Landesarbeitsgemeinschaft

Soziokultureller Zentren NW e.V.

 

 

Achtermannstr. 10 - 12

48143 Münster

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Münster, den 19.9.2012

 

LAG Soziokultureller Zentren NW e.V./Achtermannstr. 10-12/ 48143 Münster                                                       

 

Bericht über die Projektmittel 2011 der

Landesarbeitsgemeinschaft Soziokultureller

Zentren Nordrhein-Westfalen (LAG NW) 

 

 

 

 

 

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Inhalt

1. Gesamtübersicht

2. Darstellung der einzelnen Projekte

 

1. Gesamtübersicht

 

Die LAG NW hat 2011 mit den Mitteln des Ministeriums für Familie, Kinder, Jugend, Kultur und Sport des Landes Nordrhein-Westfalen 43 Projekte von 37 Zentren/ Initiativen und KünstlerInnen gefördert.

 

Es gab insgesamt 89 Anträge von 70 Zentren/ Einrichtungen/Initiativen/KünstlerInnen mit einem Gesamtkostenvolumen von 1.495.100 € und einem Zuschussbedarf von 448.843 €. Der Beirat hat in zwei Sitzungen Ende 2010 und Mitte 2011 und einem Mailverfahren für Nachrücker über die Anträge befunden und die genannten 43 von 37 Antragstellern bewilligt. Diese Ergebnisse wurden auf den jeweiligen LAG NW Tagungen vorgestellt, diskutiert und letztendlich entschieden.

 

Nach der Abrechnung betrugen die Gesamtausgaben der geförderter Projekte 377.861,88 €. Dabei betrug der Anteil des Landes mit 130.000 € = 34,40 %. Insgesamt wurde 6 Projekte mit 5.000 € und mehr gefördert. 19 Projekte erhielten 3.000 € und mehr und 18 Projekte wurden jeweils mit weniger als 3.000 € aus Landesmitteln finanziert.

 

Die Leistungen Dritter (vor allen Dingen der Kommunen) und einschl. Eintritte und Gebühren betrugen 152.356,28 €, das entspricht 40,32 %. Die Leistungen der Kommunen waren jedoch weit höher, denn sie sind entweder Bestandteil innerhalb einer direkten Kooperation und/oder Bestandteil der Zuschüsse zu den Betriebs- und Programmkosten der jeweiligen Zentren. Auf der anderen Seite sind hier auch Landesmittel enthalten, die von anderen Stellen bewilligt worden sind. Die Eigenleistungen der Träger lagen insgesamt bei 95.505,60 €. Das sind 25,28 %.

 

Die Gesamtkosten erhöhten sich um den Betrag von 3.650,74 €, das entspricht von 0,98 % Abweichung vom ursprünglichen Kostenplan.

 

Grundsätzlich haben die Zentren in allen Kunst- und Kultursparten (Musik, Theater, Literatur, Medien) sowie spartenübergreifende Projekte durchgeführt. Tendenziell sind die Projekte in erster Linie der Stadtteilarbeit, der Kulturpolitik und dem Kinder- und Jugendbereich zuzuordnen.

 

 

 

2. Darstellung der einzelnen Projekte

 

1. Vergaberunde

 

Antrag Nr. 2 Bürgerzentrum Schuhfabrik Ahlen - Verbindung halten          

Projektbaustein1: “Virtueller Gast“

Eine Verbindung über 600 km aufrecht zu erhalten ist in der heutigen - von Computern unterstützen – Zeit, kein Problem mehr. Das dachten sich auch die Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Zukunftswerkstatt Ost-West mit den beiden soziokulturellen Zentren Schuhfabrik in Ahlen und Kulturfabrik in Hoyerswerda. Daraus entstand die Idee das Projekt „Verbindung halten“ gemeinsam durchzuführen. Dabei sollten insbesondere auch die Besucher der beiden Zentren, die bisher noch keinen Kontakt miteinander haben, die Möglichkeit des persönlichen Austausches und des „Auge in Auge“ Gesprächs bekommen. Seit März 2012 gibt es dafür in der westfälischen Schuhfabrik und der sächsischen Kulturfabrik die passende Gelegenheit. An den frei zugänglichen Internet-Skype-Plätzen in den Gasträumen können sich alle Interessierten direkt mit Leuten aus dem jeweils anderen Zentrum via Bildschirmkamera und –mikro unterhalten und sich dabei auch in die Augen sehen. Dadurch erhält der Satz „Ihre Verbindung wird gehalten“ eine sehr positive Deutung. Da die Kulturfabrik nur an Veranstaltungstagen geöffnet ist, kann dienstags von 19.00 - 20.00 Uhr, freitags und samstags ab 20.00 Uhr die Verbindung aufgenommen werden. Nach einer Schnupperphase, werden die Möglichkeiten des Austausches und Kennenlernens zunehmend genutzt.

Projektbaustein 2: Band- und Songfindungen

 

„Young & Younger“ ist ein Projekt der Musikschule Bischof in Hoyerswerda und konnte für das Projekt begeistert werden. Mehrere Generationen finden sich bei „Young & Younger“ zusammen, um gemeinsam zu musizieren. Die Idee liegt dabei nicht im Schaffen einer einheitlichen Band, sondern darin, jüngeren Nachwuchskünstlern die Möglichkeit zu geben, mit erfahrenen Musikern bei unterschiedlichen Veranstaltungen auf der Bühne zu stehen. Die Bandmitglieder tauschten ihre Kenntnisse über Musikstücke aus dem Westen aus und priorisierten sie nach persönlicher Bedeutung. Daraus formten sie ihr Programm, das unter anderem Stücke von Rio Reiser, Marius Müller Westernhagen, Ulla Meinike, Heinz Rudolf Kunze, Udo Lindenberg und Anne Haigis enthielt.

Terz ist der Chor, der seit 1989 in der Ahlener Schuhfabrik probt. Einige Mitglieder des Chores waren bereits 1984 Besetzer der Schuhfabrik. Herzstücke ihres speziell für diesen Auftritt erstellten Programms waren die Lieder von Gerhard Gundermann. Nach der Wiedervereinigung galt Gundermann für viele Ostdeutsche als Sprachrohr, während er im Westen Deutschlands, verglichen mit einigen anderen DDR-Musikern, nur wenig bekannt wurde. Seine Lieder beschäftigen sich meist mit sozialen und persönlichen Themen und haben häufig einen melancholischen Unterton. Er greift in ihnen unter anderem negative Aspekte der Wende für einen Teil der Bevölkerung Ostdeutschlands (Massenarbeitslosigkeit, Auseinanderbrechen sozialer Beziehungen, etc.) auf. Die Sängerinnen und Sänger setzten sich mit diesen Stücken intensiv auseinander. Darüber hinaus arrangierten sie diese für eine Band geschriebenen Lieder für den Chorgesang entsprechend um.

Projektbaustein 3: Konzert und Live Übertragung

Einen wirklich ungewöhnlichen Konzertabend präsentierte die Schuhfabrik in Ahlen mit der Kulturfabrik in Hoyerswerda am Donnerstag, dem 15. März. Da erlebte das Ost-West Kulturprojekt „Verbindung halten“ seinen musikalischen Höhepunkt mit den Auftritten von Terz und Young & Younger. Das Besondere dabei war zum einen, dass nur der Ahlener Chor in der Schuhfabrik real auf der Bühne stand und gleichzeitig in die Kulturfabrik nach Hoyerswerda via Internet auf eine Großleinwand übertragen wurde. Im Anschluss daran, standen Young & Younger auf der Bühne in der Kulturfabrik und wurden nach Ahlen übertragen. Der Chor Terz interpretiert vorwiegend Lieder aus dem „Osten“ (u.a. von Gerhard Gundermann) und die Band Young & Younger aus dem „Westen“ (u.a. Rio Reiser). So wurde zusammen gefügt, was es bisher noch nicht gegeben hat.

 

Abschließende Bewertung

Trotz aller Schwierigkeiten, die weiter unten beschrieben werden, war das Projekt „Verbindung halten“ ein lohnendes Experiment mit den neuen Medien und deren Umsetzung in der Praxis. Das Herzstück war das Konzert und die Lifeübertragungen. Die Nerven der verantwortlichen Projektteilnehmer waren natürlich auf das äußerste gespannt, ob die Technik und damit die Verbindungen wirklich funktionieren. Trotz einiger Ton- und Bildaussetzer, waren sich die Besucher einig, dass sie etwas ganz Außergewöhnlichem beigewohnt hatten. Als Fazit kann von einem erfolgreichen Experiment gesprochen werden, wobei die Übertragung von Ahlen nach Hoyerswerda anscheinend eine bessere Qualität hatte als retour, was in der unterschiedlichen Leistungskapazität der beteiligten Netze begründet sein könnte. Ein großer Moment der Veranstaltung war sicherlich das Lied „schwarze Galeere“ von Gerhard Gundermann, das von Young & Younger und von Terz gesungen wurde und im jeweils anderen Saal auch noch vom Publikum begeistert mitgesungen wurde.

Das Interesse der Besucher für die Skype Plätze in den Zentren läuft bisher eher schleppend an. Dies liegt sicherlich daran, dass die Öffnungszeiten der Kulturfabrik mit nur drei Abenden pro Woche eher gering sind. Die Möglichkeit wird noch einige Wochen weiter erhalten bleiben und wir werden versuchen die Motivation der Besucher zu erhöhen.

Insgesamt kann behauptet werden, dass das Projekt einige Hürden zu überwinden hatte, bis es so umgesetzt und im März 2012 abgeschlossen werden konnte. Zunächst mussten wir die Halbierung der Projektmittel verarbeiten, was die Durchführung schon fast vor ihrem eigentlichen Beginn beendet hätte. Da aber alle Beteiligten mit großem Engagement und dem Willen das Projekt umzusetzen beseelt waren, wollten wir es dennoch durchziehen. Deswegen war es z.B. nicht möglich, die Skype-Plätze wirklich attraktiv und ansprechend auszugestalten.

Schwerer als erwartet war es auch die passenden Bands zu finden. Die in der Schuhfabrik bei der Projektplanung involvierten und interessierten Musiker mussten aus Zeitgründen im September 2011 absagen. Das warf uns weit nach hinten, denn gerade auf diese Gruppe hatten wir das Projekt gebaut. Passenden Ersatz zu finden war nicht einfach, mussten sich die neuen Musiker doch sowohl mit dem Projekt als auch mit dem Programm identifizieren. Darüber hinaus ist es natürlich auch sehr aufwendig Lieder neu einzustudieren und die Zeit zum Auftritt wurde immer kürzer. Ende September hatten wir in der ehemaligen Bergarbeiterband BG 174 interessierte Musiker gefunden, denen Gerhard Gundermann sogar bereits ein Begriff war. Alles schien klar und die ersten Proben liefen. Im Dezember entschloss sich allerdings deren Bassist auszusteigen, so dass die ganze Gruppe wieder absprang. So stieß absolut kurzfristig der Chor Terz in die Lücke. Innerhalb von 2 arbeitsintensiven Monaten arbeiteten sie Gundermann Lieder für den Chor um und integrierten sie in ihr Programm.

So war die Verlängerung des Projekts bis zum März 2012 letztendlich absolut nötig, um mit dem Abschlusskonzert einen gelungenen Projektabschluss präsentieren zu können.



Antrag Nr. 4: AlarmTheater Bielefeld – UNTERGRUNDGESCHICHTEN – VERDAMMT LANG HER

Arbeitstitel: Unter dem Pflaster liegt der Strand

 

Eine naturhistorische Theaterperformance mit 60 Kindern und Jugendlichen in Kooperation mit dem Naturkundemuseum Bielefeld.

Aufführungstermin: Open-Air Veranstaltung : 21 . Mai 2011 um 19.00 Uhr auf dem Siegfriedplatz Bielefeld

Personal für die Produktion und Aufführung

Regie: Harald Otto Schmid
Regieassistenz: Marion Meisenberg
Bühnenbild: Rebecca Budde de Cancino
Bühnenbau: Paul Harms, Peter Herrmann, Katja Reindl, Lea Faller, Benni Stiesch, Kristina Kovalenko
Lichttechnik: Hannes Witte
Tontechnik: Paul Harms, Harald Otto Schmid    

Mitwirkende und Kooperationspartner

Gertrud-Bäumer Realschule, Max-Planck-Gymnasium, Brodhagenschule, Hellingskampschule, Marienschule, Rapper DBLuDee (Daniel Wagenbreth), Murga-Gruppe Los Cometas

 

Beschreibung Durchführung:

In Kooperation mit dem Naturkundemuseum Bielefeld entstand unter der Regie des AlarmTheaters mit ca. 60 Schülerinnen und Schülern verschiedener Bielefelder Schulen eine Performance als „Naturhistorische Zeitreise“.

Im September 2010 startete das Projekt mit regelmäßigen Proben mit den Schülern und Schülerinnen 1 x pro Woche in den jeweiligen Schulen im Rahmen von zwei Theater-AG`s der 6. und 9. Jahrgangsstufe.

Von Januar bis Mai 2011 konkretisierte sich die Gestaltung der „Urzeitmeile“, in der die Schüler und Schülerinnen in einer öffentlichen Präsentation den Besucher/-innen Auskunft über die Tier- und Pflanzenwelt geben sollten.

Gleichzeitig entstand das Bühnenbild der fahrbaren Urzeittiere im AlarmTheater und die szenische Darstellung sowie die Songs in einer Rap-Version wurden schrittweise entwickelt.

In der Intensivprobenzeit der Theater-AG`s vom 16.-20. Mai 2011 wurden die Abläufe der Szenen in dem vom AlarmTheater entwickelten Bühnenbild und den Originalkostümen mit allen Akteuren einstudiert. Diese Zeit war die Grundlage für den Präsentationstag aller Gruppen, hierbei kamen alle Teilnehmer und Teilnehmerinnen zum ersten Mal zusammen. Am 21. Mai 2011 fand der Bühnenaufbau, die Generalprobe und Aufführung auf dem Siegfriedplatz statt.

 

Fazit

Das Projekt wurde während der 9-monatigen Probezeit mit viel Begeisterung von den Schülern und Schülerinnen angenommen und umgesetzt. Es erforderte von Ihnen ein großes Durchhaltevermögen und viel Disziplin, zumal die Probentermine nicht immer in den Unterrichtsstunden stattfinden konnten.

Es ist allen Beteiligten gelungen, das Publikum in der Abschlussveranstaltung zu begeistern und die Frage „Was können wir aus der Naturgeschichte für unser Leben auf unserem Planeten Erde lernen?“ weiter zu geben. Das Theaterstück hat die Sicht der Schüler und Schülerinnen sehr deutlich zum Ausdruck gebracht, insbesondere in den selbst entwickelten Songs. Zum Schluss stand die Erkenntnis: Unsere Erde ist bedroht, und wir müssen sorgsamer mit ihr umgehen.

Pressestimmen

„Mehr als 1000 staunende Zuschauer verfolgten ein Spektakel, das die Urzeit den Bielefeldern zurück ins Bewusstsein rückte“. (Westfalen Blatt, 23.05.2011)

 


Antrag Nr. 5: Bahnhof Langendreer, Bochum -
„Für das Leben – Per la Vita“

Holocaustpädagogik in der multikultruellen Gesellschaft

 

Mit dem Projekt aus dem Bereich AusländerInnenarbeit / Integration „Für das Leben – Per la Vita“ wurden in Bochum Anfang zwischen Mitte Februar und Mitte Juni 2011 durch Workshops, Informationsveranstaltungen und ein Konzert Jugendliche zur Auseinandersetzung mit dem Faschismus in Deutschland und der Erinnerung an dessen Opfer angeregt. An dem Projekt haben sich eine große Zahl Bochumer Initiativen und Institutionen beteiligt.

Mitte Februar wurde an die Bochumer weiterführenden Schulen, an Verbände und Initiativen ein Informationsbrief verschickt, der auf das Projekt „Per la Vita“ hinwies und Lehrerinnen und Lehrern sowie aktiven in der Jugendbildungsarbeit Hinweise auf pädagogisches Material zum Thema Holocaustpädagogik in der multikulturellen Gesellschaft und „Rechtsextremismus und Musik“ zu Verfügung stellte. Von verschiedenen Schulen wurde weitergehendes Material, insbesondere der Dokumentarfilm „The making of ‚Per la vita’“ zum Einsatz im Unterricht angefordert. Intensive Vorgespräche wurden mit der Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes / Bund der AntifaschistInnen, dem Bündnis gegen rechts, DGB und GEW, dem Kinder- und Jugendring Bochum, der BezirkschülerInnenvertretung, DARF e.V., Tatort Jazz und der autonomen Konzertgruppe El Zapote geführt. Die BezirksschülerInnenvertretung hat im Anschluss zugesagt, die CD „Schlauer statt rechts“ an die einzelnen SchülerInnenvertretungen zu senden. VertreterInnen der VVN/BdA machten das Angebot zu Schulbesuchen, mit der Konzertgruppe El Zapote wurde die Durchführung eines außerschulischen Workshops zum Thema Rechtsextremismus und Musik vereinbart. Mit der Erich-Kästner-Schule wurde die Durchführung eines Workshops für die 7. Klasse mit der Microphone Mafia im Rahmen des Aktionstages „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“ am 15. April vereinbart. Insgesamt wurde eine gute Verankerung des Themas an Bochumer weiterführenden Schulen und über den Kinder- und Jugendring zum Teil auch in der verbandlichen Jugendarbeit erreicht.

Am 26. März fand das Konzert Microphone Mafia trifft Esther Bejarano & Familie: Per la Vita - Für das Leben im Bahnhof Langendreer statt. Dabei trafen zwei Musikrichtungen aufeinander, die auf den ersten Blick so gar nichts miteinander zu tun haben: HipHop und jiddische Folklore. Die, die sich da zusammen getan haben sind die Microphone Mafia und die 86-jährige Esther Bejarano mit ihren beiden Kindern Edna und Joram. Esther Bejarano erzählte und sang über Ausgrenzung, Rassismus oder Gewalt. Erfahrung, die auch die Kölner Rapper der Microphone Mafia in ihren Songs aufgreifen. Bei dem Konzert Per La Vita - Für das Leben trafen Vergangenheit und Gegenwart aufeinander und verbanden sich zu etwas Neuem. Etwas, das unerwartet harmonisch klingt. Und die über 90 Zuschauer erst nachdenklich stimmte und dann begeisterte. Ein Musik- und Politikereignisse,.

Begleitend zu dem Konzert und den Aktivitäten an den Schulen gab es zwei inhaltliche Diskussionsveranstaltungen: Am 14.4. referierte ein Referent der Antirassistischen Bildungsforum Rheinland unter dem Titel „Autonome Nationalisten“ zum Thema Modernisierung neonazistischer Jugendkultur. Aufgrund von Terminproblemen fand die zweite Veranstaltung erst am 28.6. statt: Ilka Eickhof referierte unter dem Titel „Zur Kulturalisierung des Anderen“ über antimuslimischen Rassismus in der Gegenwart. Beide Veranstaltungen waren mit knapp 30 BesucherInnen gut besucht. Es fand eine lebhafte Diskussion statt.

Da nur ein schulischer Workshop mit den Microphone Mafia stattfand (am 15.4. in der Erich-Kästner-Gesamtschule), wurde am 19.6. mit der autonomen Konzertgruppe El Zapote noch ein workshop zum Thema „Rechtsextremismus und Musik“ im Bahnhof Langendreer angeboten, der vor allem über die BezirkschülerInnenvertretung beworben wurde und mit 16 Jugendlichen gut besucht war.

Das Gesamtprojekt hat viele Jugendliche dazu bewegt, sich intensiv mit dem Nationalsozialismus und aktuellen Erscheinungen des Rechtsextremismus auseinander zu setzen und wurde von allen Partnern sehr positiv bewertet.

 

 

Antrag Nr. 8: Soziokultur Castrop-Rauxel e.V. - Kritische Begleitung des IGMG Moschee Umzugs

 

Wir haben 2 öffentliche Veranstaltungen durchgeführt. Am 25.01.12. zur Christlichen Rechten mit Jörg Kronauer ( http://alturl.com/y2ek8 <http://alturl.com/y2ek8> ) und am 26.03.12 zum Islam in Deutschland mit Dr. Michael Kiefer ( http://alturl.com/kb54z <http://alturl.com/kb54z> ). Der Veranstaltung zum Islam und seiner Ausrichtungen haben wir bewusst eine Veranstaltung zur Christlichen Rechten vorausgesetzt um die Leute erst auf die Probleme in der "eigenen" Religion hinzuweisen. Dabei auch auf den Hinweis auf die Stärke der Evangelikalen in den USA. Die Veranstaltung war gut besucht, u.a. von Vertretern der ev. Kirche. Bei der 2. Veranstaltung wurde über alle wichtigen Strömungen des Islam informiert. Später gab es noch eine spontane Diskussionsrunde mit einem Vertreter der ev. Kirche und Antiklerikalen.

 

 

Antrag Nr. 9: Depot e.V., Dortmund - Schau mich an

 

Mit dem Foto-Projekt wurden Frauen aus drei Generationen angesprochen. Dabei ging es inhaltlich um die Auseinandersetzung mit der eigenen Selbstwahrnehmung, die entsprechend der Altersgruppe sehr unterschiedlich ist.

Wie sieht die Großmutter ihre Enkelin - würde sie sie gerne anders sehen?

Wie stylt die Enkelin ihre Großmutter, wenn sie dies mal darf?

Findet die Mutter sich im Outfit ihrer eigenen Mutter wieder?

Es wurden mehrere Triples aus unterschiedlichen sozialen Zusammenhängen von den im Depot ansässigen Fotografen Jan Schmitz und Peter Lutz portraitiert. Sie wurden in ihren eigenen vier Wänden abgelichtet und Gespräche/Zitate, die während dieses Prozesses geäußert worden sind, wurden festgehalten.

 

Im Rahmen der Dortmunder Museumsnacht wurden die Porträtaufnahmen der Öffentlichkeit präsentiert und ausgewählte Zitate vorgelesen. Die Frauen und ihre Familien wurden dazu eingeladen.

Die Dortmunder Presse hat über das Projekt auch im Vorfeld berichtet, da über die Medien zur Teilnahme an dem Projekt aufgerufen worden ist.

Das Depot konnte über das Projekt sein Netzwerk ausweiten, da versch. Institutionen wie u.a. die Auslandsgesellschaft NRW und interkulturelle Vereine in der Dortmunder Nordstadt angesprochen worden sind und diese für das Projekt geworben haben.

 

 

Antrag Nr. 10: Künstlerhaus Dortmund - „G.O.L.D.“ – Partizipatorisches Projekt

 

Anlässlich der Vorbereitungen zur Ausstellung "Die ornamentale Geste" kam den Kuratorinnen, Maria Schleiner, An Seebach und Anett Frontzeck, die Idee, das Werk von Martina Becker zu integrieren. Der Kuratorin Seebach war die Arbeit Beckers aus Berlin bereits bekannt, wo sie vor nicht allzu langer Zeit ein ähnliches stadtteilbezogenes Projekt durchgeführt hatte. Dabei sollte Beckers Werk in die Ausstellung als Außenposten einbezogen werden. Dies lag vor allem daran, dass kuratorisch alle Ausstellungsräume bereits besetzt waren und mit Beckers Arbeiten eine Position bezogen wurde, die zwar zum Thema passte und im Weiteren auch ihre Tragfähigkeit bewies, aber als partizipatorisches

Projekt definitiv eher dem Außenraum als dem Ausstellungsraum zuzuordnen war. Daher wurde entschieden, in zweierlei Hinsicht auf die Verwirklichung des Projektes zu zielen: Zum einen sollte in der Form eines sog. pop-up-Stores gearbeitet werden, also extern und in angemieteten Räumen, um so möglichst viel Alltagspublikum zu erreichen. Zum anderen sollte mit zusätzlichem Geld gearbeitet werden, das extern eingeworben werden musste. Dies lag daran, dass die Kosten- und Finanzierungspläne des "Hauptprojekts" bereits zum großen Teil abgeschlossen und durchfinanziert waren und daher die Geschäftsführung für ein weiteres Projekt nur in begrenztem Umfang Ressourcen freizustellen in der Lage war. In der Korrespondenz mit Martina Becker wurde die Idee des pop-up-stores vertieft und entwickelt sowie für die Realisierung präzisiert.

Erste Vorbereitungen bestanden daher nicht nur aus der Projektskizze, sondern auch aus Zeitplänen für die Durchführung und Abschlussveranstaltung. Mit Webmaterial und einer intensiven Kommunikation konnten Finanzen, Presse und Organisation auf den richtigen Weg gebracht werden. Die Unterstützung signalisierten nicht nur die LAG Soziokultur, sondern auch der Fonds Soziokultur, so dass die Finanzierung sichergestellt war. Für die Raumsuche bot sich das problematische Umfeld der Dortmunder Nordstadt in zweierlei Hinsicht an: Zunächst war mit einer preiswerten Anmietung von Leerstand zu rechnen und zum zweiten wohnte im Umfeld genau das Publikum, an welches sich die

Teilnahmeaufforderung richten sollte: Die Nordstadt hat einen hohen Einwohneranteil von MigrantInnen, große Teile der Bewohnerschaft sind arbeitslos oder prekär beschäftigt. Innerhalb der

Stadt Dortmund ist die Nordstadt das schwarze Schaf unter den Stadtteilen. Durch genaue Kenntnis des Stadtteils war es möglich, unproblematisch auf Wissen über Leerstände zugreifen, so dass ein schneller Kontakt zu einer Vermieterin zustande kam. Wir wurden uns innerhalb einer relativ kurzen Frist von unter einer Woche einig, was den Mietzins für zwei Monate anging.

Die Geschäftsführung konnte mit dem Wissen um vorherige Vermietungen den Preis nicht unerheblich nach unten nachverhandeln. Da in dem pop-upstore Publikumsverkehr geplant und intendiert war, stellte sich im Anschluss die Frage nach einer sachgerechten Versicherung der Liegenschaft für

die Dauer der Anmietung. Vor dem Hintergrund der Duisburger Erfahrungen im Sommer 2010 stand nicht so sehr die Diebstahlsicherung im Vordergrund wie vielmehr die Veranstalterhaftpflicht. In beiden Versicherungsbereichen konnte schnelle und unproblematische Lösungen gefunden werden. Die

Veranstalterhaftpflicht konnte in einen bereits bestehenden Rahmenvertrag integriert werden und die Einbruchsdiebstahl- und Haftpflicht-Versicherung wurde mit einer eigens abgeschlossenen Police bei einer erfahrenen Agentur abgedeckt, mit der das Künstlerhaus bereits in der Vergangenheit, dort allerdings im Hinblick auf den Sachbereich Technikversicherung, erfolgreich zusammengearbeitet hatte.

Als die Künstlerin Martina Becker im Februar 2011 anreiste, begann sie sogleich mit der Einrichtung des Ladens und den Vorbereitungen für die Bewerbung ihres Vorhabens im Stadtteil. Einen erheblichen Teil des Materials konnte sie bereits im Vorfeld zu günstigen Konditionen in Berlin erstehen. Um den Laden temporär umzugestalten und nach dem Projekt verlassen zu können, wie er vorgefunden worden war, wurden Wände, Decken und Böden, bevor sie zum "Goldraum"

wurden, mit Malerpappe ausgekleidet, respektive mit abnehmbaren Papieruntergründen beklebt, die dann den Goldton nur temporär aufnehmen sollten. Mithilfe der Infrastruktur des Künstlerhauses, bestehend aus Werkzeug, Leitern und Maschinen wurde der Raum unter erheblicher Mithilfe von

ehrenamtlich Tätigen zu einer beeindruckenden Kulisse umgestaltet. Gleichzeitig war ein Flugblatt entworfen und mit Hilfe einer türkischen Künstlerin auch zweisprachig abgefasst worden, welches die Einwohner bat, ihre Gegenstände anzuliefern, damit diese nicht mehr benötigten Sachen eine Umwertung zur abschließenden Versteigerung erfahren sollten. Dieses Flugblatt wurde von dem

KünstlerInnen des Künstlerhauses und der Künstlerin Becker selbst an verschiedenen Orten, Geschäften und Kneipen, im Stadtteil verteilt. Die Resonanz auf diese Werbeaktion war sehr gut, denn die Einlieferungen begannen fast ohne Verzögerung. Fast sofort hatten die Kinder des Stadtteils den Raum für sich entdeckt und brachten in der Folge die unterschiedliche Gegenstände, darunter ein Flipperbrett, einen automatischen Staubsauger, eine Barbiepuppe etc. Die Künstlerin war täglich in ihrem Raum anzutreffen, wo sie Gegenstände entgegennahm und in der Folge vergoldete. Dabei hatte sie häufig Gesellschaft der Kinder und auch Besucher, die neugierig fragten, was im Laden geschehe. So entstand auf Zeit ein Kommunikationsraum fürs Viertel. An einem Tag, und man

muss bedenken, dass es im Februar natürlich sehr früh dunkel ist, sind die Kinder so lang geblieben, dass sogar die der deutschen Sprache nicht mächtigen, annähernd voll verschleierten, schwarz gekleideten Mütter kamen sie abzuholen. Bei dieser Gelegenheit konnte sich auch dieser Teil der Bevölkerung davon überzeugen, dass den Kindern dort im Laden kein Leid geschieht und dass hier vielmehr eine reiche Auswahl goldglitzernder Dinge angeboten wurde. Im Rahmen der Gesamtausstellung wurde eine Pressekonferenz für den Vortag der Eröffnung anberaumt. Hier konnte sich bereits die lokale Presse einen Eindruck vom "Goldraum" verschaffen und man zeigte sich hinsichtlich der Vielfalt und des Umfangs der Umgestaltung und Umwertung stark beeindruckt.

