Bericht über die Projektmittel 2014 der LAG NW

 

Inhalt

1. Gesamtübersicht

2. Darstellung der einzelnen Projekte

 

1. Gesamtübersicht

Die LAG NW hat 2014 mit den Mitteln des Ministeriums für Familie, Kinder, Jugend, Kultur und Sport des Landes Nordrhein-Westfalen 41 Projekte von 35 Zentren/Initiativen und KünstlerInnen gefördert.

Es gab insgesamt 73 Anträge von 58 Zentren/Einrichtungen/Initiativen/KünstlerInnen mit einem Gesamtkostenvolumen von 1.354.418 € und einem Zuschussbedarf von 333.732 €. Der Beirat hat in zwei Sitzungen Ende 2013 und Mitte 2014 und einem Mailverfahren für Nachrücker über die Anträge befunden und die genannten 41 Anträge bewilligt. Diese Ergebnisse wurden auf den jeweiligen LAG NW Tagungen vorgestellt, diskutiert und letztendlich gebilligt.

Nach der Abrechnung betrugen die Gesamtausgaben der geförderter Projekte 638.482,52 €. Dabei betrug der Anteil des Landes mit 130.000 € = 20,36 %. Insgesamt wurde 1 Projekt mit 5.000 € gefördert. 28 Projekte erhielten 3.000 € und mehr und 12 Projekte wurden jeweils mit weniger als 3.000 € aus Landesmitteln finanziert.

Die Leistungen Dritter und andere öffentliche Zuschüsse (vor allen Dingen der Kommunen) betrugen 386.294,74 €, das entspricht 60,50 %. Die Leistungen der Kommunen waren jedoch weit höher, denn sie sind entweder Bestandteil innerhalb einer direkten Kooperation und/oder Bestandteil der Zuschüsse zu den Betriebs- und Programmkosten der jeweiligen Zentren. Auf der anderen Seite sind hier auch Landesmittel enthalten, die von anderen Stellen bewilligt worden sind. Die Eigenleistungen der Träger lagen insgesamt bei 122.187,58 €. Das sind 19,14 %.

Die Gesamtkosten erhöhten sich um den Betrag von 2.045,80 €, das entspricht 0,32 % Abweichung vom ursprünglichen Kostenplan.

Grundsätzlich haben die Zentren in allen Kunst- und Kultursparten (Musik, Theater, Literatur, Medien) sowie spartenübergreifende Projekte durchgeführt. Tendenziell sind die Projekte in erster Linie der Stadtteilarbeit, der Kulturpolitik und dem Kinder- und Jugendbereich zuzuordnen.

 

 

2. Darstellung der einzelnen bewilligten und durchgeführten Projekte

 

Antrag Nr. 1: Rücklichter - Alarmtheater Bielefeld

 

Theaterprojekt mit Langzeitarbeitslosen der Generation 50+

Aufführungstermine: 20. und 23. März, jeweils 20.00 Uhr im AlarmTheater

 

Personal für die Produktion und Aufführung:

Regie:                                      Britta Bornhöft-Graute, Indira Heidemann

Künstlerische Leitung:               Dietlind Budde, Harald Otto Schmid

Bühnen- und Kostümbild:          Rebecca Budde de Cancino

Bühnenbau:                              Felix Lautenbach, Gerard Gorczyca

Licht- und Tontechnik:               Felix Lautenbach

Technische Assistenz:              Gerard Gorczyca

Requisite:                                Louisa Wagener

Video und Dokumentation:       Dennis Böddicker

 

Förderer, Sponsoren, Unterstützer: LAG Münster

Beschreibung der Durchführung

Für das Projekt war ein Durchführungszeitraum von sechs Wochen vorgesehen. Es begann mit einem ersten Treffen, bei dem das Projekt und die Arbeitsweise des Theaters vorgestellt wurde und diente dazu, den Interessenten die Möglichkeit zu geben, in Ruhe über eine Teilnahme nachzudenken.

Mit einer Gruppe von zunächst vier Männern und fünf Frauen gingen wir in die Proben. Die Probenzeiten wurden vom Beginn bis zur Premiere immer stärker intensiviert, von anfangs drei auf sechs Probentage in der Woche.

So konnten sich die TeilnehmerInnen (im Folgenden TN), die z.T. über einen längeren Zeitraum keinen strukturierten Alltag hatten, Stück für Stück auf einen geregelten Tagesablauf einstellen.

 

In der ersten Projektphase ging es vorwiegend darum, dass die TN Vertrauen zu den Leiterinnen und der Gruppe aufbauen, erste Hemmschwellen überwinden und Arbeitsperspektiven entwickeln konnten. Dann wurde durch Improvisationen und Übungen Material erarbeitet, wobei die TN sich hier mit eigenen Texten, Ideen und Fähigkeiten einbringen konnten. Anschließend wurde aus diesem Material eine Performance kreiert, die dann mit den TeilnehmerInnen einstudiert und geprobt wurde.

Am 20. März fand vor 73 Zuschauern die erfolgreiche Premiere statt. Der Folgetag wurde zur ersten Reflektion des Projektes genutzt. Mit der zweiten Aufführung am 22. März vor 82 Zuschauern endete der aktive Teil des Projektes.

In einem abschließenden Nachtreffen am 29. April nutzten die TeilnehmerInnen noch einmal die Möglichkeit, über das Projekt und die persönliche Entwicklung während der gesamten Zeit und die Wirkung zu reflektieren und sich auszutauschen.

Das Projekt wurde von Dennis Böddicker videodokumentarisch begleitet, was von den TN sehr gut angenommen wurde.

 

Fazit

Entgegen der Erwartungen hatten die TN verhältnismäßig wenig Schwierigkeiten, sich auf einen strukturierten Probenalltag und auf anspruchsvolle Arbeitsanforderungen einzustellen.

Als problematisch erwies sich zunächst das Sozialverhalten einiger TN, untereinander aber auch in Kontakt mit den beiden Leiterinnen. So fiel es einigen TN schwer, Aufgaben anzunehmen und nach Anweisung auszuführen. Ein Problem mit Autoritäten (auch aufgrund des Altersgefälles) zeigte sich.

Auch zeigten die TN anfangs wenig Eigenverantwortung und warteten darauf, mit Aufgaben u.ä. bedient zu werden.

Sehr positiv konnten wir bei den meisten eine Entwicklung in diesen Punkten verzeichnen. So schafften es die TN im Laufe der Arbeit mehr und mehr Verantwortung untereinander und für das Projekt zu übernehmen und von einer Versorgungsmentalität abzurücken. Beispielsweise haben die TN nach anfänglichen Beschwerden selbstverantwortlich und gut das Einreichen der Fahrtkosten beim Jobcenter gelöst.

Große Unterschiede zeigten sich auch bei der Selbsteinschätzung der einzelnen TeilnehmerInnen, was die ihre Situation als Langzeitarbeitslose und das Verhältnis zur „ArGe“ betrifft. Das hat in der inhaltlichen Auseinandersetzung mit dem Thema Arbeitslosigkeit zu Konflikten geführt. Auch in dem Punkt kann ein positives Resümee gezogen werden. Durch das Ermöglichen eines solchen Projektes auf der einen Seite, aber auch durch den Kontakt mit den Fallmanagern, die als Zuschauer gekommen sind, hat sich – zumindest bei einigen TN - das Verhältnis zur „ArGe“ verändert, Vorurteile konnten teilweise abgebaut werden.

Auch das (Wieder-)entdecken kreativer, sozialer und anderer Fähigkeiten der TN durch den Prozess des Theaterspielens muss als positives Ergebnis genannt werden.

Ein Teilnehmer musste aus persönlichen Gründen vor der Premiere aus dem Projekt ausscheiden. Die anderen acht TN konnten die anspruchsvolle Herausforderung eines solchen Theaterprojektes meistern.

Obwohl die Voraussetzungen der TeilnehmerInnen in verschiedener Hinsicht schwierig waren ist es gelungen, sie zu einer starken Gruppe zusammen zu bringen, die ein lebendiges und aussagekräftiges Theaterstück erarbeiten konnte.

In der abschließenden Reflexion waren die TeilnehmerInnen trotz einzelner Kritikpunkte ausnahmslos der Meinung, dass das Projekt ihnen etwas gebracht hat.

 

Pressestimmen

„In nur fünf Wochen stellten die Akteure eine intensive und sehr persönliche Performance auf die Beine und überwanden sich gleichzeitig, sich vor ein Publikum zu stellen und diesem viel von sich zu geben.“ Westfalenblatt 25.03.2014

„Es war wirklich staunenswert und alle Achtung wert, was acht Laien unter der sensiblen Regie von Britta Bornhöft-Graute und Indira Heidemann im Alarmtheater auf die Beine stellten. (…)

Dies alles in einem freien, kunstschaffenden Milieu und unter der feinfühligen Führung zweier junger Dramaturginnen, die das von den seit langen Jahren Arbeitssuchenden Berichtete als wertvollen Theaterstoff erkannten und es in enger Zusammenarbeit mit dem ungewöhnlichen Ensemble zu einer sozialkritischen, gleichwohl absolut sehenswerten Collage voller zwingender und origineller Bilder verwandelten. Somit geriet ihre spannende, bewegende, aber an keiner Stelle süßlich-mitleidige „Rücklichter“ – Produktion zum Gegenteil eines Deklassierenden Ein-Euro-Jobs.“ Neue Westfälische 22./23. 03.2014

 

 

Antrag Nr. 33: Ich schenk Dir blauen Schnee - Alarmtheater Bielefeld

 

Werkschau mit Menschen mit und ohne Demenz

Aufführungstermine: Premiere / Aufführungstermin: 27.11.2014 16.00 Uhr

 

Personal für die Produktion:

Projektleitung/künstlerische Leitung:      Dietlind Budde / Harald Otto Schmid

Bühnenbild:                                         Rebecca Budde de Cancino

Licht- und Tontechnik:                          Felix Lautenbach

Öffentlichkeitsarbeit:                            Annika Bochnig / Louisa Wagener

Büroorganisation:                                 Katrin Reckers

           

Förderer, Sponsoren

Gefördert durch: Ministerium für Familie, Kinder, Jugend, Kultur und Sport, Kulturamt Bielefeld

LAG Münster

 

Beschreibung Durchführung :

Beteiligt waren 6 Teilnehmer und Teilnehmerinnen aus verschiedenen Einrichtungen für Demenzbetroffene aus Bielefeld, drei Teilnehmerinnen der Seniorenbühne des AlarmTheaters und zwei externe Betreuer.

Nach einem Kennenlerntreffen am 13.11.2014 fanden die Proben täglich vom 20.-27.11.2014 in der Zeit von 10.00 bis 14.00 Uhr statt.

Ständige Rituale zur Festigung der Gruppe bestanden einerseits aus einem gemeinsamen warmen Mittagessen und einer ¾ stündigen Mittagspause mit anschließender Ruhezeit im eigens dafür ausgestatteten Raum mit Liegen und Decken, in der die Teilnehmer die Eindrücke und Anforderungen verarbeiten konnten.

Für die Organisation und Betreuung war ein erhöhter personeller Einsatz notwendig, um jederzeit den Bedürfnissen der Akteure nachzukommen.

Das Ergebnis wurde am 27.11.2014 im Rahmen der Jubiläumsfeier zum 10jährigen Bestehen des Demenz-Servicezentrums Region OWL in einer Werkschau den 120 geladenen Gästen aus Politik, Sozial- und Gesundheitswesen präsentiert.

Die Darbietungen setzten sich aus einer Collage von Erinnerungen, Träumen und Wünschen der Akteure zusammen. Durch Geschichten, Lieder und Sketche, die das Leben der Beteiligten erzählten, erhielt das Publikum einen Einblick in ihre Lebensgeschichten.

Die Lebensfreude des Moments berührte sowohl die Projektbeteiligten als auch das Publikum.

 

Fazit

Dieses erste Projekt des AlarmTheaters mit Menschen mit Demenzerkrankung, ausgerichtet an den Lebensthemen der Beteiligten, war ergreifend und faszinierend durch die inhaltliche Tiefe, die während des Prozesses entwickelt wurde. Das Vertrauen innerhalb der Gruppe entstand schnell und setzte sich bis zum Aufführungstermin fort.

Es entstand eine lebensbejahende, lustige aber auch realistische Auseinandersetzung mit dem Altwerden und einer bestehenden bzw. möglichen altersbedingten Erkrankung.

Am Anfang mussten Ängste und Zweifel überwunden, Vertrauen und Selbstbewusstsein aufgebaut werden, um sich dieser besonderen Herausforderung zu stellen.

Diese Erfahrungen werden in der Arbeit des AlarmTheaters als Grundlage für die Weiterentwicklung im Folgejahr ausgewertet und analysiert.

Das unglaublich starke Erleben des Moments, das Sein im Hier und Jetzt beeindruckte zutiefst.

Das Konzept, Vergessenes, Erinnerungen und die aktuelle Realität zusammen zu bringen, ist aufgegangen und hat sich bewährt. Es hat uns begeistert und motiviert uns, diese spannende Arbeit fortzusetzen.

Die Reaktionen des Publikums und auch der verschiedenen Einrichtungen waren äußerst positiv und bestärkt uns in unserer Arbeit.

 

 

Antrag Nr. 32: Collage a femme – Initiative Bürgerwache e.V., Bielefeld

 

Die Ausstellung der Projektgruppe „Künstlerische Damenwahl“ in Kooperation mit der BI Bürgerwache e.V. führte vom Anfang September bis zum Ende des Jahres unter dem Titel „COLLAGE À FEMME – Frauen – Orte – Bilder“ die Ausstellung in der Bürgerwache durch. Der Projektzeitraum wurde – abweichend vom Projektantrag – geringfügig erweitert. Auch fanden neben der Ausstellung in der Bürgerwache (05.09. - 02.10.) noch parallel an zwei weiteren Orten im Stadtteil, dem Gebäude der Guttempler in Bielefeld (07.09.-31.12.)und in den Räumen des Künstlerinnenforums bi-owl e.V. (01.10-30.10.) Erweiterungen mit thematisch dazu passenden Vorträgen statt.

In der Bürgerwache wurden, neben einer musikalisch begleiteten Vernissage und Finisage, während der Ausstellung 4 Vorträge zu in der Bilder- und Collagenausstellung porträtierte Frauen aus Bielefeld durchgeführt. Zudem gab es während der Vernissage eine inhaltliche Einführung und ein Grußwort der stellv. Bürgermeisterin der Stadt. Insgesamt fanden also zu den Ausstellungen 7 Veranstaltungstermine statt.

Alle Veranstaltungen waren gut bis sehr gut besucht und fanden auch in der Presse ein beachtliches Echo. Dies dürfte nicht zuletzt auch mit dem zeitlich zusammenfallenden 800-Jahre-Jubiläum der Stadt Bielefeld zusammenhängen, in dem die in den Vorträgen vorgestellten und den Collagen

porträtierten Frauen aus der Bielefelder Stadtgeschichte einen besonderen Aufmerksamkeitswert

erzielten.

Die künstlerische Ausgestaltung des Projektes lag dabei ganz in den Händen der Projektgruppe

„Künstlerische Damenwahl“ während die BI Bürgerwache e.V. als Kooperationspartner und

Projektnehmer vor allem an der organisatorischen Durchführung und bei der Auswahl der Vorträge

unterstützend und koordinierend tätig war.

Trotz der zeitlichen, räumlichen und inhaltlichen Erweiterung gegenüber dem Projektantrag konnte der finanzielle Rahmen weitgehend eingehalten werden. Nicht zuletzt wegen der großen Resonanz, den das Projekt in der Öffentlichkeit gefunden hat, plant die Projektgruppe bereits die nächste Ausstellung.

 

 

Antrag Nr. 3: Kunst ohne Strom 3 - Brotfabrik, Bonn-Beuel

 

Ein Kooperationsprojekt der Brotfabrik Bühne Bonn und Bonner Künstlern/innen

 

Die Projektidee

Zweimal war „Kunst ohne Strom“, das Sommer-, draußen und umsonst-Kultur-Projekt der Brotfabrik, bisher am Start, 2012 mit holprigen Beginn und 2013 mit einer vom Wetter begünstigten, erfolgreichen Saison mit Lesungen, Konzerten, Ateliers und künstlerischen Versuchen. In der „Grünen Spielstadt“, dem regelmäßigen Spielort des Projekts in der aufgegebenen Stadtgärtnerei vor den Toren Bonns, hat sich „Kunst ohne Strom“ mehr oder weniger etabliert.

Das dritte Jahr von „Kunst ohne Strom“ stand im Zeichen der programmatischen und örtlichen Ausweitung – auch als Reaktion auf das zunehmende Interesse von Künstlern an dem Projekt und auf Anregungen aus dem Publikum, die uns auf interessante Aufführungsorte in der Stadt aufmerksam machten.

Beibehalten haben wir 2014 - als Markenzeichen, aber auch aus praktischen Gründen – die Grundideen von „Kunst ohne Strom“: die Experimentiermöglichkeiten für neue Formate und Gruppen im „stromfreien“ Umfeld, also ohne Verstärkung, Scheinwerfer und Bühnen, die Einbindung Bonner und regionaler Künstler/innen und Initiativen, die Möglichkeiten des Austauschs zwischen Künstlern und Publikum und die Offenheit für das Ungeplante und Unerwartete.

 

Die geheimen Gärten

griff als Leitmotiv des Projekts 2014 den Titel des Kinderbuchklassikers von Frances Hodgson Burnett auf, der sich in Form von Lesungen für Kinder und Familien als roter Faden durch die geplanten 6-8 Wochenend-Veranstaltungen im Juli/August ziehen sollte. „Der geheime Garten“, vorgestellt in geheimen, d.h. versteckten, abseitigen und/oder ansonsten nicht für die Öffentlichkeit zugänglichen Gärten, Parks, Grünanlagen: das ist in Kürzest-Form das Projektkonzept.

Zu Beginn stand die Recherche nach möglichen Spielorten – aus den zahlreichen Vorschlägen wurden zunächst fünf ausgewählt, dazu kam dann im Verlauf des Projekts ein zusätzlicher.

 

-Garten der Brotfabrik (19. + 20.7.)

-Privatgarten in Beuel (26. + 27.7.)

-Grüne Spielstadt (2. + 3.8.)

-Weinberg am Finkenberg (9.8.)

-Wasserburg Lede (10.8.)

-Gemeinschaftsgärten Bonn-Vilich (30. + 31.8.)

-Abschlussveranstaltung „Grüne Spielstadt“ 6. +7.9.

 

Projektträger

Die Brotfabrik Bühne Bonn ist integraler Bestandteil des soziokulturellen Zentrums Brotfabrik und innerhalb des Zentrums verantwortlich für jährlich ca. 200 Theater- und Tanztheater-Produktionen und -Gastspiele, Kinder- und Jugendtheater und Konzerte mit dem Schwerpunkt tradionelle/ Weltmusik sowie Projekte. Zunehmend führen wir Projekte außerhalb der „Brotfabrik“ durch.

 

 

Antrag Nr. 5: Emscherkrimi – Ulrike Korbach, Dortmund

 

Das Projekt Emscherkrimi ist ein inklusives Spielfilmprojekt des Vereins Kunstreich im Pott e.V. zusammen mit verschiedenen Institutionen und einzelnen Menschen aus Hörde und Umgebung. Unterstützt von einem professionellen Produktionsteam haben sich ca. 50 Laien mit und ohne Behinderung zusammengefunden, um ihre Sichtweise auf den Stadtteil zu verfilmen. Seit über einem Jahr nun haben wir viele (zum Teil biografische) Geschichten gesammelt, Figuren frei nach den Charakteren der Mitspieler entwickelt und daraus eine Story geschrieben. Alle TN haben ihre Figuren selbst entwickelt, so dass die Behinderten zum Teil auch das Leben mit Behinderung thematisiert haben. Nun wollen wir die eigentlichen Dreharbeiten beginnen.

Das so entstandene Script wird vor der beeindruckenden Kulisse Hördes im visuellen Spannungsfeld der Industriebauten von Phönix West und dem neu entstandenen Phönixsee umgesetzt – vor der Kamera agieren ausschließlich Laiendarsteller aus Hörde, die mit ihren Geschichten den Charakter der Story prägen.

Der fertige Film versteht sich als unterhaltsames und publikumswirksames Kunstwerk, so dass sich eine weitere Auswertung (z.B. in lokalen Kinos) anbietet. Die Beteiligten sollen stolz auf ihre Leistung sein und ihren Stadtteil als lebenswert empfinden. So wollen wir das aus der Stahlarbeitertradition gewachsene Heimatgefühl der Hörder mit der Aufbruchsstimmung durch den Phönixsee verbinden, um eine neue kulturelle Identität zu stiften. Neben den Hörder Bürgern ist auch der Strukturwandel in Hörde wichtiges Thema.

 

Ziele des Projekts sind:

·         Dem Lebensgefühl der Hörder Menschen Ausdruck zu verleihen

·         ein Zusammengehörigkeitsgefühl von Menschen unterschiedlichen kulturellen Hintergrunds durch die Produktion eines gemeinsamen Kunstprodukts zu stärken.

·         Jungen Menschen einen Einblick in die Filmproduktion und somit mögliche Berufsfelder zu bieten

·         Nachwuchsförderung durch die Einbindung von Studenten der FH Design Dortmund

·         Inklusion von Menschen mit Behinderung

 

Tätigkeitsfelder für Teilnehmer des Emscherkrimis bestehen neben dem Schauspiel vor der Kamera auch in der Mitwirkung im Kamerateam, im Schnitt, in der Drehbuchentwicklung, in der logistischen Unterstützung oder in der Öffentlichkeitsarbeit.

 

Die Handlung:

Walter Kraus (Carsten Bülow) kommt 30 Jahre nachdem er Hörde fluchtartig als 20-jähriger verlassen hat, zurück. Bereits einen Tag nach seiner Rückkehr wird Manfred Caspari (Detlef Kliebisch) mit eingeschlagenem Schädel aufgefunden, nachdem er am Abend zuvor Kneipenstreit mit Walter hatte.

Für die Polizei und die meisten seiner alten Kumpel steht die Schuld Walters schnell fest. Nur Willi (Willi Maaß), Fußballschiedsrichter durch und durch, und auch im echten Leben der Gerechtigkeit verpflichtet, hat Zweifel. Auch er ist, aufgrund früherer Ereignisse mäßig begeistert von Walters Wiederkehr. Aber einen Mord traut er seinem ehemaligen Fußballkumpel nicht zu. Gemeinsam mit der querschnittsgelähmten Marcia (Marcia Kemper), die er ehrenamtlich pflegt, macht sich Willi auf die Suche nach dem wahren Mörder. Auf große Unterstützung der alteingesessenen Hörder kann er dabei nicht zählen. Kaum jemand scheint Walter vermisst zu haben. Besonders Roland Fliege (Roland Müller), der gerade den Posten des Oberbürgermeisters anstrebt, scheint durch das plötzliche Auftauchen beunruhigt. Und auch Walters ehemalige Freundin Elke Winter (Beate Bach), die zum Zeitpunkt seines Verschwindens schwanger von ihm war, scheint nicht gerade erfreut zu sein. Als dann noch der engste Mitarbeiter Flieges, Franz Sontowski (Axel Dickschat) unter ähnlichen Umständen wie Manfred Caspari stirbt, wird es für Willi und Marcia immer schwerer, sich Gehör zu verschaffen. Kann der ermittelnde Horst Schmidt (Martin Lüdtke) etwas zur Aufklärung beitragen?

 

Unsere Stärken

·         Ein hoch motiviertes Team vor und hinter der Kamera zwischen 7 und 82 Jahren.

·         ehrenamtliche Mitarbeiter, zum Teil aus dem professionellen Bereich

·         Möglichkeiten, die Technik der FH Dortmund zu nutzen

·         eine spannende Story über Hörde, seine Bewohner und den Strukturwandel

·         interessante Typen und Hörder Originale

·         starke Partner, z.B. Plan B, eine Qualifizierungsgesellschaft für junge Menschen im ALG II Bezug

 

Unsere besonderen Herausforderungen

·         fünf Akteure mit Behinderung

·         fehlende barrierefreie Räumlichkeiten

·         mangelnde finanzielle Mittel

·         eine schwere Erkrankung einer unserer Hauptdarsteller, die uns zu schnellem Handeln zwingt

·         2014 hatten wir nahezu die Finanzierung aus Landesmitteln stehen, als uns die Haushaltssperre des Landes einen Strich durch die Rechnung machte

 

Die Zukunftsvision

Der Emscherkrimi soll ein Pilotprojekt für eine inklusive Filmwerkstatt sein, in der Ausbildungs- und Arbeitsplätze für Menschen mit und ohne Behinderung entstehen. Zurzeit finden Gespräche mit der Aktion Mensch, der Regionalagentur Emscher-Lippe und der Stiftung Volmarstein statt, um dieses Leuchtturmprojekt vorzubereiten. Bisher gibt es ein derartiges Projekt weltweit nur in Sidney, Australien.

 

Die Initiatoren und ihre Kooperationspartner

Der gemeinnützige Verein Kunstreich im Pott e.V. ist ein Zusammenschluss von Künstlern des gesamten Ruhrgebiets verschiedener Kunstsparten, die in der kulturellen Bildung tätig sind und deren Ziel es ist, gesellschaftliche Herausforderungen mit künstlerischen Mitteln zu begegnen. In den Jahren 2012 – 2014 hat der Verein z.B. das Großprojekt „Interkultur“ in Kooperation mit dem Referat Migration der Stadt Bottrop durchgeführt. Ziel war es, die kulturelle Teilhabe von Menschen mit Migrationshintergrund zu fördern. Ein Highlight dieses Projekts war die Produktion des Films „Kibu und die neuen Freunde“ im Rahmen des Mikroprojekts „Omas Reise“ das im Kindergarten Welheimer Mark stattfand. Frei nach den Migrationsgeschichten ihrer Eltern und Großeltern haben die Kinder in einem Mehrgenerationenprojekt eine Tierfabel entwickelt, die als Knetanimation im Stop-Motion-Verfahren verfilmt wurde. Neben dem Preis des Ministeriums für Familie, Kinder, Jugend, Kultur und Sport „Auf dem Weg ins Kinder- und Jugendkulturland“, dem ersten Platz beim deutschen Jugendvideofestival und dem Trickfilmfestival NRW konnten sich die beteiligten Kinder über eine Nominierung zum deutschen Menschenrechtsfilmpreis und der damit verbunden Veröffentlichung ihres Films auf der dazu herausgegebenen DVD freuen.

Neben diesem Engagement in Bottrop ist der Verein vor allem in Dortmund aktiv, wo auch der Vereinssitz liegt. Es gibt eine enge Kooperation mit der U2_Kulturelle Bildung im Dortmunder U, mit der bereits einige Kooperationsprojekte gelaufen sind. Im Rahmen von „Kultur macht stark - Bündnisse für Bildung“ sind die Partner zurzeit in drei verschiedenen Bündnissen miteinander aktiv.

