Bericht über die Projektmittel 2012 der Landesarbeitsgemeinschaft Soziokultureller Zentren Nordrhein-Westfalen (LAG NW)

 

Inhalt

1. Gesamtübersicht

2. Darstellung der einzelnen Projekte

 

1. Gesamtübersicht

 

Die LAG NW hat 2012 mit den Mitteln des Ministeriums für Familie, Kinder, Jugend, Kultur und Sport des Landes Nordrhein-Westfalen 35 Projekte von 31 Zentren/ Initiativen und KünstlerInnen gefördert.

Es gab insgesamt 95 Anträge von 68 Zentren/ Einrichtungen/Initiativen/KünstlerInnen mit einem Gesamtkostenvolumen von 1.738.234 € und einem Zuschussbedarf von 398.370 €. Der Beirat hat in zwei Sitzungen Ende 2011 und Mitte 2012 und einem Mailverfahren für Nachrücker über die Anträge befunden und die genannten 35 Anträge bewilligt. Diese Ergebnisse wurden auf den jeweiligen LAG NW Tagungen vorgestellt, diskutiert und letztendlich entschieden.

Nach der Abrechnung betrugen die Gesamtausgaben der geförderter Projekte 474.369,25 €. Dabei betrug der Anteil des Landes mit 130.000 € = 27,22 %. Insgesamt wurde 6 Projekt mit 5.000 € und mehr gefördert. 23 Projekte erhielten 3.000 € und mehr und 6 Projekte wurden jeweils mit weniger als 3.000 € aus Landesmitteln finanziert.

Die Leistungen Dritter (vor allen Dingen der Kommunen) betrugen 194.309,51 €, das entspricht 40,84 %. Die Leistungen der Kommunen waren jedoch weit höher, denn sie sind entweder Bestandteil innerhalb einer direkten Kooperation und/oder Bestandteil der Zuschüsse zu den Betriebs- und Programmkosten der jeweiligen Zentren. Auf der anderen Seite sind hier auch Landesmittel enthalten, die von anderen Stellen bewilligt worden sind. Die Eigenleistungen der Träger lagen insgesamt bei 151.976,79 €. Das sind 31,94 %.

Die Gesamtkosten verminderten sich um den Betrag von 15.516,28 €, das entspricht 3,17 % Abweichung vom ursprünglichen Kostenplan.

Grundsätzlich haben die Zentren in allen Kunst- und Kultursparten (Musik, Theater, Literatur, Medien) sowie spartenübergreifende Projekte durchgeführt. Tendenziell sind die Projekte in erster Linie der Stadtteilarbeit, der Kulturpolitik und dem Kinder- und Jugendbereich zuzuordnen.

 

 

2. Darstellung der einzelnen Projekte

 

Antrag Nr. 1: Die Börse Wuppertal - Der Weg

1. Konzeptioneller Ansatz:

Der künstlerische Leiter der Wuppertaler Werkstatt, der Maler, Tänzer und Choreograph Milton Camilo, hat 2010 Kontakt zu Jugendlichen im Stadtteil Ostersbaum aufgenommen, die sich in unterschiedlichen Stilrichtungen (Moderner Tanz, HipHop, Orientalischer Tanz, Streetdance, RnB) mit Tanz auseinandersetzen, und mit ihnen ein regelmäßiges Treffen etabliert.

Aus dem gegenseitigen Zeigen der unterschiedlichen Stile, deren Protagonisten teilweise konkurrierende Gruppen bilden, ist aus eigenem Antrieb der Jugendlichen nach und nach eine kleine Gruppe entstanden, die sich auf einen regelmäßigen gegenseitigen Austausch eingelassen hat. Mit dieser Gruppe, der Compagnie "Le Chemin" ist im Sommer 2011 zum ersten Mal ein kurzes Tanzstück entstanden, das im damaligen "Sommerloch" in der Elba-Fabrik und in einer weiteren Aufführung in der "börse" präsentiert wurde.

Das Kommunikationszentrum "die börse" hat daraufhin im Jahr 2012 diese Arbeit mit jungen Menschen mit verschiedenen sozialen und kulturellen Hintergründen, die sich aus eigener Initiative intensiv mit Tanz beschäftigen, innerhalb eines 4-monatigen Projektes unterstützt, damit noch mehr Jugendliche, auch aus dem weiteren Umfeld, in diese Arbeit mit einbezogen werden konnten.

2. Ablauf und Schwierigkeiten:

Seit Mai 2012 haben sich die Teilnehmer regelmäßig getroffen um zu tanzen. Die Trainings fanden 2

mal in der Woche in der Tanz- und Musikschule “Wuppertaler Werkstadt e.V" statt. Dabei wechselten

zu Beginn des Projektes sehr häufig die Teilnehmer, da es aus verschiedenen Gründen schwierig für

sie war, sich auf eine kontinuierliche Arbeit einzulassen. Am Projekt beteiligt waren Jugendliche und

junge Erwachsene mit kulturellen Wurzeln aus Deutschland, Marokko, Afrika, der Türkei und der

Ukraine.

Die Hauptprobleme lagen zumeist darin begründet, dass die Jugendlichen keinen regelmäßigen

Lebensrhythmus verfolgen. Ein weiterer Grund waren z.T. die mangelnde Anerkennung in der Peer-

Group sowie das Unvermögen, sich auf Probenabläufe einzulassen, die aufbauend auf

Improvisationen das vorhandene Material ausarbeiten und wiederholbar machen sollten. Ein aus

Dortmund kommender Afrikaner nahm in den ersten Wochen regelmäßig teil, der Anfahrtsweg war

jedoch mit zunehmender Intensität der Proben ein Problem.

3. Persönliche Erfolge:

So individuell wie die Probleme der Jugendlichen waren auch die persönlichen Erfolge. Drei Beispiele

seien hier explizit erwähnt:

Für zwei der Teilnehmerinnen ergab sich aus dem Projektzusammenhang heraus die Möglichkeit,

regelmäßig an den Angeboten der Wuppertaler Werkstatt teilzunehmen, die Kosten werden von einem

privaten Spender getragen.

Über das Institut Apeiros, das wie die Wuppertaler Werkstatt in der Huppertsbergfabrik im Bezirk

Ostersbaum untergebracht ist, wurde ein Schüler mit Lernschwierigkeiten und Tendenz zum

Schulverweigerer vermittelt, der über die Erfahrungen mit der kontinuierlichen Auseinandersetzung mit

Gleichgesinnten Verlässlichkeit im verantwortlichen gemeinsamen Arbeiten entwickelte und sich über

die Anerkennung für seine Leidenschaft am Tanz persönlich in hohem Maß weiterentwickelte.

Ein 22 jähriger Teilnehmer aus der Hip Hop Szene, der von Beginn an als Bindeglied zwischen Projekt

und Szene fungierte, hat in der Zusammenarbeit mit dem professionellen Tänzer und Choreographen

Milton Camilo sein Talent zum Vermitteln von Hip Hop-Techniken entdeckt. Er wird in Zukunft einen

kostenpflichtigen Kurs in der Wuppertaler Werkstatt anbieten und hat in zwei Projekten mit

Jugendlichen die künstlerische Assistenz übernommen. Für ihn ergab sich aus der Projektarbeit eine

konkrete berufliche Perspektive.

4. Die Gruppe:

Aus der im Laufe der Zeit entstandenen, relativ verlässlichen Gruppe hat sich dann ein Kern von

Teilnehmern gefunden, um ein konkretes Stück zur Aufführung zu bringen. Einige der TeilnehmerInnen waren nicht bereit, sich einer Öffentlichkeit zu präsentieren. Jeder der Beteiligten hat seinen Tanzstil eingebracht und sich mit den anderen ausgetauscht. Im Dialog wurden so Hip Hop und RnB in Verbindung mit Modernen Tanz gebracht. Dabei wurden die Einzigartigkeit der verschiedenen Tanztechniken ebenso wie die Einzigartigkeit jedes einzelnen Tänzers als kreatives Potential in eine Gruppe individueller Persönlichkeiten eingebunden. So entstand neben der integrativen Arbeit Spaß an der Vielschichtigkeit verschiedener Tanzrichtungen.

Ein wichtiges Element war auch die Zusammenarbeit mit dem Videokünstler Jens Mühlhoff und zwei

Musikern (Michael Halblitzel, Cello, und Milan Fey, Computer), die sehr unterschiedliche Herangehensweisen an Musik haben. Die Künstler haben den Austausch zwischen moderner Klassik und Hip Hop auf ihre Kunstformen ausgeweitet und damit eine weitere Reflexionsebene eingebracht.

So ist ein ganz eigener Stil entstanden, der gegenseitigen Respekt und Toleranz vermittelt. Die Gruppe probt seitdem regelmäßig weiter und ist offen für neue Interessierte.

 

Das Stück:

"A priori, a posteriori"

Uraufführung: 13. September 2012, 19:30 Uhr

Der thematische Ausgangspunkt für die Erarbeitung eines konkreten Stückes war der Text: "A priori, a

posteriori" von Kant. Entstanden ist ein Stück, das ausdrücken sollte, wie wichtig unser Leben für uns

ist.

Die Choreographie berücksichtigte in Solos und Gruppenchoreographien die verschiedenen improvisatorischen Ansätze der Beteiligten. Die beiden Musiker Michael Hablitzel und Milan Fey teilten sich die Texte und deren Vertonungen. Videomaterial von Jens Mühlhoff bewegte sich in einer Art

Installation zwischen Hauptelement, Vordergrund und Hintergrund.

Auf der Bühne begegneten sich zwei Arten von Musik (instrumental und computergesteuert), zwei Arten der Darstellung (Live-Aktion und Projektion), zwei Ebenen der Bühnengestaltung (Realität und manipulierte Realität). Es entstand eine spontane Art des Zusammenwirkens zwischen Musik, Bild und Bewegung, ausgehend von der gemeinsam entwickelten These: "Musik ohne Tanz gibt es nicht. Und Tanzen ist Leben."

Bemerkenswert war die Zusammensetzung im Publikum der relativ gut besuchten Aufführung. Dort

begegneten sich Freunde und Verwandte der Darsteller, Eltern der in der Wuppertaler Werstatt stattfindenden Kindergruppen, Kinder, Jugendliche, junge und ältere Erwachsene (zumeist Teilnehmer aus einem parallel stattfindenden generationsübergreifenden Projekt in der börse), Sozialarbeiter und Direktoren von Schulen. Sie alle waren aus unterschiedlichen Gründen auf diese Arbeit aufmerksam geworden und spiegelten den im Konzept angelegten Begegnungscharakter auf eindrucksvolle Weise.

Die Mitwirkenden:

Tanz: Karla Großmann, EL Ismailovic, Ruth Ilunga Malula,

Konrad Nero Müller, Jonas Brandl, Emran Ismailovic,

Safet Mistele und Jama Mirpur

und Teilnehmer des Workshops

Choreographie: Milton Camilo

Musik: Michael Hablitzel und Milan Fey

Video: Jens Mühlhoff

Technik: Tobias Laudert

Fotos: Tim Löhde

Video: Jens Mühlhoff

Projektleitung: Dagmar Beilmann

Zeitlicher Ablauf:

Februar 2012: Antragstellung, Vorgespräche und Planung

Mai - August 2012: Proben 2 x wöchentlich mit wechselnden Teilnehmern

September 2012: Endproben zum Stück

10. - 12. September: Hauptproben und Generalprobe in der "börse"

13. September 2012: Aufführung des entstandenen Tanztheaterstücks.

 

 

Antrag Nr. 2: Theater mini-art Bedburg-Hau – Frei-Gänge – ein Projekt zur sozialen und kulturellen Inklusion

 

Regie: Crischa Ohler und Sjef van der Linden, Theater mini-art

Das Kinder- und Jugendtheater mini-art arbeitet seit 1995 grenzüberschreitend in Deutschland und in den Niederlanden, seit 1996 im deutsch-niederländischen Grenzgebiet in der Region Niederrhein und seit 1997 mit festem Standort und eigener Spielstätte auf dem Gelände der Rheinischen Kliniken in Bedburg-Hau. Es ist damit das einzige professionelle Kinder- und Jugendtheater in der BRD mit Sitz auf dem Gelände einer psychiatrischen Klinik.

Seit 1997 hat mini-art dort ein professionell arbeitendes Kinder- und Jugendtheater aufgebaut, das von Anfang an auch häufig für und mit Erwachsenen arbeitet. Es ist ein qualitatives Theaterangebot und Angebot theaterpädagogischer Projekte für die Klinik, die Region und die angrenzenden Provinzen der Niederlande entstanden. Seit dem Bestehen des Theaters mini-art auf dem Gelände der Rheinischen Klinik in Bedburg-Hau in 1997 gibt es eine vielfältige Zusammenarbeit mit unterschiedlichen Abteilungen der Klinik.

Aktueller Anlass für das Projekt 'Frei-Gänge' war das 100-jährige Bestehen der Klinik, das im Juni 2012 mit unterschiedlichen Veranstaltungen gefeiert wurde und zu dem wir mit einem Vorgänger-Projekt einen - auch von der Klinikleitung gewünschten - Beitrag geliefert haben. Gleichzeitig hatte auch der Spielort mini-art im Oktober 2012 ein Jubiläum:15 Jahre Theaterarbeit auf dem Gelände der Klinik.

Ausgangspunkt und gleichzeitig 'Ziel' des Projektes waren die grundlegenden Ideen der 'Inklusion': die Suche nach der Verschiedenheit im Gemeinsamen und nach dem gemeinsam Menschlichen bei aller Verschiedenheit. Dabei interessierte uns besonders die Frage nach Ausgrenzung und Wertigkeit/Bewertung unter dem besonderen Aspekt der persönlichen Biografien, Geschichten, Erinnerungen und auch Zukunftsvorstellungen.

Was für Erlebnisse, Erfahrungen, Geschichten - und: was für Ängste, Schwierigkeiten, aber auch Talente, Wünsche und Hoffnungen trägt jeder von uns mit sich herum? Was wissen wir wirklich voneinander. Wie trüben Vorurteile den Blick für den Anderen?

Von August bis Dezember 2012 haben 17 TeilnehmerInnen (5 Patienten (allg. Forensik & Suchtforensik / 6 Klinikmitarbeiter (Arzt, Kreativtherapeuten und Sozialarbeiter / 6 Mitbürger) miteinander gearbeitet, haben eigene Ideen entwickelt, Texte geschrieben, Lieder und Szenen geprobt und so ihr eigenes Theaterstück entwickelt. Es entstand ein Beispiel 'gelebter Nachbarschaft'.

Das Theaterprojekt umfasste Textarbeit, Körperarbeit und Sprecherziehung sowie die inhaltliche Auseinandersetzung. Dabei verstehen wir Theaterarbeit immer als Wachstumsprozess für den Einzelnen und Wachstumsprozess für und durch die Gruppe.

Zum einen ging es dabei um die Vermittlung von Grundlagen des Theaterspielens, zum anderen und vor allem um die Erarbeitung eines gemeinsamen Themas. Die Teilnehmer entwickelten eigene Ideen und eigene Texte, die von den Theater-Dozenten von mini-art bearbeitet und zur Weiterarbeit in die Gruppe zurückgegeben wurden und aus denen dann Monologe, Dialoge, Szenen etc. entwickelt wurden. Das heißt, im Mittelpunkt stand ein gemeinsamer PROZESS, der ein gemeinsames ERGEBNIS hatte.

Bei diesem Projekt konnten die Teilnehmer Theater als sinnliches Medium der Wahrnehmung, der Reflexion, der Auseinandersetzung und der Darstellung erfahren. Sie wurden in ihrem kreativen Potential gefördert, aber vor allem auch in ihrem Selbstwertgefühl, ihrem Verantwortungsbewusstsein, ihrem Sozialverhalten und ihrer 'Inklusionsbereitschaft', also der Bereitschaft, den Anderen in seinem Anderssein zu verstehen und zu akzeptieren und diese Bereitschaft als Bereicherung zu erfahren.

Die Aufführungen sollten am 10. und 11.Dezember 2012 auf der Bühne des Theaters mini-art stattfinden. Aufgrund einer kurzeitigen Statusänderung wegen Fehlverhalten von 2 Forensikpatienten – 3-wöchige Ausgangssperre anstatt Frei-Gang und der Krankheit von 2 weiteren Teilnehmern mussten diese jedoch abgesagt werden. Die Vorstellungen wurden auf den 19. und 20.1 verschoben und fanden dieses Mal auf Wunsch der Gruppe mehr vor internem Publikum statt: Kollegen/Mitarbeitern, Patienten, Familienangehörigen.

Deshalb wurden auch keine professionellen Plakate und Flyer in Auftrag gegeben, sondern lediglich ein Einladungsflyer für die Teilnehmer erstellt.

Uns hat vor allem der große Zusammenhalt und die Begeisterung in der Gruppe gefreut - und ganz besonders die positive Entwicklung einiger Patienten, die gerade durch dieses Projekt entscheidende Schritte in ihrer Selbständigkeit machen konnten.

Ermutigt und bestärkt durch diese positiven Erfahrungen - und auch auf vielfachen Wunsch - werden wir diese Arbeit (z.T. mit neuen TeilnehmerInnen) im Jahr 2013 fortsetzen.

 

 

Antrag Nr. 3: AlarmTheater Bielefeld – Unterwegs

 

1. Aufführungstermine:

17. / 18. / 24. / 25. November 2012 jeweils um 20.00 Uhr im AlarmTheater

2. Personal für die Produktion und Aufführung:

Regie und Inszenierung: Britta Bornhöft-Graute

Choreografie: Anna Zimmermann

Licht/Ton: Felix Lautenbach

Mentoring/Künstlerische Leitung: Dietlind Budde, Harald O. Schmid

Musik/ Gesang: Marion Mahmoud

Verwaltung/ Organisation: Sigrid Feldmann

Öffentlichkeitsarbeit: Anna Dörnemann

3. Förderer, Sponsoren und Unterstützer:

Gefördert durch das Land NRW und der LAG soziokultureller Zentren NRW

4. Beschreibung Durchführung :

Im AlarmTheater wurde mit einer Gruppe von 10 Menschen mit Migrationshintergrund und einer Schauspielerin des AlarmTheaters ein Schauspiel mit Musik- und Tanzelementen entwickelt, inszeniert und aufgeführt. Die Laiendarsteller hatten zum großen Teil schon an dem Projekt „Königkindereine deutsch-türkische Hochzeit“ mitgewirkt. Von Mai bis Dezember fanden regelmäßige Treffen statt, an denen die Darsteller ihre Grundlagen des Theaterspiels vertieften und gemeinsam nach Themen recherchiert wurde, die für ein neues Projekt in Frage kämen. In Gesprächen, die mitgeschnitten wurden, wurden Texte gesammelt, Szenen wurden entwickelt, Choreografien, Lieder und Musik einstudiert. Aus diesem Material wurde parallel zur Probenarbeit mit den Darstellern das Stück erarbeitet. In der Zeit vom 9.-11. November fanden die Intensivproben statt. Hier wurde das erarbeitete Stück im Bühnenbild erprobt, einstudiert und modifiziert. Neben der Arbeit am Stück wurden Elemente konzipiert, die zur Interaktion mit dem Publikum beitragen sollten. Stände mit Angeboten, wie deutsch-türkischen Wörterbüchern, türkischem Tee und der Möglichkeit für den Zuschauer, seine Meinung zu Integration zu formulieren, wurden entwickelt und realisiert. Auch ein

Buffet als Möglichkeit zum Austausch nach den Aufführungen wurde (durch Aquise von Spenden Bielefelder und Herforder Gastronomen) realisiert. Am 17., 18., 24. und 25. November fanden die Aufführungen – vor zahlreichem Publikum aus unterschiedlichen Kulturen – statt.

5. Fazit:

Die Idee, ein Schauspiel zu machen, dass sich nicht nur thematisch, sondern auch vom Personal her, mit dem Thema Zuwanderung und Integration befasst, hat sich bezahlt gemacht. Menschen sind zu Wort gekommen, die sonst in der Öffentlichkeit keine Stimme haben. Und auch als Zuschauer haben sich Menschen aus verschiedenen Kulturen angesprochen gefühlt. Das Publikum war durchweg gemischt, ein sehr hoher Anteil von Menschen mit interkulturellen Hintergrund hat – oft zum ersten Mal – den Weg ins Theater gefunden. Auch die Tatsache, dass die Gruppe aus Menschen verschiedener Generationen bestand, war eine Bereicherung. Menschen, die in einem anderen Land geboren und vor 35 Jahren nach Deutschland gezogen sind, haben eine ganz andere Sicht auf Integration, als deren Kinder, die in Deutschland geboren wurden. Hier ließ sich eine deutliche Entwicklung im Prozess der Integration feststellen und im Stück zeigen. Die Arbeit mit der Gruppe war stark von den Kulturellen Unterschieden und teilweise durch Probleme, die dadurch entstanden, geprägt. Darf eine Frau, die Kopftuch trägt, auf der Bühne tanzen? Kann eine Frau, die im Alltag Kopftuch trägt, das auf der Bühne ablegen? Ist meine Meinung zum Thema Kopftuch

politisch korrekt? Viele solcher Fragen sind im Arbeitsprozess aufgetreten und haben ihren Platz im Stück gefunden. Die Entscheidung, die strikte Trennung zwischen Publikum und Darstellern

aufzuheben, war ein gewagter Schritt, da es sich ja um Laien handelt, die den Umgang mit der Theatersituation nicht gewohnt sind. Dieser Schritt hat sich absolut bezahlt gemacht, die Darsteller haben Kontakt zum Publikum aufgenommen und sind doch in ihren Rollen geblieben. Diese Öffnung hat dazu geführt, dass beim gemeinsamen Essen, dass nach den Aufführungen stattfand, viele Gespräche zwischen Darstellern und Publikum entstanden sind, in denen die Themen des Stückes diskutiert und vertieft wurden. Diese Gespräche waren für uns ein echter Schritt in Richtung Integration.

6. Pressestimmen:

„Wie mögen sich Menschen aus fremden Nationen und Kulturen fühlen, die nun in Deutschland leben? Selten können Nicht-Migranten so intensive, ehrliche und differenzierte Einblicke gewinnen wie beim Interkulturellen Theaterprojekt des AlarmTheaters „unterwegs – in den Straßen weht der Wind“ (…).

 

 

Antrag Nr. 3: WerkStadt Witten Witten – Beat It

 

Das Projekt „Beat it“ basierte auf zwei Säulen – zum einen sollten ReferentInnen, die unmittelbar aus politischen Szenen der Region stammen – u.a. aus dem „autonomen“ Umfeld, aber auch aus verschiedenen „Antifa“-Gruppen und Initiativen - sowohl in den Räumlichkeiten der WERK°STADT und des angeschlossenen Jugendzentrums TREFF° als auch im unabhängigen Soziokulturellen Zentrum „Trotz Allem“ und an anderen Orten Referate und Vorträge zu aktuellen Entwicklungen und Erscheinungsformen der extremen rechten Szenen anbieten.

Zum anderen sollte ein „Minifestival“ den TeilnehmerInnen und „DozentInnen“ aller Informationsveranstaltungen, aber auch anderen interessierten Jugendlichen aus der Stadt und der Region, als Forum zum Kennenlernen und zum inhaltlichen Austausch dienen.

Als im Oktober 2012 ein personeller Wechsel an der für Projektkonzeption und –durchführung verantwortlichen Stelle vollzogen wurde, waren die ersten Vorträge bereits über die Bühne(n) gegangen, unter anderem zu den Themen „Flüchtlinge in Großstädten“, „Struktureller Antisemitismus“ und „Aktuelle Übergriffe durch Rechtsextremisten im Ruhrgebiet“. Alle Referate wurden ehrenamtlich gehalten. Je nach Spielstätte nahmen zwischen 9 und 31 Jugendliche aus der Stadt und der Region teil. Ende September fuhr der damalige Leiter des Projektbereiches der WERK°STADT mit der Wittener Band „Jokaz“ zum Jugend.Kultur.Preis 2012 nach Ibbenbüren, um das Projekt dort vorzustellen.

Im Rahmen des (durch Mittel aus dem Landesaktionsplan „Toleranz fördern – Kompetenz stärken“ finanzierten) durch die gleichnamige Gruppe organisierten „Grenzfrei“-Festivals im November 2011 referierte ein Experte aus Witten über die Situation von Flüchtlingen im französischen Calais.

Weitere Referate folgten vor allem im „Trotz Allem“, u.a. zu Themen wie „Antisemitismus“, „Homophobie in HipHop und Hardcore“ und „Entwicklung der rechtsextremen Szene im Ruhrgebiet.“ Auch diese Angebote wurden ehrenamtlich durchgeführt – TeilnehmerInnen hatten die Möglichkeit, eine freiwillige Spende direkt an das „Trotz Allem“ zu entrichten.

Am 21.12. kam es mit dem aus Konzert und Lesung bestehenden Abschlussevent im TREFF°. Gemeinsam mit vielen TeilnehmerInnen der verschiedenen Vortrags- und Diskussionsabende wurde die Band FEHLFARBEN aus den zahlreichen diskutierten Alternativen ausgewählt – zum einen, weil sie in der Zeit des Postpunk/ der frühen „Neuen Deutschen Welle“ mit ihrem entschlossenen Transport politischer Inhalte einzigartig war, zum anderen, weil Frontmann Peter Hein bereit war, im Vorfeld des Konzertes zum Projektthema zu lesen und zu referieren. Für ProjektteilnehmerInnen war der Eintritt zum Abschluss-Fest des Projektes frei, „reguläre“ Gäste und Interessenten hatten einen kleinen TeilnehmerInnebeitrag zu entrichten. Im Rahmen der Veranstaltung trafen sich viele TeilnehmerInnen der einzelnen Vortrags- und Informationsveranstaltungen erstmals persönlich, wodurch es lange über die eigentliche Veranstaltungszeit hinaus zu reger Diskussion und ausführlichem Erfahrungsaustausch kam. Auch beinahe alle ReferentInnen waren anwesend, viele von ihnen lernten sich dort erstmals untereinander kennen, wodurch neue Netzwerke und Kooperationsvereinbarungen entstehen konnten. Eine Fortführung der niederschwellig zugänglichen Reihe von Referaten und Vorträgen wurde mit großer Mehrheit gewünscht und hat im Februar 2013 bereits begonnen.

 

Antrag Nr. 5: Brotfabrik Bonn-Beuel – Kunst ohne Strom aber draußen im Grünen

 

Im Sommer 2012 machte sich die Brotfabrik erstmals mit zahlreichen Künstlerinnen und Künstlern auf ins Grüne in die „Grüne Spielstadt“ am Bonner Stadtrand, um die Theater-Sommerpause in der Stadt künstlerisch zu füllen.

Die „Grüne Spielstadt“ wurde 1996 auf dem Gelände der ehemaligen Stadtgärtnerei Bonn eröffnet. Die Idee der Gründer ist die einer "sozialen Skulptur": Die Anlage entwickelt sich durch das Zusammenspiel vieler Menschen und der Natur immer weiter. Die einzelnen Häuser, Figuren und anderen Objekte aus Hecken und Büschen regen dazu an, selbst in der Natur aktiv zu werden. Träger ist seit Anfang 2007 der Wissenschaftsladen Bonn, über ihn erfolgt die ehrenamtliche Pflege der grünen Skulpturen. Für weitergehende Angebote fehlen dort die Kapazitäten, insofern wartete die Spielstadt auf ihre Wiederentdeckung.

Die Grüne Spielstadt befindet sich im Bonner Nord-Westen, zwischen den Stadtteilen Duisdorf und Dransdorf/Tannenbusch. Letztere sind als Stadtteile mit besonderem Erneuerungsbedarf weitgehend „abgehängt“ von der Entwicklung der Stadt, und - abgesehen von der Dransdorfer Zweigstelle der Musikschule, die auch als Ausweichspielort eingeplant ist – bisher ohne kulturelle Angebote.

„Kunst ohne Strom“ ist ein Gemeinschaftsprojekt der Brotfabrik Bühne (die im Kulturzentrum die Sparten Theater/Tanz/Konzerte verantwortet) und des kleinsten Bonner Privattheaters „Pathologie“, dessen Betreiber mit diversen freien Theatergruppen vor vielen Jahren selbst in der Brotfabrik tätig waren. Beide Häuser suchten nach künstlerischen Möglichkeiten, die sommerliche Theaterpause mit Projekten zu füllen. Nach einigen erfolglosen Anläufen, dafür geeignete Orte zu finden, ergab sich durch den Kontakt zum Wissenschaftsladen Bonn die Möglichkeit, das Gelände der „Grünen Spielstadt“ zu nutzen.

Wie geplant kamen die Künstlerinnen und Künstler des Projekts zunächst aus dem Umfeld von „Brotfabrik“ und „Pathologie“, das Projekt zog aber schnell Kreise, es gab bald zahlreiche Anfragen von Musikern, Theatern und Künstlern verschiedenster Sparten auch über Bonn hinaus. In der Absicht, allen eine Bühne zu geben, wurde das Programm an den fünf Spieltagen immer umfangreicher, bunter, aber auch unübersichtlicher. Als Fazit ergab sich für uns:

-die Projektidee „ohne Strom“ ist tragfähig, die Theaterstücke, Konzerte, Lesungen und Kinderateliers, unverstärkt und bühnenlos integriert in den grünen Rahmen der Weiden-Skulpturen, funktionierten und fanden Publikum- weniger ist mehr: das Publikum war z.T. verwirrt durch die Programmfülle und wünschte sich festgelegte Anfangszeiten für die Programme. Außerdem stellte sich sehr rasch heraus, dass ein fixer Eintrittspreis bei unbekannten Formaten abschreckte, wir haben deshalb ab dem zweiten Tag um Spenden in selbst gewählter Höhe gebeten

-die Wetterabhängigkeit ließ sich durch den vorhandenen Ausweichort nicht beseitigen – bei schlechten Wetter kommt (fast) niemand, auch nicht zum alternativen Ort,

Gleichwohl bleibt festzuhalten, dass „Kunst ohne Strom“ ein besonderes und überwiegend gelungenes Projekt war: das bestätigten uns die Rückmeldungen von Publikum und Künstlern. Wir sind deshalb bereits in den Planungen für das Nachfolgeprojekt.