Hieraus resultierte eine Fotostrecke im Internet.

Der Eröffnungsabend umfasste dann zwei Teile, zunächst die große Ausstellung im klassischen Format in den Ausstellungsräumen des Künstlerhauses und den "Goldraum" als Satelliten der Ausstellung. Durch entsprechende Ankündigung und Moderation sowie durch entsprechende geführte Touren zum fußläufig zwei Minuten entfernten Laden gelang es, das Publikum mit beiden Spielorten der Ausstellung bekannt zu machen. Fast alle Besucher nutzten den Ausflug bei trockener Kälte zu einer erfrischenden und belebenden Erfahrung. Als Gäste der Eröffnung sind auf Seiten der Verwaltung des Künstlerhauses über 150 Personen gezählt worden. Davon waren bis auf wenige Ausnahmen fast alle auch Besucher des "Goldraums". Besonders erfreut zeigte sich der Leiter der Dortmunder Kulturbetriebe über die Arbeit im Stadtteil und mit ihren Bewohnern. Die Eröffnung wurde mit einer Party, bei der die spät dazu stoßenden Besucher dann nicht mehr extra gezählt wurden, bis in den frühen Samstagmorgen gefeiert. Während der Öffnungszeit der Ausstellung war eine gleichzeitige Öffnung auch des "Goldraums" angestrebt, so dass sich die Besucher vor der abschließend angekündigten Versteigerung der Gegenstände bereits ihr Lieblingsobjekt aussuchen, es bewundern und hinsichtlich des eigenen Geldmitteleinsatzes bewerten konnten. Für diese Öffnungszeit wurden gegen geringes Entgelt Hilfskräfte rekrutiert, die dann den Raum zu den Projektzeiten öffneten und den Besuchern mit Auskünften zur Verfügung standen. Zum Ende des Projektzeitraums reisten die Künstlerin und die Kuratorin erneut an um im Rahmen einer Finissage der Ausstellung die Versteigerung der umgewerteten Gegenstände durchzuführen. Gleichzeitig wurde dies zum Anlass für ein Fotoprojekt genommen, bei dem sich die neuen Besitzer stolz mit ihren Neuerwerbungen der Kamera präsentieren sollten. Für die praktische Durchführung wurde eine Auktionatorin gewonnen, die umsichtig und nachdrücklich zugleich für die Versteigerung aller Gegenstände im Raum sorgte. Damit auch die Kinder, die den Raum über mehrere Wochen zu ihrer Tagesstätte gemacht hatten, an der Versteigerung teilnehmen konnten, wurden zuvor Goldtaler aus Schokolade gekauft und an die Kinder ausgegeben. In der Versteigerungsphase wurden die Schokotaler wie Ein-Eurostücke behandelt. Zwar waren die ersteigerten Beträge nicht sehr hoch, aber man konnte viele frohe Gesichter sehen. Das zunächst schwierig erscheinende Unterfangen war

wiederum von über fünfzig aktiven Teilnehmern besucht und wurde auf diesem Wege zu einem guten Erfolg. Die frohen Gesichter wurden dann auch dem Fotografen gezeigt, der im Hinterzimmer des Ladens ein professionelles Studio mit Licht und Leinwand aufgebaut hatte und dort die Portraitaufnahmen fertigte.

In einer Serie von faszinierenden Portraits hielt der Fotograf nun die Verbindung von altem umgewerteten Gegenstand und neuem Besitzer fest. Darunter waren beispielsweise eine künstlerische Leiterin der Stiftung eines Stromkonzerns und die Geschäftsführerin eines stadthistorischen Schlossmuseums aus der Umgebung von Dortmund.

Da sich in unmittelbarem zeitlichen Zusammenhang zu der Ausstellung "Die ornamentale Geste" und dem "Goldraum" das Reaktorunglück in Folge des Tsunamis in Fukushima/Japan ereignet hatte und das Künstlerhaus ein lange Tradition in guten Künstlerkontakten nach Japan aufrechterhält (zuletzt mit einem Austausch Osaka-Dortmund im Jahr 2008), war schon vor der Versteigerung beschlossen worden, den Erlös als Spende einem zertifizierten Hilfsprojekt zukommen zu lassen. Dies geschah direkt nach der Abrechnung der Auktion in der Abbauwoche zeitnah und in Höhe von 215 Euro.

Besonders den Kindern hatte es, wie erwähnt, der „Goldraum“ angetan. Dies wurde konzeptionell im Planungsgremium des Künstlerhauses dahingehend als Anregung verstanden, diesen Bereich des Partizipativen weiter auszubauen. Dabei waren die Betreuung und die Aktivierung der Kinder unter dem Aspekt der kulturellen Bildung zielführend. Die neu gegründeten Projekte knüpften begrifflich an den "Goldraum" an - das Projekt "Piratengold" hat in 2012 seine zweite Auflage erfahren, bei dem Projekt "Goldrausch" wurde jahreszeitübergreifend mit Pflanzaktionen ein Stück Natur für die Kinder

erfahrbar gemacht: zuvor unter Mithilfe städtischer Gärtner gesetzte Blumenzwiebeln aus dem Herbst ergaben im Frühjahr die Initialen der Kinder als Blüten, die teilweise sogar aus den hochgelegenen Fenstern der Kinderzimmer von den Kindern selbst gesehen werden konnten. Spielaktionen sowie kreative Arbeit im Seminarraum des Künstlerhauses bieten seitdem einen integrativen Anreiz sowohl für die schwervermittelbaren Inhalte als auch Kinder. Im Jahr 2012 konnten diese Erfahrungen auch bei der Bewerbung um Mittel aus dem Kulturrucksack des Landes eingesetzt werden. Mittlerweile ist das dritte Projekt bewilligt, unter dem Namen "Zehnerticket Kunst" werden in Zusammenarbeit

mit einer Schule in der Nähe Jugendlichen Erfahrungen im Kunst- und Museumsbetrieb sowie in der Kreativwirtschaft vermittelt, die zugleich mit praktischen Angeboten kombiniert sind.

Speziell aus dem Letztgesagten ergibt sich die Nachhaltigkeit des durch das Projekt G.O.L.D. angestoßenen Prozesses. Alles in allem ist das Projekt unter korrektem Einsatz der zur Verfügung gestellten Mittel sach- und fachgerecht durchgeführt worden.

 

 

Antrag Nr. 11: Verein Internationales Jugendtanztheater Duisburg - und das Schweigen tut weh

 

Was war die Idee dieses Konzertes?

Es wollte dazu beitragen, die Sprachlosigkeit nach den Ereignissen des 24. Juli 2010 zu überwinden. Loveparade - das ist ein Thema, bei dem sich alles zusammenzieht und das Viele mit sich allein austragen. Wir wollten versuchen, in Liedern und Musiken, Tanz und Texten die Gedanken und Gefühle auszudrücken, die uns und viele Menschen in der Region seitdem bewegen. Wir wollten den Opfern Achtung erweisen. Es sollte ein würdiges Konzert werden – mit Werken, die eigens für diesen Anlass geschrieben wurden. Allein, dass wir zusammen kommen, mehr als 150 Jugendliche aus Ensembles im Ruhrgebiet und einige internationale Künstler dazu, würde uns gut tun, hofften wir, und anderen Trost spenden.

 

Wie ist die Idee entstanden?

"Am Anfang war die Sorge um meinen Sohn Jan", erzählt die Initiatorin Annegret Keller, "Stunden ohne Kontakt, die verstörenden Bilder im Internet, als ich nach ihm suchte, die erlösende SMS, dass es ihm gut geht. Aber die Bilder blieben und die Erfahrung dieser Angst und Hilflosigkeit, mitten in Duisburg an einem strahlenden Sommertag, der alles versprochen hatte und so endete. - Und daraus wurde ein Lied, in dem ich versucht habe, mein Erleben zu verarbeiten. Der Gedanke an die Eltern, Angehörigen und Freunde, denen das Schlimmste nicht erspart blieb und deren Angst schreckliche Gewissheit wurde, war dabei für mich stets präsent. - Im Lauf der Monate hat sich das Lied verändert, in der Auseinandersetzung mit meinen Schülern, anderen Musikern und nicht zuletzt mit Menschen, die zu den direkten Leidtragenden der Katastrophe gehören. Und es hat wie ein Stein, den man ins Wasser wirft, Wellen geschlagen und die Idee zu einem Szenischen Konzert reifen lassen."

Veranstalter:

• die non profit Agentur art@work, die seit Jahren künstlerische Projekte zu gleichermaßen aktuellen wie existenziellen Themen initiiert und Menschen unterschiedlicher Kulturen, Generationen, Profis und Amateure zusammen bringt;

• die Evangelische Gemeinde Alt Duisburg, die sich seit dem 24. Juli nachhaltig für einen würdigen und verantwortlichen Umgang mit der Tragödie (s. Beschluss der Synode im Anhang) einsetzt und den Hinterbliebenen und Verletzten konkrete Unterstützung bietet.

• der Verein Massenpanik Selbsthilfe e.V., in dem sich Betroffene zusammengeschlossen haben, um sich gegenseitig zu stützen und ihre Interessen besser vertreten zu können;

• die Bildungseinrichtung Arbeit und Leben DGB / VHS Oberhausen e.V., die das Projekt auf der Ebene der Politischen Bildung und Antragstellung unterstützt.

 

Akteure:

Insgesamt waren mehr als 150 meist junge Akteure und Künstler aus Duisburg, Mülheim,

Oberhausen, Bochum und Köln am Projekt beteiligt:

• Marcus Strümpe (Orgel)

• Philippe Micol (Saxophon/Bassklarinette)

• Angelo Gregorio (Italien)

• Ensemble Tobar (Chile)

• Ensembles der NMKS Duisburg: Gitarrenklasse Reinhard Kaisers, Gesangsklasse Daniel Basso, Celloklassen Carolin Schröder und Lucia Gaiser

• und der Städtischen Musikschule Oberhausen: Junges Orchester (Ltg. Katharina Stiebing) und Celloklasse Carolin Schröder

• Oberstufenensemble der Gesamtschule Saarn

• StattChor Duisburg

• Duisburger Tanztheater Ulla Weltike

Neben den festen Ensembles gab es einen offenen Werkstattbereich:

• Offene Schreibwerkstatt (Leitung Anja Schoene)

• Werkstatt Elektronische Musik (Miike Keppler und Tom Bratka)

 

Programmentwicklung:

Angesichts der breiten und vielfältigen Beteiligung war es von großem Vorteil, dass das Projekt auf den personellen, organisatorischen und künstlerischen Strukturen aufbauen kann, die sich im Kontext des zweijährigen Kulturhauptstadtprojektes "interfaces" entwickelt haben. So war es möglich, in nur 3 Monaten ein komplexes Programm auf die Beine zu stellen.

Zum Auftakt des Projektes fand am 21. Januar in der Gesamtschule Duisburg-Stadtmitte ein Seminar für die Mitwirkenden statt. In Workshops zu unterschiedlichen Aspekten der Thematik konnten sie sich informieren, untereinander kennen lernen und auch mit Betroffenen ins Gespräch kommen.

1. Rechtslage bei der Planung von Großveranstaltungen und bisherige Erkenntnisse bei der Organisation der Duisburger Loveparade (Dr. Frank Eikmeier, Rechtsanwalt)

2 Die Situation der Leidtragenden (Jürgen Hagemann, Vorsitzender Massenpanik Selbsthilfe e.V.)

3. Persönliche Schuld und moralische Verantwortung (Jürgen Widera, Kirchlicher Dienst in der

Arbeitswelt Duisburg)

4. Die Kommunlverfassung NRW – Einflussmöglichkeiten von Bürgern (Günter Niel, Duisburg 21-

Suchet der Stadt Bestes)

5. Was kann/soll/will die Kunst in solchen Zusammenhängen? (Lisa Unterberg, Konzertpädagogin)

 

In diesem Seminarkontext konstituierten sich die Ensembles und Werkstätten. Hier wurden die grundlegenden Ideen für die Programmgestaltung, Titel und Plakat entwickelt. Wir freuen uns sehr, dass Betroffene die Entwicklung der Produktion von Anfang an begleitet und Einfluss auf die Arbeit an Texten, Songs, Musiken und Choreographien genommen haben. Das gab uns zunehmend Sicherheit in der künstlerischen Umsetzung der Thematik. Gemeinsam haben wir auch das Konzept für die einstündige Radiosendung auf Radio DU (10.04.) entwickelt und umgesetzt.

Die Arbeit in den Ensembles und Werkstätten forderte von den Akteuren ein hohes Maß an Koordination, Engagement und Zeit. Orte der ca. 25 außerordentlichen Proben und Produktionstermine waren die NMKS, das Internationale Zentrum, das Tanzstudio Ulla Weltike, die Salvator- und Karmelkirche und das Medienforum in Duisburg, die Gesamtschule Saarn in Mülheim, die Städtische Musikschule Oberhausen, der Jugendclub des Schauspielhaus Bochum und das Art@work-Studio in Köln. Die Bearbeitung des Eingangsund Schlussstückes für großes Ensemble lag in den Händen von Tanja Schewalje, einer Kompositionsstudentin der Folkwang-Hochschule Essen. Ohne diese professionelle Hilfe hätte sich das Projekt nicht so kurzfristig realisieren lassen. Das Programm bestand aus 3 Blöcken. Es integrierte Songs, Musiken, Texte und Choreographien und war so vielfältig wie die Akteure. Marcus Strümpe eröffnete und verband die Blöcke mit Orgelimprovisationen. Stücke für großen Chor und Orchester kontrastieren mit solistischen Beiträgen, klassische Werke mit experimentellen Passagen, Pop- und Elektronischer Musik.

 

"Wie ich Dich sah" - Teil I der Produktion erinnerte an den Morgen des 24. Juli 2010:

„Die Tage gehn und vergehen nicht …“, so begann das erste Lied und endete: „Ich will Dich erinnern so, wie ich Dich sah“. Es folgten Textpassagen der Schreibwerkstatt über die Vorfreude an diesem Sommermorgen, die abenteuerlichen Anreisen nach Duisburg etc. zu einer Bearbeitung des Techno-Hits von Swedish House Mafia „One“ für akustische Gitarren - und die Elegie von Jules de Sweert, gespielt von dem großen Cello-Ensemble der Duisburger und Oberhausener Musikschulen. Das chilenische Ensemble Tobar hatte ein Lied für die beiden spanischen Opfer Marta und Clara geschrieben, Angelo Gregorio reiste aus Brüssel an, um sein Lied „Colori novi“ für Giulia aus Brescia zu singen.

"Warum?" - war der Teil II überschrieben, der sich mit der Tragödie befasste. Das Duisburger Tanztheater Ulla Weltike und die Schreibwerkstatt agierten im Dialog mit dem Jungen Orchester Oberhausen und Philippe Micol am Saxophon. Tänzerisch theatrale und musikalische Elemente inspirierten sich gegenseitig. Die Fragen nach dem „Warum?“ hallten durch die Kirche und standen buchstäblich im Raum auf großen Tafeln an den Pfeilern der Salvatorkirche, sie spiegelten sich in den Bewegungen der Tänzerinnen und der Intonation des Saxophon und der Orgel, die dann in das bekannte innige „Abendlied“ von Josef Rheinberger überleitete.

"Zusammen und allein" - Trost und Achtsamkeit füreinander waren das Anliegen in Teil III, musikalisch eröffnet mit einem besinnlichen, von Bella Winkelkoetter interpretierten und Daniel Basso komponierten Song mit dem doppelsinnigen Titel „Bays“ - der Tod, ein Hafen oder Lorbeer des Lebens. Dann wandte sich das Programm dem Leben zu. In diesem Text der Schreibwerkstatt ging es um „neue Tage und neue Feste“ und wie es sich mit den Erfahrungen des 24. Juli leben lässt. Das letzte Lied des Konzertes zitierte Worte von Hanns Dieter Hüsch und mit dem Refrain von „Over the rainbow“ einen der ersten Loveparade-Titel – bevor die Veranstaltung mit „Hope you can hear me“, dem neukomponierten Song der Techno-Werkstatt, ausklang. Für die Dokumentation der Veranstaltung zeichnen Jürgen Piechutta und das Team des Medienbunker Duisburg-Marxloh verantwortlich.

 

Resonanzen:

Aus unserer Sicht hat das Projekt die Erwartungen erfüllt:

• Die Veranstaltung und ihr Anliegen wurden in Duisburg und der Region angenommen, die Salvatorkirche war mit ca. 600 Zuschauern voll besetzt, aber nicht überfüllt. Das Konzert hat ganz unterschiedliche Menschen im Gedenken zusammen geführt.

• Die anwesenden Verletzten und Angehörigen (ca. 60 Personen) haben die Atmosphäre als

würdig und liebevoll beschrieben. Sie konnten sich in den Programmbeiträgen wieder finden.

• Die mitwirkenden Ensembles und Künstler zeigten sich durchweg zufrieden mit dem Prozess und Ergebnis des Projektes. In der gemeinsamen und zugleich vielgestaltigen Auseinandersetzung mit der belastenden Thematik ist man sich menschlich und künstlerisch näher gekommen, hat sich auseinandergesetzt, geweint und Wege gefunden, offener mit der Tragödie und den eigenen Gefühlen umzugehen. Eine neue Erfahrung für viele Jugendliche war auch die Kraft, die Kunst entwickeln kann, wenn es um etwas Existenzielles geht. Sie waren mit den neu geschaffenen Werken, der Ausdrucksvielfalt und den eigenen künstlerischen Leistungen sehr zufrieden. Die Zusammenarbeit im Projekt wurde als effektiv und erfreulich bewertet.

• Die Resonanz in den Medien war beachtlich und einhellig positiv (s. Linkliste). Die einstündige Radiosendung vom 10.04.2011 im Bürgerfunk / Radio DU liegt als CD vor.

 

 

 

Antrag Nr. 15: Grend Kulturzentrum, Essen - Das Geheimnis der 23

 

Das Projekt umfasste insgesamt 2 Projektwochen.

Jede Projektwoche stand für sich und endete mit einer Abschlussaufführung.

Die erste Woche fand vom 25.7. bis zum 29.07. und die zweite vom 1.8. - 5.8.2011 im Kulturzentrum Grend in Essen statt. Die Projektleitung lag bei Volker Koopmans.

 

Bericht:

Ziel des Projektes „Das Geheimnis der 23“ war es, sich gemeinsam mit den Kindern auf die Suche nach Zahlen und den darin verborgenen Geschichten zu machen. Es sollte ein Spiel mit dem Phänomen des Fragens sein. Ein Spiel mit der Möglichkeit mehrerer Antworten. Inspiriert durch das Gedicht von Ernst Jandl „suchen wissen“ und die Arbeiten von Tim Etchells und der Gruppe Forced Entertainement. Die Kinder wurden darauf eingestimmt, sich als Gruppe gemeinsam auf eine Expedition zu begeben.

 

Die Kinder nahmen angeregt die Angebote auf. Es war beeindruckend, welche Vielfalt an Ideen die Ausgangsfragen auslösten. Die Kinder waren in der Lage, Aufgaben eigenständig in kleinen Gruppen zu lösen. Die Größeren unterstützen dabei die Kleineren.

 

Die Phantasie der Kinder wurde durch Fragen angeregt. „Wieso ist die 23 verschwunden?“ Die sehr unterschiedlichen Antworten der Kinder waren Grundlage für kleine szenische Geschichten. Sie wurden von den Kindern ausgestaltet und am Ende dem Publikum als Fundstücke präsentiert. Dabei wurden sie von Theaterpädagogen unterstützt. „Die 2 und die 3 haben sich gestritten“, „Die 23 wurde entführt“, „Die 22 hatte es satt, dass die 23 ihr immer das Gefühl gab, mehr Wert zu sein“ „Sie ist von zu Hause weggelaufen“, „Die 23 hatte Geburtstag und wurde 24“ u.a.

Die Kinder gingen mit einer professionellen Kameraausrüstung in den Stadtteil Steele und befragten Passanten? „Wann haben sie die 23 zuletzt gesehen?“ „Was haben sie gemacht als sie 23 waren?“ Dabei wurden sie von einer Medienpädagogin unterstützt. Die aufgezeichneten Interviews wurden in der Präsentation der Expeditionsergebnisse präsentiert. „Die 23 hat sich verliebt und ist mit der 24 durchgebrannt.“ war eine der erwachsenen Antworten.“

Die Kinder gingen auf Entdeckungstour nach Zahlen im Gebäude des Grends. Die Fundstücke wie Termine, Feuermelderangaben, Preise etc. wurden fotografisch dokumentiert und bei der Präsentation in Form einer Diashow präsentiert.

 

„Was wirst du machen wenn du 23 Jahre alt bist.“ Auf Wunsch der Kinder wurde bei der Beantwortung der Frage das Licht ausgelöscht und eine Discokugel zog langsam ihre Kreise und warf einen bunten Sternenhimmel in den Raum. Alle lagen am Boden. Eine Moderatorin, ebenfalls ein Kind ging mit einem Mikrofon durch die Reihen. Auch dieses Bild war teil der Präsentation.

Die erwachsenen Zuschauer und Eltern bemerkten unter anderem, dass sie der souveräne Auftritt der Kinder beeindruckt hätte. Es war deutlich, dass die Kinder ihre eigenen Geschichten spielen und nicht etwas ihnen Fremdes, das sie einstudiert haben.

 

Das Vorgehen innerhalb des Projektes wurde für die Kinder transparent gemacht. Zu Beginn des Tages wurde der Tagesplan vorgestellt. Vor jeder Übung wurde gesagt, welchen Sinn diese Übung jetzt hat. Die Kinder haben sehr genau zugehört. Sie haben Vorschläge gemacht und Fragen gestellt.

Sowohl der Projektverlauf wie die Präsentation darf als Erfolg angesehen werden.

 

 

Antrag Nr. 21: Fernada C. Lima, Köln - 1 minute bewegt Köln


„1 minute bewegt Köln“ ist ein Video-Tanz-Projekt, welches Kölner Passanten mit MP3-Playern und grünen Kopfhörern zum Tanzen aufforderte. Die Mitwirkenden wurden gefilmt und das Filmmaterial mit eigens komponierter Musik in einen 1-minütigen-Schnitt für das Netz und Video-Installationen verwandelt. Ziel ist es die Menschen auf der Straße zum Tanzen zu bringen und gleichzeitig durch die Kooperation mit freien Bühnen der Stadt Köln über die Kunstsparte Tanz zu informieren. Es handelte sich um die zweite Phase des Projekts (bereits im März 2010 initiiert), die vom 01.01 bis 31.07 dauerte. Gefördertes Personal waren Projektleitung, Musiker, Grafiker und Helfer. Das Projekt wurde mit Erfolg durchgeführt und erhielt auch seitens der Presse (WDR & Internet) Anerkennung. Geplant waren mehrere Video-Installationen innerhalb der 6 Monate. Aufgrund der Änderungen des ursprünglichen Finanzierungsplans, geringer finanzieller Mittel und einem spätem Bescheid seitens der Stadt Köln konnte lediglich eine Video-Installation durchgeführt werden.

 

 

Antrag Nr. 23: Werkhaus e.V., Krefeld - unrock@südbahnhof 2011

 

Das Werkhaus hat mit dem Projekt der Reaktivierung des soziokulturellen Zentrums Südbahnhof unter eigener Trägerschaft ein Experiment begonnen, dass bewusst auf die Einbindung besonderer lokaler wie überregionaler Projekte und künstlerisch tätiger Personen setzt, um den Südbahnhof als Ort freier Kultur in Krefeld mit überregionaler Ausrichtung zu etablieren und einen besonderen Veranstaltungsort für die freie Kultur zu schaffen. Dabei eignen sich die Räumlichkeiten weniger für publikumsintensive Großveranstaltungen, als vielmehr für Zielgruppen orientierte Veranstaltungsformen bis max. 200 Personen.

Besonders auch überregional herausgehoben aus den unterschiedlichen Aktionen und Initiativen und als idealer Partner zur Entwicklung eines eigenständigen Kulturprofils avantgardistischer Musik mit umfangreichen Kontakten in die weltweiten Szene ist Michael Stahl, der als Partner die Projekt- und Bandbetreuung übernommen hat.

Mit Unterstützung der LAG soziokulturelle Zentren NW konnten wir im Jahr 2011 fünf Konzerte durchführen, die über das Jahr verteilt internationale MusikerInnen der Avantgardemusik in Krefeld präsentieren. Der Publikumszuspruch aus ganz NRW und aus den Niederlanden und Belgien war gut

bis sehr gut. Erreicht wurden zwischen 60 – 120 Besucher. Dies wurde sicherlich durch die intensive Vorwerbung in internationalen Fachzeitschriften, Radioankündigungen sowie die teils sich überlappenden, teils völlig unabhängigen Netzwerke der Beteiligten möglich.

Rückblickend ist festzustellen, dass der Aufwand gegenüber den absoluten Zahlen recht hoch erscheint. Für das erste Jahr des Spielortes Südbahnhof, wie auch für das doch spezielle Programm, kann das Ergebnis als voller Erfolg gewertet werden. Die Reihe soll, obwohl keine finanzielle Förderung vorliegt, entsprechend der Erfahrungen auch in 2012 fortgesetzt werden. Dabei wird der Schwerpunkt auf Solokonzerten und kleineren Formationen liegen, um das wirtschaftliche Risiko niedrig zu halten und trotzdem kontinuierlich an diesem Veranstaltungselement weiter zu

arbeiten.

 

Das erste Konzert am 20.03.2011 war als Prämiere von der Qualität her leider am wenigsten überzeugend. Trotzdem war der Versuch eines Minifestivals mit einer tänzerischen Performance der in Krefeld lebenden aus New York stammenden Tänzerin und Performancekünstlerin Julie Stearns und dem Solisten Cameron Diaz sehr interessant. Die Performance des Hauptacts, Sunburned Hand Of The Man blieb weit hinter den Erwartungen zurück.

 

Mit 70 Zuschauern über 4 Stunden war die Zahl der Besucher des Minifestival eine Enttäuschung. Das Experiment, eines Sonntagsnachmittags für Improvisierte Kunstformate war ein unglücklicher Start für Unrock@südbahnhof. Glücklicher Weise waren die folgenden Veranstaltungen in Qualität und Publikumsresonanz überzeugend.

 

Die Sun City Girls mit den Brüdern Bishop (US) und dem Schlagzeuger Charles Gocher gibt es nicht mehr. Letzterer ist vor Kurzem verstorben. Das Konzert der Brüder Bishop „Brothers Unconnected“ war ein wirkliches Erlebnis.

Wooden Shjips (US) machen die Weiten des amerikanischen Westen- Romantik – Mythologie und idealisierenden Phrasen hörbar; sie sind eine eigene Stimme und Interpretation einer Weltanschauung. Mit mehr als 120 Gästen, das erfolgreichste Konzert der Reihe. Das Echo auf diese beiden Konzerte war wirklich groß. Es zeigte sowohl das Potential dieser Reihe als auch die Wichtigkeit der klassischen Konzertsituation. Trotz des ungewöhnlichen Mittwochstermins war der Zuschauerraum voll.

