Videoinstallation. Sie begab sich auf die Suche nach Plätzen, Räumen und
Orten für Jugendliche im Stadtteil. Ausgangspunkt hier für war ihr Treffpunkt,
die Räume der ev. Kirche, der im Stadtteil als Ort der Begegnung einen hohen
Stellenwert hat. Die Jugendlichen steuerten ebenfalls Fotografien aus dem
Stadtteil bei, die sich mit der Nähe zur Natur auseinandersetzten.
Die
Bewohnerinnen und Bewohner des AHH starteten nach den Sommerferien mit der
fotografischen Suche in ihrem Stadtteil. Sie warfen einen Blick auf die
zerfallende Infrastruktur (Schlecker) und Kuriositäten des täglichen Lebens
(Schilder, Symbole, Müll).
Nach
der Präsentation des Projektes auf der Stadtteilkonferenz zeichnete sich ab,
dass das Interesse am Sommerferienprogramm für Kinder sehr hoch war. Deswegen
wurden jeweils nur 3 Gruppen mit Foto- und 2 Gruppen mit Videoangeboten
durchgeführt, dafür wurde das Sommerferienprogramm aber von einer auf zwei
Wochen ausgedehnt.
Die
teilnehmenden Kinder hatten die Möglichkeit mit den Medien Fotografie und Video
ihren Stadtteil zu erkunden. Dies wurde mit viel Freude umgesetzt. Viele Kinder
entdeckten auf diese Weise ihren Stadtteil ganz neu und lernten viele neue
Seiten kennen.
Die
Gruppe der Senioren der IG Hasenberg nahm sehr schnell eine zentrale Rolle im
Projekt ein, sie waren neben der Foto- und Videoarbeit auch sehr aktiv an der
Umsetzung der Präsentation beteiligt. So wurden Plätze für die Plakate
ausgesucht und vermessen und Räume für die Videopräsentation zur Verfügung
gestellt!
Zur
Auswahl der Medien ist festzustellen, dass allen am Projekt Beteiligten die
künstlerisch/dokumentarische Arbeit mit der Fotokamera und das Gestalten der
Plakate deutlich einfacher fiel, als die Arbeit mit dem Medium Video.
Die
so entstandenen Ergebnisse spiegeln dies wieder. Die Aussagekraft der
entstandenen Plakate/Banner und die Präsens im Stadtteil ist deutlich stärker
als die der Videoinstallation.
Den
Blick einzufrieren, etwas festhalten als Momentaufnahme, dies ist wohl der entscheidende
Moment bei diesem Medium.
Besonders
die Kinder im Sommerferienprojekt bevorzugten sehr schnell die Fotokamera der
Videokamera. Der Schnappschuss als Mittel der Endeckung wurde so zu einer
Möglichkeit den Stadtteil zu erkunden.
Während der Projektlaufzeit wurde das Projekt immer
wieder im Stadtteil präsentiert. Dies geschah zum Beispiel auf den
Stadtteilkonferenzen, und bei der Präsentation der Kinder in den Sommerferien.
Es gelang so das Projekt im ‚Gerede’ zu halten.
Eine besondere Wendung nahm das Projekt als mit der
GEWAG (Wohnungsbaugesellschaft) die endgültigen Standorte der Plakate geklärt
werden sollten. Bei der Präsentation der Entwürfe für die Plakate wurde der
Vorstand auf die hohe Qualität der Arbeit aufmerksam.
Es wurde angeregt, über eine dauerhafte Anbringung
nachzudenken. Nach längerer Überlegung wurde entschieden, dass die Entwürfe
nicht wie geplant auf Papier gedruckt und plakatiert werden sollten, sondern
auf LKW-Planen gedruckt und verschraubt werden sollten. Die hierdurch entstehenden
Kosten, die nicht durch das Projekt abgedeckt werden konnten, übernahm die
GEWAG. Durch die dauerhafte Anbringung ist das Projekt viel nachhaltiger im
Stadtteil präsent.
Es gibt immer wieder sehr positive Rückmeldungen aus
unterschiedlichen Bevölkerungsgruppen.
Auch eine mutwillige Zerstörung der Objekte ist
bislang ausgeblieben.
Durch die mediale Beschäftigung mit ihrem
Lebensumfeld wurde für die am Projekt direkt beteiligten Menschen eine
neue/andere, oft detailliertere Sichtweise eröffnet. Dies obwohl sie oft
bereits seit vielen Jahren im Stadtteil leben.
Durch die dauerhafte Präsens der Plakate im
Stadtteil profitieren aber auch die nicht in das Projekt involvierten Menschen
von der optischen Aufwertung ihres Lebensumfeldes.
Nr. 39 Institut für bildung und Kultur., Remscheid - „Das Lied meines Lebens“ – Ältere Menschen
aus aller Welt und ihre kulturellen Schätze. Eine Wanderausstellung.
Projektlaufzeit:
16.03.-31.12.2009
Im Projektzeitraum ist
eine multimediale Wanderausstellung mit 20 Fotografien, 9 Texttafeln und 8
Hörbeispielen entstanden. Die Ausstellung zeigt Portraits von acht Personen
unterschiedlicher kultureller Herkunft in ihrem familiären Umfeld und an Orten,
die ihnen wichtig sind. Es handelt sich um ältere Menschen mit Zuwanderungsgeschichte,
die sich durch ihr kulturelles und soziales Engagement erfolgreich für ihre
Zugehörigkeit zur Mehrheitsgesellschaft eingesetzt haben. Mit ihren Biografien
sind sie Vorbilder für eine gelungene Integration.
Portraitiert wurden
Teilnehmerinnen und Teilnehmer von „Polyphonie – Stimmen der kulturellen
Vielfalt“, einem Gesangsprojekt, das sich mit der kulturellen und
gesellschaftlichen Teilhabe älterer MigrantInnen aus dem Ruhrgebiet
beschäftigt. Im Rahmen des Gesangsprojekts wurden ältere Menschen mit
Migrationshintergrund eingeladen, das „Lied ihres Lebens“ zu singen und auf
großer Bühne zu präsentieren.
Der Fotograf Stephan
Eichler hat von acht der Sängerinnen und Sänger Fotoportraits aufgenommen.
Zwischen Juni und August 2009 besuchte er sie jeweils an ihrem Wohnort,
verbrachte den Tag mit ihnen und ihrer Familie und fotografierte sie in ihrem
Zuhause und an Orten, die ihnen besonders lieb geworden sind. Aus Interviews
sind kurze Texte entstanden, die Einblick in die Lebensgeschichte und das kulturelle
Engagement der abgebildeten Person geben. Darüber hinaus machte der Musiker und
Komponist Bojan Vuletic Audiomaterial zum „Lied meines Lebens“ über MP3-player
verfügbar. Über Kopfhörer können die Besucher an den jeweiligen Stationen die
„Lieder des Lebens“ hören.
Im September und
Oktober 2009 wurden die Prints der Fotos, Texte und das Audiomaterial für die
Ausstellung produziert.
Die Wanderausstellung
wurde erstmalig im Bildungszentrum Schloss Eichholz der
Konrad-Adenauer-Stiftung im Rahmen des Herbstsymposiums „Leben im Alter“
gezeigt, an dem ca. 80 Personen teilnahmen. Das Symposium bot Anlass, die
Ausstellung am 25.10.2009 den Teilnehmende zu präsentieren und darüber angeregt
zu diskutieren. Die Ausstellung wurde bis zum 04.11.2009 in Schloss Eichholz
gezeigt und von vielen weiteren Besuchergruppen des Bildungszentrums gesehen.
Zur Ausstellung ist
ein Flyer entstanden, den Stephan Eichler gestaltet hat. Ein vorläufiger
Katalog zur Ausstellung, der noch in Druckform erscheinen soll, liegt dem
Sachbericht bei.
Leider konnte die
Ausstellung in 2009 nur einmal gezeigt werden, da mit der Erstellung der
Portraits aufgrund von familiären Problemen des Fotografen erst im Frühsommer
begonnen werden konnte. Die Wanderausstellung steht jedoch über den Projektzeitraum
hinaus dauerhauft zur Verfügung und kann beim IBK ausgeliehen werden. Sie ist
leicht zu transportieren und einfach aufzubauen. Für 2010 sind bisher zwei
weitere Ausstellungsorte geplant. Am 19.03.2010 wird die Ausstellung in der
Räumen der Landesgeschäftsstelle des Paritätischen NRW gezeigt, ab 14.04.2010
im Theater Duisburg. Weitere Ausstellungsorte sind im Gespräch. Auf die
Förderer wird über den Projektzeitraum hinaus verwiesen.
Der geplante Kosten-
und Finanzierungsplan wurde eingehalten. Die Produktion der Fotoprints wurde
etwas teurer als veranschlagt, da sich der Fotograf aus künstlerischen Gründen
dafür entschieden hat, mehrere Fotos pro Person zu zeigen. Der Auf- und Abbau
erfolgte ehrenamtlich.
Nr. 41 Kraftstation, Remscheid - Vergiss-Mal-Nicht |
Ein politisch-kultureller Streifzug
In der Projektreihe
Vergiss-Mal-Nicht haben wir die BesucherInnen der Kraftstation auf eine
Zeitreise in unsere jüngste Vergangenheit genommen. Das Projekt wurde mit einer
Arbeitsgruppe aus 8 Jugendlichen begonnen. Mit ihnen haben wir die Aufarbeitung
des Mauerfalls vor 20 Jahren geplant. Gemeinsam haben wir uns für das Datum des
5. Dezembers entschieden. An diesem Tag haben wir ein Konzert mit jeweils einer
Ost-, West- und Süddeutschen Band geplant. Die Widervereinigung wurde unter dem
Motto „Krach von Ost bis West“ gefeiert. Insgesamt 200 Jugendliche haben diese
Veranstaltung besucht und im Vorfeld einen Film gesehen. Gerade die Bands und
der Veranstalter haben immer wieder auf die Besonderheit dieses Ereignisses hingewiesen,
denn vor 20 Jahren wäre so ein Event kaum möglich. Innerhalb der Jugendlichen
Organisationsgruppe wurde des Öfteren die Aussage getroffen: „In Ostdeutschland
gibt es echt viele coole Bands“. Als weiteren Baustein wurde eine Wand der
Kraftstation mit einem Motiv des Graffitikünstlers Baix besprüht. Ihm wurde das
Thema „Grenzen einreißen“ vorgegeben.
Des Weiteren haben wir
uns mit den Ereignissen um den deutschen Herbst beschäftigt. Als Ausgangspunkt
haben wir den Baader-Meinhof-Komplex genommen und ihn in unserem Open-Air-Kino
gezeigt. Die anwesenden Jungendlichen wurden zu einer Lesung des Buches „Lieber
wütend als traurig“ von Alois Prinz eingeladen. Weit über 40 Jugendliche nahmen
dieses Angebot an und konnten einen ganz anderen Einblick auf das Leben der
Ulrike Meinhof erhalten. Alois Prinz hat besonders die jüngeren Jahre der RAF
Terroristin in den Fokus gerückt und damit auch eine Brücke zu den Jugendlichen
geschlagen. Innerhalb einer offenen Diskussion wurde vieles hinterfragt und
deutlich Gewalt als politisches Mittel abgelehnt. Insgesamt haben die
BesucherInnen die Veranstaltung als sehr informativ eingeschätzt. Zudem haben
wir im Vorfeld der Lesung an unseren Partnerschulen Informationsveranstaltung
durchgeführt und das Thema RAF und Terror zusammen mit den jeweiligen
GeschichtslehrerInnen thematisiert und diskutiert.
Das Projekt
„Vergiss-Mal-Nicht“ wurde wirklich positiv angenommen. Zukünftig werden wir die
Kombination aus politisch-geschichtlichen Inhalten mit kulturellen Angeboten in
unserem Programm für Jugendliche weiter verfolgen. Allerdings müssen wir hier
verstärkt mit Schulen zusammenarbeiten. Denn nur im engen Kontakt mit
Jugendlichen findet auch der inhaltliche Austausch statt! Schulen sind hier ein
hervorragendes Bindeglied.
Nr. 40 Kraftstation, Remscheid - Vom
Suchen und Finden
Im vergangenen Jahr
haben wir nach dem Motto „Tod geglaubte Leben länger“ eine programmatische
Diskussion in der Kraftstation losgetreten. Mit ca. 30 jungen MusikerInnen
haben wir die aktuelle Lage der Musikszene Remscheids besprochen. Als Ursache
der rückläufigen Besucherzahlen wurde die fehlende Bereitschaft Eintrittsgelder
zu zahlen genannt, sowie die eher populäre Mainstreamausrichtung.
Wir nahmen diesen
Aktionstag als Ausgangspunkt drei neue Formate in das Programm der Kraftstation
einfließen zu lassen. Nach dem Motto „Pink Kitchen“ planten wir gemeinsam mit
zwei Hiphopperinnen ein female HipHop Konzert. Mit Pink Kitchen haben wir auf
jeden Fall einen Nerv getroffen, denn bereits in der Planung sind wir auf
erhebliche Schwierigkeiten gestoßen. Female MCs sind sehr schwierig zu finden
und sind gerade in unserer Region eine absolute Minderheit. Deshalb haben wir
eine akustische Band aus Remscheid hinzugenommen. „Kosima and the blue Gable“
ist eine ausschließliche Mädchenband und hat das Pink Kitchen Konzert mit ihrem
akustischen Set bereichert. Trotz der schwierigen Bookingsituation konnten wir
einen tollen Abend, mit ca. 60 Gästen erleben. Wir möchten an dieser Stelle
unbedingt weiter machen. Vor allem da wir sehr gutes Feedback erhalten haben.
Als weiteren neuen
Programmpunkt haben wir unter dem Motto „Mixtape“ verschiedene Musikstile an
einem Abend auf die Bühne gebracht. Tatsächlich konnten wir mit diesem Format
viele BesucherInnen ansprechen.
Als dritten neuen
Programmpunkt haben wir ein Kinderkonzert angeboten. Hier bewegen wir uns auf
völlig neuen Boden. Trotz Schnee und Eis kamen ca. 70 kleine BesucherInnen in
die Kraftstation. Gemeinsam mit den beiden Bands wurde ordentlich getanzt und
am Ende auch verschiedene Instrumente ausprobiert. Auch hier wird es sicherlich
eine Neuauflage geben.Mit unseren neuen Programmpunkten und vor allem der engen
Zusammenarbeit mit den jungendlichen Musikern ist es uns gelungen unsere
Zielgruppe zu erweitern. Viele neue BesucherInnen sind in unser Haus gekommen
und haben sich aktiv eingebracht!
Nr. 46
Initiative Poetry Slam NRW,
Die Poetry Slam
Bewegung mischt nun gut seit zwanzig Jahren herkömmliche Literaturveranstaltungen
auf und hat sich im deutschsprachigen Raum zur Zweitgrößten Slam-Szene der Welt
entwickelt, allein in Nordrhein-Westfalen finden 26 Regelmäßige Poetry Slams
statt und es werden immer mehr.
Anfang 2008 wurde die
"Initiave NRW Poetry Slam" gegründet. Sie ist aus der Idee
verschiedener soziokultureller Zentren und Veranstalter in NRW geboren,
gemeinsam die Poetry Slam- und Off-Literatur-Kultur in NRW zu vernetzen.
Im Herbst 2008 fand
erstmals der "NRW Poetry Slam" in Münster statt. Neben dem
Dichterwettstreit gab es eine kleine Minibuchmesse und Konzerte. Das Fundament
war gelegt, in Siegen sollte das Fundament gefestigt und ausgebaut werden um
dem NRW Poetry Slam seinen festen Platz innerhalb der Literaturveranstaltungen in
NRW zu geben.
Vom 17.09. -
19.09.2009 fand der "2. NRW Poetry Slam -Off-Literaturtage 2009-"im
Medien- und Kulturhaus Lyz in Siegen statt. Insgesamt 26 für sich stehende Slams,
Liedermacher, Verlage und junge Autoren aus der Off-Literaturszene und Gegenwartsliteratur,
Filmemacher und 52 Performance Literaten präsentierten ein spannendes und
abwechslungsreiches Literatur-Wochenende und begeisterten mit Live-Konzerten,
Lesungen, "Poetry Clips" von den Berlinern Filmemachern Bas Böttcher
und Wolf Hogekamp, und einer Independent-Buchmesse.
