Bericht über die Projektmittel 2013 der LAG NW

 

Inhalt

1. Gesamtübersicht

2. Darstellung der einzelnen Projekte

 

1. Gesamtübersicht

 

Die LAG NW hat 2013 mit den Mitteln des Ministeriums für Familie, Kinder, Jugend, Kultur und Sport des Landes Nordrhein-Westfalen 41 Projekte von 33 Zentren/ Initiativen und KünstlerInnen gefördert.

 

Es gab insgesamt 86 Anträge von 61 Zentren/ Einrichtungen/Initiativen/KünstlerInnen mit einem Gesamtkostenvolumen von 1.636.121 € und einem Zuschussbedarf von 409.344 €. Der Beirat hat in zwei Sitzungen Ende 2012 und Mitte 2013 und einem Mailverfahren für Nachrücker über die Anträge befunden und die genannten 41 Anträge bewilligt. Diese Ergebnisse wurden auf den jeweiligen LAG NW Tagungen vorgestellt, diskutiert und letztendlich entschieden.

Nach der Abrechnung betrugen die Gesamtausgaben der geförderter Projekte 422.763,41 €. Dabei betrug der Anteil des Landes mit 130.000 € = 30,75 %. Insgesamt wurde 8 Projekte mit 5.000 € und mehr gefördert. 13 Projekte erhielten 3.000 € und mehr und 20 Projekte wurden jeweils mit weniger als 3.000 € aus Landesmitteln finanziert.

Die Leistungen Dritter (vor allen Dingen der Kommunen) betrugen 198.779,90 €, das entspricht 47,02 %. Die Leistungen der Kommunen waren jedoch weit höher, denn sie sind entweder Bestandteil innerhalb einer direkten Kooperation und/oder Bestandteil der Zuschüsse zu den Betriebs- und Programmkosten der jeweiligen Zentren. Auf der anderen Seite sind hier auch Landesmittel enthalten, die von anderen Stellen bewilligt worden sind. Die Eigenleistungen der Träger lagen insgesamt bei 93.983,51  €. Das sind 22,23 %.

Die Gesamtkosten erhöhten sich um den Betrag von 1.276,81 €, das entspricht 0,3 % Abweichung vom ursprünglichen Kostenplan.

Grundsätzlich haben die Zentren in allen Kunst- und Kultursparten (Musik, Theater, Literatur, Medien) sowie spartenübergreifende Projekte durchgeführt. Tendenziell sind die Projekte in erster Linie der Stadtteilarbeit, der Kulturpolitik und dem Kinder- und Jugendbereich zuzuordnen.

 

 

2. Darstellung der einzelnen bewilligten und durchgeführten Projekte

 

Antrag Nr. 2: AGE OF HAPPINESS, Eine 90-minütige Revue - Alarmtheater Bielefeld

 

Aufführungstermine 

Premiere:             23.11.2013  19.00 Uhr

Folgevorstellung: 24.11.2013  19.00 Uhr

 

Personal für die Produktion und Aufführung

 

Projektleitung:                             Hella Völker

künstlerische Leitung / Mentoring:           Dietlind Budde / Harald Otto Schmid

Bühnenberatung:                        Rebecca Budde de Cancino

Bühnenbau:                                 André Kappus

Licht- und Tontechnik:                Felix Lautenbach

Technische Assistenz:                Gerard Gorczyca

Livemusik:                                   Blue Temptation, Die Pensionäre

Öffentlichkeitsarbeit:                   Janina Fuhrmann

Büroorganisation:                        Katrin Reckers

 

Beschreibung Durchführung :

 

Bei den Beteiligten von SenAlarm – wir können noch anders (2012) entstand bei

den Mitarbeitern der verschiedenen Kreativgruppen der Wunsch, die Schwerpunkte ihrer  

Arbeit zu vertiefen. Im Gegensatz zu dem Beginn des Projektes, in dem es in erster Linie um

das Kennen lernen  und Zusammenfügen der einzelnen Kreativ-Gruppen ging, wurden die

Kenntnisse der bereits bestehenden Künstlergruppen genutzt, die es ermöglichten, in nur

fünf gemeinsamen Probenterminen die einzelnen Revueszenen zusammen zu bringen.   

 

Beteiligt waren 15 Laienschauspieler im Alter von 50 bis 84 Jahren.

 

Die Ergebnisse wurden  an zwei Vorführungsterminen einem Publikum von insgesamt 180 Zuschauern.

In einem als „Pension der Künstler“ aufgebauten Bühnenbild meisterten die Senioren die Herausforderungen des Altwerdens. Ähnlich wie im realen Leben setzten sich die Akteure in dieser virtuellen „Zweck-WG“ mit den alltäglichen Widrigkeiten wie Dominanz, Konkurrenz, Rücksichtnahme, Vertrauen, Unterstützung und Akzeptanz auseinander.

Es entstanden Revuenummern, in denen die Akteure als Clown, Zauberer, Quizmaster, indischen Tänzerinnen, Diseuse, Geschichten- und Lebenserzählern auftraten. Die einzelnen Szenen wurden durch die Moderation einer Conferencier verbunden.

Die musikalische Begleitung übernahmen die Jazzband Blue temptation und die Band

Die Pensionäre mit ihrer Livemusik.

Alle Akteure gemeinsam tun das, was sie schon immer tun wollten: Sie jazzen, feiern und rocken das Leben.

Darüber hinaus verbindet die Teilnehmer die Möglichkeit, in dem bestehenden Netzwerk „SenAlarm – Kunst macht aufmerksam“ bereits existierende Seniorengruppen aus den Bereichen Theater, Musik und Kunst für Orte, an denen künstlerisches Leben stattfindet, aktiv zu werden.

 

Fazit

Es entstand eine lebensbejahende, lustige aber auch realistische Auseinandersetzung mit dem Altwerden, den Möglichkeiten, etwas zu tun, was bisher nicht gelebt werden konnte, über Ängste und Zweifel hinweg Neues oder Vergessenes auszuprobieren und einfach das Leben zu genießen. Eine virtuelle WG, die unterschiedlicher nicht sein kann und die eines verbindet: Das Altwerden.

 

Pressestimmen

Westfalen-Blatt vom 25.11.2013

In Age of happiness begegnen die Akteure dem Alter mit Ironie und Charme.

 

 

Antrag Nr. 4: Interventionen – Stadt für alle - Bahnhof Langendreer e.V., Bochum

 

Mit dem Projekt „Interventionen - Stadt für alle“ hat der Bahnhof Langendreer in Kooperation mit anderen Initiativen von März bis September 2013 urbane Praxen zum Thema gemacht, die das Recht auf Stadt hier im Ruhrgebiet einfordern bzw. sich bereits nehmen. Zudem haben wir einen genauen Blick auf die Stadt geworfen, in der wir leben: Wie hat sich die Stadt in den letzten Jahrzehnten verändert und warum? Wo gab und gibt es Kämpfe um Freiräume, Teilhabe, um würdiges Wohnen?

In den Diskussionsveranstaltungen, Filmen + Filmgesprächen wurden Konzepte und Praxen von Recht auf Stadt und urbaner Teilhabe bzw. alternative Konzepte von Stadt vorgestellt und zu diskutiert. Bei den Stadtrundgängen standen die städtischen Veränderungen im Vordergrund. Die partizipativ entwickelte Abschlusskonferenz diente vor allem der Vernetzung verschiedener Initiativen im Ruhrgebiet. 

 

Die Reihe war aus Sicht des Bahnhofs Langendreer sehr erfolgreich: Die Veranstaltungen waren überwiegend gut bis sehr gut besucht, die öffentliche Resonanz war vor allem zu Beginn der Reihe sehr hoch, durch die Veranstaltungen vor Ort (Stadtrundgänge, Stadtrundfahrt) konnte ein neues, auch jüngeres Publikum angesprochen werden, durch die Zusammenarbeit mit unterschiedlichen Initiativen

(Alsenwohnzimmer, die urbanisten, endstation kino, Klack Zwo B e.V., Mieterforum Ruhr, Mieterverein Bochum Netzwerk X, PlanungsPolitik Forschung) wurde bestehende Kontakte vertieft, durch die partizipative Vorbereitung der Abschlusskonferenz mit monatlichen Treffen an unterschiedlichen Orten (Bahnhof Langendreer, Alsenwohnzimmer, Haus der Begegnung, Galerie Rottstr. 5, Freies Kunst Territorium) wurden neue Kontakte aufgebaut und es bildetet sich eine Gruppe zum Thema Recht auf Stadt heraus, die auch weiterhin regelmäßig arbeitet.

 

Auf Grund des partizipativen Charakters des Vorbereitungsprozesses und des geringeren Budgets fanden nicht alle einzelnen im Projektantrag angedachten Veranstaltungen statt (Voices of Transition, Häuser- und Fabrikbesetzerbewegung, Radioballett, Radioworkshop), der wesentliche Charakter der Veranstaltungsreihe „Interventionen – Stadt für alle“ mit Diskussionsveranstaltungen, Filmen und Filmgesprächen, Stadtrundgängen und –fahrten, Aktionen, Workshops und der Abschlusskonferenz  wurde dadurch aber nicht beeinträchtigt. In der nachfolgenden Darstellung der einzelnen Veranstaltungen werden auch drei Veranstaltungen beschrieben, die zwar teil der Reihe waren, aber nicht in der Finanzabrechnung auftauchen, da sie anderweitig finanziert und dort unmittelbar abgerechnet wurden (Urban Audio Gardening über regionale Projektförderung, Konsum über Rosa-Luxemburg-Stiftung NRW, Filmabend Kämpfe in der Stadt über endstation.kino). Die Homepage zur Reihe www.interventionen.org wurde kostenlos erstellt (Dank an Stefan Nölle).

 

Die Reihe begann am 13. März mit einer Informations- und Diskussionsveranstaltung zum Thema „Wem gehört die Stadt?“ im Bahnhof Langendreer. Der Stadt- und Regionalsoziologe Andrej Holm stellte theoretische Hintergründe und praktische Ansätze der weltweiten Recht-auf-Stadt-Bewegung vor und diskutierte vor diesem Hintergrund die Situation im Ruhrgebiet. Die 45 TeilnehmerInnen diskutierten engagiert, wie vor dem Hintergrund zunehmender Verarmungsprozesse, Abwanderung, gleichbleibender Mieten und zunehmenden Leerstandes Recht auf  Stadt im Ruhrgebiet anders zu definieren sei als in den Metropolen mit Gentrifizierungs- und Verdrängungsprozessen.

 

Am 9. April stellte die Gartenaktivistin und Filmemacherin Ella von der Haide ihren Film zum Community Gardening in den USA vor. In dem Film und Gespräch wurde deutlich, dass in den USA die politische Kontextualisierung, Fragen von Identität und Differenz, Subsistenz und Empowerment eine wesentlich höhere Rolle spielen als z.B. in Deutschland. Darüber wurde von den 35 TeilnehmerInnen im Alsenwohnzimmer angeregt diskutiert. Vorgestellt wurde auch die Initiative für einen Gemeinschaftsgarten in Bochum.

 

Ebenfalls im Alsenwohnzimmer stellte der Aktivist des Hamburger Gängeviertels Michael Ziehl am 20. April das Gängeviertel-Buch „Mehr als ein Viertel“ vor, in dem die AktivistInnen Geschichte, Kämpfe und Alltag im Gängeviertel beschreiben. In der anschließenden Publikumsdiskussion wurden von den 25 TeilnehmerInnen Unterschiede, aber auch Ähnlichkeiten mit anderen Viertel-Besetzungen in den 80ern im Ruhrgebiet diskutiert. Insgesamt gab es große Anerkennung für diese erfolgreiche Aneignung urbanen Raums in einer Stadt, die Gentrifizierung und eine mächtige Immobilienwirtschaft zu einer der teuersten in der BRD gemacht haben.

 

Zu dem Stadtrundgang „Das Bermuda3eck zwischen Kreativquartier und privatisiertem öffentlichen Raum“ mit dem Raumplaner und Autor des Entwicklungskonzepts Bermuda3eck und dem Musiker und Aktivisten Wolfgang Wendland kamen ca. 80 Personen. Spannend und kontrovers wurde nachgezeichnet, wie der öffentliche Raum am Rand der Bochumer Innenstadt den kommerziellen Interessen der Gastronomen untergeordnet wurde und wie sich aus kreativen Anfängen eine massenkompatible Gastronomiemeile entwickelte.  Intensiv wurde während des Rundganges und in der abschließenden Diskussion in der Rotunde auch über vereinheitlichenden Massenkonsum, über Verdrängungsprozesse und Widerstand, aber auch über Kunst, Demokratie und Vielfalt diskutiert. 

 

Zu dem Praxisworkshop Urbanes Gärtnern am 25. Mai im Alsenwohnzimmer kamen 25  TeilnehmerInnen.

Elizabeth Calderon-Lüning vom Gemeinschaftsgartenprojekt Prinzessinnengärten in Berlin Kreuzberg berichtete zu Anfang des Praxisworkshops zunächst von der Entstehung und heutigen Situation und Praxis der Prinzessinnengärten: Die ehemalige Brache am Moritzplatz wird inzwischen von der Initiative gemietet, bepflanzt wurde in selbst gebauten Hochbeeten. Der Träger-Verein des Gartens ist gleichzeitig Dachverband der über 100 Gemeinschaftsgärten in Berlin

Im zweiten Teil des Workshops wurden zunächst AGen gebildet, in denen die Frage diskutiert wurde, wie der „Wunschgarten“ aussehen könnte. Aus den unzähligen Ideen und Ansätzen kristallisierte sich die Gemeinsamkeit heraus, dass eigentlich alle v.a. an dem „Gemeinschaftlichen“ eines solchen Projekts interessiert sind. In der nächsten AG-Phase wurden jeweils die verschiedenen Aspekte und Stationen der Schaffung eines Gemeinschaftsgartens durchgespielt (Grundstücksfindung, Finanzierung etc.) und die Ergebnisse vorgestellt.  Und vor Ort gepflanzt wurde natürlich auch. Aus dem Workshop wurde daher ein weiteres Treffen für eine Gemeinschaftsgarteninitiative in Bochum vereinbart, die inzwischen recht weit vorangeschritten ist (Vereinsgründung, erste Grundstücksangebote).

 

An dem  Stadtrundgang „Vom Ruhrpark in die Innenstadt – nur Platz für Konsum?“ am 8. Juni nahmen nur 5 TeilnehmerInnen teil. Lags am guten Wetter, am szeneuntypischen Treffpunkt mitten im Ruhrpark, wer weiß? Jedenfalls haben der Raumplaner Stefan Hochstadt und das Mitglied des Bochumer Stadtentwicklungsausschuss Uwe Vorberg erörtert, warum der Trend zu geschlossene Einkaufszentren sich aus ökonomischen Gründen fortsetzen wird, welche Auswirkungen diese auf den traditionellen Einzelhandel in den Innenstädten und Stadtteilen hat und wie Raum geschaffen wird, der Freiheit suggeriert und Öffentlichkeit ausschließt. Zudem wurden die Auswirkungen von e-commerce auf den stationären Einzelhandel diskutiert.  

 

Am 15. und 16.Juni wurden in der Alsenstraße die Ergebnisse eines Urban Audio Gardening präsentiert. BewohnerInnen der Straße waren unter Produktionsleitung von Antje Grajetzky mit Mikrophonen dem  Wildwuchs der Klänge des Alltags auf der Spur und haben diese zu Soundcollagen gemischt, die in der Mitte der Alsenstraße mit Urban Solar Audio Plants (12 Lautsprechersäulen mit Solarbetrieb) für jeweils 3 Stunden aufgeführt wurden. Es war ein reges Kommen, Lauschen, Spazieren und Weggehen, TeilnehmerInnen wurden nicht gezählt. Eine Kooperation von Alsenwohnzimmer e. V., USAP-Team Duisburg, SAE-Institut Bochum und  Interventionen – Stadt für alle.

 

In Kooperation mit dem Mieterforum Ruhr fand am 23.06. eine Rundfahrt mit 25 TeilnehmerInnen zum Thema Wohnen im Ruhrgebiet zu verschiedenen Projekten im Ruhrgebiet statt, in denen die „BewohnerInnen das Heft in die Hand“ genommen haben bzw. alternative Wohnkonzepte entwickelt wurden. Sie startete am Wohnprojekt „buntStift“ in Bochum Langendreer (Mehrgenerationenhaus als Genossenschaft) und ging dann weiter nach Oberhausen-Osterfeld-Süd zum Viertel „Riweto“ (ehemals besetzte historische Arbeitersiedlung, inzwischen Genossenschaft) über den Verein Pro Wohnen e.V. (Projekt Wohnen im Alter Tackenberg) zu den Arbeiterwohnungen am Zinkhüttenplatz in Duisburg Marxloh, wo BewohnerInnen um den Kampf des Erhalts von Wohnungen kämpfen.

Die Eigentümerin IMMEO und die Stadt Duisburg wollen die Flächen an einen Investor verkaufen, der dort einen Parkplatz für ein Outlet-Center errichten will. Fast die Hälfte der MieterInnen hat  dem Druck nachgegeben und ist bereits ausgezogen. Die verbleibenden MieterInnen, die z.T. schon seit 60 Jahren dort wohnen, weigern sich ihre Wohnungen zu verlassen. Die Initiative der BewohnerInnen zur Erhaltung der Siedlung ist sehr kämpferisch und hat es nicht nur geschafft ein Solidaritätsgefühl unter den BewohnerInnen herzustellen, sondern auch breite Solidarität aus ganz Deutschland und darüber hinaus zu bekommen.

 

An dem Rundgang „Zwei halbe Wahrheiten“ durch die Dortmunder Nordstadt am 13.07. nahmen 50 Personen teil.  Die Dortmunder Nordstadt wird vor allem medial oft ausschließlich als Problembezirk abgetan, obwohl sie von vielen ihrer Bewohner oft sehr viel positiver wahrgenommen wird. Mit über 50.000 Einwohnern bietet der Dortmunder Stadtteil Innenstadt-Nord das größte zusammenhängende Gründerzeitviertel des Ruhrgebiets. Auf dem Rundgang mit Vilim Brezina (die Urbanisten e.V.) und Bastian Pütter (bodo e.V.) wurden spannende Kunst-, Kultur- und Beteiligungs-Projekte sowie Orte extremer Armut vorgestellt. Konflikte zwischen unterschiedlichen Szenen wurden ebenso thematisiert wie die Ausgrenzungs- und Verdrängungsstrategie der Stadt Dortmund.

 

Im Rahmen des endstation.open-airs sollte am 24. August ein Kurzfilmprogramm zu Stadtinterventionen gezeigt werden. Das open air fiel wetterbedingt ins Wasser, die Kurzfilme wurden im Bahnhof Langendreer dennoch gezeigt, allerdings vor lediglich 10 ZuschauerInnen, „Die aktuelle Monatsschau“ hat 10 Jahre lang unentdeckte Nachrichten über Bochum aufgespürt, produziert und monatlich als Vorfilm im Endstation Kino gezeigt. Das Videomagazin ist eine der Wurzeln des blicke Filmfestivals, das in diesem Jahr zum 21. Mal stattfindet. Aus beiden Archiven wurden Kurzfilme zum Thema gezeigt.

 

Zum Abschluss der Reihe fand am 28. September im Bahnhof Langendreer ganztägig eine Aktionskonferenz Interventionen für ein Recht auf Stadt statt. 70 TeilnehmerInnen trugen bei einem Worldcafé zu einem intensiven Einstieg in das Konferenzthema bei. Arbeitsgruppen fanden zu den Themen Armutim Ruhrgebiet, Schrumpfende Städte, Kämpfe um Freiräume, Solidarische Ökonomie, Stadtteilarbeit/Wunschproduktion, Leerstände nutzen und Zwangsräumungen statt. Zwischendurch präsentierten sich unterschiedliche Initiativen mittels Pecha Kucha. Im Abschlussplenum gab es Berichte aus den Arbeitsgruppen und danach eine sehr positive Konferenzauswertung. Von der Konferenz gibt es eine Fotodokumentation.

 

 

Antrag Nr. 7: Kunst ohne Strom zum zweiten – jetzt mit noch weniger Strom – Brotfabrik, Bonn

 

Die Projektidee

Im Sommer 2012 machte sich die Brotfabrik erstmals mit zahlreichen Künstlerinnen und Künstlern auf ins Grüne in die Grüne Spielstadt (die ehemalige Stadtgärtnerei) am Stadtrand, um die indoor-Theater-Sommerpause nicht nur in der Brotfabrik künstlerisch zu füllen. 2013, im Jahr 2 des Projekts, erfolgte die zahlenmäßige und programmatische Ausweitung des Projekts, auf der Basis des bewährten Grund-Konzeptes:

-als ein für Bonn neues Kooperationsmodell von Kultur- und Bildungseinrichtungen, Künstlerinnen und Künstlern sowie Stadtteil-Initiativen,

-als Stadtteilprojekt in kulturell nicht „versorgten“ Teilen Bonns und außerhalb der etablierten Veranstaltungsorte

-als Versuchsort für neue Produktions- und Veranstaltungsformen und Formen der Zuschauerbeteiligung

-als nicht-kommerzielles, niedrigschwelliges  Kulturangebot für die Bonner Bevölkerung v.a. in der „angebotsarmen“ Zeit im Sommer

 

Planungsphase

Wichtiger Teil der Konzeption ist die möglichst weitreichende Beteiligung von in der Region Bonn lebenden Künstlerinnen/Künstlern. Die Ausschreibung der Programmplätze erfolgte deshalb einige Monate vor dem Start über die Werbemedien der Brotfabrik. Angefragt wurden dabei besonders künstlerische Beiträge, die (ohne dass dafür ein größerer zeitlicher oder finanzieller Aufwand nötig ist) eigens für den Ort erarbeitet werden und dabei auf die besonderen stromlosen Bedingungen eingehen.

 

Das Programm 2013

Die eingereichten bzw. angefragten Programme wurden zwischen April und Anfang August an 12 Tagen vorgestellt, zum einen in Abendprogrammen, zum anderen sonntags als Familien-Nachmittag (s. die Aufstellung der einzelnen Tage/Programme). Begünstigt vom durchweg guten Wetter fanden jeweils ca. 30 – 120 Besucher/innen den Weg in die „Grüne Spielstadt“ (was besonders betont werden muss, weil der Ort nicht etabliert ist und auch nicht ganz einfach zu erreichen ist) bzw. an zwei Tagen auch in den grünen Innenhof des Heimat-museums in Bonn-Beuel, das 2013 als neuer Spielort dazu kam. Vorgestellt wurden Theaterstücke, Konzerte, Lesungen und Kinderateliers, unverstärkt und bühnenlos integriert in den grünen Rahmen der Weiden-Skulpturen auf dem Gelände der Spielstadt. Insgesamt waren rund 50 Künstlerinnen und Künstler beteiligt, die Gesamt-Besucherzahl betrug ca. 1100.

Auch die in der Konzeption angestrebten, nicht zählbaren Ziele konnten umgesetzt werden, so entstanden zahlreiche Kontakte sowohl zwischen den beteiligten Künstlern, den Projektpartnern und erfreulicherweise auch zu Stadtteil-Initiativen. Daran knüpften nach der open-air-Spielzeit zwei weiterführende Projekte im Stadtteil an, eines in einer benachbarten Grundschule (das „Garten-Theater-Projekt“) und eines in den Räumen des Stadtteilvereins. Damit ist der durch das Projekt beabsichtigte Aufbruch der „Brotfabrik“ aus dem angestammten Stadtbezirk hinein in oder an die Ränder der Stadt auf einem guten Weg.

 

Die Projektpartner

Die Brotfabrik Bühne ist integraler Bestandteil des soziokulturellen Zentrums Brotfabrik und innerhalb des Zentrums verantwortlich für Theater- und Tanz-theater-Produktionen und -Gastspiele, Kinder- und Jugendtheater und Konzerte mit dem Schwerpunkt tradionelle/ Weltmusik. Der Wissenschaftsladen Bonn e.V. geht gesellschaftlichen und ökologischen Fragestellungen nach, die Bürgerinnen und Bürger bewegen mit dem Ziel, neue Erkenntnisse und Forschungsergebnisse zu analysieren und zu bewerten, um sie dann für Bürgerinnen und Bürger verständlich und alltagsnah aufzubereiten.Rhizom Bonn e.V. bereichert als Netzwerk von Interessierten und Engagierten Bonns Kulturlandschaft. Es sucht und findet Räume, Verbindungen mit anderen Initiativen, Veranstaltungsmöglichkeiten für Musik, Kunst, Party, Politik, Aktion. Weitere Projektpartner waren der Stadtteilverein Dransdorf, das Bildungswerk Wissenschaftsladen Bonn und die Jugendkunstschule arte-fact.

 

 

Antrag Nr. 8: ‚und jetzt bist Du hier’ - art@work, Köln/Duisburg

 

Unser Projekt ist im März 2013 unter dem Motto ‚MEINE STADT – DEINE STADT!?’ gestartet.

Die Initiative ging von art@work und der RAA/Stadt Duisburg in Kooperation mit der Musik und

Kunstschule der Stadt Duisburg, dem Jungen Ensemble Ruhr, dem KOM’MA Theater und

Schulen in Rheinhausen aus. Anlass war die von PRO NRW für den 12. März angekündigte Demo vor dem Roma-Quartier in Rheinhausen und die Gegendemonstrationen des Duisburger Bündnis für Toleranz und der Sponti-Szene. Wir fanden dieses Szenario beängstigend für die Kinder und Jugendlichen im Haus und haben sie und andere junge Zuwanderer aus Südosteuropa in den Vorbereitungsklassen in Rheinhausen und Duisburg-Hochfeld deshalb in die nahe gelegene Lise-Meitner-Gesamtschule eingeladen. Den Rheinhauser SchülerInnen wollten wir eine erste Begegnung ermöglichen, lassen sich doch Fremdheit, Ängste und Vorbehalte schwerlich aus der Ferne überwinden.

 

Eingeladen waren auch Duisburger und Romanes-Künstler. Angeboten wurden 9 ganz unterschiedliche Werkstätten: von Sport und Spiel über Forum-Theater und Tanz, eine Erzähl-Werkstatt ‚Geschichten aus dem Koffer’, Informationen und Filme über die Situation in

Südosteuropa bis hin zu einer offenen Musikwerkstatt in Zusammenarbeit der MKS und der

Musikkollegen der Schule (s. Programmzettel). Insgesamt sind mehr als 100 junge Menschen und

Künstler aus Südosteuropa unserer Einladung gefolgt. Allein an der Musikwerkstatt „We are the

world“ beteiligten sich ca. 50 Jugendliche.

Der spontane Auftritt eines kleinen Vokal-Ensembles aus dem Haus ‚In den Peschen’ bei der

Abschlussveranstaltung am 12. März gab dann den Anstoß zur Gründung unseres künstlerischen und Jugend-Projektes.

 

Folgende künstlerischen Projektbausteine bzw. Anliegen konnten in den letzten Monaten bereits realisiert bzw. auf den Weg gebracht werden:

1. 'Turlitawa - Eintopf' ist der Titel und zugleich das Programm des Konzertprojektes, das art@work und Bewohner des Hauses ‚In den Peschen’ gemeinsam mit der RAA, der Musik- und Kunstschule Duisburg, Duisburger Ensembles und Künstlern der Freien Szene am 24. Mai auf die Bühne gebracht haben. Titelgeber war das 6-köpfige Romanes-Ensemble 'Turlitawa', das in den kommenden Wochen für Funkhaus Europa auf NRW-Tournee geht. Sie haben im KOM'MA-Theater Ausschnitte ihres Programms gespielt, das Tradition und Moderne verbindet, Balkan- und Gypsy-Roots mit elektronischen Zutaten vermischt; sie haben gemeinsam mit Uwe Frisch vom KOM'MA-Theater und dem Visual Artist Halil Özet vom Medienbunker Marxloh mit Musik, Poesie und Bildern Fenster zur Lebenswelt der Romanes geöffnet; sie haben mit dem multikulturell besetzten Jungen Ensemble Ruhr, das bereits in den jüngsten Projekten eine Brücke zu den jungen Zuwanderern aus Südosteuropa geschlagen hat, gejamt und mit Mitgliedern der Musik- und Kunstschule Duisburg und der Freien Szene wie u.a. Anja Lerch, Thomas Käseberg und Reinhard Kaisers bewiesen, dass es in der Musik über alle Grenzen hinweg schon lange eine gemeinsame europäische Sprache und ein gemeinsames Repertoire gibt. Besonders gespannt waren aber alle auf die Lieder und Texte, die die Bewohner aus den Peschen mit dem Jungen Ensemble Ruhr und den SchülerInnen des Oberstufen-

Ensembles der Lise-Meitner-Gesamtschule zusammen geschrieben und komponiert haben, und auf die Fotos, die Kinder aus den Peschen mit Halil Özet gemacht haben - Fotos, die zeigen, was sie sich erträumen für ihre Zukunft. Da das Konzert sofort nach der Ankündigung ausverkauft war, sind weitere Veranstaltungen zum Jahreswechsel geplant.

2. Von dem künstlerischen Leiter des 'Turlitawa' - Ensembles und Komponisten Mustafa Zekirov,

der seit 20 Jahren in Duisburg lebt, stammte auch die Idee zur Gründung eines Projektchores, der

sich der Erarbeitung archaischer Romanes-Lieder und eines internationalen Repertoires widmet, in dem sich die ‚Vereinten Nationen von Duisburg’ repräsentiert finden. Bei der über die Presse ausgeschriebenen ersten Chorprobe im KOM’MA-Theater am 30. April 2013 kamen ca. 80

Sangeswillige zwischen 10 und 70 Jahren zusammen, ca. 20 Bewohner aus dem Haus ‚In den

Peschen’, SängerInnen aus Duisburger Chören, SchülerInnen und Rheinhauser Bürger, die auf diese

Weise ihrer Position in der Zuwanderungsdebatte Ausdruck geben wollten, Menschen unterschiedlicher Generationen und zahlreicher Nationalitäten.

Der erste Auftritt des Chores war im Rahmen des Konzertes am 24. Mai, und man darf sagen, es war der Höhepunkt des Konzertes - im Repertoire: ‚Djelen, djelen’- die Hymne der Roma und ‚Me

djeljavar’ - ein Lied an den Schöpfer, aber auch ein Song von Xavier Naidoo ‚Was wir alleine nicht

schaffen’ und „The world greatest“ von R. Kelly, das die Einzigartigkeit jedes einzelnen Menschen

mit allen seinen Möglichkeiten thematisiert. Gemeint waren damit gerade auch die Kinder in den Peschen, die uns von ihren Träumen und Berufswünschen erzählt haben: Lehrerin, Schauspielerin, Dolmetscher und Fußballer, Mechanikerin, Busfahrerin, Arzt und Anwalt, Kameramann, Polizist, Prinzessin und Braut...

3. Im Laufe des Projektes ist die musikalische Arbeit zum Herz des Projektes geworden,

insbesondere was die interkulturelle Jugendarbeit angeht. Mehrfach haben die Jugendlichen aus

den Peschen den Musikkurs des 11. Jg. in der Lise-Meitner-Gesamtschule besucht und gemeinsam

geredet und geprobt. Insbesondere der Umgang mit den Akteuren des Jungen Ensemble Ruhr ist

vertraut und auf Augenhöhe. Man akzeptiert sich gegenseitig und arbeitet gern zusammen, weil alle

leistungsbereit und ernsthaft dabei sind.

