Landesarbeitsgemeinschaft

Soziokultureller Zentren NW e.V.

 

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Münster, den 31.8.2002

 

 

 

 

 

 
 
 
Bericht über die Projektmittel 2001 der LAG NW

 

 

Inhalt

 

 

1.         Gesamtübersicht                                                                                      

2.         Darstellung der einzelnen Projekte                                                                  

 

 

1. Gesamtübersicht

 

Die LAG NW hat 2001 mit den Mitteln des Ministeriums für Städtebau und Wohnen, Kultur und Sport des Landes Nordrhein-Westfalen 57 Projekte von 43 Zentren/ Initiativen gefördert.

 

Es gab insgesamt 96 Anträge aus 67 Einrichtungen mit einem Gesamtkostenvolumen von 3.321.723 DM und einem Zuschussbedarf von 1.087.996 DM. Der Beirat hat in zwei Sitzungen über die Anträge befunden und die obengenannten 57 Anträge bewilligt. Diese Ergebnisse wurden auf den jeweiligen LAG NW Tagungen vorgestellt.

 

Nach der Abrechnung betrugen die Gesamtausgaben 1.038.595,11 DM. Dabei betrug der Anteil des Landes mit 400.000,- DM = 38,51 %. Insgesamt wurde 13 Projekt mit (mehr) als 10.000,- DM gefördert. Die Mehrheit von 24 Projekten erhielt 5.000,- DM und mehr und 20 Projekte wurden jeweils mit weniger als 5.000,- DM aus Landesmitteln finanziert.

 

Die Leistungen Dritter (vor allen Dingen der Kommunen) betrugen 294.607,44 DM. Die Leistungen der Kommunen waren jedoch weit höher, denn sie sind entweder Bestandteil innerhalb einer direkten Kooperation und/oder Bestandteil der Zuschüsse zu den Betriebs- und Programmkosten der jeweiligen Zentren.

 

Die Eigenleistungen der Träger lagen insgesamt bei 343.987,65 DM  Das sind 33,12%.

 

Die Gesamtkosten erhöhten sich um den Betrag von 9.387,11 DM, das entspricht 0,91 % Abweichung vom ursprünglichen Kostenplan.

 

Grundsätzlich haben die Zentren in allen Kunst- und Kultursparten (Musik, Theater, Literatur, Medien) sowie spartenübergreifende Projekte durchgeführt. Tendenziell sind die Projekte in erster Linie der Stadtteilarbeit, der Kulturpolitik und dem Kinder- und Jugendbereich zuzuordnen.

 

 

2. Darstellung der einzelnen Projekte

 

Die Darstellungen der einzelnen Projekte verdeutlichen, dass die Ergebnis- und Prozessorientierung von Projekt zu Projekt variieren. Nicht allein das Ergebnis und die Besucher/innenzahl, sondern auch die Nachhaltigkeit eines Projektes soll in der folgenden Kurzdarstellung dokumentiert werden. Folgende Kernfragen stehen dabei grundsätzlich im Vordergrund:

 

Welche künstlerischen, gesellschaftlichen, politischen Ideen, Vorstellungen und Perspektiven liegen dem Projekt zu Grunde?

Welche bestehenden Kultur-Zusammenhänge werden im Haus, in der Kommune, in der Region intensiviert oder neu initiiert?

Sind weitere öffentliche und/oder private Finanzierungsquellen erschlossen und mobilisiert worden?

Gibt es persönliche, semi-professionelle oder berufliche Entwicklungsmöglichkeiten für die Partner/innen?

 

1.      Darstellung der einzelnen Projekte

 

1a) cuba-cultur, Münster: quintet.net – Vernetztes Konzert im Internet

 

Die Idee und das Konzept

 

Quintet. Net ist eine interaktive, vernetzte Performanceumgebung von Georg Hajdu, die es bis zu fünf Musikern und einem "Dirigenten" erlaubt, über das Internet zu musizieren. Diese Umgebung wurde für die Apple Macintosh-Plattform programmiert und besteht aus vier Komponenten: einem Server, einem Client, einem Conductor und einem Listener, wobei die letztgenannte Komponente es dem Internetpublikum erlaubt der Aufführung beizuwohnen.

Die Spieler interagieren über das Internet, indem Sie musikalische Daten an den Server schicken; die Eingabe der Daten erfolgt entweder durch einen Tonhöhenverfolger bei akustischen Instrumenten oder direkt durch MIDI bei elektronischen Instrumenten. Die Datenströme werden durch den Server multipliziert, dabei gelegentlich auch durch Algorithmen manipuliert, und an die Clients sowie die Listeners zurückgeschickt. Außerdem kann der Dirigent sich im Server einloggen und das musikalische Geschehen durch das Versenden von Parametereinstellungen und verbaler Anweisungen an die Spieler beeinflussen.

Die Wiedergabe der Instrumentalaktionen erfolgt durch einen Sampler oder MIDI. Die außerdem vorhandene Granular- und Sprachsynthese kann ebenfalls durch den Dirigenten gesteuert werden.

quintet.net hat auch Video- und graphische Eigenschaften, die die Interaktion der Musiker optimieren und eine zusätzliche symbolische Ebene einführen: Die Musiker sehen die Musik, die die Teilnehmer erzeugen in Space-Notation auf ihren Bildschirmen auf fünf Klaviernotationssystemen. Der Dirigent kann auch kurze Partiturausschnitte versenden, die - auf dem Bildschirm dargestellt - von den Spielern wiedergegeben werden sollen.

Die mit quintet.net aufgeführte Musik ist idealerweise eine Kombination aus komponierten und improvisierten Elementen. Das Fehlen echter Synchronizität aufgrund der typischen Zeitverzögerungen im Internet zieht daher die Entwicklung einer Internet-spezifischen Musizierpraxis nach sich, für die die Number Pieces von John Cage Modellcharakter haben: In diesen Stücken müssen bestimmte Noten oder Phrasen innerhalb eines bestimmten Zeitrahmens (time brackets) gespielt werden. Folgerichtigerweise  ist eine der Komposition für quintet.net eine Internetversion der 1988 entstandenen Komposition "Five" für fünf Spieler.

Das zweite Stück des Programms ist eine Komposition von Georg Hajdu mit dem Titel MindTrip, bei der ein synthetischer Sprecher über ein "virtureales" Erlebnis berichtet.

 

Die Umsetzung

 

quintet.net, ein Netzwerkkonzert mit fünf MusikernInnen an fünf Orten verbunden durch das Internet , wurde am Donnerstag, 15. November 2001 gleichzeitig  von Hans Tammen -. Gitarre  in  New York, Lawrence Casserley - Elektronik  in Lanark, Schottland, Anne La Berge – Flöte in Groningen, Niederlande, Philippe Micol – Klarinette in Köln, Erhard Hirt – Gitarre in Münster und von Georg Hajdu – Koordination und Dirigat in Groningen umgesetzt. Es wurden die Stücke von John Cage - Five (1988) und Georg Hajdu - MindTrip (2000) gespielt. Das Publikum hatte an allen Orten die Möglichkeit über Video (projizierte Notenschrift) und Sound (ein realer Spieler vor Ort und 4 durch Samplesounds repräsentierte Mitspieler) das Geschehen live zu verfolgen. Ferner bestand die Möglichkeit zuhause über das Internet mit der entsprechenden Listener Software, die man sich aus dem Netz laden konnte,  das Konzert zu verfolgen und sich an einem Chat mit den Musikern zu beteiligen.

 

Das Fazit

 

Im Gegensatz zu üblichem Musikgebrauch am Computer, z.B. dem Herunterladen vorgefertigter Musik, galt es zunächst zu begreifen, dass es sich bei diesem Projekt um eine interaktive, quasi eigenständig neu entwickelte Musikmaschine handelt, die von mehreren Spieler an verschiedenen Orten bedient wird. Dabei half die in Echtzeit dargestellte Notenschrift, indem sie die einzelnen Aktionen  der Mitspieler noch einmal optisch verdeutlichte. Dies wurde von einzelnen Hörern jedoch auch ein ablenkendes, zu „technisches“ Element empfunden. Hier wäre eine Weiterentwicklung neben der Notation mit Liveprojektionen (was die software zuließe) der spielenden Musiker zu empfehlen.

 

Die überwältigsten Reaktionen gab es von Zuhörern („Listenern“) aus dem Internet, die über die Beteiligung am Chat ihre Kommentare abgeben konnten.

Da um am Konzertgeschehen via Internet teilnehmen zu können zunächst die Listener Software und die verwendeten Klänge auf dem heimischen Computer installiert werden mussten, darf angenommen werden, dass es sich bei ihnen zwar nicht unbedingt um reine Experten, jedoch um mit Computern und Internet vertrauten Zuhörern handelte, die auch am leichtesten die Dimension und das Entwicklungspotential, des vorgestellten musikalischen Netzwerk-Projektes erfassen konnten.

 

Für die beteiligten Musiker war es eine sehr neue Bühnen-Erfahrung, da sie sich sowohl in einem Publikum im realen Konzertraum, als auch einem Publikum – und ihren Mitspielern – im WEB gegenüber sahen.

 

Eine Umfassende Dokumentation ist unter http://www.muenster.org/cuba/haus/cultur/quintet.net

zu sehen.

 

 

1b) cuba-cultur, Münster: HEALTH - PROJEKT

 

Das Projekt konnte im beschriebene Rahmen am Samstag, den 9. und Sonntag, den 10. Juni im cuba realisiert werden.

Die organisatorische Durchführung des Kooperationsprojektes wurde durch cuba-cultur geleistet. Die zur Finanzierung notwendige Drittmittel der Stadt Münster wurden vom Kooperationspartner SOBI e.V. eingeworben.

Der im Antrag erläuterte - bezogen auf die Angebotsstruktur und die verschiedenen Nutzergruppen unseres Hauses - besondere Ansatz des Projektes konnte  erfolgreich umgesetzt werden. Nicht nur die erwarteten Besucherzahlen waren mit zwei ausverkauften Aufführungen zufriedenstellend, sondern insbesondere die Diskussionen und Gespräche im Anschluss an die Aufführungen wie im Umfeld der Veranstaltung zeugten davon, dass ein Anstoss zur Auseinandersetzung über das unmittelbare Erleben des ungewöhnlichen Konzertes hinaus gegeben werden konnte.

Eindrücke von der Veranstaltung sind auch in einer kuzen Internetdokumentation unter http://www.muenster.org/cuba/haus/cultur/Health-Project/HealthIndex.html zu gewinnen.

 

 

2) Kulturbunker Mülheim: CASAnova 2001

 

Im Sommer 2000, in den Bemühungen den heruntergekommenen Park neben der MÜTZe zu reaktivieren, führten wir, in Kooperation mit der OT St. John in Stammheim, ein –hip hop open air – durch.

Natürlich kamen nicht nur Musiker und Tänzer sondern auch die Maler. Zig Meter Holzwand wurden für Graffiti zur Verfügung gestellt. Zwar hatte man uns aus dem Stadtbezirk wissen lasen, dass es ratsam wäre keine Graffitiaktion mit ihrem Zuschuss zu finanzieren, wir machten es trotzdem und erhielten anschließend von allen Seiten Lob für die gelungene Aktion, was zu großen Fortschritten in dem Umgestaltungsbemühungen im Park führte. Soweit so gut.

Das Thema Graffiti hatten wir damit im Haus. Hinzu kam, dass auch bemerkbar wurde wie sich die Arbeit der Ordnungspartnerschaft KASA (Anti-Graffiti) auf die Situation auch im unmittelbaren Umfeld hier im Randbezirk Mülheim auswirkte. "Taks" nahmen in ungeheurem Maße zu, komplexere Malereien, z.B. auf nahegelegenen Brachgeländen oder S-Bahnstrecken nahmen ab. Die Stadt wurde überschwemmt von Plakatkampagnen, die einen ganz normalen, hip gekleideten Jugendlichen zeigen, der eine Farbspraydose handhabt, mit der Überschrift "Er hat den Kick und Sie den Schaden!". Die KVB rief mit Leuchtschriften zur Denunziation Jugendlicher auf. Im Eindruck der gesamten Situation lud ich zur "Denkwerkstatt Kasa" in die MÜTZe ein.

Einige Leute aus dem Kulturellen und Politischen Spektrum trafen sich darüber nachzudenken ob das oben genannte die einzige Antwort einer Stadt wie Köln auf ein Phänomen wie Graffiti sein dürfe.

Wir diskutierten einen Winter lang in 14-tägigen Gruppen, wo Schritt für Schritt auch einzelne "Writer" hinzukamen. Der Kulturbunker Mülheim klinkte sich als Kooperationspartner ein, drei von uns besuchten das Graffiti Projekt "Alte Färberei" in München. Endlose Diskussionen, viel Analyse, Informationsverarbeitung und und und.

Den Writern wurde das teilweise zu viel und wir merkten, Wir Müssen Raus! Mit den Mitteln der LAG, nahmen wir uns eine Veranstaltungsreihe im Herbst 2001 vor.

Von jetzt an explodierte die Gruppe.Immer größer wurde die Zahl der direkt Betroffenen, also der Writer. Das Engagement der Jugendlichen war grandios, sodaß wir uns gleich ein Programm mit Ausstellung in zwei Häusern, einer "legalen Wand" an der MÜTZe, ein Konzertabend im Bunker, eine Filmparty im Kölner Filmhaus, sowie eine Podiumsdiskussion vornahmen.

Graffiti – Kulturkonflikt – Konfliktkultur war unser übergreifendes Thema.

Was bei unserem Weg in die Öffentlichkeit auf uns zukam, in einer Stadt mit weitgehender Monopolisierung der Printmedien, und einer ausschließlich repressiven Haltung der Stadt zum Thema, glich einem Slalom. Die einschlägigen, unabhängigen Kultur und Studentenmagazine bedachten uns mit großem Interesse, die "Gleichgerichtete" Tagespresse versuchte uns auszusparen.

Das Kulturamt, das uns Unterstützung zugesagt hatte, kam ins Wanken, die Zusage der Kulturdezernentin zum Podium hielt die Hoffnung auf einen möglichen Dialog aufrecht. Letztlich bewilligte das Kulturamt auch seinen Zuschuss.

Die heiße Phase, 6 Wochen vor Ausstellungsbeginn brachte weitere Überraschungen. Der Kölner Jugendring, zum Problem befragt, teilte mit, dass das Problem bisher nicht oder so gut wie nicht auf der Verbandseben diskutiert wurde. Dankbar nahm man die Einladung zum Podium an.

Unerklärlich, dass Jugendliche als Straftäter zuhause oder n Schulen verhaftet werden und zwar in einer Anzahl auf die KASA und Polizei sehr selbstbewusst verweisen, ohne dass es ein offizielles Thema der Kölner Jugendpädagogik wird, während gleichzeitig die Stadt zur Bekämpfung des Phänomens 1,5 MIO DM ausgibt.

Die Jugendlichen welche die MÜTZe bemalten wurden von den Nachbarn angespornt und belobt, von Polizei beobachtet, Streifenbeamte wurden zur Klärung der Vorgänge in die MÜTZe geschickt.

Ein Infoschreiben der Stadt Köln vom 27.9.2001 wusste zu berichten: "..Vor dem Hintergrund der Terrorereignisse in Amerika haben illegale Wandsprühereien im Stadtbild einen anderen Stellenwert erhalten. Die Diskussion um das Sicherheitsbedürfnis der Bevölkerung wirkt sich auf Faktoren aus, die das Sicherheitsgefühl der BürgerInnen und Bürger beeinträchtigen."

Die KASA, offensichtlich im Zugzwang, brach 10 Tage vor Projektbeginn eine Veranstaltung im Domforum übers Knie. Thema: "Graffiti, Kunst oder Vandalismus". Neben einem voreingenommenen Moderator agierten 3 Personen Pro KASA, der geladenen Kunsthistoriker sowie der Vorzeigesprayer distanzierten sich schleunigst, da die Frage des Abends ja sowieso schon beantwortet war.

Das Publikum, nicht wie erwartet arme Hausbesitzer die Angst um ihre Fassaden haben, sondern zu 90% Kritische Leute, Intellektuelle, Sprayer, etc. Die Show war ein Flop.

Wir erhielten Unterstützung, Beratung und moralischen Zuspruch von Hip Hop Hamburg e.V. und vom Münchner Projekt, die Initiatorinnen kamen zu unserer Podiumsdiskussion.

Die Kulturdezernentin sagte in letzter Minute ab.Pädagogen riefen an und ermunterten uns. Eltern dankten. Alle Veranstaltungen füllten die Häuser. Die Ausstellung, zu der wir auch noch einen Stadtplan mit Verzeichnis der echten Graffiti entwarfen wurde verlängert und von ca. 1000 Menschen besucht. Zuletzt hatten wir eine solche Dynamik erreicht, daß auch die Presse auftauen mußte.

Zufrieden ging CASAnova (so nennt sich die Initiative mittlerweile) in die Winterpause.

Kontakt: www.casanova-koeln.de

 

 

3b) Werkhof Hohenlimburg e.V.: Theater- und Kreativworkshop für Kinder, „Erlebte Geschichte – Hohenlimburg im Mittelalter“

 

Der Theater- und Kreativworkshop für Kinder, „Erlebte Geschichte – Hohenlimburg im Mittelalter“, vom 09. – 13. Juli 2001, wurde mit 24 Kindern in den Räumen des Kulturzentrums Werkhof täglich von 9.00 Uhr bis 16.00 Uhr durchgeführt. Unter der Leitung zweier Theaterpädagoginnen, einer Theaterplastikerin und eines Musik-pädagogen wurde ein Theaterstück zum Thema des Workshops entwickelt. Die Kinder erarbeiteten unter Anleitung das Theaterstück und studierten es ein; sie

bauten selbst Kostüme und Bühnenbild, wählten die Bühnenmusik aus und probten sie ein. Den Höhepunkt des Theaterworkshops bildete wie immer die öffentliche Aufführung des Einstudierten, in diesem Jahr am 13. Juli.  Die Planung und Organisation wurde vom Kulturbüro des Werkhofes übernommen.

Die Entwicklung und das Training von Spiel und Kreativität, Fantasie und Spaß, künstlerischen, musischen und handwerklichen Geschickes, sowie des sozialen Verhaltens in der Gruppe standen im Mittelpunkt des Workshops, der von allen Beteiligten als sehr gelungen angesehen wurde. Dieser jährlich stattfindende Kinder-Theaterworkshop ist ein wesentlicher Bestandteil der Theaterarbeit des Werkhof Kulturzentrums geworden. Er leistet einen wichtigen Beitrag zur kulturellen Grundversorgung im Stadtteil Hohenlimburg. Der Workshop und die öffentliche Abschlußpräsentation erfuhr von Seiten der Zuschauer und der Presse eine äußerst positive Resonanz. Selbst der WDR brachte in der Sendung Westzeit einen kleinen Fernsehbeitrag über den Workshop.

 

 

5) Druckluft Oberhausen: Das Auto ist tot – es lebe das Autokino

 

Crash Car Cinema

Roadmovies im Autokino des Drucklufthauses 14.-23.September 2001

 

„Roadmovies beschwören den Geist der Strasse. Ihre Faszination liegt im Unterwegssein... .Die kultischen Elemente des Genres sind die Intensität des Fahrens und das Lebensgefühl, das dabei ermittelt wird. In den Filmen, die vom Abenteuer auf der Strasse handeln, sind auf der Tonebene Fahrgeräusche, Bremsen, das Quietschen von Reifen, das Röhren von Motoren, das flüchtige Aufflackern von Bildern vorbeiziehender Landschaften ebenso tragend wie Begegnungen von Menschen. Das Unterwegssein ist wichtiger als das Ankommen, die Ziellosigkeit der Protagonisten zentraler als das Erreichen eines Ziels.

Es ist ein typisch amerikanisches Filmgenre und der legitime Nachfolger des Western: Auch im Roadmovie zieht der Held durch die einsamen Weiten der Vereinigten Staaten, nur mit ein paar Pferdestärken mehr. In Europa stößt das Genre dagegen schnell an seine Grenzen. In Deutschland etwa hat man das Land schon an einem Tag durchquert, da muß man sich schon oft verfahren, um einen Spielfilm abendfüllend zu gestalten. Dennoch hat dieses Genre inzwischen auch den alten Kontinent erreicht.“ (aus der Presseankündigung)

 

Das Jugend- und Kulturzentrum Druckluft veranstaltete im September 2001 auf dem Gelände vor der Veranstaltungshalle das Crash Car Cinema. Als Autokinoinstallation wurden eine 12 Schrottautos auf diesem Gelände positioniert und technisch (Toninstallation, Licht- und Scheibenwischerfunktionalität) hergerichtet. Die Besucher konnten sich am Eingangsbereich ein jeweiliges Auto aussuchen. Inhaltlich hatten sich die gezeigten Filme mit den Themen Weggehen, Ankommen, Reisen,  Roadmovies und Flucht befaßt. Themen also, die sich mit Mobilität beschäftigen und konträr zu dem Motiv des fahruntüchtigen Schrottautos aufzufassen sind. An jedem Abend wurden mindestens 2 Filme präsentiert, die Wegweisend sind für das Genre des Roadmovies und größtenteils eine Beziehungen zueinander aufweisen. Während der Dauer des Projektes hatte Druckluft sämtliche Aktivitäten auf die Veranstaltungshalle und das Areal des Crash Car Cinemas konzentriert und durch die zeitlich begrenzte Schließung des Drucklufthauptgebäudes und des darin befindlichen Cafes auf die Priorität dieser Veranstaltung für das gesammte Haus hingewiesen.

 

Die Terminierung der Veranstaltung erfolgte in Abstimmung mit den Organisatoren der Cinebites, eines neukonziperten Jugendfilmfestes, welches aus der ehemaligen Filmothek der Jugend hervorging und vom 13.-16.09.01 erstmalig durchgeführt wurde. Ein Großteil der Rahmenveranstaltungen der Cinebites wurden auf dem Gelände des Drucklufthauses bzw. in der Veranstaltungshalle realisiert. Das Schrottautokino konnte durch gemeinsame Werbeaktionen durch die Cinebytes profitieren. Außerdem wurden die Rahmenveranstaltungen von den Cinebytes organisiert und belasteten daher auch nicht die Kostenplanung des Crash Car Cinemas. Da allerdings die Cinebytes als neues Festival wenig Profil entwickelte und der Publikumszuspruch gering war, blieben weitere erhoffte Synergieeffekte weitgehenst aus.

Die gesamte Veranstaltung litt unter den Umständen des Anschlages des 11.September. Die Öffentlichkeit und Medien registrierte die Veranstaltung wenig. Das Publikum kam nicht so zahlreich wie geplant. Die Besucher waren hauptsächlich Jugendliche bzw. junge Erwachsene, die diesen Raum des Autos für sich entdeckten und nutzten.

Letztendlich stellte sich der Aufwand der Installation als sehr hoch heraus. Bei einer Wiederholung sollte daher die Laufzeit der Veranstaltung dementsprechend länger ausfallen.

 

 

6a) Initiativkreis Altenberg e.V.: Vielfalt statt Einfalt

 

Im Jahre 2001 führte der IKA das o.g. Projekt mit finanzieller Unterstützung der LAG durch.

Ziel des Projektes war es,

- ein großes Oberhausener Publikum zwischen 24 und 64 Jahren anzusprechen, das sich für anspruchsvolle und sozial und politisch anregende Theaterunterhaltung interessiert;

- einen kreativen Spielraum und die Lust am Theatermachen

wiederentdecken zu lassen;

- die Vielfältigkeit von Kunst und Kultur zu verdeutlicht und die Lust am Mitgestalten zu wecken;

- dem Publikum die Möglichkeit zur aktiven Auseinandersetzung mit div. Themen zu bieten;

- der Bedeutung des Begriffs „Soziokultur“ Rechnung zu tragen;

- die Faszination der Gestaltungsmöglichkeiten des kulturellen, politischen und sozialen Lebens durch Theater und Kabarett hervor zu heben und

-  neugierig zu machen!

 

1. Projektbeschreibung

Aufgrund der zeitlichen Nähe zum internationalen Frauentag (8.3.), haben wir den ersten Schwerpunkt unseres Projektantrages, die Präsentation weiblicher Künstlerinnen, an den Anfang unserer diesjährigen Programmreihe gelegt. Durch organisatorische Gründe kam es hier jedoch zu zeitlichen und personellen Umstrukturierungen. Neben außergewöhnlichen Künstlerinnen, die sich besonders mit gehaltvollen Texten musikalisch präsentierten (z.B. Jan Alleine, Gisela Marx und Iris Lamoyette) luden wir auch themenorientierte Kunst auf unsere Bühne. Cordula Völker veranstaltete einen Abend nur für Frauen mit dem Thema „Lesbisch für Fortgeschrittene.

Als KooperationspartnerInnen konnten wir Gleichstellungsstelle der Stadt Oberhausen und die VHS Oberhausen gewinnen. Einen großen Schwerpunkt legten wir bei der Auswahl der Künstlerinnen neben inhaltlicher Stärke auf ihre „aus der Reihe fallenden Lebensumstände“. Jan Alleine, eine in der Frauenszene bekannte Singer Song Writerin und Cordula Völker, werden in unterschiedlicher Weise diesem Anspruch gerecht.

 

Ziel dieses Projektabschnitts war es, die Auseinandersetzung mit Themen, die nach unserem Verständnis zur Mitgestaltung der Welt, zur Überwindung von Sexismus, Rassismus, Gewalt und Unterdrückung von enormer Bedeutung sind, durch diese Form von Kultur zu fördern, anzuregen.