 

 

Antrag Nr. 6: Sarah Lüder Castrop-Rauxel – DorfStadt

 

"Dorfstadt" ist ein Projekt zur Förderung der Lebensqualität in kleineren und mittelgroßen

Städten. Das Projekt zielt darauf ab, die Vorzüge einer Klein- und Mittelstadt gegenüber den

benachbarten Großstädten hervorzuheben, den eigenen Bürgern bewusst, und zugleich als

werbenden Faktor für die Außendarstellung nutzbar zu machen.

Kernidee ist die Präsentation von "Sehenswertigkeiten", d.h. Besonderheiten der jeweiligen

Stadt. Diese "Sehenswertigkeiten" sollen in Form eines "Dorfstadt-Guides" der Öffentlichkeit

vorgestellt werden. Indem jede "Sehenswertigkeit" durch einen "Paten" betreut wird, der sie

Besuchern erläutert, trägt das Konzept zugleich zu einer stärkeren bürgerschaftlichen Vernetzung

in der Stadt bei.

Zielsetzung des Konzepts ist es, eine langfristig bestehende Community rund um die "Sehenswertigkeiten" der Stadt aufzubauen.

Das Konzept Dorfstadt wurde mit Hilfe der zugewendeten Projektmittel am Beispiel der Stadt

Castrop-Rauxel initiiert.

Hierzu wurden im Zeitraum 01.08.2012 bis 30.12.2012 zunächst die notwendigen Vorarbeiten

geleistet, das heißt konkret:

- Auswahl geeigneter Sehenswertigkeiten

- Produktion von Postkarten (Motiv: Sehenswertigkeiten)

und Sammelboxen für diese Postkarten

- Produktion von Stadtplänen, auf denen die Standorte der Sehenswertigkeiten

markierbar sind

- Produktion von Flyern und anderen Werbematerialien

- Erstellung von Präsentationsunterlagen für die Gewinnung weitere Sponsoren

Die produzierten Materialien wurden im Stadtgebiet verteilt, um das Projekt bekannt zu machen.

Parallel hierzu fand die Suche nach Sponsoren und Unterstützern des Projektes statt, um eine

nachhaltige Finanzierung zu sichern.

Zielsetzung des zum 31.12.2012 abgeschlossenen Teilprojekts "Initiierung" war die Aktivierung

einer kritischen Masse an Unterstützern und Sponsoren.

Da zum gegenwärtigen Zeitpunkt mehrere der angesprochenen Kooperationspartner ihr

weiteres Engagement noch prüfen, kann der Erfolg der Maßnahmen noch nicht abschließend

quantifiziert werden.

 

 

Antrag Nr. 7: Kraftstation Remscheid – Aus Kinderhand – Schau hin und handle fair

 

Unsere Konsumgesellschaft basiert auf der Ausbeutung der sogenannten Dritten Welt bzw. von Entwicklungsländern. „Geiz ist geil!“ ist das Motto unserer Gesellschaft. Je billiger umso besser. Dabei vergessen wir die Entstehungsgeschichte dieser Ware und ignorieren die Schicksale hinter der globalen Ausbeutung.

 Als Soziokulturelles Jugendzentrum legten wir im Jahre 2012 mit der Projektreihe „Aus Kinderhand – Schau hin und handle FAIR“ einen inhaltlichen Schwerpunkt auf den Fairen Handel um unsere jungen BesucherInnen auf Fair Trade aufmerksam zu machen und sie für dieses Thema zu sensibilisieren. Dafür gründeten wir drei Aktionsgruppen, die zu verschiedenen Themen arbeiteten und öffentlichkeitswirksame Maßnahmen entwickelten.

Am 1. Juni 2012 hat unsere erste Arbeitsgruppe ein Faires Dinner in unserem Jugendfreizeitheim „Die Gelbe Villa“ veranstaltet. Die SchülerInnen der 9c der Hauptschule Wilhelmstraße setzten sich mehrere Wochen mit den Themen des fairen Handels auseinander und stellten sich Fragen wie:

Was ist überhaupt Fairtrade? Wie ist die Entstehungsgeschichte häufig verwendeter Alltagsprodukte? Was ist der Unterschied zwischen Bio und Fairtrade? Wie sind die Produktionsbedingungen in den sogenannten Dritte Welt Ländern? Wie sieht es mit der Kinderarbeit aus? Welche Fairen Produkte gibt es in Remscheid und Umgebung? In drei Tagesworkshops entwickelten die Jugendlichen das Gesamtkonzept für den Abend. Zunächst wurde das Thema theoretisch beleuchtet und mit einer Lebensmittelrallye durch Remscheid abgerundet. Hierbei kamen interessante Gespräche bzw. Diskussionen bezüglich des hohen Preises von Bio bzw. fairen Lebensmitteln zustande.

Nach dieser thematischen Beschäftigung wurde es praktischer. Ein besonderer Abend das „Dinner For FAIR“ würde geplant. Die verschiedenen Gruppen PR-, Theater- und Küchencrew begannen ihre Arbeit. So wurde zusammen mit dem Koch Rene Martinez ein fairer Menüplan für den Abend festgelegt und probegekocht. Schließlich sollten die Abläufe an diesem Abend perfekt sitzen. Gemeinsam mit der Improvisationstheatergruppe Hottenlotten aus Bochum entwickelte die Theatergruppe einen Umweltkrimi, der am 1. Juli 2012 das Rahmenprogramm stellen sollte. Die Vorbereitungen für unseren großen Abend verliefen fantastisch. Einige Bilder zeugen für die wunderschöne Atmosphäre des Abends:

Aufgrund des großen Erfolgs des Fair Trades Dinner gingen wir eine weitere Kooperation mit der GHS Wilhelmstraße ein. Mit der Klasse 10b haben wir ein Benefiz Konzert für den 14. Dezember 2012 organisiert. Vorab haben wir das Thema Fairer Handel ausgiebig im Unterricht thematisiert. Im Anschluss ging es um die praktische Planung einer Benefiz Veranstaltung. Die SchülerInnen entwickelten das komplette Konzept in verschiedenen Arbeitsteams. Insgesamt vier Gruppe (Booking, PR, Rallye und Film) nahmen die Arbeit auf und planten das Projekt „Party mal Anders“. Besonders freuen wir uns, dass es der Bookinggruppe gelungen ist verschiedene sowie regionale und überregionale KünstlerInnen für unsere Konzertidee zu begeistern. Als absoluter Headliner trat Roman Lob an diesem Abend auf. Die SchülerInnen selbst moderierten durch das Programm und baten Fachleute von Fair Trade Deutschland zu kleinen Interviews auf die Bühne. Unsere Mediencrew zeigte zudem ihren selbstgedrehten Film über den Fairen Handel. Der Schülerfilm wurde am 14. Dezember 2012 zum ersten Mal öffentlich gezeigt. Damit unsere BesucherInnen sich auch aktiv mit dem Thema auseinandersetzen konnten, haben wir zudem eine FAIRE Rallye entwickelt. An vier Stationen wurden die TeilnehmerInnen spielerisch auf Aspekte des Fairen Handels hingewiesen.

Das Benefizkonzert zog zahlreiche BesucherInnen in die Kraftstation und wurde zu einem großen friedlichen Fest.

Ein Konzert von Jugendlichen für Jugendliche mit so einem ernsthaften Thema zu verwirklichen war für alle eine Herausforderung. Informativ und gleichzeitig unterhalten zu sein, stellte die jungen Planer vor einer großen Aufgabe. Sie meisterten dies mit unterschiedlichen Programmpunkten. So wurde das Bühnengeschehen mit interessanten KünstlerInnen und zugleich informativen Interviews und Filmen angereichert. Im Hintergrund konnten die BesucherInnen eine Fotokampagne von Fairtrade Deutschland besichtigen und an der Fair Trade Rallye teilnehmen. Hier ein paar Bilder von der Veranstaltung:

 Im dritten Teil der Projektreihe beschäftigte sich die 10d der Albert Einstein Gesamtschule über mehrere Wochen mit der globalisierten Jeansherstellung. Ausgehend von der ARD Dokumentation "Der Preis der Blue Jeans" behandelten die SchülerInnen speziell die Produktionsbedingungen der populärsten Hose Deutschlands. Die erschreckenden Wahrheiten haben die SchülerInnen zusammen mit dem Fotografen Rainer Wiesen in einer Aufklärungskampagne mit dem Titel "Der Preis der Blutigen Jeans" übertragen.

Auch hier haben wir zunächst theoretisch gearbeitet um genügend Grundlagen für die künstlerische Arbeit zu haben. In dem Fotoworkshop mit Herrn Wiesen lernten die SchülerInnen neben Licht, Kamera, Make Up, Bildinszenierung auch das Fotoprogramm Lightroom kennen, so dass die TeilnehmerInnen ihre Ausstellung selbständig erarbeiten konnten.

Mit einer richtigen Vernissage präsentierten die SchülerInnen ihre Werke der Öffentlichkeit. Zu jedem einzelnen Bild gaben die jeweiligen jungen KünstlerInnen Hintergrundinformationen und Feedback.

 Die Projektreihe mit ihren drei Bausteinen hat insgesamt sehr viel Arbeit und Vorbereitung erfordert. Als Kraftstation haben wir sicherlich den inhaltlichen Faktor sehr unterschätzt. Um dieses Thema zu behandeln, muss man sich zunächst ausgiebig mit der Thematik beschäftigen. Für die SchülerInnen haben wir deshalb ganze Unterrichtsreihen geplant, die sehr viel Zeit in Anspruch nahmen. Wir haben ein Thema gewählt das sehr komplex ist und sehr viel Diskussionsbedarf hervorruft. So benötigten wir für diese Reihe viel mehr Planungszeit als veranschlagt. Diese Arbeit hat sich jedoch mehr als gelohnt. Die teilnehmenden Jugendlichen haben sich wirklich gut auf das Thema eingelassen und haben ihre Ideen kreativ umgesetzt. Von ihrem starken Engagement sind wir mehr als begeistert.

Wir freuen uns auch über viel positives Feedback von außen. So ist beispielsweise Fair Trade Deutschland auf uns aufmerksam geworden und uns mit einer Ausstellung und viel Infomaterial versorgt. Für die teilnehmenden SchülerInnen war die eine ganz besondere Aufwertung des Projektes.

In Jugendteams ganze Veranstaltungen von Anfang bis zum Ende zu planen und durchzuführen hat sich ebenfalls als hervorragende Methode bewiesen. Wir haben viele Denkanstöße gegeben und Raum für eigene kreative Prozesse offen gelassen. Insgesamt nahmen 63 Jugendliche an den drei Projektblöcken teil. Das „Dinner For Fair“, die „Benefiz Gala“ und die Ausstellung „Blutige Jeans“ besuchten rund 300 BesucherInnen.

 

 

Antrag Nr. 9: Druckluft Oberhausen – Auf zu neuen Bildern

 

Wechselnde Ausstellung mit Zeichnungen, Malereien, Cross-Stich, Skulpturen und vielem mehr.

Die durch den Umbau neu geschaffenen Räumlichkeiten des neuen Cafés laden dazu ein, die freien Flächen zu nutzen und Kunst und Kultur auf täglicher Ebene näher zu bringen.

Im Rahmen der Kombüse 22 waren die Werke jeden Mittwoch - Freitag von 19 - 23 Uhr zu besichtigen. Kunst zum Sehen, Nachlesen und selber schaffen.

Die Ausstellung lief vom 06.09.2012 bis zum 31.12.2012.

Insgesamt stellten 5 KünstlerInnen im Rahmen der Dauerausstellung ihre Werke aus.

Begleitet wurde die Ausstellung durch 4 zusätzliche Workshops, die sich mit unterschiedlichen Materialien und Konzepten beschäftigten.

Zur Eröffnung der Ausstellung wurde breite Pressearbeit getätigt und die Vernissage konnte sich über regen Zulauf freuen.

Die lokale Presse – WAZ – berichtete in diesem Zusammenhang → der Beitrag ist im Archiv unter „Schräge Motive in Neonfarben„ zu finden.

Als zusätzliches Angebot spielte eine befreundete Band der Künstler am Tag der Vernissage ein Live-Set in der Kombüse 22, dem veganen Café des Drucklufts.

Workshops: Die Workshops schafften als zusätzliches Angebot neben der Dauerausstellung auch neues Publikum ins Druckluft zu bringen. Vor allem der Strick- und Stick-Workshop wurde sehr gut angenommen und fand auch Wunsch unterschiedlicher InteressentInnen noch einmal an einem Wochenende statt.

Personal: Begleitet und durchgeführt wurde die Veranstaltung durch die pädagogische Fachkraft Julia Schöller, welche maßgeblich an dem guten Gelingen der Ausstellungen beteiligt war.

Finanzierung: Finanziert wurde die Veranstaltung durch den Zuschuss der LAG, als auch durch Eigenmittel.

Nachhaltigkeit: Aufgrund der guten Anbindung von interessierten Künstlern und Künstlerinnen versucht Druckluft im Jahr 2013 die Veranstaltungsreihe in kleinerer Form selbstständig fortzuführen.

Aufgrund der finanziellen Situation geschieht dies leider ohne begleitende Workshops und Unterstützung im Rahmen von Materialkosten.

Auswertung: Die Ausstellung wurde sowohl von den Gästen der Kombüse 22, als auch von interessierten BesucherInnen mehrfach gelobt, als fortschrittliche Idee Kunst präsent zu machen.

Leider war es uns nicht möglich allen KünstlerInnen, die Interesse hatten, 2012 den Raum für die Ausstellung ihrer Werke zu geben. Wir versuchen dies jedoch 2013 nachzuholen.

Aufgrund der guten Resonanz in Presse, Social-Media und der Blogger-Sphäre halten wir die gelaufene Ausstellung für einen großen Erfolg.

 

 

Antrag Nr. 10: Verein Internationales Jugendtanztheater Duisburg – Alles im Flußhersey su dantodo pasando

 

Das interkulturelle Jugendprojekt "alles im flusss…' startete am Mittwoch, 17.10.2012 mit der Eröffnung des Jugendseminars und der Konstituierung der künstlerischen Werkstätten (Musik instr. und vokal, Tanz, Visuals). Ausgehend von der Frage, was die jungen TeilnehmerInnen persönlich und für unsere Region mit dem Motto "alles im flusss…“ verbinden, wurde zunächst an einem Produktionskonzept gearbeitet, das den einzelnen Werkstätten Freiräume und der Gesamtproduktion inhaltlichen und künstlerischen Zusammenhalt sichern sollte. Ersten Ideensammlungen / Improvisationen zu konkreten Musiken, Szenarien, Visuals folgten erste thematische und künstlerische Schwerpunktsetzungen für die Werkstätten.

An den folgenden Tagen standen jeweils andere 'Fluss-Themenfelder' im Zentrum der inhaltlichen und künstlerischen Arbeit - und dies immer in der Spannung von Realitäten und Visionen. Dabei waren der zwischenmenschliche und interkulturelle Austausch, die inhaltlich-thematische Arbeit und die künstlerische Entwicklungs- und Probenarbeit eng verzahnt. Ideen und improvisatorische Ansätze, die im Jugendseminar entstanden, wurden in den Werkstätten weiter entwickelt, mündeten in Text- und Liedproduktionen, Szenen und Choreographien, Foto- und Filmsequenzen (s. Programmheft und Teaser).

- Donnerstag 18.10. Die Suche nach Glück als zentrales Motiv menschlichen Handelns - Das Ruhrgebiet als Magnet für ‚Glücksucher’ aus aller Welt - damals und heute? /

- Freitag, 19.10. Strukturwandel und Perspektiven der Arbeit - Alte Industrieproduktion – Brachen – Glaspaläste / höher, schneller, weiter - oder Ende des Wachstums?

- Samstag, 20.10.2012 Migration damals und heute - aktuelle Entwicklung in Duisburg /

- Sonntag, 21.10.2012 Recht auf Stadt - Stadtentwicklung ohne Geld? – Bedeutung der Kultur für die Lebensqualität?

- Samstag, 27.10.2012  Die Liebe in Zeiten von Facebook - Freundschaft, Liebe, Einsamkeit, Ausgrenzung - Die Geschichte von den Königskindern - und können zusammen doch kommen?

- Sonntag, 28.10.2012 Was wäre die Stadt ohne den Fluss? - Kleine Geschichte des Rheins: Lebensader – Aufmarschplatz für Krieger – Freundschaftsband in Europa

- Mit zwei Tagesseminaren am Sonntag, 04.11.2012 und Sonntag, 02.12. 2012 endete die Phase der Entwicklung der Produktion. Der Durchlauf jeweils eines Programmteils verschaffte allen Mitwirkenden einen Überblick über den konkreten Stand der Programmentwicklung. Es folgten die Diskussion der offenen Fragen, die Verständigung über die weitere Arbeit am dramaturgischen Konzept, konkrete Verabredungen für weitere Einzel- und Teilproben, die Gestaltung von Flyern, Programmheften, Presse- und Öffentlichkeitsarbeit…, die Entwicklung und Abstimmung der Veranstaltungspläne…

Freitag, 14. und Samstag, 15.12. standen im Zeichen der letzen Proben und der Premiere, wobei die Generalprobe am Nachmittag aufgrund der ausverkauften Abendveranstaltung bereits öffentlich stattfand. Da die Vorstellungen zugleich Auftakt zu einem größeren Jugendprojekt in 2013 waren, schlossen sich Diskussionen mit dem jungen Publikum über Thema, Entwicklung der Produktion und eine mögliche Beteiligung am kommenden Projekt.

Mehr als 50 Jugendliche meldeten sich zu den offenen Werkstätten 'alles im flusss 2013' an. Auch diese Abschlussveranstaltungmit ca. 100 Mitwirkenden am 24.02.2013 im großen Duisburger Steinhof war ausverkauft und fand große Resonanz bei Publikum, Presse und Stadtgesellschaft.

 

 

Antrag Nr. 11: Theater am Schlachthof Neuß – Jugendensemble Spielstarter

 

Seit September 2011 bauen wir ein Jugendensemble im Theater am Schlachthof auf. Dieses trifft sich immer mittwochs in zwei Gruppen mit einem Theaterpädagogen/Regisseur, der ihnen verschiedene Schauspieltechniken und Übungen beibringt. In diesem Jahr gab es zusätzlich zwei Produktionen, die mit den Jugendlichen erarbeitet wurden. Zum einen wurde das Stück "Creeps" mit der Thematik Castingshows auf die Bühne gebracht, das sowohl im TAS als auch in Schulen aufgeführt wurde. Zum anderen gab es das Projekt "Hamlet für Eilige", welches im Theatermuseum Düsseldorf und in einigen Jugendclubs kostenlos gespielt wurde. Das Jugendensemble festigt sich immer mehr zu einer Gruppe (deshalb auch einheitlich T-Shirts für den Gruppengedanken) und bleibt so hoffentlich lange erhalten.

 

 

Antrag Nr. 13: Theater am Schlachthof Neuß – Erinnerungsstücke Barbaravielrtel

 

Die neue Theaterpädagogin am TAS Sarah Binias bestritt die inhaltlichen Vorbereitungen (Britta Franken die organisatorischen) für ein erstes Seniorenprojekt im TAS. Unter dem Titel Erinnerungsstücke wurden Senioren gesucht, die Zeit und Lust haben, sich an gemeinsame private oder gesellschaftliche Ereignisse zu erinnern, d.h. zu erzählen und daraus eine künstlerische Darbietung zu entwickeln. Die Ausdrucksform wir dabei von der Gruppe entschieden, ob es z.B. ein kleines Theaterstück wird, ein Film, eine Ausstellung o.ä.

Durch Flyer, einen Zeitungsbericht und durch Kontakt zur Caritas kamen zum ersten Treffen am 30.10. 16 Seniorinnen im Alter zwischen 58 und 72 Jahren. Durch Mundpropaganda wuchs die Gruppe bei den wöchentlichen Treffen zeitweise bis auf 20 Teilnehmer an.

In den wöchentlichen Treffen wurde versucht eine gemütliche Atomsphäre zu schaffen (Kaffee und Kuchen), um mit den Seniorinnen ins Gespräch zu kommen. So entstand schnell, eine gute Gruppenatmosphäre und die Teilnehmerinnen wurden mutiger und die Theaterpädagogin begann mit ersten Theaterübungen. Im November und Dezember kamen an verschiedenen Treffen ein Kameramann und eine Tontechnikerin dazu, um Aufnahmen zu machen und von den Teilnehmerinnen alte Schallplatten und Fotos/Videos zu erhalten, um dann dieses zu Collagen zu verarbeiten. Die Teilnehmer arbeiten inzwischen an einer kleinen Aufführung, die aber erst im Juni 2013 stattfinden wird.

 

 

Antrag Nr. 15: Port – Verein für Kunstförderung Essen – Denkodrom - Forum für experimentelle Musik und Performance - Interdisziplinäre Plattform für Avantgarde

 

Gekrönt wurde das Denkodrom im zweiten Halbjahr 2012 vom wunderbaren Denkodrom-Festival

in der Rotunde. Durch intensive und aufreibende Werbeanstrengungen, die unter anderem mehrere

nächtliche Plakatierrunden durch Bochum und das Ruhrgebiet beinhalteten wurden wir mit 280

Besucher*innen reichlich belohnt. Die Wirkung der „HeadlinerinSookee hatte sich bestätigt und

wir konnten bereits das erste Harsh-Noise Konzert um 20 Uhr vor ca. 60 Gästen und

Künstler*innen genießen. Das Denkodrom zeigte sich in seiner polaren Funktion als Anti-Identitäre

Aktion von der besten Seite. Die ZuschauerInnen waren, wie bei allen Denkodrom-Abenden

nachhaltig verwirrt und konnten niemals konzeptionelle von aleatorischen Abweichungen

unterscheiden. Die dichte musikalische, inszenatorische Konzeption hinterlässt spontane

Besucher*innen in Verunsicherung und Kenner*innen in produktiver De-Konzeptionalisierung

gewählter Dogmen.

Musikalische Mittel waren im zweiten Halbjahr hauptsächlich Freejazz, unterschiedliche Formen

von Noise und Drone, die in Beziehung zu meta-kritischen Vorträgen u.a. des künstlerischen Leiters

gesetzt wurden.

Die Rundreise durch das Ruhrgebiet ermöglichte uns zwar einerseits neue Interessent*innen zu

gewinnen, zerrte manchmal auf Grund recht leerer Ränge. Wir sind überzeugt, dass sich dies im

nächsten Halbjahr bessern wird.

Es ist bezeichnend, dass das, was mensch „atmosphärisch“ nennt ein rares Gut im weitläufigen

Ruhrgebiet ist. Es ist zu überlegen, ob das Bespielen von „Off-Locations“ nicht eine Strategie zur

weiteren konzeptionellen Spezifikation des Denkodroms sein könnte. Das Problem an den

bespielten Orten ist nämlich immer ein anderes:

– Das Emo ist ein evangelisches Jugendzentrum

– Im Djäzz liegt ein Bekenntnis gegen FreeJazz vor

– Die Rotunde ist Teil der Bochumer Kreativbanane (Victoriaquartier) und tut sich mit

konzeptionell fragwürdigen kulturpolitischen Beiträgen hervor (z.B. C60)

– Die Galerie Rottstr5 hat eine profilierte Ausrichtung auf Kunsthochschulabsolventen. Das

Denkodrom ist konzeptionell dilettantistisch.

– Das Lokal Harmonie muss, als schönster Ort, stark entwickelt werden, um seine verdiente

Stellung beim Publikum einzunehmen.

Wunderbar und schön ist es, dass die Bereitschaft beim Denkodrom aufzutreten, mitzuhelfen und

die Qualität des Denkodroms zu loben bei einigen sehr ausgeprägt ist. Das ist einfach schön und wir

danken allen auch an dieser Stelle.

Im Projektverlauf ergaben sich Kopplungseffekte mit dem Projekt „Der komm ende Aufstand“,

welches zeitgleich von Rosh Zeeba, Stefan Schroer und Joscha Hendricksen durchgeführt wurde.

So fand das Denkodrom in der Rottstr5 im Rahmen der Ausstellung „the mustached queen with her

high heels would come to sanctuarize the anti-scheme“ statt und eine Aufführung von „Situation:

Aufstand (der Aufstand ist vorbereitet)“ fand einen Tag vor dem Denkodrom-Festival in der

Rotunde statt.

 

 

Antrag Nr. 16: cuba Münster – Tracht und Prügel – Literaturfestival

 

Im September 2012 fand in Münster das erste Tracht & Prügel Literaturfestival statt - ein alternatives,

junges Festival der Gegenwarts- und Offliteratur. Auf Lesungen, Literaturshows, Poetry Slams und in

Workshops kamen die Protagonisten der Slam Poetry - und Lesebühnenszene zu Wort, suchten aber auch die Nähe zu anderen Kunstformen. Neben der offenen Bühne, dem monatlich statt findenden Poetry Slam im Cuba Nova, der natürlich in diesen Tagen als Konstante nicht fehlen durfte, zeigten die Poetry Slam Allstars Spoken-Word-Kunst und Bühnenliteratur einem breiten Publikum in Perfektion. Der Poetry Slam Allstars Abend stand unter dem Einfluss der besten deutschsprachigen Bühnenliteraten, welche vom Publikum mit Begeisterung gefeiert wurden.

Wer selber in die Slam Poetry Welt eintauchen wollte, sich aber nicht ohne Anleitung oder den ein anderen Tipp auf die Bühne traute, hatte in dem Workshop des vielleicht bekanntesten deutschsprachigen Slam Poeten Sebastian 23 hierzu die Möglichkeit. Sebastian 23 gab in seinem Workshop Tipps und Tricks zur Texterstellung, versäumte es aber auch nicht die Performance eines Textes zu lehren. Natürlich durften neben den großen Slam Poetry Abenden auf dem Tracht & Prügel Festival auch die Lesungen und Lesebühnen nicht fehlen. Lokalkolorit war hier die Lesebühne „Die2drei“ um Andy Strauß, Micha El Goehre und Andreas Weber, die im Sinne des freundschaftlichen Austausches die Münsteraner Lesebühne „Krawehl“ zur gemeinsamen Show eingeladen hatten.

Der Poetry Club präsentierte mit Patrick Salmen und Christian Ritter zwei Literaturabende, die das Bild langatmiger Wasserglaslesungen hinwegfegten. Die Lesung von Christian Ritter fand dazu noch in dem Atelier des Künstlers Oliver Breitenstein statt und wurde von der preisgekrönten Liedermacherin Hanna Meyerholz begleitet. Mit Anke Fuchs und Dagmar Schönleber präsentierten wir unter dem Titel Mädchenlyrik zwei herausragende Bühnenliteratinnen aus dem Rheinland. Das alte Vorurteil, dass bei Poetry Slams fast nur Männer auf der Bühne stehen und Frauen eher seichte Liebeslyrik präsentieren, wurde mit den beiden wortgewaltigen Künstlerinnen ad absurdum geführt. Fuchs und Schönleber wussten mal humorvoll, mal nachdenklich ihr Publikum an ihre Worte zu fesseln. Mittelpunkt des Festivals war aber sicherlich die 24 Stunden Poetry Show. Von freitags 12 Uhr bis Samstag12 Uhr lasen und spielten mehr als 40 Künstler (Autoren, Slam Poeten, Rezitatoren, Singer-Songwriter) in der Stadthausgalerie. Hatten wir zuerst Sorge, dass wir gerade in den Morgenstunden des Samstags kein Publikum ansprechen könnten, so zeigte sich schnell, dass wir mit 24 Stunden Poetry viel Aufmerksamkeit sogar außerhalb Münsters erzielen. Eine überregionale Radioberichterstattung ließ sogar samstags morgens nach einem Wochenmarktbesuch Neugierige in die Stadthausgalerie kommen und für eine Weile den Geschichten und

Gedichten der Autoren und Musiker lauschen. Insgesamt beurteilen wir das Tracht und Prügel Festival als Erfolg. Programmpunkte wie die 24 Stunden Poetry und Mädchenlyrik sollen auf jeden Fall wiederholt werden. Natürlich darf ein Off Literaturfestival in einer mittelgroßen Stadt wie Münster nicht zu oft veranstaltet werden, da wir unser Publikum mit einer Menge Programm konfrontierten. Der Gedanke das Tracht & Prügel Festival alle zwei Jahre stattfinden zu lassen, hat sich aber in den Köpfen der Gestalter des Festivals festgesetzt. Das gesamte Programm des Festivals ist nachzulesen unter: www.tatwortimnetz.de/festival.html

 

 

Antrag Nr. 18: Erik Biembacher Münster – Pizza, Pasta, Kunst und Basta

 

Das Kunstprojekt sozialpalast 2012 wählte in diesem Jahr nicht einen Ort im öffentlichen urbanen Raum, sondern den zwar frei zugänglichen, aber doch privaten, Gastronomie-Raum. Ein alltäglicher Arbeitsort. An diesem Ort wurde weniger eine (Kunst)Bühne installiert, als vielmehr der Ort an sich thematisiert und erprobt. Erprobt mit der Konfrontation zeitgenössisch arbeitender KünstlerInnenmeets“ Restaurant-Alltag. In diesem Fall eine Pizzeria in Münster, deren Alltag und Betreiber allerdings an sich bereits Andockstellen für die Kunst bietet.