Mit dem "U20 Poetry
Slam - Workshop", bei dem 12 Schülerinnen und Schüler(Sekundarstufe II)
unter der Leitung des Berliner Slam- und Performance-Poeten Wehwalt Koslovsky
literarische Texte verschiedenster Form entwickelten und der Öffentlichkeit
präsentierten, wurde ein wichtiger Schritt Richtung Nachwuchsförderung getan
und soll ab 2010 weiter ausgebaut werden.
Nach drei schönen und
vor allem spannenden Tagen, hatte sich im Finale der 43jährige Torsten Sträter
(Waltrop) gegen seine 51 Kontrahenten durchsetzen können, und wurde vom
begeisterten Publikum zum neuen NRW-Champion gekürt. 2010 wird der NRW POETRY
SLAM in Bielefeld ausgerichtet, 2011 möchte Köln den NRW POETRY SLAM
organisieren.
Auch wenn die
Besucherzahlen unter den Erwartungen blieben, war die Veranstaltung ein voller
Erfolg.
Nr. 42 WerkStadt, Witten - Bandbuilder
Das Projekt
"Bandbuilder" begann im April und endete mit einem Abschlusskonzert
in der WERK°STADT am 22.12.09. Durch die Kombination aus Bandbuilding,
Bandcoaching und einem Musikerstammtisch konnte sich die WERK°STADT als
Anlaufstelle für junge Musiker unterschiedlichster Sparten in der Wittener
Szene etablieren und alle beteiligten Kooperationspartner für eine weitere
Zusammenarbeit begeistern. Im Rahmen des Bandbuildings, das sich an Musiker
ohne Banderfahrung richtete, wurden 3 neue Bands mit jeweils fünf jungen
Musikern zwischen 14 und 20 Jahren gegründet, die sich wöchentlich in der
WERK°STADT trafen und deren Proben von dem Dozenten Sven Vilhelmsson
musikpädagogisch begleitet wurden. Im Rahmen der Proben wurde zunächst anhand
von Coverstücken das musikalische Zusammenspiel geübt. Schrittweise wurde
daraufhin ein für die jeweilige Band charakteristischer Sound herausgearbeitet
und in eigenen Songs umgesetzt. Anhand von selbstgeschriebenen Texten der
Jugendlichen wurden Melodien gefunden, die der Intention der Songs und ihren
Gefühlen Ausdruck verliehen. Im letzten Drittel der Probenphase wurde
insbesondere am richtigen Umgang mit der Technik und dem Personal bei einem
Live-Auftritt sowie an der Bühnenpräsens gearbeitet.
Der
Bandcoaching-Workshop, der sich neben den Teilnehmern des Bandbuilding-Moduls
auch an fortgeschrittene Musiker richtete, stieß auf große Resonanz in der
Wittener Musikszene. Frank Dietrich (Booker vom Gleis22 in Münster) und Florian
Böhlendorf (Agenturinhaber von Sparta-Bookings) informierten die Teilnehmer
über die wichtigsten Musiknetzwerke, über Nutzungs- und Vermarktungsrechte,
gaben Tipps zur Strukturierung von Myspace-Seiten und zur erfolgreichen
Bewerbung bei Veranstaltern. Darüber hinaus hatten die Teilnehmer anschließend
die Möglichkeit sich in persönlichen Gesprächen Band-intern beraten zu lassen.
Der Musikerstammtisch,
der zunächst als Plattform für den Austausch verschiedener Musiker gedacht war,
wurde von Seiten der Jugendlichen in kürzester Zeit zum Aufbau von
Konzertinitiativen genutzt. Nach wie vor finden hier Musiker und
veranstaltungsbegeisterte Jugendliche der jeweiligen Genres (Reggae, Dancehall,
HipHop – Ska – Rock, Indie – Hardcore, Heavy Metal) in kleinen Gruppen zusammen
und organisieren mithilfe des WERK°STADT-Teams ihre eigenen Konzerte, die vom
Publikum mit wachsender Begeisterung angenommen werden.
Nicht zuletzt gab die
Kooperation mit dem örtlichen Musikfachgeschäft (Earny’s) dem Projekt
„Bandbuilder“ ein authentisches Profil. Hinzu kommt, dass die örtliche
Musikschule (Musikschule an der Ruhr) in Zukunft einige der selbstorganisierten
Konzerte der Jugendlichen unterstützen will.
Auch das Netzwerk
zwischen dem Jugendcafé der WERK°STADT und den Jugendzentren in den Stadtteilen
Annen und Heven ist nun soweit ausgebaut, dass zukünftig kleinere „Tourneen“
für junge Bands möglich sind.
Nr. 42 WerkStadt, Witten - U20 goes >on Air<
Zeitraum: August bis
November 2009
Projektziel laut
Konzeptantrag: Das Projekt „U20 goes >on Air<“ soll Jugendliche Anregen
eigene Gedichte, Texte und Kurzgeschichten zu verfassen. Mit den geschriebenen
Texten sollen sie sich öffentlich präsentieren. Dies geschieht zum einem im
Radio und zum anderen bei Bühnenperformances. Die Jugendlichen sollten das
Medium Radio näher kennen lernen und die Erfahrung machen sich selbst im Radio
zu hören. Darüber hinaus boten wir ihnen die Möglichkeit sich bei drei
Bühnenperformances vor einem Publikum live auszuprobieren, zu reflektieren und
das neu gelernte anzuwenden.
Erreichte Ziele: Das
Projekt „U20 goes >on Air<“ hatte in der Anfangsphase
Anlaufschwierigkeiten. In einem ersten Versuch gelang es uns trotz Werbung,
Pressearbeit und Vorstellungen des Projekts in verschiedenen Klassen nicht
genügend Teilnehmer zu erreichen.
Durch den
Zusammenschluss mit der Förderschule Pestalozzi, konnten wir das Projekt mit
einer geschlossen Schulklasse ausführen. Die Jugendlichen waren ein halbes Jahr
zuvor das erste Mal mit Gedichten in Berührung gekommen. Das hat ihnen sehr
viel Spaß gemacht. In diesem Kurs konnten sie ihr Wissen erweitern und
vertiefen.
Die Workshops, unter
professioneller Leitung von Pamela Granderath, fanden in einer kleinen Gruppe
von 11 Jugendlichen statt und enthielten verschiedene Schwerpunkte.
Hier konnten die
interessierten Jugendlichen Anleitungen, Tipps und Erfahrungswerte zum
schreiben eigener Texte bekommen, konkrete Anregungen zu ihren Werken erhalten
und sich mit anderen Teilnehmern austauschen.
Die Jugendlichen
erhielten im ersten Schritt Informationen über die Grundformen der Lyrik.
Pamela Granderath stellte ihnen verschiedene Reimschemen an verschiedenen
Beispielen vor, machte Buchstabenspiele und erläuterte den Jugendlichen, wie
man sich ordentlich „warmschreibt“. Auch die Frage, wie man Themen findet, über
die man schreiben möchte informierte Pamela Granderath. Diese verschiedenen
Themengebiete wurde dann ausführlich geübt und ausprobiert.
Ein weitere
Themenschwerpunkt im Verlauf des Projekts war die Charakterisierung von
Hauptpersonen. Hier erhielten die Jugendlichen eine Einführung in die
verschiedene Erzählperspektiven und deren Auswirkungen auf den Leser und
Zuhörer. Des Weiteren hat Pamela Granderath die Wichtigkeit vom Aufbau einer
Geschichte und dem dazugehörigen Spannungsbogen erläutert. Somit waren die
Teilnehmer/innen fit um ihre eigenen Kurzgeschichten zu schreiben. Diese wurden
ausführlich in der Gruppe besprochen. Immer wieder wurden Korrekturen und
Verbesserungen an den Kurzgeschichten vorgenommen, damit sie sowohl für die
Bühne, als auch fürs Radio tauglich wurden.
Im letzten
Workshopteil ging es darum, die selbst verfassten Texte auch vortragen zu
können. Hier zu bedarf es einiger Übung. Die Gastdozentin Sandra Marx gab
hilfreiche Tipps, wie man sich auf einen Auftritt vorbereitet, Lampenfieber und
Nervosität abbaut und locker die Texte vorträgt. Zum Üben dieser Tricks
spielten die Jugendlichen die Bühnenperformances auf der Studiobühne der
WERK°STADT durch.
Zweites Halbjahr 2009
Nr.52 Druckerei, Bad Oeynhausen - Zungenspitzer
„Zungenspitzer“ – der
Name ist Programm: Das erste bundesweite Jugendkabarett-Festival bot vom 10.
bis 14. September 2009 etwa 50 Nachwuchskabarettisten eine Plattform, um Ideen
auszutauschen, an Workshops teilzunehmen und gemeinsam aufzutreten. Schauplätze
der Veranstaltung waren in erster Linie das Immanuel-Kant-Gymnasium, das
„Begegnungszentrum Druckerei“ und das „Theater im Park“ – alles im
westfälischen Bad Oeynhausen vorzufinden. Unterstützt durch zahlreiche
Sponsoren, die Bundesvereinigung Kabarett, sowie den ehrenamtlichen Einsatz von
Lehrkräften und Schülern, wurde das Festival zu einem unvergesslichen Ereignis
für alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer. Die Nachwuchskabarettisten fanden sich
bereits am ersten Abend zu einer kommunikativen Gemeinschaft zusammen, indem
sie sich gegenseitig eigene Bühnennummern präsentierten und in improvisierten
Theater-Szenen einander kennenlernten.
Die inhaltliche Arbeit
in den Workshops, die von Profis angeleitet wurden, fand in vier Blöcke
untergliedert statt. Somit konnte jede/r Teilnehmer/in auch jedes der Angebote
wahrnehmen. (Selbstverständlich wurden die angereisten Kabarettgruppen zu
Anfang bunt durchgemischt, sodass innerhalb der Workshops eine möglichst große
Breite an Erfahrungen gewährleistet werden konnte.) Das Programm nahmen alle
Nachwuchskabarettisten begeistert auf. Sie schrieben gemeinsam Texte, tauschten
sich beim gemütlichen Essen in der Cafeteria des Immanuel-Kant-Gymnasiums aus,
erweiterten ihren Horizont und zeigten dem ortsansässigen Publikum ihr Können:
einzelne schon am Freitag beim Zungenspitzer-Poetry-Slam im „Begegnungszentrum
Druckerei“, die Gesamtgruppen am Samstagabend bei einer Best-of-Gala im Theater
im Park. Alle Teilnehmer/innen haben im Laufe des Festivals neue Perspektiven
entdecken und jede Menge Motivation für weitere Projekte mit nach Hause nehmen
können. „Zungenspitzer“ hat es geschafft, eine weiterbildende und verbindende
Plattform zu schaffen, die in der jungen Generation das kritische und
politische Denken in Kombination mit kreativem Potenzial fördert.
Nach einer allgemein
sehr positiven Resonanz arbeiten wir inzwischen an einer Fortsetzung des
„Zungenspitzer“-Konzepts. Finanziellen Rückhalt gibt uns jetzt bereits der
Förderpreis „PlusPunkt Kultur“. 2010 werden sich die Nachwuchskabarettisten aus
ganz Deutschland voraussichtlich in der Kulturhauptstadt Essen treffen.
Nr.56 balou e.V., Dortmund - „Über Sinnliches“ – ein
schaurig schönes Filmprojekt
Projektzeitraum:
19.10.-22.10.2009
Kursleitung: Jürgen
Kühn (Filmemacher, Mediendesigner), Praktikantin Sarah Schürmann
(Lehramtsstudentin)
In der zweiten Woche
der Herbstferien 2009 machten sich 11 Jugendliche zwischen 11 und 14 Jahren
auf, die Jugendkunstschule das Gruseln zu lehren – und ihren eigenen Film zu
drehen. Mit schauerlichen, schönen, skurrilen Bildern und Interviews wollten
die Teilnehmer/innen ihre Ideen verwirklichen.
Der erste Tag begann
mit einer großen Kennenlernrunde und entsprechenden Kennenlernspielen. In
dieser Runde war es den Teilnehmer/innen auch möglich, ihre Erwartungen und
Wünsche sowie eigene Zielsetzungen zu formulieren. Anschließend wendete sich
die Gruppe dem Thema zu: Was kann „Übersinnliches“ bedeuten? Wer hat
Übersinnliches bereits selbst erfahren bzw. Erfahrungen erzählt bekommen? So wurden
bereits die ersten Geschichten gesammelt und gesponnen. Aus einer Idee wurde
dann das erste Drehbuch konkret erarbeitet: „Das Karussell“. Nicht nur die 4
Jungen in der Gruppe waren besonders gespannt auf das technische Equipment, das
der Kursleiter mitgebracht hatte. Licht- und Tontechnik sowie die kleinen und
die besonders faszinierende große Kamera wollten begutachtet und ausprobiert
werden. Vor dem ersten Dreh wurden verschiedene Rollenverteilungen ausprobiert
und vorbereitende Schauspielübungen durchgeführt. Dann wurden die Szenen der
Geschichte geprobt und im Spiel der Text weiter erarbeitet. Für jede Szene
musste anschließend der passende Drehort gesucht und eingerichtet werden. Dann
wurde gedreht. Jeder der Teilnehmer/innen konnte im Projekt einmal zuständig
sein für Licht, Ton, Kamera, Regie oder als Schauspieler/in vor der Kamera
stehen.
Am nächsten Morgen
wurden die Szenen gesichtet, die am Vortag gedreht worden waren. So kamen die
Teilnehmer/innen sofort ins Gespräch. Der Kursleiter gab einen kurzen Ausblick
auf die nächsten Tage, bevor weitere gemeinsame Geschichten ausgearbeitet
wurden. So entstanden „Das TV-Ereignis“ und „Julius“. Beide Drehbücher wurden
nach der ersten Besprechung während der Proben weiterentwickelt, der Text nach
und nach festgeschrieben. Dann wurden beide Szenen gedreht.
Am Nachmittag wollten
die Teilnehmer/innen eine Passantenbefragung zum Thema „Übersinnliches“ im
Stadtteil durchführen. Gemeinsam mit dem Kursleiter überlegten sie sich, was
sie zu erfahren hofften und erstellten einen Fragenkatalog. Die
Verhaltensregeln für Straßeninterviews wurden durchgegangen. Der Kursleiter
stellte den Jugendlichen vor, welche technischen Vorraussetzungen gegeben sein
mussten, um erfolgreich auch draußen und bei Wind drehen zu können. Dann übten
die Teilnehmer/innen zunächst, indem sie sich gegenseitig befragten.
Anschließend machten sich die Jugendlichen in Gruppen auf, um die
Straßeninterviews durchzuführen. Zum Anschluss des Tages wurden in großer Runde
die Ergebnisse vorgeführt.
Zu Beginn des dritten
Tages wurde wieder über die Szenen, die am Vortag gedreht worden waren,
gesprochen. Man kam überein, die Geschichten in einem Video zusammenzustellen
und mit passenden Rahmengeschichten zu verbinden. Außerdem hatten die
Jugendlichen großen Spaß an den Straßenbefragungen gehabt, so dass sie diese am
Nachmittag fortführen wollten. Am Vormittag wurde eine weitere Geschichte
geplant und ausgearbeitet: „Die Zombie Hexe“. Die Teilnehmer/innen verteilten
die Rollen, probten die Szene und suchten nach geeigneten Drehorten. Dann
testeten sie das Equipment und bereiteten die Drehorte vor. Schließlich wurde
die Geschichte abgedreht. Am Nachmittag machten sich die Jugendlichen wieder in
Gruppen zur Passantenbefragung auf. Die entstandenen Interviews wurden zum
Abschluss wieder in der großen Runde gesichtet. Die Teilnehmer/innen äußerten
Kritik, vor allem aber viel Lob.
Der letzte Drehtag
begann mit genauen Planungen für die verbleibenden Zeit. Neben der
Rahmengeschichte musste noch eine weitere Szene geprobt und gedreht werden.
Damit begann dann auch die Arbeit: mit den Vorbereitungen für „Die Lotto-Oma“.
Bereits sehr selbständig konnten die Teilnehmer/innen das Testen und Aufbauen
des benötigten Equipments durchführen. Nach dem Drehen der Geschichte wurden am
Mittag und Nachmittag die beiden Rahmengeschichten mit den Namen „Der
Schlafsackkreis“ und „Das Grusel-Treffen“ abgedreht. Zum Abschluss kamen alle
Teilnehmer/innen noch einmal zusammen. Die Teilnehmer/innen resümierten, was
ihnen besonders und was weniger gefallen hatte. Dann gab es einen Ausblick auf
die kommenden Schnittarbeiten. Und natürlich wurde bereits ein Treffen zur
Premierenfeier verabredet.
