1. Ausschreibung über die Förderung aus der allgemeinen Projektförderung sowie dem Integrationsplan, hier Flucht und Migration,  2019 der Landesarbeitsgemeinschaft Soziokultureller Zentren (LAG NW) 30.10.2018

 

Auf Grundlage der Grundsätze und Förderrichtlinien zur Vergabe von Projektmitteln der LAG NW erfolgt hiermit die 1. öffentliche Ausschreibung dieser Fördermittel aus allgemeinen Projektförderung sowie dem Integrationsplan, hier Flucht und Migration für 2019.

Die Ausschreibung erfolgt vorbehaltlich des Haushaltsbeschlusses vom Landtag NRW. 

 

Die Vergabe von Mitteln der LAG NW für Kooperationsprojekte an örtliche Träger erfolgt auf der Grundlage folgender Punkte:

 

1. Voraussetzung der Kooperation ist ein entscheidungsreifer Antrag. Im Einzelfall ist eine Beratung der Antragsteller durch die Geschäftsstelle möglich.

 

2. Über die Kooperation entscheidet der Beirat der LAG NW. Der Rechtsweg ist ausgeschlossen. Die Geschäftsstelle teilt die Entscheidungen des Beirats den Antragstellern mit.

 

3. ACHTUNG: Die Antragsfrist für die Abgabe der Anträge 2019 ist Freitag, 30.11.2018, 23.59 Uhr. Das gilt per Mail. Anträge bitte nur digital einreichen.

 

Die LAG NW veranschlagt ca. 3 - 4 Wochen für die Entscheidungsfindung, d.h. Zusammenstellung der Anträge, Versand der Anträge an den Beirat, Vorbereitung des Beirates, Beiratssitzung und Mitteilung an die Antragsteller.

 

Im ersten Verfahren wurden ca. 60 % der Mittel vergeben (plus/minus 10%). Die Höhe der Projektmittel für das Jahr 2019 steht noch nicht genau fest.

Für den anderen Teil gibt es dann eine zweite Ausschreibung. Hier ist die Frist voraussichtlich der 1. Mai 2018.

 

Hinweis: Eine gleichzeitige Beantragung von Fördermitteln für das gleiche Projekt bei der LAG NW und beim NRW Landesbüro Freie Darstellende Künste e.V. in Dortmund ist möglich. Eine gleichzeitige Förderung ist jedoch nicht möglich!

 

4. Die Antragstellung an die LAG NW erfolgt mit einem Formblatt (Formblätter und Vorlagen auf soziokultur-nrw.de unter Downloads). Dieses Formblatt ist verpflichtend. Bestimmte Angaben, sofern nicht schon bekannt, sind jedoch erforderlich für die Entscheidungen des Beirats. Fehlen folgende Angaben, kann der Antrag nicht geprüft werden:

 

- Antragsteller, Anschrift, Name der verantwortlichen Person,

- Rechtsform, Satzung, Gemeinnützigkeit

- Arbeitsprogramm (Selbstdarstellung)

- Informationen über bisherige Arbeiten und Projekte

- Beschreibung und Begründung des Vorhabens (Projektbeschreibung)

- Beginn und Abschluss des Vorhabens (Zeitplan) Achtung: Die Projektmittel sind an das Haushaltsjahr gebunden, das heißt, die Projekte müssen bis zum 31.12.2019 abgeschlossen sein.

- Kosten- und Finanzierungsplan (Formblätter und Vorlagen auf soziokultur-nrw.de unter Downloads). Diese Vorlage ist ab Antragstellung für die Projektmittel 2019 verpflichtend. Eine Musterabrechnung ist auch auf soziokultur-nrw.de unter Downloads herunterladbar).

 

Die Angaben werden nur für Zwecke der Antragsbearbeitung verwendet. Im Falle einer Förderung und Kooperation wird jedoch vorausgesetzt, dass der örtliche Träger mit der Veröffentlichung des Projektes in den Berichten der LAG NW einverstanden ist.

 

Bei allen Vorhaben oder Maßnahmen, die im Zusammenhang mit dem geförderten Projekt stehen (Plakate, Pressemitteilungen, Dokumentationen), ist in geeigneter Weise auf die Förderung und Kooperation durch das Land NRW und mit der LAG NW hinzuweisen, etwa wie folgt:

 

"(Das Projekt) wird gefördert vom Ministerium für Kultur und Wissenschaft des Landes Nordrhein-Westfalen durch die Landesarbeitsgemeinschaft Soziokultureller Zentren Nordrhein-Westfalen (LAG NW)."