 

Mit der Band Group Inerane aus dem Niger konnten wir einen wirklichen Exoten nach Krefeld einladen und eine Tür zur Weltmusik öffnen. Dabei stand die Konzertreise der Musiker mit einem abgesagten Festival in England (nicht erfüllte Brandschutzauflagen) unter einem schlechten Stern. Groupe Inerane bringt ethnische Weltmusik in klassischer Rockformation mit Schlagzeug, Bass, EGitarre und Gesang.

Musikalische Wurzel der Stammesgebiete des heutigen Niger treffen auf Velvet Underground und Creedence Clearwater Revival.

 

Die Zuschauer kamen aus Münster, Köln und Venlo. Trotzdem waren es weniger, als wir erhofft hatten. Die Band konnte ihre Können und ihre Präsenz über die Internetvideos nicht transportieren. Es gab große Vorbehalte. Live waren sie ein Hör- und Bewegungserlebnis. Gleichzeitig wurde deutlich, das ein Exotenbonus alleine nicht ausreicht. Der Bereich der Weltmusik ist hoch interessant, aber leider ohne Subventionierung nicht finanzierbar.

 

Thomas Truax (US) zeigte als „Vorgruppe“ von Carla Bozulich eine skurrile Show. Melancholische Lieder und truaxische Instrumente, selbstkonstruiert und mit überraschenden Klangbildern faszinierten die ZuhörerInnen.

 

Carla Bozulich undJohn Eichenseer erzeugten in ihrem Konzert eine beklommene intensive Spannung, die Zuhörer teils hilflos, teils emotional ergriffen entließen.

 

Unrock@suedbahnhof 2011 war für alle Beteiligten eine intensive Erfahrung und Auseinandersetzung. Mit dem Projektbeauftragten Michael Stahl hatten wir einen fachkompetenten Partner für die Präsentation einer anspruchsvollen avantgardistischen Musikreihe internationalen Formates. Diese Zusammenarbeit wollen wir fortsetzen, obwohl er Krefeld verlässt und ein neues Geschäft in Essen

eröffnet.

Die Konzerte waren individuelle künstlerische Statements, die entsprechend des Slogans von Ralf D.: "Was nicht kontrovers ist, ist nicht der Rede wert." zu intensiven Gesprächen Anlass gaben. Das Experiment, nicht das ausgereifte glatte Produkt und die ungeschliffene künstlerische wird zur Diskussion gestellt. Die Herausforderung zum Dialog und die Findung einer eigenen Position des Zuhörers wurden eingefordert. Wir danken für die Unterstützung.

 

 

Antrag Nr. 24: BÜZ Minden/Kulturverein Wolkenstein - Internationales Performance-Festival "ENERGY"

 

Vom 3. bis 7. November 2011 haben wir ein 4-tägiges Performance-Festival mit 32 TeilnehmerInnen aus 8 Ländern an mehreren Standorten in Minden durchgeführt, teilweise open-air. Mit den Performances konnten wir eine Brücke zwischen der etablierten Kunstszene und der Kleinkunstszene schlagen. Darsteller aus unterschiedlichen Kulturen nutzten das Fest als Podium für aktuelle Themen in einem für die Zuschauer und Teilnehmer leicht zugänglichen Format. Spielerisch und ganzheitlich konnten gesellschaftsrelevante Tendenzen umgesetzt werden: unter Einbeziehung literarischer, musikalischer, szenischer, auch non-verbaler Techniken. Die Ereignisse in Fukushima verliehen unserem Thema eine aktuelle Brisanz, z.B. in literarischen Beiträgen. Die Vorgabe des zentralen Themas „Energie“ erwies sich als ergiebig wegen seiner globalen wie lokalen Bedeutung. Während der Auftritte fand spontane Interaktionen mit dem Publikum statt, sowohl open-air im Fußgängerbereich der Innenstadt wie auch auf den Bühnen der mit uns vernetzten Scalabühne, des Treffpunkts Altentagesstätte am Johanniskirchhof und der Institution „musik minden“. Als Partner präsentierte sich ein einheimisches Unternehmen aus dem Energiebereich, nämlich die Energiekostenberater, siehe: http://www.passivhaus.de.Insbesondere unterstützte es uns bei der Präsentation der Energie-Kunst auf dem Mindener Marktplatz.

 

Das Performance-Festival erfolgte generationsübergreifend und als interkulturelle Begegnung in einem kreativen Klima. Die vielfältige und facettenreiche Darstellung des Themas „Energie“ wurde möglich durch die diversen, zum Teil äußerst unterschiedlichen sozialen und kulturellen individuellen Hintergründe, z.B. der noch in der DDR sozialisierten KünstlerInnen.

Es ist uns gelungen, die Performance-Szene in Minden ein Stück weiter zu stärken und die Mindener und MindenerInnen durch eigene Teilhabe an diese positive kulturelle Ausdrucksform heranzuführen: als Publikum und als Kreative in unseren Workshops.

Durch Einladungen von Teilnehmern zu anderen bestehenden Performance-Festivals entstand weitere Vernetzung mit internationalen Performance-Festivals, die letztendlich auch der Qualitätssicherung dient.

Durch die Förderung konnten wir insbesondere diejenigen bekannten Künstler aus dem Ausland bei den anfallenden Reise, Unterkunfts- und Verpflegungskosten unterstützen, die das aus eigener Kraft nicht hätten leisten können. Hierdurch konnten wir die Attraktivität des Performance-Festivals steigern.

 

 

Antrag Nr. 27: sozialpalast, Münster - Cafe, Theater und Kino

Drei Abende im Münsteraner Programmkino Cinema

 

Das Kunstprojekt sozialpalast 2011 greift die vorangegangenen Projektarbeiten auf, schafft aber diesmal wieder einen völlig neuen Rahmen. Wie in allen sozialpalast -Projekten wird der Begriff von „Bühne“ ausgelotet und hinterfragt. Mal sind es Musikleute, mal Vorleser, diesmal sind es erneut Theaterleute.

Und: Theater und Kino wird kombiniert und zu einem „Live-Kino“ verwandelt.

Das Programmkino Cinema an der Warendorfer Straße 45 in Münster ist Schauplatz des 6. sozialpalast Projekts in Münster. Das dem Cinema angegliederte Cafe Garbo wird zum Spielort zwischen Installation, Alltag, Theater, Film und Kino. Der sozialpalast wird in diesem Raum innerhalb eines Filmsets Theater installieren. Das Setting ist im Sinne des Off-Theaters quasi im öffentlichen Raum unter Einbeziehung der Peripherie Schaufenster und Straße. Der Vorführraum ist mit dem Set direkt verkabelt und projiziert die filmischen Bilder mit Ton zeitgleich in den Kinosaal auf die Leinwand. Somit wir der Gesamtkomplex Warendorfer Str. 45 zum installativen, zum performativen Raum, zum Kunstraum. So die Vorankündigung und der Aufbau.

 

Nachbetrachtung

sozialpalast sucht (öffentliche) frei zugängliche städtische Räume, um den eigenen Kunstbegriff am offenen Herzen der mehr oder weniger vorbereiteten ZuschauerInnen zu erproben. Es ist das Versetzen von Kunst und Bühne in den Alltagsraum, oder wie in diesem Jahr in einen Raum, mit dessen Alltagsfunktion ganz konkret gespielt wird: Das Programmkino und dessen angegliedertes Cafe Garbo wird selbst zum Theater bzw. Filmset. Jedoch nicht offensichtlich, sondern ganz leise und versteckt, und mit wenig technischen Mitteln. Das Theaterpärchen sitzt am Nebentisch, verhält sich wie alle anderen Gäste, und ist eben doch im Grossformat zeitgleich auf der Leinwand zu sehen.

Vorne Cafe-Alltag, hinten derselbe Cafe-Alltag als Kinofilm „live“ im Schuss-Gegenschuss-Prinzip, also im Höchstmass an filmischer Präsenz, auf der Leinwand, und noch dazu mit Liveschnitt! Hier stehen beide Disziplinen (Film und Theater) im extremen Gegensatz zueinander und sind dennoch an den Grenzen und am Randbereich verschwommen. Kein wirkliches Theater kein wirklicher Kinofilm. Dafür ganz spezielles Theater und ein ganz spezieller Kinofilm. Es war das Moment des Wechselns von Kinosaal zu Cafe und wieder zurück, das die Wahrnehmungsgewohnheit des Publikums deutlich werden lies: Die meisten Zuschauer blieben in den Kinosesseln sitzen, nutzen nicht die Möglichkeit zu überprüfen, ob die beiden dort oben auf der Leinwand wirklich dort hinten im Cafe am Tisch sitzen. Wer es tat, war verblüfft: Eine sich gegenseitig verstärkende

Gleichzeitigkeit, die Positionen hinterfragt: Wo ist Publikum? Wo ist Bühne? Wo ist Film? Wo ist

Realität? Wo bin ich selbst?

Und für die Darsteller: eine persönliche Höchstform von Theater! Und ungeheure Herausforderung und Anstrengung: Denn ist der normale Bühnenaufbau verändert, ist die Konfrontation von Bühne zum Publikum aufgehoben, wird das Spiel sehr viel schwieriger! Wie so häufig beim Off-Theater. Aber Publikum und Theater auf derselben Ebene, nebeneinander, nahezu unerkannt, und noch dazu improvisiert: das fordert die Konzentration der Darsteller in besonderer Weise heraus.

 

Fazit

Das Cinema / Cafe Garbo ließ sich ein auf ein Kunstprojekt sozialpalast, welches in erster Linie mit dem technischen Versuchsaufbau spielte. Nicht wie im vorangegangenen Jahr, als der Ort selber die Installation war: Ein Wartehäuschen auf dem Bahnsteig als Konzertbühne, die Fernverkehr-Gleise zur Linken und zur Rechten als Zubringer der MusikerInnen, und natürlich: die Bahnhofsmission als Backstageraum: dort war es der Ort an sich und dessen Funktionen und seine Instanzen die zusammen spielten.

Der Programmkino-Komplex Cinema liess sich film- und bühnentechnisch ausloten, und musste nichts anderes tun, als seinen eigenen Alltag fortzuführen. Das ist natürlich besonders spannend und passend, wenn dieses Ausloten im eigenen Metier geschieht.

Es ist die Besonderheit dieses Kinos und dessen konzeptionellen Bewusstseins, künstlerisch-kreative Arbeit zuzulassen und zu fördern. Aus diesem Bewusstsein heraus entstehen dort Prozesse, die verbinden und vernetzen, die nicht immer sofort deutlich sind, aber die (künstlerische) Auseinandersetzungen weitertragen, und kulturelle Inselbildungen auflösen. Sei es in der Programmverknüpfung mit dem Gleis 22, sei es mit Themenabenden und Filmreihen, oder auch noch externer: mit einem Viertelfest.

 

Holger Lösch war Ansprechpartner im Cinema und verantwortlicher Förderer des Projekts. Thomas

Kemper hat sozialpalast als Techniker vor Ort unterstützt.

Besucherzahlen:

08.12., Donnerstag > 20 Personen

09.12., Freitag > 50 Personen

10.12., Samstag > 50 Personen

 

 

Antrag Nr. 30: Rue Obscure, Münster - „German village - ein dynamisches Suchbild“ (Arbeitstitel: „fantôme liberté“)

 

Projektzeitraum : Februar - April 2011

Projektbeteiligte :

Konzept und Regie:              Rue Obscure (Karina Behrendt, Anne Keller)

Spiel:                                  David Kilinc, Teresa Lucia Rosenkrantz, David Gruschka

Maske und Kostüm:             Karina Behrendt

Lichtinstallation:                   Moritz Hesse

Soundinstallation:                Teresa Lucia Rosenkrantz

Interviews:                           11 Personen, anonym

 

Projektziel

Ziel von „German village“ war es, eine theatrale Installation in der Orangerie des Botanischen Gartens zu schaffen, die dem Zuschauer eine Konfrontation mit seinem eigenen Umgang mit dem Fremden ermöglicht. Basis der Arbeit sollten Interviews mit Menschen sein, die sich als Ausgegrenzte, als temporäre oder dauerhafte Fremde in unserer Gesellschaft erleben.

 

Erste Idee

Die Orangerie in Münsters Botanischem Garten ist ein langgestrecktes, denkmalgeschütztes Gebäude, das in den kalten Monaten mit exotischen Pflanzen voll bestückt ist. In den Frühlingsmonaten stehen sechs riesige Fenster offen, aus denen die Bäume und Sträucher ihre Zweige sehnsüchtig ins Freie stecken, Vögel fliegen ein und aus und der unwillkürliche Eindruck eines dichten Dschungels mitten in der cleanen Münsteraner City wird erweckt.

Diesen fantastischen Raum zu beleben, mit ebensolchen Wesen - einen scheinbar bekannten Ort neu und fremd sichtbar zu machen, war das erste Anliegen. Da die Orangerien in Deutschland u.a. als Ausstellungsraum von Exotischem entstanden und immer noch als solches fungieren - besonders die Orangen- und Zitronenbäume mit ihren leuchtenden Früchten ziehen die Spaziergänger an - war das zweite Thema „Begegnung mit dem Fremden“ nicht von weit her zu holen. Die Recherchen führten das Team von Rue Obscure über eigene Fremdheitserfahrungen, Märchen- und Traumanalyse zu den bis Mitte des 20. Jahrhunderts in Deutschland sehr beliebten Menschenschauen (z.b. „African village“).

 

Interviews + Textbasis

Nach einer langen Vorbereitungsphase konnte Rue Obscure im Februar endlich mit den Interviewpartnern ins Gespräch kommen. Die Vermittlung von gesprächsbereiten Personen fand teilweise über soziale Vereine statt (SeHT Münster e.V., Klinke, Altes Backhaus e.V.), teilweise bestanden schon Kontakte zu den Interviewten. Die Fragen der etwa einstündigen Gespräche kreisten sowohl um Erfahrungen des eigenen Ausgeschlossenseins, als auch um Erlebnisse mit Menschen, Räumen, Situationen, die dem Interviewten selbst fremd erschienen. Neben den konkreten Erlebnissen wurden gezielt die Reaktionen und Emotionen auf Erlebnisse der Fremdheit befragt. Die Begegnungen mit elf völlig verschiedenen Persönlichkeiten gewährten - neben den eigenen Erfahrungen - unterschiedlich tiefe Einblicke in Leben und Fremdheits-Erleben in Deutschland.

Die Tonaufzeichnungen wurden auszugsweise transkribiert mit besonderem Augenmerk auf den jeweiligen Sprach- und Sprechstil. In einem anhaltenden, komplexen Verfahren wurden einzelne Textfragmente zu einer surrealen Textbasis ineinander geschoben und den drei zuvor entworfenen Figuren zugeordnet. Gleichzeitig wurden die Kostüme angefertigt, sowie eine Soundinstallation aus stark verfremdeten Tiergeräuschen und -stimmen erarbeitet. Mit dieser Ausrüstung ging´s in eine Probenzeit von 12 Tagen.

 

Proben

Sieben Tage Vollzeit-Proben im Probenraum, fünf Tage Vollzeit-Proben in der Orangerie waren für Schauspieler und Regie-Team ein besonders intensives Unterfangen. Aus der Textgrundlage wurde eine halbstündige Schleife entwickelt, die viermal hintereinander in 2-Stunden-Blöcken gezeigt werden konnte. Schon während der Proben vor Ort bestand die Möglichkeit, die Zuschauerreaktionen zu testen - Spaziergänger, Mitarbeiter des Botanischen Gartens, Studenten des Fachbereichs Theaterpädagogik der HS Osnabrück kamen gezielt oder ließen sich in ihren Arbeiten oder Spaziergängen unterbrechen.

 

Öffnung der Installation, Podiumsdiskussionen

An einem Wochenende im April war die Installation „German village“ schließlich im 2-Stunden-Rhythmus geöffnet. Die Besucher, die gezielt die Installation besuchen wollten und vor den großen Fenstern stehen blieben, zogen weitere Spaziergänger und Passanten an. Das gebündelte Fremde, dass auf sie zukam - Aussehen, Geräusche, Verhaltensweisen, Aussagen - löste unterschiedlichste Reaktionen aus. Die zunächst sperrig erscheinenden Textfragmente, die weniger als Dialoge zu begreifen waren, sondern die Vereinzelung der Figuren betonten, entwickelten für viele Zuschauer ein sogartiges Erlebnis. Keine stringente, actiongeladene Handlung wurde hier gezeigt, sondern ein bilderreiches Erleben von Abstoßung und Anziehung, von Zuständen der Einsamkeit und Sehnsucht.

Um bei Bedarf den Zugang zu den Themen der Installation zu erleichtern, organisierte SeHT Münster e.V., ein Verein für Menschen mit Teilleistungsschwächen, begleitende Podiumsdiskussionen. Neben Menschen, die von ihren Ausgrenzungserfahrungen berichteten, kamen Vertreter verschiedener sozialer Einrichtungen zu Wort, deren Alltagsgeschäft das Brückenbauen zwischen sich Fremden ist. An beiden Tagen entspann sich eine angeregte Diskussion zwischen Zuhörern und Podiumsteilnehmern, in der immer wieder enge Bezüge zur Installation auftauchten.

 

Projektergebnis

« German village » eine Theaterinstallation in der Orangerie des Botanischen Garten Münsters, völlig kostenfrei zugänglich, verarbeitete Texte aus Interviews mit Menschen, die Experten der Ausgrenzung in unserer Gesellschaft sind: Senioren, Menschen mit geistiger Behinderung, Wessis/Ossis, Migranten, Menschen mit Psychiatrieerfahrungen, die Beteiligten selbst. In der Orangerie, die im April vor überwinternden exotischen Pflanzen aus allen Nähten platzt, lebten für ein frühlingshaft sonniges Wochenende drei fremde Wesen, die dem Betrachter wechselhafte Gefühle der Faszination und der Abstoßung bescherten. Ein menschenartiges Lebewesen trug einen überdimensionierten weissen Panzer als Kopf, mit kleinen Löchern durchsetzt. Ein geschmeidiges Wesen mit einer schwarzen Geisha-Maske und weißem Fell zwischen den Fingern umschmiegte die Pflanzen und eine intellektualisierende Forschernatur verfiel immer wieder in tierhafte Tänze und Kletterpartien zwischen den Bäumen. Die Installation zog den durch die großen geöffneten Fenster blickenden Zuschauer bewusst durch Ruhephasen an. Neugierig suchten die Zuschauer nach den im Dickicht verborgenen Gestalten. Kamen diese jedoch aus ihrem Dschungel weiter an die Fenster, drohten sogar, die Grenze zwischen Innen- und Außenraum zu überschreiten, vergrößerten die Betrachter die Distanz. Vereinzelt ergaben sich Berührungen zwischen Spielern und Zuschauern - ein kleines Mädchen streichelte den traurigen Riesenkopf, eine Frau ließ sich auf ein Spiel mit den geschmeidigen Händen des Geisha-Wesens ein. Häufig antworteten Zuschauer oder Passanten auf die gesprochenen Texte, die bis auf wenige Ausnahmen Originalzitate aus den oben genannten Interviews darstellten.

Durch das gute Wetter und eine umfassende Werbung war die Installation gerade in den Mittags- und Nachmittagsstunden gut besucht. Die Reaktionen, die die Spieler - und das Regieteam in der Zuschauermenge - erlebten, waren erwartungsgemäß sehr gemischt: Mehrstündiges Zuschauen, Kopfschütteln, Interaktionen mit den Spielern, stures Ignorieren, Austauschbedarf, kurze Irritationsmomente. Alle Reaktionen sind ein deutlicher Spiegel des Umgangs mit Fremdheit, dem zentralen Thema von „German village“. Eine regelmäßige Besucherin des Botanischen Gartens, die zufällig in die Installation geriet und an beiden Tagen mehrere Stunden zuschaute, erklärte, dass ihr die zunächst seltsam erscheinende Installation von Mal zu Mal besser gefalle - ein gutes Bild für eine gelungene Annäherung an das Fremde.

 

 

Antrag Nr. 34: Theater am Schlachthof, Neuß – Haram, Migranten zwischen zwei Welten

 

Im Dezember 2011 begannen die Proben zu dem Jugendtheaterstück "Haram" von Ad de Bont. Eine Theaterpädagogin begleitete die gesamte Probenphase, um so die Schauspieler auch für Diskussionsrunden nach den Aufführungen schulen zu können. Am 12.02.12 hatte das Stück im Theater am Schlachthof Premiere und wurde dort einige Male gespielt.  Leider waren nicht viele Schulen an diesem als Klassenzimmerstück konzipierten Jugendtheater interessiert. Zwei Schulen (eine im TAS, eine in ihrer Aula) nahmen bisher das Angebot war. Die Reaktionen waren durchweg positiv und wir werden das Stück nach den Sommerferien noch einmal verstärkt bewerben und versuchen an Schulen zu spielen. Bei den Vorstellungen ergaben sich viele Interessante Diskussionen mit den Schülern, aber auch mit Sozialarbeitern und Lehrern. Das Stück lässt viele Fragen offen, wie die Geschichte der Jugendlichen weiter geht und ermöglicht so viele Interpretationsräume.

 

 

Antrag Nr. 35: Theater am Schlachthof, Neuß - Kultur braucht Kulturen

Die Kabarett-Stars der Migrantenszene zu Gast in Neuss!

 

In Zusammenarbeit mit dem Kulturamt der Stadt Neuss und der Caritas Begegnungsstätte im Barbaraviertel entstand im Sommer/Herbst 2011 ein Festival im Theater am Schlachthof.

Acht Kabarettisten und Comedians mit Migrantionshintergrund wurden zwischen September und Oktober zu Auftritten ins Theater eingeladen. In der Benachbarten Begegnungsstätte der Caritas fanden bereits in den Ferien zwei Workshops statt, die sich spezielle an Migranten aus dem Barbaraviertel (in dem auch das Theater liegt) richteten. Zwei Künstler aus dem TAS organisierten zwei Workshops zum Thema Bühnenbild/Kostüme und Tanz/Theater. Diese Angebot wurden von den Laiengruppen, die in dieser Begegnungsstätte proben gerne angenommen und es nahmen insgesamt ca. 60 Personen an den mehrtägigen Workshops teil.

Die Veranstaltungen im Kabarettbereich hatten unterschiedliche Resonanz. Neben den gut gefüllten Auftaktveranstaltungen (Marek Fis und Mixed-Show) nahm das Interesse im Laufe des Festivals doch merklich ab und zwei Veranstaltungen konnten so nicht realisiert werden.

 

Alles in allem war das gesamte Festival jedoch ein Erfolg gerade für das Viertel in dem das Theater liegt und hat die Sicht der Migranten auf das Theater und sein Programm verändert.

 

 

Antrag Nr. 36: Druckluft Oberhausen - BUNKER Theater Luft

 

Das Projekt begann ab Februar 2011 mit wöchentlichen Treffen in einer Improvisations-Phase im Proberaum Kulturzentrum Druckluft. Wir wollten unterschiedliche Aspekte von „Schutzsuchen“ und dem „sich-in-einem-Bunker-verstecken“ untersuchen. Es entstanden Szenarien, die sich zuerst weniger auf die Vergangenheit, sondern insbesondere unter dem Eindruck der Reaktorkatastrophe von Fukushima auf Zukunft und Gegenwart bezogen. Wir setzten uns spielerisch mit dem Thema der Gruppendynamik auseinander, die entsteht, wenn eine Gruppe auf beengtem Raum zusammenleben muss. Das bedeutete die Untersuchung von Hierarchien, Privilegien und Zeichen von Autorität. Der Bunkerraum wurde zu einem Bild einer eigenen autarken Ordnung, das die Absurdität von in der Außenwelt üblichen Gepflogenheiten unterstreicht. Was ist wirklich wichtig, emotional wie physisch? Doch eine weitere Frage stellte sich: Welchen Bedrohungen sind wir heute überhaupt ausgesetzt, und gibt es davor einen Schutz? Die Improvisationen ergaben nicht nur Elemente einer Handlung, sondern es entwickelten sich zunehmend Figuren, die die Schauspieler über die Handlungszeiträume hinweg in die verschiedenen Szenen trugen und ausarbeiteten.

 

Die Suche nach einem Aufführungsort und vor allem nach Informationen über die Vergangenheit Oberhausens als im zweiten Weltkrieg durch Luftangriffe in großen Teilen zerstörte Stadt, führte uns schnell zum Bunkermuseum Oberhausen. Dort wurde das Projekt sehr willkommen geheissen. Wir erhielten nicht nur Zugang zu vielen faktischen Informationen, Interviews mit Zeitzeugen und Datenmaterial, sondern vor allem zu einem im Originalzustand erhaltenen Luftschutzbunker, der zudem als Museum öffentlich zugänglich war. Als Museum ist dieser Bunker auch für öffentliche Veranstaltungen zugelassen und mit Fluchtwegen und Leitsystem ausgestattet. Deshalb eignete er sich nicht nur als Informationsquelle, sondern so auch als Proben- und Aufführungsort. Dies wurde für die Jugendlichen zu einer große Motivation- und Inspirationsquelle. Ab dem Ende der Sommerferien fanden im September nun mindestens zweimal in der Woche Proben im Luftschutzbunker statt. Zusätzlich gab es Wochenendproben und eine intensive Endproben-Phase.

 

Die bereits in der Improvisation-Phase entwickelten Szenen wurden an den neuen Ort adaptiert und waren Grundlage des ersten Teils der Aufführung. Die zahlreichen historischen Informationen und die beeindruckenden Räumlichkeiten verlangten jedoch eine zusätzliche Reaktion, nämlich eine ausgiebige Auseinandersetzung mit der Vergangenheit, die sich nicht nur auf das vorgefundene Material, sondern auch auf die Biografien der einzelnen Teilnehmerfamilien bezog.

Während die in der ersten Phase entstandenen Szenen in einem relativ neutralen und modernen weißen Bunkerraum stattfanden, nutzten wir schließlich den ganzen Bunker. Dabei teilten sich die Jugendlichen die einzelnen Bunkerzellen untereinander auf und entwickelten in Kleingruppen oder auch alleine ihre persönlichen Reaktionen und Themen zu den Räumlichkeiten.

 

Der Eindruck des 2. Weltkriegsbunkers führte zu einer kritischen Auseinandersetzung mit der Frage, wer damals überhaupt Opfer und wer Täter war. Es stellte sich heraus, dass der Zugang zum Luftschutzbunker begrenzt war und nur Deutsche und NSDAP-parteitreue zugelassen waren. Das führt zum Beispiel dazu, dass der syrische Jugendliche der Gruppe, in dem Bewusstsein, damals vielleicht gar nicht in den Bunker gelassen worden zu sein, eine Zelle wie ein prächtiges Wohnzimmer mit Kristalllüster und antiken Möbeln ausstattete. Seine Szene wurde zu einer mit der Musik Richard Wagners beschallten surrealen Installation, in der er sich mit großer Selbstsicherheit und absurder Selbstverständlichkeit bewegte. Durch ein kleines Fenster in der Tür konnten die Zuschauer diese Szene betrachten, bis plötzlich eine Klappe mit der Aufschrift „I am not here, this is not happening!“ das Fenster schloss.

Eine Szene verband die Vergangenheit direkt mit der Gegenwart. In einer Bunkerzelle mit einem ausgestellten alten Propagandabuch saß eine Schauspielerin in der Rolle eines BDM Mädels auf einem Hocker und schälte Kartoffeln. Das Publikum wurde hineingebeten und plötzlich mit der Bunkermentalität des Thilo Sarrazins konfrontiert. Die Schauspielerin befahl den Zuschauern einzelne ausgewählte Sequenzen seines umstrittenen Buches vorzulesen. In einer anderen Zelle, in der ein so genanntes „Bunkergepäck“, welches damals zugelassen war, ausgestellt war, wurde das Publikum von einer Darstellerin aufgefordert sich an ihrer Installation zu beteiligen: An Schnüren hingen in der gesamten Zelle, die Dinge von der Bunkerdecke, die ihr wichtig genug gewesen wären, um sie mit in den Bunker zu retten. Die Zuschauer füllten Karten aus und hängten sie dazu, so dass nach der fünften Vorstellung eine Sammlung persönlicher Erinnerungen und Gegenstände, die Bunkerzelle füllte. So entwickelte jeder Teilnehmer der Gruppe seine persönliche Szene und Reaktion in Bezug auf die vorgefundenen Räumlichkeiten und Ausstellungsstücke des Bunkermuseums.