 

 

Antrag Nr. 29: Petersilie und Pastinaken - Artsenico e.V., Dortmund

 

Personal für die Produktion und Aufführung

Projektleitung:                          Rolf Dennemann

Künstl. Leitung / Bewegtbilder:  Maren Heyn

Bühnenbau:                              knallrotfilme.de

Öffentlichkeitsarbeit:                Manuela Borg/Fleur Vogel

Organisation:                           Manuela Borg/Fleur Vogel

Darsteller:                                Denitsa Christo, Elisabeth Pleß, Marylin Pardo, Denise Rech, Matthias Hecht, Sermin Kayik

Installation                                knallrotfilme.de

Fotos:                                     Magdalena Stengel, Rolf Dennemann, Guntram Walter

Doku:                                      Frank Mählen

 

Beschreibung Durchführung :

Das zweijährige Projekt recherchiert und behandelt Handel auf lokalen Wochenmärkten. Wir betrachten das Verkaufspersonal und seine performativen Techniken und Traditionen, sowie der Kunden sind. Wir organisieren Recherche in jenen Städten, Dörfern und Vierteln, die wir und unsere Partner vorschlagen und aussuchen. Das Ziel ist, es eine kaleidoskopische Anschau des Stadtteilmarktes zu generieren.

Unser künstlerisches Vorhaben umfasst:

·         ein Audio-Werk aus Originaltönen verschiedener Märkte.

·         Aus Video- und Fotoaufnahmen von Märkten entsteht eine Film-Installation. Beide Elemente werden collagiert und zusammengeführt.

·         Performances auf Märkten in Dortmund, Schwerte und Gelsenkirchen

 

Audio-Werk aus Originaltönen

Uns interessiert besonders der typische „Sound“ des Marktes. Unterschiedliche Verkaufsriten, die Bewahrung von Spracheigenheiten (Dialekten, Begriffen) verdichten sich zu einem Vielklang an Eindrücken. Wir werden Tonaufnahmen auf Märkten machen, die ein umfangreiches Tonbild vom Geschehen liefern. Neben dem allgemeinen Sound der Geschäftigkeit, werden Parolen, Rufe und Anpreisungen aller Art ebenso zu hören sein, wie unterschiedliche Sprachen und Dialekte, zumal sich viele Märkte über Migration verändert haben. Es gibt ein Sprachgemisch, das auch die Bevölkerung der Orte wiederspiegelt.

 

Video und Foto

Videofilmer haben Marktgeschehen und Menschen abgebildet und somit eine zu den Audioschleifen parallele Bilderwelt entwickeln. Diese lässt sich einerseits mit den Tonspuren mischen, andererseits als einzelnes Werk präsentieren.

Neben diesen künstlerisch bearbeiteten Impressionen des Markgeschehens, wurden biografische Sequenzen Teil der Arbeit, welche Händler und Kunden zu Wort kommen lassen. Fotografen begleiten das Projekt und schaffen Serien von Marktstudien, die in allen beteiligten Orten und darüber hinaus in „Marktausstellungen“ gezeigt werden (Gesichter, Situationen, Produkte).

 

Die Performance

Wir versuchen, zusammen mit Händlern und Kunden, einen künstlerischen Vorgang zu kreieren, der Handel und Kunst zusammenführt auf archaische, analoge Art. Unsere Darsteller haben zeitweise die Plätze der Verkäufer eingenommen oder ihnen assistiert. Dazu wurden Texte entwickelt, die Performance und Verkaufsparolen ausbalancieren. Es wurde ein Stand eingerichtet, an dem die audio- und visuellen Ergebnisse präsentiert wurden.

Die Ergebnisse wurden von ca. 1000 Menschen gesehen.

 

Publikum

Ein wichtiger Aspekt des Projekts ist „Audience development“. Die plötzlichen und unerwarteten Zusammentreffen “wirklichen Lebens” und “künstlerischer Eingriffe” zieht Kunden und Spaziergänger, Verkaufspersonal und Spaziergänger an. Es gibt keine Reservierung und Schwellenängste. Der künstlerische Ansatz soll dem Publikum keine geschlossenen Vorstellungen gegenüberstellen. Es soll auf leichte Art möglich sein, einen anderen Blick auf Ort und Geschehen zuzulassen. Es sind Situationen, mit denen die Menschen vertraut sind.

 

 

Antrag Nr. 28: Vorhaben Platzhirsch 2014 - Traumzeitretter., Duisburg

 

PLATZHIRSCH Festival der Artenvielfalt 2014

Vom 22. Bis 24. August 2014 fand in Duisburg auf dem Dellplatz und darum herum das 2. PLATZHIRSCH Festival der Artenvielfalt statt.

Den Planern und Planerinnen des PLATZHIRSCH und dem Kultursprung e.V. ist es gelungen, ein durch breites bürgerliches Engagement getragenes Festival auf die Beine zu stellen.

Unterschiedlichste und teilweise ganz unübliche Veranstaltungsorte wie (Kultur-)Kneipen, Bistros, Büros, Galerien und Kirchenräume konnten neben städtischen Einrichtungen eingebunden werden. Wichtige Mitorganisatoren der Freien Szene und zahlreiche UnterstützerInnen aus der Bürgerschaft, der Kirchengemeinde Liebfrauen und aus vielen in Duisburg und Umgebung ansässigen Firmen haben das Festival mit gestaltet.

Der PLATZHIRSCH war erneut ein Fest von DuisburgerInnen für DuisburgerInnen und deren Gäste aus der näheren und weiteren Umgebung.

 Aus einer Phase der Lethargie und des kulturellem Stillstandes heraus hat sich in Duisburg damit ein neues innerstädtisches Identifikationsprojekt entwickelt. Das Festival stellt einen neuen Höhepunkt im kulturellen Leben der Stadt dar und das mit Strahlkraft deutlich über Duisburgs Grenzen hinaus. Seine Auswirkungen auf Motivation und Innovation, auf Kulturschaffende und Kulturfreunde ist deutlich spürbar. Das Festival war wie im Vorjahr Präsentationsplattform für lokale, regionale und überregionale Acts und Projekte und avancierte damit zu einem wichtigen Knotenpunkt im Netzwerk lokaler und regionaler kultureller Zusammenarbeit. Es hat darüber hinaus einen lebendigen kulturellen Kontakt zwischen Duisburg und seinen Partnerstädten begonnen, 2014 speziell mit Calais anlässlich des Städtepartnerschaftsjubiläums. 2015 wird diese Zusammenarbeit mit Vilnius fortgesetzt.

 

Besonders erfreulich war 2014 der Start von Kooperationen mit Schulen und inklusiven Projekten, die die Wirkung des Festivals nicht auf 3 Tage beschränken, sondern in Form von Workshops eine Nachhaltigkeit erzeugen und mehr Gruppen in die Gestaltung einbeziehen.

Diese Programmpunkte werden zukünftig noch ausgebaut.

 

2014 gab es an 3 Tagen:

 80 Musikacts

2 Tanzprojekte

6 Theaterprojekte

2 Workshops (Literatur-Kunst und Street-Botanik)

3 „Aktionen auf dem Platz“ (2x Kunst, 1x Trickfilm)

5 Lesungen

9 Ausstellungen/Installationen/Performances

 

Ein Höhepunkt mit überwältigender Resonanz war „Harry der Frühstücksmob“, ein großes öffentliches Mitbring-Frühstückspicknick am dritten Festivaltag (Sonntagvormittag).

Die einzelnen Programmpunkte fanden an 25 ganz unterschiedlichen Locations rund um den Dellplatz statt: große Außenbühne, Gastronomien, Galerien, ein Künstler- und Atelierhaus, Leerstände, ein Architekturbüro, ein Spielzeuggeschäft, ein Theater ...

Besonders hervorzuheben sind die Beteiligung der St. Joseph Kirche der Gemeinde Liebfrauen auf dem Dellplatz und des Lehmbruckmuseums, das Spielstätte eines Programmschwerpunkts des Festivals war. Ohne das enorme ehrenamtliche Engagement und die hervorragende Zusammenarbeit vieler DuisburgerInnen, Duisburger Kulturschaffender und Vereine sowie die erfreuliche Unterstützung von Sponsoren wäre dieses Festival nicht möglich gewesen.

Dass sich der Einsatz gelohnt hat, ist aus den positiven öffentlichen Reaktionen und der großen Bestätigung durch die BesucherInnen deutlich geworden. Das PLATZHIRSCH Festival trägt zur positiven Selbstwahrnehmung der EinwohnerInnen einer Stadt bei, die wieder lernen muss, nicht durch Negativschlagzeilen auf sich aufmerksam zu machen.

Es hat sich vor allem als ein wichtiger Impuls mit ausgesprochenem Modellcharakter im Hinblick auf die phantasievolle Gestaltung und auf die „Machbarkeit“ von Kultur in finanzschwachen Zeiten erwiesen.

Eine nicht kommerziell ausgerichtete Veranstaltung dieser Größenordnung ist auch nicht ganz ohne öffentliche Zuschüsse realisierbar. Wir sind für die erfahrene Unterstützung sehr dankbar und freuen uns, dass der PLATZHIRSCH 2015 zum 3. Mal über den Dellplatz röhren wird.

 

 

Antrag Nr. 6: 360° - LEBEN IM ONLINE-MODUS - Brigitta Gillessen , Düsseldorf

 

Projektverlauf

Recherche und Stückentwicklung: April bis Mai 2014

Unter der Leitung von Nina Dogan wurde im DRK-Jugendzentrum Wenden ein Workshop mit Jugendlichen (12-16 Jahre) durchgeführt, der auf mehrere Nachmittage verteilt war. Eva Hevicke leitete den Düsseldorf-Workshop mit Jugendlichen einer Theater-AG (14-18 Jahre). In diesen Workshops wurde mit den Jugendlichen zunächst thematisch zum Thema Internet, Privatsphäre im Netz, Soziale Netzwerke und Zukunft der digitalen Welt gearbeitet. In Form von Interviews und spielerischen Übungen wurden Ideen für eine zukünftige Welt gesammelt, die dann die Grundlage für das Buch von „360“ wurde. Außerdem entwickelten die Jugendlichen durch schauspielerische Improvisationsspiele und Übungen zum Storytelling verschiedene Figuren und Situationen, die ihre Erfahrungen im Netz widerspiegelten.

 

Proben-/ Drehbeginn: 29.04.2014

Durch die Verzahnung der Buchentwicklung und der Proben mit den Schauspielern wurden die verschiedenen Einflüsse aus dem Team zusammengeführt. Die erzählerische Grundform des Stücks mit körperlosen Algorithmen als Sprecher, die durch die Liebesgeschichte der beiden Hauptfiguren führte und die Zuschauer in intime Details über ihr Leben einweihte, war vorgegeben und wurde nun durch konkrete Szenen gefüllt.

Als Schauspieler konnten wir den im Jugendtheater erfahrenen Oliver El-Fayoumy und Maike Raschke gewinnen. Als Sprecher für die Algorithmen engagierten wir zum Teil ältere, zum Teil jüngere Schauspieler, um die Stimmenvielfalt der Algorithmen möglichst groß anzulegen.

In den Videoclips agierten sowohl die beiden Hauptfiguren als auch semi-professionelle Darsteller aus Düsseldorf und Jugendliche aus den Workshops.

 

Premiere: 05.06.2014 im Spektakulum Düsseldorf

Vorstellungen: 06.06.2014 (2) und 23.07.2014 (2) im Spektakulum Düsseldorf, 08.05.2015 bei den Kleinen Festspielen Bad Hersfeld, weitere in Planung (Gastspiele in NRW, Niedersachsen)

 

Projekt-Teilnehmerinnen und -Teilnehmer

Brigitta Gillessen (Regie, Buch, Produktion, Videos)

Nina Dogan (Theaterpädagogik, Buch, Produktion)

Eva Hevicke (Co-Regie, Dramaturgie)

Ute Lindenbeck (Ausstattung)

Markus Apitius (Musik, Ton)

Christiane Reichert (Regie-Assistenz)

Maike Raschke (Schauspiel)

Oliver El-Fayoumy (Schauspiel)

Corinna Nilson (Sprecher)

Patrick Bartsch (Sprecher)

Svenja Schaffrath (Sprecher)

Slim Weidenfeld (Sprecher)

Tim Schneider (Kamera, technische Beratung Videos)

Elisabeth Mader (Grafiken für Videos)

Alexandra Schmidt (PR, Öffentlichkeitsarbeit)

Peter Kierzkowski (Fotografie)

Jugendliche aus dem DRK-Jugendzentrum Wenden und des Marie-Curie-Gymnasiums Düsseldorf

 

Veranstaltungsorte

Spektakulum Düsseldorf

DRK-Jugendzentrum Wenden

Bahnhof Langendreer Bochum

Fritz-Henßler-Haus Dortmund

Festivals, Schulen und Jugendfreizeiteinrichtungen in NRW, Niedersachsen und Hessen

 

Werbung, Öffentlichkeitsarbeit

Flyer, Plakate, Handzettel (anstelle eines Programmhefts)

Dokumentation

Fotos der Generalprobe

Video-Mitschnitt der Premiere

 

Besonderheiten im Projektverlauf

Durch die Beratung des Datenschutz-Experten Thomas Floß konnten während der

Stückentwicklung zahlreiche Fragen geklärt werden (was ist technisch heute schon möglich, welche Tracking- und Überwachungsmethoden werden heute schon angewandt?). Thomas Floß begleitete auch die Nachgespräche mit den Jugendlichen und beantwortete ihre Fragen zum Thema Datensicherheit und Schutz der Privatsphäre.

 

Resonanz

230 Zuschauer in den ersten 3 Vorstellungen (Juni 2014), Auslastung ca. 84%

 

Selbsteinschätzung und Perspektiven

Das Stück und die Inszenierung entwickelte die Ästhetik weiter, die wir in unseren letzten Produktionen angewendet hatten. Durch die enge Verzahnung von Bühnendarstellung mit den Video- und Toneinspielungen erzielten wir eine Erzählweise, die das Erleben im Internet abbildet (Verlinkungen, Pop ups, Videoschnipsel, Clips und Fotos) und schufen gleichzeitig eine dem Roman entlehnte Erzählform, in denen die Algorithmen als Erzählerstimmen allgegenwärtig und allwissend auf das Geschehen blickten.

Sowohl das jugendliche Publikum (ab 13 Jahren) als auch das erwachsene Publikum folgte der Liebesgeschichte mit Spannung und ließen sich in das Zukunftsszenario (das gar nicht so fern ist) versetzen.

Der Datenschutz-Experte Thomas Floß, der uns in der Vorbereitung und während der Probenphase beriet, plant eine längerfristige Zusammenarbeit mit acting up, um das Stück im Rahmen seiner Info-veranstaltungen an Schulen zeigen zu können.

Frau Maurer vom Kultursekretariat NRW für Junges Theater hat die Premiere besucht, und sie hat das Stück als Jugendtheater des Monats vorgeschlagen.

 

Medienberichte

Vorberichte in: Westdeutsche Zeitung, Rheinische Post, Biograph, In Düsseldorf, Libelle, Coolibri

 

Planungen

2 weitere Vorstellungen im Spektakulum Düsseldorf am 23.07.2014 (im Rahmen der

Düsselferien, gefördert durch das Jugendamt Düsseldorf)

 

Gastspiel am 08.05.2015 bei den Kleinen Festspielen Bad Hersfeld (bereits zugesagt)

Gastspiele im DRK-Jugendzentrum Wenden, Bahnhof Langendreer Bochum, Fritz-Henßler-

Haus Dortmund u.a. (Termine sind noch in Planung)

 

 

Antrag Nr. 26: Gasthof Worringer Platz 2014 – Capacity/Oliver Gather Andrea Knobloch, Düsseldorf

 

Durchgeführt wurden 12 Veranstaltungen mit unterschiedlichen Kooperationspartnern

sowie eine 8-teilige Konzert- und Performance-Reihe.

 

1. FERNSEHZIMMER – Rückblick auf das Jahresprogramm 2013 des Gasthofs Worringer Platz, April – November 2014

2. ANOTHER PLACE / ANOTHER SPACE / TOGETHER - Off- und Projekträume in Düsseldorf, Ausstellung im Rahmen der Quadriennale 2014 kuratiert von Karl Heinz Rummeny, Mai/Juni 2014

3. VORPLATZ - Fliegende Monumente – Rien ne va plus, in-situ Installation von Tilmann Meyer-Faje

(Amsterdam), Mai 2014

4. ZIMMER 003 – Lesezeichen - Ausstellung in den Zimmern des Hotels friends Düsseldorf, Performance „Lesezeichen lesen“ mit Daniel Cermann (Düsseldorfer Schauspielhaus) in der REZEPTION - Juni 2014 – 31. März 2015

5. DACHTERRASSE – Coffee Tables Nr. 26-37, Außeninstallation von Alfons Knogl (Köln), Juli – Oktober 2014

6. GASTGARTEN – Teil 1 - Das Safranfeld – Blütenspekulation, Safran-Verteilung, Projekt von Reinhard Krehl (Leipzig), Juli 2014

7. GASTSTUBE – Teil 1 - African Cotton – Workshop, Projekt von Silke Riechert (Berlin), Augist 2014

8. GASTSTUBE – Teil 2 - African Cotton – Vortrag, Projekt von Silke Riechert (Berlin), Augist 2014

9. GASTGARTEN – Teil 2 - Das Safranfeld – Blütenspekulation, Vortrag, Projekt von Reinhard Krehl (Leipzig), Augist 2014

10. GASTSTUBE – Teil 3 - African Cotton – Ausstellung und Film, Projekt von Silke Riechert (Berlin), Augist

2014

11. MUSIKSALON - Le Spectacle in Düsseldorf, Ausstellung und Performance von Levent Kunt (Frankfurt), - September/Oktober 2014

Filmprojektionen im FERNSEHZIMMER und der REZEPTION, durchgeführt von den Kunstfilmtagen Düsseldorf, November 2014

12. GASTGARTEN – Teil 3 - Das Safranfeld – Blütenspekulation, Safran-Dinner, Projekt von Reinhard Krehl (Leipzig), - November 2014

13. FERNSEHZIMMER – Fest - Beiträge von Josef Schulz, DUOLicious, Alexandra Kaczmarzewska, Denise de Winter (Katharina Maderthaner) und Christian Schreckenberger, Dezember 2014

14. KAMMERMUSIK – Konzert- und Performancereihe - 8 Veranstaltungen zwischen April und Oktober 2014

 

Worringer Platz

ZIELE – Was wir uns vorgenommen haben:

- Kunst an unvermuteten Orten zwischen alltäglichen Routinen entfalten,

- überraschende Begegnungen anstiften, in dem wir Kooperationen zwischen Künstler/innen, Nachbarn, Immobilien- und Geschäftsinhabern sowie Kulturinstitutionen initiieren,

- festgefahrene Abgrenzungen durchlässiger machen,

- Stadtentwicklungsprozesse begleiten und künstlerische Kompetenzen einbringen,

- die Qualitäten und Potentiale von städtischem, öffentlichem (Alltags-)Raum am

 Beispiel des Worringer Platz mit künstlerischen Mitteln entdecken und stadtöffentlich ins Gespräch bringen

 

BERICHT

Programmänderungen

KÜCHE: Im Frühjahr 2014 erreichte uns die Absage des Projekts „Abendbrotforschung“.

Die eingeladene Künstlergruppe Günther/Wagner aus Gießen musste aufgrund ihrer Berufung zu einer Gastprofessur aus terminlichen Gründen verzichten. Arpad Dobriban, den wir alternativ angefragt haben, konnte den angebotenen Termin nicht wahrnehmen, hat aber für 2015 zugesagt. Da wir zeitgleich die Einladung zur Quadriennale Schau Another erhielten, haben wir das zugesagte Budget der Veranstaltung KÜCHE übertragen, um die Düsseldorfer Künstler/innen Gabriele Horndasch, Kai Rheineck und Josef Schulz zu In-Situ-Installationen im Rahmen des Beitrags des Gasthofs Worringer Platz einladen zu können.

ZIMMER 004 : Die für den Herbst 2014 vorgesehene vierte ZIMMER- Ausstellung im Hotel friends musste zunächst aufgrund von Umbau-Maßnahmen im Hotel auf das Frühjahr 2915 verschoben werden. Leider war es aufgrund von Termin-Problemen dann nicht mehr möglich, das Projekt bis Ende März 2015 durchzuführen. Wir werden das Budget für diese Veranstaltung zurück erstatten.

DACHTERRASSE : Zusätzlich durchgeführt haben wir die Veranstaltung „DACHTERRASSE“,

die in Kooperation mit Studierenden der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf und dem Hotel friends ermöglicht werden konnte.

 

RESÜMEE

Im Jahr 2014 konnten wir wieder vielerlei Kooperationen mit Platzanliegern (Grüne Insel,

Ticket-Center im Düsseldorfer Fernbusbahnhof, Hotel friends, Konditorei Radin, Piccadilly

Stoffmarkt, Eis-Café Stefan) realisieren. Zudem haben wir gemeinsam mit Studierenden

der FH Niederrhein (GASTSTUBE) und der Heinrich-Heine Universität Düsseldorf (DACHTERRASSE)

Projekte umgesetzt. REZEPTION und FERNSEHZIMMER waren im November 2014 Veranstaltungsorte der Kunstfilmtage.

 

AUSBLICK 2015

In diesem Jahr möchten wir die Räumlichkeiten des Gasthofs wiederum erweitern und planen die Eröffnung des LESEZIMMERs, des WEINKELLERs und der KÜCHE. Zunächst steht aber die Realisierung der zweiten Ausgabe des Fliegenden Monuments auf unserem VORPLATZ an und am Ende des Jahres möchten wir in unserer REZEPTION eine raumgreifende Videoinstallation realisieren.

Unsere ZIMMER-Reihe in Kooperation mit dem Hotel friends wird im Jahr 2015 von Wilko Austermann (Studiengang Kunstgeschichte, Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf) übernommen und eigenständig weitergeführt. Ebenso wurde die KAMMERMUSIKREIHE von der Düsseldorfer Künstlerin Frauke Berg übernommen und unter einem eigenen Label als Klangkunstreihe mit Konzerten und Performances neu aufgelegt. Spielort bleibt die REZEPTION, die wir ihr zu diesem Zweck temporär überlassen. Das FERNSEHZIMMER soll ebenfalls unter der Regie eines unabhängigen Kurators verstetigt werden. Erste Gespräche dazu sind bereits angelaufen.

Wir bedanken uns sehr für Ihr Vertrauen, das uns die Möglichkeit gegeben hat, den Gasthof Worringer Platz als künstlerisches Projekt mit großer Integrität und Intensität zu entwickeln!

 

 

Antrag Nr. 21: Jugendwiderstand – zakk, Düsseldorf

 

„Jugendwiderstand – auf der Spur von Jugendwiderstandsgruppen“

 

Zielgruppe des Projektes waren Jugendliche/junge Erwachsene im Alter von 14.-27. Jahren. Seit acht Jahren findet schon in Düsseldorf das Edelweißpiratenfestival statt, immer mit einer neuen Themensetzung und doch mit einer Botschaft: Schau über den Tellerrand, mische Dich ein und zeige der Gesellschaft, dass Du eine Meinung hast – reflektiere, bilde und entscheide für Dich, aber auch für unsere Gesellschaft, um das Leben lebenswert zu gestalten. Auch in diesem Jahr sollen die Jugendlichen/Jungen Erwachsenen dieses Festival unterstützen und organisieren. Wichtig dabei ist uns nicht nur das Organisieren der Bands, sondern der geschichtliche Hintergrund und das Bewusstsein für ein gesellschaftspolitisches Thema. In Gedenken an die Edelweißpiraten haben wir gemeinsam mit den Jugendlichen/Jungen Erwachsenen folgende Fragen gestellt: Wie und warum haben sich die Edelweißpiraten positioniert? Wie würden sich die Jugendlichen/Jungen Erwachsenen heute positionieren und welche Aspekte/Themen sind wichtig? Und wie können demokratische Strukturen genutzt werden? Welche Wege sind entscheidend? Welche Kriterien sind für mich wichtig? Welche Rolle spielten die Jungen Erwachsenen in der Türkei, Ägypten und wo sind die Jungen Erwachsenen, Jugendlichen in der Ukraine? Wie formieren sich Proteste und welche Möglichkeiten haben wir in der heutigen Zeit uns diesen Formen zu stellen?

 

Zu der Zeit als wir in die Planung für das Festival gegangen sind, waren die Zeitungen und Medien voll mit Protestberichten aus der Türkei, Ägypten, Syrien und der Ukraine. Immer wieder gab es Äußerungen von Politikerinnen, Politiker, Hochschulprofessoren oder Auslandsjournalisten. Wenige Jugendlichen und Beteiligte aus dem Land bekamen Gehör und wenige Blogs, Twitteracounts wurden zitiert. Aber doch gerade junge Menschen Beschäftigen sich mit den Ungerechtigkeiten dieser Welt, mit Fragestellungen wie in eine Gesellschaft gelebt werden kann und wie man selbst Leben möchte.

Diesen Drang nach Antworten wollten wir in dem Projekt behalten. Den Menschen in der Organisation, bei der Verpflichtung von Künstler_innen darauf aufmerksam machen, dass dieses Festival dazu da ist, Mut zu machen, über den Tellerrand zu schauen, war und ist mit eine Hauptaufgabe bei dem Projekt.


Es wurde ein Festival mit Bands organisiert, es wurden Bands auf der Bühne gefragt, ob und wie sich die einzelnen Musiker_innen mit gesellschaftspolitischen Themen auseinander setzen, welche Mittel und Wege es gibt, um sich einzubringen. Es wurden Informationsstände aufgebaut, es wurden Möglichkeiten aufgezeigt: Streetart, Grafitti. Welchen Ausdruck zeigt Rap, Hiphop in der Musik.

 

Die Jugendlichen/Jungen Erwachsenen haben gemeinsam das Denken und Handeln für unsere Gesellschaft diskutiert. Haben ihre eigenen Kommunikationsmöglichkeiten diskutiert und auch die Ausdrucksweise von Werbung thematisiert. So kam es innerhalb der Gruppe kurz vor dem Festival zu einer Debatte: Wieso ist das Plakat so geworden, wie es geworden ist? Warum ist der Pirat männlich? Wo waren die Frauen in der Gruppe der Edelweißpiraten? Und wieso wird das auf dem Plakat nicht dargestellt? Bei den heutigen Protesten werden überwiegend Gruppen/ Platzbesetzungen gezeigt. Aber wer bloggt eigentlich? Wo sind in heutigen Prozessen die Geschlechtertrennungen sichtbar? Sind sie das eigentlich noch?