Die KünstlerInnen waren gebrieft keine vorgefertigten Arbeiten in den Off-Raum „Italienische Pizzeria“ zu bringen, sondern im, am und mit dem Ort ihre Arbeiten zu entwickeln. Dazu hatten sie „vor Ort“ eine Woche Zeit. Als Material-Fundus standen ihnen der Inhalt der Second-Hand-Möbel-Läden HFR GmbH und Chance e.V. zur Verfügung (Die Kooperation mit gemeinnützig und sozialarbeitenden Betrieben und Institutionen ist seit jeher Teil der sozialpalast-Konzepte.). Die KünstlerInnen arbeiteten nacheinander. Die Arbeiten wurden dann einen Monat in der Pizzeria ausgestellt, jeweils mit einer Vernissage und einer Finissage.

Begleitend wurde das Projekt vom Münsteraner Filmemacher Daniel Huhn dokumentiert. Ziel war eine Projektdokumentation im Kurzfilmformat bis 45min.

Ideenfindung und Vorbereitung:

Der erste Kontakt mit der Pizzeria Peppino und dessen Inhaber Guiseppe Tedesco entstand im August 2011 durch die sozialpalast- Mitarbeiterin Katrin Schnieders. Herr Tedesco mit dem Ansprechnamen Peppino zeigte sich als ein wahres Original eines klischeehaften italienischen Pizzabäckers aus Sizilien, 65 Jahre alt, weit weg und offenbar losgelöst von seinem Herkunftsland, bereits 35 Jahre in Deutschland, der dt. Sprache zwar auf sehr eigenartiger Weise mächtig, andererseits aber auch verweigernd, und der kurioserweise mit dem Nachnahmen Tedesco die derzeit aktuell geführte Frage nach Integration und Herkunft von Migrantinnen in erster, zweiter und dritter Generation nach und in Deutschland impliziert, karikiert.

Die politische Dimension dieser Frage sollte mit der Besetzung des Kunstprojekt sozialpalast 2012 allerdings bewusst nicht vordergründig thematisiert werden. Konnte aber im Kontext der öffentlich geführten gesellschaftspolitischen Debatten (Multikulti, NSU, Abschiebung/Schengener Abkommen, u.a.) gesehen werden.

Mit der Besetzung zeitgenössischer Kunstlerinnen mit Kunstakademie-Background wurde ganz deutlich auf die Kunst verwiesen, bzw. anhand der Kunst eine Begegnung von Menschen ermöglicht. Ein Kern-Leitsatz des Projekts war „bringe Menschen zusammen, die normalerweise nie zusammen kommen“ und zwar in ihrem jeweiligen Berufsalltag und im besonderen künstlerisch arbeitende Menschen und gastronomisch arbeitende Menschen. Eine Subformulierung war: „Was geschieht, wenn Kunst (in einem alltäglichen Pizzeriabetrieb) die Tische deckt?“

Erste Gespräche und Vereinbarungen mit den Beteiligten gab es bereits Ende 2011. Anfang 2012 wurde das Projekt in Öffentlichkeitsarbeit und Organisation und Terminierung begonnen.

Die Projektmittelförderung wurde bewilligt vom Kulturamt Stadt Münster, der Arbeitsgemeinschaft soziokultureller Zentren e.V., dem Landschaftverband Westfalen Lippe und also dem Ministerium für FKJKS des Landes NRW.

KünstlerInnen und Austellungstermine:

Gertrud Neuhaus           14.04. bis 12.05.

Michael Göring             19.05. bis 16.06.

Ursula Achternkamp      23.06. bis 21.07.

JaePas                          28.07. bis 25.08.

Durchführung der Ausstellungsreihe:

Die Durchführung der Reihe wurde für alle KünstlerInnen möglichst gleich gestaltet, sodass alle ungefähr ähnliche zeitliche und örtliche Vorrausetzungen vorfinden sollten. Aber natürlich gab es für die Künstlerinnen nacheinander unterschiedliche Möglichkeiten, sich mit dem Projekt bereits im Vorhinein vertraut zu machen.

Zu Beginn der Arbeit „vor Ort“ stand das erste Zusammentreffen und Kennenlernen von KünstlerIn und Peppino, bzw. wenn nötig, mit den Ansprechleuten der Second-Hand-Läden. Peppino ließ die KünstlerInnen, soweit es nicht seinen privaten Bereich berührte, frei agieren und den Restaurantraum nutzen. Allerdings war die Küche davon ausgeschlossen. Jede Arbeit wurde dennoch mit ihm im Vorfeld bzw., in der Durchführung und Umsetzung abgestimmt. Erik Biembacher war stets als künstlerischer Projektleiter auch Mittler und Helfer zwischen Peppino und KünstlerInnen, sowohl sozial, als auch sachlich und fachlich. Das Miteinander der Akteure und die Synergien, die daraus entstanden, war der Kern des Kunstprojekts sozialpalast 2012.

Den Arbeiten voraus ging jeweils auch immer ein Video-Trailer mit einem Interview mit KünstlerIn und Peppino, was auf die kommende Arbeit einstimmen sollte. Ein Veröffentlichung des Videos fand jeweils im sozialpalast-youtube-channel statt.

Weitere Öffentlichkeitsarbeit bestand in Pressemitteilungen, Vorankündigung auf der sozialpalast-Website und im Social-Netz, sowie via Newsletter von sozialpalast, KünstlerIn und ggf. der Förderer. Außerdem wurden Plakate und Flyer in Münster verteilt.

Die Ausgestellten Arbeiten wurden jeweils mit einer Vernissage eröffnet, dann gab es einen vierwöchigen Ausstellungszeitraum und als Abschluss eine Finissage.

In dieser Zeit und vor allem während der Entwicklung der Arbeiten wurde das Projekt von Daniel Huhn und Erik Biembacher filmisch dokumentiert.

Abschluss:

Den Abschluss der Projekt-Reihe bildete die fertige Filmdokumentation als 30min. Kurzfilm. Die Premiere fand statt am 06.01.2013 im CINEMA Filmtheater in Münster. Der Kurzfilm zeigt in einer Nachbetrachtung aus der Perspektive Peppinos die projektinterne Auseinandersetzung zwischen ihm und den KünstlerInnen, sowie die jeweilige Sicht der KünstlerIn auf die eigene Arbeit. Nach der in der öffentlichen Wahrnehmung doch sehr unterschiedlichen Bewertung der einzelnen Arbeiten (s. Fazit) war dies eine Zusammenfassung und vor allem Herausstellung des Projekts als Reihe zwar sehr unterschiedlicher, aber in sich doch gleichberechtigter Arbeiten.

Fazit:

Zunächst ist hat sich mit der Figur Peppino ein wirklicher Glücksfall fürs Projekt ergeben, da Guiseppe Tedesco in seiner Eigenart als Pizzabäcker weit über seine bloße Küchenarbeit hinaus wirkte. Die Entwicklung der Beteiligten war ja im Vorhinein nicht vorhersehbar. Seine Bereitschaft und sein Engagement sich mit der Kunst und den KünstlerInnen in seinem Restaurant auseinanderzusetzen war für die Entwicklung des Projekts ein Gewinn. Denn in genau dieser Auseinandersetzung lag ja die Absicht des Konzepts. Glücklich vor allem, weil sich diese Entwicklung verselbständigte und nur immer mal wieder kleine Impulse bedurfte. So entstand, wie im Kurzfilm und in einigen Youtube-Videos zum Projekt gezeigt, eine immer fortwährende Auseinandersetzung mit und über Kunst am Gegenstand der Arbeiten. Darüber hinaus aber wurden ganz persönlich-individuelle Begrifflichkeiten von Kunst. formuliert und diskutiert.

In der Besetzung und Abfolge der KünstlerInnen lag ja bereits im Vorhinein eine beabsichtigte Dramaturgie. Formal zunächst im Wechsel von Künstlerin und Künstler, aber vor allem in der thematischen Position, ohne die Arbeiten im Vorfeld Inhaltlich festzulegen. Mir Gertrud Neuhaus begann eine sehr spielerisch-intuitiv, mit Malerei und Interieur arbeitende Künstler Dann mit Michael Göring ein sehr am Objekt und dessen Funktion orientiertes Arbeiten, was in seinem Verweis oft erst auf den zweiten Blick zu erkennen ist, danach mit Ursula Achternkamp eine konzeptuell gelagerte Auseinandersetzung mit dem Ort Pizzeria ,aber vor allem mit dem Inhaber Peppino und dessen Herkunft. Schließlich mit dem Künstler-Duo Jae Pas eine Kunst, die sich selbst als „provokant“ bezeichnet und mit der Hindenburg-Schlossplatz-Debatte ein gesellschaftpolitisches Thema Münsters aufgriff und dem Projekt zum Abschluss sehr viel Öffentlichkeit bescherte.

Über die einzelnen Vernissagen wurde in der Regel von den Westfälischen Nachrichten berichtet. Bei der Jae Pas – Arbeit fand die mediale Verbreitung dann allerdings in ein einem sehr viel größeren Ausmaß statt, was eigentlich einer Extradarstellung bedürfte. Um das Projekt aber in sich in einer Reihe stehen zu lassen sei hier nur darauf verwiesen, dass das politische Thema der Schlossplatz-Rückbenennung in Hindenburgplatz und die Verknüpfung eines Kunstprojekts in einer italienischen Pizzeria mit einem deutlichen Pro-Schlossplatz-Apell via Pizzakartons einen Nerv in der städtischen Debatte und aber eben auch darüber hinaus traf. Berichtet haben WDR-Lokalzeit, Sat1-regional, sowie Münstersche Zeitung und Westfälische Nachrichten, sowie andere Redaktionen. Außerdem wurde im Zuge der Auseinandersetzung Pro und Contra Hindenburgplatz die Frage nach der Förderberechtigung des Projekts durch Städtische- und Landesgelder gestellt. Ein Versuch von Amtswegen (Lebensmittelüberwachung) das Projekt zu stoppen wurde von Ratsseite mit Verdacht auf Amtsmissbrauch hinterfragt. Somit hat das Kunstprojekt sozialpalast und Jae Pas die politische Debatte zu diesem Thema mit den Mitteln der Kunst verschärft.

 

 

Antrag Nr. 19: Lebenshilfe Münster Münster – Im toten Winkel

 

Das Schrägstrichtheater:

Das Schrägstrichtheater wurde unter der Leitung von Annette Knuf 2002 gegründet. Seit 2006 unterstützt Manfred Kerklau das Regieteam. Das Schrägstrichtheater steht für künstlerische integrative Theaterarbeit und hat sich mit verschiedenen Produktionen („Ein Bonbon für Neuseeland“ 2003, „Rapunzel hat Spliss“ 2005, „Up & Down“ 2006, „Um vier bei Ihr“ 2009, „Ich war eine Ratte“ 2010) der Öffentlichkeit präsentiert. Es arbeitet zurzeit ausschließlich in Projektform, um diese professionelle Herangehensweise zu ermöglichen. Mit jedem Projekt werden neue Schwerpunkte in der künstlerischen und inhaltlichen Auseinandersetzung gesetzt (z.B. „up and down“- ein Theaterprojekt zum Thema Liebe und Down Syndrom mit SpielerInnen mit Down-Syndrom und nichtbehinderten SpielerInnen).

Die Produktion „Im toten Winkel“:

Dieses Projekt war in seinem Ansatz innovativ und modellhaft, Menschen mit den unterschiedlichsten Behinderungen sowie nicht behinderte Menschen kamen in einen gemeinsamen künstlerischen Prozess, der zu einem Theaterstück mit Ensemblespiel auf der Bühne führte.

In diesem Projekt wirkten neben den schon erfahrenen Schauspielern mit geistiger Behinderung des Schrägstrichtheater auch Spieler mit einer Sinnes- oder Körperbehinderung, sowie Nichtbehinderte mit. Menschen mit unterschiedlichen Behinderungen und Einschränkungen spielten zusammen auf der Bühne und stellten ihre Sichtweise dar, gaben Einblick in ihre Welt.

Die Regie führten die Theaterpädagogin Annette Knuf und der Regisseur Manfred Kerklau. Professionelle Mitarbeiter für Bühnen- und Kostümbild, Lichtdesign, Graphik, Fotographie und Film sowie Gebärdendolmetscher begleiteten das Projekt.

Die Proben fanden regelmäßig (2Std.) montags in einer LWL-Förderschule sowie als Probentage (10:00 – 17:00h) am Wochenende im Gesundheitshaus statt. Daneben wurde bei Einzelübungen in den Räumen der Lebenshilfe geprobt. Alle Probenorte mussten barrierefrei und mit öffentlichen Verkehrsmitteln zu erreichen sein. Die Blocktage waren von entscheidender Bedeutung für die Entwicklung des Stückes sowie für die Gruppendynamik.

Für die inklusive theaterpädagogische Arbeit war es wichtig, die unterschiedlichen Bedürfnisse in der Gruppe zu berücksichtigen und jeden Einzelnen zu fördern. Auch die unterschiedlichen Anforderungen aufgrund der unterschiedlichen Handycaps stellten an das Regieduo hohe Ansprüche: z.B. was der eine sehen konnte-konnte der andere nur ertasten und hören. In den Proben wurde regelmäßig eine mobile Audio-Anlage eingesetzt, teilweise unterstützten Gebärdendolmetscher die Proben. Die Gruppe probte fast immer zusammen, da häufig alle SchauspielerInnen zusammen auf der Bühne sind. Dabei die unterschiedlich Beteiligten weder zu unter – noch zu überfordern war ein Balanceakt, der eine große Klarheit und Entschiedenheit in der Leitung erforderte.

Premiere feierte das Stück „Im toten Winkel“ am 28. Juni 2012 im Theater im Pumpenhaus, Münster. Dem schlossen sich 5 weitere Abendaufführungen und 2 Schulaufführungen an.

Wichtig um als eigenständiges kulturelles Ereignis wahrgenommen zu werden, ist ein guter Spielort. Das Theater im Pumpenhaus als das renommierte Theater für neues Theater in Münster ist dafür prädestiniert. Die Aufführungen (160 Sitzplätze) waren alle nahezu ausverkauft. Das Publikum setzte sich aus dem allgemeinen Theaterpublikum und zu ca. 1/3 (soweit ersichtlich) aus Menschen mit Behinderung zusammen. Das Stück wurde von allen begeistert aufgenommen.

Die zwei Schulaufführungen waren voll ausgelastet. Die SchülerInnen zeigten sich sichtlich beeindruckt von dem Theaterstück und den Leistungen der SchauspielerInnen. In den Gesprächen nach den Aufführungen zeigten die SchülerInnen großes Interesse an der Theaterarbeit mit behinderten Menschen und stellten zahlreiche Fragen zum Stück und zum Probenprozess.

(s. Anlage Presse)

Alle gesteckten Ziele sind erreicht worden:

- Erstellung einer professionellen Theaterproduktion mit Menschen mit und ohne geistige Behinderung.

- Inhaltliche Auseinandersetzung mit dem Thema Ausgrenzung und Stigmatisierung .

- Bereicherung der kulturellen Vielfalt Münsters.

- Förderung von Inklusion: Innerhalb der Produktion wurde inklusiv gearbeitet. Alle SchauspielerInnen hatten gleiche Recht und Pflichten.

- Es fanden acht Aufführungen im Theater im Pumpenhaus incl. Schulaufführungen statt.

- Begegnung und Inklusion fand auf der Bühne und im Zuschauerraum statt.

- Es wurde dir Möglichkeit von Inklusion für schwerhörige Menschen gegeben, durch die Installation einer induktiven Höranlage für alle Aufführungen. Alle Aufführungen fanden mit Gebärdendolmetscher statt.

- In extra konzipierten Schulvorstellungen hatten die SchülerInnen die Möglichkeit eine Vision von Gesellschaft zu erleben. Auf der Bühne spielen alle „auf gleicher Augenhöhe“ miteinander. In einem anschließenden Gesprächskreis konnten Fragen an die SchauspielerInnen und der Regie gerichtet werden.

- Eine breite Öffentlichkeit wurde erreicht. (s. Zuschauerzahlen)

Finanzen:

Siehe finanziellen Verwendungsnachweis.

 

 

Antrag Nr. 22: Kulturzentrum BÜZ Minden – Alles was R( r )echt ist

 

Aufgrund eines Unterrichtsbesuches des Leistungskurses Kunst des Ratsgymnasiums Minden im

Verwaltungsgericht Minden entstand auf Anregung des Verwaltungsgerichtes die Idee, gemeinsam mit

Leistungskursen Kunst unter Einbeziehung des Themenkreises "Recht" die scheinbar trockene

juristische Materie in vielen Formen künstlerisch zu übersetzen.

In der Regel geschieht dies durch die eigene künstlerische Kreativität im Rahmen des Kunstunterrichtes. In unserem Projekt hingegen agieren die Schülerinnen selbst als Organisatorinnen:

sie werden am Ende zu Kulturschaffenden im Bereich Ausstellungswesen. Ihre Aufgaben sind Themenfindung, Ausschreibung, Sichtung, Zusammenstellung, Aufbereitung, Öffentlichkeitsarbeit, Präsentation und Dokumentation. Als künstlerisches Medium dient die international verbreitete und zeitgenössische Kunstform Mail Art oder Postkunst. Die Akquise der Kunstwerke erfolgt über drei Wege: konventioneller Briefpostweg, digital via Internet und persönliche Kontakte. Wir erwarten eine hohe internationale Beteiligung, weil es sich beim Ausstellungsort um eine Weltpremiere handelt. Die Schülerinnen werden dem Projekt "Alles was R(r)echt ist" ein spezifisches Thema verleihen.

Das Verwaltungsgericht Minden möchte sich mit künstlerischen Projekten in der Öffentlichkeit bekannt

machen. Die künstlerische Leitung obliegt den führenden deutschen Mailartisten und in Minden

ansässigen Angela Pähler und Peter Küstermann, Kunstpostboten aus dem Guinnessbuch der

Rekorde. Der Weltmeistertitel wurde im Jahre 1993 verliehen. Ausführliche Projektbeschreibung

Ende des Schuljahres 2011/12 stellten wir das Projekt im Zuge der Projektwoche des Ratsgymnasiums vom 25.05. bis 05.07.2012 vor, um künftige Teilnehmerinnen des Leistungskurs Kunst im Schuljahr 2012/13 zu motivieren.

Vorbereitung der Projektwoche mit den SchülerInnen:

Rundgang durch Minden zu den Orten, an denen Mail Art öffentlich zugänglich ist.

A) MODUL 1

Zeitrahmen: Anfang September 2012

1. Wir definieren Mail Art und geben Beispiele

Es erfolgte die kunstgeschichtliche Einordnung: Wurzeln, Dada-Fluxus, ganzheitlicher Kunstbegriff:

Sparten übergreifend in die Bereiche Film, street art und Performance und Musik

Wir erarbeiteten die besonderen Teilnahmeregeln der Mail Art: no rejects - no returns -

documentation to each

Das bedeutet: es gibt keine Jury, alle eingesandten Exponate gehen in eine Ausstellung ein, jeder

Teilnehmer erhält eine Dokumentation.

2. Aus den ca. 700 aktuell ausgeschriebenen internationalen Mailart-Projekten, die wir im

Internet recherchierten, wählte jeder der 20 Schülerinnen (17 Frauen, 3 Männer) ein Projekt aus und

erstellte einen eigenen kinstlerischen Beitrag dazu. Sie begründeten und präsentierten ihre Wahl in

der Gruppe. Alle Schülerinnen erfuhren so die thematisch-inhaltlich-technische Vielfalt von Mail Art.

3. Die Schülerinnen nahmen jetzt eine andere Rolle ein: bisher waren sie teilnehmende

Künstlerinnen im Beuysschen Sinne. Jetzt wechselten sie die Perspektive und wurden selbst zu

Projekt- und Ausstellungsorganisatoren. Sie erstellten ein Konzept für ein eigenes gemeinsames

Projekt. Sie kreierten in der Gruppe ein spezifisches Thema innerhalb des vorgegebenen Rahmens,

legten den Zeitplan für das Projekt fest und formulierten ihre mit dem Projekt verbunden Ziele und

Erwartungen.

4. Sie formulierten die Projekteinladung an die Künstlerinnen, in welcher die erlaubten

Techniken, Formate der Exponate, der Einsendeschluss und der Themenkreis Menschenwürde-

Demokratie-Menschenrechte beschrieben waren.

Interessierte Schülerinnen konnten am Projekt mit einem eigenen Exponat teilnehmen.

5. Weiterhin beschäftigten sie sich mit der Ausschreibung und dem Versand im Internet und per

Post sowie mit der Präsentationsform in der Öffentlichkeit, dem Ausstellungsort: dem Foyer des

Verwaltungsgericht Minden und dessen spezifischen Anforderungen für eine Ausstellung.

B) MODUL 2

Zeitrahmen: Ende Oktober 2012

6. Nach einigen Wochen trafen alle Exponate ein. Die Schülerinnen machten sich über die

Sichtung. Sie erarbeiteten Kriterien und Parameter für die Auswahl und zogen ein Zwischenresümee.

Die Vielfalt und Schönheit der künstlerischen Beiträge aus den Kulturkreisen aus aller Welt war

beeindruckend.

Die Schülerinnen erhielten im Projekt wenige Vorgaben. Eine der wenigen Anregungen von unserer

Seite war es, die im Entstehen begriffenen Mail-Art-Szene in Schwarzafrika und die sehr lebendige in

Nordafrika zu kontaktieren und zu motivieren, am Projekt teilzunehmen. Hintergrund dafür ist die

Funktion von Mail Art in diktatorischen politischen Systemen: sie hilft, nicht staatlich organisierten

Künstlerinnen ein Fenster in die Demokratie und/oder Erste Welt offen zu halten.

7. Planungsstand von Präsentation, Ausstellung und Dokumentation

Von besonderer Bedeutung war in diesem Arbeitsschritt die Erstellung der Dokumentation der

Ausstellung. Sie muss auf verschiedenen Ebenen leistbar und leicht zugleich auf dem elektronischen

und konventionellen Postweg verschickbar sein.

8. An diesem Zeitpunkt kam für die Schülerinnen die Erfahrung der internationalen

Netzwerkstrukturen der Mail hinzu. Sie wurden ab diesem Zeitpunkt Teil eines internationalen Kunstund

Kulturbetriebs, zugleich als Sender und Empfänger. Sie umgingen so den konventionellen

Kunstmarkt. Facebook, Xing und andere digitale Social Networks existieren auch in der Kunstwelt -

eine ganz neue Erfahrung.

In der Regel entstehen in Projekten wie diesem langjährige persönliche und Arbeitsbeziehungen.

Diese Effekte wünschten wir uns auch für dieses Projekt.

9. Ablaufs- und Planungskorrekturen sind in dieser Phase obligatorisch. Die Schülerinnen

glichen ihre eigenen Wünsche und Visionen mit der Qualität der eingesandten Beiträge ab.

C) MODUL3

Zeitrahmen: Mitte Dezember 2012

10. Vorstellen der individuellen Erfahrungen und Rückläufe zu A2)

Die unterschiedlichen Projektdokumentationen gingen inzwischen ein, denen die Schülerinnen sich

selbst als Künstlerinnen im September 2012 beteiligt hatten. Aus dem Vergleich der Vielfalt, Formen

. und Qualitäten entwickelten sie eine eigenständige Form der Dokumentation ihres Projektes "Alles

was R(r)echt ist".

11. Sichtung, Sortierung, Gruppierung der Eingänge

Die Schülerinnen entwickelten das Layout des Ausstellungskataloges und produzierten ihn in

Gemeinschaftsarbeit.

12. Exploration individueller Hintergründe der Teilnehmerinnen

Die Schülerinnen sammelten Informationen über die biografischen Hintergründe der Künstlerinnen

und stellten diese in den zeithistorischen, politischen und soziokulturellen Zusammenhang.

Kunst vermittelten wir als Vehikel für Inhalte, auch politische.

13. Aufbereitung der Ausstellung: Ausstellungsort, Ausstellungstechnik, Koordination mit dem

Ausstellungsträger Verwaltungsgericht, Interaktion mit dem Ausstellungstraum, hier: Foyer und Flure

des Gerichtes in Minden.

14. Öffentlichkeitsarbeit: Die Schülerinnen lernten den Umgang mit den Medien. Sie erstellten

dafür eine kleine Pressemappe print/digital und luden die lokalen Medienvertreter zum

Pressegespräch ein. Soziale Netzwerke im Internet spielten in der Öffentlichkeitsarbeit ebenfalls eine

wichtige Rolle spielen. Fest eingeplant war die Berichterstattung durch die lokale Presse nach

Planungsschritt B7)

15. Archivierung: Nach den Regeln der Mail Art behielten die Schülerinnen die eingesandten

Exponate.

Fünf Exemplare des Ausstellungskataloges wurden dem Kommunalarchiv übergeben.

16. Fazit, Lernzielkontrolle, Perspektive, Vernetzung

Wir fragten das persönliche Fazit der Schülerinnen einzeln ab: Habe ich etwas gelernt? Was habe ich

gelernt? Werde ich an einem solchen Projekt nochmal teilnehmen? Hat es Spaß gemacht? Würde ich

dieses Projekt weiter entwickeln wollen? Werde ich mich im kennen gelernten Netzwerk weiterhin

bewegen? Würde ich dort ein anderes Thema behandeln?

Werde ich selbst als Künstlerin an einem künftigen anderen Mail-Art-Projekt teilnehmen? Beeinflusst

die Teilnahme an diesem Projekt meine Weitsicht und künftige Berufswahl?

Die Antworten auf die Fragen waren erwartungsgemäß vielschichtig.

Tenor bei den Schülerinnen: spannende Aufgabe, mal was ganz anderes, würden die meisten

jederzeit wieder machen wollen

Fazit der Lehrerin: sehr gute Zusammenarbeit zwischen den beteiligten Institutionen.

Fazit des Verwaltungsgericht: wir machen weiter mit Mailart und dem Kulturzentrum BÜZ!

Fazit des Kulturzentrum BÜZ: das Projekt hat uns so gut gefallen, dass wir ein neues Projekt daraus

entstehen lassen: eine Wanderausstellung!

Das Projekt ist in die Endrunde des Wettbewerbes "Kinder zum Olymp!" gekommen.

Vielleicht werden wir Preisträger?

 

 

Antrag Nr. 22: Stephan Us Münster – Steal the pixel 2

 

Prolog:

Klick Klick. Simulierte Bilder fluten in Magazinen auf Hochglanz, digital oder Ökopapier und zeigen

uns scheinbar sichtbar berechnetes Unsichtbares und erklären es zur Wahrheit. Klick Klick. Auf

YouTube baut Jeder an Jedem sein your cube und top ist, wer geklickt ist. Wir flyern für jede

Wichtigkeit, auf FaceBook twittern wir uns Freunde ansammelnd mit individualisierten Bildern zum

Hallo!? Hallo! Ja, hier! Könnt Ihr mich sehen? Klick. Alles schreit nach Präsenz, nach dauerwahnhaft

zeitloser Präsenz. Jeder vernetzt beschäftigt mit seiner Re-Präsentation und dann schauen die Bilder

die Bilder die Bilder die Bilder an als permanente Wiederholung einer Präsenz, die in ihr zum

Widerschein, wenn nicht gar zum trügerischen Schein eines Trugbildes wird. Und geprägt durch diese

Bilder-Welt / dieses Welt-Bild spiegeln wir uns darin und erkennen das Abziehbild unseres Selbst. Das

Bild jetzt als Kopie, als Simulation oder Doppelgänger unseres (vernetzten Allein-Viel-Abwesend-)

Seins? Was braucht ein Bild zum Sein? Jetzt.

Steal the pixel 1:

Längst haben wir in der Bilderwelt dank der heutigen Bildgenerierung von interpretierenden

Computerprogrammen, den Raum des Sichtbaren verlassen, um in den Bereich des Unsichtbaren

(aber nicht deshalb Metaphysischen) vorzustoßen, produzieren aber paradoxerweise mehr Bilder des

Seins als denn je, um uns sichtbare Weltbilder zu schaffen. In dieser überfüllten Präsenz der Bilder

werde ich mit der „Abwesenheit, als Urbedingung des Bildes“ (Hans Beltling, Bild-Anthropologie 2002)

aktionistisch experimentieren, um das „Abwesende präsent zu machen, als ob das Wiederkehrende

dasselbe wäre, ja manchmal sogar besser, intensiver, stärker, als wenn es dasselbe wäre“ (Louis

Marin: Von den Mächten des Bildes 2007). Diese aktionistischen Versuchsanordnungen zur

Dekonstruktion des Bildes als Bild im digital -analogen -öffentlichen Raum betrachte ich als

permanente prozesshafte Baustelle. Das Fundament dieser Baustelle sind folgende vier Thesen:

1. steal the pixel – Die Abwesenheit als Bedingung des Bildes

2. steal the pixel – Das Bild ist mehr als reine Sichtbarkeit

3. steal the pixel – Der Ort des Bildes ist anderes als der Körper des Blickenden

4. steal the pixel – Du sollst Dir kein Bild machen

Unter dem Titel steal the pixel arbeite ich seit Mai 2011 auf, an und mit diesem Fundament in

aktionistischen Versuchsanordnungen zum Thema Abwesenheit.

Steal the pixel 2:

Ab Mai 2012 sollte steal the pixel dann nahtlos weitergehen, sich weiter in die Bilderwelt einmischen

und am Selbst-Bild nagen. Leider gab es durch die Neuwahlen im Land NRW einige Unsicherheiten

bezüglich des Landeshaushalts, damit auch einige terminliche Änderungen im Projekt.

Steal the pixel – Versuchsanordnung 2

Take down your pictures!