Aufgrund der beengten Räumlichkeiten mussten wir mit den Teilnehmern ein System entwickeln, bei dem das Publikum in kleine Gruppen aufgeteilt und in unterschiedlichen Reihenfolgen durch die Szenen geführt wurde. Das bedeutet, dass jede Szene des zweiten Teils der Aufführung mehrfach gespielt werden musste, was für die Jugendlichen eine besondere Herausforderung und aber auch Schauspiel-Übung war. Wir setzten das theatralische Mittel des chorischen Sprechens im Bunker ein, um einmal die Wechselwirkung von Individuum und Gleichschaltung darzustellen, aber auch um die Konzentration der Jugendlichen zu fördern und sie vor eine technische Herausforderung zu stellen. Der Chor wurde nicht in einem Raum, sondern in den verschiedenen Zellen verteilt gesprochen. Das Textmaterial in der absoluten Stille hinter dem meterdicken Beton, wurde so verfremdet und zu einem weiteren Stilmittel der Aufführung.

 

Die Aufführung wurde im Oktober 2011 fünfmal aufgeführt. Aufgrund der begrenzten Räumlichkeiten haben bisher etwa 130 Zuschauer das Stück sehen können. Die Aufführungen wurden von einem Fotografen und einer Kamerafrau mit Video dokumentiert. Dieser Film wird im Druckluft öffentlich gezeigt werden. Es besteht der Plan und Wunsch von sowohl dem Bunkermuseum Oberhausen als auch den Schauspielern, das Projekt weiter aufzuführen. Die Gruppe möchte gerne auch ein weiteres Projekt realisieren.

 

 

Antrag Nr. 37: Die Welle gGmbH - Stilbruch

 

Stil übergreifendes, integratives Musikprojekt mit dem Ziel der Verschmelzung von urbaner Subkultur und der klassischen Hochkultur

 

Das Projekt „Stilbruch“ fand im soziokulturellen Zentrum „Die Welle“ in Remscheid Lennep statt. Die Besucher und Besucherinnen des Jugendzentrums gehören eher zu den sozial benachteiligten Jugendlichen und der HipHop-Base an, aber sie haben durchaus Interesse sich auch mit klassischer Musik zu beschäftigen. Die sozial besser gestellten Jugendlichen beschäftigen sich eher mit der klassischen Musik. Diese konnten wir durch die öffentliche Bewerbung des Projektes für dieses gewinnen.

 

Das Projekt richtete sich an folgende Gruppen und Institutionen:

-                      Jugendliche und junge Erwachsene im Alter zwischen 15 – 18 Jahren

-                      Sie sollten entweder der HipHop-Base angehören oder sich mit der klassischen Musik beschäftigen

-                      Die ansässige städtische Kunst- und Musikschule

 

Die Grundidee des Projektes war es, für beide neben einander existierende Jugendkulturen, die bisher keine musikalischen Berührungspunkte hatten, eine neue Plattform zu schaffen, wo beide Kulturen eine Verschmelzung erfahren. Sie sollten erkennen, dass sich die Szenen gegenseitig ergänzen könnten. Jugendliche sind heute mit der Situation konfrontiert, dass sie auf Grund ihrer sozialen Stellung die Jugendkultur unterschiedlich auffassen und gewisse Angebote nicht wahrnehmen können und wollen. Wir haben versucht eine Brücke zwischen den Jugendkulturen und deren Anhängern zu bauen, Kompetenzen zu fördern und den Jugendlichen eine Plattform zu schaffen, wo sie die Möglichkeit haben Klassik und Hip Hop musikalisch zu verbinden.

 

Das Projekt startete mit einem 4-tägigen Workshop in den Osterferien. Hier lernten sich zuerst alle Teilnehmer kennen. Dann wurde mit ihnen ein Brainstorming gemacht, welche Themen sie zurzeit beschäftigen und interessieren. Es wurden zwei unterschiedliche Themen gefunden „Killa-Musik“ und „meine Spiele“ (hier sind Computer- bzw. Konsolenspiele gemeint). Es bildete sich zu jedem Thema eine Rapgruppe. Diese schrieb zu diesem Thema einen Songtext. Die dritte Gruppe, war die Klassikgruppe. Die Teilnehmer dieser Gruppe überlegten sich zu beiden Themen klassische Musikstücke, schrieben dies für ihre Instrumente um und übten sie ein. Am Ende jeden Tages trafen sich immer alle Gruppen, um sich gegenseitig ihre Ergebnisse zu präsentieren. Als die klassischen Musikstücke erarbeitet waren, wurden diese im Tonstudio eingespielt. Dann setzte sich die jeweilige Rapgruppe mit dem Beatmaker zusammen und produzierte einen passenden Beat zu den klassischen Stücken. Nachdem sie die klassische Musik und die dazugehörigen Beats zusammen gefügt hatte, nahmen sie ihre Songtexte im Tonstudio dazu auf. Die Klassikgruppe schrieben in der Zeit Solis für ihre Instrumente, die ebenfalls eingespielt und als Bridge in den Song eingefügt wurden.

 

Wie sich nach dem 4-tägigen Workshop herausstellte, bewahrheiteten sich unsere Vermutungen. Man konnte die zwei verschiedenen Jugendkulturen schon an der Kleidung der Teilnehmer ausmachen. Auch die vermuteten sozialen Unterschiede waren vorhanden. Nach einem anfänglichen „beschnuppern“ blieben die Teilnehmer lieber erst einmal in ihren Gruppen. Erst durch die intensive Zusammenarbeit der Gruppen, kamen sich die Teilnehmer näher und man war bereit auch mal hinter die „Fassade“ zu schauen. Dies äußerten sie sogar bei einem Interview mit der ansässigen Zeitung. Dort wurden sie nämlich gefragt, ob sie sich auch so auf der Strasse hätten kennen lernen können. Dies wurde von beiden Parteien verneint.

 

Auf den Workshop folgten die Proben für die Live Performance. Und hier fand dann letztendlich die erhoffte Verschmelzung statt. Diese trugen die Teilnehmer auch nach außen, indem sie dasselbe T-Shirt, mit dem jeweiligen Cover des Songs, für ihren Auftritt produzierten.

 

Der Auftritt auf dem Kinder- und Jugendtag war nicht nur für die Teilnehmer, sondern auch für die Besucher ein Highlight. Es waren viele Schüler der städtischen Kunst- und Musikschule anwesend und auch deren Dozenten. Nachdem Auftritt fand ein reger Austausch mit den Teilnehmern sowie deren Dozenten statt. Es wurde klar, dass noch viel mehr Jugendliche aus dem klassischen Bereich an dem Projekt teilgenommen hätten, wenn sie geahnt hätten, was das für ein tolles Projekt war. Sie und ihre Dozenten konnten sich nicht vorstellen, dass wir es tatsächlich schaffen würden, diese zwei Jugendkulturen problemlos zu verbinden. Das dargebotene Endprodukt hat sie aber restlos überzeugt und wir wurden sofort gefragt, wann dieses Projekt noch mal stattfinden würde. Hier wurde wieder einmal deutlich, wie wichtig es ist solche tabu Zonen aufzubrechen – vor allen Dingen in vielen Köpfen.

 

Abschließend kann man nur noch mal betonen, dass dieses Projekt ein Erfolg für alle war. Alle Teilnehmer haben uns bestätigt, wie viel sie einerseits für ihr Genre andererseits auch über das andere Genre gelernt haben. Sie würden jederzeit noch mal an so einem Projekt dran teilnehmen.

 

 

Antrag Nr. 38: Die Welle gGmbH - Remscheid Musik / Video / Art    

 

Im März 2011 startete das Projekt Remscheid Musik Video Art (RSMVA).

Das Projekt wurde über die lokale Presse beworben und Kontakte, zu Bands, die der Einrichtung bereits bekannt waren und auch schon dort gespielt hatten, aufgenommen.

Ebenfalls entstanden Kontakte über das hauseigenen Tonstudio, in dem vor allem Hip Hop Aufnahmen entstehen.

Auch in die benachbarte Stadt Wuppertal gab es Kontakte, so dass auch eine Band von dort am Projekt teilnahm.

Die teilnehmenden Bands zeigen ein gemischtes Spektrum an Musikstilen und Richtungen. So nahm eine Reggae Band, eine Heavy Band, ein Liedermacher, sowie diverse Hip Hop Künstler an dem Projekt teil.

 

Gestartet wurde das Projekt mit Workshops in den Osterferien, in denen mit den ersten Bands die Vorbereitungen für die Videos getroffen wurden.

Weitere Vorbereitungsworkshops fanden zwischen den Osterferien und Sommerferien statt.

Parallel hierzu, begannen auch schon die ersten Workshops, in denen die Dreharbeiten realisiert wurden.

Im Zeitraum bis zu den Herbstferien wurden die Dreharbeiten abgeschlossen.

In den Herbstferien fand ein Teil der Workshops zu den Schneidearbeiten statt, die bis zum Dezember abgeschlossen wurden.

Ende Dezember wurden die fertigen Videos, im Rahmen eines Abschlusskonzerts mit den Bands, in der Welle vorgestellt.

Das Interesse an dem Projekt war von Seiten der Musiker groß. Die Präsenz, vor allem im Internet mit einem Video dargestellt zu werden, hat einen extrem hohen Stellenwert. Auch lagen wir mit der Vermutung richtig, dass immer mehr Wert auf qualitativ hochwertige Videos gelegt wird.

Das Interesse der Musiker aktiv in den Schaffensprozess mit einzugreifen, war allerdings recht unterschiedlich.

Bei einigen Bands funktionierte das Konzept, die Bands zu eigenständigen Produktionen zu befähigen, ganz gut. Andere waren von den erforderlichen Kenntnissen für eine Videoproduktion doch abgeschreckt.

Die Bands zeigten sich sehr zufrieden mit den entstandenen Videos.

Auch der Entstehungsprozess, in den die Sie ja intensiv mit einbezogen waren, bewerteten die Bands positiv.

Mit dem jungen Liedermacher entwickelte sich eine intensive Zusammenarbeit. Er nimmt in der Welle Gesangsunterricht und nimmt im Tonstudio Lieder auf. Ein weiterer Videodreh ist angedacht.

Im Laufe des Projektes stellte sich heraus, dass die Bands keinen Wert auf eine DVD Produktion legen. Für sie ist der Stellenwert einer Präsentation im Web 2.0 höher. So wurde entschieden keine DVDs zu produzieren.

Die Abschlussveranstaltung wurde gemeinsam mit den beteiligten Musikern entwickelt.

Es wurde entschieden, das nicht auf einer Bühne und nur unplugged gespielt werden sollte.

Damit wurde den präsentierten Musikvideos ein größerer Stellenwert eingeräumt.

Gerade durch die Veröffentlichung der Videos wurden noch weitere Musiker auf das Projekt aufmerksam. Immer wieder erreichen uns Anfragen von Bands oder Hip Hop Musikern, die gerne Musikvideos drehen wollen.

 

 

Antrag Nr. 39: Kraftstation Remscheid - SOUND CHECK’EN | ein musikalische Workshopreihe

 

Die Kraftstation Freie Jugendarbeit Remscheid Mitte e.V. hat im 2011 besonders intensiv mit Newcomern gearbeitet. Jugendlichen MusikerInnen wurde die Chance geben, ihre eigenen Bandauftritte professioneller zu gestaltet. Das Projekt richtete sich an Newcomerbands aus dem Bergischen Land.

Ein öffentlicher Soundcheck, verschiedene Workshops und Konzertveranstaltungen boten ein rundes Programm für Musiker_innen.

 

Hintergründe

Als soziokulturelles Jugendzentrum veranstalten wir regelmäßig Konzerte für lokale Newcomerbands und pflegen den Kontakt zu jungen MusikerInnen. So haben wir im letzten Jahr beispielsweise den Bandcontest HEIMspiel veranstalten und der Gewinnerband einen Gig als Support für Luxuslärm verschafft.

Jedoch stellen wir immer wieder fehlendes Technikverständnis bei den einzelnen Bandmitgliedern fest. Der Soundcheck vor Konzertbeginn ist oft nicht ausreichend und die Musikperformence ist trotz professioneller Tontechnik problematisch. Deshalb haben wir mit der Projektreihe SOUNDCHECKEN jugendlichen Bands die Möglichkeit geben an ihrem Bühnensound, an ihrer Liveperformance und ihrem Stimmvolumen zu arbeiten. Ziel war es, die lokale Musikszene zu stärken.

 

Das Projekt Soundchecken!

Das Projekt „Soundchecken“ startete am 7. Mai 2011 mit einem öffentlichen Soundcheck! Hierfür hatten wir auf der Kraftstationsbühne eine komplette Backline aufgebaut. Junge MusikerInnen konnten hier einen Soundcheck machen und sich einer erfahrenen Jury stellen. Zudem hatten wir einen Musikflohmarkt geplant. Leider blieben trotz Werbung die Stände aus. Die Bergische Musiker Initiative hat jedoch eine Backlineberatung angeboten, die auch von einigen Jugendbands genutzt worden ist.

Auf der Kraftstationsbühne konnten Newcomerbands ihr Set anspielen und quasi einen echten Soundcheck machen. Eine fachkundige Jury begutachtete dann jeweils zwei Stücke und teilte die TeilnehmerInnen in verschiedene Workshops ein. Die Kurse wurden zu folgenden Themen angeboten: LeadsängerIn, Live-Gig, Mikrotraining, Live-Performance, Online-Bewerbung.

 

Die Workshops:

  • Leadsinger
      • Stimmenanalyse, Selbstwahrnehmung, Kontrolle
  • Live-Gig
      • Vermittlung des Konzeptes Monitormix, Organisation des

Bühnensounds, Aufbau Backline, Mischpult

  • Mikrotraining

§         (in erster Linie für HipHop-Crews) Wann kommt wie, was raus? Wie laut muss ich als Backup sein? Was ist Monitoring? Wie funktioniert ein Mischpult?

  • Live-Performance

§         der technische Auftritt stimmt, doch die Publikumsansprache hinkt. Ein Coach gibt hier Hilfestellung: Wie verhalte ich mich auf der Bühne? Wie gehe ich auf das Publikum zu?

  • Online-Bewerbung (Bonus-Workshop)

§         was gehört dazu? Wie kann ich den Sound meines Demosongs selber optimieren?

 

Bei der Auswahl der Teilnehmer_innen haben wir selbstverständlich auch die eigenen Wünsche mit einfließen lassen.

Die verschiedenen Workshops wurden von der Singer und Songwriterin Sofia Li den Rockbands Lost and Found und Everchanging Image und der Soundchrash Crew mit viel Spaß absolviert!

Die Jugendlichen haben uns super Feedback gegeben. Die Arbeit mit Matthias Donner direkt vor Ort in seinem Tonstudio hat sie sehr beeindruckt. Seine praktischen Tipps und Vorschläge wurden sehr ernst genommen. Während der Workshops ist eine Videodokumentation entstanden, die alle Teilnehmer_innen am Ende als Andenken überreicht bekommen haben.

Die neu gewonnenen Fertigkeiten durften dann natürlich auch live bei einem echten Konzert der Öffentlichkeit präsentiert werden.

 

Kritik und Ausblick

Die intensive Arbeit mit den Bands bewerten wir als sehr gelungen. Das durchgeführte Konzept würden wir jederzeit wieder so anbieten. Auch die Anzahl der Bands bzw. Musiker_innen haben wir als sehr angemessen gesehen. So konnten wir ihnen sehr gut gerecht werden und auch auf die individuellen Wünsche eingehen.

 

 

Antrag Nr. 45: WERK°STADT, Witten - Teil einer Jugendbewegung

 

Ich möchte Teil einer Jugendbewegung sein. Ich möcht' mich auf euch verlassen können.“

TOCOTRONIC (1995)

Die WERK°STADT, als Ort der lokalen Praxis und Vero rtung von (Pop- ) Musik, der jeweiligen Jugendszenen und deren Akteur_innen wollte mit dem Projekt Teil einer Jugendbewegung auf Spurensuche nach den Jugendszenen und Jugendkulturen in Witten begeben und mit den Jugendlichen in partizipativen Diskurs treten.

In mehreren Modulen gingen wir verschiedenen Fragen nach: Ist eine „neue“ Jugendbewegung“ in Sicht? Welche Jugendkulturen / Szenen gibt es in Witten? Gibt es eine Hip – Hop, Punk, Metal, usw. Szene in Witten? Gibt es relevante subkulturelle Szenen in Witten? Was zeichnet diese Szenen aus? Welchen Habitus haben diese? Haben diese noch einen subversiven Ausdruck? Woran orientieren sie sich? Welche Gesellschaftsbilder, Wünsche, Träume, Lebensentwürfe und Utopien sind vorherrschend? Schließen sich die Szenen untereinander aus? Wo gibt es Gemeinsamkeiten, wo verlaufen Trennlinien? Wo sind die verbindenden Elemente zwischen den Jugendszenen?

Welche Ein – und Ausschlüsse gibt es zwischen den Szenen / Kulturen?

Wie können kommunikative Prozesse zwischen den Szenen angestoßen werden?

Welche Musik ist in Witten angesagt?

 

Mit Teil einer Jugendbewegung wollten wir Räume schaffen, indem sich unterschiedliche

Jugendkulturen und Szenen treffen, austauschen, kommunizieren, die jeweilige andere Szene

kennen lernen, gegenseitiges Interesse und Verständnis entwickeln und letztlich zu einem

solidarischen Handeln gelangen.

 

Modul 1

Die lokale Musikszene in Witten sollte in dem Projekt vernetzt und zusammengebracht werden.

Ein regelmäßiges Musiker_innentreff wurde im Jugendcafe TREFF° installiert, bei dem auch die

Möglichkeit der Session auf der Open Stage Bühne bestand. Florian Böhlendorf von Sparta

Entertainment berichtete aus Agentursicht, wie sich Bands präsentieren müssen. Nach

anfänglichem guten Start, stagnierte der Treff mit immer den gleichen Interessent_innen, so dass

wir diesen nach den Sommerferien einstellten.

 

Modul 2

Als ein Höhepunkt fand ein „Coverwettbewerb“ statt. Wittener Bands aus den verschiedensten

Szenen von Hip – Hop bis Metal coverten einen Song von Nirvana, der letzten großen

„Jugendband“.

 

Modul 3

Weiter waren im Projekt Teil einer Jugendbewegung mehrere Veranstaltungen geplant, die

unterschiedliche Jugendkulturen / Jugendszenen ansprechen und zusammenführen sollen. Lokale

junge Bands trafen auf überregional Bekanntere, die bisher nicht in Witten gespielt haben.

Hier betrat die WERK°STADT ein neues Feld.

Es spielten Adolar, The Toasters, Der Tante Renate, Emma 6 und ein Punkabend.

 

Modul 4

Vor den Konzerten fanden 2 Vorträge zu den oben aufgezeigten Fragestellungen mit Diskussion

statt „Subkulturelle Grauzonen“, „Geschlechterverhältnisse im Pop“.

 

Modul 5

Ausstellungen, von Jugendlichen für Jugendliche im TREFF° begleiteten die Veranstaltungen zu

Teil einer Jugendbewegung.

 

Modul 6

Das Panel mit Jugendlichen, dem KiJuPa Witten, „Jugendszeneforscher_innen“, etc. zu dem

Themenkomplex fand leider nicht statt.

Das Projekt war insgesamt ein großer Erfolg, vor allem das Interesse der Jugendlichen an

inhaltlichen Debatten, z.B. vor den Konzerten überraschte uns.

Als nachhaltige Veranstaltungformate entwickelten wir zwei Open Stage Formate, eines im Hip –

Hop und eins für Gitarrenmusik weiter.

 

 

Antrag Nr. 46: WERK°STADT, Witten - BEAT IT!

„The kids aren’t alright!“ (Offspring)

 

Mit dem Projekt Beat it! hat die WERK°STADT ein aufklärerisches Zeichen gegen die

zunehmende Vereinnahmung, Umdeutung und Unterwanderung der populären Musik, wie Metal,

Punk, Hardcore und Hip - Hop, durch "Rechtsextreme" setzen.

Witten gelangte 2002 durch die sogenannten Satanistenmorde zur bundesweiten Bekanntheit.

Hier entstand eine Szene zwischen Gothic, Black Metal, Satanismus und Rechtsradikalismus, die

neben der „klassischen“ NPD agierte.

Ein weiterer Grund für die Notwendigkeit von Beat it! lag in der räumlichen Nähe Wittens zur Dortmunder Nordstadt, die sich zu einem bundesweiten Kristallisationspunkt für rechte

Jugendliche, den „Autonomen Nationalisten“ entwickelt und auch für Jugendliche in Witten

Anziehungspotential hat.

Die „Autonomen Nationalisten“ geben sich einen modernen popkulturellen Look, adaptieren und

codieren Styles aus anderen Jugendkulturen / Jugendszenen und sind deshalb schwer als

„Rechte“ erkennbar. Musik ist für „Autonome Nationalisten“ ein wichtiges Zugangsmedium, um

andere Jugendliche zu agitieren.

Schwerpunkt von Beat it! war die Aufklärung über "rechte Musik" und wie die extreme Rechte

Versucht, über das Medium Musik sich ein „modernes“ Gewand zu geben, rechte Inhalte zu

verbreiten und in verschiedenen Jugendkulturen und Subkulturen (Punk / Hardcore/ Metal / Dark

Wave / OI / Hip - Hop), für die Musik immense Bedeutung hat, Fuß zu fassen.

Vermehrt etablieren sich rechte Lebenswelten, für die die Kategorie “Nazis” genauso wenig zutrifft

wie das Label “unpolitisch”. Sie sind irgendwo dazwischen, in der Grauzone. Diese Grauzone

reicht weit hinein in “alternative” Szenen und bedeutet einen zunehmenden Raumverlust für linke,

emanzipatorische Ideen.

Die Grauzonen korrespondieren mit reaktionären Männerwelten, Satanismus, Sexismus,

Homophobie und Wertebildern, die auf Ballermannpartys zu finden sind. Auch im sogenannten

"Gangsta" Hip - Hop (z.B. Aggro-Berlin) werden vermehrt AusländerInnen -, Frauen -, und

Schwulenfeindliche Texte verbreitet und kommen bei Jugendlichen an.

Beat it! leistete niederschwellig mit Informationsveranstaltungen zu unterschiedlichen Themen

Aufklärungsarbeit. Anderseits wurden mit Workshops Multiplikator_innen geschult werden.

In sechs Veranstaltungen werden Konzert, Film und verschiedene Informations-, bzw.

Diskussionsveranstaltungen miteinander verknüpft.

Themen waren: „Subkulturelle Grauzonen“, „Autonome Nationalisten – die Modernisierung

neonazistischer Jugendkultur“, „Jugendkulturelle Einflussnahme der NPD, „Homophobie und

Sexismus in den Jugendkulturen“.

Es wurden sowohl Jugendliche, aber auch Multiplikator_innen, wie Lehrer_innen und

Sozialarbeiter_innen angesprochen.

Eine große öffentlichkeitswirksame Auftaktveranstaltung mit Egotronic war der Start von Beat it!

Eine Ausstellung, das „Versteckspiel“ über Codes und Zeichen der Rechten wurde im Treff° für

einen Monate präsentiert.

An Referenten wurden Jürgen Peters, Michael Weiss, Jan Raabe und Jan Schedler eingeladen.

Das Projekt war ein voller Erfolg mit großer Presseressonanz, auch durch die Aufdeckung des

NSU hervorgerufen. Wir waren die Einzigen, die in der Zeit zu der Thematik Informationsveranstaltungen anboten.

 

 

Antrag Nr. 47: Kraftstation Remscheid - Dichtet! Ein Fest der Worte

 

Lyrik ist zeitgemäß, Reime kommen einfach nicht aus der Mode und sind fester Bestandteil der Sprachkultur und Literatur. Gerade heute, wo die Umgangs- und Werbesprache täglich die Ohren malträtiert, ist es für junge Leser und Zuhörer ein Erlebnis, die verdichtete Sprache von Gedichten zu erfahren. Deshalb haben wir für Jugendliche ein Lyrikfestival in Remscheid veranstaltet.

 

Zielsetzung des Projektes

Die Kraftstation ist seit einiger Zeit Remscheids Austragungsort für Poetry Slams, zudem ist sie Probeort für jugendliche Theatergruppen, in Schreibwerkstätten wird das Texten von Hiphop-Reimen unterrichtet. Das gesprochene bzw. geschriebene Wort ist bereits in vielfältigen Ausdrucksformen bei uns angekommen. Diese kulturellen Strömung wollten wir Ausdruck verleihen und ein Lyrikfestival in Remscheid veranstalten. Hierfür ist es uns gelungen Kooperationspartner zu finden, die uns sowohl logistisch als auch finanziell unterstützen konnten.

Der Titel des Festivals „Dichtet!“ war eine Aufforderung zum Mitmachen. Deshalb hat es uns sehr gefreut, dass sich viele Jungpoeten und Poetinnen an dem Festival beteiligt haben. Die Kraftstation konnte mit diesem Programmpunkt eine neue Ausrichtung finden. Neue Besuchergruppen sind an unserem Poetryangeboten nun verstärkt interessiert. Wir freuen uns sehr, dass sich nach dem Festival eine Jugendgruppe gebildet hat, die unserem Slam für 2012 neu überarbeiten möchte. Die ersten Treffen haben sich als sehr kreativ herausgestellt. So werden wir zukünftig mit neuer Moderation, neuem Namen und neuer Aufmachung Lyrik in unserem Kulturprogramm fortsetzten.

Allerdings sind wir von unserem Erstkonzept abgewichen und haben das Festival auf verschiedene Tage gelegt. Mehr dazu in der Projektbeschreibung.

Spannende Künstler und Künstlerinnen sind nach Remscheid gekommen und haben ihre Texte und Werke präsentiert. Die Literaturabende waren gut besucht. Allerdings wurden die Workshops nur mäßig angenommen.

 

Durchführung des Projektes

Auf Wunsch unserer Kooperationspartner haben wir mit „Dichtet“ früh begonnen und einige Kleinveranstaltungen vorgezogen. Hierfür sind wird durch die Remscheider Schulen gegangen und haben ihnen das Festival und die Workshops vorgestellt. Diese Aktionen waren von Literaturabenden umrahmt.

Das Festival fand dann im November an zwei Wochenenden an verschiedenen Veranstaltungsorten statt. So wurde in einem Intensivworkshop mit Jungendlichen an Texten über Remscheid und das Erwachsenwerden gearbeitet. Die Ergebnisse wurden in einer Literaturbox abgedruckt und als Sonderedition in unserem Literaturautomaten angeboten.

 

Kritik und Ausblick

Zunächst ist sicherlich die Erreichbarkeit zu kritisieren. Wir hatten uns viel mehr Workshopteilnehmer_innen gewünscht. Obwohl wir sogar letztlich auf Teilnahmegebühren verzichtet haben, hatten wir im Durchschnitt 5 Teilnehmer_innen pro Workshop. Die Lyrik-Abende waren dafür aber sehr gut besucht. Auch unser Vorgehen an die Schulen zu gehen, war sicherlich eine gute und erfolgreiche Methode. Durch die Schulworkshops konnten wir unsere Besucherzahlen deutlich erhöhen. Wir freuen uns sehr, dass das Festival besonders junge Menschen angesprochen hat. Wir haben neue Poetryslam Interessierte finden können, die sich nun aktiv an der Ausgestaltung des Remscheider Slams beteiligen möchten. In einer ersten Arbeitsphase im Januar 2012 haben wir auf ihr Anraten beispielsweise unserem Slam einen neuen Namen verliehen. Ganz Bergisch ist der Remscheider Slam nun zum Löwenslam geworden.

Angespornt durch diese Entwicklung werden wir auch 2012 „Dichtet“ veranstalten. Diesmal werden wir noch enger mit den Schulen zusammenarbeiten. Jan Möbus hat das Workshopprogramm der ersten Runde überarbeitet und verfeinert. Überregional konnten wir bei weiteren bergischen Slams Interesse wecken, so dass wir 2012 gemeinsam einen bergischen Slam veranstalten.

 

 

Antrag Nr. 48: Consol Theater, Gelsenkirchen - Ká síra díya!