Die entsprechenden Logos sind dafür auch zu verwenden und unter der Download-Sektion auf soziokultur-nrw.de bzw. direkt unter http://www.soziokultur-nrw.de/logos zu finden.

 

5. Künstlersozialkasse und Steuern: Zuwendungsempfänger haben darauf zu achten, dass, wenn sie selbstständige KünstlerInnen und Publizisten engagieren, sie auch für Künstlersozialabgabe verantwortlich sind. Das gilt auch für Zuwendungsempfänger, sofern sie natürliche Personen sind bzw. sich in einer GbR organisiert haben.

Ebenfalls verantwortlich sind Zuwendungsempfänger für Steuern sowie der GEMA-Gebühren und entsprechender öffentlicher Abgaben.

 

6. Einige Bewilligungsgrundsätze:

 

Die Bewilligung der von der LAG NW bewilligten Mittel ist zweckgebunden. Der Verwendungszweck ist im Kooperationsvertrag/Zuwendungsbescheid angegeben. Der Bewilligungsempfänger ist verpflichtet, die Einwilligung der LAG NW für die beabsichtigte Änderung des Zuwendungszweckes einzuholen.

 

Der Bewilligungsempfänger hat eigenverantwortlich für die Einhaltung gesetzlicher Bestimmungen und behördlicher Anordnungen Sorge zu tragen, insbesondere auch etwa erforderliche behördliche Erlaubnisse einzuholen. Die LAG NW haftet nicht für Schäden, die dem Bewilligungsempfänger oder Dritten aus der Durchführung des gemeinsamen Vorhabens entstehen.

 

Die LAG NW behält sich das Recht auf Widerruf der Bewilligung und Rückforderung der gezahlten Gelder vor, wenn die Bewilligungsbedingungen nicht beachtet, insbesondere die Mittel nicht zweckentsprechend verwendet werden. Vertreter der LAG NW haben das Recht, den Zuwendungsempfänger - ggf. auch während des laufenden Projektes - zu besuchen und die sachgemäße Durchführung des Projektes zu prüfen.

 

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Die Ausschreibung dieser Förderung unterteilt sich in zwei Schwerpunkte:

 

1 Allgemeine Projektförderung wie bisher

 

2  Projektmitteln der LAG NW mit der Zielgruppe Geflüchtete, Flucht und Migration und Integration

 

A) Projektförderung der LAG NW mit Zielgruppe Geflüchtete

 

Die Projekte sollten sorgfältig ausgesucht, nachhaltig abgesichert und möglichst oder in der Regel auch zukünftig weiter geführt werden können. Integration ist eine langfristige Aufgabe und so sollten sich auch die Projekte darstellen und dann realisiert werden. Die Umsetzung sollte in möglichst unterschiedlichen Formen und möglichst flexibel entlang der unterschiedlichen örtlichen Bedingungen realisiert werden.

 

Ein erheblicher Teil der Anfragen und Anträgen der Projektförderungen haben nach wie vor Geflüchtete im Blick. Diese Projekte zu unterfüttern und auszubauen sowie neue Projekte zu unterstützen und auch eine längerfristige Perspektive zu geben, ist Ziel dieser Ausschreibung. Das schließt ein, ein Netz von Migrations- und Integrationsbeauftragte in den soziokulturellen Zentren in NRW mit langfristiger Perspektive zu entwickeln.

Wie oben ausgeführt, beschäftigen sich die soziokulturellen Zentren in NRW intensiv mit dem Thema Migration/Integration. Mit der stark zugenommen Zuwanderung durch Flüchtlinge seit dem Sommer 2015 stellen sich (nicht nur) für die Zentren neue Heraus- und Anforderungen, die weit über das bisherige Maß an Aktivitäten hinausgehen. Mit den vorhandenen personellen und finanziellen Mitteln sind diese vor allem langfristig nicht mehr zu bewältigen. Die Zentren verfügen dabei über entsprechende Potenziale. Mit den vorhandenen und ohnehin sehr knappen Personal- und Finanzausstattungen sind diese neuen und zeitintensiven Herausforderungen allerdings nicht zu schaffen. Benötigt wird ein Programm, das vor allem auf zusätzliches und fachlich qualifiziertes Personal bzw. auf Stundenaufstockung der derzeitigen MitarbeiterInnen setzt.