Ort: weltweit

Dokumentation: www.stealthepixel.de

Art: Aktion mit Partizipation –Netzwerk

Start: Juni 2012

Zeit: permanent

Ein öffentlicher Aufruf unter dem Titel „Take down your pictures“ wird in den digitalen Netzwerken wie

FaceBook, Twitter, YouTube, Rhizom etc. platziert und weltweit gestreut. Der Aufruf fordert dazu auf,

seine Bilder, egal ob im Büro, daheim, im Hotel, im digitalen Raum, …. überall… die Bilder

abzuhängen. Vom Ort dieser bilderlosen Anwesenheit soll ein Photo gemacht werden. Diese Photos,

dokumentarische Texte, etc. werden von den Akteuren sowohl auf die jeweilige Plattform eingestellt

als auch an mich geschickt. Ich bündele chronologisch alle Aktivitäten, Photos, Texte rund um „Take

down your pictures“ auf eine eigene virtuelle Plattform. Seit Mai 2011 findet die Aktion statt und wurde

permanent im Rahmen des Projektes in 2012/13 fortgesetzt. Insgesamt haben über 90 Menschen an

„Take down your pictures!“ mit über 160 Photos und Texten von Istanbul bis Helsinki, von Warschau

bis Amsterdam teilgenommen.

steal the pixel – Versuchsanordnung 3

The view

Ort/Kooperationen: Dynamo Expo, Enschede, Niederlande, Bürgerzentrum Schuhfabrik Ahlen in

Kooperation mit Fritz Winter Gesamtschule Ahlen, Reset-Festival, Münster, In-Transit, Ostbahnhof

Berlin, LVHS Freckenhorst

Art: Aktion mit Partizipation – 5 Ausstellungen im öffentlichen Raum

Dokumentation: www.stealthepixel.de

Start: September 2012

Zeit: September 2012 – Februar 2013

In der Serie "The view" blicken Menschen dem Betrachter abgewandt in den grenzenlosen Raum von

offenem Meer und freiem Himmel. Von dieser Aktion mache ich jeweils ein Photo, immer in gleicher

Position, die Augenhöhe des Betrachters auf der gleichen Höhe des Horizonts. Diese Photos werden

als Plakate digital ausgedruckt und im öffentlichen Raum als Plakatausstellung realisiert. Die Farben

des Ausdrucks sind nicht lichtecht und verändern über den Ausstellungszeitraum ihre Farben,

bleichen aus bis fast nichts mehr zu sehen ist. Ein für den Betrachter romantischer sich öffnender

Raum, der sich ihm gleichzeitig im mehrfachen Sinne auch wieder verwehrt.

Ausstellungen The view:

1. The view – Kunstmeile Enschede - öffentlicher Raum in Zusammenarbeit mit Dynamo Expo

Enschede 9. September 2012 – bis alle Bilder verschwunden sind

2. The view – Fußgängerzone Ahlen - öffentlicher Raum in Zusammenarbeit mit Bürgerzentrum

Schuhfabrik Ahlen in Kooperation mit Fritz Winter Gesamtschule Ahlen

25. September 2012 – bis alle Bilder verschwunden sind

3. In Transit – Der Blick des Anderen – Ausstellung im Rahmen des 5. Europäischen Monats der

Fotographie in Berlin – Bahnhof Ostkreuz 17. Oktober – 30. November 2012

4. The viewReset Festival 4 –Ausstellung “Freizeichen” im Rahmen des Reset4-Festivals in

der Clubschiene. Alter Güterbahnhof öffentlicher Raum, Münster 10.- 16. November 2012

5. Die Präsenz der Abwesenheit – Landvolkshochschule Freckenhorst - öffentlicher Raum, 9.

Januar – 17. Februar 2013

Alle Ausstellungen sind sehr positiv besprochen worden und wurden von vielen Menschen irritiert,

neugierig und interessiert wahrgenommen.

steal the pixel – Versuchsanordnungen 13 - 16

Selbst – Bild - 5 Versuchsanordnungen - Aktionen, Interventionen und Performances

Start: ab Oktober 2012

Zeit: über den Projektzeitraum verteilt

Dokumentation: www.stealthepixel.de

In 5 Versuchsanordnungen wird die Abwesenheit in Bezug zum Selbst – Bild aktionistisch in

Interventionen und Performances bearbeitet. Vom verletzten kranken Körper, der in unserer

Gesellschaft quasi abwesend ist, bis zu den Starallüren und verschobenen Selbstbildern in den

sozialen Netzwerken: es wurde am Selbst-Bild genagt.

Versuchsanordnung 13 – 1000 points

Aktion im öffentlichen Raum und Verkaufsaktion

Start: April 2012

Zeit: seit April 2012 permanent

Ausstellungen: Open house 2012, LVHS Freckenhorst

Gedanken, vorüber fliegende Bilder, kaum greifbare Innenwandprojektionen aus dem Lebensfluss der

Bewegungen des Innen und Außen in meinem Synapsennetzwerk.

Jeder kennt es: Ein Gedanke manifestiert sich als Satz im Kopf. Immer wenn dies bei mir passiert und

ich gleichzeitig Zeit und Muße habe, setze ich an dem Ort des Geschehens einen Punkt, der am Ende

eines Satzes steht. Diese öffentliche Punktsetzung dokumentiere ich mit einem Photo, den

Koordinaten des Ortes, dem Datum und der Uhrzeit, dem Wetter und was mich sonst Interessantes

umgibt. Aus diesen dokumentarischen Informationen erstelle ich eine Graphik. Den Gedanken vor

dem Punkt schreibe ich einmalig auf und er verschwindet in einem Umschlag. Die 1000 points

Graphiken verkaufe ich dann jeweils für 100 €. Auf dem Umschlag mit dem gedankenvollen Inhalt

schreibe ich die persönlichen Daten des Käufers. Der Käufer nimmt die Punktgraphik mit nachhause

und der Umschlag wandert zum Notar. Erst nach meinem Tod wird der Umschlag an den Käufer oder

dessen Erben ausgehändigt.

Ein Spiel um Abwesenheit, Gedanken, das Vergessen und die Ursubstanz von schöpferischem Tun

und Bildern beginnt.

Versuchsanordnung 14 – Happy Birthday!

Self images II - Performance

Ein Mann sitzt allein an einer langen Tafel - festlich gekleidet und die weißen Tischdecken gestärkt. Er

hat Geburtstag, wird 47 Jahre alt und sitzt da. Sonst Nichts. Was passiert? Kommen noch Gäste?

Feiert mit ihm jemand Geburtstag? Fängt jemand an den Raum zu dekorieren? Bringt jemand Wein

und Gläser, Teller, Besteck und Essen mit? Und für wie viele? Gibt es ein Geburtstagsständchen?

Geschenke? Geburtstagskuchen? Musik? Eine Orgie, ein rauschendes Fest? Wer ist Gast? Oder

passiert einfach nichts?

Ein performatives Experiment, in dem sich Inszenierung, Kunst, Alltag, Natürlichkeit und

Selbstdarstellung mit den Gästen die Hand reichen.

Ort: Blackbox, Achtermannstr. 10, 48143 Münster

Zeit: 16. Januar 2013, 20 Uhr

Versuchsanordnung 15

Sieh unter Deine Füße!

Orte: Schlossplatz Münster - Münster AaseegeländeGezi Park Istanbul

Art: Schild-Intervention

Zeit: seit Oktober 2012

Ein klassisches Blechschild mit dem Text Sieh unter Deine Füße! wurde insgesamt in drei

Interventionen an drei verschiedenen Orten installiert. Der Verweis auf den eigenen Weg, dem

demütigen Selbstbild und dem Sein.

Versuchsanordnung 16

Um sich im Wasser zu spiegeln, muss man sich beugen.

Orte: Münster Aaseegelände – Spree Nähe Reichstaggebäude, Berlin

Art: Schild-Intervention

Zeit: seit Oktober 2012

Ein klassisches Blechschild mit dem Text Um sich im Wasser zu spiegeln, muss man sich beugen.

wurde insgesamt in drei Interventionen an drei verschiedenen Orten installiert. Der Verweis auf ein

demütiges Selbstbild und dem Sein.

Abschlussausstellung Die Präsenz der Abwesenheit

Dokumentation der steal the pixel – Versuchsanordnungen

Ort: Landvolkshochschule Freckenhorst - öffentlicher Raum

Zeit: 9. Januar – 17. Februar 2013

In der Ausstellung Die Präsenz der Abwesenheit in der LVHS Freckenhorst wurden fast alle Arbeiten,

die in steal the pixel 1 und 2 entstanden sind gezeigt (siehe beigefügte Presseartikel).

Insgesamt war das Projekt steal the pixel 2 ein voller Erfolg. Es hat viele Menschen so erreicht, dass

sie ihren Blick auf die Welt und ihr Weltbild ein wenigstens kurzzeitig geändert haben.

 

 

Antrag Nr. 24: Theater Sycorax Münster – Lohnarbeit und Liebeslied – integratives Theaterprojekt

 

Anfang 2012 stellten Paula Artkamp und Manfred Kerklau in einem mehrtägigen Workshop die Arbeit von Theater Sycorax neuen Interessierten vor. Der Workshop war über die Presse und über den Kontakt zu verschieden sozialpsychiatrischen Einrichtungen bekannt gemacht worden.

Der Workshop war gut besucht, die Teilnehmer waren begeistert und sieben der Teilnehmer entschieden sich, in das neue Theater Sycorax Projekt einzusteigen.

Mitte Februar starteten wir das Projekt „Lohnarbeit und Liebesleid“ mit vier SpielerInnen aus den letzten Sycorax Produktionen und den sieben Neueinsteigern.

Auf diese Weise realisierte sich unser Anspruch, möglichst vielen von psychischer Krankheit betroffenen Menschen die Arbeit von Theater Sycorax zu ermöglichen und nicht immer mit einer festen, konstanten Gruppe zu arbeiten.

Geprobt wurde einmal wöchentlich drei Stunden im Probenzentrum des Theaters im Pumpenhaus. Zudem gab es sechs Kompakt Probe -Wochenenden und nebenher Einzelproben.

Zu Beginn der Probenarbeit wurde sich intensiv mit der Stückvorlage auseinandergesetzt. Neben ausführlichen Leseproben, Diskussionen über den Inhalt der verschiedenen Szenen und der Rollenverteilung bildete die praktische Vermittlung von schauspielerischen Grundlagen einen weiteren Schwerpunkt der Arbeit.

Aufgrund des zeitlichen Aufwandes bzw. wegen privater Schwierigkeiten stiegen leider drei der Neueinsteiger in dieser ersten Phase aus.

Das Ensemble bestand nun aus acht Spielenden (3m; 5w) mit einem Alterspektrum von 22 bis 65 Jahren. In der nächsten Phase wurden die Szenen entwickelt, ausgebaut und immer weiter verfeinert. Die zu bewältigende Textmenge war für einige der Spielenden neu. Zudem erforderte die auf Sprachwitz aufgebaute Vorlage ein schnelles sprachliches Reagieren. Dies verlangte viel an Übung, machte den Beteiligten aber sichtlich Spaß.

Das Tabuthema Suizid und die makabere Art und Weise wie in dem Stück von Frau Kaptein mit der Selbstmordthematik gespielt wird, war für einige der Mitwirkenden zunächst eine Herausforderung. Doch während der Proben wurde von den Beteiligten mehrfach betont, wie wichtig es ist dieses Thema an die Öffentlichkeit zu bringen und wie erfrischend der spielerische, respektlose und kreative Umgang mit solch einer schweren Thematik sein kann.

Bis zur Sommerpause im August waren die Szenen weitestgehend angelegt. In der Endphase von September bis November wurde an der Vertiefung der Szenen und am Feinschliff gearbeitet.

Der Premiere am 13. November 2012 folgten 3 weitere Aufführungen an den nächsten Tagen.

Alle Aufführungen waren sehr gut besucht und das sichere, ausdrucksstarke Spiel der Darsteller wurde allgemein gelobt.

Für die Schauspieler von Theater Sycorax waren die Aufführungen von entscheidender Bedeutung. Das Erarbeitete zu präsentieren, mit all den Unsicherheiten, wie es beim Publikum ankommen mag, erfordert ein hohes Maß an Überwindung von Selbstzweifeln, die bei Menschen mit psychischer Erkrankung sehr ausgeprägt sind. Der Erfolg der Aufführung, das äußerst positive Feedback, der Spaß am Spiel und der gute Gruppenzusammenhang war für alle Beteiligten eine große Belohnung.

In der Nachbesprechung zur Produktion gaben mehrere der Mitspieler die Rückmeldung, wie wichtig ihnen die Theaterproben und der Kontakt mit der Gruppe war und wie hilfreich die Theaterarbeit für manche Situationen in der Alltagsbewältigung ist. (Mehr Selbstsicherheit, eher mal Nein sagen können etc.)

Aufgrund der sehr positiven Resonanz wird das Stück im Juni 2013 wieder im Theater im Pumpenhaus mit vier Aufführungen aufgenommen.

Die Projekt Ziele:

 - Erarbeitung eines Theaterstückes mit Menschen, die den Hintergrund einer psychischen Erkrankung haben, unter professionellen, künstlerischen Rahmenbedingungen und anschließenden Aufführungen im Theater im Pumpenhaus

 - das Tabuthema Suizid an die Öffentlichkeit zu bringen

 - Münster als einen wesentlichen Standort für darstellende Kunst von Menschen mit psychischer Erkrankung zu festigen

 - Förderung von sozialer Kompetenz, Selbstbefähigung, Empowerment, sowie des kreativen Potentials von Menschen mit psychischer Erkrankung

 - Abbau von Diskriminierung und Stigmatisierung – Inklusion

sehen wir als erreicht und erfolgreich umgesetzt.

 

 

Antrag Nr. 24: Berliner Kunstverein Münster – Kritische Masse: Open call

 

Anfang Oktober 2012 startete der Berliner Kunstverein die Ausschreibung seines Wettbewerbes "Geld und Energie" bei seinen 5000 Facebookfreunden. Die Resonanz auf die Ausschreibung war gut, jedoch blieben die Wettbewerbsbeiträge in ihrer Anzahl etwas hinter unseren Erwartungen zurück. Nach Ende der Einreichungsfrist tagte die Jury bestehend aus Kunsthund Bobby(R.I.P.), dem Kurator Ruppe Koselleck und dem Direktor Oliver Breitenstein. Nach harter, intensiver Sitzung einigte sich die Jury auf Sophia Hirsch und Johannes Mundinger als Preisträger.

Im Februar zeigten die beiden die ausgezeichnete Arbeit "Hamster YEAH" in den temporären Räumlichkeiten des BKV in der Von Vinckestraße. Im Vorfeld, aber besonders nach der Veröffentlichung der Installation in Presse und bei Facebook kam es zu regen Diskussionen mit den Hamsterfeunden, die Installation als Tierquälerei bezeichneten und ein Shitstorm wehte durch die virtuellen Hallen des BKV. Zugleich stellten auch andere die Frage, warum die Stadt Geld für so etwas bezahle.

Hier muss man sich zu fragen beginnen, ob Kunst überhaupt demokratisierbar ist oder ob sie nicht per Definition ein elitäres Feld ist, das sich dem normalen Bürger verschließt, da er zu sehr in Sach- und Verblendungszwänge des Kapitalismus eingebunden ist.

Die Ausstellung selber wurde vor Ort gut angenommen, so waren besonders Kinder, Kitagruppen und Schulklassen, durch den niedrigschwelligen Ansatz der Arbeit sofort fasziniert. Aber genauso fasziniert erlagen Erwachsene der charmanten Kombination aus Kuscheln, Spiel und Marx.

Durch die Pressearbeit berichteten diverse Medien, wie Sat 1 oder BLA über das Projekt. Dadurch wurde das Projekt breit rezipiert und ist abschließend als Erfolg zu werten, obwohl die kritische Masse letztendlich ausblieb. Außer die der Tierfreunde: die zur Finisage eigens zur Rettung der Tiere angereisten Mitarbeiter der Hamsterfreude e.V. aus Hagen und Essen sprechen für eine starke Wirkung des Projektes.

Insgesamt erzielte das Projekt so eine erfolgreich die Aufmerksamkeit diverser Gruppen und wird von uns abschließend positiv bewertet.

 

 

Antrag Nr. 28: Kulturzentrum BÜZ Minden – Zweites Literaturfest Minden

 

Idee des Projektes:

Das erfolgreiche „Erste Literaturfest Minden“ im Herbst 2010 ermutigt uns als Veranstalter, das „Literaturfest Minden“ zu einer festen Einrichtung als Biennale werden zu lassen. Das Literaturfest überzeugte durch die inhaltliche Qualität, die weit verzweigte Vernetzung in Mindens Schul-, Kultur- und Literaturlandschaft, die hervorragende Umsetzung des Konzeptes und nicht zuletzt den unsere Erwartungen deutlich übersteigenden Besucherzuspruch.

Wir möchten mit dem „Zweiten Mindener Literaturfest“ ein Wochenende lang gemeinsam mit den Mindenern feiern und der Freude am Spiel mit den Wörtern Ausdruck geben. Mit dem ersten Fest seiner Art in Minden im Jahre 2010 konnten wir alle Teilnehmer begeistern und Interesse am Lesen und selbst Schreiben wecken. Unser Schwerpunkt war damals, der kulturellen Bildung verpflichtet, „Kinder- und Jugendliteratur“.

Das Zweite Literaturfest wird von einem neuen Schwerpunkt geprägt sein: Literatur von und für Menschen mit Migrationshintergrund. Die Kinder- und Jugendliteratur wird ihren Platz behalten. Der neue Schwerpunkt wird die Beiträge zur Kinder- und Jugendliteratur beeinflussen.

Art der Veranstaltung:

An verschiedenen Orten in der Innenstadt von Minden drehte sich alles um Wörter, Texte und Bücher. Neben klassischen Lesungen durch Autorinnen und Autoren, Poetry-Slams, Schreibwerkstätten und Leserampen in verschiedenen Örtlichkeiten boten wir eine Minipressenmesse an, es gab Buchdruckworkshops und Veranstaltungen mit Musik und Text sowie eine Ausstellung mit Buchillustrationen und eine Kombination aus Skulpturen und Texten.

Adressaten:

Die Veranstaltung richtete sich an alle Generationen, auf Kinder und Jugendliche richteten wir unser besonderes Augenmerk. Eine ganz besondere Rolle als LiteratInnen und Publikum wollten wir unseren MitbürgerInnen zuschreiben, die ursprünglich nicht aus Deutschland stammen. Wir luden sie über verschiedene Wege öffentlich ein, beim Literaturfest als BesucherInnen oder aktiv als LiteratInnen teilzunehmen.

Das „Erste Literaturfest Minden“ bewarben wir regional und im deutschsprachigen Raum.

Ziele des Projekts:

Mit der Veranstaltung

- ermöglichten wir die Begegnung mit AutorInnen verschiedener Ethnien und Kulturkreise

- öffnen wir kulturelle Horizonte

- förderten wir interkulturelle Kompetenzen

- boten wir unseren ausländischen MitbürgerInnen ein neues kulturelles Forum

So würde ich es gerne in den Sachbericht schreiben. Die Wirklichkeit gestaltete sich anders.

Wir sprachen die MigrantInnen vor allem an im Integrationsrat, über den Integrationsbeauftragten der Stadt Minden sowie in ihren verschieden Kulturvereinen dieser Stadt. Es schien, als ob sie unser Anliegen fast völlig ignorierten, wir kein Interesse an ihrer Teilnahme wecken konnten. Der Weg der persönlichen Ansprache von Freunden und Bekannten war natürlich sehr viel erfolgreicher, genauso wie auch die Bewerbung im Internet auf fachspezifischen Seiten, Blogs und Foren auf größeres Interesse von LiteratInnen stieß und wir einige AutorInnen nach Minden einladen konnten. Im Ergebnis waren ca. zehn LiteratInnen von ca. 50 insgesamt auf dem Literaturfest aktiv. Ihre Lesungen wurden recht gut frequentiert. Ein Austausch zwischen Publikum und den AutorInnen auf dem Fest fand nicht statt, da sie nach ihren Lesungen sofort den Heimweg antraten.

Die positive Ausnahme in dieser Beziehung war die internationale Wohnzimmerlesung. Hier ging unser Konzept auf:

- ermöglichten wir Kindern und Jugendlichen einen unmittelbaren, spielerischen Zugang zu Literatur

- förderten wir eigene Kreativität im Umgang mit Wörtern und Texten

- stellten wir den persönlichen Kontakt zwischen Autorinnen, Autoren, Verlagen und Publikum her. Das Literaturfest wurde als Kontaktforum und Informationsplattform wahrgenommen und genutzt.

- sollten die Grenzen zwischen dem konventionellen und dem experimentellen, performativen Umgang mit Literatur und Texten durchlässiger werden

- wurde die Stadt Minden als lustvoller Spielort für Literatur erlebbar.

Die hier formulierten Ansprüche an unser Fest und Zielsetzungen konnten wir erfüllen. In der Umsetzung nahmen wir in verbesserter Form erprobte Formate, die schon beim ersten Literaturfest vor zwei Jahren Kinder und Jugendliche beim Literaturfest zu jungen SchriftstellerInnen werden ließen: diverse Workshops auf der Minipressenmesse, Projekttage in einer Schule, Poetry-Slams für die unter 20-jährigen („U20-Slam“). Die verwendeten Formate können heute als in der Stadt etabliert bewertet werden. Das Kulturzentrum BÜZ konnte sich in der kulturellen Bildungslandschaft in Minden erneut sehr gut positionieren.

Zeitraum der Durchführung:

Freitag 09. März bis Sonntag 11. März 2012

Wir waren an vielen Orten:

Bessel-Gymnasium, Buchhandlung Hagemeyer, Café de L´Opera, Fußgängerzone Mindener Innenstadt, Hamburger Hof, Kulturzentrum BÜZ, Saal "Scala" des Victoria Hotels, Privatwohnungen, Stadtbibliothek Minden, Treffpunkt Johanniskirchhof, Literaturbus der Deutschen Bahn auf dem Marktplatz.

Wir waren inhaltlich, konzeptionell und methodisch innovativ! :

Das Literaturfest Minden ist nach unserem Kenntnisstand die erste literarische Veranstaltung in Minden, welche konventionelle und experimentelle Ausdrucksformen der Literatur gleichberechtigt nebeneinander und gegenüber stellte. Wir boten AutorInnen, Publikum, Verlagen und VeranstalterInnen in einem einzigen Veranstaltungsformat sehr unterschiedliche Wege der Wahrnehmung und Rezeption von Literatur an.

Wir wirkten methodisch innovativ, indem wir zum Beispiel

- geschlossene KulturRäume verließen und den öffentlichen Raum wie z.B. die Fußgängerzone in der Innenstadt, als Forum für literarische Darbietungen nutzen.

Wir waren konzeptionell innovativ, indem wir zum Beispiel:

- viele Partner ins Projekt holten, die bis dato keine oder nur wenig gemeinsame Berührungspunkte in der literarischen Arbeit hatten.

Wir waren inhaltlich innovativ, indem zum Beispiel

- in verschiedenen Schulen und Bildungsinstitutionen Mindens die SchülerInnen, angeleitet von erfahrenen Pädagogen, im Laufe des Schuljahres eigene Texte erarbeiten wurden. Im Zuge des Literaturfestes präsentierten sie die Texte der Öffentlichkeit in etablierten Veranstaltungsstätten und in der Fußgängerzone.

Wir vernetzten uns! :

Die Kooperationspartner sind:

- Integrationsrat der Stadt Minden

- Stadtbibliothek Minden

- Bessel-Gymnasium Minden

- Treffpunkt Johanniskirchhof

- Kulturbüro der Stadt Minden

- Kulturzentrum BÜZ

Die engagierten Einzelpersonen sind:

- Birgit Oldenburg

- Peter Küstermann

- Angela Pähler

- Andrea Gehreke

Wir schufen Synergien! :

Bestehende Partnerschaften zwischen den verschiedenen Institutionen wurden vertieft und gestärkt. Neue Partnerschaften wurden geschaffen und erprobt.

Wir trugen positiv zur Profilbildung der Stadt Minden bei! :

„Das kulturelle Profil der Stadt Minden wird geschärft und erweitert. Dem aktuell hohen Stellenwert der Literatur in Minden bieten wir ein neuartiges Forum. Wir wollen das "Literaturfest Minden" nachhaltig etablieren und zu einer festen Größe in der lokalen und regionalen Literaturlandschaft etablieren.“

So schrieb ich, angesichts der Verhältnisse und Gegebenheiten zu Beginn des Jahres 2011, in der Antragsbegründung für Ihre Fördermittel.

Ich erlebte das Literaturfest anders. Literatur hat in Minden zurzeit nicht mehr den Stellenwert, wie noch 2010. Literarische Vereine schränkten ihr Engagement ein, Veranstalter zogen sich zurück. Als Ursache dafür sind sicher die geringer werdenden finanziellen Mittel zu sehen, die für einen gut funktionierenden Literaturbetrieb notwendig wären. Eine Folge davon dürfte auch das schwindende Interesse des Publikums an literarischen Veranstaltungen sein. So haben wir unser Ziel, die Besucherzahl auf unser Fest auf 3.000 Personen zu heben verfehlt. Es kamen etwas weniger viele wie 2010 zum ersten Fest: 1.200 zu 50 Veranstaltungen. Dieses Ergebnis stimmt uns sehr unzufrieden.

Wir integrierten? :

Wir luden AutorInnen mit Migrationshintergrund aus Minden und der Region dazu ein, mittels Lesungen aus ihren Werken für Verständnis und Toleranz für Kulturen zu werben, die hier vor Ort gemeinsam oder im Nebeneinander mit der deutschen Mehrheitsgesellschaft leben.

Es auch AutorInnen aus anderen Ländern bzw. Kulturkreisen nach Minden an.

Alle geladenen AutorInnen erhielten die Vorgabe, aus ihrem Werk Texte vorzutragen, in denen Interkulturalität in ihren verschiedenen Facetten die wesentliche Rolle spielt.

Leider kamen zu diesen Lesungen fast ausschließlich Landsleute der LiteratInnen. Deutsche blieben diesen Veranstaltungen fern. Immerhin: Migranten überquerten die Schwellen von Kulturinstitutionen. Andernorts ist das inzwischen etwas ganz Alltägliches. In Minden ist es noch etwas Außergewöhnliches.

SchülerInnen aus Workshops zum Kreativen Schreiben mit Migrationshintergrund nahmen an den verschiedenen Poetry-Slams und Schreibwerkstätten teil, zum Beispiel auch auf unserer Buchmesse.

In ihren Texten spiegelte sich wird sich ihre Mindener Lebenswelt.

Wir berücksichtigten aktuelle gesellschaftliche Entwicklungen! :

In unserem Projekt berücksichtigen wir den sozialen und demographischen Wandel in unserer Gesellschaft. Wir erhoben, wie schon beim Literaturfest 2010, keinen Eintritt.

Wir erreichten so auch Menschen mit schwachem finanziellem Hintergrund.

Wir berücksichtigen den intergenerativen Aspekt, indem zum Beispiel:

das "Seniorenzentrum" Treffpunkt Johanniskirchhof im Rahmen des Projektes eigene Lesungen veranstaltete. Die Veranstalterin und Leiterin legte großen Wert darauf, diese Lesungen programmatisch nicht explizit als Lesung "von Senioren für Senioren" anzulegen. Vielmehr lud sie alle Generationen dazu ein, sich aktiv und passiv daran zu beteiligen.

Der Poetry-Slam im Kulturzentrum war in seiner Grundkonzeption intergenerativ angelegt. Die Vorrunden der Slam-Olympiade wurden im Treffpunkt Johanniskirchhof (Seniorenzentrum) ausgetragen.

Wir stellten auch Kinder und Jugendliche in den Mittelpunkt! :

Wie schon beschrieben, richteten sind viele Veranstaltungsformate des "Zweiten Literaturfest Minden" speziell auf die aktive Beteiligung von Kindern und Jugendlichen aus.

Zusätzlichen Raum fanden Jugendliche im "U 20-Poetry Slam". Hier präsentierten Jugendliche in der Altersgruppe 14-19 Jahre ihre selbst verfassten Texte und kämpften um einen eigenen Siegerpokal.

Poetry Slam als Möglichkeit des sprachlichen und performativen Ausdrucks in vielen weiter führenden Schulen in Minden fester Bestandteil im Deutschunterrichtes der oberen Jahrgangsstufen. Diesen Unterricht führen der Slam Master des BÜZ oder von ihm instruierte LehrerInnen durch.

Wir führten das „Zweite Literaturfest Minden“ nicht zum Selbstzweck durch!

 

Wir arbeiteten institutionell und organisatorisch Minden umspannend und sprachen als Publikum alle an, die an Literatur Interesse haben!

Planung, Organisation und Durchführung des „Zweiten Literaturfest Minden“ oblagen dem Kulturzentrum BÜZ.

Fazit:

Das Literaturfest Minden werden wir in dieser Form nicht mehr durchführen. Zuviel der gesteckten Ziele konnten wir nicht erreichen.

- Migrationsliteratur als großer Schwerpunkt des Festes wurde vom Publikum kaum wahr genommen

- Die Besucherzahlen waren im Vergleich zu 2010 rückläufig; wir wünschten uns ein sehr viel besseres Ergebnis

- Der gesamte Zeitaufwand in der Vorbereitung, Organisation und Durchführung stand in keinem realistischen Verhältnis zum Ergebnis

- Die teilnehmenden Partnerinstitutionen werden aus den genannten Gründen ihr Engagement für ein drittes Literaturfest zurück nehmen

- Unser Fest konnte nur stattfinden, da fast alle der über 50 AutorInnen ohne Gagen und Spesenerstattung aufgetreten sind. Zwangsläufig vermisste das Publikum das eine oder andere Highlight, das mit seinem Namen das Image des Festivals aufgewertet hätte.

Es gibt auch positive Aspekte zu bilanzieren. Hier die wichtigsten:

- Durch das Literaturfest konnten einige Formate in Minden neu etabliert werden, einige Veranstaltungsorte konnten sich profilieren.

- Im Bereich der kulturellen Bildung festigte das Kulturzentrum BÜZ seinen Stellenwert.