Die Schnittarbeiten
fanden in den Räumen des Kursleiters statt. Nach Absprache konnten einzelne Teilnehmer/innen
daran teilnehmen. Da die Arbeit des entgültigen Sichtens und Schneidens sehr
aufwendig ist und viel Zeit in Anspruch nimmt, kann die Premierenfeier erst im
neuen Jahr – voraussichtlich am 27.01.2010 – stattfinden. Alle Teilnehmer/innen
freuen sich schon darauf und haben den Termin bereits vorgemerkt und Freunde
und Verwandte eingeladen.
Das Filmprojekt ist
sehr erfolgreich verlaufen. Die Teilnehmer/innen waren begeistert von der
Möglichkeit, professionelles technisches Equipment für die Umsetzung ihrer
Ideen nutzen zu können. Durch die Ausarbeitung eigener Geschichten wurde das
kreative Potential der Jugendlichen angeregt und gefördert. Die Jugendlichen
wurden und fühlten sich auch in ihren Äußerungen ernst genommen. Das wirkte
sich positiv auf das Selbstwertgefühl aus. Durch das tägliche gemeinsame
Sichten des gewonnenen Filmmaterials lernten die Teilnehmer/innen, Lob und
Kritik konstruktiv zu äußern und auch anzunehmen. Durch die selbständige
Einteilung der unterschiedlichen Aufgaben und dadurch, dass beim Drehen die
verschiedenen Funktionen wie Kamera, Licht, Ton, Regie und Schauspiel zusammen
wirken mussten, wurde die Teamarbeit zwischen den Jugendlichen gefördert. Das
Darstellen einer Rolle vor der Kamera und die anschließende Sichtung unterstützte
die Selbstwahrnehmung. Die Teilnehmer/innen setzten sich damit auseinander, was
gruselig oder angsteinflößend ist und vor allem damit, welche Möglichkeit der
Film hat, solche Gefühle bei den Zuschauer/innen zu erreichen. Damit konnten
sie ihre Medienkompetenz erhöhen. Nicht zuletzt hatten die Teilnehmer/innen
sehr viel Spaß und ein wunderbarer, schauriger, schöner, skurriler Film mit
vielen bunten Szenen ist entstanden.
Nr. 58 Jugendförderkreis
Dortmund - Einander zuhören – miteinander reden
Zusammen mit den Jugendlichen wurde auf der
Basis der Projektidee das Konzept und der Ablauf
der künstlerischen Straßenaktion entwickelt. Dabei
entstanden zwei Aktionsformen, die von zwei Gruppen der Jugendlichen geplant
und dann durchgeführt wurden. Eine Gruppe beteiligte sich an der künstlerischen
Aktion und entwickelte diese mit der Künstlerin. Im Zentrum der Aktion stand
die Idee des „Lochs“ einmal angeregt durch das Dortmunder Haushaltsloch sowie
durch die Überlegungen, wie man die Kommunikationsprobleme im Stadtteil und
fehlende Wissen von einander plastisch darstellen kann – Kommunikationslöcher,
Wissenslöcher – und Löcher können gestopft und verschlossen werden, sie zeigen
eine Perspektive aus. Bei Gestaltung der Kunstaktion legte die Künstlerin
besonderen Wert darauf, dass das Publikum aktiviert wird, so wurde mit den
Jugendlichen ein „Loch“ gebaut, in das die Besucher unserer Straßenaktion Bälle
werfen konnten – jeder Treffer wurde mit einem kleinen Geschenk belohnt. Es
zeigte sich, dass diese Aktion Menschen zu uns lockte und wir sie dann auch
bitten konnten sich auf den Folienstreifen zu ihrem Stadtteil zu äußern. Am
Ende der
Aktion wurden dann die Folienstreifen an ein
Seil geknüpft und wie eine Girlande zwischen zwei
Straßenbäumen aufgehängt.
Die zweite Gruppe der Jugendlichen
entschlossen sich eine Umfrage zu dem Thema zu machen, gemeinsam mit einer
Praktikantin entwickelten sie einen Fragebogen (siehe Anlage). Während der Kunstaktion
befragten sie mit dem Fragebogen und einem Tonband Menschen rund um den Nordmarkt.
Die Jugendlichen haben insgesamt 23 Personen interviewt, davon 14 Männer und 9 Frauen.
Die Ergebnisse der Umfrage wurden dann von den Jugendlichen mit Unterstützung
einer Honorarkraft ausgewertet und die Ergebnisse in Grafiken dargestellt
(siehe Anlage).
Die Ergebnisse dieser Umfrage können jetzt
wieder als Grundlage für weitere Gespräche und Aktionen der Jugendliche im
Stadtteil genutzt werden. Voraussichtlich werden wir die Befragungsergebnisse
in unserem neuen Medienprojekt „Nordstadt Reporter“ nutzen.
Unser Fazit: Das
Stadtteilprojekt hat gezeigt, dass man Jugendliche für konkrete Stadtteilarbeit
gewinnen und ihr Interesse für ihren Stadtteil erhöhen kann. Besonders gefreut
hat uns das Engagement der jungen Frauen bei dem Umfrage-Projekt, das sie mit
Unterstützung alleine angestoßen und durchgeführt haben. Die Anstöße und Ideen,
die sich durch das Stadtteilprojekt ergeben haben, werden wir in unserem
Medienprojekt „Nordstadt Reporter“ aufgreifen und weiterentwickeln.
So ist die Nachhaltigkeit dieses jetzt
abgeschlossenen Projekts gewährleistet. Abschließend muss noch gesagt werden,
das ohne den engagierten Einsatz der Künstlerin, Ulrike Fischer, der
Honorarkräfte, Praktikanten/innen und der Jugendlichen das Projekt hätte nicht realisiert
werden können.
Nr. 59 Brigitta
Gillessen, Düsseldorf - NO WAY OUT
Projekt: Theater-/
Video-/ Musik-Projekt „NO WAY OUT“ für Jugendliche ab 14 Jahren
Dauer: 19.03.2009 bis
17.12.2009
Premiere: 05.10.2009
im Black Box Kino Düsseldorf
Weitere Vorstellungen:
05. + 06.11.2009
Rudolf Steiner Schule Wuppertal
18.11.2009
Katakomben-Theater Essen
19.11.2009
Kulturwerkstatt Hamm
30.11. – 02.12.2009
Black Box Kino Düsseldorf
08.12.2009 Bühne der
Kulturen im Arkadas-Theater Köln
14.12.2009 Realschule
Luisenstraße Düsseldorf
17.12.2009 Bahnhof
Langendreer Bochum
Mitwirkende Künstler:
Brigitta Gillessen (Regie, Video, Produktion), Nina Fischer (Theaterpädaogik,
Produktion), Thor Hagedorn und Julia Schmiedeberg (Musik), Ute Lindenbeck
(Ausstattung), Schoman Djoumma (Kamera), Saskia Clemens (Fotografie), Stephanie
Voit (Schauspiel), Kim Perleberg (Schauspiel)
Gemeinsam mit Nina
Fischer gründete ich für diese Produktion die Künstler-Produktions-GbR „No Way
Out“, die in die dauerhafte GbR „acting up“ umgewandelt werden wird. Weitere
Projekte sollen in der Zusammenarbeit mit Nina Fischer folgen.
Siehe
www.acting-up-productions.de
Kooperationspartner:
Filmwerkstatt Düsseldorf e. V, RAA (Regionale Arbeitsstellen für Kinder und
Jugendliche aus Zuwandererfamilien) und die Gastspielorte (siehe oben,
Vorstellungen)
Netzwerk Lernen
Erfolg und
Auswirkungen der Maßnahme
„NO WAY OUT“ konnte
mit Hilfe der Förderung durch die Bezirksregierung Düsseldorf und die LAG
Soziokultur NW sowie der Unterstützung durch die Filmwerkstatt Düsseldorf e. V.
realisiert werden. Die anderen beantragten Förderungen (des NRW Landesbüros
Freie Kultur, des Fonds Soziokultur und der Fonds Darstellende Künste) wurden
leider nicht genehmigt.
Die Premiere fand mit
großem Erfolg am 5. 10. 2009 in der Black Box (im Filmmuseum) statt und bekam
eine hervorragende Kritik in der WAZ (siehe online unter
http://www.wz-newsline.de/?redid=647006).
Weitere Vorstellungen
in Düsseldorf, Wuppertal, Essen, Hamm, Köln und Bochum folgten bzw. werden
folgen. Bei den Schulen haben wir große Resonanz bekommen, so dass unserer
geplanten Vorstellungen voraussichtlich gut besucht sein werden. Im Anschluss
an die Schulvorstellungen bieten wir eine Diskussionsrunde für die Schüler an,
um über die Themen Jugendgewalt, Einfluss der Medien und Drogenkonsum zu
reflektieren.
Zu unserer PR-Arbeit
und den Werbemaßnahmen: Unter der Adresse www.acting-up-productions.de kann man
sich laufend über aktuelle Termine etc. informieren. Auf dieser Homepage
stellen wir außerdem den Schulen Informationsmaterialien über die im Stück
dargestellten Themen zum Download zur Verfügung, damit die Lehrer gemeinsam mit
den Schülern vor- oder nachbereiten können.
Als Werbemittel haben
wir uns ausschließlich für Flyer (und gegen Plakate) entschieden. Mit diesem
Flyer konnten wir gezielt die Schulen einladen und für das Stück interessieren.
(Ein Exemplar liegt
bei) Online-Werbung bekamen wir kostenfrei über mehrere Netzwerke und Verlage:
Netzwerk Lernen (für Lehrer), Institut für Gewaltprävention NRW, RAA.
Nr. 62 Zakk, Düsseldorf – Edelweißpiratenfestival 2009
In diesem Jahr fand
zum dritten Mal im zakk das Edelweißpiratenfestival – Düsseldorf stattt. Das
zakk Team hatte 2007 erste Kontakte mit Jan Krauthäuser vom Edelweißpiratenclub
e.V. in Köln aufgenommen, um einen Eindruck von der Idee/ der Initiative zu
bekommen. Der Elan der Gruppe begeisterte uns, so dass wir ebenfalls ein lang angelegtes
Projekt zum Thema Edelweißpiraten in Düsseldorf machen wollten.
Wichtig war uns dabei,
dass dieses Projekt nicht nur von den zakk Kolleg/-innen getragen wird, sondern
das wir möglichst viele Musiker/-innen, Interessierte dafür begeistern können,
an dem Projekt aktiv mitzuarbeiten und dieses Projekt mit zu gestalten.
Die Edelweißpiraten
sind dafür bekannt, dass ihr Widerstand eng mit Musik verknüpft war. Ein Grund
für uns, Musiker/-innen aus Bands für die Unterstützung des Projektes zu
gewinnen. Neben den Aktivisten aus dem Musikbereich haben auch politische
Gruppen das Festival unterstützt. So waren folgende Gruppen/Initiativen an dem
Projekt aktiv beteiligt: Esther Bejarano & Microphone Mafia, Jahcoustix,
I-Fire, Reefer Madness, Mammut Almut, Mental Movement, El Canamo, Culture Rock,
Lava Crew, AStA der FH Düsseldorf, Junge Grüne Düsseldorf, Oase Film Magazin,
Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes – Bund der Antifaschisten
Düsseldorf, Cable Street Beat, Koordinierungskreis antifaschistischer Gruppen
aus Düsseldorf und Neuss sowie die SDAJ Düsseldorf.
Projektbeginn
Im Fokus standen an
dem Festivaltag die Bedeutung und der Stellenwert der Musik der
Edelweißpiraten. Lieder waren ein wichtiges Erkennungszeichen der
Edelweißpiraten, mit ihnen begleiteten sie Gruppenabende und Wanderfahrten,
drückten ihrer Sehnsucht nach einem freien, abenteuerlichen Leben aus und
markierten ihren Skepsis und Ablehnung zur Hitlerjugend. Das Hauptgewicht des
Liedguts lag eindeutig im Bereich der Fahrten- und Wanderlieder der 1936
verbotenen Bündischen Jugend, wobei gerne auch Anleihen in der russischen
Volksmusik gemacht wurden. Oftmals wurden die Texte auch durch einfügen lokaler
Bezüge und kollektiver Gruppenerfahrung angereichert und aktualisiert, womit
die Lieder nicht zuletzt häufig zu einer Provokation für das NS-Regime und hier
insbesondere der Hitlerjugend wurden.
Unserem Konzept des
Edelweißpiratenfestivals liegt der Gedanke zu Grunde, Lieder der
Edelweißpiraten modern zu interpretieren, um sie so einem jüngeren Publikum
zugänglich zu machen und Interessen an dem Thema zu wecken.
Bands/Musikgruppen,
unterschiedlicher musikalischer Richtungen, haben sich in der Vorbereitung des
Festivals inhaltlich und musikalisch mit den Texten auseinandergesetzt und die
Lieder der Edelweißpiraten neu interpretieren. Auf dem Festival am 22. August
wurden diese Lieder erläutert und aufgeführt.
Projektaktivitäten
Die Musikgruppen/Bands
wurden zu regelmäßigen Treffen eingeladen und mit Informationsmaterialien,
Liedtexten, CD Aufnahmen von Jean Jülich versorgt. Leider konnten wir nicht
alle Musikgruppen für das Festival gewinnen, denn gerade die Düsseldorfer Chöre
konnten mit der Vorbereitungszeit (inkl. Sommerpause) keine Liedtexte
einstudieren und aufführen und auch die „Aufwandsentschädigung“ machte es für
die Chöre eher nicht erschwinglich die Texte einzustudieren. Die Chöre hätten
sich einen Chorleiter suchen und bezahlen müssen.
Dahingegen hat sich
aber die Düsseldorfer Bands und Musikszene lange mit den Texten
auseinandergesetzt. Gerade die junge Band „Mammut Almut“, bestehend aus
18-22jährigen, hatte täglich neue Informationen aus dem Internet erarbeitet, Liedtexte
verglichen und die Treffpunkte der Düsseldorfer Edelweißpiraten recherchiert
und teilweise besucht.
Das Festivalprogramm
begann mit einem Live Graffiti zum Thema Edelweisspiraten und Widerstand.
Hierbei gelang es, historischen Widerstand mit heutigen jugendkulturellen
Aktionsformen zu verknüpfen. Anschließend spielten Bands bis in den späten
Abend und vermittelten durch die überarbeiteten Edelweißpiratenlieder und
eigene Statements eine eigene Form von Gedenken an die rund 1.meist
jugendlichen Zuhörer/innen.
Abgerundet wurde der
Abend durch gemeinsames Musizieren von verschiedenen Gruppen im
Backstagebereich sowie eine gemeinsame Party von Besucher/innen und
Künstler/innen.
Besonders stolz sind
wir darauf, dass es uns gelungen ist, die Auschwitzüberlebende und Sängerin
Esther Bejarano gemeinsam mit der Hip-Hop-Band Microphone Mafia für einen
Auftritt im Rahmen des Edelweißpiratenfestivals zu gewinnen!
Die Zukunft
Nicht alle Ziele
konnten umgesetzt werden, u.a. hat die Gruppe „Edelweiß“ zwar einen Edelweißpiraten
aus Düsseldorf gefunden und Kontakt aufgenommen, doch leider konnten wir ihn
nicht überzeugen, an Veranstaltungen und Diskussionen teilzunehmen. Für die
Zukunft hat das Netzwerk „Düsseldorfer Edelweißpiraten“ sich vorgenommen das
Festival mehr in die Stadt und an die Plätze an denen die Edelweißpiraten aktiv
waren zu tragen. So könnten wir uns vorstellen das Festival in Zukunft im
Düsseldorfer Volksgarten stattfinden zu lassen, denn dies war u.a. ein fester
Treffpunkt der Edelweißpiraten. Doch auch Wanderungen, Begegnungen mit den
Orten/den Treffpunkten der Edelweißpiraten sollen in den nächsten Jahren
ausgebaut werden. In Köln gibt es eine Ausstellung zum Thema Edelweißpiraten,
diese hat wenige Anknüpfungspunkte mit Düsseldorf. Eine eigene Ausstellung/Tafeln
über Düsseldorfer Edelweißpiraten, welche Schulen/Institutionen zur Verfügung
gestellt werden könnte, wäre wünschenswert und erstrebenswert.