 

Das beinhaltet auch vertiefende, qualitative „Erweiterungen“ (ob Personal, Materialien, etc.) und eine Intensivierung einer soziokulturellen Kooperationsstruktur, d.h. Stärkung der regionalen wie überregionalen Zusammenarbeit von Zentren, gerade auch im Bereich der Integrationsmaßnahmen und der Projektmaßnahmen.

 

B) Investitionsmaßnahmen im Zusammenhang mit Geflüchteten

In den letzten Jahren konnten einige Verbesserungen, insbesondere durch die Landesförderung, im Bereich Ausstattung, Anschaffungen von Bühnentechnik und kleinere Baumaßnahmen erreicht werden. Jetzt besteht bei einigen die Möglichkeit als auch die Notwendigkeit, im Zusammenhang mit den Geflüchteten neue Anschaffungen und Baumaßnahmen zu tätigen.

Darunter fallen z.B. Kabinen für Übersetzer für Kultur- und andere Veranstaltungen; digitale Schrift-Laufbänder bei Veranstaltungen, welche Übersetzungen anzeigen; Einrichtungsgegenstände für den Betrieb von Flüchtlingscafés (von Tischen und Stühlen bis Geschirr), insgesamt räumliche Veränderungen und Verbesserungen, die zum Schutz der Geflüchteten eingerichtet werden; Sanitäreinrichtungen, Spielmaterial, Musikinstrumente: Möglich sind auch Anschaffungen, die in mehreren Zentren kooperativ genutzt und eingesetzt werden können. Eine genaue Bedarfsanalyse wird abgefragt und erstellt. Grundsätzlich gilt, dass die jeweiligen Maßnahmen und Anschaffungen im direkten Zusammenhang mit dem Thema Flucht und Geflüchtete stehen müssen.

 

C) Maßnahmen zur Ermöglichung von Ausbildung und Begleitung der Ausbildung

für Ausbildungsberufe, Praktika, Volontariate, FsJ, Bufdi`s u.a.. Das beinhaltet nicht nur die direkten Kosten für die Geflüchteten (Ausbildungsvergütung, Praktikavergütung, Volontariatsvergütung u.a.), sondern auch die Begleitung und Betreuung.

Dieses Personal soll in unterschiedlicher Form, aber nur für den Bereich „Flucht“ eingesetzt werden. Die Einhaltung des Mindestlohnes ist natürlich zwingend:

- Überstunden vom bereits vorhandenen Personal (Beispiel: 5 Stunden die Woche, 20 im Monat x 35 Euro brutto einschl. AG Anteil gleich 700 Euro)

- Aufstockung von Teilzeitkräften (z.B. von 20 Stunden auf 40 Stunden – Beispiel: 20 Stunden x 4,2 Wochen * 35 Euro = 2.940 Euro monatlich)

- Befristete sozialversicherungspflichtige Beschäftigte – Beispiel: 20 Stunden x 4,2 Wochen * 35 Euro einschl. AG Anteil = 2.940 Euro monatlich)

- 450 Euro Kräfte

- Honorarkräfte z.B. auch für die Übertitelung und Übersetzung

- u.a.

 

 

Hintergrund:

 

Weiterhin drängen Menschen auf Grund von Verfolgung, Krieg, Armut und Perspektivlosigkeit nach einer langen, mühsamen Flucht nach Europa, auch wenn die Zahl derzeit  sinkt. Viele davon wollen auch nach Deutschland und sie kommen vermehrt in unseren Städten an. Sie werden weiterhin herzlich begrüßt und von Organisationen und vielen freiwilligen Helfer*innen versorgt. Das ist einerseits notwendig und gleichzeitig ein starkes Zeichen gesellschaftlicher Solidarität. Das Rechtsradikale und andere dieses Bild scheinbar durchkreuzen, ändert nichts an der großen Hilfsbereitschaft.

 

Dann kommen sie in Bussen und werden auf Notunterkünfte, Zentrale Unterbringungseinrichtungen des Landes oder auf kommunale Einrichtungen verteilt. Und dann … und verwaltet … und dann?