 

Die Projektreihe wurde von einer Reihe politischer Theaterstücke begleitet.  Die Lesungen richteten sich vornehmlich an die „intellektuelle ältere Generation“. Gremliza und Tomayer haben á la Karl Kraus mit der Sprache gespielt und Werner Steinmassl sollte mit seinem Nestroy Abend „Die Welt steht auf keinen Fall mehr lang“ das Jahr beschließen. Letztere Veranstaltung wurde zugunsten einer Widmung an den verstorbenen Klaus Kinski „ersetzt“, stieß aber beim Publikum leider auf wenig Interesse.

 

Ziel:  Der IKA wollte mit dieser politischen Reihe Stellung zu seinem Selbstverständnis beziehen und sich allen Generationen und Bevölkerungsschichten öffnen. Dies sollte veranlassen einen Teil unseres Publikums wieder zur Sozio-Kultur zu führen, sprich die Lust am Mitwirken an kulturellen Prozessen zu wecken und einen wesentlichen Beitrag im Dialog zwischen den Generationen und „Schichten“ zu leisten.

 

2. Zeitlicher und inhaltlicher Projektverlauf

Die zu Beginn des Projektes vorgesehene Zeitschiene konnte aus unterschiedlichen Gründen nicht eingehalten werden. Das Projekt fand zwar in dem vorgegebenen Zeitrahmen statt, aber wegen Krankheit trat z.B. Iris Lamoyette erst im Winter 2001 auf, obwohl sie in die „Frühjahresreihe“ eingeplant war. Gremliza und Tomayer hatten hingegen nur noch einen Frühjahrestermin frei, obwohl sie erst im Herbst auftreten sollten. Solche zeitlichen Planungen sind immer wieder schwer einzuhalten. Einige Gruppen sagten ihre Auftritte ganz ab und mussten durch andere Programmpunkte ersetzt werden. Besonders enttäuschend war dies im Fall der Referentinnen, von denen nur eine ihre mündliche Zusage als verbindlich betrachtete. Die Künstlerinnen selbst übernahmen spontan die Moderation und diskutierten nach Darbietung ihres Stückes mit dem Publikum ­ meist bei einem Glas Sekt und in sehr lockerer Atmosphäre.

Generell war zu beobachten, dass das Publikum nicht wegen der angekündigten Möglichkeit einer anschließenden Diskussion, sondern wegen des Programm selbst den Weg in unsere Hallen gefunden hatte. Grosse Diskussionsrunden unter Anleitung wurden gemieden, kleine Gesprächsrunden im Anschluss an das Stück, unverbindlich und locker, fanden hingegen regen Zulauf. Dies war sowohl bei den Frauenspezifischen Themen als auch beim „politischen Herbst“ der Fall.

 

3. Auswertung

Das Projekt „Vielfalt statt Einfalt“ hat durchaus das Ziel erreicht, ein breites Publikum anzusprechen. Die Rückmeldungen der BesucherInnen waren durchweg positiv und das Zentrum selbst wurde durch das vielfältige Angebot belebt. Der Anspruch, die Lust am Mitgestalten, Mitwirken und Mitspielen zu wecken, bleibt jedoch größtenteils unerfüllt. Selbst die interessiertesten unter den Interessierten entschieden sich nicht allein durch den Besuch unserer Veranstaltungen dazu, selbst aktiv zu werden. Auch gelang es uns nicht, diese Gruppe als DauerbesucherInnen an unser Haus zu binden. Sie suchten sich ­wie alle anderen auch- die Veranstaltungen heraus, die sie interessierten. Doch hier ist es an uns, die eigenen Erwartungen und Ansprüche auf ihren Realitätsgehalt hin zu überprüfen.

 

 

8) Zeche Karl Essen: „MigrantInnen-Kultur“

 

Kinder- und Jugendveranstaltungen:

Den Anfang machte das Theater Marabu mit dem Stück „Zwei unzertrennliche Feinde“ für Teenies ab 10 Jahren. Die Vorstellungen wurden von diversen Schulen (Förderschule, Hauptschule, Realschule, Gesamtschule) besucht. Ziel des Stückes war es den Jugendlichen zu zeigen, wohin ständige Rivalitäten und Konflikte führen können, und sie aufzufordern, über Alternativen und Veränderungen im Verhalten nachzudenken.

Die Schulen hatten im Vorfeld pädagogisches Begleitmaterial von der Theatergruppe zur Verfügung und nach den Vorstellungen wurde die Möglichkeit zur Diskussion mit den Schauspielern und LehrerInnen durch die SchülerInnen intensiv genutzt. Während der Konflikt innerhalb des Stückes bewußt thematisch allgemein gehalten wurde, führten die Diskussionen danach, sicherlich auch bedingt durch die kulturell vielfältige Zusammensetzung, schnell in Richtung real ständig wiederkehrender Rivalitäten zwischen den einzelnen Kulturgruppen. Verhaltensmuster wurden wiedererkannt und durchaus kritisch beurteilt. Die Diskussionen erreichten fast alle TeinlnehmerInnen und wurden intensiv und ausdauernd geführt.

Abschließend wurde das Thema in den Schulen vertieft.

Fortgesetzt wurde die Reihe mit zwei Veranstaltungen des Theaters Comic on. „Crash“, ein HipHop-Musiktheater zum Thema Gewalt und Rechtsextremismus richtet sich an Jugendliche ab 13 Jahren und wurde in Zusammenarbeit mit der Jugendhaftansalt Göttingen entwickelt.

Diese Veranstaltungen wurden von Schulen aus dem gesamten Stadtgebiet besucht. Auch hier erhielten die Schulen im Vorfeld Arbeitsmaterialien.

Obwohl insbesondere diese Altersgruppe sehr schwer für das Theater zu interessieren ist, gelang es dem Theater das gesamte Publikum zu fesseln und in Anschlussgesprächen vollständig aus der Reserve zu locken. Positionen wurden formuliert und diskutiert und anschließend in den Schulen weiter thematisiert.

Den Abschluss bildeten die Aufführungen der Kultur-Company. „Robinson und Sonntag“, ein Stück für Kinder ab 8 Jahren zum Thema Ausländerfeindlichkeit und Rassismus wurde von fast allen 3. und 4. Klassen der umliegenden Grundschulen besucht.

Leider setzten einige Schulen das umfangreiche Begleitmaterial nicht ein und auch die anschließenden Gespräche wurden nur von einem Teil der Klassen genutzt. Diese allerdings führten spannende Diskussionen über sprachliche Kompetenzen und die Ungerechtigkeiten, die insbesondere durch die häufige „deutsch“-Sprachlosigkeit von Kindern in der Schule entstehen. Auch hier wurde das Thema in den Schulen erneut aufgegriffen und bearbeitet.

Insgesamt war die Reihe geprägt von qualitativ hochwertigen Stücken und insbesondere von intensiven und beeindruckenden Diskussionen zwischen SchülerInnen, LehrerInnen und SchauspielerInnen. Für viele der Kinder und Jugendlichen war es sicher der erste Ansatz, sich diese Thematik bewusst zu machen und sich damit auseinander zu setzen.

 

Erwachsenen-Veranstaltungen:

Im Rahmen der Reihe wurden insgesamt 3 Veranstaltungen für Erwachsene und eine für junge Erwachsene durchgeführt.

Eröffnet wurde die Reihe durch Kaya Yanar. Zum Zeitpunkt der Planung war nicht abzusehen, dass dieser Künstler innerhalb kürzester Zeit zum Shooting-Star der deutschen Comedy-Szene heranwachsen würde.

Bereits ein halbes Jahr vorher war er – bei überschaubarem Publikumszuspruch – bei uns zu Gast und erfreulicherweise vermochten wir mit dieser Veranstaltung auch zahlreiche türkische Stadtteil-BewohnerInnen anzusprechen.

Im Mai 2001 mussten wir die Veranstaltung jedoch aufgrund der überstarken Nachfrage in die Lichtburg verlegen. Erfreulicherweise fanden sich auch hier über 50 % türkische MitbürgerInnen im Publikum.

Positiver Nebeneffekt dieser ausverkauften und damit auch für die Finanzierung der Gesamtreihe sehr wichtigen Veranstaltung ist, dass auch heute – bei anderen Programmangeboten der Zeche Carl – verstärkt türkische Gäste zu begrüßen sind.

Völlig anderen Inhalts war die Lesung von Feridun Zaimoglu, der insbesondere durch den „Kanakmän“ in der Taz, aber auch durch die Verfilmung von „Kanakmän“ im letzten Jahr, bekannt ist.

Zaimoglu schreibt Texte, die sich in witziger, aber auch kritischer Weise mit der Lebenssituation von MigrantInnen in Deutschland auseinandersetzt.

Leider war die Veranstaltung nicht so gut besucht, wie sie hätte sein können. Selbstkritisch muss angemerkt werden, dass wir versucht haben, aus dem Kreise der Taz-LeserInnen Publikum zu gewinnen und es leider versäumten, z.B. türkische Tageszeitungen mit einer Veranstaltungsinformation zu beliefern.

Inhaltlich bemerkenswert war, dass sich nach der Veranstaltung nahezu alle Gäste zusammen mit F. Zaimoglu noch in die Kneipe setzten und die halbe Nacht diskutierten.

Bülent Ceylan – ein weiterer ausgesprochen guter, türkischer Nachwuchskünstler deckte die Sparte Kabarett ab.

Weniger standup Comedian, sondern eher die Finger in die multikulturelle Wunde legend, wird auch er seinen Weg in der deutschen Kabarettlanschaft gehen.

Auch an diesem Abend war über die Hälfte des Publikums nicht-deutscher Nationalität. Damit war das Ziel erreicht, über das „Medium“ Kaya Yanar türkische MitbürgerInnen auch für andere Programmangebote zu interessieren, erreicht.

Die Aufführungen der mordwutimhals.de standen unter einem denkbar schlechten Stern. Am 9.11. – dem Tag der ersten Aufführung – wurden die Attentate auf die Twin-Tower u.a. verübt. Die Vorstellung wurde deshalb abgesagt.

Die Aufführung am Abend darauf fand auf ausdrücklichen Wunsch der SchauspielerInnen statt – allerdings vor sehr kleinem Publikumskreis.

Da auch in der Zeche Carl ein Fernseher lief, entschieden sich zahlreiche Gäste ganz kurzfristig, die aktuellen Meldungen über das Unfassbare des vorherigen Tages zu verfolgen.

 

Insgesamt lässt sich ein positiver Schlussstrich unter diese Reihe ziehen.

Die Ziele, verstärkt ausländisches Publikum für die Zeche Carl zu interessieren, die Förderung ausländischer KünstlerInnen voranzutreiben sowie sich auf der Bühne thematisch und ohne besonderen pädagogischen Zeigefinger mit der Lebenssituation von MigrantInnen zu beschäftigen, wurden erreicht.

 

 

9c) Kulturzentrum GREND/Essen: Das Rote Tier im Blut – eine szenische Collage

 

Im Sommer 2000 entwickelte Giam Piero Piria, Schauspieler des im GREND beheimateten Theater Freudenhaus – die Idee einer thematisch-theatralen Veranstaltungsreihe. Hintergrund war seine Beschäftigung mit den Texten und Balladen des französischen Dichters und Rebellen François Villon, die er in einem eigenen Solo-Programm schon erfolgreich umgesetzt hatte. Die Idee wurde im Zentrum positiv aufgenommen; es bildete sich eine Projektgruppe aus Teilnehmern und Dozenten des gerade in der Gründung befindlichen ‚Theaterpädagogischen Zentrum Ruhr’ (TPZ), einem neuen Zweig des ebenfalls im GREND beheimateten Erwachsenenbildungsträger ‚Werkstatt-Bildungswerk’. Nach mehreren Treffen der Projektgruppe war die Idee ausformuliert: es sollte eine neue, ungewöhnliche, themenbezogene Veranstaltungsform projektiert werden, die sich sowohl von den bisherigen Theateraufführungen als auch von den eher ‚trockenen’ Bildungs- und Diskussionsveranstaltungen unterscheidet. Die Texte des Francois Villon bildeten dabei die Handlungsfolie, den historischer Rahmen als auch den thematischen Fokus. Themen wie Prostitution, Kriminalität, Drogen, Rebellion, Religion, u.a., mit denen sich Villon im Frankreich des 14ten Jahrhunderts ausgiebig beschäftigt und die er am eigenen Leib ‚erfahren’ hatte, sollten künstlerisch aufgegriffen und in die aktuelle Zeit transportiert werden.

Die Idee dabei war, den historischen Rahmen als Möglichkeit eines bewussten stilistischen Wechsels zu nutzen. Den sich Zuschauern sollte sich ein ungewöhnlicher und neuer Blickwinkel erschließen: Themen, die im 14ten Jahrhundert artikuliert wurden, sind noch heute aktuell und so 'dramatisch' wie damals. Zeitgeschichtliche Hintergründe wechseln, Menschen und ihre Biografien sind individuell und haben eine jeweils spezifische Ausprägung, doch die wichtigen Themen der Lebensbewältigung sind unabhängig von Zeit und Ort und können als zentrale Probleme und Ausdrucksformen menschlicher Kultur nachempfunden und verstanden werden. Gewinner, Verlierer, Outlaws, Renegaten und 'Randgruppen'. Alle kämpfen auf ihre Art - früher wie heute - um Existenz, Gerechtigkeit, Menschlichkeit, Respekt, Liebe und Anerkennung.

Ziel des Projekts war es, insbesondere diesen Blickwinkel lust- und gleichzeitig respektvoll - auf die Bühne zu bringen. Die zugespitzten, ironisch/anarchischen Texte und Gedichte sowie der extrovertierte Lebenswandel des Villon - voll gieriger Lust am Leben, aber immer auch haarscharf am Abgrund - boten dabei eine Fülle von Irritationen und Provokationen, die sich als dramaturgische Elemente einsetzen lassen könnten. Im Rahmen einer historisch ausgestatteten Kneipenszenerie sollte es Talkgäste geben, Live-Musik, Theater, eine Männerstrip-Show sowie ein gemeinsames Essen nach der Veranstaltung mit allen Besuchern und Akteuren; möglichst viele Sinne sollten angesprochen werden.

 

Im Herbst 2000 wurde eine achtteilige, über das ganze Jahr 2001 verteilte Veranstaltungsreihe mit unterschiedlichen Themen konzipiert, mit dem Ziel, über eine öffentliche Anschubförderung eine auf Dauer sich selbst tragende, neue Veranstaltungsform zu entwickeln und zur Aufführung zu bringen. Es wurden Kosten-, Zeit- und Organisationspläne entwickelt sowie an verschiedene Stellen Anträge auf öffentliche Förderung in einer Höhe von ca. 30.000,- DM bei Gesamtkosten von 52.000,- DM gestellt:

·                     beim Fond für darstellende Künste in Bonn

·                     alternativ bei NRW-Landesbüro für freie Kultur in Dortmund

·                     bei der LAG-Soziokultureller Zentren in Münster

·                     bei der Stadt Essen/ Projektmittelförderung

 

Schon in der Entwicklungsphase waren ca. 12 Personen intensiv in den Planungsprozess des Projektes eingebunden – mit jeweils hohem Zeitaufwand für alle Beteiligten. Die Premiere war für März 2001 geplant: das erste Thema sollte sich mit ‚Prostitution’ beschäftigen, ein Titel dafür war schnell gefunden: Das rote Tier im Blut - die Lust an der Lust’; in Anlehnung an den Text einer Ballade von F. Villon (für ein Mädchen namens Yssabeau). Dabei sollten Fragen nach dem heutigen Stellenwert und der gesellschaftlichen Bedeutung ‚bezahlter Liebe’ thematisiert werden, so z.B.: Ist Prostitution immer noch ein ‚Tabu- und Schmuddelthema’ ? Findet tatsächlich ein gesellschaftlicher Wandel statt, der Prostitution als Profession anerkennt und gesetzlich mit anderen Berufen gleichstellt? Wenn ja, unter welchen Bedingungen findet dieser Wandel seinen Ausdruck, und was bedeutet er für Prostituierte und ihre ‚Kunden’?

Erst im Frühjahr 2001 lagen alle Projektbescheide vor: abgelehnt wurde eine Förderung des NRW-Landesbüro in Dortmund sowie des Fond für darstellende Künste (beim letzteren aus Termingründen). Die Stadt Essen konnte sich nur für die Hälfte der beantragten Mittel entscheiden, die LAG in Münster stockte darauf hin dankenswerter Weise ihre Förderungsmittel noch mal auf. Untern Strich blieben somit gut 13.000,- DM für eine Veranstaltungsreihe, die ein ganzes Jahr laufen sollte. Um keine Abstriche an der künstlerischen Qualität sowie an den geplanten Gagen und Tantiemen der beteiligten Künstler und Akteure vorzunehmen (wie dies angesichts der Fördersituation in den Zentren durchaus übliche Praxis ist !), beschloss die Projektgruppe, nur eine einzige Veranstaltung durchzuführen. Am 9. November 2001 war es dann soweit: mit ca. 100 Besuchern und Besucherinnen, ca. 10 beteiligten Schauspielern, 4 Musikern, 2 Talkgästen (u.a. die bundesweit bekannte Prostituierte und ehemalige Mitarbeiterin der Berliner Selbsthilfeorganisation Hydra, Stephanie Klee), einem männlichen Stripper, zahlreichen Helfern sowie nach einer turbulenten Generalprobe zwei Abende vorher fand dann die atmosphärisch wie künstlerisch durchaus gelungene Premiere des Projekts im GREND statt.

Der gesamt Abend wurde auf Video dokumentiert und mitgeschnitten. Mit dem daraus zusammen montierten Kurzfilm sollen zukünftig andere Veranstalter für diese neue Form der ‚thematischen Collage’ gewonnen werden. Geplant ist zum aktuellen Zeitpunkt eine Aufführung des Projektes in Berlin, Kontakte gibt es zum Essener Ruhrlandmuseum. Dort könnte das Projekt demnächst im Rahmen einer der regelmäßig stattfindenden Museumsnächte gezeigt werden.

 

Fazit: Sehr viel Arbeit und Engagement für die vielen, am Projekt beteiligten Akteure, zum ersten mal angemessene Künstlerhonorare für eine Vorstellung (die gemessen am Zeitaufwand der Beteiligten eher marginal waren), eine neue Erfahrung in Bezug auf die Projektorganisation und im eher pessimistischen Blick auf die Realisierungschancen einer – wie wir meinen –guten Idee, eine positive, wenn auch nur eingeschränkte Presseberichterstattung, viel Lob aus Berlin und – ein faszinierender, anregungsreicher und mit knapp 110 DM/Sitzplatz weniger als halb so hoch wie in der Essener Oper subventionierter Abend für die gut 120 Besucher und Mitwirkenden.

 

 

9b) Kulturzentrum Grend, Essen: Steele International 2001

 

Am 9.September 2001 veranstaltete die Werkstatt e.V. im Kulturzentrum Grend zum fünften Mal das multikulturelle Stadtteilfest STEELE INTERNATIONAL.

Das zentrale Motto der Veranstaltung lautete „Legal – illegal – global: Menschen brauchen Perspektive“, das im Vorfeld zusammen mit den beteiligten Ausländergruppen und -vereinen erarbeitet und in seinen verschiedenen künstlerischen Ausdrucksformen umgesetzt wurde.

Zur Beteiligung an diesem Fest aufgerufen wurden von uns sämtliche in Essen ansässigen ausländischen Vereine und Gruppen, wovon sich 21 konkret an diesem Projekt beteiligten (siehe Programmheft).

Die Vereine beteiligten sich in Form von Infoständen, Essensangeboten sowie mit Tanz- bzw. Musikbeiträgen auf der Bühne.

Zusätzlich gab es auf der Bühne Redebeiträge, in denen über die politische Situation von ausländischen Mitbürgern in Essen sowie über sich stetig verschärfende Einwanderungsgesetze in Deutschland und Europa informiert wurde.

Neben den diversen Folklorebeiträgen der Vereine, es gab jugoslawische Tänze, indische Trommelmusik, kurdische Folklore, Musik aus Togo, Spanien und dem Senegal sowie tamilische Tempeltänze zu bestaunen, traten auf der Bühne ab dem frühen Nachmittag diverse Weltmusikgruppen aus dem Ruhrgebiet sowie die von uns als Topact zum Abschluss engagierten „Raices Cubanas“ aus Kuba auf.

Mit eingebunden in das Fest wurde ein begehbarer 18m-Truck, in dem die multimediale Ausstellung „Labyrinth Europa: Clandestino illegal“ besucht werden konnte. Diese Ausstellung beschäftigte sich anhand dreier konkreter Fälle mit der Situation sogenannter illegaler Flüchtlinge in Europa. Sie war bereits zwei Tage vor und zwei Tage nach dem Fest für die Öffentlichkeit zugänglich. Unter anderem organisierten wir auch Besichtigungen durch zahlreiche Schulklassen.

Trotz strömenden Regens besuchten über den Tag verteilt bis zu 2000 Menschen diese Open-Air-Veranstaltung.

 

 

11) Kreativhaus Münster: Fest der Kulturen

 

Am 10.November wurde im Kreativ-Haus das „Fest der Kulturen“ gefeiert. Es war der Höhepunkt einer Reihe von Veranstaltungen im Herbst, deren Ziel es war, einen Dialog zwischen den verschiedenen Kulturen, die in Münster leben, zu initiieren, Verständnis und Toleranz zu wecken und die Achtung vor fremden Kulturen zu fördern.

Alle drei Bereiche des Kreativ-Hauses – Jugendkunstschule, Weiterbildung und Theaterbühne – waren gemeinschaftlich an dem Projekt beteiligt.

Die Jugendkunstschule veranstaltete in den Herbstferien einen einwöchigen Workshop „Samba-Tanz & Trommeln“ für Kinder im Alter von 8-12 Jahren. Der Brasilianer Marcus Vinicius Soares, der selbst als Kind in Brasilien Samba getanzt hat, gab seine Begeisterung für diesen Tanz an die Jungen und Mädchen weiter. Unterstützt wurde er dabei von der Pädagogin Claudia Vennemann. Zum Abschluß gab es einen rauschenden Samba-Ball, der auf dem „Fest der Kulturen“ wiederholt wurde.

Als Seminar der Weiterbildung fand Mitte Oktober ein Wochenend-Workshop „colours and lights“ statt. Geleitet wurde er von dem amerikanischen Lightdesigner Fred Pommerehn, unterstützt von dem Lichttechniker Giacomo Battarino. Die Seminar-teilnehmer und Teilnehmerinnen beschäftigten sich drei Tage lang mit den kreativen und künstlerischen Möglichkeiten, die das Medium Licht bietet. Lichtinstallationen wurden erarbeitet und auf dem „Fest der Kulturen“ im Kreativ-Haus ausgestellt.

Der Höhepunkt des Projekts war das eigentliche „Fest der Kulturen“ am 10. November.

Es war ein buntes und lebendiges Spektakel, ein gemeinsames Fest für Münsteraner und Münsteranerinnen aller Generationen und Kulturen.

Es begann am Nachmittag mit dem Familienprogramm: einem iranischen Märchenerzähler für die Kinder, Wiener Cafehausmusik für die Erwachsenen, einer Ausstellungseröffnung mit Bildern des kolumbianischen Künstlers Jorge Hidalgo, einem internationalen Kuchenbuffet und - als Höhepunkt - der Kinder-Samba-Ball.

Auf der Bühne präsentierten ab 17 Uhr Künstler und Künstlerinnen aus 12 Nationen Live-Musik, exotische Tänze und Riten und farbenfrohe traditionelle Kostüme.

Bis in den späten Abend wurde getanzt, getrommelt, getrunken und gut gegessen. Internationale Spezialitäten von indonesischer Suppe bis zu mexikanischen Vorspeisen sorgten für eine spannende Entdeckungsreise durch fremde kulturelle Eßgewohnheiten.

Und Musiker wie z.B. die afrokaribische Sambagruppe Son Cafe brachten süd-amerikanische Karnevalstimmung ins Kreativ-Haus – und das im November.

Insgesamt war das „Fest der Kulturen“ ein großer Erfolg. Das Projekt stieß in Münster auf viel Interesse, vor allem viele ausländische Mitbürger waren von der Idee begeistert und brachten sich auf vielerlei Art in das Projekt ein.

Anne von Papen

 

 

13a) Ringlokschuppen/ Bahnhof Langendreer Bochum: Weltmusikfestival Grenzklänge

 

Projekt Grenzklänge, durchgeführt vom Ringlokschuppen Mülheim, Brotfabrik Bonn und Bahnhof Langendreer

 

Mit dem Projekt Grenzklänge hatten sich die Veranstalter vom Bahnhof Langendreer Bochum, der Brotfabrik Bonn und des Ringlokschuppens Mülheim gemeinsam zum Ziel gesetzt, den musikalisch-kreativen Austausch verschiedener Kulturkreise in Konzerten  zu ermöglichen.

Den Dialog der Kulturen fördern, grenzüberschreitende musikalische Begegnungen anregen, verschiedene Musiktraditionen, -epochen und –stile im Experiment zusammenführen war die Intention des Projektes Grenzklänge.

 

Zu Gast in den drei Häusern waren an zwei Abenden im November :

Das Cross-over Projekt  “Between – an exciting Trip between three cultures”.

Hier begegneten sich Musiker aus Afrika, Indien und Europa.

