Bericht über die Projektmittel 2009 der Landesarbeitsgemeinschaft Soziokultureller Zentren Nordrhein-Westfalen (LAG NW)

 

Inhalt

1. Gesamtübersicht

2. Darstellung der einzelnen Projekte

 

Zu 1. Gesamtübersicht

 

Die LAG NW hat 2009 mit den Mitteln des Ministerpräsidenten/ der Staatskanzlei des Landes Nordrhein-Westfalen 39 Projekte von 31 Zentren/ Initiativen und KünstlerInnen gefördert. Es gab insgesamt 85 Anträge von 68 Zentren/ Einrichtungen/Initiativen/KünstlerInnen mit einem Gesamtkostenvolumen von 1.545.810 € und einem Zuschussbedarf von 525.063 €. Der Beirat hat in zwei Sitzungen und einem Mailverfahren für Nachrücker über die Anträge befunden und die obengenannten 39 Anträge bewilligt. Diese Ergebnisse wurden auf den jeweiligen LAG NW Tagungen vorgestellt, diskutiert und letztendlich entschieden.

Nach der Abrechnung betrugen die Gesamtausgaben der geförderter Projekte 513.499,18 €. Dabei betrug der Anteil des Landes mit 130.000 € = 25,32 %. Insgesamt wurde 6 Projekte mit 5.000 € und mehr gefördert. 22 Projekte erhielten 3.000 € und mehr und 11 Projekte wurden jeweils mit weniger als 3.000 € aus Landesmitteln finanziert.

Die Leistungen Dritter (vor allen Dingen der Kommunen) betrugen 200.700,-- €, das entspricht 39,08 %. Die Leistungen der Kommunen waren jedoch weit höher, denn sie sind entweder Bestandteil innerhalb einer direkten Kooperation und/oder Bestandteil der Zuschüsse zu den Betriebs- und Programmkosten der jeweiligen Zentren. Auf der anderen Seite sind hier auch Landesmittel enthalten, die von anderen Stellen bewilligt worden sind. Die Eigenleistungen einschl. Eintritte der Träger lagen insgesamt bei 182.709,18 €. Das sind 35,6 %.

Die Gesamtkosten erhöhten sich um den Betrag von 6.774,18 €, das entspricht 1,34 % % Abweichung vom ursprünglichen Kostenplan.

Grundsätzlich haben die Zentren in allen Kunst- und Kultursparten (Musik, Theater, Literatur, Medien) sowie spartenübergreifende Projekte durchgeführt. Tendenziell sind die Projekte in erster Linie der Stadtteilarbeit, der Kulturpolitik und dem Kinder- und Jugendbereich zuzuordnen.

 

 

Zu 2. Darstellung der einzelnen Projekte

 

Erstes Halbjahr 2009

 

Nr. 1 Schuhfabrik, Ahlen – In die Jahre gekommen

 

Projektentwicklung

Auf der Grundlage des Projektantrages wurde auf der gemeinsamen Jahrestagung des Vereins und der MitarbeiterInnen Mitte Januar 2009 das Jubiläumsprogramm konkretisiert. Die 25 Anwesenden entschieden sich für den Projekttitel „zeit-los“. Die gemeinsame Beratung und die damit verbundene Aneignung der Projektidee führten letztlich zum Gelingen des Gesamtprojektes. An diesem Wochenende wurde viel über die Gründungsideen, die Entwicklung in den vergangenen 25 Jahren, die verschiedenen Erlebnisse Einzelner in dieser Zeit und über Erklärungsmodelle für Organisationsphasen gesprochen. Diese Ausgangsbasis beeinflusste im weiteren Projektverlauf besonders die Rahmenveranstaltungen.

 

Projektbeschreibung und Darstellung der einzelnen Bausteine

Im Jubiläumsmonat Mai ging es uns darum das gesamte Spektrum der unterschiedlichen Veranstaltungen in der Schuhfabrik zu zeigen und in einem Programmheft mit überregionaler Verteilung zu präsentieren. Es ging uns bewusst nicht darum „große Namen“ einmalig für ein Jubiläum zu verpflichten, sondern die Vielschichtigkeit des Programmangebotes der Schuhfabrik zu verdeutlichen. Mit einer Auflage von 2.500 Stück und einem außergewöhnlichem Verschickungsaufwand erreichten wir mit dem aufwendig gestalteten Programmheft ein großes Einzugsgebiet und ungewöhnlich viele mögliche Interessierte. Letztlich sind dies nicht alles Gäste der Veranstaltungen, aber der Imagegewinn ist immens.

 

Das Ausstellungsprojekt

In der Zeit vom 13. Mai bis zum 13. Juni wurden Arbeiten von Annegret Soltau, Katharina Monka, Annet van der Voort, Lenka Clayton und James Price, Rabea Eipperle und Stephan US in der etage eins präsentiert. Leider musste kurzfristig eine Umbesetzung bei den ausstellenden KünstlerInnen erfolgen. Die im Programmheft angekündigte Arbeit von Camille Norment war nicht verfügbar. Dafür sprang die Künstlerin Katharina Monka aus Münster mit der Nachbildung eines menschlichen Rückens in einer Vitrine und als eine Vertreterin der Objektkunst, ein. Die gesamte Ausstellung fand auf zwei Etagen und in einem großzügigen Rahmen statt. Die einzelnen Objekte fanden ausreichend Platz und konnten auf dieser Fläche gut wirken.

Der Ausstellungseröffnung wurde bewusst mit dem offiziellen Empfang zum Jubiläum verbunden. Neben Vereinsmitgliedern und zahlreichen NutzerInnen des Hauses kamen als BesucherInnen auch Vertreter der Parteien und eine Gruppe von älteren kunstinteressierten Menschen, die sich regelmäßig zum Kulturstammtisch treffen. In dieser Atmosphäre kam es zu Kontakten und lebhaften Gesprächen mit den vier anwesenden Künstlerinnen.

Bereits am Vorabend der Eröffnung hatten die Vereinsmitglieder die Gelegenheit zum Preview und zum Gespräch mit dem Ausstellungsmacher Stephan US. Diese Gelegenheit wurde gut genutzt und selten endete eine Jahreshauptversammlung so gelöst und mit so viel Spaß, was eindeutig an der Ausstellung lag.

Insgesamt erzielte die Ausstellung eine gute Beachtung. Dies lag besonders an den provokanten Arbeiten von Rabea Eipperle, die zu teilweise heftigen Diskussionen führte. Die Reaktionen reichten von „ihr zeigt nichts Neues, sondern das ist alles schon dagewesen“ bis hin zu „wir bestehen darauf, dass wir andere Räumlichkeiten für unsere Kindergruppen erhalten oder diese Ausstellungsteile müssen an den kommenden Montagen zugehängt werden“ reichten die Reaktionen. Die Darstellung von nackten Männern scheint immer noch ein Tabu zu sein. Die Leitungspersonen, der in unseren Räumen stattfindenden Integrationskursen, zeigten sich ängstlich, ob sie dies ihren Teilnehmerinnen und besonders den muslimischen Frauen zumuten können. Und wir hörten in diesem Zeitraum ein häufiges Kichern vor den Bildern …

Gerade die Niedrigschwelligkeit unserer Ausstellungsräume stellt die Besonderheit dar. Hier werden Menschen mit Kunst konfrontiert, die wahrscheinlich nicht oder nur selten in Museen gehen.

Das Erinnerungszimmer stellte für die Ahlener aber einen ganz besonderen Teil dieser Ausstellung dar. Hier war der Ort sich die alten Geschichten zu erzählen, sie auszutauschen und sie angemessen zu würdigen. Bei der Veranstaltung „Zeitgeist – damals und heute“ standen und saßen gut 40 Personen gedrängt an Obstkisten auf Matratzen im Erinnerungszimmer in einer überaus dichten und gegenseitig achtenden Atmosphäre. Sicherlich war es auch der Anwesenheit von Dr. Hans-Jörg Siewert zu verdanken, dass der Abend nicht in ein gegenseitiges Schulterklopfen abrutschte, sondern dass ein kritischer Distanzblick gewahrt blieb. Die Achtung zwischen den Gründern und ehemaligen Besetzern und den heutigen Machern des Hauses ist an diesem Abend ausgesprochen worden und vielleicht auch gewachsen.

 

Begleitprogramm

Neben der Ausstellungseröffnung und der Veranstaltung „zeitgeist“ im Erinnerungszimmer wurde das Jubiläumsprogramm durch weitere Veranstaltungen ergänzt. Chronologisch folgte am Samstag, den 9.5. „Die Tafel“ für Ahlen. Zusammengesetzt aus 60 Biertischgarnituren entstand in der Fußgängerzone eine Tafel in der Länge von 110 Metern. Anlässlich des Jubiläums luden wir die Ahlener Bevölkerung unter freiem Himmel zum kostenfreien Spaghetti-Essen ein. Bei strahlendem Wetter war die Begeisterung über diese Geburtstagseinladung riesengroß.

Am 20.05. wurde das Erinnerungszimmer zum zweiten Mal mit einer Veranstaltung belebt. Mit dem Radiomoderator und DJ Klaus Fiehe zogen 25 Jahre Musikgeschichte an den BesucherInnen vorüber. Und mit dem Konzert der Custard Pies lebte die „alte“ Musik der Rockband Led Zeppelin wieder auf.

Nach den vielen Erinnerungen und den Musikveranstaltungen bildete die Veranstaltung „Lebenswert(e) Stadt“ und der Blick auf die Visionen für Ahlen den Abschluss des Jubiläums. Unter Anwesenheit des Filmemachers Holger Lauinger wurde zunächst der Film „Neuland“ als Anregung zum Querdenken gezeigt. Leider war diese Veranstaltung absolut schlecht besucht und verkam ein wenig aufgrund der anwesenden Bürgermeisterkandidaten zum Vorwahlkampftermin.

Erwähnen wollen wir an dieser Stelle noch die Fensterdekoration in diesem Zeitraum. Aus den Presseberichten der vergangenen 25 Jahren wurden von uns 25 Bezeichnungen für das Haus ausgewählt und als Schriften in die Fenster geklebt. Die Palette reichte dabei von Heimat über Metal Schuppen, Nichtrauchertempel, Lieblingskind der SPD, Freizeittempel bis Kaderschmiede. Über diese „Stempel“ wurde viel diskutiert und fehlende Begriffe konnten bei uns bestellt werden.

Auswertung und Perspektiven

Das Programm zum 25jährigen Jubiläum kann als rundum gelungen bezeichnet werden. Diese Einschätzung teilten auch viele unserer Gäste, die uns ihre Meinung zum Jubiläum rückmeldeten. Besonders auswärtige Gäste oder auch LeserInnen des Programmheftes lobten die Vielschichtigkeit und die sich widerspiegelnde Ideenvielfalt. Genau das war beabsichtigt und so ist das Konzept für dieses Jubiläum grundsätzlich aufgegangen.

Und noch ein kleiner Nachtrag: um die letzte – schlecht angenommene - Veranstaltungsidee der Lebenswerten Stadt nicht ganz untergehen zu lassen, wurde bereits an dem Abend auf die Idee eines Ausstellungsprojekt hingewiesen. Ab August 2009 haben wir Fotomontagen von Gebäuden oder Orten in der Stadt Ahlen präsentiert, die auf ungewöhnlichen Ideen und Nutzungen beruhen und durch die Montagetechnik visualisiert werden. Die Ausstellung wurde im September um weitere Ideen von SchülerInnen einer Hauptschule ergänzt.

 


Nr. 3 AlarmTheater e.V., Bielefeld – Ich kam allein-Kindertransporte

 

Eine Theaterbegegnung zwischen 25 SchülerInnen und jungen Erwachsenen und professionellen KünstlerInnen

 

Einleitung:

„Wir waren Hunderte von Kindern und hundert Prozent allein.“

Auf diese Weise beschreibt eine Zeitzeugin ihre Emigration mit dem Kindertransport nach Großbritannien. Mit dem Begriff Kindertransport ist die Auswanderung von Kindern und Jugendlichen (überwiegend) jüdischer Herkunft aus Deutschland, Österreich und der Tschechoslowakei in den Jahren 1938 und 1939 in verschiedene europäische Länder gemeint. Wie alle anderen glaubten die Kinder, England sei nur ein Zwischenaufenthalt und Palästina das Ziel der Reise, wo sie bald mit ihrer Familie wieder vereint sein würden.

 

Kurzdarstellung:

Das Studium ihrer Lebensgeschichte und verschiedener autobiographischer Romane hat den Anstoß für das Theaterprojekt gegeben. Mit dem erstmals im Frühjahr 2009 zur Aufführung gebrachten Theaterstück „Ich kam allein. Kindertransporte“ – die Vorstellungen zwischen dem 23. und dem 29. April 2009 waren restlos ausverkauft - sollte an diese Ereignisse von 1938/ 39 erinnert werden, die auch einen Teil der Bielefelder Geschichte darstellen.

Dabei ging es nicht um die Abbildung der Historie selbst, es wurde auch nicht die Geschichte eines Kindertransport-Kindes erzählt, sondern es sollten die Reaktionen und Gefühle der Kinder und Jugendlichen in ihrer Vielfalt und Komplexität vergegenwärtigt werden, ihre Irritation, aber auch immer wieder ihre Vitalität. Die Bandbreite der betroffenen Kinder und Jugendlichen (vom jüdischen Arbeiter- bis zum Bürgerkind zwischen 4 und 17 Jahren) sowie die zahlreichen Zeitzeugenberichte, die von großer Heterogenität, von Vielstimmigkeit der Biografien und Erinnerungen geprägt sind, legten eine solche Darstellung nahe.

Bei aller Unterschiedlichkeit der Erfahrungen waren für alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Kindertransporte die Reise ins Ungewisse und in die Fremde, das ständige Unterwegssein, die Entwurzelung und das `nicht Ankommen´ prägend, später kamen noch die Schuldgefühle der Überlebenden gegenüber den Toten hinzu. Das Stück stellt die Gefühle und Reaktionen der Kinder in den Mittelpunkt: Von den zunehmenden Erfahrungen des Fremdseins im eigenen Land über das Abschiednehmen von der Familie bis zum Fremdsein in der Fremde. Dabei brechen bei allen leidvollen Erfahrungen immer wieder die Kraft und Spielfreude der jungen Menschen, ihr Optimismus und ihre hoffnungsfrohe Gewissheit auf eine bessere Zukunft durch.

Über die historische Bindung an die nationalsozialistische Geschichte hinaus zeigt das Stück exemplarisch auf, dass Kinder und minderjährige Flüchtlinge, die unbegleitet in ein fremdes Land gelangen, zu allen Zeiten die Verletzlichsten und somit Schutzbedürftigsten sind. Für sie muss die Berücksichtigung des Kinderwohls und des Kinderwillens, gemäß internationaler Vereinbarungen, Richtlinien und Standards Vorrang haben.

 

Verlauf

Die Konzeption und Gestaltung dieses Theaterprojekts kann sowohl als ‚work in progress’ wie auch als gelungene Kooperation zwischen Schule und Theater angesehen werden. Zunächst erarbeiteten sich Kollegiatinnen und Kollegiaten des Oberstufen-Kollegs anhand historischer und literarischer Quellen den Stoff, besuchten Orte, wo in Bielefeld die Schwestern Loewenthal gelebt haben, und entwarfen erste Szenen. Außerdem machten sie Interviews mit Bielefelder Bürgerinnen und Bürgern und befragten sie nach ihrem Wissen über die Kindertransporte. Schließlich nahmen sie Kontakt zu Flüchtlingsorganisationen auf und stellten Filme als Rohmaterial für das geplante Stück her, z.B. auch über das im Dezember errichtete Denkmal zur Erinnerung an die Kindertransporte in Berlin.

 

Die Inszenierung - unter künstlerischer Leitung des AlarmTheaters - begann in der Projektphase des Oberstufen-Kollegs, im Januar 2009, und setzte sich als gestrecktes Projekt von Februar bis April mit wöchentlichen Proben, zwei Wochenenden und einer Woche in den Osterferien im AlarmTheater fort. Die Grundlage der Theaterarbeit war aber weder ein Rollenskript noch eine zu dramatisierende Biografie, vielmehr beruhte sie in einer offenen Form, an der alle Beteiligten ihre Materialien einbrachten: Zeitzeugenberichte, Lieder, Tänze, Kostüme usw.

So entstand in den ersten Monaten zunächst eine Vielzahl von Mosaiksteinen (Module), die durch konzeptionelle Arbeit der beiden Projektleitungen (Oberstufen-Kolleg und AlarmTheater), die Kommunikation mit den Darstellern und Darstellerinnen wie auch durch die intensiven Probenarbeiten schließlich das Theaterstück zu einem Ganzen zusammenfügten.

Die den Bereich „Schauspiel“ gewählten Kollegiatinnen und Kollegiaten wurden auf diese Weise mit den vielfältigen Aufgaben und Vorgehensweisen der Theaterarbeit vertraut gemacht, erfuhren, wie durch eine vertiefte inhaltliche Vorarbeit einerseits und Improvisation, Choreographie, Gesang, Bühnenbau und Bühnentechnik andererseits eine Inszenierung entsteht. Damit haben sich die Jugendlichen den Herausforderungen des Theaters gestellt und hingegeben, sich mit den unterschiedlichen Biografien auseinandergesetzt, ihre Sprach- und Ausdrucksfähigkeit geformt und an Selbstbewusstsein gewonnen.

Die andere, zahlenmäßig kleinere Gruppe „Grafik, Werbung, Dokumentation“ erstellte parallel dazu die Werbematerialien (Plakate und Flyer) und das Programmheft, arbeitete sich intensiv in Grafik und Computer-Design ein und begleitete die Projektarbeit per Videokamera.

 

Fazit:

Auf unterschiedliche Weise hat das Theaterprojekt zur Persönlichkeitsbildung, zur Teamfähigkeit und zur erhöhten Lernmotivation der Akteure beigetragen. Immer wieder wird in Reflexionsberichten der Kollegiatinnen und Kollegiaten hervorgehoben, dass sie sich – trotz Durststrecken – gern auf die lange Theaterarbeit eingelassen, die Konzentration auf das gemeinsame Ziel, die Aufführung des Stücks, das gegenseitige Vertrauen und die Zuverlässigkeit in der Gruppe schätzen gelernt und sich selbst in neuen Rollen und Positionen erfahren haben. Diese für alle neuartigen Erfahrungen hätten sie zu besonderen Leistungen auch im schulischen Alltag inspiriert.

Der gesamte Projektprozess ebenso wie die Theateraufführungen und Zuschauerreaktionen wurden filmisch festgehalten, eine Filmversion wurde zum Abschluss gebracht, auch daran sind Kollegiatinnen und Kollegiaten beteiligt, und wurde anlässlich der Bielefelder Uni-Theatertage im Juli 2009 der Öffentlichkeit präsentiert. Darüber hinaus werden der Projektprozess, die Aufführung und die Interviews mit den Zuschauern zusammen mit weiteren Recherchen als Materialsammlung für pädagogische Theaterarbeit dokumentiert und an Schulen weitergereicht.

 

Das Theaterstück „Ich kam allein. Kindertransporte“ hat in Bielefeld – so eine Reaktion – „großes Aufsehen erregt und war wirklich ungemein anrührend, eine geradezu unglaubliche Leistung für Nichtschauspielerinnen und –Schauspieler.“ „Wie in den traurigsten Verhältnissen bei Kindern immer wieder Fröhlichkeit und Spiel zum Zuge kommt und andererseits eben auch trauriges Erschrecken sichtbar wird, werde ich nie vergessen“, so ein anderer Besucher. Eine ehemalige Mitschülerin der Schwestern Loewenthal, heute über 80 jährig, die von dem Stück in der Zeitung gelesen hatte, nahm die Gelegenheit ihres Aufführungsbesuches wahr und erzählte den jungen Menschen, die gerade ein Stück Geschichte hatten lebendig werden lassen, von ihren Erlebnissen in den dreißiger Jahren des letzten Jahrhunderts damals in Bielefeld.

Das Besondere dieser Theaterarbeit ist sicher darin zu sehen, dass mit dem Stück über die Kindertransporte Geschichte(n) erzählt werden, die es wert sind, im Theater erzählt zu werden. Dies geschah und geschieht nicht nur aus einem historischen Verantwortungsbewusstsein heraus, sondern weil diese Geschichten lebendig gehalten werden und die ihnen innewohnende hoffnungsvolle Kraft entdeckt und genutzt werden soll. Indem die heutigen Jugendlichen den historischen jungen Menschen eine Stimme geben, wird mit der Kraft ihres Gesangs, ihres Körpers und ihrer Leidenschaft eine kreative Auseinandersetzung und Empathie ermöglicht. Der Prozess der Theaterarbeit eröffnet den Jugendlichen darüber hinaus die Möglichkeit, ihre eigenen Ressourcen und Potentiale zu erkennen und zu nutzen. So können sie zu Paten werden, nicht nur gegenüber den Schicksalen von damals, sondern auch der unzählbaren Flüchtlingskinder heute.

Aufgrund der großen Resonanz des Stückes im Frühjahr 2009 ist es vom 23.-31. Oktober 2009 nach intensiver Probenarbeit, die in Teilen vom WDR aufgezeichnet und gesendet wurde, - zu einer Wiederaufnahme im AlarmTheater gekommen. Hier zeigte sich, dass die die erneute Arbeit am Stück zur Verbesserung der Qualität beitrug und das darstellende Spiel an Dichte gewann.

In Vorbereitung sind auch Festivalbewerbungen (bisher konkret: Berliner Festspiele /Kinder- und Jugendtheater Sommer 2010 und Favoriten Theaterfestival NRW Herbst 2010) und einer Einladung aus Theresienstadt in der Gedenkstätte zu spielen.

 


Nr. 4 Bahnhof Langendreer, Bochum – Was vom Osten übrig blieb

 

Mit dem spartenübergreifenden Projekt „Was vom Osten übrig blieb“ wurde im Bahnhof Langendreer zwischen August und Dezember 2009 durch Vortragsveranstaltungen, Dokumentar- und Spielfilme, einer Ausstellung, einem Konzert und einer Lesung ein Beitrag zur Auseinandersetzung mit künstlerischen und sozialen Entwicklungen in der DDR und mit ihrer diesbezüglichen Wirkungsgeschichte in der (vereinigten) Bundesrepublik geleistet.

Die Veranstaltungsreihe wurde mit dem Vortrag „Die DDR: Notwendiger und legitimer Versuch und / oder Unrechtstaat?“ des Historikers Detlef Nakath am 20.August eröffnet. Nakath hat dabei jenseits von Stasi-Hysterie und nostalgischer DDR-Verklärung die Entstehungsbedingungen der DDR im Rahmen der „doppelten“ Staatsgründung 1949 analysiert und die sozialen und politischen Entwicklungen in der DDR bis 1989 beurteilt. Im Anschluss daran entspann sich in der leider nur mäßig besuchten Veranstaltung (17 TeilnehmerInnen) eine kontroverse Diskussion vor allem um den Begriff des Unrechtstaates.

Parallel sollte eigentlich die Plakatausstellung „Im Blick der Massen“ eröffnet werden. Aufgrund organisatorischer Problem bei kunsttick.com wurden die Plakate allerdings erst Anfang September geliefert, so dass die Ausstellung erst ab der 2. Septemberwoche gezeigt wurde; sie blieb bis Anfang November im endstation.café im Bahnhof Langendreer zu sehen. Begleitend wurde ein Handzettel zur Erläuterung der Plakate produziert.

In Kooperation mit dem endstation.kino haben wir im September / Oktober Spiel- und Dokumentarfilme aus der DDR, die die gesellschaftlichen und politischen Umbrüche vorwegnehmen, gezeigt. Zur Einführung hat der Autor und Filmhistoriker Claus Löser aus Berlin am Dienstag, den 1. September um 19.30 Uhr über filmische Vorboten der Wende im DDR-Film vor ca. 35 BesucherInnen gesprochen. Unmittelbar im Anschluss haben wir zwei Dokumentarfilme der Hochschule für Film und Fernsehen der DDR „Konrad Wolf“: Sonnabend, Sonntag, Montag früh (DDR 1979 - 44 min - Dokumentarfilm - R: Hannes Schönemann) und Wozu denn über diese Leute einen Film? (DDR 1980 - 33 min - Dokumentarfilm - R: Thomas Heise) gezeigt. Im Anschluss gab es noch eine intensive Diskussion mit Claus Löser über die beiden Filme sowie Ausbildung und Produktsbedingungen im Bereich Film in der DDR. In der Reihe wurden zudem folgende Filme gezeigt: Das Kaninchen bin ich (DDR 1965, 118 min., R.: Kurt Maetzig) Denk bloß nicht, ich heule (DDR 1965, 91 Min., R.: Frank Vogel), Winter adé (DDR 1988 - 115 min - Dokumentarfilm - R: Helke Misselwitz - K: Thomas Plenert), Jadup und Boel (DDR 1981/88 - 100 min - R: Rainer Simon - K: Roland Dressel ) und Überall ist es besser, wo wir nicht sind (BRD 1988 - 79 min - R: Michael Klier - K: Sophie Maintigneux).

Am 6. September gastierte mit dem Zentralquartett die Insitution des Jazz der DDR im Bahnhof Langendreer. Ihr Programm „Aus teutschen Landen“ wurde von den knapp 50 BesucherInnen begeistert aufgenommen.

Zum Abschluss der Reihe haben wir zusammen mit der „Bochumer Literarischen Gesellschaft“ Christop Hein zu einer Lesung aus seinem Roman Landnahme eingeladen. Der Gesellschaftsroman ist in der fiktiven sächsischen Kleinstadt Guldenberg angesiedelt, hat seinen Schwerpunkt in den fünfziger Jahren und spiegelt 50 Jahre deutsche Geschichte – Nachkriegszeit, Wende und die Jahre danach. Im Anschluss an die Lesung mit über 50 Besucherinnen kam es zu intensiven Diskussionen über den Roman, über das Leben in der Kleinstadt in der DDR und vor allem über die „Wende“ und die uneingelösten Versprechen des 9. November 1989.

Insgesamt hat die Reihe spannende und erkenntnisfördernde Diskussionen ausgelöst. Angesichts der medialen Dauerpräsenz der „Wende“ hätten wir uns aber durchaus mehr Publikum gewünscht. Insbesondere die im weitesten Sinnen links-alternative Szene, die üblicherweise die politischen Diskussionsveranstaltungen im Bahnhof Langendreer, besucht, hat das Thema zumindest in Bochum weitestgehend ignoriert. Demgegenüber hat der Bahnhof Langendreer mit der Literarischen Gesellschaft Bochum und dem Institut für Deutschlandforschung an der Ruhr-Uni Bochum möglicherweise auch für zukünftige Projekte neue Kooperationspartner gefunden.

 

 

Nr.6 leibeigen. theater., Bochum - RuhrLab 2.0.

 

Projektverlauf

Im ersten Workshop wurde das Thema und das Videokonzept vorgestellt. Der Workshop wurde gemeinsam von Noulesa/ Feldmann geleitet. Ziel war es, die Jugendlichen (TN) für die differenzierten Facetten des Themas Gier zu sensibilisieren und deren Motive zu erkennen. Dazu wurden auch Theaterübungen/ Improvisationen durchgeführt. Den TN wurden Grundlagen der Clipregie und Kameraführung vermittelt. Sie wurden angeleitet, ihre eigenen Ideen zum Thema zu entwickeln und an filmische Umsetzungsmöglichkeiten herangeführt.

Im Verlauf des Workshops rückten verschiedene Jugendkulturen in den Fokus des Themas, den die Beteiligten teilweise selbst angehören. So entstand die Idee, einen einen Beitrag zum BMX-Fahren zu entwickeln, in dem das Thema Adrenalin-Kicks umgesetzt werden sollte. Ein weiterer Clip beschäftigt sich mit dem Thema Kaufsucht. Während sich diese beiden ersten Beiträge mit dem Oberthema Gier/ Sucht beschäftigen wird in den beiden anderen Clips mit dem Porträt eines jungen Transvestiten und einem Clip über Mobbing die Verbindung von Gier und Macht deutlich.

Im weiteren Projektverlauf wurden gemeinsam Drehorte gesucht. Unter Anleitung von Noulesa wurden

Videokonzepte entwickelt, die von den TN selbstständig umgesetzt wurden. Als Drehorte fungierten z.B. private Wohnräume der Jugendlichen, Einkaufsstraßen und öffentliche Orte, z. B. die BMX Halle der Marienkirche in Bochum. Das Material wurde unter Anleitung von Noulesa geschnitten. Es entstanden 4 Videoclips von 3 bis 5 Minuten.

 

Nachhaltigkeit

Die Videoclips werden 2010 als Gesamtpräsentation mit moderierter Diskussionsrunde an Schulen und in Jugendfreizeithäusern gezeigt. Ziel ist es, die künstlerischen Beiträge der Beteiligten weiter zu verbreiten und anhand dessen eine Diskussion anzuregen, die sich im Kontext der Lebenswelt von Jugendlichen kritisch mit dem Thema Gier auseinander setzt. Die große inhaltliche Bandbreite der Beiträge von ermöglichst eine hochaktuelle und spannende Auseinandersetzung mit dem Thema und gibt gleichzeitig einen Einblick über die Vielfältigkeit der Extreme, die Jugendliche heute leben. Die einzelnen Beiträge werden darüber hinaus bei myspace und myvideo ins Netz gestellt. Kommentare und Videobeiträge dazu werden gesammelt und ggf. als Diskussionsmaterial genutzt.



Nr. 13 Kabawill, Düsseldorf – Ich, Me and I

 

Projektzeitraum: März und April 2009

Projektleitung: Petra Kron, Kulturpädagogin

 

Planung:

Ca. 20 Mädchen und Jungs im Alter von 13 bis 18 Jahren befassen sich in Schreibwerkstätten – erst genderspezifisch, dann gemeinsam – mit dem Thema „Identität“ und setzen die Ergebnisse ihrer Arbeit künstlerisch mit bildender Kunst, Tanz und Musik um.