 

Die LAG NW geht von ihrem Selbstverständnis von den ankommenden Menschen aus. Sie brauchen Ruhe, Sicherheit, medizinische Versorgung und Perspektiven. Perspektiven erhalten sie durch die Anerkennung als Flüchtling und der damit einhergehenden Möglichkeit langfristig in Deutschland zu bleiben, durch den Erwerb der deutschen Sprachkompetenz und die Achtung auf Augenhöhe sowie die Integration in die Gesellschaft und in einen Arbeitsmarkt.

 

Die ankommenden Menschen sind oft traumatisiert, meistens schwer belastet durch die Strapazen der Flucht, aber vielfach sind sie auch sehr kompetent, wissbegierig und es nicht gewohnt, inaktiv zu sein. Nötig ist eine weiterführende Hilfe: Durch Empowerment, also Ermächtigung und Übertragung von Verantwortung kann der Grad an Autonomie und Selbstbestimmung erhöht werden. Menschen sollen in die Lage versetzt werden, ihre Interessen (wieder) eigenmächtig, selbstverantwortlich und selbstbestimmt zu vertreten.

 

Eine langfristige Unterbringung in Massenunterkünften ohne Privatsphäre (Turnhallen, Zeltlagern, Baumärkten etc.), Arbeitsverbote und der Ausschluss von Deutsch- und Integrationskursen, die Herabsetzung von Sozialleistungen und die Verweigerung von Bargeld, und die Verweigerung einer Bleibeperspektive verhindert Integration und spaltet die Gesellschaft und fördert die Bildung von Segregation.

Erste Hilfe in Notsituationen ist gut, richtig und wichtig. Weitergehend müssen aber stabile Strukturen aufgebaut werden, die bestehende Kompetenzen integrieren und nicht alles neu erfinden.

 

Die große Welle der ehrenamtlichen Helfer ist gut, braucht aber dringend professionelle Begleitung (Kein Ehrenamt ohne Hauptamt). Themen wie Abgrenzung, hilflose Helfer, eigene Reflexion, Fremdheit, Macht und Ohnmacht usw. müssen an Hand von praktischen Erfahrungen bearbeitet werden. Ebenso benötigen auch die Sprachmittler, die in den meisten Fällen hinzugezogen werden, professionelle Begleitung. Denn gerade von dieser Gruppe wird schnelle und flexible Hilfe erwartet, die möglichst ohne Kosten geleistet werden soll und die für die „deutschen Helfer“ notwendig ist. Für die Flüchtlinge bilden die Sprachmittler oft einen Hoffnungsanker, da sie in ihrer Muttersprache ihre Probleme benennen können. Selbstverständlich erwarten sie dann von diesen Menschen auch weitergehende Hilfen.

 

Kultur und kulturelle Eigentätigkeit kann ein Mittel sein, die Selbstermächtigung von Flüchtlingen zu begleiten oder zu befördern. Das hat aber zur Voraussetzung, dass dabei die gesellschaftlichen Rahmenbedingungen im Blick gehalten und auch thematisiert werden. Dabei soll der Status als Flüchtling nicht verfestigt werden. Neu zugezogene und länger hier lebende Menschen werden auch bei soziokulturellen Angeboten als gleichwertig behandelt, die unterschiedlichen Problemlagen von Menschen (Arbeitslosigkeit, Armut, Sprachprobleme, Ausgrenzung, Gewalterfahrung etc.) finden dabei selbstverständlich Beachtung (Prinzipien des Managing Diversity).

 

Wir müssen die ankommenden Menschen differenzierter wahrnehmen – es ist nicht nur eine neue Zielgruppe, die wir in unseren Blick nehmen und in unsere Angebote einbinden können, sondern es sind auch zahlreiche KünstlerInnen dabei, denen wir eine Plattform bieten können.

 

Die soziokulturellen Zentren und viele andere Kultureinrichtungen stellen sich der Herausforderung.

 

Wir beziehen uns dabei in der Arbeit auch auf das in dem Integrationsplan genannte klare Leitbild.