4. Inzwischen ist es auch gelungen, Mädchen in die Arbeit zu integrieren, die zunächst keine

Erlaubnis hatten, sich an den Proben und Auftritten zu beteiligen. Wir führen das zum einen auf das

gewachsene Vertrauen der Eltern in unsere Arbeit zuü̈ck, zum anderen auf den glücklichen

Umstand, dass gerade die ‚Chorkinder’ aus den Peschen’ eine Sprachfördermaßnahme an der GHS

Alfred-Hitz besuchen und wir sehr gut mit der Schule kooperieren. Mit dem Rückenwind der Schule

konnten wir die Beteiligung von Mädchen auch in der Freizeit leichter durchsetzen, und die

Mädchen tun sicher das Ihre dazu.

5. Nach unserem Eindruck hat das Projekt dazu beigetragen, dass die Bewohner aus den Peschen

sich wohler fühlen und die Akzeptanz im Stadtteil wächst. Seit den Chorproben und dem

Konzertprojekt gehen sie im nahe gelegenen KOM’MA-Theater ein und aus, setzen sich auf die

Bänke davor oder auch ins Cafe. Sie winken, wenn sie am Theater vorbei kommen oder wenn man sich auf der Straße begegnet.

Darüber hinaus bieten die Proben und Auftritte auch einfach die Gelegenheit, alltägliche Probleme anzusprechen, Fragen zu klären, Verabredungen zu treffen.

Und inzwischen sind auch die ersten Antworten auf unsere Postkarten eingegangen, mit denen wir bei den Auftritten dafür werden, unser Projekt zu unterstützen und sich für die Kinder in den Peschen zu engagieren.

Zu Beginn des neuen Jahres planen wir eine Produktion zum Thema ‚Was wäre wenn’ aus der Perspektive der Kinder und Jugendlichen. Im Rahmen des 'Turlitawa' – Konzertprojektes im Mai diesen Jahres sind bereits zahlreiche Musiken, Lieder, Texte und Visuals entstanden, aber die

Kinder sind noch nicht zu Wort gekommen. Das soll mit der Gründung der Internationalen Kinder- und

Jugendbühne anders werden.

 

 

Antrag Nr. 12: Lebe Deine Stadt! – zakk GmbH, Düsseldorf

 

Projektbeginn

Düsseldorf ist eine reiche Stadt. Eine Stadt, die behauptet, schuldenfrei zu sein. Eine Stadt im Auf- und Umbau – neue U-Bahnen, Tunnel für den PKW Verkehr werden ohne Zuschüsse von Land oder Bund gebaut. Eine Stadt, die den EUROVISION SONG CONTEST ausrichtet, eine Stadt, in der Immobilien an Wert gewinnen und nicht verlieren. Aber Düsseldorf ist auch eine Stadt, in der die Schere zwischen Armut und Reichtum immer weiter auseinander klafft. In der 50% aller Bewohner_innen Anspruch auf Mietzuschüsse hat. Eine Stadt, in der über 1.000 Menschen wohnungslos sind:

Nach der Definition der Bundesarbeitsgemeinschaft Wohnungslosenhilfe ist wohnungslos, wer nicht über einen mietvertraglich abgesicherten Wohnraum verfügt.“[1]

Eine Stadt, in der es höchste Zeit für ein Soziokulturelles Zentrum ist, Missstände und die Lebensrealitäten der Menschen und ihrer Orte (in) der Gesellschaft aufzuzeigen.

 

Geplant und beantragt waren Informationsveranstaltungen und Stadtrundgänge von unterschiedlichen Gruppen:

-        Reiche schöne Stadt -> wo in Düsseldorf das Geld liegt

-        Kunst am Haus -> Streetartrundgang durch die Viertel

-        Hidden places -> Blickwinkel & Stadtführung von wohnungslosen Menschen

Alle Rundgänge sollten mit den Menschen und Initiativen ausgearbeitet werden, die in den Szenen leben. Ein wichtiger Bestandteil für Authentizität und Glaubwürdigkeit.

 

Projektaktivitäten

Angefangen hat das zakk mit dem Kooperationspartner fifityfifty, dem Straßenmagazin, das von Obdachlosen verkauft wird. Allen Beteiligten waren sich zu Beginn des Projektes einig, dass die Stadtführungen nur von Menschen durchgeführt werden können, die auf der Straße gelebt haben oder noch leben. Schnell wurde klar, dass zakk die Kommunikation mit den wohnungslosen Menschen nicht in Alleinregie leisten kann. Unterschiedliche Lebensrealitäten zeigten dieses schnell auf: Der Lebensalltag der gewonnen Stadtführer_innen verläuft in einem anderen Rhythmus als der Arbeitsalltag der zakk Kolleg_innen. Durch die Kooperation mit fiftyfifty konnten wir diese anfänglichen Hürden überwinden. Die Kolleg_innen von fiftyfifty stellten einen Arbeitskollegen für das Projekt zur Verfügung, welcher mit seinem knowhow das Prohekt bereicherte, nicht zuletzt weil er durch seine Arbeit mit den Wohnungslosen im stetigen Kontakt war und ist. Gemeinsam mit den neuen Stadtführer_innen wurde das Leben auf der Straße aufbereitet und eine Route festgelegt. Abgegangen werden Orte wie die Anlaufstellen für wohnungslosen Menschen, Notschlafstellen, Rechtsberatung und Schlafplätze im Öffentlichen Raum.

Gewonnen werden konnten drei Stadtführerteams, bestehend aus jeweils zwei Stadtführer_innen, auch um evtl. lebensumstandsbedingte Ausfällen kompensieren zu können. Die Stadtführer_innen öffnen sich den Teilnehmer_innen der Stadtführung sehr, so dass den Teilnehmer_innen viele private Lebenssituationen der Wohnungslosigkeit offenbart werden. Für die Stadtführer_innen ist das, je nach Teilnehmer_innen, nicht immer eine leichte Situation, die vom Projetteamer aufgefangen werden muß. Nach anfänglichen Proberundgängen mit zakk Kolleg_innen, Menschen aus dem Umkreis von zakk und fiftyfifty konnte im Juni 2013 der erste offizielle Rundgang starten. Zweimal monatlich finden seit dem Straßenführungen statt. Zu Beginn wurde die Teilnehmer_innenanzahl auf 10 Personen begrenzt, zum Ende des Jahres 2013 und mit gestiegener Erfahrung der Stadtführer_innen haben wir diese auf 16 Personen erhöht.

 

Durch die intensive Begleitung der Stadtführungen mit Menschen aus dem wohnungslosen Umfeld haben sich die Planungen für die Stadtrundgänge „Reiche schöne Stadt“ und „Kunst am Haus“ weiter verzögert. Das 41° Urban Art Festival von Farbfieber hat die Rundgänge „Kunst am Haus“ im September aus eigenen Antrieb übernommen und ein Streetartkünstler, Sebastian Hartmann, hat die Rundgänge „Kunst am Haus“ in Eigenregie übernommen. Für das Projekt und die Klammer „Lebe Deine Stadt“ etwas schade, aber in Anbetracht der arbeitsintensiven Phase des Projektbausteins „Hidden Places“ eine logische Konsequenz diesen Rundgang jetzt nicht auch noch anzubieten. Zudem arbeitet zakk seit Jahren intensiv mit Klaus Klinger, Farbfieber, zusammen und konnte auf der zakk Seite auf die angebotenen Aktivitäten hinweisen. Die Stadtführung „Reiche schöne Stadt“ wurde inhaltlich aufgebaut. Orte wurden recherchiert, Gebäude besichtigt. Allerdings haben wir bis Ende 2013 noch keinen Stadtrundgang anbieten können. Gemeinsam mit den Stadtführer_innen für den Rundgang „Reiche schöne Stadt“ haben wir uns auf einen Startpunkt mit beständigeren Wetterverhältnissen geeinigt. Die zum Teil prominente Besetzung der Stadtrundgänge sollte einen ausgewogenen Startpunkt ermöglichen. Mit dabei werden ab 2014 sein Christian Ehring, Martin Maier Bode, Bandmitglieder der Band Broilers und andere. Die Finanzierung ab 2014 hat die Heinrich Böll Stiftung NRW übernommen.

 

Neben den geplanten Projektaktivitäten der Stadtrundgänge hat sich das Projekt „Lebe Deine Stadt“ mit einem weiteren für die Stadt wichtigen Thema auseinandergesetzt: Wohnen. In Metropolen wie Berlin, Köln, München und Hamburg steigen die Mieten, doch auch in Düsseldorf ist es nicht anders. Für ein Projekt zum Thema „Lebe Deine Stadt“ ein ständiger Diskussionspunkt. Wohnen ist nicht nur Wahlkampfthema, Wohnen ist ein Grundrecht. Neben der Initiative Freiraum für Bewegung (Initiative von Künstler_innen) hat sich Ende 2012 das Bündnis für Wohnraum gegründet. Vertreten sind dort Initiativen wie das Erwerbslosenfrühstück im zakk, die katholische Arbeitnehmerbewegung aber auch Gewerkschaften und ASten der Düsseldorfer Hochschulen. Aktionen vor dem Rathaus und der Europäische Aktionstag für das Recht auf Wohnen sind auch ein Thema für das Projekt „Lebe Deine Stadt“.

 

Die Zukunft

 Nicht alle Ziele konnten erreicht werden, besonders bedauerlich ist, dass wir mit den Stadtrundgängen nicht zeitgleich beginnen konnten. Auch der Zusammenhang zwischen den Diskussionsveran­staltungen und den Stadtrundgängen war nicht leicht in übergreifende Beteiligung umzusetzen. Das Projektmotto „Lebe Deine Stadt“ ist zeitweise in den Hintergrund geraten - auch ist es uns (mit den vorhandenen Ressourcen) nicht gelungen, alle Punkte, welche für das Leben in einer Stadt wichtig sind, zu thematisieren. Dennoch konnte an der Idee des solidarischen (Zusammen-)Lebens in der Stadt gearbeitet werden. Gerade die Stadtrundgänge mit den wohnungslosen Stadtführer_innen unterstreicht die Wichtigkeit dieses Projektes: Die Stadtführer_innen konnten den Blickwinkel der Teilnehmer_innen der Stadtführung verändern. Die Rollen der Beteiligten wurden zeitweise getauscht - Wohnungslose boten eine Dienstleitung an, wollten in dem Fall nichts von den Teilnehmer_innen, sondern ermöglichten Teilnehmer_innen einen Einblick in ihre Welt, wodurch die Teilnehmer_innen auch die Lebenshintergründe von Stadtführer_innen erfahren konnten und frei von Klischees und Vorurteilen eine andere Lebenswelt in ihrer Stadt aufgezeigt bekamen.

 

Die Stadtführungen haben Ende 2013/Anfang 2014 einen starken Auftrieb erhalten. Gemeinsam mit unserem Kooperationspartner fiftyfifty haben wir Lösungen gefunden, um dieses Projekt langfristig zu finanzieren. Mit der Heinrich Böll Stiftung NRW haben wir den Ansatz der „Reichtum in der Stadt“ aufgenommen und arbeiten an einem Audiowalk und einer Broschüre, welche NRW weit für Städte genutzt werden kann. Auch das Bündnis für Wohnraum wird 2014 weiter vom zakk unterstützt. Das Thema „Wohnen, Verkehr und Lebenswerte Stadt“ wird sicherlich im Wahlkampf zu den Kommunalwahlen eine zentrale Rolle spielen.

 

 

 

 

 

Antrag Nr. 13: Stadtgeflüster  - Stroetmann´s Fabrik, Emsdetten

 

Vorhaben

Die Idee des Theaterprojekt Stadtgeflüster war es, anlässlich des Stadtjubliäums Emsdettens,

persönliche und historische Geschichten von Emsdettener Bürgern auf die Bühne bringen.

Die dabei entstandenen Szenen sollten an verschiedenen Orten in der Stadt und innerhalb

eines Stadtspaziergangs gezeigt werden. Um die Erzählungen auch nach den Aufführungen

festzuhalten sollten sie zusätzlich aufgenommen werden und in Form einer Audio Tour, die

auf Mp3 Playern im Verkehrsverein der Stadt ausgeliehen werden können, verfügbar

gemacht werden.

Um einen möglichst breiten Ausschnitt der Emsdettener Bevölkerung zu zeigen wurden

Spieler jeden Alters für die Theatergruppe angeworben. Die Leitung des Projekts, sowie die

Regie übernahm eine Theaterpädagogin.

 

 Durchführung

1. Kooperationspartner werden gesucht und gefunden…

Um zum Einen möglichst unterschiedliche Geschichten zu akquirieren und zum anderen eine möglichst heterogene Gruppe zu formieren wurde auf die breite Vereinsstruktur Emsdettens, sowie auf bestehende Einrichtungen zurückgegriffen. Ferner wurden Unterstützer in Form von Räumen, Kostümen, Kontakten und für die Recherche der Stadtgeschichte gesucht. Da das Projekt mit dem Stadtjubiläum der Stadt Emsdetten verbunden war, war die

Bereitschaft sich zu beteiligen und einzubringen groß.

 

Folgende Institutionen und Vereine waren in Laufe des Projekts maßgeblich beteiligt:

- St. Josefs Stift Emsdetten

- Stadtarchiv Emsdetten

- Katholische Kirchengemeinde St. Pankratius

- muslimische Gemeinde

- evangelische Gemeinde

- Käthe Kollwitz Schule

- Alte Gasthaus Engeln

- Selbstständige Stadtführer und Historiker

- Heimatbund und Heimatverein

- Emsdettener Volkszeitung

- Stadtbibliothek

- AWO Seniorenverein

- Feuerwehr

- Privatpersonen

Viele Kontakte zu Privatpersonen kamen dabei durch „Hören-Sagen“ und Mundpropaganda zustande.

 

 2. Die Theatergruppe findet sich…

Vor allen Dingen durch mehrere Aufrufe in der Emsdettener Volkzeitung, aber auch durch

Teilnehmerakquise an Schulen und Vereinen, fanden sich Ende März 2013 13 Spieler im Alter

von 10-75 Jahren zu einem ersten Schnupperworkshop zusammen. Bereits bei diesem ersten Treffen wurde inhaltlich zu der Frage: „Was macht Emsdetten für mich aus?“ gearbeitet und zudem direkt in die praktische Theaterarbeit eingestiegen. Schon dort zeichnete es sich ab, dass der gemeinsame Nenner der Heimatstadt die verschiedenen Persönlichkeiten und Generationen zu verbinden mochte.

 

 3. Probenarbeit

Im 2-wöchigen Abstand traf sich die, schließlich 10-köpfige, Gruppe um Wochenends das Stück

miteinander zu erarbeiten. Stand in der ersten Zeit noch die Gruppenfindung durch Erarbeitung gemeinsamer Gruppenszenen im Vordergrund, so verlagerte sich die Probenarbeit im Laufe der Zeit auf Einzel- und 2-er Szenen, die an individuell gefundenen Terminen stattfanden.

Die Grundlagen der Gruppenszenen waren zum Einen historische Texte aus dem Stadtarchiv

und zum Anderen gesammelte und selbstverfasste Texte auf Grundlage von Befragungen in der Stadt.

Gleichzeitig machte sich die Gruppe auf die Suche nach persönlichen Geschichten und Anekdoten der Bewohner Emsdetten, die dann in Monologen oder Dialogen szenisch umgesetzt werden sollten. Fündig wurden sie vor allen Dingen bei Bewohnern des Altenwohnheims St. Josef Stift, wo mehrere intime Gesprächstermine in Kleingruppen organisiert wurden. Aber auch Geschichten aus dem Bekanntenkreis, der Nachbarschaft, der Verwandtschaft und eigene Geschichten wurden zusammengetragen. Diese wurden dann von den Schauspielern ausgewählt, umgeschrieben und szenisch ausprobiert. Jeder Schauspieler wählte schließlich 1-2 Geschichten aus, aus denen er seine Rolle und Szene entwickelte.

Nachdem eine Auswahl an Szenen erfolgt war, wurde vor den Sommerferien ein Ablauf des Stadtspaziergangs und somit eine Dramaturgie der Szenen festgelegt und geprobt. Der letzte Endspurt und Feinschliff an den Szenen, die letzten Überlegungen zum Ablauf und zur Logistik des Stadtspaziergangs fanden dann in einer Intensivprobenwoche in den Sommerferien 2013 statt.

Mit einer öffentlichen Generalprobe und 4 ausgebuchten Aufführungen wurde „Stadtgeflüster“ schließlich am 21. und 22.09.2013 in der Innenstadt von Emsdetten aufgeführt.

 

 4. Die Inszenierung

Da es sich bei den Szenen um intime und kleine Szenen handelte, die zum Teil auch an engen Plätzen und Gassen spielten, war die Zuschauerzahl für die Aufführungen auf 20 Personen begrenzt.

Startpunkt des Stadtspaziergangs war der Verkehrsverein Emsdetten, wo die Zuschauer von der Theaterpädagogin abgeholt und begrüßt wurden. Begleitet von einer Auszubildenden von Stroetmanns Fabrik, die aus einem Bollerwagen voller Snacks und Getränke, das Publikum leiblich versorgte, und der Theaterpädagogin, die inhaltlich durch die Szenen hindurchführte, ging man gemeinsam von Szene zu Szene.

Der lockere Rahmen des Spaziergangs, der mit dem Bollerwagen an eine Maitour o.ä. erinnerte, lud die Zuschauer dazu ein, sich zwischen den Szenen über das Gesehene auszutauschen. Nicht selten wurden eigene Erinnerungen wach, so dass ein lebhaftes Gespräch zwischen den sich fremden Zuschauern entstand.

Inhaltlich machte die Inszenierung 3 Standpfeiler aus:

Zum einen bildeten die Meinungen der heutigen Bewohner darüber, was Emsdetten ist und was die Stadt besonders macht, den Rahmen der Inszenierung.

In kurzen Gruppenszenen wurden an größeren Plätzen Zeitungsberichte und Texte aus Jubiläumsschriften inszeniert, die die besondere Vorkommnisse und bauliche Veränderungen in der Stadt aufgriffen.

Kernstück der Inszenierung waren die kurzen persönlichen Geschichten und Anekdoten an

besonderen Orten, wie z.B. dem Fahrradparkhaus, einer Gaststätte oder dem Mühlenbach.

Die Szenen führten die Zuschauer nicht nur durch die Jahre 1939-2013, sondern zeigten vor allen Dingen Emsdettener Charaktere, wie z.B. die Marktfrau Gerda, die Wirtin oder 2 türkische Gastarbeiterkinder.

Auch formell unterschieden sich die einzelnen Szenen stark. Während die Gruppenszenen durch Formen des Bildertheaters und durch chorisches Arbeiten kurze, prägnante Eindrücke vermittelten, war es in den Monologen das psychologische Rollenspiel und die direkte Ansprache des Publikums, die Einblick in die persönliche Welt eines Emsdetteners boten.

 

 5. Auswirkungen

- Persönlichkeitsbildend

Für alle Schauspieler des Projekts war die Erfahrung mit unterschiedlichen Persönlichkeiten

und Altersklassen gemeinsam auf Augenhöhe zu arbeiten, eine wichtige Erfahrung. Immer

wieder wurde rückmeldet wie schön es wäre, Teil einer so „bunte“ Gruppe zu sein, und dass

dadurch eine besondere Gruppenenergie entstehen würde. Gemeinsam war allen der Spaß am Theater spielen und die Überzeugung und Begeisterung für das Projekt, die sich im Miteinander noch vervielfachte.

Durch unterschiedlichen Personen brachten auch verschiedene Dinge in die Gruppe mit ein;

der Eine engagierte sich eher für die Beschaffung von Kostümen und Requisiten, ein anderer

brachte viel Spielenergie und Spaß in die Gruppe, ein weiterer sorgte untereinander für

Disziplin und Struktur. Auffällig waren der gegenseitige Respekt und der herzliche Umgang miteinander, so dass Freundschaften über die Theatergruppe und auch über die soziale Schichtung und Altersklassen hinaus entstanden.

Neben dem starken Gruppengefühl war für alle auch die intensive Theaterarbeit eine bestärkende Erfahrung. Durch die Arbeit an Einzelszenen war eine intensive Auseinandersetzung mit sich selbst und der Rolle nötig; gleichzeitig war die besondere, ungeschützte Bühnensituation innerhalb der Stadt eine Herausforderung für die Spieler. Jeder einzelne fand, unter Begleitung und Regie der Theaterpädagogin, seinen persönlichen Weg zur Rolle und sein „Standing“ sich damit der Öffentlichkeit und dem Publikum zu präsentieren. Der Stolz diese Herausforderung gemeistert zu haben, sowie die positiven Rückmeldungen der Zuschauer taten ihr Übriges. Eine ältere Schaupielerin schwärmte noch einige Tage nach der Aufführung: „Es ist so schön! Ich schwebe die ganze Zeit!“

Nicht verwunderlich ist es also, dass die Gruppe weiter zusammen Theater spielen möchte und dass es auch eine hohe Nachfrage von Außenstehenden gibt in der Gruppe mitmachen zu können.

 

- Wissensbildend

Ganz nebenbei hatte das Theaterprojekt auch einen wissensbildenden Charakter. Dadurch dass das Thema des Projekts im Grunde die eigene Geschichte in der Stadt- und Zeitgeschichte war, lernte nicht nur die jüngere Generation historische Hintergründe besser verstehen. Emsdettens Vorrangstellung in der Textilindustrie wurde genauso aufgegriffen und diskutiert, wie die Politisierung der Jugend in den 80er Jahren in Form von Hausbesetzungen etc. Oft kam die Frage auf: Wie ist es denn heute? Und, ist es gut so wie es ist?

Vielfach wurden Parallelen in der politischen Geschichte der Stadt entdeckt, wie z.B. die Diskussion um ein Jugendzentrum.

Auch gesellschaftliche Normen und Verhaltensweisen wurden aufgedeckt und hinterfragt, wie z.B. der Umgang mit Fremden, sogenannten „Zugezogenen“ oder die Bedeutung der katholischen Kirche.

Die Motivation sich mit diesen Themen auseinanderzusetzen, geschah aus der Arbeit heraus und aus dem Wunsch die Rollen und Szenen besser verstehen und sie so auch spielen zu können.

 

 - Identitätsstiftend

Nicht nur für die Schauspieler hatte das Projekt den Effekt, dass sie sich einander und der Stadt zugehöriger fühlten. Viele Szenen riefen bei den Zuschauern eigene Erinnerungen hervor, das

Gesehene wurde aus einer anderen Sicht erzählt und so fand noch Tage nach den Aufführungen ein reger Austausch statt. Viele Bewohner bedauerten, bei den Aufführungen nicht dabei gewesen sein zu können und fragten nach einer Wiederaufnahme.

Die Möglichkeit die MP3 Player mit den Geschichten auszuleihen und sich auf eigene Faust durch die Stadt und die Geschichten zu begeben wurde nach den Aufführungen vermehrt genutzt. So trafen sich z.B. die Firmlinge der Pankratius Gemeinde und Bewohner des St. Josef Stift um die Audio Tour gemeinsam anzuhören und um über die Geschichten ins Gespräch zu kommen.

Über das Theaterprojekt hinaus konnte so der gemeinsame Nenner der Heimatstadt die Bewohner verbinden und eine gemeinsame Identität und ein Zusammengehörigkeitsgefühl stiften.

 

 

Antrag Nr. 15: Denkodrom - Port - Verein für Kunstförderung e.V., Essen

 

Wir haben 2013 fünf Denkodrom Veranstaltungen mit insgesamt über 500 Besucher_innen durchgeführt. Den Höhepunkt bildete das Festival am 01.06.2013 in der Rotunde in Bochum, welches auch für absehbare Zeit das letzte Denkodrom bleiben sollte. Es ist mir leider nicht möglich, die zahlreichen Momente der Sichtbarwerdung künstlerischer Entwicklung, GewahrWerdung,

Kontrastierung, des kritischen Überschritts beim Publikum und bei den Künstler_innen im Einzelnen zu beschreiben. Danke, dass durch die Förderung der LAG-Soziokultur diese Veranstaltungen möglich wurden, die im Leben vieler Menschen unvergessen bleiben werden.

 

Veranstaltungen

01.02.2013 – EMO, ESSEN – 65 Besucher_innen

Die Produktion „Zu Zweit Mit Kopf Nicht Unten“ des 99cent-Theaters inszenierten wir im Saal des

EMO-Jugendhauses mitten im Raum gegenüber der Bühne. Nach der allemal schon dadaistischen

Darbietung erzeugten wir weiteres Kopfzerbrechen, indem wir dem Stück, ohne Unterbrechung, ein

surrealistisches Interview folgen ließen. Vielen Anwesenden war die Unsicherheit über die fehlende

Markierung von Darbietung und scheinbarer Objektivität anzumerken. Die anschließende

Improvisation „Nicken im Sitzen“ formierte sich als voranschreitende Dekonstruktion des gereimten Sprechgesangs (Rap). In nachvollziehbarer Graduierung vollzogen die Performer eine Bewegung von der strengen Form des HipHop-Raps (4/4 Takt / gereimtes Sprechen sinnhafter Sätze), zu einer Komposition „Neuer Musik“, die aus aleatorisch rhythmisierten Geräuschkaskaden und Obertonkichern fluktuierte. Im abschließenden Vortrag versuchte Ich Konsequenzen aus der Differenz zwischen Spiel und Transition zu benennen bzw. Logik, Überschreitung und Gefühl gesellschaftspolitisch zu erkunden.

 

16.02.2013 – KITEV-LEERSTAND, OBERHAUSEN – 80 Besucher_innen

Wegen Krankheit musste die Band ODUN auf ihren Drummer verzichten und so spielten E. Ludwig

und N. Herzogenrath stattdessen mit ihrer Duo-Formation „Sören Sörensen“, die bereits beim ersten

Denkodrom 2008 aufgetreten war. Da viele Besucher_innen den KITEV-LEERSTAND kennen

lernen wollten, erreichten wir ein großes Publikum. Das abschließende Konzert von Katastrophia in

einer einzigartigen Lichtkulisse löste Begeisterungsstürme aus.

Video-Link / Katastrophia im KITEV-LEERSTAND : http://www.youtube.com/watch?v=-NnLaIhOmPE

 

01.03.2013 – DJÄZZ, DUISBURG – 40 Besucher_innen

Der Höhepunkt des Abend waren Manuel Schmitt und sein 8-Köpfiges „Fjellfras Ensemble“, welches statt des angekündigten Ensemble Infernum erschienen war und lauthals Hymnen auf die Schönheit der Shizophrenie trällernd durch das DJÄZZ marodierte. Auch der anschließende „Shizolog“ mit Klaus Steffen vermochte sich in einem Augenaufschlag von Betrachtungen über den Zusammenhang mittelalterlicher Gnosis mit avantgardistischer Kunstauffasung zu halluzinierten Blicken auf die vor uns liegende Vergangenheit zu bewegen. Die Improvisationskonzerte zu Anfang des Abends waren ebenfalls überragend.

 

03.05.2013 – EMO, ESSEN – 62 Besucher_innen

Für den letzten von 20 Denkodrom Abenden im EMO-Jugendhauses in Essen wünschte ich mir,

dass alle Solo spielen. Dies war eine besondere Herausforderung, weil insbesondere die Jazz(

Studenten) stets mindestens Duos spielen. Der Abend gewährte einen konzentrierten Blick auf die

klangliche, sowie körperliche Performanz der Künstler_innen. Julius Gabriel interpretierte die

konzeptionelle Setzung des 20-Minuten Solos als sportliche Herausforderung und verausgabte sich

Saxophon-spielend und zugleich im Kreis über die Bühne rennend, während er regelmäßig die

verbliebene Zeit ansagte. Fabian Jung spielte sein Konzert im Toilettenraum und musste dieses

wegen eines zu energetischen Angangs frühzeitig mit Fingerkuppenschmerz beenden (Für ihn ein

regelmäßiges Problem). Mr Maribel kombinierte ihr Bass Solo mit Schmink-Performance und

transformierte zum Drag-King. Die übrigen Soli waren souverän und mein philosophischer Vortrag

war auch ganz nett.

 

01.06.2013 – ROTUNDE, BOCHUM – 320 Besucher_innen

Für das Denkodrom Festival machte es Sinn erheblich mehr Öffentlichkeitsarbeit zu machen. So

enstand für den Headliner VON MAGNET ein eigener Flyer, sowie ein A3 Poster und Flyer. Über

die Veranstaltung wurde redaktionell im Coolibri und im Offline-Bochum berichtet. (s.u.) Die

Zusammenarbeit mit VON MAGNET war dadurch begünstigt, dass der Schlagzeuger der

Performance-Gruppe Hugues Villette vor wenigen Jahren aus Paris ins Ruhrgebiet gezogen ist.

 

Das LineUp wurde durch die Berliner Queer-Synth-Pop Combo DieVonDavon, sowie von vielen lokal-ansässigen Acts komplettiert. Der Künstler Mark Schulte erstellte für die Veranstaltung eine raumgreifende Gips-Skulptur und präsentierte Kohlezeichnungen. Die Ausstellungsräume blieben hell beleuchtet, um so Kontraste und Wahrnehmungssprünge für das Publikum, dass nach 23 Uhr zwischen Konzerten in zwei Räumen wählen konnte, zu ermöglichen. Wir hatten die Veranstaltung bereits im Vorfeld als letzte Denkodrom Veranstaltung angekündigt, was zusätzlich für eine besondere Stimmung sorgte. Die Zusammenarbeit mit dem Sounddesigner Pascal Gehrke bewährte sich bei dieser Veranstaltung besonders. Der reibungslose und klanglich einwandfreie Konzertabend brachte uns großes Lob von VON MAGNET ein. Wir freuen uns auf weitere Denkodrom Veranstaltungen,

wenn wir verstanden haben, wie das gehen soll.

 

 

Antrag Nr. 16: „Atlantis oder wie die Griechen die Demokratie erfanden“ - Kulturzentrum Grend e.V., Essen

 

Projektrahmen

Die Projektwoche „Atlantis oder wie die Griechen die Demokratie erfanden“ wurde von den Vereinen Kulturzentrum Grend e.V. und dem Werkstatt-Bildungswerk Essen e.V. geplant, organisiert und durchgeführt und fand im Zeitraum vom 22.7. bis zum 26.07. und vom 29.07. – 02.08.2013 im Kulturzentrum Grend in Essen-Steele statt. Die Projektleitung lag bei Volker Koopmans.

 

Die teilnehmenden Kinder waren zwischen 6 und 12 Jahren.

Das Projekt fand von Montag bis Freitag von 10 bis 16 Uhr statt.

Das Mittagsessen wurde zwischen 12.30 und 13.30 Uhr eingenommen. Von 9.00 – 10.00 Uhr und von 16.00 –17.00 Uhr fanden die Teamsitzungen aller beteiligten Mitarbeiter statt.

 

Das Vorgehen innerhalb des Projektes wurde immer für die Kinder transparent gemacht. Zu Beginn des Tages wurde der Tagesplan vorgestellt. Vor jeder Übung wurde vermittelt, welchen Sinn die jeweilige Übung hat.

Die Kinder hörten sehr genau zu, machten Vorschläge und stellten zahlreiche Fragen.

 

1. Tag - 10.00-12.30 Uhr

Einführung ins Thema Atlantis und erste Fragen.