 

Die Veranstaltungen fanden im zakk Düsseldorf sowie in der Jugendfreizeiteinrichtungen EJUZO statt.

 

 

Antrag Nr. 9: Slam Poetry – Ausblick Rückblick – Poetry Slam Szene NRW, Düsseldorf

 

Poetry Slam gehört schon seit einigen Jahren zu den erfolgreichen Vermittlungsformaten in der Literatur. Was vor 20 Jahren (2014 feiert Poetry Slam 20jähriges Bestehen im deutschsprachigen Gebiet) in kleinen Kneipen, Kulturzentren anfing, steht jetzt vor vielen wegweisenden Fragen, Diskussionen innerhalb der Slam Szene. Fragen nach Professionalisierung, Mainstream oder aber auch dem literarischen Genre stehen der Slam-Szene immer wieder bevor. Slam-Poet_innen verdienen auf der Slambühne kein Honorar, erhalten Fahrtkosten und eine Unterkunft, aber wie lange kann und wird die Szene dem noch standhalten können? Wie können Schnittstellen zwischen Erhalt des Undergroundformates und der Nachfrage von etablierten Häusern wie Schauspielhäusern nach einen eigenen Slam beantwortet werden? Wie gehen wir mit der Frage der Auswahl, Qualifizierung der Texte und der Auswahl von Veranstaltern um? Können wir die „Basisdemokratie des Publikums weiterhin erhalten und wie grenzen wir uns von Veranstaltern, die das nicht machen möchten, ab?“

 

Dieser Aufgabe, Slam Poetry 2014 kritisch, nachhaltig und generationsübergreifend zu begleiten, haben wir uns 2014 gestellt. Das erste Vorbereitungstreffen haben wir in Münster in einer kleinen Arbeitsgruppe vorbereitet. Andreas Weber, Karsten Strack, Markim Pause, Christine Brinkmann und Andy Strauss haben die Vorbereitungen für das Projekt übernommen. Allen Beteiligten war direkt klar, dass wir eine große Diskussionsrunde mit möglichst vielen Beteiligten aus NRW machen wollen. Der Termin, um eine große Gruppe an Menschen und auch Kosten zu sparen war, schnell gesetzt: die NRW Meisterschaften in Mönchengladbach sollten das Forum dafür sein. Bei den NRW Meisterschaften erreichten wir ca. 100 Menschen, die aktiv auf oder hinter der Bühne an dem Format Slam Poetry arbeiten.

 

Die Fragen, welche wir uns nach dem ersten Treffen stellten, waren folgende:

- U20 Förderung & Forderung, welche gemeinsamen Wege können wir in NRW bestreiten?

- Aufwandsentschädigung, Gagen und/oder Honorare, wie können/wollen wir evtl. gemeinsam auftreten? Fahrtkostenregelungen sollen nicht die zukünftigen heimlichen Honorare werden!

- NRW Potential, Professionalisierung und trotzdem bei der Grundidee des Slams bleiben!

- viele kleine neue Slamgenres: Science Slam, Singersongwriterslam undundund: können, wollen oder müssen wir uns diesen Themen widmen?

- gemeinsamer Internetauftritt: können wir einen gemeinsamen Auftritt hinbekommen, mit Terminkalenderfunktion für Slammer? Aber auch Infos rund um die Werkstätten, welche es schon gibt? Für Slammer, für Neueinsteiger_innen, für Pädagog_innen?!?

 

Mit diesen Aufträgen und Fragestellungen sind alle in Ihre regionalen Orte gefahren, um auch hier schon mit den Slam Poet_innen und Veranstaltern zu sprechen. Der Anfang war gemacht. Viele weitere Absprachen wurden für die Vorbereitung der NRW Meisterschaften per Mail, Telefon und auch Slam Veranstaltungen weiter verfolgt. Auch so konnten die Kosten für die Vorbereitung eingespart werden, um eine aktive Debatte im Slam stattfinden zu lassen.

 

Die Diskussion im September schaffte dann eine Grundlage und einige Antworten auf unsere Fragen. Viele Poet_innen aus der Nachwuchsszene kennen die Geschichte des Slam Poetrys nicht wirklich. Haben sich nicht damit beschäftigt und sehen den Wettbewerb auf eine „zu“ professionelle Ebene. Junge Starter_innen werden in Workshops und aus freien Stücken auf Slam Poetry aufmerksam, möchten die Texte vorstellen und genießen die Atmosphäre innerhalb der Slam Szene. Warum, wieso und woher diese eigentlich kommt, wird nur in Gesprächen vermittelt und auch die Slams werden über weitere Slams bekannt gegeben bzw. empfohlen. Slam Poetry hat sich in den letzten Jahren zu einem sehr beliebten Format entwickelt und neue Starterinnen und Starter stehen auf den Bühnen. Dieser Schnelligkeit hinterher zu kommen, die Vermittlung der Entstehung und Ziele der zukünftigen wie auch vergangenen Arbeit zu vermitteln, wollen wir durch die Webpräsenz auffangen. Dies zeigte auch die 3h Debatte beim Slammaster Meeting in Mönchengladbach im September 2014. Die Poet_innen wünschen sich eine Wissensvermittlung, einen Hinweis auf die Geschichte und Ansprechpersonen, um den jungen literarischen Nachwuchs eine Basis, eine Plattform zu bieten. Welche Standorte und Personen sind schon lange dabei und veranstalten nicht nur einen Slam, sondern können auch etwas zu der Geschichte sagen? Welche Autorinnen und Autoren sind mit dem literarischen Nachwuchs im Gespräch – durch Schreibwerkstätten, Nachwuchsformate oder Schulveranstaltungen?

 

Eine Science Slam Debatte zeigte, wie wichtig die Vermittlung von Geschichte und der Auseinandersetzung mit dem Format ist. Slam zeichnete sich dadurch aus, dass gerade die Honorarforderung nicht der Bestandteil des Formates ist und der Ort der Veranstaltung mehr als wichtig ist. Ein Science Slam in einer Hochschule deckt nicht den Wunsch der Erfinder ab. Science Slam, Forschungen, Literatur soll genau an den Orten vermittelt werden, wo diese nicht standardmäßig weitergegeben werden. Ein Science Slam in einer Hochschule ist demnach nicht falsch, schafft aber keine Öffnung in eine Mehrheitsgesellschaft und nicht den Wunsch nach Partizipation und „Kultur für alle“.

 

Slam ist auf der Bühne sehr Basisnah, dieses konnten wir auch bei der Debatte vermitteln und wollten wir mit der eigenen NRW-Homepage weitergeben. Neben den thematischen Grundsatzrunden in Schreibwerkstätten, bei Slam Poetry Veranstaltungen und in Kulturzentren soll dieses Wissen auch in Zukunft vermittelt werden.

 

Wichtige Grundsätze an denen wir auch in Zukunft weiterhin festhalten wollen:

Poetry Slammer erhalten bei Slams keine Gage, brauchen aber Geld! Showslams sollen auch für Künstlerinnen und Künstler weiterhin eine Basis zum Geld verdienen sein. Regelmäßige Slams sollen aber auch in Zukunft nicht die Eintrittspreisdebatten sprengen, sondern weiterhin ein offenes und freies Format für Literatur aller Genres sein.

 

Neben der internen Debatte wurde sich auch die Frage gestellt, wie kreative Literatur- und Vortragsvermittlung in NRW als festen Bestandteil des Deutsch- und Literaturunterrichts etabliert werden kann? Und – vor allem - wie die Einbeziehung der Slam-Poet_innen, welche die Vermittlung authentisch lehren können, sinnvoll finanziert und vonstattengehen kann.

Hier wurden mit unterschiedlichen Stellen (Stadt, Land, Stiftungen, Arbeitsgemeinschaften) Gespräche geführt. Zum einen sind wir im Gespräch mit einer Arbeitsgemeinschaft und einer Stiftung, um für die Zukunft die Schreibwerkstätten weiterhin auszubauen und auch an Schulen eine stabile Möglichkeit zu erhalten, Slam und Literatur zu vermitteln. Hier kommt es uns nicht auf die Slam Texte in Form von 6 Minuten an, sondern darauf, junge Menschen zum Schreiben zu motivieren. Wir sehen uns nicht als pädagogische Lehrkräfte, welche Rechtschreibung und Grammatik vermitteln müssen und sollen, sondern als Künstler_innen, welche das Format, den Ansatz von kreativen Denken und Schaffen fördern soll.

 

Nach dem Projekt ist vor dem Projekt!

2014 haben wir mehr als gedacht innerhalb der Szene diskutiert und gesprochen. Die Vermittlung nach außen hat in kleinem, aber so gesagten feinem Kreis, stattgefunden. Selbstverständlich werden wir unsere Arbeit jetzt nicht ruhen lassen, sondern gemeinsam jetzt mit den politischen Vertreter_innen sprechen, um Literatur in den Schulen einen Raum zu geben. Auch werden wir jungen Nachwuchsautor_innen weiterhin in unsere Arbeit einbinden, damit diese schnell und unvoreingenommen von den Zielen der Slamarbeit überzeugt werden. Damit der Wettkampf weiterhin als „Showformat“ und nicht als „Wettbewerb“ betrachtet werden kann.

 

 

Antrag Nr. 9: Festival X – Denkodrom/Port - Verein für Kunstförderung e.V, Essen

 

Wir haben das Festival X gemacht und es war ein voller Erfolg. Wir konnten über 200 Gäste und mehr als 60 Beteiligte Künstlerinnen und Helferinnen zusammen bringen. Es ist uns gelungen, sowohl einen hohen künstlerischen Anspruch zu gewährleisten, als auch eine ungezwungene, offene und lockere Umgebung zu schaffen. Im Vorfeld des Festivals haben wir, ergänzend zum vorhandenen Konzept, gemeinsam beschlossen Künstlerinnen und Helferinnen zu animieren ihre Aufwandsentschädigungen zu spenden. Wir stehen als Organisationsteam im engen Kontakt mit den stadtpolitischen Aktivistinnengruppen von der Kampagne AFFE in Essen und von AVANTI in Dortmund. Beide Gruppen haben nach ihren temporären Aneignungen von Leerständen in Essen und Dortmund unter der fehlenden Bereitschaft der jeweiligen Eigentümerinnen zu leiden, die Aktionen als Beitrag zur Debatte über politische Teilhabe, Quartiersentwicklung und Eigentumsfragen (kurz: "Recht auf Stadt") zu lesen. Die Eigentümerinnen klammern sich an die formal-juristischen Kategorien von "Hausfriedensbruch" und verursachen so bei den Aktivistinnen Kosten. Diese Kosten aufzufangen und zeitgleich neue Aktionen finanziell zu unterstützen, war der Grund das Festival X zu einem "Soli-Festival für Freiräume" zu machen. Diese Ergänzung führte dazu, dass sich weit mehr Menschen als erwartet an der Organisation und Durchführung des Festivals beteiligten. Benötigte Infrastruktur wurde solidarisch zusammen gebracht und das Festival mit Aktionen bereichert: Es fand ein "Transparent-Mal-Workshop" statt. Es wurde für alle Festival Besucherinnen und Künstlerinnen gekocht. Auf und Abbau der Veranstaltung konnte Ressourcen schonend von zeitweise 20 Personen gemacht werden. Es war eine tolle, grenzüberschreitende Veranstaltung. 

 

 

Antrag Nr. 11: Deutsch-Türkische Komödie – Kulturzentrum Grend, Essen

 

Produktion “Zehra Kefir und die Wunder der Stadt“ 2014

Das Stück „Zehra Kefir und die Wunder der Stadt“ von Markus Andrae setzt sich auf komödiantische Art und Weise mit der Geschichte der Stadt und dem Migrationshintergrund der Stadt auseinander. Nach „Hochzeit alla turca“ und „Herr Scheitel sein Halbmondsalon“ ist es die dritte Komödie im Theater Freudenhaus, die das Zusammenleben von Deutschen und Türken im Ruhrgebiet zum Thema macht.

Die Proben zur Produktion fanden ab 16. September bis zum 3. September statt. Bei den Proben wirkten die 5 Darsteller (Sermin Kayik, Stefanie Otten, Bainer Besel, Mike Turner, Wolfgang Wirringa), der Regisseur Markus Andrae, die Regieassistentin Pia Pannenbäcker und zwei Techniker (für techn. Durchläufe, Lichteinrichtung, Hauptproben, Generalprobe) mit.

Die Premiere fand am 4.9.14 im ausverkauften Theater Freudenhaus statt.

2014 wurde „Zehra Kefir und die Wunder der Stadt“ 10 mal im Theater Freudenhaus gezeigt. Das Stück steht mit durchschnittlich 3 Vorstellungen pro Monat auch 2015 auf dem Spielplan des Theaters.

Die Essener Tages- und Wochenzeitungen, die Monatsmagazine der Region sowie Hörfunk und Fernsehen wurden informiert und zu einer Pressekonferenz eingeladen.

Insbesondere die türkischstämmige Protagonistin des Stückes (Sermin Kayik) wurde mehrfach zu Radiointerviews angefragt.

 

Für die Werbung wurden ein Plakat und ein Flyer in deutsch-türkischer Sprache entworfen und gedruckt. Die Produktion wurde im Programmflyer des Theaters beworben und im Festival-Flyer des deutsch-türkischen Literaturfestivals „Literatürk“.

 

Die eingeplante Projektförderung durch den Fonds Darstellende Künste konnte nicht realisiert werden. Die fehlenden Einnahmen wurden durch Einsparungen bei der Durchführung sowie durch die Erhöhung des Eigenanteils aufgefangen.

 

 

Antrag Nr. 12: Kinderferienprojekt – Kulturzentrum Grend, Essen

 

„Im Zauberwald, da tut sich was oder Rotkäppchen trifft Sindbad“

Zeitraum: 7. Juli – 11. Juli 2014 und 14. Juli – 18. Juli 2014, 10.00 -16.00 Uhr

Projektleitung: Marie Krücke

 

Konzept: Mit Kindern im Alter von 6-11 Jahren sollte ein Märchenmusical einstudiert werden. Dabei sollten die Musicalschwerpunkte Schauspiel, Tanz und Gesang vermittelt und ausprobiert werden. Ein vorher festgelegter Dramaturgierahmen mit der Rahmenhandlung Sindbad verirrt sich im Grimmschen Märchenwald und bringt dort die klassischen deutschen Märchen durcheinander, sollte im Laufe der Woche mit den Kindern erarbeitet und entwickelt werden.

 

Montags:

Nachdem sich am Montag alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer im Bewegungsraum eingefunden hatten, konnten wir jeweils unsere Theaterferienwoche starten. Nach der Begrüßung der Kinder spielten wir das Kennenlernspiel „Mein rechter Platz ist frei“ bei dem die Namen der jeweiligen Teilnehmer und Teilnehmerinnen kennen gelernt werden sollten. Danach stellten wir mit den Kindern zusammen fest, was es eigentlich heißt, ein Musical auf die Bühne zu bringen. Wir klärten, dass sich das Genre Musical besonders durch die Bereiche Schauspiel, Tanz und Gesang auszeichnet und demnach in den Bereich des Musiktheaters einzuordnen ist. Da es uns am ersten Tag um das Kennenlernen der Kinder ging, wollten wir in kleineren Arbeitseinheiten herausfinden, welche Interessen und Fähigkeiten die TeilnehmerInnen bereits mitbringen. Somit teilten wir die gesamte Gruppe in drei Arbeitsgruppen ein. Das Leitungsteam hatte jeweils einen kleinen Workshop zu dem vorher festgelegten Musicalschwerpunkt vorbereitet. Jede Kleingruppe hat somit alle angebotenen Workshops einmal durchlaufen. Beim Improtheater ist vor allem die Spontanität, Kreativität und Spielfreude gefragt. In unterschiedlichen Szenen wurde den Kindern die Möglichkeit geboten, sich im Schauspiel kreativ auszuprobieren. Im Tanzworkshop wurde den Kindern das Märchen Sindbad aus 1001 Nacht in einer körperlichen Geschichte näher gebracht, bei der die Kinder die unterschiedlichen Situationen der Geschichte am eigenen Körper erfahren konnten. Zudem probierten die Kinder die ersten Schritte für eine Choreographie aus, die auch später in die Dramaturgie der Aufführung passen könnten. Im Gesangsworkshop wurde zuerst ein kleines Einsingen gemacht, um die Stimme warm zu bekommen. Danach wurde das Lied von Sindbad dem Seefahrer einstudiert, dass auch als Teil der Aufführung geplant war. Nach der Workshop Phase folgte die Mittagspause. Nach der Mittagspause stellte das Leitungsteam den Kindern in groben Zügen das geplante Stück vor. Dazu wurden der festgelegte Dramaturgierahmen und die möglichen Sprechszenen vom Leitungsteam vorgelesen. Währenddessen wurden die vorkommenden Grimmschen und 1001 Märchen erläutert und Fragen zum Stück geklärt. Danach zeigten wir den Kindern die Kostümelemente, die für die unterschiedlichen Rollen bereitlagen. Die Kinder konnten daraufhin alle Requisiten und Kostüme anprobieren und auf einem Laufsteg wurde eine kleine Modenschau mit den Kostümierungen veranstaltet. Zum Abschluss schrieben die Kinder auf, welche Rollen im Stück sie sich vorstellen konnten zu spielen. Nachdem die Kinder von ihren Eltern abgeholt wurden, legte das Leitungsteam die Besetzungsliste für die Aufführung fest.

 

Dienstags:

Der Dienstagvormittag begann damit, dass wir die Rollenbesetzung des Stückes verkündet und diskutiert haben. Danach folgte unser morgendliches Aufwärmspiel „Bum Chicka Bum“. Daraufhin wurde die gesamte Gruppe in drei kleinere Arbeitsgruppen eingeteilt. Es wurden die ersten Szenen des Stückes geprobt und Sprechtexte gemeinsam entwickelt, in denen Sindbad auf Rotkäppchen im Grimmschen Märchenwald trifft und der Verlauf der klassischen grimmschen Märchen sich durch Sindbad, der aus der Märchensammlung 1001 Nacht stammt, verändert. Währenddessen wurde die Waldchoreographie eingeübt, in der mehrere Kinder mit Ästen ein tänzerisches Waldbild erarbeiteten. In der Gesangsgruppe wurde nach einer Einsingphase das Lied der Prinzessin auf der Erbse einstudiert. Nachdem die einzelnen Sequenzen einzeln einstudiert waren, wurde die erste Szene mit der Waldchoreographie zusammengesetzt. Danach wurde eine Bewegungsabfolge für das Lied der Prinzessin auf der Erbse gemeinsam mit den Kindern erarbeitet. Es folgte die Mittagspause. Nach der Mittagspause wurden die nächsten Szenen und Szenenelemente einzeln erprobt. Dazu zählten ein Schleiertanz zu orientalischer Musik und das Lied der Bremer Stadtmusikanten, das gesanglich einstudiert wurde. Zum Abschluss wurden die Szenen und Szenenelemente, die im Laufe des Tages schon fertig gestellt wurden, den anderen TeilnehmerInnen vorgestellt. Es folgte noch eine kurze Feedbackrunde, in der jedes Kind seine Wünsche und sein Wohlbefinden äußern konnte.

 

Mittwochs:

Der Mittwochvormittag begann wie immer mit unserem Aufwärmspiel. Danach folgte die Probeneinteilung der Kinder in die Aufgabenbereiche Schauspiel, Tanz und Gesang. Im Bereich Schauspiel wurden chronologisch am Dramaturgierahmen die noch offen stehenden Szenen geprobt, es wurden weiterhin Rollentexte erarbeitet und Sprechproben gemacht. Im Tanz wurde der Schleiertanz weiter entwickelt und im Gesang das Lied der von Rumpelstilzchen neu einstudiert. Danach wurden schon geprobte Lieder und Tänze wiederholt. Zwischendurch wurden einige theaterpädagogische Spiele gespielt, die das Gruppenverhältnis stärken sollten und auch die Kreativität der Kinder fördern sollten. Nach der Mittagspause wurden die Elemente von Schauspiel, Tanz und Gesang in den Szenensequenzen zusammengebaut und zum Schluss alles präsentiert, was bisher erarbeitet wurde. Es folgte wieder eine Abschlussrunde, in der der nächste Tag und die weiteren Proben besprochen wurden.

 

Donnerstags:

Nach unserem Aufwärmspiel begann der Donnerstagvormittag mit den Proben der letzten Szenen und der Wiederholung der einzelnen Tänze und Lieder. Zudem wurde für das Rumpelstilzchenlied eine Feuerchoreographie mit roten, gelben und orangen Tüchern erarbeitet. Daraufhin wurde das gesamte Stück von Anfang bis Ende in einer Durchlaufprobe auf die Bühne gebracht. Probleme, Ergänzungen und Verbesserungen wurden nach der Durchlaufprobe mit allen besprochen. Zudem wurde über die Kostümierung und die Requisiten diskutiert und für alle Kinder Kostüme festgelegt. Hier mussten Veränderungen, Kürzungen usw. vorgenommen werden, damit jedem Kind ein passendes Kostüm zur Verfügung stand. Die Bühnenbilder wurden fertiggestellt. Nach der Mittagspause wurde eine Probeneinheit mit dem Pianisten, der die Lieder am Klavier begleitete durchgeführt. Nachdem alle Lieder im Einzelnen geprobt wurden, wurde eine weitere Durchlaufprobe des gesamten Stückes mit dem Pianisten durchgeführt. Zum Abschluss des Tages wurden alle offenen Fragen der Kinder beantwortet und eine letzte Kritik- und Feedbackrunde veranstaltet.

 

Freitags:

Am Freitagvormittag wurden die Restarbeiten an der Bühnenkulisse durchgeführt, das Licht, die Musik vom Band und die Powerpoint-Projektion mit den Hintergrundbildern eingerichtet. Währenddessen machten sich die Kinder mit unserem Aufwärmspiel fit für die anstehende Generalprobe. Nachdem alles eingerichtet und der Pianist auf Position war, konnte die Generalprobe beginnen. Die Kinder wurden vorher noch kostümiert und geschminkt, um sich in ihre jeweilige Rolle völlig hinein zu fühlen. Nach der Generalprobe folgte die Mittagspause. Danach lasen wir den Kindern ein Märchen vor, um die ansteigende Nervosität vor der Aufführung zu beruhigen.

 Nach einem kurzen Warm-up für das Stück, konnte die Aufführung des Märchenmusicals beginnen.

 

Die Aufführungen in beiden Projektwochen waren ein voller Erfolg und ein tolles Erlebnis für alle Beteiligten.

 

 

Antrag Nr. 13: Unlesbar/Literaturwerkstatt – Die Weberei gGmbH, Gütersloh

 

Schreiben kann jeder, in der stillen Kammer, am Computer, egal wo, egal mit welchem Schreibwerkzeug. Wenn ein Text, ein Gedicht, eine Schilderung dann an einen, an mehrere Leser gerät, wird es so richtig interessant. Was geschieht mit dem Text? Ist die Idee, die Jemand dazu gebracht hat, einen wie auch immer gearteten, gedachten Text zu Papier oder in einer Datei niederzuschreiben, noch erkennbar? Was „lesen“ Andere, welche Gedanken, Beobachtungen bleiben im Gedächtnis, lösen eine Reaktion aus?

 

Beschreibung, Durchführung

Unlesbar? - die Literatur Text Werkstatt basierte auf den langjährigen Erfahrungen des inzwischen ausgezeichneten Kulturveranstalters Kleine Bühne e.V. Gütersloh (Stern der Woche der NW) mit Poetry Slam, Improtheater und szenischen Lesungen. Aufgrund der wachsenden Nachfrage nach Lesungen sowie dem Austausch und der Durchführung von Seminaren zur Textproduktion konnten in der zweiten Jahreshälfte 2014 zehn regelmäßige moderierte Treffen durchgeführt werden.

Die Text Werkstatt war allen zugänglich, die kreativ schreiben und eine kompetente Unterstützung und Austausch suchen. Ihre offenen Werkstatt-Lesungen fanden jeweils am Sonntagnachmittag statt. Durch die festen und zeitlich ausgedehnten Termine wurde ein intensiver Kontakt unter den Schreibenden hergestellt bzw. gefestigt und ein lebhafter Austausch von Ideen, Herangehensweisen und Interpretationsmöglichkeiten ermöglicht.

Daneben und neben der kritischen Beschäftigung mit verschiedenen Genres sowie dem Redigieren von Texten wurde durch die moderierte und damit Grenzen setzende Kommunikation der Autoren und Autorinnen untereinander ein Forum für Literatur in der Region um Gütersloh herum geschaffen, das in dieser Form bisher fehlte. Kooperationen mit anderen Literaturkreisen, z.B. Lyddaratur der Werkstatt Bethel, Bielefeld, und der im Raum OWL erscheinenden Literaturzeitschrift "Tentakel" sowie kleineren Verlagen der Region (beispw. Lektora-Verlag, Paderborn) konnten angestoßen werden.

 

Ein wichtiger Schwerpunkt lag auf dem Zusammenspiel von „traditioneller“ Textproduktion und neuen publikatorischen Formen, die im Web 2.0 liegen. 

 

Durchführung der Veranstaltungsreihe

Die Planung und Durchführung oblag der freien Autorin und Literaturwissenschaftlerin Dr. Judith Krafczyk, die sich dabei einer Methode von Gabriele Rico (1937 – 2013) bediente. Das von der propagierte „Clustering“, das mittlerweile in unterschiedlichsten Situationen angewendet wird, eignet sich sehr gut, um erste Gedanken oder Ideen in Beziehungen zueinander zu bringen. Wie bei einer Mind Map nimmt man dabei an, dass kreative Impulse aus dem Zusammenwirken von bildlichem und begrifflichem Denken entstehen. Erklärt wird dies aus der Funktionsweise des Gehirns, wonach die linke Hälfte für begriffliches, die rechte für bildliches Denken zuständig ist. 

Ziel der Methode ist es, beide Hirnhälften für den Schreibprozess zu nutzen.

 

In der Werkstatt wurde auf die Unterstützung anerkannter Autoren und Literaten Wert gelegt, wie Annabella Eschengerd, Judith Krafczyk, Saskia Schulte, Karsten Strack, Matthias Bonisch und Horst Hensel.

Alle Termine von September bis November konnten planmäßig durchgeführt werden.

 

Nachhaltigkeit

Die Ergebnisse der Werkstatt wurden in einem Internet-Blog dokumentiert. Nur wenige Teilnehmer stimmten der Veröffentlichung ihrer noch unfertigen und teils überarbeitungsbedürftigen Texte nicht zu. Auf http://unlesbarblog.wordpress.com sind etwa zwei Drittel der Arbeitsergebnisse dokumentiert und bis zum Ende des Jahres 2016 weiterhin verfügbar.