 

Grundlegendes Ziel der Integrationspolitik ist ein friedliches Zusammenleben aller Menschen unseres Landes in einer offenen, freiheitlichen und demokratischen Gesellschaft. Das fordern wir ein und das wollen wir fördern. Wir wissen erfolgreiche Integration hat ihre Grundlage in einer beiderseitigen verbindlichen Akzeptanz unserer Grundwerte, die sich aus den Menschen- und Bürgerrechten unseres Grundgesetzes ableiten.“

 

Von den im Integrationsplan genannten fünf Handlungsfeldern beziehen wir uns insbesondere auf die folgenden Bereiche:

 

 

 

 

 

Die soziokulturellen Zentren sind kulturelle Hotspots, die sich zum einen mit gesellschaftlichen Themen beschäftigen und zum anderen den Anspruch verfolgen, für alle Menschen offen zu stehen. Soziokulturelle Zentren sind Experten für Interkultur und Integration. Soziokulturelle Zentren sind generell offen für die Vielfalt der Kulturen. Viele Zentren führen schon seit Jahrzehnten erfolgreich interkulturelle und internationale Projekte durch. Sie sind Treffpunkte von Migrantenselbstorganisation, führen kulturpädagogische Projekte mit Menschen mit Migrationshintergrund durch. Interkulturelle Arbeit bedeutet für soziokulturelle Akteure, die kulturelle Vielfalt der Gesellschaft erlebbar zu machen. Einige Zentren sind Träger für weitergehende Angebote wie landesgeförderte, sogenannte „Regionale Flüchtlingsberatungsstellen“. Hierher kommen Menschen mit Fluchtgeschichte, um sich auf ihr Verfahren vorzubereiten, Fragen zu dem Asylverfahren zu klären, Umverteilungsanträge zu stellen und vieles mehr.

 

Menschen ohne sichere Lebensumstände und Perspektiven brauchen ein Umfeld, das ihnen Beratung, Begleitung, Begegnung, Kontakt und Kultur bietet. Junge und ältere Erwachsene bilden dabei einen nicht unbeträchtlichen Teil der generellen soziokulturellen Nutzerinnen. Wir gehen von einem generationsübergreifenden Ansatz aus und beziehen alle Altersgruppen mit ein.

 

Dazu kommt:

- Soziokultur sind Netzwerkpartner und Querdenker, die nicht alles selbst für die Geflüchteten bieten müssen, aber die Kontakte herstellen und pflegen können.

- Soziokultur kann Begegnungsräume bieten, die nicht zielgebunden mit einem speziellen Angebot verknüpft sind, sondern Begegnung mit Fremden ermöglicht.

- Soziokultur kann den Ort für gesellschaftlichen Diskurs bieten.

- Soziokultur bietet Möglichkeiten und unterstützt Eigenaktivitäten der Geflüchteten durch Kompetenz und Infrastruktur und macht kulturelle Teilhabe erlebbar.

- Wir haben den ganzheitlichen Blick und wissen um die Einbindung eines speziellen Angebotes im Gesamtkontext.

 

Eine Förderung ist aus unserer Sicht sinnvoll, wenn folgende Kriterien erfüllt werden können:

 

 

 

 

Konkret kann die Arbeit dabei wie folgt aussehen:

 

- Fluchtgründe thematisieren und aufzeigen: Viele Menschen arbeiten Ehrenamtlich und Engagiert mit. Kleiderspende, Essensausgabe und vieles mehr wird organisiert. Oft kommt die Frage auf, „aber warum kommen die Menschen gerade jetzt? Was sind die Gründe dafür?“ Soziokulturelle Zentren haben das Knowhow, die Kontakte und Netzwerke um die Gründe aufzuzeigen und das Hintergrundwissen in angemessener Form zu thematisieren. Diesbezügliche Veranstaltungsreihen und inhaltlicher Input helfen Menschen einander zu verstehen, Fremdheit zu überwinden und Toleranz zu entwickeln.

 

- Netzwerke und Kooperationen unterstützen: Soziokulturelle Zentren verfügen über flexible Räume, Netzwerke und entsprechendes Knowhow, das in den Integrationsprozess mit eingebracht werden kann. Dazu ein paar Beispiele:

Unna: Seit längerem gibt es hier einen großen "Runden Tisch gegen Rassismus und Gewalt", der sich natürlich auch mit dem Thema Geflüchtete beschäftigt und direkt vom Bürgermeister gefördert wird. Da ist die Lindenbrauerei mit dabei.