Dem Berner Perkussionisten Stephan Rigert ist es in diesem Projekt gelungen, einige der hervorragensten  Instrumentalisten aus den drei Kontinenten zusammenzuführen

Als Ergebnis der drei Between-Konzerte kann man feststellen, dass das Projekt Between,    dem Publikum vorgeführt hat, welche Möglichkeiten interkulturelle Kommunikation im  kreativen musikalischen Prozess beinhalten kann und wie dies spielerisch umgesetzt werden kann. Hier hat sich im musikalischen Prozess das gezeigt, was in der Politik noch lange nicht umgesetzt ist, künstlerische Arbeit losgelöst von nationalen Konzepten und ethnischen Zuweisungen, so dass neue künstlerische Sprachen entstehen und neue kulturelle Gemeinschaften entstehen können. An diesem“ Gemeinschaftsgefühl“ konnte das Publikum an den drei Abenden mitpartizipieren.

 

Das zweite Projekt , das ebenfalls in den drei Häusern zu Gast war, war nur aufgrund einer Zusammenarbeit mit dem Theater an der Ruhr möglich. Als Sonderveranstaltung zum 20- jährigen Bestehen des Theaters an der Ruhr formierte sich ein einziartiges Weltmusik-cross-over-Projekt:

Drei Gruppen aus Zentralasien traten in einem gemeinsamen Konzert auf und führten traditionelle  Musikstücke, Tänze und Instrumente ihrer Heimat vor. Die Gruppen aus Kasachstan, Usbekistan und Turkmenistan präsentierten ihre Kultur und somit ihre ureigensten Wurzeln auf vielgestaltige Art und Weise.

Für das Publikum war es sehr hilfreich, dass vor diesen  Konzerten eine musikethnologische Einführung  gegeben wurde. Damit wurde die Kommunikation zwischen Künstlern und Publikum erleichtert und es gab dadurch nach den Konzerten noch regen Gesprächsstoff.

Für die Künstler aus Zentralasien war das Grenzklänge-Netzwerk eine große Chance außerhalb vom Theater an der Ruhr an drei Abenden  ihre Kultur in den Blickpunkt zu stellen.

Insgesamt war dieses Projekt eine sehr gelungene Zusammenarbeit von Theater und Soziokultur und als Beispiel für Vernetzung herausragend.

 

Grenzklänge hatte insgesamt eine gute Publikumgsresonanz. Sinnvoll war auch, dass beide Konzerte in zeitlich nahem Abstand stattgefunden haben, sodass die Medien durch die Konzentration auf das Thema gut mitgespielt haben.

Auch die Zusammenarbeit der drei Zentren, deren Programmschwerpunkt interkulturelle Arbeit ist, war sinnvoll und ist sicher noch ausbaufähig.   

 

 

13b) Bahnhof Langendreer in Kooperation mit biim : „Improvisierte Musik als Beispiel herrschaftsfreier Kommunikation unter unterschiedlichen gesellschaftlichen und historischen Bedingungen“

Das Programm wurde mit Ausnahme des Konzerts am 27. 9. (Albert Ayler Projekt), das leider wegen Krankheit eines Musikers ausfallen musste, wie geplant durchgeführt. Bei den Konzerten waren ca. 40 – 50 zahlende BesucherInnen anwesend, einige jugendliche Interessierte wurden eintrittsfrei eingelassen. Bei dem Vortrag waren 18 TeilnehmerInnen anwesend.

Der eingeladene Referent ging in seinem Vortrag auf verschiedenen Richtungen von Jazz und improvisierter Musik ein, skizzierte Prinzipien herrschaftsfreier Dialoge unter musikwissenschaftlichen Aspekten, um  anschließend  an Beispielen das Verhältnis von Jazz und JazzmusikerInnen zu Herrschaftssystemen zu analysieren. Unter Bezug auf die Konzerte der Reihe bildeten die sog. „englische Schule“ und die Geschichte des Jazz in der DDR einen Schwerpunkt seiner Ausführungen. Den angekündigten historischen Überblick hat er angesichts der Ereignisse am 11. 9. 2001 um den Punkt „Jazz in Kriegszeiten“ erweitert. Die anschließende Diskussion beschäftigte sich lebhaft mit den in der Konzeption skizzierten Fragen.

Insgesamt wird das Projekt von uns als erfolgreich angesehen. Auch am 27. 9. kamen etliche Interessierte in den Bahnhof, da der Ausfall des Konzerts lediglich lokal bekannt gegeben werden konnte.

Am 16. 9. blieb die Besucherzahl jedoch geringer als erwartet, was sicher auf eine allgemeine Unsicherheit über die Realisierung geplanter und angekündigter Veranstaltungen zurück zuführen ist, die in diesen Tagen bei allen Publikumskreisen herrschte.

 

 

13c) Bahnhof Langendreer, Bochum: Odyssee- Kulturen der Welt

 

Die Veranstaltergemeinschaft "Odyssee- Kulturen der Welt" hat im Spätherbst

2002 die Notwendigkeit gesehen, im Rahmen ihres Gesamtkonzepts anlässlich

der hochaktuellen Auseinandersetzung zwischen westlicher und islamischer

Welt, einen konkreten Beitrag zum interkulturellen Dialog zu leisten.

Wir haben recht spontan eine im Bahnhof Langendreer geplante

Konzertveranstaltung mit dem marokkanischen Musiker Housseine Kili in ein

sowieso stehendes Zelt an der Jahrhunderthalle  verlegt. Dazu wurde eine

prominent besetztes Podiumsdebatte organisiert, an der unter anderen der

Südafrikaner Dennis Goldberg, der Vorsitzende des Bundesausländerbeirats

Kilic, der afganische Oppositionspolitiker Spanda und die WDR- Redakteurin

Gabi Gillen teilnahmen.

Die Kombination aus Debatte und kulturellem Beitrag zu aktuellen Fragen,

insbesondere zur Migration und den daraus entstehenden Problemen, hier

konkret der Islam in der europäischen Kultur, ist ein erprobtes Konzept des

Festivals "Odyssee- Kulturen der Welt. So war auch dies Sonderveranstaltung

des Festivals ein wichtiger aktueller Beitrag zur Debatte.

 

 

17) Begegnungszentrum Druckerei, Bad Oeynhausen: Bündnis für Toleranz und Zivilcourage

 

Das Begegnungszentrum Druckerei e.V. hat sich mit dem Projekt „Bündnis für Toleranz und Zivilcourage“ einen Arbeitsschwerpunkt für das Jahr 2001 gesetzt.

Vor dem Hintergrund der Tatsache, dass es in unserem Land erneut zu Aufmärschen Rechtsradikaler und gewalttätiger Übergriffe auf Minderheiten kommt, wollten wir damit einen Beitrag  leisten, auch in unserer Stadt, das Bewusstsein für die Problematik zu schärfen.  Stellenweise scheint zudem ein Klima der Gleichgültigkeit, der heimlichen oder sogar der offenen Zustimmung gegenüber dieser erschreckenden Entwicklung zu herrschen. Umso mehr galt es für uns, deutlich zu machen: Jeder Mensch, der in unserer Stadt lebt, ist vor Gewalt und Verfolgung zu schützen! Extremistische Aktivitäten und Erscheinungen sind keine Randprobleme unseres Gemeinwesens. Wir wollten daher ein Bündnis für Demokratie, Toleranz und Zivilcourage schaffen, das die Werte und Garantien unseres sozialen demokratischen Rechtsstaates umsetzt und offensiv vertritt. Wichtigstes Ziel des Bündnisses war das entschiedene Eintreten für den Schutz und die Achtung demokratischer Regeln, für den Respekt vor der Würde des Menschen, für Toleranz und Solidarität.

Um unser Projekt ins Leben zu rufen und um eine möglichst große Zahl von ansässigen Institutionen und Bürgern zu erreichen, haben wir im Januar 2001 einen Appell für Toleranz und Zivilcourage an die Bad Oeynhausener Bevölkerung gestartet. Dieser Appell wurde mit einer Unterschriftenaktion verbunden. Mit diesem provokanten Gang an die Öffentlichkeit wollten wir eine größere Aufmerksamkeit für die Problematik schaffen und sozusagen einen ersten Stein werfen.

Unser Appell basiert auf die vom Land NRW initiierte Aktion für ein Bündnis für Toleranz und Zivilcourage, die ausdrücklich auf ein individuelles Eintreten von Organisationen, Institutionen, Vereinen und Personen setzt, sich diesem Thema anzunehmen. Der Appell wurde an alle Institutionen, Vereine, Parteien, Organisationen, Kliniken, Ärzte, Rechtsanwälte, Apotheken, größeren Betriebe und einzelne Personen in einer Auflage von 5200 Exemplaren verteilt. Mit dem Erfolg, dass wir bis März 2001 ca. 1000 Unterschriften sammeln konnten.

Am 29.01.2001 wurde eine Informationsveranstaltung zum Appell in der Druckerei durchgeführt. Die Resonanz war sehr erfreulich. Es fanden sich ca. 50 Vertreter von Bad Oeynhausener Institutionen und interessierte Bürger der Stadt ein, um über das Thema zu diskutieren. Diese Veranstaltung hatte auch das Ziel, das geplante Bündnis für Toleranz und Zivilcourage in unserer Stadt ins Leben zu rufen, um weitere Aktionen und Veranstaltungen zu planen und durchzuführen.

Eine ca. 20 Personen umfassende Gruppe mit Vertretern des Begegnungszentrum Druckerei, der Alt-Stadt Gemeinde, den Jusos, der SPD, dem Bündnis90/Die Grünen, der Gewerkschaft, dem Jugoslawischen Verein, der Eine Welt Gruppe, der SV des Immanuel Kant Gymnasiums und einzelner Bürger beschloss, das Bündnis ins Leben zu rufen.

Somit war der Appell ein erfolgreicher Aufhänger, um verschiedene interessierte Gruppen in einem Bündnis zu vereinen und eine erfolgreiche Koordinierung zu verwirklichen. Das Bündnis nahm in regelmäßigen Treffen in der Druckerei seine Arbeit auf.

Neben der Planung und Organisation eines Jahres-Veranstaltungsprogramms zum Thema, bestand eine der ersten Aktionen des Bündnis darin, einen gemeinsamen Bürger-Antrag an den Rat der Stadt Bad Oeynhausen zu formulieren und zu stellen:

 

Der Rat der Stadt Bad Oeynhausen möge folgende Resolution beschließen:

"Bad Oeynhausen hat keinen Platz für Rassismus und Diskriminierung

Der Rat der Stadt Bad Oeynhausen ist sich bewusst, dass in unserer Gesellschaft Menschen aufgrund ihres Geschlechts, ihrer Religion, ihrer Nationalität oder Herkunft, ihrer Hautfarbe, ihrer sexuellen Identität, ihres Alters, ihrer Behinderung, ihrer sozialen Stellung oder ihrer persönlichen Umstände ausgegrenzt und benachteiligt werden.

Der Rat der Stadt Bad Oeynhausen stellt fest, dass dieser Rassismus und diese Diskriminierung im Widerspruch zu dem in Artikel 1, Grundgesetz, garantierten Schutz der Menschenwürde und dem in Artikel 3, Grundgesetz, enthaltenen Gleichbehandlungsgebot steht und verpflichtet sich daher, im Rahmen seiner Möglichkeiten alle erforderlichen Maßnahmen zu ergreifen, um jeder Art von Rassismus und Diskriminierung in der Stadt Bad Oeynhausen entgegenzuwirken. Darüber hinaus fordert der Rat der Stadt alle Bürgerinnen und Bürger sowie alle in Bad Oeynhausen ansässigen oder tätigen Unternehmen, Betriebe, Behörden, Institutionen, Vereine und Verbände auf, sich dieser Selbstverpflichtung anzuschließen."

Dieser Bürger-Antrag wurde am 24.04.2001 einstimmig vom Rat der Stadt Bad Oeynhausen verabschiedet.

 

Weiterer Arbeitsschwerpunkt des Bündnisses war die Aufstellung eines Veranstaltungsprogramms zum Thema Toleranz und Zivilcourage. Hierbei lag der Schwerpunkt auf eine möglichst breite Fächerung des Programm-Angebotes, damit viele Menschen von dem Thema angesprochen werden: Lesungen, Kino, Vorträge, Afrikatag, Ausstellungen, Theater, etc..

 

Resume –Positives:

Alle Veranstaltungen fanden im Begegnungszentrum Druckerei statt und wurden vom Bündnis geplant, organisiert und durchgeführt. Eine breite Beteiligung der verschied-enen ansässigen Gruppen war ein Erfolg der Initiative. Es wurden die verschiedensten Ideen eingebracht und versucht umzusetzen, angeregte Diskussionen und die regel-mäßige Zusammenkunft waren sehr positiv zu bewerten. Zu einzelnen Veranstaltungen wurden Informationstische über das Bündnis eingerichtet. Durch den Bürger-Antrag wurde die Arbeit des Bündnisses einer breiten Öffentlichkeit deutlich und erlangte durch die Verabschiedung des Antrags durch den Rat eine gewisse Anerkennung. Die Arbeit des Bündnisses soll auch in Zukunft fortgesetzt werden.

Ein besonderer Schwerpunkt lag auf der Organisation der Internationalen Tage der Begegnung, bei dem der Aspekt der Information über ausländischen Gruppen im Mittelpunkt stand. Diese Tage waren ein voller Erfolg, eine bunte Mischung aus traditionell Folkloristischem, Kulinarischem und Musikalischem stand auf dem Programm und wurde hervorragend umgesetzt. Ein international besetztes Schach -Turnier während des 22.09.2001 brachte manche Nationalität an einen Tisch und schuf eine gute Vorraussetzung für den abendlichen Teil des Programms. Grußworte des Bürgermeister erreichten deutsche sowie ausländische Mitbürger und es wurde bis spät in die Nacht gemeinsam gefeiert.

Das Ziel auch Jugendliche mit dem Thema zu erreichen, ist bei dem Band-Contest recht gut gelungen, denn jede Band hatte ja zur Auflage, sich in einem Beitrag mit dem Thema zu beschäftigen. Die 5 Bands, die letztendlich für die Ausscheidung ausgewählt wurden, haben sehr viel Kreativität bewiesen und sich dem Thema gestellt. Es hatten sich insgesamt 10 Bands beworben. Auch der Besuch mit ca. 100 Personen kann als Erfolg gewertet werden.

 

Resume – Negatives:

Insgesamt muß man feststellen, dass das Interesse der Bevölkerung, sich mit dem Thema zu beschäftigen, eher gering ist. So waren die Veranstaltungen Kino, Lesung, Vorträge und Theater, bis auf wenige Ausnahmen, sehr schlecht besucht. Nach dem 11.September war deutlich, dass sich die meisten Menschen mit anderen Problemen und Sorgen befasst haben. Nun muss man auch bemerken, dass die Problematik des Rechtsextremismus in Bad Oeynhausen eher latent unterschwellig vorhanden ist, es also keine konkreten Reibungspunkte gibt, die in der hiesigen Öffentlichkeit eine Rolle spielen. Bis auf ein paar jugendlicher Schmierereien, die „Volkes Zorn“ auf sich gezogen haben, sind wir hier bisher von gewalttätigen Ausschreitungen und Übergriffen verschont geblieben. Daher vielleicht auch das akute geringere Interesse der breiten Bevölkerung, sich mit dem Thema zu befassen.

 

 

18) Alten Feuerwache Köln: „Auf die Bühne“

 

Das Projekt „Auf die Bühne“ fand von März bis Dezember 2001 in den pädagogischen Bereichen des Bürgerzentrums Alte Feuerwache statt.

Ziel des Projektes war es, dass Kinder, Mädchen und Jugendliche sich mit ihren, Alters- und geschlechtsspezifischen Ausdrucksformen auf der Bühne darstellen. Dabei sollten sie ihre Ausdrucksformen selbst finden, inszenieren und darstellen.

An dem Projekt haben Kinder, Mädchen und Jugendliche verschiedener sozialer Schichten und unterschiedlicher kultureller teilgenommen.

Die Darstellung fand auf der Bühne des großen Saals der Alten Feuerwache am

4. November 2001, in Form einer gemeinsamen Aufführung der drei pädagogischen Bereiche, statt. Parallel dazu gab es ein, mit den Kindern, Mädchen und Jugendlichen durchgeführtes Cafe mit einer Internet-Ecke.

Die Kinder des Kinderbereichs präsentierten in diesem Zusammenhang ein musikalisches Hörspiel, dass die Elemente Lifemusik, Theater, Tanz enthielt und mit den Kindern vorher als Geschichte entwickelt worden war. Weiterhin gab es von den Jungen des Kinderbereichs eine Breakdanceaufführung.

Die Mädchen des Mädchenbereichs beschäftigten sich mit dem Thema „Schrill, schräg und elegant oder die Lust am Schön sein“. Im Rahmen dessen entwarfen sie Kleidungs- und Schmuckstücke, die sie dann selbst anfertigten, um sie in einer selbst inszenierten Modenschau zu präsentieren.

Im Jugendbereich fand ein Computerkurs statt. Die Jugendlichen konnten das dort gelernte im Café, das im Rahmen der Veranstaltung im Saal geöffnet war, an den dort aufgebauten Computern präsentieren. Der andere Teil des Jugendbereichs war ein Musikprojekt, in dem Jugendliche Musikstücke am Computer komponierten und Texte dazu schrieben, die sie dann live auf der Bühne zeigten.

Mit ca. 300 ZuschauerInnen war die Veranstaltung sehr gut besucht und sie war sowohl für die Kinder, Mädchen und Jugendlichen, als auch insgesamt, ein voller Erfolg.

 

Musikalisches Hörspiel "Der Dämon von Galxia" von Kindern:

Vor Beginn des musikalischen Hörspieles sollten die Kinder mit den verschie-denen Instrumenten vertraut gemacht werden. Im Rahmen des Projektes haben wir uns deshalb überlegt, daß der Musiker Selcuk Pekeli an drei Nachmittagen den Kindern die Möglichkeit bietet, spielerisch die Instrumente auszuprobieren bzw. damit zu experimentieren. Bei dieser Einführung in die Musik haben Kinder, die regelmäßig den Offen Kindertreff besuchen, teilgenommen. Die Kinder stammen aus verschiedenen Kulturen.

Aufgrund dessen, daß keines der Kinder ein Instrument spielt, war dies sehr sinnvoll und effektiv. An diesen Nachmittagen haben die Kinder die Erfahrung gemacht, daß man mit den Instrumenten (verschiedene Percussions-Instrumente, Trommeln, Xylophon, Steeldrum usw.) unterschiedliche Töne, Klänge bzw. Geräusche erzeugen kann und wie die Handhabung ist. Sie haben auch erlebt, daß das gemeinsame Musizieren nur dann möglich ist, wenn alle zusammen-arbeiten und aufeinander hören. Durch diese Schnuppernachmittage wurden die Kinder auf das Projekt aufmerksam gemacht und zur Teilnahme motiviert.

Nach dieser Einführung in die Musik konnte dann mit dem Hörspiel begonnen werden, das 7 Nachmittage umfaßte. Der Dozent Marcus Dietz hat vorerst mit drei älteren Kindern die Fantasie-Geschichte "Der Dämon von Galaxia" geschrieben, welche aus Vorstellungen und Phantasien der Kinder entwickelt wurde.

Die Geschichte handelt von einem Dämon auf dem Planeten Galaxia, der nach ein paar Hundert Jahren aus seinem Schlaf erwacht. Dieser hindert die Kinder auf dem Planeten Spaß zu haben, gemeinsam zu musizieren usw.. Die Kinder versuchen auf verschiedene Weise, den Dämon zu vertreiben. Doch alle Versuche scheitern, bis ein Kind aus der Feuerwache mit seiner magischen Kraft zur Hilfe kommt. Dieses Feuerwachen-Kind hat die Idee, gemeinsam den Dämon mit Trommeln zu verjagen. Durch das gemeinsame Spielen schaffen sie es schließlich, den Dämon zu vertreiben. Die Hauptaussage der Geschichte ist "Nur gemeinsam sind wir stark". Anschließend wurde die Geschichte von den Kindern gesprochen und aufgenommen.

In der zweiten Phase der Entwicklung des Hörspiels kamen weitere vier Kinder hinzu, um mit den Instrumenten wie z. B. Xylophon, Trommeln, Percussion-Instrumenten und Steeldrum die Geschichte mit Geräuschen und Tönen zu untermalen. Die verschiedenen Ereignisse in der Geschichte wurden sowohl erzählt sowie musikalisch dargestellt. Das Gesamtwerk wurde dann mit einem Kassettenrecorder aufgenommen und mit der Zuhilfenahme eines Mischpultes mit fremdartiger Musik ergänzt.

Parallel zum musikalischen Teil hat die Tanzpädagogin Christiane Müller mit vier Mädchen eine Choreographie zum Hörspiel entwickelt, welche die Geschichte visualiesieren sollte. Es war besonders wichtig, eine kindgerechte Tanzchoreo-graphie zu entwickeln, da die Mädchen im Alter von 6 bis 8 Jahren waren und keine vorherigen Erfahrungen im Tanzen hatten. Die Mädchen haben sehr viele improvisierte Bewegungen ausgeführt, die altersgemäße Bewegungselemente enthielten. Die Proben fanden vorerst getrennt von der anderen Gruppe statt. Erst nachdem die Choreographie von den Kindern beherrscht wurde, fanden an drei Nachmittagen die gemeinsamen Proben statt.

Insgesamt haben 10 Kinder im Alter von 6 bis 11 Jahren an diesem Hörspiel mitgearbeitet. Es wurde jedem Kind Raum für sich gegeben, und gleichzeitig wurden die Kinder darin gefördert, als Gruppe zu arbeiten. Sie hatten die Möglichkeit, sich auf verschiedene Weise auszudrücken, wobei sie ihre Stärken einbringen und weiterentwickeln konnten. Aufgrund der Improvisationseinheiten

im Hörspiel konnte sehr gut auf die einzelnen Kinder eingegangen werden.

Die Präsentation des Hörspiels erfolgte bei der gemeinsamen Veranstaltung "Auf die Bühne!" Kurz vorher fand noch eine Generalprobe statt. Der Bühnenauftritt gestaltete sich in der Form, daß die Aufnahme des Hörspiels vorgespielt und von den Kindern mit Live-Musik begleitet und durch den Tanz visualisiert wurde. Beim Auftritt trugen die Kinder die von der Nähwerkstatt genähten Kostüme und hatten sich geschminkt, wodurch die Hörspiel-Geschichte auch optisch zum Ausdruck kam.

 

Breakdance von Kindern:

In dem Zeitraum vom 28.09. bis 4.11.2001 fand im Rahmen des Kindertreffs ein Breakdance-Workshop statt. Damit kamen wir insbesondere den Interessen der Jungen entgegen, die häufig im Kindertreff Musik hören und verschiedene Breakdance-Schritt ausprobieren. An diesem Breakdance-Workshop haben 7 Jungen im Alter von 9 bis 10 Jahren kontinuierlich teilgenommen. Die Jungen stammen aus verschiedenen Kulturen, d. h. sie sind türkischer, deutscher bzw. italienischer Herkunft. Für die Durchführung des Breakdance-Workshops haben wir den Breakdancelehrer Jörg Thielen engagiert, der in vielen sozialen und kulturpädagogischen Einrichtungen in Köln Breakdance unterrichtet.

Der Breakdance-Workshop begann als Schnuppernachmittag im Rahmen des Kindertreffs der Alten Feuerwache. Dadurch wurden die Kinder auf das Projekt aufmerksam gemacht und hatten die Möglichkeit, Breakdance auszuprobieren. An diesem Nachmittag haben 15 Kinder an dem Schnuppernachmittag teilgenom-men. Es wurde schnell deutlich, daß dieses Angebot vor allem den Interessen der älteren Jungen entspricht. Eine Gruppe 9 Jungen hat sich dazu entschlossen, an diesem Workshop weiterhin teilzunehmen, d. h. zweimal wöchentlich zusammen zu arbeiten.

Zu Beginn des Workshops wurden die speziellen Grundschritte des Breakdances eingeübt. Erst nachdem die Jungen diese Schritte beherrschten, konnte eine Choreographie entwickelt werden. Bezüglich der tänzerischen und rhythmischen Begabungen gab es von Anfang an größere Unterschiede bei den Einzelnen. Die Stärken der einzelnen Jungen waren sehr unterschiedlich, d. h. einige waren in ihren rhythmischen Bewegungen besser und andere in den akrobatischen Anteilen des Tanzes. Die Aufgabe von Jörg Thielen war es deshalb, mit jedem einzelnen Jungen eine angemessene Choreographie zu entwickeln, wodurch die unter-schiedlichen Fähigkeiten gefördert werden. Die Choreographie bestand aus sechs Tanzeinheiten, die die erlernten Schritte enthielten.

Diese Tanzeinheiten wurden in verschiedenen Formen ausgeführt, zum einem mit der gesamten Gruppe, zum anderen wurden die Jungen durch das abwechselnde Tanzen als Einzelner in den Mittelpunkt der Gruppe gestellt. Durch das Tanzen des Einzelnen im Mittelpunkt wurde auch sehr viel Raum für Improvisation gegeben, worin sich das jeweilige Kind entfalten konnte. Ein großer Bestandteil der Choreographie beinhaltete auch das synchrone Tanzen von jeweils zwei Jungen, die ihre Bewegungen aufeinander abstimmen mussten.