Am Ende der Veranstaltungsreihe zeigte ein Großteil der Teilnehmer Interesse an einem Literaturstammtisch. Dieser ist inzwischen in der Weberei eingerichtet und diskutiert monatlich zwei Texte der sich dort zusammen findenden Autoren. Inzwischen umfasst die Mitgliederliste 18 Frauen und Männer aus dem lokalen Umfeld.

Zur Erweiterung der Teilnehmerliste hat eine Werkstatt beigetragen, die wir im ersten Halbjahr 2015 kurzfristig mit Förderung der Bürgerstiftung Gütersloh durchführen konnten. Zwölf Teilnehmern wurden dabei an neun Sonntagnachmittagen annähernd gleiche Angebote gemacht. Nach den Erfahrungen der ersten Reihe wurde allerdings die Moderation gestrafft. Etwas engere Grenzen trugen dann zu einer deutlichen Stärkung des inhaltlichen Niveaus bei. Andererseits war dann dort die Bereitschaft, unfertige Werke zu veröffentlichen, geringer.

 

Ausblick

Der Literatur-Stammtisch beschloss bei seiner letzten Zusammenkunft im Juni 2015, eine Antologie zu erarbeiten und mit in Frage kommenden Autoren ihrer Runde über veröffentlichungsfähige Themen bzw. Texte zu diskutieren. Arbeitstitel dieser Publikation: "Akte G". 

 

 

Antrag Nr. 17: Offene Bühne für lokale und regionale Bands im ländlichen OWL - JZ FlaFla, Herford

 

Im Rahmen einer Diskussion unter den ehrenamtlichen Mitarbeiter_innen unseres Hauses entstand die Idee, jungen Musikerinnen und Musikern sowie Theater- und Kleinkunstgruppen verstärkt eine Auftrittsmöglichkeit zu geben. In der Kleinstadt Herford und in der Region bestanden bislang zu wenig solcher Möglichkeiten, was sich in den letzten Jahren unseres Erachtens in einer zunehmend weniger abwechslungsreichen (sub-)kulturellen Landschaft ausgedrückt hat. Dieser Entwicklung haben wir nun mit dem „Projekt Offene Bühne für lokale und regionale Bands und Künstler_innen im ländlichen Ostwestfalen-Lippe“ erfolgreich entgegengewirkt. So wurde im Sommer und im zweiten Halbjahr 2014 an insgesamt 12 Terminen lokalen und regionalen Künstler_innen eine Auftrittsmöglichkeit geboten. Die von uns erhoffte Bereicherung des kulturellen Lebens in Herford und Umgebung sowie die Förderung lokaler und regionaler Künstler_innen wurde durch das Projekt „Offene Bühne“ erfolgreich angestoßen.

 

 

Antrag Nr. 16: Citizens vs. Work - Cat Cologne, Köln

 

Zu zwei Workshops sind in Köln neun internationale Kunst- und Kulturschaffende unter der Leitung von CAT Cologne e.V. zusammenkommen, um über künstlerische Ansätze zu sprechen, die Bürgerinnen und Bürger am Dialog über die Bedeutung von Arbeit beteiligen sollten. Die Künstler kamen aus Groningen (Holland), Istanbul (Türkei), Paris (Frankreich), Thessaloniki (Griechenland), Montreal (Kanada), New York (USA). Die Workshops fanden am 19./20.Juli und 25./26.Oktober statt. In der Zwischenzeit wurde von den Künstlern jeweils ein Projekt im eigenen Land umgesetzt.

So wurden beispielsweise in einem Roma Dorf bei Thessaloniki, im Norden Griechenlands, in dem etwa 300 Menschen unter prekären Bedingungen leben, Kindern folgende beiden Fragen gestellt: “Was ist Glück?” und “Was ist Arbeit?“. Die Antworten der Kinder wurden von dem Künstler Stawros Panagiotaki in einem kurzen Film zusammen getragen.

Hanna van Mourik Broekman, die Projektpartnerin und Regisseurin aus Groningen, beschreibt ihre methodische Vorgehensweise als “totales Theater”. Sie konzipierte mit Fragmenten aus dem “echten Leben” das Theaterstück „Citizens vs. Work: a play“ integriert. Detaillierte Informationen zu den übrigen Projekten der Künstler finden Sie unter www.catcologne.org/category/2014-citizen-vs-work/

Während im ersten Workshop der Austausch und die Planung der Projekte der Bürgerbeteiligung im Raum standen, wurden im zweiten Workshop die Ergebnisse präsentiert. Der zweite Workshop fand wie bereits der erste Workshop unter Beteiligung der Öffentlichkeit statt. Bürgerinnen und Bürger der Stadt Köln wurden zu Diskussionsrunden eingeladen und in Rollenspielen an der Umsetzung der Projekte beteiligt. Moderiert wurden beide Workshop vom Theaterregisseur Gregor Leschig.

Als Ergebnis des Projekts hatte am 14. Dezember der Film “Citizens vs. Work – der Film” in den Galerieräumen von CAT Cologne e.V. im Belgischen Viertel in Köln Premiere. Zur Filmpremiere waren Bürgerinnen und Bürger der Stadt Köln geladen. Der Eintritt war frei. Der Film dokumentiert die Workshops, die Projekte in den jeweiligen Partnerländern und bietet Hintergrundinformationen zur Vorgehensweise der Künstler, die in Interviews ihre künstlerische Arbeit beschreiben. Der Film steht seit Januar 2015 online verfügbar und kann kostenlos abgerufen werden: http://vimeo.com/117291743

Bereits während der Projektdurchführung wurde im Rahmen der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit laufend durch einen Newsletter, über die CAT Cologne Internetseite, die CAT Cologne Facebook Page und den CAT Cologne Twitter Account über die Meilensteine des Projekts berichtet. Außerdem wurde die Abschlussveranstaltung in dem Kölner Stadtmagazin "Stadt Revue" und dem Kölner Kulturblog "Art Blog Cologne" beworben. Darüber hinaus wurden alle Berichte auch auf der Englisch sprachigen Internetseite "Citizens vs. Work" in Englisch zur Verfügung gestellt https://citizensversuswork.wordpress.com/.

Als weiteres greifbares Ergebnis des Projekts wurde ein Katalog erstellt, der das Projekt dokumentiert und der über CAT Cologne e.V. erworben werden kann.

 

Antrag Nr. 15: clue – Inklusion im Zentrum – Werkhaus e.V., Krefeld

 

Mit Hilfe der Förderung der LAG Soziokultureller Zentren NRW konnten wir in 2014 folgende Veranstaltungen als Veranstalter und Partner im Südbahnhof durchführen:

 

Fachtagung Lebenshilfe Krefeld, 21.März 2014

Eine Schule für Alle: Miteinander Wachsen- Voneinander Profitieren.

Besucher 80

Kamingespräch, 15. April

Krefeld Mitte – Schulsterben und Inklusion. Welche Weichen stellen wir.

Besucher 12

Workshop während des frei- Festival, frei improvisierter Musik, 25.05.2014

workflow into – freie Improvisation, kommunale Kunst und Inklusion,

Christoph Irmer, Besucher 12

Normal kann jeder, wöchentliche Proben und Aufführungen, 06.06.2014 und

16.11.14, Herbstzeitmimen TN 12, Senioren-Theater, Besucher: 70 + 45

Musikalischer Vormittag und Musikalischer Salon, Mi. 03.09.2014 – 28.01.2015

Ø 6 – 10 TN

Musikalischer Vormittag oder musikalischer Salon ist ein regelmäßiges Angebot für alte Menschen aus dem betreuten Wohnen. Gezielt werden Einrichtungen und in den Einrichtungen Bewohner angesprochen, im Südbahnhof an einem musikalisches Angebot als Kombination von musikalischem Vortrag,

 

Präsentation von Filmausschnitten zu speziellen Stücken von Klassik bis Schlager und Musical, dem Gespräch und der aktiven Teilhabe.

Von einem Vormittags- und einem Nachmittagsangebot wird in 2015 das letztere weitergeführt.

 

Fazit: Großer Aufwand muss für die Netzwerkarbeit betrieben werden, aber es lohnt sich. Der Aufbau persönlicher Kontakte und die Auseinandersetzung über die Strukturen von Angeboten nehmen viel Raum ein.

Der logistische Aufwand besonders für betreuende Einrichtungen und deren Personal ist hoch, deren Gefühl und Einstellung, die „Experten“ zu sein, erfordert ein hohes Maß an Durchsetzung oder auch Akzeptanz.

 

Wichtig ist es, nicht nur ein „Strohfeuer“ zu entfachen, sondern kontinuierlich zu arbeiten. Das Abgleichen von Erwartungen, Unterstützung So entwickeln sich Vertrauen und Respekt.

Angebote, Kooperationen und Partnerschaften werden über den Projektzeitraum hinaus fortgesetzt.

 

 

Antrag Nr. 15: Grenzverschiebungen – Werkhaus e.V., Krefeld

 

Das Projekt Grenzverschiebung ist ein Film- und Kommunikationsprojekt mit in Deutschland lebenden Frauen Ukrainischer Herkunft erster und zweiter Generation.

Thema war der Ukrainekonflikt und der entstehende Ukrainekrieg mit Blick aus der Perspektive in Deutschland lebender Ukrainerinnen.

Untersucht werden sollte die Auswirkung des sich vollziehenden Zerfalls der Ukraine und der sich neu

entwickelnden Perspektive und Identifikation gegenüber der verlassenen Heimat im Krieg.

 

ERGEBNIS des Projektes ist eine filmisch dokumentarische Erzählung über die Suche nach der persönlichen Haltung in Deutschland lebender Ukrainischer Frauen bei gleichzeitiger Hilflosigkeit

gegenüber dem physischen Krieg und der Propaganda östlicher wie westlicher Medienberichterstattung. Mai/ Juni 2014 starteten wir unser Projekt Grenzverschiebung mit einem festen Team von 5 Personen, die maßgeblich an der Entwicklung des Projektes mitwirken sollten.

Das Projekt sollte transkulturell aufgebaut sein und sich im Arbeitsprozess entwickeln.

Mit dem Dokumentarfilmer Harald Brülls hatten wir einen fachlich kompetenten Partner aus dem Bereich Film. Frau Greshukina und Frau Slutska, im Werkhaus als Musikdozentinnen tätig, gehörten zum inneren Zirkel und fungierten als Scouts in die Community. Die Projektleitung lag bei Anja Jansen und Georg Dammer vom Werkhaus.

Hauptproblem des Projektes stellte von Anfang an die Bereitschaft zur offenen Meinungsäußerung dar. Schnell wurde bei der Suche nach Interviewpartnern klar, dass die ukrainische Diaspora stark polarisiert zwischen „prorussisch“ und „proukrainisch“ nicht bereit war, in einen öffentlichen Disput zu treten.

Über die gesamte Projektzeit, Ferienzeiten ausgenommen, traf sich das Projektteam zu Gesprächen, Auswertungen, Materialsichtung und anderem immer mittwochs für mind. 1 bis 3 Stunden. Dies war besonders wichtig, um auch im Team selber sehr kontroverse Haltungen zu besprechen und Emotionen zu teilen. Erster offizieller und allgemeiner Termin, um Gesprächspartner zu finden, war unser Kamingespräch am 04. Juni im Südbahnhof. Dieses Gespräch brachte uns in den Kontakt mit 5 jungen Frauen, die sich in der Initiative Maidan - Köln engagierten. Die Gespräche mit den jungen Frauen bildeten das Ausgangsmaterial für unseren Film.

Besuche bei einer Demonstration in Köln, Besuche in einem russischen Restaurant und original Filmmaterial aus Kiew, das von einer jungen Frau aus der Runde mit einer ihr mitgegebenen Kamera gedreht wurde, bilden den dokumentarischen Rahmen unserer Arbeit.

Ausschnitte aus Youtube-Filmen, die in großer Anzahl mit den gegensätzlichsten Botschaften, kursieren, wurden ebenfalls verwendet. Eine große Herausforderung war, die ohne Skript, alleine aus dem Moment oder der Gelegenheit heraus zusammengetragenen Bildmaterialien zu sichten und in eine Erzählung umzusetzen.

Dies wurde in vielen Teamgesprächen diskutiert und weiterentwickelt. Neben der Tatsache, dass sich das Projekt immer mehr erweiterte, was auch der Verschärfung des realen Krieges in der Ukraine geschuldet war, musste ebenfalls noch ein Festplattendefekt verkraftet werden, so dass der Schnitt des Films ein zweites Mal von vorne begonnen werden musste. Dies brachte den Zeitplan so durcheinander, dass der Film in ehrenamtlicher Arbeit zu Ende gebracht werden muss, was noch andauert.

Am Projekt beteiligt waren insgesamt 22 Personen in unterschiedlicher Intensität. Die Diskussionen und Gespräche wurden häufig mit großer emotionaler Wucht geführt. Der Film selber versucht jedoch eine neutrale Position einzunehmen und spart weitgehend individuelle Konfliktsituationen aus. Der Film selber will/ kann nicht neutral sein, denn er fragt nach Haltungen und deren Konsequenzen ohne jedoch die Protagonisten vorzuführen. Vieles schwingt im nicht Gesagten mit. Ergebnis ist ein ca. 20 min Film, der im Sommer 2015 fertig sein wird und dann öffentlich präsentiert wird. Weiteres Ergebnis ist eine intensive Zusammenarbeit des Werkhauses mit Menschen ukrainischer Herkunft, die über das Projekt hinaus erweitert und vertieft wird. Das Projekt ist in seiner Anlage und im filmischen Ergebnis ein sehr gelungenes Experiment künstlerischer Zusammenarbeit biografischer Art mit aktueller Thematik.

Menschlich und Inhaltlich hat das Projekt für alle Beteiligten einen großen individuellen Stellenwert entwickelt und eine fortdauernde politische Diskussion angestoßen.

 

 

Antrag Nr. 16: Corpus Delicti – Kulturausbesserungswerk, Leverkusen

 

Ein Science-Fiction Theaterprojekt des W.Erk-Theaters in Kooperation mit dem Jungen Theater Leverkusen

 

Inhalt

Deutschland, ein Hygienemärchen: Im Jahr 2056 gibt es keine Krankheiten mehr, die Umweltverschmutzung ist beseitigt. Elektroautos auf den Straßen und Luftschiffe am strahlendblauen Himmel, Solarzellen auf den Dächern und Warnschilder vor den letzten nicht ganz keimfreien Zonen (sprich vor der »freien Natur« außerhalb der Städte) prägen das Erscheinungsbild. Gegenseitige Berührungen sind unerwünscht, Trinken und Rauchen gelten als kriminelle Handlungen, Fortpflanzung findet nur nach der staatlich festgeschriebenen DNA-Kompatibilitätsüberprüfung statt – das alles hat METHODE.
Die herrschende Staatsform, eben die METHODE, erweist sich bei näherer Betrachtung als Sozialstaatsdiktatur in Reinkultur.

Zu ihrer Verteidigung steht der »Methodenschutz« parat, dessen Eingreifen jedoch kaum noch nötig ist, da der Großteil der Bevölkerung sich offensichtlich mit der METHODE arrangiert hat.


Da der Mensch jedoch auch in diesem System zuallererst »Mensch« (und damit »unvollkommen«) ist, gibt es natürlich auch Widerspruch und Widerstand – festgemacht an den unterschiedlichsten Gründen: dem Wunsch nach einer Zigarette, der Furcht vor staatlicher Dauerüberwachung, der Überzeugung, dass man ein »Recht auf Krankheit« habe , oder die Liebe zu einem »unpassenden« Partner, mit dem man zusammenleben und Kinder haben will.

 

Bericht

Wir haben von Oktober 2013 bis April 2014 kontinuierlich an diesem Science Fiction Theaterstück gearbeitet, das nicht nur für das Publikum, sondern auch für die 36 Akteure und Akteurinnen eine Herausforderung darstellte.

 

Die von Juli Zeh gewählte Thematik „Widerstand gegen ein übermächtiges System“, wurde diskutiert und ist in die Rollenarbeit eingeflossen.

Anhand der Konfrontation mit dem im Stück herrschenden System wurde immer wieder die Frage thematisiert, welche spezifisch menschlichen Eigenschaften den Menschen als solchen auszeichnen. Oder noch einfacher gesagt: Was macht den Menschen zum Menschen, wenn er nicht die Chance hat, sich in sich zurückzuziehen und einer ständigen Überwachung zu entkommen?

Wir konnten nicht nur den SchauspierInnen diese Frage näher bringen, sondern auch den zahlreichen ZuschauerInnen, was wir in Gesprächen im Anschluss an die Vorstellungen feststellen konnten.

 

Zielgruppe

Die Zielgruppe waren Jugendliche und junge Erwachsene aus Leverkusen und den umliegenden Städten. Wir hatten ein ausgewogenes Verhältnis zwischen jungen, mittelalten und älteren Menschen.

 

Umsetzung / Stab

Insgesamt waren 36 Personen an der Produktion beteiligt von denen 24 gespielt haben.

24 DarstellerInnen aus dem Jungen Theater Leverkusen und dem KAW

12 MitarbeiterInen hinter und vor der Bühne

Regie Petra Clemens

 

Corpus Delicti wurde als gemeinsames Projekt des W.Erk-Theaters und des Jungen Theater Leverkusen durchgeführt. Zusammen mit einigen Künstlern ohne Bezug zu den beiden Institutionen, die sich in beide Einrichtungen integriert haben.

Geprobt wurde im Jungen Theater und im KAW, so dass beide Probenorte von allen kennen- und schätzen gelernt wurden.

Die Gruppe ist schnell zusammengewachsen und die Konzepte der einzelnen Einrichtungen haben sich ergänzt.

Die gesamte kreative Energie der teilnehmenden Menschen konnte gebündelt werden und jeder hat im Rahmen seiner Möglichkeiten und Fähigkeiten alles dafür getan das Projekt möglich zu machen.

Leider konnten aufgrund der vielen TeilnehmerInnen nur 5 der geplanten 6 Aufführungen in der Halle des Kulturausbesserungswerks realisiert werden.

Die 24 unterschiedlich großen Rollen wurden zusammen mit der Regisseurin Petra Clemens und den Regieassistentinnen Claudia Konkel und Charlotte Spitzner erarbeitet.

Neben den schauspielerischen Herausforderungen gab es Aufgaben wie die technische Umsetzung und visuelle Realisierung des Bühnenbaus / Bühnenbild, Kostümbild, Requisitenerstellung, Maskenbild, Lichtgestaltung / Lichttechnik, Projektion, Animation einer Gesundheitsschautafel, Livegeräusche, Tongestaltung / Tontechnik, Komposition der Musik, Schauspielerkoordination während der Aufführung, Werbung/Presse, Videoaufnahme-Team und nicht zuletzt Betreuung der Vorstellungen an Kasse, Theke, Parkplatz und Einlass.

So entstand das Bühnenbild mit einem Teil des Künstlerduo Ranz&Dreck&Rost einer eigens gegründeten Bühnebau-AG.

Die Musik bzw. die Geräusche wurden live mit Schlagzeug und Gitarre und mit diversen Utensilien am Mikrophon eingespielt.

Die Comics wurden von dem Animationskünstler Frank Pingel erstellt.

 

Zeitplan

Vorbereitung: ab Oktober 2013

Casting, Planung: ab Oktober 2013

Proben: ab Januar 2014

Vorbereitungsphase, Bühnenbau, Kostüm, Maske, Licht, verdichtete Proben: Ab Februar 2014

 

5 Aufführungen: April 2014

5.4.2014 / 6.4.2014 / 11.4.2014 / 12.4.2014 / 13.4.2014

Alle 5 Aufführungen waren nahezu ausverkauft. Bei 76 möglichen Plätzen.

ZuschauerInnen insgesamt: ca. 370

Der Eintrittspreis betrug 5,- € ermäßigt / 10,-€.

 

Bühnenbild

Das komplette Bühnenbild war von der Farbe Weiß dominiert. Die „normale Bühne“ der Halle im KAW wurde abgebaut und durch vier Bühnen, an der Kopfseite der Veranstaltungshalle, ersetzt und zwei komplette weiße Rückwände gebaut, die wir aus dem Erholungshaus, dem Westdeutschen Theater Remscheid und von einem befreundeten Messebauer unentgeltlich leihen konnten.

Die Bühnen bildeten miteinander verbundene Elemente auf mehreren Ebenen.

Eine Wohnung mit Treppenaufgang, ein Gerichtssaal im Zentrum, ein Plexiglasgefängnis, zwei Off-Sprecher-Plätze. Einzig der Wald bildete eine eigene „Insel“, der aus dem KAW-eigenen Olivenbaum und einigen weißen Klötzen bestand.

 

Auf allen Bühnen wurde – mehr oder weniger - zeitgleich gespielt. Nur die Beleuchtung „führte“ den Zuschauer

Es wird an verschiedenen Stellen gab es Videoinstallationen: Häuserabriss und Tumulte.

Ein gezeichnetes Bild zur Untermalung des Sprechertextes.

Aufnahmen von gesundsheitsrelevanten Daten der einzelnen Personen, Videoaufnahmen von Gehirnströmen, Röntgenaufnahmen etc.

 

 

Antrag Nr. 14: lichtungen – Kulturausbesserungswerk, Leverkusen

 

Das Projekt „lichtungen“ hatte das soziokulturelle Ziel, jenseits der Metropolen eine Nische für KünstlerInnen einzuräumen, die abseits der Hauptströmungen der Großstädte samt ihren Radiosendern und Clubs stehen. Dabei haben wir zum einen KünstlerInnen aus sehr dünn besiedelten Gegenden mit solchen aus Metropolregionen, zum anderen, in den angebotenen und sehr nachgefragten Workshops, Kulturschaffende und -rezipierende zusammengebracht. Das Projekt hat einen Zwischenraum für das Zusammenkommen von Kulturen eröffnet und Begegnungen zwischen Menschen aller Altersgruppen ermöglicht.

Die Kooperation mit dem gleichnamigen, von Landesmitteln des „Kultursommers 2014 Rheinland-Pfalz“ geförderten Festivals war synergetisch äußerst fruchtbar, da wir von der dortigen Planung und vor allem der teilweise langen Anreise der Künstler profitieren können.

 

 

Antrag Nr. 18: Poetry Slam: In der Ferne daheim – Kulturzentrum BÜZ Minden

 

So konzipierten wir

Das Kulturzentrum BÜZ ist in der Region führend im Poetry Slam Unterricht. Kreatives Schreiben mit dem Ziel des Bühnenvortrags ist bei uns ein Instrument der kulturellen Bildung. Im Rahmen des 3. Mindener Literaturfests im März 2013 wurde der erste deutsch-türkische Mindener Poetry Slam mit SchülerInnen der Freiherr-von-Vincke-Realschule in einem sozialen Brennpunkt erfolgreich durchgeführt. Sodann kämpften bei unserm Themen-Slam „In der Ferne daheim“, den wir mit dem Literaturzirkel OWL e.V., in der Reihe „(Neue) Heimat OWL“ durchführten, Jugendliche mit griechischer, russischer, türkischer, italienischer und deutscher Herkunft.

Wir wollen dieses Veranstaltungsformat nutzen, um Jugendlichen von 14-18 Jahren durch ein niederschwelliges kreatives Schreibangebot eine Ausdrucksform für ihre Erfahrungen in und zwischen zwei und mehr Kulturen zu eröffnen. Ausgehend davon, dass Deutschland ein Einwanderungsland ist, bieten wir die Erfahrung einer gelebten bunten und vielfältigen Gesellschaft. Die Vorbereitung und Durchführung unserer o.g. Slams zeigte uns, dass das Selbstverständnis dieser Jugendlichen sich bei der Auseinandersetzung mit ihrer Lebenssituation im kreativen Prozess entscheidend wandelt: von Minderwertigkeitsgefühlen hin zur Bewusstwerdung des Wertes, den ihre Position mit Erfahrungen in beiden Kulturen darstellt: der deutschen und der ihrer jeweiligen Herkunftsfamilien. Sie lernen, Binationalität als Chance zu begreifen und selbstbewusst auszudrücken. Der jedem Slam innewohnende Wettbewerbs-Charakter nutzt die Lust der Jugendlichen am spielerischen Kampf.

 

Die Schreibkurse fanden von Januar bis Dezember 2014 in verschiedenen kommunalen und regionalen Institutionen der Jugendarbeit und in Schulen mit signifikantem Migrantenanteil statt. Bei der Ansprache der Kursteilnehmer berieten und unterstützten uns die Kooperationspartner.

 

1)     Als Einstieg motivieren und interessieren wir die Kursteilnehmer durch den Besuch von bestehenden U20-Poetry Slams in Minden und die anschließende Besprechung des Wahrgenommenen. Dabei sprechen wir immer schon die Freude auf das Schreiben und den Vortrag eigener Texte im Kontext des Wettbewerbes an.

2)     In Gesprächsrunden mit gleichaltrigen Teilnehmern mit Slamerfahrung an den Slams stellen diese ihre eigene Schreib- und Bühnenerfahrung vor: ihre Begeisterung an der Entdeckung des eigenen Ausdrucks, die Benennung ihrer Lebensthemen, das wachsende Selbstvertrauen durch den Kontakt im kreativen Gruppenprozess mit konstruktiven Rückmeldungen und kontinuierlicher Weiterbearbeitung der Texte, die Überwindung des Lampenfiebers bei schnell zunehmender Sicherheit im Auftritt.

3)     Experimentell erarbeiten wir Kriterien für erfolgreiche eigene Texte, schwerpunktmäßig zum Alltag der Jugendlichen: Kontrast zwischen Elternhaus und Umwelt, Thema Pubertät und Geschlechterrollen, Sinnsuche und Identitätsfindung vor unterschiedlichem kulturellem und religiösem Hintergrund. Im Vordergrund stehen praktische Übungen zu Formulierung, Textaufbau, Wortwahl.

4)     In gruppeninternen Wettbewerben üben die Kursteilnehmer den überzeugenden Vortrag mit Mimik, Gestik, Intonation, immer wieder durch spielerisches Aufgreifen typischer Elemente ihrer Herkunftskulturen. Videoaufzeichnungen, auch der öffentlichen Auftritte, sind ständiger Bestandteil in der Schulung.

5)     Durch allmähliche Zusammenführung der Gruppen bei Gesamtwettbewerben wächst die Sicherheit im Vortrag, im Mai erfolgt der erste öffentliche Auftritt bei einem selbstgestalteten U20-Slam im Kulturzentrum BÜZ.

6)     Wir werten diesen Slam aus, machen die TeilnehmerInnnen mit der regionalen und deutschsprachigen Slamszene vertraut, nutzen die Präsentationen in den sozialen Medien, die den Kursteilnehmern vertraut sind, und besuchen einen Slam im Bielefelder Bunker Ulmenwall für alle Altersklassen. Ein Workshop-Nachmittag mit der Marokkanerin Malika Cherouana, einer U20-Starterin bei den deutschsprachigen Meisterschaften, ergänzt authentisch die Erfahrungen der Kursteilnehmer.