Ahlen: hier gibt es seit vielen Jahren einen „Kommunalen Lenkungskreis Integration“, in dem die Schuhfabrik von Beginn an dabei sind. Über dieses Gremium sind im Laufe der Zeit Kontakte und Vernetzungen, mindestens ein gegenseitiges Kennen der Personen und ihrer Angebote gewachsen. Seit ca. 2 Jahren besteht die Untergruppe „Forum Flucht und Asyl“ zu dem alle Träger eingeladen werden, die direkt mit Geflüchteten zu tun haben. Hier werden praktische Fragen erörtert, aber auch manches Mal Verbesserungen angedacht und Ideen entwickelt. Die Schuhfabrik mit einer Regionalen Flüchtlingsberatungsstelle, die sie seit 20 Jahren betreibt und viel Projektarbeit in dem Bereich Interkultur, ist hier gut vertreten. Wir stellen fest, dass häufig sogar die kleineren Städte besser bei der Vernetzung sind, da die handelnden Personen miteinander bekannt sind.

 

- Grundsätzlich ist die Vernetzung mit dem umgebenden ländlichen Raum notwendig. Praktisch ist sie derzeit oft einfach rein zeitlich kaum zu koordinieren, da nicht nur die MitarbeiterInnen in den Zentren, sondern Alle bereits vor Ort vernetzt bis „verstrickt“ sind. Gute Erfahrungen gab es immer dann, wenn zusammen gearbeitet wurde. Die Schuhfabrik hat ein sehr gutes Netzwerk mit 6 Kultureinrichtungen im Kreis Warendorf, mit denen sie gemeinsam ein jährliches Jugendtheaterfestival auf die Beine stellen. Und im Kreisflüchtlingsrat – ein Zusammenschluss mit den ehrenamtlichen Initiativen für Flüchtlinge des Kreises Warendorf – arbeiten sie seit 20 Jahren mit. Gemeinsame Informationsveranstaltungen, regelmäßige Newsletter und Forderungen an die Ausländerbehörde machen diesen Zusammenschluss aus.

 

- Kultur- & Sprachprojekte: Viele Menschen kommen nach Deutschland und können wenig bis gar kein Deutsch und benötigen sprachliche Unterstützung. Hier können Soziokulturellen Zentren mit Mitteln der Kulturarbeit Sprache, Kultur und Räume aufzeigen und durch ihre vernetzte Arbeitsweise Wege zu anderen Kultureinrichtungen, Jugendfreizeiteinrichtungen schaffen. Und sie können den Fokus auf das Erlernen von unterschiedlichen Sprachen und das Erleben der Vielfalt von Sprache lenken. Damit nehmen sie Einfluss auf die Sichtweisen: weg von der Defizitorientierung zur positiven Wahrnehmung von Vielfalt.

 

- Es bedarf einer Differenzierung zwischen Integration von Geflüchteten, die in der (Groß)Stadt oder „auf dem Land“ wohnen. Hier können die soziokulturellen Zentren einen Beitrag leisten – dezentrale Projekte/Arbeit in Kooperation mit Trägern, Initiativen, kleinen Kulturcafes etc. vor Ort – besonders, dort wo kulturell sehr viel brach liegt bzw. nicht viel realisiert werden kann oder wo es keinen richtigen kulturellen Anlaufpunkt gibt.

 

- Kontinuität: Eigene Projekte zum Thema Flucht können von Soziokulturellen Zentren selbstverständlich organisiert werden. Das Knowhow ist da, die Kapazität an Arbeitskräften nicht. Viele Zentren arbeiten schon lange an der Thematik und bräuchten für zusätzliche Schaffungsprozesse auch zusätzliche Mittel. Gerade bei einem solchen Projekt müssen aber Gelder zur Verfügung gestellt werden, damit Dolmetscher, Künstler*innen und Ideen umgesetzt werden können. Hier ist gerade die Flexibilität ein wichtiger Punkt. Das flexible, schnelle und kontinuierliche Handeln muss gefördert werden.

 

- Arbeitsplätze: Bei einer mittel- bis langfristigen Planung können Soziokulturelle Zentren Ausbildungs- & Arbeitsplätze schaffen. Dafür brauchen die Zentren aber die finanzielle Unterstützung und Ressourcen (Büromaterial, Computer). Schon lange und immer ist ein Ansatz der Soziokulturellen Zentren mit der Basis zu arbeiten und nicht nur für diese. Deshalb müssten selbstverständlich auch die unterschiedlichen "Player" (die Arbeitenden Menschen) bezahlt werden.

 

Generell gilt für alle Maßnahmen:

Durchgeführte Projekte und Maßnahmen im LAG Netzwerk werden nach vorhandenen Mitteln in einfachen Evaluierungsmaßnahmen über angemessenen Begleitmaßnahmen bis hin zu umfangreicheren Wirkungsanalysen qualitativ ausgewertet.