 

Verlauf:

Nach gezielter Ansprache von Jugendlichen, die bereits bei Kabawil mitgemacht hatte, deren Freunde und auch nach Werbung bei den Kooperationspartnern von Kabawil (Jugendfreizeiteinrichtungen, Kinderhilfezentrum etc.) lief das Projekt zunächst erst sehr langsam an. Um die Jugendlichen besser zu erreichen, wurde das Projekt dann im März mit einem Tanzworkshop unter der Leitung von Tina Nabbefeld und mit Unterstützung durch Hüsnü Turan gestartet. Hier war die Resonanz wie erwartet relativ groß, so dass ca. 30 Jugendliche zum ersten Workshop kamen. Es wurde ihnen allerdings auch direkt vermittelt, dass neben Tanz auch inhaltliche Auseinandersetzug, Texten und künstlerisches Arbeiten angesetzt war. Eine weitere Änderung, die mit Hinblick auf die nun real mitwirkenden Jugendlichen vollzogen wurde, war die Besetzung der Position „Autor“ mit Ade Odokoya, der mit dem Schwerpunkt Rap arbeitet. Gemeinsam mit der Projektleitung Petra Kron wurde zunächst mit einfachen Textarbeit zum Thema „Meine Familie“ begonnen und dann in einer Mädchen- und einer Jungengruppe weiter gearbeitet. Der erste Workshop wurde dann wieder mit einer Tanzeinheit abgeschlossen.

Insgesamt wurden die Schwerpunkte im Projekt etwas verlagert: Rapen, Texten und Schreiben bildeten auch weiterhin die Basis aber es wurde wesentlich mehr als geplant mit anderen Elementen gearbeitet: Der Schaupspieler Oliver S. El-Fayoumy machte den Jugendlichen Übungen und ließ sie im Stadtteil Beobachtungen zum körperlichen Ausdruck „sammeln“ - mit Unterstützung der bildenden Künstlerin Anne Mommertz wurden Collagen zu den Themen erstellt und in jedem Workshop gab es Elemente von Tanz. Diese bewegungs- und handlungsorientierte Arbeit gefiehl den Jugendlichen und hielt sie „bei der Stange“.

 

In den folgenden Workshopterminen wurde immer auch eine Einheit Tanz integriert. In den geschlechtsspezifischen Text- und Schreibwerkstätten entwickelte sich die thematische Annäherung an Identität zunächst unterschiedlich. Bei den Jungs war ein Thema „Identität und (Traum-) Beruf“, die Mädchen wollten zunächst dieses Thema nicht aufgreifen und fangen einen Einstieg in die Textarbeit über Freundschaft und Beziehung. Die Künstlerin Katja Stuke richtete einen nur intern zu nutzenden Web Blog ein, den sowohl die Mädchen als auch die Jungs auf „ihren“ Seiten und den Seiten der anderen Gruppe besuchen und kommentieren durfte. An der Arbeit am Web Blog zeigten sich allerdings nicht alle interessiert, im späteren Verlauf siegten dann doch meist die Neugierde und das Bedürfnis, sich selber zu präsentieren.

Die Ergebnisse aus dem Projekt wurden genutzt, um für die neue Jahresproduktion von KABAWIL e.V. „net-sein.de“ (virtuelle Identitäten) erste Vorlagen zu erhalten. Auch war ein Teil der Projektteilnehmenden bereit, sich bei der Audition Ende Juni für die neue Tanztheaterproduktion zu bewerben.

 


Nr. 14 zakk, Düsseldorf – Die 13. deutschsprachigen Poetry Slam Meisterschaften

 

Poetry Slam

Poetry Slam ist ein literarischer Vortragswettbewerb. Bei einem „Poetry Slam“ performen Dichterinnen und Dichter ihre eigenen selbst geschriebenen Texte. Das Publikum bewertet die beste Darbietung des Abends. Dabei fließen nicht nur die Texte sondern auch die Art des Vortrages in die Wertung mit ein. Poetry Slam ist für alle literarischen Gattungen offen, von Gedichten, über Rap, Geschichten, Erzählungen, satirischen Texten bis hin zu frei improvisierten Texten, alles, was in die vorgegebene Vortragszeit von sechs Minuten passt. Hilfsmittel, wie Musik, Kostüme oder Requisiten sind beim Poetry Slam nicht erlaubt. Am Ende eines Poetry Slams kürt das Publikum einen Sieger oder eine Siegerin durch das Notensystem von 1-10, wobei 1 die niedrigste Wertung und 10 die höchste Wertung ist. Aus Gründen der Gerechtigkeit (Freunde, Verwandte & Feinde in der Jury) werden die höchste und die niedrigste Note gestrichen.

 

Meisterschaften

Einmal im Jahr trifft die deutschsprachige Performance Poetry Slam Szene zusammen um den deutschsprachigen Poetry Slam Meister oder die Meisterin auszudichten. Dazu gehören die Länder Deutschland, Österreich, die Schweiz & Liechtenstein. Nach den Austragungsorten in Berlin und Zürich in den letzten Jahren kamen vom 29. bis 31. Oktober 2009 rund 250 Performance Poeten und Poetinnen nach Düsseldorf um in den Kategorien „Einzel“, „Team“ und „U20 - unter 20-jährige“ die Gunst des Publikums zu gewinnen. Dabei wird der Text und die Performance auf der Bühne mit Punkten von 1 bis 10 (mit Kommastelle) bewertet. Darüber hinaus gibt es neben den Wettkampfveranstaltungen im Rahmen der Meisterschaften auch noch ein eigenes Rahmenprogramm, wo die ganze Kreativität der Sprachperformance geboten wird. So gab es in Düsseldorf z.B. einen Mundartslam, Coverslam oder einen Open Mike, wo auch die Rapper unter den Slammern ihr Publikum fanden. Mit Partnern, wie dem Düsseldorfer Schauspielhaus, dem Literaturbüro NRW e.V., Art Connection und Markim Pause war mehr als eine solide Basis für das größte europäische Festival für Bühnenliteratur in Düsseldorf geschaffen. Ein geplanter Synergieeffekt dieser Poetry Slam Meisterschaften, war unter anderem auch, die Bevölkerungskreise für Literaturveranstaltungen zu gewinnen, die sonst selten bis gar nicht Lesungen oder Theaterhäuser besuchen. Welche kreativen Köpfe sich auf Poetry Slam Bühnen bewegen, zeigen die vielen preisgekrönten Poeten wie etwa Michael Lentz, Nora Gomringer, Bastian Böttcher, Sebastian23 oder Gabriel Vetter. Mit dem im slam2009 integrierten Jugendwettbewerb (U20 Poetry Slam) wurde außerdem die Jugend auf breitem Feld aufgerufen und motiviert, selber Texte zu schreiben und damit aufzutreten. In dieser Kategorie gab es 35 Startplätze und erstmalig ging dieser Pokal an eine österreichische Poetin, Yasmin Hafedh, vom „Textstrom“ Poetry Slam in Wien.

 

Poetry Slam in Düsseldorf

Die Wurzeln der Düsseldorfer Poetry Slam Szene gehen auf das „Poetry Café“ zurück, wo Anfang der Neunziger ein waschechter Amerikaner noch wertungsfreie Veranstaltungen mit zumeist jungen Autoren und Autorinnen anbot. Die Künstlergruppe „Maulgetrommel“ begann ab 1995 mit unregelmäßigen Poetry Slams an verschiedenen Orten, bevor sie sich 1997 endgültig mit einer monatlichen Veranstaltung im zakk etablierte. Schon im Jahr 2000 war das zakk in Düsseldorf Austragungsort der Poetry Slam Meisterschaften und bot erstmalig Startplätze für rund hundert Poeten und Poetinnen an. Es waren auch die ersten Meisterschaften mit Abgesandten aus Österreich (u.a. der weithin bekannte Kinderbuchautor Martin Auer) und der Schweiz mit dem legendären Tom Combo, der mit dem Verlag „der gesunde Menschenversand“ maßgeblich die Schweizer Slamszene aufbaute.

 

Rasante Ausdehnung und enorme Popularität

Nachdem die deutschsprachigen Poetry Slam Meisterschaften 1997 zum ersten Mal in Berlin ausgetragen wurden, entwickelte sich die Szene rasant. München, Hamburg und Düsseldorf zählen zu den ältesten Slamstädten und beherbergen heute - wie in Hamburg - bis zu acht Slams in einer Stadt. Heute gibt es in größeren und kleineren Städten Poetry Slams, zudem gibt es jedes Jahr unzählige Einzelveranstaltungen bspw. im Rahmen von Kulturfestivals. Auch die anhaltenden, intensiven Berichterstattungen in den Medien und eigene Poetry Slam Sendungen im WDR oder auf 3Sat, haben zu einem enormen Wachstum dieser Szene beigetragen. Mit den Jahren hat sich die Zusammensetzung des Publikums geändert. Zu dem jungen größtenteils studentischen Publikum der Anfangsjahre sind Besucher und Besucherinnen jeden Alters und aus allen Bildungs- und sozialen Schichten dazugekommen.

 

Sprungbrett Poetry Slam

Für viele Wortkünstler und Wortkünstlerinnen ist Poetry Slam eine Möglichkeit, neue Texte und künstlerische Konzepte zu erproben und auf sich aufmerksam zu machen. Vielen deutschsprachigen Künstlern und Künstlerinnen ist dies seither gelungen und sie treten heute nicht selten mit dem eigenen Buch und Soloprogrammen auf. Bühnenerfahrungen auf Poetry Slams machten aber auch Kabarettisten und Comedians wie Dagmar Schönleber (Gewinnerin des „Bielefelder Kabarettpreises“, 2004 nominiert für den „Prix Pantheon“) und Christian Hirdes (Gewinner der „Heilbronner Lorbeeren“, Nominierung „Bockleter Brunnenschöpfer 2004“).

 

Jugend Poetry Slam und andere Formate

Das zakk war der erste Veranstalter, der Poetry Slams für alle Altersgruppen anbot. Nach dem erfolgreichen Start der „Poesieschlacht“ 2001, des reformierten „Maulgetrommels“, das mit den neuen Moderatoren Pamela Granderath und Markim Pause weitere Formate entwickelte, entstand 2002 der erste Kinder Poetry Slam – die „Poesieschlacht-ab-acht“ (8 bis 14 Jahre) und 2005 der „Zwischenruf“ für 14 bis 20 Jährige (auch U20 genannt). Spezielle, unregelmäßige Veranstaltungen wie die „Poesieschlacht-auf-abwegen“ (zu Gast auf Einladung in anderen Institutionen), oder mit Menschen die ein Handycap haben, wie geistige Behinderung oder Hörschädigung, wurden in den letzten Jahren umgesetzt. Ebenso ein deutsch-türkischer Slam, ein drei Generationen-, ein reiner Team- und Themenslam erweiterten die Poetry Slam Angebotspalette.

 

slam2009 in Düsseldorf

Der slam2009 wurde vom 29. bis 31. Oktober 2009 in Düsseldorf ausgetragen. Die Veranstaltungen wurden im Großen- und Kleinen Haus des Düsseldorfer Schauspielhauses, im Club und der Halle des Kulturzentrums zakk und dem Club des Pretty Vacant durchgeführt. Während der drei Tage traten über 250 Dichter und Dichterinnen in verschiedenen Vorrunden, Halbfinale und Finale in den Kategorien „Einzel“, „Team“ und „U20“ gegeneinander an. Bei allen Veranstaltungen war das Publikum die Jury. Begleitet wurden die Meisterschaften durch ein öffentliches Rahmenprogramm mit weiteren Veranstaltungen wie Themen-Slams und After-Show-Partys. Ein geplantes Fußballspiel gegen die deutsche Autoren-Nationalmannschaft sorgte nicht nur bei den Slammern für eine ganz besondere Rahmen-Unterhaltung und schaffte dazu noch den Austausch zwischen der klassischen Literatur und der Off-Literatur.

 

Der slam2009 war auch für alle Poetry Slam Veranstalter aus Deutschland, Österreich, Schweiz & Liechtenstein eine Gelegenheit sich zu treffen und auszutauschen: Bei dem so genannten „Slammaster-Meeting“ treffen sich diese und diskutieren die weitere Entwicklung der Szene, wo die nächsten Meisterschaften ausgetragen werden, wie die Zusammenarbeit mit den europäischen Nachbarländern vorangeht und was es zu verbessern gibt. Dabei haben alle Slammaster und Veranstalter pro Slam eine Stimme.

Wie erwartet gab es eine sehr hohe mediale Aufmerksamkeit, sodass ca. 10.000 Zuschauerinnen und Zuschauer die Wettkämpfe besuchten.

 

Wettbewerbe

Es fanden gemäß der Tradition der deutschsprachigen Poetry Slam Meisterschaften drei Wettbewerbe statt:

 

Einzel: Die Performance Poeten treten mit eigenen Texten gegeneinander an, die Meisterschaft geht über Vorrunden, Halbfinals bis zum Finale. Es traten 104 Teilnehmer und Teilnehmerinnen an. Gewinner: Phillipp „Scharri“ Scharrenberg

 

Team: Es treten nicht einzelne Poeten an, sondern Teams bis zu vier Personen. Die Meisterschaft geht über Vorrunden bis zum Finale. Es traten 33 Teams aus dem gesamten deutschsprachigen Raum an. Gewinner: PauL (Poesie aus Leidenschaft) mit: Bumillo, Phillipp „Scharri“ Scharrenberg und Heiner Lange

 

U20: Der Poetry Slam ist auch unter Jugendlichen immer stärker verbreitet: 35 Jugendliche, darunter sechs aus der Schweiz und drei aus Österreich, performten ihre Texte bei den U20 Poetry Slam Meisterschaften. Der Wettbewerb geht über eine Vorrunde bis zum Finale. Gewinnerin: Yasmin Hafedh (Wien)

 

Werbung

Das Werbekonzept des slam2009 basiert auf den Grundpfeilern Medienpartnerschaften, Plakate/Flyer, Öffentlichkeitsarbeit, Werkstätten in Schulen und Promotion.

 

Medienpartnerschaften

Rheinische Post, Center TV, Coolibri – Monatsmagazin für NRW, Campus Radio NRW (Zusammenschluss aller Hochschulradios in NRW)

 

Broschüre, Plakate, Flyer, E-Mailinglisten und Co.

Flyer und Programme wurden hand to hand verteilt:

an Schulen (Sekundarstufen, Berufsschulen, Gymnasien in Düsseldorf, speziell das U20 Poetry Slam Programm)

an Hochschulen in Düsseldorf, Köln und dem Ruhrgebiet

an allen Poetry Slams in NRW

an Kulturveranstaltungen in der Region (und bei den Mitveranstaltern)

Plakate wurden an den Plakatsäulen der Stadt (vier bis sechs Wochen vor den Meisterschaften) gehängt und an vielen Veranstaltungsorten in Düsseldorf und dem Umland.

 

Medienarbeit

Poetry Slam ist seit jeher stark medienaffin. Eine intensive Medienarbeit hat die anderen Werbemaßnahmen erheblich unterstützt.

 

Promotion-Events

Bei vielen Poetry Slams im Umland wurde für die Meisterschaft geworben und Festivaltickets für den slam2009 an das jeweilige Publikum vergeben.

 

Verpflegung und Unterkunft

Es gehört zur Tradition der deutschsprachigen Meisterschaften, dass der Gastgeber für Unterkunft und Verpflegung der auftretenden Poeten und Poetinnen sorgt. Diese treten dafür bei allen Veranstaltungen auf und machen keine finanziellen Forderungen geltend. Des Weiteren ist der Gastgeber bemüht für Teilnehmer und Teilnehmerinnen mit weiter Anreise anteilige Fahrkosten zu zahlen.

 

Verpflegung

Die Teilnehmer und Teilnehmerinnen wurden täglich mit einem Frühstück und einer warmen Mahlzeit verpflegt, auch wurden kleinere Snacks und Getränke für die aktiven Poeten und Poetinnen im Backstagebereich bereitgestellt. Für alle Teilnehmer und Teilnehmerinnen des slam2009 wurden Getränke vergünstigt angeboten.

 

Unterkunft

Es wurden rund 750 Übernachtungen gebucht, wobei das Ziel war, alle Teilnehmenden zentral und mit guten Anbindungen an den ÖPNV unterzubringen. Die Wahl fiel auf ein neues Hostel mit Hotel in der Innenstadt. Außerdem wurden an alle Teilnehmer und Teilnehmerinnen Tagestickets für die öffentlichen Verkehrsmittel verteilt (zum Einen wegen Düsseldorfs Umweltzone und zum Anderen wegen der innerstädtischen Parkplatzsituation, aber auch um Anreize zu schaffen, nicht mit dem Auto anzureisen und um den Teilnehmern und Teilnehmerinnen die Möglichkeit zu geben, über den slam2009 hinaus Düsseldorf zu entdecken).

 

Das sagen die Slammer:

 

Auch von mir ein herzliches DANKESCHÖN!

Es war ein schöner, netter, spannender, unterhaltsamer (...) National!

 

Herzlichen Glückwunsch den Gewinnern...:-).

Es war grandios :-) Danke Düsseldorf...Danke Slamily...ich geh schlafen...

 

Vielen Dank für die verrückte Zeit in Düsseldorf an alle, die gleich nicht genannt werden, sowie an Markim, Pamela und Christine! Es war ein großes Erlebnis.

 

Wir haben drei Tage gesoffen und gefickt der Rest der Welt hat bloß vergeblich am Weltschmerz geflickt

 

Zurück und kaputt, kaputt und glücklich, glücklich und wehmütig, wehmütig und vorfreudig. Danke. Düsseldorf. Die Schönheit des Nationals verhielt sich diametral zur Schönheit der Stadt, aber ihr, liebe SlammerInnen und Organisatoren, wart wunderWUNDERschön. Ich liebe euch! (RUUUHHEEE!)



Nr. 50 LAG NW, Münster, Düsseldorf – Projekt Create NRW Chancen und Nutzen des Web2.0 für die Soziokultur NW"

 

In einem achtmonatigen Prozess von Februar bis September 2009 haben wir recherchiert, wie die Soziokultur sich zum Web 2.0 verhält, welche Chancen gesehen werden, welche Risiken und Konkurrenz erfahren wird.

Fokus der Untersuchung war dabei die Frage, ob es Bedarf und Möglichkeiten gibt, Teile der Medienarbeit der Zentren zum Nutzen aller zu bündeln, wo und wie das geschehen kann, und welche Vorteile sich daraus ergeben können. Erste Ideen dazu waren ein (digitales) Archiv und ein gemeinsamer Kalender.

 

Projektbeschreibung – Ausgangsüberlegung:

Mit den technischen Möglichkeiten der digitalen Vernetzung haben sich in den letzten zehn Jahren auch gesellschaftlich-kulturelle Tätigkeiten und künstlerische Produktion teilweise in "das Netz" verlegt. In "Sozialen Netzwerken" zeigen Kulturschaffende Ihre Texte, Fotos und Videos, geben Informationen, spielen Musik, bieten Diskussionsforen.

Lokal sind diese Felder Schwerpunkte der Arbeit soziokultureller Zentren, von denen es in NRW über 65 gibt. Ob klein oder groß, spezialisiert oder breit aufgestellt, die Zentren sind das Rückgrat einer kulturellen Basisversorgung. Sie haben mit ca. 5 Mio. Besuchern pro Jahr eine große Akzeptanz, sind lokale Marken („Wohnzimmer der Szene“) und stehen für unkonventionelles, alternatives Non-Profit Kulturangebot mit hohem Authentizitätsfaktor vor Ort.

Die „Neuen Medien“ brechen gerade in eine neue Qualitätsstufe auf: „web 2.0“ heißt nicht mehr nur, jeder kann im Netz alles immer finden (und kaufen), sondern auch: Jeder kann überall mitreden und mitspielen. Die andere Neuerung: Jeder kann Fernsehen machen - das Internet lernt gerade laufen. Das bekannteste Beispiel hierfür dürfte „YouTube“ sein.

Die Möglichkeiten, die hier für die Kultur liegen, sind groß, genau wie die Gefahren:

Bei vielen kulturellen Trägern gibt es enorme Vorbehalte gegen Formate und Inhalte, andere sehen sich Ihrer Rechte beraubt (besonders die Tonträgerindustrie), gerade der Bildungsbereich fürchtet Videospiele und Chaträume wegen angeblicher "sozialer Verarmung" und "Agressionssteigerung" der "jugendlichen" Nutzer.

Das "web 1.0" ist von den Zentren von Anfang an aktiv genutzt, aber auch kritisch begleiten worden: In vielen Orten NRWs gab es die ersten Internetcafés in den Soziokulturellen Zentren, Kurse "Internet für Anfänger" fanden genauso selbstverständlich statt wie kritische Diskussionen, beispielsweise mit Referenten des Chaos Computer Club.

Auch das web 2.0 ist verschiedentlich in den Zentren angekommen, so gibt es Beispielsweise im zakk nach wie vor einen offenen, selbst gestalteten Treffpunkt für ältere ComputernutzerInnen, ein Blog als Teil der Webseite und Informations-Veranstaltungen zum Nutzen und Schaden des "Second Life" für den Menschen.

 

Aspekte der Internetnutzung und Medienerstellung in den einzelnen Zentren, Ergebnis der Recherche an ausgesuchten Beispielen:

Das zakk hat langjährigen Erfahrungen mit dem Internet (erstes Düsseldorfer Internetcafe, erster Internet-Initiativen-Führer "Stattbuch", erstem Blog eines Soziokulturellen Zentrums). In den letzten Jahren kamen Themenbezogenen Medien dazu, wie die Text-Werkstätten (http://www.textwerkstatt-duesseldorf.de) und das lokalen Bandportal (http://www.musikszene-duesseldorf.de). Auch der Vorstand stellt inhaltliche Papiere zu seiner Arbeit regelmäßig auf die Internetseite des Zentrums (http://zakk.de/verein). Auch Broschüren und Videos entstehen regelmäßig im zakk. Bisher schafft es das Zentrum aber nicht, diese Aktivitäten nachhaltig zu bündeln. Die Internetseiten gelten hausintern hauptsächlich als Werbung / Vertrieb, nicht etwa als mehrkanaliger Kommunikationsweg; ein Archiv gibt es nicht, Verknüpfungen zu den Inhalten der Themenportale kaum.

 

Das soziokulturelle Jugendzentrum ‚Die Welle’ betreibt seit 10 Jahren einen eigenständigen Medienbereich mit breitem Erfahrungshorizont. Im Bereich der Videoproduktion sind in den letzten Jahren Konzertmitschnitte, Musikvideos, Videos von Kulturveranstaltungen und thematische Dokumentationen entstanden. Im Rahmen des Ausstellungsprojektes ‚zeit zu sehen’ in der ‚Galerie im Bahnhof Lennep’ wurden Künstlerinterviews produziert und Ausstellungsbegleitend im Internet präsentiert. (www.zeitzusehen.de)

Der Medienbereich realisierte ebenfalls Projekte und Kurse im Bereich Digitale Fotografie und Bildbearbeitung, intergenerative Medienprojekte, medienübergreifende Projekte (Video / Theater, Foto / Video), sowie Aus- und Fortbildungsveranstaltungen im Bereich Medien / Medienpädagogik. Seit Anfang 2009 verfügt ‚Die Welle’ über ein eigenes kleines Tonstudio und legt hiermit den Grundstein für die Professionalisierung der Arbeit im Bereich Musik- und Audioproduktionen.

 

Das Werkhaus Krefeld e. V., (Kultur, Generationenbildung, offene Jugendarbeit) ist seit 5 Jahren Mitherausgeber der lokalen Netzwerkzeitschrift „Kultursommer Krefeld“ (www.krefelder-kultursommer.de) zur Bündelung freier und städtischer Veranstaltungen in Krefeld. Im letzten Jahr wurden zwei Trailer im Bereich zeitgenössischer Tanz sowie ein Konzertmitschnitt und ein Kurzfilm produziert. Es gab die Beteiligung an mehreren Musik CD Produktionen regionaler Künstlern, seit Anfang 2009 ist das Werkhaus auch Träger des Südbahnhof in Krefeld (Bau- und Planungsphase), der als interkultureller Kulturort mit einer angestrebten Schwerpunktentwicklung "Neue Medien" geplant ist. Das Werkhaus betreibt für jedes Projekt eigene Internetseiten; auch hier finden sich aber vor allem Information und Werbung, nicht aber Kommunikation oder aufbereiteter Content (wie die erstellten Filme). Ein Archiv der eigenen Arbeit wird nur in Form von Presseberichten geliefert.

 

Das Bürgerzentrum “Alter Schlachthof” (Soest) bietet seit über 12 Jahren einem Aufnahmestudio des Bürgerfunks Platz, es werden wöchentlich 1-2 Sendungen zum Kulturgeschehen in Soest und Umgebung produziert. Im Haus befindet sich ebenfalls ein professionelles Tonstudio, in dem CDs produziert werden, das aber auch zu Nachvertonung von Filmen genutzt wird. Es betreibt seit über 10 Jahren eine Internetplattform, in denen die gesamten Veranstaltungen aus der Kulturregion Hellweg veröffentlicht werden. Außerdem hat der Schlachthof ein Ticket System für die Region maßgeblich mit aufgebaut. Hier existiert also Erfahrung in der übergreifenden Mediennutzung, auch weil seit der Schließung des städtischen Kulturamtes für alle Soester Kulturtermine die Pressearbeit (Printmedien, Rundfunk, TV und Internet) übernommen wurde. Auch hier existiert aber kein öffentliches Archiv und kein echter Rückkanal auf den Internetseiten.

 

Im Bereich der Jugendkultur existiert in den Flottmann-Hallen seit einigen Jahren ein kleines Team hochmotivierter, kreativer und medienbegeisterter junger Leute, die im Rahmen einer monatlich durchgeführten Reihe unter dem Label "RoomService" insbesondere neue Medien mit in ihr Programmkonzept einbeziehen. Veranstaltungen wie der Internationale VeeJay-Battle, das UKF- (UltraKurzFilm)-Festival oder die VideoLounge in Kooperation mit dem Internationalen Video Festival Bochum wurden von ihnen erfolgreich umgesetzt. Hinzu kamen kleinere, selbst produzierte Videobeiträge, die zu Wettbewerben eingereicht wurden.

 

Die Seite der LAG soziokultur-nrw.de bietet nur einen Dokumentenservice für Mitglieder der Landesarbeitsgemeinschaft, Interessierte finden lediglich die Links zu den Mitgliedern.

 

Fazit

Eine Menge Zentren beschäftigen sich auf die unterschiedlichsten Weisen mit Mediennutzung und Produktion, vereinzelt werden auch web 2.0 Angebote genutzt, kaum aber geboten. Die Zentren werkeln dabei „vor sich hin“, ein erster Austausch zum Thema wurde erst über dieses Projekt erreicht. Ein gemeinsamer Terminkalender liegt nicht vor, die Terminkalender, die die Zentren Ihren Gästen bieten, sind in der Qualität sehr unterschiedlich. Einen echten Online-Vorverkauf bekommen nur wenige Zentren hin. Ein Archiv oder gar einen Shop zu digitalen Inhalten oder auch T-Shirts gibt es nicht. Vielen Zentren fehlt auch noch eine überzeugende, in der Bedienung unaufwendige Newsletter-Lösung.

Gerade Lösungen zu perfekte Kalendern, Ticket Shop, Merchandising und Newslettern könnten über einen zentralen Einkauf sowohl der Technologie wie auch der nötigen Redaktion für die einzelnen Zentren erstaunlich preiswert erstellt werden. So eine gemeinsame Technologie / Redaktion könnte auf Dauer auch über ein digitales Archiv Wissen über Kulturgeschichte zur Verfügung stellen, und damit gleichzeitig Kulturschaffende wie Kulturrezipienten an die Soziokultur binden.

Einen dabei auch entstehender zentralen Kalender der Soziokultur würde die Lobbyarbeit der LAG mit Sicherheit unterstützen.

Ein Projekt, das "YouTube" und Co etwas Eigenes, technologisch ebenso Interessantes entgegen stellt und zugleich dem soziokulturellen Anspruch "Kultur für Alle" ein neues "Medien von Allen" zur Seite zu stellt, könnte für die Soziokultur eine interessante Verbreiterung des eigenen Angebots bedeuten.

Die Chance eines gemeinsamen Projektes „Internetnutzung in der Soziokultur“ besteht also in einer dauerhaften Stärkung der einzelnen Zentren durch bessere, preiswerte Werbung und neuen Kooperation mit der Künstlerschaft, der Medienwirtschaft und den Bildungsinstitutionen.

Mit den zunehmenden Bedeutungsverlust des Prints wird es für die Zentren nötig, sich um den Zugang zu den neuen digitalen Infokanälen zu sichern, um die Generation „always-on“ nicht als Nutzer der Zentren zu verlieren.

Durch die Digitalisierung ist der Markt für Medienprodukte ein unwiderruflich anderer geworden, auf dem die bisherigen "Spieler" ihre jeweiligen Rollen komplett überdenken müssen, wenn sie nicht vom Markt verschwinden wollen.

 

 

Nr. 17 Kulturzentrum Pelmke, Hagen - Pelmke Exhibition für Kids

 

Die EXHIBITION für KIDS - sollte Kids und Teens zwischen 8-16 Jahren für 3 Tage eine Plattform geben um sich mit unterschiedlichen kreativen Techniken auszuprobieren und auszudrücken.

Entstanden ist die Idee zur EXHIBITION für KIDS bei der letzten Exhibition 2008, bei der neben den erwachsenen Künstlern zum ersten Mal bereits Kinder und Jugendliche mitgemacht haben.

Unter dem Motto "Wir machen uns die Welt, wie sie uns gefällt" wurden 7 verschiedene Workshops unterschiedlicher Genres angeboten. Die Ergebnisse sollten dann beim Live Spektakel auf der Bühne präsentiert und auf unterschiedlichen Ausstellungsflächen gezeigt werden. Darüber hinaus haben wir einzelnen Kindern/Jugendlichen und auch Schulklassen angeboten ihre Werke unabhängig und zusätzlich zu den Workshop Ergebnissen beim Live Spektakel zu präsentieren.

Wichtiges Merkmal für alle Pelmke Exhibitions und so auch für die EXHIBITION –NEXT GENERATION für KIDS war das spartenübergreifende Angebot, sowie der Gedanke ein Netzwerk zwischen den Teilnehmenden und zwischen verschiedenen Institutionen zu stärken.

Darüber hinaus sollte das Projekt ein erster Auftakt und Test sein, um die Kursangebote für Kinder und Jugendliche verstärkt in das laufende Angebot der Pelmke aufzunehmen.