Die Jungen hatten sehr große Erwartungen an sich selber und wollten zu Anfang schon die schwierigen akrobatischen Anteile erlernen. Die Motivation der Jungen war sehr hoch. Jedoch hatten einige Jungen Schwierigkeiten dabei, die Notwendigkeit der ständigen Wiederholungen in den Proben einzusehen und regelmäßig an diesen teilzunehmen.

Zwei Jungen waren nicht in der Lage, regelmäßig und konzentriert zu arbeiten und sind schließlich aus der Gruppe ausgestiegen.

Für die Jungen war die Präsentation am 4. November ein besonderer Höhepunkt. Die Erwartungen und die Aufregung waren sehr groß. Der Erfolg bei der Präsentation und das Erleben, dass sie die hohen Anforderungen erfüllen konnten, hat sich positiv auf das Selbstbewusstsein des Einzelnen ausgewirkt. Die Jungen haben sich auch als Gruppe zusammen gefunden. Das Gruppengefühl wurde vor allem durch die synchrone Ausführung der Bewegungen gefördert, weil jeder auf sein Gegenüber achten musste. Den Jungen war klar, dass die Qualität ihrer Performance davon abhängt, wie gut sie als Gruppe zusammen tanzen.

 

Schrill, schräg und elegant - oder die Lust am Schön sein!

Der Projektteil der Mädchen:

Das Projekt im Mädchentreffs der Alten Feuerwache fand in der Zeit von Mai bis Dezember statt. Zur Einführung konnten die Mädchen ab Mai, einmal in der Woche, an kleineren Objekten, wie Taschen und Kissen, die Entstehung eines Nähobjektes und den Umgang mit der Nähmaschine kennen lernen. An dieser Einführung nahmen zehn Mädchen im Alter von 12 bis 15 Jahren, unterschiedlichster kultureller Herkunft teil.

Im Juli fand eine eintägige Veranstaltung in den Räumen des Mädchentreffs statt.

Dies war als Einstieg in die Thematik: Wie sehe ich aus, wie möchte ich mich darstellen, wie fühle ich mich in meinem Körper? gedacht. Daran nahmen ca. 40 Mädchen im Alter von 11 bis 17 Jahren unterschiedlichster kultureller Herkunft teil. Hier konnten die Mädchen sich schminken lassen, an einem Massageworkshop teilnehmen oder es wurden Porträtfotos von ihnen erstellt.

Weiterhin gab es im Juli einen zweitägigen Specksteinkurs. Dabei konnten die Mädchen Schmuckstücke aus Speckstein entwerfen und selbst herstellen. An diesem Kurs haben 8 Mädchen im Alter von 12 bis 16 Jahren, unterschiedlichster Herkunft teilgenommen.

 

Nun startete das eigentliche Nähprojekt. An diesem Projekt haben 12 Mädchen im Alter von 11 bis 17 Jahren, unterschiedlichster kultureller Herkunft, über einen Zeitraum von drei Monaten teilgenommen. Nachdem die ersten Kleidungsstücke erstellt waren, wollten sich noch viele andere Mädchen beteiligen. Leider konnten zu diesem Zeitpunkt nicht mehr alle Interessentinnen berücksichtigt werden, da es nicht genügend Arbeitsplätze in der Kostümwerkstatt gab.

Zunächst fertigten die Mädchen Entwürfe in Form einer Zeichnung von den Kleidungsstücken, die sie nähen wollten, an. Jedes Mädchen konnte entweder einen Rock und ein Oberteil, eine Hose und ein Oberteil oder ein Kleid nähen. In kleinen Gruppen wurde in der Stadt der notwendige Stoff und das entsprechende Zubehör ausgesucht und eingekauft.

Ab August konnten die Mädchen in Zusammenarbeit mit einer Schneiderin der Kostümwerkstatt in der Alten Feuerwache, die entsprechenden Schnittmuster für ihre Kleidungsstücke anfertigen. Die Mädchen trafen sich jeweils einmal in der Woche Donnerstags von 16-18 Uhr. In Gruppen von vier Mädchen, unter Anleitung der Schneiderin und unterstützt durch eine Honorarkraft, fertigten die Mädchen ihre Wunschkleidung an. Sobald die Mädchen fertig waren, konnte die nächste Gruppe nachrücken, so dass zehn Termine in der Kostümwerkstatt benötigt wurden. Die leichteren Nähvorgänge mussten außerhalb der Donnerstage in der Kostümwerkstatt, während des laufenden Programms im Mädchentreff, fertiggestellt werden, damit alle 12 Mädchen ihre Kleidungsstücke bis zur Präsentation genäht hatten.

Bei diesem Projekt lernten alle Mädchen folgende Schritte vom Entwurf bis zur Fertigstellung eines Kleidungsstückes kennen:

·         Zeichnerischer Entwurf

·         Menge des Stoffes und das notwendige Zubehör

·         Kopieren eines Schnittmusters

·         Übertragung des Schnittmusters auf den Stoff

·         Ausschneiden des Stoffes

·         Umgang und Funktionsweisen einer elektrischen Nähmaschine

·         Fertigstellung eines Kleidungsstückes an der Nähmaschine

·         Anpassungs- und Änderungsschritte bis zum perfekten Sitz des Kleidungsstücks

 

Alle 12 Mädchen haben das Projekt mit hoher Motivation durchgeführt und beendet. Jede konnte ein Outfit ihrer Wahl fertig stellen. Die Mädchen waren mit ihren Endprodukten sehr zufrieden und sehr stolz auf ihre eigene Leistung.

Für die Präsentation ihrer Modelle im Saal der Alten Feuerwache entwickelten und erstellten die Mädchen zunächst ein Bühnenbild. Danach inszenierten sie, unterstützt durch eine Choreographin eine Modenschau.

Zum Auftakt wurde ein 2 ½ minütiger Videoclip gezeigt, der zuvor mit Hilfe einer Honorarkraft erstellt worden. Dieser Clip hat Szenen aus dem Alltag und die Besonderheiten des Mädchentreffs zum Inhalt. Hier waren auch diejenigen Mädchen beteiligt, die nicht mehr an dem Nähprojekt teilnehmen konnten. Im Anschluss an den Videoclip zeigten die Mädchen in kleinen Gruppen oder alleine ihre Werke bei lauter Musik auf dem Laufsteg. Einige hatten sich kleine Spielszenen aus dem Alltag jugendlicher Mädchen zur Vorführung ausgedacht. So benutzten zwei Mädchen einen Roller um damit über die Bühne zu fahren, eine andere saß auf einer von der Decke herabhängenden Schaukel. Der überwiegende Teil präsentierte die Objekte durch „modellhaftes Gehen“ kombiniert mit kleinen Tanzchoreographien. Am Ende der Vorführung wurden die „Models“ auf der Bühne von einer jugendlichen Moderatorin interviewt.

Die Vorführung war ein riesiger Erfolg. Alle Mädchen, außer einer, haben ihre fertigen Sachen auf der Bühne in einer perfekten Show präsentiert. Das Publikum war begeistert und die Mädchen waren sehr stolz auf sich.

Es gab viele Anfragen von Seiten der Mädchen dieses Projekt weiterzuführen, deshalb wurde das Nähprojekt einmal wöchentlich weitergeführt. Auch hier waren die Mädchen engagiert dabei und sehr zufrieden mit ihren selbst genähten Anziehsachen.

 

Computer als Medium für Kreativität und Kommunikation

Jugendbereich

Dieses Projekt hatte zwei inhaltliche Schwerpunkte

1.      Die Themen Webseitengestaltung, Internet und das Erstellen einer Zeitung

2.      Verwendung des Computers als Instrument zur Gestaltung eigener Musikstücke

 

Zu 1:  Ab Februar 2001 traf sich eine feste Gruppe mit 6 Jugendlichen im Alter von 12 Jahren regelmäßig einmal pro Woche. Schrittweise wurden die TeilnehmerInnen darin gefördert, das notwendig Wissen für die Erstellung einer Internetseite oder – zeitung  zu erlangen. Während einer Stunde pro Termin wurde gemeinsam das ABC im Umgang mit Computern erlernt, in der restlichen Stunde konnten die Mädchen und Jungen ihre Kenntnisse ausprobieren.

Bis Oktober gab es dabei folgende Lernschritte:

·         Was ist Hardware, wie sieht ein Computer von innen aus, wofür sind Karten da, wie kann ich meinen Computer erweitern?

·         Erlernen der Windows- Oberfläche, Arbeiten mit der Maus, mit Fenstern und Unterfenstern, wofür sind Programme da?

·         Kennen lernen wichtiger Tastenkombinationen

·         Näheres Eingehen auf Windows – und andere Computerprogramme; Starten des Computers, Arbeiten mit Word, Korrigieren, Drucken, Bildbearbeitung.

·         Was ist Internet, Chatten, Homepage?

·         Übungen zur Gestaltung von Internet – Seiten.

·         Wie gestalten wir unsere Internetseite im Portal der JUKOBOX in Köln?

Bis zur Vorführung der Projekte im November  wurden verschiedene Entwürfe und Ideen ausprobiert, bis zum Erstellen einer gemeinsamen kam es bis dahin aber nicht.

Im Rahmen der Aufführung wurde ein Internetcafé aufgebaut, wo Interessierte Fragen stellen konnten, selber surfen, ihre eigene E-Mail Adresse einrichten etc.. Auf diese Weise wurden 2 weitere Interessenten für die laufende Computergruppe im offenen Jugendbereich hinzugewonnen.

 

Zu 2:  Ab Juni befasste sich im Kern eine Gruppe von 4 Jugendlichen im Alter von 19 – 22 Jahren intensiv mit dem Verfassen und Einüben von Musikstücken unter Einbeziehung von Computersounds, Gesang, Gitarre und Schlagzeug. Hervorgegangen ist diese Gruppe aus dem LAG Musik – Computer Projekt des Jahres 2000. Die Motivation der Einzelnen konnte bleibend erhalten werden, sodass es ab Juni wieder zu einer intensiven Phase der Arbeit in Zielrichtung auf einen Auftritt der Gruppe bei der Präsentation des LAG – Projektes im November kam.

Die 4 Jugendlichen erarbeiteten mit der Hilfe und Beteiligung eines Musiklehrers ein Repertoire von 7 Stücken. Bis zum Auftritt am 4.11. waren dazu sehr zeitintensive Proben erforderlich. Massive Probleme innerhalb der Gruppe während der Hauptstresszeit wurden gemeistert; in Hinblick auf den Auftritt gab es bis zuletzt auch große Nervosität gegenüber der ersten Publikumserfahrung in dieser Form.

Die Jugendlichen gaben ihrer Gruppe den Namen „Blackheadz“   - Mit schwarzen Haaren gehört man nicht zu einer nicht hochgeachteten gesellschaftlichen Schicht.

Die Aufführung vor großem Publikum war dann ein sehr bestätigendes Erlebnis als Höhepunkt nach sehr vielen Mühen. Insgesamt über 2 Jahre war, inclusive des vorhergegangenen LAG – Projektes, die Vorbereitungszeit. Vom Lernen des Umgangs mit Computermusiksoftware bis hin zum vertiefen der Keyboard – Kenntnisse durch Musikunterricht.

Die Jugendlichen sind in das Cliquensystem des offenen Jugendbereiches fest eingebunden. Die Förderung ihrer Interessen durch dieses Projekt war sehr stabilisierend in der persönlichen Lebenslage.

Viele andere Jugendliche sind durch die Aufführung motiviert, an ähnlichen Projekten mitzuarbeiten.

 

 

23) KuBiSchu, Hattingen: Literaturprojekt „Vom Lachen und Totlachen“

 

In diesem Projekt ging es um das Lachen in all seinen Facetten: lächeln, jemanden auslachen, sich kranklachen, sich totlachen; befreiendes Lachen, verbindendes Lachen, Gelächter, Hohnlachen, vernichtendes Lachen, das Lachen bleibt im Halse stecken ...

In verschiedenen Arbeitsgruppen, die sich im Laufe des Frühjahrs und Sommers bildeten, wurde dieser Themenbereich konzeptionell und inhaltlich bearbeitet, das breite Spektrum des Wortfeldes „lachen“, die Ambivalenz, die Grenzbereiche, die mit dem Wort „lachen“ angerissen werden.

Das Ergebnis waren Veranstaltungen und Vorträge einer Veranstaltungsreihe der KUBISCHU im September. Termin: 31.8. bis 23.9.2001

Parallel dazu schrieben wir einen Literatur-Förderpreis für junge Autorinnen und Autoren von 16 bis 25 Jahren aus. Diese Ausschreibung erfolgte bundesweit und im deutschsprachigen Ausland. Die folgenden Zahlen zeigen die große Resonanz: Es gab über 250 Anfragen, 159 Bewerbungen, darunter 18 Bewerbungen aus dem Ausland (Österreich, Schweiz, Georgien, Großbritannien, Italien, Griechenland). Acht Bewerber lud eine Jury nach Hattingen zu einer Lesung in das Stadtmuseum Hattingen ein.

Neben der Förderung durch das Ministerium für Städtebau und Wohnen, Kultur und Sport des Landes NRW (über LAG) erhielt die Kubischu eine finanzielle Förderung durch das Kulturbüro der Stadt Hattingen. Darüber hinaus förderten das Kulturbüro und die VHS der Stadt Hattingen das Projekt durch die Bereitstellung von Räumen, die Auslage von Infos, Plakatierung u.a. 

Eine Veranstaltung wurde in Zusammenarbeit mit der VHS Hattingen durchgeführt, eine weitere veranstaltete das Kulturbüro der Stadt Hattingen.

 

Das Veranstaltungsprogramm ist der beigefügten Programmübersicht und dem Programmflyer in der Anlage zu entnehmen.

Ausgewählte Presseberichte über die insgesamt sehr erfolgreiche Durchführung sind ebenfalls angefügt.

 

 

26b) Kraftstation Remscheid: „Gemeinsam Anders“

 

1) Remscheid hat als ehemalige Werkzeugmacherstadt einen hohen Anteil von MigrantInnen, vor allem aus der Türkei. Wie sieht ein Zusammenleben aus? Wie können „Ghettoisierungen“ entgegengewirkt werden.

Die Kraftstation liegt in einem Stadtteil mit dem höchsten MigrantInnenanteil in Remscheid. Der OT Jugendbereich wird zu 95% von „ausländischen“ Jugendlichen besucht.

Die OT im Jugendzentrum "Die Gelbe Villa“, die in einem Stadtteil mit deutscher Mittelschichtstruktur angesiedelt ist, hat einen 95 % Anteil deutscher Jugendliche und wird von anderen Jugendlichen nur selten besucht.

Wie erklären sich diese Polarisierungen?

Welche Zuschreibungen und Stigmata haben deutsche und ausländische Jugendliche? Welche Kulturen existieren und wie werden sie wahrgenommen? Was ist deutsch, was türkisch, etc. Welche Bilder existieren voneinander? Welche Vorstellungen und Wünsche im Hinblick auf das Zusammenleben gibt es?

Wie fühlen sich in Deutschland geborene und aufgewachsene Kinder von MigrantInnen? Wie stehen sie zur Einbürgerung?  

Diesen Fragestellungen will sich die Kraftstation stellen und mit den Jugendlichen Ansätze und Utopien in unterschiedlichen Workshops  entwickeln.

 

2) Ablauf des Projektes:

 

Einleitung:

 

Das Projekt  „Gemeinsam anders“ wurde in der ersten Woche im Sommer durchgeführt und richtete sich an 30 – 40 Jugendliche.

Zu Beginn des Projektes wurden den Jugendlichen im Haus Kraftstation, welches überwiegend von Jugendlichen nicht deutscher Herkunft besucht wird, und in der Gelben Villa, die zu 95% von deutschen Jugendlichen frequentiert wird, die verschiedenen Workshops vorgestellt und eine Zuteilung in diese unternommen. Hierbei wurde schnell klar das einer der von uns geplanten Workshops nicht wie von uns erhofft angenommen wurde. Somit verwandelte sich der Musikworkshop in einen Kreativworkshop.

 

In den einzelnen Häusern wurden in den ersten Tagen, durch den Aushang von Wandplakaten Vorurteile gegenüber Deutschen und Ausländern gesammelt. Die Vorurteile wurden zu einem Papier zusammengefasst und dem jeweils anderem Haus überreicht.

Die Jugendlichen sollten nun zu den einzelnen Vorurteilen Stellung nehmen und diese kommentieren. Innerhalb der Häuser entstand hierdurch eine sachliche aber intensive Diskussion zur Thematik, die während der gesamten Projektdauer anhielt.

 

3) Die Workshops

 

Video:

 

Aus beiden Häusern fand das Medium Video großen Zuspruch.

Die aufgeworfene Diskussion zur Thematik in den Bereichen, sollte nun auch in der Öffentlichkeit anderen Personen vorgestellt werden. Die gesammelten Vorurteile wurden verschiedenen Personen ( Alter, Geschlecht, Nationalität) vorgestellt und um eine Stellungnahme in Form eines Interviews festgehalten.

 

Auch in den jeweiligen Bereichen interviewten sich die Jugendlichen gegenseitig. Hieraus entstand ein ca. 20 min. Film.

 

Musik:

 

Abweichend von unserer Planung kam es nicht zu einem zweigeteilten produzierten Song der aus beiden Häusern zusammengemixt wurde.

Durch wechselnde Besucherstrukturen waren keine Jugendlichen in das Projekt eingebunden, die dieses Medium nutzen wollten.

 

Kreativworkshop:

 

Als Ersatz für den Musikworkshop bildetet sich eine Gruppe von Jugendlichen, die sich in Form von  Collagen, gemalten Bildern etc. mit der Thematik beschäftigen wollten.

Innerhalb der Woche entstanden verschiedene Bilder, Gemälde und Darstellungen, die sich auf kritische Weise mit Vorurteilen/ Ausländerfeindlichkeit beschäftigten. Während der Erarbeitungsphasen kam es immer wieder zu interessanten Auseinandersetzungen und Diskussionen die sich auch in die Offene Tür verlagerten und anhaltendes Gesprächsthema in der Woche und darüber hinaus waren.

 

3) Abschlussveranstaltung:

 

Der Tag der Abschlussveranstaltung wurde von den Pädagogischen Teams mit Spannung erwartet. Eine Woche wurde in beiden Häusern zur gleichen Thematik gearbeitet, jedoch die Gruppen erst jetzt zusammengeführt.

Natürlich standen die Teams der jeweiligen Häuser während der Woche im ständigen Austausch um die Stimmungen in der jeweils anderen OT zu transportieren.

 

Der Abschlussabend begann mit der Ausstellung der Collagen, Bilder und der Wandzeitungen mit den gesammelten Vorurteilen der jeweiligen Häuser. Schon hier kam es zwischen den Jugendlichen zu Gesprächen und Erlebnisberichten.

Der Videofilm, an dem beide Häuser beteiligt waren, wurde nun das erste Mal als Einheit präsentiert. Im Anschluss an die Vorführung stiegen wir in die Diskussion ein. Beide Parteien zeigten sich im Gespräch offen für die Ansichten und Argumentationen der Anderen. In der Beobachtung/ Reflexion der Diskussion wurde uns schnell ein Wandel der Ansichten während der Woche bei vielen Jugendlichen deutlich. Die Auseinandersetzungen während der Woche bewirkte bei vielen Jugendlichen eine Sensibilisierung zum Thema Vorurteile/ Stigmata und Ausländerfeindlichkeit. Vielen wurde deutlich das oftmals gar nicht zu trennen ist. Was ist deutsch ? Was ist türkisch? Viele Gemeinsamkeiten aber auch Unterschiede der Kulturen wurden aufgedeckt. 

 

Als nächstes Stand der Auftritt der Band „Microphone Mafia“  auf dem Programm, die eine der wichtigsten und ältesten Bands im „Migranten Hip – Hop“ sind und sich bei Kanak Attack für eine andere Migrationspolitik einsetzen.

Passend zum Thema wurde in der Gelben Villa in vielen verschiedenen Sprachen gerapt. Die Einbeziehung einiger Jugendliche aus den Häusern war für viele der Höhepunkt des Abends. Statements aus dem Projekt wurden im Freestylerap in Reimform gepackt und kommentiert.

 

Den Abschluß des Projektes bildete ein öffentlicher Kinoabend mit dem Film „Kanak Attak“, der von den Jugendlichen gut angenommen wurde und einen passenden Abschluss des Projektes bildete.

 

4) Zielsetzung:

 

Die Zielsetzung unterschiedliche Lebenslagen der deutschen und ausländischen MitbürgerInnen zu thematisieren wurde erreicht.

Eine Annäherung einzelner Jugendliche an eine andere Kultur machte sich im Projekt schnell deutlich. Auch in unserer weiteren Arbeit zeigte sich dies sehr deutlich. Gemeinsame Aktionen, die jeweils in einem der beiden  Häuser veranstaltet wurden, fanden bei unserem Klientel keinen hohen Zuspruch. „Da ist es doch doof“, oder „da hängen doch eh nur die anderen ab“, waren oft Zeichen für Berührungsängste mit der anderen Kultur. In den höheren Besucherzahlen von gemeinsamen Aktionen, spiegelt sich der Erfolg des Projektes wieder. 

 

Unser Ziel durch die Darlegung der verschiedenen Lebenswelten  zu einem Abbau von Vorurteilen beizutragen, ein Verständnis für die andere Kultur zu erzeugen und fördern mit dem „Anderen gemeinsam“ zusammenzuleben, wurde in Hohem Maße erreicht.

 

 

27a) Stadtteilzentrum Adlerstr., Dortmund:  Stadtteil-Strassen-Galerie

 

Vom 1. -16. November 2001 verwandelte sich die Adlerstrasse und ihre nächste Umgebung in eine Kinder – Kunst – Meile.

Zwei Jahre lang hatten Ute Dreimann und Ute Iserloh mit den  Kindern in den offenen

Stunden der Kinder – Kultur – Arbeit des Stadtteilzentrums Adlerstrasse e. V. an Bildern und Objekten gearbeitet, gemalt und gebastelt.

Endlich konnten die künstlerischen Arbeiten der Kinder ausgestellt werden. Und zwar in acht Schaufenster von Geschäften, so entstand eine Stadtteil – Straßen – Galerie.

So ergab sich für die kleinen Künstler und Künstlerinnen eine ungewohnte Möglichkeit, ihre Arbeiten der Öffentlichkeit, also den Eltern und Nachbarn zu präsentieren.

Die Kinder wurden daran beteiligt die „Kunsträume“ zu suchen mit den Geschäftsleuten zu verhandeln und die Schaufenster in Kleingruppen zu gestalten.

Die Präsentation der Arbeiten wurde für mehrere Wochen in den Schaufenstern der Geschäftsleute präsentiert.

 

 

27b) Stadtteilzentrum Adlerstr., Dortmund:   Zaunkönige

 

`Zaunkönige ` war ein kunstpädagogisches Mit – Mach – Projekt gegen Gewalt und Intoleranz für Kinder und Jugendliche aller Nationalitäten.

In unserem Garten hinter dem Haus hatten wir ein Freiluft – Atelier eingerichtet, in dem die Kinder eine Woche lang mit viel Freude, Elan und Kreativität und großem Teamgeist einen Zaun mit großen, bunten Holzfiguren errichtet haben.

Die Kinder hatten ihre großen Entwürfe auf Holzplatten übertragen, ausgesägt und bunt angemalt.

So entstanden viele verschiedene Figuren, zum Beispiel die `Teufelsblume im Blumentopf` und der `Ausserirdische` von den Brüdern Patrick und Pascal Okum.

Des weiteren vergaben wir Preise und kürten auf den Dritten Platz das `kleine gelbe Sternenmonster `von Irsrafil Tekin; auf den Zweiten Platz Kamilla Choromanski mit ihrem `flugfähigen Farbenfisch` und schließlich gewann Hakan Tiryaki den Ersten Platz: er hatte zwei Akrobaten, die sich gegenseitig mit einem Handstand und Bocksprüngen über den Zaun helfen, entworfen und realisiert.

Natürlich waren die Kinder bei der Prämierung dabei.

Insgesamt entstanden acht große und zwölf kleinere Skulpturen, die zusammen einen fünf Meter langen und zwei Meter hohen Figuren – Zaun ergeben.

Zum Abschluss und zur Einweihung des Zaunes feierten wir ein Abschlussfest mit Buffet und Kinderkulturprogramm.

Durch sein farbenfrohes Aussehen und die offene Bauweise soll unser Skulpturenzaun das Gegenteil von Ab – und Ausgrenzung darstellen und jedermann zum Eintreten einladen. Und außerdem ist uns damit gelungen die Grünfläche der Stadt Dortmund farbenfroh zu verschönern.