7)     Höhepunkt wird ein selbstgestalteter interkultureller Themen-Slam in der zweiten Jahreshälfte, dessen Motto unsere Kursteilnehmer erarbeiten.

8)     Parallel zum Kursverlauf sammelt eine Arbeitsgruppe kontinuierlich alle entstandenen Texte, wenn möglich in mehreren Sprachen, und stellt diese zu einer Anthologie zusammen. Diese wird als Auflage produziert, von der jeder Teilnehmer und alle Kooperationspartner Exemplare erhalten. Die Textsammlung unterstreicht und veranschaulicht nachhaltig die Wertschätzung der kreativen Arbeit und der aus ihr entstandenen Vielfalt der Themen und literarischen Formen. Sie soll als Grundlage für weiterführende Projekte dienen. Ganz nebenbei lernen die Beteiligten am praktischen Beispiel, wie ein Buch entsteht. Am Ende treffen sich alle Beteiligten gemeinsam mit den Vertretern der Kooperationspartner zur Auswertung: Was hat das Projekt bei den Teilnehmern bewirkt? Welche neuen Ausdrucksformen haben sie gelernt? Wie kommen ihnen diese im Alltag zugute? Was hat ihnen besonders gefallen? Wurden die individuellen Erwartungen erfüllt? Welche Vorteile hatte die Gruppenarbeit für die Einzelnen? Was würden sie ändern im Projektverlauf und der Durchführung? Fühlen sie sich angekommen in der bundesdeutschen Slamszene? Wollen sie sich dort weiter profilieren? Welches sind dann die nächsten Schritte?

 

Projektanleiter ist Slammaster Peter Küstermann.

Wir beabsichtigen im Jahr 2015 ein Folgeprojekt, resultierend aus der „Schreibwerkstatt Interkulturell“.

 

So war es wirklich

Einige der geplanten Schreibkurse konnten stattfinden, in einem Jugendheim und in zwei Schulen.

Einstiegsschwierigkeiten: Die Kurse im Offenen Ganztag (OG) des Herder-Gymnasiums und der Vincke-Realschule fanden regelmäßig statt. Die Vincke-Realschule ist eine Brennpunktschule, dort nahmen mehrere Schüler mit Migrationshintergrund teil.

Schwierig gestaltete sich die Suche nach außerschulischen Partnern. Die verantwortlichen Sozialarbeiter der Jugendheime in Espelkamp und Lübbecke waren begeistert von der Idee und haben die Planung mit uns bis zur Durchführung intensiv vorbereitet, inklusive Plakatwerbung und Bereitstellung von Räumen. Sie konnten letzten Endes ihre Jugendlichen nicht zur Teilnahme am Slam-Workshop bewegen.

Im Mindener Anne-Frank-Jugendhaus kamen mehrere Treffen zustande, die auch in einem hausinternen Slam kulminierten. Er war aber so ungünstig in einen spezifischen Aktionstag im Hause integriert, dass wir unsere Besucherzielgruppe (Jugendliche 14-18 Jahre) nicht erreichen konnten.

 

Auf dem Weg, Jugendliche zu Auftritten vorzubereiten und zu motivieren, haben wir nicht so viel erreicht, wie wir es uns vorgenommen hatte.

Hier sprechen wir insbesondere über die immer noch andauernde Poetry-Slam-AG im Jugendtreff Porta-Lerbeck (sozialer Brennpunkt), obwohl wir von Anbeginn und in der Fortsetzung immer wieder Gleichaltrige aus bestehenden Slam-Kursen des OG mitbrachten. Durch den sehr unterschiedlichen soziokulturellen und psychosozialen Hintergrund im Brennpunkt war ein viel individuellere Förderung der Teilnehmer sowie eine Binnendifferenzierung des inhaltlichen Angebotes erforderlich, angesichts sehr viel geringerer Aufmerksamkeitsspannen und sehr geringer Frustrationstoleranzen. Viel Zeit erforderte eine elementare Sprachförderung, um Teile des restringierten Codes auszugleichen.

Unser Konzept hat sich bewährt, auch hier die Slammer mit Erfahrung als Coaches einzusetzen.

 

Wir konnten folgendes erreichen:

Die Motivationsphase war durch den gemeinsamen Besuch von U20-Poetry Slams in Minden und Bielefeld geprägt. Die Rezeption war gut. Es zeigte sich auch bei den sozial Benachteiligten Kritikfähigkeit und konstruktive Rückmeldung im Dialog.

 

Inhaltlich beschäftigen sich die Jugendlichen des Jugendtreff Lerbeck insbesondere mit ihren Erfahrungen mit Mobbing, Frust und Gewalt und die Auseinandersetzung mit persönlichen Erfahrungen mit dem lokalen Neo-Faschismus.

 

Das größte Hindernis auf dem Weg zum eigenen Text und den Vortrag war die Scham, die Angst, sich vor den anderen, selbst im kleinen geschützten Kreis, zu blamieren. Erleichternd war die Erkenntnis, dass es beim Spoken Word nicht um Rechtschreibung und Grammatik geht. Sehr hilfreich waren Videoaufzeichnungen auch kleiner Beträge, um bei den Teilnehmern ein positiv geprägtes Bewusstsein für die eigene Selbstwahrnehmung zu erzeugen.

Selbst der Auftritt in diesem kleinsten Rahmen stellte eine unglaubliche hohe und nur schwer zu nehmende Hürde für die meisten Teilnehmer.

Vor diesem Hintergrund sind wir ganz besonders stolz darauf, dass bis zum Ende des Projektes auf unserem U20-Slam „In der Ferne daheim“ drei außerschulische KursteilnehmerInnnen (zwei mit Migrationshintergrund) im Kulturzentrum BÜZ vor ausverkauftem Haus (140 Personen) aufgetreten sind.

Insgesamt haben wir unser Ziel erreicht, SlammerInnen mit Migrationshintergrund bei drei U20-Slams im Kulturzentrum BÜZ antreten zu lassen: „Freiheit“, „Brücken schlagen“,„Toleranz“.

 

Jedes Thema wurde gut angenommen und von den dreien mit ihren Texten passend bedient.

Einer Teilnehmer aus dem OG von der Vincke-Realschule nahm sogar an der Vorrunde der OWL-U20-Meisterschaften in unserem Hause statt.

Beispielhaft trägt er mehrere Kulturen in sich: Seine Elternteile stammen aus Georgien und Russland. Die beiden Ursprungssprachen dieser Länder sind nicht miteinander verwandt. Unser Slammer spricht selbst grusinisch, russisch und deutsch. Besonders erfreulich ist für uns, dass er bei allen Auftritten von seinen Eltern auch in der Vorbereitung dafür begleitet wurde. Im Allgemeinen bringen diese SlammerInnen mehr als deutsche TeilnehmerInnen große Teile ihrer Familien mit zu den Slams im BÜZ.

Aufgrund dieser bereichernden Erfahrungen trauen wir uns in der aktuellen Veranstaltungsreihe „Minden Road to Slam 2015“ zu Pfingsten einen mehrsprachigen „Slam der tausend Zungen“ in den originalen Nationalsprachen durchzuführen.

 

„In der Ferne daheim“ im Rahmen des Offenen Ganztages hatte positive Folgen noch während der Veranstaltungsphase.

Das Integrationsbüro der Stadt Minden interessierte sich für unsere Slamreihe und die SlammerInnen. Vollkommen unabhängig von der Jurierung luden sie zunächst einen türkisch stämmigen Slammer zu einer ihrer Plenarsitzungen ein. Er trug dort seinen Paradetext vor, der mit allen Klischees der Ausländerfeindlichkeit satirisch mit drastischem Sprachausdruck spielte. Mit diesem Text stieg er zum U20-National auf und trat für das BÜZ damit in Berlin an. Seine Familie war auch dort anwesend.

 

Eine andere Teilnehmerin trat auf Empfehlung des Integrationrates und Einladung des Landrates bei der offiziellen Einbürgerungsfeier des Kreises Minden-Lübbecke auf. Ihr Text handelt über eine Kindergärtnerin mit Kopftuch, während der Performance nimmt sie diese Rolle ein.

 

Fazit

-               Wir möchten auch im Jahre 2016 gerne im außerschulischen Bereich (Jugendtreffs, soziale        Brennpunkte) aktiv sein. Wir werden aus den bisherigen Erfahrungen lernen und uns selbst für        verbessern.

-               Die TeilnehmerInnen von 2014 wollen wir 2016 reaktivieren und nicht in den        Jugendhäusern zu coachen, sondern in den Räumlichkeiten des Kulturzentrum BÜZ.

-               Im Bereich des OG haben wir die gesteckten Ziel erreicht und neue Partner mit dem       Integrationsrat und eine unerwartet große Öffentlichkeit erreicht.

-               Wir trauen uns den o.g. „Slam der tausend Zungen“ an Pfingsten 2015 zu.

-               Ein Folgeprojekt für 2016 ist in Planung.

 

 

Antrag Nr. 17: Mailart "City of the Future" – Kulturzentrum BÜZ Minden

 

In den vergangenen fünf Jahren hat sich das Kulturzentrum BÜZ mit seinen Aktivitäten im Bereich der zeitgenössischen Kunstform „Mailart“ etabliert und erfolgreich generationsübergreifend Projekte mit allen Altersgruppen durchgeführt. Mailart etablierten wir als wichtigen Bestandteil in unserem Kanon der kulturellen Bildung und zugleich in der kommunalen kulturellen Bildung. Indem wir die Kunstform Mailart in die kulturelle Bildungslandschaft einbringen, haben wir für das Kulturzentrum BÜZ und die Stadt Minden ein Alleinstellungsmerkmal geschaffen.

Mailart ist ein internationales Netzwerk von Künstlern und Kulturschaffenden, die sich gegenseitig Kunst per Post und Post per Kunst zusenden. Jeder ist Sender und Empfänger. Zensur findet nicht statt, der etablierte Kunstbetrieb wird umgangen.

Die Leitkriterien sind: no jury, no returns, documentations for every participant.

Unsere künstlerische Mitarbeiterin Angela Pähler koordinierte das Projekt.

 

Angeregt durch unser großes Mailart-Projekt „Justice Now!“, welches Sie im Jahre 2012 förderten, hat die Ratsschule in Melle Mailart in das offizielle schulinterne Curriculum aufgenommen. Die SchülerInnen und LehrerInnen wünschten sich als Folge davon ein eigenes Mailart-Projekt im zweiten Schulhalbjahr 2013/14 mit dem Titel „The Future of our School“. Andere Schulen beteiligten sich für denselben Zeitraum ebenfalls eigenen Themen. Das Fichte-Gymnasium Hagen wählte „Future of our City“, das Herder Gymnasium Minden entschied sich für „Our School in the City“. Die Friedrich-Wilhelm-Murnau-Gesamtschule in Bielefeld präsentierte sich mit ihrem neuen Namen in der Stadt.

Auf Einladung der internationalen „City of the Future“-Stadt Auroville, einem UNESCO-Projekt in Indien, zeigten wir im Frühsommer 2013 dort die Beiträge der beteiligten Schulen des Projektes „Justice Now!“ in der Aurolec-Galerie und führten in der dortigen Berufsschule einen Workshop zum Thema durch. In gleicher Form geschah das auch mit den Ergebnissen aus „City of the Future“ geschehen.

 

„City of the Future“ bedeutet für uns unter anderem, zukunftsweisende Sozialstrukturen, Kommunikationsformen und funktionsfähige Gemeinwesen auf nicht-materieller Basis ohne konventionellem Leistungsdruck als Impulse über den niederschwelligen Weg „Mailart“ im Unterricht zu vermitteln. As Produkt „Film“ war für uns das Vehikel, um anderen Schulklassen die Idee, das Prinzip und die Möglichkeiten der Umsetzung von Mailart zu vermitteln. Besonderen Anklang fand die konkrete Umsetzung in der bereits real existierenden internationalen „City of the Future“-Stadt Auroville. Wir konnten so SchülerInnen anderer Klassen zeigen, wie eine Stadt ohne Ordnungsmacht und Geldverkehr funktioniert, und wie die SchülerInnen in Auroville (z.B. AIAT) mit dem Thema „City of the Future“ umgehen. Deren Schwerpunkte sind saubere Umwelt, Zugang zu Bildung und soziale Gerechtigkeit.

 

Der Kanal 21 (nrwision) begleitete das Projekt dokumentierend. Der entstandene Film (Ausstrahlung im April 2015) zeigt modellhaft und anschaulich, wie Mailart in allen Schulformen methodisch-didaktisch-pädagogisch idealerweise eingesetzt werden kann (siehe Module 1, 2, 3).

Die an unserem Ort maßgeblichen evangelisch-protestantischen kirchlichen Institutionen waren von unserem Unterfangen sehr begeistert. Folglich realisierten sie ihr Engagement in einem eigenen gemeinsamen „Mailart-Gottesdienst“ an Christi Himmelfahrt mit aktivem Engagement aller Honoratioren der beteiligten Schulen, alle Mailart-Exponate hingen mehrere Woche ausgestellt in der Marienkirche und ein Banner (10m x 10m) hing öffentlichkeitswirksam an höchsten Punkt der Stadt Minden, dem Turm der Marienkirche.

 

Im Zuge des Projektes konnten unsere Partnerschulen zusätzliche Ausstellungsorte gewinnen.

-       Friedrich Wilhelm Murnau-Gesamtschule: Stadtteilbibliothek Bielefeld-Stieghorst

-       Ratsschule: Kreissparkasse Melle

-       Fischte-Gymnasium: Stadtteilhaus Hagen-Vorhalle

-       Herder-Gymnasium: Theatercafé Minden

 

Die geplante und für die Mailart obligatorische Dokumentation zeigt exemplarisch den Arbeitsprozess und die Zusammenführung der Ergebnisse aus den verschiedenen Städten.

 

Die gewünschte Breiten- und Tiefenwirkung zeigt sich jetzt schon in Minden vor Ort zeigt sich darin, dass die Diakonie Minden gemeinsam mit dem Kulturzentrum BÜZ als Partner ein Folgeprojekt durchführte.

 

Weitere Ziele des Projektes waren durch Netzwerkbildung das Etablieren und Verankern der internationalen Kunstform Mailart in der Region Westfalen sowie die Motivation aller TeilnehmerInnen zur nachhaltigen aktiven Teilhabe am kulturellen Schaffensprozess.

Die Schulen führten dezentral ihre Subprojekte durch. Wir coachten die Schulen und koordinierten Kommunikation, Dokumentation und Logistik.

 

Alles Ziele konnten wir erreichen.

 

Modul 1 (Januar und Februar 2014): Im ersten Schritt lernten alle TeilnehmerInnen in ihren Einrichtungen Grundlagen der Kunstform Mailart kennen, das Kulturzentrum BÜZ beriet künstlerisch. In Workshops mit dem Mailartisten Bernd Reichert erarbeiteten sie die nötigen Einladungskarten in englischer Sprache für ihre jeweiligen Themenstellungen.

Modul 2 (März 2014): Nach dem Eintreffen aller Exponate wurden sie von den TeilnehmerInnen gesichtet. Sie erarbeiteten Kriterien (Techniken, Formales, Themeninterpretation abhängig vom kulturellen Hintergrund des Einsenders u.a.) für die Präsentationen in der Stadtteilbibliothek Bielefeld-Stieghorst, im Forum der Ratsschule Melle und im Stadttheater Minden. Die Dokumentation der Ausstellung ist wichtiger Teil des Projekts, erste Schritte zur Erstellung wurden angegangen.

Modul 3 (Mai 2014): Der Ausstellungskatalog (Dokumentation) wurde entwickelt, die Produktion vorbereitet und die Ausstellung aufbereitet: Ausstellungsort, Ausstellungstechnik, Koordination mit dem Ausstellungsträger, Interaktion mit dem Ausstellungsraum.

Archivierung der Exponate: jeder Kooperationspartner behielt die ihm zugesandten Exponate.

 

Am Ende trafen sich im Kulturzentrum BÜZ alle Beteiligten zur Auswertung:

 

-       Was hat das Projekt lokal und regional bewirkt?

Wir konnten eine erhebliche Strahlkraft in die Region entwickeln.

In allen beteiligten Ort erreichten wir eine größere Öffentlichkeit als ursprünglich vorgesehen.

-       Welche neuen Netzwerkstrukturen sind entstanden?

Teilnehmende SchülerInnen sind inzwischen im weltweiten Mailart-Netzwerk selbständig aktiv.

-       Wie wollen die Teilnehmer diese künftig nutzen und ausbauen?

Das beste Beispiel ist ein Teilnehmer, der inzwischen als Bufdi im BÜZ die Mailartprojekte begleitet.

-       Der westfälische Höhepunkt des Projektes, der Turm der Marienkirche Minden, stellte die visuelle Klammer für alle Teilnehmer dar. Die Einzelbeiträge aus der ganzen Region (OWL, benachbartes Niedersachsen) wurden zu einem gemeinsam gestalteten Gesamtbild (der DAV halft beim Aufhängen an den vier Seiten des Kirchturmes) zusammengefasst. Das Kooperationsnetzwerk machte sich sichtbar.

 

Der internationale Höhepunkt des Projektes fand folgerichtig im spirituellen Zentrum in Auroville statt.

 

Wir beabsichtigen im Jahr 2016 ein Folgeprojekt, resultierend aus „City of the Future“.

Titel: „The Face of Mailart“.

 

 

Antrag Nr. 19: Akustische Heimat - Jugend und Schulkultur Projektwerkstatt e.V. (Kulturwerk) Mülheim a.d. Ruhr

 

Ein Surroundscape-Projekt von URBAN SOLAR AUDIO PLANT (USAP) & Jugend und Schulkultur Projektwerkstatt e.V. (Kulturwerk) Mülheim a.d. Ruhr

Künstlerische Leitung / Organisation: Peter Eisold

Technische Leitung / Organisation: Michael Dawid

Kooperationspartner:

Medienhaus Mülheim, Kulturpfad-Fest Essen, PIA Stiftung, Mülheim, Kultur und Stadthistorisches Museum, Duisburg, Amt für Schulische Bildung, Duisburg, Kulturbunker Bruckhausen, Duisburg

 

AKUSTISCHE HEIMAT wurde als mehrteiliger Produktions-Workshop für interessierte Schüler und Jugendliche der Städte Essen, Mülheim a.d. Ruhr und Duisburg als work-in-progress- Langzeit-Projekt über den Zeitraum April – Dezember 2014 durchgeführt. Gemeinsam mit dem USAP-Team wurden die Klanglandschaften der Heimatstädte erforscht und als „Field- Recordings“ festgehalten. Ziel war jeweils die gemeinschaftliche Produktion einer Klangcollage speziell zugeschnitten auf das 12-kanalige USAP-Surroundsound-System, die wiederum als Installationen im Öffentlichen Raum aufgeführt wurden.

URBAN SOLAR AUDIO PLANT (USAP) ist eine solarzellenbetriebene, WLAN-gesteuerte und

multikanalige Klanginstallation für den Öffentlichen Raum. Zwölf Lautsprechersäulen, die großflächig auf einem geeigneten Platz verteilt werden, verwandeln die urbane Landschaft in einen einzigartigen Klanggarten oder Hörpark.

Konzipiert war somit die Produktion eines vielfarbigen akustischen Portraits, einer räumlich

aufgefächerten, multikanaligen 3D-Klangreise durch die Heimatstadt, die wiederum als „Klangkunst“-Installation mitten in die Stadt, an einen exponierten Ort in den Öffentlichen Raum „gepflanzt“ und aufgeführt wurde.

Geführte Klang- und Hörspaziergänge bildeten jeweils den Auftakt einer Erforschungsreise, die die Teilnehmer als „Klangjäger und Sammler“ zum Teil selbstständig weiterführen. Ausgestattet mit geeigneten Aufnahmegeräten wurden die unterschiedlichsten Klangszenen, Geräusche und akustischen Landschaften der Stadt gesucht, aufgenommen, gesammelt und systematisch geordnet. Gestartet wurde im April in Mülheim an der Ruhr. Eine Gruppe von 6 interessierten Schülern verschiedener Mülheimer Schulen bildete das erste Kernteam. Als Örtlichkeiten für

regelmäßige Arbeitstreffen diente das Mülheimer Medienhaus und das USAP Studio in

Mülheim. In einem fortlaufenden Prozess wurde das gesammelte Klangmaterial nach und nach

gemeinsam zu einer Multichannel-Surround-Collage, einem „Soundscape“, collagiert und

„komponiert“.

Zeitgleich wurde ab Mai 2014 ein Parallelworkshop in Essen organisiert, hier in der Hauptsache

mit Schülern des Essener Burggymnasiums. Eine erste Aufführung wurde für das Kulturpfad- Fest in Essen am 13. Juni 2014 terminiert. Gemeinsame und individuelle Soundwalks in verschiedenen Stadtteilen, Arbeitstreffen im Unperfekthaus und dem USAP Studio intensivierten sich im Mai und den ersten Juniwochen. Am 13. Juni konnten die ersten 2 Versionen, „Akustische Heimat_Mülheim“ und „Akustische Heimat_Essen“ am RWE Verwaltungsgebäude, Kruppstr. im Rahmen des ganztägigen Kulturpfad-Festes Essen in der Vollversion für alle 12 Lautsprechersäulen des USAP Systems präsentiert werden.

Am 29. / 30. und 31. August 2014 wurde mit freundlicher Unterstützung der PIA Stiftung, Mülheim ein zweite, diesmal mehrtägige Installation und Präsentation in dem reizvollen, weitläufigen Gelände des Naturbads Mülheim-Styrum durchgeführt.

Nach den im Vorfeld notwendigen Projektvorstellungen, Kontaktaufnahmen zu verschiedenen

Schulen und Einspeisungen in verschiedene Netzwerke konnte Ende September die dritte Ausgabe des Workshops in Duisburg gestartet werden. Diesmal mit Schülern der Globus Gesamtschule, Duisburg – sämtlich mit Migrationshintergrund. Ausgedehnte Exkursionen in verschiedene Stadtteile erstreckten sich diesmal über einen längeren Zeitraum - Duisburg- Zentrum, Hochfeld, Marxloh, Bruckhausen, Duisburg-Zoo – mit regelmässigen Arbeitstreffen im Kultur und Stadthistorischen Museum. Dort fand auch am 11. Januar 2015 im Rahmen der Fotoausstellung „Mein Revier ist das Revier“ die abschliessende Präsentation von „Akustische Heimat Duisburg“ statt.

Auf Anregung des Amtes für Schulische Bildung erweiterte sich das Projekt noch im November um eine weitere Aktion: die Produktion einer CD mit Kindern und Jugendlichen im Stadtteil Duisburg Bruckhausen mit dem Titel „Bruckhausen_Remix“. Auf von den Kindern geleiteten Streifzügen durch diesen stark von Migration und Industrie geprägten, als „sozialer Brennpunkt“ gekennzeichneten Stadtteil, wurden O-Töne des Alltags, Interviews mit Kindern und Bewohnern, Gesangsaufnahmen und hörspielartige Sequenzen zu einer bunten dokumentarischen Collage verwoben. Kooperationspartner war in diesem Fall der Kulturbunker Bruckhausen und der dort ansässige Bunkeretage2 e.V. mit seinem Tonstudio. Die CD wurde in einer 50-Stück-Auflage als weihnachtliches Präsent den Mitwirkenden und den jugendlichen Besuchern des Kulturbunkers überreicht.

Ein Auschnitt von „Akustische Heimat_Duisburg“ in einer Stereo Version und der Bruckhausen_Remix“ wurden zur Dokumentation zu Soundcloud hochgeladen.

LINKS:

https://soundcloud.com/akustische-heimat-usap/akustische_heimat_duisburg-usap

https://soundcloud.com/akustische-heimat-usap/bruckhausen_remix

 

 

Antrag Nr. 22: Im Westen Nichts NeuesCactus Junges Theater, Münster

 

Im Jahr 2014 jährte sich der Beginn des 1. Weltkrieges zum Hundertsten mal. Cactus Junges Theater beschloss das Thema „Krieg“ mit einer Bühnenversion des Romans „Im Westen Nichts Neues“ von E.M. Remarque zu untersuchen.

Das Theaterprojekt hatte folgende Ziele:

- Gründung einer Gruppe von jungen Theaterinteressierten

- Wöchentliche Proben und Intensivprobenblöcke

- Auseinandersetzung mit dem Thema „Krieg“ sowohl im historischen, als auch im aktuellen Bezug

- Erarbeitung einer Inszenierung, die eine Bühnenfassung des Romans „Im Westen nichts Neues“ von E.M. Remarque enthält. Die Inszenierung entsteht unter der partizipativen Beteiligung des Ensembles

- Aufführung der Inszenierung im öffentlichen Rahmen

 

Im Frühjahr 2014 wurde ein Ensemble aus zunächst 8 jungen Männern (zwischen 16 und 22 Jahren) zusammen gesucht. Die Spieler kamen aus Schauspieltrainings, die Cactus anbietet, Schulkursen und vorherigen Inszenierungen. 4 der Spieler hatten bereits Bühnenerfahrung mit Cactus gemacht, die übrigen 4 waren neu im Cactus Ensemble.

Zunächst begann eine große Recherche Phase. Der Roman wurde von allen Beteiligten mehrmals gelesen, Interviews mit in Afghanistan stationierten Soldaten und Briefe von Soldaten aus dem ersten Weltkrieg wurden gemeinsam gelesen und diskutiert.

Außerdem recherchierte das Ensemble gemeinsam im Internet, in Büchern und Fernsehsendungen die historischen Begebenheiten, die zum ersten Weltkrieg führten. Eine weitere wichtige Forschung ging über das Leben und kämpfen der Soldaten an der Front, welche Waffen eingesetzt wurden, warum die Grabenkriege so verheerend waren, wo gekämpft wurde.

Wir konnten einen Soldaten der Bundeswehr dafür gewinnen uns über Ränge, Verhalten und Gepflogenheiten innerhalb einer Armee und Trainingsmöglichkeiten zu unterrichten.

Neben den wöchentlichen Proben wurden in den Sommerferien und in den Herbstferien jeweils 2 Wochen lang jeden Tag von 14.00 bis ca. 21.00 Uhr geprobt.

Kurz vor den Sommerferien verließ ein junger Spieler das Ensemble, weil er, mit Unterstützung von Cactus Junges Theater, an der Schauspielschule in Leipzig angenommen wurde. 2 neue Spieler wurden schnell gefunden, beide neue Spieler im Cactus Ensemble, und so erweiterte sich das Ensemble auf 9 junge Männer.