Das
Edelweißpiratenfestival hat es in diesem Jahr geschafft Musikgruppen und
Musikgenres zu vereinen. Alle Nachwuchskünstler/-innen sowie Künstler/-innen
haben den Wunsch geäußert auch in Zukunft weiterhin an diesem Projekt zu
arbeiten. Gespräche haben dazu geführt, dass der Wunsch geäußert wurde, dass
die Themenstellung des Festivals etwas aufgeweicht wird. So möchte sich die
Gruppe „Edelweißpiraten“ in Zukunft auch mit weiteren Themen beschäftigen, die
zur Veränderung der Gesellschaft beitragen kann bzw. für ein Eintreten in der
Gesellschaft wichtig. Hier wurden die Punkte Ökologie & Umwelt, Bildung und
Stadtpolitik aufgegriffen. Diesen Punkt und diese Gruppe möchten wir auch
weiter unterstützen.
zakk wird weiterhin
versuchen ein Ort dafür zu sein, Räume und Möglichkeiten bereit zu stellen
sowie Möglichkeiten zu schaffen, um die freiwilligen Arbeit für dieses Projekt
zu unterstützen. Die Gruppe selbst arbeitet weiterhin an einem Festivaltag zu
einem gesellschaftlichen Thema. Die Musiker/-innen arbeiten weiter zusammen,
proben gemeinsame Texte und möchten im Bereich der Edelweißpiraten noch
abschließend einige Songs aufnehmen. Einige Lieder sollen dann auch noch auf
der Myspace Internetseite der Edelweißgruppe dokumentiert werden
(www.myspace.com/edelweisspiratenfestivalddorf).
Nr. 63 Stroetmanns Fabrik, Emsdetten – Theater von Sinnen“ -
Theaterpädagogisches Projekt für Jugendliche in Kooperation mit dem
Straßentheater Titanick
Projektreihe
„Theater von Sinnen“
war das dritte Projekt einer Kooperationsreihe zwischen dem Straßentheater
Titanick und dem sozio-kulturellen Zentrum Stroetmanns Fabrik.
Die ersten Projekte
(2006 „Feuer und Flamme“, 2008 „Aquarius“) waren mit Kindern durchgeführt
worden. Das dritte Projekt in 2009 richtete sich an Jugendliche.
Teilnehmerinnen/Dauer/Partner
Während der
Anmeldephase fiel auf, dass im Gegensatz zu den Vorjahren nur Mädchen Interesse
an dem Projekt zeigten. Auch nach Pressemeldungen, dass es für Jungen noch
Teilnahmemöglichkeit gibt, fanden sich keine Interessenten. Die Gruppe bestand
schließlich aus 16 Mädchen im Alter zwischen 14 und 16 Jahren. Im Nachhinein
bedauern wir diese Entwicklung nicht, denn die aufwendige Projektarbeit war so
um einen „Spannungspunkt“ ärmer.
Die neun Workshoptage
verteilten sich auf 3 Wochen, täglich wurde acht bis zehn Stunden gearbeitet.
Neben dem Theater Titanick beteiligte sich die Filmwerkstatt Münster an dem
Projekt und erarbeitete mit den Jugendlichen eine Filmsequenz, die einen
wesentlichen Schwerpunkt in der Produktion einnahm.
Geschichte der
Produktion
Die Geschichte der
Theaterproduktion basiert auf der Idee, dass zwei Forscherinnen im „Alten
Klärwerk“ eine Gesellschaft von merkwürdigen Kreaturen entdecken. Die Wesen
haben seit Tausenden von Jahren in den Rohren und Gruben des Klärwerks gelebt
und kriechen nun an die Erdoberfläche, um zum ersten Mal das „Licht der Welt“
zu erblicken.
Die Vorführung beginnt
damit, dass die Wissenschaftlerinnen die Kreaturen im Klärwerk der
Öffentlichkeit, - also dem Publikum – vorführen. Es ist dunkel und unheimlich,
Megafon Durchsagen warnen die Zuschauer vor dem Klärwerktor vor den
unbekannten, gefährlichen Kreaturen, die sie nun sehen werden.
Das Publikum wird
durch ein großes altes Tor in das Klärwerk eingelassen und an den Käfigen
vorbeigeführt, in denen die Fauldetten furchterregende Geräusche von sich
geben, untereinander kämpfen und an den Gittern reißen.
Das Publikum wird nun
zur Mitte des Platzes vor den alten Faulturm geführt. Die Wissenschaftlerinnen
erklären, dass die Fauldetten sich in diesem Faulturm aufhalten. Natürlich ist
es für das Publikum zu gefährlich, dort hineinzugehen. Deshalb wird eine
Direktschaltung aus dem Turm auf die Wand des Faulturms projiziert. Auf einer
großen Leinwand erscheinen vor dem Turm Filmaufnahmen über das Leben der
Fauldetten. Auch eine Wissenschaftlerin ist zu sehen, die einen der Fauldetten
intensiver untersuchen will. Dabei drückt der Fauldetten in einem
unbeobachteten Moment auf den Knopf einer Schaltanlage des alten Klärwerks.
Wasser und Lauge
sprudeln erst aus einem Waschbecken und dann aus immer mehr Rohren und setzen
den alten Faulturm komplett unter Schaum. Die Fauldetten entdecken den Schaum
und beginnen, die uralte Klärschicht von ihren Körpern zu entfernen.
Der Film endet und die
Fauldetten verlassen –jetzt wieder live- den Turm und tauchen vor den
Zuschauern auf. Gleichzeitig quillt aus dem Faulturm eine riesige Menge Schaum
und tropft über die Mauern und die Leinwand „live“ auf die Fauldetten.
Sie erleben und
entdecken die Welt mit übersinnlichen Kräften. Die Fauldetten zeigen dem
Publikum bunte Bäume und sphärische Klänge aus dem Weltall. In bunter Kleidung
feiern sie ihre Freiheit. Die zuvor gefangenen und gefesselten
Wissenschaftlerinnen werden freigelassen und in den Tanz einbezogen.
Workshopinhalte
Jeder Tag begann mit
Schauspieltraining und Übungen zum Körperausdruck. Außerdem durchliefen die
Jugendlichen sämtliche anderen Arbeitsbereiche eines Open-Air-Spektakels, wie
Bühnenbau, Kostümschneiderei, Lichtdesign, Pyrotechnik und Choreographie. Durch
das Thema der Produktion nahmen „Schlamm“ und „Seife“ einen besonderen
Stellenwert ein. Nachdem erste Berührungsängste überwunden waren, wurde die
Verwandlung der jungen Mädchen in Schlammwesen immer selbstverständlicher und
professioneller.
Ein Höhepunkt des
Workshops waren die Dreharbeiten mit den Mitgliedern der Filmwerkstatt Münster,
die mit ihrer Professionalität und dem großem technischen Aufwand alle
Beteiligten begeisterten.
Die Erarbeitung der
Produktion vor Ort nahm natürlich den größten Raum ein. Innerhalb weniger Tage
entstand durch große Disziplin und Konzentration der Jugendlichen eine
einstündige Straßentheaterproduktion, mit zahlreichen Szenenwechseln, Einsätzen
und Choreographien.
Die täglichen gemeinsamen Arbeitsessen waren für den Zusammenhalt der Gruppe
und den Entwicklungsprozess der Produktion sehr wichtig. Hier konnten Probleme
gesammelt und ausgesprochen werden, Planungsschritte wurden koordiniert,
Erlebtes erzählt und ausgewertet.
Nach der von vielen
hundert Besuchern bejubelten Vorführung war die abschließende
„After-Show-Party“ natürlich für alle der absolute Höhepunkt dieser
ereignisreichen Wochen.
Ergebnisse
Wie in allen Workshops
der Reihe bot auch die dritte Produktion den Jugendlichen alle Möglichkeiten,
die Faszination „Straßentheater“ live mitzuerleben und dadurch an
Selbstbewusstsein zu gewinnen, eigene Grenzen kennenzulernen, zu überschreiten
und Spielfreude und kulturelle Inhalte zu entdecken.
Schauspiel, Musik,
Tanz, Technik, Kostüm und unzählige organisatorische Herausforderungen (tagelanger
Dauerregen setzte das Gelände unter Wasser und es war fraglich, ob die Vorführung
überhaupt stattfinden konnte) mussten gemeistert werden.
Das wichtigste
Ergebnis des Workshops ist der Wunsch der Teilnehmerinnen, eine Theatergruppe
zu gründen, die ab 2010 regelmäßig in Stroetmanns Fabrik mit einer
Theaterpädagogin zum Thema Impro-Theater arbeiten möchte.
Ein weiteres Erlebnis
war die Teilnahme der Gruppe an dem Jugendkulturforum des Münsterland e.V. im
Rock- und Pop Museum in Gronau im Herbst des Jahres. Die Mädchen berichteten in
einer moderierten Foto- und Filmpräsentation von ihrem Projekt und standen für
Fragen zur Verfügung.
Das Projekt „Theater
von Sinnen“ ist aus Sicht aller Beteiligten als großer Erfolg zu werten. Die
umfangreiche Foto-und Filmdokumentation gibt dafür einen überzeugenden Beleg.
Nr. 64 Theater Freudenhaus, Grend,
Essen - Budenzauber
Mit der zwischen zeitloser Komödie und tagespolitischer Aktualität
angesiedelten Produktion „BUDENZAUBER“, vollzieht unser Theater in inhaltlicher
und ästhetischer Hinsicht einen entschiedenen Schritt aus der bislang üblichen
„Folklorisierung“ und Beschönigung der Ruhrgebietsrealität in ihrer szenischen
Umsetzung durch konservatives Volkstheater.
Das Stück spielt an einem traditionellen „Büdchen“ - sprich: einer
Trinkhalle - der Gegenwart. Inhaber und Besucher gestalten den Alltag in ihrer
von missglücktem Strukturwandel, Immobilienspekulationen und Arbeitslosigkeit
geprägten Zufallsgemeinschaft. Trotz der vordergründigen Trostlosigkeit der
Situation, entdecken die Bühnencharaktere dabei sukzessive die Qualitäten ihrer
Region und die Kraft einer zunächst nicht vermuteten Gemeinsamkeit. Abseits von
der dialektischen Schwere des Feuilletons und einer zeitweise etablierten
Medienhysterie rund um die Kulturhauptstadt RUHR2010, bietet „Budenzauber“
einen teils ironischen, teils sarkastisch geprägten Blick auf die reale
Problematik des gegenwärtigen Lebens zwischen Ruhr und Emscher. Seine
inhaltliche Ausrichtung bleibt dabei stets optimistisch und fordert nicht nur
die Bevölkerung des Ruhrgebietes zur aktiven Auseinandersetzung mit der
Thematik auf. Die von Regisseur und Autor Markus Andrae geleitete Produktion
ist bereits während des Probenprozesses von regionaler und überregionaler
Presse
begleitet worden.
Stellvertretend für das durchweg sehr positive Presseecho sei hier die WAZ
( Westdeutsche Allgemeine Zeitung) genannt, welche in ihrer Rezension von einem
„Stück mit Kultpotential, auf das man als Ruhri wirklich stolz sein kann“
sprach. Für das begleitende Bildmaterial sorgte mit Thomas Heiser ein
professioneller Theaterfotograf.
Nach der sechswöchigen Probenarbeit im September und Oktober und der
erfolgreichen Premiere am 11.11.2009 wurde „BUDENZAUBER“ zum festen Bestandteil
des „Theater Freudenhaus“ Spielplans.
Nr. 66 Kulturzentrum Pelmke - Der neue politische Lifestyle
Das Projekt war eine
Kooperation des Kulturzentrums Pelmke und der Antifa Union Dortmund kurz AUDO
genannt.
Im Rahmen des
Projektes wurde die aktuelle Entwicklung der Neonaziszene thematisiert. Weg von
dem Klischeegedanken: Springerstiefel und Glatze gleich Nazi. Die Szene hat
sich gerade in der Jugendkultur stark verändert, ob mit Rockmusik, einem neuen
Kleidungsimage, alles ist jünger und stylischer geworden, um den „Nachwuchs“
für sich zu gewinnen. Zu diesen Themen gab es drei Vorträge zu der neuen
„Erlebniswelt“ der Neonazis um über die Entwicklung in der rechten Szene
aufzuklären.
Projektverlauf:
1.Vortrag: Der
Antikriegstag und die Autonomen Nationalisten
2. Vortrag: Der neue
politische Lifestyle – RechtsRock
3. Vortrag: Playing
hide-and-seek - Das Versteckspiel der Neonazis zwischen Codes
und Styles
Die
Vortragsveranstaltungen hatten zwischen 20 und 40 vorwiegend junge
BesucherInnen, was für Hagen und ohne aktuellen Anlass (Nazi-Aktivitäten in der
Stadt) durchaus erfolgreich ist.
Begleitet wurden die
Vortragsreihe mit 3 Konzerten von Bands die sich politische engagieren und in
ihren Texten klare politische Aussagen gegen Rechts kundgeben.
(Dritte Wahl, Egotronic, Los Fastidios/It.). Hier gab es 80-120 BesucherInnen.
Da sich der Tourplan
der Band Los Fastidios hatte sich im Vorfeld verändert, so dass das Konzert
schon vor dem eigentlichen Projektbeginn (Herbst) stattfinden musste.
Insgesamt kann gesagt
werden, dass das Projekt sehr erfolgreich verlaufen ist und es eine große
Sensibilisierung für Symboliken, Kleidung, Aktionen etc. der Neonazis
herbeigerufen hat. Der Austausch nach den Vorträgen war sehr rege und somit
konnten auch andere bzw. offene Fragen über die Szene und wie man mit solchen
Situationen umgeht oder auch selbst aktiv gegen Rechts werden kann, geklärt
werden.
Nr. 68 Werkhaus, Krefeld - Vielfalt ist Bunt -
LEBENsKÜNSTLERinAktion
25 Jahrefeier am
26.09.2009
Hintergrund
Der Werkhaus e.V.
arbeitet seit 25 Jahren als Soziokulturelles Zentrum in Krefeld.
Straßenperformance hatte während der ersten 15 Jahre eine große Bedeutung – sie
war damals noch finanzierbar und Teil eines kulturellen Selbstverständnisses in
der sich institutionalisierenden Subkultur.
Diese Zeiten sind
vorbei, die allgemeine Aufbruchsstimmung in der Soziokultur hat sich gelegt und
wir arbeiten in stark institutionalisierten Zusammenhängen.
Gleichzeitig schwindet
die Bindung an die klassischen Nutzer der Soziokultur. Die Subkultur sind
andere! Parallel klafft in der gesellschaftlichen Realität eine größer werdende
Lücke zwischen städtischer Bevölkerung und den klassischen (mit 25 Jahren
gehören wir auch dazu) Kulturanbietern.
Statistisch schwindet
das Interesse an oder das Bedürfnis nach Teilhabe an kulturellen Aktivitäten.
Zuschauerbindung und Partizipation sind die Schlagwörter.
Aus diesem Grund muss
sich nach unserem Kulturverständnis Soziokultur sozial und politisch stärker
engagieren und einmischen, als wir als Vertreter in Krefeld es in den letzten
Jahren haben tun können. Wir stärken mit unseren Aktivitäten den Werkstatt- und
Initiativgedanken in unserer Arbeit und suchen Anknüpfungspunkte wie Strategien
um interessierten und engagierten Menschen einen Ort für ihre persönlichen
Ambitionen zu bieten.
Die Feier zum 25
Jährigen Jubiläum sollte dabei zwei Aussagen in den Fordergrund stellen, die
schon immer das Bild des Werkhauses bestimmt haben!
„Vielfalt ist bunt“
weißt einmal auf den Ansatz einer ganzheitlichen Weltsicht und einem damit
einhergehenden Anspruch den Erhalt der „Artenvielfalt“ auch auf kulturelle
Interaktion zu beziehen. Das Motto betont die Bereitschaft „Anderssein“ als
einen besonderen Wert zu definieren und Wert zu schätzen!