 

Bei allen Maßnahmen soll dabei überprüft werden, inwieweit Geflüchtete in diese Maßnahmen und Stellen integriert werden können: Ob als Projektleiter, ob als Übersetzer, ob als Praktikant oder Auszubildende. Wenn Geflüchtete in diesen Projekten praktische Erfahrungen sammeln, den Ablauf von z.B. Kunst- und Kulturprojekten kennenlernen, stärkt das ihren Integrationsprozess. Damit ist es auch möglich, Ihnen Perspektiven zu geben, ob sie nun kurz- oder langfristig in Deutschland bleiben, ob Sie sozialversicherungspflichtige Beschäftigungen anstreben oder sich selbstständig machen.

 

 

Grundsätze und Förderrichtlinien für die Vergabe von Projektmitteln der Landesarbeitsgemeinschaft Soziokultureller Zentren (LAG NW)

 

Die Landesarbeitsgemeinschaft Soziokultureller Zentren Nordrhein-Westfalen e.V. (LAG NW) führt im Sinne ihrer Satzung solche Projekte durch bzw. wird kooperierend und fördernd bei der Durchführung von Projekten tätig, die die alltägliche Lebenswelt in die Kulturarbeit einbeziehen und zugleich eine Rückwirkung der so entstehenden Formen von Kunst und Kultur in unsere Gesellschaft anstreben.

 

Die im Folgenden aufgestellten Grundsätze und Leitlinien lehnen sich bewusst an die bewährte Praxis des Fonds Soziokultur e.V. an, der seit 1988 bundesweit soziokulturelle Projekte fördert.

 

Soziokulturelle Praxis soll der Entfaltung der ästhetischen, kommunikativen und sozialen Bedürfnisse und Fähigkeiten aller Bürger dienen. Sie leistet damit einen Beitrag zur Erhaltung und Weiterentwicklung der kulturellen Chancengleichheit und der demokratischen Kultur unseres Landes.

 

Ziel ist die Entwicklung der kulturellen Bildung der Kinder- Jugendlichen und Erwachsenen durch Vermittlung und Aneignung kultureller und künstlerischer Ausdrucksformen und Ermutigung und Befähigung zur aktiven Teilnahme am gesellschaftlichen Leben.

 

Leitlinie bei der Auswahl der Kooperationsprojekte durch die LAG NW ist die Stärkung von Innovation und Kontinuität soziokultureller Praxis. Sie versteht sich als Hilfe zur Selbsthilfe, indem sie die Selbstorganisation und Selbstverantwortung in der Kulturarbeit unterstützt. Darüber hinaus sollen die Vorhaben beispielgebend sein für die weitere Entwicklung der Soziokultur. Insbesondere werden auch solche Projekte gefördert, die die Kooperation und Vernetzung in der Kommune, in der Region bzw. im Land Nordrhein-Westfalen zum Ziel haben.

 

Wichtig für die beantragten Projekte ist es, dass sie Kunst und Kultur nutzen, um mit den NutzerInnen des Zentrums, BürgerInnen aus dem Stadtteil und aus der Stadt u.a. eigene kulturelle Akzente setzen und um breitere Bevölkerungsschichten einen Zugang zu Kunst und Kultur zu ermöglichen. Diese Projekte sollten exemplarisch sein in der Stadt, in der Region bzw. auch Ideengeber für Nachahmer. Wichtig dabei ist, dass diese Kulturprojekte nicht nur Angebote zum Konsumieren sind, sondern auch die Möglichkeit für viele bieten, Kultur selbst zu gestalten. Das gilt insbesondere für Projekte, die die Sparten Theater, Musik, Kunst und neue Medien nutzen.

 

Die LAG NW fördert insbesondere Vorhaben, die sonst aus finanziellen Gründen nicht realisierbar wären. Dazu gehören in erster Linie an gesellschaftlichen Fragen orientierte kulturelle Projekte, die - weil sie spartenübergreifend und in den Grenzbereichen von kultureller, sozialer und politischer Arbeit angesiedelt sind - allzu häufig zwischen die Raster an klassischen Sorten orientierter Kulturförderung fallen. Freien Trägern (Initiativen, Vereinen) wird der Vorrang gegeben vor öffentlichen Antragstellern.