Durch die intensive Auseinandersetzung mit dem Roman und dem Leben der jungen Soldaten an den Fronten des ersten Weltkrieges trafen wir die Entscheidung uns auf die Stellen im Roman zu konzentrieren, in denen die Kameradschaft, das Leben an der Front und die Auseinandersetzung mit den Daheimgebliebenen im Mittelpunkt stehen. Diese Teile des Romans zeigten eindrucksvoll wie die jungen Männer mit dem Grauen und Tod umzugehen versuchten, wie verloren sie sich fühlten und wie sprachlos sie gegenüber dem erlebten Schrecken wurden.

Aus diesen Entscheidungen entstand ein Skript, das sehr nahe am Roman blieb und sich neben dem leben im Krieg auf Rekrutierung, Ausbildung und Heimaturlaub konzentrierte. Aus den gleichen Gründen entschieden wir uns auf weibliche Schauspieler zu verzichten und die nötigen Stimmen (Mutter und Schwester) als „Hörspiel“ einzuspielen.

Die Premiere erfolgte am 10.12.2014 im Theater im Pumpenhaus. Weitere Aufführungen folgten am 11., 12. (1 mal vormittags für Schulen und einmal abends), 13. Und 14. 12. Im Theater im Pumpenhaus.

Zuschauer- und Pressereaktionen waren sehr positiv, das Stück wurde sehr gut besucht.

Weitere Aufführungen sind für den Sommer 2015 geplant. Leider verstarb einer der jungen Schauspieler, William Ngala, im Februar bei einem tragischen Unfall. Somit steht die Wiederaufnahme momentan wieder in Frage, wir planen aber einen neuen Schauspieler einzuarbeiten.

Alle oben genannten Ziele wurden erreicht.

 

 

Antrag Nr. 23: Jazz today – cuba-cultur, Münster

 

Musical Hereos - durch die zusätzliche Förderung seitens des Kulturamts der Stadt Münster konnte das Projekt in Münster im vollem Umfang in Kooperation mit dem Jazzclub Münster e.V. durchgeführt werden. Insgesamt konnten 11 Konzerte realisiert werden (vgl. Abrechnung).

Die geplante Kooperation mit dem Werkhaus e.V. Krefeld kam wegen Finanzierungsschwierigkeiten auf Seiten des Werkhauses leider doch nicht zu Stande.

 

Das Ziel des Projektes, den hohen Qualitätsstandard und künstlerische Entwicklungen innerhalb des zunehmend aufgefächerten Jazz-Genres aufzuzeigen, konnte u. E. erreicht werden. Es wurden ebenso erfahrene, renommierte MusikerInnen vorgestellt, wie auch ein Fokus auf die nachwachsende Generation gelegt, die sich anschickt ihre eigenen Impulse und multistilistische Einflüsse in eine lebendige Jazz-Szene einzubringen.

 

Wir freuen uns zum ersten mal seit der Konzeptförderung des Landes in den Jahren 2009 – 2011 wieder eine Steigerung der Einnahmen durch Kartenverkauf verzeichnen zu können.

Dies natürlich auch, da es gelungen ist, mit Peter Brötzmann, Conny Bauer und Alexander von Schlippenbach legendäre Musikerpersönlichkeiten der deutschen Szene verpflichten zu können. Die Begegnung von Jahannes Bauer mit dem in Italien lebenden amerikanischen Saxophonisten Sabir Mateen war zudem eine Weltpremiere.

 

Wie im Konzept formuliert wurden aber auch der nachwachsenden Musiker-Generation Raum gegeben. Silke Eberhard und Ela Rosenberger gastierten erstmals in Münster.

Für das kommende Jahr wird ein besonderer Schwerpunkt entwickelt, bei dem gezielt junge Jazzsolistinnen vorstellt werden

Live-Mitschnitte auf youtube: http://youtu.be/GptKAmWLfBc http://youtu.be/2QTaLCLBuDA

 

 

Antrag Nr. 26: PPP*-Festival - *Past.Present.Perform - Stephan US, Münster

 

Performance-Art in Münster & dem Münsterland

Idee & Konzept & Copyright: Stephan US

vom 20.09. – 05.10.2014

 

Eine Frau kniet in einem Fleischhaufen eines frisch geschlachteten Schweines. Als islamisch

erzogene Frau nähert sie sich auf subtil-sinnliche Weise dem toten Tier mit präziser Neugierde und

tritt in Beziehung dazu. Offenbart sie einen Konflikt zwischen Christentum und Islam mitten in den Feldern der münsterländischen Agrarkultur, die durch Schweinmast geprägt ist? ...

Was haben Ahlener Stadtpflanzen mit der urbanen Lebenswirklichkeit zu tun? Wieso ziehen Irrlichter zwischen Lidl und Aldi hin und her? Lebt die Tradition im Münsterland, so das touristische Image, wirklich oder hängt sie an einer ständigen Infusion? Wie viele Heimaten kann man haben? Wie verbindet sich die Stever mit der Donau? Und was hat Afrika mit dem Münsterland zu tun? Wer ist der Mann in der Luft?

Schlösser, Burgen, Kirchen, historische Gemäuer und Ortskerne, aber auch Flüsse, Steinbrüche und Wälder - Münster und das Münsterland ist reich an und geprägt durch seine kultur- und naturhistorischen Orte und Räume.

Die Mais-Monokultur durch Massentierhaltung und Biogasgewinnung, verseuchte Flussläufe, versteckte soziale Brennpunkte, leere Innenstädte durch städtebauliche Monotonie und Hochburgen für Neonazis - Münster und das Münsterland ist reich an und geprägt durch diese Orte und Räume. All´ diese Räume erzählen Geschichte(n).

 

Diese alte und neue Geschichte Münsters und des Münsterlandes mit ihren sichtbaren und unsichtbaren Spuren waren die räumlichen und poetischen Pole dieses Performance-Art Projektes. In dieser Polarisation agierten 10 inter- und nationale Performancekünstler in dem 14tägigem Performance-Programm, um mit diesem kulturellen und naturellen Erbe und den gesellschaftlichen und räumlichen Ist-Zuständen in einen Dialog zu treten, mit ihnen zu spielen, alte mit aktuellen Blickwinkeln zu transformierten Bildern zu vermischen, für Augenblicke (im Verhältnis der Zeitdimension) Geschichte(n) im Jetzt zu eröffnen.

 

Zu diesem für das Münsterland und seiner Bevölkerung bisher einmaligen Projekt arbeiten folgende Künstler vor Ort. Alle Performances hatten freien Eintritt.

 

Programm PPP-Festival

 

Samstag, 20.9.2014 – von 10 – 12 Uhr

WELTPASS – Internationale Frauengruppe

Ort: Ahlen – Marienplatz

Wo möchte ich leben und warum? Was steht in meinem Pass? Die Internationale Frauengruppe aus Ahlen verhandelt in ihrer Aktion den „Weltpass“. Ein Pass, der nach den Wünschen der Anwesenden mit Identität, Herkunft und Zuhause nach Wahl ausgestattet werden kann. Eine Performance zur Diskussion um Weltbürger und tatsächliche Heimat in der Welt.

 

Samstag, 20.9.2014 – 16 Uhr

PRESERVED//Holunder – SCHEIBE & GÜNTZEL

Ort: Kloster Bentlage, Rheine

Zur Eröffnung ihrer einwöchigen Performance-Reihe Preserved Westfalen zeigte das Hamburger Duo Scheibe & Güntzel eine choreographierte Bewegungsfolge in deren Mittelpunkt ein vielseitiges Mittel des Münsterlandes steht: Holunder. Preserved war eine künstlerische Forschungsarbeit, die sich mit Gebräuchen und Traditionen der Ernährung auseinandersetzt und in die Gegenwart transformiert.

 

Samstag, 20.9.2014 – 19.00 Uhr

Nichts – Stephan US

Ort: Münster – Prinzipalmarkt

Mitten auf der Prachtstraße des Münsterlandes begab sich Stephan US vor die Kaufhäuser und positionierte seine eigene vergoldete Werbung. Imagebildung und Imagekritik gingen Hand in Hand, der Künstler bezog klare Stellung und verwieß doch auf weitere Möglichkeitsräume.

 

Sonntag, 21.9.2014 – 15 – 18 Uhr

PRESERVED//Hühnersuppe – SCHEIBE & GÜNTZEL

Ort: Havixbeck – Feld, 48329 Havixbeck, Poppenbeck (Landstraße L581)

Im zweiten Teil von Preserved Westfalen beschäftigten sich Scheibe & Güntzel mit der Erntezeit und dem Ritual der Tötung eines Hahnes. Die zeitgemäße Interpretation des hiesigen Rituals – das Kochen einer traditionellen Hühnersuppe mit Lauch – wurde von den Performern mit tagesaktuellen Fragen zum Konsumverhalten verwoben. Plastiklöffel inklusive!

 

Dienstag, 23.9.2014 – 18.30 Uhr

PRESERVED// Kartoffelfeuer – SCHEIBE & GÜNTZEL

Ort: Münster – nördlicher Aasee Münster/Rondell neben den "Giant Pool Balls" von Claes Oldenburg – Ecke Kreuzung Adenauerallee/Weseler Straße statt!

Scheibe & Güntzel luden zu einer traditionellen Kartoffelzubereitung ein, die im Brauchtum der Ernte der sogenannten Nachlese angehört. Eine solche Nutzung von Nahrungsmittelresten wurde dabei aus der ländlichen Umgebung mitten in den urbanen Raum des Domplatzes überführt – dorthin wo es ganz andere Strategien der „Nachlese“ gibt.

 

Donnerstag, 25.9.2014 – ab 10 Uhr

PRESERVED//Irrlichter – SCHEIBE & GÜNTZEL

Orte: ab ca. 10°° Bucheckernsammeln im Wald- Buchenwald am Schöppinger Berg
ab 17.30 Ölherstellung- vor Lidl Parkplatz Ecke Horstmarer Straße (L 579)/ Bahnhofsstraße in Horstmar | ab 19.15 Irrlichter- Wanderung ab Lidl Parkplatz Ecke Horstmarer Straße (L 579)/ Bahnhofsstraße in Horstmar- bis ALDI Parkplatz Im Gewerbegebiet 1a Horstmar, ca. 1,5 km

 Im vierten Teil ihrer Arbeit verbrachten Scheibe & Güntzel einen Tag im Wald und sammelten Bucheckern. Diese alte westfälische Zutat wurde nachmittags von den Performern zu Öl gepresst. Anschließend begaben sie sich auf eine Nachtwanderung, tief hinein in die westfälische Historie zwischen Agrarnutzung und Geistergeschichte.

Freitag, 26.9.2014 – 15 – 18 Uhr

PRESERVED//Hahn – SCHEIBE & GÜNTZEL

Ort: Havixbeck – Feld, 48329 Havixbeck, Poppenbeck (Landstraße L581)

Das vorläufige Ende der Recherche beschäftigte sich erneut mit dem westfälischen Ritual der Hahnestötung zur Segnung der Ernte. Scheibe & Güntzel zeigten eine Variante, die die Anstrengung der Erntezeit und die „Köpfung“ des Hahnes spielerisch vereint.

 

Samstag, 27.9.2014 – 19 Uhr

Shouldered street light – Jan Philip Scheibe

Ort: Emsdetten – Galerie Münsterland, Friedrichstr. 3

ab ca. 19°° Einführung in die Performance vor der Galerie - ab ca. 19:15 Rundwanderung ca. 1Stunde 2 - 3 km durch Emsdetten

Ein Mann, sein Generator und eine Straßenlaterne. Jan Philip Scheibe schickte den Mann in Schwarz und die Besucher auf eine Reise hin zu Stadträumen des typischen Münsterlandes, die es anders oder neu zu beleuchten galt. Eine Performance über die einfache und doch magische Kraft der Lichtsetzung - Emsdetten in neuem Licht.

 

Sonntag, 28.9.2014 – 15.00 / 15.30 / 16.00 / 16.30 Uhr

DORT – HIER – JETZT – Part 1/DORT – Julia Blawert & Jascha Riesselmann

Ort: Nottuln – Wassermühle im Stevertal, Stevern 37, 48301 Nottuln

In ihrer dreiteiligen Performance verhandelten Julia Blawert und Jascha Riesselmann die An- und Abwesenheit am Fluss. Teil 1 erzählte von der Sehnsucht nach der „anderen Seite“, die zum Greifen nahe erscheint und doch so fern ist. Oder ist es nur ein kleiner Ruck um im Stevertal loszuziehen? Die Gesamtperformance war Teil des Flussprojektes Cogo Ahoí.

 

Sonntag, 28.9.2014 – 20 Uhr

Bitter destiny 1 – Barthélémy Toguo

Ort: Münster – black box im cuba, Achtermannstr. 10, 48143 Münster

In seiner Performance zeigte Barthélémy Toguo ein Bild, dass die enorme Trinkwasserproblematik in Afrika darstellt, während der Kontinent gleichzeitig durch die westliche Welt geplündert wird. Er setzte diesen politischen Missstand ins Münsterland, einer wasserreichen und wohlhabenden Region. So stellte sich die Frage: Worauf basiert Reichtum?

 

Sonntag, 28.9.2014 – 20.30 Uhr

DORT – HIER – JETZT – Part 2/HIER – Julia Blawert & Jascha Riesselmann

Ort: Münster – black box im cuba, Achtermannstr. 10, 48143 Münster

Nach der Sehnsucht nach der Fremde, verhandelten die Performer die Orientierungslosigkeit zwischen Heim- und Fernweh, zwischen Münsterland und der unteren Donau in Bulgarien. Es stellte sich die Frage, wo man eigentlich anwesend und wo abwesend sein möchte.

 

Dienstag, 30.9.2014 – 17.00 Uhr

DORT – HIER – JETZT – Part 3/ JETZT – Julia Blawert & Jascha Riesselmann

Ort: Münster – Dortmund-Ems-Kanal, stadtferne Seite zwischen Laerer Landbrück und Pleistermühlenweg-Brücke

Den Abschluss der Performance bildete die Auflösung von Nähe und Distanz, die gleichzeitige Verbindung durch den Fluss. Alle Anwesenden in Münster und in Ruse, Bulgarien verbanden sich durch das Wasser der Flüsse.

 

Donnerstag, 02.10.2014 – 18.40 Uhr (EST)

The Man In The Air

Ort: Flug von einem Ort in den USA nach Europa

Ein Mann flog aus den USA nach Europa durch die Nacht in den Morgen hinein. Bringt er den Krieg oder den westfälischen Frieden? Denkt er an die Freiheit des Fliegens oder an Bilder der Zerstörung? Was passiert, wenn er gar nicht landet? Was tut er, während er fliegt? Isst er gerade einen Snack? Oder schläft er, träumt er einfach in der Luft?

 

Freitag, 03.10.2014 – 16.00 Uhr

Flesh (No Pig but Pork) - Nezaket Ekici

Ort: Münster - Naturlandhof lütke Jüdefeld, Gasselstiege 115

Nezaket Ekici kniete in einem Fleischhaufen eines frisch geschlachteten Schweins. Als islamisch erzogene Frau näherte sie sich auf subtil-sinnliche Weise dem toten Tier mit präziser Neugierde und trat in Beziehung dazu. Sie offenbarte einen Konflikt zwischen Christentum und Islam mitten in den Feldern der münsterländischen Agrarkultur, die durch Schweinmast geprägt ist.

 

Samstag, 04.10.2014 – ab 08.00 Uhr - tagsüber

PLANTMAPS 3.0 – Emmy Rahantoeknam Bergsma

Ort: Ahlen – Start: Weststr. 89, 59227 Ahlen - weiter über Marktplatz, Marienplatz, Bürgerzentrum

In ihrer Zeichnen-Performance untersuchte Emmy R. Bergsma das Verhältnis von städtischen Pflanzen zueinander. Davon ausgehend verwieß die Performance auf Menschen in ihrem Alltag, die sich in der Stadt bewegen. Eine öffentlich entstehende Ausstellung zum Mitbeobachten und -machen von kleinen und großen Beziehungen der Stadt Ahlen.

 

Sonntag, 05.10.2014 – 16.00 Uhr

Buddhaction – Stephan US

Ort: Eingang Speicher 2, Hafenweg 28, 48155 Münster

Als Teil einer Reihe, die sich mit realen und symbolischen Handlungen beschäftigt, zeigte Stephan US eine Performance, welche die fortschreitenden Veränderungen im Hafengebiet kritisch betrachtet. Bilder des gewaltsamen Abbruchs stanfden neben der Metapher der „verbrannten Erde“, Geld neben Neubeginn. Eine Verortung im Herz der Gentrifizierung.

Evaluation

 

Künstlerische Qualität:

Das PPP-Festival bewegte sich mit den eingeladenen Künstlerinnen, Künstlern und Gruppen künstlerisch auf einem sehr hohem Niveau. Alle Künstler arbeiteten hoch professionell mit der Fähigkeit zu improvisieren, da es im Zusammenspiel mit dem öffentlichen Raum immer wieder Unwägbarkeiten gibt.

 

Kooperationen: Es sind vor und während des Festivals zahlreiche Kooperationsangebote mit Initiativen, Kulturinstitutionen und Privatpersonen entstanden, die sicherlich auch für das nächste Performancefestival 2015 genutzt werden können.

 

Besucherzahlen: Die Besucherzahlen im öffentlichen Raum zu evaluieren fällt schwer. Insgesamt sind die Besucherzahlen für das erste Festival dieser Art jedoch sehr zufriedenstellend.

 

Katalog: Leider wurde das Cover des Kataloges falsch gedruckt und im Innenteil gab es ebenfalls drucktechnische Mängel. Die Auflage wurde komplett zurück geschickt und wird zur Zeit neu gedruckt. Das in ihren Händen liegende Exemplar ist quasi ein von mir verändertes dokumentarisch-künstlerisches Objekt, dass das Festival dokumentiert.

 

Finanzen: Leider haben die Kreise des Münsterlandes mit der Begründung knapper Finanzen das Festival nicht gefördert, obwohl es im gesamten Münsterland stattfand. Dies muss sich für das kommende Festival 2015 zwingend ändern. Auch die LWL-Kulturstiftung förderte nicht. Dies lag jedoch an einen Formfehler meinerseits.

 

Fazit: Das Festival hat insgesamt sein Ziel erreicht. Es war ein experimentierfreudiges, Fragen stellendes und kommunikatives Festival auf künstlerisch hohem Niveau. Eine Fortsetzung findet in 2015 statt.

 

 

Antrag Nr. 27: AV PICKNICK 2014 – Sven Stratmann/Wilko Franz, Münster

 

Direkt zu Jahresbeginn zahlte sich für die audiovisuelle Konzertreihe AV PICKNICK die

Zusammenarbeit mit neuen Partner aus! Das Konzert im Pumpenhaus lockte 250 Besucher an und

überzeugte mit einem Mix aus Picknick, Live-Videoprojektionen auf ein Baummapping und drei sehr unterschiedlichen Musikkünstlern, die alle noch nie in Münster gespielt hatten und deren Auftritte allgemein hoch gelobt wurden.

Mit dieser Erfahrung und dem nächsten Partner Planetarium / LWL Naturkundemuseum wurde auch

das neunte Picknick dort zu einem großen Erfolg. Trotz technischer Probleme im Vorfeld war die

Kuppelprojektion in der Form einzigartig und begeisterte das Publikum. Für Videokünstler Sven

Stratmann bedeutete diese Arbeit einen hohen Zeitaufwand. Um die Videos auf die Kuppelfläche zu

berechnen, brauchte es über drei Wochen voller Nachtschichten (für den Computer) und dann

brauchte die Anlage vor Ort noch einmal über 60 Stunden um das Material auf dem dortigen System

zu konvertieren.

Auf Einladung des LWL Museums konnten wir am 3. Mai Hauschka zum zehnten Picknick präsentieren. Hier wurde mit zwei Hochleistungsbeamern die gesamte Stirnfläche des Foyers bespielt (ca. 14 Meter x 11 Meter), was gemeinsam mit dem präparierten Klavier von Hauschka atemberaubende Eindrücke hinterließ.

Auf Einladung des We trust Festivals ging es dann im Juni nach Bochum in die Rotunde wo ein Set-

Up mit Kreisen aufgebaut wurde, zu dem es neben elektronischer Musik auch eine Lesung mit Patrick Salmen gab.

Im Rahmen des Reset Festivals gab es die Club Edition, bei der es Live Tanz von Katrin Banse als

Special zu sehen gab. Das visuelle Set-Up orientierte sich zum Thema „Geschlossene Gesellschaft“

an den Strukturen 'Gartenzaun' und 'Rathaus Münster'

Den Abschluss der Konzerte bildete das Gastspiel im LWL Museum bei der Party der jungen Freunde zu der wir Martin Kohlstedt zu einem Sonderkonzert in einem echten Waldbühnenbild einladen konnten.

Das AV Picknick erfreute sich 2014 großer Beliebtheit und war bei allen fünf audiovisuellen Konzerten in Münster ausverkauft (2x Pumpenhaus, 2x LWL Museum, davon einmal als Gastspiel & Planetarium) ausverkauft. Der Abstecher nach Bochum in die Rotunde konnte noch nicht so viele

Zuschauer anlocken, trotzdem war es ein sehr schöner Abend in einem gelungenen Kulturmix, zu

dem rund 130 Personen gekommen waren. Wir konnten so in 2014 1770 Besucher verzeichnen. Jedes Picknick bot aufregende Musiker in einem neu geschaffenen Bühnenbild, welches von den Videokünstlern AQUIET (Sven Stratmann) & Francis Eggert mit Live Projektionen bespielt wurde.

Die Kombination aus Konzert, Videokunst und spannenden Orten, die in eine neue Atmosphäre

getaucht werden, bleibt weiterhin einzigartig und wagt in 2015 den Schritt über Münsters Stadt-grenzen hinaus (Kloster Bentlage & die Maschinenhalle der Zeche Westfalen). Auch in Münster werden wieder neue Orte gesucht.

 

 

Antrag Nr. 28: Seymour oder Ich bin nur aus Versehen hier - Theater Sycorax, Münster

 

Im Januar 2014 begann unter der künstlerischen Leitung von Manfred Kerklau und Paula Artkamp die konzeptionelle Arbeit an dem Stücktext. Die ursprünglich im Text vorgesehene Besetzung von 6 Schauspielern wurde erweitert, der Text wurde neu aufgeteilt und für 10 Schauspieler neu montiert. Ebenso wurden leichte Kürzungen vorgenommen.

Konzeptionelle Gespräche über Bühnenbild und Kostüme wurden geführt.

Im Februar fanden 2 Wochenendworkshops für neue interessierte Mitspieler statt. Das bestehende Sycorax Ensemble wurde erweitert durch 3 Neueinsteiger. Im weiteren Verlauf wurde einmal wöchentlich geprobt im Probezentrum Hoppengarten.

Zudem gab es 8 Intensiv Probe-Wochenenden.

In der ersten Arbeitsphase wurde über szenische Improvisationen Material zu dem Stück

geschaffen. Folgende Themen wurden u.a. beleuchtet: Gruppenrituale in der Bergweltklinik, Einsamkeit und Heimweh in der Abgeschiedenheit, Körperausdrucksmöglichkeiten Jugendlicher, Mitternachtspartys und Fressorgien, choreografische Elemente. Die Schauspieler entwickelten ein eigenes Rollenprofil. Da es in dem Stück um dicke Jugendliche geht, wurde recht früh mit fatsuits gearbeitet, um sich mit der veränderten Körperlichkeit vertraut zu machen.

Zudem stellte die Sprache des Stücks, eine Art Kunstsprache, eine besondere Herausforderung dar, die in vielen Übungssequenzen bearbeitet wurde.

Da einige Schauspieler, bedingt durch ihre Erkrankung, die Aussenseiterposition, und den Wunsch dazu zu gehören aus eigener Erfahrung erlebt haben, waren die Improvisationen sehr bereichernd und trugen zur Verdichtung des Stücks bei. Choreografische Sequenzen wurden in die Gruppenszenen eingearbeitet.

Im weiteren Arbeitsschritt wurde das szenische Material zusammengefügt und erfuhr einen

Feinschliff.

Wie in den anderen Produktionen von Theater Sycorax wurde auch in diesem Stück ein besonderes Gewicht auf die Ensemblearbeit gelegt. Die Schauspieler waren während der gesamten Spieldauer auf der Bühne. Die erforderte Präsenz über die gesamte Spieldauer zu halten erforderte ein hohes Maß an Konzentration.

In der Endprobenphase, im Zuge der Durchläufe und der Hauptproben wuchs das gesamte Material zu einer dichten Komposition. Das Ensemble verstand es sich gegenseitig zu unterstützen, ein respektvoller Umgang untereinander wurde gepflegt, in Krisensituationen wurde nach gemeinsamen Lösungen gesucht, und das Selbstwertgefühl wuchs beträchtlich.

Die Premiere fand am 1.Oktober 2014 im Theater im Pumpenhaus statt, weitere Aufführungen fanden am 2./3./4. Oktober statt. Die Aufführungsdauer betrug 100 Minuten, eine beachtliche Leistung.

Das Publikum war begeistert, in anschließenden Gesprächen nach der Vorstellung gab

es sehr viel positive Resonanz.

Für die Schauspieler von Theater Sycorax war diese Produktion von entscheidender Bedeutung. Die neuen Mitspieler haben sich gut integriert, und der Gruppenzusammenhalt wuchs im Prozessverlauf. Bedingt durch Umbesetzungen spielten auch 2 professionelle Schauspieler in dem Team. Das war für die Sycorax-Schauspieler ein Novum und eine sehr bereichernde Erfahrung, insofern als sie mit ihren schauspielerischen Qualitäten auf gleichem Niveau agieren konnten.

Besonders im Aufführungsset wurde deutlich, dass das Ensemble gut aufeinander abgestimmt war und die Leistung, sich vor dem Publikum behaupten zu können, ein freudvolles Ereignis war. Im Nachtreffen wurde der gesamte Prozess von allen reflektiert und ausgewertet. Zum Abschluss wurde gemeinsam der Videomitschnitt der Aufführung geschaut.

Diese Produktion war geprägt von personellen Wechseln.

Eine Schauspielerin erkrankte, eine kurzfristige Umbesetzung wurde vorgenommen. Alice Mortsch, die bisher nur die choreografische Arbeit geleistet hatte, übernahm diese Rolle. Außerdem hat Manfred Kerklau sich im Mai von dieser Produktion aus persönlichen Gründen verabschiedet. Für die Regie zeigte sich Paula Artkamp im weiteren Verlauf allein verantwortlich.

Während des Aufführungssets war ein Schauspieler für 2 Spieltermine nicht verfügbar, an diesen Terminen übernahm der Schauspieler Konrad Haller die Rolle.