 

Nach einem Aufruf zur Akquise von Workshopleitern und Teilnehmerinnen, in der lokalen Presse im Herbst 2009 und durch direkte Kontakte zu verschiedenen Hagener Schulen und Institutionen der Jugendarbeit konnten wir 7 verschieden Workshops anbieten:

 

Performance "Wie es uns gefällt" 8-16 Jahre mit Akrobatik, Maskenspiel und Fakirelementen

Leitung: Bartholomäus Kleppek

Malerei - 8-14 Jahre - Malen im Großformat

Margit Wölk

Hip Hop Tanz - 14-16 Jahre zu fetten Sounds eure eigene Live Choreographie

Leitung: Chris Greiffenbach

Handy Fotografie - 8-16 Jahre - Porträt und Szene Fotos

Leitung: Halim Dogan

Bilderbuch - 8-12 Jahre lesen, malen und schreiben zur "Gramusel" Geschichte

Leitung: Rosemarie Lichte & Jürgen Hotan

Lichtobjekte - 8-12 Jahre - ungewöhnliche Figuren bauen

Leitung: Gabi Ruhnau

Experimente - 8-16 Jahre - erforschen, experimentieren und basteln

Leitung: Manuela Kieseier

 

Ursprünglich sollte die EXHIBITION für KIDS im Dezember 2009 stattfinden. Der Termin erwies sich jedoch als ungünstig, und es konnte leider nur ein Teil der Workshops durchgeführt werden.

Daraufhin haben wir den Termin verschoben und das gesamte Angebot noch mal für das letzte Wochenende im Februar 2009 aufgenommen.

Erneute Pressearbeit in den Monaten Dezember 2009 - Februar 2010, sowie die Bewerbung über Flyer, Plakate und verschiedene Verteiler führten jedoch leider auch nicht zur gewünschten und notwendigen Teilnehmerzahl um die EXHIBITION für KIDS zu realisieren.

 

Daraufhin mussten wir die EXHIBITION für KIDS leider absagen.

Aktuell recherchieren wir zum einen noch die Gründe, warum das Angebot in diesem Februar nicht den entsprechenden Zuspruch gefunden hat.

Zum einen kann man schon sagen, dass so ein umfassendes Angebot an einem normalen Wochenende und mit anschließender Präsentation u.U. einen gewissen Leistungsdruck bei den Kids und Teens suggeriert hat, und eine Projektwoche dieser Art außerdem besser in den Ferien durch zu führen ist.

Da sich durch unsere Akquise der Workshopleiter ein kleines Netzwerk gebildet hat, und alle noch motiviert sind, arbeiten wir weiterhin an der Installation von kreativen Workshops für Kids und Teens. Gemeinsam mit den Workshopleitern haben wir überlegt, dass wir mit Start in den Osterferien für die folgenden Monate bis zum Herbst jeweils einzelne Workshops anbieten möchten, um die Nachfrage im Kleinen und ohne die Verbindlichkeit zur öffentlichen Präsentation anzubieten.

Die entstandenen Kontakte und der Austausch mit den Workshopleitern und weiteren Gesprächen mit Institutionen der Jugendarbeit sind trotz des Scheiterns der EXHIBITION für KIDS ein wichtiges und fruchtbares Ergebnis um weiterhin an unserer Idee zu arbeiten.

 


Nr. 22 Werkhaus, Krefeld – Urbane Zeiten

 

Eine Stadteroberung der besonderen Art

Mit dem Label „Krefeld TANZT zeitgenössisch“ haben das Kulturbüro Krefeld und der Werkhaus e.V. im Jahr 2008 eine Plattform geschaffen, die dem zeitgenössischen Tanz in Krefeld eine größere Wertschätzung ermöglichen soll. Die Partner arbeiten eigenständig und sind auch für die Finanzierung ihrer Projekte eigenverantwortlich.

Unter dem Motto „Wer Tanz lernt – lernt das Leben“ (Royston Maldoom) arbeit das Werkhaus mit unterschiedlichen Dozenten Generationen übergreifend in Kurs-, Workshop- und in der offenen Jugendarbeit kostenfreien Angeboten zum zeitgenössischen Tanz. Über dieses Engagement hinaus arbeitet das Werkhaus nun im zweiten Jahr unter der Leitung des Tänzers und Choregraphen Andreas Simon an der Realisation und Präsentation von Tanzperformances mit Laien im öffentlichen Raum.

Weitere Dozenten (Ricardo Brown, Chris Parker, Sabine Kreuer) wurden punktuell in den Produktionsprozess mit eingebunden und arbeiteten mit den Teilnehmenden in den von ihnen vertretenen Schwerpunkten tänzerischen Ausdrucks. In eigenen Angeboten um die Produktionen herum, sollten sie darüber hinaus in unterschiedlichen Kontexten zur Vernetzung unterschiedlicher Teilnehmergruppen beitragen.

Die Zusammenarbeit wirkt über den Projektzeitraum hinaus als „vertrauensbildende Maßnahme“ zwischen den Dozenten, die vorher noch nicht miteinander gearbeitet hatten und sich teils erst während des Projektes kennen lernten.

Die Möglichkeiten individueller wie institutioneller Vernetzungen konnten so ausgebaut werden (Vertretungs-, Vermittlungsstrukturen), die das Werkhaus zur Profilentwicklung im Bereich Tanz nutzen will.

Das Projekt Urbane Zeiten sollte sowohl eine tänzerische wie persönliche Auseinandersetzung mit Stadtraum mit einem inklusiven Ansatz der Einbeziehung von Anwohnern der Gebiete sein als auch tänzerische Fähigkeiten weiterentwickeln helfen. Neue Gruppen Tanzinteressierter sollten erreicht und zur Beteiligung motiviert werden.

 

Neben den beiden Produktionen (Butterfahrt, litho tiger) wurden ein fortlaufendes Angebot mit Kindern aus dem Stadtteil als offenes Angebot (Ricardo Brown), sowie ein externes Angebot (Sabine Kreuer) mit dem Solidaritätshaus e.V. Krefeld durchgeführt.

Dabei gestaltete sich der Produktionsprozess (Butterfahrt ebenso wie litho tiger) sowie die Durchführung der Veranstaltungen als logistische Herausforderung und enorm aufwändig und auch auf der individuellen Ebene schwierig.

Der demokratische und an den Wünschen und Ideen der Teilnehmenden ausgerichtete Arbeitsprozess, sowie die Selbsteinschätzung individueller tänzerischer Möglichkeiten erforderte ein großes Maß an Moderation durch die künstlerische Leitung. Oft standen Arbeitsteilergebnisse in Widerspruch zu den künstlerischen Intentionen der Leitung.

Der Wunsch, sowohl des künstlerischen Leiters Andreas Simon wie auch des Werkhauses, Ergebnisse zu erarbeiten, die besonders auch künstlerischen Kriterien standhalten konnten, führte die Teilnehmenden an ihre Grenzen.

In der öffentlichen Wahrnehmung überzeugten die Ergebnisse aber gerade auf Grund dieser intensiven Auseinandersetzung.

 

Es haben sich 5 Projekte mit unterschiedlichen Zielsetzungen realisieren lassen:

 

Butterfahrt:

innerer Kern der Mitwirkenden:   Claudia Falz, Selma Lavon, Gertrud Thelen-Marzouk, Kala Wassenberg, Stefanie Weghs

Weitere Statisten und Kleinrollen (Passanten, Bewohner Hochhaus, Gastwirt) sowie die Blauen Männer (E. Hasse, D. Hintzen, A. Kriegler, Th. Wiemann) wurden integriert.

Die Aufgabe der Beteiligten war, durch die räumlich –visuelle Recherche eines zusammenhängenden Stadtgebietes, diese emotional und reflektierend erlebbar zu machen.

Fast allen Zuschauern war dieser urbane Raum gänzlich unbekannt. Als stadtraumplanerisch „abgehängt“ liegt das ehem. Wohnquartier von Bahnangestellten und –arbeitern, durch Arbeitsplatzabbau seines sozialen Gefüges beraubt, in einem Winkel zwischen Autobahnbrücke und Gleisanlagen in eigenartiger Stille. Assoziative, tänzerische Bilder verführten den Zuschauer zu einer zwar distanzierten, aber gleichzeitig willigen Konsumentenhaltung. Diese „Unorte“ wurden mit Reizen und Scheinrealitäten überdeckt und die augenscheinliche Wehmütigkeit verlorener Idylle als Kulisse kommerzieller Fragwürdigkeiten genutzt.

Die Recherchen und choreographischen Vorarbeiten wurden im März 2009 begonnen und im Prozess zigfach verändert. In Gesprächen mit den Anwohnern wurden von den Teilnehmenden geschichtliche Details der Entstehung und Veränderung erfragt. Kaffee und Kuchen, Schnittchen oder auch einfache Ablehnung gehörten zu den Begleiterscheinungen. Genehmigungen und Erlaubnisse mussten eingeholt werden, wurden erteilt und verworfen.

Die Bereitschaft zur Unterstützung, Rückzieher und überraschende Entwicklungen machten das Projekt für alle Beteiligten zu einem großen Erlebnis.

Andreas Simon: „Die Choreographie bindet die Betrachtung der Menschen in urbanen Alltäglichkeiten, von denen sie geprägt werden und in deren Einflüssen sie sich bewegen. Sie ist die „längste Belichtungszeit“. Dieser Ist-Zustand des Alltags, seine Bewegungsform wird im Tanz aufgenommen und künstlerisch verarbeitet. Es entstehen skurrile Bilder, Sehnsüchte nach Mystik und Spiritualität; aber auch Tänze des kleinen Unscheinbaren.“

Es wurden drei Aufführungen (4./ 10./ 11.10.2009) durchgeführt, die entsprechend der Buskapazitäten mit mehr als 150 Zuschauern (inkl. Gäste und zzgl. Privatautos) ausverkauft waren.

 

LithoTiger

Mitwirkende: Thore Michalk, Felix Trebo, Joshua Ben Knops, Ron Engels, Jeremy Brünker, Nico Bonas

Durchgeführt wurden drei Aufführungen 6./7./8.Nov.2009 innerhalb eines Stadtcarrés, welches von Roßstraße, Blumenstraße, Steinstraße umschlossen wird. Es handelt sich um ein typisches Krefelder Carré, in dessen Innenhöfen ehemals Manufakturen bzw. Webereien existierten. Diese sind heute teilweise abgerissen und durch Gärten ersetzt und folgen oft irritierenden Begrenzungen und Mauern, die historisch gewachsen, einen wilden Anachronismus zu begradigten, mit dem Lineal gezogenen Flurstücken darstellen. Ein kreatives Experimentierfeld für Kleingewerbe, Selbständige, Gärtner und wilde Kinderphantasien.

Das Publikum wurde von der Straße aus durch Wohnungen, Gärten, Hinterhöfe, Schuppen, Partyräume der Anwohner geführt und erhielten so einen Einblick in sonst privatisierte Hinterhofbereiche und ein besondere Lebens- und Wohnrealität in der Innenstadt von Krefeld.

Street Dance, New Dance, Butho und Parkour: Festgelegte Choreographien wurden von freien Improvisationen abgelöst. Rasendes Durcheinander mit Drunter und Drüber mündet in meditativer Stille.

Die Stile wurden mit ihren jeweiligen philosophischen Ansätzen vermittelt. Hieraus ergaben sich im Prozess des Findens für die Jungs (Alter zwischen 9 und 11 Jahren) Fragen über das Zusammenleben in der Stadt und die sich hieraus ableitenden unterschiedlichen Ausdrucksformen. Die eigene Lebensrealität wurde ertastet und getestet.

Auch hier ergab sich wie bei der Butterfahrt der besondere Reiz durch das Verlassen geregelter und gewohnheitsorientierter Verhaltensmuster.

Eine Prozession von 60 – 90 Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen folgte einer in mehrfacher Hinsicht losgelassenen Jungengruppe, die ihren assoziativen Phantasien tänzerische Gestalt gaben.

Dieses Projekt führte zu konkreten Anfragen nach Wiederholung in 2010.

 

Tanz als offenes Angebot

Nach guten Erfahrungen in den Vorjahren und dem Verlust eines zuverlässigen Tanzpädagogen im Bereich Breakdance waren wir auf der Suche nach neuen Dozenten, die im Umfeld nicht zu finden waren. Wir entschlossen uns zu dem Experiment einen Nachwuchstänzer (Ricardo Brown) als Honorarkraft einzubinden, der sowohl im Bereich von Jugendlichen wie auch mit Kindern im Alter bis 14 Jahren kontinuierlich jeweils Donnerstag unterrichten sollte. Gedacht war, die entstehenden Gruppen in das Gesamtprojekt und eine Präsentation bei Butterfahrt oder Litho Tiger einzubeziehen. Dies konnte leider nicht realisiert werden. Die Gruppe der Jugendlichen (5 junge Frauen 17-19) konnte nicht stabilisiert werden und fiel im Laufe des Jahres auseinander.

Die Kindergruppe wurde im Laufe des Prozesses (August 09) von einer jungen Frau (17J) ehrenamtlich betreut. Sie beteiligte sich mit den Kindern an unserer 25 Jahrfeier im Oktober 2009. Die Gruppe arbeitet seitdem kontinuierlich weiter und wird in 2010 weitergeführt.

Ricardo Brown, ein hervorragender Tänzer, wurde von Andreas Simon in das Projekt Litho Tiger als Gastdozent mit eingebunden und konnte mittlerweile in weitere Projekte vermittelt werden.

 

Vernetzung Solidaritätshaus e.V.

Im Rahmen des Projekts „Urbane Zeiten“ wurde mit der Kooperation mit dem Solidaritätshaus e.V. Krefeld versucht, eine Vernetzung mit einer eigenständigen Migrantenorganisation zu entwickeln und dies als Element gemeinschaftlicher kultureller Initiative weiter zu entwickeln. Leider haben wir es in 2009 nicht geschafft, diesen Versuch in eine gemeinsame tänzerische Aufführung einmünden zu lassen. Gleichwohl wird von beiden Häusern eine Fortsetzung angestrebt. Eine familiäre Darbietung fand Ende Januar 2010 im Solidaritätshaus statt.

 

Krefeld Tanzt Zeitgenössisch: Modern Dance

Mit dem Workshop sollte in einem Orientierungsangebot ein neuer Interessentenkreis angesprochen werden, welcher eventuell in der Zukunft in weitere Projekte, bzw. Produktionen im Bereich des zeitgenössischen Tanzes eingebunden werden kann. Als Basis für eine gemeinsame tänzerische Zusammenarbeit war der Workshop als „Initialworkshop“ geplant. An der Konkretisierung eines Projektes wird noch gearbeitet.

Chris Parker selber arbeitet seit langen Jahren in Deutschland als eigenständige Tänzerin und Choreographin und speziell als Dozentin mit der Limón-Technik.

Es fanden sich neun Teilnehmerinnen zusammen, in an einem Wochenende an ihrem persönlichen tänzerischen Ausdruck arbeiteten.

 

 

Nr. 23 Kulturzentrum BÜZ, Minden – Poetry Slam

 

Projektzeitraum: Januar bis Dezember 2009

Projektbeschreibung und Projektverlauf

Der Poetry Slam ist eine neue Form des literarischen Ausdrucks, der langsam an Popularität gewinnt.

Poetry Slams bieten Lesenden ein Podium für ihre Texte, die in der Regel ihre Texte nicht auf andere Weise publizieren können oder wollen.

Wir ermutigen mit Poetry Slams viele Menschen aus Stadt und Region, ihre Gedanken zu Papier zu bringen und diese auf einem öffentlichen Podium im Dichterwettstreit vorzutragen.

 

Die besonderen Qualitätsmerkmale des Slams im BÜZ sind vor allem:

Intergeneratives Miteinander: es lesen Menschen von 16 bis 75 Jahren

Vernetzung mit literarischen Institutionen Mindens wie unabhängigen Buchhandlungen, der Stadtbibliothek, verschiedenen literarischen Vereine und Vereinigungen der Stadt, Schulen und freien Autoren und Autorinnen. Gerne kommt zu uns regelmäßig die deutschsprachige Slammer-Szene, vorzugsweise aus dem norddeutschen Raum. Es entsteht ein kreatives Klima zwischen all den genannten Gruppierungen.

Im Rahmen ihrer Jahrestagung in Minden ist die Internationale Autorenvereinigung „Die KOGGE“ einmal im Jahr beim unserem Slam zu Gast. Der Wettstreit zwischen etablierten Autoren und den traditionellen Slammern führt zu hochinteressanten Veranstaltungen und Ergebnissen.

In der heimischen Presse haben wir eine feste Rubrik, in der wir Slammer und Slammerinnen portraitieren und ihre Texte veröffentlichen.

Wir entsenden die Sieger und SiegerInnen unseres Slams regelmäßig zu überregionalen und internationalen Poetry-Slam-Großveranstaltungen: den NRW-Slam, die Deutschen Meisterschaften und den Deutschsprachigen Poetry-Slam in Zürich.

Unser Poetry Slam ist fester Bestandteil des „offiziellen“ Corporate Image der Stadt Minden.

 

Projektziele

Wir wollten mit den Zuwendungen der LAG NW die Poetry-Slam-Szene in Minden weiter stärken. Wir sind der Ansicht, dass Poetry Slams eine herausragend positive kulturelle Ausdrucksform sind, die Mindener und MindenerInnen - neben den Einflüssen von Schule und anderen Bildungsinstitutionen - an Literatur zu führen und binden zu können: als ZuhörerInnen im Publikum und als kreative Aktive auf der Bühne. So manche vormals passive BesucherInnen des Poetry Slams sind jetzt selbst schriftstellerisch tätig und treten bei uns und den oben genannten Großveranstaltungen für Minden auf.

Es war unser ursprünglicher Plan, im Jahre 2010 den im Jahre 2008 erstmals in Münster statt gefundenen „NRW-Slam“ in Minden zu veranstalten. 2009 wollten wir in unserer Stadt dem Poetry Slam einen höheren Stellenwert verschaffen, um dem Großereignis 2010 den Boden zu bereiten.

Aus verschiedenen Gründen verzichteten wir im Sommer 2009 auf die Austragung des NRW-Slam 2010 in Minden. Stattdessen planen wir für Oktober 2010 für ein langes Wochenende das „1. Mindener Literatur-Festival“. Dabei wird der Poetry Slam mit verschiedenen Formaten und Workshops einen Schwerpunkt bilden.

Die Mittel aus der LAG-Förderung 2009 wendeten wir insbesondere für die anfallenden Reisekosten von auswärtigen namhaften Slammern auf. Wir haben damit die inhaltliche Attraktivität des Poetry Slams in Minden durch das Mitwirken dieser Autoren erheblich gesteigert und eine hohe Werbewirksamkeit für alle folgenden Poetry Slams in unserem Hause erzielt.

 

 

Nr. 25 Annette Knuf Schrägstrichtheater, Münster - Andersartig

 

Im Mai 2002 wurde das Schrägstichtheater (früher Wawanko-Theater) unter der Leitung der Dipl. Theaterpädagogin Annette Knuf als Freizeitangebot der Lebenshilfe für Menschen mit geistiger Behinderung Ortsvereinigung Münster e.V. gegründet. Im Dezember 2003 feierte es seine erste Premiere mit dem Stück „Ein Bonbon für Neuseeland“. Dem folgten 2005 „Rapunzel hat Spliss“ und 2006 „up & down“ mit jeweils 15 Aufführungen im Kreativhaus Münster. Das Schrägstrichtheater steht für professionell künstlerische integrative Theaterarbeit.

 

Die Produktion „Um Vier bei Ihr“ (Arbeitstitel „Andersartig“)
Es ist gelungen für dieses Projekt die Fachhochschule Münster, Fachbereich Sozialwesen als Koproduktionspartner zu gewinnen. Dank dieser Kooperation und mit Unterstützung seitens der „Aktion Mensch“, des Kulturamtes der Stadt Münster, sowie der LAG Soziokultur NW und damit dem Ministerpräsidenten des Landes NRW konnte das Projekt doch durchgeführt werden, nachdem die Bezirksregierung Münster eine zunächst in Aussicht gestellte Förderung abgelehnt hatte.

Durch die Kooperation mit der Fachhochschule Münster waren 20 Studierende an dem Projekt beteiligt. Neben 7 Menschen mit geistiger Behinderung waren 6 Studierende mit im Schauspiel engagiert, die übrigen waren im Kostüm-, Bühnen- und Regieassistenzbereich tätig. Die Studierenden waren auch für die Begleitung der Menschen mit Behinderung zu den Proben verantwortlich (Fahrdienste).

Die Regie führten die Theaterpädagogin Annette Knuf und der Regisseur Manfred Kerklau. Professionelle Mitarbeiter für Bühnen- und Kostümbild, Lichtdesign, Graphik, Fotographie und Film begleiteten das Projekt.

Die Proben begannen mit wöchentlichen Proben (3Std.) ab Anfang Oktober 2008 in den Räumen der Fachhochschule. Es wurden zwei Blockwochen (30.3. – 3.4. 09 und 25.5. – 29.5.09) durchgeführt, in denen ganztägig von 10:00 – 17:00 Uhr geprobt wurde. Diese Blockwochen waren von entscheidender Bedeutung für die Entwicklung des Stückes und auch für die Gruppendynamik. Da nun behinderte und nicht behinderte Menschen ganze Tage miteinander verbrachten und über die Pausen ect. einen ganz anderen Zugang zueinander und Kontakt gewinnen konnten.

In Form von geleiteteten Improvisationen begann das Ensemble sich mit dem Thema Andersartigkeit, Unartigkeit, Höflichkeitsformen und Ritualen bei Festlichkeiten auseinander zu setzten. Erfahrungen und Ideen der Gruppe wurden zur weiteren Materialfindung verwandt. Dazu kamen Texte aus „Kaspar Hauser“ von Peter Handke und eigene Texte der SchauspielerInnen. Die Textebene wurde bewusst sparsam gehalten. Das Thema der Feier mit ihren Ritualen und Förmlichkeiten kristallisierte sich als gute Möglichkeit mit „Andersartigkeiten“ zu arbeiten, heraus. Mit diesem Thema konnten sich alle gut identifizieren, alle kannten die unterschiedlichsten Feiern, das Einhalten von Formen und die Peinlichkeiten, die dabei entstehen können.

Entstanden ist schließlich eine schräge Geburtstagsfeier, in der es um Zwischenmenschliches und Kontaktaufnahme geht, um Missverständnisse und Reibung, die u.a. aus den unterschiedlichen Wahrnehmungen von behinderten und nichtbehinderten Menschen resultieren. Die Inszenierung baut auf Ensemble und Zusammenspiel. Behinderte und nichtbehinderte Menschen begegnen sich gleichberechtigt auf der Bühne, auf Augenhöhe, im gemeinsamen Spiel.

Für die integrative theaterpädagogische Arbeit war es wichtig, die unterschiedlichen Bedürfnisse in der Gruppe zu berücksichtigen und jeden Einzelnen zu fördern. Die Gruppe probte fast immer zusammen, da alle SchauspielerInnen immer auf der Bühne sind. Dabei die unterschiedlich Beteiligten weder zu unter – noch zu überfordern war ein Balanceakt, der große Klarheit und Entschiedenheit in der Leitung erforderte.

Das Stück wirkt durch die starke Präsenz und das Zusammenspiel aller Beteiligten, ohne pädagogischen Zeigefinger wird ein mögliches gleichwertiges Miteinander gezeigt.

Premiere feierte das Stück „Um vier bei Ihr“ am 17. Juni 2009 im Theater im Pumpenhaus, Münster. Dem schlossen sich 5 weitere Aufführungen an.

Wichtig, um als eigenständiges kulturelles Ereignis wahrgenommen zu werden, ist ein guter Spielort. Das Theater im Pumpenhaus als das renommierte Theater für neues Theater in Münster ist dafür prädestiniert. Dies Theater bietet nahezu doppelt so viele Plätze als das ursprünglich geplante Kreativhaus, daher haben wir 6 statt der ursprünglich geplanten 10 Aufführungen angesetzt. Die Aufführungen (170 Sitzplätze) waren alle ausverkauft. Das Publikum setzte sich aus dem allgemeinen Theaterpublikum und zu ca. 1/3 (soweit ersichtlich) aus Menschen mit Behinderung zusammen. Das Stück wurde von allen begeistert aufgenommen.

(s. Anlage Presse)

Die Kooperation mit der Fachhochschule war sehr hilfreich, da die Räume dort genutzt werden konnten ( Proberaum in den ersten Monaten; Werkstatträume für Bühnenbildbau und Kostüm ) Für die Blockwochen wurde ein Probenraum genutzt, der von der VHS Münster zur Verfügung gestellt wurde.

Bei den Kosten gab es Veränderungen im Regiehonorar. Der Aufwand für die Regiearbeit war höher als geplant, weil die zwei verschiedenen Zielgruppen (Studierende / Menschen mit Behinderung) intensiver zu berücksichtigen waren, als ursprünglich angenommen. Hier ging es darum, die sehr unterschiedlichen Bedürfnislagen dieser zwei Gruppen in die gemeinsame Theaterarbeit zu integrieren. Nach den Aufführungen wurde häufig diese besonders „gelungene Augenhöhe“ gelobt (was nicht bei allen Projekten mit behinderten Menschen gelingt). Der Mehraufwand an Regiekosten ist durch den Regieassistenzposten ausgeglichen worden, da die Studierenden in diese Arbeit eingeführt werden mussten.

Statt der geplanten Schulvorstellungen wurde das Stück nun im Rahmen der „Ständigen Konferenz Spiel und Theater an Hochschulen“ aufgeführt und eigens eine Aufführung für gehörlose Menschen ausgerichtet.. Zudem wurde durch die Kooperation mit der Fachhochschule ein stark studentisches Publikum gewonnen.

Da eine der behinderten Schauspielerinnen gehörlos ist, war es zwingend, die Aufführung auch gehörlosen Menschen zugänglich zu machen. Dies war bei der Antragstellung noch nicht klar. Daher entstand der zusätzliche Ausgabenposten für den Gebärdensprachdolmetscher.

Ursprünglich war nur ein Musiker geplant, die Live Musik des Trios „Klanc“ war ein entscheidender Gewinn für das Stück und wurde deshalb mit integriert.

Es gab Anfragen, das Stück anderorts zu spielen, doch für eine Tournee müssten zunächst neue Gelder akquiriert werden.

Insgesamt hat das Stück großen Anklang gefunden, sowohl bei den teilnehmenden Menschen mit und ohne Behinderung als auch bei den Zuschauern sowie in der Presse. Das Projekt hat – wie beabsichtigt – einen großen Beitrag zur Inklusion von Menschen mit Behinderung in Münster geleistet und kann als rundum erfolgreich bewertet werden.

 

 

Nr. 30 Stephan US, Münster – Die Präsenz der Abwesenheit

 

Die Präsenz der Abwesenheit - Ein bundesweiter Audio-Wettbewerb für einen Anrufbeantworter

 

Entree

In unserer Zeit der mobil-digitalen Kommunikationstechnologie stellt sich immer wieder die Frage: „Wo ist sie?“, „Wo ist er?“ „Wo bist Du?“. Diese Fragen nach dem real existierenden Menschen und das Bemühen um die Verortung seiner Abwesenheit sind die am häufigsten gestellten Fragen bei Telefonaten mit Mobiltelefonen. Und wer kennt nicht die Abwesenheitsnotizen als Antwort auf eine E-Mail, die elektronische Stimme, die auf einen Anruf folgend sagt: „The person you´ve called is not available“ oder den schon fast antiquierten Anrufbeantworter, der einem erzählt, dass die Person nicht da ist. 
Jeder kennt auch den nächtlichen Blick in die Dunkelheit und wird vom Antlitz der Sterne verzaubert, nur sind diese, obwohl wir sie sehen, überhaupt noch da? 
Und wo ist die Krise? Ist sie da? Und wenn ja, warum bekommt mein Nachbar sie nicht mit? Sie ist doch so groß?
Andererseits kann auch die Abwesenheit eine höhere Präsenz schaffen, zum Beispiel, wenn wir vor Sehnsucht nach einer geliebten Person schmachten und diese weit entfernt, fast unerreichbar, gerade vielleicht ebenfalls schmachtet. Aber auch der Tod eines geliebten Menschen schafft häufig eine besondere Präsenz der Abwesenheit. Durch den Tod und folglich der Abwesenheit kann dieser Mensch so stark in das Bewusstsein treten, was manchmal zu Lebzeiten nicht erreicht wurde.
Dies alles sind Spuren der Präsenz der Abwesenheit und es gibt noch viele mehr.
Was ist also diese Abwesenheit, diese paradoxe? Wie spielt diese Abwesenheit mit der Präsenz? Ist das neu oder war es nicht schon immer so? Und was hat diese „neue/alte?“ Form der Abwesenheit für Folgen zum Beispiel auf unsere Kommunikation, unseren Körper, auf unsere soziale und seelische Befindlichkeit?
Viele Fragen tauchen auf, die für diesen Wettbewerb das Motiv sind. Jedoch sollen die Beiträge nicht wissenschaftlicher Art sein, sondern sich im literarisch-musikalisch-künstlerischem Spiel – in Deinem Beitrag – äußern.

 

Der Wettbewerb

Jeder, der etwas zur Präsenz der Abwesenheit zu sagen, darüber zu singen, einen Text, ein Gedicht, konkrete Poesie, eine Klangcollage oder ein Hörspiel im Kopf hat, konnte mitmachen,! 
In dem Zeitraum vom 1. bis 31. Dezember 2009 hatten die Interessierten unter der Telefonnummer 0251-6253824 die Möglichkeit auf den Wettbewerbsanrufbeantworter ihren Beitrag zu singen, zu sprechen oder aufzuspielen. Es gingen über 200 Anfragen aus dem gesamten Bundesgebiet ein.
62 Beiträge, von Kiel bis München, von Köln bis Berlin, sogar aus Strassbourg und Linz, wurden schließlich auf den Anrufbeantworter gespielt. Teilnehmer im Alter von 12 bis 61 Jahre nahmen an dem Wettbewerb teil. Der Wettbewerb lief, trotz intensiver Werbung, erst etwas schleppend an, aber zum Ende hin wurde es richtig dicht. Aus den eingegangenen Beiträgen wählte Ende Januar 2010 die Jury: Antje Damm (Gießen), Christine Dissmann (Berlin) und Till Kniola (Köln) die besten Hörstücke aus, von denen dann eine professionelle Audio-CD hergestellt wurde.