 

 

28) BÜZ Schuhfabrik, Ahlen: Kultur auf dem Markt

 

Projektvorgeschichte

Seit Eröffnung des Bürgerzentrums Schuhfabrik bestimmt die wirtschaftliche Absicherung des Zentrums, die Verhandlungen über den kommunalen Zuschuss und die Akquise weiterer öffentlicher Mittel die Arbeit aller ehrenamtlichen und hauptamtlichen Mitarbeiter. Die alltäglichen Diskussionen bewegen sich zwischen dem hohen Anspruch kulturell etwas in dieser Stadt bewegen zu wollen und der Realität ohne Geld immer wieder kurz vor der Schließung zu stehen. Dies ist für die meisten Soziokulturellen Zentren ihr alltägliches Geschäft. Einige sind dazu übergegangen ihre wirtschaftlichen Betriebe zu verpachten und somit einen Teil des Konfliktes auszulagern. Andere versuchen gerade in dieser Spannung ihre Energie und ihren Erfindungsreichtum zu beweisen. Die Schuhfabrik lebt auch von diesen Diskussionen. Ein gemeinsames Team mit unterschiedlichsten Professionen (Industriekaufmann, Verkäufern und Pädagogen) entscheidet gemeinsam über die inhaltliche und wirtschaftliche Ausrichtung des Hauses. Die eine Hälfte des Hauses lebt vom Idealbereich und somit von öffentlichen Zuschüssen, die andere Hälfte der KollegInnen lebt vom Zweckbetrieb und direkt von dem Geld, dass die Kunden bei uns lassen. Läuft die Kneipe nicht, sind Arbeitsplätze gefährdet. In diesem Spannungsfeld tobt der Kulturkampf: wird der Saal für eine wunderschöne, aber ein sehr spezielles Publikum ansprechende Kulturveranstaltung oder für die Übertragung des Fußballspiels Bayern gegen Schalke reserviert?

 

Projektbeschreibung

Das Projekt Kultur auf dem Markt setzt sich aus drei Teilen zusammen:

·         der Selbstversuch,

·         die Offensive Wählt was wummst - das Publikum wählt sein Programm

·         und einer kulturpolitischen Debatte.

 

Selbstversuch

Zum Selbstversuch gab es im Januar 2001 ein Einstiegswochenende, Teamgespräche während des Jahres und ein Abschlussreflexionsgespräch.

Auf dem oben beschriebenen Hintergrund gab es eine gemeinsame Teamentscheidung, sich für das Jahr 2001 einem Selbstversuch zu unterziehen. Wir setzen alle unsere Energie in die Marktgängigkeit des Hauses! Der gemeinsame Nenner nach vielen Jahren Zusammenarbeit lässt sich schlicht und einfach zusammenfassen: wir wollen unsere Arbeitsplätze erhalten! Etwas ernüchtert stellen wir dies im Januar auf einer Jahrestagung fest, aber ist dies etwa kein gutes Ziel?. 11 Arbeitsplätze sichern zu wollen und im hart umkämpften Markt zu erhalten ist eine große Herausforderung.

Die Entscheidung fällt mit der Auflage nach einem Jahr gründlich zu prüfen, was uns bei dem Schielen auf die Knete verloren gegangen ist.

Weitere Stichpunkte der Tagung: unsere Gastronomie braucht den anspruchslosen, glücklichen Gast, der gerne sein Geld bei uns lässt.

Gründlicher Aufriss der ertragsstarken Veranstaltungen – Trend hin zu Party und Discoveranstaltungen ist spürbar.

Im Idealbereich wollten wir für alle da sein, einen inhaltlichen und politischen Anspruch in unserem Programm realisieren und dabei noch die Minderheiten vertreten. Haben wir nun Profil oder sind wir arrogant? Wir wünschen uns Kommunikation und Begegnung ebenso wie Freiraum für Experimente.

Auch hier fällt die Entscheidung Veranstaltungen zu organisieren, die gut (zahlenmäßig) laufen mit der kleinen Notöffnung auch weiterhin unsere Bühne dem Nachwuchs zur Verfügung zu stellen.

 

Wählt was Wummst – das Publikum gestaltet das Programm

Vor den Sommerferien gab es die massive Bewerbung einer Veranstaltungsreihe im September und Oktober unter dem Stichwort „Wählt was Wummst“. Die Schuhfabrik in Ahlen will Kultur auf dem Markt konsequent angehen und überlässt ihr Programm dem Spiel der Nachfrage. Das Publikum macht seinen Spielplan selbst in diesen Monaten – wer das stärkste Kaufinteresse erzeugt, der ist engagiert. Für jeden erkennbar wird abgestimmt, bis feststeht, wer spielen, singen oder auflegen darf. Mit einer Postkarte oder per Email darf abgestimmt werden. Und der tägliche Kurs der einzelnen Programme ist ständig auf der Homepage nachzufragen – das Publikum soll wissen, wie seine Kurse stehen. Als Rendite dieses Börsenspiels der anderen Art gibt es etwas zu gewinnen, eine Reise, einen DVD-Recorder oder nützliches Spielzeug für den Computer.

Wir sind gespannt auf das Ergebnis und entwickeln schon ganz neue Ideen der Programmplanung: wie wäre es demnächst im Internet anzubieten wer auftreten könnte – aber erst dann, wenn genügend Vorbestellungen vorliegen, wird gebucht oder auch der Eintrittspreis festgelegt? Ist dies nicht nur eine konsequente Weiterentwicklung der bestehenden Risikoverteilung zwischen Veranstalter und Künstler durch Eintrittsbeteiligungen?

Als Beilage zu einer Anzeigenzeitung wurden 5.000 Flyer in Ahlen und der näheren Umgebung verbreitet. Mit einer reißerischen Aufmachung, die sich von anderen Broschüren wenig unterscheidet, macht die Schuhfabrik erstmalig in diesem Umfang Werbung für Veranstaltungen. Über 3.000 Menschen beteiligten sich an der Abstimmung. Die Besucherzahlen auf unserer Homepage steigen immens. Die Kneipengespräche behandeln den jeweiligen Stand der DJ´s oder Band´s, die am Rennen teilnehmen. Die angesprochenen Künstler reagieren unterschiedlich von „klasse Aktion, egal ob ich gewinne oder verliere – ihr macht für mich eine Superwerbung“ über „o.k. ich mache mit bei eurem Projekt Publikum schlachtet Künstler“ bis „ihr führt das, was wir alle kritisieren noch bis zum Extremen aus“. Dass es der Schuhfabrik nicht nur um das Spiel oder gar um das Wegrationalisieren der Programmabteilung geht, versteht sich von selbst. Der Markt als herrschendes Instrument für immer mehr Bereiche auch der Kultur soll ausprobiert und kritisch gewürdigt werden.

 

Kulturpolitische Diskussionen

Im Laufe des Projektes wurde deutlich, dass die überregionalen Diskussionen zu diesem Thema mit bekannten Referenten vielleicht nicht unbedingt ein Publikumsmagnet in Ahlen sein würde. Durch die starke Präsenz des Projektes im Internet angeregt, entstand die Idee zu einem Diskussionsforum im Netz auf unserer Homepage mit vorab eingeholten Statements. Beginn dieser Aktion sollte kurz nach Beendigung der Veranstaltungsreihe sein. Die gesamtgesellschaftlichen Ereignisse beginnend mit dem Terroranschlag am 11. September in New York und dem Beginn des Gegenschlages der USA am 7. Oktober verdrängten die Frage nach Kultur und Marktgängigkeit. Die Diskussionsforen wurden nicht besucht und andere gesellschaftspolitische Fragen drängten sich in den Vordergrund.

 

Reflexion und Fazit des Projektes

Selbstversuch

Das Team hat gemeinsam mit Vorstandsmitgliedern eine Auswertung des Jahres 2001 vollzogen. Verblüffend war das Ergebnis, was durch eigene Eindrücke, Umsatzzahlen und durch zahlreiche Rückmeldungen von Besuchern belegt wurde. Noch nie in der Geschichte der Schuhfabrik gab so gehäufte Vereinseintritte, wie in der letzten Zeit. Rückmeldungen von Besuchern führten den Tenor: wir fühlen uns bei euch im Haus wohl, bei euren Veranstaltungen war alles rundum bedacht, man merkt, dass ihr euch Mühe gebt.

Unsere Besucher fühlen sich geachtet auch wenn sie „nur“ ein Bier trinken wollen oder eben nur Discobesucher sind. Unsere frühere Haltung: wir möchten auch euch an die Kultur und zwar an gutes Theater und/ oder Kleinkunst heranführen und die damit verbundene Arroganz haben wir aufgegeben. Wir bemühen uns nicht in erster Linie um unsere Gäste, sondern um die Räume und die Veranstaltung. Denn das ist unser Job und es ist ehrlicher. Wir müssen Geld verdienen und das können wir nur, wenn die Menschen sich bei uns wohl fühlen. Das dabei anfallende Nebenprodukt ist Kommunikation. Und das war schon immer unser Hauptziel. Der Vergleich mit den Jugendzentrumserfahrungen liegt nahe: wenn zuviel Pädagogen sich um die Jugendlichen kümmern, laufen diese weg und zwar dorthin, wo sie nicht im Mittelpunkt stehen und wo sie in Ruhe gelassen werden. Unser erwachsenes Publikum reagiert scheinbar nach dem selben Muster.

Uns als Team der Schuhfabrik haben diese Ergebnisse verblüfft. Vielleicht gerade weil sie so einleuchtend sind, haben sie uns auch ein wenig erleichtert. Insgesamt ist ein frischer Wind spürbar – man macht nicht vieles anders, aber mit einem anderen Blickwinkel. Der Zweifel, der immer genagt hat, wenn schon wieder die Partys im Monatsprogramm Oberhand gewinnen, ist weg. Dies setzt neue Energien frei, die hoffentlich lange anhalten.

 

Publikumswahl

Um es direkt zu sagen: das ehrgeizige Projekt durch eine Befragung das Interesse an den Veranstaltungen zu steigern, ist gescheitert. Bei allen Veranstaltungen blieb die Publikumsresonanz auf dem alten Level. Nicht eine der beworbenen Programmpunkte stach durch ungewöhnlich zahlreiches Publikum heraus. Die 3.000 Menschen, die sich am Spiel beteiligt haben, sind nicht zu den Veranstaltungen gekommen. Sie hatten den Spaß am abstimmen, an der Möglichkeit zu gewinnen und vielleicht noch an der Darstellung im Internet. Kulturbesucher kommen über diese Art der Werbung nicht ins Haus.

Nachhaltig hat sich allerdings der Bekanntheitsgrad unserer Internetadresse durch diese Aktion unglaublich erhöht. Seither läuft ungemein viel Information über dieses Medium. Eine Gruppe von ehrenamtlichen Vereinsmitgliedern betreut die Seiten, aktualisiert sie ständig und hält sie durch laufend geänderte Einzelaktionen immer wieder auf´s Neue spannend.

 

Abschlussbemerkung

Abschließend bleibt nur zu sagen, dass ohne eine finanzielle Unterstützung von Seiten des Landes wir für ein solches Experiment keine Möglichkeit der Realisierung gehabt hätten. Etwas ausprobieren zu können, ohne direkten Erfolgsdruck zu haben, sondern wirklich offen in den Prozeß zu gehen und auf ein Ergebnis gespannt sein zu dürfen ist mit den meisten Förderinstrumentarien nicht möglich. Solcherlei Freiräume müssen auch weiterhin erhalten werden. Wir bedanken uns dafür.

 

 

29) Brotfabrik Bonn: Hier sein – da sein – Freund sein

Hier Sein –Da Sein – Fremd Sein – Märchenprojekt 2001

 

Im Gesamtzusammenhang des Projekts „Alle Achtung“, das 2001 in fünf Städten in NRW als Netzwerkprojekt stattfand, nahm die Brotfabrik als soziokulturelles Zentrum zwischen den Kommunen im Netzwerk und den einzelnen Künstlern eine besondere Position ein. Mit ihrem Programm, d.h. Theater- und Tanzaufführungen, Konzerten, Kursen und Workshops, versteht sich die Brotfabrik als Kunst- und Kulturhaus, das kulturelle Bildung als eine wesentliche Aufgabe ansieht und sich dabei an ein generationsübergreifendes Publikum richtet.

Für die Brotfabrik bot die Mitarbeit beim Projekt „Alle Achtung“ die Möglichkeit, aufbauend auf das (regelmäßige) Programm neue Angebote und Angebotsformen zu entwickeln, die sich an der inhaltlichen Vorgabe von „Alle Achtung“ ausrichteten, also an den Themen Gewalt/Entstehung von Gewalt und Entwicklung von Konfliktlösungsmöglichkeiten.

Das auf dieser Grundlage realisierte „Märchenprojekt“ mit dem Titel „Hier sein, Da sein, Fremd sein“ basierte auf den im Haus vorhandenen Erfahrungen und Konzepte und richtete sich infolgedessen vorwiegend an Kinder im Alter zwischen 6 und 11 Jahren. Der Titel umreißt dabei die zentralen Themen und Fragestellungen der Aufführungen und Projekte:

- Hier sein: was bedeutet Heimat / Zuhause? Wie beschreiben Kinder Heimat / Zuhause?

- Da sein: was macht die Welt jenseits der Heimat aus? Wo/wie sehen Kinder die Grenzen?

- Fremd sein: was bedeutet das Fremde für Kinder? Was löst die Angst vor dem Fremden aus?

 

Die konkrete Umsetzung des Projekts erfolgte im März und April 2001 mit folgenden Veranstaltungen:

-theaterpädagogisches Grundschulprojekt: Schülerinnen und Schüler der 3. und 4. Klasse einer Bonner Grundschule erarbeiteten unter der Anleitung von zwei Theaterpädagoginnen „Das hässliche Entlein“ von Hans Christian Andersen. Im Mittelpunkt steht die Ablehnung von Fremdem und Anderem, aber auch die Suche nach dem eigenen Weg. Die Kinder probieren verschiedene Rollen aus und lernen, sich in andere hineinzuversetzen. Die Arbeit mündet in mehreren Aufführungen für Mitschüler, Lehrer und Eltern.

-Theateraufführungen: vier exemplarische Produktionen wurden z.T. für Kindergärten und Schulklassen, z.T. für Familienpublikum angeboten. Gezeigt wurden „Der kleine rote Prinz“, „Des Kaisers neue Kleider“, „Rotkäppchen“ sowie „Hänsel und Gretel“, jeweils begleitet von Aufführungsgesprächen und nachbereitenden Aktionen für Kindern und Eltern.

-Theaterworkshop: offenes Ferien-Angebot, in dem Kinder betreut von zwei Theaterpädagoginnen ein Märchen bearbeiteten und aufführten

-Kinderatelier: offenes Ferienangebot. Ausgehend vom gemeinsamen Besuch der Theatervorstellung von „Des Kaisers neue Kleider“ (Fragen nach Sehen/Sehgewohnheiten/ Übernahme von Sichtweisen) standen bei der Arbeit die Fragen nach Seh-/Sichtweisen im Mittelpunkt: wie entstehen Vor(urteile), warum werden sie übernommen und nicht hinterfragt, warum erkennt das Kind am Ende der Geschichte die Wahrheit?

-Lesenacht: im Mittelpunkt standen in der 5. Lesenacht der Brotfabrik verschiedene Märchen und Märchenmotive, die im Verlauf der Nacht in einzelnen Aktionen in kleinen Gruppen erarbeitet und gegenseitig präsentiert wurden.

 

Insgesamt nahmen an den Veranstaltungen ca. 600 Kinder teil. Im Rückblick erweist sich die Entscheidung, Märchen-Stoffe mit ihrer anhaltenden Popularität in den Mittelpunkt des Projekts zu stellen, als richtig, weil sie wie erhofft den Einstieg in die Stoffe erleichterten. Die große Bandbreite an Themen und Motiven ermöglichte dabei eine weitgehende Verknüpfung mit den durch das Motto „Hier sein, Da sein, Fremd sein“ vorgegebenen Themen. Das Projekt ist insgesamt auf eine Dauer von drei Jahren angelegt, schon jetzt lässt sich aber bereits feststellen, dass die Märchenstoffe Kinder wie Erwachsene gleichermaßen berühren, sofern es gelingt, das Vorurteil „wir kennen das alles schon“ durch professionelle Aufführungen und Anleitungen zu überwinden. Insofern scheint sich die ursprüngliche Idee, über Märchen eine Sensibilisierung für die im Rahmen von „Alle Achtung“ angesprochenen Probleme zu entwickeln, als ein erfolgversprechender Weg herauszustellen.

 

 

30a) Kulturzentrum Pelmke, Hagen: Performanceprojekt IM RAUSCH DER GESCHWINDIGKEIT

 

Die erste Idee für die Performance im „Rausch der Geschwindigkeit“ entwickelte sich im Frühjahr 2001.

Im Sommer bildete sich ein Kern von 16 TeilnehmerInnen heraus, die bisher als Musiker, Kleinkünstler, Videofreaks oder noch gar nicht künstlerisch ihre ersten Erfahrungen gesammelt hatten. Einige von ihnen hatten bereits an einer ähnlichen Produktion des Kulturzentrums vor zwei Jahren teilgenommen.

Gemeinsam einigte man sich darauf, einen künstlerischen Leiter zu engagieren, mit dem die Ideen in ein „bühnentaugliches“ Konzept gebracht werden konnten. Es sollte eine Performance aus einem Mix von Musik, Theater, Licht- und Videoinstallation entstehen. Thematisch stand der „Wahnsinn der modernen Mediengesellschaft“ und die „Verkümmerung der zwischenmenschlichen Kommunikation“ im Mittelpunkt. Grundidee der Inszenierung war es, den ganzen Veranstaltungssaal  als Bühne zu nutzen und „im  Publikum“ zu spielen.

Im Herbst begannen die wöchentlichen Proben in Kleingruppen, die nach und nach zusammengeführt wurden. Es entwickelte sich eine sehr fruchtbare Kooperation zwischen schon erfahrenen KünstlerInnen und den NeueinsteigerInnen.

Das Konzept für Buch, Umsetzung, Bühnenbild, Kostüme etc. wurde von  allen Beteiligten während des gesamten Arbeitsprozesses immer wieder verändert und weiterentwickelt. Zwar gab es in diesem Stadium auch Konflikte (2 Leute stiegen aus, 2 andere ein), aber letztlich kam es doch zu einer erfolgreichen Premiere am 17. Dezember. Alle Beteiligten werteten das gesamte Projekt, incl. Aufführung, als sehr positiv.  Eine Weiterführung solcher Projekte wurde von allen Beteiligten gewünscht.

 

 

32) zakk/Düsseldorf: „Es ist auch unsere Stadt“  Leben in der Stadt mit „Senioren“ und „jungen Alten“

 

In dem durchgeführten Projekt (Okt. – Dez. 01)  sollten zwei Entwicklungslinien der zakk-Programmarbeit zusammengeführt werden. Zum einen gibt es schon seit einigen Jahren die permanente Auseinandersetzung mit dem Thema Stadt. Dazu haben wir runde Tische, Diskussionsveranstaltungen, Erkundungen veranstaltet, die entweder thematisch („Zukunft der Stadt“) oder zielgruppenspezifisch eingegrenzt („JugendKulturStadt“)  waren. Zum anderen gibt es seit gut zwei Jahren eine Gruppe von Menschen über 50, die sich regelmäßig im zakk zum frühstücken, spielen oder internetten trifft. Uns interessierte die Frage, ob mit der Vorbereitung oder den Eintritt in die nachberufliche Lebensphase sich auch der Blick auf die Stadt verändert.

Darüber hinaus ging es in dem Projekt darum den interessierten Teilnehmer/innen neue Sichtweisen zu erschließen, Handlungsmöglichkeiten im Sinne eines bürgerschaftlichen Engagements aufzuzeigen und sie zu ermutigen ihre Anregungen und Forderungen an die Stadtpolitik öffentlich zu machen. Gemachte Erfahrungen sollten „veröffentlicht“ werden, um über den Teilnehmerkreis hinaus andere Menschen in vergleichbarer Lebenssituation zu motivieren, sich neuen Herausforderungen zu stellen.

Zum Hintergrund: Das zakk liegt in einem umgenutzten, ehemaligen Industriegebiet, zwar relativ zentral, doch nicht in belebter Lauflage. Im Umkreis von 500 Metern gibt es zwei kommerzielle Veranstalter von Großdiscos, Techno-Raves und anderen Events. Im Bewusstsein vieler älterer Leute ist diese Gegend auch noch sehr von den ehemals besetzten Häusern auf der Kiefernstraße (eine Art Düsseldorfer Hafenstraße) geprägt und von vielen nicht-deutschen Bewohnern, die hier leben. Kurz gesagt: Keine gute Gegend.

Der Startworkshop war ein guter Erfolg, das Thema stieß auf großes Interesse und es fanden sich schnell zahlreiche Interessierte. Es gab viele Fragen zur Entwicklung des Gebietes rund um das zakk (wir liegen in einem Gebiet mit besonderem Erneuerungsbedarf, genau auf der Grenze zwischen den Stadtteilen Oberbilk und Flingern), da die meisten TN gar nicht hier in der unmittelbaren Nähe wohnen. Eine große Neugier war spürbar, die 22 TN empfanden sich als Gruppe und fanden viele Anknüpfungspunkte an die eigene Biographie („..ich habe früher hier mal ganz in der Nähe gearbeitet..“).Sie taten sich aber schwer Kritikpunkte oder Erwartungen an eine Stadtentwicklungspolitik zu formulieren, die über ganz allgemeine Äußerungen hinaus gingen („.. die Stadt wird immer dreckiger“). Obwohl es nicht explizit formuliert wurde, stellte sich heraus, dass Angst-Räume ein übergreifendes Thema war, festgemacht an unbekannten Ecken, unbekannten Situationen (z.B. Nacht statt Tag).

Wir haben das aufgegriffen und drei Stadtexkursionen mit den TN organisiert, die sich an den von Ihnen gewünschten Themen orientierten (und etwas von den vorgeschlagenen Angeboten abwichen):

* die Stadt bei Nacht mit dem ÖPNV erkunden

* ausländische Kulturvereine, Besuch beim portugiesischen Arbeiterclub

* vor und hinter den Kulissen ungewöhnlicher Kulturveranstalter

 

Ganz wichtig war das Erleben dieser für die meisten doch fremden und ungewohnten Situationen in der Gruppe und die Tatsache, dass es einen „Anführer“ gab, der den Weg vorgab. Der Kern der Gruppe blieb derselbe, es kamen aber immer mal wieder Neue hinzu, andere konnten nicht aus Termingründen.

Alle TN fanden die Exkursionen „spannend“ und „lehrreich“ und sagten hinterher in mehr informellen Gesprächen, dass sie sich die Realität viel gefährlicher und unangenehmer vorgestellt hätten, z.B. der Gang nachts über die Kiefernstr. Sie haben sogar die Erfahrung gemacht, dass sie als Gruppe bei den Anwohnern Misstrauen, ausgelöst haben.

Sehr erstaunt und erfreut waren sie über die Offenheit und Herzlichkeit beim portugiesischen Arbeiterclub, auch darüber, dass es überhaupt keine Sprachprobleme gab. Verunsicherung löste die Speisekarte aus, da dort keine Preise ausgewiesen waren und einige Speisen offensichtlich nicht bekannt waren. Von einigen wurden hinterher formuliert: „Ja wenn wir das hier schon früher gekannt hätten, dann würden wir hier öfters auch mal mit Freunden hingehen.“

Großes Interesse gab es auch zu erfahren wie eine Disco funktioniert, wie ein Rockkonzert organisiert wird und dies zumindest teilweise auch mal aus der Sicht hinter den Kulissen zu erfahren und mit den beteiligten Technikern, Securities, Organisatoren und den Künstlern zu reden. Über das Projekt hinaus konnten wir einen Teilnehmer zur ehrenamtlichen, sporadischen  Mitarbeit  im zakk gewinnen.

Nicht funktioniert hat der mediale Transfer der gemachten Erfahrung, zumindest nicht so, wie wir es uns gedacht hatten. Zwar gab es Interesse am Medienworkshop, einige TN hatten ja auch schon Vorerfahrungen hier im Zentrum gemacht. Das Interesse die Erlebnisse zu Papier (bzw. auf den Bildschirm) zu bringen waren sehr gering, nach den Weihnachtsferien war die Motivation ganz dahin. Nach unserer Einschätzung lag es nicht so sehr an den unterschiedlichen Fähigkeiten im Umgang mit neuen Medien (wir hätten ja auch Papier und Bleistift akzeptiert), sondern an einer Scheu bzw. Zurückhaltung diese persönlichen Erlebnisse jetzt auch öffentlich zu machen. Wir wissen, dass im Freundes- und Bekanntenkreis der TN sehr viel darüber erzählt wurde und es gab schon einige Anfragen ob und wann wir denn so eine Aktion wiederholen würden.

Es ist uns aber nicht gelungen die mit dem Projekt gemachten Erfahrungen von einer persönlichen auf eine allgemeine, gesellschaftliche Ebene zu übertragen. Es gab auch kein Interesse daraus Forderungen oder Ansprüche an Stadtverwaltung, Parteien oder andere Institutionen zu formulieren oder gar Stadtutopien zu erarbeiten, alles blieb im persönlichen Bereich. Wobei überhaupt nicht auszuschließen ist, dass dieses Projekt Auslöser für individuelles Engagement im bürgerschaftlichen Bereich war.

 

 

39) AK Kulturarbeit der Mütze, Köln: Weidenrutenprojekt

 

Abschlußbericht Weidenskulptur im Park

 

Die Umgestaltung des Parks in dem die Aktion stattfinden sollte, wurde und wird zur Zeit immer noch vom Grünflächenamt realisiert.

Sämtliche Terminänderungen seitens des Grünflächenamtes hatte auf unsere Planung direkten Einfluss und hatte zur Folge, dass wir unsere Projekte immer wieder verschieben mussten.

Nach langen hin und her und immer wieder aufschieben des Termins für den Baubeginn des Parks konnte uns erst eine Woche vor der Weidenbauaktion definitive zugesagt werden.