Dieser Wert wird
gleichzeitig durch das Motto „LEBENsKÜNSTLERinAKTION“ nochmals positiv
bestärkt: Durch die Wahl oder Vorgabe persönlicher wie gesellschaftlicher
Rahmenbedingungen haben wir gemeinsam eine Eigenschaft ausgebildet! Wir sind in
der Lage auf eine komplizierte Lebenswelt mit Flexibilität und Kreativität zu
reagieren! Wir meistern nicht nur schwierige Situationen, sondern schaffen gleichzeitig
neue Lösungskonzepte und beeinflussen auf diese Weise gesellschaftliches Leben!
Dies gilt es zu
feiern!
Das Fest
Das Fest wurde so
entwickelt, dass es eine möglichst Große Beteiligung von Menschen aus dem
Umfeld bei der Organisation im Vorfeld wie auch bei der Durchführung selber!
Durch gezielte
Ansprache, Newsletter, Postkarteverteilung wurde in der Nachbarschaft und
öffentlich um Beteiligung und Engagement gebeten. Viele Beteiligungsangebote,
besonders im Bühnenbereich konnten dann im Endeffekt aus organisatorischen
Gründen nicht eingebunden werden.
Das Krefelder Netzwerk
Freie Kultur e.V. vertreten durch die Krefelder Musiker Initiative und den
JazzKlub Krefeld, Jugendliche aus der Musikschule Dortmund mit ihren Dozenten,
sowie die Lebenshilfe Krefeld beteiligte sich mit vier Bühnenakts an der
Programmgestaltung und halfen bei der Öffentlichkeitsarbeit. Die Caritas
Krefeld stellt uns für Transporte unentgeltlich einen Kleintransporter zur
Verfügung.
Besucherkinder des
SpieDie aus dem Viertel erarbeiteten auch mit Dozenten der Jugendkunstschule
Beiträge für das Fest (Straßenumzug, 2 Tanzprojekte).
Teilnehmer und
Dozenten der Bildungseinrichtungen steuerten einzelne Elemente bei
(Straßen-Samba, afrikanisches Trommeln, Sketche, Standarttänze, Malaktionen)
Mitglieder des
Vereins, Anwohner, besonders auch Eltern aus dem Viertel steuerten Essen bei,
beteiligten sich an der Betreuung der Stände, beim Spülen, bei den
Spielaktionen und beim Auf- und Abbau!
Am Freitag wurde in
einer gemeinsamen Aktion mit Anwohnern und Helfern aus dem Umfeld eine Bühne in
Eigenarbeit über den Fahradständern vor dem Werkhaus aufgebaut. Die
Konstruktion mit Überdachung war eine Meisterleistung. Eine Leihbühne war für
unsere Bedürfnisse nicht zu erhalten! Der gemeinsame Aufbau brachte eine sehr
gute Stimmung und intensives Gemeinschaftsgefühl!
Bei der Feier waren
PolitikerInnen verschiedener Parteien anwesend. Die Bürgermeisterin der CDU,
Landtags- u. Bundestagskandidaten der SPD, Vertreter von Bündnis90/ Die Grünen
sprachen Grußworte und mischten sich unter das Wahlvolk.
Die Helfer wurden mit
T-Shirts ausgestattet, die Programmbeteiligten erhielten einen Button
„LEBENsKÜNSTLERinAKTION“ als Dankeschön für ihr Engagement.
Über den Tag bis in
die Nacht waren ca. 1500 Besucher auf der Straße und genossen bei schönstem
Wetter das Programm vor und auf der Bühne mit Gesprächen, Tanz und Speis und
Trank.
Das Fest begann um
15.00h und endete ca um 23.30h. Es kam zu keinen Zwischenfällen.
Der Dank und das Lob
für das Fest hat uns sehr gut getan und bestätigt uns in unserer Arbeit!
Besucher: ca. 1500
Personen
Helfer beim Fest: ca.
40 Personen
Beteiligte an den
Aktionen: ca. 120 Personen
Nr. 69 Kulturzentrum BÜZ, Minden - Umgido - Afrikanisches
Theater
Projektphase
August bis Dezember 2009
Das Projekt
Eine ausführliche
Projektbeschreibung liegt Ihnen bereits vor.
Zunächst sollen die
Menschen in unserer Stadt und Region verstärkt mit afrikanischer Kultur in
Kontakt kommen. Im Zusammenwirken mit dem Kulturentwicklungsplan und dem
Projekt „KulturSchule“ der Stadt Minden werden wir vor allem mit Schülern und
Schülerinnen verschiedener Schulformen Afrikanisches Theater einstudieren und
zur Aufführung bringen. Mit „Umgido“ will das Kulturzentrum BÜZ sein eigenes
kulturelles Profil mit interkulturellem Programm schärfen und erweitern und
allen Generationen den niederschwelligen Zugang zur Kultur anderer Länder und
Kontinente über das Medium „Afrikanisches Theater“ ermöglichen.
Die TeilnehmerInnen
Die Teilnahme am
Projekt schrieben wir öffentlich für Schüler und Schülerinnen der
weiterführenden Schulen aus. Ziel war es, 25 Kinder und Jugendliche zu finden.
Tatsächlich meldete
die Realschule „Käthe-Kollwitz-Schule Minden“ 25 Kinder an. Von drei weiteren Schulen
kamen noch vier Kinder hinzu. Von der Käthe-Kollwitz-Schule kamen von den
angemeldeten 25 Kindern zu Beginn nur 17. Als Grund für das Fernbleiben der
anderen gab die seitens der Schule engagiert begleitende Lehrerein an, das
Projekt würde für diese muslimischen Kinder zeitlich sehr ungünstig beginnen:
es ist Ramadan und aus Gründen der körperlichen Überforderung - der Workshop
fand am Nachmittag unmittelbar nah dem Regelunterricht statt - hätten ihre
Eltern die Teilnahme leider untersagt. Die Möglichkeit, nach Ende des Ramadan
noch in das Projekt einzusteigen, nahmen diese Kinder nicht wahr. Nach den
ersten Workshops zogen sich drei weitere Kinder zurück.
Schließlich nahmen an
Umgido regelmäßig 17 Kinder regelmäßig teil.
Die
Kooperationspartner
Käthe-Kollwitz-Schule
Minden
Domschule Minden
Cornelia-Funke-Schule
Minden
Herder-Gymnasium
Minden
Kulturbüro der Stadt
Minden
Kulturzentrum BÜZ
Veranstaltungen
Öffentliche Aufführung
auf dem Johanniskirchhof vor dem Kulturzentrum BÜZ am 31.10.2009 im Rahmen von
„Tanz OWL“ vor 100 Zuschauern.
Öffentliche Aufführung
in der Sporthalle der Käthe-Kollwitz-Schule am 23.12.2009 vor 300 Zuschauern.
Mit Beginn des
Schuljahres 2009/2010 ab August bis Dezember 2009: jeden Montag von 16-18 Uhr
Workshop in den Räumen des Kulturzentrum BÜZ, bei schönem Wetter „Open Air“ auf
dem Johanniskirchhof.
In den Herbstferien
fanden keine Workshops statt.
Erfolg, Auswirkungen
und inhaltliche Abweichungen
Die Anzahl der
TeilnehmerInnen war deutlich geringer als von uns gewünscht und geplant. Vor
den Sommerferien des Schuljahres 2008/2009 eingeholte verbindliche Zusagen von
Schulklassen wurden von diesen nicht eingehalten, der Workshop wäre zu diesem
Zeitpunkt bereits vollständig ausgebucht gewesen. Folglich starteten wir zwei
Wochen vor Projektbeginn einen erneuten Aufruf in den Schulen über das Schulamt
und das Kulturbüro der Stadt Minden und lancierten zusätzlich einen
entsprechenden Artikel in der lokalen Tageszeitung; der letztgenannte blieb
allerdings wirkungslos. Im Ergebnis konnten wir 17 Kinder für Umgido dauerhaft
interessieren. Die meisten Kinder kamen aus der Käthe-Kollwitz-Schule. Dieser
Umstand erwies sich als sehr vorteilhaft, da die Teilnahme am Workshop für
diese Kinder durch die Schule als verpflichtend angesehen wurde. Wir schließen
daraus, zukünftig mit festen Partnerschulen zusammen zu arbeiten. Im
Halbjahreszeugnis spiegelte sich das regelmäßige Mitmachen bei Umgido in der
Bewertung in der so genannten Kopfnote.
Die das Projekt
begleitende Lehrerin der Käthe-Kollwitz-Schule konstatierte, dass die meisten
der teilnehmenden Kinder während der Projektphase ein erheblich größeres
Selbstbewusstsein bekamen und zugleich deutlich bessere Schulleistungen in fast
allen Fächern erbrachten.
Der vor dem
Projektbeginn erarbeitet Lehrplan wurde eingehalten.
Die Menschen in unserer
Stadt und Region sollten verstärkt mit afrikanischer Kultur in Kontakt kommen.
Im Zusammenwirken mit dem Kulturkonzept der Stadt Minden und dessen Baustein
„KulturSchule“ studierten Schülern und Schülerinnen verschiedener Schulformen
Afrikanisches Theater ein und brachten die Ergebnisse zwei Mal zur öffentlichen
Aufführung.
Das „Afrikanische
Theater“ ergänzt und erweitert das aktuelle Profil des Kulturzentrum BÜZ unter
verschiedenen Aspekten und Blickwinkeln.
Professionelle
einheimische und vor Ort lebende Künstler unterschiedlicher Ethnien, Afrika und
Deutschland, arbeiteten in einem vom Kulturzentrum BÜZ initiierten Projekt über
einen längeren Zeitraum hinweg.
SchülerInnen
verschiedener kultureller Herkünfte waren am Projekt beteiligt. So waren neben
Deutschen auch Sinti, Jugendliche und Kinder aus Rumänien, Ghana, der
Elfenbeinküste, Kasachstan, aus Russland und dem Iran im Tanz- und
Trommelensemble.
Die Marke
„Kulturzentrum BÜZ“ konnte weiter entwickelt und weiter getragen werden: das
BÜZ bewegte sich in dieser ersten Phase des Projektes aus seinem eigenen Hause
weg zu anderen Orten. In einer Realschule trat die Theatergruppe im Zuge der
Weihnachtsvorführung vor ca. 300 Kindern und Jugendlichen auf.
Das Kulturzentrum BÜZ,
die Kinder und die Workshoplehrer profitierten im Lernprozess gegenseitig von
ihren verschiedenen Fähigkeiten und entwickelten sich gemeinsam weiter. Im
Laufe des Projektes kollidierten gelegentlich die unterschiedlichen
Mentalitäten und Arbeitsauffassungen aus Mitteleuropa und Afrika. Der kreativen
Spontaneität und oft Impuls gesteuerten Arbeitsweise der afrikanischen
Workshoplehrer stand das konzeptionelle Unterrichten der deutschen
Workshoplehrer oft gegenüber. Dies führte während der einzelnen Unterrichtseinheiten
zu interessanten Ergebnissen in der Interaktion zwischen den Workshoplehrern.
Wesentliches Element im Unterrichtsablauf wurde folglich die Notwendigkeit zur
Improvisation, ohne die Ziele der einzelnen Unterrichtseinheiten aus den Augen
zu verlieren. Die Workshoplehrer und Kinder stellten sich erstaunlich schnell
auf diese Unterrichtsform ein. Umgekehrt fanden sich die afrikanischen
Workshoplehrer im Laufe des Projektes immer besser mit den vorab strukturierten
Unterrichtseinheiten nach dem klassischen Modell der vier Unterrichtsphasen
zurecht.
Das Kulturzentrum BÜZ
wollte mit dem Projekt sein regionales Netzwerk mit anderen
Kulturinstitutionen, Schulen und Bildungsträgern, Kommunen und Gemeinden der
Region, Stadtfesten und profilierten Projekten auf lokaler Ebene wie z.B. „Rio
plus“ intensivieren.
Dieses Vorhaben
konnten wir bis zum jetzigen Zeitpunkt in Teilen realisieren.
Die intensive
Zusammenarbeit mit der Käthe-Kollwitz-Realschule Minden während der
Projektumsetzung führte zu zukunftsweisenden Ergebnissen:
Fortführung des
Projektes im Zeitraum Januar 2010 bis Juli 2010
Aufführung des
erarbeiteten Theaterstückes in verschiedenen Schulen vor den Sommerferien im
Juli 2010
Im Juni 2010 werden
wir im Rahmen der Aktionswoche „RIO + 18 - UN-Entwicklungsziele bis 2015 umsetzen:
Willkommen in Afrika!“ im Juni mindestens einmal öffentlich auftreten.
Besonders erfreulich
ist, dass wir eine in Minden ansässige Stiftung für die Fortsetzung von
„Umgido“ interessieren konnten. Die gesamte Finanzierung wird für das gesamte
Schuljahr 2010/2011 wird von der Stiftung übernommen
„Umgido“ ist Teil des
Mindener Modellprojektes „KulturSchule“. Im diesem Projekt arbeiten kulturelle
Institutionen der Stadt Minden mit Schulen zusammen. Wichtiges Element zum
erfolgreichen Gelingen des Projektes ist die aktive Teilnahme und Teilhabe von
Lehrern und Lehrerinnen am Projekt. Die Lehrer sind das Bindeglied zwischen den
Kulturinstitutionen und den Schulen. Sie helfen bei der Acquise der
teilnehmenden Schüler und helfen den Kulturinstitutionen, das durchnormierte
„System Schule“ zu verstehen, um das Entstehen von Reibungspunkten zwischen den
verschiedenen Welten von Schule und Kultur möglichst zu vermeiden.
In diesem Zusammenhang
war es uns wichtig, als Partnerschule für die Projektfortsetzung im Schuljahr
2010/2011 eine Grundschule in einem sozialen Brennpunkt Mindens zu finden. Der
Großteil der SchülerInnen stammt aus bildungs- und kulturfernen sozialen
Schichten.
Passend zum Thema des
Projektes „Umgido“ werden in die Unterrichtseinheiten in Fächer wie Deutsch,
Geschichte und Geographie Aspekte in den Unterreicht eingearbeitet, in unserem
Fall Afrika und interkulturelles Lernen.
Nach Aussage der
Schulleiterin der Käthe-Kollwitz-Schule Minden wurde dieses Ziel in der Schule
nicht umgesetzt.
Die erste Phase des
Projektes war Teil des OWL-Projektes „Tanz OWL“, welches über das Programm
„Regionale Kulturförderung“ 2009 zum zweiten Mal aufgelegt wurde.
Die teilnehmenden
Kinder und Jugendlichen brachten wenig Vorkenntnisse und Fähigkeiten in den
Bereichen Tanz und Musik/Trommeln sowie keine schauspielerischen Fähigkeiten
und Vorerfahrungen.
Die DVD, welche wir
zur Dokumentation des Projektes erstellen, konnte nicht rechtzeitig fertig
gestellt werden. Die Zeit zwischen Ende des Projektes im Dezember 2009 und der
Abgabe der fertigen DVD ca. Mitte Februar war zu kurz bemessen. Die Arbeiten
rund um die Sichtung der Filmaufnahmen (rund 60 Stunden), Bewertung und Auswahl
des Materials, Strukturierung und Gliedern sowie der Schnitt dauerten deutlich
länger als geplant. Mitte März 2010 wird diese DVD vom Presswerk ausgeliefert.
Wir freuen uns über
die bisherigen Erfolge und das durch die Umsetzung von „Umgido“ positiv
Erreichte!
Nr.
70 Kultur im Ringlokschuppen e.V. Mülheim a. d. Ruhr - Klub für lokale Feldforschung
Im Rahmen des Projekts
„Klub für lokale Feldforschung“ haben ab Mai 2009 insgesamt 6 Veranstaltungen
stattgefunden.
Nach dem Motto: „Vor
meiner Tür beginnt die Welt.“ und „Wie wollen wir die Welt von morgen?“ sind
wir in diesen Veranstaltungen unterschiedlichen Fragen nachgegangen:
Am 14.05.09: Wie entsteht
kommunale Öffentlichkeit? – Kultur im Spiegel lokaler und regionaler Medien
Auf dem Podium diskutierten zu diesem Thema Jens Dirksen (WAZ), Peter Ortmann (Ex-TAZ-NRW), Andreas Wilink (K-West) und Dietmar Kobolt (Theater-zeitung
akT, Köln). Moderiert wurde die
Diskussion von Regina Völz (WDR).
Am 11.06.09: Wie sieht die
Mülheimer Innenstadt der Zukunft aus? - Ruhrbania und der Ladenleerstand
Auf dem Podium diskutierten zu diesem Thema Matthias Rick (raumlabor_berlin),
Aenne Quiñones (Dramaturgin Volksbühne Berlin), Thorsten Kamp
(Stadt-planungsamt der Stadt Mülheim) und Klaus Geldmacher (Mülheimer
Objektkünstler). Moderiert wurde die
Diskussion von Stefan Keim (WDR).