Bezüglich der Kosten gab es kleine Abweichungen von der Planung, die sich im Wesentlichen über die Umbesetzungen begründen. Die Schauspielhonorare für Alice Mortsch und Konrad Haller waren vorher nicht kalkuliert. Ebenso nicht kalkuliert war der Posten Buchhaltung.

Über Einsparungen bei einigen Honoraren wurden diese zusätzlichen Kosten finanziert.

Auf die Videoprojektion hat man aus konzeptionellen Gründen verzichtet. Da die kalkulierten Eintrittseinnahmen zu hoch eingeschätzt waren, und der Verein nicht über diese Mittel verfügte, wurden Einsparungen sowohl bei den Honorar- wie auch bei den Sachkosten vorgenommen, um dieses Defizit einzufangen.

 

Aussichten:

Die Produktion ist im April nächsten Jahres zum Theaterfestival in Kassel einladen. Außerdem soll das Stück im Theater im Pumpenhaus noch an 3 weiteren Terminen gespielt werden.

 

 

Antrag Nr. 13: AutoRadioKultur 2014 – Sozialpalast, Eric Biembacher, Münster

 

Gelände des heutigen A&B Autozentrums am Güterbahnhof in Münster für eine Autokino-Installation nutzen wollte. Zum damaligen Zeitpunkt bestand die Möglichkeit einer Zwischennutzung auf dem Gelände, da der Pächter selbst seine bisherige Nutzung änderte und für einige Zeit brach lies. Das Vorhaben des Autokinos brachte es aber nur bis zu einem Planungstreffen mit dem Verein Linse im Cinema, zwecks einer Kooperationsanfrage, diese kam aber aus organisatorischen Gründen leider nicht zustande.

Im Laufe der Zeit, änderte sich die Brache-Situation auf dem Areal am Güterbahnhof zu einem Gebrauchtwagen- Verkaufsgelände. Der Pächter hatte gewechselt, aber der Kontakt bestand auch mit den neuen Pächtern fort, da der sozialpalast-Wohnwagen weiterhin einen Stellplatz auf dem Gelände hatte. Bereits Anfang 2013 gab es erste Gespräche mit einem der Pächter, Mounir Boomzebra bezüglich einer möglichen sozialpalast-Veranstaltung auf dem Gelände. Wie schon bei dem sozialpalast -Projekt in 2012 sollte der Geschäftsbetrieb des Autozentrums in der Zeit fortgeführt, bzw. (thematisch) aufgegriffen werden. Dazu sollte die Ausrichtung der parkenden Verkaufsfahrzeuge auf die alte Verladerampe neben dem Bürogebäude erhalten bleiben. Die Verladerampe als Bühne zu nutzen und den Bühnentanz auf die Autoradios zu funken, entstammt der ursprünglichen Autoradio-Idee, nur dass die Autos praktischer Weise bereits auf dem Gelände vorhanden waren.

Um den Begriff Radio, bzw. Autoradio zu pointieren sollte aber weder ein reines Kino/Filmprogramm, noch ein bloßes Konzert-Programm vorgeführt werden, sondern in Anlehnung an Deutschlandradio Kultur ein vielfältiges Kultur-Programm mit Features, Interviews, Musik- und Redebeiträgen, sowie Nachrichten.

 

Vorbereitung/Organisation

Aufgrund des zu erwartenden Programmumfangs und des umfangreichen technischen Aufbaus, sollte das Projekt eine möglichst lange Entwicklungs- und Laufzeit bekommen. Die Kosten/Finanzierung sah ein fast doppeltes Volumen der am Ende realisierten/geförderten 9000 EUR vor. Hierzu wurden, wie schon beim letzten Projekt im Gasometer Mittel der RKP und Mittel des Fonds Soziokultur des Bundes beantragt. Es sollten innerhalb des Kulturprogramms vielerlei Institutionen, Gruppen und Einzelpersonen der (kulturellen) gesellschaftspolitischen Arbeit Munsters und des Münsterlandes mit Künstlern und Künstlerinnen aus unterschiedlichen Genres zusammen kommen. Der ausgesprochene OFF-Ort einer solchen Kulturveranstaltung, nämlich ein Gebrauchtwagenzentrum unterstrich die Ambition eines ausgesprochenen soziokulturellen Projektes; zumal das Gebrauchtwagenzentrum (in Betrieb) beim Projekt mitspielen sollte. Aufgrund der Einreichfrist und zu erwartenden Frist im Falle einer Mittelbewilligung des Fond Soziokultur verschob sich die zeitliche Planung des Projekts frühestmöglich auf Mitte Juli 2014.

Erste Gespräche bezüglich einer Programmteilnahme wurden mit einigen möglichen Teilnehmerinnen geführt. Elemente des Programms im Gasometer wurden aufgegriffen und weiterentwickelt. Der Programmteil „Konzert“ sollte einen deutlichen Schwerpunkt bekommen. Thematisch wurde die Herkunft der Pächter des Autozentrums, nämlich Marokko aufgegriffen und auf (Nord)Afrika ausgeweitet. Die Themen Import und Export, Arbeit und Feierabend, Migration und Sesshaftigkeit waren Beispiele der Programmplanung. Anfang Juli entschied sich der Finanzierungsumfang des Projekts mit der Absage des Fonds Soziokultur, so dass mit den Förderern LAG soziokultureller Zentren und Kulturamt der Stadt Munster, sowie dem Eigenanteil 9000 EUR Mittel zur Verfügung standen.

Der geplante Projektumfang ließ sich somit allein aus technischer Sicht nicht realisieren. In Absprache mit dem Autozentrum wurden zunächst die Termine auf Ende September verschoben um genug Zeit für die Planungsänderung zu haben. Die Anzahl der Termine von ursprünglich angedachten 4 Wochenenden wurde auf ein Wochenende, auf den 26. und 27.09.2014 reduziert.

Tom Liwa, der bereits seit Juni mit der Konzeption des Projekts vertraut war, konnte als „Musikalischer Leiter“ gewonnen werden. Die Ausarbeitung des Bühnenprogramms wurde somit maßgeblich ihm überlassen, unter der technischen Bedingung, den Sound der Bühne für den Empfang und die Übertragung auf die nahen Autoradios gewährleisten zu können.

Eine weitere wichtige Änderung war die Reduzierung des Bühnen-Programms auf ein multimediales und performatives, so dass die ursprüngliche Nähe zu dem Programm eines Radiosenders sehr viel spielerischer übersetzt wurde. Die thematischen Schwerpunkte sollten erhalten bleiben. Tom Liwa entschied sich, zusammen mit seiner Kollegin aus der Band Flowerpornos, BIRGIT QUENTMEIER, das musikalisch-performative Programm auszugestalten. Auf Anregung kam zudem die Berliner und Leipziger MusikerInnen Desiree Kläukens und Andreas Laudwein hinzu. Desweiteren boten sich die zuvor hergestellten Kontakte zu MusikerInnen als mögliche, situative Ergänzungen der Bühnenarbeit an. Anfang September signalisierte das A&B Autozentrum Probleme mit der Durchführung des angedachten Projekts auf ihrem Gelände. Grund war die unsichere Vertragslage eines auslaufenden Pachtvertrags für einen Teil des Geländes und die Befürchtung einer nachteilige Auslegung Seitens des Grundbesitzers, sollte das Projekt wie geplant mit aller Öffentlichkeitsarbeit durchgeführt werden. Man bat um die Verschiebung des Projekts in das Jahr 2015, oder die Verlegung an einen anderen Ort. Andere Lösungen, wie etwa Teilnutzung des Geländes wurden zwar diskutiert, schieden aber aus. Aufgrund des geringen Zeitpuffers musste eine schnelle praktikable Lösung für einen anderen Ort gefunden werden. Das A&B Autozentrum bot an, einige Gebrauchtwagen an einem anderen Ort zur Verfügung zu stellen.

Die Umsetzung einer früheren sozialpalast-Installation zu den Open House Tagen im Mai 2014 ließ die Wahl auf den Eingangsbereich des Atelierhaus Speicher 2 am Hafen in Münster fallen. Dort konnte mit einigen Erfahrungswerten ein konzeptionell projektnaher Aufbau realisiert werden, der die Elemente Bühne, FM-Funk, Autos/Autoradios und Autokino/Projektion, sowie multimediale Performance beinhaltet.

Die Förderstellen wurden bei der Wechselplanung kontaktiert und einbezogen. Die Verlegung an den Hafen wurde beschlossen.

Der künstlerische Grundsatz bestand nun darin, zwar den neuen Ort auch für einen komplett neuen Aufbau zu nutzen und gelten zu lassen, allerdings den ursprünglichen Ort am Güterbahnhof in die neue Installation einzubeziehen. Dazu wurden auf dem Gelände am Güterbahnhof filmisches Material gesammelt und später für eine Frontalprojektion „Bild in Bild“ auf die Bühne verwendet. Da in dem neuen Aufbau die Projektion auf das Betonsilo gegenüber dem Speichereingang zentral wurde, hatten diese filmischen Mitschnitte eine entsprechend zentrale Bedeutung. Des Weiteren wurden Sitzelemente, bzw. Autositzbänke aus dem Bestand des A&B-Autozentrums als Objekte für das Bühnenbild verwendet. Der Gesamtaufbau wird unter sozialpalast.de/Kunst in Wort und Bild beschrieben.

Umsetzung

Die Umsetzung an den Tagen 26. und 27.09. entsprach dem beschriebenen Aufbau. Die Besucherzahlen konnten Aufgrund des vornehmlichen Laufpublikums am Hafen kaum trennbar festgestellt werden.

 

 

Antrag Nr. 9: Reste 5 – Wilko Franz, Münster

 

Das fünfte Reset Festival unter Leitung von Wilko Franz fand erstmals dezentral statt und

präsentierte an neun Tagen und an acht verschiedenen Orten (Teilchen & Beschleuniger, Gleis 22,

Kleiner Bühnenboden, Pension Schmidt, Spec Ops, Petrikirche, Kreativ-Haus & Pumpenhaus) eine

spannende Mischung aus Ausstellungen zum Schwerpunkt "Geschlossene Gesellschaft" und

spartenübergreifenden Kulturveranstaltungen mit Konzerten, Lesungen, Theater und Kurzfilmen an

ungewohnter Stelle. Etwa 2000 Zuschauer besuchten das RESET No5 und bestärkten mit ihrem

Zuspruch die Bedeutung des kleinen Festivals für Münster.

Das dezentrale Konzept und die Erweiterung der Ausstellungsdauer war ein voller Erfolg und hat

durch die Mischveranstaltungen verschiedene Orte und Strömungen positiv vereint.

Mit dem Programm konnte man ebenfalls sehr zufrieden sein, da eine große Bandbreite geboten

wurde, sowohl lokal als auch international.

Für die Fortführung des Festivals wird nun ein Verein gegründet, mit dem das Festival im

zweijährigen Turnus durchgeführt werden soll. In den Zwischenjahren soll es jeweils ein „Spezial“

geben.

Es ist für das Reset Festival unerlässlich weiter und in höherem Maße von der Stadt Münster

gefördert zu werden. In diesem Zusammenhang soll auch der Sinn einer Maximalhöhe zur

Projektförderung in Frage gestellt werden, die sich in keiner Relation zu einem neuntägigen Kunts- und

Kulturfestival befindet.

Es ist zu hoffen, dass das Festival in 2016 sein Budget durch Förderung und Spenden verdoppeln

kann um unter fairen Konditionen arbeiten zu können.

 

 

Antrag Nr. 6: Der Soundtrack meines Lebens - Theater am Schlachthof, Neuss

 

Durch die beiden verschiedenen Arbeiten unserer Theaterpädagogin Sarah Binias (Aufbau eines Seniorenensembles, Theaterarbeit mit Jugendlichen) kam die Idee auf, diese beiden Gruppen zu verbinden. Es gab schon eine kleinere Zusammenarbeit zum Thema Zukunft aus den Blickwinkeln der beiden Generationen. Aus diesen guten Erfahrungen wollten wir versuchen eine noch engere Zusammenarbeit zu ermöglichen und noch weitere Senioren und Jugendliche durch das Thema Musik für ein solches Projekt zu gewinnen.

Der Versuch zwei Generationen über ihre Liebe zur Musik zusammen zu führen und trotz der Unterschiede in den Musikarten eine Gemeinsamkeit zu entdecken, hat als Anreiz gut funktioniert. Es entstanden zwei Theatergruppen: eine Gruppe mit Jugendlichen im Geschwister-Scholl-Haus (ca. 13 halbwegs regelmäßige Teilnehmer) und eine Seniorengruppe im Theater am Schlachthof (9 engagierte Seniorinnen). Diese trafen sich ab Oktober regelmäßig einmal die Woche und erarbeiteten verschiedene Szenen und Musikstücke. Dabei halfen neben der Theaterpädagogin auch ein Vocal Coach und eine Choreografin bei der Songdarstellung, die sowohl mit den Jugendlichen als auch mit den Senioren arbeiteten. Da sich die Zuverlässigkeit der Jugendlichen als sehr schwierig heraus stellte, entschiedenen wir, keine gemeinsame Abschlussaufführung mit allen Beteiligten auf der Bühne zu wagen, sondern probten nur mit den Senioren für die Theateraufführung und nahmen mit den Jugendlichen zahlreiche Videos auf, die dann in der Aufführung eingespielt werden. Diese findet im Juni 2015 im Theater am Schlachthof statt.

 

 

Antrag Nr. 8: Achilles ohne Ferse oder wie perfekt ist die Welt? - Theater am Schlachthof, Neuss

 

Ein Jugend-Theaterprojekt über perfekte Menschen, deren Fehler und was man daraus lernen kann!

Aus unserem bereits bestehenden Jungendclub, aus unseren Schulkooperationen und aus weiteren bereits bestehenden Projekten fanden sich 11 Jugendliche zwischen 14 und 17 Jahren, die an dem neuen Theaterprojekt des TAS teilnehmen wollten. Beim ersten Treffen wurde den Jugendlichen von der Theaterpädagogin Sarah Binias und dem Regisseur Dennis Palmen die Erzählung über den griechischen Helden Achilles vorgestellt, um sich so über die klassische Geschichte aktuellen Problemen und Themen zu nähern.

Es wurden dann an den nächsten wöchentlichen Treffen verschiedene freie Schreib- und Theaterimprovisationen zum Thema Unperfektsein, Fehler, Mobbing usw. begonnen, die dann im Laufe der Wochen zu festen Theaterszenen oder Poetry Slam-Texten wurden.

Zu den verschiedenen Treffen kam auch der Videokünstler Fabian Schulz und nahm die Szenen oder auch die einfache Improvisationen auf Video auf, um darauf Einspielfilme für die fertige Performance zu schneiden und mit den Jugendlichen zur Nachbesprechung zu nutzen.

Leider wurde die geplante abschließende Aufführung zum Saisonabschluss 2015 nach einem rapiden Rückgang der jugendlichen Teilnehmer Anfang 2015 abgesagt. Anscheinend ist ein Projekt über einen so langen Zeitraum mit Jugendlichen nur schwer zu realisieren. Für die nächsten Projekte planen wir kürzere Laufzeiten.

 

 

Antrag Nr. 32: Pursuit of happiness – Arbeit und Leben/art@work, Oberhausen

 

Die Produktion "pursuit of happiness - Jeder Mensch hat das Recht sein Glück zu suchen - naber? misto!” - oder wie es auch heißen mag in den vielen Sprachen unserer Stadt - hat ein Thema auf die

Bühne der Duisburger Akzente gebracht, das die Stadtgesellschaft polarisiert – und zugleich Menschen in gemeinsame Aktion, die von den Medien eher auseinander geredet werden - alt eingesessene Duisburger, Zugewanderte der 2. und 3. Generation und vor allem Neubürger aus

Südosteuropa, bringt.

Zu erleben war eine cross-over-Produktion mit Musik, Poesie und Visuals, mit Künstlern der freien Szene wie Anja Lerch und Mustafa Zekirov, dem Jungen Ensemble Ruhr, Uwe Frisch (KOM’MA Theater), dem Duisburger Tanztheater Ulla Weltike, Ensembles der Lise-Meitner-Gesamtschule

und der MKS Duisburg, Visual Artists des Medienbunker Marxloh, Akteuren aus ‚den Peschen’ und einem großen Projektchor (Ltg. Cristian Carrasco)

Die Premiere fand am 21. März in der ausverkauften Liebfrauenkirche im Rahmen der Duisburger Akzente 2014 „Geld oder Leben“ statt.

Die Entwicklung der Produktion fand in gemeinsamen Wochenend- und Wochenseminaren statt und setzte sich in arbeitsteiligen und zentralen Probenphasen fort.

Ausgehend von dem historischen Kontext der Maxime des „pursuit of happiness“ wurde die Frage nach der aktuellen Bedeutung gestellt: Das Streben nach Glück – ein Menschenrecht, das für alle gilt?

Es folgten Überlegungen zu den wichtigsten Aspekten der Thematik, der Schwerpunktsetzung und Programmstruktur und weitergehend auch zu den Möglichkeiten der Zusammenarbeit der verschiedenen Ensembles und Genres.

Die Programmentwicklung stand von Anfang an unter dem Eindruck der Zuwanderungs- und

Asyldebatte. So galt ein besonderes Augenmerk der Beteiligung von Jugendlichen aus Syrien, Tschetschenien oder Rumänien, aus Seiteneinsteigerklassen und dem Rheinhauser Roma-Quartier ‚In den Peschen’: „Zur falschen Zeit am falschen Ort geboren“? - „Jeder Mensch hat das Recht sein Glück zu suchen“ - Fremde Stadt - offene Stadt und neue Heimat?

Übereinstimmung bestand aber auch dahingehend, dass diese Debatte die Produktion nicht dominieren, sondern die Perspektive von Jugendlichen und jungen Leuten aus Duisburg gleichermaßen eingenommen werden sollte: Was geht in Duisburg? Was treibt mich woanders hin?

Bei der künstlerischen Arbeit spielten die Improvisation und nonverbale Kommunikation eine große Rolle, die Suche nach interkulturellen Metaphern und Ausdrucksqualitäten: Zugvögel, Menschen unterwegs - Himmel, kleiner Mensch am großen Meer - Portraits, Sehnsucht nach Nähe, Familien- und Freunde - Bilder - Stadtbilder, vertraute und fremde Welt(en) - bei sich sein, Nummer sein, Formulare, Fahrpläne, 4ZKDB – verloren oder ausgegrenzt sein - Frühling, neue Lebensfreude - alte Lieder, Tradition, Gemeinschaft, Kraft schöpfen …

Im Ergebnis entstand eine Produktion mit vielen, vor allem neuen Texten, Musiken und Songs, Choreographien und Visuals.

 

Programmzettel:

Pursuit of happiness - Duisburger Akzente - 21.03.2014

Woher kommst Du?

Immer mehr Land - T/M: Wolf Brannasky, Wolfgang Spielvogel

Die Meisten - T: Nazim Hikmet

Söyle - T/M: Annegret Keller, Emre Yesilyurt, Klasse 9 E Lise-Meitner-Gesa

Migration birds - M: Ludovico Einaudi „Giorni dispari“

Was suchst Du? - Wann ist Glück? - Wo ist Glück?

Fällt ein Kind in diese Welt - T: Antek Krönung

Bahtalo - Freude und Hoffnung - T/M: Carol Duman, Annegret Keller

Que eso - was geht - T/M: Junges Ensemble Ruhr

We feel alive - T/M: Jennifer Schirmer, Miriam u. Rebecca Schlünkes

Libertango - M: Astor Piazzolla

Das schönste Meer - T: Nazim Hikmet

Budimpesta - T/M: trad. Romanes

No se - T/M: Ornella Tobar

Laudizau me toanav devla - T/M: trad. Romanes

Was kostet das Glück? - naber? - misto!

Migration birds 2 - M: Ludovico Einaudi “Julia“

Stadt - M: Mirco Wessoly (nach einem Motiv von Swedish House Mafia)

Wanderer - T/M: Emre Yesilyurt, Annegret Keller

Almanci - T/M: Annegret Keller

Man sieht nur das, was man sehen will T/M: Annegret Keller

Warum? - T/M: Mustafa Zekirov

Von den Roma lernen - T: Günter Grass

Ederlezi - T/M: trad. Romanes

Jeder hat das Recht sein Glück zu suchen

Paradiesgarten - T: Jan Steegmann

Ay dogdu üzerimize - T/M: trad. Türkei

Djelem - T/M: trad. Romanes

 

Im Januar wurden die Duisburger Burger wieder zur Mitwirkung am Projektchor eingeladen, der mit mehr als 100 Teilnehmern ein deutliches Signal im Geist einer offenen Stadt setzte:

Seit der Gründung des Projektchores und unserem ersten Konzert „Turlitawa- Eintopf“ im Mai 2013 ist eine Menge passiert, positive Entwicklungen, vor allem im menschlichen Miteinander innkulturellen Projekten mit den Kindern und Jugendlichen aus dem Haus ‚In den Peschen’, aber auch negative Entwicklungen, die uns allen Sorgen bereiten.

So möchten wir erneut zum Mitsingen und Miteinander einladen.

Der Projektchor wird Stücke in verschiedenen Sprachen und Stilen erarbeiten, Musik von Philipp Glass, türkische, Romanes und Neukompositionen. (Ltg. Cristian Carrasco)

Proben: Do. 13. und 20.02., 6. und 13.03. jeweils 19.30 - 21.00 h im

Forum der Lise-Meitner-Gesamtschule, Lessingstr. 3, 47226 Duisburg

Generalprobe: Do. 20.03. um 18.00 h in der Liebfrauenkirche

 

Zeitgleich spitzte sich die Situation um die Häuser ‚In den Peschen’ weiter zu. Zwar erhielt

das BAHTALO-Projekt am 29. Januar 2014 den Preis des Duisburger Bündnis für Toleranz und Zivilcourage (http://duisburgamrhein.wordpress.com/2014/01/29/bundnisfur-

toleranz-und-zivilcourage-ehrt-rheinhauser-projekt-bahtalo-hoffnung-und-freude/), zwar gründete sich ein Patenkreis, der die einzelnen Familien nun auch individuell bei ihrer Suche nach Wohnung und Arbeit unterstützte. Doch verschärften sich der Druck des Vermieters einerseits, die Hoffnungslosigkeit andererseits dermaßen, dass im Februar eine regelrechte Fluchtbewegung unter den Familien einsetzte.

Am 21. März fand dann die Veranstaltung „PURSUIT OF HAPPINESS“ in der ausverkauften Liebfrauenkirche statt, die für Publikum und Akteure zu einem großen Erlebnis wurde.

 

Fazit:

Was wir mit den Menschen aus den Peschen, aus Syrien und Tschetschenien zusammen

erlebt haben, geht nicht verloren. Wir haben uns im Projekt kennen und schätzen gelernt, es sind

Freundschaften und Vertrauen entstanden. Wir haben neue Ausdrucksmöglichkeiten entdeckt,

Fähigkeiten und Ansprüche entwickelt. Wir haben an Selbstbewusstsein gewonnen und unsere Anliegen in die Öffentlichkeit getragen – in anrührenden und mitreißenden Präsentationen. Wir hatten Spaß, große Freude und viel Energie.

 

 

Antrag Nr. 33: Aktionswochen gegen Homophobie – Druckluft, Oberhausen

 

Die erste Aktionswoche gegen „Homophobie“ fand vom 10.06. bis zum 14.06.2014 im Jugend- und Kulturzentrum Druckluft statt. Durch den Pfingststurm leider unter schlechten Vorzeichen, da in dieser Woche durch das Unwetter keine Züge gefahren sind und es deshalb leider sehr schwer war ins Druckluft zu kommen. Der Poetry Slam und der Vortrag Homophobie im Fußball von Gerd Dembowski mussten leider ausfallen, da es für die Vortragenden nicht möglich war nach Oberhausen zu reisen. Die restlichen Veranstaltungen fanden aber statt. Die Ausstellung, der Rosa Strippe e. V., Verqueere Welten - Alternative Lebenswege junger Menschen zeigt 10 Jugendliche und junge Erwachsene von 14 bis 27 Jahren, die sich als schwul, lesbisch, bi, trans* oder queer definieren. Sie gewährt Einblicke in ihre Biografien und geben so die Möglichkeit, sie als Menschen mit unterschiedlichsten Lebensentwürfen kennenzulernen und sich damit auseinanderzusetzen. Die Ausstellung konnte in der gesamten Aktionswoche im Neuen Café begutachtet werden. Für das leibliche Wohl sorgte das Schmackofatz, das vegane Restaurant im Druckluft. Der erste Vortrag am Dienstag fand im Nebenraum des Neuen Cafés statt. Thema war „Hegemoniale Männlichkeit als Mechanismus zur Aus- und Abgrenzung“. In diesem Vortrag ging es um die Theorie der hegemonialen Männlichkeit von Raewyn Connell, einer australischen Soziologin, in ihrem Buch „der gemachte Mann“. Sie geht von einer sozialen Wirklichkeit aus, in der das Patriachat immer wieder reproduziert wird und sich als Ungleichverhältnis stabilisiert. Der Referent Sven Leimkühler erläuterte in seinem Vortrag die Theorie der hegemonialen Männlichkeit und ging insbesondere auf den Zusammenhang von Männlichkeit und Homophobie* ein. Der Poetry Slam viel leider aus. Am Mittwoch wurde der Film Billy Elliot – I Will Dance gezeigt und im alten Café fand die D.I.Y. Kneipe statt. Eine Bastelkneipe die einmal im Monat bei uns stattfindet. Der Vortrag von Gerd Dembowski viel leider aus. Am Donnerstag gab es einen offenen Diskussionsabend, der ein Forum für alle Fragen zu der Thematik Homosexualität war. Danach gab es einen Vortrag zum Thema „Die Situation von lesbisch, schwulen und bisexuellen Afrikanern in Deutschland und Afrika.“ von Alexandre Ndjeng Biyouha (Planet Afrika e.V. Bochum). Als Abschluss des Tages trat die Musikgruppe Egotronic in der Halle auf. Am Freitag wurde der Film Ich kenn´ keinen - Allein unter Heteros gezeigt. Danach trat die Musikgruppe Antilopengang in der Halle auf und die Partygruppe Soundsalat veranstaltete eine Party im alten Café. Der Samstag stand ganz im Zeichen der Rapperin Sookee. Sookee lebt in Berlin. Mit feministischer Theorie und Praxis ist sie vor allem durchs Studium in Berührung gekommen und hält heute Vorträge zu (Hetero-)Sexismus im Hiphop, aber beschäftigt sich auch mit den subversiven und progressiven Potentialen von Subkulturen. Ihre Musik beinhaltet sowohl Kritik an hierarischen und normativen Strukturen als auch Empowerment von widerständigen Identitäten, sodass ihre Inhalte zwar nicht leicht verdaulich, aber nie dogmatisch sind. Neben ihrem Vortrag „Schwule Rapper, es wird Zeit, dass wir Tacheles sprechen...“ stand sie danach mit ihrem Musikprogramm auf der Bühne. Als Abschluss der Aktionswoche fand nach dem Konzert noch eine Party statt. Damit endete die Aktionswoche gegen Homophobie. Für das erste Mal war es eine sehr gelungene Aktionswoche, die es aber leider durch den Pfingststurm und das nicht fahren der Züge schwer hatte.