- Die Akteure in Mindens Literaturlandschaft sind näher zusammen gerückt und werden im Herbst 2012 gemeinsam ein Konzept für einen literarischen Jahreslauf in Minden erarbeiten, in welchem das ehemalige Mindener Literaturfest weiter leben wird.

- Uns Organisatoren hat es (meistens) viel Spaß gemacht.

 

 

Antrag Nr. 29: Werkhaus Krefeld – 1941

 

Die Ausstellung Juni 1941 – Der tiefe Schnitt stellte 24 Persönlichkeiten vor, für die der Angriff der deutschen Wehrmacht und Ihrer Verbündeten auf die Sowjetunion auf sehr unterschiedliche Weise zu einem tiefen Schnitt in ihrer Biographie wurde. Menschen wurden zu Tätern, Opfern und Zeitzeugen. Die Arbeit mit den Biographien ließ Vergleiche zu heutigen gesellschaftlichen und beruflichen Lebensumständen zu.

Eröffnung mit Dr. Schupetta, NS-Dokumentationsstelle Krefeld

Dr. Cordula Gdaniec,

Deutsch-Russisches Museum Berlin-Karlshorst

Bürgermeisterin Brinner, Krefeld

Ausstellung:

06.03.2012 bis 13.04.2012

Öffnungszeiten: Dienstag bis Freitag 15 Uhr bis 18 Uhr, Donnerstag 15 Uhr bis 21 Uhr, Über 650 Besucher (400 plus 250 Schüler plus 300 Begleitveranstaltungen)

Gruppenbesuche mit individueller Begleitung nach Verabredung (auch außerhalb der allgemeinen Öffnungszeit)

siehe Anlagen zu Inhalten. manche Gruppen kamen mit konkreten Aufgabenstellungen, teilweise gab es zweite Einzelbesuche sowie Rückfragen und Diskussion direkt in der Ausstellung

Themen/Beiträge:

Lehrerfortbildung:

Mittwoch, 7. März 2012, 14:30 Uhr bis 18:00 Uhr,

25 Teilnehmer.

Andreas Weinhold, Photographien als historische Quellen - zum Einsatz von Bildern im Unterricht, Kooperation mit der NS-Dokumentationsstelle und dem Schulamt der Stadt Krefeld

Filmvorführung „Konrad Wolf – Ich war 19“

Donnerstag, 16. März 2012

20 Teilnehmer, Kooperation mit Geschichtswerkstatt Krefeld

Vortrag und Diskussion Helge Drafz

Rettung des Stuka-Schützen Beuys – Ursprung eines Mythos?

Dienstag, 20. März 2012, 19:30 Uhr

55 Teilnehmer, Kooperation mit Villa Merländer e.V.

Der Künstler Beuys wird in Krefeld immer noch gerne umstritten diskutiert. Helge Drafz informierte über Beuys Herkunft und Lebenslauf. Dabei ging er auch auf Zeitströmungen ein. Aufgeklärt wurde über Beuys Rolle in der Zeit des zweiten Weltkriegs, eingegangen auf den Einfluss Heinz Sielmanns auf Beuys sowie auf die Umstände des besagten Flugzeugabsturzes als Bordfunker über der Krim. Zur Zeit des Vortrages gab es eine städtische Diskussion um die Benennung eines Museumsplatzes nach Beuys und Diskurse über das mögliche Verhältnis zwischen Beuys' Geschichtsauffassung und seiner Kunsttheorie.

Beitrag interkultureller Kulturarbeit:

1941: Russische Lieder und Ihre Geschichten

Mittwoch, 21. März 2012,

19:30 Uhr

25 Teilnehmer

Die Musikgleis-Dozentinnen/Werkhaus Jelena Greshukhina (Ukraine), Elena Balaeva (Moskau) und Galina Slutska (Georgien) präsentierten (Klavier und Gesang) Populärmusik aus der Kriegszeit und lieferten dazu Hintergrundinformation. Dabei wurden die durch politische Zusammenhänge determinierten Lebensläufe der Texter und Komponisten beleuchtet, die Protagonistinnen machten durch Angaben zu Ihrer eigenen Herkunft auf die Rolle der einzelnen Länder, gestern wie heute, aufmerksam und bezogen sogar persönlich Stellung zum Thema Einfluss der Politik auf eigene Lebensumstände.

Sonntagsöffnungszeit der Villa Merländer mit Besichtigungsmöglichkeit der Campendonk-Gemälde

Sonntag, 25. März 2012, 14 bis 17 Uhr, Villa Merländer

Georg Opdenberg (Krefeld): Bunker als Landmarken, Schutzbauten unter der Erde, Hinweise zu Fluchtpunkten und andere Erinnerungen an den Zweiten Weltkrieg im Krefelder Stadtbild. Radrundfahrt.

Mittwoch, 18. April 2012, 16:00 Uhr. Kooperationsveranstaltung mit dem Werkhaus und der VHS.

1941 – Deportiert ins Ghetto

16. August 2012 bis 27. September 2012

Die Deportationen der Juden aus dem Rheinland im Herbst 1941 ins Ghetto Litzmannstadt (Łódź)

Im Herbst 1941 verließen drei Transporte in Richtung Polen das Rheinland. Von Sammelpunkten in Köln und Düsseldorf aus wurden insgesamt 3.014 Juden aus dem gesamten Rheinland in das Ghetto von Litzmannstadt (Łódź) deportiert.

Die Ausstellung folgte den Spuren mit Dokumenten, die anhand völlig neuer Quellenlage erforscht worden waren. In vielen persönlichen Zeugnissen spiegeln sich die harten und stets bedrohlichen Realitäten der Lebensbedingungen. Ein Teil der Deportierten starb im Ghetto, andere wurden von dort ins Vernichtungslager Kulmhof gebracht und ermordet. Diejenigen, die 1944 noch im Ghetto lebten, wurden im Zuge der Auflösung des Ghettos in verschiedene Konzentrations- und Vernichtungslager gebracht. Zum ersten Mal konnten diese Wege nachgezeichnet werden.

Besonderheit war die Vielzahl von biografischen Dokumenten einschließlich von Fotografien.

In Kooperation mit dem Arbeitskreis der NS-Gedenkstätten und –Erinnerungsorte in NRW erarbeitet von der Mahn- und Gedenkstätte Düsseldorf und dem NS-Dokumentationszentrum der Stadt Köln in Kooperation mit dem Staatlichen Archiv Łódź.

Expressionistischer Stummfilm mit Livemusik, 45 Teilnehmer

Im Vorfeld hat es eine anonyme Auseinandersetzung per Haftnotizen an Stellwänden im Südbahnhof gegeben. Einerseits wurde auf das spätere Schaffen des Regisseurs Wegener während der NS-Zeit hingewiesen und andererseits der Film „Golem“ als Beispiel expressionistischer Kunst herausgestellt. Außerdem gab es Diskurse zum Thema „Kabbalismus“. Im Publikum äußerte sich hierzu allerdings niemand öffentlich, es gab lediglich einen Hinweis auf den Architekten Poelzig, der für den Film das Bühnenbild schuf und in Krefeld die sogenannte Villa Steinert entwarf, die wiederum während der NS-Zeit teilweise ein nicht-öffentlicher Kunst-Ausstellungsort war.

Aglaja Camphausen, studierte Cellistin und Sängerin, hat diese Revue speziell für das Ausstellungsprojekt konzipiert.

Begleitet vom Pianisten Ulrich van der Schoor beherrschte Sie gekonnt den Wechsel zwischen Moderation und musikalischer Interpretation und zeichnete einen bitteren Spannungsbogen. Über Information über das NS-Starsystem kam es zu den Biographien der Komponisten und Texter Fritz Löhner-Beda und Friedrich Schwarz. Auch das Leben von Bruno Balz mit einem Exkurs zum Thema Homosexualität wurde herausgearbeitet.

Die Veranstaltung ist mit 35 Besuchern generationsübergreifend besucht gewesen.

Mit. 29. August 2012, 15:00 bis 17:00 Uhr

Südbahnhof, Saumstraße 9, 47805 Krefeld

Kuratorenführung mit Hilde Jakobs (Düsseldorf)

Nachrichten aus Litzmannstadt

Dieses Angebot für didaktisch arbeitende Personen gemacht und von 12 Personen genutzt.

Do. 30. August 2012, 19:30 Uhr

Villa Merländer, Friedrich-Ebert-Straße 42, 47799 Krefeld

Film Jakob, der Lügner

Film von Frank Beyer (1974, DDR, 100 min.) nach dem Roman von Jurek Becker, Veranstaltung in Kooperation mit der Geschichtswerkstatt Krefeld (35 Gäste)

Die DDR-Verfilmung des Romans von Jurek Becker, in dem eine erfundene Nachricht wieder Hoffnung für die Bewohner des Ghetto Lodz aufkommen lässt, wurde im von Richard Merländer, einem verfolgten und ermordeten jüdischen Unternehmer, gezeigt. Dieses Haus beherbergt heute die NS-Dokumentationsstelle der Stadt.

Zusätzlich, in der Reihe „Der andere Blick“, einer Kooperation von Werkhaus und dem Anderen Buchladen kam es zu einer thematisch angelehnten Veranstaltung:

Lesung:

Lena Gorelik:

"Lieber Mischa, der Du fast Schlomo Adolf Grinblum geheißen hättest ...“

Di. 4. September 2012

19:30 Uhr

Südbahnhof

Lena Gorelik spielte entspannt mit den üblichen Klischees. Deshalb erklärte sie, warum bei der jüdischen Weltverschwörung nur auserwählte Juden mitmachen dürfen, dass es kein Antisemitismus ist, wenn man Michel Friedman nicht ausstehen kann und warum die nervigsten Zeitgenossen arische Gutmenschen sind, die mit leuchtenden Augen fragen: "Was, Du bist echt Jude?"

Die 30-jährige Schriftstellerin ist eine russisch-deutsche Jüdin, die 1992 aus St. Petersburg nach Deutschland kam.

Do. 6. September 2012

19:30 Uhr, VHS

Götz Aly (Berlin / Wien) Warum die Deutschen? Warum die Juden?

Lesung mit Diskussion

Kooperationsveranstaltung VHS, Villa Merländer e.V., Werkhaus e.V., 120 Zuhörer

Götz Aly behauptete, dass das Grundgefühl Neid den deutschen Antisemitismus spezifizierte. Nach Deutschland kamen im 19. Jahrhundert dreimal so viele jüdische Einwanderer aus dem Osten Europas wie in andere westeuropäische Länder. „In Preußen waren sie voll integriert“, erläutert der Historiker Prof. Götz Aly.

Do. 13. September

Alter Jüdischer Friedhof

Dr. Ingrid Schupetta (Krefeld)

Rundgang am Nachmittag

der Friedhof wurde aus weggeworfenen Grabsteinen nachgestellt. Die Grabsteine aus dem 19. Jahrhundert geben auch Hinweise auf gesellschaftliche Wirklichkeit in dieser Zeit.

Do. 20. September

19:30 Uhr

Südbahnhof

Moritz Pfeiffer (Paderborn)

Meine Großeltern, die Nazis.

Exemplarisch hat Moritz Pfeiffer seine eigene Familiengeschichte zwischen 1933 und 1945 aufgearbeitet. Ohne die eigenen Großeltern aus sicherer historischer Distanz pauschal verurteilen zu wollen, noch mit der Intention, sie von individueller Schuld freizusprechen, beinhaltete der Vortrag Methoden und Chancen einer innerfamiliären Vergangenheitsbewältigung. Sachlich und differenziert wurden Fragen beantwortet, die in vielen Familien aufkommen: Was haben die eigenen Vorfahren in der Zeit des Nationalsozialismus und im Zweiten Weltkrieg erlebt? Wie gehen Sie damit um?

Moritz Pfeiffer spricht über die deutsche „Opa war kein Nazi“-Mentalität, Chancen und Möglichkeiten einer differenzierten Aufarbeitung der eigenen NS-Familiengeschichte.

Durchführung/Projektverlauf:

Vorbereitung in Netzwerkarbeit, ab Dezember 2011 Vorbereitungstreffen mit Dr. Ingrid Schupetta, NS-Dokumentationsstelle Krefeld, bis Januar 2012 Rahmenprogramm, ab Januar 2012 Öffentlichkeitsarbeit,

Motivation und Einbindung der Akteure für die Beiträge „Russische Lieder“ und „30er-Jahre-Liedrevue“ und Zusammenarbeit.

Zielerreichung:

Werbe- und PR-Maßnahmen (Mailverteiler Werkhaus und Kooperationspartner, Schulanschreiben, Internetauftritt und Ankündigungen, Flyer, Plakate) haben die breite Öffentlichkeit erreicht. Schüler arbeiteten in der Ausstellung, Bürger beteiligten sich mit selbst erarbeiteten Beiträgen.

Aus der Netzwerkarbeit haben sich neue Projektideen zu den Problematiken „Polarisierung“ und/oder „Ausgrenzung“ ergeben.

Das Konzept der mit drei Bausteinen zu arbeiten,

1. Wissensvermittlung,

2. Platz für künstlerische Auseinandersetzung und

3. Einbindung von Menschen (mit verschiedensten Voraussetzungen) wird weiterverfolgt.

 

 

Antrag Nr. 30: Werkhaus Krefeld – Referenzbereich

 

Referenzbereiche bezeichnen Gebiete die herausgehoben aus dem Alltag eine besonderen Stellenwert erhalten und herausgehoben für „etwas“ stehen.

In diesem Jahr haben wir uns auf verschiedene Weise mit Orten beschäftigt, die für einen Moment eine besondere Position im Alltag zugesprochen bekamen.

Dies waren u.a. „blog & go“ – ein Umschlagplatz von Kommunikation in allen Bereichen des Südbahnhofs als Theaterproduktion mit Jugendlichen nach Arbeitsweisen von John Cage und eine Ausstellung „Giganten und Gnome“ entlang der Gleisanlagen über dem Südbahnhof. Hier wurden „kleine wie große Gesellen“ unter Bäumen und Büschen verborgen in eine unbekannte Welt gesetzt.

Im Rahmen der Förderung über die LAG Soziokulturelle Zentren NRW wurde ein besonderer Referenzbereich unter einer Autobahnbrücke in Krefeld Linn untersucht und bespielt. Die Jungs des Tanzprojektes tiger ließ sich weder von Kälte noch von Regen abhalten und kämpfte sich eindrucksvoll in einen Ausschnitt jungenhafter Realitäten.

Im Kellergeschoss des Weges der aus der Stadt herausführt passiert es: Der Aufbruch ins Unbekannte. Fiktives und erträumtes. Der Beginn einer Lebensreise.

Warme Kleidung wird empfohlen. Die Tanzproduktionen „Tiger“ begleiten das Leben heranwachsender Jungen. Von Eroberungsfeldzügen alter Gebäude (topos tiger) bis zu einem ganzen Viertel (lito tiger) – oder der Begegnung mit sich selbst(tiger ultimativ), kommt es in dem Stück mobile tiger zum Auszug aus seiner Stadt, seiner Heimat. Wann ist es soweit sein gewohntes Umfeld, seine Sicherheit und Heimat zu verlassen um die Welt kennen zu lernen und damit auch das Ungewisse?

Für diese Tanzaufführung ist die Autobahnbrücke Linn ausgewählt worden. Eine landschaftsverändernde Architektur die gleichzeitig ein Knotenpunkt unterschiedlichster Verkehrsmittel bildet. Ein Knotenpunkt von dem man die Stadt sternförmig verlassen kann. Alle Richtungen stehen offen.

Das schmeckt nach Abenteuer. Doch in der Realität ist eben unsere Welt in der wir wirklich leben zu berücksichtigen. Im Vorfeld hieß es für die Tänzer also nicht nur, die Stadt nach dem besten Aufführungsort ab zu fahren, sondern auch in vielen Büros unterschiedlicher Verwaltungen vor zu sprechen und die eigenen Ideen zu formulieren. Anträge zur Sondernutzung mussten genauso gestellt werden wie Anfragen für träumerische Fantasien. Erst der Traum, dann der Versuch der Umsetzung und erst dann die Absage. Der Weg ins Leben beginnt mit Vorbereitungen. Diese gehören in dem Stück mobile tiger genauso zu den Proben wie das Erarbeiten von Tanzschritten und das Zählen der Musiktakte.

Für den Zuschauer bleiben viele dieser Dinge verborgen. Das Stück ist keine Dokumentation. Umgesetzt werden Gefühle die in solchen Prozessen entstanden sind. Wünsche zusammen zu bleiben, weil mit Freunden immer alles einfacher ist. Oder Ideen wie man sich das Leben draußen vorstellt. Hier darf die Fantasie wieder vorherrschen und unterliegt nicht mehr dem Antrag auf Sondernutzung. Doch warm anziehen muss man sich im Leben so oder so.

Tänzer:

Ron Engels, Ben Joshua Knops, Felix Trebo, Leon Arnolds, Oskar Prenzel, Henry Rudolph, Batu Can Bekan, Jan Nauen.

 

 

Antrag Nr. 31: Wilko Franz Münster – Reset 4 – Kunst – und Kulturfestival

 

Zum vierten Mal konnte man beim Reset Festival die Verknüpfung verschiedener Kunst – und Kultursparten erleben. 2700 Besucher verzeichnete das Festival und hatte so zwar einen kleinen Besucherrückgang zu 2011 (3000) zu vermelden, dafür verteilten sich die Besucher aber auch auf sieben anstatt acht Tagen und am Eröffnungsabend hätten es anstatt der beinahe 1000 Besucher sicher auch noch viel mehr sein können – allein die Sicherheitsvorschriften des Veranstaltungsortes Clubschiene sprachen dagegen. So mussten viele draußen warten.

KUNST:

Wie immer gab es eine Kunstausstellung, die die gesamte Woche über zu besuchen war. Das Leitmotiv der Ausstellung, an der über dreißig junge Künstler/innen teilgenommen haben, lautete in 2012 „FREIZEICHEN“ und rief zur Auseinandersetzung mit den Themenkomplexen Freiheit und Kommunikation auf. Es gab dazu verschiedenste Arbeiten aus den Bereichen Malerei, Fotografie, Installation, Performance, Film und Reportage zu bestaunen, aber auch in bester künstlerischer Sicht kritisch zu hinterfragen. Erstmalig gab es einen schönen Ausstellungskatalog in kleiner Auflage. Kuratiert wurde die Ausstellung von Enrica Granado und Maike Brautmeier.

MUSIK:

Musikalisches Highlight war ganz klar die Einladung von Volker Bertelmann alias HAUSCHKA zum Eröffnungsabend, aber auch ein Live-Set-Abend mit CHRISTIAN LÖFFLER. Der Wunsch musikalische Innovationen der stets fluktuierenden Jetztmusik zu präsentieren, die Inspiration für die Münsteraner Musiklandschaft sein können, soll auch in der Zukunft ein wichtiges Element des Reset Festivals bleiben. Neben weiteren Gastmusikern/innen, die nach Münster eingeladen wurden, gab es ansonsten hauptsächlich eine bunte Auswahl von Talenten aus der der Region. Pop, Jazz, Indie, Soul, Elektro, Punk, Singer-Songwriter, Experimentell – sogar Metal war dabei. Einige Konzerte waren dank Videokünstler Sven Stratmann audiovisuell ausgestaltet.

KULTUR:

Besonders beliebt war von den Einzelveranstaltungen die Kurzfilmshow SLIMFILMS, die über 200 Besucher anlockte und Filmkunst, Storytelling aber auch Trash präsentierte. Im Theater bzw. Performance Bereich fesselte die MENSCHMASCHINE von Paradeiser Productions mit einem Lecture Konzert von der Mensch-Synthesizer Schnittstelle Kai Niggemann. Beim AStA Abend gab es neben vier Bands auch Capoeira. Die Varietéshow des SCHEIBENFESTabends begeisterte mit Jonglage und akrobatischen Highlights an hängenden Tuchbahnen die ausverkaufte Clubschiene. Die OFF-REVUE, bei der es darum gehen sollte verschiedene kulturelle Projekte abseits des Mainstreams an einem Abend zu präsentieren, lockte leider nicht so viele Zuschauer an, wie erhofft, bleibt aber von der Idee her weiter ein Grundgedanke des Festivals: Das Zusammenbringen der verschiedenen Sparten, so wie es sonst kaum stattfinden kann.

PARTY:

Beim Reset Festival wurde auch gefeiert. Hochklassige Djs sorgten für ausgelassene Stimmung zu verschiedenen Musikthemen. Hip-Hop und DrumNBass, Elektro und World Sounds vom Feinsten. Das Feiern hat beim Reset allerdings nicht nur den reinen Selbstzweck, sondern dient tatsächlich auch zur Querfinanzierung des Events. So kam es in diesem Jahr erstmals zu finanziellen Engpässen, weil eine Partys nicht so voll war, was deutlich aufzeigt, dass das Festival letztlich enorm unterfinanziert ist.

FINANZEN UND AUSBLICK:

Das Reset ist trotz finanzieller Sorgen bei der vierten Auflage eine Erfolgsstory, die von den vielen Mitmachern und Interessierten getragen wurde und wird. In einer Stadt, die eine vernachlässigte Musikszene (trotz Musikhochschule!), eine Kunstakademie, eine Design FH und viele freie Künstler hat, ist das Potential für so ein großes Mixed Arts Festival viel größer, als das, was das Reset bislang leisten konnte. Einen Raum für junge Kultur und Kunst aufzumachen, der Aufmerksamkeit und Verknüpfung generiert, soll und muss das Ziel des RESETs bleiben. Dafür sind aber auch mehr Gelder und Eingeständnisse der Stadt Münster nötig. Eine hochklassige und vielschichtige Festivalwoche kann auf die Dauer nicht nur durch Aufopferung Einzelner getragen werden. Dafür ist nicht so viel Geld nötig, wie für andere Großevents – dennoch ist es dringend nötig, sonst wird das Festival nicht überleben können.

 

 

Antrag Nr. 33: BAF Köln – Die Kunst Feuerwache zu machen

 

Am Wochenende 20. Bis 22. April 2012 veranstaltete die Alte Feuerwache das Projekt "Feuer und Flamme. Werkstatt Feuerwache", Öffentliche Auseinandersetzungen im Trägerverein um unterschiedliche Sichtweisen zur weiteren Entwicklung der Alten Feuerwache waren Anlass, das

Thema in anderer Form als in Diskussionen in Mitgliederversammlungen und Vollversammlungen anzugehen. An dem Wochenende wurde NutzerInnen, NachbarInnen, Vereinsmitgliedern, zufälligen’ BesucherInnen die Möglichkeit geboten, mittels verschiedener kreativer Medien ihre Sichtweise zur Alten Feuerwache und ihre Wünsche zu der zukünftigen Entwicklung darzustellen: Fotografie,

Radiobeiträge, Videointerviews, Texteingaben, kleine Graffities. Die Beiträge wurden professionell durch das jfc Medienzentrum und KünstlerInnen bearbeitet und ausgestellt. So entstand ein "wachsendes Kunstwerk", das nicht nur zur Betrachtung, sondern auch zur Diskussion anregte. Ergänzt wurde das Angebot durch Gestaltungsmöglichkeiten mit Styropor und ein Fotorätsel. Eine

Lounge mit guter Aufenthaltsqualität rundete das Projekt ab. Beteiligt haben sich Menschen ab Grundschulalter; dabei hatten die verschiedenen Altersgruppen unterschiedliche Interessen: während sich Kinder sehr für die Arbeiten mit Styropor und für das Texteschreiben auf einer mechanischen Schreibmaschine interessierten, nutzten Erwachsene eher das Radio- und Fotoangebot. Es haben sich - wie geplant - ca. 50 bis 70 Personen täglich beteiligt. Die Ergebnisse sind vollständig in einer Dokumentation festgehalten. Konzept und Angebote der Alten Feuerwache wurden von den TeilnehmerInnen überwiegend positiv bewertet - die Alte Feuerwache insgesamt: Integration, Vielfalt, internationale Kultur, Kinderfreundlichkeit und immer wieder der Hof mit seiner hohen Aufenthaltsqualität und der sozialen Funktion von Begegnung und Miteinander, die Atmosphäre in der Alten Feuerwache, das Unkomplizierte bei der Behandlung von Anfragen und Wünschen. Das alles wünscht man sich "weiter in Richtung Zukunft." Kritisch vermerkt wurden die doch letztlich auch begrenzten räumlichen Möglichkeiten, besonders was Lagerung von Requisiten, Ausstattungs- und

Gebrauchsgegenständen sowie Aufführungsmöglichkeiten anbelangt; ebenso die Nichtbeachtung der Autofreiheit auf dem Hof, fehlende Fahrradständer und die unzureichende ästhetische Hofgestaltung .

Die Kulturbotschaft als zentrales strittiges Projekt erfuhr sowohl Zustimmung als auch skeptische Bewertungen hinsichtlich der Realisierungsmöglichkeiten, komplett ablehnende Aussagen zu dem Projekt gab es nicht. Allerdings haben sich die eindeutigen Gegner des Projektes auch nicht dazu geäußert. Die Ergebnisse insgesamt dienen dem Vorstand des Trägervereins als Grundlage zu Reflexion und Weiterentwicklung, wozu sicherlich auch eine professionelle Unterstützung herangezogen werden muss. Das Projekt "Feuer und Flamme" hat allen Beteiligten Freude gemacht und unterschiedliche Positionen verdeutlicht. Lösungen für die Vereinsintegration müssen noch erarbeitet werden.

 

 

Antrag Nr. 34: disdance project Köln – Irgendwie anders

 

1. Kurzbeschreibung des Projektes Inhalt, Form:

Die Geschichte:

„So sehr er sich auch bemühte wie „Die Anderen“ zu sein, „Irgendwie Anders“ war

irgendwie anders. Deswegen lebte er auch ganz allein auf einem hohen Berg und hatte

keinen einzigen Freund. Bis eines Tages ein seltsames Etwas vor seiner Tür stand. Das sah

ganz anders aus als Irgendwie Anders, aber behauptete, genau wie er zu sein...“

Die Geschichte des preisgekrönten Kinderbuches „Irgendwie Anders“ bildet die Grundlage

für das Projekt.

Die Themen:

Themen: Anders sein, Identitätsfindung, eigene und fremde Wahrnehmung,

Abgrenzung und Ausgrenzung, Verschiedenartigkeit und Anerkennung, Akzeptanz und

Toleranz.

Zur Notwendigkeit des Projekts:

Menschen sind verschieden, und sind nicht alle irgendwie anders?

Wir stehen vor der Herausforderung, in unserer multikulturellen Welt mit ihren

unterschiedlichsten kulturellen Wurzeln und Ausprägungen und in der voranschreitenden

Globalisierung zu leben und uns zurecht zu finden. Dabei hat jede gesellschaftliche Gruppe andere moralische Werte, Gerechtigkeitsvorstellungen und Mittel, ihren Willen zu vertreten und durchzusetzen. Die oft mangelhafte Fähigkeit, Andersartiges zu akzeptieren, provoziert eine Art der

Begegnung, die sich zu häufig feindlich oder gar kriegerisch äußert. Tanz und Theater bieten Raum für unkonventionelles und exemplarisches Agieren, für Utopien und die Auflösung von Grenzen. Was im realen Alltag unmöglich erscheint, lässt sich im Theater auf emotionaler und sinnlicher Ebene erfahren. Der für uns Menschen äußerst schwierige Lernprozess hin zu einem inklusiven Denken kann

durch die Mittel der Kunst eine Art emotionaler „Unterfütterung“, eine Handlungsbasis erhalten.

Kunst und Bildung - Hand in Hand:

Das Projekt „Irgendwie Anders“ schafft eine Verbindung zwischen kultur- pädagogischer

Arbeit mit Kindern und dem Schaffensprozess professioneller Künstler.

Der Fokus liegt vor allem auf dem kreativen Potential, welches der Vielfältigkeit innewohnt.

Die Inszenierung:

Die Geschichte „Irgendwie Anders“ wird von und mit professionellen Künstlern als

Multimediales TanzTheater inszeniert.

Tanz, Musik und Videokunst verschmelzen zu einer nonverbalen universell verständlichen

Bildersprache.

Der Entstehungsprozess – die Idee der Kulturvermittlung:

Die Künstler entwickeln gemeinsam mit Kölner Grundschülern die Mittel der Inszenierung

im Rahmen von Projektwochen. Sie besuchen offene Proben und eine Vorstellung im

Theater. Zum Buch stellen wir vielfältiges Begleitmaterial für Kinder zwischen 4 – 10 Jahren zum

Buch zur Verfügung. Außerdem gibt es das Arbeitsheft „Literaturprojekt zu Irgendwie

Anders“ (BVK Verlag) käuflich zu erwerben. So kann die Beschäftigung mit dem Buch, sowie mit der Inszenierung auf verschiedensten Sachgebieten in der Schule, bzw. im Kindergarten vor- und nachbereitet werden.

2. Zielsetzung:

Inszenierung:

Das Stück spielt im Haus von Irgendwie Anders - Die Protagonisten Irgendwie Anders und

Etwas werden von zwei Tänzerinnen dargestellt. Eine Bühne mit einer Leinwand, die als

Spiegel im realen und psychologischen Sinn fungiert.

Der Spiegel zeigt eine Zeichentrickwelt. Irgendwie Anders' Begegnungen mit den Anderen

sowie seine Wünsche, Träume und Sehnsüchte werden durch Interaktion mit dem Spiegel

erzählt. Die Inszenierung entwickelt eine starke Bildersprache durch eine nonverbale Komposition

aus Tanz, Theater, Musik und Video. Ein Stück voll Übermut und Sinnlichkeit, Sinn und Unsinn, lustig, rührend und irgendwie anders...

Vermittlungsarbeit:

Der Inhalt:

Der Fokus liegt auf nonverbaler Kommunikation. Wir bedienen uns verschiedener Motive

der Geschichte, wie z.B.:

- Die Begrüßung als Kontaktaufnahme.