Am 03.09.09: Der Crash - Mittel-
und langfristige Auswirkungen der Finanzkrise auf das Kulturangebot von Stadt
und Region
Auf dem Podium diskutierten zu diesem Thema Peter Vermeulen (Kulturdezernent
der Stadt Mülheim, CDU), Moritz Pankok (Mülheimer Künstler), Fabian Lettow
(Theatermacher), Peter
Landmann (Staatskanzlei NRW) und Prof. Dr. Hans Joachim Wagner (Kunststiftung
NRW). Moderiert wurde die
Diskussion von Hermann Theissen
(Deutschlandfunk)
Am 29.10.09: Aus der schönen neuen Welt – Obdachlose in
Deutschland und Mülheim
Lesung und Diskussion mit
Günther Wallraff. Moderiert wurde die Diskussion von Holger Bergmann (Ringlokschuppen).
Am 30.11.09: Kollektive
Kontroversen - Gemeinschaftliche Arbeitsformen im zeitgenössischen Theater
Im Rahmen des freien Theaterfestival Impulse diskutierten auf dem
Podium zu diesem Thema Alexander Karschnia (andcompany&Co., Berlin),
Alexander Kelin, Fabian Lettow, Mirjam Schmuck (kainkollektiv, Bochum), Matin
Bieri (Schauplatz International, Biel, CH) und Stefan Schroer (Theater Arbeit
Duisburg). Moderiert wurde die Diskussion von Regina Völz (WDR).
Am 17.12.09: Hommage an Hermann
Haber – Ein Abend mit Musik, Rezitationen & Gesprächen über den Mülheimer
Karikaturisten, Maler und Lokalpatrioten Hermann Haber
An diesem Abend wirkten die im Ringlokschuppen
arbeitenden Künstler Moritz Pankok, Mirjam Schmuck und Julia Dillmann
und Dr. Koos van Weringh (Experte für Karikaturen) mit. Moderiert wurde die
Veranstaltung von Claudia Saerbeck (Ringlokschuppen).
Bei allen
Veranstaltungen stand der Bezug zu Mülheim im Vordergrund. Unser Anliegen, die
politische und soziale Diskussion wieder in die Soziokultur zurückzuholen und
ihr einen festen Ort außerhalb von Parteipolitik zu geben, ist damit in
Erfüllung gegangen. Auch durch die offene Art der Gesprächsrunden und die Möglichkeit
der Einmischung kam es in vielen Fällen zu engagierten Auseinandersetzungen und
Diskussionen, die sich später in kleiner Runde fortsetzten. Damit sind wir mit
dem Resultat sehr zufrieden.
Nr. 72 Stephan US, Oliver Breitenstein, Ruppe Koselleck, Münster
– BürokARTie -Bürokratische Strategien und subversive Dienstleistungen
Das Projekt BürokARTie
wurde vom 30.10.2009 bis zum 09.11.2009 erfolgreich in einer leeren Büroetage
in Münster durchgeführt. Bereits im Vorfeld und Nachspiel wurden bürokratische
Aktionen Im Münsterland gestartet. Die Büroetage bildete jedoch das Herzstück
aller subversiven und bürokARTischen Strategien. Im Stadtzentrum Münsters und
war oberhalb der Deutschen Bank, die während des Ausstellungszeitraums mit
ihrem Umzug begann, war der Ort der Handlungen gelegen. Durch diese Auflösung
der klaren räumlichen Verhältnisse verirrten sich teilweise Menschen in den
BürokARTie Raum, weil sie eine Frage zum Konto hatten und wurden mit
künstlerischen Dienstleistungen konfrontiert. Dass diese „Irrläufer“ zu sehr
intensiven Ausstellungsnutzern transzendierten, war eine besondere
Überraschung, mit der nicht zu rechnen war. Eine plötzliche Begegnung mit
Kunst, die so aussieht wie Bürokratie –wie gewöhnliche Verwaltung – bewirkte
neben der Irritation eine nachhaltige Neugierde, weil die „Irrläufer“ sich zu
Wiedergängern entwickelten.
PARTIZIPATION
Neben den zehn
künstlerischen Positionen, die im Katalog näher beschrieben werden, gab es
einen Partizipationsteil - einen offen ausgeschriebenen OPEN CALL - der rege
genutzt wurde. An ihm beteiligten sich Teilnehmer aus dem ganzen Bundesgebiet
und dem benachbarten deutschsprachigen Ausland. Ihre Einreichungen wurden in
einem eigenen Teilbereich ausgestellt.
Einige Einreichungen
waren vom Niveau so hochkarätig, dass ihnen im Rahmen der Ausstellung ein
eigenes Forum für Vorträge und Performances geboten wurde. Beispielsweise
zeigten Damaris Lipke und Anetta Küchler-Mocny ihre Performance
„Menschenrechte“, zu der sie einen eigenen Abend gestalteten und der den Kreis
des erreichbaren städtischen Publikums deutlich erhöhte.
Herr Metzler hielt
einen Vortrag zum Thema „Löcher“, der im Anschluss zu regen Gesprächen und
Diskussionen im Publikum führte. Das besondere des Vortrages war, dass Herr
Metzler berufsbedingt sozusagen genuin bürokratisch war. Sein Interesse an
Löchern rührte aus seiner langwierigen Verwaltungstätigkeit für den
Landschaftsverband und dort insbesondere der Brückenüberwachung her. Gerade
sein pragmatischer und anthropologisch akzentuierte Vortrag über die Geschichte
des Lochers als Grundlage systematischer und bürokratischer Ordnung (und
Leere?!), führte zu kunstkontextübergreifenden Auseinandersetzungen und war
eine besondere Bereicherung für das BürokARTie Projekt.
Das Publikum hatte
jedoch während der Projektdauer weitere aktive Partizipations-möglichkeiten,
die sich aus der Natur der Kunstpositionen rund um bürokratische Vorgänge
ergaben.
So wurde Beschwerde-
und Antragsstelle rund um das Thema Bürokratie intensiv genutzt. Eine
„historische“ Schreibmaschine wurde bis an die Grenzen ihrer lärmenden
Belastbarkeit bespielt. Die ungerichteten und offenen Beschwerden flogen als
wertvolles Papierinventar im gesamten Ausstellungsraum, der sich über 10
unterschiedliche Einzelbüros und 300 m² ausdehnte.
Viele Besucher nahmen
die Gelegenheit wahr, Gegenstände im Büro für Nichts und Mehr annullieren zu
lassen, beantragten Gutachten zur ökologisch korrekten Entsorgung von Kunst bei
Art Erasa oder beantworteten Fragebögen ob sie Kunst ernst nähmen. Durch diese
interaktive Einbindung der Besucher unterschied sich das Projekt wesentlich von
einer herkömmlichen Ausstellung und erreichte so eine nachhaltige Einbindung
der Rezipienten in diverse Diskurse, wie am Beispiel der Feindlichen Übernahme
von BP deutlich wird.
Hier versucht der
Künstler einen Multinationalen Konzern über seinen Abfall zu schlucken, nämlich
den Teerresten, die an den Küsten angespült werden.
Aus diesen produziert
er Kunst um von deren Erlös die Aktienmehrheit an BP zu erwerben.
Der Besucher kauft
Kunst – und Koselleck einen Konzern.
Die Besucher wurden
durch die unterschiedlichen performativen Installationen wie dieser zum
wiederholten Besuch der Ausstellung angeregt, so dass einige Besucher häufiger
auftauchten, ihre Freunde mitbrachten, um zu überprüfen, ob der Konzern
geschluckt, die Welt annulliert oder die Kunst ernster als zuvor genommen wird.
NACHHALTIGKEIT
Die BürokARTie
Ausstellung konnte so zu einer Kommunikationsplattform etabliert werden, die
intensiv bis zum Ende der Ausstellung genutzt wurde.
Diese erwies sich als
ein ideales Forum zum Erwerb und auch Vertiefung kultureller Bildung.
So nutzen verschiedene
Münsteraner Schulen, das Angebot zur Kunstvermittlung, in dem sie mit ihren
Klassen die Künstler direkt in der Ausstellung besuchten und zu ihren Arbeiten
befragten.
Eine Besonderheit des Ausstellungsortes
war die gemeinsame Nutzung der Ausstellungsräume mit dem SATELLIT-KUNSTVEREIN.
Tags über wurden alle
zehn Räumlichkeiten der Büroetage von dem künstlerischen Vermittlungsprogramm
des ADKV als Schulungsräume „missbraucht“.
Gerade aber dieser
„Missbrauch“ - dieses Konzept des ARBEITEN IN ARBEITEN, des Kunstproduzierens
und Konzeptierens inmitten einer laufenden Ausstellung muss als besonders
nachhaltig in seiner erfahrungsorientierten Didaktik festgehalten werden.
Die Schülerinnen und
Schüler von drei städtischen Gymnasien, einer Haupt- und einer Realschule
erlebten eine Kunst, die zum Greifen nah war. Eine so niedrigschwellige
Vermittlung aktueller Kunststrategien führte zu einem persönlichen Kontakt, der
zur Inspiration für viele Schüler-Projekte wurde, die u.a. im
www.satellit-kunstverein.de oder auf Youtube einsehbar sind. Gerade hier bleibt
etwas zurück, was einen eigenständigen Zugang zur Kunst gelegt hat.
So bleiben einige
Schülerinnen fachaffin tätig, bewerben sich an Designhochschulen, Akademien und
Filmhochschulen. Hier konnten wertvolle Beratungsgespräche für Mappen und
Skizzen und Anlagen in den Ausstellungsbetrieb der BürokARTie elegant
integriert werden. Ein natürliches Interesse entsteht eben durch das
selbstverständliche DAZWISCHENSEIN in den zehn performativen Installationen,
die teilweise eigens für die Vermittlung und jenseits des täglichen
Ausstellungsbetriebes öffneten.
Eine Schülerarbeit
wurde sogar in den normalen Ausstellungsbetrieb integriert und war
ununterscheidbarer Bestandteil des Projektes geworden.
Durch intensive
Öffentlichkeitsarbeit wurde ein gutes Presseecho erreicht. So berichtete zum
Beispiel neben den Lokalmedien die Deutsche Presseagentur über das Projekt,
entstanden Filialen am Flughafen Osnabrück und sorgten so für eine große
Streuung des künstlerischen Vorhabens. Parallel zu der Büroetage in Münster und
am Flughafen wurde auch eine performative Zweigstelle der Transatlantischen
Allianz für Intrigante Interventionen in New York eröffnet. Auf Youtube finden
Sie noch heute Spuren des Ausstausches von deutschen Werbeflyern auf einem
fremden Kontinent.
Liste aller
beteiligten Akteure, Künstlerinnen und Künstler:
Künstler, Firmen und
ihre Büros:
Arterasa Group Int.
(Int.) - Kunstbereinigung
Brandstifter & Koselleck (New York/Münster) - Transatlantic Alliance for
intriguing Intervention
Oliver Breitenstein (Münster) - Büro für Kunstvermittlung
Freie Klasse München (München) - Hilfe Heilt Helfen
Heinrich Gartentor (Bern) - Büro für künstlerische Qualitätserfassung
Ruppe Koselleck (Münster) - Bodenstiftung
Matters of Appeareance (Hamburg) - Pausenraum
Robert Porth (Berlin) - Büro für Exp. LM
Matthias Schamp (Bochum und Berlin) - Evidenzbüro
Stephan US (Münster) - Büro für Nichts & mehr
Zusendungen und Einreichungen von:
Kascha B. Die Sekretärin
Lenka Clayton / James Price People
in order
Joe Dollmann Ring
of fire
Alexander Dragon Versicherungsgutachten
Raum für unkontrolliertes Leben
Ilse Ermen Kunstfreie
Zone
Doris Graf Pikträt
Thomas Judisch Lange nicht
gestrichen
Gerd Kock 30.
Februar
A.
Küchler-Mocny/Damaris Lipke Menschenrechte
Christin Lahr Artikel_Zero/Inter_Human_Rights
| Macht Geschenke 1 + 2
Karl Heinz Mauermann VERBergen
H.G. Metzler Vortrag
über Locher und Löcher
David Schöler Stempelperformance
Vera Stöckmann Differenziertes
Schreiben
Raimund Truxius Asterix als
Legionär
Susanne von Bülow Fensterbriefe
Andreas Weber, Andy
Strauss u.a. Zettelwirtschaft on
Stage
Markus Zürcher Muster
ohne Wert
Veranstaltungen
„BürokARTie“ in Münster
30.10. &
06.11.2009 “Die
Sekretärin“ Kascha B. (Kascha Borgmann)
03.11.2009 „Muster ohne Wert“
Markus Zürcher
04.11.2009 „Zettelwirtschaft
on Stage“ Andreas Weber & Freunde
05.11.2009 „Loch und Löcher“
Vortrag von H.G. Metzler
06.11.2009 „Menschenrechte“
Anetta Küchler-Mocny & Damaris Lipke
08.11.2009 „Kunstverbesserung“
Ruppe Koselleck & Oliver Breitenstein
Nr. 73 VIERPLUStheater, Münster - Freund Hein-100%
Tiefschlaf
Phase 1
Schreibgruppe für
Trauernde im Johanneshospiz Münster
Leitung: Ariane
Filius, Schreibpädagogin und ehrenamtliche Mitarbeiterin im Johanneshospiz
Beginn: Montag
19.10.2009, 18-20.30Uhr; insgesamt 10 Termine geplant
Idee und Ziele der
Schreibgruppe
Goethe schrieb „die
Leiden des jungen Werther“, um seine Selbstmordgedanken zu verarbeiten; Rilke
schöpfte aus seinen Depressionen die Kraft zur Poesie. Schreiben hilft bei der
Bewältigung von Krisen – das bezeugen nicht nur zahlreiche große Werke der
Weltliteratur. Erstaunlich viele Menschen greifen in schweren Lebenszeiten
intuitiv zu Stift und Papier und erfahren dadurch Hilfe. Und auch empirische
Studien zeigen die heilsame Wirkung des Schreibens, z.B. bei der Verarbeitung
von Traumata.
Das Erzählen und die
sprachliche Aufarbeitung helfen Menschen dabei, schwierige Erlebnisse in ihr
Leben zu integrieren und ihre Erfahrungen zu deuten. Das liegt u.a. an der
Strukturähnlichkeit und engen Verbindung unserer Sprache mit unseren Gedanken
und Gefühlen. Dieser heilsame Effekt des Erzählens wird intensiviert und
erweitert, wenn es in schriftlicher Form erfolgt. Quasi: Reden hilft; Schreiben
noch besser. (Darüber hinaus kann schreiben natürlich auch einfach ein Ersatz
für Reden sein.)
Die schriftliche
Betrachtung ist überdies ein Innehalten, eine Verlangsamung. Sie gibt
Gelegenheit, nach dem treffenden Ausdruck für etwas suchen – es in Worte zu
fassen und dadurch greifbar zu machen. Die Begegnung mit Krankheit und Tod
erfordert häufig, vieles im Leben neu zu formulieren. Als Schreibende brechen
die Betroffenen aus ihre Rolle der Schicksal-Ergebenen aus und nehmen eine
aktive Position ein: Sie werden Herr der eigenen Geschichte und verleihen den
Ereignissen Bedeutung. Menschen haben Bedürfnis nach Bedeutung.
Die ‚Schreibgruppe für
Trauernde und Hinterbliebene‘ bietet neben vielen verschiedenen Schreibimpulsen
und -methoden auch die Gelegenheit zum Austausch mit anderen Betroffenen.
Dieser Austausch wird mittels der geschriebenen Texte oft sehr bereichernd und
intensiv. Diese Erfahrung ist gerade für trauernde Menschen, die sich oft
isoliert und unverstanden fühlen, sehr wertvoll.
Ziele:
Die Teilnehmer mit
Hilfe des Schreibens dabei unterstützen, einen für sie gesunden Umgang mit ihrer
Trauer zu finden, indem…
…in der Gruppe die
heilsame Wirkung des (schreibenden) Erzählens genutzt wird sowie
-…die Teilnehmer
Methoden kennenlernen, die sie für sich selbst (ohne Gruppe und Anleitung)
nutzen können.