Die Seminarleitung stellte den Kindern das Ziel und die Struktur des Projektes vor. Ziel des Projektes „Die Reise nach Atlantis“ war es, gemeinsam mit den Kindern das fiktive Land Atlantis und seine Bewohner zu erforschen und als Ergebnis der Forschungsreise Geschichten zu finden, die etwas über  das Leben der Menschen erzählen.

Jeder Projekttag begann mit einem gemeinsamen Training, das für die „Forschungsreise“ fit machen sollte. Das Training bestand aus Spielen und Übungen, die auf das Thema bezogen waren.

Am Ende des Tages konnte jeder in einer Schlussrunde sagen, was er sich für den nächsten Tag wünscht. Das Projekt wurde inspiriert durch die Atlantis Erzählungen von Platon und den Theaterstücken vom Rimini Protokoll. Die Kinder wurden vom Projektleiter mit der Erzählung bekannt gemacht und über die verschiedenen Ansichten, Vorstellungen und Geschichten zu Atlantis und wie es untergegangen ist, unterrichtet. Auch über die Ansicht, dass einige sogar bezweifeln, ob es Atlantis je gegeben hat.

Die Kinder wurden eingestimmt, die Haltung von Forschern einzunehmen, die sich gemeinsam auf eine Forschungsreise nach Atlantis begeben. Dann wurde seitens der Seminarleitung die Regeln für das Projekt vorgestellt und erläutert, dass sich alle daran halten sollen, um einen möglichst reibungslosen Ablauf zu gewährleisten. Der Sinn dieser Regeln wurde den Kindern transparent gemacht.

Die Kinder wurden nach eigenen Vorschlägen für Regeln befragt. Ihre Vorschläge wurden einbezogen.

Die Phantasie  der Kinder wurde angeregt durch Fragen angeregt wie

„Welche Menschen haben auf Atlantis gelebt?“

„Wie hießen sie?“

„Welche Berufe hatten sie?“

„Wie wurden sie regiert?“

„Wer hat sie regiert?“

„Was würdest du tun, wenn du König von Atlantis wärst?“

„Wie und Warum ist Atlantis untergegangen?“ 

 

Die Antworten wurden auf einer Flipchart und einer Wandtafel notiert. Die Notizen waren im Verlauf des Projektes für alle Beteiligten eine Inspirationsquelle.

Die Antworten auf die Frage „Wie und warum ist Atlantis untergegangen“ flossen in einen Forscherkongress zum Thema ein.

Thesen der Kinder / Forscher, die hier nur stichwortartig aufgeführt werden, waren:

Tsunami, Vulkanausbruch, Krieg, Explosion in einem Atomkraftwerk, Klimawandel, ein zu tiefes Loch nach Diamanten gebohrt, mit Feuer gespielt u.a.

Auch der Forscherkongress wurde Teil der Präsentation. Ein Kind moderierte dabei den Forscherkongress.

 

12.30 -13.30 Uhr - Mittagspause

 

13.30-16.00 Uhr  - Erste Geschichten und szenische Erfindungen

Die sehr unterschiedlichen Antworten der Kinder waren Grundlage für szenische Erfindungen. Sie wurden von den Kindern ausgestaltet und am Ende dem Publikum als Fundstücke präsentiert. Dafür taten sie sich in Kleingruppen zusammen, in denen sie von den Theaterpädagogen unterstützt wurden. Die inhaltliche Gestaltung blieb dabei in den Händen der Kinder.

Beispiele für die szenische Erfindungen der Kinder:

1. Ein König antwortet auf die Frage

„Was wollen sie Majestät?“

immer wieder

„Ich will Krieg!“.

„Später mein Schatz“ sagt seine Frau, die Königin

während sie die Köchinnen und Dienerinnen schikaniert.

Die Schikanierten gehen an die Rampe, schütteln die Köpfe und sagen zum Publikum:

„Hoffentlich gibt´s bald Demokratie!“

 

2. Eine Königin und ihr Sklavenhalter pressen ihre Sklaven bis aufs Blut aus und werfen sie aus reiner Willkür ins Gefängnis. Die Sklaven verschwören sich und beschließen den Tod der Königin. Ganz wie in einem Drama Shakespeares sterben der Tyrann und die Tyrannin auf ihrem Thron durch das  Schwert.

Ihrem Bedürfnis nach einem versöhnlichen Ende folgend, lassen die Kinder die Königin während des Volksfestes aus Anlass der Sklavenbefreiung erwachen, ihrer Krone und Herrschaft entsagen und mitfeiern.

 

3. Ein Obdachloser sitzt mit seinem Hund bettelnd auf der Straße.

Ein Banker mit einem Aktenordner unter dem Arm kommt vorbei.

„Ich bin arm und obdachlos und brauche Geld.“

„Wieso bist du obdachlos?“

„Ich war Rettungsschwimmer. Aber ich hatte eine gefälschte Lizenz.“

„Ich gebe dir nichts. Schau selber wie du klarkommst.“ Der Banker geht.

Eine Sturmflut überschwemmt Atlantis.

In den Wirren der Fluten rettet der Obdachlose den Banker.

„Meine Akten!“

„Lass deine Akten. Das Leben ist wichtiger.“

An einem sicheren Ort.

„Wieso hast du mich gerettet? Ich habe dir doch kein Geld gegeben?“

„Ist Ehrensache.“

Der Vorsitzende der DLRG tritt auf. Für ihre selbstlose Rettung dieses Mannes verleihen wir ihnen ehrenhalber eine Lizenz als Rettungsschwimmer.

 

Diese und weitere szenische Erfindungen der Kinder sind  später in die Aufführung eingeflossen.

Schlussrunde

 

2.Tag - 10.00 -12.30 Uhr

Fantasiereise und Bilder zum Thema Atlantis

Angeleitet von den Theaterpädagogen begaben sich die Kinder auf eine Phantasiereise zum Thema „Wie ist Atlantis untergegangen und welche Rolle habe ich dabei in der Fantasie gespielt.“ Die Idee dabei war, dass das Verhalten der Menschen im Falle einer Katastrophe viel über ihr Zusammenleben erzählt.

Nach der Fantasiereise wurden die Kinder gebeten, ihre Bilder, die sie im Kopf haben, zu malen. Jedes Kind stellte sein Bild vor und erläuterte was darauf zu sehen ist. Die selbstgemalten Bilder wurden fotografiert, bearbeitet und in der Aufführung groß auf die Bühnenrückwand projiziert. Die Kinder waren fasziniert davon, das ihre „Kinderbilder“ in der Kombination mit Musik auf diese Weise filmische Wirkungen erzielen können.

 

12.30 -13.30 Uhr - Mittagspause

 

13.30-16.00 Uhr Sondersendung. Der Untergang von Atlantis.

Nach der Fantasiereise wurden die Kinder zu ihren fantasierten Erlebnissen beim Untergang der Insel als fiktive Zeugen des Ereignisses befragt. Dabei wurde mit der Idee einer Sondersendung zum Untergang von Atlantis gespielt. Die Form des Interviews und die Erzählhaltung der rückblickenden Betrachtung verschaffte den Kindern die nötige Distanz zu den Ereignissen.

Wie heißen sie?

Was war ihr Beruf auf Atlantis?

Was haben sie getan bevor die Katastrophe passierte?

Was haben sie getan als die Flut da war. Was haben sie gedacht/gefühlt?

Wie sind sie gerettet worden? Hast du jemandem geholfen?

Was werden sie jetzt machen? Werden sie zurückkehren? Werden sie in Deutschland bleiben?

Die Zeugen wurden bewusst gesiezt um die Kinder in ihren erwachsenen Rollen zu bestärken.

Nachdem die Kinder in das Verfahren des Interviews eingeführt waren, übernahmen sie es selbst die fiktiven Zeugen der Katastrophe zu befragen. Die Antworten der Kinder als Zeitzeugen wirkten sehr authentisch, als wären sie wirklich dabei gewesen. Der medial vermittelte Realitätscharakter der Interviews übte eine starke Faszination auf die Kinder aus. Jeder wollte unbedingt interviewt werden und selbst die Zeugen befragen.

Die Interviews wurden am Ende in die Präsentation der Expeditionsergebnisse einbezogen.

Schlussrunde

 

3.Tag - 10 .00-12.30 Uhr

Wer ist der Bestimmer   und   Den König spielen die Anderen

Die Kinder wurden mit weiteren, für sie neuen Theaterformen bekannt gemacht, die sie noch nicht kannten.

Ein Einstieg in das Thema  Gesellschaftsformen/Gesellschaftsnormen, war ein Spiel mit Fragen, auf welche die Kinder aufgrund ihrer persönlichen, autobiografischen Erfahrung antworten konnten. Im Ja/Nein Spiel nach dem Vorbild von Rimini-Protokoll, wurden Fragen gestellt oder Aussagen gemacht, welche die Kinder dadurch beantworteten das sie entweder auf ein Ja- oder ein Nein-Feld sprangen. Dadurch ergab sich ein Bild des Verhaltensspektrums der Gruppe und ihrer Familien.

 

Hast du schon mal etwas Verbotenes getan?

Bist du dafür bestraft worden?

Fandest du die Strafe gerecht?

Würdest du es noch einmal tun?

Haben deine Eltern schon mal etwas Verbotenes getan?

Sind sie dafür bestraft worden?

Fanden sie die Strafe gerecht?

Würden sie es noch mal tun?

Macht ihr immer was eure Eltern wollen?

Wer ist der „Bestimmer“ in deiner Familie?

Dein Vater?

Deine Mutter ?

Machen deine Eltern immer was du willst?

Hast du schon mal Angst gehabt?

Hast du schon einmal Angst um dein Leben gehabt?

Hast du schon mal einen Menschen oder ein Tier gerettet?

Hast du schon mal jemanden geholfen, den du nicht besonders mochtest?

Möchtest du gerne lange leben?

Das Spiel, die Fragen und die Antworten würden später Teil der Aufführung.

 

In modifizierten „Kinderspielen“ konnten sich die Kinder in den Rollen des Königs/ der Königin bzw. ihrer Untertanen ausprobieren. Die Spiele folgten dem Theaterprinzip „Den König spielen die Anderen“.

 

Beispiele für Königsspiele:

- Keiner darf größer sein als der König!

- Alle Wünsche des Königs erfüllen. Einen Stuhl zum setzen, Lobhudelei, Luft zufächeln.

- Der König und sein Narr.

Um die Kinder in der Rolle der Könige zu bestärken wurden sie einem Zeremoniell königlich mit rotem Hermelinmantel, goldener Krone und Zepter ausgestattet.

Danach wurde mit den Kindern über die Rollen reflektiert.

 

Was hat mir daran Spaß gemacht, König zu sein?

Was hat mir daran keinen Spaß gemacht, König zu sein?

Wann hat es mir Spaß gemacht, ein Untertan zu sein?

Wann hat es mir keinen Spaß gemacht, ein Untertan zu sein?

 

Einige Königspiele würden Teil der Aufführung.

 

12.30 -13.30 Uhr – Mittagspause

 

13.30 – 16.00 Uhr - Wenn ich König von Atlantis wäre...

Jedes Kind wurde gebeten zu sagen was es tun würde wenn es König oder Königin von Atlantis wäre. Sie sollten den Satz ergänzen: Wenn ich König von Atlantis bin, dann würde ich...“

Statements waren unter anderem:

Für Gerechtigkeit sorgen.

Das keiner arm sein muss.

Das es keine Kriege gibt.

Das jeder genügend Obst bekommt.

Alle Menschen mit Gold und Edelsteinen überschütten.

Dafür Sorge tragen, dass man mich auch wieder abwählen kann.

Die Todesstrafe abschaffen. Jeder Mörder soll ein zweite Chance bekommen.

Die Auftritte als König von Atlantis mit eigener „Regierungserklärung“ wurde Teil der Aufführung.

Jedes Kind wurde als König mit Mantel, Krone und Zepter ausgestattet und auf dem Thron fotografiert. Diese Bilder wurden in der Aufführung groß auf die Bühne projiziert. In einer Demokratie ist jeder ist ein König, eine Königin. Der Souverän ist das Volk.

 

Schlussrunde

 

4. Tag  - 10.00-12.30 Uhr

 

Das Stück zusammen bauen und  1. Durchlauf und Kritik

Am vierten Tag wurden die Forschungsergebnisse gemeinsam mit den Kindern  gesichtet und in Hinsicht auf die Aufführung am nächsten Tag  ausgewählt.

Nach einem ersten Durchlauf reflektierten die Kinder und die Theaterpädagogen gemeinsam die Wirkung des ganzen Stückes, einzelner Szenen und das Spiel der einzelnen Akteure. Dabei wurde darauf geachtet zuerst positive Aspekte zu benennen und dann erst Tipps für Verbesserungen zu äußern.

In der Konsequenz wurde das Stück an einzelnen Stellen gekürzt. Dabei wurden der Wunsch möglichst große Rollen zu spielen gegen die Wirkung des ganzen Stückes durch die Kinder abgewogen.

Bei den Spielern fiel auf, dass die Jüngeren insbesondere oft die Haltung des Kinderspiels einnahmen, das sich selbst genügt. Es galt den Kindern ein Bewusstsein dafür zu vermitteln, was es heißt für ein Publikum zu spielen, also Theater zu spielen. Darauf achten laut genug zu sprechen, dem Publikum nicht oder nur begründet den Rücken zuzudrehen gehörte u.a. zu den Anstrengungen und (Selbst-) Disziplinierungen, die das Theaterspiel vom Kinderspiel unterscheiden, in dem sie ihren eigenen Rhythmen und Spielimpulsen folgen können. Aufgabe der Theaterpädagogen war es dabei zu verhindern, dass die Spontaneität des Kinderspiels nicht verloren geht.

 

12.30 -13.30 Uhr - Mittagspause

 

13.30-16.00 Uhr - 2. Durchlauf. Was war besser?

 

2. Durchlauf des Stückes und Reflexion.

Was hat besser funktioniert?

 

Schlussrunde

 

5. Tag - 10.00 -12.30 Uhr

Letzte Proben

Letzte Proben des Stückes und der Szenen.

 

12.30 -13.30 Uhr

Mittagspause

 

13.30-15.00 Uhr - Vorbereitung auf die Präsentation

Vorbereitung der Bühne. Einrichtung der Technik und des Lichts. Aufbau der Zuschauerstühle. Vorbereitung der Kostüme und Requisiten. Die Kinder übernahmen eigenverantwortliche Aufgaben bei den Vorbereitungen.

 

15.00-16.00 Uhr - Aufführung „Die Reise nach Atlantis“

Präsentation der Forschungsergebnisse in Form einer Theateraufführung.

Dauer 1 Std. ca. 70 Zuschauer.

Die erwachsenen Zuschauer und Eltern bemerkten unter anderem, dass sie der souveräne Auftritt der Kinder beeindruckt hätte. Auch wenn einzelne leise gesprochen hätten und in den hinteren Zuschauerreihen nur leise zu verstehen gewesen wären. Nach Aussagen der Zuschauer, in der Regel die Eltern und Verwandten der Kinder, entstand der Eindruck, dies seien die eigenen Geschichten der Kinder und nicht etwas ihnen Fremdes, das sie einstudiert haben.

Nach der Aufführung nahmen die Kinder und die Theaterpädagogen voneinander Abschied.

 

Einige Eindrücke anstatt eines Resümees

Die Kinder waren in der Lage Aufgaben eigenständig in kleinen Gruppen zu lösen. Die Größeren unterstützten dabei die Kleineren.

Konflikte wurde im Rahmen von Gruppengesprächen den Kindern transparent gemacht und sie in deren Lösung einbezogen. Dabei wurde auch auf das Atlantis Thema Bezug genommen.

Die Kinder waren in der Lage ihre eigenen Interessen zugunsten der gemeinschaftlichen Aufgabe zurück zustellen. Auch und gerade wenn das nicht immer leicht viel.

Die Kinder nahmen angeregt die Angebote auf. Es war beeindruckend welche Vielfalt an Ideen die Ausgangsfragen auslösten und welche Haltungen sie dabei formulierten.

Sowohl der Projektverlauf wie die Präsentation darf als Erfolg angesehen werden.

 

 

 

Antrag Nr. 20: Große Freiheit - Freundeskreise für Suchtkrankenhilfe, Gescher

 

Die im November 2011 gegründete Freundeskreisgruppe GrOßeFreiheit Gescher beschäftigt sich Theatermäßig mit dem Thema „Kinder in suchtbelasteten Familien“. Ziel der Arbeit ist die Aufklärung über vielfältige Suchtformen und deren Auswirkungen auf die Familien und deren Kinder. Als Zielgruppe der spielenden Kinder war eine Altersspanne von etwa 12 bis 18 Jahre angedacht, die in Schulen vor Kindern ab Klasse 7 das in 2012 einstudierte Stück nach der Premiere im Februar 2013 mit elf Auftritten zu spielen. Neben sechs Schulen wurden auch fünf Aufführungen für ein gemischtes aber meist erwachsenen Zuschauerkreis gespielt.

Als besonderes Highlight muss der Auftritt der Gruppe auf dem 9. Bundeskongress der Freundeskreise im Mai in Alsfeld genannt werden. Dort spielte die Gruppe vor rund 600 Besuchern aus den Freundeskreisgruppen in Deutschland. Diese waren in der Regel Gruppenbegleiter in den verschiedensten Gruppen deutschlandweit. Dieser Termin hatte viele Aufträge für die Gruppe auch Deutschlandweit zur Folge.

Nach einem Workshop mit etwa 20 Jugendlichen und der Theaterpädagogin Rahel Thomsen aus Wuppertal wurde zunächst mehrere Monate mit der Gruppe gearbeitet und das Konzept für das Stück erarbeitet.

Das Stück MACHTLOS wurde mit eigenen Texten der Jugendlichen, eigenen Liedertexten und einem eigenen Rap ausgestattet. Die musikalische Ausstattung und Vertonung haben wir mit bekannten Helfern hin bekommen und die Stücke werden während des Auftrittes von unseren Akteuren live gespielt und gesungen.

Das Stück wird ausgezeichnet durch Kinder, die aus suchtbelasteten Familien kommen und ihre Geschichten und Gefühle eingebracht haben. Aber genau so sind die Kinder zu nennen, die sich für das Thema auf die Bühne stellen und sich laufend den Fragen nach der eigenen Erfahrung in diesem Bereich ausgesetzt sehen.

Das Stück geht unter die Haut, aber es lässt auch den Zuschauer nicht allein, sondern bietet immer wieder Hilfestellung und Möglichkeiten sich Hilfe zu holen und den Suchtkreislauf zu durchbrechen.

Neben der aufklärenden und anregenden Wirkung auf die Zuschauer ist auch das positive Element für unsere Schüler und Jugendlichen nicht zu verkennen. Sie bekommen durch das Stück und das Thema die Möglichkeit, sich intensiv mit den Themen auseinanderzusetzen. Dadurch hat sich für viele unserer Mitwirkenden die eigene Einstellung zu Suchtbelangen deutlich zu einer positiv konsumierenden Haltung verändert. Heute gehen die Jugendlichen mit in Gruppen und öffentliche Veranstaltungen, um dort zum Thema Stellung zu beziehen und ihre Sicht auf die Probleme offen zu diskutieren.

In 2013 wurde die Gruppe für den Deutschen Engagementpreis nominiert. In 2014 hat sich die Gruppe darüber hinaus in der Ausstellung Total stark! Kreative Suchtselbsthilfe in Nordrhein-Westfalen, die in Gescher zu Gast war eingebracht. Zum Ende der Wanderausstellung zum Tag der Selbsthilfe im Landtag Nordrhein-Westfalen am 20. September 2014 planen wir mit unseren Akteuren zwei eigene Beiträge der GrOßeFreiheit Gescher zum Thema Theater und Suchtmittelabhängigkeit.

 

Antrag Nr. 22: Geräuschwelten Festival 2013 – AufAbwegen, Köln

 

06.12. – 08.12.2013 Münster, verschiedene Orte

 

Verlauf

Das Geräuschwelten Festival hatte zum Ziel, die ganze Bandbreite der Geräuschmusik zu präsentieren und zu zeigen, wie unser Alltag von Klang bestimmt ist. In Konzerten in der Black Box haben internationale Musiker der Experimentalelektronik aktuelle künstlerische Positionen zum Thema präsentiert. Im von den Klangkünstlern Ross Parfitt und Jennifer Iker kuratierten Klangspaziergängen durch Münster wurde die Aufmerksamkeit auf ein bewusstes Hören und eine hörende Erschließung des urbanen Raumes gelenkt. Die Klanginstallation von Stefan Roigk & Daniela Fromberg interagierte mit dem halligen Vorraum des Berliner Kunstvereins in Münsters Hafenviertel. In einem Vortrag im Institut für Ethnologie der WWU-Münster berichtete der Musiker und Klangjournalist Peter Cusack von seiner Suche nach Klängen in gefährlichen Regionen unserer Erde. Insgesamt entstand so ein rundes Bild von der Vielschichtigkeit der verschiedenen Auseinandersetzungen mit Sound, in dem sich

die disparaten Betrachtungsweisen zu einem spannenden Ganzen formen konnten.

 

Wirkung

Insgesamt konnte das Festival Geräuschwelten eine weit über die Grenzen Münsters hinaus wirkende Ausstrahlung erzielen, was vor allem der Kooperation mit dem Westdeutschen Rundfunk zu verdanken ist. Der WDR hat alle sechs Konzerte in der Blackbox aufgezeichnet und auf dem Sendeplatz WDR3 open: Freiraum im Zeitraum von Januar bis März gesendet – immer als einstündiges Feature mit Hintergrundinformationen und Interviews mit den auftretenden Künstlern. Diese umfassende mediale Abbildung der eher randständigen Sparte der Geräuschmusik kommt äußerst selten vor und zeigt die gestiegene Bedeutung dieses Genres zwischen avancierter Popmusik und Klangkunst. Außerdem konnte mit dem hochkarätigen Programm ein überregionaler Publikumskreis angesprochen werden; die Vorverkäufe zeigten, dass auch viele Menschen von weiter her extra zum Festival nach Münster anreisten (es gab Bestellungen aus Bremen, Hamburg, Mannheim, Dortmund, Köln u.a.). Schön war auch, dass mit den kostenlosen Angeboten der Klanginstallation und der Klangspaziergänge neue, fachfremde Publika angesprochen werden konnten.

 

Schwierigkeiten & Positives

Selbstkritisch ist anzumerken, dass der Flyer zum Festival leider erst viel zu spät aufgrund ausstehender Bestätigungen von Künstlern fertig gestellt wurde, daher war der Werbevorlauf zum Festival doch sehr kurz. Mit etwas mehr Vorlauf wäre sicher auch mehr Vorberichterstattung in Münsteraner Medien erreicht werden können. Es gab immerhin eine Ankündigung in der Ultimo, der WN und ein kurzes Feature im Studentenradio Radio Q. Dem kurzen Vorlauf ist wohl auch geschuldet, dass sich die Besuchergruppen der einzelnen Angebote des Festivals nicht so sehr vermischt haben, wie beabsichtigt. In absoluten Zahlen gemessen war das Festival mit ca. 180 Besuchern gut besucht, hat aber noch Potenzial nach oben. Es zeigt sich, dass ein Termin in der hektischen Vorweihnachtszeit nicht sehr günstig ist.

Als positiver Effekt ist zu nennen, dass das Thema der künstlerischen Auseinandersetzung mit Sound sehr dankbar aufgenommen wurde und längst noch nicht erschöpft ist. Das Künstlerpaar Iker/Parfitt hat durch die Kuration des Klangspaziergangs durch Münster sich die eigene Stadt auf völlig neue Weise erschlossen und schmiedet bereits Pläne, dieses Angebot zu verstetigen, bzw. auszuweiten (z.B. auf Klangfahrten durch Münster mit dem Fahrrad, etc.). Ebenfalls erfreulich ist, dass der WDR großes Interesse gezeigt hat, eine weitere Ausgabe des Festivals in ähnlichem Umfang zu unterstützten. Formal positiv hat sich ausgewirkt, dass Till Kniola durch seine Tätigkeit am ZKM – Karlsruhe in der Lage war, extrem hochwertige Installationstechnik unentgeltlich auszuleihen, so dass im Bereich des Kostenansatzes für die Klanginstallation weniger Ausgaben gemacht werden mussten als ursprünglich geplant.

 

Ausblick

Momentan schmiede ich Ideen für eine zweite Ausgabe des Festivals, diesmal dann im Oktober 2014. Ziel wäre es, die Bereiche der Präsentation künstlerischer Arbeiten mit praktischen Angeboten, wie z.B. Workshops vor Ort zu verbinden und das Festival noch stärker mit Szenen und demstudentischen Milieu vor Ort zu verzahnen.

 

 

Antrag Nr. 27: Musical Heros IZ+ 2013 – cuba-cultur, Münster

 

Das Projekt konnte trotz reduziertem Zuschuss seitens der LAG erfolgreich durchgeführt

werden. Durch die spätere Bewilligung nach fortgeschrittener Programmplanung auf Seiten unseres

Kooperationspartners Werkhauses Krefeld, konnten dort nur noch zwei Konzertprojekte aus

der gemeinsamen Planung übernommen werden.

Entsprechend geringer fällt so auch der Finanzierungsanteil des Werkhauses Krefeld aus.

Übernommen wurden im September ein international besetztes Trio um den Münsteraner

Saxophonisten Jan Klare und im November das herausragende Schweizer Samuel Blaser/

Pierre Favre – Duo.

Leider ist eine Weiterführung dieser Programmkooperation durch eine drastische Kürzung der

städtischen Zuschüsse für das Werkhaus Krefeld nicht mehr gesichert.

 

 

Antrag Nr. 28: Ein Gasometer, ein Fernseher und ein Kessel Buntes - Das Kunstprojekt sozialpalast, Münster

 

21., 22., 23.06.2013 in Münster

Konzeption

Das Kunstprojekt sozialpalast 2013 nimmt Bezug auf die erste sozialpalast-Arbeit von 2006 in den Osmo-Hallen in Münster. Dort wurde ein Bühnenprogramm aus einer leeren Industriehalle auf TV-Geräte in den Publikumsbereich außerhalb der Halle übertragen. Auch in 2013 spielt sozialpalast konzeptionell mit der Live-Übertragung eines Videobildes in den gesonderten Publikumsbereich. Nur wird in diesem Fall das TV-Gerät zum wichtigsten Gegenstand, zur medialen Hauptfigur und erfährt sogar eine thematische Bedeutung: Denn die Idee zur Platzierung des Projekts im Gasometer in Münster basiert auf der Polittalk-Sendung Günter Jauch in der ARD, prominent produziert im stillgelegten Gasometer in Berlin-Schöneberg. „Die Idee war: das machen wir auch, und zwar in unserem Gasometer, hier in Münster. Und wir machen nicht nur eine Polittalk-Sendung, sondern wir zerlegen das ganze Prinzip Fernsehen in seine Einzelteile, die Inszenierung, das Studio, die Talkgäste, die Öffentlichkeit, das private Wohnzimmer, das Fernsehwochenende, das TV-Gerät und sogar die ZuschauerInnen, und fügen diese Teile in einem installativen Versuchsaufbau wieder zusammen.“ So wurde der private Bereich, das heimelige Fernsehzimmer vor die Kamera gezogen, während aber in diesem Zuhause der Fernseher weiterläuft, selber zum Darsteller wird. Gespielt wurde der private Bereich von den beiden Münsteraner Theaterleuten Stefanie Bockermann und Toto Hölters. Sie verkörperten ein durchschnittliches Münsteraner Paar mittleren Alters, dessen Milieu nicht unähnlich dem des Publikums ist. Die beiden verbringen also ihr privates Fernsehwochenende, während ihre vermeintlich private Situation zuhause via Live-Kamera auf einen großen Fernseher im Publikumsbereich übertragen wird. D.h.: Theater spielt den Privaten Raum, der nun aber vom tatsächlichen Fernsehpublikum selbst ferngesehen, zum medialen Objekt wird. Und nicht nur das: in diese gespielte private Situation interveniert immer wieder in zeitlichen Abständen die Polittalk-Runde mit tatsächlichen Talkgästen aus dem öffentlichen Leben Münsters hinein und plaziert sich zur

Diskussionsrunde im privaten Wohnzimmer, dem Studio. Musikalisch eingeleitet wurde diese Intervention stets mit einer verfremdeten Version des originalen Günter Jauch - Intros.

All dies war plaziert im Mittelkreis des weiten Gasometer-Runds. Das TV-Gerät für das Publikum befand sich genau in einer Auslassung des Stahlkessels, also noch im Gasometer, aber plaziert zum Publikum hin, sodass das Geschehen im Gasometer zeitgleich auf dem Bildschirm verfolgt werden konnte, aber auch in weiter Ferne im Gasometer selber. Das Publikum konnte sich somit sicher sein, dass das was das Kamerabild zeigt auch das ist was in dem Studio selber zeitgleich passiert. Eine Garantie, die bei den allermeisten TV-Sendungen von heute verlorengegangen ist.

 

Dieser Anordnung zur Seite gestellt wurde der Münsteraner Kunstexperte Stefan Trescher, Künstlerischer Leiter der Galerie Münsterland. Er saß innerhalb des Gasometers in der Halbdistanz zum Studio und rezipierte für das Publikum in einigen Extrasituationen das Gesamtgeschehen aus künstlerischer Sicht vor Kamera.

 

Organisation

Das Projekt wurde finanziell gefördert mit Projektmitteln des Landes NRW durch die Landesarbeitsgemeinschaft soziokultureller Zentren e.V., sowie mit städtischen Mitteln durch das Kulturamt der Stadt Münster, sowie mit einem 10%igen Eigenanteil.

Außerdem wurde das Projekt mit Sachmittel, bzw. unbar unterstützt durch die Stadtwerke Münster als

Eigentümerin des Gasometers. Weiterhin durch die Abfallwirtschaftsbetriebe mit der Bereitstellung eines Großraum-Containers zur Lagerung der Bühnenteile und Technik. Weiterhin unterstützend beteiligt waren die gemeinnützigen, bzw. sozial arbeitenden Betriebe Chance e.V. und HFR-Rümpelfix mit Wohnobjekten für das Bühnenbild.

Eine wichtige Bedeutung für die Durchführung des Projekts lag in der Recherchearbeit, bzw.

redaktionellen Arbeit in der Frage, wie und mit, bzw. durch wen die Interventionen von Polittalk-Runden funktionieren soll. D.h. Wer wird eingeladen, was sind die Themen, wer moderiert, wird moderiert? Wird kontrovers diskutiert oder gibt es ein Gesprächsrunde, welchen Zeitanteil bekommen diese Interventionen, wie viel Redeanteil bekommen die Gäste?