Dabei lassen wir uns von unterschiedlichen kulturellen Begrüßungsritualen

inspirieren, um allmählich eigene erfundene Begrüßungsformen zu erfinden.

- Wir erforschen den körperlichen Ausdruck von Ablehnung und seine Wirkung.

- Wir lassen uns von unserem Gegenüber spiegeln.

- Wir schauen uns selbst (im Spiegel) an und finden heraus, was an uns „anders“ ist

- und was an den anderen „anders“ ist.

- Wir erschaffen tänzerisch und malerisch Wesen, die es so eigentlich nicht gibt.

- u.v.a.m.

Diese Motive verhandeln wir vorwiegend mit den Mitteln des Tanzes und des Tanztheaters

und ferner der Bildenden Kunst.

Die inklusive Herangehensweise:

Wir legen den Fokus auf die Körpersprache und auf die nonverbale Kommunikation, um so

die Wahrnehmung mit allen Sinnen zu fördern. Wir streben eine (be-)wertungsfreie Zone

an, einen Raum für Erfahrungen außerhalb von „richtig“ und „falsch“ oder „gut“ und

„schlecht“. Die nonverbale Kommunikation soll auch Menschen mit noch geringer Sprachkompetenz

eine Möglichkeit bieten, sich anderen mitzuteilen. Die Kinder erhalten die Möglichkeit, gewohnte individuelle Muster zu erkennen, zu tauschen, sich in diese oder jene Position zu begeben. Grenzen können überwunden werden. Die Themen des Stückes werden unmittelbar beim Tun verhandelt.

Aus dem Erkennen der eigenen und fremden Andersartigkeit kann Toleranz und aus Toleranz kann Anerkennung erwachsen (= Inklusion). „Toleranz sollte eigentlich nur eine vorübergehende Gesinnung sein: Sie muss zur Anerkennung führen. Dulden heißt beleidigen.“ (Goethe)

Die Prozessorientierung:

Wir stellen ausdrücklich den Prozess in den Vordergrund. Es wird kein „Produkt“ in Form

einer Aufführung der Kinder o.ä. entstehen. Denn das Erarbeiten eines „Produktes“ erfordert das Üben eines bestimmten Ablaufs. Der Fokus läge dann auf einer eher „technischen“ Arbeit.

Uns geht es darum, vielschichtige Erfahrungen zu ermöglichen in einem geschützten Raum.

Die Kompetenzentwicklung:

Die Kinder beschäftigen sich intensiv sowohl thematisch, als auch künstlerisch. Sie begegnen sich individuell und als Gruppe auf eine besondere, nicht alltägliche Art.

Sie erfahren Kunst als Ausdrucks- und Kommunikationsmittel. Die gemeinsamen Erfahrungen tragen sie, für sich selbst und auch als Gruppe mit in den Alltag. So wird sich die Art und Weise, wie die Kinder mit Andersartigkeit umgehen nachhaltig verändern. Die Kinder erhalten Erfahrungswerte, an die sie in gegebener Situation anknüpfen können.

Zusammenwirken von Kunst und kultureller Bildung:

Unser Projekt ist ein Modell zur Zusammenarbeit freier Künstler mit Schulen im Sinne der kulturellen Bildung und des generationsübergreifenden Austauschs. Angestrebt wird ein Synergieeffekt:

Die Künstler lernen von den Kindern, die Kinder lernen durch die Beschäftigung mit

künstlerischen Mitteln. Die Auseinandersetzung der Kinder fließt direkt in das „Produkt“,

die Inszenierung, welche einem breiten Publikum zugänglich sein wird.

Tanz, Theater, Video, Musik und Bildende Kunst bilden die Grundlage für den Austausch von

Mensch zu Mensch. Dieses Modell ist auf andere Projekte, Themen und Künste übertragbar.

Strahlkraft des Projekts:

Nationale und internationale Gastspiele erweitern die Strahlkraft des Projekts. Dabei kommt den begleitenden Workshops zentrale Bedeutung zu. Sie sollen auch nach Fertigstellung der Inszenierung die inhaltliche Auseinandersetzung mit der Thematik auf breiter Ebene fortführen. Es ist denkbar, daß sich so auch die Inszenierung dynamisch weiterentwickeln wird, entsprechend den verschiedenen kulturellen Zusammenhängen in denen sich dieses Projekt bewegt. Für einen Eindruck bezüglich der Strahlkraft des Projekts besuchen Sie bitte www.feuchtwangen.de/.

3. Durchführung:

1 Phase – Research:

Etwa 100 Kinder aus drei Kölner Grundschulen gestalteten in Projektwochen mit ihrer Kreativität und ihrem Erfahrungsschatz die künstlerischen Mittel der Inszenierung und erhielten so einen intensiven Einblick in die künstlerische Arbeit. Auf spielerische, experimentelle Art entwickelten Kinder und Künstler gemeinsam künstlerische Werkzeuge zur inhaltlichen Auseinandersetzung, machten Erfahrungen "am eigenen Leib".

Die für die Videoanimationen benötigten Figuren wurden nach einem surrealistischen Prinzip von den Kindern kreiert. Verschiedene Wege der nonverbalen Kommunikation

wurden von den Kindern ermittelt, untersucht und erprobt. Die Kinder erfuhren so ihre Wirksamkeit als Teil eines künstlerischen Prozesses und die Kunst als individuelles Ausdrucksmittel. Den Künstlern bot sich die Möglichkeit, aus dem realen Erfahrungsschatz und der unmittelbaren Herangehensweise der Kinder die künstlerische Sprache der Inszenierung zu entwickeln.

Die Choreographie:

Wir haben unterschiedliche Begrüßungsformen ausprobiert und ganz eigene „andere“ erfunden. Dabei konnten wir den vielfältigen kulturellen Kontext der Kinder nutzen. Durch das Aussparen der Sprache konnten wir den ganz natürlichen körperlichen Ausdruck von Ratlosigkeit bzw. eine Suche nach nonverbaler Annäherung beobachten und dies für die Choreographie nutzen. Des Weiteren wurde der kreative Umgang mit Gegenständen, wie z.B. Tennisschlägern, einem Mantel, einem Schlips, etc. zum Bestandteil der Arbeit und der Choreographie. Es war aber auch die Art der Reaktionen der Kinder auf verschiedene Situationen oder Aufgaben mit denen wir sie konfrontierten, die den kindlichen Umgang mit dem Anderssein offenbarten.

Die Videokunst:

Für die Zeichentrickwelt auf der Leinwand haben zwei Grundschulklassen mit Hilfe der „Klappfigurentechnik“, die die Phantasie mehrerer Kinder in einer Figur bündelt, ihre Anderen kreiert.

Andere Kinder haben Baumblätter mit ihren Phantasien zum Anderssein gestaltet. Die entstandenen Figuren, sowie der Baum bzw. die Hintergründe wurden durch Animation zu bewegten Bildern.

Allgemein:

Die Projektwochen an sich, als auch die Rückmeldung der Lehrer im Nachfeld haben gezeigt, dass sich die Wahrnehmung und der Umgang der Kinder miteinander oder mit Unbekannten verändert hat. Einzelne Motive, die in den Workshops entstanden, werden von den Kindern gern als Spiele selbstständig, beispielsweise auf dem Schulhof fortgeführt. Ebenso waren positive Rückwirkungen in die Familien und die jeweilige Klasse/Gruppe zu beobachten.

2 Phase – Produktion:

Aus den in der Research- Phase entstandenen Eindrücken, Erfahrungen und Ergebnissen entwickelten wir die Inszenierung. So speist sich die Inszenierung, neben den Gedanken und Arbeitsansätzen der Künstler (Erwachsenen), direkt aus den Erfahrungen und der Phantasie der Zielgruppe (Kinder). Die Klassen besuchten offene Proben, um an der weiteren Entwicklung der Inszenierung teilzuhaben. Hier konnten sie auch erstmals Beiträge der anderen Klassen sehen. So zeigten wir beispielsweise einer „reinen Tanzklasse“ die Kreaturen der Anderen, die von Kindern

einer anderen Schule entwickelt wurden. Interessant war hierbei, dass die Kinder die Zeichnungen sofort verstanden, Accessoires deuten konnten, bei denen die Erwachsenen ihre Probleme hatten, und dies obwohl die Kinder sich vollkommen fremd waren und teils aus unterschiedlichen Kulturen stammten. Da sich die Lehrer auch in der Schule weiterhin mit dem Buch und der Thematik

beschäftigten, blieb das Projekt auch über den relativ langen Produktionszeitraum präsent.

3 Phase – Abspielbetrieb:

Alle Klassen, mit denen wir in der Research- Phase gearbeitet haben, besuchten eine Vorstellung, teils mit ihrer ganzen Schule. Die am Projekt beteiligten Schüler, wie Lehrer waren beeindruckt, sowohl von der Form der Inszenierung, als auch davon, die eigenen Ideen auf der Bühne verarbeitet zu sehen. Die Nachfrage von Grundschulen und Kindergärten war sehr hoch. Einen Monat vor unserer Premiere, waren die Schulvorstellungen ausverkauft, Zusatzvorstellungen für komplette

Schulen wurden organisiert. Es zeigte sich ein großer Bedarf an der theatralen Verhandlung

dieses Themas.

- Eine Schule mit deren Klasse wir ebenfalls gearbeitet haben, hat uns zu einem

Gastspiel bei sich, für 330 Kindern eingeladen.

- Ein Gastspiel bei „dynamo – Plattform für jungen Tanz“ in Köln ermöglichte

einzelnen Gruppen den kostenlosen Besuch einer Vorstellung.

- Weitere Gastspiele mit begleitenden Workshops innerhalb Deutschlands konnten

wir bereits verkaufen.

4 In Zahlen:

12 Vorstellungen an der Bühne der Kulturen in Köln November bis Dezember 2012. Die an dem Projekt beteiligten Kinder, sowie weitere Grundschulklassen und Kindergartengruppen und Familien besuchten die Vorstellungen. Die Inszenierung wurde zum Tanzfestival „dynamo-Plattform für jungen Tanz“ in Köln eingeladen.

Die Ernst-Moritz-Arndt-Grundschule Köln buchte eine komplette Exklusivvorstellung.

Bisher haben das Stück etwa 2000 Zuschauer gesehen.

Nächste Aktivitäten:

19./20.02.13 – Workshopreihe für 60 Kinder (GS) in Creglingen/Baden Württemberg

22.02.13 – 1 Vorstellung für etwa 250- 300 Kinder (GS / KiTa) in Creglingen

25.02.-01.03.13 – Workshopreihe für 140 Kinder(2GS + 5 KiTas) in Feuchtwangen/Bayern

04.03.13 – 2 Vorstellungen für ca. 400 Kinder in Feuchtwangen/Bayern.

Ausblick:

Weitere Vorstellungen an der Bühne der Kulturen im Jahr 2013.

Gastspiele und Workshop- Reihen in Berlin/ Brandenburg, Frankreich, England, Südamerika,

Brasilien und Libanon sind Vorbereitung.

Resumé:

Unser innovativer Arbeitsansatz hat sich sowohl pädagogisch als auch künstlerisch als sehr

produktiv erwiesen.

Strukturell/ finanziell haben sich folgende Schwierigkeiten gezeigt:

- Als professionelles Tanztheaterprojekt war „Irgendwie Anders“ aufgrund der

pädagogischen Vermittlungstätigkeit für einige Förderer nicht förderfähig.

- Als Vermittlungsprojekt war es nicht förderfähig - aufgrund der Tatsache, dass

letztendlich Tänzer auf der Bühne stehen und keine Kinder.

- Da wir als freischaffende Künstler dieses Projekt initiiert haben, haben sich Probleme in

den Fördermöglichkeiten ergeben, die zurzeit vor allem die Zusammenarbeit von

Institutionen (z.B. Theatern) und Schulen vorsehen. Dies hat wohl besonders die Aussicht auf Nachhaltigkeit der Zusammenarbeit zur Grundlage.

Unser Projekt hat jedoch gezeigt, dass Nachhaltigkeit auch zwischen frei arbeitenden

Ensembles und Schulen möglich ist. Die Nachfrage von Seiten der Schulen war im Vorfeld

groß. Während des Projektes wurden fruchtbare Kontakte zu LehrerInnen und Schulen

geknüpft und ein Interesse an weiterer Zusammenarbeit von Seiten der LehrerInnen bzw.

Schulen signalisiert.

Für uns war es eine einzigartige Erfahrung. Wir werden in unseren nächsten Projekten auf diese Arbeitsweise zurückgreifen. Sowohl auf die bisherige Zielgruppe als auch auf Menschen aus anderen Altersgruppen.

Die Art, sich dem Thema auf breiter Front aus unterschiedlichsten Blickwinkeln nähern zu

können, eröffnet sowohl für uns Künstler als auch für die Schulen, Lehrer, Erzieher und vor

Allem für die Kinder ein wirkungsvolles, modernes Lernumfeld.

 

 

Antrag Nr. 35: WerkStadt Witten WittenUse – Pop – Performence - Media

 

Use°, oder vollständig: use°Media°Art fiel mit seiner kompletten Planungs-, Organisations- und Durchführungsphase in den Zeitraum des personellen Wechsels in der Stelle des Projektverantwortlichen in der WERK°STADT – so waren diesem umfangreichen Projekt letztlich noch 3 Monate an Entstehungs- und Durchführungszeit zugestanden.

Konzeptionell wurde use°Media°Art daher von vornherein umgestaltet, wodurch es jedoch zeitgemäßer, aktueller, attraktiver und zielsicherer geriet als ursprünglich geplant. Kernidee war das Experimentieren mit neuen Wegen der Ansprache von Jugendlichen mit (audiovisueller) Kunst. Wie das (ebenfalls durch Mittel der LAG Soziokultur NW geförderte) Projekt „ShinyToys“, das mittlerweile zum kulturellen Leuchtturm in diesem Genre gewachsen ist, mit beeindruckendem Erfolg beweisen konnte, liegt eine wesentliche Herausforderung darin, tradierte Grenzen zwischen Ausstellung, Workshop, Performance, Labor, Konzert und Aufführung aufzubrechen – zugunsten einer „daraus entstehenden Ideensuppe“ (aus dem Flyer zu use°), die „gemeinsam zu einem Super Dingens gegossen wird“.

Dass eine derartige Mischung aus Performance, Installation und Workshop, inhaltlich schwer zu kommunizieren ist, wurde bereits in den ersten Pressegesprächen zum anstehenden Projekt mehr als deutlich. Während eine Wittener Tageszeitung die Idee und Vision von use° zu verstehen wusste, wurde bei einer anderen große Hilflosigkeit erkennbar.

In der Planungsphase von use° wurden insgesamt sieben KünstlerInnen bzw. Künstlergruppen beauftragt, „interaktive Labors“ zu konzipieren, also Installationen und Performances, die von BesucherInnen einerseits betrachtet werden, aber andererseits von ihnen selbst generativ gestaltet werden können. Kernidee war die Aufhebung der Grenze zwischen AkteurInnen und BesucherInnen. Jede einzelne Performance, jedes einzelne Labor, sollte gleichzeitig ein Workshop sein, den die TeilnehmerInnen spontan aufsuchen, in ihm mitarbeiten, und wieder verlassen können. Jeder BesucherIn sollte es möglich sein, an allen parallel angebotenen Labors teilnehmen zu können, oder aber auch bei einem „hängen zu bleiben“, wenn dies gewünscht sein sollte.

Die gesamte künstlerische Leitung des Projektes wurde dem Mülheimer Medienkünstler Jerry Jerome aus dem ShinyToys-Kollektiv übertragen, der über die authentischsten und aktuellsten Kontakte in die audiovisuelle Kunstszene verfügt.

Kurz vor dem ursprünglich geplanten Termin für den „Workspace“, also den Aktionstag der „Offenen Labors“, erkrankte jedoch gerade jener künstlerische Leiter und gleichzeitig auch der Bochumer Künstler Heinrich Müther-Scholz, der für ein für die didaktische Seite des Projektes wesentliches Labor zur Transformation zwischen analogem und digitalem Bild verpflichtet worden war.

Nach erfolgter Rücksprache mit der LAG Soziokultur wurde so ein neuer Termin im Frühjahr 2013 vereinbart, was sich im Nachhinein als Glücksgriff erwies, denn jetzt hatten auch „Wunsch-Künstler“, die in der Vorweihnachtszeit anderweitig gebunden waren, Zeit für die Mitwirkung an use°.

Am Tag der Offene Labors, dem use° Workspace, gab es für die BesucherInnen dann zahlreiche spannende und attraktive Angebote:

So wurde das klassische Konzert-Schema „Musiker-Zuhörer“ komplett aufgehoben, indem ein „verschlanktes“ Setup einer elektronischen Band komplett aufgebaut, seine Bedienung aber den BesucherInnen überlassen wurde. So konnte jeder die konstant laufende Beschallung aus elektronischem Geräusch und Klang modulieren und formen, wenn immer er oder sie dies für angemessen oder wünschenswert hielt. Jeder BesucherIn wurde so zum live performenden MusikerIn.

Die „Raumzeitpiraten“ installierten eines ihrer beeindruckenden Setups aus zahllosen, an endoskopartigen Armen befestigten Prismen, Reagenzgläsern, Becken, Chemielabor-Utensilien und entsprechenden Lichtquellen in einem dafür bereitgestellten Raum und erforschten mit den TeilnehmerInnen innovative Wege der Projektionskunst – so wurde unter anderem mit Mückenlarven gearbeitet, die sich in einem Erlmaierkolben bewegten und die mittels einer Lichtquelle an die Wand projiziert wurden. (Aus Tierschutzsicht bestanden übrigens nachweislich keine Einwände, sonst hätte diese Installation in der WERK°STADT nicht stattgefunden).

In weiteren Labors konnten BesucherInnen durch Bewegung im Raum Projektionen und Soundcollagen steuern und gestalten, mit schaffenden KünstlerInnen aus Witten Ölbilder gestalten, oder ihre eigenen Gesichter zunächst digitalisieren, um sie dann auf einen Styroporkopf zu projizieren und von dort wieder analog abzufilmen.

Der use°-Workspace öffnete am 07. März zwischen 15.00 Uhr und 00.00 Uhr seine Türen. Insgesamt besuchten etwa 90 Menschen aus der Region das Projekt, beinahe alle nahmen aktiv an Workshops und Labors teil, einige wenige besuchten die Veranstaltung „konsumtiv“, traten jedoch in intensiven Austausch mit den anwesenden KünstlerInnen. Viele TeilnehmerInnen folgten der Aufforderung, eigene Gegenstände zum Erforschen mitzubringen.

Da ein Projekt wie use° immer auch den Charakter einer Convention hat, tauschten sich die KünstlerInnen vor Ort untereinander ebenso intensiv aus wie die TeilnehmerInnen. Auf beiden Seiten wurde mit großer Begeisterung experimentiert und geforscht. Neue Netzwerke entstanden durch die Vereinbarung gemeinsamer Aktivitäten von Wittener Kunstschaffenden, die als BesucherIinnen vor Ort waren, und Jugendlichen aus der Stadt und aus der Region.

Interessiert an den neuen Formen von „Workshop“ und „Labor“ zeigten sich auch MultiplikatorInnen aus verschiedenen Schulen und Einrichtungen. Eine Fortsetzung von use° ist in jedem Fall fest geplant, auch, weil es eine noch niederschwelligere Ergänzung zu den Shiny-Toys-Workspaces bietet.

 

 

Antrag Nr. 36: Die Börse Wuppertal - "LebensFluss(T)Räume"

 

23 junge und ältere Menschen aus Wuppertal, Remscheid und Solingen erarbeitet unter der Leitung des Tänzers und Choreographen Milton Camilo und der Dramaturgin Uta Atzpodien eine generationenübergreifende Tanztheaterperformance, die sich um bergische Biographien dreht. Die Gruppe setzte sich zusammen aus Laiendarstellern zwischen 40 und 65 Jahren und jungen Nachwuchskünstlern zwischen 21 und 30 Jahren. Inhaltlicher Schwerpunkt war die Auseinandersetzung mit Bergischen Biographien.

Ablauf des Projektes:

Der Projektbeginn unserer geneartionenübergreifenden Tanztheaterperformance war für Mitte März 2012 geplant. Aufgrund der späten Verabschiedung des Landeshaushaltsplans haben wir den Projektbeginn auf Mitte Juli verlegt und den Premierentermin um einen Monat nach hinten verschoben.

Diese Verschiebung hat dazu geführt, dass wir potentielle Teilnehmer verloren haben, die sich in einem informativen Vortreffen für das Projekt interessiert hatten. Vor allem aber hat es dazu geführt, dass sich einige Kosten verschoben haben, da wir nach und nach bemerkt haben, dass unsere Zeitplanung nicht realisierbar war.

Einerseits gab es für die Kooperation mit unseren Partnern in Remscheid und Solingen nicht mehr genügend Planungsvorlauf, so mussten die dort geplanten Proben abgesagt werden, anderseits konnten unsere Laiendarsteller das geplante Pensum nicht bewältigen. Aus diesem Grund sind die zusätzlichen Workshops mit den Themen Tanz, Text/Film und Foto/Video nicht zustande gekommen.

Die beteiligten jungen Künstler haben den dadurch entstandenen finanziellen Spielraum dankbar angenommen und eine etwas aufwändigere aber sehr kreative Lösung für die Raumgestaltung bei der Präsentation gefunden. Dadurch haben sich Personalkosten und Materialkosten erhöht.

Die Ausstellungen zum Projekt wurden komplett ins nächste Jahr verschoben, dadurch fielen weniger Transportkosten an. Der aufwändig gestaltete Katalog wurde inhaltlich gestaltet, die Druckkosten verschoben sich jedoch ins nächste Jahr.

Die Uraufführung fand am 13. Dezember 2012 in der "börse" statt, eine weitere Aufführung am 14. Dezember 2012

Choreographie/Konzept: Milton Camilo, Dramaturgie/Konzept: Uta Atzpodien

Künstlerische Mitarbeit: Harkan Eren, Miriam Bathe, Mandy Wiegand, Jens Mühlhoff, Kirsten Rönfeld, Tim Löhde, Milan Lukas Fey

Lichtdesign: Jens Piske, Videotechnik: Rüdiger Bauschen

Entwurf Flyer: werkmarie, Entwurf Katalog: Sebastian Glück

Fotos: Tim Löhde, Videodokumentation: Jens Mülhoff

Projektleitung: Dagmar Beilmann

 

 

Antrag Nr. 37: Laonda e.V. Wuppertal – Sehnsucht Zukunft

 

Projektleitung und Regie/Choreographie:

Hanna Barczat leitete die gesamte Projektorganisation, gestaltete das Netzwerk zwischen Künstlern verschiedener Kunstformen, führte die Unterrichtsstunden der Theater- & Tanzregeln und war verantwortlich für die Regie und Choreografie.

Teilnehmer – Anzahl - Zusammensetzung:

32 internationale Teilnehmer von 14–bis 28 Jahren nahmen am Workshop teil. 15 Teilnehmer standen auf der Bühne: zum Teil in allen Vorstellungen, zum Teil nur in einer Vorstellung.

Rekrutierung:

Die Kontaktaufnahme zu möglichen Teilnehmern erfolgte über persönliche Ansprache (Projektleitung in Zusammenarbeit mit der internationalen, interdisziplinären Company LaONDA und treue Ex- Teilnehmer) zu Jugendzentren, zu Gesamtschulen u. a., zu sozialen Einrichtungen wie die Caritas, die Diakonie, u.a. Weiterhin fand Werbung über E-Mail-Verteiler, Facebook und Presse statt. Besonders erfolgreich war auch die direkte Ansprache von Jungen Migranten in alltäglichen Situationen. Die endgültige Teilnehmergruppe setzte sich aus Schülern der Gesamtschule Barmen, der Else-Lasker-Schüler-Gesamtschule, des Johannes Rau –Gymnasiums und der Berufskollege zusammen, wie auch aus Ausbildungs- und Arbeitssuchenden und Künstlern aus Afrika, Brasilien, Polen, Ukraine und Deutschland. 80& der Teilnehmer hatte eine Migrationsgeschichte.

Projektarbeit:    

Die Inhalte des Projektes, Methoden und der Zeitplan wurden wie im Projektantrag beschrieben durchgeführt und mit kleinen Änderungen, da künstlerische Projekte fließende Prozesse sind, eingehalten Der Verlauf war regelmäßig in dem Sinne, dass die Teilnehmer kontinuierlich die Unterrichts- und Probeneinheiten besuchten. Ausnahmen waren Krankheit, Schulverpflichtungen oder berufliches Engagement der professionellen Teilnehmer.

Das spartenübergreifende Projekt war eine erfolgreiche Bewusstseins, Empfindungs- und Verhaltens-schulung für eine positive Persönlichkeitsentwicklung. Grundregeln und Werte des gesellschaftlichen Zusammenlebens, die sich identisch in den Regeln der darstellenden Künste wiederfinden, wurden lebendig und anschaulich vermittelt. Jeder Teilnehmer hat die Chance mit Mut und Power die eigenen ursprünglichen Talente und die Freude am Ausdruck über Tanz, Musik, Gesang und Theater zu entdecken.

Wir arbeiteten von Juni/Juli – Nov/Dez. 2-mal wöchentlich (Mo. und Do. a 3 Std.) und an Zusatzterminen nach Vereinbarung (Jedes Wochenende ca. 6 Std. und weitere Zusatztermine). Die Endphase war im Oktober 2012: Die entscheidenden Szenen für die erste PERFORMANCE des Projektes „Sehnsucht Zukunft“ wurden bühnenreif entwickelt. Am SA. 27.10., 19.00 Uhr, Atelier Barczat präsentierte das internationale Projekt in der WORLDWIDE MUSIC – SONG - DANCE PERFORMANCE, SEHNSUCHT ZUKUNFT seine vielseitig begabten Teilnehmer aus aller Welt ab 14 Jahren im Programm der WOGA –Öffnung der Galerien und Ateliers Wuppertal. Die Darsteller spielten im Rahmen einer eigens für das Projekt gemachten Ausstellung und vor der Projektion der von Ihnen aufgenommenen Probenfotos.

Das Stück wurde weiterentwickelt bis Dezember und zum Teil umbesetzt, dann fand am Samstag 8. und Sonntag 9.12.2012, „Engelnburg“, Deweerthstr. 2, 20.00 Uhr die PERFORMANCE „Angels on the rock“-mit Life-Musik, Gesang, Tanz und Theater des spartenübergreifenden Jugend-Projektes Sehnsucht ZUKUNFT statt.

Die PERFORMANCE trat als Pilotveranstaltung für die Neugründung des Kunst- und Kulturzentrum ENGELNBURG auf.

Durch den Kunst- und Kulturförderer Thomas Gross in Zusammenarbeit mit dem Musiker und Multitalent Alan Nonnig und der Regisseurin und Choreografin Hanna Barczat entstand etwas ganz Besonderes. Alles war und ist neu und in der Entwicklung. Der Zauber der fast mittelalterlich anmutenden ober-und unterirdischen Gewölbe ist die totale Inspiration. Energien, Kreativität und Kommunikation wird geweckt.

Die hochtalentierten jungen Darsteller und internationale professionelle Musiker, Sänger, Tänzer und aus Afrika, Brasilien, Ukraine und Polen begeisterten mit ihren eigenen professionellen Performances.

Zum Beispiel brachte der sensationelle senegalischen Trommler BAYE SOI das Gefühl-„Afrika“ mit der rhythmischen Sinnlichkeit der afrikanischen Musik auf sensible und kraftvolle Art näher. Das deutsch-brasilianische Multitalent MARCELO PAFFENHOLZ wie auch der ukrainische Gitarrist und Sänger CONSTATINE SOMMER zeigen ihre ureigenen außergewöhnlichen Kompositionen. Die polnische Performance-Künstlerin VIOLETTA EUFEMIA und der Free-Style-Tänzer Stefan Dilgard boten ihre Kreationen im Tanz, Gesang und Schauspiel zwischen charmanter Leichtigkeit und tiefen Gefühlen und nicht zuletzt bewiesen die jungen Schüler mit ihrer Herkunftsgeschichte von Deutschland bis Afrika ihre bewundernswerten Begabungen im Gesang, Schauspiel und Tanz vom Hip Hop bis zum Ausdruckstanz.

Das gewollte ZIEL ist mehr als nur zur Zufriedenheit erreicht worden. Die Teilnehmer sind nachhaltig an dieser Erfahrung gewachsen, sowohl durch die erlernten Techniken, die den Körper, Verstand und die Seele geschult haben und mehr Verantwortungsbewusstsein, Kommunikationsfähigkeit und Lebensfreude entwickelt haben, als auch durch den unglaublichen Erfolg, der sie immer noch strahlen lässt und einen wichtigen „Kick“ für ihr Selbstbewusstsein gegeben hat.

Auch die Publikumsresonanz ist nachhaltig. Es melden sich immer wieder Leute und drücken ihre Faszination über die ungewöhnliche Konstellation und Leistung der Projektgruppe aus. Nach dem Erfolg entstand der unbedingte Wunsch aufgrund der Intensität der Arbeit und der gewachsenen künstlerischen und menschlichen Beziehungen die Arbeit und die Performance für weitere künstlerisch Interessierte zu öffnen.

Mitarbeit der Teilnehmer:

Folgende Aktivitäten wurden ausgeführt:

Persönliche Werbung für das Projekt und Kontaktaufnahme zu Jugendzentren und anderen Einrichtungen, Publikums- und Neugierigen-Werbung, Begleitung und Fahrdienste, musikalische Mitarbeit, Gestaltung von Kostümen und Bühne, Bühnenauf- und Abbau, wechselnde Regieassistentenarbeit und Warm-Up (Training), Video- und Fotoaufnahmen, Probenprotokolle als persönliche Arbeitsbücher, Meinungsaustausch und Reflexion über Proben und Arbeitsverhalten, Publikumsbetreuung, Organisation und Gestaltung der Premierenfeiern, Publikumsgespräche, Öffnung der Arbeit für neue Interessenten.