 

Großeltern erzählen die Geschichte einer Reise

frei nach Mike Kennys „Der Junge mit dem Koffer“

Projektbeginn:               10. Januar 2011

Premiere:                     19. Juni 2011 um 15.00 Uhr im Consol Theater

Weitere Termine:           21./22. Juni und 28./29. Juni 2011 für Schulklassen

                                   Ca. 8 Termine in Spielzeit 2011/2012

Zielgruppe:                    Kinder ab 9 Jahren und Erwachsene      

 

Projektteam:

Regie:              Andrea Kramer

Erzähltraining:   André Wülfing

Dramaturgie:     Sylvie Ebelt

Ausstattung:     Sabine Kreiter

Bühne:             Sabine Kreiter, Wolfgang Wehlau

Kostüme:          Sabine Kreiter, Angelika Steffentorweihen

Lichtdesign:      Wolfgang Wehlau

Licht:                Hannes Koch, Wolfgang Wehlau

Ton:                 Lars Detke, Mahir Köroglu

Theaterpädagogik: Melody Roszkiewicz

Ö-Arbeit:           Georg Kentrup

Grafik:              Unique, Roland Müller

 

DarstellerInnen:             Elisabeth Bachmann, Werner Backhaus, Siegbert Fidorra,

Wilma Fidorra, Barbara Johnson, Petra Klapdor, Gisela Majewski,

Willi Marschewski, Rosemary Rosendahl, Marion Schumacher,

Reinhold Stania, Renate Wojtkowiak

 

Projektverlauf

Im Januar 2011 haben wir angefangen mit einer Woche Projektentwicklung und

gemeinsamen Arbeiten mit den interessierten Senioren. Die Themen „Flucht“,

„Auswanderung“ und „Mangel“ wurden thematisiert. Es wurde mit eigenen Geschichten

gearbeitet, aber auch methodisch zum Thema „Erzählen“. Nach dieser intensiven ersten

Woche haben sich die Teilnehmer festgelegt mitzumachen.

In der Folge gab es regelmäßige wöchentliche Treffen mit Übungen, parallel dazu wurde das Projekt weiterentwickelt und in weiteren Intensivwochen inszeniert.

Als Grundlage haben wir das Stück „Der Junge mit dem Koffer“ von Mike Kenny genommen.

 

Zum Stück

Naz muss seine Heimat im Nordwesten Afrikas verlassen, denn das Land trocknet aus und Mensch und Vieh können nicht mehr überleben. Während seiner abenteuerlichen Flucht durch Wüste, über Gebirge und Meere bis nach Deutschland begegnet er Krieg, Ausbeutung, Feindschaft, anderen Leidensgefährten und unverhoffter Rettung. Was ihm immer wieder Mut gibt, ist die Erinnerung an sein Zuhause und die Geschichten, die sein Vater ihm jeden Abend erzählt hat.

 

Zur Inszenierung

Die Senioren haben sich auf eine intensive inhaltliche, aber auch formale Arbeit eingelassen.

Ansatz war die Geschichte „Der Junge mit dem Koffer“, daran wurde inhaltlich gemeinsam gearbeitet und ein gemeinsames Textbuch (mit individuellen Passagen) erstellt.

Die Bühnensituation ist eine aus Pappe gestaltete Installation auf der Bühne, die 7 Erzählkojen

bildet. In jeder Koje erzählt ein Erzähler einer Gruppe von ca. 4 Zuhörern die Geschichte. Immer wieder unterbrochen durch Spielszenen, die im ganzen Theatersaal stattfinden. Erzähler und Spieler haben auch interaktive Spielelemente.

Diese Form ist für uns ein Experiment, das funktioniert hat. Die Kinder (und Erwachsenen) lassen sich auf die besondere Atmosphäre des direkten Erzählens ein, auf den engen und auch persönlichen Kontakt mit den Erzählern. Gleichzeitig erleben sie aber auch eine gespielte Geschichte und sind teilweise selbst Akteure des Geschehens auf der Bühne.

 

Der Probenprozess

Innerhalb der Proben ist eine deutliche Entwicklung bei den beteiligten Senioren geschehen. Am Anfang gab es ganz deutliche und festgelegte Vorstellungen von Theater, besonders von „Kindertheater“. In einem langen Annäherungsprozess konnten diese teilweise sehr engen

Vorstellungen aufgeweicht, eine Bereitschaft zum Experiment geschaffen und ein Vertrauen

in die Inszenierung erzeugt werden.

Die Erfahrungen in den zurückliegenden Vorstellungen mit Kindern haben die letzten Zweifel

ausgeräumt.

Insgesamt sind wir mit der Gruppe, aber auch mit dem künstlerischen Ergebnis sehr glücklich.

Die Reaktionen der Zuschauer und der Akteure bestätigen uns darin.

                       

 

Antrag Nr. 50: Initiative Women without Age, Wuppertal - TALENTE BEWEGEN WUPPERTAL 2011

 

Vom TANZ- UND THEATERWORKSHOP zum PERFORMANCE-WETTBEWERB

(7.-9.10.2011 ) und finalen TANZ- UND MUSIKTHEATERSTÜCK (26./27.11.2011, Haus der Jugend Barmen):

 

Zum Verlauf:

Hanna Barczat leitete das Projekt, führte die Unterrichtsstunden der Theater- & Tanzregeln

und war verantwortlich für die Regie und Choreografie der Stücke.

Nach der Teilnehmerwerbung im Juni 2011 fand der Workshop der Vermittlung von Tanz- und Theaterregeln statt. Die Ursprünge der Teilnehmer waren aus Togo, Kongo, Erithrea, Senegal (Afrika),Südamerika, Ukraine, Russland, Türkei, Marokko, Iran, Italien, Spanien und Deutschland. Wir arbeiteten 1- 2 x wöchentlich à 3 Stunden (Dienstag und Donnerstag) und an Wochenenden nach Vereinbarung.

Die Rekrutierung der Teilnehmer erfolgte über persönliche Kontaktaufnahme zu Jugendzentren, zu Gesamtschulen, zu allen Stadtteilmanagern, zu sozialen Einrichtungen, zum Sozial- und Arbeitsamt und zum Ressort für Zuwanderung und Integration. Weiterhin fand Werbung über die Email-Verteiler der Stadt und andere statt. Das Projekt wurde in Monats- und Tageszeitungen angekündigt.

Bedingt durch die Sommerferien gab es einen Neustart im September. 53 Teilnehmer von

12 bis 26 Jahre und einige etwas Ältere nahmen an dem Projekt TALENTE BEWEGEN WUPPERTAL teil. Die jungen Leute waren aktiv im Performance-Wettbewerb vom 07.bis 09.10.2011. Durch schulische Verpflichtungen konnten einige sehr interessierte Teilnehmer die Proben am Tanz- und Musiktheaterstück nicht wahrnehmen.

An dem Wochenende, 26. und 27. November wurde das Tanz- und Musiktheaterstück POWER OF (E)MOTIONS des Projektes TALENTE BEWEGEN WUPPERTAL im Haus der Jugend Barmen, Wuppertal, Geschwister-Scholl-Platz 4-6, sehr erfolgreich aufgeführt. In dem Stück begegneten sich hochbegabte und wunderbare junge Sänger, Tänzer und Schauspieler der Gesamtschulen Barmen und Else-Lasker-Schüler, der Johannes Rau und Carl Duisburg Gymnasien und jugendliche Darstellern des Tanztheaterstücks „Kontakthof“ von Pina Bausch und die filmischen Sitcom-Künstler „Genius Society“. Das Publikum war völlig begeistert und intensiv berührt. So profitierten Zuschauer, Familie und Freundeskreis der Teilnehmer und viele Andere.

 

Am Dienstag, 13.12.2011 um 18.00 Uhr zeigten wir für eingeladene Gäste (hauptsächlich Kinder mit Eltern) das Stück noch einmal im Rahmen einer Weihnachtsfeier im Atelier Barczat, Opphofer Str. 11a, 42107 Wuppertal. Die Veranstaltung war eintrittsfrei. Es ging uns mehr um das direkte Feed-Back mit den Zuschauern. Zwischen Weihnachten trafen wir uns im Atelier zur Aufarbeitung der gemeinsamen Erfahrung in dem Projekt TALENTE BEWEGEN WUPPERTAL.

 

Die Teilnehmer machten für Ihre Entwicklung einen „großen Schritt“ nach vorne als verantwortungsbewusste und respektvolle Mitglieder unserer Gesellschaft. Das Projekt führte Menschen aus verschiedenen gesellschaftlichen Bereichen und Kulturen zusammen und förderte Kommunikation, gegenseitige Achtung und Loyalität.

 

Zusammenfassung:

Die kreative Arbeit begriff sich als Ort von kreativem Lernen mit allen Sinnen auf allen Ebenen, als Bewusstseins- und Empfindungsschulung für eine positive Persönlichkeits-entwicklung.

Das Ziel war, den Teilnehmern Handwerkszeug zu vermitteln, um überzeugend, authentisch und präsent auf der Theaterbühne und auf der Bühne des Lebens aufzutreten, um den Anforderungen gerecht zu werden. Durch schrittweises Erlernen und Förderung von Ausdruck, Kreativität, Fantasie, Konzentration und Durchhaltevermögen, lernten sie, mit Interesse und Disziplin Aufgaben zu erfüllen und Freude an (Theater-)Arbeit zu gewinnen, d.h. sich selbst, die gemeinsame Sache und andere ernst nehmen.

 

Gemeinsam mit der künstlerischen Leitung wurden Themen gefunden, in denen Menschen aus verschiedensten (eigenen) Welten sich begegnen, sich achten, missachten, sich lieben, hassen, sich helfen, sich verlassen, noch einsamer werden oder zusammen kommen.

Durch Einzel-, Paar- und Gruppenimprovisationen rund um Wünsche und Erfahrungen wurden Bausteine für ein Tanz- und Theaterstück gefunden, dass das Publikum berühren, treffen, weinen und lachen machen sollte.

Viele der Teilnehmer brachten große darstellerische Fähigkeiten in den Bereichen Tanz, Musik, Gesang, Kampfsportarten, Dichtung und Texten mit!

 

Unter den Teilnehmern entstanden Freundschaften, und zwar unter Menschen, die sich unter alltäglichen Bedingungen weder kennen- noch schätzen gelernt hätten. Jeder einzelne gewann an Selbstvertrauen, Stabilität, Sicherheit und Offenheit gegenüber den anderen. Neue und noch nicht entwickelte Fähigkeiten in der Selbstbeobachtung und der Beobachtung der Umwelt entstanden, mit der Folge größerer Konfliktfähigkeit, Zivilcourage, Verantwortung seines Selbst.

 

 

Antrag Nr. 51: Kulturzentrum Bahnhof Werl „… auf der Suche nach Revolution“

 

Stark beeinflusst von der Occupy-Bewegung zeigte sich das Jugendkulturprojekt „…auf der Suche nach Revolution“, das vom 31. Oktober bis 06. November 2011 sein Lager im Kulturzentrum Bahnhof Werl bezog.

Bereits im Vorfeld, lange vor den aktuellen Entwicklungen an der Wall Street und anderen Orten auf der Welt, war das Thema „Riot“ in den thematischen Fokus gesetzt worden. Nun war es aber angesichts der politischen Entwicklungen nur folgerichtig, die weltpolitischen Entwicklungen in die Handlung zu integrieren.

Dementsprechend wurde auf eine klar abgrenzte Bühnendarstellung zum Zuschauerraum verzichtet. Vielmehr wurde im Bahnhof über eine Woche eine Camp-Situation geschaffen - „Occupy Werl-Street“!
Zudem wurden zahlreiche themenbezogene Flashmobs in der Innenstadt und vor dem Rathaus inszeniert und so das Thema in die Bürgerschaft der Stadt transportiert. Viele konstruktive Diskussionen mit Passanten kamen so zustande. Auch Facebook wurde wie „im echten Leben“ als Plattform für die inszenierte Bewegung genutzt.

Auch während den Aufführungen, die am 05. und 06. November stattfanden, war das Publikum teil der Szenerie und wurde in die Handlung integriert (zum Beispiel von der „Abteilung Verpflegung“ des fiktiven Camps mit Snacks versorgt). Auf einen festen Eintritt wurde der Inszenierung entsprechend verzichtet und passenderweise ließ man stattdessen einen Hut für Spenden kreisen.

Den Anwesenden wurde ein vitaler Einblick in die politischen Sichtweisen der Jugendlichen vermittelt, auch hier gab es im Anschluss an die Aufführungen viele interessante Gespräche zur Weltlage und zu sozialen Themen.

So war das Projekt nicht nur für die beteiligten Jugendlichen, für deren selbstmotivierte Entwicklung ihrer Weltanschauungen „… auf der Suchen nach Revolution“ nach eigener Aussage sehr förderlich war, ein Anstoß zur Auseinandersetzung mit den tagesaktuellen Geschehnissen. Auch die Besucher der Aufführungen, zahlreiche zufällige Passanten und das Nahfeld der Jugendlichen im sozialen Netzwerk im Internet wurden zum Nachdenken angeregt und erreicht.

Nichtsdestotrotz muss aber auch ein teilweise negatives Resümee gezogen werden. Trotz umfassender Kooperationen mit den lokalen Schulen und Jugendeinrichtungen, mit direkter Ansprache der Jugendlichen vor Ort in den Schulen und verschiedenen Räumen, die die Zielgruppe besucht, gelang es nicht, mehr als eine handvoll Jugendliche dafür zu begeistern, sich kontinuierlich an dem Projekt zu beteiligen. So war man also von einer nachhaltigen, wenn auch fiktiven „Bewegung“ doch deutlich entfernt. War es auch nie ein erklärtes Ziel des Projekts, hier einen Anstoß zu einer andauernden sowie breit streuenden demokratischen und politischen Bewusstseinsschaffung im Ort beizutragen, so hätte das letztendliche Konzept dennoch bei mehr Beteiligung wohl das Potential dazu gehabt.

So bleibt es im Endeffekt bei einem gelungen kleinen Kulturevent mit einigen Denkanstößen, aber eben auch nicht mehr.

Fragwürdig bleibt es, ob es im Gegensatz zu früheren Jahren im Augenblick möglich ist, auch in Zukunft ausreichend Teilnehmer in der Stadt für Projekte dieser Art zu gewinnen.

 

Antrag Nr. 52: Lindenbrauerei Unna e.V., Unna - Das Hörspielprojekt „Neun Finger gegen Unna“

Ist es möglich, ein Hörspiel ausschließlich mit Laien zu besetzen, und dennoch ein gutes, vor allem „hörbares“ Endergebnis zu erzielen?

Und finden sich überhaupt genügend geeignete Sprecher?

Ich muss zugeben, dass bis zum Casting-Termin im Kulturzentrum gewisse Restzweifel blieben. Die wurden allerdings an diesem langen Abend ausgeräumt.

Zum einen, weil die Zahl der Interessenten viel größer als von mir erwartet war. Zum anderen, weil sich unter ihnen viele Talente befanden.

Einundzwanzig Rollen waren zu besetzen. Von den Hauptrollen bis zur Rolle der „verängstigten Bankkundin“, die nur wenige Sätze ins Mikro zu sprechen hatte.

Wichtig war es mir bei den folgenden Aufnahmen eine absolut gelöste und stressfreie Atmosphäre zu gestalten. Dies scheint gelungen zu sein.

Ich erlebte Menschen aus allen Altersgruppen, die mit ungeheurem Enthusiasmus in ihre Rollen eintauchten.

Und gerade hier liegt für mich der besondere Erfolg des Projekts: Jugendliche und Kinder, Frauen und Männer aus verschiedensten Gesellschaftsgruppen trugen freiwillig und mit sichtlicher Begeisterung zum Gelingen des Hörspiels bei.

Sie alle vereint die in jedem Satz spürbare Lust am Einsatz der eigenen Sprache.

Nahezu jeder verlangte nach „mehr“.

Erfreulich war für mich das Interesse der Teilnehmer an der technischen und dramaturgischen Umsetzung eines Hörspiels. Großen Anklang fanden daher auch entsprechende Seminare.

Für mich die Bestätigung, dass mit dem Medium Hörspiel ein kreatives Potential innerhalb unserer Mitmenschen geweckt und umgesetzt werden kann.

Die eigene CD als Endergebnis ist für jeden einzelnen Teilnehmer eine immer wieder abrufbare Bestätigung seines gelungenen Einsatzes.

Grundvoraussetzung ist natürlich für solch ein Projekt eine funktionierende Infrastruktur vor Ort: Aufnahmetechnik mit erfahrenen Tontechnikern, ein flexibler Musikkomponist und ein Skript, das die Sprecher anspricht ohne sie gleich beim ersten Mal zu überfordern.

Das Hörspiel ist ein eigenständiges literarisches Genre, das vor allem in Deutschland nach wie vor großen Anklang findet und seit Jahren sogar eine Renaissance erlebt.

Den Beweis dafür erlebe ich bei Besuchen der alljährlichen Hörspielmessen in Hamburg und Köln. Der Andrang ist jedes Mal im wahrsten Sinne des Wortes erdrückend.

Dem Hörspiel sollte eine feste Verankerung in der soziokulturellen Arbeit ermöglicht werden.

 

 

Antrag Nr. 54: COBRA Kulturzentrum gGmbH – Trommeln der Freiheit

 

Projektidee:

Die Projektidee war den Wert der Freiheit zu thematisieren. Was bedeutet Freiheit für unsere Jugend? Was verstehen Jugendliche darunter und sind sie bereit sich für die eigene Freiheit einzusetzen? Anlässlich der arabischen Freiheitskämpfe, die uns zeigten das die Menschen eben nicht nur alle Islamisten sind und angesichts z. B. der Verschleppung von Ai Wei Wei oder der Veränderungen in Ungarn mit Medienzensur und Verfassungsänderung wird deutlich, das Freiheit aktuell als bedrohtes und umkämpftes Gut vieler Orts ein Thema ist.

Projektverlauf:

Das Projekt startete mit einer Projektwoche in den Herbstferien. In dieser Woche wurden schon erste Diskussionen über die unterschiedlichen Ansichten von "Freiheit" diskutiert. Es erfolgten erste Anleitungen zum Improvisationstheater, es gab eine Einführung in die Trommel-AG und Tanz. Den Jugendlichen sollte damit die Möglichkeit der Aktivitäten im Rahmen des Projektes aufgezeigt bekommen. Ein Großteil der 10 Jugendlichen hatte einen Migrationshintergrund.

Im Rahmen der Preisverleihung von der Stadt Solingen "Die schärfste Klinge 2011" an den jetzigen Bundespräsidenten Herrn Joachim Gauck, durfte sich die Projektgruppe im Theater präsentieren und an der Preisverleihung teilnehmen. Zwei Teilnehmer aus der Projektgruppe haben auch den dem Interview mit Herrn Gauck und Solinger Jugendlichen an dem darauf folgenden Tag teilgenommen

Weiter ging es im Rahmen von wöchentlichen Proben in der COBRA und mit fachlicher Begleitung eines Politologen zur weiteren Aufarbeitung des Themas Freiheit.

Der kreative Aspekt des Projektes wurde so durch die wöchentlichen Proben und auch einzelne Wochenendproben in der COBRA bis zur Aufführungsreife gebracht. Es entstand eine Theaterproduktion, worin sich in den einzelnen Szenen die Werte der Freiheit der Teilnehmer widerspiegelten. Unterstütz wurde die Theaterinszenierung durch Videoeinspielungen, Musikeinspielungen und Trommelsequenzen.

Involviert waren ein Regisseur, eine Theaterpädagogin, ein Tanzlehrer, ein Grafiker, ein Trommellehrer, ein Politologe. Die Organisation des Ablaufes erfolgte durch die Projektleitung in der COBRA und einem Assistenten.

Projektergebnis:

Durch die Auseinandersetzung mit dem Thema wurde den Jugendlichen der Wert der Freiheit stark verdeutlicht. Das fertige Theaterstück feierte seine Premiere am 01.06. in der COBRA. Die Aufführungen im Theater der Stadt Solingen mussten leider aufgrund von Krankheit eines Hauptdarstellers abgesagt werden. Ersatztermine sind nach den Sommerferien angedacht.

Das Ensemble hatte aber noch die Möglichkeit Szenen aus „Trommeln der Freiheit“ im Rahmen des Jugendkulturfestivals zu präsentieren.

 

 

Antrag Nr. 55: KulturStadt Remscheid - OPEN RS 2011 – Das Jubiläum

Am 16. Juli 2011 hat sich die heimische Remscheider Musikszene der Öffentlichkeit gezeigt! Remscheids einziges soziokulturelles Festival feierte sein 10 jähriges Bestehen. Trotz sinnflutartigen Regengüssen blicken wir auf ein tolles Musikfestival mit hochkarätiger Besetzung zurück.

 

Zehn Jahre Open RS in Remscheid

Seit nun 10 Jahren veranstaltet KulturStadt Remscheid e.V. mit der Kraftstation Freie Jugendarbeit Remscheid-Mitte e.V. das Open RS im Rahmen des Remscheider Sommers. Musikalisch richtet sich dieses Festival nicht nach den gängigen Mainstream aus, stattdessen wir auf Soziokultur wertgelegt. Auch in diesem Jahr konnten wir diesem Motto absolut gerecht werden. Auf der Hauptbühne zeigten sich sowohl Remscheider als auch Solinger und Wuppertaler Bands. Das große Highlight war sicherlich der Auftritt der Berliner Band Ohrbooten. Trotz starker Regenschauer strömten Hunderte in den wunderschönen Stadtpark und genossen facettenreiche Undergroundmusik.

Unsere neue Singer und Songwriterbühne fand ebenfalls großen Anklang. In einem Extrazelt präsentierten Straßenmusiker_innen aller Sparten ihr Können. Die Jubiläums CD mit lokalen Stars aus den letzten Jahren fanden ebenfalls viele Abnehmer. Insgesamt war es ein buntes und vielfältiges Programm, das in Remscheid und dem Umland viel Aufsehen erregt hat. Hier das LineUp:

 

15:00 Uhr – 15:10 Uhr                                       Eröffnung

15:10 Uhr – 15:40 Uhr                                       Moodyration (Funk, Indie)

15:40 Uhr – 15:55 Uhr                                       Umbau

15:55 Uhr – 16:25 Uhr                                       Kosima and the Blue Cable ()

16:25 Uhr – 16:40 Uhr                                       Umbau

16:40 Uhr – 17:10 Uhr                                       Cain Awakes (Hardcore Punk aus

Wermelskirchen)

17:10 Uhr – 17:25 Uhr                                       Umbau

17:25 Uhr – 18:10 Uhr                                       Pyramid Head (Metal aus Berlin)

18:10 Uhr – 18:25 Uhr                                       Umbau

18:25 Uhr – 19:10 Uhr                                       Privacy (Rock aus Remscheid)

19:10 Uhr – 19:30 Uhr                                       Umbau

19:30 Uhr - 20:20 Uhr                                        Antofagasta (Reggae aus Wuppertal)

20:20 Uhr – 20:50 Uhr                                       Umbau

20:50 Uhr – 22:30 Uhr                                       OHRBOOTEN (HipHop – Reggae)

 

Zehn Jahre und weiter!!!

Die zunehmend verschlechternde Finanzlage drückt natürlich auf die Festivalplanung. Doch gerade das große Jubiläum hat uns darin bestätigt nach neuen Finanzierungskonzepten zu suchen. In den nächsten Jahren wird das die große Herausforderung sein.

Die Neuerungen des Festivals 2011 haben gezeigt, wie sinnig es ist ein gut funktionierendes Konzept neu zu gestalten. Auch dies werden wir mit in die nächsten Jahre nehmen. Angedacht ist eine Öffnung für weitere Musiksparten wie HipHop und Soundsystems.

Auf jeden Fall wird es in 20 Jahren immer noch Jugendkultur im Remscheider Stadtpark geben. Wir bleiben dran!

 

 

Antrag Nr. 58: Kreativ-Haus Münster - Lebenswege – Zurückschauen und den nächsten Schritt wagen“ - Ein Tanzprojekt 60plus

 

Im Herbst 2011 konnten wir im Kreativ-Haus ein spannendes Tanzprojekt realisieren, das seinen

Höhepunkt in einer ausverkauften Premiere fand, in der Tänzerinnen und Tänzer sowie die

Projektbeteiligten vom Publikum begeistert gefeiert wurden.

In den zweiwöchigen Herbstferien fanden sich 8 Frauen und ein Mann der Altersgruppe 60plus zusammen, um unter der künstlerischen und choreografischen Leitung der Tänzerin und Choreografin Regina Biermann gemeinsam zu tanzen. Ausgehend von der jeweiligen Lebensgeschichte der TeilnehmerInnen erarbeiteten die tänzerischen Laien mit Regina Biermann eine abendfüllende Tanzchoreografie.

In den zwei Wochen probten die Teilnehmer und Teilnehmerinnen intensiv daran, ihre persönliche

Bewegungsbiografie zu entdecken und auszudrücken. Der Choreografin ging es im Besonderen darum, den einzelnen Menschen in seiner Einzigartigkeit und keinen perfekten Tänzer zu zeigen.

Die einstündige Choreografie setzt sich aus Soli und gemeinsam erarbeiteten Szenen zusammen.

In den solistischen Elementen präsentierten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer prägende Erfahrungen, Wünsche und Entwicklungen ihrer persönlichen Lebensgeschichte.

Die jeweiligen Themen wurden dabei immer in Auseinandersetzung mit der Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft interpretiert, sodass die Teilnehmerinnen und Teilnehmer nicht nur „zurückschauten“, sondern auch „den nächsten Schritt wagten“, so wie es als pädagogisches Ziel des Projektes formuliert war.

 

In den Szenen mit allen Teilnehmerinnen und Teilnehmern arbeitete die Choreografin Regina

Biermann ebenfalls mit biografischen Methoden, mittels derer Themen wie Jugend, Arbeit oder

Familie in Bewegung und Tanz umgesetzt und choreografisch miteinander verbunden wurde. Die

entstandenen Szenen wurden jeweils so abstrahiert, dass es dem Zuschauer möglich war, auch

eigene Bezüge und Assoziationen zu entdecken.

Den Mut, den die Teilnehmerinnen und Teilnehmer in diesem Projekt fanden , sich für diese

Auseinandersetzung zu öffnen und sie im Tanz zu interpretieren und im Anschluss aufzuführen,

kennzeichnet die Einzigartigkeit und Besonderheit dieses Projektes.

 

Die ausverkaufte Aufführung am 03. November, in der es zu nicht enden wollenden Applaus für die Tänzerinnen und Tänzer kam, ist ein Indikator für den außerordentlichen Erfolg des Projektes, nämlich Frauen und Männer mit ihrer Biografie und Persönlichkeit authentisch darzustellen und ihnen eine Möglichkeit zu geben, sich künstlerisch auszudrücken.

 

 

Antrag Nr. 60: Andreas Weber, Münster - Treppenhaus of Modern Art

 

Das Treppenhaus of Modern Art ist ein Treppenhaus in einem Mehrfamilienhaus in der Innenstadt von Münster. Der Mieter Andreas Weber öffnete 2011, wie im Projektantrag beschrieben, für zwei Ausstellungen das toma. und zeigte abseits der etablierten Orte hochwertige Kunstausstellungen, die man hier nicht vermutete. Große Bilder, kleine Bilder = Klasse Kunst. In der ersten Hälfte des Jahres zeigte Tobias Heyel seine Fotografien unter dem Titel „Augenblicke, die es nicht wirklich gibt“. In der zweiten Ausstellung präsentierte die Münsteranerin Maike Brautmeier Arbeiten unter dem Titel „Ist mir egal, ich mach das jetzt so“. Durfte man bei Tobias Heyel großformatige analoge Fotografie betrachten, zeigte Brautmeier kleine Bilder gekoppelt mit installativen Elementen. Jeden Sonntag war der Ausstellungsraum für die Öffentlichkeit zugänglich.

Vor den Ausstellungen wurden Gespräche mit der Nachbarschaft geführt und das kleine Innenstadtviertel persönlich zu der Ausstellung eingeladen. Zu den Eröffnungen sah man so auch Publikum, welches eigentlich keine Berührungspunkte mit zeitgenössischer Kunst hatte. Daneben wurde aber auch das regionale und überregionale Kunstpublikum über Printmedien, Flyer und Plakate auf die Ausstellungen aufmerksam gemacht. Die Tageszeitungen schenkten sowohl in ihrer Vorberichterstattung als auch in redaktionellen Nachberichten dem toma. Große Beachtung.

Neben der Eröffnung hatte das interessierte Publikum jeden Sonntag während der Ausstellungszeit die Möglichkeit, die Arbeiten und den Kunstraum toma. zu sehen. Die Besucherzahl war auch an den Sonntagen für einen Kunstraum erstaunlich. Gerade die ungewöhnliche Konstellation Mietshaus-Ausstellungsraum lockten viele (auch Auswärtige) in das Haus Breul 34 (toma.).