Den Teilnehmern durch
die Gruppenarbeit die Erfahrung der Zugehörigkeit und des Verstandenwerdens
vermitteln.
Konzept und Kursaufbau
Die Kursinhalte sind
in einem Spannungsbogen aufgestellt: Anfangs lernt sich die Gruppe kennen und
die Teilnehmer verorten sich im Hier und Jetzt (wo stehe ich gerade im Leben?
Was ist mir wichtig? Welche Menschen stehen mir bei?). Die intensive
Aufarbeitung der eigenen Trauergeschichte erfolgt dann in der Mitte des
Seminars; die Teilnehmer bekommen erstens die Gelegenheit, ihre Erlebnisse und
Erfahrungen detailliert zu schildern und zu einer zusammenhängenden Geschichte
zu machen. Zweitens geht es in der mittleren Arbeitsphase darum, die Beziehung
zu dem Verstorbenen (wieder) aufzunehmen, die Verbindung zu ihm zu spüren. Der
letzte Teil der Schreibwerkstatt berührt Sinnfragen und gibt Gelegenheit, die
Bedeutung von Tod und Abschied im eigenen Leben zu betrachten.
Idee und Ziele der
Zusammenarbeit mit dem Theaterprojekt Freund Hein
Im Anschluss an den
Schreibkurs wählen die TeilnehmerInnen einige der entstandenen Texte aus, die
dem Theaterprojekt als Recherche- und Arbeitsmaterial zur Verfügung stehen
dürfen. Einige dieser Texte sollen mit Illustrationen der Münsteraner
Künstlerin Linda Kasprowiak in einer Publikation gedruckt (anonym oder mit
Namen) oder/und in einer Lesung vorgetragen werden.
Dadurch bekommen
trauernde Menschen, die häufig unter Ausgrenzung und Schweigen leiden, in der
Öffentlichkeit Gehör. Unsere Gesellschaft wird angestoßen, über die
tabuisierten Themen Tod und Sterben ins Nachdenken und in den Austausch zu
kommen.
Sofern die
Schreibgruppen-Teilnehmerinnen dazu bereit sind, könnte sich auch ein
persönliches Gespräch zwischen ihnen und der Regisseurin Nelly Köster sowie mit
den Schauspielern ergeben.
Status Quo, Dezember
2009 - Kurzer Überblick:
Die Schreibgruppe
wurde Anfang Oktober 2009 in den lokalen Zeitungen und mit Handzetteln
angekündigt. Das Angebot richtete sich an alle Hinterbliebenen, die über ihre
Erfahrungen schreiben und sich in einer Gruppe austauschen wollen. Es waren 10
Treffen à 2,5 Stunden geplant; das erste Treffen fand am Montag, den
19.10.2009, statt. Es nahmen 5 Teilnehmerinnen (zwischen 50-80 Jahre alt) teil,
die seit dem die Kursabende regelmäßig besucht haben.
Teilnehmerinnen:
Drei der
Teilnehmerinnen sind erst vor wenigen Monaten verwitwet, das heißt die Trauer
ist sehr frisch. Für diese drei Frauen ist die Schreibwerkstatt das erste
Angebot, das sie zur Trauerbewältigung wahrnehmen. Bei den beiden anderen
Teilnehmerinnen liegen die Todesfälle einige Jahre zurück.
Zwei der
Teilnehmerinnen sind voll berufstätig, eine dritte Teilnehmerin ist noch
teilweise im Beruf. Zwei sind in Rente.
Status Quo:
In der
Vorweihnachtszeit zeichnete sich ab, dass sich mehrere Teilnehmerinnen stark
belastet fühlten. Dafür ließen sich mehrere Gründe finden:
Die Vorweihnachtszeit
ist zugleich eine vielbeschäftigte, aber auch emotional schwierige Zeit.
Die Trauerbewältigung
wird in den regelmäßigen Treffen neben der Berufstätigkeit (zusätzlich: in der
Weihnachtszeit) als sehr anstrengend erlebt. Besonders der Montagabend scheint
ein schwieriger Termin zu sein, weil die aufgewühlten Gefühle und Gedanken
tagelang nachklingen.
Zusätzliche
persönliche Belastungen (eine der Teilnehmerinnen pflegt eine behinderte
Schwester; eine andere Teilnehmerin hat einen krebserkrankten Sohn und ein
behindertes Enkelkind; Diagnose einer tödlichen Krankheit bei dem Hund einer
dritten Teilnehmerin)
Die Trauer ist bei
mehreren Teilnehmern noch so frisch, dass sie Zeiten von sehr akutem Schmerz
durchleben. Auch hier ist die Weihnachtszeit eine besondere Herausforderung.
An unserem achten
Treffen (14.12.) haben wir uns lange über die aktuelle Situation der einzelnen
Teilnehmerinnen unterhalten und festgestellt, dass mehrere Teilnehmerinnen es
als hilfreich empfänden, mit den Schreibabenden vorläufig zu pausieren.
Wir werden uns Mitte
Januar zu einem informellen Beisammensein treffen und gemeinsam überlegen, ob
wir die letzten beiden Termine durchführen wollen oder nicht. Wahlweise könnte
die Zahl der Treffen auch noch erweitert werden bzw. alternativ dazu würde sich
ein gemeinsamer Schreibtag anbieten. Dies wird nach dem Bedarf und dem
Empfinden der Teilnehmerinnen entschieden.
Ausblick:
Der weitere Verlauf
des Kurses wird sich also erst Mitte Januar klären. Aufgrund dessen verzögert
sich die Planung für eine Lesung und/oder Publikation der Texte.
Je nachdem wie sich
die Teilnehmerinnen entscheiden, wird der Kurs eventuell schon Mitte bis Ende
Januar oder aber erst Anfang bis Mitte Februar abgeschlossen. Danach müssen die
Texte ausgewählt, kopiert, abgetippt und für eine Lesung zusammengestellt
werden. Weiterhin muss eine kurze Zeitspanne für die Vorbereitung der Lesung
sowie die öffentliche Ankündigung eingeplant werden. Die Lesung kann also nach
momentaner Einschätzung frühestens Ende Februar stattfinden.
Nr. 75 Druckluft e.V., Oberhausen – Schließfächer
Das Kulturzentrum
Druckluft besteht seit 30 Jahren. Im Rahmen einer Neuausrichtung und Öffnung
des Zentrums in den Stadtteil Lirich wurde im September 2009 unter anderem eine
Jugendtheatergruppe gegründet. Auf einige Aushänge meldeten sich direkt mehrere
Jugendliche im Alter zwischen 12 und 25 Jahren, um mit der Theaterpädagogin
Anna Koch und dem Regisseur und Bühnenbildner Moritz Pankok ein Stück mit dem
Titel „Schließfächer“ zu erarbeiten. Die Jugendtheatergruppe „Theater LUFT“ des
Kulturzentrums Druckluft war geboren. Bis zu den vier Aufführungen blieben acht
Jugendliche im festen Kern dabei, die dann auch zum Ensemble von
"Schließfächer" wurden.
Die Gruppe traf sich einmal
wöchentlich zumeist in der kleinen Bewegungshalle des Kulturzentrums, einer
alten Werkstatt der stillgelegten Kohlezeche nahe des Oberhausener
Hauptbahnhofs. Der Titel „Schließfächer“ gab einen sehr groben Handlungsrahmen
vor. Die Schließfächer als zentraler Teil des Bühnenbilds, die wir später von
der Deutschen Bahn in Frankfurt ausgeliehen haben, waren noch nicht vor Ort.
Zunächst arbeiteten
die Jugendlichen mit Kartons und sammelten in Improvisationen zum Thema
Geheimnisse ein ganzes Kaleidoskop an individuellen Geschichten, die sich alle
im Umfeld des Oberhausener Hauptbahnhofs hätten ereignen können. Aus den
Improvisationen entwickelten sich wiederkehrende Figuren, die zum Teil nahe an
den Biografien der SchauspielerInnen waren. Andererseits stellte sich in den
Proben heraus, dass sich viele Dinge im Leben von Menschen recht willkürlich
ereignen und Begegnungen und Bekanntschaften offenbar gerade am Bahnhof dem
Zufall überlassen sind. Möglichkeiten werden nicht erkannt, und hinter dem
ersten Eindruck einer Person, verbirgt sich häufig etwas völlig anderes als man
erwartet hätte.
Mit den „echten“
Bahnhofsschließfächern bekam die Produktion ihren physischen Hintergrund. In
einem gemeinsamen Prozess haben wir die improvisierten Szenen zu einem Geflecht
verknüpft.
Bei fast allen Proben waren alle Teilnehmer vollständig anwesend, so dass die
Proben von gegenseitiger Kritik und Unterstützung geprägt waren. Zum
30-jährigen Jubiläum des Drucklufts präsentierte Theater LUFT eine Werkschau
vor Publikum - mit der ersten Hälfte von „Schließfächer“. Der Erfolg dieser
Werkschau war eine große Motivation für die weitere Arbeit. Die Premiere wurde
auf Wunsch der Teilnehmer verschoben, um eine Woche der Weihnachtsferien
intensiver Probenarbeit zu widmen.
In dieser Zeit war das Kulturzentrum eigentlich geschlossen, so dass wir häufig
mit widrigen Bedingungen zu kämpfen hatte: Mal fiel die Heizung aus, mal waren
Räume verschlossen, mal wurde in die Bewegungshalle eingebrochen und Requisiten
entwendet. Trotzdem oder gerade deshalb gab es einen großen Zusammenhalt. Die
sehr unterschiedliche Zusammensetzung der Gruppe (Alter, Herkunft,
Bühnenerfahrung), die leicht hätte zu Schwierigkeiten führen können, machte
wider Erwarten eine besondere Stärke des Teams aus. Die schüchternen
TeilnehmerInnen wurden durch die selbstbewussten zu einem sichereren
öffentlichen Auftreten motiviert. Gerade hier ist eine schnelle Entwicklung der
Jugendlichen zu beobachten.
Zusätzlich zu den
Proben wurde, angeleitet von Moritz Pankok, ein Bühnen und Lichtkonzept, unter
ehrenamtlicher Beteiligung einzelner Jugendlicher aus der Theatergruppe,
entwickelt. Neben Workshops zur Veranstaltungstechnik, wurde auch das
tatsächlicher "Bühnebild" aber auch die gesamte Lichtinstallation
geplant, kostenfrei an verschiedenen Stellen ausgeliehen, sowie auf- und
abgebaut.
Auch beim Auf- und
Abbau der Tribüne gab es durch bürgerschaftliches Engeagement tatkräftige
Unterstützung, sowie auch wiederum kostenfreie materielle Unterstützung in dem
Fall vom Ringlokschuppen in Mülheim.
Für die Premiere am 9.
Januar 2010 verwandelten wir die Bewegungshalle erstmalig in ein kleines
Theater mit 50 Plätzen. Obwohl diese Halle einen sehr eigenen Charme hat, wird
das Stück noch bei Gastspielen im Theater Oberhausen und evtl. auch in Mülheim
zu sehen sein. Die 1650kg schweren Schließfächer sind durchaus mobil und die
Jugendlichen höchst motiviert. Die nächste Produktion von Theater LUFT, „Was
ist eigentlich aus Akiv geworden?“, ist schon in Planung.
Nr. 76 Cobra – die
Provinz lebt, Solingen - Jugendmusiktheaterensemble Trying
Babylon -
Projekt: Wir sind Weber - Ein
schulübergreifendes Theaterprojekt
Projektdauer: Oktober
2009 bis Februar 2010
Projektträger: Als kulturpädagogische Facheinrichtung konzipiert und
organisiert der Verein im Kommunikationszentrum „Cobra“ im Bereich kultureller
Bildung Projekte für Kinder, Jugendliche und Erwachsene, soziokulturelle
Projekte, Weiterbildung sowie Veranstaltungen. Ziel war und ist es, den
kreativen, verantwortungsvollen und selbständigen Umgang mit Musik, Kunst,
Theater und Medien zu unterstützen. Im Mittelpunkt stehen die Förderung der
Gesamtpersönlichkeit, die Auseinandersetzung mit aktuellen künstlerischen und
gesellschaftlichen Entwicklungen, die Arbeit mit Mädchen und Jungen sowie die Integration
ethnischer, religiöser und sozialer Gruppen.
Projektidee:
Ausgang und Anliegen
des Projektes „Wir sind Weber“ war es, vor dem Hintergrund von Weltfinanz- und
Wirtschaftskrise und des drohenden Klimawandels die jugendlichen
Teilnehmerinnen und Teilnehmer in der Auseinandersetzung mit dem historischen
Drama „Die Weber“ ihre eigene Stellung in einer krisenbehafteten Welt zu
hinterfragen und darüber anzuregen, über ihre eigene Zukunft nachzudenken .
Dabei sollte zugleich mit der Beschäftigung der sozialen Krise des 19.
Jahrhunderts, neben dem Theaterspiel, ein Zugang zur historisch bzw. politischen
Bildung eröffnet werden.
Zielgruppe und
künstlerisches Team:
Zielgruppe
des Projektes waren jungen Menschen zwischen 14 und 18 Jahren aus allen
Schulformen, mit und ohne Migrationshintergrund, Behinderte sowie
Nichtbehinderte.
Für die
Projektumsetzung arbeiteten zwei Regisseure als künstlerische Leitung, ein Choreograph,
zwei Musiker und ein Politologe mit dem Jugendensemble zusammen. Arbeitsansatz
war es mit Hilfe eines vorgegebenen Themas eigene Szenen durch den Einsatz von
Improvisationstheatertechniken zu erarbeiten.
Aufbau der
Projektarbeit:
Begonnen
hatte das Projekt mit einem intensiven Theaterworkshop in den Herbstferien vom
12. – 17.10.2009. Die Woche war nach Themen und Arbeitsschritten konzipiert, in
denen alle Dozenten mit der Gruppe zusammenkamen und die Jugendlichen mit allen
Aspekten des geplanten Theaterstückes konfrontiert wurden.
So
stand am ersten Tag, der thematisch mit Zukunftsvisionen überschrieben war,
Improvisationstechniken, Musik und Stimmübungen auf dem Arbeitsplan. Am zweiten
Tag wurde die Gruppe mit dem Drama „Die Weber“ von Gerhard Hauptmann vertraut
gemacht. Des Weiteren folgten Übungen in den bereichen Tanz, Text und Musik.
Der Mittwoch
stand hingegen der sonst eher künstlerischen Schwerpunktsetzung ganz im Zeichen
der historischen und politischen Bildung. Es wurden Finanz- und
Wirtschaftskrise und der Klimawandel thematisiert, sowie ein in der Nähe
angesiedeltes Industriemuseum besucht.
Eine
Führung durch das Museum half die Lebensweise der Menschen ab der Hälfte des 19.
Jahrhundert konkret in Solingen besser zu verstehen. In dieser Zeit kam es nach
und nach auch im Schneidwarenbereich zum Übergang vom Produktionssystem des
Verlagswesen, bei dem heimarbeitende Schneidwarenproduzente ihre Produkte über
einen Fabrikbesitzer verkaufen mussten, zur industriellen Produktion. Für den
Weberaufstand in Schlesien, dass zu dieser Zeit wie Westfalen zu Preußen
gehörte, gab es Widerstände der Verlagsarbeiter aufgrund der Hungerlöhne gegen
die Maschinenfabriken, die ihre Existenz noch stärker zu gefährden schienen.
Auch in Solingen, so eine Parallele, kam es im März des Revolutionsjahres 1848
zur Maschinenstürmerei, in dessen Verlauf zwei Eisengießereien zerstört wurden.
Die Facharbeiter hatten einfach Angst vor Arbeitsverlust durch den Einsatz der
dort installierten Maschinen. Neben dem Verstehen der jeweiligen historischen
Arbeits- und Lebensbedingungen sollten auch Paralellen zwischen den Entwicklungen
von damals und heute aufgezeigt werden. Zum Beispiel darin, dass auch in Zeiten
der Globalisierung „Hungerlöhne“ gezahlt werden, wo es keinen Schutz der
Arbeitnehmer gibt. Das vielleicht auch heute hierraus soziale Unruhen, aber in
einer anderen Form, entstehen können, wurde als Möglichkeit in das Stück „Wir
sind Weber“ mit aufgenommen. So erreicht in dem Stück die Meldung über einen
Flashmob, der zunächst friedlich dann aber in Gewalt umgeschlagen ist, via
Fernshen die junge probende Schauspielgruppe. Erstaunlich ist die Tatsache,
dass dieses von zwei Schülerinnen erdachte Szenario kurz nach Premiere des
Stückes im Februar als reale Nachricht über ein derartiges Vorkommen in Philadelphia
– USA im März durch die Presse ging. Bei diesen Ereignissen trugen die
Schwarzen Angreifer aus den Armenvierteln der Stadt die Gewalt in die „weißen“
wohlhabenden Stadtviertel.