Manchmal allerdings ließen innerhalb der Arbeit Pünktlichkeit und nicht mitgeteiltes Fehlen ein ungutes Klima entstehen. Diese Probleme wurden aber in Gesprächen geklärt und es ging voran.

Positiv war, dass immer mehr Zuneigung und freundschaftliches Verhalten unter den Teilnehmern entstand. Besonders bemerkenswert waren die großen Entwicklungsschritte der jüngsten Teilnehmer. Ältere hatten positiven Einfluss auf das verantwortliche Verhalten untereinander und die gegenseitige Inspiration der Teilnehmer mit der künstlerischen Leitung war besonders gut.

Erfahrungsbericht von Violetta Duda:

Es ist kaum zu fassen, wie schnell die Zeit vergeht. In diesem gemeinsamen Arbeitsprozess wurde etwas geschaffen, was uns als Teilnehmer auf professionelle, einfühlsame Art und Weise an etwas heranführte, was bis dato als unbekanntes Terrain galt.

Aufgrund ihrer seit vielen Jahren erprobten Methode erlernten wir wertvolle Basistechniken der Theater- und Tanzarbeit. Die Wirkung ist erstaunlich. Dank ihres kreativen Gespürs schafft es Hanna, uns aus der Reserve zu locken und uns zur Produktivität anzuregen.

Ein weiterer positiver Aspekt ist die Freiheit. Die offene Arbeitsweise lässt es zu, dass individuelle Ideen Raum finden und sich zu ungeahnten Szenen entwickeln konnten.

Sie hat Fragmente unserer Kreativität mit ihrem Esprit versehen und etwas geschaffen, was uns alle in gewisser Weise verkörpert.

Die Arbeit von Hanna ist sehr präzise. Was uns faszinierte, ist die große Ausdruckskraft einfacher und natürlicher Bewegungen und Handlungen. Diese Intensität geht aus konzentrierter und intensiver Arbeit hervor. So wurden Szenen kreiert, mit denen sich der Darsteller und der Zuschauer identifizieren können. Z.B: die Handlungen behielten ihre Kraft durch Humanität und nicht durch Abstraktion. Diese Kraft schafft es bis zum Publikum durchzudringen.

Uns hat die Arbeit mit Hanna viel gebracht. Ihre langjährigen Erfahrungen und ihre Professionalität merkte man ihr an. Wir hatten Spaß an den Improvisationen. Uns gefiel, dass wir uns selber einbringen konnten. Gleichzeitig bewunderten wir Hannas Ideen, die der Theaterarbeit das gewisse Etwas geben und von denen eine große Wirkung ausgeht.

Nachbereitung:

Es fanden mehrere Treffen für Reflektionsgespräche statt. Themen waren: Was hat das Projekt mir persönlich als Teilnehmer gebracht? Wie waren die persönlichen Erfahrungen mit den anderen Teilnehmern? Wie war die Resonanz der näheren Umgebung, der Familie, der Freunde, der Öffentlichkeit und des Publikums? Und vor Allem wurde der Wunsch geäußert weiterhin zusammen zu arbeiten. Weitere Workshoparbeit wurde gewünscht und gemacht. An der Foto- und Video-dokumentation wurde gearbeitet und die Planung für 2013 vorbereitet.

Kooperationspartner:

Kooperationspartner waren das Kulturbüro Wuppertal, das Medien Zentrum Wuppertal, die WOGA Wuppertal (Öffnung aller Galerien und Ateliers), das „Atelier Barczat“ und die „Förderinitiative-Engelnburg“ Wuppertal.

 

 

Antrag Nr. 37: Grend, Kulturzentrum Essen – Kindertheater - Glück am See

 

Vom 20.02.2012 bis zum 25.06.2012 haben wir uns wöchentlich, und zwar montags von 17.30-19.00Uhr mit zwölf Kindern im Alter von neun bis fünfzehn Jahren im Theater des Kulturzentrums Grend getroffen.

Die Geschichte der „Sofrohs“ und ihre weitere Entwicklung waren nicht vorgegeben, sondern wurden in dem gesamten Zeitraum mit den Jugendlichen gemeinsam erarbeitet.

Mithilfe von Theaterspielen wurde eine Atmosphäre erzeugt, die es den Jugendlichen möglich machte, in Rollen zu schlüpfen und sich den Anderen darin zu präsentieren. Erst als das Vertrauen in die Gruppe groß genug war, wurde die Geschichte der Sofrohs erarbeitet. Besonders wichtig war es mir als Projektleiterin, dass die Kinder und Jugendlichen ihre eigene Rolle finden und für sich passend entwickeln konnten. Im Verlauf des Projekts wurde immer klarer herausgearbeitet, dass es in dem Stück um einen Kampf zwischen Gut und Böse gehen sollte. Bis kurz vor der Aufführung wurden die neuen Ideen der teilnehmenden Jugendlichen eingearbeitet und umgesetzt.

Eine besondere Herausforderung war die große Altersspanne zwischen den Kindern. Da sie das Stück gemeinsam entwickelten, gab es viele Wünsche und Ideen, die nicht einfach kompatibel waren. Es wurde viel darüber diskutiert, um Lösungen zu finden, mit denen sich alle einverstanden erklären konnten. Man kann es sicherlich als einen Erfolg werten, dass alle Jugendlichen dabei geblieben sind, da sie sich mit dem Stück identifizieren konnten und zum Ende den Aufführungen entgegen fieberten.

Ab April 2012 haben wir an mehreren Wochenenden im Grend gemeinsam mit den Kindern die Kulissen und die Kostüme gestaltet.

Am Ende des Projekts, am 28. und 29.6.12 gab es jeweils eine Aufführung, ein Mal für Schulklassen und das andere Mal als offene Veranstaltung.

Beide Vorstellungen waren bis auf wenige Plätze ausverkauft.

 

 

Antrag Nr. 38: Unter Wasser Wuppertal – Strafe muss sein? – Kreativprojekte zur Gewalt- und Kriminalitätsprävention

 

Das Projekt „Strafe muss sein!...?“ wurde im Zeitraum von Juli bis Dezember 2012

an der Else-Lasker-Schüler Gesamtschule, dem Jugenzentrum Heinrich-Böll-Straße,

der JVA Wuppertal-Ronsdorf und der JVA Siegburg durchgeführt. Die Arbeitsergebnisse wurden in der Ausstellung „Unsichtbare Räume 2. Strafe muss sein…!?“, präsentiert (LCB 02.12.2012 – 07.12.2012). Die Projektarbeit in den Wuppertaler Jugendeinrichtungen beinhaltete neben der

Heranführung an das Thema (Kriminalität, Strafe…) mit Filmen, Fotos, Infos und Berichten auch den Besuch von ehemaligen Inhaftierten und den Austausch mit Inhaftierten in einem Gefängnis. Dadurch wurden die Jugendlichen angeregt, sich mit dem Thema Kriminalität und Strafe auseinanderzusetzen. In unterschiedlichen Kreativwerkstätten (Literatur, Tanz, Fotografie und Film) konnten sie dann die

gemachten Erfahrungen verarbeiten und künstlerisch zum Ausdruck bringen. Bei den Jugendlichen und jungen Erwachsenen im Justizvollzug lag der Fokus der Arbeit neben der inhaltlichen Auseinandersetzung mit dem Thema Kriminalität, Strafe und Strafvollzug auf dem künstlerisch kreativen Verarbeitungsprozess im Rahmen der angebotenen Workshops. Das Projekt war in Bezug auf die Multimedia Installation zwar ergebnisorientiert angelegt, aber der Prozess, d.h. der Weg dahin über die thematische und inhaltliche Auseinandersetzung, spielte eine wichtige Rolle. Diese Vorgehensweise ist in der Praxis variabel zu handhaben. Es gilt der Dynamik des künstlerischen

Prozesses und den Bedürfnissen der Teilnehmenden zu folgen. Die Projektergebnisse wurden nicht im Vorhinein bestimmt, d. h. sie waren offen gestaltet. Dadurch entstand die Möglichkeit, auch unbekanntes vorhandenes Potential zu nutzen. Die Ergebnisse sind somit auch als Werke der Jugendlichen, die nur unter vor allem technischer Anleitung zustande kommen sollten, zu verstehen. Zur soziologischen Auswertung des künstlerisch-kreativen Prozesses, sowohl des persönlichen Entwicklungsprozesses der Teilnehmenden, als auch der kollektiven Prozesse in den Gruppen, wurden begleitende Interviews und Fragebogenerhebungen sowie Video- und Tondokumentationen durchgeführt. Wir wollten versuchen, sichtbar und verstehbar zu machen, welche Persönlichkeitsentwicklung durch diese Arbeit in Gang gesetzt wird, was mit den am Projekt beteiligten Personen (Betroffene, Betreuende, TeammitarbeiterInnen

und KünstlerInnen) passiert, welchen Prozess sie durchlaufen, welche Ressourcen sie mobilisieren, welche Kompetenzen sie erwerben, aber auch wo die Grenzen und Schwierigkeiten für sie erfahrbar werden. Leider sind im Augenblick keine finanziellen Mittel vorhanden, dieses Material endgültig auszuwerten. D. h. uns fehlen ca. 2.000.- €, mit denen die anfallenden Honorarkosten für die Bearbeitung der Video- und Tondokumente sowie die wissenschaftliche qualitative Analyse und Auswertung gedeckt werden können. Eine Materialsicherung wurde durchgeführt.

Unsichtbare Orte 2

Strafe muss sein!?

Ausstellung und Multimedia Installation

mit Gruppenführungen.

Das Ausstellungskonzept in Form eines Parcours wurde erstellt, die dazu notwendigen optoakustischen Apparate entwickelt. Die Ergebnisse von Projektarbeiten zum Thema "Strafe muss

sein! ...?" in Schulen und Jugendeinrichtungen sowie in der JVA Wuppertal-Ronsdorf wurden für

die mediale Präsentation im Rahmen der Installation/Ausstellung aufbereitet. Soundcollagen,

Textbanner, Bild- und Videoprojektionen, Videoclips etc. wurden erstellt. An verschiedenen

Stationen konnten ein Haftraum besichtigt, Videoclips und Fotodokumentationen angeschaut

und Texte gehört und gelesen werden.

Mit Flyern, Plakaten und einer breit angelegten Presse- und Öffentlichkeitsarbeit wurde lokal und

regional für die Ausstellung geworben. Schulen, Jugendeinrichtungen, Projekt- und

Maßnahmeträger wurden eingeladen geführte Besuche der Ausstellung zu buchen. Es konnte

so ein großes Interesse an der Ausstellung geweckt werden. Die Gelegenheit einmal über die

gesellschaftlich festgelegten "Mauern" in den Lebensalltag des Justizvollzuges zu schauen wurde

gerne ergriffen.

Das Interesse war sehr groß, denn fast jeder der Jugendlichen war schon einmal mit dem Thema

Kriminalität und Strafe in Berührung gekommen, sei es durch eigene Gesetzesübertretungen oder

dadurch, dass jemand im Freundes-, Bekannten- oder Familienkreis Hafterfahrungen hatte.

Bei den geführten Besuchen wurde der Lebensalltag in einem Haftraum gezeigt mit den von der

Kammer zur Verfügung gestellte Kleidung, Hygiene- und Gebrauchsgegenständen. Es wurden

spezifische Filmvorführungen zusammengestellt und ehemalige Inhaftierte als "lebendige Bücher"

eingeladen, die in den anschließenden Diskussionsrunden für den Austausch und Fragen zur

Verfügung standen.

Die Besucher erhielten durch die Führungen, die den zeitlichen Rhythmus der

Ausstellungsbegehung strukturierten, gezielten Einblick in das Leben hinter Gittern und bekamen

eine Vorstellung von der Situation junger Inhaftierter. Durch die Konfrontation mit den Exponaten,

den gezeigten Videofilmen und vor allem in der anschließenden direkten Diskussion mit

ehemaligen Inhaftierten wurden sie angeregt, ihre eigenen und fremden Biographien zu reflektieren,

sich mit ihrer Geschichte, ihrem Verhalten und ihren Zukunftsperspektiven auseinanderzusetzen.

Die gute Zusammenarbeit im Team und auch die mit den Projektpartner/innen, die auf vielen

positiven Vorerfahrungen fußt, trug maßgeblich zum Erfolg des Projektes bei. Die

Zusammenarbeit mit dem Haus der Jugend Barmen war hervorragend. Die gesamten

Räumlichkeiten im Erdgeschoss (LCB) wurden leer geräumt und für die Ausstellung zur Verfügung

gestellt. Personell wurde unser Team von Mitarbeiter/innen des Kooperationspartners unterstützt

(Auf- und Abbau, Technik, Werbung, Schließdienste). Technische Hardware wurde soweit nicht

für den üblichen Programmablauf nötig vom Haus zur Verfügung gestellt. Das Medienzentrum der

Stadt Wuppertal stellte umfassenden technischen Support (Geräte wie fachliche Betreuung) zur

Verfügung, auch die Mietkosten wurden zum größten Teil von der Stadt übernommen. Und nicht

zuletzt unterstützte die gute Vernetzung des Vereins Unter Wasser fliegen mit den Jugendlichen

selbst das Projekt.

Die Besucher der Ausstellung wurden auf Wunsch von Projektmitarbeiter/innen begleitet, um die

Entstehung der Exponate zu erklären und Raum für Fragen und Diskussion zu bieten. Den

Besuchergruppen wurde im Anschluss an die Führung außerdem die Möglichkeit geboten, sich

mit einem ehemaligen Inhaftierten zu unterhalten. Dabei wurde Wert darauf gelegt, dass

Betreuer/innen der Jugendgruppen oder Lehrer/innen nicht anwesend sein sollten. Grundlage für

diese Entscheidung war, Hemmungen abzubauen und ein möglichst offenes Gespräch zu

ermöglichen. Vorgabe an die Jugendlichen war, dass alle Fragen gestellt werden dürfen, der

Befragte aber selbstverständlich nicht alle beantworten muss. Achtenswerterweise ging der

ehemalige Inhaftierte sehr offen mit seiner Vergangenheit um und musste von diesem Recht

keinen Gebrauch machen. Es wurde in diesen Runden vor allem darüber gesprochen, wie es zu

der Straftat kam, worin diese bestand, wie sich das Leben im Gefängnis gestaltete und welche

Herausforderungen mit der Entlassung einhergingen.

Der Parcours:

Die Installation wurde in Form eines Parcours in den Kellerräumen des Haus der Jugend Barmen (LCB) aufgebaut. Der Medien- Künstler Tobias Daemgen wurde damit beauftragt, ein multimediales Konzept speziell für den Ausstellungsort zu entwerfen, wobei die Räumlichkeiten - die verschiedenen Räume, Nebenräume, Bühnenräume und „Sackgassen“ des LCB im Haus der Jugend Wuppertal Barmen - das bestimmende Element darstellten. Bilder, Klänge und Objekte aus der Installation wurden mit optischen und akustischen Fragmenten aus der Umgebung verbunden. Speziell für die Installation konzipierte und erbaute optoakustische Projektionsmedien vermittelten und erzeugten

eine Multidimensionalität, die die Grenzen von Raum und Zeit durchbrach. Die experimentelle Verknüpfung von Bild, Klang und Objekten ließ so eine raumgreifende Multivision entstehen.

Im Wartebereich war ein großer Monitor aufgestellt, auf dem die Multivision „Schattenflucht, entstanden in der JVA Moers- Kapellen und JVA Willich I, einen ersten Eindruck vom Leben

hinter Gittern vermittelte. Die zehnminütige Multivision von Caren Czwikla und Joachim Schulz zeigt die Zellen und Flure, den Freigang, den Wäschetausch und vieles mehr. Sie versucht auch die mögliche Gedankenwelt eines Inhaftierten zu erfassen, seine durch Träume vollzogenen Fluchten.

Nach dieser Einstimmung führte der Weg durch ein Treppenhaus nach unten in die Kellerräume. Hier waren große Fotografien mit Außenansichten von Gefängnissen, Mauern und Stacheldraht im Wechsel mit Gedankensplittern von jugendlichen Inhaftierten zu sehen.

Die Besucher verließen nach und nach das Tageslicht und tauchten ein in die hinter den Mauern liegenden Welten eines Gefängnisses und seiner Bewohner. Sie befanden sich sozusagen in einem Zeittunnel an dessen hinterem Ende großformatige Projektionen von Gesichtern zu sehen waren.

Der Weg führte vorbei an Soundcollagen zum Thema „Wer bin ich?“, Reflexionen junger Häftlinge in der JVA Siegburg und endete in einem offenen Raum, in dem die Fotoausstellung Seele in Beton, ein Projekt der JVA Wuppertal Simonshöfchen zu sehen war.

Weiter ging es in den Raum der bewegten Bilder mit Videoarbeiten aus Gefängnissen, Schulen und Jugendeinrichtungen. Hier waren diverse Monitorstationen mit Kopfhörern aufgebaut, an denen bis zu

15 Personen gleichzeitig unterschiedliche Video-Clips anschauen konnten. Diese Kurzfilme setzten sich mit dem Thema Kriminalität und Strafe und vor allem der Frage Muss Strafe sein? Und wie muss sie sein? Auseinander. Um alle Filme zu betrachten wurde circa eine Stunde benötigt.

Der Weg führte dann weiter in den Raum der Worte, der Flüchtige Gedanken, Texte und Gedichte sowohl auf großformatigem Bannerdruck als auch als Schriftprojektionen, die sich über die Wände

und die Banner bewegten. Zu lesen waren Gedanken zu „Wenn ich meine Strafe selbst bestimmen könnte“, Statements zum Erleben des Haftalltags, Gedichte über die Situation des Weggesperrtseins,

Auseinandersetzungen mit der eigenen Straftat usw.

Aus diesem Raum, der ganz still gehalten war, führte der Weg in einen großen Saal. Um ihn zu erreichen musste man eine Gefängniszelle durchqueren. Sie war mit allen Möbeln und Gebrauchsgegenständen bestückt, die einem Gefangenen zu Verfügung stehen. Auch die komplette Bekleidung war ausgestellt, Freizeit wie Arbeitskleidung, Schlafanzüge, Unterwäsche, Schuhe etc. Die Besucher konnten erfahren wie groß eine Zelle in Wirklichkeit ist und ausprobieren wie es sich auf

einer Gefängnismatratze liegt.

Der Saal war ein Schattenraum, in dem sich bewegende Projektionen von Gittern, Schattenportraits von Gefangenen, Schriftzüge mit Botschaften und diverse Objekte ausgestellt waren.

Gleichzeitig konnte dieser Raum zu einem Kinoraum umfunktioniert werden. Hier wurden dann speziell auf die Besuchergruppen zugeschnittene Videos und Filmdokumentationen gezeigt, in deren

Anschluss dann Gespräche und Diskussionen zum Thema Kriminalität und Strafvollzug stattfanden. Mit den meisten Gruppen fand im Anschluss daran noch ein längeres Gespräch mit einem

ehemaligen Inhaftierten statt, bei die meist jugendlichen Besucher Fragen stellen und Eindrücke aus erster Hand erfahren konnten. Hierbei wurde die Methode des lebendigen Buches benutzt.

Hinter dem Kinoraum ging es dann wieder einen Gang entlang Richtung Ausgang. Der Weg ins Licht war wie der zu Beginn des Parcours gesäumt von großformatigen Fotografien und Textfragmenten jugendlicher Gefangener.

 

 

Antrag Nr. 42: KABAWIL e.V. Düsseldorf – Food - Fastfood – Slowfood: Essen, Kultur und Macht

 

Im September / Oktober 2012 hat Kabawil das Projekt „Food…“ an Wochenenden und an vier Tagen in den Herbstschulferien durchgeführt.

Das Projekt wurde begonnen mit einer Kombination aus Tanzübungen und einer Schreibwerkstatt. Es wurden Assoziationen zu den Themen Nahrungsmittel und dem Handel damit gesammelt und auf einer großen Wandzeitung als Brainstorming festgehalten. Auf der Grundlage dieser ersten Ideen wurde eine Choreografie entwickelt. Am zweiten Tag wurde die Gruppe aufgeteilt: Ein Teil der Jugendlichen erarbeitete einen Song zur ersten Choreografie, andere machten dazu schauspielerische Übungen.

Bereits nach diesem ersten Wochenende, an dem insgesamt 30 Jugendlichen teilgenommen haben, bildeten sich Gruppen nach dem jeweiligen Interesse: Ein Teil war daran interessiert, mehr über die inhaltlichen Zusammenhänge zu erfahren und diskutierte über Fragen, wie Spekulation mit Lebensmitteln und Privatisierung von Wasser. Der insgesamt größere Teil war mehr an Tanz und Schauspiel interessiert. Einige Jugendliche fanden Gefallen daran, Texte musikalisch umzusetzen. An diesen Interessen anknüpfend wurde auch an dem zweiten Wochenende mit allen Sparten gearbeitet.

Eine weitere Gruppe befasste sich mit dem Thema Fastfood. Hierzu wurden in kleinen Gruppen drei unterschiedliche Fastfood Restaurants besucht und Beobachtungen angestellt. Hieraus wurde in der Intensivwoche eine kleine Theaterszene gemacht.

An der Intensivwoche in den Schulferien haben insgesamt noch 24 Jugendliche teilgenommen (ein Teil der anderen war in Urlaub gefahren, bzw. hatte Jobs angenommen). In dieser Woche wurden mehrere neue Choreografien eingeübt und weitere Songs entwickelt. Diese Arbeiten wurden dann zu einer Aneinanderreihung von Szenen zusammengefügt. Am Ende der Woche stand eine Aufführung vor Vereinsmitgliedern, Freunden und Verwandten. Ein großer Teil der Jugendlichen konnte gewonnen werden, weiter bei Kabawil mitzumachen und sich an der Jahresproduktion zu beteiligen.

 

 

Antrag Nr. 43: zakk Düsseldorf – Zeitreise Jugendwiederstand

Von den Protesten in Athen, Ägypten, Syrien zu den Protesten der Widerstandsgruppen in der NS Zeit

 

zakk versteht sich als Vernetzer und Partner von zahlreichen Initiativen und Institutionen. Durch die direkte Nachbarschaft zum Stadtteil Oberbilk und Flingern und den Kooperationen mit dem evangelischen Jugendzentrum, dem Mädchennetzwerk der Stadt Düsseldorf wurde 2011 immer wieder über die Entwicklungen in Ägypten und Syrien gesprochen. Die Idee zu dem Projekt „Zeitreise Jugendwiderstand“ entstand. Was steht hinter der Protestbewegung, welche Ansätze vertreten die Jugendlichen/Jungen Erwachsenen und in Anlehnung an dem Düsseldorfer Edelweißpiratenfestival: gibt es ähnliche Entwicklungen zwischen dem Jugendwiderstand und den heutigen Protesten? Was hat die Jugendlichen damals wie heute bewegt sich den politischen Entwicklungen in den Weg zu stellen? Woher kommt die „aus unserer Sicht“ plötzliche Politisierung?

Diese Fragen wollten wir gemeinsam mit den Jugendlichen erarbeiten, gemeinsam gestalten. Als gemeinsames Hilfsinstrument wurde die Geschichte der Edelweißpiraten genommen. Als Kooperationspartner haben wir das EJUZO (evangelisches Jugendzentrum Oberbilk) gewählt.

Projekt:

Im Fokus standen die aktuellen politischen Entwicklungen sowie die Bedeutung und die Geschichte der Edelweißpiraten. Auch die Mittel der Proteste wurden aufgearbeitet und diskutiert. Bei den Edelweißpiraten waren die umgeschriebenen Lieder ein wichtiges Erkennungszeichen, mit ihnen begleiteten sie Gruppenabende und Wanderfahrten, drückten ihrer Sehnsucht nach einem freien, abenteuerlichen Leben aus und markierten ihre Skepsis und Ablehnung zur Hitlerjugend. Bei den Protesten in Ägypten/Syrien waren es vor allem die Blogeinträge im Internet als Mittel des Ausdruckes, Mittel der Kommunikation, welche International die Protestbewegung aufgezeigt hat. Die Medien wurden über Blog, Youtubebeiträge informiert, um die Proteste und Inhalte der Protestbewegung aufzuzeigen.

Zu Beginn des Projektes wurden nach gemeinsamer Diskussion drei Schwerpunkte festgehalten:

- das Erzählcafé des Edelweißpiratenfestivals soll genutzt werden, um mit den ZeitzeugInnen ins Gespräch zu kommen und die Informationen zu verarbeiten

- ein Geocache soll in Oberbilk/an den Orten der Edelweißpiraten erstellt werden. Aktuelle Bezüge zu den heutigen Protesten sollen nicht vergessen werden und eingebaut werden

- Videoclips/Beiträge sollen erstellt und erarbeitet werden.

Das Erzählcafé wurde genutzt, um mit Mucki Koch (Zeitzeugin Edelweißpiraten) und Henny Dreyfuss (Zeitzeugin Resistance) Gespräche zu führen und sich die Aktivitäten der NS Zeit erklären zu lassen. Die Jugendlichen haben die Gespräche vorab vorbereitet und im Anschluss die Filmbeiträge aufgearbeitet.

Zudem wurde in Düsseldorf ein Geocache erarbeitet und erstellt. Orte der Edelweißpiraten wurden begangen, eine Route festgelegt und der Cache erstellt. Viele Schulklassen und Organisationen haben seitdem diesen Cache genutzt und sind diesen gegangen. Der Cache endet im Volksgarten, wo sich die Edelweißpiraten regelmäßig getroffen haben. Für die Gruppen endet dieser mit Musik, mit Stockbrot und mit einer gemeinsamen Abschluss- & Gesprächsrunde.

Die Zukunft:

Nicht alle Ziele konnten umgesetzt werden, u.a. hat die Gruppe Schwierigkeiten mit der Recherche gehabt, wo und wie finde ich aktuelle Beiträge (außer den aktuellen Medien wie Tagezeitungen/Spiegel Online), aber auch, wie gehe ich mit Materialien aus dem Archiv zu dem Thema Edelweißpiraten um. Wobei das Edelweißpiratenfestival uns in der Diskussion und in dem Motivationsprozess immer wieder geholfen hat. Die Jugendlichen wurden im Team „Edelweißorganisation“ eingebunden und aufgenommen. Das hatte Vor- & Nachteile. Zum einen waren die Jugendlichen kein „extra“ Projekt, sondern gehörten in ständigen Prozessen im zakk dazu, was aber auch dazu führte, dass die Jugendlichen/Honorarkräfte keine klare Trennschärfe hinbekommen haben und so die Edelweißpiraten und ihre Geschichte immer einen Schwerpunkt in der Diskussion hatten. Allerdings war dies auch der spannendere Part. Mit ZeitzeugInnen konnte vor Ort gesprochen werden, mit den Aktivitäten aus Syrien/Griechenland und Ägypten gab es keine ZeitzeugInnen, weshalb alles aus den Medien erarbeitet werden musste. Dennoch wurden Zusammenhänge geschaffen. Die Fragestellungen was verbindet die heutige Situation der Jugendlichen mit den Edelweißpiraten wurde immer wieder diskutiert und antworten wurden gesucht. Für die Jugendlichen in dem Projekt waren beide Themenstränge aufbauend. Die Erkenntnis sich in den Weg zu stellen, weil Politik und Wirtschaft gelegentlich andere Interessen/Zielgruppen vertritt wurde viel diskutiert. Ebenso, warum das Leben dann „unfair“ ist und welche Möglichkeiten Jugendliche/Junge Erwachsene haben, dass sie in der heutigen Gesellschaft ernst genommen werden.

Auch konnten wir das Organisationsteam vom Edelweißpiratenfestival überzeugen sich auch in Zukunft mehr auf aktuelle politische Bezüge zu beziehen. So möchte sich die Organisationsgruppe „Edelweißpiraten“ in Zukunft auch mit weiteren Themen beschäftigen, die zur Veränderung der Gesellschaft beitragen können bzw. für ein Eintreten in der Gesellschaft wichtig sind. Hier wurden die Punkte Ökologie & Umwelt, Bildung und Stadtpolitik, internationale Politik aufgegriffen. Diesen Punkt und diese Idee möchten auch die Jugendlichen aus dem Projekt weiterhin unterstützen. Vereinzelt sind sie in das Organisationsteam eingestiegen.

zakk wird weiterhin versuchen ein Ort dafür zu sein, Räume und Möglichkeiten bereit zu stellen sowie Möglichkeiten zu schaffen, um die freiwillige Arbeit für dieses Projekt zu unterstützen.

 

Antrag Nr. 44: Du erhäl(st) Kultur Duisburg – Recht auf Stadt Duisburg

1. Kurzresümee:

Die Initiative „DU erhält(st) Kultur“ entstand als Reaktion auf negative Entwicklungen in der Stadt

Duisburg, das Projekt wollte diese Entwicklungen stoppen, gar umkehren. Zitat aus unserer Projektbeschreibung: "Recht auf Stadt Duisburg" zielt auf die Auflösung der bestehenden Blockade jeder freien, im Austausch mit gesellschaftlicher Realität entwickelten und in sie intervenierenden kulturellen Aktivität in Duisburg. Die Aufhebung dieses Blocks. Die Umkehr der Ohn- in neue Handlungsmacht. Hierfür die inhaltliche und strategische Bündelung aller (noch)

existenten Kräfte.“ Ein hoch gestecktes Ziel, das nicht erreicht wurde. Zu sehr bewegte sich das Projekt innerhalb der Situation, die es radikal verändern wollte. Dass dem so war, gründete auch im Mangel an Produktionsmitteln. Das Scheitern unserer Koförderanträge, hier insbesondere beim Fonds Soziokultur, machte uns die Einladung von internationalen Gästen und damit die Einnahme einer die lokale Situation in einen größeren Kontext einordnenden Perspektive leider unmöglich. Daß zudem der Kulturbeirat der Stadt Duisburg eine Unterstützung verweigerte, war bereits Teil des Zustands, den in den Blick zu nehmen und zu ändern „DU erhält(st) Kultur“ sich vorgenommen hatte.