Interessante Diskussionen über Kunst, Räume, Orte und die Vermittlung von Kunst waren zu den Öffnungszeiten die Regel.

Die schwierigen Bedingungen des Ortes wurden von den Künstlern und vom Publikum nicht als Manko sondern als Herausforderung und Abenteuer angesehen. Das ironische Element, der satirisch-humorvolle Blick auf die Kunstszene wurde von Künstlern und Interessierten wahrgenommen, jedoch nicht verurteilt, sondern positiv beurteilt.

Als Fazit über das Kunstjahr 2011 im Treppenhaus of Modern Art sagen und schreiben wir: „Das schreit nach Wiederholung!“

 

 

Antrag Nr. 61: Kultur im Ringlokschuppen e.V., Mülheim - StadtRandFluss

Stadtraumprojekte der Künstlergruppe kainkollektiv in Mülheim an der Ruhr

 

Ziel dieser Veranstaltungsreihe war es, raus zu gehen zu den Orten und Menschen in Mülheim, die den Alltag ausmachen und mit Ihnen ins Gespräch zu kommen über die Zukunft der Stadt.

Im Rahmen des Projekts „StadtRandFluss“ haben zwischen Mai und Oktober 2011 insgesamt 6 Veranstaltungen stattgefunden.

 

08.05.2011 Stadtspaziergänge mit Experten

Vier Stadtsparziergänge der anderen Art wurden angeboten:

Wolfgang Pins, Center-Manager im Forum in Mülheim zeigte als Experte den Beteiligten die Stadt mit dem Blick auf die Situation in der Mülheimer Innenstadt unter dem Thema Handel.

Thorald vom Berg vom BUND zeigte mit seiner ausgewählten Tour. Was Mülheim an Natur und landschaftlicher Schönheit zu bieten hat und stellte sich der Frage, wie sensibel gehen wir mit diesen Flächen um.

Fikret Vural von der RAA führte die Beteiligten nach Eppinghofen, dem Zentrum der Migranten in Mülheim

Volker Kersting, Mitarbeiter der Stadt Mülheim im Bereich Stadtforschung und Statistik machte bei seinem Rundgang auf die Armutsschere Nord-Süd auch in Mülheim aufmerksam. Das größte Gefälle zwischen Arm und Reich im Revier klafft zwischen Mülheim-Styrum und Speldorf.

Im Anschluss an die Spaziergänge fand eine gemeinsame Aussprache und Diskussion aller Beteiligten unter der Leitung von kainkollektiv statt.

 

17.09./24.09. und 02.10.2011 Stadtspaziergänge mit 2 Experten

Anlässlich des Projekts „SchlimmCity“ gab es an drei weiteren Terminen Stadtrundgänge mit der Konzentration auf Eppinghofen als Zentrum der Migration und dem Forum als Zentrum des Handels. Geleitet wurden diese Rundgänge von Fikret Vural (RAA) und Wolfgang Pins (Center-Manager).

Auch hier fand während der Rundgänge und anschließend eine anregende Diskussion zwischen den Beteiligten und mit den Experten statt.

 

02.10.2011 Lecture Performance

Ein Textsprechspiel von kainkollektiv mit anschließender Diskussion

Unter der Eingabe „Die Ruhr soll Zentrum sein, wir aber suchen den Rand nicht das Zentrum“ gab es eine 20- minütige Performance der Künstlergruppe kainkollektiv. Die anschließende Diskussion kreiste um die Fragen nach den Details im Abseits, den Verschrobenheiten der Peripherie und dem Charme der Randlage.

 

03.- 06.10.2011 Performance Projekt für Jugendliche

Das viertägiges Performance-Projekt für Jugendliche fand unter der Leitung von kainkollektiv und dem Medienkünstler Jan Ehlen statt.

Die Durchführung des Projekts war eingebettet in das dreiwöchige Stadt-Spiel „SchlimmCity“, bei dem der Ringlokschuppen die Stadt als öffentlichen Raum in den Fokus zahlreicher künstlerischer Auseinandersetzungen, offener Diskussionen und spielerischer Formate stellte.

Anlässlich der künstlerischen Auseinandersetzung mit Geschichte, Gegenwart und Zukunft Mülheims konnten sich interessierte Jugendliche ab 15 Jahren vom 03. bis zum 06.10.2011 unter der künstlerischen Leitung von kainkollektiv und dem Medienkünstler Jan Ehlen auf die Suche nach neuen, „jungen“ Perspektiven auf Mülheim begeben. Ausgestattet mit Requisiten zur Verbesserung der Stadt und mit Videokameras und Aufnahmegeräten sollten bei einer selbstgestellten performativen Schnitzeljagd durch die Stadt spannende Eindrücke und seltene Einblicke gesammelt und festgehalten werden. Thematisch ging die Projektgruppe Fragen nach wie: Sieht die Fußgängerzone anders aus, wenn man beim Picknick sitzt und nicht zum Bahnhof hetzt? Können kleine Textnachrichten die Laune von hektischen Einkäufern wandeln? Wie kann man durch kleine Aktionen die Innenstadt beleben und freundlicher machen?

Thematisch sollten die Erschöpfung und die Müdigkeit, die Zeit der Unproduktivität von Stadt und StadtbewohnerInnen im Fokus stehen.

Abschließend sollte eine öffentliche Präsentation die Ergebnisse bzw. auch den Prozess der Recherche in Ausschnitten wiedergeben.

Das Projekt konnte wie geplant durchgeführt werden. Acht Jugendliche haben vier Tage lang in der Stadt geforscht, Interviews geführt, fotografiert, gefilmt, Sounds aufgenommen, bei sich selbst nach Erschöpfung gesucht und zusammen an einer Abschlusspräsentation gearbeitet. Unter dem Titel „Sleep City“ wurde schließlich am Donnerstag, den 06.01.2011, der Aufführungsort in der „De-Zentrale“ (zentraler Anlaufpunkt für alle SchlimmCity-Aktivitäten) in eine „Horizontrale“ verwandelt und für rund 40 min. von den Zuschauern auf Kissen liegend besetzt.

Die Abschlusspräsentation war sehr gut besucht und ein großer Erfolg für die beteiligten Jugendlichen und KünstlerInnen, gerade auch als Abschluss der StadtRandFluss-Reihe.

 

 

Antrag Nr. 62: Werkhaus, Krefeld – Tanzprojekt TIGER

 

Das Tanzprojekt TIGER richtet sich an Jungs und besteht nun seit 2008. Es hat sich zu einem erfolgreichen Konzept der Jungenarbeit entwickelt.

Mit dem Tänzer, Choreographen und Dozenten Andreas Simon arbeiteten im Jahr 2011 insgesamt 20 Kids auf das Aufführungsmodul P-tiger- ultimativ hin.

10 Kids kamen dabei aus der offenen Jugendarbeit des Werkhauses und 10 Kids aus der Gesamtschule Kaiserplatz.

Die Alterspanne lag zwischen 6 und 16 Jahren. In unterschiedlichen Gruppen und auch gemeinsam Proben wurden wöchentliche Unterrichtstunden durchgeführt und durch Projekttage ergänzt.

Das P-Tiger Projekt bestand aus mehreren Recherche- und Aufführungsmodulen, die in einer ca. 60 min Aufführung P-Tiger ultimativ vor ca. 300 Besuchern an drei aufeinanderfolgenden Tagen ihre Zusammenfassung und Bühnenreife erfuhren.

 

Die Module in der Reihenfolge

Juli 2011                       P1-Tiger            Video-Projekt „der stuhl liebt den tisch“

14.07.2011                   P2-Tiger            Dynamo-junge Tanzplattform Koeln

                                                           Alte Feuerwache (ca. 100 Besucher)

15.07.2011                   P3-Tiger            Aufführung-Theaterspaziergang

                                                           (Koop. mit KRESCHtheater, ca. 50 Besucher)

16.07.2011                   P3-Tiger            Aufführung-Theaterspaziergang

                                                           (Krefelder Innenstadt ca. 50 Besucher)

07.09.2011                   P4-Tiger            Aufführung Kunstsammlung NRW

                                                           50jähriges Jubiläum – tänzerische
                                                           Korrespondenzen zu Exponaten in der
                                                           Sammlung (ca. 200 Besucher)

25.11.2011                   P5-Tiger            ultimativ – Premiere im Südbahnhof

26.11.2011                   P5-Tiger            ultimativ

27.11.2011                   P5-Tiger            ultimativ

                                                           (Besucher gesamt ca. 300)

 

Das Konzept ist ein offenes auf Kooperation und Vernetzung ausgelegtes Tanzprojekt mit der offenen Jugendarbeit in der Stadt, Schulen und anderen kommunalen Einrichtungen kultureller Bildung.

Andreas Simon bringt in einer breiten Altersstreuung Jungen aus verschiedenen sozialen Zusammenhängen und aus verschiedenen Angeboten in einem performativen Finale zusammen.

Die inhaltliche Konzeption beinhaltet sowohl die Entwicklung sozialer Grundkompetenzen während des Projektverlaufes und teilweiser Einbindung in die Organisation und choreographische Recherche sowie ein altersorientiertes tänzerisches Bildungskonzept, das sich unterschiedlicher zeitgenössischer Tanzformen bedient und mit deren spezifischen Klischees arbeitet. Durch die Offenheit des künstlerischen Ansatzes entwickelt sich eine enorme Arbeitsdynamik. Dabei orientiert sich Herr Simon sowohl an den Lebens- und Erwartungswelten der beteiligten Kids, als auch an allgemein gesellschaftlichen Themen.

Andreas Simon führt die Teilnehmenden spielerisch über die Grenzen ihrer Selbstwahrnehmung und erweitert so ihr persönliches Potential. Es entstehen Stimmungen und Bilder, denen sich die Zuschauer nicht entziehen können.

Teilweise sind Kids seit mehreren Jahren teil des TIGER-Konzepts und haben sich in ihren tänzerischen Fähigkeiten wie auch in ihrer Präsenz enorm entwickelt. Andere wurden erst im Laufe des Jahres einbezogen.

Auf Grund der zusätzlichen städtischen Finanzmittel konnte der Mehraufwand besonders bei Gagen und Verbrauchsmaterialien aufgefangen werden. Das Projekt ist als erfolgreich zu bewerten. Das gesetzte Ziel einer großen gemeinsamen Endpräsentation wurde erreicht. Das Tanzprojekt Tiger soll in 2012 fortgesetzt werden.

 

 

Antrag Nr. 64: Lady Bug, Köln - Buchdokumentation zu geschlechtergerechter Kulturarbeit

 

“How many sexes are there?

Three: the male sex,

the female sex

and the in – sects”.

(Billy Tipton, die nur Jobs als Saxophonist in den USA der 50er Jahre bekam, weil sie als Mann auftrat)

 

Wir, die Gruppe ladybug aus Köln, hatten mit dem 2008 im Kulturbunker gestarteten multidisziplinären Projekt Play Gender das Ziel, das Thema Gender in der Kultur zu thematisieren und das Publikum dafür zu sensibilisieren. „Geschlechtliche Differenz ist nicht von Natur aus vorgegeben, sondern durch und innerhalb von psychischen Prozessen und historisch spezifischen Diskursen geformt – Genderrollen sind sozial und kulturell geprägt und dementsprechend auch veränderbar und nicht biologisch determinierbar.“ (Christina Lutter / Markus Reisenheimer: Cultural Studies. Eine Einführung, Wien 1998)

Neben dem Ansatz zur Förderung von Auftrittsmöglichkeiten von Künstler_innen, sollte Gender als zuschreibende Komponente thematisiert werden. Bewusst sollte ein universitärer Diskurs in die Praxis umgesetzt werden. Wir wollten mit dem Projekt ein deutliches Zeichen im Hinblick auf „geschlechtergerechte“ Kulturarbeit in einem soziokulturellen Zentrum setzen und Play Gender nachhaltig in Köln verankern. Nach den personellen Veränderungen im Kulturbunker, entwickelten wir das Projekt an anderen Orten in Köln weiter und veranstalteten letztes Jahr im Autonomen Zentrum Köln das _Fest.

Hintergrund von Play Gender, sowie der Ladyfest-Bewegung, bildet die Anfang der 90er-Jahre in den USA entstandene Riot-Grrrl-Bewegung, die auf die starke Überzahl männlicher Musiker und deren Dominanz reagierte. „Frauen wird immer wieder suggeriert: Es ist alles erreicht! Ihr könnt alles schaffen, wenn ihr nur wollt! Aber sind die Forderungen des Feminismus wirklich eingelöst worden?“ (Klappentext Sonja Eismann „Hot Topic – Popfeminismus heute“, 2007) Ziel und Anspruch dieser feministischen Bewegung war es, auf eben diese gesellschaftlichen Missstände aufmerksam zu machen, Frauen zu motivieren, sich nicht in konventionelle Rollenbilder pressen zu lassen, sondern unabhängig und selbstbewusst durchs Leben zu gehen.

 

Somit gestalteten sich die Riot Grrrls eine eigene Szene mit feministischer Netzwerkstruktur. Musik fungiert dabei als wertvolles Sprachrohr, um den Rest der Szene mit persönlichen Anliegen zu erreichen und Reflexionen über angesprochene Themen anzuregen und zu fördern. Aus der Unzufriedenheit heraus entstanden zahlreiche Bands, deren Texte Themen wie Frauendiskriminierung, sexuellen Missbrauch, sexualisierte Gewalt, Homophobie und sonstige Missstände aufgriffen und nicht selten von persönlichen Erfahrungen handelten. Diese Bewegung wird heute in temporär stattfindenden Ladyfesten, die eine Non-Profit-Veranstaltung sind, fortgesetzt. Ladyfeste verstehen sich als öffentliche, von Sexismus und Gewalt befreite Räume, in denen „Ladies of all gender“ eingeladen sind, .um sie in die queer-feministische Diskussion einzubeziehen.

 

Play Gender verortete sich in diesem Kontext und stellte seit 2008 eine queer – feministische Plattform für Musik, Kunst, Workshops, Film und Literatur dar.

Bewusst wurden zu unseren Veranstaltungen auch „feministisch“ - solidarische Männer eingeladen. Grundsätzlich soll das Geschlecht keine Rolle spielen. Das gesellschaftliche Model der Zweigeschlechtlichkeit und der damit einhergehenden Konstruktion von Männlichkeit und Weiblichkeit als komplementäre Phänomene stand im Blick von Play Gender.

 

Mit der Buchdokumentation Play Gender wollten wir, als nachhaltige Ergebnissicherung, drei Jahre praktische Kulturarbeit in Köln dokumentieren, die Gender in den Mittelpunkt stellte und die Umsetzung und Verankerung von Geschlechtergerechtigkeit in der Kultur als Ziel hatte. Die Buchdokumentation ist die erste, die umfassend die praktische dreijährige Umsetzung und Installierung von geschlechtergerechter Kultur an unterschiedlichen Orten dokumentiert und diese wieder in einen theoretischen Kontext setzt. Die Ergebnisse stehen exemplarisch für die Entwicklung und Umsetzung von Chancengleichheit in der Kulturarbeit und sind ein soziokulturelles Feld per excellance.

 

Das Buch wird im Frühjahr 2013 erscheinen und dokumentiert die einjährige Arbeit im Rahmen der Konzeptförderung soziokultureller Zentren im Kulturbunker 2009, die Weiterentwicklung vom 1. Ladyfest Köln 2008 zum _Fest 2010, setzt sich mit der Fragestellung von selbstbestimmten, autonomen Räumen auseinander und stellt die Genderpraxis wieder in einen theoretischen Kontext.

Uns liegen bereits Artikel von Prof. Dr. Melanie Groß, Sebastian Scheele, Alva Dietrich, Ellen Wesemüller, Torsten Nagel, Mithu Sanyal, Les Reines Prochaines, Sarah Diehl, Mart Busche, Sonja Eismann und Jonas Engelmann vor. Artikel von fels, Mädchenblog, Gruppe F, Frittenbude, Dr. Antke Engel, Ulrike Scheen, Hannes Loh, Christiane Rösinger, Minette Dreier, Eva Jantschitsch, Thomas Lechner und Yvonne Wolz sind angefragt.

Eine Internetseite www.play-gender.de wurde eingerichtet, auf der die Ergebnisse Ende des Jahres veröffentlicht werden.

Um die soziokulturellen Zentren für die Thematik geschlechtergerechte Kulturarbeit zu sensibilisieren, zur Diskussion über Umsetzungsmöglichkeiten anzuregen und den Diskurs in die Öffentlichkeit zu tragen, haben wir die Inhalte von Play Gender in zwei ausgewählten soziokulturellen Zentren in NRW präsentiert. In der WERK°STADT in Witten fand ein play gender Showcase im Rahmen von Nachtfrequenz 11 am 15.10. mit einem Themenabend, der Vortrag, Diskussion und Musik beinhaltete, statt. Im zakk in Düsseldorf fand ein Diskussionsabend am 04.11. mit Torsten Nagel und Katja Peglow, Herausgeberin von Riot Grrrls Revisited statt.

 

 

Antrag Nr. 66: Kulturzentrum Grend Essen –Kinderprojekt Schwarzes Gold

 

Das Projekt „Schwarzes Gold“ war ein geschichts-, medien- und theaterpädagogisches Angebot für Kinder, das die Entwicklung und Produktion eines Films und Theaterstücks zur Geschichte des Ruhrgebiets zum Inhalt hatte. Es fand in den Herbstferien vom 31.10. – 04.11.2011 statt, einschließlich des Feiertages.

 

Die Kinder wurden an allen Schritten der Film und Theaterproduktion beteiligt. Ausgehend von folgenden Fragestellungen:

Welche Orte interessieren Kinder ab 6 Jahren?

Wo sind geschichtsträchtige Orte im Ruhrgebiet?

 

wurde mit den Recherchen begonnen: Was macht die Geschichte des Ruhrgebiets aus? Was ist das Besondere am Ruhrgebiet? Was gab und was gibt es an interessanten Orten? Welche Ereignisse und Geschichten könnten sich dort abgespielt haben? Was können wir uns Lustiges und Spannendes dazu überlegen?

 

Nach der Entwicklung von Geschichte(n) ging es an die Probenarbeit und Inszenierung. Es wurden direkt kleine Geschichten zu Szenen im Rollenspiel gestaltet. Es wurde mit dem Mittel der szenischen Improvisation gearbeitet. Es entstand eine, von Kindern ausgesuchte Sammlung von historischen und zeitgeschichtlichen Orten und ihren historischen Hintergründen.

Es wurden folgende Stationen mit den Kindern erarbeitet:

  1. Wetter / Burg- Hakortsche Fabrik,
  2. Hattingen Muttental/Kohlegrube,
  3. Bochum/Opelwerke,
  4. Dortmund Hoeschwerke
  5. Gelsenkirchen Zeche Consol
  6. Duisburger Hafen

 

Während des Projekts wurde die gesamte Zeit fotografiert und gefilmt. Mit der Entwicklung des Theaterstücks entstanden die Filmszenen. Die Ergebnisse wurden am letzten Tag den Eltern und anderen Interessierten vorgestellt.

 

„Schwarzes Gold“ wurde als kleiner „Kinderkrimi“ entwickelt als solcher auf die Bühne gebracht und verfilmt. Es entstand ein Film mit spannenden und lustigen Erlebnissen von den Orten und Menschen an der Ruhr. Die Kinder lernten spielerisch historische Orte und Auszüge aus der Geschichte des Ruhrgebiets kennen und konnten ihre neuen Kenntnisse und Rechercheergebnisse auf der Bühne verarbeiten.

Die endgültige filmtechnische Bearbeitung war allerdings in einer Woche nicht möglich, sie wird fachkundig nachbearbeitet und dann den Familien als DVD zur Verfügung gestellt.

 

 

Antrag Nr. 67: Kulturzentrum Grend Essen – Literatürk - 7. Festival 2011

 

Im bereits siebten Jahr hat sich das Festival Literatürk als eine feste Größe in der kulturellen Landschaft der Region etabliert. Literatürk ist das Erste und eines der ganz wenigen türkisch-deutschen Literaturfestivals in der Bundesrepublik. Es erfreut sich seit der Gründung über hervorragende Besucherzahlen, öffentlicher Resonanz und einer wachsenden Fangemeinde.

 

Mit seinem einzigartigen und originellen Programm bereichert Literatürk nicht nur die kulturelle Szene im Ruhrgebiet; Literatürk dient gleichzeitig auch als Vorreiter und gern kopiertes Beispiel für andere Veranstaltungen und Formate in der Region und überregional. Jüngstes überregionales Beispiel ist das türkisch-deutsche Literaturfestival Dil-Dile, das seit zwei Jahren in Berlin stattfindet.

Auch in integrationspolitischen Diskursen hat das Literaturfestival Literatürk gemeinsam mit dem Kulturzentrum Grend e.V. wichtige Akzente in der interkulturellen Öffnung und Sensibilisierung der Inhalte der literarischen, kulturellen, politischen und künstlerischen Bildung gesetzt.

 

Schwerpunktthema Literatürk 2011: GRENZGÄNGE!

Vom 14. - 17. Oktober 2011 hat Literatürk wieder neue Wege beschritten und eingeladen, eine Reihe spannender Entdeckungen zu machen: Undercover Reportagen, Lesungen und Autorengespräche mit gefeierten Autoren, klassische Musik, Dokumentarfilm und Regiegespräch, Szenische Lesungen, Kabarett, ElektroLyrik, Neuvorstellungen, eine eigens für Literatürk erstellte Sondersendung des Istanbuler Radiosenders „Acik Radyo" und vielem mehr!

Literatürk ist von Beginn an ein Festival, das Neues ausprobieren will; sowohl in der Wahl der Orte als auch in der Konzeption und Auswahl der Veranstaltungen und AutorInnen. Die Programmmacherinnen legen großen Wert darauf, ein möglichst breites Publikum für das Festival zu interessieren und vielfältige und qualitative Formate und Inhalte zu kreieren. Nicht nur bekannte Größen der Literatur finden ihren Platz bei „Literatürk“, auch unbekanntere AutorInnen werden eingeladen und gefördert.

Ergänzt wird das Literaturprogramm seit Anbeginn durch Kunsterzeugnisse verwandter Disziplinen, etwa der Musik und des Films. Sowie seit diesem Jahr auch durch Eigenproduktionen, wie beispielsweise die Literaturcollage „Cut Up - Literatur im Zeitraffer“, die im Rahmen des Festivals Ihre Premiere feierte und am 24. April in Offenbach im Rahmen der Lesereihe „Die Welt zu Hause in Offenbach“ neuaufgeführt wird.

Im Rahmen von Schulveranstaltungen und mit der Unterstützung und Kooperation des in diesem Jahr im gesamten Ruhrgebiet in 2011 wieder stattgefundenen Buch- und Schülerschreibprojekts "Zwischen meinen Welten unterwegs" in Zusammenarbeit mit dem Geest-Verlag in Vechta hat Literatürk daher auch einen Beitrag zur Förderung junger AutorInnen und zur kulturellen Bildung von Jugendlichen geleistet.

 

Programm 2011

Das Programm 2011 bestand aus sechzehn Veranstaltungen über vier Tage an sechs Orten und wurde von mehr als 1000 Besuchern und Gästen genutzt. Von den sechzehn Veranstaltungen waren zehn Lesungen. Darüber hinaus gab es Kabarett mit Hagen Rether, klassische Musik mit der international renommierten Tabea Zimmermann und dem Nachwuchstalent Eren Kustan, ein Dokumentarfilm über den anatolischen Poeten und Musiker Asik Veysel, Oriental Jazz mit dem Trio Klare, Bektas und Ak und eine eigens für das Festival produzierte Radiosendung des Istanbuler Radiosenders Acik Radyo anlässlich des 50 jährigen Anwerbeabkommens zwischen der Bundesrepublik und der Türkei, dass im Jahr 2011 offiziell begangen wurde.

 

Diesem Anlass haben wir im diesjährigen Programm zudem einen ganzen Tag mit Lesungen, Musik, Film und Tanz in der Zeche Carl gewidmet. Im Vordergrund dabei stand vor allem die Überlegung einen Einblick in die Kulturwelten der ersten Einwanderer und (Gast)Arbeiter zu geben. Ein ganz wichtiger Baustein in dieser Kultur ist die Musik und die Poesie. Beides sind Elemente, die eine lange orale Tradition haben, die sehr viel weiter reicht als die Geschichte der modernen Literatur in der Türkei. Aber auch die moderne Literatur ist nicht zu kurz gekommen. Mit Cut Up! -Literatur im Zeitraffer haben wir eine literarische Collage aus ausgewählten Textpassagen der Literaturen der Türkei, Deutschland und der Welt entwickelt und präsentiert. Alle Veranstaltungen über den Tag verteilt waren sehr gut besucht und sind auf große Resonanz gestoßen.

Ein besonderes Highlight war des Weiteren die Kooperation mit der Buchhandlung Proust und der Lichtburg Essen für die „Lange Nacht der Kultur in Essen“. Mit einem reichhaltigen Programm aus Literatur, Musik und Kabarett wurde ein kulturübergreifendes Programm konzipiert, das seines gleichen sucht. Den thematischen Kern der langen Nacht der Kultur bildete die Lesung aus dem Buch: Deutschsein: Eine Aufklärungsschrift, indem der Autor Zafer Senocak der Frage nachgeht was es eigentlich heißt Deutsch zu sein? Der Höhepunkt der Langen Nacht der Kultur war der Auftritt Hagen Rether‘s, der seine Gage für das Frauenhaus in Essen gespendet hat. Knapp 500 Besucher wurden im Rahmen dieser Veranstaltung gezählt

Aus der Sparte Türkischsprachige Literatur in deutscher Übersetzung wurden folgende Romane und Bücher vorgestellt:

Der 2008 auch auf Deutsch erschienene Roman Zorn von Murat Uyurkulak, sowie Auszüge aus seinem 2011 in der Türkei neu erschienenem Erzählband Bazuka: Geschichten über Liebe, Einsamkeit und Gewalt. Murat Uyurkulak gehört zu den wichtigsten Stimmen zeitgenössischer Literatur, die einen neue literarische Ästhetik geschaffen haben. Die Helden in seinen Roman sind Antihelden, Außenseiter und Ausgestoßene, aber zwischen all dem Dreck, der Gewalt, dem Gestank und der verrohten Sexualität steckt immer auch ein Plädoyer für mehr Würde und Menschlichkeit. Darüber hinaus schreibt und redigiert Murat Uyurkulak für verschiedene Zeitungen in der Türkei. Die zweisprachige Lesung wurde von etwa 80 Zuhörern besucht.

Der 2011 in der Türkei erschienene Bestseller Roman „Lüsyen - Historie einer Liebe“ wurde in einer eigens für das Literatur-Festival Literatürk von dem ausgezeichneten Literaturübersetzer Gerhard Meier in Absprache mit dem Autor Can Dündar und den Programmmacherinnen angefertigten Übersetzung dem deutschsprachigen Publikum vorgestellt. Can Dündar ist vor allem für seine investigative Arbeit als Dokumentarfilmer und Journalist bekannt. Lüsyen ist sein erster Roman, der die heikle Liebesbeziehung der Belgierin Lüsyen zum Dichter Abdülhamid zur Zeit des Osmanischen Reiches zum Gegenstand hat. Der Roman basiert auf einer wahren Begebenheit, die aufgrund von Dokumenten, die teilweise immer noch unter Verschluss gehalten werden teilweise ausweislich fiktive Züge trägt. Die zweisprachige Lesung wurde von etwa 100 Zuhörern besucht.

Der 2007 auf Deutsch erschienene Roman „Der Mathematiker“ des 1977 verstorbenen türkischsprachigen Kultautoren Oguz Atay, setzt seinem Mentor den aus einfachen Verhältnissen stammenden Ingenieur Mustafa Inan ein literarisches Denkmal. Mustafa Inan ist ein Grenzgänger des frühen zwanzigsten Jahrhunderts. Nach Ausbildungs-stationen in den Vereinigten Staaten, in der Schweiz und in der Bundesrepublik Deutschland, arbeitete er als Professor an der Technischen Universität in Istanbul. International bekannt geworden ist vor allem auch seine Frau die klassische Archäologin Jale Inan. Ihre Feldforschungen in Perge und Side waren grundlegend für die Entwicklung der Archäologie und Denkmalpflege in der Türkei. Zudem gibt der Roman einen etwas anderen Einblick auf die Ereignisse der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Vorgestellt wurde der Roman u.a. von Hüseyin Inan, dem Sohn von Mustafa und Jale Inan, dessen Geburt und Entwicklung auch in dem Roman beschrieben wird. Die zweisprachige Lesung wurde von etwa 70 Zuhörern besucht.