 

 

Antrag Nr. 3: A street story – Theater Gegendruck, Recklinghausen

 

Die Voraussetzungen beim Projektstart
(Juni 2014)
Selten trifft es zu, dass der Stoff eines Buchs derart von der Wirklichkeit eingeholt wird, wie es bei dem 1999 erschienenen Roman KING von John Berger der Fall ist.
Der Start des Projekts A STREET STORY von Theater Gegendruck fiel mit dem Beginn der Fußballweltmeisterschaft in Brasilien zusammen. Die dortigen Favelas mussten gigantischen Fußballstadien weichen. Die Bewohner der Elendsviertel wurden umgesiedelt und blieben von den Spielen ausgeschlossen. Wenig später eskalierten die Auseinandersetzungen um die sogenannte „Cuvry-Brache“ in Berlin-Kreuzberg. Hier hatten Wohnungslose, Künstler und Sympathisierende versucht, einen der letzten nicht-kommerziell genutzten Flecken in der Stadtlandschaft Berlins zu einem Ort alternativer Lebensweise zu machen. Hier beendete schließlich ein Polizeieinsatz dieses Zwischenspiel und machte den Platz für die Investoren frei.

So wurde die Erarbeitung des Projekts A STREET STORY von Anfang an mit der Aktualität der Ereignisse konfrontiert.
Die Menschen, die sich im Juni 2014 zusammenfanden, um den Roman KING von John Berger gemeinsam zu erarbeiten, konnten fast alle auf eigene Erfahrungen mit dem Thema „Obdachlosigkeit und prekäre Lebensverhältnisse“ zurückgreifen. Der Schauspieler Andreas Weißert konnte wegen eines kurzfristigen Engagements am Düsseldorfer Schauspielhaus leider nicht mehr dabei sein. Volker Hardt, der daraufhin die Rolle des Vico übernommen hatte, war mit der Materie des Romans bereits eng vertraut: Als Herausgeber einer Dokumentation über den stadtbekannten Recklinghäuser Obdachlosen „Vilim“ hatte er uns bei den Vorbereitungen für das Projekt beraten. Die beiden Ensemblemitglieder spanischer Nationalität, die hochengagierte Regieassistentin und Souffleuse Carla Camps Santasusana sowie Julia Molero Azara, die die Rolle der Vica übernahm, konnten aus persönlicher Anschauung von den Auswirkungen der Wirtschaftskrise in Spanien berichten, durch die viele Menschen ihre Wohnung verloren. Und der Musiker Moritz Thorbecke aus Berlin schließlich konnte seine Erfahrungen bei der musikalischen Unterstützung des Berliner Obdachlosen-Theaters RATTEN 07 einbringen und vom aktuellen Stand der Kreuzberger Auseinandersetzung erzählen.
Hinzu kamen beim Projekt A STREET STORY als „Experten des Alltags“ Bastian Pütter und Susanne Schröder vom Straßenmagazin BODO sowie Holm Schüler vom Kirchenkreis Recklinghausen, der dort als Leiter der Bildungsarbeit zahlreiche Fortbildungsveranstaltungen zum Thema organisiert.

Erste Projekt-Phase:
Die Erarbeitung des Stücks KING. A street story bis zur Premiere
(Juni 2014 bis Oktober 2014)
Bereits bei den ersten Leseproben im neuen Gegendruck-Proberaum in der früheren Königschule in Recklinghausen-Süd stellte sich heraus, dass alle Beteiligten mit großer Motivation bei der Sache waren. Als Glücksfall erwies sich dabei das Bühnenbild des Herner Künstlers Erich Füllgrabe mit seiner klaren Strukturierung: Auf einem Boden aus Verpackungsmaterialien befinden sich Euro-Paletten, Blechhaufen, verschiedenste Holz-Konstruktionen und Podeste. Im Bühnenhintergrund hängt ein (gedruckter) Prospekt, der das Foto einer Müllkippe mit dem Schnittmuster eines Ärmels (als Verweis auf den Namen der Obdachlosensiedlung) kombiniert. So entsprach die szenographische Umsetzung des Bühnenbildners exakt den Intentionen der Regie, bei der Bühnenfassung des Romans eine illustrierende „Elendsfolklore“ zu vermeiden und so einen universellen Raum für die anrührende Erzählung zu schaffen.
Bei der Besetzung erwies es sich als sehr günstig, dass der Hund King, aus dessen Perspektive die „street story“ erzählt wird, von zwei jungen Darstellern, die verschiedene Charakterzüge der Figur spiegeln, verkörpert wird. Auf einen dritten Schauspieler für diese Figur, wie sie zunächst geplant war, wurde aus erzähltechnischen Gründen verzichtet.
Und schließlich waren alle Mitwirkenden von der überaus sensiblen Klangerfindungen von
Moritz Thorbecke begeistert, der live mit Alltagsgegenständen auf seinem Loopgerät sowie auf zwei Elektrogitarren eine stimmungsvolle Geräuschcollage produzierte, die die Darsteller beflügelte.
So gelang es bei den Proben, die Textmassen des Romans in den Griff zu bekommen und eine eigene Erzählform zu entwickeln, die auch den poetischen Momenten des Romans entspricht und aus dessen Protagonisten überzeugende Bühnenfiguren macht.

Schließlich konnten bei den Endproben, zu denen der Live-Musiker, der auch eine Sprecherrolle übernommen hatte, jetzt regelmäßig aus Berlin anreiste, auch die technischen Probleme durch geeignete Investitionen bewältigt werden.
Dies betraf zum einen die Ausstattung des „Arbeitsplatzes“ für die Bühnenmusik u.a. durch Anschaffung einer Mini-Verstärker-Anlage, von der aus die gesamte Bühnenmusik geregelt wurde. Zum anderen konnte durch kleine Investitionen im Lichtbereich insbesondere die komplizierte „Nacht-Stimmung“ des letzten Teils der Bühnenfassung, in der die Obdachlosensiedlung gewaltsam geräumt wird, hergestellt werden.

Zweite Projekt-Phase:
Die Aufführung KING. A street story und ihr öffentliches Echo
(Oktober 2014 bis Dezember 2014)
Die Premiere von KING. A street story fand am 26. Oktober 2014 im Soziokulturellen Zentrum Bahnhof Langendreer Bochum statt. Rund hundert Zuschauer verfolgten gebannt die Geschichte des Paares Vico und Vica und ihres Hundes King. Am Schluss gab es großen Applaus für alle Mitwirkenden. Das Presse-Echo auf diese Aufführung war sehr positiv. So schrieb die Recklinghäuser Zeitung vom 29.10.2014: „Die Darsteller verkörpern viel Würde unter unwürdigen Bedingungen. Es braucht dazu keine überzogene Action. (…) Empfehlenswert!“

Auch die folgende Aufführung am 2.11.2014 auf der Hinterbühne des Recklinghäuser Ruhrfestspielhauses war mit rund hundert ZuschauerInnen sehr gut besucht und wurde von einem buntgemischten Publikum aller Altersstufen mit langanhaltendem Beifall gefeiert. An der Recklinghäuser Aufführung nahmen auch Wohnungslose des katholischen Kirchenprojekts „Gastkirche“ teil, von denen hinterher anerkennende Reaktionen kamen. In zahlreichen Einzelgesprächen sowie in Mailzuschriften äußerten sich Zuschauer begeistert. In einer Diskussion mit dem „Theaterclub“ der VHS Recklinghausen, zu der Regisseur Johannes Thorbecke am 5.11.14 eingeladen wurde, bescheinigten viele BesucherInnen, dass sie die Bühnenumsetzung noch authentischer als den Roman selbst empfunden hätten.
Ebenfalls am 5.11.14 wurde das Thema „Armut als Folge des Strukturwandels“ bei einer Veranstaltung mit Prof. Christoph Butterwegge im Bahnhof Langendreer Bochum diskutiert. Hier gab es ein Wiedersehen mit vielen ZuschauerInnen, die durch die KING-Aufführung in Langendreer auf den Abend aufmerksam geworden worden waren.

Im Dezember 2014 fanden zwei weitere Gastspiele der Produktion KING. A street story statt, die von intensiven Wiederaufnahmeproben begleitet waren: Am 7.12. im Soziokulturellen Zentrum Pelmke in Hagen und am 9.12. im IG Metall-Bildungszentrum Sprockhövel.
Vor der Aufführung in Sprockhövel erläuterte Johannes Thorbecke in einer Einführung, warum die Thematik des Stücks gerade für GewerkschafterInnen von Brisanz ist. Denn auch der Kampf um einen Mindestlohn und die Ergebnisse der Tarifrunden hätten Einfluss auf das Armutsrisiko in der Gesellschaft. Das Gastspiel in Sprockhövel stieß auf ein sehr positives Echo bei den zahlreichen BesucherInnen, die trotz der „Konkurrenz“ eines zeitgleich stattfindenden Fußballspiels bis zum Schluss der Aufführung mit großer Spannung folgten. Im Anschluss daran gab es noch viele angeregte Einzelgespräche, die nach Auskunft der Schule auch am nächsten Tag in den Seminaren des Hauses weitergeführt wurden.

Dritte Projekt-Phase:
Ein „nachhaltiges“ Thema, das viele Menschen bewegt
(Januar 2015 bis….)
Dass das Thema von KING viele Menschen beschäftigt, zeigte sich auch bei zwei weiteren Gastspielen der Produktion im Januar 2015. Zum Gastspiel im Theater im Depot Dortmund am 15.1.15, das in Zusammenarbeit mit dem gemeinnützigen Verein BODO e.V. um das gleichnamige Straßenmagazin stattfand, kamen rund achtzig ZuschauerInnen. Im Anschluss an die Aufführung blieben dann noch über dreißig BesucherInnen, um unter der Diskussionsleitung von Susanne Schröder (BODO-Redaktion) über Stück und Aufführung zu sprechen. Dem Einwand eines Besuchers, der Roman von John Berger biete eine romantisierende Schilderung des Elends, wurde von anderen BesucherInnen entschieden widersprochen. Als großes Verdienst wurde der Inszenierung von verschiedenen ZuschauerInnen bestätigt, dass es ihr gelinge, den Menschen hinter den elenden Verhältnissen hervortreten zu lassen, ohne die politische Problematik zu verwässern.
Mit rund achtzig ZuschauerInnen war schließlich auch das Gastspiel in den Flottmann-Hallen Herne am 23.1.2015 ein großer Erfolg. Die WAZ Herne vom 26.1.2015 schrieb über die Aufführung: „Theater Gegendruck bringt eine traurige, realitätsnahe Geschichte auf die Bühne und erzählt sie mit großer Wärme.“

Fazit: Es ist uns gelungen mit dem Projekt A STREET STORY Menschen verschiedener Altersstufen für das Thema „Obdachlosigkeit und prekäre Lebensverhältnisse“ zu sensibilisieren und sie anzuregen, sich weiter damit auseinanderzusetzen.
Angesichts dieses Erfolgs ist ein Ende des Projekts derzeit nicht absehbar. Weitere Gastspiele in Berlin (in Zusammenarbeit mit einer Schule) und in Köln (in Zusammenarbeit mit der EMMAUS-Gruppe, die in der Obdachlosenbetreuung tätig ist) sind in Vorbereitung.
„Unser Hund“ bleibt uns also noch eine Weile erhalten…

 

Antrag Nr. 34: Auswärtssieg – Willkommen in Remscheid - Kraftstation, Remscheid

 

Projektdurchführung

Für junge Musiker_innen ist es ein ganz besonderes Erlebnis einen Auswärtsgig zu spielen. In 2014 wurde dieses Bestreben mit dem Projekt „Auswärtsgig; oder Willkommen in Remscheid“ in den Fokus gerücken. Wir starteten mit einen Workshop-Programm um junge Bands auf Veranstaltungen vorzubereiten. Hier konnten sie selbständig ihr eigenes Konzert organisieren und durchplanen und mit auswärtigen Bands in Kontakt treten.

In einem ersten Schritt riefen wir über die sozialen Netzwerke junge Bands auf sich bei uns zu bewerben. Nach dieser Phase luden wir alle Beteiligten zu einem Kennenlern und Arbeitswochenende in die Kraftstation ein. Hier wurde das Konzept vorgestellt und jeder Band bzw. Hip Hop Crew einen Coach zugeteilt.

Die Konzerttermine standen im Vorfeld fest und wurden verteilt. Dann ging die Arbeit los. Die jungen Musiker*innen knüpften Kontakte und planten gemeinsam mit ihren Beratern ihre Konzerte. Dabei wurde schnell deutlich, dass unser Konzept schnell verändert wurde. Zwar waren die jungen Künstler sehr an einem Austauschprogramm interessiert, jedoch war es ihnen viel wichtiger mit semiprofessionellen bzw. professionellen Musikern aufzutreten. So gelang es einer Hip Hop Crew den recht bekannten Rapper Joka zu verpflichten, der sogar für einen Kurzauftritt den wesentlich bekannteren Mo Trip als Überraschungsgast mitgebracht hat. Hier waren die Jugendlichen besonders stolz und begeistert. Insgesamt haben sich die Teilnehmer*innen sehr für ihre Konzerte engagiert. Leider musste ein Konzert verschoben werden, da eine Band abgesprungen ist. Die Zusammenarbeit mit den Coaches wurde von allen als sehr hilfreich bewerten. Insgesamt haben an dem Projekt Auswärtsgig 4 Remscheider Bands und eine Hip Hop Crew teilgenommen. Die veranstalteten Konzerte waren meisten recht gut besucht. Den partizipativen Ansatz des Projektes werden wir auf jeden Fall weiter fortführen. Die Begeisterung und auch die entstandene Eigendynamik ist ein wirklich wünschenswertes Ergebnis.

 

 

Antrag Nr. 2: Lichtgestalten ... Denn die Sehnsucht ist schon Licht- Kraftstation, Remscheid

 

Eine Kunstwoche die mit Lichtinstallationen und Lichtfiguren die Sehnsüchte, Träume und Phantasien von Remscheider Jugendlichen in die industriellen Räume der Kraftstation in die Kraftstation gebracht hat.

 

1. Projektablauf

„Wer sich nach Licht sehnt, ist nicht lichtlos, denn die Sehnsucht ist schon Licht.“ (Quelle: Bettina von Arnim). Uns war gar nicht so bewusst, wie klar sich dieses Zitat im Verlaufe unseres Projektes zur Wahrheit wurde. Tatsächlich ließen sich alle Bereiche der Kraftstation durch das Projekt Lichtgestalten anstecken.

Mit diesem Erfolg und letztlich auch mit diesem Publikumsinteresse hatten wir nicht gerechnet.

Das Projekt begann mit der Workshop Woche der Raumzeitpiraten aus Wuppertal. In der großen Veranstaltungshalle haben sie zusammen mit 18 Flüchtlingskindern bzw. -jugendlichen die eine Lichtinstallation entwickelt und aufgebaut.

 

Zeitgleich liefen zwei weitere offene Workshops im Nachmittagsbereich. Hier wurde mit einem Künstler ein Lichtkonzept für die Außenfassade der Kraftstation abgestimmt auf verschiedene Klänge zugeschnitten. Beispielsweise wurde unsere Kletterwand blau beleuchtet und die Jugendlichen kletterten während der Präsentation mit Stirnlampen die Wand hinauf. Diese Idee ist ebenfalls durch den Begriff LICHTgestalten entstanden.

Ein weiterer Workshop fotografierte die Besucher*innen der Kraftstation über einen Zeitraum von mehreren Wochen und kreierte daraus eine Fensterperformance für den Veranstaltungstag.

Sogar der Kinderbereich ließ sich von der Idee anstecken und bastelte fleißig verschiedene Lichtskulpturen aus ihrer Phantasiewelt.

Am 21. November hatte das Projekt einen gemeinsamen Höhepunkt. An einem Abend wurden alle Installationen der Öffentlichkeit präsentiert. Zahlreiche Besucher*innen strömten in unserem Haus und würdigten die Anstrengungen unserer Teilnehmer*innen. Das ganze Projekt ist ein voller Erfolg und wird 2015 in einer kleineren Version unbedingt fortgeführt.

Ursprünglich war für das Projekt ein Berliner Künstler angedacht. Er hat kurzfristig abgesagt, deshalb sind zwei alternative Workshops entstanden.

 

Über das Medium Licht konnten wir viele Menschen erreichen. Gerade in der Projektarbeit mit den Flüchtlingskindern war es sehr interessant zu beobachten, wie Sprachbarrieren innerhalb künstlerischer Projekte sehr gut überwunden werden können.

 

3. Dokumentation

Im Verlaufe von LICHTgestalten ist ein Video entstanden. Das wird der Lag Soziokultur zur Verfügung gestellt. Die Zeitungsartikel werden ebenfalls zugesandt.

 

 

Antrag Nr. 36: Rio Reiser Songpreis – Lindenbrauerei, Unna

 

Unna wurde 2014 die große Ehre zu teil, in Zusammenarbeit mit dem Rio-Reiser-Haus e.V den Rio Reiser Songpreis ausloben zu dürfen.

Rio Reiser und Ton Steine Scherben sind ein Symbol für den Grundgedanken der Soziokultur.

Das Kulturzentrum hat in Anlehnung an die Rio Reiser Festivals von Fresenhagen, dem Wohn- und Arbeitsmittelpunkt von Rio Reiser, ein Festival veranstaltet, bei dem ein Contest für NachwuchsmusikerInnen den Schwerpunkte bildete.

Der Rio-Reiser-Songpreis versteht sich als Förderpreis. Er soll unentdeckten Talenten, die noch nicht an einen Verlag, Vertrieb, Agentur oder Label vertraglich gebunden sind eine mediale Öffentlichkeit verschaffen.

Zudem konnte der Rio Reiser Songpreis als eines der ersten Projekte, die den create music- Qualitätskriterien folgen an den Start gehen und so konnte diese Maxime auch entsprechend durch den Contest weiter transportiert werden.

Der Rio Reiser Songpreis hatte ein Motto, ein Thema. Es sollte die Kreativität der Teilnehmer nicht einschränken sondern war als Inspiration gedacht.

BLINDER PASSAGIER:

In unserer Gesellschaft wimmelt es nur so von BLINDEN PASSAGIEREN. Sie nisten sich als Trojaner in Netzwerken ein. BLINDE PASSAGIERE gibt es unter uns, die in der Hoffnung auf ein besseres Leben vor Hungersnot, Krieg und Verfolgung flohen, ohne Papiere als Illegale wie Gefangene leben und Ihre Abschiebung befürchten müssen.

BLINDE PASSAGIERE gibt es überall- „oben“ wie „unten“. Die einen können das Essen und die Miete nicht mehr bezahlen, die anderen bringen heimlich das Geld in großen Koffern in Steuerparadiesen in Sicherheit. BLINDE PASSAGIERE gibt es in der Liebe, in Lebens- und Wohngemeinschaften unter Nachbarn und in der Politik.

Der BLINDE PASSAGIER verdient es besungen zu werden.

Die Gewinner des «Rio Reiser Song Contest» wurden von einer hochkarätig besetzten Jury gewählt, zu der u.a. Sängerin Ulla Meinecke, Wolf Maahn, Stoppok, Martin Paul von den Ton Steine Scherben sowie Mitglieder des Verein RIO REISER HAUS e.V. gehörten. Als Preis wurde eine Geldprämie in Höhe von 3500,- € für den bundesweite Gewinner vergeben.

Für Bands aus der Region Westfalen Lippe gab es einen Zusatzpreis (WLP) von 1500,-€ Dieses soll speziell für die Musikern aus der Region um Unna einen Anreiz darstellen, sich zu beteiligen. Insgesamt gab es weit über 200 Bewerbungen, von denen über 30 in die engere Auswahl kam und der Jury aufgrund der durchweg hohen Qualität die Entscheidung nicht leicht machte.

Am 23.8. fiel die Entscheidung der Jury: Der Rio Reiser Songpreis 2014, verliehen im Rahmen des Rio Reiser Festes des Kulturzentrums Lindenbrauerei in Unna, ging an die Band Kraus aus Hamburg. 

3500 Euro Siegergeld erhielten die sympathischen Jungs von der Alster, die beim Rio Reiser Fest den überzeugendsten Auftritt hinlegten – gegen allerdings starke Konkurrenz. Für das Finale nominiert waren neben KRAUS die Bands Tilo aus Köln und Clemens M. Müller aus Dresden.

Die Band Kraus möchte das Geld in die Produktion der neuen CD stecken….diese Mail erreichte uns kurz nach dem entscheidenden Wochenende:

„…Wie machen wir das mit dem Preisgeld? Wir sind nämlich jetzt voll in die Albumplanung eingestiegen... denn mit dem Preis können wir es uns leisten, unser Album fertigzustellen. Die unglaubliche Nachricht, die uns gestern erreicht hat ist, dass Geoff Emerick (der Beatles-Ing.) unser Album abmischen wird! Ich bin grade noch ganz fassungslos über dieses Wochenende...“

Nach 3500 Euro bundesweit gab es nochmals 1500 Euro als Siegergeld für eine Band aus der Region Westfalen-Lippe. Über diesen “kleinen Songpreis” freute sich Muted Noise, eine äußerst vielversprechende junge Nachwuchsband aus Schwerte. Als starke Mitbewerber traten die Band Felix Muster und das Projekt 68 an.                         

Die Entscheidungen für beide Preise fielen nach kurzen Liveauftritten der Bands.

Abschließend kann man sagen, dass der dieses Projekt neben dem Teilnahmeanreiz für viele Bands auch großes Medieninteresse geweckt hat. Es sind Türen geöffnet, sodass wir sehr positiv in die Planung für 2015 bzw. 2016 gehen, und denken, dass aus diesem Projekt in ein paar Jahren wirklich ein weiteres Standbein für das Kulturzentrum Lindenbrauerei aber auch eine Bundesweit wirkende „Marke“ werden kann. Dass wir auch der Musikscene damit guttun, lässt sich aus den vielen positiven Rückmeldungen, die wir anschließend bekommen haben, ablesen

Wir drücken der Band Kraus ganz fest die Daumen, dass die Karriereleiter nun weiter steil bergauf geht.

 

 

Antrag Nr. 40: Your place, your time! – Laonda e.V., Wuppertal

 

Es richtete sich an Schüler aller Schulformen, Auszubildende, Arbeitssuchende, Jugendzentren, Künstlerinitiativen und Migranten-Vereine der oben genannten Quartiere. Die künstlerische Leitung haben Hanna Barczat (Regie/Choreografie) und andere professionelle Künstler.

Wir baten allen Teilnehmern die Möglichkeit voller Power auf der Festival-Bühne aufzutreten. Für den Auftritt konnten sie sich ab dem 12. Mai in dem Coaching-Workshop der Bühnenpräsenz-Techniken vorbereiten.

Wir steigerten die Lebensqualität- und Freude, das Miteinander und Füreinander, Achtung und Toleranz in diesem intensiven die Motivation und die Wahrnehmung fördernden Projekt.

Der vorbereitende Workshop für das spartenübergreifende Festival YOUR PLACE - YOUR TIME vom 19. bis 21.09.2014, Immanuelskirche, fand im SAAL des Gemeindehauses „Obendiek“, EINGANG im Hof der Immanuelskirche, Von-Eynern-Straße, statt. Wir trafen uns jeden Montag, 16.00 Uhr – 19.30 und jeden Freitag, 17.00 – 20.00 Uhr.

 

Wichtig war nur die Lust auf Tanz, Musik, Gesang oder Theater. Jeder hatte die Chance seine eigenen ursprünglichen Talente und die Freude am Ausdruck zu entdecken!

Die Regisseurin und Choreografin Hanna Barczat und die Tänzerin Noella Musangu halfen dabei und bauten über den Unterricht der Bühnenpräsenz-Techniken Ängste ab und förderten Kraft und Energie für einen gelungenen Auftritt auf der Bühne und auf der Bühne des Lebens. Insbesondere Mädchen aus dem „Kinderhaus Sankt Michael“ die auffällige Selbstbewusstsein- und Sprech-schwierigkeiten hatten, überzeugten mit einer tollen Leistung.

 

Kinder ab 8 Jahren, Teenis, Jugendliche und professionelle, internationale Musiker, Sänger und Tänzer aus ganz NRW des Jugendprojektes YOUR PLACE - YOUR TIME zeigten am 19. und 20.09.2014 eine das Publikum begeisternde Performance. (Siehe Video-Aufzeichnung)

Die Workshops am 21.08.2014 in der OASE wurden unentgeltlich ausgeführt, da das Miteinander der Menschen aus Wuppertal Oberbarmen und Wichlinghausen mit den Projektteilnehmern einen wichtigen Wert darstellte.

 

Das Publikum beider Vorstellungen von 6 -80 Jahren bedankte sich fast enthusiastisch für die dargebotenen Leistungen und alle wünschten, wie auch die Teilnehmer, eine unbedingte Fortsetzung der Arbeit.

 

 

Antrag Nr. 1: Kino in der Färberei – Die Färberei, Wuppertal

 

Nachdem endlich die vom Verein Handicap e.V. zugesagte Hardware (Leinwand und Kinobeamer) verspätet im Oktober eingetroffen und installiert war, konnten wir das geplante Format nur mit einem Überhang in 2015 realisieren.

Leider waren die Zuschauerzahlen bedrückend niedrig:

Es wurde uns später berichtet, dass Menschen mit kognitiven Einschränkungen, die ja ein Teil unseres angesprochenen Klientels waren, lange brauchen, bis sie etwas Neues annehmen.

Außerdem waren wir von mehreren Mitarbeitern aus dem betreuten Wohnen und anderen Fachleuten informiert worden, der Mittwoch sei ein guter Tag: letztendlich stellte sich heraus, dass mittwochs besonders viele Menschen Kurse haben, die sie regelmäßig besuchen.

 

Auch die Gehörlosen, die wir durch verlässliche Schaltung von Untertiteln ansprechen wollten, haben erst im Dezember realisiert, dass dieses Format hier läuft.

Deshalb haben wir die Agentur, die auch den Regisseurbesuch organisieren wollte gebeten, von diesem abzusehen: er fällt aus dem Antrag raus.

Die Agentur hat deshalb nur 1000.- € für das Begleitprogramm erhalten.

Im Ganzen eine traurige Erfahrung.

Da in Wuppertal gerade die ganze Szene sich sehr umstrukturiert, kann es auch damit zu tun haben, eine Analyse werden wir noch vornehmen.