Dennoch führten wir das Projekt in (abzüglich der geplanten internationalen Kooperationen) nahezu dem annoncierten Umfang, mit unverminderter Intensität und mit einigem, angesichts der

Schwierigkeiten sogar großem Erfolg durch. Möglich wurde dies durch die große Motivation aller am Projekt beteiligten Personen und durch die Unterstützung der LAG Soziokultur NW. Für diese– und dass die Zusage auch nach Ausbleiben der anderen geplanten Förderungen aufrecht erhalten wurde – möchten wir uns an dieser Stelle aufrichtig bedanken! Es soll dies nicht eine

Regel begründen, auch nicht unsererseits: Ein halbes Jahr lang kaum (Projektleitung, PerformerInnen) bis gar nicht (alle weiteren Beteiligten inkl. der ArbeitskreisleiterInnen der Konferenz „Recht auf Stadt“) honoriert zu arbeiten, ist nur in besonderen Notfällen möglich. Ein solcher Notfall bestand in Duisburg, er besteht noch immer, aber langsam Beginnt eine Veränderung, und das Projekt „DU erhält(st) Kultur: Recht auf Stadt Duisburg“ hat hieran seinen bis heute nachwirkenden Anteil.

2. Berichte zu den einzelnen Projektteilen

I. WIE GEHT’S DIR HIER? – Lokale Eruierung und Vernetzung:

Die schon mit dem Zusammenschluss zur Initiative „DU erhält(st) Kultur“ begonnene Vernetzung

und Eruierung der insbesondere kulturellen Situation in Duisburg wurde intensiv fortgesetzt. Es

entstand die Internetseite www.du-kultur.de. Die Aufrufe, sich direkt auf dieser Seite zu äußern,

wurden kaum angenommen, aber sie führte zusammen mit anderen Veröffentlichungen dazu,

daß sich immer mehr Leute in nicht-virtuellen Begegnungen an der Projektarbeit beteiligten – in

den regelmäßigen Treffen der Initiative und zuletzt auf der Konferenz „Recht auf Stadt“. So

entstand in kollektiver Arbeit u.a. der auf der Website veröffentlichte und kontinuierlich ergänzte

Kulturzeitstrahl, der (wenig) Entstehendes, (viel) Vergehendes und Widerstände dokumentiert.

II. WANDERWOCHEN – Ratsuche, regionale Vernetzung:

Für diesen Projektteil fehlten eigentlich die Kapazitäten, was jedoch kompensiert werden konnte

durch die Mitarbeit des kurz vor Projektbeginn gegründeten ruhrgebietsweiten „Netzwerk X“. Die

ProjektleiterInnen von „DU erhält(st) Kultur“ nahmen an allen Netzwerktreffen teil und trugen die

Fragestellungen des Projekts in dieses Plenum. Die hierbei herausgearbeiteten

Gemeinsamkeiten und Unterschiede der Situation in Duisburg zu den Gegebenheiten in anderen

Ruhrgebietsstädten führte zum Beschluß, in der von „DU erhält(st) Kultur“ veranstalteten

Konferenz „Recht auf Stadt“ einen eigenen Arbeitskreis zum Thema „Regionale Kulturszene(n):

Gemeinsame Strategien, (Sinn von) Vernetzungen“ einzurichten.

III. SAUERLAND – Recherche, Theaterprojekt:

Aus dem geplanten Theaterstück wurde eine dreiteilige Performancereihe. Zeitlich fand sie statt kurz vor, am und kurz nach dem Duisburger OB-Ab-Wahltag. Sie begann mit der Performance

SAUERLAND – Nekropole RUHR.2012. Für diese erhielten wir nicht nur keine lokale Kunst-Förderung, sondern beinahe auch keinen Raum für ihre Aufführung in Duisburg. Auf den letzten Drücker gewährten uns die Zwischennutzer des Alten Feuerwache Hochfeld Asyl, dort zeigten wir die

Performance am 08. und 09. Februar 2012. Es folgte am 12.02.2012, dem Ab-Wahltag, die Performance DU-DAY– Ich wünschte es wäre Nacht und die Tommies kämen im CaféZentral, im Café Glück und am Livesaver-Brunnen in Duisburg-Mitte. Der dritte Teil hieß bereits DU erhält(st) Kultur – Recht auf Stadt Duisburg und war eine Diskussionsveranstaltung.

Diese letzte Veranstaltung der Reihe begann mit Impressionen aus den beiden ersten, mehr traurigen und ernsten als (wie von den Geld- und Raumverweigerern sowie den Medien, die Vorankündigungen verweigerten, erwartet) aggressiven und polemischen Inszenierungen. Insbesondere SAUERLAND – Nekropole RUHR.2012 war eine Trauerarbeit, in der sich die insgesamt 13 beteiligten PerformerInnen noch einmal mit den Geschehnissen der Loveparade 2010 auseinandersetzten (ausgehend von ihren je subjektiven Erlebnissen jenes Tages) und den bereits zuvor begonnenen und seitdem weiter zunehmenden kultur- und stadtpolitischen Verfall der Stadt verhandelten.

IV. RECHT AUF STADT – Regionale Konferenz (22.06.-24.06.2012):

Auch die Konferenz fand in lokalpolitisch besonderer Zeit statt: am Wochenende zwischen den beiden Wahlgängen zur Neuwahl des Duisburger Oberbürgermeisters. Nachdem die lokale und regionale Presse, ganz entgegen unseren Erwartungen, Vor- und Nachberichte zur Performancereihe nahezu komplett verweigert hatte, forcierten wir für die Konferenz die Pressearbeit, indem wir zur Pressekonferenz mit mehreren Initiativen unseres Zusammenschlusses (von der Bürgerinitiative Neuanfang Duisburg bis Kreativkreis Ruhrort, von der Initiative Traumzeitretter bis Netzwerk X) zugleich bzw. auch mehrfach einluden, mit großem Erfolg.

Die Konferenz gliederte sich in die Arbeitskreise:

AK1: Lokale (Kultur-)Szene(n) – (Ruhr-)Stadt: Politik – Verwaltung

AK 2: Regionale Kulturszene(n): Gemeinsame Strategien, (Sinn von) Vernetzungen

AK 3: (Ruhr-)Stadt: In welcher Stadt od. Metropole od. Region wollen wir leben?

AK 4: (Alternative) Ökonomien

AK 5: Kulturentwicklungsplan

Zusätzlich gab es Impulsreferate von lokalen und regionalen AkteurInnen sowie je einen Gastvortrag von Jonas Füllner (RAS Hamburg) und Kaisa Schmidt-Thome (Aalto Universität Helsinki/Espoo). Die (Zwischen-)Ergebnisse der Arbeitskreise wurde im Plenum ausgetauscht und diskutiert. Das Schlußplenum der (mehr als 50 kontinuierlich mitarbeitenden) KonferenzteilnehmerInnen erarbeitete eine Abschlußerklärung und bereitete eine öffentliche Podiumsdiskussion vor, mit welcher die Konferenz endete. Insbesondere diese Konferenz erzielte bis heute nachwirkende Effekte auf mehreren Ebenen. Auf lokaler Ebene wurde tatsächlich zunächst das angestrebte Ziel erreicht: Passivität und Ohnmachtsgefühl wandelten sich in Aktivität, in konstruktive Arbeit, und in der Konferenz entstand bei allen TeilnehmerInnen das Gefühl neu gewonnener Handlungsmacht.

Regional war die Konferenz ein wichtiger Schritt in der Entwicklung des Netzwerks X. In der abschließende Podiumsdiskussion trat es erstmals öffentlich auf, der kritische Dialog mit Jürgen

Fischer (Leiter Stabsstelle Kultur beim RVR, welcher – anders als die eingeladenen Duisburger

Oberbürgermeisterkandidaten und NRW-LandespolitikerInnen – unsere Einladung zur Teilnahme

an der Diskussion annahm) führte zur Einladung aller KonferenzteilnehmerInnen zur RVR

Kulturkonferenz im September 2012, auf welcher das Netzwerk X ein weiteres Mal mit seinen Thesen öffentlich wurde, mit bis heute nachwirkenden Effekten. Ebenfalls regional fließen die Erfahrungen und Erkenntnisse der Duisburger RAS-Konferenz aktuell in die Vorbereitungsarbeit zum „Recht auf Stadt“-Kongress, der im September 2013 in Bochum stattfinden wird, ein.

V. WIR SIND DU: WAS/WER IST DIE STADT?:

Zum Abschluss der Konferenzarbeit entstand die folgende Erklärung: Die Konferenz „Recht auf Stadt“ hat in drei Tagen intensiver Arbeit, offenherzigen Austauschs und lebhafter Diskussion Wege gefunden, um die Ressourcen des Ruhrgebiets besser als bisher für eine kulturelle Belebung der Region, ihrer Städte und Quartiere und eine künstlerische Auseinandersetzung mit der gesellschaftlichen Gegenwart und Zukunft zu nutzen. Ein Arbeitsschwerpunkt lag dabei auf der besonderen Situation in Duisburg. Zu diesen Ressourcen zählen die nach neuen Nutzungen verlangenden Leerstände und Freiräume genauso wie die hier seit vielen Jahren künstlerisch, kulturell und sozial Aktiven. Wir fordern, diesen Aktiven jene Räume in städtischem Besitz für ihre Arbeit

unbürokratisch zur Verfügung zu stellen. Das Mercator-Quartier ist der Initiative Mustermensch e.V. zur Errichtung eines sozialen Zentrums zur Verfügung zu stellen. Wir erwarten Unterstützung in Verhandlungen mit privaten Eigentümern. Wir wünschen uns eine lösungsorientierte und wohlwollende Prüfung von neuen Raumnutzungsideen und Veranstaltungsinitiativen, die bau- und ordnungsrechtliche Hürden in gemeinsamer Arbeit überwindet und so unsere Städte lebendiger macht. Wir bieten an, in einem zu gründenden Kulturrat gemeinsam mit Vertretern der Stadt an

der Verbesserung und Verbreiterung des kulturellen Angebots und an einem Kulturentwicklungsplan für Duisburg und an seiner Umsetzung zu arbeiten. Wir stellen uns – in Form des freie Initiativen überregional verbindenden Netzwerks X –den vorhandenen Institutionen der Region und des Landes als Gesprächspartner zur Verfügung und sind bereit, an der Kulturkonferenz des RVR im September 2012 teilzunehmen. Wir werden positive Beispiele für ermöglichendes Handeln von Stadtverwaltungen und Stadtpolitikern aus Oberhausen genauso wie aus Detroit in den Dialog mit anderen Stadtverwaltungen und Politikern einbringen.

Dass die Effekte in Duisburg nicht gleichermaßen nachhaltige waren wie in regionaler

Perspektive, liegt wiederum in der besonderen Situation in Duisburg begründet und darin, dass

den VeranstalterInnen der Konferenz, also den LeiterInnen des Projekts „DU erhält(st) Kultur“,

die Ressourcen fehlten, um für die Umsetzung des Konferenzbeschlusses aktiv verantwortlich zu

bleiben. So erwuchsen aus der mit der Konferenz bewirkten Aufbruchsstimmung keine sofortigen

weiteren kollektiven Aktionen.

VI. WEITER GEHT’S ZUSAMMEN:

Erst ein knappes Jahr später zeigen sich auch diese nachhaltigen Effekte. Zwischenzeitlich haben der neue Oberbürgermeister und vor allem die neuen Dezernenten für Stadtplanung und für Kultur ihre Arbeiten aufgenommen. Auf Initiative des Vereins Traumzeitretter, Mitveranstalter der Konferenz, bereitet momentan eine Gruppe kulturell Aktiver (darunter viele aus dem Zusammenschluss „DU erhält(st) Kultur“) eine öffentliche Diskussion mit dem neuen Kulturdezernenten vor, die in einen dauerhaften Dialog münden soll. Die Forderungen nach einem Kulturrat und einen Kulturentwicklungsplan bleiben zentrale. In der WDR-Lokalzeit wurde jüngst (SA, 20.04.2013) über die Forderungen der Initiative Mustermensch e.V./DU it Yourself berichtet und weiter die allgemeine (kulturelle) Situation in Duisburg reflektiert, mit Bezug auch auf unsere RAS-Konferenz und ihr Abschlußkommuniqué. Eine detaillierte Projekt-Dokumentation mit allen Presseberichten, Fotos und einem Video zur Performancereihe, dem im Projekt erstellten Kultur(verfall)-Zeitstrahl, dem Ablaufplan zur Konferenz + Audiomittschnitt der Abschlußdiskussion etc. enthält die Website www.du-kultur.de

 

 

Antrag Nr. 50: KOMM Düren Düren – Stunk KG

 

Projektpartner:

Dürener Skunk KG (Arbeitsgemeinschaft Dürener mit ca. 20 Mitgliedern)

Projektleitung:

Thomas Lüttgens / Kai Meister

Bisherige Projekte der Skunk KG:

Das Projekt „SKUNK ZWÖLF – Tatort Düren“ geht aus von der „jungen Tradition“ der Dürener Skunksitzungen, die im Januar/Februar 2012 mit 11 Aufführungen und einer öffentlichen Generalprobe im elften Jahr mit großem Publikumserfolg realisiert wurde.

Die bisherigen Skunksitzungen waren kabarettistische Nummernprogramme, angeregt von Projekten wie der Kölner Stunksitzung, mit einem hohen Anteil Lokalpolitik, allgemeinen Themen, Musik und Tanzeinlagen, die durch eine von Jahr zu Jahr stärker ausgeprägte Rahmenhandlung miteinander verbunden wurden.

Verantwortlicher Projektträger (Finanzierung und Abrechnung, Organisation, Ticketverkauf etc.) war und ist das KOMM.

Projektplan:

Die geplante Produktion wird sich von den bisherigen Sitzungen dadurch unterscheiden, dass wir einen durchgehenden Handlungsstrang (Genre Krimi) entwickeln werden, der auf aktuellen Dürener lokalpolitischen und weltpolitischen Ereignissen beruht. Dieser Handlungsstrang wird zwar Raum lassen für einzelne Nummern (Solotexte, Songs, Tänze) die jedoch inhaltlich in die Handlung eingebaut werden sollen.

Mit dem Konzept, statt einer „Nummernrevue“ mit einem mehr oder weniger lockeren Rahmen eine durchgehende Geschichte zu entwickeln, wird die Aufgabe des professionellen Autorenteams wesentlich umfangreicher und anspruchsvoller. Zwar hat das Autorenteam Meister / Lüttgens seit über 20 Jahren Erfahrung in der Entwicklung von bislang 18 Kindertheaterstücken (Die Mimosen) und der Realisierung von 11 Dürener Skunksitzungen. Das geplante Projekt muss jedoch zusätzlich noch die Ideen und Beitrage des Ensembles sinnvoll in eine durchgehende Geschichte integrieren.

Ein Risiko dieses Projektes besteht auch darin, das bislang begeisterte alternative Karnevals-Stammpublikum mit etwas Neuem zu konfrontieren, so dass der Aspekt des „Karnevals“ mehr in den Hintergrund treten wird.

Das Ensemble bestand aus ca. 20 Personen im Alter zwischen 19 und 61 Jahren: Dürener Laien und Amateuren, die zusammen mit professionellen Schauspielern und Musikern gemeinsam das Stück entwickeln und auf der Bühne stehen werden.

Die Amateuere arbeiten ehrenamtlich, Honorare werden fällig für:

Regie- und Autorenteam (Kai Meister / Thomas Lüttgens)

musikalische Leitung (Brigitte Sehle - Musiklehrerin)

Bühnenbau (Robert Schumacher – Architekt)

Ton & Lichttechnik (Farbton, Marcel Rak, Torsten Pflug)

Das Stück wird aufgeführt im Rittersaal des Schlosses Burgau. Hier ist eine umfangreiche Vorbereitung / Abbau und Betreuung der Abendveranstaltungen erforderlich, der für das KOMM-Personal in den letzten Jahren ca. 220 zusätzliche Stunden und zusätzliche Fahrtkosten verursacht hat. Leider ist der Rittersaal mit max. 130 Zuschauern zu klein, so dass nicht kostendeckend gearbeitet werden kann. Seitdem ein Raum mit einer Kapazität von ca. 220 Personen nicht mehr zur Verfügung steht (Ordnungsamt), konnte trotz intensiven Bemühens kein angemessener Saal in Düren gefunden werden.

Die Stückentwicklung und die Proben finden statt von September bis Dezember 2012, die ca. 12 Aufführungen im Januar und Februar 2013.

Projektbericht Durchführung:

Im Endergebnis und der Publikumsresonanz war das Projekt „Tatort Düren“ ein großer Erfolg. Zehn nahezu ausverkaufte vierstündige Aufführungen mit jeweils ca. 125 Zuschauern und eine öffentliche Generalprobe (insgesamt also ca. 1300 Besucher) wurden vom Publikum wie von der Presse begeistert aufgenommen.

Unsere Befürchtung, die Entwicklung vom Nummernprogramm zu einer weitgehend durchgehenden Theaterhandlung könnte auf negative Kritik stoßen, war völlig unbegründet. Die Produktion wurde von nahezu allen Skunkbesuchern als die allerbeste bewertet.

Rahmenhandlung:

Die Skunk KG legt ihre „unglaublichen Einnahmen“ des letzten Jahres in einer massivgoldenen Skunkfigur an, die zudem von einem bedeutenden Künstler geschaffen wurde. Dieses Kleinod weckt Begehrlichkeiten bei verschiedenen bekannten dürener Persönlichkeiten.

Die ehrgeizige Museumsdirektorin schwatzt ihn der unbedarften Klofrau Trudchen ab, um mit ihm das finanzschwache Museum zu retten. Als er dort wieder entwendet wird, soll ein bekannter Dürener Politiker als „Pate“ die Lösung finden. Eine Gruppe von Neonazis versucht vergeblich, den Goldenen Skunk zu stehlen, um damit die marode Organisation wieder aufzubauen. Nach einer unfreiwilligen Reise durch ganz Düren taucht das begehrte Kunstwerk zum guten Schluss wieder auf.

An den verschiedenen Stationen und Begegnungen wurden Themen und Persönlichkeiten Dürener Lokalpolitik bis zur Bundespolitik kabarettistisch aufgearbeitet.

Produktionsphase:

Die Produktion unterteilte sich in zwei, ineinander übergehende Produktionschritte:

Phase 1 (2012): Die Entwicklung des Stückes der Musikstücke und des Bühnenbildes

Phase 2 (2013): Probenphase im weitgehend fertiggestellten Bühnenbild, Aufführungen

Die geplante Produktion „TATORT 12“ sollte sich von den bisherigen Skunk-Sitzungen durch einen durchgehenden Handlungsstrang (Genre Lokal-Krimi) unterscheiden.

In den vorangegangenen Skunksitzungen brachten die ca. 17 Ensemblemitglieder die Ideen zu Musik, Solo- und Gruppennummern ein, die dann von dem Musik, Regie- und Autoren-Team in eine spielfähige Form und in eine passende Abfolge gebracht und durch Moderationen verbunden wurde.

Diesmal versuchte das Leitungsteam Meister / Lüttgens beim Auftaktwochenende die Idee der durchgehenden Story zu vermitteln. Neben Begeisterung für dieses Konzept gab es allerdings auch große Vorbehalte und Befürchtungen, die geplante Einbindung jeder Szene in die Rahmenhandlung würde die Freiheit und die Möglichkeiten, eigene Ideen zu realisieren zu stark einschränken.

Nach intensiven Diskussionen einigte sich die Gruppe darauf, es dennoch zu versuchen.

Der folgende Arbeitsprozess erwies sich dann als komplizierter und aufwendiger, als dies in den vorhergehenden Jahren der Fall war.

Die Arbeit in der Entwicklungsphase 2012 verlief auf verschiedenen Ebenen:

- wöchentliche Treffen des Gesamtgruppe bei denen zum einen die Rahmenstory entwickelt und zum anderen die Einbindung der unterschiedlichen Themen und Nummerideen in diese Story debattiert wurden.

- Die Bearbeitung der daraus entstanden Arbeitsaufträge in kleinen Gruppen / Einzelerarbeitung; je nach Bedarf mit Unterstützung durch die Projektleitung

- Einstellung und Weiterentwicklung von Textentwürfen in einem extra angelegten Internetforum (siehe Anlage).

- Entwicklung der Arrangements, Musikproben der Band und Gesangscoaching für die Darsteller, die Gesangsnummern haben

- Proben und ggfs. wieder textliches Überarbeiten der fertigen Szenen,

- Choreografie der Tanz- und Bewegungssequenzen

Über weite Strecken blockierte die Aufgabe, die Story mit zu entwickeln, zunächst die Kreativität der meisten „Skunks“. In den Gesamttreffen wurde sehr viel debattiert, so dass die Entwicklung der Rahmengeschichte schließlich stärker vom Leitungsteam übernommen wurde. Die starken Vorgaben wurden etwas gelockert, so dass auch wieder Szenen frei entwickelt werden konnten, die vom Leitungsteam dann auf die Story hin umgeschrieben, bzw. angepasst wurden. Trotz der Debatten bei den Gesamtreffen und im Internetforum war es immer wieder schwierig, den Spagat zwischen Rahmenstory und Freiheit, die eigenen Ideen umzusetzen, zu vermitteln.

Erst relativ zum Schluss der Entwicklungsphase, kurz vor der Generalprobe, gab es einen „Durchbruch“ und eine wiedergewonnenen große Begeisterung für das gemeinsame Projekt.

 

 

Antrag: Monster Truck Berlin - Dschingis Khan

 

Die Performance "Dschingis Khan" hatte am 20.9.2012 im Forum Freies Theater Düsseldorf Premiere. Es handelte sich um eine Kooperation der freien Berliner Performancegruppe Monster Truck mit Theater Thikwa Berlin und wurde vom FFT Düsseldorf, von den Sophiensaelen Berlin, vom Pumpenhaus Münster und vom Ringlokschuppen Mülheim koproduziert.

Vor dem Projekt:

Die Initiative bzw. das Konzept ging von der Gruppe Monster Truck aus. Es sollte eine Gegenüberstellung des diskriminierenden Begriffs "mongoloid" für Menschen mit Trisomie 21 und dem mongolischen Herrscher Dschingis Khan auf die Bühne gebracht werden. Seit der Gründung 2005 am Institut für Angewandte Theaterwissenschaft Giessen beschäftigt sich die Gruppe mit Archetypen von Helden und Herrscherfiguren des kollektiven Bewusstseins, wofür Inspirationen sowohl aus Hollywood-Blockbustern als auch aus der griechischen Mythologie stammen können. Diese übersteigerten Helden treffen auf eine "Handgemachtheit" in einer für die "Giessener Schule" typischen schrillen Trash-Ästhetik und zeigt die Fallhöhe, die im Projekt "Dschingis Khan" konsequent weiter behandelt werden sollte. Seit einiger Zeit rücken vermehrt persönliche Themen einzelner Gruppenmitglieder in den Vordergrund, so entstand z.B. im Jahr 2010 das Projekt "Prince of Persia", eine Zusammenarbeit mit der iranischen Theatergruppe "Charsoo", das sich mit der Gegenüberstellung von persischen und deutschen Heldenfiguren beschäftigt hat. Hierfür war die Herkunft eines Gruppenmitglieds, Sahar Rahimi, aus dem Iran der Ausgangspunkt. Das Thema "Behinderung" rückte für "Dschingis Khan" u.a. deswegen ins Interessensfeld, weil ein anderes Gruppenmitglied, Manuel Gerst, von Geburt an körperbehindert ist (TAR-Syndrom).

In der Planungsphase war zunächst eine Zusammenarbeit mit dem Ohrenkuss-Verlag Bonn, ein Magazin, das ausschließlich von Menschen mit Down Syndrom geschrieben wird, angestrebt. Der Ohrenkuss-Verlag hatte sich im Jahr 2005 über eine Reise in die Mongolei schon mit der Bezeichnung "mongoloid" beschäftigt. Nach ersten Workshops in Bonn wurde jedoch schnell klar, dass ein so aufwändiges, probenintensives Projekt mit den regulären Jobs der Redakteure in Behindertenwerkstätten nicht vereinbar war. Der Dramaturg des Stücks, Marcel Bugiel, riet daher, Kontakt zu einer professionellen integrativen Theatergruppe aufzunehmen. Das Theater Thikwa hatte schnell Interesse und freute sich auf die spannende Zusammenarbeit.

Während des Projekts:

Vom Theater Thikwa waren Sabrina Braemer, Jonny Chambilla und Oliver Rincke dabei. Von Monster Truck Manuel Gerst, Sahar Rahimi und Ina Vera. Die Musik übernahm Mark Schröppel. Mit dem Dramaturgen Marcel Bugiel, der Regieassistentin Alisa Hecke und der Produktionsleiterin Sandra Klöss war es ein Team von 10 Leuten. Die Proben fanden zunächst im F40, der Spielstätte des Theater Thikwas, statt, später in den Uferstudios. Die ersten Proben hatten wieder Workshop Charakter, am ersten Wochenende war z.B. das Thema "Superhelden"; Bilder und Filme wurden betrachtet, Posen und Bewegungen einstudiert, etc. Dabei wurde schnell evident, dass es sehr unterschiedliche Annäherungen der beiden Gruppen an die Themen gab. Während die Monster Trucker mit dem Hintergrund des Theaterwissenschafts-Studium eher verkopft und konzeptuell an die Sache heran gingen, brachten die "geistig behinderten" Performer eine starke Direktheit und – für uns Monster Trucker – ungewöhnliche Herangehensweise in die Proben. Die Unmittelbarkeit überforderte uns wahrscheinlich ebenso wie die Thikwas unser Konzeptgerede. Daher packten wir zunächst unser Konzept in die Schublade und ließen uns auf Improvisationen ein, wo das Ziel erst mal im Ungewissen lag. Während der Hauptproben im Sommer/Herbst 2012 arbeiteten wir weiterhin sehr frei und versuchten, viele Angebote der Thikwas zu integrieren. Nach und nach legten wir jedoch von außen unsere Ausgangsfolie wieder auf die Szenen. So versuchten wir die Impro-Szenen so zu belassen, jedoch eine Art "Rahmen" zu bauen und von außen ein "Völkerschau-Settung" zu behaupten. Wir spielten in den Proben zusätzlich mit Anweisungen einer erfundenen Regisseurin (Sahar Rahimi); dabei experimentierten wir, wie präsent die Stimme von außen sein sollte, bzw. wie offensichtlich wir die "Gemachtheit" ausstellen wollten. Letztendlich entschlossen wir uns dafür, dass im ersten Teil die Illusion in der Schwebe bleiben sollte, ob die geistig Behinderten die Anweisungen brauchen würden, um überhaupt zu agieren, um diese gespielte Als-ob-Situation im zweiten Teil selbst zu entlarven. Es schien uns konsequent, die Behinderten überzeichnet als komplett unmündig darzustellen, um im besten Fall den Zuschauer dazu zu bringen, seine eigene Betrachterrolle, bzw. das Bild von Behinderung (englisch "disabled" / not able, nicht fähig, etwas zu tun) im eigenen Kopf zu hinterfragen. Das Thema der Differenz zwischen den Beteiligten auf der Bühne - uns Monster Truckern als Initiatoren des Projekts und den geistig Behinderten – rückte immer mehr in den Fokus der Untersuchung. Wir wollten nicht das romantisch verklärte Bild, das häufig im linksintellektuellen Bürgertum vorherrscht, dass "wir doch alle behindert sind", unterstützen, bzw. vielmehr eine Gegenposition entwerfen, bzw. eine vorhandene Realität im überspitzten, satirischen Gewand der mongolischen Völkerschau präsentieren. Das Publikum sollte sich mit der "Andersheit" von geistig Behinderten konfrontieren und diese nicht negieren, verklären und damit vereinnahmen.

Nach dem Projekt:

Das Stück wurde von Publikum und Presse sehr kontrovers aufgenommen. In allen koproduzierenden Theatern wurden Publikumsgespräche angeboten, die interessiert und zahlreich wahrgenommen wurden. Kritikpunkte waren vor allem die Tatsache, dass Behinderte "ausgestellt" wurden und die Utopie verweigert wurde. Auf der Internetplattform www.nachtkritik.de entwickelte sich eine rege Diskussion zum Thema mit mehr als 30 Kommentaren zum Artikel des nachtkritik-Redakteur Martin Krumbholz. Diese negative Rezension bemängelte vor allem auch, dass die Behinderten als nicht autonom handelnde Objekte dargestellt wurden. Hierbei war für uns wiederum sehr interessant, dass von vielen Kommentaren das Stück nicht als "Theater" gelesen wurde, in dem Darsteller Rollen übernehmen. Den Behinderten wurde nur die Rolle als Darsteller ihrer selbst zugesprochen. (In Stücken ohne diese prekäre Konstellation wird beispielsweise dem Nazidarsteller auch nicht unterstellt, dass der Schauspieler selbst ein Nazi ist.) Andere Rezensionen hoben jedoch genau diese Irritation als sehr positiv hervor und lobten vor allem den zweiten Teil, wo das geschaffene Konstrukt in sich zusammenbricht und man auf einmal mit der eigenen Zuschauersituation konfrontiert ist. Das Projekt stieß auf ein großes öffentliches Interesse und mehrere Gastspieleinladungen folgten den Aufführungen in den koproduzierenden Häusern, u.a. beim Heidelberger Stückemarkt, beim wildwuchs-Festival Basel, beim Okkupation-Festival Zürich, beim Festival Grenzenlos Kultur Mainz oder im Theater Rampe Stuttgart.