Der 2011 erstmal in deutscher Übersetzung vorliegende Roman und Erlebnisbericht von Fethiye Cetin „Meine Großmutter“ spannt einen zeitgeschichtlichen Bogen von der unmittelbaren Gegenwart hin zu den zwanziger Jahren des letzten Jahrhunderts. In „Meine Großmutter“ erzählt Fethiye Cetin die Geschichte der Armenierin Heranusch, die während der Zwangsumsiedlung der armenischen Bevölkerung in die Obhut eines osmanischen Generals gerät und fortan dazu verdammt ist in einem inneren Exil zu leben, um Überleben zu können. Der Leser erfährt vom Schicksal Heranusch‘s durch die Augen ihrer Enkelin. In einem Moment indem die schrecklichen Erlebnisse aus ihr herausbrechen und sie die Geschichte ihrer verschütteten Identität ihrer Enkelin anvertraut. Der Roman hat in der Türkei wichtige Debatten ausgelöst. Viele sind dem Beispiel Fethiye Cetin‘s gefolgt und haben sich ebenfalls auf die Suche nach ihren Wurzeln gemacht. Fethiye Cetin ist vor allem auch bekannt als die Anwältin des 2009 ermordeten armenisch-türkischen Journalisten Hrant Dink. Die zweisprachige Lesung wurde von etwa 80 Zuhörern besucht.

Ergänzt wurde das diesjährige Programm durch zwei Schullesungen mit insgesamt 100 Jugendlichen und Schülern sowie der Buchpräsentation des 7. Ruhrlesebuchprojektes: „Zwischen meinen Welten unterwegs“ im Dezember 2011 an der VHS am Burgplatz/Essen mit gut 200 Gästen und Besuchern

Weiter Informationen zum Festival 2011 auch unter: www.literatuerk.de

 

 

Antrag Nr. 70: Auf Carl gGmbH Essen - Festival X – Initiativen Netzwerk Ruhr

 

Ziel des Festival X/Netzwerk X ist es, freie Initiativen aus dem Ruhrgebiet zusammenzubringen.

Nach unserem ersten Netzwerktreffen, auf das noch viele folgen sollen, können wir sagen: Es läuft!

 

Erstes Netzwerktreffen am 18.12.2011

Im Vorfeld

Durch persönlichen, telefonischen und Email Kontakt hat der Projektverantwortliche Joscha Hendricksen in Zusammenarbeit mit Stefan Schroer aus dem Ruhrgebiet kontaktiert. Die erste Auswahl von Gruppen ergab sich aus bereits vorhandenen Kontakten. Fast alle Gruppen zeigten sofort großes Interesse an dem Vernetzungsprojekt. Viele freuten sich sehr, dass der Versuch einer solchen Netzwerkbildung endlich unternommen wurde.

Von den angeschriebenen Gruppen kamen 12 zum Treffen – die angeschriebenen Gruppen brachten

jedoch Vertreter weiterer 7 Gruppen mit, sodass insgesamt 26 VertreterInnen von 19 Gruppen am

18.12.2011 um 16 Uhr in der Zeche Carl vor Ort waren. Durch eine bereits im Vorfeld vorgenommene inhaltliche Abstimmung war es uns möglich, im Rahmen des ersten Treffens zahlreiche Eckpunkte des Netzwerks zu diskutieren.

 

Themen des Treffens

Nach einer Vorstellungsrunde diskutierten wir gemeinsam über die inhaltlichen und strategischen

Grundsätze des Projekts. Diese Diskussion mündete in die Vorformulierung einer Liste von

gemeinsamen Anliegen sowie einer Selbstbeschreibung des Netzwerks. Desweiteren wurden technische Aspekte der Webseite (Forum Ja/Nein, Facebook Einbindung, Grafikdesign, Logo) diskutiert.

 

Verlauf des Treffens

Bemerkenswert war die positive und wertschätzende Haltung aller TeilnehmerInnen zueinander.

Das gute Gesprächsklima wurde durch ein sehr gutes, veganes Catering ergänzt. Die erste

Gesprächsphase dauerte von 16 Uhr bis 17.30 Uhr, danach folgte eine halbstündige Pause. Die

zweite Gesprächsphase dauerte bis ca. 19.30 Uhr. In der Pause sowie insbesondere nach dem

Treffen ergaben sich, wie erwünscht, spontane Kontakte zwischen den Gruppen. Es stellte sich

heraus, dass sich teilweise Akteure aus derselben Stadt nicht gegenseitig kannten. Es wurden

Kontakte ausgetauscht und in zwei Fällen sogar sofort gemeinsame Projekte angestoßen.

 

Effekte und Perspektiven

Vor, während und nach dem Treffen wurde von VertreterInnen der Gruppen immer wieder betont, wie angenehm und motivierend es sei, an dem Netzwerk und insbesondere an den Netzwerktreffen teilzunehmen. Viele äußerten ihr Unbehagen über die bisher eher zersplitterte Situation der freien Gruppen. Vom Netzwerk X versprechen sie sich, dass insbesondere dem im Umfeld von Ruhr2010 bzw. ECCE angestoßenen Kreativ-Wirtschafts-Dialog ein ihrer Lebens- und Arbeitsrealität angemessener Diskurs entgegengesetzt wird. Ein großer Wunsch ist zudem, dass gegenseitige Unterstützung - personell und medial - durch die Netzwerkbildung möglich wird und dass gemeinsame Projekte verwirklicht werden können – beispielsweise ein gemeinsames Festival oder gemeinsame Aktionen in und um den Standort Zeche Carl.

Bei den Gruppen besteht demnach Interesse an gegenseitigem Kennenlernen und Kooperation, und

an einer kulturpolitischen Interessensvertretung. Dabei spielen für die Gruppen zwei Aspekte eine

wesentliche Rolle: erstens Förderpolitik und zweitens Mitsprache im öffentlichen Diskurs über Kunst und Kreativität, insbesondere, aber nicht ausschließlich, im Zusammenhang mit Stadtentwicklungsprozessen.

Der soziale, teils idealistische und stets moderne Geist der im Netzwerk vertretenen Gruppen macht

Netzwerktreffen auf Carl! die im Netzwerk X angefangene Bündelung der Interessen zu einem hoch interessanten und möglicherweise sehr wirkungsvollen Instrument zur zukünftigen Gestaltung sowohl kulturpolitischer Perspektiven als auch solidarischer Zwischenmenschlichkeit im Ruhrgebiet.

 

Der dokumentarische Film

Die Erstellung des dokumentarischen Films erwies sich in vielerlei Hinsicht als ideale Begleitung des

Projekts. Die mit den VertreterInnen der Gruppen geführten Interviews bilden eine ideale Basis zur

Findung gemeinsamer Inhalte. Der Prozess des Filmens an sich war aber bereits gelebte Ruhrgebiets-Vernetzung. Auf Grund der zahlreichen Stunden von Rohmaterial dauert der Schnitt wider Erwarten länger, weshalb der fertige Film dem Sachbericht nicht beigefügt werden konnte, aber selbstredend nach Fertigstellung nachgereicht wird.

Bereits vor dem Netzwerktreffen bereisten die Regisseurin Rosh Zeeba (Roshanak Shogaziba) und

der Projektleiter Joscha Hendricksen die Gruppen, führten Interviews und machten Außenaufnahmen, bei denen sie Stefan Kirchhoff unterstützte. Die Drehtermine wurden mit den Gruppen so abgestimmt, dass die Dreharbeiten an repräsentativen Orten oder während laufender Veranstaltungen der Gruppen stattfinden konnten.

Durch die ausführlichen, teils beinahe einstündigen Interviews, die mit den VertreterInnen der Gruppen geführt wurden, entstanden sowohl auf Seiten des Projektleiters als auch bei den

VertreterInnen Erkenntniseffekte. Die Interviews ermöglichten, ohne festgelegte Fragen, einen offenen Austausch über das gesamte Spektrum künstlerischer und kultureller Arbeit im Ruhrgebiet im Jahr 2011.

Die für die Dreharbeiten erforderliche Rundreise durch das Ruhrgebiet half die Kommunikation

während des Treffens zu verbessern, da inhaltliche Schwerpunkte und strategische Zielsetzungen

sowie bereits vorhandene Partnerschaften bereits im Vorhinein berücksichtigt werden konnten.

 

Die Webseite

Die Webseite bildet das Netzwerk X unter sechs Rubriken ab.

Unter der Rubrik „FÜR!“ finden sich die manifestisch formulierten Forderungen der im Netzwerk

vertretenen Gruppen. Unter der Rubrik „Das Netzwerk X“ findet sich die Selbstbeschreibung. Unter

der Rubrik „Gruppen“ wird jede Initiative mit einer eigenen Unterseite repräsentiert, die einen beschreibenden Text sowie Links und Fotos enthält. Unter der Rubrik „Partner“ sollen institutionelle Partner des Netzwerks aufgeführt werden. Auf Wunsch der Gruppen wird die Webseite erst nach Abstimmung durch das Plenum zu einem strategisch gewählten Zeitpunkt Veröffentlicht. Zusätzlich zu der Webseite wurde ein internes Forum eingerichtet.

 

Perspektiven & Zusammenfassung

Das nächste Netzwerktreffen wird am 19.02.2012 in der Zeche Carl stattfinden. Es hat sich gezeigt,

dass bei den bisher angesprochenen Initiativen ein großes Interesse an der angebotenen Vernetzung

besteht und wir gehen davon aus, dass bereits beim nächsten Treffen weitere Gruppen dazu stoßen

werden - spätestens bei Veröffentlichung der Webseite und des Films.

Es ist wichtig hervorzuheben, mit welch hoher Professionalität die teilweise sehr jungen Gruppen

an inhaltliche und strategische Fragen herantreten. Ob sich die selbst gesteckten, ehrgeizigen Ziele,

die sich das Netzwerk gibt, erreichen lassen, wird von zahlreichen Faktoren abhängig sein. Ein Aspekt ist dabei, dass alle Gruppen das Netzwerk als ihres annehmen, d. h. dass die Gruppen unabhängig von den Netzwerktreffen die Inhalte des Netzwerks multiplizieren und sich in den Treffen beteiligen. Der nächste Schritt besteht demgemäß darin, für eine partizipative und demokratische Struktur innerhalb des Netzwerks zu sorgen. Möglicherweise ist die Gründung einer eigenen Organisationsform eine sinnvolle Perspektive.

Die aktive „Reisetätigkeit“, das kontinuierliche, aktive Vernetzen, welches durch die Förderung der

LAG-Soziokultur NRW und des MfFKJKS NRW ermöglicht wurde, sollte unbedingt langfristig erhalten werden. Die in Zukunft für das Netzwerk zuständigen Repräsentanten müssen auch „Berufs-Vernetzer“ sein. Eine professionelle Bündelung, strategische Ausrichtung und die Durchführung wirksamer Aktionen wird ohne finanzielle Mittel nicht gut gelingen. Die prekären Bedingungen unter denen die meisten der Akteure arbeiten müssen, erlauben eine ehrenamtliche „Reisetätigkeit“ nicht.

Entscheidend für den Erfolg des Netzwerks ist jedoch vordringlich die Kooperation nach innen. Nur

durch die Umsetzung gemeinsamer Projekte, zum Beispiel am Standort der Zeche Carl, können sich

die Gruppen inhaltlich kennen lernen, ihr künstlerisches und soziales Potential praktisch bündeln

und sich im gegenseitigen Austausch weiter entwickeln. Die eigentliche Stärke müssen die Netzwerkpartner aus inhaltlicher Kohärenz und einer projektbezogenen und kontinuierlichen praktischen Kooperation entwickeln, damit das Netzwerk lebt, wächst und sich und das Ruhrgebiet

verändert.

 

 

Antrag Nr. 72: zakk, Düsseldorf - Edelweißpiratenfestival 2011

 

Bereits 2007 hatte das zakk Team erste Kontakte mit den Festivalverantwortlichen Jan Krauthäuser aus Köln aufgenommen, welcher uns dazu bewegt hat, das Festival in Düsseldorf durchzuführen. Der Elan der Gruppe begeisterte uns, so dass wir ebenfalls ein lang angelegtes Projekt zum Thema Edelweißpiraten in Düsseldorf machen wollten.

 

Wichtig war uns dabei, dass dieses Projekt nicht nur von den zakk Kolleg/-innen getragen wird, sondern das wir möglichst viele junge Menschen, Musiker/-innen, Interessierte dafür begeistern können, an dem Projekt aktiv mitzuarbeiten und dieses Projekt mitzugestalten.

 

Die Edelweißpiraten sind dafür bekannt, dass ihr Widerstand eng mit Musik verknüpft war. Ein Grund für uns, Musiker/-innen aus Bands für die Unterstützung des Projektes zu gewinnen. Aber zakk wollte das Projekt nicht nur zum Gedenken an die Edelweißpiraten durchführen, sondern auch, um mit Jungen Erwachsenen/Jugendlichen einen Einstieg in die Auseinandersetzung um das „richtige heutige“ Leben zu ermöglichen: unangepasste Jugendkultur war und ist unser Thema. Wie bekommen wir es hin, das Junge Erwachsene der schnelllebigen Medienlandschaft trotzen und sich weiterhin mit Themen & Diskussionen beschäftigen und diese kritisch betrachten?

 

Das Fest sollte nicht von den festangestellten zakk Macher/-innen organisiert werden, sondern von einer Gruppe Junger Erwachsener, die ebenfalls im zakk organisiert und aktiv sind, aber noch nicht die „eingefahrene“ Soziokultur & zakk Politik-„Denke“ mit sich tragen. Eine Gruppe aus ex-Zivis, Praktikant/-innen & Volontär/-innen sollten und wollten das Festival selbstständig planen und organisieren. Die Materialien sollten von Seiten des zakk und der Mahn- & Gedenkstätte aufgearbeitet und als Arbeitsmaterialien für Schulen, Jugendfreizeiteinrichtungen zur Verfügung gestellt werden. Daneben war es uns wichtig mit den Jungen Erwachsenen eine verbindliche Struktur/ein Netzwerk aufzubauen, um dieses Fest zu einem regelmäßigen Fest werden zu lassen und um kontinuierlich an dem Thema „unangepasste Jugendopposition“ weiter zu arbeiten.

 

Projekt

Neben dem Festivaltag, der im Fokus stand, gab es aber auch Rahmenprogramm rund um das Edelweißpiratenfestival. So fand zur Einlasszeit am Festivaltag ein Erzählcafé der VVN-BdA mit Widerstandskämpferin Henny Dreifuss statt. 2011 hat sich alles um „jugendlichen Widerstand in der arabischen Welt“ gedreht. So gab es thematische Ansagen unserer Moderation am Festivaltag, sowie Vorträge einzelner Bandmitglieder als auch Begleitveranstaltungen, wie z.B. die Filmvorführung „Persepolis“.

Im Fokus stand an dem Festivaltag aber die Bedeutung und der Stellenwert der Musik der Edelweißpiraten. Lieder waren ein wichtiges Erkennungszeichen der Edelweißpiraten, mit ihnen begleiteten sie Gruppenabende und Wanderfahrten, drückten ihre Sehnsucht nach einem freien, abenteuerlichen Leben aus und markierten ihre Skepsis und Ablehnung zur Hitlerjugend. Das Hauptgewicht des Liedguts lag eindeutig im Bereich der Fahrten- und Wanderlieder der 1936 verbotenen Bündischen Jugend, wobei gerne auch Anleihen in der russischen Volksmusik gemacht wurden. Oftmals wurden die Texte auch durch einfügen lokaler Bezüge und kollektiver Gruppenerfahrung angereichert und aktualisiert, womit die Lieder nicht zuletzt häufig zu einer Provokation für das NS-Regime und hier insbesondere der Hitlerjugend wurden.

 

Die Idee unseres Edelweißpiratenfest war und ist, Lieder der Edelweißpiraten modern zu interpretieren, um sie so einem jüngeren Publikum zugänglich zu machen und Interessen an

dem Thema zu wecken bzw. junge Musiker/-innen und Bands einzuladen, welche durch ihre

selbstkomponierten Texte gesellschaftskritische Punkte setzen und die Menschen animieren

sich mit ihrer Umwelt, ihrem Leben auseinanderzusetzen und diese Punkte ebenfalls

vortragen, diskutieren und für ihre eigenen Ziele und Ideale eintreten.

Einbezogen wurden neben regionalen Bands auch überregionale Bands. Die Bands/Künstler/-innen wurden mit allgemeinen Infomaterialien sowie mit Liedtexten der Edelweißpiraten

ausgestattet, damit sie das Fest nicht nur als Konzerttermin wahrnehmen und nutzen, sondern sich auch inhaltlich auf die Veranstaltung beziehen können/eingehen können. Nach kontinuierlicher Recherche wurde bei der Organisationsgruppe klar, dass dieses Fest überwiegend mit Reggae & Skabands bespielt werden sollte.

Das Festivalprogramm begann mit einem Live Graffiti zum Thema Edelweißpiraten und Widerstand. Hierbei gelang es, historischen Widerstand mit heutigen jugendkulturellen Aktionsformen zu verknüpfen.

 

Folgende Gruppen/Bands/Künstler/-innen waren 2011 an dem Edelweißpiratenfest beteiligt:

Iriepathie:

Österreichs Reggae Aushängeschild "Iriepathie", die 2011 auch auf dem Summerjam, Chiemsee Reggae Summer und Reggae Jam gespielt haben:

"Vielen ihrer Texte haftet ein sozialkritischer Charakter an. Dieses Hinterfragen, dieses Hinweisen und Aufzeigen bestimmter gesellschaftlicher Merkmale und Missstände soll den Menschen zum Denken anregen und ihm ein Bild unseres heutigen „Babylons“ vermitteln. Natürlich spielt die Liebe eine wesentliche Rolle in ihren Werken; eine Liebe, für die es zu kämpfen lohnt und die im Herzen bewahrt sein will. Die Menschheit ist eine Einheit - wir alle sind Brüder und Schwestern und sitzen im selben Boot, das sich Erde nennt - bei all dem Leid und Übel auf der Welt lautet die Devise: „Niemals aufgeben!"

 

Aus dem Song „Hand zum Himmel“

 

„..Mit viel Mut und Ideen, wird die Glut bald entstehen, die das Feuer in uns entzündet, durch die Wut aufs System. Es ist genug mit Lügen, was Sie tun ist betrügen, denn sie wollen immer nur mehr, sie wollen ihre Macht ausüben. Zu hoch ist der Preis, den wir euch zu zahlen haben. Viel zu tief sitzt der Schmerz, viel zu frisch sind unsere Narben. Die Menschheit ist verwirrt, viel zu viele gehen drauf. Von den falschen Leuten geführt, nimmt das Unheil seinen Lauf…“

 

Berlin Boom Orchestra:

Nach fulminantem Auftritt im letzten Jahr beehrten sie uns auch beim 5. Edelweißpiratenfestival wieder. Berlin Boom Orchestra haben sich innerhalb von nur 5 Jahren von ihrer Gründung an bis heute in die erste Liga der deutschen Skabands gespielt hat und gerade dabei ist, von der zweiten Liga der deutschen Reggaebands in die erste Liga aufzusteigen? Der Erfolg spricht für sich. Vor allem, weil es keine Major Verträge gibt und alles selfmade ist. So wurde die Band im Winter 2010 von der Deutschen Rock & Popstiftung jeweils mit dem ersten Platz in der Kategorie „Beste Reggaeband 2010“ und „Bestes Reggaealbum 2010“ ausgezeichnet. In der völlig übersättigten Hauptstadt Berlins passierte dann im Januar 2011 eine kleine Sensation: Das traditionelle Neujahrskonzert war so schnell ausverkauft, dass noch ein Zusatzkonzert gegeben werden musste - und auch dieses war bereits im Vorhinein ausverkauft. So startete man mit über 1.200 Fans ins neue Jahr.

 

Aus dem Song „Reisefieber“

„…Der globale Norden darf sich im Süden amüsieren Der globale Süden darf anders rum nur illegal migrieren Wir können uns von der 40-Stunden-Woche Urlaub leisten, doch da wo wir hinfahren gibt's oft nicht viel zu beißen Wenn du im Urlaub krank wirst, fliegst du schnell wieder heim, denn unsere teure Medizin, heilt nur uns allein Und der Papst, ein weißer Mann, predigt ungeniert Empfang, und weil Kondome Sünde sind, steigt die Zahl der Toten an…“

 

Mellow Mark & Pyro:

Mellow Mark und Pyro Merz gelten als Dreamteam auf sämtlichen Festival- und Clubbühnen und haben sich vorgenommen, ihren Ruf als Live-Powerhouse noch zu übertreffen. Neben den unzähligen Festivals und Clubtouren in Europa, wurden sie besonders durch internationale Erfahrungen geprägt. Shows von Kuba über Afrika nach Russland bis Brasilien haben ihren musikalischen Wortschatz enorm vergrößert, wie auch ihre neue Single Berlincito (Pyromusic) eindrucksvoll beweist.

 

Aus dem Song „Dein Wort in Gottes Ohr“

„…Ich sage: Nein zur Rassentrennnung und Fremdenhass, Hass, Nein zur Menschenkategorisierung.

Nein zum Waffenhandel mit Minen und Giftgas-Gas, Nein zum aufgeben, alles stoppen. Leute, macht was! Ich sage: Nein zu einem Krieg wegen Öl mit Bush-Bush, Nein zu USA-, CIA-Pfusch-Pfusch.

Nein zu die Verbürgerten immer kusch-kusch, Ja zu Massiv-Widerstand, Bush-Bush…“

 

Sebastian Sturm & Akustik Band:

Aus einer regungslosen Nation erhebt sich plötzlich ein junger Roots Sänger mit dem bürgerlichen Namen Sebastian Sturm und verbreitet positive Vibes der Erneuerung schreibt Riddim (04/2006). Und tatsächlich: Sebastian Sturm gehört zur jüngsten Generation von Reggae Künstlern und performt den Reggae der 70er in einer Authentizität, die zumindest in Deutschland einmalig ist. Dabei trifft er zielsicher den Nerv aller Generationen ohne in Plattitüden abzurutschen. Ob auf Platte oder im Konzert: bei Sebastian Sturm ist alles live. Es groovt und rollt, es herrscht eine relaxte Spannung, unterhaltsam präsentiert von einem sympathischen Ausnahmekünstler mit charismatischer Stimme.

 

Aus dem Song „Tell Them the Truth“

“…They work so hard to confuse the youth

Providing all the lies and hiding the truth

False education put them in a school

Make them believe that it's smart to be a fool

They don't give them knowledge

To step on further

They're killing their brains

Its mental murder

No one guide them in a levity of truth and right

They send them in a battle of fussing and fight

Protect your children and don't let the system kill them

Protect the youth man tell them the truth man…”

 

Mighty Mammut Movement:

Am Anfang stand die Musik. Auf der einen Seite der Ska, auf der anderen der HipHop. Aus der Leidenschaft für die jeweilige Lieblingsmusik sind in den letzten Jahren zwei Bands entstanden, die im Jahre des Mammuts 2009 beschlossen, ab sofort gemeinsam ihre Passion auszuleben; aus “Mammut Almut” und “Mental Movement” wurde das einzigartige MIGHTY MAMMUT MOVEMENT, das sich zum Ziel gesetzt hat, die D...ancehalls der Nation zum Kochen zu bringen und das ganze noch mit einer positiven Message fern von Stereotypen zu verbinden. Auch die Produzentenlegende Plattenpapzt, die durch Produktionen von Gentleman, Die Fantastischen Vier und Kool Savas bekannt wurde, fand Gefallen an der jungen Band und produziert die Debut Ep, welche auf dem Edelweißpiratenfestival 2011 released wurde!

 

Aus dem Song „Babylon Burn“

„…Bitte ich seh wie babylon mehr an macht gewinnt

durch Überwachung medien kontrolle all das macht uns blind

öffnet doch endlich mal euer drittes auge

denn offen sein ist wichtig denk an liebe und an glaube…“

 

Neben dem musikalischen Fest gab es an dem Tag noch weitere Aktionen und viele Informationsstände. Politische Gruppen wie attac, LandesSchüler/-innenVertretung NRW, AStA FH Düsseldorf, Antifa AK der Fachhochschule Düsseldorf, Verein Bunt Inter, VVN BdA u.v.m. machten Infostände.

Am Festivaltag ist es uns außerdem wichtig gewesen die Gäste mit Informationen zu versorgen, so wurde am Tag des Festes eine Moderation organisiert, welche zwischen den Umbaupausen mit den Künstler/-innen, der Organisationsgruppe Interviews und Gespräche führte, um den Gästen möglichst viele Informationen und Wege aufzuzeigen, wo und wie Möglichkeiten der Partizipation vorhanden sind.

 

Das Fest wurde im zakk Biergarten gefeiert und im zakk Café fand das „Erzählcafé“ statt, wo u.a. die Zeitzeugin Henny Dreyfuss (ehemalige Widerstandskämpferin der Résistance) berichtete. Henny Dreifuss trug damals den Codenamen Marguerite Barbe. Viele Jugendliche/Junge Erwachsene nutzen dieMöglichkeit und informierten sich über die Geschichte der Widerstandsbewegung (Résistance).

 

Neben dem eigentlichen Festival wurden auch noch inhaltliche Veranstaltungen, die einen ruhigeren Rahmen als das Edelweißfest benötigen veranstaltet. Denn durch das Projekt sollten nicht nur Festaktivitäten organisiert werden, sondern auch die Frage nach der Partizipation mit Beispielen und durch inhaltliche Veranstaltungen unterstützt und gestärkt werden.

 

Filmvorführung „Persepolis“:

Der Film „Persepolis“ von der Buchautorin und Regisseurin Marjane Satrapi erzählt die Jugendgeschichte von Satrapi während und nach der islamischen Revolution in Teheran im Iran. „Persepolis“ beschreibt den Umbruch des ganzen Irans während der islamischen Revolution und wie die Jugendlichen doch noch Wege gefunden haben um dagegen zu rebellieren, etwa wie sie heimlich Hehlerware in Form von den neusten Rock-Kassetten gekauft haben, auch wenn die Wahrscheinlichkeit sehr groß war, erwischt zu werden. Mit diesen Vorträgen und dem Kulturprogramm sollten den Zuhörer/-innen Mut gemacht werden, weiter für die politischen Interessen und Überzeugungen einzutreten.

 

Die Zukunft

Nicht alle Ziele konnten umgesetzt werden, u.a. hat die Gruppe „Edelweiß“ auch nach

überlebenden Zeitzeug/-innen gesucht, aber noch keine für Veranstaltungen/Interviews gefunden werden. Für die Zukunft hat das Netzwerk „Düsseldorfer Edelweißpiraten“ sich vorgenommen das Fest noch mehr in die Stadt und an die Plätze an denen die Edelweißpiraten aktiv waren zu tragen. So könnten wir uns vorstellen das Festival in Zukunft im Düsseldorfer Volksgarten stattfinden zu lassen, denn dies war u.a. ein fester Treffpunkt der Edelweißpiraten. Auch für weitere Orte, welche für Freiräume und Kultur genutzt werden können, soll weiter gearbeitet werden und mit kleineren Aktionen hingewiesen werden. Weiteres Material für die Schulen soll gesammelt und gedruckt werden.

Das Edelweißpiratenfest hat es in diesem Jahr geschafft Musikgruppen und Musikgenres zu vereinen. Alle Nachwuchskünstler/-innen sowie Künstler/-innen haben den Wunsch geäußert auch in Zukunft weiterhin an diesem Projekt zu arbeiten. Gespräche haben dazu geführt, dass der Wunsche geäußert wurde, dass die Themenstellung des Fests etwas aufgeweicht wird. So möchte sich die Organisationsgruppe „Edelweißpiraten“ in Zukunft auch mit weiteren Themen beschäftigen, die zur Veränderung der Gesellschaft beitragen kann bzw. für ein Eintreten in der Gesellschaft wichtig. Hier wurden die Punkte Ökologie & Umwelt, Bildung und Stadtpolitik aufgegriffen. Aber auch die weitere Entwicklung in den arabischen Ländern und auch die weitere Entwicklung in Europa mit drohenden Staatsbankrotten, die die Bevölkerungen aufmischt und bewegt, werden Themen in der Zukunft sein. Diesen Punkt und diese Gruppe möchten wir auch weiter unterstützen.