 

Die 15 Preisträger sind (es gibt da keinen 1. oder 2. Platz!):

1. Bist du da - Andreas Ottmer - Osnabrück

2. Das Lied der Butter - Dazze Kammerl - Berg

3. I have a LIFE - Alexandra Socher - Celle

4. K. - der Stupor - Wolfgang Schwarz - Oldenburg

5. Abwesenheit der rechten Hand - J.S. Bach BWV 924 - Heike Eickhoff - Münster

6. Kein Dichter - Jürgen Flenker - Münster

7. Büro für abwesende Angelegenheiten - Octavia C. Gloggengießer - Berlin

8. Mente Ausente - Sascha Ruchti - Münster

9. Niemals ohne Dich - Annemarie Pfeiffer - Schöpstal

10. Kein Gedicht - Jutta Tonigs - Münster

11. Das Abwesen (Textperiment-Nr. 1) - Christian Schliephake - Münster

12. Dasein im Aus der Welt sein - Dino Sonnenfeld - Münster

13. Über die Ohnmacht - Sarah Spletzer - Bösensell

14. Weg! - Ute Almoneit - Köln

15. 31.12.2009 00.00 Uhr Öffentliche Telefonzelle mit fünf Euro gefüttert. Ich rufe Dich an, du bist nicht da und ich lege den Hörer beiseite und gehe weg. - Moshe Rosenfeldt - Berlin

 

Die Präsentation der CD am 22.02.2010 um 20 Uhr in der Stadtbücherei Münster wurde begleitet von einer Vielzahl anwesender Preisträger, einen Teil der Jury und ca. 50 Besuchern. Fast alle anwesenden Preisträger trugen ihren Beitrag live vor, was den Abend sehr kurzweilig gestaltete. Die Resonanz auf die Beiträge war durch den Facettenreichtum und Originalität sehr positiv.

Als Preise wurden den Preisträgern jeweils 20 CD´s, einen 25 € Gutschein von buch.de internetstores und eine kleine grafische Edition zum Thema Abwesenheit meinerseits überreicht.

In der Zeit vom 23.-27. März 2010 konnten alle Interessierte dann auch alle 62 für den Wettbewerb eingegangenen Beiträge im Archiv des Nichts, daß in der Stadtbücherei Münster ausgestellt war und vor Ort betreut wurde, anhören. Schulklassen und Interessierte nutzten diese Möglichkeit rege.

 

Alles in allem war das Projekt sehr erfolgreich und ruft nach einer Wiederholung unter ähnlichen Vorzeichen. Weitere Infos zum Wettbewerb unter: www.archiv-des-nichts.de/die_praesenz_der_abwesenheit/index.htm

 

 

Nr. 31 Theater Sycorax, Münster – Tatendurst - Kommt noch was

 

Im Oktober 2008 begann unter der künstlerischen Leitung von Paula Artkamp und Manfred Kerklau die Arbeit an der Produktion „Kommt noch was“ mit dem Arbeitstitel „Lob der Faulheit / Tatendurst“. Der erste Impuls zu dieser Eigenproduktion über den ungewollten oder gewollten Müßiggang und seine Folgen war der 1858 erschienene Roman „Oblomow“ von Iwan Gontscharow. In der ersten Arbeitsphase wurde über Improvisationen Material zur Muße und des sich Verlierens in Augenblick entwickelt. Geprobt wurde einmal wöchentlich drei Stunden im Probenzentrum des Theater im Pumpenhaus. Außerdem gab es 7 Wochenenden an denen intensiver geprobt werden konnte. Auf der Bühne waren 14 Akteure, die schon bei verschiedenen Sycoraxproduktionen mitgewirkt haben und ein Neueinstieg.

Bedingt durch die improvisatorische Arbeit und der Verwendung von persönlichem Material aus der Lebenssituation der Schauspieler verschob sich der inhaltliche Schwerpunkt immer mehr von der Auseinandersetzung mit der Muße hin zum Wert von Arbeit an sich bzw. den Wert von Menschen, die aus welchen Gründen auch immer, aus der Arbeitswelt herausgefallen sind.

Dies führte zu folgender Ausgangsituation: 12 Menschen sitzen und warten, sie sind in einer (Arbeitsamt?) - Maßnahme, welcher Art auch immer, sind dieser ausgeliefert und keiner weiß welchen Sinn diese haben mag. Die Schauspieler entwickelten für sich eigene Lebensläufe von Menschen, die aus diesem Arbeitssystem herausgefallen oder geworfen worden, bzw. sich selbst gegen dieses System entschieden haben.

(Aufgrund von verschiedenen Gründen, Krankheit, Beginn eines Studiums hatte sich in den ersten 2 Probenmonaten die Zahl der Akteure auf 12 reduziert.)

Wie auch in den früheren Theater Sycorax Produktionen wurde ein großes Gewicht auf die Ensemble Arbeit gelegt. Alle 12 Spieler sind nahezu die ganze Zeit auf der Bühne. Es gibt keine Protagonisten. Dies erfordert von allen ein hohes Maß an Konzentration.

Die Premiere war am 29.04.2009 im Theater im Pumpenhaus, weitere Aufführungen waren am 1. ; 2. und 3.05. 09. Zudem gab es am 5.05. eine Vorstellung für die Stadtwerke Münster, die das Projekt unterstützt hatten.

Die Aufführungen waren alle nahezu ausverkauft und das Stück ist als aktuelle Auseinandersetzung über die Situation von Arbeitssuchenden von Publikum und Presse sehr gelobt worden.

„ Es ist ein absurdes Stück, humorvoll und ernst zugleich. „Kommt noch was“ sprudelt vor Energie, kratzt an Oberflächen und geht zugleich in die Tiefe, hatte die Lacher und minutenlangen Applaus auf seiner Seite.“ – Westfälische Nachrichten

Am 23.; 24. und 25.9.09 wird es drei weitere Vorstellungen im Theater im Pumpenhaus geben. Zudem gibt es eine Einladung für April 2010 zu einem Theaterfestival in Kassel.

 

 

Nr. 32 Theater am Schlachthof, Neuss - We will dance! – Operadance-Project!

 

Das Theater am Schlachthof hat schon lange mit dem Gedanken gespielt auch das Metier Oper mit in sein Programm aufzunehmen. Eine traditionelle Oper war jedoch künstlerisch, organisatorisch und von der Zuschauerstruktur her nicht möglich. So haben wir lange nach einer richtigen Umsetzung gesucht. Durch die Jugendlichen im angrenzenden Barbaraviertel ist uns die Idee gekommen, eine moderne Umsetzung mit heutiger Musik zu versuchen. Die Oper "Cosi fan tutte" lieferte uns dafür die passende Geschichte: Eine Rockband steht im Mittelpunkt der Geschichte, ihre Beziehungen untereinander, ihre Musik und ihre Liebe. Mit dieser Geschichte gehen wir auf die Lebenswelt der Jugendlichen ein und werden sie so für unser Projekt begeistern.

 

Wir haben in Zusammenarbeit mit dem Kulturbus des Neusser Jugendamtes, der wöchentlich die verschiedenen Stadtteile mit Problemlagen anfährt, versucht Jugendliche mit musikalischem oder tänzerischem Interesse anzusprechen und für unser Projekt zu begeistern. Auch durch die verschiedenen Schulprojekte/Theater-AG’s des Theaters am Schlachthof haben wir Jugendliche angesprochen.

Wir haben so eine Gruppe von 19 Jugendlichen gebildet, die über mehrere Wochen hinweg mit dem Regisseur/Theaterpädagogen und den professionellen Schauspielern und Musikern eine moderne Version der Mozart-Oper Cosi fan tutte erarbeitet haben.

Der Regisseur und Autor Michael Hewel vermittelte den Jugendlichen die Originalhandlung der Oper Cosi fan tutte, die im 18. Jahrhundert in Neapel spielt. Dort rühmen sich zwei Junge Offiziere damit, dass ihre beiden Verlobten sie über alles liebten und niemals untreu werden würden. Don Alfonso, ihr Freund und ein erfahrener Mann von Welt, bietet ihnen eine Wette an, um sie vom Gegenteil zu überzeugen. Beide Offiziere verkleiden sich und verführen unerkannt die Braut des anderen. Ihre Wette auf die Treue der Frauen geht deshalb verloren, doch Alfonso befiehlt den enttäuschten Paaren sich zu umarmen und zu schweigen. Am Ende erklingt das berühmte Loblied über die Wechselfälle des Lebens: Glücklich sei der Mensch, der alles von seiner besten Seite nimmt, über die Liebe lacht und im Unglück Ruhe bewahrt…

Diese Handlung haben wir den Jugendlichen neben verschiedenster Videoaufnahmen der Originaloper auch in einer heutigen Sprache vermittelt, so dass sie den Inhalt auf ihre eigene Lebenswelt, auf ihre Beziehungen, Verliebt sein, Treue usw. übertragen konnten. So entstand aus den selbst erlebten oder von Freunden gehörten Geschichten eine neue, heutige Geschichte um zwei Paare und ihre Liebe und Treue. Diese Erzählungen brachte der Regisseur und Autor Michael Hewel in eine dramatische Bühnenfassung und ließ diese im Laufe der Zusammenarbeit immer wieder von den Jugendlichen überprüfen und auch ändern. So entstand am Ende eine moderne Rockoper bzw. expressives Musiktheater.

Ähnlich verlief die Arbeit mit dem Komponisten und Musiker Andreas Steffens. Auch er verbrachte viel Zeit mit den Jugendlichen, um so das Lebensgefühl und die Ausdrucksweise der Jugendlichen kennen zu lernen. Er bat die Jugendlichen ihm ihre Musik vorzuspielen und komponierte so aus den Musikbeispielen verschiedene Melodien in verschiedenen Stilrichtungen z.B. HipHop, Rock, Metal usw., so dass die Jugendlichen ihre Lieblingslieder aussuchen konnten. Mithilfe einiger Textbeispiele und der vorgegebenen Aussage für die Bühnenfassung erfanden die Jugendlichen eigene Texte zu den Melodien. So entstanden zwölf verschiedene Lieder die sich in den Text einfanden und so zur Gesamtkonzeption Rockoper beitrugen.

Einige besonders engagierte Jugendliche assistierten auch bei den Proben und beim Bau des Bühnenbilds und der Gestaltung der Kostüme, sowie bei der Erarbeitung des Lichtkonzepts. Andere nahmen an den Proben teil, um so die Arbeit der Schauspieler und Musiker kennen zu lernen und den Fortschritt in der Arbeit zu begleiten. Alle beteiligten Jugendlichen haben so einen tiefen Einblick in die Theaterarbeit erhalten und haben so zum Gelingen des Stücks beigetragen. Es ist eine Rockoper entstanden, die das Lebensgefühl und die Realität von Jugendlichen widerspiegelt, weil diese konkret an der Entwicklung mitgearbeitet haben.

Die Handlung spielt in einem Proberaum einer Rockband. Deren Markenzeichen sind die Auftrittskostüme aus dem Rokoko (ähnlich wie bei der Rockband „Queen“ in ihren Anfängen). Einer der Bandmitglieder will aussteigen und woanders Karriere machen. Aus diesem Anfangskonflikt ergeben sich allerlei Verwirrungen, auch in den Liebesgeschichten der Mitglieder der Rockband. Aus der Handlung ergeben sich auch die Rocksongs, die die Sehnsüchte und Träume der Bandmitglieder besingen.

Die Handlung löst sich durch die Ankündigung einer Schwangerschaft, zwei Bandmitglieder werden Mutter und Vater, neue Verantwortungen entstehen...

Aus der barocken Vorlage wird ein Stück über Traum und Wirklichkeit einer Rockband, über Liebe und Liebelei, Langeweile und Protest, Lebensgefühl, Identität, Veränderung und neuen Lebensentwurf, über amouröse Subkultur. Früher hieß das mal: Sex & Drugs & Rock 'n' Roll. Zwei Paare, die sich lieben und dennoch über Kreuz gehen: Così fan tutte - so machen's alle! Wir mögen beim Sex das meiste erlebt haben, die Liebe schockt uns immer noch.

Die COSY WARRIORS im Studio. Die Zeit drängt, denn die Newcomer haben das Studio nur für exakt 24 Stunden zur Verfügung. Ausgerechnet da kommt es zu Verwicklungen und Komplikationen. Jens, der Leadsänger, hat das Angebot eines großen Plattenlabels, sein Flieger geht in ein paar Stunden. Anke, seine Freundin, erfährt, dass sie schwanger ist. Bloß von wem? Vor kurzem hatte sie nämlich einen kleinen unbedeutenden Seitensprung mit Jo, dem Schlagzeuger der Band. Eli, dessen Freundin, sinnt auf Revanche. Natürlich mit Jens. Ein Stück über die unmoralische Unbeständigkeit der Liebe und die erstaunlich tiefe Sehnsucht nach Liebe... Die 12 Songs der Cosy Warriors werden im Laufe des Stücks auch in voller Länge live gespielt.


ich atme luft von anderen planeten
ich bin der mann der mit den sternen spricht
ich bin ein funke von dem großen feuer
und letzte worte gibt es von mir nicht

Die Rockoper wurde im Theater am Schlachthof und im Depot, Dortmund mit großem Erfolg gespielt.

 


Nr. 34 Theater am Schlachthof, Neuss - Meine Worte sind wie Sterne…

 

Bekannt wurde Häuptling Seattle durch die Rede, die er im Januar 1854 bei einer Anhörung vor dem Gouverneur des Washington-Territoriums gehalten hatte. Die Tatsache der Rede und ihre Dauer von etwa einer halben Stunde sind historisch dokumentiert. Allerdings gibt es keine authentische Niederschrift des Inhalts, sodass viele unterschiedliche - und möglicherweise verfälschte - Versionen kursieren.

Ein zentraler Punkt der Rede ist die Bedeutung des Landes für den Ahnen- und Totenkult der Indianer, ein zentraler und wahrscheinlich authentischer Satz lautet auch: "Jeder Teil dieses Landes ist meinem Volk heilig."

Die Rede stellt Häuptling Seattle phantasievoll als einen frühen ökologischen Visionär dar, der über die Einsichten seines Volkes in das Wesen der Natur und des Menschen spricht. Diese Rede faszinierte zahlreiche Menschen und gewann damit starke Bedeutung für die Umweltbewegung, für die die Rede des Häuptlings Seattle genauso wie die Weissagung der Cree zu einem modernen Mythos wurde.

"Auch die Weißen werden untergehen, vielleicht schneller als alle anderen Stämme und Völker. Fahrt fort, euer Bett zu besudeln, und ihr werdet eines Nachts in eurem eigenen Abfall ersticken."

"Bald werdet ihr das Land überfluten wie die Flüsse, die nach einem plötzlichen Regen die Schluchten hinunterstürzen. Aber mein Volk ist eine versiegende Ebbe, wir werden niemals wiederkehren."

"Die Erde gehört nicht dem Menschen; der Mensch gehört der Erde."

"Die Weißen scheinen die Luft, die sie atmen, nicht wahrzunehmen. Wie ein Mensch, der seit vielen Tagen im Sterben liegt, sind sie abgestumpft gegen den Gestank."

"Euer Gott liebt euer Volk und hasst meins." - "Euer Gott scheint parteiisch zu sein."

"Jeder Teil dieser Erde ist meinem Volk heilig. Jede glänzende Kiefernnnadel, jeder lichte Nebel in dunklen Wäldern, jede Lichtung und jedes summende Insekt ist heilig in der Erinnerung und der Erfahrung meines Volkes."

"Meine Worte sind wie Sterne. Sie gehen nicht unter."

"Vielleicht sind wir letztlich doch Brüder und Schwestern; wir werden sehen."

"Was immer der Erde widerfährt, widerfährt auch den Kindern dieser Erde." –

"Wenn Menschen auf die Erde spucken, bespucken sie sich selbst."

"Wir wissen, dass die Weißen unsere Art nicht verstehen. Ihr Appetit wird die Erde verschlingen und nur Wüste zurücklassen." –

Der Regisseur Theo Meller und der Schauspieler Halil Yavuz überlegten lange, wie sie die Rede auf die Bühne bringen können und wer, mit welcher Haltung, diese Rede in der heutigen Zeit halten sollte. Dieser lange Prozess des Überlegens und Ausprobierens brachte die beiden auf die Idee genau diesen Prozess und somit die verschiedenen Möglichkeiten auf die Bühnen zu bringen und so die Zuschauer an ihrem Prozess teilhaben zu lassen und sich so selber eine Meinung bilden zu lassen, welches die beste Form ist. So hatte die Zuschauer einerseits die Möglichkeit an einem wirklichen Entstehungsprozess eines Theaterprozesses teilzuhaben und andererseits konnte sich jeder seine eigene Meinung bilden über die Art und Weise in der die Rede gehalten wurde und welche Aussage damit verbunden ist. Dadurch entstanden nach den Vorstellungen viele Diskussionen mit dem Regisseur/Schauspieler und dem Publikum über die Aussagen der Rede und deren Bezug zur heutigen Zeit. So wurde die Rede zu einem großen künstlerischen aber auch „politischen“ Erfolg des Theater am Schlachthof.

 

 

Nr. 35 Druckluft, Oberhausen – Café Kollabo Projekt 2009

 

Einleitung

Was zunächst unter dem Namen Kollabo bei der LAG Soziokultur beantragt und in den ersten Besprechungen zum Kunst-Projekt auch unter diesem Namen geführt wurde, kam vor Beginn der ersten Veranstaltung, dadurch dass auch dort schon neue kreative Köpfe zur Gruppe gestoßen waren, schon zum neuen Namen Skribble Gebibble Colour Geballer. Somit begann im März die Kreativ-Veranstaltung für Gestalter und Kunstinteressierte im Drucklufthaus und konnte sich im Verlauf des Jahres neben des erneut veränderten bzw. verkürzten Namens Skribble Gebibble inhaltlich weiterentwickeln. Fortan soll das Kollabo Projekt nun Scribble Gebibble genannt werden.

 

"Scribble Gebibble

"Im klartext ein abend zum basteln, malen, mucke hören, hängen, schlemmen und im jetzt sein. macht spass, kost nix und ihr. " - myspace.com/skribblegebibble Skribble Gebibble bedeutet es werden Tische aufgestellt, Material verteilt und alle dürfen Mitmalen und Mitbasteln. Die Ergebnisse werden aufbewahrt und in dem jeden dritten Donnerstag im Druckluft Oberhausen stattfindenden Kunst

Kneipen-Abenden präsentiert, bei denen es auch immer gutes veganes Essen und angenehme Musik zu Sinnen gibt.

 

Zum Eindrücke ausdrücken...

Die Gruppe konnte sich vor allem durch neu geknüpfte Kontakte mit anderen Kulturveranstaltungen das Programm auch am Stammabend erweitern. So geht es nun vielmehr darum einen grenzenlosen Freiraum für Kreativität zu schaffen in welchem jeder Drang von künstlerischem Ausdruck ausgelebt werden darf. Es finden sich mittlerweile Fotografen, Musiker, Kurz- und Animationsfilmdreher, Poeten bzw. Poetry Slammer, Breakdancer, Kurzfilm-Zuschauer, plastische Künstler, Illustratoren, Zeichner, Maler, Graffiti - und Streetart - Künstler unter unseren Gästen wieder. Neben den üblichen Stammterminen, jedem 3. Donnerstag im Monat, konnten wir zusätzlich an verschiedenen Festivals, Events und Kulturveranstaltungen teilnehmen. Somit finden sich in der ersten Hälfte der Auflistung vor allem Kooperationen welche zu unseren Stammterminen stattfanden und in der anderen Hälfte die mit anderen Veranstaltungen.

 

Im Rahmen der Stammveranstaltung:

Start der Veranstaltung im März 2009 jedem Monat eine Veranstaltung jeden Donnerstags Beginn um 19 Uhr bis mind. 23 Uhr (insgesamt 10 Stück)

 

Kooperationen mit Künstlern bzw. Ausstellern:

Hardy Bock, Lovleyloops, OnyTwo, Hide, Franka Levandowski, Jakub Laska, Simon Mellnich, Marius Chwalek, Sinja Possekel, David Jansen, Jan Ahlt, Jan Ehlen, Oliver Klub

 

Kooperationen mit Musikern:

A Giraffe, Fingers on Tallin, Beiler von der Couch, Pit Wenninger, Familie Staub, Jibble Jay, Wendy, diverse Rap und Poetry Freestyler, oder auch Gitarristen (welche als Gäste kamen und spontan das Mikrofon verlangten), Oskar Ohlson, James Reindeer (GB),Filkoe (USA), James P. Honey (GB), Zoén (F), und zu guter letzt The Scribbles (USA), welche uns via Internet kontaktierten um im Skribble Gebibble Rahmen ein Coverdesign für ihr kommendes Album zusammen mit unseren Gästen zu erstellen.

 

Kooperationen mit DJ’s:

Neben den Stamm Dj’s: Frau Keludowig, Tofuland, Kid Data, Hemon und Einar. Zuviel nahmen auch Andere Einfluss auf Musik und Atmosphäre unter anderem Ilona, Morpheus B, Phillip Brinker, Der Phatischist aka. Beatvater, Jan und Felix Möser.

 

Kooperation mit den internationalen Kurzfilmtagen Oberhausen:

Im November 2009 sind wir vom Leiter der Kurzfilmtage angesprochen worden ob wir Interesse an einem gemeinsamen Projekt hätten, in welchem es darum geht, dass wir unseren Gästen den Zutritt zu den Archiven der internationalen Kurzfilmtage ermöglichen um daraufhin ein Alternativ-Programm zu erstellen, welches zeitgleich zu den Kurzfilmtagen in einem anderen Veranstaltungsort präsentiert wird.

 

Im Rahmen von Kooperationen mit anderen Veranstaltungen:

Die Beatplantation ( Mini-Festival )

Erste Kooperationen fingen im Juni an und wurden im Dezember vertieft, sodass sie zur Stammbesetzung dieser Veranstaltung hinzugefügt worden sind und fast jeden Monat zusammenarbeiten. In dieser sehr Kultur bezogenen Party-Veranstaltung haben hatte Scribble Gebibble einen eigenen Raum und konnte sein Programm nach Belieben gestalten.

 

Das Art-Attack Festival ( Kunst-Festival / Mülheim )

Bei diesem Festival gestalteten wir den Cafe-Bereich und waren das verbindende Glied zwischen den Präsentationsräumen Musik und Kunst.

 

Die Kreativ-Party 2010 ( im Zentrum Altenberg / Oberhausen)

Auf Anfrage der Organisatoren von Kulturhauptstadt 2010 GmbH. wurden das Kollektiv Gebeten das Grundgerüst dieser Veranstaltung zu stellen. So wurden sieben eingeladen, auch oben erwähnte, Künstler ein um eine große Ausstellung präsentieren zu können. Von Seiten der Kulturhauptstadt 2010 GmbH. wurden die Örtlichkeiten, 2 Bands und ein Buffet gestellt.

 

Eröffnungsfeier Kulturhauptstadt 2010 ( auf Zeche Zollverein / Essen)

Gemeinsam mit der Beatplantation wurde die Kreativ Halle (Halle 5) während der Eröffnungsfeier gestaltetet und erhielt eine weitere Web-Präsenz auf der Internetseite http://www.2010lab.tv.

 

Teilnahme an 30 Jahre Druckluft ( Jubiläumsfestival / Oberhausen )

Teilnahme Zinefest Mülheim ( „Zine“ = illustrierte Magazine im Taschenformat )

Teilnahme im Emokeller ( Veranstaltungsort / Duisburg )



Nr. 38 Die Welle e.V., Remscheid - Wir hier - Menschen und wo sie leben

 

Fotoplakatausstellung und Videoinstallation im öffentlichen Raum

 

Das Projekt WIR HIER fand im Stadtteil Hasenberg statt.

Der ‚Hasenberg’ in Remscheid-Lennep ist ein Wohngebiet, in dem in Hochhaussiedlungen viele Familien mit Migrationshintergrund (Deutsch-Russen, Italiener, Türken), aber auch deutsche Familien der mittleren und unteren Bevölkerungsschichten leben. Dieser kulturellen Vielfalt steht aber kein adäquates kulturelles Angebot gegenüber.

 

Das Projekt richtete sich an folgende Gruppen und Institutionen:

Besucherinnen und Besucher des Seniorentreffs der IG Hasenberg

Bewohnerinnen und Bewohner des Augusta-Hardt-Heims (AHH) (Wohnheim für ältere Menschen mit psychischen Erkrankungen)

Kinder und Jugendliche des Stadtteils

Jugendliche der evangelischen Kirchengemeinde (JÜXX)

 

Die Grundidee des Projektes war, den Menschen des Stadtteils die Möglichkeit zu geben sich mit ihrem Lebens- und Wohnumfeld, ihrer kulturellen Situation aktiv und gestalterisch auseinander zu setzen. Grundlage des Projektes boten die langjährigen Kooperationen von Die Welle e.V. mit unterschiedlichen Institutionen im Stadtteil. Aus diesem kamen die Menschen, die am Projekt beteiligt waren.

Im Frühsommer starteten die ersten Gruppen mit der Arbeit. Die Senioren der IG Hasenberg machten sich daran ihren Stadtteil mit der Fotokamera zu entdecken. Im Laufe der Arbeit entwickelten sie einen sehr detaillierten Blick auf einzelne Aspekte des Stadtteils. Vor allem die Wege und die Bebauung standen hier im Vordergrund. Aber auch die Naturnähe des Stadtteils floss mit in die Arbeit ein!

Im Anschluss an die Gestaltung der Fotoplakate machten sich die Senioren noch auf Entdeckungsreise mit der Videokamera. Diese Arbeiten flossen in die Videoinstallation mit ein.

Ebenfalls im Frühsommer startete die Jugendgruppe (JÜXX) der ev. Kirche mit der Arbeit an der Videoinstallation. Sie begab sich auf die Suche nach Plätzen, Räumen und Orten für Jugendliche im Stadtteil. Ausgangspunkt hier für war ihr Treffpunkt, die Räume der ev. Kirche, der im Stadtteil als Ort der Begegnung einen hohen Stellenwert hat. Die Jugendlichen steuerten ebenfalls Fotografien aus dem Stadtteil bei, die sich mit der Nähe zur Natur auseinandersetzten.

Die Bewohnerinnen und Bewohner des AHH starteten nach den Sommerferien mit der fotografischen Suche in ihrem Stadtteil. Sie warfen einen Blick auf die zerfallende Infrastruktur (Schlecker) und Kuriositäten des täglichen Lebens (Schilder, Symbole, Müll).

Nach der Präsentation des Projektes auf der Stadtteilkonferenz zeichnete sich ab, dass das Interesse am Sommerferienprogramm für Kinder sehr hoch war. Deswegen wurden jeweils nur 3 Gruppen mit Foto- und 2 Gruppen mit Videoangeboten durchgeführt, dafür wurde das Sommerferienprogramm aber von einer auf zwei Wochen ausgedehnt.

Die teilnehmenden Kinder hatten die Möglichkeit mit den Medien Fotografie und Video ihren Stadtteil zu erkunden. Dies wurde mit viel Freude umgesetzt. Viele Kinder entdeckten auf diese Weise ihren Stadtteil ganz neu und lernten viele neue Seiten kennen.

Die Gruppe der Senioren der IG Hasenberg nahm sehr schnell eine zentrale Rolle im Projekt ein, sie waren neben der Foto- und Videoarbeit auch sehr aktiv an der Umsetzung der Präsentation beteiligt. So wurden Plätze für die Plakate ausgesucht und vermessen und Räume für die Videopräsentation zur Verfügung gestellt!

Zur Auswahl der Medien ist festzustellen, dass allen am Projekt Beteiligten die künstlerisch/dokumentarische Arbeit mit der Fotokamera und das Gestalten der Plakate deutlich einfacher fiel, als die Arbeit mit dem Medium Video.

Die so entstandenen Ergebnisse spiegeln dies wieder. Die Aussagekraft der entstandenen Plakate/Banner und die Präsens im Stadtteil ist deutlich stärker als die der Videoinstallation.

Den Blick einzufrieren, etwas festhalten als Momentaufnahme, dies ist wohl der entscheidende Moment bei diesem Medium.

Besonders die Kinder im Sommerferienprojekt bevorzugten sehr schnell die Fotokamera der Videokamera. Der Schnappschuss als Mittel der Endeckung wurde so zu einer Möglichkeit den Stadtteil zu erkunden.

Während der Projektlaufzeit wurde das Projekt immer wieder im Stadtteil präsentiert. Dies geschah zum Beispiel auf den Stadtteilkonferenzen, und bei der Präsentation der Kinder in den Sommerferien. Es gelang so das Projekt im ‚Gerede’ zu halten.

Eine besondere Wendung nahm das Projekt als mit der GEWAG (Wohnungsbaugesellschaft) die endgültigen Standorte der Plakate geklärt werden sollten. Bei der Präsentation der Entwürfe für die Plakate wurde der Vorstand auf die hohe Qualität der Arbeit aufmerksam.

Es wurde angeregt, über eine dauerhafte Anbringung nachzudenken. Nach längerer Überlegung wurde entschieden, dass die Entwürfe nicht wie geplant auf Papier gedruckt und plakatiert werden sollten, sondern auf LKW-Planen gedruckt und verschraubt werden sollten. Die hierdurch entstehenden Kosten, die nicht durch das Projekt abgedeckt werden konnten, übernahm die GEWAG. Durch die dauerhafte Anbringung ist das Projekt viel nachhaltiger im Stadtteil präsent.

Es gibt immer wieder sehr positive Rückmeldungen aus unterschiedlichen Bevölkerungsgruppen.

Auch eine mutwillige Zerstörung der Objekte ist bislang ausgeblieben.

Durch die mediale Beschäftigung mit ihrem Lebensumfeld wurde für die am Projekt direkt beteiligten Menschen eine neue/andere, oft detailliertere Sichtweise eröffnet. Dies obwohl sie oft bereits seit vielen Jahren im Stadtteil leben.

Durch die dauerhafte Präsens der Plakate im Stadtteil profitieren aber auch die nicht in das Projekt involvierten Menschen von der optischen Aufwertung ihres Lebensumfeldes.

 

 

Nr. 39 Institut für bildung und Kultur., Remscheid - „Das Lied meines Lebens“ – Ältere Menschen aus aller Welt und ihre kulturellen Schätze. Eine Wanderausstellung.

 

Projektlaufzeit: 16.03.-31.12.2009

Im Projektzeitraum ist eine multimediale Wanderausstellung mit 20 Fotografien, 9 Texttafeln und 8 Hörbeispielen entstanden. Die Ausstellung zeigt Portraits von acht Personen unterschiedlicher kultureller Herkunft in ihrem familiären Umfeld und an Orten, die ihnen wichtig sind. Es handelt sich um ältere Menschen mit Zuwanderungsgeschichte, die sich durch ihr kulturelles und soziales Engagement erfolgreich für ihre Zugehörigkeit zur Mehrheitsgesellschaft eingesetzt haben. Mit ihren Biografien sind sie Vorbilder für eine gelungene Integration.