Es galt eine Polittalk-Runde /Sendung zu produzieren ohne einen souverän inszenierten Polittalk entstehen zu lassen. Eine wichtige Entscheidung war es VertreterInnen der (kommunalen) Parteien nicht einzuladen, sondern solche die außerparteilich arbeiten. An der Recherche und Konzeption beteiligt waren Jörg Rostek und Katrin Schnieders sowie Carsten Peters (Ratsmitglied, Bündnis 90/Grüne). Als Themen sollten sich am Ende die persönlich naheliegenden Interessensgebiete Rechter Extremismus und Asylpolitik herausstellen. Hierzu sollten Münsteraner Gruppen, Expertinnen und Initiativen eingeladen werden und über ihre Arbeit berichten und diskutieren. Es wurden einige KandidatInnen angesprochen und angefragt. Die schließliche Besetzung der ersten Gesprächsrunde am Freitag ergab sich dann maßgeblich in Absprache mit der Mobilen Beratung gegen Rechtextremismus in der Villa Ten Hompel in Münster mit dem dortigen Verantwortlichen Michael Sturm:

 

Michael Sturm, mobim, Münster

Bernd Drücke, grasswurzelrevolution, Münster

Peter Römer, Transparent. Football - Culture - Politics, Münster

Marcus Termeer, Soziologe und freier Autor, Freiburg

Hay, Antifaschistische Linke Münster, Münster

Volker Maria Hügel, GGUA, Münster

Jörg Rostek (Moderation), Mehr Demokratie e.V., Münster

 

Die zweite Runde am Samstag sollte eine TV-Adaption der Radiosendung Bersama - Magazin für Soziales, Migration und Gesellschaft im Bürgerfunk Münster sein. Hier wurde die redaktionelle Arbeit den beiden Verantwortlichen Ulrike Löw und Elvira Ajavazi überlassen. So ergab sich folgende Runde:

Dr. Ulrike Löw und Elvira Ajvazi, Radiomagazin Bersama, Münster

Mathias Muer, Hot Club - Musik von Django & Co., Münster

Sami Jemalowski, Ternodrom, D'dorf

Sophia Demming, Schaupielerin, Münster

Gordana Herold, Sozialpädagogin, Köln

 

Das Theaterspiel der beiden Darsteller Stefanie Bockermann und Thorsten Hölters wurde in Co-Produktion mit Stefanie Bockermann entwickelt. Erarbeitet wurden für drei Termine Konzeption, Rollen-Biografie/-Entwicklung und Script. In den Scripten wurden Alltags-Geschichten entwickelt, die mit den jeweiligen Polittalk-Themen in Bezug stehen.

Als Nebendarsteller wurden der Comedian Johann König (Köln) und Gregor Mönter (Berlin) für Samstag, bzw. Sonntag gewonnen. Johann König spielte vor Ort, Gregor Mönter sollte via Skype-Verbindung in die Handlung eingebaut werden. Außerdem sollte es am Sonntag einen Gastauftritt von dem Münsteraner Pizzabäcker Peppino als Pizzabote (spielt sich selbst) geben.

Das musikalische Intro der Sendung wurde entwickelt von Mathias Hirzel, Münster, der aber in erster Linie die Audio-Technik leitete.

Für die Dreharbeit der filmische Dokumentation wurden für alle drei Abende die Kameraleute Daniel Huhn und Bastian Worrmann aus Münster gewonnen.

Katrin Schnieders übernahm die Setkamera. Stefan Trescher wirkte wie in der Konzeption beschrieben als Kunstkritiker/Experte.

 

Umsetzung

Bewusst angesetzt war eine Umsetzung an drei aufeinanderfolgenden Tagen an genau einem Wochenende. Der Freitag, der Samstag und der Sonntag stehen für ganz unterschiedliche aber sehr bezeichnende Fernsehabende. Die Umsetzung verlief wie in der Konzeption geplant und beschrieben. Der Sonntag fiel Aufgrund eines unmittelbar zu Beginn der Veranstaltung einsetzenden Starkregens mit stürmischen Böen leider aus. Die Besucherzahl lag am Freitag bei 50 Personen am Samstag bei 60 Personen.

 

Nachbearbeitung

Text- und Foto-Inhalte für Website, facebook.com., Erstellung der Foto-Onlinegalerien auf flickr.com, Einbindung der Nachbetrachtungen von Trescher, Termeer. Filmische Dokumentation für Kino und youtube.com. Geplant ist eine Theater-Adaption des Projekts im Kleinen Bühnenboden in Münster für April 2014.

 

 

Antrag Nr. 32: Post it!– Oliver Breitenstein, Münster

 

Im Laufe des ersten Halbjahres 2013 habe ich an diversen Orten in Nordrhein- Westfalen, zum Beispiel Bochum, Köln, Dortmund, Duisburg, Siegburg, Münster immer wieder mit kurzen Notizen versehene 5 Euronoten verklebt.

Dabei benutzte verschiedene lokale und ökonomische Kontexte um diese Freiluftbank in einem experimentellen Versuchsaufbau breit zu streuen. Unter Anderem klebten in den an sich schon unterschiedlichen Kommunen die Sticker in verschiedenen ökonomischen Milieus, wie  den Shoppingstrassen der Innenstadt A la Ludgeristrasse in Münster, der Kölner Domplatte aber auch im Kontrast in eher als Problemquartier bekannten münsterschen Coerde.

Die verklebten Geldscheine wurden von mir fotografiert und über verschiedene sozial medien verbreitet. Dadurch berichteten im laufe der Zeit und eben auch nach Ende des geförderten  diverse Streetart Blogs, aber auch D- Radio Wissen über die ungewöhnlichen Sticker.
Außerdem erreichte die Freiluftbank eine gewisse internationale Aufmerksamkeit in dem sie Projekt des Tages in dem von Suhrkamp und Arte geförderten „RLF“ von Friedrich von Borries wurde und im englischen Trailer „How to Start  a Revolution“ gezeigt wurde. Aber auch das Berliner Projekt für Zukunftsfähigkeit „FAIRhandeln“ nahm  „Post it“ in seine Bestand und seine Publikation auf.

Auch wenn die Idee leider noch nicht von einer entsprechend großen kritischen Masse übernommen und kopiert wird um einen prägenden Einfluss auf unser Gesellschaft zu haben ist das etwas andere Umfairteilen und Grundeinkommen durch „Post It“ als Erfolg zusehen und wird auch in Zukunft von mir fortgesetzt werden

 

 

Antrag Nr. 34: Glücksritter "wie weit noch" - Verein SeHT, Münster

 

Das Traumtheater des Vereins SeHT Münster besteht seit ca. 9 Jahren als

integrative Theatergruppe. Die Gruppe umfasst 9 Teilnehmerinnen und Teilnehmer mit und ohne Einschränkungen. Für das laufende Projekt Glücksritter" wie weit noch" war eine Intensivierung der Inklusion angestrebt, indem Oberstufenschülerinnen und-schüler für eine gemeinsame Produktion begeistert werden sollten. Dies ist nicht gelungen, da Lehrerwechsel und eine sehr schwierige Finanzierung des Projekts dem entgegen standen.

Umgesetzt wurde das Stück "wie weit noch" ab Januar 2013 in anfangs wöchentlichen und später ganztägigen Proben. Diese wurden aufgrund Verhaltensauffälligkeiten, Einschränkungen und Orientierungsschwierigkeiten einzelner Gruppenmitglieder mit engagierter ehrenamtlicher Unterstützung begleitet.

Die bestehende Gruppe widmete sich biografisch inklusiven Thematiken und Fragestellungen. Erarbeitet wurde die Auseinandersetzung mit Lebenswünschen, erlebte Bevormundung und Ausgrenzung, aber auch Erfolgserlebnisse auf dem Weg zum Glück. Inszeniert wurden die Verwandlung von einem Mauerblümchen zu einem Glamour-Star, aber auch Orientierungslosigkeit bei ersten Reiseversuchen allein. Die Maifahrt ins Glück endete für alle unterschiedlich.

Ende Mai (25.126.5.13) fanden zwei Aufführungen im Kreativhaus statt, die beide so gut wie ausverkauft waren.

 

Erfahrungen und Ergebnisse aus dem Projekt

Mit dieser Produktion gingen die Schauspiererinnen und Schauspieler im Gegensatz zu frühen Produktionen ein drittes Mal mit der Aufarbeitung eigener biographischer Erlebnisse auf die Bühne. In Einzelinterviews im Vorfeld wurden Erlebnisse der Glückssuche, des Aufbruchs in neue Gefilde und des Heraustretens aus dem Elternhaus und elterlicher Obhut intensiv erarbeitet.

Dabei gingen die Schauspielerinnen und Schauspieler an ihre körperlichen und psychischen Grenzen. Diese konnten mit choreografischer Unterstützung erweitert werden, Selbst- und Fremdwahrnehmung wurden geschärft. Die daraus entstandenen Szenen gingen den Zuschauern unter die Haut und rührten an.

 

Kooperation Netzwerkarbeit

SeHT Münster e.V. als Träger der Theatergruppe ist sehr gut vernetzt mit anderen Selbsthilfegruppen, Vereinen und Einrichtungen. Die geplante Vernetzung mit dem Schillergymnasium kam leider aufgrund eines Lehrerwechsels in der Theater-AG nicht zustande. Gut gelungen sind die Kontakte zum Theater Sycorax.

 

Öffentlichkeitsarbeit/Resonanz auf das Projekt

Die Öffentlichkeitsarbeit für das Theaterstück "wie weit noch" ist gut gelungen. Trotz eines konkurrierenden Meisterspiels im Fußball war die Premiere nach kurzer Zeit ausverkauft.

 

Presseartikel spiegeln die positive Resonanz wieder.

 

Nachhaltigkeit - Informationen zur Zeit nach dem Projekt

Nach einem Theaterstück ist vor einem Theaterstück. Die ungeheure Stärkung der Persönlichkeiten durch das Theaterspielen und der wachsende Mut sich in eine inklusive Gesellschaft aufzumachen, führt zu weitern Ideen und Plänen. Dies betrifft sowohl die Aktivitäten des Trägers als auch die Ziele und Aktivitäten der einzelnen Schauspielerinnen und Schauspieler. Eine Stimme zu haben und diese zu erheben, das sind wesentliche und nachhaltige Erfahrungen aus diesem Projekt. Wir werden unsere Bestrebungen für die Entfaltung aller Menschen in ihrer Verschiedenheit

noch verstärken.

 

 

Antrag Nr. 35: Maßnahmen zur Wiederherstellung der Harmonie eines beschädigten Universums - Stephan US, Münster

 

Entree

Seit fünf Jahren führe ich eine besondere künstlerische Form des Tagebuchs, in dem sich Alltag und Kunst vermischen. 2008 filmte ich täglich für 10 Sekunden den Himmel, immer da wo ich war, vom finnischen Nordlicht bis zum Sonnenuntergangshimmel am Aasee. Im darauffolgenden Jahr 2009 nahm ich jeweils 10 Sekunden ein Geräusch meiner Umgebung auf, vom rhythmischen Regen, Straßenmusikern bis zum Brummen des Kühlschranks. In 2010 schrieb ich jeden Tag einen poetischen Satz, zufällig gehört, bewusst gedacht oder spontan erlebt. 2011 photographierte ich Tag für Tag meine Standpunkte: Photos meiner Füße mit den unterschiedlichsten Untergründen. Letztes Jahr schrieb ich jeden Tag auf, was wirklich neu ist für mich an dem jeweiligen Tag war. Und man glaubt gar nicht, wie viel doch immer wieder unbekanntes Neues sich in die Alltäglichkeit einmischt. Fünf Jahre mit immer wieder anderen geöffneten Sinnen durch den Alltag gehen. Darauf hin ging es mit diesen geschärften Sinnen in die nächsten „Jahrestagungen“, den

 

Maßnahmen zur Wiederherstellung der Harmonie eines beschädigten Universums

Mit täglichen Selbstversuchen, 365 in Handlungen, Performances, Interventionen oder durch kleinen Veränderungen umgesetzte „Maßnahmen zur Wiederherstellung der Harmonie eines beschädigten Universums“ über das Jahr 2013 versuchte ich die Welt zu verbessern – Erfolg und Scheitern inklusive. Diese poetischen, provokanten, humorvollen vielleicht auch banalen und kitschigen Handlungen an der Grenze von Alltag und Kunst wurden täglich mit Bild und Beschreibung auf facebook veröffentlicht um den Prozess dieses großen Selbstversuchs verfolgen zu können. Am Ende des Jahres entstand ein ganz analoges künstlerisches Maßnahmetagebuch – welches vielleicht/hoffentlich zur Nachahmung einlädt.

Die „Maßnahmen zur Wiederherstellung der Harmonie eines beschädigten Universums“ wurden überwiegend im öffentlichen Raum, aber auch privaten Raum durchgeführt. Sie fanden bisher an meinem Wohnort Münster und meinen momentanen künstlerisch-kuratorischen Arbeitsorten Enschede (NL) und Ahlen statt. Darüber hinaus fanden sie in Istanbul, Lissabon, Basel, Berlin, Rotterdam, München, Düsseldorf, Kassel, Hoyerswerda, Osnabrück, am Bodensee und, und, und...statt. Diese „Maßnahmen zur Wiederherstellung der Harmonie eines beschädigten Universums“ gingen in ihrem künstlerischen Ausdruck immer auf den jeweiligen Raum/Ort, der Zeit und/oder den tagesaktuellen Situationen ein.

 

Kurzer Erfahrungsbericht

Am 1. Januar 2013 startete ich die erste Maßnahme zur Wiederherstellung der Harmonie eines beschädigten Universums aufgrund vieler Fragestellungen. Wie geht das überhaupt, die Harmonie wiederherstellen? Und geht es irgendwie? Häufig ist doch des einen Menschen Freud des anderen Menschen Leid? Was ist gut, was ist schlecht? Oder schafft diese Polarität von Gut und Schlecht erst die Harmonie? Muss ich also Gutes und Schlechtes tun? Wie kann ich die Welt harmonisieren? Was ist politisch korrekt? Und wenn ich es nicht weiß, dann doch lieber nichts tun?

Ich kann bis heute keine dieser Fragen wirklich beantworten, es sind eher mehr dazugekommen. Jeden Tag kam ein Impuls etwas zu tun, ein Statement oder einen Prozess in Gang zu setzen. Oft waren diese Handlungen improvisiert, aus dem Augenblick heraus mit wenig Materialaufwand bzw. mit dem, was gerade da ist, gesetzt. Was diese Aktionen und Interventionen bewirkten, ist meistens nicht mehr nach zu vollziehen bzw. zu dokumentieren. Und wie sehr sie dieses Universum harmonisierten auch nicht. Oder kann man an den „Gefällt- mir-Klicks“ auf Facebook sehen, was wirklich bewegt?

Aber etwas wesentlich anderes geschah: Der Blickwinkel der Menschen, die die Maßnahmen auf Facebook und über meinen Newsletter verfolgen, auf das, vielleicht auch nur ihr Universum, verändert sich und sie vollzogen selbst Maßnahmen:

 

„....Die Alltäglichkeit kriegt so eine Intensität, weil Du vieles in Frage stellst, auf den Kopf stellst.. Wunderbar Deine subversiven und subtilen Aktionen!...“

Angelika S. aus Osnabrück

 

„Hallo Stephan, auch wenn es immer mal wieder dauert, bis ich zum Lesen Deiner Maßnahmen komme, macht es doch immer Spaß und ist spannend, mitzubekommen, was Dir alles ein- und auffällt.“

Johannes M. aus Berlin

 

„Danke lieber Stephan! Immer eine Freude deine Maßnahmen zu sehen...“

Katharina S. aus Münster

 

„Große Verbeugung!“ Jörg W. aus Mannheim

„lieber stephan! 6 wochen ist dein letztes update her und ich vermisse deine news! hoffentlich bist du nicht über die letzte 1stündige aktion absolut dem nichts-tun  verfallen;-) oder schlimmer gar der wiederherstellungsgedanken desillusioniert! bitte nicht so eine ernüchterung!! vielleicht brauchst du ja auch bloß mal eine missions-pause..oder auch denkbar, daß gerade ich aus deinem verteiler geflogen bin wegen reaktionsschwäche..nicht ganz unbegründet, aber das will ich mir dennoch nicht vorwerfen, deshalb der versuch eines wiederaufbaus! ich arbeite gerade unter großen anstrengungen an meiner persönlichen universumserweiterung,....

Silke K. aus Nürnberg

 

„Nach 305 Maßnahmen spüre ich, wie sich das Universum so langsam erholt... danke für deine mühen, die ich mir jeden Tag auf's Neue gerne anschaue....“ Michael K. aus Frankfurt/Oder

 

„Wohltuend, humorvoll, tiefgründig, sperrig und gleichzeitig im Fluss ... deine Maßnahmen. Danke. ...“ Mechthild K. aus Münster

 

„Lieber Stephan Us, was ich schon immer einmal schreiben wollte- mir gefällt sehr dein Tenor in deiner Arbeit. Direkt und sanft. Freu mich immer auf Posts von Dir....“ Ulea W. aus Hamburg

 

„Ich wünsche mir noch so viel mehr von deinen aufMERKsamkeiten, kleine Dinge die unterstützen den Blickwinkel zu ändern, anregen, dem nachDENKEN ein hinFÜHLEN folgen zu lassen, und Lust bereiten in die Aktion zu gehen.Liebe Grüße vom Rand des Münsterlandes.“ Ulrike M. aus Ahlen

 

„lieber Stephan Us, kündigt der mailbox einen neuen mail von dir an fängt es in mir schon wie bei einer katze an zu schnurren. Deine melancholischen und mit leisen humor gespickten texten lese ich immer mit freude. Als harmoniebedürftiger mensch sind mir deine ideen und aktionen sympathisch und wie aus dem herz gerissen. Sie verbreiten mein weltbild indem sie das unmögliche denk- und lebbar machen. Sie verbessern vielleicht nicht die welt, sondern individuen und das ist auch viel wert. Mach bitte weiter so!
viele grüsse,  Jan K.“ aus den Niederlanden

 

„...ich wollte Dir schon die ganze Zeit mal schreiben, dass ich Deine Maßnahme zur Wiederherstellung der Harmonie eines beschädigten Universums großartig finde. Weiter so!...

Miriam K. aus Berlin

 

„... Da ich ja nicht bei facebook bin und auch in Zukunft nicht sein werde, habe ich mich sehr gefreut, eine kleine Zusammenfassung von den letzten 6 Massnahmen von Dir zu bekommen. Sehr schöne Aktionen. Aktionen, die sehr harmonisierend wirken. Die Tulpen, super! :)... „

Eva. R. aus Münster

 

„...Schon jetzt verändern deine Maßnahmen die Harmonie des Universums. Es wirkt...“

Dick S. aus Nijmwegen, Niederlande

 

„...Ach ja......inspiriert durch Dich, habe ich meine erste Aktionskunst gemacht...... rosa Schweinchen mit dem schönen Spruch "Glück findest du nicht, wenn du es suchst, sondern wenn du es zulässt, das es dich findet."......und das ganze in Bushaltestellen geklebt.Es ist irgendwie verrückt und aufregend so was zu machen....jedenfalls hat es Spaß gemacht.

Uta J. aus Wehrheim

 

„...Ich bin begeistert von deinen Maßnahmen es ist schön zu sehen, dass du dich mit solchen wichtigen Themen beschäftigst...“

Emine D. aus Ahlen

 

„Wohltuend, humorvoll, tiefgründig, sperrig und gleichzeitig im Fluss ... deine Maßnahmen.
Danke.“

Mechthild K. aus Münster

 

„...Mein Blick hat sich so verändert. Ich schaue schon auf alles ganz anders. Ich sehe zum Beispiel ein Plakat und fange schon an damit zu spielen, es innerlich zu verändern. Mein Blick auf die Welt ist schärfer geworden. Danke!...“

Marion G. aus Drensteinfurt

 

„lieber stephan! zunächst mal beste besserung zur wiederaufnahme deines wachen blicks und fokussierung nennenswerter details auch meines horizonts! ....es macht jedenfalls riesig spaß, dich zu begleiten. danke für so viel angenehme wohlge- und be-sonnene wachheit!! lieben gruß“

Kerstin D. aus Münster

 

„... Super Aktionen...“

Jonas R. aus Berlin

 

Wohin es weitergeht nach 365 Maßnahmen, wird sich zeigen....

Danke an alle Förderer und viel Spaß beim Lesen des Massnahmenkataloges.

 

 

Antrag Nr. 36: The view - Stephan US, Münster

 

Klick Klick. Simulierte Bilder fluten in Hochglanzmagazinen oder im digitalen Raum und zeigen uns sichtbar berechnetes und erklären es zur Wahrheit. Klick. Auf FaceBook baut Jeder an seinem Sein und Top ist, wer geklickt ist. Wir twittern uns Freunde ansammelnd mit Bildern zum: Hallo!? Hallo! Ja, hier! Könnt Ihr mich sehen? Klick. Alles schreit nach dauerwahnhaft zeitloser Präsenz. Jeder vernetzt beschäftigt mit seiner Re-Präsentation und dann schauen die Bilder die Bilder an als permanente Wiederholung einer Präsenz, die zum trügerischen Scheinsein wird. Geprägt durch diese Bilderwelt spiegeln wir uns darin und erkennen uns als Abziehbild dieses Weltbildes. Das Bild als Kopie, als Simulation unseres Seins? Was braucht ein Bild zum Sein? Jetzt.

 

steal the pixel

Längst haben wir dank der heutigen Bildgenerierung von interpretierenden Computerprogrammen, den Raum des Sichtbaren verlassen, um in den Bereich des Unsichtbaren, aber nicht deshalb Metaphysischem, vorzustoßen, produzieren aber paradoxerweise mehr Bilder des Seins als je zuvor, um uns sichtbare Weltbilder zu schaffen. In dem Großprojekt steal the pixel mit seinen Versuchsanordnungen arbeitet US in dieser überfüllten inflationären Präsenz der Bilder mit der „Abwesenheit, als Urbedingung des Bildes“ (Hans Beltling, Bild-Anthropologie 2002), um das „Abwesende präsent zu machen, ...“ (Louis Marin: Von den Mächten des Bildes 2007). "The view" ist eine dieser Versuchsanordnungen:

 

The view

Wo liegt das Glück? Mein Glück? Eine / Meine Utopie? Die Sehnsucht nach einer idealen Welt?

In der Serie "The view" blicken Menschen immer in gleicher Position dem Betrachter abgewandt in den grenzenlosen Raum von offenem Meer und Himmel. Diesen sehnsuchtsvollen Blick der Romantik halte ich als Photo fest, drucke es digital aus und hänge diese als 60 x 80 cm große Plakate im öffentlichen Raum auf. Die erste Assoziation mit Wahlplakaten in Form und Art der Hängung liegt nahe, doch kein strahlendes Lächeln der Wahlversprechungen kommt einem entgegen. Nein, auf allen Bildern ist immer das Meer, immer der Himmel und immer ein Mensch, aber alles immer unterschiedlich. Die Farben dieser Plakate sind nicht lichtecht und verändern sich über den Ausstellungszeitraum, bleichen aus, Konturen verschwinden bis fast nichts mehr zu sehen ist. Ein für den Betrachter sich poetisch öffnender Raum voller Sehnsucht, der sich ihm gleichzeitig im mehrfachen Sinne auch wieder durch die Abwesenheiten verwehrt - Wer ist der Betrachter auf dem Bild? Was sieht er? Mehr (Meer) als ich sehen kann? Und wohin entschwindet das Bild (die Suche nach dem Glück oder das Glück selbst?), wenn sich die Konturen und Farben auflösen?

 

In 2013 wollte ich das Projekt „The view“ in sehr unterschiedlichen Lebenswirklichkeiten und –räumen realisieren und weiterentwickeln – von der Strandpromenade eines Küstenortes, über die Plattenbausiedlung, vom großstädtischen sozialen Brennpunkt bis zum dörflichen Landleben, von Finnland bis Israel, von Osnabrück bis Istanbul, vom weltpolitischen und gesellschaftlichen Kontext bis zu dem, der zeitgenössischen Kunst. Es kam jedoch anders. Negative Förderbescheide, aber vor Allem eine Hauterkrankung über mehrere Etappen, die mich immer wieder außer Kraft setzte, ließen das Projekt leider nur in reduzierter Form realisieren:

 

The view - Istanbul

Vom 3. – 17.April 2013 hatte ich ein Stipendium der gallery mau-mau in Istanbul. In Zusammenarbeit mit der Gallery Mixer und der gallery mau-mau entstanden neue Photos für The view am Bosporus mit vorübergehenden Passanten. Diese wurden über eine digitale Druckerei vor Ort ausgedruckt und in dem Stadtteil Beyoglu aufgehängt.

 

The view – Osnabrück

Auf Einladung der Volkshochschule Osnabrück realisierte ich die Plakatausstellung im innerstädtischen Raum Osnabrücks im April 2013. In ihrem Programmheft 2013 bildete die VHS zahlreiche Photos aus der Serie The view ab. Am 25. April 2013 fand ein Künstlergespräch zum Thema Sehnsucht im Stadtgalerie Café statt.

 

The view – Hoyerswerda

Im Rahmen des Kunstlandstrichs der Kulturfabrik Hoyerswerda wurde The view am 9.Juni 2013 am Bauzaun zur neuen Kulturfabrik ausgestellt. Ein offener Blick in die Zukunft in der Stadt der Entleerung. Eine Woche später waren alle Plakate restlos von den Plakatwänden abgerissen.

 

The view – Vaasa Finnland

Aufgrund meiner Erkrankung konnte ich leider nicht persönlich am Platform Performance Festival in Vaasa vom 3. – 10. August 2013 teilnehmen. Das Festival stand unter dem Motto: "The end of the  World or Why the World Won't end" Ich schickte jedoch meine Ausdrucke zu den Organisatoren des Festivals, die die Plakate im Stadtraum Vaasas aufhängten.

 

The view - Münster

Im Dezember 2013 realisierte ich The view im Hafengebiet Münsters. Das Viertel, dass sich sehr schnell unter den typischen Einflüssen der Gentrifikation wandelt, sollte einen offenen Ausblick auf den Wandel, einen offenen Raum, bekommen.

 

Fazit: Trotz Erkrankung und geringerer Fördergelder als geplant, konnte ein Großteil des Projektes erfolgreich und mit großer Resonanz realisiert werden. Die Kooperation mit dem Künstlerhaus Lukas wurde auf den Herbst 2014 verlegt.

 

 

Antrag Nr. 38: „Krankenzimmer Nr. 6“ - Theater Sycorax, Münster

 

Das Projekt „Krankenzimmer Nr. 6“ startete im Dezember 2012 an zwei Wochenenden mit einem Einführungsworkshop für neue Teilnehmer.

An diesem Workshop nahmen 10 Interessenten teil. Die Teilnehmer waren als Zuschauer von Sycorax Aufführungen, über sozialpsychiatrische Einrichtungen oder über Pressemitteilungen  auf das neue Sycoraxprojekt aufmerksam worden. Ein wesentliches Ziel von Theater Sycorax ist es, die Theaterarbeit immer wieder neuen interessierten Menschen zugänglich zu machen.

Zusammen mit den eingespielten Sycorax Akteuren bildete sich nun ein Ensemble von

11 SpielerInnen.

 

Mitte Januar 2013 starteten die Proben im Hoppengarten. Geprobt wurde  einmal wöchentlich drei Stunden. Zudem gab es acht Intensiv Probe -Wochenenden.

Die Stückvorlage mit Texten aus der Erzählung „Krankenzimmer Nr. 6“ und Fragmenten aus den Tschechow Dramen  ‚Die Möwe’, ‚Onkel Wanja’, ‚Der Kirschgarten’, ‚Platonow’ u.a. wurde von Paula Artkamp und Manfred Kerklau erstellt.

Der Probenprozess begann mit dem detaillierten Lesen der Stückvorlage und Improvisationen zu verschiedenen Ereignissen im Krankensaal, so z.B. Essensausgabe, Feiern, Visite ect.

In diesen Improvisationen wurden die einzelnen Rollen angelegt und weiterentwickelt, szenisches Material gesammelt und sukzessive die Texte eingearbeitet.

Im Anfang März entschied eine langjährige Mitspielerin, dass es in ihrer gegenwärtigen Lebenssituation besser wäre zu pausieren, aber äußerte direkt den Wunsch, beim nächsten Projekt auf jeden Fall dabei zu sein. Wir und das gesamte Ensemble bedauerten die Entscheidung sehr, aber in dieser Arbeit ist es wichtig persönliche Einschätzungen zu respektieren. Wir wählten als Ersatz einen Mann, der sich kurzfristig beworben hatte und es wagen wollte, trotz wenig schauspielerischer Vorerfahrung  in die laufende Produktion einzusteigen. Die Neubesetzung fügte sich ausgesprochen gut in das Stück und das Ensemble ein.

Wir in allen Sycoraxstücken wurde wieder ein starkes Gewicht auf das Ensemblespiel gelegt.

In der Sommerpause fiel leider eine Spielerin bedingt durch Krankheit aus. Wir konnten zum Glück über Junges Theater Cactus einen Ersatz gewinnen. Die neue Spielerin  konnte sich schnell in die Rolle einarbeiten.

Im 11köpfigen Ensemble waren nun acht Spieler mit dem Hintergrund einer psychischen Erkrankung. Auch in dieser Arbeit zeigte sich wieder wie wichtig gelebte Inklusion für alle ist.


Das Bühnenbild war in sofern aufwendig gestaltet, dass die Bühne in die Mitte des Pumpenhauses gestellt wurde und die Zuschauer somit zu beiden Seiten der Bühne saßen.

Die Premiere von „Krankenzimmer Nr. 6“ war am 2. Oktober 2013  im Theater im Pumpenhaus, weitere Aufführungen waren am 3. 10., 4. 10. und 5. 10. 2013. Die Premiere war ausverkauft und auch an den übrigen Aufführungsabenden gab es ein fast volles Haus. Publikum und Presse nahmen das Stück begeistert auf. „Eine sehenswerte Inszenierung, bei der sich Gesellschaftskritik und philosophischer Diskurs zu einem Plädoyer für mehr Selbstbestimmung vereinen.“ (H. Jasny, MZ).

Dieses Zitat belegt, dass wir unser Konzept gut umgesetzt haben, natürlich dank eines tollen Ensembles und des sehr gelungen Bühnen- und Kostümbildes. (Oxana Malexova und Tina Toeberg)

 

Für  Ende April 2014 ist eine Wiederaufnahme mit 4 Spielterminen im Pumpenhaus angesetzt.

 

In dem Bereich der Sachkosten sind die im Kostenplan angesetzten 1000 Euro für Bühne und Requisiten um 700 Euro überschritten worden. Die Bühnenbildkonstruktion war wesentlich aufwendiger als geplant, dies war dadurch bedingt, dass die Bühne in die Mitte des Pumpenhauses gesetzt worden ist. Außerdem waren Essszenen in die Inszenierung eingefügt. Diese Szenen entstanden während des Probenprozesses und daher sind diese Kosten  im Bereich Requisiten auch nicht eingeplant gewesen. Die Mehrkosten sind aber aufgefangen worden durch Einsparungen im Bereich Kostüm sowie durch Eigenleistung des Vereins.

 

Für die Schauspieler von Theater Sycorax waren die Aufführungen von entscheidender Bedeutung. Das Erarbeitete mit all den Unsicherheiten, wie mag es beim Publikum ankommen, zu präsentieren erfordert ein hohes Maß an Überwindung von Selbstzweifeln, die bei Menschen mit psychischer Erkrankung sehr  ausgeprägt sind. Der Erfolg der Aufführung, das äußerst positive Feed Back, der Spaß am Spiel und der gute Gruppenzusammenhang war für alle Beteiligten eine große Belohnung.

 

Im Großen und Ganzen konnte Theater Sycorax das Projekt so umsetzten, wie es im Projektplan vorgesehen war.