In
den beiden anschließenden letzten Tagen des Workshops kam es nun darauf an, die
eigenen Zukunftsentwürfe, die Erfahrungen aus den aktuellen Krisen mit dem
Stoff des historischen Dramas zu verknüpfen. „Wir sind Weber“ spielt mit seinem
Titel letztendlich darauf an, das hier „die Jugend“ in aktuell
krisengeschüttelter Welt sich Gedanken über ihre Zukunft macht und
dementsprechend handelt.
Anschließend
an diese intensive Woche fanden wöchentlich regelmäßig Probestunden statt.
Im
weiteren Verlauf arbeiteten die Dozenten mit Hilfe einer Synopse an der
Struktur des Stückes. Die Synopse, bei der auf der einen Seite die Struktur des
Dramas „Die Weber“ in seinen 5 Akten und auf der anderen Seite di e sich
abzeichnenden Struktur des eigenen Stückes „Wir sind Weber“ gegeneinander
aufgeführt war, half, aus den vielen unterschiedlichen von den jungen
Teilnehmenden erarbeiteten Texten, Spielzsenen sowie den eingeübten Musik und
Tanzeinlagen, eine eigene theatralische Erzählung zu gestalten. Obwohl nicht
alle Texte Eingang in die Produktion fanden, zeichnete sich die Textarbeit der
Schülerinnen und Schüler durch sehr viel Kreativität aus, bei dem die Informationen
aus der Workshopwoche mit eigenen Fantasien und Überlegungen kombiniert wurden.
Im weiteren Verlauf enfernte man sich von der Struktur des Hauptmann Dramas,
sodass der Zuschauer keinen Zusammenhang allein anhand des Stückaufbaus mit dem
Drama „Die Weber“ erkennen kann.
Medienberichterstattung:
Premiere
des Stückes war am 21. Februar 2010 Eine weiter Aufführung für Schulklassen
folgte am 23. Februar im Theater. Die Resonanz der Zuschauer war sehr gut. Die
örtliche Presse berichtete vor und über die Premiere in ausführlichen
Berichten.
Dokumentation:
Die
Proben sowie die Premiere wurden fotographisch und videotechnisch dokumentiert.
Hierzu hat eine beauftragte Videoeditorin eine CD-Dokumentation erstellt.
Wettbewerbe:
Nach
Ende der Produktion nahm Trying Babylon bei dem Theaterwettbewerb im Rahmen der
13. Walder Theatertagen in Solingen teil. Hierfür traf sich die Gruppe im
Vorfeld nochmals, um in einer verdichteten und komprimierten version das Stzück
in einer 20 minütigen Aufführen am 2. Juni 2010 vorzustellen.
Des
Weiteren hat sich Trying Babylon mit dieser Produktion beim Jugend Kultur Preis
Festival NRW und Ruhr 2010 beworben.
Résumé:
Sowohl
die schulformübergreifende Zusammenarbeit sowie der integrative Ansatz haben
sich bewährt. Es ist sehr gut möglich mit heterogenen Gruppen gute Ergebnisse
zu erarbeiten . Mit dem Angebot unter Anleitung professioneller Teamer sich mit
Theaterspieltechniken, Musik bzw. Gesang, Tanz und Textarbeit zu befassen,
ermöglichte es den Schülerinnen und Schülern vielgestaltige Ansätze
ästhetischer Bildung wahrzunehmen. Hinzu kam eine Auseinandersetzung mit
aktuellen und historischen Ereignissen im Rahmen der eingefügten politischen
Bildung. Mit dem Besuch im Industriemuseum hat Trying Babyllon erneut einen
Partner für seine Arbeit mit den Jugendlichen gewinnen können. Die Führung im
Museum wurde der Gruppe kostenlos angeboten. Weitere Partner waren die Stadt
Solingen und das Theater Solingen. Mit 28 Jugendlichen im Alter von 14 bis 17
Jahren war „Wir sind weber“ eine auserordentlich gut besetzte und erfolgreiche
Produktion. Die große Resonanz die die Arbeit von Trying Babylon unter den
jungen Leuten erfährt, kann für die weitere Arbeit genutzt werden. Trying
Babylon ist in diesem Sinne eine prosperiende Erfolgsgeschichte.
Nr. 82 Unter Wasser
fliegen e.V. - Lyrik-Clips! - Videolyrik-Projekt im (Jugend)Strafvollzug und
mit gefährdeten Jugendlichen
Lyrik-Clips! ist ein
interkulturelles Kunst und Kulturprojekt im Bereich Justizvollzug und
Gefährdetenhilfe. Zu vorgegeben oder selbst geschriebenen poetischen Texten
wurden nach der
Methode der
kollektiven Kreation mit den Medien Bewegungstheater und Video kleine
Performances aus kurzen Theater- und/oder Videosequenzen erarbeitet. Die
kreative Arbeit der über 10 Projektgruppen fand an der Schnittstelle zwischen
kultureller Bildung und künstlerischer Kreation statt.
Die unter
professioneller Anleitung erarbeiteten Ergebnisse werden in unterschiedlichen
Zusammenhängen präsentiert. Zum Beispiel im Rahmen des Ruhr 2010 Projektes
„Schattenkultur, einem Ausstellungsprojekt im Alten Hafthaus Moers (2. Mai–27.
September 2010), im Rahmen der Local Heroes Woche in Schwerte (23. August–3.
September 2010) sowie in verschiedenen Hafthäusern und Jugendeinrichtungen.
Dadurch wird ein Dialog zwischen den kulturellen Welten, zwischen innen und
außen, drinnen und draußen initiiert und zur Diskussion und Auseinandersetzung
mit dem Thema „Freiheit und Freiheitsentzug“ angeregt. Für eine kurze Zeit
werden so die Grenzen zwischen Individuum und Außenwelt auf ungewöhnliche Art
und Weise überschritten.
Unter Wasser fliegen
1986, ist ein Verein für internationalen Kulturaustausch. Seit der Gründung
1986
steht der kulturelle
und kulturpädagogische Transfer in den Bereichen darstellende und bildende
Kunst, Musik und Literatur im Mittelpunkt der Aktivitäten. Arbeitstreffen
zwischen europäischen und außereuropäischen Ländern zu verschiedenen
Themenstellungen gehören genauso zu den
Schwerpunkten wie eine
fortlaufende Akademie mit Gastspielen, Konzerten, Workshop- und
Weiterbildungsangeboten.
In diesem Rahmen kommen auch diverse Eigenproduktionen zur
Aufführung. Inzwischen
hat der Verein ein breites Netzwerk sowohl auf lokaler als auch auf
transnationaler Ebene aufgebaut, so dass einzelne Projekte immer auch auf Basis
von Kooperationen
mit anderen
Einrichtungen und unter Einbeziehung von professionellen Künstlern und
Künstlerinnen
aus anderen Länder
umgesetzt werden.
Die Projekte von Unter Wasser fliegen wurden bisher gefördert u. a.
durch: die Kommission der Europäischen Gemeinschaft, das Land
Nordrhein-Westfalen, das Auswärtiges Amt, die Stadt Wuppertal, NRW Kultur
Sekreteriat Wuppertal, Entimon Fonds der Bundesrepublik Deutschland, Fonds
Darstellende Künste, Fonds Soziokultur, LAG Soziokultureller Zentren, Heinrich Böll
Stiftung, British Council, Französische Botschaft, Kolumbianische Botschaft,
Botschaft von Peru und
Simbabwe, Initiative für Demokratie und Toleranz e. V., Bündnis 90 die
Grünen, WDR 3, Hessischer Rundfunk, Stiftung Netzwerk Unterbarmen, Regionale
Kulturförderung, Stadtsparkasse Wuppertal.
www.unter-wasser-fliegen.de
Die Reihe Lyrik-Clips
wird gefördert von
Tag für Tag – TagTräume
Lyrik-Clips! aus der JVA Schwerte
Sich hinausträumen aus
der Zelle … Geschichten, Lieder, Bilder, die vor dem wachen Auge vorbeiziehen
... Die Zeit ist unendlich … die Gedanken wandern … bis die Alltagsgeräusche
einen zurückholen … zurück ins Hier und Jetzt … hinter verschlossene Türen und
vergitterte
Fenster. Sechs kleine
Performances aus kurzen Theater- und Videosequenzen sind in Zusammenarbeit mit
dem Verein Unter Wasser fliegen im Rahmen eines Schulprojektes an der JVA
Schwerte entstanden: Der Violinspieler, Afrikanische Seele, Fesseln, Heroin,
Wenn ich einmal rauskomme, Die Wolke … sie alle nehmen uns mit in die geheimen Welten
der Gefangenen. Welten, in denen die Schatten der Vergangenheit ruhelos
wandern, in denen Wünsche und Hoffnungen
wie Lichtblitze
vorbeischießen oder wo man sich einfach nur auf eine Wolke legt und wegfliegt.
Meine Jugend habe ich nicht gelebt, leichtsinnig
habe ich einen schlechten Weg gewählt.
Virtual escape
Lyrik-Clip! JVA-Bochum
„Die Freiheit als
Vision, aber als eine, die Geduld, Warten, Aushalten erforderlich macht. Eine,
die sich elendig lange dahin schleppen wird, eine Vision als gedehnte Sehnsucht
bis zum Augenblick des „Entschlusses“ – Tage, Wochen, Jahre nach dem
„Einschluss“ . Das werden oder sind gezählte Jahre, Monate, Wochen, Tage und
Nächte, Stunden, Minuten, Sekunden. Haft. Haften. Kleben. An was – wofür – wozu
-?...“ (Jörg Berger)
Virtual Escape bildet
den Epilog eines Theaterstückes zum Thema Grenzen, das der Regisseur und
Schauspieler Burkhard Forstreuther in Zusammenarbeit mit dem Fotografen und
Videokünstler Jürgen Diemer gemeinsam mit erwachsenen Strafgefangenen in der
JVA Bochum erarbeitet hat. Gezeigt werden Sequenzen, die jeden Akteur in die
außer – knastische Wirklichkeit gebeamt haben.
Ausgehend von der
Erfahrung gefangen und innerhalb eines begrenzten definierten Regelsystems zu
leben entstand das
Bedürfnis eine Phantasiewelt zu schaffen, in der es keine Grenzen gibt.
Erinnerungen an Orte,
Plätze und Situationen schaffen den Rahmen, innerhalb dessen nachgedacht
und bestehende
Denkgrenzen durchbrochen werden können, in dem Vergangenheit mit Wünschen und
Reflexionen über die Zukunft konfrontiert werden
Mauern sprengen und raus an den Strand
Schatten der Vergangenheit
Lyrik-Clips! aus der JVA Schwerte
Ein weißes Blatt im
Kopf und 4/4-Takt als gemeinsamer Nenner, das ist die Basis der Rap-Clips, die
junge Häftlinge und gefährdete Jugendliche, die mit einem Bein schon im
Gefängnis stecken entwickelt haben. Ihr Thema: Ihr Leben und all das was darin
bisher schief gelaufen ist. Reflektionen, die in Musik münden, denn Sprache ist
Musik. Rapoetry wird erst durch das Sprechen lebendig, ganz im Sinne der
Tradition gesprochener Literatur. Erweitert um die visuelle Dimension, Bilder
von den Rapoeten selbst erfunden und umgesetzt, erzählen diese kurzen Texte
ganze Lebensgeschichten.
Ich tippe dich an um dir zu sagen:
Sam, es tut mir leid, all die Jahre…
Ich habe viel Scheiß gebaut,
viel ist passiert. Du gibst mir noch ne Chance
Ich hab’s kapiert! (Lu)
Was willst du machen,
wenn das Leben dich f…
Du möchtest rennen,
doch dann siehst du deine Kehle im Strick.(Jack)
Ich spüre gar nichts
mehr, fühl nichts,
nur wie sich Hoffnung
hier verliert.
An diesem trostlosen
Ort, in diesem trostlosen Leben
schreib ich trostlose
Texte um mir selbst Trost zu geben. (Rico)
ch werd’ es dir mit
meinen Worten
sagen:
Ich bin der Ambos und
bin geduldig,
Du bist der Hammer und
schlägst nur
zu … (Kevin)
Hier sind zwei Jungs ohne Vater groß geworden
und der Stiefvater schreit, wir sind beide verdorben. Täglich dieser Stress mit
diesem Mann Und wenn er nicht mehr reden kann,
kommen seine Fäuste dran
Meine Maske begleitet…
Lyrik-Clips! aus der JVA Siegburg
Ein Maskentanz, ein
Rap, Fragmente eigener Texte … Antwortversuche auf die stetige Frage nach dem
„Wer bin ich?“ Die Masken offenbaren unmittelbar und authentisch die
Befindlichkeit ihrer Träger. Trauer, Schmerz, Verletzungen werden genauso
sichtbar wie die Suche nach der eigenen Identität, den eigenen Wurzel, der
Balance auf dem Drahtseilakt des Lebens. Mit Herzblut tanzen, singen und
sprechen diese jungen Männer und man spürt deutlich wie gerne sie ihr wahres
Gesicht hinter den Masken enthüllen würden.
Der Maskenclip
entstand in Zusammenarbeit mit dem Verein Unter Wasser fliegen e. V. im Rahmen
des Projektes, das von Oktober 2009 bis März 2010 unter der Leitung der
evangelischen Seelsorgerin Angelika Knaak-Sareyko mit jungen Gefangenen der
Justizvollzugsanstalt Siegburg durchgeführt wurde.
Der Knast hat einen bösen Schatten vor meine
Augen gesetzt.
Blutige Wut
Rap Tracks
Lyrik-Clip! CVJM Wuppertal Oberbarmen
Seit Mai 2009 arbeiten
wir mit wechselnden Jugendgruppen im CVJM Oberbarmen. Ein Lyrik-Clip! zum Thema
Grenzen, zu einem von der Gruppe verfassten Text verbunden mit darstellerischen
und tänzerischen Elementen ist entstanden. Der Titel „Blutige Wut“. Mit einer
weiteren Gruppe sind diverse Rap Tracks aufgenommen, die aber auch Life zur
Aufführung kommen. Filmarbeit mit der Handkamera wurde auch sehr intensiv
betrieben. Diese Ergebnisse weisen noch einen etwas
fragmentarischen
Charakter auf, da die Teilnehmer/innen oft wechseln und auch schwer
zusammenarbeiten können. Die Jugendlichen werden aber weiterhin auch in die
internationale Netzwerkarbeit von Unter Wasser fliegen einbezogen.
Dafür gibt es keine Strafe
Lyrik-Clip! Wuppertal - Stadtteilbüro Rehsiepen
Vom 12. September 2009
bis zum 17. März 2010 haben wir in der Regel mittwochs von 18:00 – 21:00 Uhr
für das Projekt Lyrik-Clips die Räumlichkeiten des Stadtteilbüros Rehsiepen
genutzt. Die Aufgabe war, mit den dortigen Jugendlichen, die teilweise über das
Jugendamt zugewiesen wurden,
ein niedrig
schwelliges kulturelles Angebot durchzuführen. Diese Aufgabe war in der
geplanten Form nicht durchführbar, da wir nur sehr schwer Zugang zu der
Zielgruppe finden konnten und auch, wo denn dies gelang, keinerlei Interesse an
Kulturarbeit und kreativem Tun bei ihnen wecken konnten.
Trotzdem waren ihnen
die Mittwochs-Treffen sehr wichtig und unser mehrmaliges Angebot, diese
einzustellen wurde vehement abgelehnt.
Als Ergebnis des
Projektes sind zwar keine Lyrik-Clips entstanden, sondern:
Einen kleinen
Video-Clip „Die 10 Gebote“, den wir im Rahmen der No Clip Reihe „GOTT“ des
Medienprojektes
Wuppertal durchgeführt haben
Einen Dokumentarfilm
„Dafür gibt es keine Strafe“, mit Interviews und Bildstrecken aus dem
Alltag der
Jugendlichen
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Münster, 26. Juli 2010