Portraitiert wurden Teilnehmerinnen und Teilnehmer von „Polyphonie – Stimmen der kulturellen Vielfalt“, einem Gesangsprojekt, das sich mit der kulturellen und gesellschaftlichen Teilhabe älterer MigrantInnen aus dem Ruhrgebiet beschäftigt. Im Rahmen des Gesangsprojekts wurden ältere Menschen mit Migrationshintergrund eingeladen, das „Lied ihres Lebens“ zu singen und auf großer Bühne zu präsentieren.

Der Fotograf Stephan Eichler hat von acht der Sängerinnen und Sänger Fotoportraits aufgenommen. Zwischen Juni und August 2009 besuchte er sie jeweils an ihrem Wohnort, verbrachte den Tag mit ihnen und ihrer Familie und fotografierte sie in ihrem Zuhause und an Orten, die ihnen besonders lieb geworden sind. Aus Interviews sind kurze Texte entstanden, die Einblick in die Lebensgeschichte und das kulturelle Engagement der abgebildeten Person geben. Darüber hinaus machte der Musiker und Komponist Bojan Vuletic Audiomaterial zum „Lied meines Lebens“ über MP3-player verfügbar. Über Kopfhörer können die Besucher an den jeweiligen Stationen die „Lieder des Lebens“ hören.

Im September und Oktober 2009 wurden die Prints der Fotos, Texte und das Audiomaterial für die Ausstellung produziert.

Die Wanderausstellung wurde erstmalig im Bildungszentrum Schloss Eichholz der Konrad-Adenauer-Stiftung im Rahmen des Herbstsymposiums „Leben im Alter“ gezeigt, an dem ca. 80 Personen teilnahmen. Das Symposium bot Anlass, die Ausstellung am 25.10.2009 den Teilnehmende zu präsentieren und darüber angeregt zu diskutieren. Die Ausstellung wurde bis zum 04.11.2009 in Schloss Eichholz gezeigt und von vielen weiteren Besuchergruppen des Bildungszentrums gesehen.

Zur Ausstellung ist ein Flyer entstanden, den Stephan Eichler gestaltet hat. Ein vorläufiger Katalog zur Ausstellung, der noch in Druckform erscheinen soll, liegt dem Sachbericht bei.

Leider konnte die Ausstellung in 2009 nur einmal gezeigt werden, da mit der Erstellung der Portraits aufgrund von familiären Problemen des Fotografen erst im Frühsommer begonnen werden konnte. Die Wanderausstellung steht jedoch über den Projektzeitraum hinaus dauerhauft zur Verfügung und kann beim IBK ausgeliehen werden. Sie ist leicht zu transportieren und einfach aufzubauen. Für 2010 sind bisher zwei weitere Ausstellungsorte geplant. Am 19.03.2010 wird die Ausstellung in der Räumen der Landesgeschäftsstelle des Paritätischen NRW gezeigt, ab 14.04.2010 im Theater Duisburg. Weitere Ausstellungsorte sind im Gespräch. Auf die Förderer wird über den Projektzeitraum hinaus verwiesen.

Der geplante Kosten- und Finanzierungsplan wurde eingehalten. Die Produktion der Fotoprints wurde etwas teurer als veranschlagt, da sich der Fotograf aus künstlerischen Gründen dafür entschieden hat, mehrere Fotos pro Person zu zeigen. Der Auf- und Abbau erfolgte ehrenamtlich.

 

 

Nr. 41 Kraftstation, Remscheid - Vergiss-Mal-Nicht | Ein politisch-kultureller Streifzug

 

In der Projektreihe Vergiss-Mal-Nicht haben wir die BesucherInnen der Kraftstation auf eine Zeitreise in unsere jüngste Vergangenheit genommen. Das Projekt wurde mit einer Arbeitsgruppe aus 8 Jugendlichen begonnen. Mit ihnen haben wir die Aufarbeitung des Mauerfalls vor 20 Jahren geplant. Gemeinsam haben wir uns für das Datum des 5. Dezembers entschieden. An diesem Tag haben wir ein Konzert mit jeweils einer Ost-, West- und Süddeutschen Band geplant. Die Widervereinigung wurde unter dem Motto „Krach von Ost bis West“ gefeiert. Insgesamt 200 Jugendliche haben diese Veranstaltung besucht und im Vorfeld einen Film gesehen. Gerade die Bands und der Veranstalter haben immer wieder auf die Besonderheit dieses Ereignisses hingewiesen, denn vor 20 Jahren wäre so ein Event kaum möglich. Innerhalb der Jugendlichen Organisationsgruppe wurde des Öfteren die Aussage getroffen: „In Ostdeutschland gibt es echt viele coole Bands“. Als weiteren Baustein wurde eine Wand der Kraftstation mit einem Motiv des Graffitikünstlers Baix besprüht. Ihm wurde das Thema „Grenzen einreißen“ vorgegeben.

Des Weiteren haben wir uns mit den Ereignissen um den deutschen Herbst beschäftigt. Als Ausgangspunkt haben wir den Baader-Meinhof-Komplex genommen und ihn in unserem Open-Air-Kino gezeigt. Die anwesenden Jungendlichen wurden zu einer Lesung des Buches „Lieber wütend als traurig“ von Alois Prinz eingeladen. Weit über 40 Jugendliche nahmen dieses Angebot an und konnten einen ganz anderen Einblick auf das Leben der Ulrike Meinhof erhalten. Alois Prinz hat besonders die jüngeren Jahre der RAF Terroristin in den Fokus gerückt und damit auch eine Brücke zu den Jugendlichen geschlagen. Innerhalb einer offenen Diskussion wurde vieles hinterfragt und deutlich Gewalt als politisches Mittel abgelehnt. Insgesamt haben die BesucherInnen die Veranstaltung als sehr informativ eingeschätzt. Zudem haben wir im Vorfeld der Lesung an unseren Partnerschulen Informationsveranstaltung durchgeführt und das Thema RAF und Terror zusammen mit den jeweiligen GeschichtslehrerInnen thematisiert und diskutiert.

Das Projekt „Vergiss-Mal-Nicht“ wurde wirklich positiv angenommen. Zukünftig werden wir die Kombination aus politisch-geschichtlichen Inhalten mit kulturellen Angeboten in unserem Programm für Jugendliche weiter verfolgen. Allerdings müssen wir hier verstärkt mit Schulen zusammenarbeiten. Denn nur im engen Kontakt mit Jugendlichen findet auch der inhaltliche Austausch statt! Schulen sind hier ein hervorragendes Bindeglied.

 


Nr. 40 Kraftstation, Remscheid - Vom Suchen und Finden

 

Im vergangenen Jahr haben wir nach dem Motto „Tod geglaubte Leben länger“ eine programmatische Diskussion in der Kraftstation losgetreten. Mit ca. 30 jungen MusikerInnen haben wir die aktuelle Lage der Musikszene Remscheids besprochen. Als Ursache der rückläufigen Besucherzahlen wurde die fehlende Bereitschaft Eintrittsgelder zu zahlen genannt, sowie die eher populäre Mainstreamausrichtung.

Wir nahmen diesen Aktionstag als Ausgangspunkt drei neue Formate in das Programm der Kraftstation einfließen zu lassen. Nach dem Motto „Pink Kitchen“ planten wir gemeinsam mit zwei Hiphopperinnen ein female HipHop Konzert. Mit Pink Kitchen haben wir auf jeden Fall einen Nerv getroffen, denn bereits in der Planung sind wir auf erhebliche Schwierigkeiten gestoßen. Female MCs sind sehr schwierig zu finden und sind gerade in unserer Region eine absolute Minderheit. Deshalb haben wir eine akustische Band aus Remscheid hinzugenommen. „Kosima and the blue Gable“ ist eine ausschließliche Mädchenband und hat das Pink Kitchen Konzert mit ihrem akustischen Set bereichert. Trotz der schwierigen Bookingsituation konnten wir einen tollen Abend, mit ca. 60 Gästen erleben. Wir möchten an dieser Stelle unbedingt weiter machen. Vor allem da wir sehr gutes Feedback erhalten haben.

Als weiteren neuen Programmpunkt haben wir unter dem Motto „Mixtape“ verschiedene Musikstile an einem Abend auf die Bühne gebracht. Tatsächlich konnten wir mit diesem Format viele BesucherInnen ansprechen.

Als dritten neuen Programmpunkt haben wir ein Kinderkonzert angeboten. Hier bewegen wir uns auf völlig neuen Boden. Trotz Schnee und Eis kamen ca. 70 kleine BesucherInnen in die Kraftstation. Gemeinsam mit den beiden Bands wurde ordentlich getanzt und am Ende auch verschiedene Instrumente ausprobiert. Auch hier wird es sicherlich eine Neuauflage geben.Mit unseren neuen Programmpunkten und vor allem der engen Zusammenarbeit mit den jungendlichen Musikern ist es uns gelungen unsere Zielgruppe zu erweitern. Viele neue BesucherInnen sind in unser Haus gekommen und haben sich aktiv eingebracht!

 

 

Nr. 46 Initiative Poetry Slam NRW, Siegen – Off-Literaturtage-2009

 

Die Poetry Slam Bewegung mischt nun gut seit zwanzig Jahren herkömmliche Literaturveranstaltungen auf und hat sich im deutschsprachigen Raum zur Zweitgrößten Slam-Szene der Welt entwickelt, allein in Nordrhein-Westfalen finden 26 Regelmäßige Poetry Slams statt und es werden immer mehr.

Anfang 2008 wurde die "Initiave NRW Poetry Slam" gegründet. Sie ist aus der Idee verschiedener soziokultureller Zentren und Veranstalter in NRW geboren, gemeinsam die Poetry Slam- und Off-Literatur-Kultur in NRW zu vernetzen.

Im Herbst 2008 fand erstmals der "NRW Poetry Slam" in Münster statt. Neben dem Dichterwettstreit gab es eine kleine Minibuchmesse und Konzerte. Das Fundament war gelegt, in Siegen sollte das Fundament gefestigt und ausgebaut werden um dem NRW Poetry Slam seinen festen Platz innerhalb der Literaturveranstaltungen in NRW zu geben.

Vom 17.09. - 19.09.2009 fand der "2. NRW Poetry Slam -Off-Literaturtage 2009-"im Medien- und Kulturhaus Lyz in Siegen statt. Insgesamt 26 für sich stehende Slams, Liedermacher, Verlage und junge Autoren aus der Off-Literaturszene und Gegenwartsliteratur, Filmemacher und 52 Performance Literaten präsentierten ein spannendes und abwechslungsreiches Literatur-Wochenende und begeisterten mit Live-Konzerten, Lesungen, "Poetry Clips" von den Berlinern Filmemachern Bas Böttcher und Wolf Hogekamp, und einer Independent-Buchmesse.

Mit dem "U20 Poetry Slam - Workshop", bei dem 12 Schülerinnen und Schüler(Sekundarstufe II) unter der Leitung des Berliner Slam- und Performance-Poeten Wehwalt Koslovsky literarische Texte verschiedenster Form entwickelten und der Öffentlichkeit präsentierten, wurde ein wichtiger Schritt Richtung Nachwuchsförderung getan und soll ab 2010 weiter ausgebaut werden.

Nach drei schönen und vor allem spannenden Tagen, hatte sich im Finale der 43jährige Torsten Sträter (Waltrop) gegen seine 51 Kontrahenten durchsetzen können, und wurde vom begeisterten Publikum zum neuen NRW-Champion gekürt. 2010 wird der NRW POETRY SLAM in Bielefeld ausgerichtet, 2011 möchte Köln den NRW POETRY SLAM organisieren.

Auch wenn die Besucherzahlen unter den Erwartungen blieben, war die Veranstaltung ein voller Erfolg.

 

Nr. 42 WerkStadt, Witten - Bandbuilder

 

Das Projekt "Bandbuilder" begann im April und endete mit einem Abschlusskonzert in der WERK°STADT am 22.12.09. Durch die Kombination aus Bandbuilding, Bandcoaching und einem Musikerstammtisch konnte sich die WERK°STADT als Anlaufstelle für junge Musiker unterschiedlichster Sparten in der Wittener Szene etablieren und alle beteiligten Kooperationspartner für eine weitere Zusammenarbeit begeistern. Im Rahmen des Bandbuildings, das sich an Musiker ohne Banderfahrung richtete, wurden 3 neue Bands mit jeweils fünf jungen Musikern zwischen 14 und 20 Jahren gegründet, die sich wöchentlich in der WERK°STADT trafen und deren Proben von dem Dozenten Sven Vilhelmsson musikpädagogisch begleitet wurden. Im Rahmen der Proben wurde zunächst anhand von Coverstücken das musikalische Zusammenspiel geübt. Schrittweise wurde daraufhin ein für die jeweilige Band charakteristischer Sound herausgearbeitet und in eigenen Songs umgesetzt. Anhand von selbstgeschriebenen Texten der Jugendlichen wurden Melodien gefunden, die der Intention der Songs und ihren Gefühlen Ausdruck verliehen. Im letzten Drittel der Probenphase wurde insbesondere am richtigen Umgang mit der Technik und dem Personal bei einem Live-Auftritt sowie an der Bühnenpräsens gearbeitet.

Der Bandcoaching-Workshop, der sich neben den Teilnehmern des Bandbuilding-Moduls auch an fortgeschrittene Musiker richtete, stieß auf große Resonanz in der Wittener Musikszene. Frank Dietrich (Booker vom Gleis22 in Münster) und Florian Böhlendorf (Agenturinhaber von Sparta-Bookings) informierten die Teilnehmer über die wichtigsten Musiknetzwerke, über Nutzungs- und Vermarktungsrechte, gaben Tipps zur Strukturierung von Myspace-Seiten und zur erfolgreichen Bewerbung bei Veranstaltern. Darüber hinaus hatten die Teilnehmer anschließend die Möglichkeit sich in persönlichen Gesprächen Band-intern beraten zu lassen.

Der Musikerstammtisch, der zunächst als Plattform für den Austausch verschiedener Musiker gedacht war, wurde von Seiten der Jugendlichen in kürzester Zeit zum Aufbau von Konzertinitiativen genutzt. Nach wie vor finden hier Musiker und veranstaltungsbegeisterte Jugendliche der jeweiligen Genres (Reggae, Dancehall, HipHop – Ska – Rock, Indie – Hardcore, Heavy Metal) in kleinen Gruppen zusammen und organisieren mithilfe des WERK°STADT-Teams ihre eigenen Konzerte, die vom Publikum mit wachsender Begeisterung angenommen werden.

Nicht zuletzt gab die Kooperation mit dem örtlichen Musikfachgeschäft (Earny’s) dem Projekt „Bandbuilder“ ein authentisches Profil. Hinzu kommt, dass die örtliche Musikschule (Musikschule an der Ruhr) in Zukunft einige der selbstorganisierten Konzerte der Jugendlichen unterstützen will.

Auch das Netzwerk zwischen dem Jugendcafé der WERK°STADT und den Jugendzentren in den Stadtteilen Annen und Heven ist nun soweit ausgebaut, dass zukünftig kleinere „Tourneen“ für junge Bands möglich sind.

 

 

Nr. 42 WerkStadt, Witten - U20 goes >on Air<

 

Zeitraum: August bis November 2009

Projektziel laut Konzeptantrag: Das Projekt „U20 goes >on Air<“ soll Jugendliche Anregen eigene Gedichte, Texte und Kurzgeschichten zu verfassen. Mit den geschriebenen Texten sollen sie sich öffentlich präsentieren. Dies geschieht zum einem im Radio und zum anderen bei Bühnenperformances. Die Jugendlichen sollten das Medium Radio näher kennen lernen und die Erfahrung machen sich selbst im Radio zu hören. Darüber hinaus boten wir ihnen die Möglichkeit sich bei drei Bühnenperformances vor einem Publikum live auszuprobieren, zu reflektieren und das neu gelernte anzuwenden.

 

Erreichte Ziele: Das Projekt „U20 goes >on Air<“ hatte in der Anfangsphase Anlaufschwierigkeiten. In einem ersten Versuch gelang es uns trotz Werbung, Pressearbeit und Vorstellungen des Projekts in verschiedenen Klassen nicht genügend Teilnehmer zu erreichen.

Durch den Zusammenschluss mit der Förderschule Pestalozzi, konnten wir das Projekt mit einer geschlossen Schulklasse ausführen. Die Jugendlichen waren ein halbes Jahr zuvor das erste Mal mit Gedichten in Berührung gekommen. Das hat ihnen sehr viel Spaß gemacht. In diesem Kurs konnten sie ihr Wissen erweitern und vertiefen.

Die Workshops, unter professioneller Leitung von Pamela Granderath, fanden in einer kleinen Gruppe von 11 Jugendlichen statt und enthielten verschiedene Schwerpunkte.

Hier konnten die interessierten Jugendlichen Anleitungen, Tipps und Erfahrungswerte zum schreiben eigener Texte bekommen, konkrete Anregungen zu ihren Werken erhalten und sich mit anderen Teilnehmern austauschen.

Die Jugendlichen erhielten im ersten Schritt Informationen über die Grundformen der Lyrik. Pamela Granderath stellte ihnen verschiedene Reimschemen an verschiedenen Beispielen vor, machte Buchstabenspiele und erläuterte den Jugendlichen, wie man sich ordentlich „warmschreibt“. Auch die Frage, wie man Themen findet, über die man schreiben möchte informierte Pamela Granderath. Diese verschiedenen Themengebiete wurde dann ausführlich geübt und ausprobiert.

Ein weitere Themenschwerpunkt im Verlauf des Projekts war die Charakterisierung von Hauptpersonen. Hier erhielten die Jugendlichen eine Einführung in die verschiedene Erzählperspektiven und deren Auswirkungen auf den Leser und Zuhörer. Des Weiteren hat Pamela Granderath die Wichtigkeit vom Aufbau einer Geschichte und dem dazugehörigen Spannungsbogen erläutert. Somit waren die Teilnehmer/innen fit um ihre eigenen Kurzgeschichten zu schreiben. Diese wurden ausführlich in der Gruppe besprochen. Immer wieder wurden Korrekturen und Verbesserungen an den Kurzgeschichten vorgenommen, damit sie sowohl für die Bühne, als auch fürs Radio tauglich wurden.

Im letzten Workshopteil ging es darum, die selbst verfassten Texte auch vortragen zu können. Hier zu bedarf es einiger Übung. Die Gastdozentin Sandra Marx gab hilfreiche Tipps, wie man sich auf einen Auftritt vorbereitet, Lampenfieber und Nervosität abbaut und locker die Texte vorträgt. Zum Üben dieser Tricks spielten die Jugendlichen die Bühnenperformances auf der Studiobühne der WERK°STADT durch.

 

 

Zweites Halbjahr 2009

 

Nr.52 Druckerei, Bad Oeynhausen - Zungenspitzer

 

„Zungenspitzer“ – der Name ist Programm: Das erste bundesweite Jugendkabarett-Festival bot vom 10. bis 14. September 2009 etwa 50 Nachwuchskabarettisten eine Plattform, um Ideen auszutauschen, an Workshops teilzunehmen und gemeinsam aufzutreten. Schauplätze der Veranstaltung waren in erster Linie das Immanuel-Kant-Gymnasium, das „Begegnungszentrum Druckerei“ und das „Theater im Park“ – alles im westfälischen Bad Oeynhausen vorzufinden. Unterstützt durch zahlreiche Sponsoren, die Bundesvereinigung Kabarett, sowie den ehrenamtlichen Einsatz von Lehrkräften und Schülern, wurde das Festival zu einem unvergesslichen Ereignis für alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer. Die Nachwuchskabarettisten fanden sich bereits am ersten Abend zu einer kommunikativen Gemeinschaft zusammen, indem sie sich gegenseitig eigene Bühnennummern präsentierten und in improvisierten Theater-Szenen einander kennenlernten.

Die inhaltliche Arbeit in den Workshops, die von Profis angeleitet wurden, fand in vier Blöcke untergliedert statt. Somit konnte jede/r Teilnehmer/in auch jedes der Angebote wahrnehmen. (Selbstverständlich wurden die angereisten Kabarettgruppen zu Anfang bunt durchgemischt, sodass innerhalb der Workshops eine möglichst große Breite an Erfahrungen gewährleistet werden konnte.) Das Programm nahmen alle Nachwuchskabarettisten begeistert auf. Sie schrieben gemeinsam Texte, tauschten sich beim gemütlichen Essen in der Cafeteria des Immanuel-Kant-Gymnasiums aus, erweiterten ihren Horizont und zeigten dem ortsansässigen Publikum ihr Können: einzelne schon am Freitag beim Zungenspitzer-Poetry-Slam im „Begegnungszentrum Druckerei“, die Gesamtgruppen am Samstagabend bei einer Best-of-Gala im Theater im Park. Alle Teilnehmer/innen haben im Laufe des Festivals neue Perspektiven entdecken und jede Menge Motivation für weitere Projekte mit nach Hause nehmen können. „Zungenspitzer“ hat es geschafft, eine weiterbildende und verbindende Plattform zu schaffen, die in der jungen Generation das kritische und politische Denken in Kombination mit kreativem Potenzial fördert.

Nach einer allgemein sehr positiven Resonanz arbeiten wir inzwischen an einer Fortsetzung des „Zungenspitzer“-Konzepts. Finanziellen Rückhalt gibt uns jetzt bereits der Förderpreis „PlusPunkt Kultur“. 2010 werden sich die Nachwuchskabarettisten aus ganz Deutschland voraussichtlich in der Kulturhauptstadt Essen treffen.

 

 

Nr.56 balou e.V., Dortmund - „Über Sinnliches“ – ein schaurig schönes Filmprojekt

 

Projektzeitraum: 19.10.-22.10.2009

Kursleitung: Jürgen Kühn (Filmemacher, Mediendesigner), Praktikantin Sarah Schürmann (Lehramtsstudentin)

 

In der zweiten Woche der Herbstferien 2009 machten sich 11 Jugendliche zwischen 11 und 14 Jahren auf, die Jugendkunstschule das Gruseln zu lehren – und ihren eigenen Film zu drehen. Mit schauerlichen, schönen, skurrilen Bildern und Interviews wollten die Teilnehmer/innen ihre Ideen verwirklichen.

Der erste Tag begann mit einer großen Kennenlernrunde und entsprechenden Kennenlernspielen. In dieser Runde war es den Teilnehmer/innen auch möglich, ihre Erwartungen und Wünsche sowie eigene Zielsetzungen zu formulieren. Anschließend wendete sich die Gruppe dem Thema zu: Was kann „Übersinnliches“ bedeuten? Wer hat Übersinnliches bereits selbst erfahren bzw. Erfahrungen erzählt bekommen? So wurden bereits die ersten Geschichten gesammelt und gesponnen. Aus einer Idee wurde dann das erste Drehbuch konkret erarbeitet: „Das Karussell“. Nicht nur die 4 Jungen in der Gruppe waren besonders gespannt auf das technische Equipment, das der Kursleiter mitgebracht hatte. Licht- und Tontechnik sowie die kleinen und die besonders faszinierende große Kamera wollten begutachtet und ausprobiert werden. Vor dem ersten Dreh wurden verschiedene Rollenverteilungen ausprobiert und vorbereitende Schauspielübungen durchgeführt. Dann wurden die Szenen der Geschichte geprobt und im Spiel der Text weiter erarbeitet. Für jede Szene musste anschließend der passende Drehort gesucht und eingerichtet werden. Dann wurde gedreht. Jeder der Teilnehmer/innen konnte im Projekt einmal zuständig sein für Licht, Ton, Kamera, Regie oder als Schauspieler/in vor der Kamera stehen.

Am nächsten Morgen wurden die Szenen gesichtet, die am Vortag gedreht worden waren. So kamen die Teilnehmer/innen sofort ins Gespräch. Der Kursleiter gab einen kurzen Ausblick auf die nächsten Tage, bevor weitere gemeinsame Geschichten ausgearbeitet wurden. So entstanden „Das TV-Ereignis“ und „Julius“. Beide Drehbücher wurden nach der ersten Besprechung während der Proben weiterentwickelt, der Text nach und nach festgeschrieben. Dann wurden beide Szenen gedreht.

Am Nachmittag wollten die Teilnehmer/innen eine Passantenbefragung zum Thema „Übersinnliches“ im Stadtteil durchführen. Gemeinsam mit dem Kursleiter überlegten sie sich, was sie zu erfahren hofften und erstellten einen Fragenkatalog. Die Verhaltensregeln für Straßeninterviews wurden durchgegangen. Der Kursleiter stellte den Jugendlichen vor, welche technischen Vorraussetzungen gegeben sein mussten, um erfolgreich auch draußen und bei Wind drehen zu können. Dann übten die Teilnehmer/innen zunächst, indem sie sich gegenseitig befragten. Anschließend machten sich die Jugendlichen in Gruppen auf, um die Straßeninterviews durchzuführen. Zum Anschluss des Tages wurden in großer Runde die Ergebnisse vorgeführt.

Zu Beginn des dritten Tages wurde wieder über die Szenen, die am Vortag gedreht worden waren, gesprochen. Man kam überein, die Geschichten in einem Video zusammenzustellen und mit passenden Rahmengeschichten zu verbinden. Außerdem hatten die Jugendlichen großen Spaß an den Straßenbefragungen gehabt, so dass sie diese am Nachmittag fortführen wollten. Am Vormittag wurde eine weitere Geschichte geplant und ausgearbeitet: „Die Zombie Hexe“. Die Teilnehmer/innen verteilten die Rollen, probten die Szene und suchten nach geeigneten Drehorten. Dann testeten sie das Equipment und bereiteten die Drehorte vor. Schließlich wurde die Geschichte abgedreht. Am Nachmittag machten sich die Jugendlichen wieder in Gruppen zur Passantenbefragung auf. Die entstandenen Interviews wurden zum Abschluss wieder in der großen Runde gesichtet. Die Teilnehmer/innen äußerten Kritik, vor allem aber viel Lob.

Der letzte Drehtag begann mit genauen Planungen für die verbleibenden Zeit. Neben der Rahmengeschichte musste noch eine weitere Szene geprobt und gedreht werden. Damit begann dann auch die Arbeit: mit den Vorbereitungen für „Die Lotto-Oma“. Bereits sehr selbständig konnten die Teilnehmer/innen das Testen und Aufbauen des benötigten Equipments durchführen. Nach dem Drehen der Geschichte wurden am Mittag und Nachmittag die beiden Rahmengeschichten mit den Namen „Der Schlafsackkreis“ und „Das Grusel-Treffen“ abgedreht. Zum Abschluss kamen alle Teilnehmer/innen noch einmal zusammen. Die Teilnehmer/innen resümierten, was ihnen besonders und was weniger gefallen hatte. Dann gab es einen Ausblick auf die kommenden Schnittarbeiten. Und natürlich wurde bereits ein Treffen zur Premierenfeier verabredet.

Die Schnittarbeiten fanden in den Räumen des Kursleiters statt. Nach Absprache konnten einzelne Teilnehmer/innen daran teilnehmen. Da die Arbeit des entgültigen Sichtens und Schneidens sehr aufwendig ist und viel Zeit in Anspruch nimmt, kann die Premierenfeier erst im neuen Jahr – voraussichtlich am 27.01.2010 – stattfinden. Alle Teilnehmer/innen freuen sich schon darauf und haben den Termin bereits vorgemerkt und Freunde und Verwandte eingeladen.

Das Filmprojekt ist sehr erfolgreich verlaufen. Die Teilnehmer/innen waren begeistert von der Möglichkeit, professionelles technisches Equipment für die Umsetzung ihrer Ideen nutzen zu können. Durch die Ausarbeitung eigener Geschichten wurde das kreative Potential der Jugendlichen angeregt und gefördert. Die Jugendlichen wurden und fühlten sich auch in ihren Äußerungen ernst genommen. Das wirkte sich positiv auf das Selbstwertgefühl aus. Durch das tägliche gemeinsame Sichten des gewonnenen Filmmaterials lernten die Teilnehmer/innen, Lob und Kritik konstruktiv zu äußern und auch anzunehmen. Durch die selbständige Einteilung der unterschiedlichen Aufgaben und dadurch, dass beim Drehen die verschiedenen Funktionen wie Kamera, Licht, Ton, Regie und Schauspiel zusammen wirken mussten, wurde die Teamarbeit zwischen den Jugendlichen gefördert. Das Darstellen einer Rolle vor der Kamera und die anschließende Sichtung unterstützte die Selbstwahrnehmung. Die Teilnehmer/innen setzten sich damit auseinander, was gruselig oder angsteinflößend ist und vor allem damit, welche Möglichkeit der Film hat, solche Gefühle bei den Zuschauer/innen zu erreichen. Damit konnten sie ihre Medienkompetenz erhöhen. Nicht zuletzt hatten die Teilnehmer/innen sehr viel Spaß und ein wunderbarer, schauriger, schöner, skurriler Film mit vielen bunten Szenen ist entstanden.

 

 

Nr. 58 Jugendförderkreis Dortmund - Einander zuhören – miteinander reden

 

Zusammen mit den Jugendlichen wurde auf der Basis der Projektidee das Konzept und der Ablauf

der künstlerischen Straßenaktion entwickelt. Dabei entstanden zwei Aktionsformen, die von zwei Gruppen der Jugendlichen geplant und dann durchgeführt wurden. Eine Gruppe beteiligte sich an der künstlerischen Aktion und entwickelte diese mit der Künstlerin. Im Zentrum der Aktion stand die Idee des „Lochs“ einmal angeregt durch das Dortmunder Haushaltsloch sowie durch die Überlegungen, wie man die Kommunikationsprobleme im Stadtteil und fehlende Wissen von einander plastisch darstellen kann – Kommunikationslöcher, Wissenslöcher – und Löcher können gestopft und verschlossen werden, sie zeigen eine Perspektive aus. Bei Gestaltung der Kunstaktion legte die Künstlerin besonderen Wert darauf, dass das Publikum aktiviert wird, so wurde mit den Jugendlichen ein „Loch“ gebaut, in das die Besucher unserer Straßenaktion Bälle werfen konnten – jeder Treffer wurde mit einem kleinen Geschenk belohnt. Es zeigte sich, dass diese Aktion Menschen zu uns lockte und wir sie dann auch bitten konnten sich auf den Folienstreifen zu ihrem Stadtteil zu äußern. Am Ende der

Aktion wurden dann die Folienstreifen an ein Seil geknüpft und wie eine Girlande zwischen zwei

Straßenbäumen aufgehängt.