Die von uns gesetzten Ziele:

• Erarbeitung des Theaterstückes unter professionellen, künstlerischen Rahmenbedingungen mit Aufführungen im Theater im Pumpenhaus

• Münster als  einen wesentlichen Standort für darstellende Kunst von Menschen mit psychischer Erkrankung zu festigen

• Förderung von sozialer Kompetenz, Selbstbefähigung, Empowerment, sowie des kreativen Potentials von Menschen mit psychischer Erkrankung

• Abbau von Diskriminierung und Stigmatisierung – Inklusion

sehen wir als erreicht.

 

 

Antrag Nr. 42: Impro Duelle - Theater am Schlachthof, Neuss

 

Seit September 2011 bauen wir ein Jugendensemble im Theater am Schlachthof auf. Dieses trifft sich immer mittwochs in zwei Gruppen mit einem Theaterpädagogen/Regisseur, der ihnen verschiedene Schauspieltechniken und Übungen beibringt.  Das Jugendensemble festigt sich immer mehr zu einer Gruppe (deshalb auch einheitlich T-Shirts für den Gruppengedanken) und bleibt so hoffentlich lange erhalten.

Um den Jugendlichen auch eine öffentliche Plattform zu geben, findet einmal im Monat (jeder 3. Mittwoch) nach der normalen Probe ein öffentliches Impro Duell statt. Dieses wird ganz normal im Programm des TAS beworben und wird neben Eltern und Freunden des Jugendensembles auch von anderen Interessierten wahrgenommen. Bei diesem Impro Duell werden jede Woche die 10 besten Jugendlichen ausgewählt und diese treten in zwei Gruppen gegeneinander an. Moderiert wird diese Veranstaltung vom Leiter des Jugendclubs und musikalisch begleitet von einem professionellen Klavierspieler (Ersatz ist ein Gitarrist), der bereits zur Probe zur Verfügung steht und mit den Jugendlichen musikalische Dinge ausprobiert.

Bei der Aufführung werden verschiedene in den Treffen vorher erarbeitete Spielformen der Improvisation (spontan getextetes Lied in bestimmten Genre, Genre Replay, Alphabetspiel,  usw.) mit den spontanen Einwürfen der Zuschauer gespielt. Nach jeder Runde bewerten die Zuschauer die beiden Gruppen (2-farbige Werbepostkarten werden auch zum Abstimmen genutzt) und am Ende des Abends steht ein Gewinner fest.

Für die Jugendlichen sind diese Auftritte eine gute Möglichkeit, ihr Können vor Publikum auszuprobieren und sich dort noch mehr Selbstbewusstsein und Erfahrung auf der Bühne zu holen.

 

 

Antrag Nr. 43: Das Filmatelier – Druckluft, Oberhausen

 

Skribble Filmothek am 11.01.2014

Am 11.01.2014 fand das Filmatelier im Druckluft statt. Das Filmatelier war ein künstlerisches Filmprojekt zur Intensivierung der Kooperation mit den Internationalen Kurzfilmtagen unter Einbeziehung der in Druckluft ansässigen künstlerischen Szene. Aufgrund der Schwerpunktsetzung und Interessenslage des Kunst Cafés Skribble Gebibble und der Besucher des Angebots hat sich das Filmatelier mit dem Genre Animationsfilm künstlerisch auseinandergesetzt und Workshops im Bereich Animation und Musikclips angeboten.

Die Skribble Filmothek war mehr als nur eine Werkschau aus 70 Jahren Animationsfilm, sie lud zur Teilhabe an Entstehungsprozessen ein. Das Programm umfasste unter anderem zehn Filme aus dem Archiv der Internationalen Kurzfilmtage, die Möglichkeiten selbst das Medium zu erkunden, z.B. an Lichttischen zur Erstellung eigener Animationsfilme, sowie innerhalb weiterer Workshops das Erkunden neuer Fähigkeiten.

Abgerundet wurde der Tag mit einer Lecture Performance des Kölner Filmemachers Simon Steinhorst. Beginn war um 16 Uhr.

Zur Einführung wurden 10 unterschiedliche Animationsfilme aus dem Archiv der Internationalen Kurzfilmtage gezeigt. Daneben wurden auch Musikvideos undLangfilme präsentiert, die die Entwicklung des Genres wieder spiegelten. Die Workshops „Videobearbeitung am PC“, „Video- und Tonbearbeitung“ und „Musikvideos: Grundlagen, Gestaltung und Präsentation“ von Wilhelm Schwarz wurde von vielen Besucher*innen begeistert aufgenommen und es wurde viel ausprobiert, ausgetauscht und erarbeitet.

Der Tagtool Workshop von Matthias Pienkmann wurde ebenfalls gut besucht und durch diese Workshops entstanden gemeinsam hergestellte Musikclips. Da das Filmatelier als Workshop Event konzipiert wurde, wurden währenddessen Musikclips und Animationsfilme gezeigt und DJs legten im Hintergrund Musik auf. Die Atmosphäre war sehr schön und das Arbeiten an den Musikclips fiel den Besuchern dadurch sichtlich leichter.

Ein Highlight war die Lecture Performance von Simon Steinhorst aus Köln und hinterließ einen bleibenden Eindruck bei den Besucher*innen. Danach wurde noch bis 4 Uhr morgens getanzt. Das Filmatelier war sehr gut besucht und es hat allen sehr viel Spaß gemacht.

 

Antrag Nr. 44: ROCK it! Girls! - female Bandkultur für Remscheid - Kraftstation, Remscheid

Ein Projekt gegen die mangelnde Repräsentation von Frauen bzw. Mädchenbands in Remscheid

 

Mit unserer Projektreihe „ROCK it Girls“ konnten wir Frauen und Bandkultur noch einmal thematisch in die Remscheider Kulturlandschaft einpflegen. Mit verschiedenen Musik bzw. Kulturveranstaltungen haben wir musikalische Vorbilder auf unserer Bühne präsentiert.

Die Unterrepräsentation ist uns natürlich schon länger bekannt und natürlich auch kein ausschließlich stadtinternes Missverhältnis. Jungen und Männer dominieren die Rockabilly-, HipHop, Skinhead- oder Metal-Szene, Sexismus gehört gerade in diesen Szenen zum guten Ton. (Quelle: Gabriele Rohmann, „Krasse Töchter, Berlin 2002). Die Riot Girrrls Bewegung der 90er und die Ladyfeste in verschiedenen Großstädten thematisieren dies schon seit längeren

Einmal im Jahr veranstalten wir ein großes Festival im Remscheider Stadtpark. Beim Open RS präsentieren sich lokale und überregionale Bands. Hier haben wir zahlreiche Bewerbungen. Allerdings hat sich auch in diesem Jahr keine Frauenband bei uns gemeldet. Auf Grund dieser Diskrepanz und des großen Publikumsresonanz haben wir dieses Festival als Auftakt der Rock It Girl Reihe benutzt. Uns gelang es die Band The Kumbia Queers für uns zu gewinnen. Diese Vollblutmusikerinnen sind nicht nur musikalisch ein Genuss. In ihrem Aussehen und ihrer politischen Ausrichtung stellen die

geschlechtlichen Zuweisungen in Frage und bieten ihre eigene Version von Geschlechtlichkeit. Wir waren sehr gespannt, wie die Remscheider auf eine Queerband zu bester Auftrittszeit reagieren. Tatsächlich wurden sie sehr gut angenommen und das öffentliche Feedback war mehr als positiv.

 

Der größte Part und der eigentliche Fokus der Projektreihe ‚ROCK It Girls‘ lag in dem Wokshop-programm eines Mädchenkulturtages. Dieser spezielle Tag begann mit einem kurzen Impulsvortrag zum Thema Frauen in der Musikszene. Anschließend wurden Filmbeispiele gezeigt und in einem sehr freien Rahmen diskutiert. Nun konnten sich die Teilnehmerinnen für einem der fünf Wokshops ( Tonstudio, Tontechnik, Schlagzeug, E-Gitarre und Stimme) entscheiden. Hier war die Rezonanz überwälltigent. Mehr als 40 Mädchen haben diese Angebote angenommen und sich in einer typischen Männerdomäne ausprobiert.

Die neuen Musiker_innen konnten dann gemeinsam mit ihren Dozenten eine kleine Bühnenshow für Eltern und Freunde spielen. Gerade dieser Auftritt hat noch einmal zu einer besonderen Atmosphäre geführt.

Der dritte Teil wurde von zwei jungen Frauen organisiert, die ein besonderes Angebot für Mädchen etablieren wollten. Neben einem Unplugged Konzert wurde ein Mädchenflohmarkt angeboten. Kultur, Klönen und Bummeln war hier das Motto. Über 100 Besucher_innen nahmen dieses neue Angebot an. Der Krimskrams & Krümel Flohmarkt als Programmformat für Mädchen wird auch in Zukunft durchgeführt werden.

 

Ausblick und Feedback

Mit dem Projekt Rock it Girls konnten wir das Thema „Frauen in der Musikkultur“ sehr gut in Remscheid thematisieren. Der Workshoptag war für uns das absolute Highlight. Es war sehr

besonders diese vielen jungen Mädchen am Schlagzeug, Mischpult, mit der E-Gitarre und so weiter zu erleben. Dieser besondere Rahmen hat sich sehr bewährt bewiesen. Wir werden das Format auf jeden Fall wiederholen. Das große Interesse hat hier für sich gesprochen.

Des Weiteren werden wir immer wieder gerade Musikerinnen fördern und sie auf unserer Bühne auftreten lassen. Diese Vorbildfunktion ist ein wichtiges Signal. Leider hatten wir einige Probleme bei der Umsetzung des Dritten Parts. So mussten wir das Unpluggedkonzert mit dem Flohmarkt in den Februar 2014 verlegen, wobei die komplette Planung in 2013 erfolgte.

 

 

Antrag Nr. 47: LebensFluss(T)Räume – Die Börse, Wuppertal

 

Das Projekt "LebensFlussTRäume", das im Herbst 2012 in der börse entwickelt und am 13. + 14. Dezember 2012 uraufgeführt wurde, zeigte die künstlerischen Ergebnisse einer generationsübergreifenden Auseinandersetzung mit dem Leben im Bergischen Land. Über Tanz und Text, dem künstlerischen und szenischen Ausdruck begegneten sich Darsteller unterschiedlichen Alters aus Wuppertal, Solingen und Remscheid.

Gestalterisch erweitert, indem junge Künstlerinnen und Künstler die Biographien der Darsteller in ihre jeweilige Ausdrucksform (Fotographie, Film, Bildende Kunst, Musik) übersetzen.

Im Jahr 2013 zeigten wir die im Projektzusammenhang entstandenen Arbeiten junger Künstler in 3 Ausstellungen, außerdem zeigten wir ein Gastspiel mit dem kompletten Stück und zwei Performances zu den Vernissagen der Ausstellungen.

 

Aufführung des Tanztheaterstücks:

8. März 2013, im Soziokulturellen Zentrum "die Welle", Remscheid.

Die im Projektzusammenhang entstandenen Arbeiten von jungen Künstlerinnen und Künstlern wurden außerdem in verschiedenen Ausstellungen gezeigt:

2. Februar 2013, OLGA - Raum für Kunst, Wuppertal, Vernissage mit Performance 

17. März  2013, Musik- und Kunstschule, Remscheid, Vernissage mit Performance

 

Das Projekt wurde am 28. Mai 2013 mit einer Performance beim Sommerfest in den Güterhallen, Solingen abgeschlossen.

 

Künstlerische Leitung: Milton Camilo und Uta Atzpodien

Projektleitung: Dagmar Beilmann

Teilnehmer: 23 junge und ältere Menschen aus Wuppertal, Remscheid und Solingen. Die Gruppe setzte sich zusammen aus Laiendarstellern zwichen 40 und 65 Jahren und jungen Nachwuchskünstlern zwischen 21 und 30 Jahren.

Inhaltlicher Schwerpunkt war die Auseinandersetzung mit Bergischen Biographien.

Zuschauer: ca 400 (das Sommerfest der Güterhallen war sehr gut besucht.

 

Ablauf des Projektes

Das Projekt konnte weitestgehend wie geplant stattfinden. Lediglich die Aufführung in Solingen musste wegen mangelndem Zuspruch abgesagt werden. Ein Versuch, die Aufführung auf einen späteren Zeitpunkt zu verschieben scheiterte. Das Projekt konnte jedoch sehr erfolgreich mit einer Vernissage und Performance zum Sommerfest der Güterhallen in Solingen abgeschlossen werden.

 

 

Antrag Nr. 51: Lichtinstallation+Musik+Tanz – Die Börse, Wuppertal

Performance-Projekt mit Kindern und Jugendlichen

 

In den Herbstferien 2013 verwandelte sich die börse in ein kreatives Feriencamp. Drei Gruppen von Kindern und Jugendlichen zwischen 10 und 14 Jahren arbeiteten in drei Workshops, die im Rahmen des Kulturrucksacks in Wuppertal angeboten wurden, parallel in drei Genres:

Im partizipativen Lichtlabor errichteten die SchülerInnen eine Lichtinstallation. Diverse Laborstativmaterialien, Lichtquellen, Motoren und optische Materialien bildeten die Bestandteile eines Lichtbaukastens um damit eigene Projektionsvorrichtungen zu entwickeln.

Nach den Ideen der Kinder wurde im Musikworkshop eine Bühnenmusik entwickelt, Die TeilnehmerInnen konnten hier mit Tönen und Klängen experimentieren, mit Hilfe von Tonabnehmern eigene Instrumente erfinden und elektronisch per Computer Melodien entwickeln.

Zum gemeinsamen Thema der drei Gruppen entwickelten die Kinder und Jugendlichen im Tanzworkshop aus Improvisationen eine Choreographie.

Die in den unterschiedlichen Workshops entstandenen Elemente wurden dann in einer gemeinsamen Endprobenphase zu einer Tanztheaterpeformance mit Lifemusik zusammengeführt, die in die entstandene Lichtinstallation integriert und öffentlich aufgeführt wurde.

Aufführungen:

am Donnerstag, den 31.10. 2013 um 16 Uhr und um 16:30 Uhr

im Kommunikationszentrum "die börse", Wolkenburg 100, 42119 Wuppertal

 

Künstlerische Leitung:

Nadja Varga und Jens Kuchenbäcker (Tanz)

Björn Krüger und Moritz Ellerich (Musik)

Tobias Daemgen und Bina Noss (Installation)

 

Teilnehmer: An den Workshops nahmen 36 Kinder und Jugendliche zwischen 10 und 14 Jahren teil.

Zuschauer: Die beiden Aufführungen waren mit ca. 85 Zuschauern sehr gut besucht.

 

 

Antrag Nr. 53: HACK°WERK - WERK°STADT, Witten

Neue Möglichkeiten und Ideen für die Wittener Jugendtalentbühne „Gehacktes“ der WERK°STADT

 

„Gehacktes“ ist in Witten nicht nur als Fleischgericht bekannt, sondern steht seit einigen Jahren auch für eine Veranstaltungsreihe, eine Jugendtalentbühne, der WERK°STADT Witten, die derzeit von einer fünfköpfigen Gruppe Jugendlicher ehrenamtlich und gemäß dem Do It Yourself -Prinzip geplant und organisiert wird.

Die Beobachtungen und Entwicklungen ab 2011 haben das Gehacktes-Team und die betreuenden Mitarbeiter der WERK°STADT dazu veranlasst eine Förderung zu beantragen, um dem ganzen Format und auch der Wittener Jugendszene „neues Leben“ einzuhauchen bzw. künstlerische Akteure aller Sparten ausfindig zu machen und wieder ein abwechslungsreiches und spannendes Angebot zu gestalten.

Der gänzliche Wegfall der Kleinkunstsparte sowie das sich wiederholende Line-up an lokalen Bands,

die ohne Gage und Aufwandsentschädigung auftreten wollen/können, führte zu sinkenden Besucherzahlen, einem langweiligen Image und vor allem zu einer Lustlosigkeit und Verzweiflung beim Gehacktes-Team.

Die Förderung bezog sich auf vier Gehacktes-Veranstaltungen und ermöglichte im Wesentlichen die Vergabe von Gagen bzw. Aufwandsentschädigungen für die Akteure sowie die Planung von Workshopangeboten.

Die erste Veranstaltung, die von der Förderung profitieren konnte, fand am 31.05.2013 statt und zählte 169 Gäste. Die bekannte Dortmunder Band „Travels & Trunks“ sowie die Band „Pavement Poetry“ aus Spelle konnten neben zwei lokalen Bands für den Abend gewonnen werden.

Des Weiteren installierte Oliver Kretschmann vier Overheadprojektionen im Veranstaltungsbereich, womit die Sparte „Bildende Kunst“ nach langer Zeit wieder beim Gehacktes vertreten war. Die Installationen hatten im weiteren Sinne auch einen Workshopcharakter, da Oliver Auskunft über sie gegeben und die Besucher eingeladen hat die Bilder zu verändern. Von den insgesamt vier Veranstaltungen war er bei dreien mit seinen Installationen vertreten und gehört mittlerweile fest zum Format. Über ihn kommen vermehrt Vorschläge und Kontakte für Beiträge aus dem Bereich der „Bildenden Kunst“. Zudem ist er sehr um eine fotografische Dokumentation der Veranstaltungen bemüht, die über das Internet hoffentlich Jugendliche anspricht und anregt zu kommen oder sogar künstlerisch mitzuwirken/aufzutreten.

 

Bei der zweiten Veranstaltung am 27.09.2013 mit 120 Gästen gab es zusätzlich zu den vier Bands und den OHP-Installationen eine Fotografie-Ausstellung von Michael Kotowski. Gezeigt wurden einige Serien, u.a. eine Abschlussarbeit, über die Michael ebenfalls Auskunft an Interessierte gegeben hat. In der Team-Besprechung zu dem Termin wurde beschlossen eine technische Investition zur nachhaltigen Förderung der Sparte „Bildende Kunst“ in Form eines Halteleistensystems zu tätigen. Hierdurch werden auf langer Sicht Aufwandszahlungen an Künstler für eigene Hängungssysteme gespart.

Einen kleinen Einführungsworkshop in das Thema „Flyer- und Plakatgestaltung“ wurde im Vorfeld von einem Gehacktes-Teammitglied gegeben bei dem neben den anderen, unerfahrenen Team-Mitgliedern auch einige Personen aus dem näheren Teamumfeld mitgemacht haben. Dort wurde exemplarisch am Entwurf der September-Werbung das Thema behandelt.

 

In den Besprechungen nach der zweiten Veranstaltung ging es intensiv um das Konzept der regelmäßigen Veranstaltungen sowie ein Angebot an Workshops und kleineren Themenabenden. Eine wesentliche Entscheidung war die Verlegung der Veranstaltungsreihe in das anliegende Jugendcafé Treff°. Die Vorteile beziehen sich auf die räumliche und personelle Situation (Größe, Atmosphäre und feste Bühne / kleineres, festes Mitarbeiter-Team für Gastro und Durchführung) sowie die bessere Außenwahrnehmung der Zielgruppe. Die ausgearbeitete Idee für einen veganen Koch-Abend, ein Thema das sich seit einiger Zeit bei Wittener Jugendlichen bemerkbar macht, und was als Veranstaltung nach dem dritten Dezembertermin angedacht war, wurde wegen privaten Terminänderungen der Teammitglieder leider bis auf Weiteres verschoben.

 

Bei dem dritten Termin am 11. Dezember handelte es sich um eine Synergie, eine Zusammenarbeit im Zeichen des DIY-Prinzips und der Nachwuchsförderung junger Musiker. Johannes Maas, ein junger Musiklehrer und Jazz-Gitarrist, den es nach Witten verschlagen hat, hat im Jugendcafé Treff° das „Jazz°Café“ ins Leben gerufen, ein kostenloser Jazz-Konzertabend bei dem er befreundete, junge Musiker aus dem Ruhrgebiet auftreten lässt. Als das Gehacktes-Team davon erfuhr, gab es direkt Interesse für eine Zusammenarbeit und so wurde beschlossen das Jazz°Café als vierte Veranstaltung in die Gehacktes-Serie für 2013 aufzunehmen. Hierbei stand nicht die Popularität des Genres innerhalb der Zielgruppe im Vordergrund, sondern die DIY-Initiativnahme von Johannes, die Förderung junger Musiker sowie die Erweiterung des musikalischen Spektrums des Formates. Wobei hier erwähnt sein will, dass die Wittener Musikschule ein erfolgreiches Jugend-Jazz-Ensemble hat und man somit auch ein Angebot für diese kleine Gruppe geschaffen hat.  

 

Anlässlich der Verlegung ins Jugendcafé Treff wurde der vierte Termin am 13. Dezember vom Programm her besonders gestaltet. Die bekannte Wittener Ska-Band „Die Conditorei“ konnte Dank der Förderung eingeladen werden. Es gab einen Siebdruck-Workshop des jungen Dortmunder Künstlerkollektivs „Watwha“, der einige Stunden vor Beginn der Konzertveranstaltung stattfand. Die beiden Grafikdesigner Patricia Tarczynski und Florian Backhaus hatten extra für die Veranstaltung zwei Motive erstellt und zusammen mit den Teilnehmern auf Textilien gedruckt. Im Weiteren stand noch ein hippes Witten-Logo und das neue Logo des Gehacktes-Teams zur Auswahl. Die selbstbedruckten T-Shirts und Jutebeutel, zwei populäre Kleidungsstücke unter Jugendlichen, sind gleichzeitig eine Art Werbeträger /-macher für die Veranstaltungsreihe.

Zudem ergab sich eine weitere Sparten-Neuheit mit dem Auftritt des in Witten wohnenden Autor und Poetry Slammer René Sydow. Der Auftritt ist zwar durch das laute Konzertpublikum etwas „untergegangen“, ergab aber in einem anschließenden Evaluationsgespräch eine Vereinbarung über einen kombinierten Themenabend bestehend aus Lesung und ruhigerer Singer/Songwriter-Musik in 2014. Dieses Konzept knüpft inhaltlich an den bestehenden, populären Poetry Slam „Die Sprechstunde“ des Jugendcafés sowie die Nachfrage nach akustischer Musik Singer/Songwriter-Musik unter Jugendlichen an.

Mit 190 Gästen, das vorgeschriebene Maximum im Treff°, war die Veranstaltung ein voller Erfolg, der auf ein erfolgreiches und spannendes Gehacktes-Jahr in 2014 hoffen lässt.


Die Förderung hat eine äußerst positive Entwicklung der Veranstaltungsreihe Gehacktes bewirkt, die sich vor allem durch eine neue Außenwirkung, wachsende Besucherzahlen und ein lebendiges Programm kennzeichnet. Zur Außenwirkung zählt hier neben den positiven Reaktionen der Besucher_innen auch die Entwicklung eines neuen Logos sowie Printmedien-Gestaltungskonzept. Sowohl das Gehacktes-Team als auch die betreuenden WERK°STADT-Mitarbeiter blicken motiviert und erfreut auf die Veranstaltungen in 2014. Die Fortentwicklung der Reihe hat erste wichtige Schritte gemacht, die sich in der kommenden Zeit etablieren und festigen sollen. Ausgehend von diesem „rollenden Stein“ werden weitere positive Ereignisse erhofft, die sich daraus von selbst ergeben.

 

 

Antrag Nr. 54: Grenzfrei 2013 - WERK°STADT, Witten

 

Das Festival "Grenzfrei" fand am 06.09. und am 07.09.2013 auf dem Gelände der WERK°STADT statt. Mit der zweitägigen Veranstaltungsdauer sollte erreicht werden, dass eine noch größere Öffentlichkeit und breitere jugendliche Zielgruppe angesprochen wird. Weiterhin sollte ein nachhaltiges, aufklärerisches Zeichen gegen die zunehmende Vereinnahmung, Umdeutung und Unterwanderung der Jugendszenen, vor allem denen, die sich in der Musik wie Metal, Punk, Hardcore oder HipHop verorten, durch "Rechtsextreme" gesetzt werden. Die Ziele des Festivals bestanden darin, Jugendliche stark und selbstbewusst zu machen, für die Gefahren von Rechts zu sensibilisieren, aufzuklären, ein Zeichen gegen Rassismus, Sexismus und Ausländerfeindlichkeit zu setzen und für Toleranz und Verständnis zwischen den verschiedenen Jugendszenen zu werben.

Wittener Jugendzentren, alternative soziokulturelle Zentren (Trotz Allem), weiterführende Schulen, das KiJuPa, die Stadt Witten und insbesondere Jugendliche aus Witten und der Umgebung, die in den letzten beiden sowie in diesem Jahr aktiviert wurden, haben an der Umsetzung des Bandbreite/Grenzfrei-Festivals mitgearbeitet. Vor allem die Zusammenarbeit mit dem Trotz Allem, die in 2012 aufgenommen und auf vielfache Art und Weise, auch außerhalb des Festivals, vertieft und weitergeführt wurde, war sehr produktiv und kreativ. Gemeinsam mit den Jugendlichen der im Trotz Allem angesiedelten Initiative "Grenzfrei", die sich sonst um Flüchtlinge in Calais kümmert, konnte ein hervorragendes Lineup an Referenten und Musikern für das Festival gewonnen werden.

Auf der Bühne gab es eine Auswahl lokaler Acts ("SBK Basement", "UMSE") und eingeladener, überregional bedeutender Bands ("Feine Sahne Fischfilet") zu sehen. Mehr als 750-800 Jugendliche und junge Erwachsene kamen im Laufe der zwei Tage trotz des schlechten Wetters, um zur Musik zu feiern und die zahlreichen Informationsstände, u.a. von Amnesty International oder der AntiFa, zu besuchen. Zahlreiche Multiplikator_innen aus Politik, Presse, Vereinen, Verbänden und der Kulturszene erschienen auf der Veranstaltung. Als Sprecher des Grenzfreiteams hielt unter anderem Malte Steinmann ein Vortrag zu den Themen Rassismuns, Sexismus, Antisemitismus und Homophobie. 

Das LineUp des zweitägigen Festivals war, vor allem am 07.09.2013, sehr HipHop lastig. Die Besucher_innenschaft im HipHop ist grundsätzlich eher männlich dominiert. Frauen und Mädchen besuchen die entsprechenden Veranstaltungen oft eher als "Freundin von".  Dass das Zahlenverhältnis dennoch beinahe im Bereich von jeweils 50% liegt, ist vor allem darauf zurück zu führen, dass die - auch bei der breiteren Masse bekannte und beliebte - Ska-Punk-Band "Feine Sahne Fischfilet" als Hauptact gewonnen werden konnte und auftrat. Das Geschlechterverhältnis im Punk ist seit Anbeginn dieser Subkultur nahezu ausgewogen. Die Ska-beeinflusste Variante ist dabei für weibliche Punks besonders attraktiv - die Gründe dafür lassen sich nicht näher einordnen. Auch die übrigen Bands des ersten Festivaltages, beispielsweise The Tips oder das Mondo Mashup Soundsystem, brachten Ska-ige Klänge auf die Bühne, so dass das Geschlechterverhältnis der Besucher_innenschaft sehr ausgewogen war.

 

Die Resonanz der Hauptzielgruppe (Jugendliche in strukturschwachen Regionen) erfüllte und übertraf die Erwartungen. Die Befürchtung, der Eventcharakter der Veranstaltung könnte die inhaltliche Ausrichtung in den Hintergrund treten lassen, erfüllte sich nicht. Das Interesse an den zahlreichen Aktionsformen und Informationsständen war ebenso groß wie an den musikalischen Darbietungen. Grund hierfür war mit einiger Sicherheit die Anwesenheit von Multiplikator_innen aus der "Szene", denen entsprechende Authentizität und Glaubhaftigkeit zugeschrieben wurde sowie die intensive Zusammenarbeit mit den Kooperationspartnern wie dem soziokulturellem Zentrum Trotz Allem, wobei insbesonders die im Vorfeld stattgefundenen Gesprächsrunden dazu dienten die thematischen Inhalte im einzelnen als auch verschiedene Songtexte der auftretenden Künstler kontrovers zu diskztieren.

 

Die Öffentlichkeitsarbeit war sehr erfolgreich – vor allem die sozialen Netzwerke wurden gut mit Informationen befüllt und von der Zielgruppe als Plattform für den Austausch und zur Informationsbeschaffung genutzt. Plakate im gesamten Stadtgebiet, Werbetouren mit "Maskottchen" (einem großen, mit Flyern und Plakaten der Veranstaltung beklebtem Karton, der wie ein "Kostüm" getragen werden konnte und mit dem engagierte Jugendliche in den Innenstädten in Witten, Dortmund und Bochum warben), große Ankündigungen in regionaler und überregionaler Presse und Flyer runden die Werbebemühungen ab.

 

Alle soziokulturellen Elemente des Projekts sind unter partizipativem Grundsatz entstanden. Große Teile der infrastruktuellen Arbeiten (Auf-/Abbau, Vorbereitung der Spielfläche, Betreuung im Backstage...) wurden von Ehrenamtlichen übernommen.

 

Die Veranstaltung war frei von patriarchalischen, sexistischen oder homophoben Strukturen und Erscheinungen.
Sprachlich wurde das Gender Mainstreaming in allen zur Veranstaltungen gehörenden Veröffentlichungen konsequent umgesetzt.

Das große Festival auf dem Gelände der WERK°STADT ist auf überwältigenden Erfolg gestoßen, was nicht zuletzt darauf zurückzuführen ist, dass viele der jugendlichen Teilnehmer_innen die aktive Teilnahme am Geschehen nicht nur als "Freizeitgestaltung" betrachtet, sondern ihren Besuch zu ihrem eigenen Belang und zu ihrer eigenen "Verpflichtung" gemacht haben. Die Form der Ansprache war richtig und authentisch gewählt, gerade, was den sonst schwer zu "vermarktenden" Informations- und Diskussionsteil des Projektes angeht. Das Engagement der Jugendlichen im Vorfeld der Veranstaltung, bei der Organisation, Bewerbung und schließlich auch bei der Durchführung, war beeindruckend.

 

 

Antrag Nr. 56: Kickoff Festival- Rio Reiser Songpreis – Lindenbrauerei e.V., Unna

 

Projektverlauf

Unna wird am 23.08.2014 die große Ehre zu teil, den Rio Reiser Songpreis ausloben zu dürfen.

Mit der aktuellen Zusage des Rio-Reiser-Haus e.V. ergibt sich für das Kulturzentrum hieraus die Möglichkeit, ein jährlich stattfindendes Festival zu etablieren. Rio Reiser und Ton Steine Scherben sind ein Symbol für den Grundgedanken der Soziokultur.

Die Kick Off Veranstaltung, die zur Einreichung von deutschtextigen Songs aufgerufen hat, fand am 20.08.2013 statt. Zu diesem Contest-Start wurde öffentlichkeitswirksam in Form eines Festivals aufgerufen. Ein Festival, welches im kleinen Rahmen schon einmal gezeigt hat, wie es 2014 werden soll.

Bei freiem Eintritt traten beim Rio Reiser Fest auf:
Selig-Frontmann Jan Plewka mit seinem Jan Plewka Duo, Monsters of

Liedermaching, Tonbandgerät, Gardenier und  Rotative.  Für dieses Projekt der Lindenbrauerei haben Öffentlichkeitsarbeit und Programmplanung eng zusammengearbeitet. Viele Musiker und Bands wurden erreicht – was an über 150 aktuellen Bewerbungen abzulesen ist.