 

Modellbau

Der erste Abschnitt des Projekts, die Modellbauwerkstatt für Weidenskulpturen war nur indirekt von der Gesamtplanung betroffen, so konnten wir den Termin auf zwei Nachmittage im Dezember 2001 festlegen.

Das Modellbauen war wichtig, um einen ersten Eindruck zu bekommen mit was für einen Materialbeschaffenheit man es bei Weidenruten zutun hat und was für gestalterische Möglichkeit solche ,,Stöckchen“ bieten.

Es gab eine allgemeine theoretische Einführung also, wie sieht eine Weide überhaupt aus, wo wächst sie und wann kann man sie ernten.

Ein weiterer Aspekt war an einem überschaubaren Modell zu üben, was später mehrere Meter hoch im Park entstehen sollte.

 

Es haben sich 14 Kinder und Jugendliche an dem Modellbau beteiligt, die zum Teil aus dem Mütze Hort zum Teil aus der Nachbarschaft kamen.

Drei Modelle entstanden, die in großen Bottichen vor dem Spielplatz der Mütze aufgestellt wurden.

Als Schwierigkeit stellte sich im nachhinein heraus, die große Zeitspanne zwischen Modellbau und eigentlichen Skulpturenbau.

Obwohl wir darauf geachtet haben den Modellbau als ein in sich geschlossenen Kurs anzubieten, war für die Teilnehmerlnnen zumeist Kinder eine Zeit von zwei Monaten, die Verbindung zwischen Modellbau und Bauphase, schwer nachzuvollziehen.

 

Die Bauphase

·          Das Schneiden

Als erstes mussten die Weidenruten geschnitten werden. Ein ganz wichtiger erster Arbeitsschritt, denn die Frage wo kommt das Material her, was natürlich zuvor

schon beim Modellbau theoretisch erklärt wurde; konnte hier ganz praktisch erlebt werden.

So ging es mit Bus und Bahn in das Naturschutzgebiet Köln-Brück, zum Flehbach an dessen Ufern zahlreiche Kopfweiden stehen, die wir nun ernten wollten. Allein das war schon ein Erlebnis für viele, dass es nur ein paar Bahnhaltestellen von Mülheim entfernt eine solche Landschaft gibt.

Die Ruten wurden mit einer Kettensäge von den Weiden geschnitten und die Teilnehmer konnten dann die einzelnen Ruten mit der Gartenschere entasten. Das Entasten war für viele eine angenehme Arbeit, eine Beobachtung, die ich schon zuvor beim Modellbau machte.

Etwas schwieriger wurde es erst als es klar wurde wie viele Ruten wir benötigten, und das war eine Menge.

Es war schön zu sehen, das alle bis zum Schluss durchhielten obwohl die Arbeit ganz gut in die Arme und Hände ging und die ein oder andere Blase nicht aus blieb.

Leider konnten die Kinder aus dem Mütze Hort nicht mit zum schneiden fahren, ihr Stundenplan in der Schule hatte sich kurzfristig geändert.

 

·          Das Bündeln

Das Bündeln der Ruten, dass im Park neben der Mütze statt fand, war wieder eine ganz andere Arbeit.

Es mussten zueinander passende Ruten ausgesucht werden, die bis zu sechs Meter langen Bündeln geschnürt wurden.

Das war eine Arbeit die den Kindern viel Spaß machte, sie konnten die Weiden aussuchen, sie festhalten, Schnüre passend schneiden und die Ruten zusammenbinden. Immer zwei Leute arbeiteten Hand in Hand zusammen. So ging diese Arbeit zügig voran.

 

Im Gegensatz zum Schneiden, wo eine doch relativ feste Gruppe zum Flehbach gefahren war und auch wieder gemeinsam zurück gekommen war, kamen zum Bündeln die verschiedensten Leute.

 

·          Kinder die vorbei kamen und direkt mit geholfen haben.

Leute die sich einfach nur daneben stellten und dem Treiben zuschauten und fragen stellten.

Oder welch die nicht den ganzen Tag Zeit hatten mit zu bauen. Erwähnenswert scheint mir, das bei dieser Arbeit ,,vor Ort“ auch immer wieder Leute angesprochen werden die eigentlich von solchen Projekten keine Notiz nehmen, die man sehr gut über ihre Neugier erreichen kann, die kommen und gucken, fragen stellen und manchmal dann auch mit arbeiten.

 

·          Das Einpflanzen

Die weitaus schwierigste Arbeit war die 60 — 70 cm tiefen Pflanzlöcher auszuheben, der Boden war so naß, dass man knöcheltief im Schlamm einsank. An dieser Stelle war Ausdauer Kraft und Zähigkeit gefragt insgesamt 17 Löcher wurden gegraben.

Entschädigung für diese Schlammschlacht war der Moment als die Rutenbündel aufgehoben, zu den Pflanzlöchern getragen und aufgerichtet wurden. Mit einem mal stand das vor einem was zuvor nur gedachter Plan war, was viel Vorarbeit bedurfte, und woran viele mitgearbeitet hatten.

Nach dem alle Bündel an ihrem Platz getragen und eingegraben waren , stand endlich die ganze Skulptur vor uns, so wie sie geplant wurde nur für viele doch erheblich größer als gedacht.

 

Am gesamten Projekt waren ungefähr 30-40 Leute beteiligt, die teilweise ganz spontan mit gearbeitet haben, teilweise tage- oder stundenweise, manche aber auch die ganze Projektzeit hindurch dabei war.

Es hat sich gezeigt, dass diese gewollte Mischung von festen und wechselnden Teilnehmerlnnen, zwar sehr gewagt ist, man kann nie sicher sein ob genügend Leute kommen, trotzdem für Mühlheim eine praktikable Lösung bietet. Auf diesem Wege werden immer wieder Leute angesprochen, die wir sonst nicht erreichen.

Für die Bauphase hatten wir zwei Wochenenden im Februar von Freitagnachmittag bis Sonntagabend eingeplant.

Bis auf einen Tag, an dem es fast nur geregnet oder geschneit hat, waren immer so viele Teilnehmerinnen an der Arbeit beteiligt, das der Zeitplan, den wir uns gesteckt hatten eingehalten wurde und in der Gruppe eine gute Atmosphäre herrschte.

Jetzt gilt es abzuwarten, dass die Weiden anwachsen und Blätter treiben. Das Bewässern und somit die Patenschaft der Weidenskulptur haben die Kinder aus dem Mütze Hort übernommen.

 

In Sommer wenn der Park wieder für Alle zugänglich sein wird, werden wir die Einweihung der Weidenskulptur feiern.

 

 

45) Stroetmanns Fabrik Emsdetten: ACT TWO – Kunst und Kultur für Kinder

 

Emsdetten, eine kleine Industriestadt mit 35.000 Einwohnern, 30 km nördlich von Münster gelegen. Vereinsleben und Brauchtumspflege haben hier eine lange Tradition und stehen bei großen Teilen der Bevölkerung im kulturellen Mittelpunkt. In den neunziger Jahren zog ein frischer Wind durch das gesellschaftliche Leben vor Ort. Ein neues Kultur- und Freizeitzentrum wurde auf dem Gelände der ehemaligen Textilfabrik Stroetmann geschaffen: 1991 eröffnete die Galerie Münsterland, 1994 das soziokulturelle Zentrum „Stroetmanns Fabrik“ und 1995 die EMS-HALLE, eine Sport und Mehrzweckhalle für bis zu 3000 Besucher.

Stroetmanns Fabrik und Galerie Münsterland verfolgen ein gemeinsames Anliegen: Um Kindern und Jugendlichen eine frühzeitige Auseinandersetzung mit Kunst und Kultur zu ermöglichen, werden die Schnittstellen zwischen Soziokultur und zeitgenössischer bildender Kunst aufgespürt und in außerschulische Projekte umgesetzt. Didaktische Konzepte, mit einem offenen, spielerischen und experimentellen Schwerpunkt, sollen Hemmschwellen überwinden, die persönliche Aneignung von Kultur ermöglichen und neue Erfahrungsbereiche eröffnen. Kindern und Jugendlichen wird das Angebot gemacht Kunst und Kultur als ‚spannend, spaßig, neu, überraschend und faszinierend’ zu erleben. Die Türen zur eigenen Kreativität, zur Sinnesentfaltung und differenzierter Wahrnehmung können so geöffnet werden.

 

In dem Projekt „Act two“ wurde dieses konzeptionelle Anliegen durch zwei Mitmachausstellungen des Vereins „Akki, Aktion & Kultur mit Kindern e.V“ zur kulturellen Praxis. Auf dem Gelände von Stroetmanns Fabrik und in der Galerie Münsterland wurden Klangwelten für Kinder zum interaktiven Erlebnis.

In Stroetmanns Fabrik wurde ein interaktives Klang-Spielfeld eingerichtet. Die Vielfalt der akustischen Welt, musikalische Phänomene wie Melodie, Rhythmus und Klangfarben aber auch die Klänge und Klangwelten des Alltags konnten hier entdeckt werden. Kinder hörten ihren Herzschlag über einen Verstärker, hüpften Melodien auf Klangkisten, erlebten am großen Gong die Schwingungen ihres ganzen Körpers, spielten mit einem Echo und vieles mehr... Elementare Sinneserfahrungen rund um den Klang wurden hier auch im Rahmen von Workshops, unter Anleitung einer Rhythmiklehrerin, gemacht. Diese Einladung zum Experimentieren und Entdecken wurde, von Kindern wie Erwachsenen, spontan und begeistert angenommen. Die häufig vorhandene Trennung von Kinder- und Erwachsenenwelt konnte so aufgehoben werden. Wenn es darum ging, die eigene Stimme durch ein 100-meter Rohr zu schicken um sie am anderen Ende verspätet wieder zu hören, drängelten häufig die Eltern ihre Kinder: „Lass mich auch mal, du machst schon die ganze Zeit...“. Viele Kinder kamen zunächst ohne die Erwachsenen. Erst später brachten sie ihre Eltern mit, um ihnen die Klangphänomene vorzuführen und zu erklären: ein reizvoller Rollentausch für Eltern und Kinder.

Die benachbarte Galerie Münsterland installierte die „Mitmach-Maschine“, ein kinetisches Kunstobjekt und überdimensionales Spielzeug gleichermaßen. Das Objekt ist begehbar, lässt sich durch Muskelkraft in Bewegung setzen und lädt zur experimentellen Gestaltung und Weiterentwicklung ein. Die Betreuung übernahm der Gelsenkirchener Künstler Michael Friedrich, der auch Workshops und Aktionen mit Kindern in der Galerie Münsterland durchführte. In der Leinwandaktion „Farbe und Klang“ beispielsweise wurden Tonabnehmer hinter der Leinwand installiert. So konnten die Kinder ihre Phantasien visuell ausleben und gleichzeitig als akustische Klangfarbe erleben. Eine Gruppe von Kindern wurde hier täglich, mit großer Ausdauer und Intensität tätig.

Die Verknüpfung von spielerischen Mitmachangeboten mit Objekten der zeitgenössischen bildenden Kunst hat sich bewährt. Die Kombination der beiden Mitmachausstellungen ermöglichte Kindern wie Erwachsenen ungewohnte Blickweisen auf künstlerische Verfahren und Ausdrucksmittel. Sinneserfahrung, Experimentieren, Gestalten und Entdecken standen im Mittelpunkt. Kreativität, Kunst und Kultur fanden, außerhalb von schulischen Zusammenhängen, eine neue und anregende Gestalt.

Durch eine umfangreiche Öffentlichkeitsarbeit konnten Menschen unterschiedlichster Bevölkerungsgruppen angesprochen werden. Die Ausstellungen wurden von weit über 1.000 Kindern und Erwachsenen besucht. Dabei wurden nicht nur etablierte Kulturinteressenten mit ihren Kindern angesprochen, sondern vor allem Kinder, die bisher wenig Zugang zu Kunst und Kultur hatten, konnten als Besucher und Akteure gewonnen wurden.

Bei der Abschlusspräsentation der Workshopergebnisse reagierten die Eltern fast ‚befremdet’ auf die neue Kunstbegeisterung ihrer Kinder. „Ich hab den bisher nur an Fernseher gesehn“, kommentierte ein erstaunter Vater das Verhalten seines Sohnes. Dort konnte der Junge schließlich sich selbst sehen. Neben dem lokalen Fernsehsender berichteten auch der überregionale Rundfunksender und die Presse über das Projekt.

 

 

48) Depot Dortmund: Strassenbahn gegen Rassismus

 

Diese Aufgabe haben sich 9 KünstlerInnen aus dem Depot gestellt. Ihr Medium - ein Stadtbahnwagen, der von den Dortmunder Stadtwerken zur Verfügung gestellt wurde.

Das für die Umsetzung zu Grunde gelegte Konzept geht von der Überlegung aus, dass das Andersartige, das Fremde oft Ängste und Abgrenzung hervorruft. In Zeiten sozialer Spannung wird daraus bei rechtsradikaler und faschistoider Gesinnung Rassismus und Fremdenhass.

Die Bildmotive der KünstlerInnen sollen dazu dienen, bewusst zu machen, dass das Andersartige, das vermeintlich Fremde im Gegenüber auch eine Chance bietet den eigenen Horizont zu erweitern und mit den Mitteln der Bildenden Kunst Lust zu machen genauer hinzusehen. Zum inhaltlichen Konzept gehörte auch die Unterschiedlichkeit der technischen und stilistischen Ausdrucksmittel. Die Gemeinsamkeit aller besteht in der bildhaften Darstellung menschlicher Physiognomie in Form von Köpfen, Gesichtern und Augenpaaren.

Nach dem Motto „Das Fremde entdecken – Steig ein“ fährt nun der Stadtbahnwagen durch die Dortmunder City und wird somit Teil der vielfältigen Aktivitäten, die Rassismus und Fremdenhass zwar nicht endgültig verhindern können, jedoch im besten Falle das Bewusstsein einiger schärfen.

Die beteiligten KünstlerInnen waren:

Hanfried Brenner, Achim Farys, Julia Figgen, Christiane Heetmann, Simone Hogrebe, Lutz Kemper, Christian Psyk, Christoph Wurms, Barbara Wozniak

 

 

59b) Theater am Schlachthof, Neuss: Silvana oder im Haus der Erlösung

Theaterstück von Martin Maier Bode, nach einer Erzählung von Herbert Brödl.

 

Um die Aktionen und Projekte gegen Fremdenfeindlichkeit weiter zu entwickeln, entstand die Idee die Thematik von der anderen Seite zu beleuchten: Die Brüche innerhalb einer fremden Kultur darzustellen. Menschen werden durch die Zivilisation und veränderte Lebensbedingungen gezwungen, ihre Identität aufzugeben.

Dabei spielt in den Dritte Welt Ländern die Stadt Land Flucht eine wesentliche Rolle. Da oftmals nur der eigene Körper verkauft werden kann, sollte auch der Sextourismus und die Zunahme der Kinderprostitution thematisiert werden.

Die Thematisierung von Sichtweisen sollte im Vordergrund stehen, dem Zuschauer sollten verschiedene Welten vermittelt werden z. B die heile Welt eines Fischerdorfes und die harte Welt einer erbarmungslosen Stadt.

Menschen müssen sich aufgrund von veränderten Lebensbedingungen anpassen.

Selbstausbeutung und Ausnutzung werden lebensnotwendig.

Aufgrund der Lebensbedingungen in der dritten Welt sind diese für Europäer kaum vorstellbar.

Touristen sehen in erster Linie zuerst ihre Bedürfnisbefriedigung als vorrangig an. Sonne, Meer, bunte Folklore und erotische Befriedigung. Das auch sie diese Kulturen durch ihre Bedürfnisse massiv verändern wird unzureichend wahrgenommen.

Es wird oft nicht erkannt, das gerade auch in diesen Ländern Kulturen und Menschen leben, die mit der Entwicklung der Zivilisation in ihren Ländern große Schwierigkeiten haben. Die Ausbeutung in die sie geraten, betrifft oft den ganzen Menschen und viele zerbrechen daran.

Aus einer Erzählung von H. Brödl (70er Jahre) entwickelten Martin Maier Bode und Reinhard Mlotek das Theaterstück.

Da Jugendliche die Hauptrolle spielen wurde ein Casting in Zusammenarbeit mit der Schule für Kunst und Theater in Neuss durchgeführt.

Anfangs hatten die Jugendlichen und übrigen Darsteller Schwierigkeiten in die fremde und naive  Welt einzutauchen und die Rollen zu verstehen. Zahlreiche Diskussionen bei den Proben verschärften zunächst das Problem. Erst in der fortgeschrittenen Arbeit lösten sich diese Spannungen. Das Rollenverständnis nahm zu.

Von Anfang an, wurde mit der Neusser Eine Welt Initiative zusammengearbeitet.

Die Premiere war ein Erfolg. Auch  die Folgevorstellungen waren, wenn die schwierige Problematik berücksichtigt wird, gut besucht.

Unter dem Thema: „Gesicht zeigen gegen Kinderprostitution“, war die Produktion auch wesentlicher Programmpunkt,  bei den sechsten Neusser Eine-Welt-Tagen.

 

 

59a)Theater am Schlachthof, Neuss: SOMMERSPASS 2001 „Inkas, Indios und Pyramiden“

 

Die vom Theater durchgeführte Sommeraktion 2001 stand unter dem Thema :

„Inkas, Indios und Pyramiden“

75 Kinder im Alter von sieben bis zwölf Jahren aus dem Neusser Stadtge­biet, besonders jedoch aus dem Barbaraviertel, nahmen täglich von 10.00 Uhr bis 16.30 Uhr an der Spielakti­on teil.

In vier Programmgruppen mit Schwerpunkten Fi­gurenbau und- malerei und, Rhytmik und Rituale, Tanz- und Theatergruppe sowie Musik- und Instrumentalgruppe wurde künstlerisch und Völkerkundlich gearbeitet.

Für den Sommerspaß 2001 standen insgesamt 17 Betreuer/innen zu Verfügung:

·       8 Referenten

·       5 Praktikanten aus dem Bereich Gestaltung.

·       4 Hilfskräfte für die allgemeine Organisation.

 

Die einwöchige Ferienaktion wurde inhaltlich wie folgt gegliedert:

1. Einführungsveranstaltung

Die Kinder hatten am ersten Tag die Möglichkeit, alle Angebote der verschiedenen Programmgruppen kennen zulernen, um sich dann je nach Interesse für eine der Schwerpunkte zu entscheiden. Anschließend wurden Gruppen gebildet.

Von allen Gruppen gemeinsam eingeübt wurde ein Begrüßungslied auf spanisch.

An jedem Morgen wurde das Lied als Tagesauftakt gesungen.

2. Elternangebote

Zum zweiten Mal fand in diesem Jahr am Mittwoch eine Elternveranstaltung statt. Eltern und Kinder konnten gemeinsam die Gruppenangebote nutzen und am späten Nachmittag ihre Arbeitsergebnisse allen vorstellen bzw. aufführen. Zum Abschluss gaben die Musiker ein Konzert. Die Vorstellung wurde von 150 Zuschauern verfolgt.

3. Gruppen

Instrumental- und Musikgruppe:

In dieser Gruppe stand die Arbeit an der Musik und am Rhythmus im Vordergrund. Die Kinder haben Instrumente wie zum Beispiel Trommeln aus Papier selbst gebaut.

Nach einfachen Anfangsübungen wurden Lieder und verschiedene rhythmische Übungen einstudiert.

 

Tanz- und Theatergruppe:

Die Teilnehmer spielten und tanzten Alltagssituationen, Geschichten, Sagen und Mythen aus Südamerika / Mittelamerika. Die passenden Kostüme wurden organisiert oder von den Kindern selbst gemacht. So wurden Stoffe bemalt oder mit Händen und Füßen bedruckt. Neben der Vermittlung der Mythen waren Körperarbeit und Wahrnehmungsspiele Schwerpunkte der Gruppenarbeit.

 

Skulpturenbau und Malbereich:

Eine Steinbildhauerei bot die Möglichkeit, alte Inkastätte in Reliefarbeit anzufertigen.

Eine original Favela Slum Hütte (4x4m) wurde auf dem Außengelände des Theaters errichtet.

Wände wurden mit Holz, Lehm und Stoff verkleidet. Die Inneneinrichtung wurde mit bemalten Obstkisten, Devotionalien und Geschirr eingerichtet bzw. ausgestattet.

Die in eigener Herstellung angefertigten Kostüme und Instrumente und Skulpturen wurden in verschiedenen Bereichen genutzt, so im Malbereich, bei den Ritualen und in der Tanz- und Theatergruppe.

 

Meditation und Rituale:

Auch hier wurden Kostüme und Requisiten selbst angefertigt. Zentrales Thema war die Zerstörung der Inka-Kultur durch die Spanier. Dazu wurde ein kleines Theaterstück einstudiert. Es wurden die Riten der Inkas und Indios gezeigt und die Zerstörung der Kultur. Ein Schwerpunkt lag dabei auf dem Verlust einer Kultur, die stark an den Naturgewalten angelehnt war.

4. Tagesausklang

An jedem Tag um 16.00 Uhr versammelten sich alle Kinder im Veranstaltungsraum, jede Gruppe zeigte ein kleines Programm.

5. Verpflegung

Wie bereits in den Jahren  zuvor wurde auch diesmal das gemeinsame Mittagessen an zwei Tagen der Woche entsprechend zum Thema angeboten.

6. Abschlussveranstaltung

Als Höhepunkt der einwöchigen Sommerspaß-Ak­tion 2001 fand am letzten Tag eine öffentliche Abschlussveranstaltung statt, bei der die Kinder ihren Angehörigen und dem interessiertem Publikum die Ergebnisse ihrer einwöchigen Projektarbeit in ei­ner sehenswerten Bühnenshow darboten. Wie in jedem Jahr klang der Nachmittag mit dem traditionellen Kuchen essen aus.

7. Resümee

Wie in jedem Jahr bekamen die Kinder einen intensiven Einblick in einen Kulturkreis, erstaunlich war wie sehr die Kinder innerhalb kürzester Zeit eine Kultur verinnerlichen.

Die Nachfrage nach Plätzen konnte auch in diesem Jahr nicht befriedigt werden. Die Nachfrage überstieg bei weitem die zur Verfügung stehende Platzzahl.

Die intensivere Einbeziehung der Eltern in die Aktion war dieses Jahr ein besonderes Anliegen des Theaters und wurde mit dem Angebot von zwei Veranstaltungen erreicht.

Im nächsten Jahr soll diese Einbeziehung ausgebaut werden.

Die Einmaligkeit dieser Aktion liegt nicht nur darin das die Kinder und deren Eltern einen intensiven Einblick in einen Kulturkreis bekommen, sondern auch in dem Umstand das in jedem Jahr die Konzeption neu erarbeitet wird. Um ein Kernteam werden dem Thema entsprechende erfahrene Referenten gruppiert.

 

 

63) Cooperative Kunsthaus e.V. Bielefeld / Alarmtheater: „Sisyphos – Dialog des Unmöglichen“

 

Es fanden insgesamt 4 Vorbereitungstreffen zwischen den Verantwortlichen der therapeutischen Wohngruppen Loxten, Casum und der Projektleitung des AlarmTheaters statt.

In diesen gemeinsamen Arbeitssitzungen wurden zunächst die terminliche und finanzielle Organisation geklärt. Danach die Rahmenbedingungen und die Einbindung des Projektes in die Lebenswelt der Jugendlichen und jungen Erwachsenen. Verständigung  über Art und Umfang der theaterpädagogischen Arbeit und der Betreuungszeit.

Die Zielsetzungen  der Kooperationspartner waren sehr hoch:

·         Die gesamte therapeutische Infrastruktur der Einrichtung Loxten (durchschnittliches Alter zwischen 18 – 24 Jahre/ Teilnehmer 20) wurde für die Dauer des Theaterprojektes geschlossen und nach Bielefeld ins AlarmTheater verlegt.

Der Faktor „Mehraufwand an Betreuungszeit“ wurde über eine hauptamtliche Kraft aus Loxten und durch Praktikanten auf Seiten des AlarmTheater, bzw. durch eine stärkere handwerkliche Ausrichtung neben der Theaterarbeit aufgefangen.

·         Aus der Wohngruppe Casum (durchschnittliches Alter zwischen 26- 32/Teilnehmer7),  die auf beidseitigem Wunsch in das Projekt integriert werden sollte, entschied sich auf Freiwilligenbasis eine bereits im Vorfeld aktive Musikgruppe. Hier wurde mit 2 betreuenden Sozialarbeitern/Musikern  eine partielle, für den Prozess wichtige Teilnahme im Alarmtheater vereinbart, die andere Hälfte sollte per Auftrag in der Einrichtung erarbeitet werden.

·         Neben dem theaterpädgogischen Prozess steht am Ende eine Reihe von  Vorstellungen. Nicht nur  Fachöffentlichkeit oder geneigte Zuschauer fanden Zugang, sondern massiv auch die Öffentlichkeit im lokalen und regionalen Bereich. Zudem wurden schulische und außerschulische Kooperationspartner für die Aufführungen unter dem Thema  „Theater und Prävention“ gewonnen, sodass insgesamt 10 Aufführungen standen.

 

Verlauf

Die praktische Durchführung des Projektes gliederte sich in 2 Phasen. Die 1. Phase dauerte vom 27. August – 7. Oktober 2001 und fand im AlarmTheater statt. Die 2. Phase war in Detmold /Hackedahl im ehemaligen Navi Gebäude vom 8.-12. Oktober 2001.