 

Die Förderung mit örtlichen Trägern erfolgt in der Regel in der Form, dass die LAG NW für einen Antrag bei ihr eingereichtes Vorhaben die Mitverantwortung übernimmt, in dem sie einen Teil des entstehenden finanziellen Fehlbedarfs trägt. Die Verantwortung für die Durchführung vor Ort und die Einwerbung weiterer Mittel liegt bei den örtlichen Kooperationspartnern.

 

Kooperationen werden vereinbart für zeitlich befristete Projekte. Regelmäßige Kooperationen sind nicht vorgesehen. Die Mittel der LAG NW sollen dabei so eingesetzt werden, dass weitere öffentliche und/oder private Finanzierungsquellen erschlossen und mobilisiert werden.

 

Die Kooperation setzt in der Regel eine angemessene Eigenleistung der örtlichen Träger voraus, die über Geld, Sachmittel und Arbeitsleistungen eingebracht werden kann.

 

In der Gesamtheit der von der LAG NW mit getragenen Projekte soll die Bedeutung soziokultureller Arbeit für das Land Nordrhein-Westfalen sichtbar werden.

 

Ein besonderes Anliegen ist dabei, soziokulturelle Projekte auch in Bereichen Nordrhein-Westfalens zu realisieren, in denen die soziokulturelle Infrastruktur bisher nur schwach ausgebildet ist.

 

Auf die Auswertung und Dokumentation der Ergebnisse und Erfahrungen wird besonderer Wert gelegt.

 

Zur Vergabe dieser Mittel wird von der LAG NW ein Beirat gebildet, der von der Mitgliederversammlung der LAG NW gewählt wird. Der Beirat sollte aus mindestens 5, höchstens 12 Personen bestehen. Dem Beirat sollten die Geschäftsführung der LAG NW, Programmexperten sowie nach Möglichkeit Experten aus der kulturtheoretischen und -praktischen Öffentlichkeit angehören. Der Beirat wird für ein Jahr gewählt. Wiederwahl ist möglich.

 

Der Beirat wird insbesondere auf Grund folgender Thesen und Fragestellungen die Anträge bewerten:

 

Visionen:

Welche künstlerischen, gesellschaftlichen, (kultur)politischen Ideen, Vorstellungen und Perspektiven liegen dem Projekt zu Grunde?

 

Zusammenhänge:

Welche Zusammenhänge werden im Haus, in der Kommune, in der Region hergestellt?

 

Zusammenhang von Prozess und Ergebnis:

Das Verhältnis von Prozess und Ergebnis und deren Bedeutung müssen im Projektantrag aufgedeckt werden. Am Ergebnis allein ist die Prozesswertigkeit eines Projekts nicht zu erkennen. Die Ergebnis- und Prozessorientierung ist von Projekt zu Projekt unterschiedlich und sollte erläutert werden.

 

Vernetzung:

Die Vernetzung der verschiedenen Anforderungen, Interessen und Ansprüche sollte sich in der "inneren Schlüssigkeit" des Antrages dokumentieren. Die Vorteile und Weiterentwicklung für alle Partner sind darzustellen.

 

Flexibilität:

Überraschungen, Entdeckungen müssen im Rahmen des Projektes möglich bleiben - Flexibilität des Korsetts.

 

Experimenteller Charakter:

Der experimentelle Charakter sollte deutlich werden: innovativ, faszinierend, interessierend.

 

Kontrollierbarkeit:

Wie können gelungene Projekte transportiert werden?

 

Nicht gefördert werden reine Veranstaltungen und Veranstaltungsangebote (Verhältnis von Rezipient/und Konsument und Produzent muss klar sein). Und nicht gefördert werden reine Investitionen, reine Anschaffungs- und Umbaumaßnahmen.

 

Dem Beirat als auch andere Mitglieder der LAG NW sollte ermöglicht werden, an der Entwicklung und Durchführung des Projekts teilzuhaben.

 

Die Dokumentation sollte sich u.a. nach den 6 W's orientieren: Was, Wann, Wo, Warum, Wie und für Wen? Ein inhaltliches Auswertungsgespräch mit Beirat und interessierten zwecks Herausarbeitung des Verhältnisses von Antrag und Umsetzung und die daraus resultierenden Erkenntnissen für die Arbeit sollte nach Abschluss der Projektphase durchgeführt werden.