Die 2 entscheidende Argumente, die für eine Förderung dieses Projektes gesprochen haben, erstens, jungen Menschen, einen Anreiz zu geben, sich besonders intensiv mit Sprache und Musik beschäftigen, und zweitens dem Kulturzentrum Lindenbrauerei ein Projekt zu ermöglichen, welches eine extrem überregionale Öffentlichkeitswirkung erzielen wird, und zu Markenzeichen werden könnte gehen somit auf. Auf lange Sicht könnte sich nun tatsächlich ein weiteres Standbein für das Soziokulturelle Zentrum ergeben.

 

 

Antrag Nr. 57: Ein Stadtteil lädt ein - Theater am Schlachthof, Neuss

Am 14.September 2013 beteiligte sich das Theater am Schlachthof erstmals an dem schon länger existierenden Stadtteilfest des Barbaraviertels. Organisiert wurde dieser Tag vom „Runden Tisch Barbaraviertel“ der sich einmal im Monat in den Räumen der Caritas trifft und an dem alle Institutionen und Vereine des Viertels vertreten sind (2 Kindergärten, 1 Grundschule, Kirchengemeinde, Stadtteilpolizist, Stadtteilpolitiker, Neusser Tafel, Förderverein und OGS der Grundschule, Jugendzentrum und das Theater).

Stattfinden sollte das Fest auf dem Schulhof der Grundschule, doch leider war das Wetter an diesem Tag so schlecht, dass wir größtenteils in die Klassenräume ausweichen mussten. Das TAS beteiligte sich mit zwei Aktionen an dem Fest: Als Außenattraktion organisierten und betreuten wir eine Rollenrutsche (ausgewiesen als Olchi-Müllrutsche passend zu einem aktuellen Kindertheaterstück). Diese erwies sich als Glücksfall, da sie trotz Dauerregen unter dem einzigen Schulhofdach aufgebaut werden konnte und so den Kindern eine tolle Aktion bot. Durch die entstehenden langen Schlangen kamen wir gut mit den Kindern ins Gespräch und konnten Ihnen viele Dinge über das Theater erzählen.

Eine zweite Aktion fand in einem Klassenzimmer statt. Dort wurde von drei Schauspielern eine Koffer-Lesung zu unserem anderen aktuellen Kinderstück „Geheimoperation Quirinus“ (ein Stück über die Neusser Stadtgeschichte) mehrmals angeboten. Die anwesenden Kinder (eher bildungsferner, kulturferner Migrationshintergrund) waren begeistert von der Mischung aus Lesung, Schauspiel, Verkleidung und Mitmachaktionen. Diese Form der Darstellung hat die Kinder sofort gefangen und sie durch den niederschwelligen Ansatz für das „richtige“ Theaterstück interessiert.

So wurde dieses Fest trotz des schrecklichen Wetters für uns und auch für die Kinder ein schöner Erfolg.

 

 

Antrag Nr. 58: Ikarus-Hoch hinaus - Theater am Schlachthof, Neuss

 

Das Theater am Schlachthof führt seit Jahren eine enge Kooperation mit der Gesamtschule an der Erft in Neuss durch, die sich in ihrem Schulprofil explizit als Kulturschule ausweist.

Nach den Sommerferien 2013 waren unsere Theaterpädagogin, der Regisseur und ein Regieassistent an mehreren Terminen ein der Schule (in den Theater AGs, in den DuK-Kursen, im Literaturkurs usw.) um das Projekt vorzustellen. Geplant wurden ein wöchentliches Treffen (abwechselnd in der Schule und im TAS) sowie mehrere Wochenendtreffen. Es meldeten sich 14 Schüler der Klassen 9 bis 13, die außerhalb des Schulunterrichtes und mit Aussicht auf mehrere Auftritte im Jahr 2014 im Theater am Schlachthof verbindlich an dem Projekt teilnahmen. Von Oktober bis Dezember gab es also zahlreiche Treffen und ein Intensivwochenende in den Herbstferien, an denen an Texten, Videos, dem Plakat usw. gearbeitet wurde, damit dann im weiteren Verlauf des Projektes im Jahr 2014 die Proben und die Zusammenarbeit mit den Schauspielern des TAS beginnen kann, um dann im Mai 2014 eine Aufführung auf die Bühne zu bringen.

 

 

Antrag Nr. 60: Poesie und Empörung – MAKE, Münster

 

Manfred Kerklau und Annelise Soglio entwickelten das Konzept für das Projekt „Poesie und Empörung“.

Beim ersten Arbeitstreffen aller beteiligten Akteure Anfang August 2013 waren anwesend:
Andreas Ladwig (50), Sprecher, Musiker, Schauspieler
Denis Neumann (23) Schauspiel Junges Theater Cactus, Informatikstudent
Katrin Heinrich (79), in jungen Jahren Tänzerin, Akteurin in den letzten beiden MAKE Produktionen
Linda Simm,(30) Schauspielerin,
Christa Reissmann(70), Leiterin Hagazussa Tanztheater;
Sarah Rajana Häuser(20), Schauspiel Theater Junges Theater Cactus, Courage Schülerstiftung
Bernhard Heinrich (74), Akteur bei der MAKE Produktion Anima e Corpo

Jan Enste (31) Künstler; JAEPAS
Annelise Soglio (45) Choreographin,
Manfred Kerklau (55) Regisseur

Folgende Themen wurden diskutiert:

-        welche Bedeutung hat Poesie für mich, für die Gesellschaft,

-        wie sieht jeder einzelne die Position von Stephane Hessel und die Bedeutung der Schrift Empört Euch

-        Wo sind Parallelen, Gemeinsamkeiten in der Bedeutung, dem Wert von Gedichten, die Hessel als sein Lebenselixier bezeichnet.

-        Wie ist der Blickwinkel der unterschiedlichen Generationen.

 

Ausgehend von diesen Fragen wurde zu bestimmten Themen wie z.B. Widerstand improvisiert.

In den ersten Probewochenden wurde unter der Leitung von Manfred Kerklau und Annelise Soglio viel praktisches spielerisches Material erarbeitet. Zudem wurde die Rolle von Jan Enste als eigenständiger Künstler geklärt. Er hat im gewissen Sinne eine „Störfunktion“, kann somit das bestehende System (hier die Theateraufführung) hinterfragen oder in einen neuen Zusammenhang bringen.

Im September 2013  bekam Sara Rajana Häuser einen Ausbildungsplatz in Barcelona und konnte daher nicht weiter teilnehmen. Als Ersatz wurde Nele Koops (21) gewonnen, die schon in verschiedenen Projekten von Johannes Fundermann Schauspielerfahrung erworben hat.


Von August bis Dezember 2013 wurde in regelmäßig an den Wochenenden (Fr abend Sa. /So)  und am Dienstagmorgen an dem Projekt geprobt.

 Am 14. Dezember 2013 wurde das erste Arbeitsergebnis des Projektes im Probezentrum des Theater im Pumpenhauses öffentlich vorgestellt. Eingeladen wurde über den Spielplan und Newsletter des Theaters im Pumpenhaus.
Bühnenbildner Hans Salomon gestaltete den Raum für diese Aufführung.
Kostümbildnerin Bettina Zumdick kümmerte sich um das Kostümbild.
Lejla Aliev, Regieassistentin bearbeitete die zusammengestellte Musik und fuhr den Ton. Jan Enste erstellte die Videosequenzen.
Die Aufführung lief ausgesprochen gut und die anschließende Diskussion mit dem Publikum gab viele Anregungen für die nächsten Arbeitsschritte des Projektes und die in 2014 geplante Weiterentwicklung neuer Module.
Das Projekt ist wie geplant durchgeführt worden.

 

 

Antrag Nr. 62: AV Picknick – Wilko Franz, Münster

 

Das AV PICKNICK hat in 2013 viele der angestrebten Ziele erreicht, aber auch manche Erwartungen nicht erfüllt.

 

Aus künstlerischer Sicht sind uns einige sehr schöne visuelle Konzepte gelungen und es wurden mehrere herausragende Musiker nach Münster geholt, die ohne das Picknick keinen Auftrittsort und somit auch keine Auftritte in Münster gehabt hätten.

 

VISUELLE KONZEPTE:

Es hat sich gezeigt, dass sich die Vorbereitungszeit stark auf die konzeptionelle Ausarbeitung des Abends auswirkt. Wir haben im März mit dem „Berg plus Bergkristallen“ begonnen. Der Berg wurde aufwändig mit einem dreidimensionalen Raster angelegt und die Videos wurden eigens dafür angelegt. Im Raum verteilte Bergkristalle verstärkten die räumliche Wahrnehmung. Dies begeisterte Zuschauer wie Musiker, die so ein filigranes Mapping noch nicht gesehen hatten. Im Mai blieb uns dagegen viel weniger Zeit, weshalb die Hauptprojektionsfläche eine relativ normale, rechteckige Leinwand war, die allerdings mit einem Rahmen aus Stuckleisten wie ein barockes Gemälde gestaltet war. Dazu hingen im Raum verteilte Möwen. Motiv das Abends war das Meer, wofür wir eigene Filmaufnahmen von der Nordsee und dem Mittelmeer aus 2012 verwendeten, was zu einer sehr schönen Stimmung führte. Die lange Sommerpause hat dem Projekt dann sehr gut getan. Anfang September haben wir uns mit Freunden für einige Tage zu einem Workshop und Brainstorming in einem Kotten in Lienen getroffen und Überlegungen für die zweite Jahreshälfte angestellt, sowie das erste visuelle Projekt für den Oktober gebaut.   Grundidee war es etwas „verrücktes“ zu verstellen und zwar verrückt gleichbedeutend mit schräg und deplaziert. Dazu haben wir aus Holz eine Fläche aus vielen schräg versetzten Streifen gebaut, für die die Videos aus einem normalen Bild zueinander verrückt wurden. Dies harmonierte hervorragend mit den Sounds von Saffronkeira. Zum Pianisten Carlos Cipa wurden 35 kleine Bälle im Raum angespielt und ergaben zusammen mit leichten Nebel aus einem Hazer eine beinahe schon kitschig schöne Atmosphäre. Beim nächsten Konzert, welches bereits eine Woche später war, haben wir nochmals auf den Berg zurückgegriffen, welcher diesmal herbstlich passend von großen Blätterranken begleitet wurde. Beim Novemberkonzert wurde wieder mit einem Screen gearbeitet, da auch die Fotografien von Hior Chronik Verwendung fanden, dazu wurde ein Vorhang aus versetzten Gaze-Streifen zwischen Publikum und Musiker angebracht, der visuell auch sehr gut funktionierte.

 

ZUSCHAUER:

Wir hatten auf 5 Konzerte insgesamt 331 Zuschauer  (78, 70, 73, 47, 63). Die Tendenz ging zuletzt leicht abwärts, was wir darauf zurückführen, dass wir zu viele Konzerte zu nah aneinander angesetzt haben. Als weiteres Argument wurde von vielen der hohe Eintrittspreis als Hemmschwelle genannt. Wir hoffen, dass wir dieser Tendenz entgegen wirken können, indem wir uns auf weniger aber noch besser vorbereitete und finanzierte Termine konzentrieren.

 

FAZIT

Zunächst freuen wir uns, dass das Picknick viele Schritte nach vorn gemacht hat und sich der Name langsam etabliert. Deutlich wurde jedoch, dass es uns nicht gelingt genügend (neue) Zuschauer für das Picknick anzusprechen, was zum Teil mit dem ungenügenden Marketing, aber auch mit der Preisschwelle zu tun hat. Wir hätten erwartet einen Zuschauerschnitt von 75 erreichen zu können, mussten nun aber doch wahrnehmen, dass dies mit so einer Art von Veranstaltung mit unbekannten Künstlern kaum machbar ist. Als Macher haben wir für den sehr hohen Aufwand pro Picknick selber relativ wenig übrig behalten. Daher werden wir für weitere Projekte nun anders finanzieren und diese zeitlich weiter auseinander ziehen (möglichst 2-3 Monate).

Das Picknick hat aber auch viele Interessenten gefunden. EinsLive macht im Dezember einen Bericht, das LWL Museum möchte ein Picknick ins Foyer holen, wir haben mit Herrn Dr. Peters vom Theater gesprochen, der sich interessiert zeigt und haben im nächsten Jahr mit dem Pumpenhaus und dem Planetarium direkt zwei tolle neue Spielorte. Wir hoffen so, dass AV PICKNICK weiter etablieren zu können und evtl. auch außerhalb von Münster durchzuführen.

 

 

Antrag Nr. 64: Justice now! – Kulturzetrum BÜZ Minden

 

Die Wanderausstellung „Justice now!“ war Folge des Mail-Art-Projektes  „Alles was R(r)echt“ ist, welches wir, von Ihnen gefördert, im Jahre 2012 mit dem Ratsgymnasium und dem Herder-Gymnasium durchführten.

 

Im Jahr 2013 haben wir mit weiteren Mindener Schulen das Corpus aller eingegangenen Beiträge in einem Gesamtpaket zusammengestellt und als Wanderausstellung mit dem Titel „Justice now!“ auf den Weg gebracht. Die Kuratierung lag bei den SchülerInnen mehrerer Kunst-Kurse  des Herder-Gymnasiums. Sie erarbeiteten sich Management-Fähigkeiten im soziokulturell-schulischen Bereich, indem sie die Exponate aus aller Welt aufbereiteten, Ausstellungsorte innerhalb und außerhalb von Minden akquirierten und die Ausstellung dorthin brachten oder sandten: ins Fichte-Gymnasium Hagen, die Friedrich-Wilhelm-Murnau-Gesamtschule Bielefeld, die Ratsschule Melle, die Justiz-akademie Recklinghausen und die Aurelec-Galerie in Auroville/Indien.

 

Wichtige Lernschritte waren die Auseinandersetzung mit den Spezifika der vorhandenen künstlerischen Materie, Entwurf und Fertigstellung von zielorientierten Werbe- und Infomateralien, und das Anpassen der Ausstellung an die Rahmenbedingungen des jeweiligen Ausstellungsortes. Hierbei wurden jedesmal neu die jeweiligen Räumlichkeiten, der Zeitrahmen, die finanziellen Ressourcen und die Motivation der Kooperationspartner in Erfahrung gebracht und praktisch umgesetzt.

 

Die Schüler formatierten die Ausstellung, und eine Delegation begleitete sie zum jeweiligen Zielort (außer Auroville), um dort eine Vernissage multimedial und fächerübergreifend mit den Partner-organisatoren flexibel zu gestalten.  Diese synergetischen Pakete machten die Eröffnungen attraktiv in bunter Diversität an den verschiedenen Standorten. In zahlreichen integrierten Kunst-Workshops während der Ausstellungsdauer in den jeweiligen Ausstellungsräumen waren unsere SchülerInnen kompetente Kunstvermittler auf Augenhöhe mit dem Schülern, Lehrern, Besuchern und den Medien.

 

Am Schluss des Projekts stand die Aufarbeitung des erfeulich großen Medienechos und die Evaluation auf den 3 Ebenen: kognitiv – pragmatisch – emotional.

 

Unsere Mindener Kooperationspartner im Projekt waren außer dem Herder-Gymnasium: das Verwaltungsgericht und das Kulturbüro der Stadt. Mit dem Projekt „Justice now!“ konnten wir unser Profil im Bereich der kulturellen Bildung stärken und zugleich unser Netzwerk um neue Kooperationspartner erweitern. Als besonderen Erfolg werten wir, dass als Folgeveranstaltung in 2014 alle o.g. Schulen ein neues gemeinsames Projekt im internationalen Netzwerk der Mail-Art unter dem Titel „City of the Future“ durchführen, wir also Nachhaltigkeit in diesem Bereich kultureller Bildung erzielen konnten.

 

 

Antrag Nr. 65: Minden Road to Slam 2013 – Kulturzetrum BÜZ Minden

 

Als „Minden Road to Slam 2013“ haben wir im Kulturzentrum BÜZ eine Reihe  von acht Poetry-Slams  durchgeführt. Sie führten zum „National 2013“ hin. Die acht Slams waren konzeptionell-inhaltlich aufeinander abgestimmt. Durch dieses Projekt konnten wir unser Profil inhaltlich stärken; unsere Säule „Kulturelle Bildung“ wurde im kulturellen Angebot der Stadt weiter verankert.

 

Die Nachwuchsarbeit  in verschiedenen Schulformen nutzten wir zum differenzierten Ausbau einer sehr gut funktionierenden U20-Poetry-Slam-Szene in unserer Stadt und der Region. In dieser Veranstaltungsreihe starteten wir zwei neue intergenerative Formen des Poetry-Slam als Deutschland-Premieren: einen „Vier-Generationen-Slam“ am 05.10.2013 und einen „BÜZ-SLAM U20/Ü40“ am 05.11.2013. Dieser fand  im offiziellen Rahmenprogramm des deutschlandweiten „NATIONAL 2013“ statt.

 

Sieben Veranstaltungen auf der „Minden Road to Slam 2013“ führten wir komplett oder unter Beteiligung der Altersgruppe U20 durch. Wir konnten U20-SlammerInnen aus Minden im öffentlichen Literaturbetrieb auf das Bundesniveau hinführen, indem wir Ihnen einerseits die Möglichkeit boten, als Zuschauer qualitativ hochwertige Slammer zu erleben. Zum anderen schufen wir für einzelne Slammer aus Minden die Gelegenheit, sich in der Öffentlichkeit zu präsentieren und sich im Wettkampf um den Sieges-Pokal direkt mit fünf der besten deutschen Slam-PoetInnen zu messen.

 

Wir begannen mit Poetry-Slam-Workshops, die wir in verschiedenen Schulformen in Realschulen, Gymnasien, Gesamtschulen, Berufskollegs durchführten. So erreichten wir ca. 100 aktive JungpoetInnen im Zuge des Deutschunterrichtes, des Unterrichts für Literatur oder in schulischen Arbeitsgemeinschaften. Die Besten qualifizierten sich dann für die öffentlichen Schulkampfslams im Kulturzentrum BÜZ. Im nächsten Schritt öffneten wir diesen Bereich weiter durch allgemeine „U20-SLAMS“, an denen also junge SlammerInnen aus ganz Deutschland teilnehmen, plus unsere Mindener SlammerInnen. Dort sammelten sie viele neuen Erfahrungen, lernten das deutschlandweite Netzwerk der Slammerszene kennen und wuchsen in dieses von der nationalen Slammer- und Slammaster-Szene organisierte Kulturgeflecht hinein.

 

Wir konnten als einziger National-Veranstaltungsort außerhalb Bielefelds am „Bundesliga“-Programm mit einer eigenen Veranstaltung aktiv teilnehmen. Die Bedingung war, dass wir sie selbst planen, organisieren und finanzieren. Durch Ihre großzügige Unterstützung wurde uns dies ermöglicht.

 

Da wir uns nicht allein als Talentschmiede für SlammerInnen verstehen, war ein weiterer Schwerpunkt der Veranstaltungsreihe die Ausbildung junger SlammerInnen als zukünftige SlammasterInnen. Wir konnten diesen Schwerpunkt in die verschiedenen Stationen der „Minden Road to Slam 2013“ intergireren, indem wir sie von SchülerInnen  als Co-ModeratorInnen begleiten ließen. Außerdem nahmen mehrere als Jurymitglieder an allen Slams dieser Veranstaltungsreihe teil. So lernten sie die lebendige Literaturpräsentation als aktive Zuhörer und Zuschauer kennen.

 

Als abschließendes Highlight konnten wir in einen schulübergreifenden Workshop am 06.11.2013 mit U20 und Ü20-Top-SlammerInnen aus ganz Deutschland, die zur „Minden Road to Slam 2013“ angereist waren, die Breiten- und Tiefenwirkung des Poetry-Slam-Unterrichtes in den Schulen absichern. Er wurde von den teilnehmenden  SchülerInnen als intensiv, informativ und nachhaltig beschrieben.

 

 

Antrag Nr. 66: Denk_mal im Kopf – Werkhaus Krefeld

 

Zeitraum: Juli bis Dezember 2013

Denk_mal im Kopf  hieß die handlungsorientierte Ausstellungs- und Aktionskonzeption mit

der Themenstellung „Denkmale entstehen im Kopf – Stereotype und Bedrohung“.

 

Wir zeigten eine Ausstellung der Mahn- und Gedenkstätte Düsseldorf über die „Zigeunerverfolgung“. In verschiedenen Projektbausteinen wurden aktuelle Zusammenhänge hergestellt. Ausstellungsplatten wurden innerhalb der Ausstellungsräume restauriert und künstlerisch überarbeitet. In einem neuen konzeptionellen Zusammenhang, der sich mit dem Blick oder der Sicht auf die

„Denkmale“ im Kopf beschäftigt, wurden sie neu arrangiert.

Begleitend gab es Fachbeiträge, Reportage, Diskussion, Jugendprojekte und einen Kurzfilmtag.

 

Ausstellung: 08.09.2013 bis 29.09.2013

 

Öffnungszeiten: Dienstag bis Freitag 15 Uhr bis 18 Uhr, Sonntag 11 bis 16 Uhr

400 Besucher plus Veranstaltungen

 

 „Ach Freunde, wohin seid ihr verweht…? Otto Pankok und die Düsseldorfer Sinti“ Ausstellung vom 8. bis zum 29. September 2013

 

Die Ausstellung zeigte eindrucksvolle Skizzen und Porträts seiner Düsseldorfer Sinti-Freunde aus den 1930er Jahren. Fotografien und Dokumente beschreiben, wie sich die Lebenssituation der Sinti durch staatliche und kommunale Maßnahmen und in breitem Konsens mit der Mehrheitsgesellschaft immer weiter verschlechterte: vom Entzug der Wandergewerbescheine und Arbeitsmaßnahmen, den Untersuchungen und Gutachten der Rassehygienischen Forschungsstellen, die Verfolgung im Zuständigkeitsbereich der Polizei, der Festsetzung in einem kommunalen Lager bis zur Deportation in Konzentrationslager und dem Ende ihrer Lebenszeichen in Auschwitz-Birkenau.

 

Offizielle Ausstellungseröffnung mit Rahmenprogramm: Sonntag, 8. September 2013, 11:00 Uhr

 

Eröffnungsfeierlichkeit: 30 Personen - 120 Besucher am Tag des offenen Denkmals

www.youtube.com/watch?v=8zO-jVReCkQ

 

Frau Dr. Schupetta, als Vertreterin der NS-Dokumentationsstelle der Stadt Krefeld, sprach einleitende Worte und überbrachte Grüße von Pankoks Tochter Eva. Frank Sparing, mitverantwortlich für die

Konzeption der Ausstellung, referierte über das Verhältnis des Künstlers Otto Pankok zu den in den 30er Jahren in Düsseldorf lebenden Sinti. Joscho Stephan umrahmte die Eröffnungsfeierlichkeit mit seinem herausragenden Gitarrenspiel.

 

Aktion Denk_mal im Kopf

Im Laufe des Tages wurden Meinungen, Statements, Befürchtungen und Hoffnungen der Besucher entgegen genommen. Die Besucher brachten Bilder, Fotos, Geschichten oder Gegenstände mit, die

einen Bezug aus der Vergangenheit oder der Gegenwart zur Bezeichnung „Zigeuner“ hatten.

Die Eröffnung mit Fachbeitrag und Aktion war eingebettet als Beitrag zum Tag des offenen Denkmals

unter dem diesjährigen Motto „Jenseits des Guten und Schönen: Unbequeme Denkmale?“

 

Werkstätten Work in Progress

27. Juli bis 29. September 2013 - wöchentliche Termine

In einem Work-in-Progress-Prozess wurden existierende Ausstellungstafeln der Ausstellung „Ach Freunde, wohin seid ihr verweht…? Otto Pankok und die Düsseldorfer Sinti“ hergerichtet und zu neuer Präsentation gebracht. Die verschiedenen Möglichkeiten der Beteiligung waren

- Aufarbeitung , Reproduktion, Bildkaschierung und Hängung der Ausstellung,

- Recherche zu historischen Hintergründen und Materialsammlung zu aktuellen Aspekten,

- Herstellung neuer Ausstellungstafeln. Die vorgefertigten Platten konnten künstlerisch, kreativ oder inhaltlich überarbeitet werden.

 

Auffallend waren Übermalungen und Überklebungen zu den Begrifflichkeiten„wissenschaftlich“ oder „Gutachten“, das Versehen der Fotodokumentation rassehygienischer Untersuchungen mit neuen Bildunterschriften wie „Schönheits-OP?“ oder „Body-Maß-Index“. Auch wurde die politische Fragestellung aufgeworfen, ob Herausforderungen durch Armut an zweifelhafte Akteure ausgelagert

werden würden. Stichworte waren Medienberichte des an Roma vermietete Wohnhaus in Duisburg und die Beschäftigungsformen in der „Fleischindustrie“.

 

Themen/Beiträge

 

Fachbeitrag und Diskussion

Donnerstag, 10. September 2013, 19:30 Uhr bis 21:30 Uhr, Dr. Karola Fings und Dr. Ulrich Opfermann

Zigeunerverfolgung im Rheinland und Westfalen 1933-1945

Geschichte, Aufarbeitung und Erinnerung

Frau Dr. Fings und Herr Dr. Opfermann setzen sich differenziert mit der Geschichte der als „Zigeuner“ Verfolgten auseinander. Sie ergründeten Herkunft, soziale Lage und Berufsbilder der Verfolgten aus

Nordrhein-Westfalen. Sie beschrieben, wie sich der Kurs Richtung Ausgrenzung durch die Machtübernahme der Nationalsozialisten und ihre Neuausrichtung staatlicher Politik auf der Grundlage des völkischen Rassismus verschärfte und damit zu Maßnahmen führte, die im Völkermord gipfelten.

Besonders herausgestellt wurden die Strukturen, die den Ausgrenzungsprozess radikalisierten. Zum Beispiel die maßgebliche Beteiligung lokaler Allianzen mit Akteuren in den städtischen Ämtern und bei der Polizei, der Presse und den NSDAP-Mitgliedern. Bei ihren Recherchen bemerkten Dr. Fings und Dr. Opfermann auch, dass es hinsichtlich der Verfolgung Handlungsspielräume gegeben hatte.

In der anschließenden Diskussion mit dem Publikum wurde detailliert auf den breiten Konsens der Bevölkerung, die Rolle der Kirchen und die Zeit nach 1945 eingegangen. Es gab Information über neue Hinweise auf lokale Zusammenhänge.

 

Reportage mit Fotostrecke

Donnerstag, 19. September 2013, 19:30 Uhr bis 21:15 Uhr, Rolf Bauerdick

 

„Zigeuner – Begegnung mit einem ungeliebten Volk“ Bild Bauerdick

 

Der Journalist Rolf Bauerdick berichtete über seine Begegnungen mit den Roma in Südosteuropa. Seine Fotografien zeigten ebenso erschütternde wie menschliche Bilder der größten europäischen Minderheit. Leider wurde das Bild, das er von den Roma zeichnete, vom Publikum nicht weiter hinterfragt.

 

Frau Dr. Schupetta versuchte eine Diskussion über die Bezeichnung „Zigeuner“ hervorzurufen. Erst im Nachgang kam ein Statement, dass schon das Einordnen in die Zugehörigkeit zu den Roma bereits eine Diskriminierung darstellen würde. Ein Diskussionsteilnehmer, ehemaliger Beauftragter im Sozialdienst für Sinti und Roma, irritierte mit seiner Sicht, durch vermehrte Zuwanderung gering qualifizierter Roma den sozialen Frieden bedroht zu sehen (Stichwort Rechtsradikalismus).

 

Kunstfilmtag in der Ausstellung

Sonntag, 22. September 2013, Bilder Filme

 

Gleich zwei Beiträge der Künstlerin Laura Waddington zu den Internationalen Kurzfilmtage Oberhausen zeigten ihre Auseinandersetzung mit der Thematik heutiger Flucht- und Bewegungsströme.

 

Border

Das Unbeschreibliche, das sie über Flüchtlinge in Kurdistan, Rumänien, auf Lampedusa (Sizilien) und in Patras (Griechenland) aufnahm, das sie im Flüchtlingslager von Sangatte sah, konnte sie dokumentarisch nicht beschreiben. Die furchtbaren Geschichten der Flüchtlinge erzählt sie in einer bewegenden, eher poetischen Bildsprache.

 

Cargo

An Bord eines Containerschiffs mit rumänischer und philippinischer Besatzung unterwegs in den Nahen Osten portraitiert Waddington eine geschlossene Gesellschaft mit ihren eigenen Regeln und Gesetzen, ohne wirklich Teil der Welt an Land zu sein.

 

Fachbericht aus der Praxis

Donnerstag, 24. September 2013, 19:30 Uhr bis 21:00 Uhr, Roland Reisbitzen, Agentur für Arbeit Krefeld

 

Schranken

Aus der Praxis heraus wurden die Lebensbedingungen heutiger Zuwanderer und Auswirkungen rechtlicher Umstände auf private Lebensbereiche beschrieben.

Was ist ein „Aufenthaltstitel“ und wer benötigt eine „Arbeitsgenehmigung“?

Warum ist einer „geduldet“ und was bedeutet „Gestattung“?

Der Berufsberater und Migrationsbeauftragte klärte über rechtliche Hintergründe anhand von Beispielen aus der Praxis auf. Er benannte Auswirkungen auf Berufswahl und Weiterbildungschancen. Auch wie bestimmte Gesetze in persönliche Lebensbereiche eingreifen, wurde thematisiert.

Er beschrieb, dass jede staatliche Zuflussregelung zwangsläufig inhuman sei. Dabei richtete er einen Appell an Menschlichkeit und Toleranz. Zusätzlich informierte er mit aktuellen statistischen Zahlen über die erfolgreiche Integration von qualifizierten Zuwanderern aus Rumänien und Bulgarien.

 

Jugendprojekte mit der Gesamtschule Oppum und der Gesamtschule Kaiserplatz vom 8. September bis 31. November 2013

 

Mit Roland Reisbitzen wurde beleuchtet, welche Anforderungen erfüllt werden müssen, um in Deutschland zu leben. Wer kann aufgenommen werden, wer kann eine Beschäftigung finden, wer sich weiterbilden? Leben auch in der Bundesrepublik Menschen, die von Sozialleistungen und gesundheitlicher Regelversorgung ausgeschlossen sind? Was gilt für die Familienangehörigen? Wie war das bei den Familien der Schüler? Für wen gilt welcher Aufenthaltsstatus und was ist das überhaupt? Verdeutlicht wurde, warum der Bundesrepublik qualifizierte Zuwanderer wichtig sind. Auch das Deutschland von der Schwäche ihrer Herkunftsländer profitiert, denen gut ausgebildete, überwiegend junge Menschen fehlen werden.

 

Über die, den Schülern unbekannte, Bezeichnung „Sinti und Roma“ kam das Thema auf die Roma aus Südosteuropa. In Gesprächen an den einzelnen Gruppentischen machten die Jugendlichen ihre vorbehaltlichen Einlassungen. Jetzt konnten Aspekte aufgegriffen und gefiltert werden.

 

Nach Recherche zum Maler Otto Pankok wurden anhand von Ausstellungskatalogen und großformatig reproduzierten Kohlezeichnungen sowie Fotografien die sich immer weiter

verschlechternden Lebensverhältnisse der Düsseldorfer Sinti seit den 30er Jahren bis zu ihrem Tod nachvollzogen.

Mit dem Comickünstler JARI wurde die Frage, wodurch sich unsere Sicht auf Dinge herausbildet, inwieweit wir zum Beispiel Medienberichte undifferenziert betrachten, wieder aufgegriffen. Jari

beschrieb die Arbeitsweise eines Cartoonisten und zeigte, wie er sich mit dem Thema Ausgrenzung von Roma beschäftigt hatte und welche Motive und Symbole er verwendete. Die Schüler zeichneten eigene Cartoons zum Thema Vorurteile und Stereotype.