1.                  Am Anfang stand die Begegnung und der Austausch zwischen den Jugendlichen und den KünstlerInnen. In 4 Wochenblöcken wurden  mit den  TN  in künstlerischen Laboratorien (Schauspiel, Akrobatik, Tanz, Rhythmus, etc.) Material erarbeitet und gesammelt. In den 2 folgenden Blöcken kam es zur Erarbeitung der Szenen, der theatralen Montage und schließlich zur Einprobung des Stückes. Im letzten Block wurden am Wochenende abends Vorstellungen für die Öffentlichkeit gemacht und in der darauffolgenden Woche SchülerInnenvorstellungen mit anschließenden Diskussionsrunden.

2.                  Unter Einbeziehung von TN aus der ersten Phase wurde in Zusammenarbeit mit örtlichen Kooperationspartnern in Detmold/Hackedahl in einer Woche eine Arbeitsdemonstration in Form einer Raumbespielung erarbeitet und öffentlich aufgeführt.

Die erste Voraussetzung für die Teilnahme an der ganztägigen Theaterarbeit war, dass die Teilnehmer zum Zeitpunkt des Projektes drogenfrei waren. Da eine Verpflichtung am Theaterprojekt bestand, wurden nur 3 Gründe für den Abbruch festgelegt (Abbruch der Therapie, schwere Krankheit und Tod). Ansprechpartner in dem theatralen Prozess waren die 2 Leiter des AlarmTheaters. Ein Psychologe aus der Therapieeinrichtung arbeitete aktiv in der Gruppe als Schauspieler mit und war Ansprechpartner während der Betreuungszeit und der handwerklichen Aktivitäten. Neben der künstlerischen Arbeit ging es zu einem großen Teil auch um Training der körperlichen Belastbarkeit, da ein nicht kleiner Teil der Drogenabhängigen wenig Kondition und körperliche Leistungsfähigkeit hatten. Sie kamen z. T. direkt aus dem Entzug in das Projekt.

Zu Beginn der Arbeitssitzungen mit den Drogenabhängigen wurde das Thema Sisyphos- Dialog des Unmöglichen“ bearbeitet. In Form schriftlicher und mündlicher Äußerungen sollte das Thema zunächst frei assoziativ erarbeitet werden. Fernab von der herkömmlichen Bühnenarbeit – wo jede Handbewegung der Regievorgabe folgt, entwickeln die Akteure hier ein Theaterstück aus der Improvisation heraus. Einen Leitfaden, eine Geschichte brauchten die jungen Männer aber, die noch nichts mit Theater spielen zu tun hatten. Texte, Literatur und Musik wurden einerseits vorgeschlagen, andererseits wurden persönliche Wünsche und Auseinandersetzungen der Männer respektiert und integriert. Die volle Einbringung der Einzelnen für diese szenische Collage wurde stets gefordert. Klare Regeln wurden von der Projektleitung gleich zu Anfang festgelegt und im Laufe des Prozesses immer wieder eindringlich wiederholt. Sie bezogen sich vor allem auf die Arbeitsdisziplin, sollten aber den spielerischen Freiraum für Improvisation so weit wie möglich erhalten. Mit „Strenge und Liebe“ so ein Teilnehmer, wurden die Akteure nicht bloß zu der Erarbeitung eines Arbeitsergebnisses geführt, sondern vielmehr begleitet. Voraussetzungen für das Gelingen eines solchen Projektes war die präzise Beobachtung der gesamten Gruppe, ihrer Dynamik , und der einzelnen Teilnehmer. Die Facetten und Kompetenzen jedes Einzelnen mussten erkannt werden und in individueller Arbeit herausgebildet werden. Niemand sollte in diesem Projekt `fremdbestimmt´ oder  `blamiert´ werden, vielmehr wurden die vorhandenen persönlichen Fähigkeiten (z.B. tanzen, singen, Text präsentieren, etc.) der Einzelnen bewusst gemacht und für die theatrale Arbeit genutzt.

Als die Aufführungen den Prozess enden ließen, war es für alle das Erleben eines Vulkanausbruchs. Wichtig waren auch die Wiederholungen der Aufführungen, damit die Akteure glauben und annehmen lernten, dass das hervorgeholte Beste, die Kraft und auch die Liebesfähigkeit keine Eintagsfliege ist. An dieser Stelle ist auch die Öffentlichkeit in Form der Zuschauer mitten im Prozess des Erlebens vom schönen, würdevollen Menschen, der in die Gesellschaft gehört. Spätestens hier wurde klar, dass unser aller Leben eine Bereicherung erfährt, wenn wir vom Wegschauen/Ignorieren hin zur Begegnung kommen.

 

 

65) Kunstschalter e.V. Köln: „Bangkok meets Cologne – Cologne  meets Bangkok 2001/ 2002“

 

Das internationale Projekt wurde mit dem KunstWerk e.V. von Uli Eichhorn ausgedacht und organisiert. Wichtig war dabei die Unterstützung eines Landes, das - gerade von der Kunstszene - wenig hofiert wird.

Von 27. August bis zum 15. September 2001 umrahmte eine internationale Wanderausstellung mit 50 Papierarbeiten thailändischer Künstler, einen work in progress zwischen 6 thailändischen und im 5 im KunstWerk arbeitenden Künstlern. Neben den Papierarbeiten die bereits in mehreren Ländern Asiens und Amerikas ausgestellt waren, zeigten wir Installationen, Video- und Fotokunst, die während des Aufenthalts der thailändischen Gäste gemeinsam erstellt wurden.

Zur Vernissage am 02. September um 11 Uhr sprach ein Repräsentant der Königlichen Thailändischen Botschaft, Kulturdezernentin der Stadt Köln Frau Marie Hüllenkrämer, Organisator des Projekts Uli Eichhorn und der ebenfalls angereiste Direktor der Silpakorn Academy Vichoke Mukdamanee.

Am 25. August resiten die Professoren Vichoke Mukdamanee (Organisation Bangkok), Vichai Sithirathn und Saravuth Duangjumpa mit drei Studenten Amrit Chusuwan, Sutee Kunavichayanont und Tawatchai Punsawat der Silpakorn University Bangkok in Köln an. Sie trafen in Köln die Künstlern Caroline Cochius (D), Ewa Jasnota Latoszek (PL), Martina Pütz (D), Etienne Steven Szabo (F) und Vadim Zhakarow (GUS), alle haben ein Atelier im Kölner KunstWerk. Hauptrichtlinie zwischen den Künstlern die sich nie zuvor gesehen hatten, war das Thema Gastfreundschaft und welche künstlerischen Arbeitsansätze sich bei dieser Begegnung der westlichen und asiatischen Mentalität ergeben, so waren neben einem Besuch in den Deutzer Claudius Thermen, Treffen mit dem Direktor des Museum Ludwig Kaspar König sowie dem Leiter des Kölner Kunstvereins. Es wurde dabei über die Dokumentation und die Möglichkeit um das Aufheben des anonymen Statutes des Touristen um es gleichzeitig zu ironisieren diskutiert.

Von Mitte Februar 2002 bis Mitte März stellten die in Köln lebenden Künstler im Gegenzug in Bangkok in den fantastischen Räumen der Gallery of Silpakorn University ihre Kunstwerke aus. Dabei machten Sie wertvolle internationale Kontakte und erlebten vieles was die Unterschiede zwischen der westlichen und asiatischen Mentalität ausmacht.

 

 

66) ZUFF! Rheinberg: Medienprojekt „Camera –action“

 

Das Projekt ist zweiteilig realisiert worden. Inhalt des ersten Teilprojektes ist die Produktion eines Videofilms zum Thema „Jugendliche und Medien“ gewesen; aktiv einbezogen war eine Handvoll Jugendlicher, die zur sozialpädagogischen Klientel des Hauses zählen. Das zweite Teilprojekt ist thematisch dem Komplex „Fremdenfeindlichkeit, Rassismus und Rechtsradikalismus“ zugeordnet gewesen und von einem Dutzend Schülerinnen und Schüler des ortsansässigen Gymnasiums in Szene gesetzt worden. Das Resultat hat sich wiederum in einem Videofilm niedergeschlagen.

 

Teil 1 des Projektes hat Carsten Kirchholtes, Praktikant im Anerkennungsjahr, verantwortlich geleitet. Das Projekt hat das Hauptziel verfolgt, daß Jugendliche aus sozial schwächeren Schichten die gleichen Zugangsmöglichkeiten erhalten wie die Jugendlichen aus den mittleren und gehobenen Schichten, die zumeist von Haus aus damit arbeiten können. Der Film sollte genau diese Problematik behandeln und verdeutlichen. Aufgrund mangelnden Interesses an der Form der Fiktion entschieden sich die beteiligten Jugendlichen dafür, eine ausführliche Dokumentation zu drehen. Durch Besuche bei Unternehmen, die mit Medien arbeiten und sogar erstellen, konnten die Jugendlichen einige Einblicke in die Produktion bekommen und diese mit Bild und Ton dokumentieren.

Die Jugendlichen setzten sich sehr intensiv mit der Thematik auseinander und zeigten dadurch viel Eigeninitiative, so dass die Arbeit mit der Kamera ihnen weniger wichtig erschien als die Erarbeitung des Themas selbst.

Ein Problem stellte die Terminierung der Drehtage dar. So konnten einige der Vorstellungen der Jugendlichen nicht umgesetzt werden, da sie Interview-Termine für morgens und mittags bekamen und diese durch Schulunterricht und Ausbildung nicht wahrnehmen konnten. Ein Radiosender verweigerte die Kooperation, die für die Jugendlichen sehr wichtig schien. Immerhin stehen Sender wie Eins Live bei Jugendlichen weitaus höher im Kurs als z.B. Print-Medien.

Sehr wichtig war für die Jugendlichen die Präsentation des Films Anfang des Jahres 2002. So standen sie durch die Aufführung vor ihren Freunden und Bekannten, aber auch für die Öffentlichkeit einen Augenblick im Rampenlicht.

Bei der Auswertung des Projekts bestätigte sich, dass die Jugendlichen sich für Medien interessieren und auch gerne mit zeitgemäßen technischen Medien arbeiten. Ein Wunsch der Jugendlichen war es, dass Schulen mehr Medien bereitstellen oder sogar mit ihnen unterrichten.

 

Teil 2 des Projekts stand unter der Anleitung des Dozenten Volker Wieprecht. Wiederum wurde der Film von der Gruppe gemeinsam konzipiert, gedreht, geschnitten und nachbearbeitet.

Der 25-minütige Film mit dem Titel „11.09.“ besteht aus zwei Ebenen, die beim Schnitt miteinander montiert worden sind.

Einerseits ging es um die komprimierte Dokumentation zahlreicher Projekte und Aktionen, die im Rahmen des Landesprogramms „1DM gegen Rechts“ in Rheinberg gestartet wurden. Hierbei sollten die Jugendlichen nicht nur den Umgang mit den technischen Gerätschaften lernen sondern auch, mit welchen ästhetischen und journalistischen Mitteln ein Videofilm sich dem jeweiligen Sujet nähern kann. Bei dieser Arbeit wurde seitens des Dozenten besonderer Wertauf das Phänomen der ‚positionierten Objektivität’ gelegt.

Die zweite Ebene des Videoprojektes setzte sich im darstellenden Spiel mit dem Thema auseinander. Unter der Anleitung des ZUFF!-Theaterpädagogen Tom Kraus verfassten und probten die Jugendlichen eigene kurze Theaterszenen, die sich mit Fremdenfeindlichkeit, Rassismus oder Rechtsradikalismus beschäftigten. Darin sollten die eigene Haltung und Position der Jugendlichen deutlich und sichtbar bzw. das dramaturgische sowie darstellerische Potential der SchülerInnen erkannt und gefördert werden.

Die Theaterszenen wurden gefilmt und später in die Dokumentation eingeflochten. Auf diese Weise entstand ein Video, das für die TeilnehmerInnen einerseits abwechslungsreich zu drehen war und das für den Betrachter andererseits eine doppelte Perspektive bietet, die in ihrem alternierenden Rhythmus unterhaltsam und doch Garant für informativen Tiefgang ist.

Zeitgemäßes Infotainment also, bei dem der Lernfaktor für Macher und Konsumenten auf Grund der ansprechenden Ästhetik weitaus größer ist als bei einer lanweiligen, weil langatmigen schieren Dokumentation.

Im Zuge der Verleihung des 1. Rheinberger Kulturpreises wurden die 12 Jugendlichen des Amplonius- Gymnasiums für ihren Film mit einem Sonderpreis ausgezeichnet.

 

 

69) Jugendtheaterwerkstatt Cactus e.V., Münster: Der Die Das Fremde

 

Seit acht Jahren besteht die Jugendtheaterwerkstatt Cactus e.V. als gemeinnütziger Träger mit dem Ziel, Theaterarbeit mit Jugendlichen unter professionellen Rahmenbedingungen zu leisten.  Die künstlerische und konzeptionelle Leitung liegt von Beginn an in den Händen von Barbara Kemmler, sie arbeitet seit mehr als 20 Jahren als Schauspielerin, Regisseurin und Projektleiterin in NRW.

In der Vergangenheit gab es vielerlei beachtete Theaterprojekte von Cactus, wobei in der letzten Zeit - die letzten zwei bis drei Jahre - die Ergebnisse der Arbeit auch vom Feuilleton wahrgenommen und gewürdigt wurden. Kein Wunder, erreicht doch Cactus regelmäßig 3.500 - 4.000 Zuschauer pro Produktion und gilt in Münster und der Umgebung als Markstein.

Das erste Problem, dass sich bei einer neuen Arbeit stellt, ist die Frage nach den jugendlichen Teilnehmenden. Cactus kann inzwischen auf eine Gruppe junger Schauspieler und Schauspielerinnen zurückgreifen, aus deren Pool sich immer wieder einige zusammenfinden, um erneut gemeinsam ein Stück zu erarbeiten. Vakanzen werden mit Hilfe ebendieser Menschen besetzt, d.h. über Mundpropaganda und ähnliche Dinge. So ist stets gewährleistet, wirklich Interessierte in die Produktion zu bekommen. Gleich zu Beginn, während des ersten vorbereitenden Treffens, werden die klaren Regeln besprochen, vor allem ist damit die Probendisziplin gemeint. Bewährt hat sich dabei eine Dreiteilung des Projektes: Vorbereitungs- und Findungsphase, Grundlagen des Stückes, Endproben. Die erste der genannten Phasen ist relativ offen gestaltet, was auch bedeutet, dass hier jedem/jeder problemlos die Möglichkeit eingeräumt wird, jederzeit wieder auszusteigen. Diejenigen, die dann aber weiter machen, tun dies verbindlich. Die anderen künstlerischen Mitarbeiter wie Musiker, Choreographen, Bühnenbildner, Trainer, Sprechtrainer, Assistenzen usw. werden weit im Vorfeld vertraglich an die Produktion gebunden und sind immer professionell, ganz so wie im "normalen³ Theaterbetrieb auch. Die Probenraumfrage ist

selbstverständlich ebenso geklärt wie die ersten 5 - 7 Spieltermine des fertigen Stückes.

Ein Effekt dieser Vorgehensweise ist die Gewissheit, die Arbeit erfolgreich zu Ende bringen zu können, andererseits schafft sie – Transparenz vorausgesetzt - bei den beteiligten Jugendlichen das berechtigte Gefühl, innerhalb der Produktion von seriösen Partnern begleitet zu werden und somit sich selbst als ernstzunehmende Partner zu empfinden.

Das Hauptanliegen dieser Produktion bestand in der kreativen Auseinandersetzung mit dem Thema "Fremdheit“, wer oder was ist uns fremd, wie ist unser Umgang mit diesem Thema, mit dem Fremden, mit den Fremden? Wie definieren wir fremd? Was ist das Gegenteil von fremd?

Für eine erste konkrete Beschäftigung mit dieser Thematik konnten wir Inge Rohwedder gewinnen, eine Dozentin für kreatives Schreiben. Unter ihrer Anleitung trafen sich die Teilnehmenden eine Woche täglich mehrere Stunden. Im Rahmen dieser von uns "Schreibwerkstatt³ genannten Projektphase bestimmte zunächst die intellektuelle Annäherung an das Thema die Arbeit, nach gewissen Regeln entstanden Texte aller Art, von assoziierten freien Texten über Gedichte, Reime, skurille Beschreibungen eigener Erfahrungen bis hin zu kabarettreifen Erläuterungen über das Exil im Nachbardorf. Innerhalb dieser Phase lernten die Teilnehmenden, sich ohne Scheuklappen dem Thema zu

stellen, auch gegen die political correctness zu formulieren, sich ganz ihrer Fantasie und eigenen Erfahrung zu überlassen, echt zu sein. Dass es dabei zu Auseinandersetzungen und Debatten kam, war selbstverständlich und eines der gewünschten Ergebnisse.

Interessant in diesem Zusammenhang ist die Tatsache, dass jeder einzelne Text, jedes vorgetragene Wort durch die Gruppe einer Kritik unterzogen wurde. Dabei galt stets die Regel, das Positive des jeweilig Vorgestellten herauszuheben. Diese Methode diente erfolgreich dazu, die Hemmschwellen für die Einzelnen enorm und spürbar herabzusetzen, letztendlich beteiligten sich alle ohne Ausnahme an der Produktion aussagekräftiger Texte, die schließlich die Grundlagen sein sollten für das gesamte noch zu erarbeitende Stück. Ein weiterer Zugang zum Thema konnte über die Körperlichkeit gefunden werden. In diesem Falle waren es die Bewegungsabläufe des Tai-Chi. Der engagierte spanische Tai-Chi-Lehrer und Tänzer Gérard Arlandes legte bei seinem Training nicht nur Wert auf die äußerst korrekte Ausführung der Bewegungen, sondern gab den Teilnehmenden auch Informationen aus dem kulturellen Umfeld, aus der Geschichte und der philosophischen Grundlage des

Tai-Chi an die Hand, eine für alle völlig neue, also fremde Erfahrung. Die erlernten Abläufe fanden sich ebenso wie die Texte im gesamten Stück wieder und dienten letztendlich als choreografierte Klammer für die einzelnen Szenen.

Ergänzend dazu entwickelte sich ab der zweiten Phase die Musik zum Stück, die eigens komponiert wurde, teilweise sogar nach den gleichen Gesetzen, nach denen einige der Texte entstanden, gewissermaßen aleatorisch. Vermieden werden sollte eine beliebige Aneinanderkettung sogenannter weltmusikalisch-folkloristischer Elemente, gefordert wurde eine den Szenen angemessene, dennoch als neu zu empfindende Musik, atmosphärisch dicht, nicht zu präsent. Mit der nicht ganz gewöhnlichen Besetzung Posaune und klassische Gitarre gelang das.

Diese zweite Phase war geprägt von szenischen Improvisationen über die erstellten Texte, das Bühnenbild wurde bereits angedeutet. Parallel dazu gab es weiterhin ein Sprechtraining und das Tai-Chi-Training. Im Laufe dieser zweiten Phase änderte das Stück mehrfach seinen Gestus und fand so zu der am Ende von allen Beteiligten als sinnvoll erachteten Gestalt: ein Stück, stark geprägt von choreografischen Elementen, mit vielen Ensembles, aus dem Einzelne oder Duos hervorbrechen können und ihre Sicht der Dinge präsentieren, mit extrem humorvollen Seiten und dennoch von einem Ernst, der dem Thema angemessen ist.

Die dritte Phase stellte sich dann wie immer als echte Arbeitsphase heraus, das Ensemble ging an seine Grenzen, es wurde die ultimative Version gesucht und gefunden, immer wieder exakt geprobt. Die jugendlichen Schauspieler und Schauspielerinnen erfuhren hier die konkrete Theaterarbeit, es ist eine Grenzerfahrung: aus Spaß wird Ernst, um diese Plattitüde einmal zu benutzen. Und es erstaunt immer wieder, mit welchem Elan sich dann alle in die endgültigen Endproben stürzen, sich gegenseitig stützen, kritisieren, innerhalb des Projektes zu einer verschworenen Gemeinschaft zusammenwachsen: hier fand die Verknüpfung statt all der Dinge, die in der langen Zeit vom ersten Treffen Anfang der Sommerferien bis zur Premiere nach den Herbstferien die Hauptrollen gespielt haben: Kreativität, Mut, Aussage.

Als Ergebnis  lässt sich feststellen, dass die Arbeit erfolgreich abgeschlossen wurde, die Resonanz bei den Beteiligten, beim Publikum und in der Rezension war enorm, die Nachfrage erforderte eine Wiederaufnahme. Es sind z.Zt. drei weitere Arbeiten in Planung, derzeit wurden bereits innerhalb zweier Projekte die ersten Treffen durchgeführt.

 

 

70) Burkhard Forstreuter, Wuppertal: Theater im Gefängnis

 

Die 10. Produktion von Theater im Gefängnis e.V.  fand in der JVA Wuppertal, Simonshöfchen 26, 42327 Wuppertal statt. Theater im Gefängnis e.V. kooperierte in diesem Projekt mit der VHS Wuppertal und der JVA Wuppertal.

Das Angebot richtete sich an interessierte Jugendliche von 16 bis 21 Jahre, die sich in Untersuchungshaft befanden.. Das Projekt wurde von Frau Rowitha Görlich/Pädagogischer Dienst der JVA Wuppertal betreut und begleitet.

Die Teilnehmer waren unterschiedlicher ethnischer Herkunft (Sierra Leone,  Türkei, Deutschland, Kosovo, Albanien). Am Projekt nahmen zu Beginn 15 Jugendliche teil; an den Aufführungen nahmen 11 Gefangene teil.

Ein Thema wurde nicht vorgegeben. Die Teilnehmer entschieden einstimmig,  sich mit ihrem Gefängnisalltag auseinander zusetzen und dabei ihre Vorgeschichte einzubeziehen. Der selbstgewählte Titel des Projektes war „Life goes on – das Leben geht weiter“.

Das erste Kennenlerntreff war am 2.1.01. Danach fanden die Proben zweimal die Woche ( Mo und Mi) in der Zeit von 12.30 bis 15.30 Uhr in der Kirche des JVA Wuppertal statt

Den Abschluss bildeten 2 Theateraufführungen ( 27.2.01 und 1.3.01) vor insgesamt 170 Straf/Gefangenen und 50 BesucherInnen von außerhalb.

Das Theaterstück wurde durch den Theaterfotografen Jürgen Diemer aus Mülheim/Ruhr dokumentiert. Die Fotografien wurden im Anschluss an das Theaterprojekt (zusammen mit Fotoserien aus vergangenen Projekten, die im Gefängnis stattfanden) im Foyer des Schiller Theaters Wuppertal unter dem Titel „...und dann war ich Luft“ vom 4. März bis zum 8.April ausgestellt. Vorher wurde die Ausstellung in der JVA Wuppertal selber gezeigt.

Eine Videobegleitung ergänzte die Dokumentation. Die Videoaufnahmen dienten während des Arbeitsprozesses der gemeinsamen Reflexion und späteren Demonstration der Arbeitsergebnisse.

Die Teilnehmer entwickelten zunächst durch Atem-, Stimm-, Rythmus- und Bewegungsübungen ein Grundverständnis für die theatralische Arbeit. Gearbeitet wurde weiterhin an der Wahrnehmungs- und Kommunikationsfähigkeit. Durch angeleitete Phantasiereisen und begründete Aufgabestellungen wurde die persönliche Imaginationskraft jedes einzelnen angeregt. Diese ausschöpfend, wurde jeder an die Entwicklung einer theatralen Figur herangeführt. Die Entwicklung des Handlungsablaufes folgte einer gemeinsamen Entscheidung.

Über die Theaterarbeit hinaus bot Frau Görlich den Gefangenen bei Bedarf Einzelgespräche an.

Theater im Gefängnis e.V. wurde mit dieser Produktion zu zwei Gastspielen eingeladen (12.3 und 14.3.01 in JVA Köln und JVA Remscheid).

Den Abschluss bildeten eine gemeinsame angeleitete Reflexion und eine Abschlussfeier mit den Teilnehmern.

 

 

72) Zirkus San Pedro Werl: Kultur für Werl – Festival am 08.und 09.09.01

 

Auf Basis einer Benefizveranstaltung wurde zum ersten Mal in solch einer Form in Werl ein spartenübergreifendes Kulturfestival durchgeführt.

Die Veranstaltung fußte auf folgenden Säulen:

-     Ein Live-Konzert für jüngeres Publikum in dem separaten Zirkuszelt am 08.09.01

-     Eine große Party für junge Menschen aller Art, das auf das Live-Konzert folgt und

ebenfalls in dem Zirkuszelt und am 08.09.

-     Ein (multi-) kulturelles und alle Alterssparten ansprechendes Kulturprogramm in

der Zirkushalle am 09.09.01

-          Die Auftaktveranstaltung im Rahmen der Feier zum 20-jährigen Jubiläum der Werler

Stadthalle mit ähnlichen Inhalten wie am Sonntag am 08.09.01 tagsüber

Das in der Halle des Zirkus San Pedro Piccolino, einem in der Nähe der Halle aufgestellte Zirkuszelt sowie, abweichend vom ursprünglichen Plan, in der Stadthalle veranstaltete Kultur Für Werl - Festival hat die Öffentlichkeit auf das Kulturzentrum aufmerksam gemacht, das nach Wunsch der Veranstalter im Bahnhof in Werl eröffnet werden soll.

Dabei wurden Personen verschiedenen Alters und gesellschaftlicher Herkunft angesprochen und animiert, an der Veranstaltung teilzuhaben. Mitgewirkt hat eine Vielzahl Werler und regionaler Kulturschaffender.