Die zweite Gruppe der Jugendlichen entschlossen sich eine Umfrage zu dem Thema zu machen, gemeinsam mit einer Praktikantin entwickelten sie einen Fragebogen (siehe Anlage). Während der Kunstaktion befragten sie mit dem Fragebogen und einem Tonband Menschen rund um den Nordmarkt. Die Jugendlichen haben insgesamt 23 Personen interviewt, davon 14 Männer und 9 Frauen. Die Ergebnisse der Umfrage wurden dann von den Jugendlichen mit Unterstützung einer Honorarkraft ausgewertet und die Ergebnisse in Grafiken dargestellt (siehe Anlage).

 

Die Ergebnisse dieser Umfrage können jetzt wieder als Grundlage für weitere Gespräche und Aktionen der Jugendliche im Stadtteil genutzt werden. Voraussichtlich werden wir die Befragungsergebnisse in unserem neuen Medienprojekt „Nordstadt Reporter“ nutzen.

 

Unser Fazit: Das Stadtteilprojekt hat gezeigt, dass man Jugendliche für konkrete Stadtteilarbeit gewinnen und ihr Interesse für ihren Stadtteil erhöhen kann. Besonders gefreut hat uns das Engagement der jungen Frauen bei dem Umfrage-Projekt, das sie mit Unterstützung alleine angestoßen und durchgeführt haben. Die Anstöße und Ideen, die sich durch das Stadtteilprojekt ergeben haben, werden wir in unserem Medienprojekt „Nordstadt Reporter“ aufgreifen und weiterentwickeln.

So ist die Nachhaltigkeit dieses jetzt abgeschlossenen Projekts gewährleistet. Abschließend muss noch gesagt werden, das ohne den engagierten Einsatz der Künstlerin, Ulrike Fischer, der Honorarkräfte, Praktikanten/innen und der Jugendlichen das Projekt hätte nicht realisiert werden können.

 

 

Nr. 59 Brigitta Gillessen, Düsseldorf - NO WAY OUT

 

Projekt: Theater-/ Video-/ Musik-Projekt „NO WAY OUT“ für Jugendliche ab 14 Jahren

Dauer: 19.03.2009 bis 17.12.2009

Premiere: 05.10.2009 im Black Box Kino Düsseldorf

 

Weitere Vorstellungen:

05. + 06.11.2009 Rudolf Steiner Schule Wuppertal

18.11.2009 Katakomben-Theater Essen

19.11.2009 Kulturwerkstatt Hamm

30.11. – 02.12.2009 Black Box Kino Düsseldorf

08.12.2009 Bühne der Kulturen im Arkadas-Theater Köln

14.12.2009 Realschule Luisenstraße Düsseldorf

17.12.2009 Bahnhof Langendreer Bochum

 

Mitwirkende Künstler: Brigitta Gillessen (Regie, Video, Produktion), Nina Fischer (Theaterpädaogik, Produktion), Thor Hagedorn und Julia Schmiedeberg (Musik), Ute Lindenbeck (Ausstattung), Schoman Djoumma (Kamera), Saskia Clemens (Fotografie), Stephanie Voit (Schauspiel), Kim Perleberg (Schauspiel)

Gemeinsam mit Nina Fischer gründete ich für diese Produktion die Künstler-Produktions-GbR „No Way Out“, die in die dauerhafte GbR „acting up“ umgewandelt werden wird. Weitere Projekte sollen in der Zusammenarbeit mit Nina Fischer folgen.

Siehe www.acting-up-productions.de

 

Kooperationspartner: Filmwerkstatt Düsseldorf e. V, RAA (Regionale Arbeitsstellen für Kinder und Jugendliche aus Zuwandererfamilien) und die Gastspielorte (siehe oben, Vorstellungen)

Netzwerk Lernen

 

Erfolg und Auswirkungen der Maßnahme

„NO WAY OUT“ konnte mit Hilfe der Förderung durch die Bezirksregierung Düsseldorf und die LAG Soziokultur NW sowie der Unterstützung durch die Filmwerkstatt Düsseldorf e. V. realisiert werden. Die anderen beantragten Förderungen (des NRW Landesbüros Freie Kultur, des Fonds Soziokultur und der Fonds Darstellende Künste) wurden leider nicht genehmigt.

Die Premiere fand mit großem Erfolg am 5. 10. 2009 in der Black Box (im Filmmuseum) statt und bekam eine hervorragende Kritik in der WAZ (siehe online unter http://www.wz-newsline.de/?redid=647006).

Weitere Vorstellungen in Düsseldorf, Wuppertal, Essen, Hamm, Köln und Bochum folgten bzw. werden folgen. Bei den Schulen haben wir große Resonanz bekommen, so dass unserer geplanten Vorstellungen voraussichtlich gut besucht sein werden. Im Anschluss an die Schulvorstellungen bieten wir eine Diskussionsrunde für die Schüler an, um über die Themen Jugendgewalt, Einfluss der Medien und Drogenkonsum zu reflektieren.

Zu unserer PR-Arbeit und den Werbemaßnahmen: Unter der Adresse www.acting-up-productions.de kann man sich laufend über aktuelle Termine etc. informieren. Auf dieser Homepage stellen wir außerdem den Schulen Informationsmaterialien über die im Stück dargestellten Themen zum Download zur Verfügung, damit die Lehrer gemeinsam mit den Schülern vor- oder nachbereiten können.

Als Werbemittel haben wir uns ausschließlich für Flyer (und gegen Plakate) entschieden. Mit diesem Flyer konnten wir gezielt die Schulen einladen und für das Stück interessieren.

(Ein Exemplar liegt bei) Online-Werbung bekamen wir kostenfrei über mehrere Netzwerke und Verlage: Netzwerk Lernen (für Lehrer), Institut für Gewaltprävention NRW, RAA.

 

 

Nr. 62 Zakk, Düsseldorf – Edelweißpiratenfestival 2009

 

In diesem Jahr fand zum dritten Mal im zakk das Edelweißpiratenfestival – Düsseldorf stattt. Das zakk Team hatte 2007 erste Kontakte mit Jan Krauthäuser vom Edelweißpiratenclub e.V. in Köln aufgenommen, um einen Eindruck von der Idee/ der Initiative zu bekommen. Der Elan der Gruppe begeisterte uns, so dass wir ebenfalls ein lang angelegtes Projekt zum Thema Edelweißpiraten in Düsseldorf machen wollten.

Wichtig war uns dabei, dass dieses Projekt nicht nur von den zakk Kolleg/-innen getragen wird, sondern das wir möglichst viele Musiker/-innen, Interessierte dafür begeistern können, an dem Projekt aktiv mitzuarbeiten und dieses Projekt mit zu gestalten.

Die Edelweißpiraten sind dafür bekannt, dass ihr Widerstand eng mit Musik verknüpft war. Ein Grund für uns, Musiker/-innen aus Bands für die Unterstützung des Projektes zu gewinnen. Neben den Aktivisten aus dem Musikbereich haben auch politische Gruppen das Festival unterstützt. So waren folgende Gruppen/Initiativen an dem Projekt aktiv beteiligt: Esther Bejarano & Microphone Mafia, Jahcoustix, I-Fire, Reefer Madness, Mammut Almut, Mental Movement, El Canamo, Culture Rock, Lava Crew, AStA der FH Düsseldorf, Junge Grüne Düsseldorf, Oase Film Magazin, Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes – Bund der Antifaschisten Düsseldorf, Cable Street Beat, Koordinierungskreis antifaschistischer Gruppen aus Düsseldorf und Neuss sowie die SDAJ Düsseldorf.

 

Projektbeginn

Im Fokus standen an dem Festivaltag die Bedeutung und der Stellenwert der Musik der Edelweißpiraten. Lieder waren ein wichtiges Erkennungszeichen der Edelweißpiraten, mit ihnen begleiteten sie Gruppenabende und Wanderfahrten, drückten ihrer Sehnsucht nach einem freien, abenteuerlichen Leben aus und markierten ihren Skepsis und Ablehnung zur Hitlerjugend. Das Hauptgewicht des Liedguts lag eindeutig im Bereich der Fahrten- und Wanderlieder der 1936 verbotenen Bündischen Jugend, wobei gerne auch Anleihen in der russischen Volksmusik gemacht wurden. Oftmals wurden die Texte auch durch einfügen lokaler Bezüge und kollektiver Gruppenerfahrung angereichert und aktualisiert, womit die Lieder nicht zuletzt häufig zu einer Provokation für das NS-Regime und hier insbesondere der Hitlerjugend wurden.

Unserem Konzept des Edelweißpiratenfestivals liegt der Gedanke zu Grunde, Lieder der Edelweißpiraten modern zu interpretieren, um sie so einem jüngeren Publikum zugänglich zu machen und Interessen an dem Thema zu wecken.

Bands/Musikgruppen, unterschiedlicher musikalischer Richtungen, haben sich in der Vorbereitung des Festivals inhaltlich und musikalisch mit den Texten auseinandergesetzt und die Lieder der Edelweißpiraten neu interpretieren. Auf dem Festival am 22. August wurden diese Lieder erläutert und aufgeführt.

 

Projektaktivitäten

Die Musikgruppen/Bands wurden zu regelmäßigen Treffen eingeladen und mit Informationsmaterialien, Liedtexten, CD Aufnahmen von Jean Jülich versorgt. Leider konnten wir nicht alle Musikgruppen für das Festival gewinnen, denn gerade die Düsseldorfer Chöre konnten mit der Vorbereitungszeit (inkl. Sommerpause) keine Liedtexte einstudieren und aufführen und auch die „Aufwandsentschädigung“ machte es für die Chöre eher nicht erschwinglich die Texte einzustudieren. Die Chöre hätten sich einen Chorleiter suchen und bezahlen müssen.

Dahingegen hat sich aber die Düsseldorfer Bands und Musikszene lange mit den Texten auseinandergesetzt. Gerade die junge Band „Mammut Almut“, bestehend aus 18-22jährigen, hatte täglich neue Informationen aus dem Internet erarbeitet, Liedtexte verglichen und die Treffpunkte der Düsseldorfer Edelweißpiraten recherchiert und teilweise besucht.

Das Festivalprogramm begann mit einem Live Graffiti zum Thema Edelweisspiraten und Widerstand. Hierbei gelang es, historischen Widerstand mit heutigen jugendkulturellen Aktionsformen zu verknüpfen. Anschließend spielten Bands bis in den späten Abend und vermittelten durch die überarbeiteten Edelweißpiratenlieder und eigene Statements eine eigene Form von Gedenken an die rund 1.meist jugendlichen Zuhörer/innen.

Abgerundet wurde der Abend durch gemeinsames Musizieren von verschiedenen Gruppen im Backstagebereich sowie eine gemeinsame Party von Besucher/innen und Künstler/innen.

Besonders stolz sind wir darauf, dass es uns gelungen ist, die Auschwitzüberlebende und Sängerin Esther Bejarano gemeinsam mit der Hip-Hop-Band Microphone Mafia für einen Auftritt im Rahmen des Edelweißpiratenfestivals zu gewinnen!

 

Die Zukunft

Nicht alle Ziele konnten umgesetzt werden, u.a. hat die Gruppe „Edelweiß“ zwar einen Edelweißpiraten aus Düsseldorf gefunden und Kontakt aufgenommen, doch leider konnten wir ihn nicht überzeugen, an Veranstaltungen und Diskussionen teilzunehmen. Für die Zukunft hat das Netzwerk „Düsseldorfer Edelweißpiraten“ sich vorgenommen das Festival mehr in die Stadt und an die Plätze an denen die Edelweißpiraten aktiv waren zu tragen. So könnten wir uns vorstellen das Festival in Zukunft im Düsseldorfer Volksgarten stattfinden zu lassen, denn dies war u.a. ein fester Treffpunkt der Edelweißpiraten. Doch auch Wanderungen, Begegnungen mit den Orten/den Treffpunkten der Edelweißpiraten sollen in den nächsten Jahren ausgebaut werden. In Köln gibt es eine Ausstellung zum Thema Edelweißpiraten, diese hat wenige Anknüpfungspunkte mit Düsseldorf. Eine eigene Ausstellung/Tafeln über Düsseldorfer Edelweißpiraten, welche Schulen/Institutionen zur Verfügung gestellt werden könnte, wäre wünschenswert und erstrebenswert.

Das Edelweißpiratenfestival hat es in diesem Jahr geschafft Musikgruppen und Musikgenres zu vereinen. Alle Nachwuchskünstler/-innen sowie Künstler/-innen haben den Wunsch geäußert auch in Zukunft weiterhin an diesem Projekt zu arbeiten. Gespräche haben dazu geführt, dass der Wunsch geäußert wurde, dass die Themenstellung des Festivals etwas aufgeweicht wird. So möchte sich die Gruppe „Edelweißpiraten“ in Zukunft auch mit weiteren Themen beschäftigen, die zur Veränderung der Gesellschaft beitragen kann bzw. für ein Eintreten in der Gesellschaft wichtig. Hier wurden die Punkte Ökologie & Umwelt, Bildung und Stadtpolitik aufgegriffen. Diesen Punkt und diese Gruppe möchten wir auch weiter unterstützen.

zakk wird weiterhin versuchen ein Ort dafür zu sein, Räume und Möglichkeiten bereit zu stellen sowie Möglichkeiten zu schaffen, um die freiwilligen Arbeit für dieses Projekt zu unterstützen. Die Gruppe selbst arbeitet weiterhin an einem Festivaltag zu einem gesellschaftlichen Thema. Die Musiker/-innen arbeiten weiter zusammen, proben gemeinsame Texte und möchten im Bereich der Edelweißpiraten noch abschließend einige Songs aufnehmen. Einige Lieder sollen dann auch noch auf der Myspace Internetseite der Edelweißgruppe dokumentiert werden (www.myspace.com/edelweisspiratenfestivalddorf).

 

 

Nr. 63 Stroetmanns Fabrik, Emsdetten – Theater von Sinnen“ - Theaterpädagogisches Projekt für Jugendliche in Kooperation mit dem Straßentheater Titanick

 

Projektreihe

„Theater von Sinnen“ war das dritte Projekt einer Kooperationsreihe zwischen dem Straßentheater Titanick und dem sozio-kulturellen Zentrum Stroetmanns Fabrik.

Die ersten Projekte (2006 „Feuer und Flamme“, 2008 „Aquarius“) waren mit Kindern durchgeführt worden. Das dritte Projekt in 2009 richtete sich an Jugendliche.

 

Teilnehmerinnen/Dauer/Partner

Während der Anmeldephase fiel auf, dass im Gegensatz zu den Vorjahren nur Mädchen Interesse an dem Projekt zeigten. Auch nach Pressemeldungen, dass es für Jungen noch Teilnahmemöglichkeit gibt, fanden sich keine Interessenten. Die Gruppe bestand schließlich aus 16 Mädchen im Alter zwischen 14 und 16 Jahren. Im Nachhinein bedauern wir diese Entwicklung nicht, denn die aufwendige Projektarbeit war so um einen „Spannungspunkt“ ärmer.

Die neun Workshoptage verteilten sich auf 3 Wochen, täglich wurde acht bis zehn Stunden gearbeitet. Neben dem Theater Titanick beteiligte sich die Filmwerkstatt Münster an dem Projekt und erarbeitete mit den Jugendlichen eine Filmsequenz, die einen wesentlichen Schwerpunkt in der Produktion einnahm.

 

Geschichte der Produktion

Die Geschichte der Theaterproduktion basiert auf der Idee, dass zwei Forscherinnen im „Alten Klärwerk“ eine Gesellschaft von merkwürdigen Kreaturen entdecken. Die Wesen haben seit Tausenden von Jahren in den Rohren und Gruben des Klärwerks gelebt und kriechen nun an die Erdoberfläche, um zum ersten Mal das „Licht der Welt“ zu erblicken.

Die Vorführung beginnt damit, dass die Wissenschaftlerinnen die Kreaturen im Klärwerk der Öffentlichkeit, - also dem Publikum – vorführen. Es ist dunkel und unheimlich, Megafon Durchsagen warnen die Zuschauer vor dem Klärwerktor vor den unbekannten, gefährlichen Kreaturen, die sie nun sehen werden.

Das Publikum wird durch ein großes altes Tor in das Klärwerk eingelassen und an den Käfigen vorbeigeführt, in denen die Fauldetten furchterregende Geräusche von sich geben, untereinander kämpfen und an den Gittern reißen.

Das Publikum wird nun zur Mitte des Platzes vor den alten Faulturm geführt. Die Wissenschaftlerinnen erklären, dass die Fauldetten sich in diesem Faulturm aufhalten. Natürlich ist es für das Publikum zu gefährlich, dort hineinzugehen. Deshalb wird eine Direktschaltung aus dem Turm auf die Wand des Faulturms projiziert. Auf einer großen Leinwand erscheinen vor dem Turm Filmaufnahmen über das Leben der Fauldetten. Auch eine Wissenschaftlerin ist zu sehen, die einen der Fauldetten intensiver untersuchen will. Dabei drückt der Fauldetten in einem unbeobachteten Moment auf den Knopf einer Schaltanlage des alten Klärwerks.

Wasser und Lauge sprudeln erst aus einem Waschbecken und dann aus immer mehr Rohren und setzen den alten Faulturm komplett unter Schaum. Die Fauldetten entdecken den Schaum und beginnen, die uralte Klärschicht von ihren Körpern zu entfernen.

Der Film endet und die Fauldetten verlassen –jetzt wieder live- den Turm und tauchen vor den Zuschauern auf. Gleichzeitig quillt aus dem Faulturm eine riesige Menge Schaum und tropft über die Mauern und die Leinwand „live“ auf die Fauldetten.

Sie erleben und entdecken die Welt mit übersinnlichen Kräften. Die Fauldetten zeigen dem Publikum bunte Bäume und sphärische Klänge aus dem Weltall. In bunter Kleidung feiern sie ihre Freiheit. Die zuvor gefangenen und gefesselten Wissenschaftlerinnen werden freigelassen und in den Tanz einbezogen.

 

Workshopinhalte

Jeder Tag begann mit Schauspieltraining und Übungen zum Körperausdruck. Außerdem durchliefen die Jugendlichen sämtliche anderen Arbeitsbereiche eines Open-Air-Spektakels, wie Bühnenbau, Kostümschneiderei, Lichtdesign, Pyrotechnik und Choreographie. Durch das Thema der Produktion nahmen „Schlamm“ und „Seife“ einen besonderen Stellenwert ein. Nachdem erste Berührungsängste überwunden waren, wurde die Verwandlung der jungen Mädchen in Schlammwesen immer selbstverständlicher und professioneller.

Ein Höhepunkt des Workshops waren die Dreharbeiten mit den Mitgliedern der Filmwerkstatt Münster, die mit ihrer Professionalität und dem großem technischen Aufwand alle Beteiligten begeisterten.

Die Erarbeitung der Produktion vor Ort nahm natürlich den größten Raum ein. Innerhalb weniger Tage entstand durch große Disziplin und Konzentration der Jugendlichen eine einstündige Straßentheaterproduktion, mit zahlreichen Szenenwechseln, Einsätzen und Choreographien.
Die täglichen gemeinsamen Arbeitsessen waren für den Zusammenhalt der Gruppe und den Entwicklungsprozess der Produktion sehr wichtig. Hier konnten Probleme gesammelt und ausgesprochen werden, Planungsschritte wurden koordiniert, Erlebtes erzählt und ausgewertet.

Nach der von vielen hundert Besuchern bejubelten Vorführung war die abschließende „After-Show-Party“ natürlich für alle der absolute Höhepunkt dieser ereignisreichen Wochen.

 

Ergebnisse

Wie in allen Workshops der Reihe bot auch die dritte Produktion den Jugendlichen alle Möglichkeiten, die Faszination „Straßentheater“ live mitzuerleben und dadurch an Selbstbewusstsein zu gewinnen, eigene Grenzen kennenzulernen, zu überschreiten und Spielfreude und kulturelle Inhalte zu entdecken.

Schauspiel, Musik, Tanz, Technik, Kostüm und unzählige organisatorische Herausforderungen (tagelanger Dauerregen setzte das Gelände unter Wasser und es war fraglich, ob die Vorführung überhaupt stattfinden konnte) mussten gemeistert werden.

Das wichtigste Ergebnis des Workshops ist der Wunsch der Teilnehmerinnen, eine Theatergruppe zu gründen, die ab 2010 regelmäßig in Stroetmanns Fabrik mit einer Theaterpädagogin zum Thema Impro-Theater arbeiten möchte.

Ein weiteres Erlebnis war die Teilnahme der Gruppe an dem Jugendkulturforum des Münsterland e.V. im Rock- und Pop Museum in Gronau im Herbst des Jahres. Die Mädchen berichteten in einer moderierten Foto- und Filmpräsentation von ihrem Projekt und standen für Fragen zur Verfügung.

Das Projekt „Theater von Sinnen“ ist aus Sicht aller Beteiligten als großer Erfolg zu werten. Die umfangreiche Foto-und Filmdokumentation gibt dafür einen überzeugenden Beleg.

 

 

Nr. 64 Theater Freudenhaus, Grend, Essen - Budenzauber

 

Mit der zwischen zeitloser Komödie und tagespolitischer Aktualität angesiedelten Produktion „BUDENZAUBER“, vollzieht unser Theater in inhaltlicher und ästhetischer Hinsicht einen entschiedenen Schritt aus der bislang üblichen „Folklorisierung“ und Beschönigung der Ruhrgebietsrealität in ihrer szenischen Umsetzung durch konservatives Volkstheater.

Das Stück spielt an einem traditionellen „Büdchen“ - sprich: einer Trinkhalle - der Gegenwart. Inhaber und Besucher gestalten den Alltag in ihrer von missglücktem Strukturwandel, Immobilienspekulationen und Arbeitslosigkeit geprägten Zufallsgemeinschaft. Trotz der vordergründigen Trostlosigkeit der Situation, entdecken die Bühnencharaktere dabei sukzessive die Qualitäten ihrer Region und die Kraft einer zunächst nicht vermuteten Gemeinsamkeit. Abseits von der dialektischen Schwere des Feuilletons und einer zeitweise etablierten Medienhysterie rund um die Kulturhauptstadt RUHR2010, bietet „Budenzauber“ einen teils ironischen, teils sarkastisch geprägten Blick auf die reale Problematik des gegenwärtigen Lebens zwischen Ruhr und Emscher. Seine inhaltliche Ausrichtung bleibt dabei stets optimistisch und fordert nicht nur die Bevölkerung des Ruhrgebietes zur aktiven Auseinandersetzung mit der Thematik auf. Die von Regisseur und Autor Markus Andrae geleitete Produktion ist bereits während des Probenprozesses von regionaler und überregionaler Presse

begleitet worden.

Stellvertretend für das durchweg sehr positive Presseecho sei hier die WAZ ( Westdeutsche Allgemeine Zeitung) genannt, welche in ihrer Rezension von einem „Stück mit Kultpotential, auf das man als Ruhri wirklich stolz sein kann“ sprach. Für das begleitende Bildmaterial sorgte mit Thomas Heiser ein professioneller Theaterfotograf.

Nach der sechswöchigen Probenarbeit im September und Oktober und der erfolgreichen Premiere am 11.11.2009 wurde „BUDENZAUBER“ zum festen Bestandteil des „Theater Freudenhaus“ Spielplans.

 

 

Nr. 66 Kulturzentrum Pelmke - Der neue politische Lifestyle

 

Das Projekt war eine Kooperation des Kulturzentrums Pelmke und der Antifa Union Dortmund kurz AUDO genannt.

Im Rahmen des Projektes wurde die aktuelle Entwicklung der Neonaziszene thematisiert. Weg von dem Klischeegedanken: Springerstiefel und Glatze gleich Nazi. Die Szene hat sich gerade in der Jugendkultur stark verändert, ob mit Rockmusik, einem neuen Kleidungsimage, alles ist jünger und stylischer geworden, um den „Nachwuchs“ für sich zu gewinnen. Zu diesen Themen gab es drei Vorträge zu der neuen „Erlebniswelt“ der Neonazis um über die Entwicklung in der rechten Szene aufzuklären.

 

Projektverlauf:

1.Vortrag: Der Antikriegstag und die Autonomen Nationalisten

2. Vortrag: Der neue politische Lifestyle – RechtsRock

3. Vortrag: Playing hide-and-seek - Das Versteckspiel der Neonazis zwischen Codes

und Styles

 

Die Vortragsveranstaltungen hatten zwischen 20 und 40 vorwiegend junge BesucherInnen, was für Hagen und ohne aktuellen Anlass (Nazi-Aktivitäten in der Stadt) durchaus erfolgreich ist.

 

Begleitet wurden die Vortragsreihe mit 3 Konzerten von Bands die sich politische engagieren und in ihren Texten klare politische Aussagen gegen Rechts kundgeben.

(Dritte Wahl, Egotronic, Los Fastidios/It.). Hier gab es 80-120 BesucherInnen.

 

Da sich der Tourplan der Band Los Fastidios hatte sich im Vorfeld verändert, so dass das Konzert schon vor dem eigentlichen Projektbeginn (Herbst) stattfinden musste.

Insgesamt kann gesagt werden, dass das Projekt sehr erfolgreich verlaufen ist und es eine große Sensibilisierung für Symboliken, Kleidung, Aktionen etc. der Neonazis herbeigerufen hat. Der Austausch nach den Vorträgen war sehr rege und somit konnten auch andere bzw. offene Fragen über die Szene und wie man mit solchen Situationen umgeht oder auch selbst aktiv gegen Rechts werden kann, geklärt werden.

 

 

Nr. 68 Werkhaus, Krefeld - Vielfalt ist Bunt - LEBENsKÜNSTLERinAktion

 

25 Jahrefeier am 26.09.2009

Hintergrund

Der Werkhaus e.V. arbeitet seit 25 Jahren als Soziokulturelles Zentrum in Krefeld. Straßenperformance hatte während der ersten 15 Jahre eine große Bedeutung – sie war damals noch finanzierbar und Teil eines kulturellen Selbstverständnisses in der sich institutionalisierenden Subkultur.

Diese Zeiten sind vorbei, die allgemeine Aufbruchsstimmung in der Soziokultur hat sich gelegt und wir arbeiten in stark institutionalisierten Zusammenhängen.

Gleichzeitig schwindet die Bindung an die klassischen Nutzer der Soziokultur. Die Subkultur sind andere! Parallel klafft in der gesellschaftlichen Realität eine größer werdende Lücke zwischen städtischer Bevölkerung und den klassischen (mit 25 Jahren gehören wir auch dazu) Kulturanbietern.

Statistisch schwindet das Interesse an oder das Bedürfnis nach Teilhabe an kulturellen Aktivitäten. Zuschauerbindung und Partizipation sind die Schlagwörter.

Aus diesem Grund muss sich nach unserem Kulturverständnis Soziokultur sozial und politisch stärker engagieren und einmischen, als wir als Vertreter in Krefeld es in den letzten Jahren haben tun können. Wir stärken mit unseren Aktivitäten den Werkstatt- und Initiativgedanken in unserer Arbeit und suchen Anknüpfungspunkte wie Strategien um interessierten und engagierten Menschen einen Ort für ihre persönlichen Ambitionen zu bieten.

Die Feier zum 25 Jährigen Jubiläum sollte dabei zwei Aussagen in den Fordergrund stellen, die schon immer das Bild des Werkhauses bestimmt haben!

 

„Vielfalt ist bunt“ weißt einmal auf den Ansatz einer ganzheitlichen Weltsicht und einem damit einhergehenden Anspruch den Erhalt der „Artenvielfalt“ auch auf kulturelle Interaktion zu beziehen. Das Motto betont die Bereitschaft „Anderssein“ als einen besonderen Wert zu definieren und Wert zu schätzen!

Dieser Wert wird gleichzeitig durch das Motto „LEBENsKÜNSTLERinAKTION“ nochmals positiv bestärkt: Durch die Wahl oder Vorgabe persönlicher wie gesellschaftlicher Rahmenbedingungen haben wir gemeinsam eine Eigenschaft ausgebildet! Wir sind in der Lage auf eine komplizierte Lebenswelt mit Flexibilität und Kreativität zu reagieren! Wir meistern nicht nur schwierige Situationen, sondern schaffen gleichzeitig neue Lösungskonzepte und beeinflussen auf diese Weise gesellschaftliches Leben!

Dies gilt es zu feiern!

 

Das Fest

Das Fest wurde so entwickelt, dass es eine möglichst Große Beteiligung von Menschen aus dem Umfeld bei der Organisation im Vorfeld wie auch bei der Durchführung selber!

Durch gezielte Ansprache, Newsletter, Postkarteverteilung wurde in der Nachbarschaft und öffentlich um Beteiligung und Engagement gebeten. Viele Beteiligungsangebote, besonders im Bühnenbereich konnten dann im Endeffekt aus organisatorischen Gründen nicht eingebunden werden.

Das Krefelder Netzwerk Freie Kultur e.V. vertreten durch die Krefelder Musiker Initiative und den JazzKlub Krefeld, Jugendliche aus der Musikschule Dortmund mit ihren Dozenten, sowie die Lebenshilfe Krefeld beteiligte sich mit vier Bühnenakts an der Programmgestaltung und halfen bei der Öffentlichkeitsarbeit. Die Caritas Krefeld stellt uns für Transporte unentgeltlich einen Kleintransporter zur Verfügung.

Besucherkinder des SpieDie aus dem Viertel erarbeiteten auch mit Dozenten der Jugendkunstschule Beiträge für das Fest (Straßenumzug, 2 Tanzprojekte).

Teilnehmer und Dozenten der Bildungseinrichtungen steuerten einzelne Elemente bei (Straßen-Samba, afrikanisches Trommeln, Sketche, Standarttänze, Malaktionen)

Mitglieder des Vereins, Anwohner, besonders auch Eltern aus dem Viertel steuerten Essen bei, beteiligten sich an der Betreuung der Stände, beim Spülen, bei den Spielaktionen und beim Auf- und Abbau!

Am Freitag wurde in einer gemeinsamen Aktion mit Anwohnern und Helfern aus dem Umfeld eine Bühne in Eigenarbeit über den Fahradständern vor dem Werkhaus aufgebaut. Die Konstruktion mit Überdachung war eine Meisterleistung. Eine Leihbühne war für unsere Bedürfnisse nicht zu erhalten! Der gemeinsame Aufbau brachte eine sehr gute Stimmung und intensives Gemeinschaftsgefühl!

Bei der Feier waren PolitikerInnen verschiedener Parteien anwesend. Die Bürgermeisterin der CDU, Landtags- u. Bundestagskandidaten der SPD, Vertreter von Bündnis90/ Die Grünen sprachen Grußworte und mischten sich unter das Wahlvolk.