 

Die Schüler erhielten Information über die Bezeichnung „Sinti und Roma“, über die seit mehr als 600 Jahren ansässige Sinti in Deutschland (und Krefeld) und den (nicht homogenen) Roma in ganz Europa.

Aufgrund der "EU-Freizügigkeit" für Rumänen und Bulgaren ab 2014 wurde beleuchtet, dass dieser Status nur für diejenigen gilt, die eine Beschäftigung in der Bundesrepublik gefunden haben oder eigenen Krankenversicherungsschutz aufweisen können. Die Bilder, die in der öffentlichen Diskussion belebt und genährt werden, wurden an die Oberfläche geholt und konnten nun differenziert betrachtet werden. Hier wurde herausgearbeitet, dass viele Roma aus Südosteuropa aufgrund ethnischer Diskriminierung über viele Generationen schlecht in Bildungssystem und Arbeitsmarkt integriert sind.

 

Dass Bildung zur gesellschaftlichen Teilhabe eine Lösung für die Schwächeren wäre, sahen die meisten Jugendlichen nicht. Aber sie benannten Probleme wie die Ausnutzung der Situation der Roma aus Südosteuropa durch fragwürdige Firmen. Dies führte aber nicht zur allgemeinen Übereinstimmung mit dem von einem Schüler hervorgebrachten Plädoyer für Unterstützung bei Spracherwerb, Wohnen, und Bildung für alle Einwanderer.

 

Durchführung/Projektverlauf

 

ab April 2013

Vorbereitungstreffen mit Dr. Ingrid Schupetta, NS-Dokumentationsstelle

Krefeld und Hildegard Jakobs, Mahn-und Gedenkstätte Düsseldorf,

Anfragen und Austausch mit Künstlern

 

nach Förderzusage:

- Festzurren der Kooperation mit der NS-Dokumentationsstätte und der Agentur für Arbeit Krefeld

- Umarbeitung/Realisation des Rahmenprogramms im Austausch mit Dr. Ingrid Schupetta , NS-Dokumentationsstätte und Roland Reisbitzen, Agentur für Arbeit,

- Öffentlichkeitsarbeit,

- Bewerbung und Abfrage der Angebote kultureller Bildung an Schule,

 

ab August:

- Einbindung der Teilnehmer,

- Ausstellungsaufbau und Werkstattbeginn/Restauration,

 

ab September:

- Ausstellung, Werkstatt, Veranstaltungen des Rahmenprogramms,

- Einbindung bzw. gemeinsame Entwicklung mit den

Kooperationspartnern, Künstlern und Pädagogen der Schulen

- Arbeit mit den Schülern im Südbahnhof

 

November:

- Projektfortsetzung in Schule

Durch intensive Kontaktpflege und Moderation wurde eine Brücke zwischen schulischem Alltag und außerschulischen, offenen Angeboten geschaffen. Die Gesamtschule Oppum hat aus der Arbeit mit uns ein zusätzliches Modul geschaffen, es in ihrem Unterricht weiter verfolgt.

Für die Gesamtschule Kaiserplatz wurde das Projektangebot modifiziert: Einige kreative Umsetzungsaspekte waren durch Umsetzung im Klassenraum und in unterrichtsüblicher 45-Minuten-Taktung nicht mehr umsetzbar. Aber durch enge Zusammenarbeit von Lehrer, Projektbetreuung und Künstlern konnte flexibel auf den Wissenstand und Input der Schüler reagiert werden. 

 

Zielerreichung

Werbe- und PR-Maßnahmen im Netzwerk mit NS-Dokumentationsstelle, Agentur für Arbeit/Migrationsbeauftragtem und dem Integrationsbüro haben die breite Öffentlichkeit erreicht. Dazu kamen Internetauftritt und Ankündigungen durch Mails und Flyer. 

 

Unser Konzept der Arbeit mit den drei Bausteinen

1. Politische Bildung,

2. Künstlerische Auseinandersetzung und

3. Teilhabe von Menschen (mit verschiedensten Voraussetzungen)

hat sich wieder einmal bewährt. Schüler arbeiteten in der Ausstellung, Bürger und Künstler beteiligten sich an der Werkstatt in der Ausstellung. Es hat Auswirkungen auf andere, die das Konzept unseres Projektes mit ihren Ideen weiterführen.

Unsere Partner haben von der Netzwerkarbeit profitiert. Aufgrund der guten und inspirativen Zusammenarbeit werden sich weitere Möglichkeiten für uns ergeben. Den Bogen von der NS-Verfolgung der Sinti, über die Diskussion und die Aufklärung zum Begriff Sinti/Roma und über die Situation in Südosteuropa bis zum Thema weltweiter Fluchtbewegungen zu spannen war machbar und nachvollziehbar. Kommunale Diskussion um problematische Zustände im Ausländeramt, eine

mögliche Erweiterung des Sperrbezirks und Planungen zum Umgang (Mittel, Unterbringung) mit neuen Flüchtlingen begleiteten den gesamten Projektzeitraum spürbar.

Mit der posthumen Ehrung Otto Pankoks als Gerechter der Völker, den Äußerungen des Papstes zur Flüchtlingsdramatik und den leider immer häufiger auftretenden negativen Pressepublikationen über Roma bewiesen wir erstaunliche Aktualität.

 

 

Antrag Nr. 67: Play Sisyphos - CAT Cologne e.V. Köln

 

Als Stipendiaten für den Sommer 2013 haben wir den US-amerikanischen Künstler Alex White Mazzarella vom Künstlerkollektiv ‘Artefacting’ (NY) eingeladen. Artefacting setzt seit einigen Jahren Projekte in der ganzen Welt um, wobei die Herangehensweise der Künstler immer dem Grundsatz folgt, zunächst eine Gemeinschaft mit deren besonderen Themen und Bedürfnissen kennenzulernen, um anschließend, mithilfe eines Kunstprojektes, gemeinsam für eine Verbesserung oder Bereicherung einer konkreten Situation zu sorgen. Diese Vorgehensweise hat bisher gezeigt wie mithilfe von Kunst und insbesondere durch die kollektive ästhetische oder kreative Erfahrung nachhaltig positive Veränderungen im sozio-kulturellen Bereich erzielt werden können. Thema für das Projekt war die Arbeit und was sie heute für eine Bedeutung für Bürgerinnen und Bürger der Stadt Köln hat. Unterstützt vom deutschen Regisseur Gregor Leschig der Initiative „Bin ich Arbeit?“ wurden zwei Wochen lang Interviews und Aktionen im öffentlichen Raum durchgeführt, um die Stimmen der Bevölkerung einzufangen. Frei von einer festen Definition von Arbeit, sammelte Alex White Mazzarella gemeinsam mit Bildenden Künstler/-innen, Theaterschaffenden und Schauspieler/-innen aus Köln über 40 verschiedene Fälle zum Thema Arbeit, von denen sieben anschließend unter dem Titel “Das Volk gegen die Arbeit. Ein Öffentlicher Prozess” in einer Performance im Stadtgarten Park in Köln aufgeführt wurde. Der Ablauf des Projektes war, wie in der ursprünglichen Planung, folgendermaßen unterteilt:

. März-Juli 2013: Kommunikation der Partner CAT Cologne e.V., Alex White Mazzarella, Gregor Leschig und Konzeption des Projektes

. 20./21. Juli 2013: Workshop unter künstlerischer Leitung von Alex White Mazzarella und Gregor Leschig zum Thema "Arbeit"

. 22.Juli- 4.August 2013: gezielte Interviews und Diskussionen (etwa geplante "Besprechnungstische" und Aktionen im Öffentlichen Rum) mit Alex White-Mazzarella und einem Team aus Projekthelfern zur Befragung von Bürgern und Bürgerinnen

. 3. August 2013: Abschlussperformance ("Öffentlicher Prozess") im Stadtgarten Köln

. 4. August 2013: Abschlusspräsentation ("After Work Party") in Galerieräumlichkeiten (Venloerstr. 24) in der Kölner Innenstadt

. 5. August - 31. Oktober: Zusammenfassung und Auswertung des Materials, Erstellung eines "Manuals" als Vorlage für Folgeprojekte, eines Kurzfilms sowie eines Kataloges zur Dokuzmentation des Projektes

Neben diesen erstellten Materialien war das Projekt insbesondere auch aufgrund der vielen, positiven Gespräche und Diskussionen ein Erfolg die wir nicht zuletzt aufgrund der Tragweite und Bedeutung des Themas “Arbeit” anregen konnten.

Unmittelbar im Anschluss an das Projekt in Köln wurde die Aktion in New York fortgesetzt und sorgte dort für erstaunlich unterschiedliche Reaktionen und Ergebnisse. Der Prozess soll nun auch in andere Städte und Länder getragen, und auf einer eigenen Website dokumentiert werden: http://citizensversuswork.wordpress.com

 

 

Antrag Nr. 72: Gutes Essen, Schlechtes Essen – Kulturzentrum Grend, Essen

 

Mit der zwischen zeitloser Komödie und tagespolitischer Aktualität angesiedelten neuen Theater-City-Sitcom „GUTES ESSEN – SCHLECHTES ESSEN“, vollzieht unser Haus in inhaltlicher und ästhetischer Hinsicht einen weiteren, wichtigen Schritt aus der bislang üblichen „Folklorisierung“ und Beschönigung der Ruhrgebietsrealität in ihrer szenischen Umsetzung durch konservatives Volkstheater.

 Das Stück entstand in Kooperation mit dem Berliner „prime time theater“ und dessen Gründerin Constanze Behrends.

Als Bühnenserie angelegt, wechselt die Produktion in zwölfwöchigem Turnus und präsentiert eine neue Folge: Der Alltag der Protagonisten bewegt sich dabei im Spannungsfeld zwischen missglücktem Strukturwandel, drohender Arbeitslosigkeit, ruhrgebietstypischer Improvisation und Emotion.

Sitcom adäquat, entwickelt das Stück mit jeder weiteren Folge eine höhere Komplexität, indem neue Charakter und Konflikte etabliert werden. 

Die Bühnencharaktere entdecken dabei sukzessive die Qualitäten ihrer Region und die Kraft einer zunächst nicht  vermuteten Gemeinsamkeit.

 „GUTES ESSEN – SCHLECHTES ESSEN“ bietet einen - teils ironisch, teils sarkastisch - geprägten Blick auf die reale Problematik des gegenwärtigen Lebens zwischen Ruhr und Emscher.

Seine inhaltliche Ausrichtung bleibt dabei stets optimistisch und fordert nicht nur die Bevölkerung des Ruhrgebietes zur aktiven Auseinandersetzung mit ihrer Wahlheimat auf.

Die von Regisseurin und Autorin Constanze Behrends geleitete Produktion ist bereits während des Probenprozesses von regionaler und überregionaler Presse begleitet worden.

Stellvertretend für das durchweg sehr positive Presseecho sei hier die WAZ (Westdeutsche Allgemeine Zeitung) genannt, welche in ihrer Rezension von einem „Genuss für Theaterbesucher jeden Alters“ sprach.

Nach der vierwöchigen Probenarbeit im Juli, September und Oktober und der erfolgreichen Premiere am 03.10.2013 wurde „GUTES ESSEN – SCHLECHTES ESSEN“ zum festen Bestandteil des „Theater Freudenhaus“ Spielplans und befindet sich aktuell in der zweiten Fortsetzungsfolge.

 

 

Antrag Nr. 75: Kultur kickt Krise - GGAD - Gesellschaft Griechischer Autoren in Deutschland e.V., Düsseldorf

 

Im Rahmen des Projekts "Kultur Kickt Krise" haben sich am 16.11.2013 sieben Autoren, zwei Musiker und interessiertes Publikum an einem „runden Tisch“ getroffen. Grundlage   dieses Treffens  war der Austausch  der Kulturschaffende über das Thema „Kultur vs Krise“. Die Teilnehmer  waren sich einig, dass durch Engagement in den Bereichen künstlerischen und kulturellen Schaffens, Werte wie Toleranz, Meinungsfreiheit, Solidarität vermittelt werden können, die für ein friedliches Zusammenleben unerlässlich sind.

Am 17.11.2013 trafen sich alle Autoren und Musiker bei einer Frühstückslesung in den Räumen des Kulturzentrums ZAKK. Die Lesung begann um 11.00 Uhr morgens und es nahmen  circa 70 Interessierte  teil. Das Programm war in zwei Teilen aufgeteilt. Beim ersten Teil lasen alle Autoren Kurzgeschichten zum Thema:“ Die Krise und ihre Grausamkeit im täglichen Leben.“ Mal witzig, mal  tragisch wurden Geschichten gelesen die das Publikum teilweise begeisterten und für viel Diskussionsstoff sorgten.

Um das Publikum mit zu beteiligen wurde im zweiten Teil Gedichte von jungen griechischen Dichtern zum Thema Krise an das Publikum verteilt. Die Gäste wurden aufgefordert, diese zu laut vorzulesen. Durch diese Aktion entstand eine große literarische Bühne, auf der Publikum und Autoren miteinander kommunizierten. Diese Atmosphäre schaffte bei der anschließenden Diskussion zum Thema „Kultur kickt Krise“ eine Art Agora oder eine Ideenbörse, wo die Mitwirkenden (in diesem Fall alle Anwesenden) ihre Meinung zu den Texten und der damit verbundenen Krise frei äußern konnten.

Die musikalische Begleitung lockerte die Atmosphäre, so dass die Lesung eine Stunde länger dauerte als geplant.

Als Schwäche wurde von uns erkannt, dass die Anzahl der Autoren für einen Tag zu viel waren. Denn durch die vielen Akteure hat die literarische Qualität etwas gelitten. Die Geschichten wurden teilweise verkürzt oder zu schnell gelesen.

Am 19.11.2013 sind zwei Autoren in zwei unterschiedlich griechische Schulen nach Düsseldorf und Wuppertal gefahren. Im griechischen Lyceum Wuppertal sprachen die Autoren mit circa 80 Jugendlichen über die Finanzkrise in Griechenland und diskutierten  mögliche Auswege durch die Kultur.

In der griechischen Grundschule in Düsseldorf wurde zunächst Kindergeschichten durch die Autoren gelesen. Im Anschluss spielten Kinder und Autoren das „Spiel der Surrealisten“; auf ein weißes Papier „Tabula Rasa“ hat jedes Kind ein Satz mit dem Thema Kultur vs. Krise geschrieben und am Ende sind mit Hilfe der Autoren Gedichte entstanden, die alle Kinder gemeinsam geschrieben haben. Das Gefühl „Gemeinsam sind wir stark“ war bei allen Kindern spürbar.

Schwachpunkt bei dieser Veranstaltung war leider die schlechte Vorbereitung der Kinder Seitens der Lehrer. Das hatte zur Folge, dass kostbare Zeit mit Erklärungen bzgl. dem Projekt  verging, und demzufolge weniger Zeit für das eigentliche Thema  blieb. 

Fazit: Durch das Projekt „Kultur kickt Krise“ wurde die Mehrheitsgesellschaft auf die Literatur von Menschen unterschiedlicher Herkunft aufmerksam gemacht und ließ sie an ihr teilhaben. Bei der Lesung „Kultur Kickt Krise“, in die Räume vom ZAKK, kamen  Menschen aus Verschiedene Nationen(Griechen, Türken, Spanier, Iran, Italien) und somit wurde auf literarische Weise eine Diskussion und ein Austausch über die Möglichkeiten europäischer Verständigung und Freundschaft angeregt. Durch gezielte Einladung an die Literatur Community vom Düsseldorf (kamen viele Autoren aus der Region)  erschlossen für die Autoren neue Netzwerke.

Antrag Nr. 76: 40 Grad – Urbanart - Klaus Klinger/Farbfieber, Düsseldorf

Rund 14 Tage lang war Düsseldorf ein heißer Ort für Streetart/Urbanart. Während des Festivals entstanden an 27 Orten Kunstwerke von internationalen und lokalen Künstlern. Auf giebelhohen Fassaden bis hin zu einst hässlichen Mauern sind Bilder zu sehen, die diesen Orten ein neues, interessantes Gesicht geben. An die 40 Künstler und auch die Organisatoren, Farbfieber e.V., Düsseldorfer Künstler e.V., Kinderclub Kiefernstraße, Pretty Portal Galerie arbeiteten ohne Honorar, um Kunst in die Stadt Düsseldorf zu bringen – in sehr unterschiedlichen Arten und Stilen, aber immer mit hohem künstlerischen Anspruch. An die 40 Veranstaltungen begleiteten das Programm, mitgetragen von einem großen Teil der offenen kreativen Szene der Stadt. Ebenso ging es den Veranstaltern darum, Kinder und Jugendliche einzubeziehen; viele Workshops und Malaktionen waren deshalb ein wichtiger Teil des Festivals. In der Galerie „40grad-Labor“ an der Ratinger Straße trafen sich 10 Tage lang Künstler, Kinder und Jugendliche, um die Räume zu gestalten.
Ein großer Erfolg für die Streetart und eine Bereicherung für die Stadt. Zu hoffen ist, dass dies auch die Haltung der politischen Spitze verändert, die dieser Kunstform bisher wenig Respekt zollt.
Zusammen mit vielen früheren Wandbildern ist Düsseldorf zu einer der führenden Städte für Streetart/Urbanart geworden.

40grad-Bericht - Ende 2012 trafen sich verschiedene Akteure der freien Szene, um das Festival vorzubereiten. Farbfieber plante sowieso eine größere Aktion zum 25jährigen Bestehen des Vereines, die Pretty Portal Galerie hatte Ähnliches im Sinn, der Kinderclub Kiefernstraße arbeitet auch schon länger am Bereich Streetart mit Kindern und der Düsseldorfer Künstler Verein hatte ein generelles Interesse an einer gemeinsamen Aktion. Die größten Probleme waren Wände und eine Finanzierung zu finden. Viele Wände wurden fotografiert und Kontakt mit den Hausbesitzern aufgenommen. Erstaunlicher Weise waren viele Hausbesitzer sehr aufgeschlossen, meldeten sich zum Teil aufgrund der ersten Presseberichte selbst, was zeigte, das ein Wandel stattgefunden hatte und es mittlerweile eine Offenheit dieser Kunstform gegenüber gibt. Mit dem Geld war es etwas schwieriger, zwar gab es von verschiedenen Kulturstiftungen Zuschüsse, aber das reichte bei weitem nicht und das Privatsponsering  zeigte sich immer noch als eine große Illusion, so kam letztendlich darüber so gut wie kein Geld herein.  Trotz alledem begann das Festival wie geplant am 7.September 2013 weil Organisatoren und Künstler ehrenamtlich arbeiteten und es wichtig fanden, dass so ein Festival auch in Düsseldorf stattfindet. Mittlerweile hatten sich auch viele Gruppen der freien Kulturszene gemeldet und mit eigenen Veranstaltungen das Festival bereichert, sodass am Ende mehr als 40 Veranstaltungen in den 14 Tagen das Festival begleiteten. Auftakt war ein Straßenfest auf der Kiefernstraße, einer Straße, die mit mehr als 14 bemalten Häusern, ein Streetarthighlight in Düsseldorf ist. Mit Workshops, Neugestaltung der dortigen Wall of Fame, Musik,Tanz und anderen Aktionen wurde der Anfang gemacht.
Festivalzentrale und Aktionsraum war eine ehemalige Galerie inmitten der Stadt an der Ratinger Straße. Der Besitzer hatte die Räume gesponsert und uns freie Hand gelassen, die Räume zu gestalten. Innerhalb von 10 Tagen verwandelten Künstler und Jugendliche die Wände  in einen Kunstraum, der die aktuelle Düsseldorfer Streetartszene zeigt. Außerdem fanden dort Workshops statt und die Räume waren all abendlich ein gemeinsames Essen als Treffpunkt und Austauschmöglichkeit.
Mit dem zeitgleich stattfindendem CityLeaks Festival in Köln wurde ein Austausch geplant, Düsseldorfer Künstler gestalteten eine Wand in Köln und ein Kölner Künstler in Düsseldorf.
In den lokalen Filmkunstkinos lief ein Vorfilm zum Festival, jeden Sonntag wurde zum Cinebrunch ein Klassiker der Streetart gezeigt und an einem Sonntag lokale Kurzfilme zum Thema.  Während an den großen Giebelwänden nach und nach die ersten Bilder entstanden, gab es verschiedene gemeinsame Aktionen. So wurde einmal ein Graffiti Jam an der Pariserstr. organisiert zusammen mit Sprayern aus dem benachbarten Köln ( leider wurde die Wand eine Woche später schon wieder übermalt). Ähnliche Aktionen gab es auf der Straße Im Liefeld und auf der Heinrich Straße. Eine größere Aktion von 10 Künstlern fand im Schwimmbad Flingerbroich statt. 11 Betonpfeiler wurden dort auf sehr unterschiedlicher Art gestaltet und haben dort die erste Freiluftgalerie geschaffen.

Kinder und Jugendliche einzubeziehen, war ebenso ein wichtiger Bestandteil des 40grad urbanart Festivals. So wurde vom Kinderclub Kiefernstraße, zum Festival zahlreiche Workshops und Aktionen, wie: Steinmetzen, Siebdrucken, Stickern, Recycling, urban gardening, knitting, Straßentheater, Lightpainting, Streetdance, Beatboxen, Zauntypo, Stencils, und in Kooperation Baseball caps gestalten, Stop motion Film, und noch viel mehr, angeboten. Verbunt e.V. organisierte neben Workshops ebenfalls eine große Wandgestaltung am Gebäude des Kinder- und Jugendgesundheitsdienstes an der Kölnerstraße. In Oberbilk wurde mit Kindern und Kreide eine komplette Straße gestaltet.
Zum Ende des Festivals wurden Stadtrundfahrten mit Fahrrad und Bus zu den 22 Orten organisiert, an denen neue Streetart entstanden war. Eine drei Tage Ausstellung und ein Fest beendete das Festival in den ehemaligen Fabrikhallen Boui Boui.
Düsseldorf ist mit diesem Festival um viele Kunstwerke reicher geworden, die Bürger können an vielen Orten Überaschendes und Interessantes entdecken, was sicherlich unser Stadtbild bereichert. Hoffen wir mal dass das auch Veränderung in einigen Betonköpfen bewirkt. Dank  an die vielen Künstler, Helfer, Hausbesitzer, Förderer und Sponsoren, die das Festival erst möglich machten.

Antrag Nr. 77: Doc.Comment - Eine Filmreihe- zakk GmbH, Düsseldorf

Im Jahr 2013 führte zakk, in Kooperation mit dem Tschechischen Zentrum Düsseldorf, im Rahmen

des Projekts DocComment an drei Terminen jeweils einen Dokumentarfilm. Das Projekt stand

unter dem Motto: "Denke Global, handle lokal". Wir zeigten Dokumentationen, die eine globale

Problematik zeigten und luden Referenten ein, die aus dem nahem Umfeld in Düsseldorf zu den

selben Themen arbeiten. Ziel des Projekts war es, sich soziale Fragen zu vergegenwärtigen, sie

greifbarer zu machen und den Austausch darüber anzuregen. Über die ausländischen

Dokumentarfilme wurde dabei ein Weg gewählt, der eine andere Sicht auf bekannte

Themengebiete ermöglichte und nicht durch unsere (deutschen) Sehgewohnheiten geprägt war.

 

Das Thema des ersten Films war Geschichtsrevisionismus nach der Zeit des zweiten Weltkrieges

in Tschechien. Im genaueren, ging es um ein Dorf in Tschechien, das ein Denkmal für ermordete

Sudetendeutsche plante. Unter den Sudentendeutschen war aber auch ein Arzt, der in der Nazizeit

auch Eutanasie durchführte. Die Hauptfigur der Dokumentation setzt sich für die Beseitigung des

Denkmals ein. Zu dem Film luden wir Uwe Augustin, freier Historiker der Mahn und Gedenkstätte

Düsseldorf und Falk Mikosch, Vertreter des VVN-BdA (Vereinigung der Verfolgten des

Naziregimes -Bund deutscher Antifaschistinnen und Antifaschisten) ein.

Es entstand eine angeregte Diskussion mit dem Publikum, nachdem Herr Augustin eine virtuelle

Führung anhand der Denkmäler in Düsseldorf machte. Viel diskutiert war die Frage: Warum sich in

Tschechien die Auseinandersetzung mit diesem Thema erst so spät einstellte und wie

unterschiedlich die einzigen Parteien die Zeit bewerteten, bis hin zur falschen Darstellung der

Geschichte. Weiterhin wurde über verfolgte Gruppen wie Roma und Sinti, Homosexuelle und

Kommunisten und einzelne bekannte Personen in Düsseldorf diskutiert.

 

Der zweite Film beschäftigte sich mit dem Thema der Entwicklungshilfe und diskutierte die Frage,

wie nachhaltige Entwicklungshilfe auszusehen hat. Die Hauptfiguren flogen nach einem Jahr

wieder in die Südafrikaischen gebiete in denen sie vor einem Jahr ein Elektronetz und fließendes

Wasser für die Bevölkerung in einem Dorf installierten. Als sie ankamen bemerkten sie, dass das

Stromnetz geplündert war und das fließende Wasser auch zum Wäsche waschen benutzt wurde.

In dem Film stellte sich für den Zuschauer heraus, dass es in dem Dorf viel größere Probleme gibt,

nämlich allgemeine Armut und Mangel an Bildung. Das muss Entwicklungshilfe nämlich eigentlich

leisten, denn solange man mit Kupfer Geld machen kann und die Menschen nicht wissen was sie

essen sollen, werden die Netze geplündert. Ein weiteres Problem in dem Dorf, war die Patriarchale

Gesellschaftsordnung. Der Bürgermeister eignete sich das Netz an und nutzte es für sich. In der

Diskussion erzählte Tina Adomako (Eine Weltforum Düsseldorf) von den Projekten

die das Eine Weltforum in Düsseldorf durchführt und beschrieb anhand von einen Beispielen

ähnliche Erfahrungen wie im Film aus anderen Projekten. In der anschließenden Diskussion wurde

intensiv über Sinn und Nachhaltigkeit deutscher Entwicklungspolitik diskutiert.

 

Der dritte Film setzte sich mit dem Thema der Datenüberwachung auseinander. Die

Künstlergruppe Ztohoven ist nicht nur in Tschechien ein Synonym für Kontroverse und Aufsehen

erregende Aktionen. Auch die deutschen Medien haben mit viel Interesse über die Gruppe

berichtet, als sich diese vor einigen Jahren in das Tschechische Fernsehen hackten und während

einer Wettersendung die Explosion einer Atombombe simulierten. Einige Sprengkraft hat auch das

im Film dokumentierte Projekt Ob.an K. Der Titel lässt nicht von ungefähr an Kafka denken. Die

zwölf tschechischen Künstler sind nicht wie Kafkas K. einem undurchschaubaren bürokratischen

Apparat ausgeliefert, sie überlisten staatliche Kontrollmechanismen und führen sie ad absurdum.

Dazu manipulieren sie Passbilder so, dass ein Passbild die Züge zweier Personen trägt, und

beantragen mit diesem Bild einen Personalausweis. Diesen setzen sie dann bei vielen

Gelegenheiten erfolgreich ein: unter falscher Identität reisen sie ins Ausland, heiraten, beantragen

einen Waffenschein oder machen einen Pilotenkurs. Und das alles fällt trotz biometrischer

Gesichtserkennung niemandem auf.

 

Als lokaler Partner für die Diskussion wurde das Hackerspace Chaosdorf Düsseldorf e.V.

gewonnen. In der anschließenden Diskussion wurden u.a. die Fragen erörtert, wie weit Kunst

gehen darf und was zunehmend auf uns zukommt (Stichwort NSA Affäre). Weiterhin stellten die

Referenten ihre Projekte vor, mit denen sie sich gegen Überwachung engagieren. Zum Beispiel

organisieren sie Demos gegen Datenvoratsspeicherung und veranstalten so genannte

Cryptopartys, bei denen sie Interessierten beibringen, wie man Emails oder andere Daten

verschlüsseln kann. Das Thema wurde mit großem Interesse von Publikum aufgenommen und

zeigte, dass es zwar eine große Nachfrage gibt, fundiertes Wissen zum Thema Datenschutz häufig

noch fehlt.

 

Das Projekt Doc.Comment trug zur Vernetzung verschiedener Organisationen bei. Die

BesucherInnen bekamen einen detailreichen Überblick der Vereine und Projekte, die globale

Themen auf lokales Engagement herunterbrechen und somit greifbar machen. Das Projekt regte

aber auch den Austausch zwischen verschiedenen Vereinen und Initiativen untereinander an, da

für jede Veranstaltung immer mehrere Kooperationspartner gefunden werden konnten. Den

Vereinen und Organisationen wurde die Möglichkeit geboten ihre Arbeit zu präsentieren, was

sogar bei einigen zu neuen Mitgliedern geführt hat.

 

zakk versteht sich als Ort, der Menschen zusammenbringt, aber auch Infrastruktur und

Öffentlichkeit für lokale Vereine und Initiativen und ihre gesellschaftliche Themen herstellt, gerade

auch wenn diese etwas schwieriger zugänglich sind. Insbesondere zum letzten Punkt hat das

Projekt einen guten Beitrag geleistet. Über eine große Werbekampagne für das Projekt, in dem

5000 Flyer verteilt und auch Anzeigen geschaltet wurden, konnte das Projekt eine große

Reichweite erreichen.

Das Projekt diente auch dazu die Kooperation mit dem tschechischen Zentrum Düsseldorf zu

intensivieren. Dies ist uns durch eine sehr gute Zusammenarbeit während des gesamten Projekts

gelungen, so dass für die Zukunft eine noch intensiviere Zusammenarbeiten geplant ist. Die ersten

Veranstaltungen wie eine Lesung mit tschechischen Roma Autoren im März und eine

Veranstaltung mit dem Autoren Jaroslav Rudis im Mai sind bereits in Planung.

 

Antrag Nr. 80: INVERSCITY - Theorie u. Praxis e.V., Duisburg

Die Dokumentation ist noch eine vorläufige. Wir arbeiten noch an einer umfassenden Dokumentation, welche sich aus Erfahrungen und Ansichten aller ProjektteilnehmerInnen speisen soll. Noch haben wir nicht alle Beiträge gebündelt, was auch Pressemitteilungen und andere Veröffentlichungen zu manchen Teilprojekten betrifft, daher ist auch der beigefügte Pressespiegel erst nur ein vorläufiger.

 

Recht gut (u.a. mit mehreren Filmen) ist bereits die Festwoche in Oberhausen dokumentiert. Hierfür

verweisen wir auf www.inverscity.org, für die gesammelten Videos auf https://vimeo.com/album/2579236. Alle im Rahmen von INVERSCITY realisierten einzelnen Projekte finden sich beschrieben auf http://netzwerkx.org/inverscity-projekte-2013.