 

zakk wird weiterhin versuchen ein Ort dafür zu sein, Räume und Möglichkeiten bereit zu stellen sowie Möglichkeiten zu schaffen, um die freiwilligen Arbeit für dieses Projekt zu unterstützen. Die Gruppe selbst arbeitet weiterhin an einem Festivaltag zu einem gesellschaftlichen Thema. Die Musiker/-innen arbeiten weiter zusammen, proben gemeinsame Texte und möchten im Bereich der Edelweißpiraten noch abschließend einige Songs aufnehmen. Einige Lieder sollen dann auch noch auf der Myspace Internetseite der Edelweißgruppe dokumentiert werden (www.myspace.com/edelweisspiratenfestivalddorf).

 

 

Antrag Nr. 73: zakk, Düsseldorf - „Nichts kann bleiben wie es ist“

 

„Nichts kann bleiben wie es ist“ lautete der Titel des interdisziplinären Projekts, das in der zweiten Woche der Herbstferien 2011 vom FFT Düsseldorf, dem Jugendmigrationsdienst der Diakonie und dem zakk veranstaltet wurde.

Der Regisseur Bernd Plöger, der Theaterpädagoge Bassam Ghazi und die Schriftstellerin Pamela Granderath fragten in einer Schreibwerkstatt und zwei Theaterworkshops mit Teilnehmern aus verschiedenen Generationen und mit unterschiedlichen Religionen und Herkünften nach gesellschaftlichen und persönlichen Perspektiven und Visionen.

 

In einer Aufführung aus Szenen, Videoclips und Lesungen präsentierten die TeilnehmerInnen am 5. November 2011 im zakk ihre Auseinandersetzung mit den Themen „Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft unserer Gesellschaft“.

 

Zielgruppe

Alle Kooperationspartner nutzten die ihnen zur Verfügung stehenden Kommunikationskanäle zur Teilnehmeraquise, so dass die vorhandenen 25 Teilnehmerplätze schnell besetzt werden konnten. Dabei wurde auf eine ausgewogene Mischung geachtet, so dass die Gruppe sowohl aus älteren

Teilnehmern als auch aus Jugendlichen jeweils mit und ohne Migrationshintergrund bestand.

 

Zeitraum & Ablauf

In der zweiten Woche der Herbstferien, vom 31.10. – 5.11. trafen sich die Teilnehmer jeden Tag von 10.00-16.00 Uhr mit den drei WerkstattleiterInnen Pamela Granderath, Bassam Ghazi und Bernd Plöger im zakk. Nach einem gemeinsamen Warm-Up verteilte sich die Gruppe auf die drei WerktstattleiterInnen, die reihum pro Tag jeweils die Themenfelder „Gestern“, „Heute“ und „Morgen“ behandelten. So konnte sich jede TeilnehmerIn pro Tag aussuchen, ob sie sich lieber mit der Vergangenheit, Gegenwart oder Zukunft der Gesellschaft beschäftigen möchte. Außerdem konnte man so der individuellen Vorliebe (Theater oder Literatur) nachgehen und sich trotzdem mit allen drei Themenfeldern auseinandersetzen.

So entstanden in den ersten drei Tagen eine Menge unterschiedlicher Texte und Szenen. Ab dem vierten Tag wurde die Präsentation am Samstag vorbereitet und überlegt, wie, was und in welcher Reihenfolge inszeniert wird.

Die Stimmung in der Gruppe sowie die Gruppendynamik waren von Anfang an sehr gut. Die TeilnehmerInnen ließen sich ganz auf das Projekt ein und bereicherten es mit sehr persönlichen Ideen und Geschichten.

Ein Schlüssel zum Erfolg des Projekts lag sicherlich in den Mittagpausen, in denen allen Teilnehmern kostenlos warmes Essen angeboten wurde. Somit blieben immer alle Teilnehmer im zakk und hatten während einer vollen Stunde Mittagspause Gelegenheit, sich besser kennenzulernen und sich auch informell weiter über Projektinhalte und Ideen auszutauschen.

 

Die Präsentation

Ursprünglich war vorgesehen, die abschließende Präsentation des Projektes an einem Ort außerhalb des zakk stattfinden zu lassen, z.B. in einer Kirche. Im Laufe des Projekts wurde von dieser Idee Abstand genommen, weil die Ergebnisse der Workshops zu einem Großteil sehr persönlich waren un„geschützen“ Raum erforderten. Deshalb fand die Abschlussveranstaltung doch im zakk statt. Die zakk Halle wurde zu einem Café umgebaut. In der Mitte wurden kleine runde Tische für das Publikum aufgestellt und ein „Ober“ verteilte sog. Wertekarten an die Zuschauer, auf denen persönliche und gesellschaftliche Fragen standen, die im Laufe des Workshops erarbeitet wurden.

Die Aufführung selbst fand teils um das Café herum, aber auch auf der Bühne oder mitten im Café statt und wurde von den 60 Zuschauern sehr positiv aufgenommen.

 

Presse- und Öffentlichkeitsarbeit

Das Projekt wurde über das zakk-Programmheft sowie in der zakk-Anzeige im Monatsmagazin „Biograph“ beworben. Der Aufruf nach Teilnehmern für das Projekt wurde zudem in Tageszeitungen abgedruckt. Außerdem gab es Banner und Störer auf den Homepages des zakk, FFT und der Diakonie Düsseldorf. Zusätzlich wurde ein Flyer zur Teilnehmeraquise in einer Auflage von 2.000 Stück, erstellt und an Schulen, Jugendfreizeiteinrichtungen, Jugendgruppen sowie in einzelnen Theaterprojekten des FFT (z.B Seniorentheatergruppe) sowie beim Seniorentreff des zakk verteilt.

 

Für die Aufführung wurde noch mal gesondert ein Flyer erstellt. Während des Projektes erschienen zwei Zeitungsartikel in der Rheinischen Post und der Westdeutschen Zeitung sowie ein Beitrag bei CenterTV.

 

Dokumentation

Der Fotograf Christoph Wolff dokumentierte den Prozess des Projektes sowie die abschließende Aufführung.

 

Fazit

Mit dem Projekt „Nichts kann bleiben wie es ist“ sollte u.a. die sozialräumliche Trennung von jüngeren und älteren Menschen mit und ohne Migrationshintergrund überwunden werden, was uns rückschauend sehr gut gelungen ist. Insbesondere die älteren Teilnehmer verwiesen in der Feedbackrunde auf die Überwindung der sozialräumlichen Trennung. Durch das Projekt wurde eine Möglichkeit geschaffen, mit jüngeren Menschen aus „anderen Ländern“ in Kontakt zu kommen. Der O-Ton einer Teilnehmerin war hierzu: „Man sieht sich zwar im Supermarkt, aber kommt ja nie ins Gespräch.“

Durch das gute Netzwerk und unterschiedlichsten Werbekanäle konnte eine gute Mischung der TeilnehmerInnen erreicht werden, so dass verschiedene Bevölkerungsgruppen zusammengebracht werden konnten und somit ein Begegnungsraum für einen interkulturellen- und generations-übergreifenden Dialog aufgebaut wurde.

Durch die intensive Zusammenarbeit in den Gruppen entwickelten die TeilnehmerInnen schnell eine starke Bindung zueinander, so dass in der Feedbackrunde im Anschluss an die Aufführung die Bitte an die Kooperationspartner geäußert wurde, weiterhin Treffen zu ermöglichen. Dieser Bitte konnten wir bereits ein erstes Mal nachkommen und konnten ein Nachtreffen organisieren, in dem wir uns gemeinsam ein Theaterstück im FFT angesehen haben. Weitere Treffen sind in Planung.

 

Des Weiteren wurde in dem Feedbackgespräch geäußert, dass die Atmosphäre und die Stimmung sehr produktiv waren, man eine Menge Erfahrungen gemacht habe und man sich unbedingt wünscht, das Projekt im kommenden Jahr fortzuführen. Eine Woche als Projektdauer wurde jedoch von den meisten TeilnehmerInnen als zu kurz empfunden, da man sich gerne in den Bereichen Theater und Literatur noch mehr ausprobiert hätte.

 

Auch für zakk, FFT und Diakonie war das Projekt sehr spannend und bereichernd, da die verschiedenen Kompetenzen, Sichtweisen und Arbeitsschwerpunkte in dem Projekt produktiv zusammengeführt werden konnten. „Nichts kann bleiben wie es ist“ war die erste Kooperation dieser drei Organisationen. Die gute Besprechung des Projekts in den Lokalmedien war für alle Kooperationspartner ebenfalls sehr positiv.

 

Insgesamt kann „Nichts kann bleiben wie es ist“ sowohl von Teilnehmer- wie auch von Veranstalterseite insofern als voller Erfolg angesehen werden, als dass die Projektziele voll erreicht werden konnten und durch die guten und zahlreichen Ergebnisse während des Workshops gezeigt wurde, dass es ein dringendes Bedürfnis für einen generationsübergreifenden- und interkulturellen Austausch gibt. Deshalb soll die gemeinsame Arbeit 2012 in anderen Projekten fortgesetzt werden.

 

 

Antrag Nr. 75: Kabawil e.V., Düsseldorf - Balladen: Tanzende Texte!

 

Das Projekt Balladen startete Anfang Oktober 2011 mit einem „Schnuppertermin“. Angeschrieben waren ca. 60 Jugendliche, die im Laufe der vergangenen Jahre bei Kabawil Projekten mitgewirkt hatten, zusätzlich wurde über das Jugendamt in einigen Einrichtungen der offenen Jugendarbeit informiert.

Zum „Schnuppertermin“ kamen zunächst knapp 20 Jugendliche, viele davon waren von „Ehemaligen“ mitgebracht worden. Die drei Dozent/innen Dorothea Gädeke (Stimme, Gesang), Othello Johns (Tanz) und Abiodun Odukoja (Musik, Rap) stellten sich mit animierenden Beiträgen vor und sorgten dafür, dass alle Jugendlichen dabei mitmachten. Im Anschluss daran erklärte Dorothea Gädeke das Projekt und brachte Beispiele für Balladen, die von Abiodun Odukoja spielerisch in Rap Texte übertragen wurden. Auch hierbei wurden die Jugendlichen zum mitmachen animiert. Es wurden Termine für Wochenendtage im Zeitraum Oktober bis Ende November ausgemacht. Die Jugendlichen wurden aufgefordert, anderen Interessenten Bescheid zu geben.

An den nächsten drei Terminen wurde stundenweise mit den einzelnen Genres gearbeitet: Tanz immer zu Beginn, Stimme und Gesang, meist als Zusammenarbeit von D. Gädeke und A. Odukoja. Bei dritten Treffen stand nach dem obligatorischen „warm up“ mit Tanz Textarbeit an. Die Jugendlichen, inzwischen ca. 25 an der Zahl, wurden in Gruppen eingeteilt und schauten sich ältere Balladentexte und neuere Texte von Singersongwritern an. Dabei wurden auch Texte aus einem früheren Kabawil Tanztheaterstück „Leila und Madschnun“ sowie andere Texte aus afrikanischen Volksweisen vorgestellt. Es wurde im Plenum ausgetauscht und abgestimmt, welche Texte zur Grundlage für die Überarbeitung genommen werden sollten.

 

Die weiteren Termine waren direkt durch die Umsetzung zu einer kleinen Performance aus Tanz, Gesang und Rap bestimmt. Am Sonntag, den 27.11.11 gab es eine kleine Aufführung in den Räumen von Kabawil, zu der Freunde und Eltern eingeladen waren.

 

 

Antrag Nr. 76: Farbfieber e.V., Düsseldorf – Kinderwelten

 

Nach langem, tristem Aussehen ist die Außenfassade der städtischen Kinderfreizeiteinrichtung „Kinderspieltreff“ an der Oberbilker Allee 1 in Zusammenarbeit mit Klaus Klinger vom Verein Farbfieber e.V. neu gestaltet worden und ist jetzt zu einem einladenden Blickfang an der vielbefahrenen Straße geworden. Vorher war es ein stark verschmutztes graues Haus und man konnte nicht einmal erkennen, dass sich dort eine Kindereinrichtung befand. Jetzt strahlt es einladend aus und die Kinder sind stolz darauf mitgeholfen zu haben.

Im Vorfeld fanden mehrere Workshops mit den Kindern aus dem Stadtteil mit hohem Migrationsanteil statt, um sie an der Ideenfindung zu beteiligen. Entstanden sind mehrere Figuren, die einen Bezug zu den Aktivitäten im Kinderspieltreff haben - Sport und Hausaufgabenhilfe, Mädchengruppe und Umwelt. Aus den Entwürfen wurden dann mehrere Figuren an die Wand gemalt.

Grundsätzlich muss man sagen, dass die Fähigkeit mit Bleistift, Pinsel und Farben umzugehen und sich auszudrücken, bei den Kindern immer mehr zurückgeht. Das heißt das Basisfähigkeiten- und Wissen erst einmal entwickelt werden müssen. - wie z.B. zeichne ich eine Figur, wie mische ich Farben. Jetzt überlegt der Kindertreff, ob er Zeichnen und Malen als Kursangebot 2012 einführt.

Auch aus der Nachbarschaft kamen viele positive Reaktionen, gerade weil dort die Umgebung nur von Billigdiscounter, Fastfood und sehr großem Verkehrsaufkommen bestimmt wird.

 

 

Antrag Nr. 79: Kulturhaus Neuasseln, Dortmund -Mitmach-Ausstellung „Erinnerungen einmachen“

 

Eine Stunde ist nicht nur eine Stunde; sie ist ein mit Düften, mit Tönen, mit Plänen und Klimaten angefülltes Gefäß. Was wir die Wirklichkeit nennen, ist eine bestimmte Beziehung

zwischen Empfindungen und Erinnerungen. (Marcel Proust)

 

Im Mittelpunkt dieses Projekts stand ein ganz gewöhnlicher Alltagsgegenstand: Ein Einmachglas mit rotem Einmachring und Metallverschluss. Das Behältnis für die Erinnerungen beinhaltete das Foto eines toten Menschen, einen Gegenstand, der an diesen Menschen erinnert und ein haptisch interessantes (Natur-)material. Das Zusammenspiel von etwa hundertfünfzig dieser Gläser in der Lichtinstallation von Jürgen Mans entfaltete in der Pauluskirche Dortmunds eine starke und eigentümliche Wirkung.

 

Das Mitmach-Projekt hat in vielerlei Hinsicht unsere Erwartungen übertroffen: Dafür steht die Dichte und Intensität der Atmosphäre auf der Vernissage. Es kamen über 250 Menschen, die alle in besonderer Weise am Entstehen der Lichtinstallation beteiligt waren. Die starke emotionale Beteiligung durch den Prozess des Erinnerns führte zu einer gesteigerten Aufmerksamkeit und Wahrnehmung. Die eingemachten Köstlichkeiten rundeten die Veranstaltung kulinarisch ab und schafften den thematischen Anlass sinnlich in die Gegenwart einzutauchen. Auch die Reaktionen der Öffentlichkeit waren rege und positiv: So wurden wir von den örtlichen Tageszeitungen mit zahlreichen Artikeln vor allem im Vorfeld begleitet. Nur so konnte die Partizipation vieler Menschen gewährleistet werden. Auch die Nachfrage von Gruppen an einer thematischen Einführung überstieg die Erwartungen.

 

Sogar das Lokalfernsehen des WDR in Dortmund machte auf unser Projekt aufmerksam. Die Dortmunder Bürgermeisterin Birgit Jörder konnte für die Ausstellungseröffnung gewonnen werden. Ursprünglich gingen wir von 250 Gläsern aus, aber es wurde schnell deutlich, dass mit jedem

gefüllten Glas mehr Kommunikation verbunden war, als wir das zu Projektbeginn eingeschätzt hatten. Außerdem wurden eine ganze Reihe von Gläsern nicht nur von einer, sondern von einer ganzen Gruppe von Menschen gefüllt (Familien, Schulklassen…). Die eingehende Beratung und der intensive Prozess des Gestaltens schlugen sich allerdings in einer größeren gestalterischen Qualität nieder.

Wir werten den Versuch, auf der Suche nach einer lebendigen Erinnerungs- und Trauerkultur

mit neuen Formen zu experimentieren als gelungen. Zumal so stark von traditionellen

Kulturformen geprägte Organisationen wie diverse Friedhofsgärtner-Genossenschaften und

auch Kirchengemeinden mit von der Partie waren. Die nachhaltige Erneuerung der tradierten

Formen von Erinnerungsarbeit mit neuen Impulsen aus der Soziokultur und der Kunst muss

unserer Meinung nach vorsichtig und behutsam vor sich gehen, da das Thema Tod und

Erinnerung an Tote in unserer Kultur mit vielen Ängsten verbunden ist.

Positiv werten wir auch das Interesse an der Wanderschaft der Ausstellung: Es zeichnet sich

ab, dass die Ausstellung in Recklinghausen, Gelsenkirchen, Karlsruhe und evtl. Hamburg

gezeigt und dort durch neue Gläser erweitert werden wird.

Viele Dortmunderinnen reagierten prompt auf den Aufruf in der Presse im September 2011

und schenkten uns Einmachgläser aus ihren Kellern. Die Friedhofsgärtner-Genossenschaft

war maßgeblich bei der Abholung, Entgegennahme und Ausgabe der Gläser beteiligt und

begleitete das Projekt auch inhaltlich engagiert.

Diese ersten Begegnungen mit Interessierten waren gekennzeichnet durch Geschichten und Erinnerungen an eine Zeit ohne Tiefkühlkost.

Wahrscheinlich haben Menschen aus dem Ruhrgebiet eine ganz besondere Beziehung zu Einmachgläsern. Gab es hier doch eine große Dichte von Selbstversorgergärten in den Bergarbeitersiedlungen, deren Ernte für den Winter konserviert wurde und die Ernährung in dieser Jahreszeit sicherte.

 

Insgesamt haben 156 Menschen ein Glas für die Ausstellung gefüllt.

Aus den acht (geplant waren zunächst fünf) einführenden Workshops kamen ca. ein Drittel

der Gläser. Sie fanden statt:

im Minna-Sattler-Seniorenheim in Dortmund,

in der Ev. Johannes-Kirchengemeinde und im Lutherhaus in Recklinghausen,

in den 11. Klassen der Annette-Droste-Hülshoff-Realschule in Dortmund

im Anna-Zillken-Berufskolleg in Dortmund,

bei der Anti-Rechts-AG der Annette-Droste-Hülshoff-Realschule in Dortmund,

in der Katholischen Landfrauen Gemeinschaft der Michael-Gemeinde in Dortmund,

und in der Europa-Gesamtschule in Dortmund.

 

Gerade die Gläser der SchülerInnen verbreiterten das Altersspektrum der Teilnehmenden,

denn die Menschen, die sich sonst für die Erinnerungsarbeit interessierten, waren eher vierzig

Jahre und älter. Nicht nur der Wandel der Fotografie, sondern auch die Auswahl der

Erinnerungsgegenstände, aber auch die Art der beigefügten Texte unterschieden die

Generationen voneinander.

Auffällig war, dass wir viele Menschen erreichen konnten, die sonst eher keinen Zuggang zu

Soziokultur oder Kunst haben.

Die Mehrdeutigkeit und Rätselhaftigkeit der gezeigten Gläser schuf Gesprächsanlässe und

Berührungspunkte zwischen unterschiedlichsten Menschen.

Das kollektive Gedächtnis des Alltags umfasste die Erinnerung an bekannte und unbekannte,

an junge und alte Menschen aus Dortmund und dem östlichen Ruhrgebiet. Die Menschen, an

die erinnert wurden, waren noch nicht geboren oder auch 97 Jahre alt, das Gros jedoch war alt

und starb auf mehr oder weniger natürliche Weise am Ende seines Lebens.

In diesen Gläsern fanden sich Handarbeiten, Gewürze und kulinarische Erinnerungen etwa an

leckere Suppen, aber auch Kleidungstücke, Musikinstrumente oder verrostete Nägel. In den

Gläsern, die an Menschen erinnerten, die eher gewaltsam aus dem Leben gerissen wurden,

befanden sich manchmal Gegenstände, die von deren Todesursache erzählten.

 

Es gab auch einige Gläser, die die dunkle Vergangenheit der Nazizeit ans Licht holen. Einer

jüdischen Familie aus Dortmund-Kirchlinde wurden einige Gläser gewidmet, die alle -bis auf

eine- im Konzentrationslager umkamen.

Auffällig ist, dass es gleich fünf Gläser gibt, die von ungeborenen Kindern erzählen. Das

zeugt von der mangelnden Aufmerksamkeit für die Trauer der Eltern vor gar nicht allzu

langer Zeit. Glücklicherweise hat sich daran schon einiges geändert.

Typisch für das Ruhrgebiet ist aber auch der interkulturelle Blick: Da erinnert sich ein

Dortmunder Mädchen aus Sri Lanka an ihren starken Vater, ein Dortmunder Schauspieler

widmet seiner toten Mutter in Nigeria ein Glas. Eine bosnische Studentin sinnt ihrer tot

geborenen Schwester nach.

Bemerkenswert war, dass 80 Prozent der Teilnehmerinnen weiblich waren. Erstaunlicherweise waren aber die Menschen an die sie sich erinnerten überwiegend

männlich.

Die „Füllanleitung“ würden wir bei nachfolgenden Ausstellungen etwas freier handhaben.

Menschen, die sich sonst wenig mit gestalterischen Fragen beschäftigen, waren froh um die

Anleitung; Menschen, die eine klare gestalterische Vorstellung vom Inhalt ihres Glases

hatten, wünschten sich mehr Spielraum. Die Fotografie, als ein Genre, das ja wie kein anderes

für das An-/Innehalten der Zeit steht, ist als verbindendes Element allerdings dringend

notwendig.

Auch die Verknüpfung mit den dazugehörigen selbst geschriebenen Texten der

Teilnehmenden spiegelte die Vielschichtigkeit der Geschichten und Gefühle wieder, die im

Mirkokosmos eines jeden Glases stecken. Außerdem trugen die Texte bei der Rezeption

wesentlich zum Verständnis bei.

Die enge inhaltliche Zusammenarbeit mit dem Objektkünstler Jürgen Mans schuf den geeigneten Rahmen für die vielen Geschichten, die uns anvertraut wurden. Denn erst die

Zusammenführung der Gläser ließ aus individuellen Erinnerungen ein neues Ganzes entstehen. Die Installation von Jürgen Mans erinnert zugleich an einen profanen Kiosk und an

einen heiligen Schrein und genau dieses Spannungsverhältnis beschreibt die Polarität einer lebendigen Erinnerungsarbeit.

 

Die Texte der Teilnehmerinnen über ihre Erinnerungen waren nicht in die eigentliche Installation integriert. Text und gestaltetes Glas wurden bewusst zugunsten einer stärken Wirkung der Gläser getrennt. So fanden die BetrachterInnen die Texte auf den sogenannten Sterbebildchen, die in Fotoalben – klassische Behältnisse vieler Erinnerungen – zu finden waren. Die Präsentationsdidaktik hatte zum Ziel, dass nur durch aktive Rezeption eine Aneignung stattfinden konnte. Es war vorgesehen, dass die BetrachterInnen ein solches

Sterbebildchen vom Betreffenden auch mit nach Hause nehmen konnten. Viele erzählten uns, dass sie durch diese Form weiterhin mit Menschen ins Gespräch kamen, die nicht die eigentliche Ausstellung gesehen hatten. Dadurch entstand ein Austausch u.a. über die Objektivität oder Subjektivität von Erinnerung und beim einen oder der anderen auch das Bedürfnis selbst ein Glas zu füllen.

 

Allerdings war die Erstellung der Sterbebildchen und ihr Druck so aufwändig, dass in Zukunft

neue Formen konzeptionell bedacht werden müssen.

Sehr zeitaufwändig gestaltete sich die Suche nach einem geeigneten Ort für die Ausstellung.

Unser Favorit war ein Ladenlokal in Dortmunds Innenstadt, das aus finanziellen Gründen

nicht gemietet werden konnte. Die weltoffene Pauluskirche am Rande der nördlichen

Innenstadt stellte allerdings eine gute Alternative dar. Durch ihre optimalen Lichtverhältnisse

und die dicken Mauern, bot sie der Fragilität der Erinnerungen einen guten, geschützten

Raum. Auch die Sicherheit der Gläser konnte durch das anwesende Personal während der

Öffnungszeiten (3x/ pro Woche plus Veranstaltungen) gewährleistet werden.

Schätzungsweise haben innerhalb der zwei Wochen ca. 1000 Menschen die Installation gesehen.

Positiv auf das Interesse der Öffentlichkeit wirkte sich auch ein kleine Auftaktausstellung mit

einigen Gläsern Anfang November 2011 in der zentral gelegenen Berswordthalle (Rathaus) in

Dortmunds Innenstadt aus.

Leider konnte der Musik- und Literaturworkshop mangels Teilnahme nicht stattfinden, aber

der Kunstworkshop ermöglichte eine intensive ästhetische Auseinandersetzung mit Zeit und

Vergänglichkeit. Die Ergebnisse wurden auf der Vernissage gezeigt. Die Musikpädagogen

konnten alternativ für eine interaktive musikalische Einführung bei der Eröffnung gewonnen

werden.

Dokumentiert wird das Projekt auf der Internetseite www.erinnerungsgarten.com. Auch die

Presseartikel und alle Sterbebildchen plus Text sind dort einsehbar.

 

Zentral war nicht nur das Gedenken an eine tote Persönlichkeit und die gemeinsame

Vergangenheit, sondern auch das Bewusstsein für die kostbaren Augenblicke der Gegenwart.

Sozusagen prophylaktisch und im Sinne eines aufmerksamen Umgangs mit der Zeit und nicht

zuletzt eines aufmerksamen Umgangs mit der Kunst zu leben, braucht es allerdings noch mehr Raum und Räume für Er-Innerung. Die Soziokultur kann durch ihre ästhetischen

Formen einen wichtigen Beitrag dazu leisten.

 

 

Antrag Nr. 81: Bunker Am Ulmenwall, Bielefeld – Der wilde, ungezähmte Chor

 

Vom 13.-16. Oktober 2011 führte der Bunker Ulmenwall e.V. einen Gesangsworkshop für Kinder, Jugendliche und Erwachsene mit dem international renommierten Vokalisten und Gesangstrainer Phil Minton durch. Mit 38 Teilnehmenden wurde ein Chor initiiert, der am Abschlusstag das gelernte Repertoire in seiner außergewöhnlichen Bandbreite in der Neustädter Marienkirche vorführte. Während des dreitägigen Workshops im Bunker Ulmenwall und in der Gertrud-Bäumer-Schule wurden stimmliche Laute und individuelle gesangliche Möglichkeiten der Teilnehmerinnen und Teilnehmer trainiert und erforscht. Dabei war nicht gesangliches Talent gefragt, sondern Freude am Ausprobieren der Stimme. Das Projekt wurde zudem musikpädagogisch durch Vokalistin Audrey Chen begleitet sowie auf Film und Foto von MitarbeiterInnen dokumentiert. Die Dokumentation wurde auf DVD veröffentlicht.

 

 

Antrag Nr. 82: Druckerei Bad Oeynhausen - Soziales Familienfrühstück

 

Das Projekt „soziales Familienfrühstück“ wurde am Sonntag den 27.11.2011 durchgeführt.

An dieser Veranstaltung nahmen 28 Familien der Stadt Bad Oeynhausen teil. Über 100 Personen, davon mehr als die Hälfte Kinder hatten damit die Möglichkeit gemeinsam zu Frühstücken und im Anschluss die Inszenierung „das kleine Ich bin Ich“ der Berliner Schauspielerin vom Theatergeist zu erleben.

Unser Ziel, sozial benachteiligten Familien aus unserer Stadt damit einen Zugang zu Kultur zu bieten und eine gemeinsame Unternehmung zu ermöglichen ist mit dieser Aktion voll geglückt. Es gab einen regen Austausch zwischen den Familien und für die Kinder die Möglichkeit sich mit dem Thema „wer bin ich“ auseinander zusetzen.

Auch die beteiligten familienunterstützenden Dienste der Stadt Bad Oeynhausen, die ihre Familien in unserem Namen zu dieser Veranstaltung geladen hatten waren sehr begeistert und haben auch im Nachhinein positives Feedback der Teilnehmer erhalten.

Über den großen Zuspruch haben wir uns sehr gefreut und planen daher diese Veranstaltung zu wiederholen.