Die Helfer wurden mit T-Shirts ausgestattet, die Programmbeteiligten erhielten einen Button „LEBENsKÜNSTLERinAKTION“ als Dankeschön für ihr Engagement.

Über den Tag bis in die Nacht waren ca. 1500 Besucher auf der Straße und genossen bei schönstem Wetter das Programm vor und auf der Bühne mit Gesprächen, Tanz und Speis und Trank.

Das Fest begann um 15.00h und endete ca um 23.30h. Es kam zu keinen Zwischenfällen.

Der Dank und das Lob für das Fest hat uns sehr gut getan und bestätigt uns in unserer Arbeit!

 

Besucher: ca. 1500 Personen

Helfer beim Fest: ca. 40 Personen

Beteiligte an den Aktionen: ca. 120 Personen

 

 

Nr. 69 Kulturzentrum BÜZ, Minden - Umgido - Afrikanisches Theater

 

Projektphase

August bis Dezember 2009

 

Das Projekt

Eine ausführliche Projektbeschreibung liegt Ihnen bereits vor.

Zunächst sollen die Menschen in unserer Stadt und Region verstärkt mit afrikanischer Kultur in Kontakt kommen. Im Zusammenwirken mit dem Kulturentwicklungsplan und dem Projekt „KulturSchule“ der Stadt Minden werden wir vor allem mit Schülern und Schülerinnen verschiedener Schulformen Afrikanisches Theater einstudieren und zur Aufführung bringen. Mit „Umgido“ will das Kulturzentrum BÜZ sein eigenes kulturelles Profil mit interkulturellem Programm schärfen und erweitern und allen Generationen den niederschwelligen Zugang zur Kultur anderer Länder und Kontinente über das Medium „Afrikanisches Theater“ ermöglichen.

 

Die TeilnehmerInnen

Die Teilnahme am Projekt schrieben wir öffentlich für Schüler und Schülerinnen der weiterführenden Schulen aus. Ziel war es, 25 Kinder und Jugendliche zu finden.

Tatsächlich meldete die Realschule „Käthe-Kollwitz-Schule Minden“ 25 Kinder an. Von drei weiteren Schulen kamen noch vier Kinder hinzu. Von der Käthe-Kollwitz-Schule kamen von den angemeldeten 25 Kindern zu Beginn nur 17. Als Grund für das Fernbleiben der anderen gab die seitens der Schule engagiert begleitende Lehrerein an, das Projekt würde für diese muslimischen Kinder zeitlich sehr ungünstig beginnen: es ist Ramadan und aus Gründen der körperlichen Überforderung - der Workshop fand am Nachmittag unmittelbar nah dem Regelunterricht statt - hätten ihre Eltern die Teilnahme leider untersagt. Die Möglichkeit, nach Ende des Ramadan noch in das Projekt einzusteigen, nahmen diese Kinder nicht wahr. Nach den ersten Workshops zogen sich drei weitere Kinder zurück.

Schließlich nahmen an Umgido regelmäßig 17 Kinder regelmäßig teil.

 

Die Kooperationspartner

Käthe-Kollwitz-Schule Minden

Domschule Minden

Cornelia-Funke-Schule Minden

Herder-Gymnasium Minden

Kulturbüro der Stadt Minden

Kulturzentrum BÜZ

 

Veranstaltungen

Öffentliche Aufführung auf dem Johanniskirchhof vor dem Kulturzentrum BÜZ am 31.10.2009 im Rahmen von „Tanz OWL“ vor 100 Zuschauern.

Öffentliche Aufführung in der Sporthalle der Käthe-Kollwitz-Schule am 23.12.2009 vor 300 Zuschauern.

Mit Beginn des Schuljahres 2009/2010 ab August bis Dezember 2009: jeden Montag von 16-18 Uhr Workshop in den Räumen des Kulturzentrum BÜZ, bei schönem Wetter „Open Air“ auf dem Johanniskirchhof.

In den Herbstferien fanden keine Workshops statt.

 

Erfolg, Auswirkungen und inhaltliche Abweichungen

Die Anzahl der TeilnehmerInnen war deutlich geringer als von uns gewünscht und geplant. Vor den Sommerferien des Schuljahres 2008/2009 eingeholte verbindliche Zusagen von Schulklassen wurden von diesen nicht eingehalten, der Workshop wäre zu diesem Zeitpunkt bereits vollständig ausgebucht gewesen. Folglich starteten wir zwei Wochen vor Projektbeginn einen erneuten Aufruf in den Schulen über das Schulamt und das Kulturbüro der Stadt Minden und lancierten zusätzlich einen entsprechenden Artikel in der lokalen Tageszeitung; der letztgenannte blieb allerdings wirkungslos. Im Ergebnis konnten wir 17 Kinder für Umgido dauerhaft interessieren. Die meisten Kinder kamen aus der Käthe-Kollwitz-Schule. Dieser Umstand erwies sich als sehr vorteilhaft, da die Teilnahme am Workshop für diese Kinder durch die Schule als verpflichtend angesehen wurde. Wir schließen daraus, zukünftig mit festen Partnerschulen zusammen zu arbeiten. Im Halbjahreszeugnis spiegelte sich das regelmäßige Mitmachen bei Umgido in der Bewertung in der so genannten Kopfnote.

Die das Projekt begleitende Lehrerin der Käthe-Kollwitz-Schule konstatierte, dass die meisten der teilnehmenden Kinder während der Projektphase ein erheblich größeres Selbstbewusstsein bekamen und zugleich deutlich bessere Schulleistungen in fast allen Fächern erbrachten.

Der vor dem Projektbeginn erarbeitet Lehrplan wurde eingehalten.

 

Die Menschen in unserer Stadt und Region sollten verstärkt mit afrikanischer Kultur in Kontakt kommen. Im Zusammenwirken mit dem Kulturkonzept der Stadt Minden und dessen Baustein „KulturSchule“ studierten Schülern und Schülerinnen verschiedener Schulformen Afrikanisches Theater ein und brachten die Ergebnisse zwei Mal zur öffentlichen Aufführung.

Das „Afrikanische Theater“ ergänzt und erweitert das aktuelle Profil des Kulturzentrum BÜZ unter verschiedenen Aspekten und Blickwinkeln.

Professionelle einheimische und vor Ort lebende Künstler unterschiedlicher Ethnien, Afrika und Deutschland, arbeiteten in einem vom Kulturzentrum BÜZ initiierten Projekt über einen längeren Zeitraum hinweg.

SchülerInnen verschiedener kultureller Herkünfte waren am Projekt beteiligt. So waren neben Deutschen auch Sinti, Jugendliche und Kinder aus Rumänien, Ghana, der Elfenbeinküste, Kasachstan, aus Russland und dem Iran im Tanz- und Trommelensemble.

Die Marke „Kulturzentrum BÜZ“ konnte weiter entwickelt und weiter getragen werden: das BÜZ bewegte sich in dieser ersten Phase des Projektes aus seinem eigenen Hause weg zu anderen Orten. In einer Realschule trat die Theatergruppe im Zuge der Weihnachtsvorführung vor ca. 300 Kindern und Jugendlichen auf.

Das Kulturzentrum BÜZ, die Kinder und die Workshoplehrer profitierten im Lernprozess gegenseitig von ihren verschiedenen Fähigkeiten und entwickelten sich gemeinsam weiter. Im Laufe des Projektes kollidierten gelegentlich die unterschiedlichen Mentalitäten und Arbeitsauffassungen aus Mitteleuropa und Afrika. Der kreativen Spontaneität und oft Impuls gesteuerten Arbeitsweise der afrikanischen Workshoplehrer stand das konzeptionelle Unterrichten der deutschen Workshoplehrer oft gegenüber. Dies führte während der einzelnen Unterrichtseinheiten zu interessanten Ergebnissen in der Interaktion zwischen den Workshoplehrern. Wesentliches Element im Unterrichtsablauf wurde folglich die Notwendigkeit zur Improvisation, ohne die Ziele der einzelnen Unterrichtseinheiten aus den Augen zu verlieren. Die Workshoplehrer und Kinder stellten sich erstaunlich schnell auf diese Unterrichtsform ein. Umgekehrt fanden sich die afrikanischen Workshoplehrer im Laufe des Projektes immer besser mit den vorab strukturierten Unterrichtseinheiten nach dem klassischen Modell der vier Unterrichtsphasen zurecht.

 

Das Kulturzentrum BÜZ wollte mit dem Projekt sein regionales Netzwerk mit anderen Kulturinstitutionen, Schulen und Bildungsträgern, Kommunen und Gemeinden der Region, Stadtfesten und profilierten Projekten auf lokaler Ebene wie z.B. „Rio plus“ intensivieren.

 

Dieses Vorhaben konnten wir bis zum jetzigen Zeitpunkt in Teilen realisieren.

Die intensive Zusammenarbeit mit der Käthe-Kollwitz-Realschule Minden während der Projektumsetzung führte zu zukunftsweisenden Ergebnissen:

 

Fortführung des Projektes im Zeitraum Januar 2010 bis Juli 2010

Aufführung des erarbeiteten Theaterstückes in verschiedenen Schulen vor den Sommerferien im Juli 2010

 

Im Juni 2010 werden wir im Rahmen der Aktionswoche „RIO + 18 - UN-Entwicklungsziele bis 2015 umsetzen: Willkommen in Afrika!“ im Juni mindestens einmal öffentlich auftreten.

Besonders erfreulich ist, dass wir eine in Minden ansässige Stiftung für die Fortsetzung von „Umgido“ interessieren konnten. Die gesamte Finanzierung wird für das gesamte Schuljahr 2010/2011 wird von der Stiftung übernommen

„Umgido“ ist Teil des Mindener Modellprojektes „KulturSchule“. Im diesem Projekt arbeiten kulturelle Institutionen der Stadt Minden mit Schulen zusammen. Wichtiges Element zum erfolgreichen Gelingen des Projektes ist die aktive Teilnahme und Teilhabe von Lehrern und Lehrerinnen am Projekt. Die Lehrer sind das Bindeglied zwischen den Kulturinstitutionen und den Schulen. Sie helfen bei der Acquise der teilnehmenden Schüler und helfen den Kulturinstitutionen, das durchnormierte „System Schule“ zu verstehen, um das Entstehen von Reibungspunkten zwischen den verschiedenen Welten von Schule und Kultur möglichst zu vermeiden.

In diesem Zusammenhang war es uns wichtig, als Partnerschule für die Projektfortsetzung im Schuljahr 2010/2011 eine Grundschule in einem sozialen Brennpunkt Mindens zu finden. Der Großteil der SchülerInnen stammt aus bildungs- und kulturfernen sozialen Schichten.

Passend zum Thema des Projektes „Umgido“ werden in die Unterrichtseinheiten in Fächer wie Deutsch, Geschichte und Geographie Aspekte in den Unterreicht eingearbeitet, in unserem Fall Afrika und interkulturelles Lernen.

Nach Aussage der Schulleiterin der Käthe-Kollwitz-Schule Minden wurde dieses Ziel in der Schule nicht umgesetzt.

Die erste Phase des Projektes war Teil des OWL-Projektes „Tanz OWL“, welches über das Programm „Regionale Kulturförderung“ 2009 zum zweiten Mal aufgelegt wurde.

Die teilnehmenden Kinder und Jugendlichen brachten wenig Vorkenntnisse und Fähigkeiten in den Bereichen Tanz und Musik/Trommeln sowie keine schauspielerischen Fähigkeiten und Vorerfahrungen.

Die DVD, welche wir zur Dokumentation des Projektes erstellen, konnte nicht rechtzeitig fertig gestellt werden. Die Zeit zwischen Ende des Projektes im Dezember 2009 und der Abgabe der fertigen DVD ca. Mitte Februar war zu kurz bemessen. Die Arbeiten rund um die Sichtung der Filmaufnahmen (rund 60 Stunden), Bewertung und Auswahl des Materials, Strukturierung und Gliedern sowie der Schnitt dauerten deutlich länger als geplant. Mitte März 2010 wird diese DVD vom Presswerk ausgeliefert.

Wir freuen uns über die bisherigen Erfolge und das durch die Umsetzung von „Umgido“ positiv Erreichte!

 

Nr. 70 Kultur im Ringlokschuppen e.V. Mülheim a. d. Ruhr - Klub für lokale Feldforschung

 

Im Rahmen des Projekts „Klub für lokale Feldforschung“ haben ab Mai 2009 insgesamt 6 Veranstaltungen stattgefunden.

Nach dem Motto: „Vor meiner Tür beginnt die Welt.“ und „Wie wollen wir die Welt von morgen?“ sind wir in diesen Veranstaltungen unterschiedlichen Fragen nachgegangen:

 

Am 14.05.09: Wie entsteht kommunale Öffentlichkeit? – Kultur im Spiegel lokaler und regionaler Medien

Auf dem Podium diskutierten zu diesem Thema Jens Dirksen (WAZ), Peter Ortmann (Ex-TAZ-NRW), Andreas Wilink (K-West) und Dietmar Kobolt (Theater-zeitung akT, Köln). Moderiert wurde die Diskussion von Regina Völz (WDR).

 

Am 11.06.09: Wie sieht die Mülheimer Innenstadt der Zukunft aus? - Ruhrbania und der Ladenleerstand

Auf dem Podium diskutierten zu diesem Thema Matthias Rick (raumlabor_berlin), Aenne Quiñones (Dramaturgin Volksbühne Berlin), Thorsten Kamp (Stadt-planungsamt der Stadt Mülheim) und Klaus Geldmacher (Mülheimer Objektkünstler). Moderiert wurde die Diskussion von Stefan Keim (WDR).

 

Am 03.09.09: Der Crash - Mittel- und langfristige Auswirkungen der Finanzkrise auf das Kulturangebot von Stadt und Region

Auf dem Podium diskutierten zu diesem Thema Peter Vermeulen (Kulturdezernent der Stadt Mülheim, CDU), Moritz Pankok (Mülheimer Künstler), Fabian Lettow (Theatermacher), Peter Landmann (Staatskanzlei NRW) und Prof. Dr. Hans Joachim Wagner (Kunststiftung NRW). Moderiert wurde die Diskussion von Hermann Theissen (Deutschlandfunk)

 

Am 29.10.09: Aus der schönen neuen Welt – Obdachlose in Deutschland und Mülheim

Lesung und Diskussion mit Günther Wallraff. Moderiert wurde die Diskussion von Holger Bergmann (Ringlokschuppen).

 

Am 30.11.09: Kollektive Kontroversen - Gemeinschaftliche Arbeitsformen im zeitgenössischen Theater

Im Rahmen des freien Theaterfestival Impulse diskutierten auf dem Podium zu diesem Thema Alexander Karschnia (andcompany&Co., Berlin), Alexander Kelin, Fabian Lettow, Mirjam Schmuck (kainkollektiv, Bochum), Matin Bieri (Schauplatz International, Biel, CH) und Stefan Schroer (Theater Arbeit Duisburg). Moderiert wurde die Diskussion von Regina Völz (WDR).

 

Am 17.12.09: Hommage an Hermann Haber – Ein Abend mit Musik, Rezitationen & Gesprächen über den Mülheimer Karikaturisten, Maler und Lokalpatrioten Hermann Haber

An diesem Abend wirkten die im Ringlokschuppen arbeitenden Künstler Moritz Pankok, Mirjam Schmuck und Julia Dillmann und Dr. Koos van Weringh (Experte für Karikaturen) mit. Moderiert wurde die Veranstaltung von Claudia Saerbeck (Ringlokschuppen).

Bei allen Veranstaltungen stand der Bezug zu Mülheim im Vordergrund. Unser Anliegen, die politische und soziale Diskussion wieder in die Soziokultur zurückzuholen und ihr einen festen Ort außerhalb von Parteipolitik zu geben, ist damit in Erfüllung gegangen. Auch durch die offene Art der Gesprächsrunden und die Möglichkeit der Einmischung kam es in vielen Fällen zu engagierten Auseinandersetzungen und Diskussionen, die sich später in kleiner Runde fortsetzten. Damit sind wir mit dem Resultat sehr zufrieden.

 

 

Nr. 72 Stephan US, Oliver Breitenstein, Ruppe Koselleck, Münster – BürokARTie -Bürokratische Strategien und subversive Dienstleistungen

 

Das Projekt BürokARTie wurde vom 30.10.2009 bis zum 09.11.2009 erfolgreich in einer leeren Büroetage in Münster durchgeführt. Bereits im Vorfeld und Nachspiel wurden bürokratische Aktionen Im Münsterland gestartet. Die Büroetage bildete jedoch das Herzstück aller subversiven und bürokARTischen Strategien. Im Stadtzentrum Münsters und war oberhalb der Deutschen Bank, die während des Ausstellungszeitraums mit ihrem Umzug begann, war der Ort der Handlungen gelegen. Durch diese Auflösung der klaren räumlichen Verhältnisse verirrten sich teilweise Menschen in den BürokARTie Raum, weil sie eine Frage zum Konto hatten und wurden mit künstlerischen Dienstleistungen konfrontiert. Dass diese „Irrläufer“ zu sehr intensiven Ausstellungsnutzern transzendierten, war eine besondere Überraschung, mit der nicht zu rechnen war. Eine plötzliche Begegnung mit Kunst, die so aussieht wie Bürokratie –wie gewöhnliche Verwaltung – bewirkte neben der Irritation eine nachhaltige Neugierde, weil die „Irrläufer“ sich zu Wiedergängern entwickelten.

 

PARTIZIPATION

Neben den zehn künstlerischen Positionen, die im Katalog näher beschrieben werden, gab es einen Partizipationsteil - einen offen ausgeschriebenen OPEN CALL - der rege genutzt wurde. An ihm beteiligten sich Teilnehmer aus dem ganzen Bundesgebiet und dem benachbarten deutschsprachigen Ausland. Ihre Einreichungen wurden in einem eigenen Teilbereich ausgestellt.

 

Einige Einreichungen waren vom Niveau so hochkarätig, dass ihnen im Rahmen der Ausstellung ein eigenes Forum für Vorträge und Performances geboten wurde. Beispielsweise zeigten Damaris Lipke und Anetta Küchler-Mocny ihre Performance „Menschenrechte“, zu der sie einen eigenen Abend gestalteten und der den Kreis des erreichbaren städtischen Publikums deutlich erhöhte.

Herr Metzler hielt einen Vortrag zum Thema „Löcher“, der im Anschluss zu regen Gesprächen und Diskussionen im Publikum führte. Das besondere des Vortrages war, dass Herr Metzler berufsbedingt sozusagen genuin bürokratisch war. Sein Interesse an Löchern rührte aus seiner langwierigen Verwaltungstätigkeit für den Landschaftsverband und dort insbesondere der Brückenüberwachung her. Gerade sein pragmatischer und anthropologisch akzentuierte Vortrag über die Geschichte des Lochers als Grundlage systematischer und bürokratischer Ordnung (und Leere?!), führte zu kunstkontextübergreifenden Auseinandersetzungen und war eine besondere Bereicherung für das BürokARTie Projekt.

 

Das Publikum hatte jedoch während der Projektdauer weitere aktive Partizipations-möglichkeiten, die sich aus der Natur der Kunstpositionen rund um bürokratische Vorgänge ergaben.

So wurde Beschwerde- und Antragsstelle rund um das Thema Bürokratie intensiv genutzt. Eine „historische“ Schreibmaschine wurde bis an die Grenzen ihrer lärmenden Belastbarkeit bespielt. Die ungerichteten und offenen Beschwerden flogen als wertvolles Papierinventar im gesamten Ausstellungsraum, der sich über 10 unterschiedliche Einzelbüros und 300 m² ausdehnte.

 

Viele Besucher nahmen die Gelegenheit wahr, Gegenstände im Büro für Nichts und Mehr annullieren zu lassen, beantragten Gutachten zur ökologisch korrekten Entsorgung von Kunst bei Art Erasa oder beantworteten Fragebögen ob sie Kunst ernst nähmen. Durch diese interaktive Einbindung der Besucher unterschied sich das Projekt wesentlich von einer herkömmlichen Ausstellung und erreichte so eine nachhaltige Einbindung der Rezipienten in diverse Diskurse, wie am Beispiel der Feindlichen Übernahme von BP deutlich wird.

Hier versucht der Künstler einen Multinationalen Konzern über seinen Abfall zu schlucken, nämlich den Teerresten, die an den Küsten angespült werden.

Aus diesen produziert er Kunst um von deren Erlös die Aktienmehrheit an BP zu erwerben.

Der Besucher kauft Kunst – und Koselleck einen Konzern.

Die Besucher wurden durch die unterschiedlichen performativen Installationen wie dieser zum wiederholten Besuch der Ausstellung angeregt, so dass einige Besucher häufiger auftauchten, ihre Freunde mitbrachten, um zu überprüfen, ob der Konzern geschluckt, die Welt annulliert oder die Kunst ernster als zuvor genommen wird.

 

NACHHALTIGKEIT

Die BürokARTie Ausstellung konnte so zu einer Kommunikationsplattform etabliert werden, die intensiv bis zum Ende der Ausstellung genutzt wurde.

Diese erwies sich als ein ideales Forum zum Erwerb und auch Vertiefung kultureller Bildung.

So nutzen verschiedene Münsteraner Schulen, das Angebot zur Kunstvermittlung, in dem sie mit ihren Klassen die Künstler direkt in der Ausstellung besuchten und zu ihren Arbeiten befragten.

Eine Besonderheit des Ausstellungsortes war die gemeinsame Nutzung der Ausstellungsräume mit dem SATELLIT-KUNSTVEREIN.

Tags über wurden alle zehn Räumlichkeiten der Büroetage von dem künstlerischen Vermittlungsprogramm des ADKV als Schulungsräume „missbraucht“.

Gerade aber dieser „Missbrauch“ - dieses Konzept des ARBEITEN IN ARBEITEN, des Kunstproduzierens und Konzeptierens inmitten einer laufenden Ausstellung muss als besonders nachhaltig in seiner erfahrungsorientierten Didaktik festgehalten werden.

Die Schülerinnen und Schüler von drei städtischen Gymnasien, einer Haupt- und einer Realschule erlebten eine Kunst, die zum Greifen nah war. Eine so niedrigschwellige Vermittlung aktueller Kunststrategien führte zu einem persönlichen Kontakt, der zur Inspiration für viele Schüler-Projekte wurde, die u.a. im www.satellit-kunstverein.de oder auf Youtube einsehbar sind. Gerade hier bleibt etwas zurück, was einen eigenständigen Zugang zur Kunst gelegt hat.

So bleiben einige Schülerinnen fachaffin tätig, bewerben sich an Designhochschulen, Akademien und Filmhochschulen. Hier konnten wertvolle Beratungsgespräche für Mappen und Skizzen und Anlagen in den Ausstellungsbetrieb der BürokARTie elegant integriert werden. Ein natürliches Interesse entsteht eben durch das selbstverständliche DAZWISCHENSEIN in den zehn performativen Installationen, die teilweise eigens für die Vermittlung und jenseits des täglichen Ausstellungsbetriebes öffneten.

Eine Schülerarbeit wurde sogar in den normalen Ausstellungsbetrieb integriert und war ununterscheidbarer Bestandteil des Projektes geworden.

 

Durch intensive Öffentlichkeitsarbeit wurde ein gutes Presseecho erreicht. So berichtete zum Beispiel neben den Lokalmedien die Deutsche Presseagentur über das Projekt, entstanden Filialen am Flughafen Osnabrück und sorgten so für eine große Streuung des künstlerischen Vorhabens. Parallel zu der Büroetage in Münster und am Flughafen wurde auch eine performative Zweigstelle der Transatlantischen Allianz für Intrigante Interventionen in New York eröffnet. Auf Youtube finden Sie noch heute Spuren des Ausstausches von deutschen Werbeflyern auf einem fremden Kontinent.

Liste aller beteiligten Akteure, Künstlerinnen und Künstler:

 

Künstler, Firmen und ihre Büros:

Arterasa Group Int. (Int.) - Kunstbereinigung
Brandstifter & Koselleck (New York/Münster) - Transatlantic Alliance for intriguing Intervention
Oliver Breitenstein (Münster) - Büro für Kunstvermittlung
Freie Klasse München (München) - Hilfe Heilt Helfen
Heinrich Gartentor (Bern) - Büro für künstlerische Qualitätserfassung
Ruppe Koselleck (Münster) - Bodenstiftung
Matters of Appeareance (Hamburg) - Pausenraum
Robert Porth (Berlin) - Büro für Exp. LM
Matthias Schamp (Bochum und Berlin) - Evidenzbüro
Stephan US (Münster) - Büro für Nichts & mehr

Zusendungen und Einreichungen von:

Kascha B.                                          Die Sekretärin

Lenka Clayton / James Price                 People in order

Joe Dollmann                                       Ring of fire

Alexander Dragon                                 Versicherungsgutachten Raum für unkontrolliertes Leben

Ilse Ermen                                           Kunstfreie Zone

Doris Graf                                            Pikträt

Thomas Judisch                                   Lange nicht gestrichen

Gerd Kock                                           30. Februar

A. Küchler-Mocny/Damaris Lipke           Menschenrechte

Christin Lahr                                         Artikel_Zero/Inter_Human_Rights | Macht Geschenke 1 + 2

Karl Heinz Mauermann                          VERBergen

H.G. Metzler                                        Vortrag über Locher und Löcher

David Schöler                                       Stempelperformance

Vera Stöckmann                                   Differenziertes Schreiben

Raimund Truxius                                   Asterix als Legionär

Susanne von Bülow                               Fensterbriefe

Andreas Weber, Andy Strauss u.a.        Zettelwirtschaft on Stage

Markus Zürcher                                   Muster ohne Wert

 

Veranstaltungen „BürokARTie“ in Münster

 

30.10. & 06.11.2009                  “Die Sekretärin“ Kascha B. (Kascha Borgmann)

03.11.2009                               „Muster ohne Wert“ Markus Zürcher

04.11.2009                               „Zettelwirtschaft on Stage“ Andreas Weber & Freunde

05.11.2009                               „Loch und Löcher“ Vortrag von H.G. Metzler

06.11.2009                               „Menschenrechte“ Anetta Küchler-Mocny & Damaris Lipke

08.11.2009                               „Kunstverbesserung“ Ruppe Koselleck & Oliver Breitenstein

 

 

Nr. 73 VIERPLUStheater, Münster - Freund Hein-100% Tiefschlaf

 

Phase 1

Schreibgruppe für Trauernde im Johanneshospiz Münster

 

Leitung: Ariane Filius, Schreibpädagogin und ehrenamtliche Mitarbeiterin im Johanneshospiz

Beginn: Montag 19.10.2009, 18-20.30Uhr; insgesamt 10 Termine geplant

 

Idee und Ziele der Schreibgruppe

Goethe schrieb „die Leiden des jungen Werther“, um seine Selbstmordgedanken zu verarbeiten; Rilke schöpfte aus seinen Depressionen die Kraft zur Poesie. Schreiben hilft bei der Bewältigung von Krisen – das bezeugen nicht nur zahlreiche große Werke der Weltliteratur. Erstaunlich viele Menschen greifen in schweren Lebenszeiten intuitiv zu Stift und Papier und erfahren dadurch Hilfe. Und auch empirische Studien zeigen die heilsame Wirkung des Schreibens, z.B. bei der Verarbeitung von Traumata.

Das Erzählen und die sprachliche Aufarbeitung helfen Menschen dabei, schwierige Erlebnisse in ihr Leben zu integrieren und ihre Erfahrungen zu deuten. Das liegt u.a. an der Strukturähnlichkeit und engen Verbindung unserer Sprache mit unseren Gedanken und Gefühlen. Dieser heilsame Effekt des Erzählens wird intensiviert und erweitert, wenn es in schriftlicher Form erfolgt. Quasi: Reden hilft; Schreiben noch besser. (Darüber hinaus kann schreiben natürlich auch einfach ein Ersatz für Reden sein.)

Die schriftliche Betrachtung ist überdies ein Innehalten, eine Verlangsamung. Sie gibt Gelegenheit, nach dem treffenden Ausdruck für etwas suchen – es in Worte zu fassen und dadurch greifbar zu machen. Die Begegnung mit Krankheit und Tod erfordert häufig, vieles im Leben neu zu formulieren. Als Schreibende brechen die Betroffenen aus ihre Rolle der Schicksal-Ergebenen aus und nehmen eine aktive Position ein: Sie werden Herr der eigenen Geschichte und verleihen den Ereignissen Bedeutung. Menschen haben Bedürfnis nach Bedeutung.

Die ‚Schreibgruppe für Trauernde und Hinterbliebene‘ bietet neben vielen verschiedenen Schreibimpulsen und -methoden auch die Gelegenheit zum Austausch mit anderen Betroffenen. Dieser Austausch wird mittels der geschriebenen Texte oft sehr bereichernd und intensiv. Diese Erfahrung ist gerade für trauernde Menschen, die sich oft isoliert und unverstanden fühlen, sehr wertvoll.

 

Ziele:

Die Teilnehmer mit Hilfe des Schreibens dabei unterstützen, einen für sie gesunden Umgang mit ihrer Trauer zu finden, indem…

…in der Gruppe die heilsame Wirkung des (schreibenden) Erzählens genutzt wird sowie

-…die Teilnehmer Methoden kennenlernen, die sie für sich selbst (ohne Gruppe und Anleitung) nutzen können.

Den Teilnehmern durch die Gruppenarbeit die Erfahrung der Zugehörigkeit und des Verstandenwerdens vermitteln.

 

Konzept und Kursaufbau

Die Kursinhalte sind in einem Spannungsbogen aufgestellt: Anfangs lernt sich die Gruppe kennen und die Teilnehmer verorten sich im Hier und Jetzt (wo stehe ich gerade im Leben? Was ist mir wichtig? Welche Menschen stehen mir bei?). Die intensive Aufarbeitung der eigenen Trauergeschichte erfolgt dann in der Mitte des Seminars; die Teilnehmer bekommen erstens die Gelegenheit, ihre Erlebnisse und Erfahrungen detailliert zu schildern und zu einer zusammenhängenden Geschichte zu machen. Zweitens geht es in der mittleren Arbeitsphase darum, die Beziehung zu dem Verstorbenen (wieder) aufzunehmen, die Verbindung zu ihm zu spüren. Der letzte Teil der Schreibwerkstatt berührt Sinnfragen und gibt Gelegenheit, die Bedeutung von Tod und Abschied im eigenen Leben zu betrachten.