 

Wir freuen uns auch sehr über Nachwirkungen und Fortsetzungen einiger im Rahmen von INVERSCITY realisierten Projekte. U.a. erhielten die Performances von Klaus Steffen („Welt des Schattenkiosk“) und Freie Radikale („Sharia klatschen“)mehrere Einladungen zu weiteren Aufführungen, aus der Tup-Lesearbeit erwuchs das Projekt „Tup-Lesefabrik“ (Realisierung 2015), die „Lärmdemo in der Essener Innenstadt“ war eine von mehreren Aktionen, die zur Besetzung Bärendelle und zur Kampagne AFFE führten, und der im Rahmen der INVERSCITY-Festwoche mit den und für die BewohnerInnen der Alten Mitte Oberhausens gebaute Lehmofen ist zum nicht mehr zu missenden Quartiers-Ofen avanciert

(vgl. z.B. http://www.derwesten.de/staedte/oberhausen/maerchenfieber-auf-dem-sapo-platz-id9001249.html).

 

 

Antrag Nr. 84: Emscherkrimi - Kunstreich im Pott e.V., Dortmund

 

In dem Projekt „Emscherkrimi“ des Vereins Kunstreich im Pott e.V.  in Kooperation mit dem Kulturquartier Hörde und unter Leitung der Filmemacherin Ulrike Korbach produzieren Laiendarsteller aus Dortmund-Hörde unterstützt von einem professionellen Filmteam ihren eigenen Spielfilm. In der ersten Phase 2013 haben sich Menschen zwischen 6 und 80 Jahren  unterschiedlichen kulturellen Hintergrunds und verschiedener sozialer Herkunft zusammengefunden, um ihre Ideen für das Drehbuch einzubringen und die entstehenden Figuren vor der Kamera zu verkörpern.

Ziel ist, in einem Netzwerk professioneller Filmschaffender und den Bewohnern eine spannende Krimihandlung zu entwickeln, die sich aus den Lebensgeschichten und Alltagserfahrungen der Bewohner speist.

Das so entstandene Script wird vor der beeindruckenden Kulisse Hördes im visuellen Spannungsfeld der Industriebauten von Phönix West und dem neu entstandenen Phönixsee umgesetzt – vor der Kamera agieren ausschließlich Laiendarsteller aus Hörde.

Die Kooperation verschiedener Künstler bündelt deren Potenzial, um eine nachhaltige Vernetzung der freien Szene zu ermöglichen. Der fertige Film versteht sich als unterhaltsames und publikums-wirksames Kunstwerk, so dass sich eine weitere Auswertung (z.B. in lokalen Kinos) anbietet. Die Beteiligten sollen stolz auf ihre Leistung sein und ihren Stadtteil als lebenswert empfinden. So wollen wir das aus der Stahlarbeitertradition gewachsene Heimatgefühl der Hörder mit der Aufbruchsstimmung durch den Phönixsee verbinden, um eine neue kulturelle Identität zu stiften.

Stand der Dinge Ende 2013:

Das Projekt ist im Stadtteil bekannt, die Resonanz in der Bevölkerung (nach Berichterstattung in den Ruhrnachrichten und bei Radio 91.2) groß und wir haben Mitspieler aller Altersgruppen und verschiedener Kulturen. Der Trailer des Emscherkrimis ist fast fertig. Es fehlt noch der Feinschliff durch die „Technikgruppe“, also der Bürger, die sich für die technischen Aufgaben interessieren und diese übernehmen. Zur Zeit findet ein Schauspielworkshop unter der Leitung von Charlotte Zilm, Regisseurin und Theaterpädagogin statt, in dem die Darsteller anhand von biografischen Schauspielübungen improvisieren und sich in ihren Rollen erproben. Der Workshop speziell für Kinder und Jugendliche, die sich zahlreich für die Mitarbeit vor und hinter der Kamera gemeldet haben, startet in Kürze.

Für 2014 hoffen wir auf die Zusagen weiterer Fördergeber, damit wir mit den Hauptdreharbeiten beginnen können.

           

 

Antrag Nr. 85: Prometheus – Ein winterliches Theater-Feuer Spektakel - Kulturzentrum Agora, Castrop-Rauxel

 

Das Projekt „Prometheus – Ein winterliches Theater-Feuer Spektakel“ wurde als ein Theaterstück mit 11 Stationen auf dem Gelände des Kulturzentrum Agora am 14. und 15.12. 2013 mit einer Spieldauer von ca. 1,5 Stunden aufgeführt (siehe Plakat-Programm-Flyer mit Skizzierung der Stationen). Zusätzlich zur geplanten Premiere  wurde kurzfristig, aufgrund der starken Kartennachfrage eine zweite Aufführung eingeschoben. Beide Präsentationen waren mit ca. 200 Zuschauern aller Altersgruppen maximal ausverkauft.

Bespielt wurden neben den Innenbühnen Kulturcafe (Station 1) und großer Saal (Stationen 3 + 8), insgesamt 5 „Outdoor-Bühnen“ (Vordach, Gärtchen und Tor, ein oberhalb verlaufender Weg, der Kinderspielplatz mit Rutsche) und das Amphitheater (für eine Szene und das Finale).

Die Zuschauer gingen als Gesamtgruppe von Station zu Station, geführt von Prometheus und Epimetheus, die das Publikum als Figuren aus der einen Spielszene zur nächsten führten und so von Station zu Station durch das ganze Stück. Als Orientierung leiteten zwei Guides in organgefarbenen Signalwesten und mit Taschenlampen ausgestattet die Besucher auf den Wegen. Für vier Szenen setzen wir zudem Live-Musik (2 x Gitarre und Bouzouki, 1 x Trompete) als akustisch-ästhetische Wegmarken ein, um die Zuschauer atmosphärisch zur nächsten Spielstation zu „locken“.

Insgesamt waren 92 Akteure zwischen 6 und 77 Jahren auf den Bühnen aktiv, plus ein gemischter Männer- und Frauenchor (Eintracht), der zum Finale zwei Strophen des Liedes „Freude schöner Götterfunken“ vor dem Hintergrund der abschließenden Feuershow sang. Hinter den Kulissen unterstützten, neben den Technikern (Ton, Licht und Bühne) des Westfälischen Landestheaters (WLT) auch verschiedene Gewerke des WLT (siehe Mitwirkendenauflistung) das Projekt. Außerdem waren zwischen 10 und 15 genannte und ungenannte ehrenamtliche Helferinnen und Helfer der Agora (vor allem in der Schlussphase und während der Aufführungen) im und für das Projekt tätig.

Das Prometheus-Projekt wurde in Trägerschaft der Griechischen Gemeinde Castrop-Rauxel e.V. als Kooperation mit dem Westfälischen Landestheater e.V. (WLT), konkretisiert und in Zusammenarbeit mit der Abteilung Theaterpädagogik und ihrer Theaterarbeit mit Amateuren, als gemeinsames Projekt konzipiert und realisiert. Diese Kooperation schlug sich künstlerisch u.a. im Regieteam (Erika Römer, Agora und Sabine Eschen, WLT) nieder. Durch die Nutzung vielseitiger Ausdrucksweisen und thetraler Medien, wie klassisches Sprechtheater, Tanz, Schwarzlicht, Figuren – und Maskenspiel (durch die Performer selber gebaut), Schattenspiel und natürlich den Feuerkünsten, die in diesem Stück von zentraler Bedeutung waren, wurden die Bandbreite und künstlerischen Potenziale eines modernen Amateurtheaters lebendig. Die lokalen Printmedien sprachen von einem „gigantischen Spektakel“ das Hunderte von Zuschauern begeisterte.

Die Prometheus-Aufführungen lebten von und mit der engen Verbindung der Akteuere auf den Bühnen mit „ihren“ Zuschauern, d.h. denen von Ihnen mobilisierten Menschen des Stadtteils und der Stadt als Publikum. Da vom Chor und der Percussionsgruppe so gut wie keine Karte verkauft wurde, darf angenommen werden, dass etwa 80 Akteure rund 400 Zuschauer aquirieren konnten. Das Publikum umfasste alle Generationen und kulturellen Milieus.

 

Die Projektschritte

Insgesamt wurden die Arbeitsphasen im Zeitrahmen des Antrags umgesetzt. Neben den „normalen“ Gegebenheiten einer Amateurtheater-Inszenierung ergaben sich im Laufe des Probenprozesses aus der äußerst komplexen Struktur des ganzen Unternehmens (Beteiligungsprojekt, Kooperation, Drinnen & Draußen etc.) auf den verschiedenen Ebenen besondere Herausforderungen, die dem Charakter der Inszenierung als community-art-projekt entsprachen:

·                Die Stückentwicklung als Beteiligungsprojekt – Zusammenspiel zwischen strukturgebenden und flexiblen Impulsen bis zur Premiere:

Wir haben 11 Gruppen und einige EinzelkünstlerInnen in der Prometheus-Inszenierung zum gleichnamigen griechischen Mythos zu einer eigenen Performance zusammen geführt. Dies erfolgte nicht indem wir (wie ursprünglich geplant) Einzelteile als Collage zusammenfügten, sondern durch Gestaltung eines dramaturgischen durchkomponierten Gesamtkunstwerks.

Gesetzt waren mit dem Konzept der Stoff (der Mythos), der Ort (Agora) und der Erzählcharakter als Familienstück, ebenso wie der interkulturelle, intergenerative und interdisziplinäre Arbeitsansatz.
Nach den ersten Proben und improvisierenden Experimenten mit den „hauseigenen“ Gruppen und dem ersten offenen Projekt-Treffen, zu dem wir über die Printmedien alle am Projekt Interessierten (Künstler und Multiplikatoren) einluden, wurde der grobe Handlungsrahmen für das Stück festgelegt: Den Prometheus-Stoff unter den Aspekten des Schöpfungsmythos und des Feuerklaus bis zum Öffnen der Büchse der Pandora zu erzählen und das Finale mit der „Hoffnung“, die nach allen Übeln als letzte aus der Büchse entkommt, als größere Feuershow abzuschließen.

Aus diesen Rahmenvorgaben wählte sich jede der beteiligten Gruppen eine Situation und/oder inhaltliches Segment für die eigenständige, szenische Bearbeitung. So wählte die Schwarzlicht-AG die Situation, da Prometheus den Menschen aus „weißem, roten, schwarzen und gelben Lehm formte“, die Feuergruppe (naheliegenderweise) den Feuerklau, um den sie einen Streit der Helioswagen-Lenker mit Feuerschwertkampf gestaltete, die Kinder des Kinderclub wollten die Übel spielen, die aus der Rutsche hervorkamen als Epimetheus die Büchse der Pandorra fallen läßt etc.

Der Teenclub und Odysseus Schwestern hatten sich für die Figuren der Götter des Olymp entschieden und so lag nahe, mit ihnen in integrativer Szenenarbeit dazu zu improviseren. Daraus entstanden drei szenische Bilder (Götterversammlung I, II und 7 Göttinnen), in denen der Konflikt zwischen Prometheus und Zeus eingewoben sich entfalten konnte.

In der Inszenierung bildeten die „hauseigenen“ Gruppen der beiden kooperierenden Einrichtungen, Kinder- und Teenclub (WLT) und der interkulturellen Frauentheatergruppe Odysseus Schwestern (Agora) zusammen mit den beiden semiprofessionellen Darstellern (Zeus und Prometheus) und den aus dem Teenclub WLT stammenden Epimetheus- und Athenedarstellenden, das Rückgrad der Geschichte. Durch und mit ihnen schufen wir die dramaturgische Struktur. Durch sie wurde das Stück zusammengehalten.

Seit Anfang November gab es, neben den einzelnen Gruppenprobestunden,  wöchentlich gemeinsame Probennachmittage (Freitags 16.00 – 20.00 Uhr), in denen das Szenenmaterial verknüft wurde. In den letzten 3 Wochen kamen Samstagsproben hinzu.

 

·                Amateurtheater als Beteiligungskonzept im Gemeinwesen
Neben den drei „hauseigenen“ Gruppen, hat sich die Schwarzlicht-AG des Ernst-Barlach-Gymnasiums, die Percussiongruppe der Martin-Luther-King Förderschule, die Klasse 4c der Marktgrundschule Ickern und der Chor Eintracht als Gruppe beteiligt.
Als Einzelkünstler konnten wir eine Vorleserin sowie einen Amateurmusiker der Griechischen Gemeinde (Bouzouki) und eine Trompeterin gewinnen, die zusammen mit einem Berufsmusiker spielten.

Um Menschen außerhalb dieser Gruppen zur Teilnahme am Projekt zu ermuntern, führten wir in den Herbstferien Kreativworkshops in der Agora durch. Die Werbung für diese Workshops auf verschiedenen Schulhöfen in Castrop-Rauxel durch Feuer-Appetizer war ein Experiment und steht exemplarisch für unser Anliegen, mit dem Prometheus-Projekt für das Amateurtheater offene Beteiligungskonzepte im Gemeinwesen zu etablieren. Die Schulleiter liessen sich auf diese kleinen Feueraktionen aufgrund der langjährigen Zusammenarbeit mit dem WLT ein. Die Wirkung der Mini-Feuershows auf die Schüler war enorm. Sie hatten begeisterte Augen, umringten den Feuerperformer und kamen direkt mit ihm ins Gespräch. Die größte Wirkung hatte diese Form des Werbens auf die 10-12 jährigen Schüler.

Durch das offene Angebot der Workshops zum Prometheus-Projekt in den Herbstferien haben sich projektbezogen eine Feuergruppe (Jugendliche), eine Masken- und Waldgeistergruppe (Kinder, die ihre Masken und Figuren unter Anleitung selbst bauten) sowie eine Gruppe Erwachsener für die Inszenierung gebildet. Die Erwachsenen gründeten nun eine eigene Initiative Kulturwerkstatt, die auch nach dem Prometheus-Projekt längerfristig als Regiekollektiv zusammen Theaterspielen möchten.

·                Amateurtheater:Fluktuation bis zum Schluss (oder: erstens kommt es anders, und zweitens als man denkt)

Ursprünglich hatten wir nur den Prometheus mit einem spielerfahrenen, semiprofessionellen Darsteller besetzen wollen. Als aber am 8.11. der Zeus-Darsteller, (Griechischen Gemeinde Castrop-Rauxel) aus familiären Gründen absagen musste, und wir die Besetzung des Zeus durch einen Griechen nicht aufgeben wollten, gab es nicht mehr allzu viele Alternativen. Mit Ilias Greassidis aus der griechischen Amateurtheatergruppe Dortmund hatten wir das Glück, nicht nur einen griechisch sprechenden Zeus gewonnen zu haben, sondern auch jemanden, der sich der Agora verbunden fühlt.

Ähnlich „bemerkten“ zwei Teens 14 Tage vor der Aufführung, dass sie bei der Aufführung nicht dabei sein könnten, da sie Abschlussball hätten.

Aber auch umgekehrt ergaben sich durch Zufälle neue Akteure:
Durch die Enkelin einer griechischen Spielerin bei Odysseus Schwestern, die an einer Probestunde ihrer Großmutter teilnahm, entstand der Kontakt zur ganzen Klasse 4c, die in zwei Bildern, der Station 2 („die Welt ohne Menschen“) und Station 7 (Das Feuer wandert in die Welt) mit dem Feuergedicht von Kästner mitspielten. Sie bauten ebenso, wie Odysseus Schwestern die Tiermasken selbst.

·                Eine Erfolgsprämisse: Die Kooperation zwischen der Agora und dem Westfälischem Landestheater (WLT) –
Die Kooperation in diesem Projekt zwischen dem Kulturzentrum AGORA/Griechische Gemeinde Castrop-Rauxel e.V. (Migrantenselbstorganisation) und dem Westfälischen Landestheater e.V. (WLT) stellt nicht nur ein seltenes Zusammenwirken von Amateur- und Profitheater, von Zuwandererstrukturen und denen der Mehrheitsgesellschaft dar, sie hat auch das Amateurtheater vor Ort deutliche gestärkt, sicher auch weil die Kooperation sich für die Beteiligten auf sehr unterschiedliche Art und Weise förderlich und gewinnbringend erwies.

Die Gewerke Bühne, Kostüm, Requisiten und insbesondere das Know-how und Equipment der Techniker (Licht und Ton) brachten die Inszenierung in einer Weise zum Glänzen, wie dies für das Amateurtheater der Agora allein nicht machbar gewesen wäre. Die professionellen Techniker haben sich in kürzester Zeit (nur eine GP mit den Spielern) auf den Ort (kein zentrales Stellwerk möglich, Witterung-Geräteschutz und Stromversorgung (1000 Meter Kabel), eingelassen. Es war eine Herausforderung mit sehr wenig Material die maximale Ausleuchtung und Beschallung zu erlangen. Ohne dieses Engagement des WLT wäre diese winterliche „Drinnen & Draußen“-Inszenierung kaum oder gar nicht möglich gewesen.

Diese ungleiche Liason hat das Image des lokalen Amateurtheaters im öffentlichen Raum deutlich gesteigert und seine Potenziale aufleuchten lassen.
Für Akteuere wie Zuschauer und viele Mitglieder der griechischen Gemeinde manifestierte sich in und mit der technischen Ausstattung die Anerkennung des kulturellen Werts dieser Amateurkunst.

·                Das (Proben-)Risiko – Witterung: Die besondere Herausforderungen der winterlichen Outdoor-Inszenierung:
Uns blieb kein Wetter erspart: Kälte, Schneefall, Regen, Wind und Gewitter. Zur Generalprobe war z.B. das gesamte Gelände vereist, so dass es eines konzentrierten Streusalzeinsatzes bedurfte, um die Bespielbarkeit des Geländes herzustellen. Gleichzeitig waren die einzelnen Spielorte draußen so speziell, dass wir möglichst viele Proben an den Originalorten brauchten. Und für die Szenen, in denen mehrere Gruppen zusammen performten, z.B. die beiden Götterversammlungen, Percussionisten und Feuerkünstler, Vorleserin und Schattenspiel, Vorleserin und Tierwelt mit Odysseus Schwestern und Grundschulkindern etc. gab es wenig zeitliche Alternativen zu den im Probenplan gesetzten Terminen. Dennoch wurden wir mit dem Näherkommen der Premiere immer flexibler auch darin, notwendige Sonderproben einzubauen oder trotz Regen etc. draußen zu proben.
Zum Glück blieben beide Vorstellungen trocken, so dass wir keine Abstriche in den Aufführungen machen mussten.

·                Community-based Theatre als vernetztes Beteiligungsprojekt: Eine logistische, organisatorische und kommunikative Herausforderung
Unser Projekt brachte nicht nur die Alltagsroutine des Kulturzentrum Agora durch die Vielzahl der Aktivitäten und Gruppen, durch den manchmal wetterbedingt sehr spontanen Raumbedarf, das Auffahren von 2 LKW Licht- und Tontechnik durch das WLT etc. ab den Herbstferien bis zur Premiere in nicht unerheblichem Umfang durcheinander.
Beispiel 1: Wir „verbannen“ die griechischen Männer, die jeden Tag ab 17.00 Uhr im großen Saal Karten spielen, wegen unserer Aufführung, von dort! Ein großer Tabubruch, der nur von außen betrachtet vielleicht unwichtig scheint.-
Beispiel 2: Die Techniker des WLT – gewohnt freie Bahn für den Aufbau zu haben, um sie zügig zu erledigen – werden wiederholt auf später verwiesen, weil noch diese oder jene Aktivität den Raum ausfüllt! Auch da prallen Welten aufeinander, die Vermittlung brauchen.
Auch wenn in solchen Situationen allein schon eine Fülle potentieller Konfliktfelder schlummerte, die nur durch äußerst sensible, interkulturelle Kommunikation und respektvollen Umgang im Keim zu entwirren waren, stelle dieses Thema im eigentlichen Inszenierungsprozess nur einen Teilbereich dar, der allerdings eine Unmenge an Zeit und Energie vom Regieteam forderte. Rückblickend hätte ein solch komplexes Beteiligungsprojekt die Position einer Produktionsleitung nahe gelegt, die zusammen mit der Künstlerischen Leitung und dem Regieteam agiert. 

Resümee

Alles in allem ist es uns mit dem Prometheus-Projekt hervorragend gelungen, für diese Form einer commuity-art Inszenierung mit Amateuren Anerkennung und Begeisterung zu schaffen und in den Aufführungen die Faszination und Kraft eines Beteiligungsprojektes – sowohl bei den Akteueren auf den Bühnen, wie beim Publikum und in der künstlerischen Zunft – zu entfachen.

Der Mythos des Prometheus, der zu den Wurzeln europäischer Kultur zählt, wurde lebendig. Auch für die Griechen, die vor Jahrzehnten als Gastarbeiter kamen und die, wie Ioannis Papadopoulos, 1. Vorsitzender der Griechischen Gemeinde es zur Premieren-Begrüßung formulierte, „die eigenen Geschichten und Mythen vergessen haben“-.

Die Idee und der Wunsch, auch einmal im Sommer, wenn es warm und hell ist, weitere griechische Stoffe von und mit den Menschen des Stadtteils für Menschen des Stadtteils und der Stadt im griechischen Kulturzentrum Agora, auf dem Gelände der ehemaligen Zeche Ickern auf diese Weise theatral zum Leben zu erwecken, wurde vielfach laut. Von Deutschen wie Griechen. Seitens griechischer Gemeindemitglieder mit dem Hinweis auf ähnliche Aufführungen in der (alten) Heimat.

Interkulturelle Amateurtheaterprojekte, wie das Prometheus Projekt, die Projekt- und Produktionsbezogen vernetzen, künstlerisch cross-over gestalten und offen für die Beteiligung von lokalen künstlerischen und kreativen Gruppen wie Einzelnen, unabhängig von Alter, Herkunft, Beruf und Theatererfahrung, inszenieren, könnten,sicher nicht nur in Castrop-Rauxel, europäische Identität fördern, kulturelle Integration von Migranten stärken und Gemeinsamkeiten in der Zuwanderungsgesellschaft entwickeln und sichtbar werden lassen.
Institutionelle Kooperation und Vernetzung stellen in jedem Fall eine wichtige Grundlage (Rahmenbedingung wie Vorraussetzung) für diese Art Beteiligungsprojekt dar. Sowohl für die inhaltlich-künstlerische wie technisch-organisatorische Seite der Realisierung.

 

 

Antrag Nr. 88: Stand der Dinge – Alarmtheater Bielefeld

 

Performance mit weiblichen und männlichen Inhaftierten verschiedener Kulturen in der Justizvollzugsanstalt Bielefeld – Brackwede I

 

(1)   Aufführungstermine 

Aufführungstermine:      09.12.2013 um 19.00 Uhr vor den männlichen Inhaftierten

10.12.2013 um 19.00 Uhr vor den weiblichen Inhaftierten

11.12.2013 um 12.00 Uhr vor Schülern und Schülerinnen

11.12.2013 um 19.00 Uhr vor öffentlichem Publikum

jeweils in der Mehrzweckhalle der JVA Brackwede

 

(2)   Personal für die Produktion und Aufführung

 

Regie:                                          Dietlind Budde, Harald Otto Schmid

Projektleitung:                             Katrin Reckers

Bühnenbau / Requisite:               Rebecca Budde de Cancino

Requisitenassistenz:                   Louisa Wagener

Lichttechnik:                                Rebecca Halfen, Hannes Witte

Tontechnik:                                 David Bergmann

Licht- und Tonassistenz:             Gerard Gorczyca

Öffentlichkeitsarbeit:                   Janina Fuhrmann

Büroorganisation:                        Sigrid Feldmann
            

(3)   Förderer, Sponsoren und Unterstützer

Gefördert durch: Ministerium für Familie, Kinder, Jugend, Kultur und Sport, Kulturamt Bielefeld

LAG Soziokultur NRW, Justizvollzugsanstalt Brackwede

 

(4)   Beschreibung Durchführung :

Eine Theatercollage, die gemeinsam mit weiblichen und männlichen Inhaftierten des geschlossenen Vollzugs der JVA Bielefeld-Brackwede erarbeit wurde.

Stand der Dinge – Eine Verabredung mit dem Leben ist sowohl Beschreibung als auch Reflexion und Ausblick: Was ist mein Wunsch für ein erfülltes Leben? Was muss ich dafür tun? War ich schon verloren, als ich geboren wurde? Was für eine Person will ich sein? Was brauche ich?

Die Performance entstand aus den Ressourcen der Inhaftierten heraus. Aus der Improvisation entstanden Szenen. Es wurde gesungen, gerappt und getanzt. Ein Großteil der Texte wurde von den Inhaftierten selbst verfasst. Eine Inszenierung der ganz besonderen Art. Und im Mittelpunkt all dessen stand die Verabredung mit dem Leben.

„Du hast eine Verabredung mit dem Leben. Diese findet im gegenwärtigen Augenblick statt. Wenn du diesen Augenblick verpasst, verpasst du deine Verabredung mit dem Leben. Das ist ganz einfach, ganz klar.“ (Thich Nhat Hanh)

Es nahmen insgesamt 8 Frauen und 7 Männer verschiedener Nationalitäten im Alter von 22 -40 Jahren aus der Justizvollzugsanstalt Brackwede I ab Probenbeginn im Oktober 2013 teil. Die Proben fanden zu Beginn 1x wöchentlich jeden Montag in der Zeit von 17.00 – 18.30 Uhr mit den Männern und 18.45 – 20.15 Uhr mit den Frauen in getrennten Gruppen nach Feierabend statt, da die Inhaftierten einer regelmäßigen Arbeit nachgehen.

Die Teilnehmer verfassten als Grundlage für das Theaterstück eigene Texte und Lieder und Rap-Songs, die ihre derzeitige Situation, Träume und Wünsche, Einsamkeit und Gewalt, Hoffnung und Liebe wiedergaben, und auch als Botschaften an die Welt außerhalb der Gefängnismauern gesendet werden sollten.

Anhand dieser Texte entwickelte sich unter der Regie des AlarmTheaters eine Inszenierung, die ihren Höhepunkt in den Aufführungen hatte. Die Vorstellungen vor den Mithäftlingen fanden getrennt nach Frauen und Männern statt, einer öffentlichen Vorstellung vor insgesamt 100 Zuschauern und einer Schulvorstellung mit 120 Schülern, davon 70 Schüler und Schülerinnen des 10. Jahrgangs der Johannes -Rau-Schule, 20 Schüler und Schülerinnen des 10. Jahrgangs der Bielefelder Murnau-Gesamtschule  und 50 Schüler und Schülerinnen der Martin-Niemöller-Gesamtschule Bielefeld.

Im Anschluss an die Vorstellung konnten die Schüler und Schülerinnen Fragen an die Akteure und Regie stellen.

Sämtliche Vorstellungen können als großen Erfolg gewertet werden, zumal die Zeit für gemeinsame Proben nur an sieben Tagen möglich war.

Die Akteure haben sich nach anfänglichen Schwierigkeiten in Bezug auf Disziplin und Kooperation äußert konzentriert und engagiert eingebracht, ihre Scheu, vor Anderen aufzutreten  überwunden und eine imposante Bühnenshow präsentiert.

Das Abstimmen der Termine, die Organisation der Räumlichkeiten und das Aufbauen des Bühnenbildes erforderte unter den nicht alltäglichen Rahmenbedingungen einen hohen Verwaltungs- und Sicherheitsaufwandaufwand, der von den Mitarbeitern des AT und den Bediensteten der JVA geleistet wurde und für den wir sehr dankbar sind.

 

(5)   Fazit

Durch die intensiven Proben und Gespräche hat sich eine enge Verbindung zu den Häftlingen ergeben, die auch –wie in der Vorjahresproduktion NOSTALGIA- über die Projektzeit hinaus durch Briefkontakt und Gespräche weiterhin besteht.

 

Durch die Initiative der Rechtsabteilung der JVA wurde die öffentliche Vorstellung ebenfalls von einigen eingeladenen Staatsanwälten besucht, was für die beteiligten Akteure eine zusätzliche Herausforderung bedeutete, aber auch eine große Anerkennung und Wertschätzung ihrer Projektarbeit.

Die Lehrkräfte der Johannes-Rau-Schule, die mit ihren Schülern in jedem Jahr die Schulvorstellung besuchten, sind tief beeindruckt von dem präventiven Aspekt des Projektes. In ihrer Rückmeldung betonen sie, wie beeindruckt die Schüler und Schülerinnen von der Begegnung sind und wir lange der Dialog nachwirkt.

Die gute Zusammenarbeit und das künstlerische Potential der Frauen und Männer bestätigt unsere Arbeit und inspiriert uns erneut, ein weiterführendes Projekt auch im Jahr 2014 umzusetzen.

In einem Nachgespräch mit dem Leiter der JVA im März 2013 wurden die z.T. schwierigen organisatorischen Abläufe thematisiert. Aber auch die ganz persönlichen Eindrücke, die während der Proben- und Aufführungszeit gewonnen wurden, da das Personal die Inhaftierten sonst nur in einem anderen Kontext wahrnehmen.

Er wies ausdrücklich darauf hin, dass durch die durchgeführten Projekte eine positive Veränderung im Verhalten der Inhaftierten festzustellen ist. So habe sich bei einigen Teilnehmern die Einstellung zu Gewalt maßgeblich verändert. Sie wollen auch nach Beendigung des Projektes weiterhin ihre Situation, Gedanken und Gefühle durch das Verfassen von Rap-Texten  zum Ausdruck bringen.

In der Nachbesprechung wurde deutlich, dass sie durch die Projektarbeit wieder Zutrauen zu sich selbst gefunden und Freude und Glück erfahren haben.

 

Zitate

Zitat Nabil: „Das ist echt was, dass ich erst in den Knast kommen muss, um so etwas zu erleben.“

 

Zitat Meik: „Ich bin Donnerstag und die Tage danach in ein Loch gefallen und habe das Theater vermisst. Am Anfang war mir das Tanzen peinlich und als die Frauen dazu gekommen sind, war alles ganz locker. Ich habe getanzt. Ich habe Wärme bekommen. Es war viel Vertrauen da. Jim hat mich beeindruckt. Ich hatte unheimliche Vorurteile. Er ist gar nicht so doof. Danke für die schönen zwei Monate.

 

Zitat Dominik: „Mich hat das beeindruckt. Ich kannte die Jungs, die hier mitmachen, nicht so. Wir sind alle ein Stück weit zusammengerückt. Wir haben sehr viel gelacht du Spaß gehabt. Im nüchternen Kopf ewig nicht so viel gelacht. Diziplin gelernt. Großen Respekt. Hat sehr viel Spaß gemacht. Danke an alle.“

 

Zitat Sirin: Ich möchte mich herzlich bedanken. Erwartung war nicht groß. Ich bin stolz, dass ihr mich überzeugt habt, das durchzuziehen. Habe Teamgeist gespürt. Habe einen Teil Vertrauen wieder gewonnen, u.a. im Stück beim Fallen lassen. Danke.

 

Zitat Dano: Ich würde am liebsten zu jeder Person etwas sagen, hier ist mit jedem etwas gewesen. Am Anfang habe ich gedacht, ich mach hier mein Rapding… Dann haben wir gemerkt, ihr habt etwas anderes vor und wir lassen uns mal ein… Wir haben angefangen Texte zu schreiben… Ich habe angefangen, über meine Vergangenheit zu schreiben, meine Vergangenheit zum Stand der Dinge…

              

(6)   Pressestimmen

Neue Westfälische vom 13.12.2013

Ein Kulturprojekt unter den Sicherheitsbedingungen einer JVA umzusetzen, ist schon etwas Besonderes. Der Aufwand hat sich gelohnt.

 

Westfalen-Blatt vom 13.12.2013

Mit ihrer Performance haben die Insassen diese Vorstellung auch für den Zuschauer greifbar gemacht und sich auf der Bühne ein Stück der Freiheit erspielt, die sie sich so sehnsüchtig wünschen.