 

Idee und Ziele der Zusammenarbeit mit dem Theaterprojekt Freund Hein

Im Anschluss an den Schreibkurs wählen die TeilnehmerInnen einige der entstandenen Texte aus, die dem Theaterprojekt als Recherche- und Arbeitsmaterial zur Verfügung stehen dürfen. Einige dieser Texte sollen mit Illustrationen der Münsteraner Künstlerin Linda Kasprowiak in einer Publikation gedruckt (anonym oder mit Namen) oder/und in einer Lesung vorgetragen werden.

Dadurch bekommen trauernde Menschen, die häufig unter Ausgrenzung und Schweigen leiden, in der Öffentlichkeit Gehör. Unsere Gesellschaft wird angestoßen, über die tabuisierten Themen Tod und Sterben ins Nachdenken und in den Austausch zu kommen.

Sofern die Schreibgruppen-Teilnehmerinnen dazu bereit sind, könnte sich auch ein persönliches Gespräch zwischen ihnen und der Regisseurin Nelly Köster sowie mit den Schauspielern ergeben.

 

Status Quo, Dezember 2009 - Kurzer Überblick:

Die Schreibgruppe wurde Anfang Oktober 2009 in den lokalen Zeitungen und mit Handzetteln angekündigt. Das Angebot richtete sich an alle Hinterbliebenen, die über ihre Erfahrungen schreiben und sich in einer Gruppe austauschen wollen. Es waren 10 Treffen à 2,5 Stunden geplant; das erste Treffen fand am Montag, den 19.10.2009, statt. Es nahmen 5 Teilnehmerinnen (zwischen 50-80 Jahre alt) teil, die seit dem die Kursabende regelmäßig besucht haben.

 

Teilnehmerinnen:

Drei der Teilnehmerinnen sind erst vor wenigen Monaten verwitwet, das heißt die Trauer ist sehr frisch. Für diese drei Frauen ist die Schreibwerkstatt das erste Angebot, das sie zur Trauerbewältigung wahrnehmen. Bei den beiden anderen Teilnehmerinnen liegen die Todesfälle einige Jahre zurück.

Zwei der Teilnehmerinnen sind voll berufstätig, eine dritte Teilnehmerin ist noch teilweise im Beruf. Zwei sind in Rente.

 

Status Quo:

In der Vorweihnachtszeit zeichnete sich ab, dass sich mehrere Teilnehmerinnen stark belastet fühlten. Dafür ließen sich mehrere Gründe finden:

Die Vorweihnachtszeit ist zugleich eine vielbeschäftigte, aber auch emotional schwierige Zeit.

Die Trauerbewältigung wird in den regelmäßigen Treffen neben der Berufstätigkeit (zusätzlich: in der Weihnachtszeit) als sehr anstrengend erlebt. Besonders der Montagabend scheint ein schwieriger Termin zu sein, weil die aufgewühlten Gefühle und Gedanken tagelang nachklingen.

Zusätzliche persönliche Belastungen (eine der Teilnehmerinnen pflegt eine behinderte Schwester; eine andere Teilnehmerin hat einen krebserkrankten Sohn und ein behindertes Enkelkind; Diagnose einer tödlichen Krankheit bei dem Hund einer dritten Teilnehmerin)

Die Trauer ist bei mehreren Teilnehmern noch so frisch, dass sie Zeiten von sehr akutem Schmerz durchleben. Auch hier ist die Weihnachtszeit eine besondere Herausforderung.

An unserem achten Treffen (14.12.) haben wir uns lange über die aktuelle Situation der einzelnen Teilnehmerinnen unterhalten und festgestellt, dass mehrere Teilnehmerinnen es als hilfreich empfänden, mit den Schreibabenden vorläufig zu pausieren.

Wir werden uns Mitte Januar zu einem informellen Beisammensein treffen und gemeinsam überlegen, ob wir die letzten beiden Termine durchführen wollen oder nicht. Wahlweise könnte die Zahl der Treffen auch noch erweitert werden bzw. alternativ dazu würde sich ein gemeinsamer Schreibtag anbieten. Dies wird nach dem Bedarf und dem Empfinden der Teilnehmerinnen entschieden.

 

Ausblick:

Der weitere Verlauf des Kurses wird sich also erst Mitte Januar klären. Aufgrund dessen verzögert sich die Planung für eine Lesung und/oder Publikation der Texte.

Je nachdem wie sich die Teilnehmerinnen entscheiden, wird der Kurs eventuell schon Mitte bis Ende Januar oder aber erst Anfang bis Mitte Februar abgeschlossen. Danach müssen die Texte ausgewählt, kopiert, abgetippt und für eine Lesung zusammengestellt werden. Weiterhin muss eine kurze Zeitspanne für die Vorbereitung der Lesung sowie die öffentliche Ankündigung eingeplant werden. Die Lesung kann also nach momentaner Einschätzung frühestens Ende Februar stattfinden.

 

 

Nr. 75 Druckluft e.V., Oberhausen – Schließfächer

 

Das Kulturzentrum Druckluft besteht seit 30 Jahren. Im Rahmen einer Neuausrichtung und Öffnung des Zentrums in den Stadtteil Lirich wurde im September 2009 unter anderem eine Jugendtheatergruppe gegründet. Auf einige Aushänge meldeten sich direkt mehrere Jugendliche im Alter zwischen 12 und 25 Jahren, um mit der Theaterpädagogin Anna Koch und dem Regisseur und Bühnenbildner Moritz Pankok ein Stück mit dem Titel „Schließfächer“ zu erarbeiten. Die Jugendtheatergruppe „Theater LUFT“ des Kulturzentrums Druckluft war geboren. Bis zu den vier Aufführungen blieben acht Jugendliche im festen Kern dabei, die dann auch zum Ensemble von "Schließfächer" wurden.

Die Gruppe traf sich einmal wöchentlich zumeist in der kleinen Bewegungshalle des Kulturzentrums, einer alten Werkstatt der stillgelegten Kohlezeche nahe des Oberhausener Hauptbahnhofs. Der Titel „Schließfächer“ gab einen sehr groben Handlungsrahmen vor. Die Schließfächer als zentraler Teil des Bühnenbilds, die wir später von der Deutschen Bahn in Frankfurt ausgeliehen haben, waren noch nicht vor Ort.

Zunächst arbeiteten die Jugendlichen mit Kartons und sammelten in Improvisationen zum Thema Geheimnisse ein ganzes Kaleidoskop an individuellen Geschichten, die sich alle im Umfeld des Oberhausener Hauptbahnhofs hätten ereignen können. Aus den Improvisationen entwickelten sich wiederkehrende Figuren, die zum Teil nahe an den Biografien der SchauspielerInnen waren. Andererseits stellte sich in den Proben heraus, dass sich viele Dinge im Leben von Menschen recht willkürlich ereignen und Begegnungen und Bekanntschaften offenbar gerade am Bahnhof dem Zufall überlassen sind. Möglichkeiten werden nicht erkannt, und hinter dem ersten Eindruck einer Person, verbirgt sich häufig etwas völlig anderes als man erwartet hätte.

Mit den „echten“ Bahnhofsschließfächern bekam die Produktion ihren physischen Hintergrund. In einem gemeinsamen Prozess haben wir die improvisierten Szenen zu einem Geflecht verknüpft.


Bei fast allen Proben waren alle Teilnehmer vollständig anwesend, so dass die Proben von gegenseitiger Kritik und Unterstützung geprägt waren. Zum 30-jährigen Jubiläum des Drucklufts präsentierte Theater LUFT eine Werkschau vor Publikum - mit der ersten Hälfte von „Schließfächer“. Der Erfolg dieser Werkschau war eine große Motivation für die weitere Arbeit. Die Premiere wurde auf Wunsch der Teilnehmer verschoben, um eine Woche der Weihnachtsferien intensiver Probenarbeit zu widmen.
In dieser Zeit war das Kulturzentrum eigentlich geschlossen, so dass wir häufig mit widrigen Bedingungen zu kämpfen hatte: Mal fiel die Heizung aus, mal waren Räume verschlossen, mal wurde in die Bewegungshalle eingebrochen und Requisiten entwendet. Trotzdem oder gerade deshalb gab es einen großen Zusammenhalt. Die sehr unterschiedliche Zusammensetzung der Gruppe (Alter, Herkunft, Bühnenerfahrung), die leicht hätte zu Schwierigkeiten führen können, machte wider Erwarten eine besondere Stärke des Teams aus. Die schüchternen TeilnehmerInnen wurden durch die selbstbewussten zu einem sichereren öffentlichen Auftreten motiviert. Gerade hier ist eine schnelle Entwicklung der Jugendlichen zu beobachten.

Zusätzlich zu den Proben wurde, angeleitet von Moritz Pankok, ein Bühnen und Lichtkonzept, unter ehrenamtlicher Beteiligung einzelner Jugendlicher aus der Theatergruppe, entwickelt. Neben Workshops zur Veranstaltungstechnik, wurde auch das tatsächlicher "Bühnebild" aber auch die gesamte Lichtinstallation geplant, kostenfrei an verschiedenen Stellen ausgeliehen, sowie auf- und abgebaut.

Auch beim Auf- und Abbau der Tribüne gab es durch bürgerschaftliches Engeagement tatkräftige Unterstützung, sowie auch wiederum kostenfreie materielle Unterstützung in dem Fall vom Ringlokschuppen in Mülheim.

 

Für die Premiere am 9. Januar 2010 verwandelten wir die Bewegungshalle erstmalig in ein kleines Theater mit 50 Plätzen. Obwohl diese Halle einen sehr eigenen Charme hat, wird das Stück noch bei Gastspielen im Theater Oberhausen und evtl. auch in Mülheim zu sehen sein. Die 1650kg schweren Schließfächer sind durchaus mobil und die Jugendlichen höchst motiviert. Die nächste Produktion von Theater LUFT, „Was ist eigentlich aus Akiv geworden?“, ist schon in Planung.

 

 

Nr. 76 Cobra – die Provinz lebt, Solingen - Jugendmusiktheaterensemble Trying Babylon -

Projekt: Wir sind Weber - Ein schulübergreifendes Theaterprojekt

 

Projektdauer: Oktober 2009 bis Februar 2010

Projektträger: Als kulturpädagogische Facheinrichtung konzipiert und organisiert der Verein im Kommunikationszentrum „Cobra“ im Bereich kultureller Bildung Projekte für Kinder, Jugendliche und Erwachsene, soziokulturelle Projekte, Weiterbildung sowie Veranstaltungen. Ziel war und ist es, den kreativen, verantwortungsvollen und selbständigen Umgang mit Musik, Kunst, Theater und Medien zu unterstützen. Im Mittelpunkt stehen die Förderung der Gesamtpersönlichkeit, die Auseinandersetzung mit aktuellen künstlerischen und gesellschaftlichen Entwicklungen, die Arbeit mit Mädchen und Jungen sowie die Integration ethnischer, religiöser und sozialer Gruppen.

Projektidee:

Ausgang und Anliegen des Projektes „Wir sind Weber“ war es, vor dem Hintergrund von Weltfinanz- und Wirtschaftskrise und des drohenden Klimawandels die jugendlichen Teilnehmerinnen und Teilnehmer in der Auseinandersetzung mit dem historischen Drama „Die Weber“ ihre eigene Stellung in einer krisenbehafteten Welt zu hinterfragen und darüber anzuregen, über ihre eigene Zukunft nachzudenken . Dabei sollte zugleich mit der Beschäftigung der sozialen Krise des 19. Jahrhunderts, neben dem Theaterspiel, ein Zugang zur historisch bzw. politischen Bildung eröffnet werden.

Zielgruppe und künstlerisches Team:

Zielgruppe des Projektes waren jungen Menschen zwischen 14 und 18 Jahren aus allen Schulformen, mit und ohne Migrationshintergrund, Behinderte sowie Nichtbehinderte.

Für die Projektumsetzung arbeiteten zwei Regisseure als künstlerische Leitung, ein Choreograph, zwei Musiker und ein Politologe mit dem Jugendensemble zusammen. Arbeitsansatz war es mit Hilfe eines vorgegebenen Themas eigene Szenen durch den Einsatz von Improvisationstheatertechniken zu erarbeiten.

Aufbau der Projektarbeit:

Begonnen hatte das Projekt mit einem intensiven Theaterworkshop in den Herbstferien vom 12. – 17.10.2009. Die Woche war nach Themen und Arbeitsschritten konzipiert, in denen alle Dozenten mit der Gruppe zusammenkamen und die Jugendlichen mit allen Aspekten des geplanten Theaterstückes konfrontiert wurden.

So stand am ersten Tag, der thematisch mit Zukunftsvisionen überschrieben war, Improvisationstechniken, Musik und Stimmübungen auf dem Arbeitsplan. Am zweiten Tag wurde die Gruppe mit dem Drama „Die Weber“ von Gerhard Hauptmann vertraut gemacht. Des Weiteren folgten Übungen in den bereichen Tanz, Text und Musik.

Der Mittwoch stand hingegen der sonst eher künstlerischen Schwerpunktsetzung ganz im Zeichen der historischen und politischen Bildung. Es wurden Finanz- und Wirtschaftskrise und der Klimawandel thematisiert, sowie ein in der Nähe angesiedeltes Industriemuseum besucht.

Eine Führung durch das Museum half die Lebensweise der Menschen ab der Hälfte des 19. Jahrhundert konkret in Solingen besser zu verstehen. In dieser Zeit kam es nach und nach auch im Schneidwarenbereich zum Übergang vom Produktionssystem des Verlagswesen, bei dem heimarbeitende Schneidwarenproduzente ihre Produkte über einen Fabrikbesitzer verkaufen mussten, zur industriellen Produktion. Für den Weberaufstand in Schlesien, dass zu dieser Zeit wie Westfalen zu Preußen gehörte, gab es Widerstände der Verlagsarbeiter aufgrund der Hungerlöhne gegen die Maschinenfabriken, die ihre Existenz noch stärker zu gefährden schienen. Auch in Solingen, so eine Parallele, kam es im März des Revolutionsjahres 1848 zur Maschinenstürmerei, in dessen Verlauf zwei Eisengießereien zerstört wurden. Die Facharbeiter hatten einfach Angst vor Arbeitsverlust durch den Einsatz der dort installierten Maschinen. Neben dem Verstehen der jeweiligen historischen Arbeits- und Lebensbedingungen sollten auch Paralellen zwischen den Entwicklungen von damals und heute aufgezeigt werden. Zum Beispiel darin, dass auch in Zeiten der Globalisierung „Hungerlöhne“ gezahlt werden, wo es keinen Schutz der Arbeitnehmer gibt. Das vielleicht auch heute hierraus soziale Unruhen, aber in einer anderen Form, entstehen können, wurde als Möglichkeit in das Stück „Wir sind Weber“ mit aufgenommen. So erreicht in dem Stück die Meldung über einen Flashmob, der zunächst friedlich dann aber in Gewalt umgeschlagen ist, via Fernshen die junge probende Schauspielgruppe. Erstaunlich ist die Tatsache, dass dieses von zwei Schülerinnen erdachte Szenario kurz nach Premiere des Stückes im Februar als reale Nachricht über ein derartiges Vorkommen in Philadelphia – USA im März durch die Presse ging. Bei diesen Ereignissen trugen die Schwarzen Angreifer aus den Armenvierteln der Stadt die Gewalt in die „weißen“ wohlhabenden Stadtviertel.

In den beiden anschließenden letzten Tagen des Workshops kam es nun darauf an, die eigenen Zukunftsentwürfe, die Erfahrungen aus den aktuellen Krisen mit dem Stoff des historischen Dramas zu verknüpfen. „Wir sind Weber“ spielt mit seinem Titel letztendlich darauf an, das hier „die Jugend“ in aktuell krisengeschüttelter Welt sich Gedanken über ihre Zukunft macht und dementsprechend handelt.

Anschließend an diese intensive Woche fanden wöchentlich regelmäßig Probestunden statt.

Im weiteren Verlauf arbeiteten die Dozenten mit Hilfe einer Synopse an der Struktur des Stückes. Die Synopse, bei der auf der einen Seite die Struktur des Dramas „Die Weber“ in seinen 5 Akten und auf der anderen Seite di e sich abzeichnenden Struktur des eigenen Stückes „Wir sind Weber“ gegeneinander aufgeführt war, half, aus den vielen unterschiedlichen von den jungen Teilnehmenden erarbeiteten Texten, Spielzsenen sowie den eingeübten Musik und Tanzeinlagen, eine eigene theatralische Erzählung zu gestalten. Obwohl nicht alle Texte Eingang in die Produktion fanden, zeichnete sich die Textarbeit der Schülerinnen und Schüler durch sehr viel Kreativität aus, bei dem die Informationen aus der Workshopwoche mit eigenen Fantasien und Überlegungen kombiniert wurden. Im weiteren Verlauf enfernte man sich von der Struktur des Hauptmann Dramas, sodass der Zuschauer keinen Zusammenhang allein anhand des Stückaufbaus mit dem Drama „Die Weber“ erkennen kann.

Medienberichterstattung:

Premiere des Stückes war am 21. Februar 2010 Eine weiter Aufführung für Schulklassen folgte am 23. Februar im Theater. Die Resonanz der Zuschauer war sehr gut. Die örtliche Presse berichtete vor und über die Premiere in ausführlichen Berichten.

Dokumentation:

Die Proben sowie die Premiere wurden fotographisch und videotechnisch dokumentiert. Hierzu hat eine beauftragte Videoeditorin eine CD-Dokumentation erstellt.

Wettbewerbe:

Nach Ende der Produktion nahm Trying Babylon bei dem Theaterwettbewerb im Rahmen der 13. Walder Theatertagen in Solingen teil. Hierfür traf sich die Gruppe im Vorfeld nochmals, um in einer verdichteten und komprimierten version das Stzück in einer 20 minütigen Aufführen am 2. Juni 2010 vorzustellen.

Des Weiteren hat sich Trying Babylon mit dieser Produktion beim Jugend Kultur Preis Festival NRW und Ruhr 2010 beworben.

Résumé:

Sowohl die schulformübergreifende Zusammenarbeit sowie der integrative Ansatz haben sich bewährt. Es ist sehr gut möglich mit heterogenen Gruppen gute Ergebnisse zu erarbeiten . Mit dem Angebot unter Anleitung professioneller Teamer sich mit Theaterspieltechniken, Musik bzw. Gesang, Tanz und Textarbeit zu befassen, ermöglichte es den Schülerinnen und Schülern vielgestaltige Ansätze ästhetischer Bildung wahrzunehmen. Hinzu kam eine Auseinandersetzung mit aktuellen und historischen Ereignissen im Rahmen der eingefügten politischen Bildung. Mit dem Besuch im Industriemuseum hat Trying Babyllon erneut einen Partner für seine Arbeit mit den Jugendlichen gewinnen können. Die Führung im Museum wurde der Gruppe kostenlos angeboten. Weitere Partner waren die Stadt Solingen und das Theater Solingen. Mit 28 Jugendlichen im Alter von 14 bis 17 Jahren war „Wir sind weber“ eine auserordentlich gut besetzte und erfolgreiche Produktion. Die große Resonanz die die Arbeit von Trying Babylon unter den jungen Leuten erfährt, kann für die weitere Arbeit genutzt werden. Trying Babylon ist in diesem Sinne eine prosperiende Erfolgsgeschichte.

 

 

Nr. 82 Unter Wasser fliegen e.V. - Lyrik-Clips! - Videolyrik-Projekt im (Jugend)Strafvollzug und mit gefährdeten Jugendlichen

 

Lyrik-Clips! ist ein interkulturelles Kunst und Kulturprojekt im Bereich Justizvollzug und Gefährdetenhilfe. Zu vorgegeben oder selbst geschriebenen poetischen Texten wurden nach der

Methode der kollektiven Kreation mit den Medien Bewegungstheater und Video kleine Performances aus kurzen Theater- und/oder Videosequenzen erarbeitet. Die kreative Arbeit der über 10 Projektgruppen fand an der Schnittstelle zwischen kultureller Bildung und künstlerischer Kreation statt.

Die unter professioneller Anleitung erarbeiteten Ergebnisse werden in unterschiedlichen Zusammenhängen präsentiert. Zum Beispiel im Rahmen des Ruhr 2010 Projektes „Schattenkultur, einem Ausstellungsprojekt im Alten Hafthaus Moers (2. Mai–27. September 2010), im Rahmen der Local Heroes Woche in Schwerte (23. August–3. September 2010) sowie in verschiedenen Hafthäusern und Jugendeinrichtungen. Dadurch wird ein Dialog zwischen den kulturellen Welten, zwischen innen und außen, drinnen und draußen initiiert und zur Diskussion und Auseinandersetzung mit dem Thema „Freiheit und Freiheitsentzug“ angeregt. Für eine kurze Zeit werden so die Grenzen zwischen Individuum und Außenwelt auf ungewöhnliche Art und Weise überschritten.

Unter Wasser fliegen 1986, ist ein Verein für internationalen Kulturaustausch. Seit der Gründung 1986

steht der kulturelle und kulturpädagogische Transfer in den Bereichen darstellende und bildende Kunst, Musik und Literatur im Mittelpunkt der Aktivitäten. Arbeitstreffen zwischen europäischen und außereuropäischen Ländern zu verschiedenen Themenstellungen gehören genauso zu den

Schwerpunkten wie eine fortlaufende Akademie mit Gastspielen, Konzerten, Workshop- und

Weiterbildungsangeboten. In diesem Rahmen kommen auch diverse Eigenproduktionen zur

Aufführung. Inzwischen hat der Verein ein breites Netzwerk sowohl auf lokaler als auch auf transnationaler Ebene aufgebaut, so dass einzelne Projekte immer auch auf Basis von Kooperationen

mit anderen Einrichtungen und unter Einbeziehung von professionellen Künstlern und Künstlerinnen

aus anderen Länder umgesetzt werden.

 

Die Projekte von Unter Wasser fliegen wurden bisher gefördert u. a. durch: die Kommission der Europäischen Gemeinschaft, das Land Nordrhein-Westfalen, das Auswärtiges Amt, die Stadt Wuppertal, NRW Kultur Sekreteriat Wuppertal, Entimon Fonds der Bundesrepublik Deutschland, Fonds Darstellende Künste, Fonds Soziokultur, LAG Soziokultureller Zentren, Heinrich Böll Stiftung, British Council, Französische Botschaft, Kolumbianische Botschaft, Botschaft von Peru und

Simbabwe, Initiative für Demokratie und Toleranz e. V., Bündnis 90 die Grünen, WDR 3, Hessischer Rundfunk, Stiftung Netzwerk Unterbarmen, Regionale Kulturförderung, Stadtsparkasse Wuppertal.

www.unter-wasser-fliegen.de

 

Die Reihe Lyrik-Clips wird gefördert von

Tag für Tag – TagTräume

Lyrik-Clips! aus der JVA Schwerte

Sich hinausträumen aus der Zelle … Geschichten, Lieder, Bilder, die vor dem wachen Auge vorbeiziehen ... Die Zeit ist unendlich … die Gedanken wandern … bis die Alltagsgeräusche einen zurückholen … zurück ins Hier und Jetzt … hinter verschlossene Türen und vergitterte

Fenster. Sechs kleine Performances aus kurzen Theater- und Videosequenzen sind in Zusammenarbeit mit dem Verein Unter Wasser fliegen im Rahmen eines Schulprojektes an der JVA Schwerte entstanden: Der Violinspieler, Afrikanische Seele, Fesseln, Heroin, Wenn ich einmal rauskomme, Die Wolke … sie alle nehmen uns mit in die geheimen Welten der Gefangenen. Welten, in denen die Schatten der Vergangenheit ruhelos wandern, in denen Wünsche und Hoffnungen

wie Lichtblitze vorbeischießen oder wo man sich einfach nur auf eine Wolke legt und wegfliegt.

Meine Jugend habe ich nicht gelebt, leichtsinnig habe ich einen schlechten Weg gewählt.

 

Virtual escape

Lyrik-Clip! JVA-Bochum

„Die Freiheit als Vision, aber als eine, die Geduld, Warten, Aushalten erforderlich macht. Eine, die sich elendig lange dahin schleppen wird, eine Vision als gedehnte Sehnsucht bis zum Augenblick des „Entschlusses“ – Tage, Wochen, Jahre nach dem „Einschluss“ . Das werden oder sind gezählte Jahre, Monate, Wochen, Tage und Nächte, Stunden, Minuten, Sekunden. Haft. Haften. Kleben. An was – wofür – wozu -?...“ (Jörg Berger)

Virtual Escape bildet den Epilog eines Theaterstückes zum Thema Grenzen, das der Regisseur und Schauspieler Burkhard Forstreuther in Zusammenarbeit mit dem Fotografen und Videokünstler Jürgen Diemer gemeinsam mit erwachsenen Strafgefangenen in der JVA Bochum erarbeitet hat. Gezeigt werden Sequenzen, die jeden Akteur in die außer – knastische Wirklichkeit gebeamt haben.

Ausgehend von der Erfahrung gefangen und innerhalb eines begrenzten definierten Regelsystems zu

leben entstand das Bedürfnis eine Phantasiewelt zu schaffen, in der es keine Grenzen gibt.

Erinnerungen an Orte, Plätze und Situationen schaffen den Rahmen, innerhalb dessen nachgedacht

und bestehende Denkgrenzen durchbrochen werden können, in dem Vergangenheit mit Wünschen und Reflexionen über die Zukunft konfrontiert werden

Mauern sprengen und raus an den Strand

 

Schatten der Vergangenheit

Lyrik-Clips! aus der JVA Schwerte

Ein weißes Blatt im Kopf und 4/4-Takt als gemeinsamer Nenner, das ist die Basis der Rap-Clips, die junge Häftlinge und gefährdete Jugendliche, die mit einem Bein schon im Gefängnis stecken entwickelt haben. Ihr Thema: Ihr Leben und all das was darin bisher schief gelaufen ist. Reflektionen, die in Musik münden, denn Sprache ist Musik. Rapoetry wird erst durch das Sprechen lebendig, ganz im Sinne der Tradition gesprochener Literatur. Erweitert um die visuelle Dimension, Bilder von den Rapoeten selbst erfunden und umgesetzt, erzählen diese kurzen Texte ganze Lebensgeschichten.

Ich tippe dich an um dir zu sagen:

Sam, es tut mir leid, all die Jahre…

Ich habe viel Scheiß gebaut,

viel ist passiert. Du gibst mir noch ne Chance

Ich hab’s kapiert! (Lu)

Was willst du machen,

wenn das Leben dich f…

Du möchtest rennen,

doch dann siehst du deine Kehle im Strick.(Jack)

Ich spüre gar nichts mehr, fühl nichts,

nur wie sich Hoffnung hier verliert.

An diesem trostlosen Ort, in diesem trostlosen Leben

schreib ich trostlose Texte um mir selbst Trost zu geben. (Rico)

ch werd’ es dir mit meinen Worten

sagen:

Ich bin der Ambos und bin geduldig,

Du bist der Hammer und schlägst nur

zu … (Kevin)

Hier sind zwei Jungs ohne Vater groß geworden und der Stiefvater schreit, wir sind beide verdorben. Täglich dieser Stress mit diesem Mann Und wenn er nicht mehr reden kann,

kommen seine Fäuste dran

 

Meine Maske begleitet…

Lyrik-Clips! aus der JVA Siegburg

Ein Maskentanz, ein Rap, Fragmente eigener Texte … Antwortversuche auf die stetige Frage nach dem „Wer bin ich?“ Die Masken offenbaren unmittelbar und authentisch die Befindlichkeit ihrer Träger. Trauer, Schmerz, Verletzungen werden genauso sichtbar wie die Suche nach der eigenen Identität, den eigenen Wurzel, der Balance auf dem Drahtseilakt des Lebens. Mit Herzblut tanzen, singen und sprechen diese jungen Männer und man spürt deutlich wie gerne sie ihr wahres Gesicht hinter den Masken enthüllen würden.

Der Maskenclip entstand in Zusammenarbeit mit dem Verein Unter Wasser fliegen e. V. im Rahmen des Projektes, das von Oktober 2009 bis März 2010 unter der Leitung der evangelischen Seelsorgerin Angelika Knaak-Sareyko mit jungen Gefangenen der Justizvollzugsanstalt Siegburg durchgeführt wurde.

Der Knast hat einen bösen Schatten vor meine Augen gesetzt.

 

Blutige Wut

Rap Tracks

Lyrik-Clip! CVJM Wuppertal Oberbarmen

Seit Mai 2009 arbeiten wir mit wechselnden Jugendgruppen im CVJM Oberbarmen. Ein Lyrik-Clip! zum Thema Grenzen, zu einem von der Gruppe verfassten Text verbunden mit darstellerischen und tänzerischen Elementen ist entstanden. Der Titel „Blutige Wut“. Mit einer weiteren Gruppe sind diverse Rap Tracks aufgenommen, die aber auch Life zur Aufführung kommen. Filmarbeit mit der Handkamera wurde auch sehr intensiv betrieben. Diese Ergebnisse weisen noch einen etwas

fragmentarischen Charakter auf, da die Teilnehmer/innen oft wechseln und auch schwer zusammenarbeiten können. Die Jugendlichen werden aber weiterhin auch in die internationale Netzwerkarbeit von Unter Wasser fliegen einbezogen.

 

Dafür gibt es keine Strafe

Lyrik-Clip! Wuppertal - Stadtteilbüro Rehsiepen

Vom 12. September 2009 bis zum 17. März 2010 haben wir in der Regel mittwochs von 18:00 – 21:00 Uhr für das Projekt Lyrik-Clips die Räumlichkeiten des Stadtteilbüros Rehsiepen genutzt. Die Aufgabe war, mit den dortigen Jugendlichen, die teilweise über das Jugendamt zugewiesen wurden,

ein niedrig schwelliges kulturelles Angebot durchzuführen. Diese Aufgabe war in der geplanten Form nicht durchführbar, da wir nur sehr schwer Zugang zu der Zielgruppe finden konnten und auch, wo denn dies gelang, keinerlei Interesse an Kulturarbeit und kreativem Tun bei ihnen wecken konnten.

Trotzdem waren ihnen die Mittwochs-Treffen sehr wichtig und unser mehrmaliges Angebot, diese einzustellen wurde vehement abgelehnt.

 

Als Ergebnis des Projektes sind zwar keine Lyrik-Clips entstanden, sondern:

Einen kleinen Video-Clip „Die 10 Gebote“, den wir im Rahmen der No Clip Reihe „GOTT“ des

Medienprojektes Wuppertal durchgeführt haben

Einen Dokumentarfilm „Dafür gibt es keine Strafe“, mit Interviews und Bildstrecken aus dem

Alltag der Jugendlichen

 

 

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Münster, 26. Juli 2010