Ein besonderes Anliegen der Veranstalter war es, dass im Rahmen des Festivals auch verschiedene  Nationalitäten involviert wurden. Aktive Gruppen ausländischer Mitbürger wurden in das bunte Kulturprogramm eingebunden. Dadurch kam es, vor allem während des Sonntags zu interkulturellen Begegnungen und zu Kooperationen, die schon durch ihr Wesen die Ablehnung gegenüber rechtsradikalen Gesinnungen ausdrückten und so einen vitales Statement gegen rassistisches Gedankengut  darstellten.

Alle Drucksachen, die zu der Veranstaltung hergestellt wurden, wurden mit einem “bunt statt braun” – Emblem versehen und so ist weithin ersichtlich Stellung genommen worden.

Es wurde ein Stand angeboten, an dem Aufklärung zum Thema „Rechtsradikalismus” geleistet wurde.

Während des Festivals, haben bei geringem Eintritt in all den Sparten, die in Zukunft auch im Kulturzentrum angeboten werden sollen, interessante Veranstaltungen stattgefunden.

Zu den inhaltlichen Abweichungen vom ursprünglichen Konzept

Nachdem bereits die Planung feststand, wurden der Veranstalter mit der Tatsache konfrontiert, dass am 08.09.01 die Stadthalle in Werl kurzfristig ein Fest zu deren Jubiläum plante, das tagsüber inhaltlich das gleiche Klientel ansprach. In gegenseitigem Einvernehmen wurde beschlossen, dass es für beide Veranstaltungen von Nachteil wäre, sich Konkurrenz zu machen. So beschloss man beide Veranstaltungen zu kombinieren. Das Kultur für Werl-Festival wurde integriert und der Zirkus San Pedro Piccolino sowie der Verein „Kultur für Werl“ erbrachten mit ihren Programmbeiträgen einen Großteil des kulturellen Programms (multikulturelle Musik live und von Band sowie artistische Zirkuspräsentationen).

Zu den äußeren Bedingungen

Leider war das Wetter am Wochenende des Festivals katastrophal schlecht (Sturm, Hagel, Dauerregen). Dennoch konnte man für den Samstagabend, trotz einer halb Open Air – Veranstaltung über 200 Besucher verzeichnen. Dies wird von uns bei diesen Ausgangsbedingungen als großer Erfolg gewertet. Jedoch war der Getränkeverzehr aufgrund der kalten Temperaturen sehr schlecht.

Weniger erfolgreich (nicht der inhaltliche Erfolg, der war sehr gut) war auch der Veranstaltungsabschnitt in der Zirkushalle im Bezug auf den Umfang an Publikum. Zwar wurde durch die Vielzahl von beteiligten Personen und deren Gäste rein optisch eine gute Zuschauerfrequenz erreicht, jedoch war die Anzahl an zahlenden Besuchern gering (nur knapp 150 Besucher).

 

Resümee

Organisatorisch wie inhaltlich war das Festival ein voller Erfolg. Sämtliche inhaltlichen Anliegen, die oben beschrieben worden sind, wurden erreicht. Leider war jedoch der Besuch, hauptsächlich wegen des Wetters nicht in vollem Umfang befriedigend.

Das Ziel, auf ein mögliches Kulturzentrum in Werl aufmerksam machen sowie viele verschiedene Personenkreise zu erreichen und einzubinden wurde umgesetzt.

 

 

6b) Initiativkreis Altenberg e.V.: Cool oder Kult

Projekt „Kult-tour der Kulturen“

1. Ziel des Projektes:

Unser Anliegen war es, den jungen Menschen in unserer Einrichtung die Möglichkeit zu schaffen, sich auf aktive Weise mit dem Kulturenproblem auseinander zu setzen, aktiv an Angeboten teilzunehmen und selbst Stellung zu beziehen. Gleichzeitig wollten wir durch die Förderung der Jugend den Großen und Alten die Gelegenheit bieten, mit eigenen Vorurteilen aufzuräumen, sich anzuhören, was die Kids zu sagen haben ­ denn die haben viel zu sagen. Wir wollten helfen, den Dialog zwischen den Kulturen und zwischen den Generationen ans Laufen zu bekommen, wollten den Jugendlichen den Raum geben, den sie brauchen, um sich Gehör zu verschaffen.

Ziel des Projektes war es weiter, die Auseinandersetzung mit Themen, die nach unserem Verständnis zur Mitgestaltung der Welt, zur Überwindung von Sexismus, Rassismus, Gewalt und Unterdrückung von enormer Bedeutung sind, durch diese Form von Kultur zu fördern, anzuregen.

 

2. Die Durchführung

Nach dem Punkrocker-Festival zu Pfingsten, das als Auftaktveranstaltung für die Projektreihe durchgeführt wurde, fanden diverse politische Diskussionsrunden und Lesungen statt, die für alle Generationen, Nationalitäten und jedes Geschlecht offen waren und die sich besonders im Herbst des Jahres aus aktuellem Anlass mit dem Thema Terrorismus, Kapitalismus und Religion befassten. Eine besondere Bedeutung erhielt die Lesung von Jürgen Elsässer, die zwar vor dem 11.09.01 stattfand, aber deren Thematik durch eben dieses Datum noch mal mehr an Bedeutung gewann. Elsässer stellte Texte seines Buches zur Diskussion, das sich mit dem Kosovo-Krieg und den Lügen der Bundes Regierung befasst. Die Hip Hopper sollten das Abschluss-Festival im September 2001 gestalten.

Hier kam es zu einer zeitlichen Umplanung (hierüber wurden Sie per Fax und Telefon informiert), die rein organisatorischer Natur war. So fand das Abschlussfest erst am 26.12.2001 statt. Neben der zeitlichen Umplanung kam es auch zu diversen Umbenennungen einiger Bands und unserer Kooperationspartner für dieses Festival (so wurde aus dem „Duisburger Komplex“ „Lärmquelle“).

 

Unterstützung erhielten wir während der gesamten Projektphase besonders von der VVN Oberhausen und dem Komitee für die Solidarität mit den in Genua Inhaftierten. Darüber hinaus stellten Rapper-Initiativen zum Hip Hop Festival Stände auf, an denen sie Aufklärungsarbeit zu gesellschaftskritischen Songs leisteten. So entbrannten nicht selten hitzige Diskussionen mit dem Publikum.

 

3. Der inhaltliche Anspruch

Das Punkrocker-Festival fand zu Pfingsten statt. Sowohl Bandmitglieder als auch Aussenstehende mit vergleichbaren Schicksalen (also vom Skin zum Punk) hatten Stände aufgebaut, an denen sie über ihre Vergangenheit und ihre Zugehörigkeit zur rechten Szene, über ihren „Ausstieg“ und die Beweggründe dahin informierten.

Als Auftaktveranstaltung unserer Projektreihe erhält dieses Festival eine zusätzliche Bedeutung, da sich viele unserer alltäglichen BesucherInnen (und auch der MitarbeiterInnen) mit Fragen an uns wendeten, wieso ein Zentrum wie das unsere SOLCHE Veranstaltungen mache. Gemeint war, dass soziokulturelle Zentren doch „links“ einzuordnen seien, die Punker aber doch „rechts“ vertreten würden. Es entwickelten sich in Teamsitzungen und am Tresen intensive Gespräche, die tiefere Aufklärungsarbeit leisteten, als Stammtischgespräche gewöhnlich leisten. Die Interessierten und Offenen unter den Skeptikern waren hellhörig geworden und besuchten die folgenden Veranstaltungen (Diskussionsrunden und Lesungen), u.a. die von Jürgen Elsässer. Dieser bot Textauszüge seines Buches „Kriegsverbrechen“ zur Diskussion an. Mit den BesucherInnen dieser Veranstaltung fand eine intensive Auseinandersetzung statt, in der die unterschiedlichen Standpunkte der verschiedenen Nationalitäten eine große Bedeutung erhielten. Auch die Altersstruktur und das Geschlecht spielten bei der „Einstellung“ zum Thema „Krieg, Frieden und Rassismus“ eine Rolle. So erschienen die jüngeren weiblichen Besucherinnen wesentlich aufgeschlossener gegenüber anderen Standpunkten, als es die älteren Herren zu sein schienen.

Angemerkt sei an dieser Stelle jedoch, dass die geringe „Gruppe“ keine verallgemeinbaren Rückschlüsse zulässt. Das Hip Hop Festival wurde ­wie erwartet- nur von jungen Menschen zwischen 16 und 29 Jahren besucht. Trotzdem die Intention der großen Mehrheit der BesucherInnen der pure Musikgenuss war, tummelten sich in der Info-Halle zahlreiche von ihnen. Neben aufschlussreicher Auseinandersetzung mit den unterschiedlichsten Texten der verschiedenen Bands wurde den jungen Gästen die Gelegenheit geboten, sich selbst auf die Bühne zu stellen und in Rappermanier das zu „singen“, was sie schon immer mal loswerden wollten. Dabei wurden auch durchaus bedenkliche Parolen durchs Micro gegrölt, die neben den „Ausländern, die uns die Arbeit wegnehmen“ auch die „Frauen, die sich den Jungs verweigern“ beinhalteten. Solche Künstler wurden lautstark ausgebuht und verließen schnell die Bühne. Zu einer darüber hinaus reichenden inhaltlichen Auseinandersetzung kam es hier jedoch nicht öffentlich, die Diskussionen fanden dann eher im kleinen „Perr-group-Kreis“ statt.

 

4. Auswertung und Ausblick

Die Projektreihe werten wir als Erfolg aus.  Da wir erstmalig eine solche Reihe in unserer Einrichtung durchgeführt haben, kam es an einigen Stellen zu Fehleinschätzungen. So haben wir das Hip Hop Festival in der Kalkulation und dem Förderantrag unterschätzt. Der enorme Mehraufwand und die grosse Nachfrage nach diesem Angebot konnten wir bei Antragstellung nicht absehen. So kommt es zu den hohen Abweichungen des tatsächlichen Finanzierungsplanes und dem Förderantrag. Neben der organisatorischen Fehlkalkulation ist der inhaltliche Anspruch, den wir an diese Arbeit gestellt haben, allerdings befriedigt worden. Der rege Zulauf von Menschen der unterschiedlichsten Altersstufen und Nationalitäten hat unser Zentrum in dieser Phase enorm belebt und eine Vielfalt auf das Gelände gebracht, wie sie sich bunter nicht zu wünschen bleibt.

Auch die Diskussionsrunden, Lesungen und Benefiz-Veranstaltungen, die große Solidarität unter den Gruppen und BesucherInnen, hat uns und unsere Arbeit bereichert und ermutigt, diesen Weg weiter zu gehen. Die Rückmeldungen unserer Gäste waren durchweg positiv und bestätigen unseren Eindruck an dieser Stelle.

 

Auch für das Jahr 2002 haben wir eine vergleichbare Projektreihe geplant und wir freuen uns nachhaltig, dass durch die Förderung des „Kommunalen Bündnis für Demokratie, Toleranz, Fremdenfreundlichkeit in Oberhausen“ dieses Projekt ermöglicht wurde.

 

5. Schlussbemerkungen

Als soziokulturelles Zentrum haben wir den Anspruch, mit und durch unsere(r) Arbeit nachhaltig die Menschen zu beeinflussen, sie zum Mitmachen anzuregen, zur kritischen Auseinandersetzung mit Politik und Gesellschaft aufzufordern. Und wir wollen ein Ort der Begegnung für Jedermann/frau sein. In einer Gesellschaft wie dieser gestaltet sich das allerdings oft sehr schwierig. Zu sehr sind wir selbst Teil eines Systems, das nur durch Ausbeutung auf der einen Seite funktionieren kann. Auch wenn wir unsere Projektreihe als Erfolg auswerten, so sind wir nicht so blind zu sehen, dass viel mehr zu tun bleibt, als wir allein zu leisten in der Lage sind. Und uns ist auch nicht entgangen, dass die BesucherInnenzahl der „Konsumveranstaltungen“ weitaus höher liegt, als die der Diskussionsrunden und Lesungen. Dennoch sind wir der Auffassung, dass die Richtung, die wir mit dieser Reihe eingeschlagen haben, die richtige ist. Schließlich müssen wir die Menschen dort abholen, wo sie sich aufhalten ­ und das gilt für die jungen Menschen ganz besonders. In diesem Sinne hoffen wir, dass solche Projekte nicht die Ausnahme bleiben.

 

 

18b)  Alte Feuerwache, Köln: Schwarzlichttheater mit Kindern

 

Das Schwarzlichttheater-Projekt mit Kindern hat im Oktober 2001 im Kinderbereich der Alten Feuerwache stattgefunden.

Wir hatten uns für dieses Projekt entschieden, weil wir die Faszination und die besonderen Möglichkeiten des Schwarzlichttheaters in der kulturpädagogischen Arbeit mit Kindern nutzen wollten.

Die Durchführung des Projektes erfolgte in Zusammenarbeit mit zwei Pädagogen von CreArTour, einer Theater-Werkstatt aus Norddeutschland. Im Kölner Raum haben wir keine Schwarzlichttheater-Pädagogen finden können.

Mit diesem Projekt wurden Kinder aus dem offenen Kindertreff angesprochen. Viele der Kinder im Alter von sechs bis zwölf Jahren kommen aus schwierigen Lebenssituationen aufgrund von Migration, Familiensituation und sozialem Milieu.

Der Beginn war am Freitag, den 5. Oktober als Schnuppertag im Kindertreff. Alle Kinder hatten die Möglichkeit, in Gruppen eine Stunde lang Schwarzlichttheater auszuprobieren. Viele Kinder waren sehr begeistert von den Effekten des Schwarzlichtes und wollten bei dem Projekt mitmachen. Zehn Kinder konnten sich vorstellen, die ganzen Herbstferien über jeden Nachmittag Schwarzlichttheater zu spielen und meldeten sich an. Es gab dafür einen Anmeldebogen, der von den Kindern und deren Eltern unterschrieben wurde.

Das eigentliche Projekt begann am folgenden Montag und fand über die Herbstferien

(8.-19.Oktober) jeden Nachmittag in der Woche von 14 bis 17 Uhr statt. Nach den Herbstferien gab es noch drei weitere Probetermine. Dann wurde das Schwarzlichttheater im Rahmen einer gemeinsamen Präsentation mit anderen Projekten der pädagogischen Bereiche der Alten Feuerwache am Sonntag, den 4. November im Saal der Alten Feuerwache öffentlich aufgeführt.

Die Kinder haben an den Schwarzlichttheater-Terminen begeistert und regelmäßig teilgenommen. Von den zehn Kindern hat lediglich ein Kind aus familiären Gründen abgebrochen, die anderen neun haben kontinuierlich mitgearbeitet und sich sogar abgemeldet, wenn sie nicht kommen konnten. Da sich die Kinder häufig selbst organisieren und weniger geübt sind, Zeiten einzuhalten, wird daran deutlich, wie hoch die Motivation gewesen ist.

Die Gruppe bestand aus sechs Mädchen und drei Jungen deutscher und türkischer Herkunft im Alter von sieben bis elf Jahren.

Zunächst wurden den Kinder Techniken des Schwarzlichttheaters vermittelt wie Gegenstände erscheinen und verschwinden zu lassen (z. B. ein schwarzes Tuch wird vorgehalten und fällt weg). Die Kinder erfuhren, wie man Dinge schweben zu lassen kann als auch, wie man Dinge größer oder kleiner oder kürzer oder länger werden lässt. Sie übten, mit den Händen Formen zu erarbeiten und darzustellen und Gegenstände oder Körperteile zu vervielfältigen.

Um den Kinder das Prinzip des Schwarzlichttheaters besonders anschaulich zu machen, wurde zu Beginn eine Probe auf Video aufgenommen und gemeinsam angeschaut. Das Zuschauen war grundsätzlich ein wesentlicher Teil des Lernprozesses, da die Kinder immer im Wechsel agiert und bei anderen zugesehen haben. Die Kinder nahmen so wahr, wann man gesehen wird und wie welche Körperhaltungen und Bewegungen wirkten und sprachen gemeinsam darüber.

In die Struktur des Projektes waren auch regelmäßige Spieleinheiten (Aufwärmphase mit Spielen, Spiele nach der Pause und am Ende) integriert. Die Spiele waren für die Kinder sehr wichtig, weil dadurch die Entwicklung der Gruppe gefördert wurde, die Kinder spielerische „Auszeiten“ aus der konzentrierten Probearbeit erhielten und gleichzeitig Theatertechniken (z.B. Spiegeln) geübt wurden.

 

In der ersten Woche wurde jeden Nachmittag eine Szene erarbeitet. Dabei entwickelte sich bei den Kinder das Thema „Traumwelten“ zu dem Schwerpunkt Zaubern und Zirkus.

Die Kinder dachten sich verschiedene Szenen aus z. B. einen Zauberer, der Dinge verschwinden lässt, eine Jonglierszene, in der die Welt auf den Kopf gestellt und mit den Füßen jongliert wird und eine Clownnummer, in der der Clown einen Kampf gegen einen riesigen Hammer führt.

Es wurden mit den Kindern fünf Szenen entwickelt, die dann in der zweiten Woche detailliert ausgearbeitet und geübt wurden. Dafür hat zunächst hat jedes Kind die verschiedenen Rollen einmal ausprobiert. Dann wurde zusammen entschieden, wer welche Rolle übernehmen wird. Die festgelegten Szenen wurden nun intensiv geprobt, um den Ablauf und die Effekte der Szene verständlich und deutlich auszudrücken.

 

Vor der Präsentation gab es eine Generalprobe und dann erfolgte die Aufführung vor über zweihundert ZuschauerInnen im Saal der Alten Feuerwache. Die Kinder haben sich durch die häufigen und intensiven Proben bei der Aufführung sicher gefühlt. Sie hatten die Reihenfolge gut im Kopf, kannten die Aufgaben aller Beteiligte und wussten genau, wo hinter dem Vorhang die Requisiten lagen. Die Kinder fühlten sich auch dadurch geschützt, weil sie selbst im Dunkeln nicht sichtbar waren. Manche trällerten sogar, während sie hinter der Bühne auf ihre Auftritte warteten. Die Kinder hatten viel Spaß dabei, das Schwarzlichttheaterstück zu zeigen.

Sie waren sehr zufrieden mit ihrer Arbeit und erhielten viel Anerkennung und Applaus. Viele hatten auch Familie, Freunde, SchulkameradInnen und Nachbarn eingeladen und waren stolz, sich in einem solch professionellen Rahmen zu präsentieren.

Bei der Präsentation wurde deutlich, dass während dieses Projektes eine Gruppe entstanden war, die gelernt hatte, auf engem Raum gut zu kooperieren. Bei den einzelnen Szenen ist es gelungen, dass vier oder fünf Kinder eng nebeneinander und teilweise sogar übereinander (z.B. ein Kind am Boden und ein Kind auf einem schwarzen Tisch) gut zusammen gearbeitet haben.

Rückmeldung der TeilnehmerInnen:

Jessica, 10 Jahre:

„Ich fand das Schwarzlichttheater schön und würde gerne wieder so was machen. Am Besten fand ich das Fenster abtasten. Ich habe gute neue Spiele gelernt, z.B. das Krokodilspiel im Schwarzlicht oder das Katz- und Mausspiel. Ich habe vorher gedacht, dass die Dinge ganz anders funktionieren, Jetzt weiß ich, wie es richtig geht. Die Aufführung war das Beste, weil so viele Leute zum Zuschauen kamen.“

Merve, 9 Jahre.

„Es hat alles Spaß gemacht. Ich habe andere Kinder kennen gelernt und eine neue Freundin, mit der ich in den Pausen gespielt habe, gefunden. Am besten war die Vorstellung, dass man die Kinder im Schwarzlicht nicht sehen kann und die Zuschauer denken, es wäre echte Zauberei. Es gehört viel Mut dazu, so was vorzumachen. Ich war sehr aufgeregt, aber es ist echt toll, den Eltern so was vorzuführen.“

 

 

26c) Kraftstation Remscheid: Kindertheater in der Kraftstation

 

Die Kraftstation ist in Remscheid City, einem sozial schwachen Stadtteil, die einzige Kultureinrichtung, die regelmäßig Kindertheater veranstaltet.

Seit einem Jahr veranstaltet die Kraftstation alle zwei Monate  am Donnerstag ein Kindertheater, hauptsächlich für die schwerer zu erreichende Zielgruppe der 7 – 10 jährigen.

Der Schwerpunkt liegt auf erzählerischen, poetischen Theatern, die sich mit den Lebenswelten von Kindern auseinandersetzen und ohne „Zeigefinger“ Alltagssituationen thematisieren. Bewusst wird ein Gegenpol zu Pokemon, Playstation und Super RTL gesetzt. Die meisten Kinder erleben das erste Mal Theater auf der Bühne und eine ganz neue Form der Kommunikation.

Die Kindertheater werden von den Kindertageseinrichtungen der Kraftstation und anderen Kita´s im „Viertel“ besucht.  Im Schnitt sehen 50 Kinder unsere Vorstellungen, bei einem Eintrittspreis von 5,- DM.

Die Nachfrage für das Kindertheaterstück „Engel mit nur einem Flügel“ von dem Theater Töfte im Januar war bei Schulen so groß, das wir eine Doppelvorstellung durchführten.

Dies ist mit großen Kosten für die Kraftstation verbunden.

Die Kraftstation finanziert die Kindertheater, auch bei Kooperationen mit dem Kultursekretariat NRW, mit ca. 1000,- DM Eigenmittel.

Im März sind vom Kulturausschuss der Stadt Remscheid, mit CDU Stimmenmehrheit, der Kraftstation nur 10.000,- DM aus Mitteln der Kulturmark für die Kulturarbeit bewilligt worden (beantragt waren 22.000,-). In Zeiten der SPD Mehrheit im Stadtrat bekam die Kraftstation 13.500,- DM. Dieses Budget empfahl die SPD auch diesmal, wurde jedoch von der CDU Mehrheit im Kulturausschuss überstimmt.

Ein wichtiges in Remscheid Stadt fehlendes Kulturangebot war somit in Gefahr.

Mit dem geförderten Projektantrag konnten weitere Kindertheater  in der Kraftstation veranstaltet werden.

Im September spielte das Kindertheater Scintilla das Stück „Eine Prise Brise und zwei Löffel Meer“.

Das Stück sahen ca. siebzig Kinder und Erwachsene. Die Zusammenarbeit mit Kindertageseinrichtungen im Viertel läuft inzwischen hervorragend.

Für den Dezember wurde das Theater Marabu mit dem Stück „Zwei unzertrennliche Feinde“ gebucht. Ausschlaggebend waren hier die Ereignisse des 11. September. Das Stück hat das Thema „Jungen, Männer und Gewaltmechanismen“ zum Thema. Die Nachfrage von Schulklassen war wieder so groß, das beide Vorstellungen mit 100 Jugendlichen und Erwachsenen ausverkauft waren. Die Veranstaltungen waren ein voller Erfolg und schufen neue Kontakte. Die Kraftstation konnte ihren Ruf  ein Ort für anspruchsvolles, thematisch hochwertiges Kinder - und Jugendtheater zu sein, festigen.

 

 

28b) BÜZ Schuhfabrik, Ahlen: Hip-Hop - Eine Kultur, eine Stadt

 

Mit der Initiative von Jugendlichen aus dem Umfeld der Schuhfabrik und der Jugendzentren in Ahlen begann es im Prinzip: Es ging um einen Platz für Graffiti, um die Möglichkeiten, die Hip-Hop-Kultur nicht nur passiv, sondern auch aktiv zu leben.

Die bestehenden Kontakte zwischen den „Organisatoren“ der Jugendkultur in Ahlen, besonders also den Jugendzentren und der Mobilen Jugendarbeit auf Seiten der Stadt, der Schuhfabrik als freier Kulturträger auf der anderen Seite konnten aufgegriffen und vertieft werden, und bei der Diskussion der weiteren Perspektiven von lebendiger Jugendkultur in Ahlen fiel auf, dass es tatsächlich so etwas wie einen gemeinsamen kulturellen Nenner gibt für viele informelle Jugendgruppen und Jugendtreffs. Hip-Hop war und ist in Ahlen angesagt bei türkischen und russischen Jugendlichen, auch bei vielen Jugendlichen mit klassisch deutscher Herkunft. Und so gab es eine Klammer, die eine ansonsten doch recht differenzierte, um nicht zu sagen gespaltene Stadt ein wenig verbindet: Hip-Hop gibt es im Westen und im (notleidenden) Osten, in der offiziellen Szene der Jugendzentren und in den inoffiziellen Gruppen, die im Kontakt stehen zur Mobilen Jugendarbeit. Und natürlich in den Schulen.

Das Ziel dieses Projektes war somit, diese gemeinsame Kultur als eine lebendige Angelegenheit erfahrbar und darstellbar zu machen, um so einen kleinen, eben kulturellen Beitrag dazu zu liefern, das Verständnis zwischen unterschiedlichen Ethnien, sozialen Klassen und sozialen Revieren in der Industriestadt Ahlen im Umbruch zu fördern.

Neben den VeranstalterInnen des Projektes, also der Schuhfabrik, den Jugendzentren und der Mobilen Jugendarbeit sollten sich - und tatsächlich hat dies bis auf die Sonderschule geklappt - alle Ahlener Schulen mit der Sekundarstufe I beteiligen.

Den informellen Jugendgruppen aus den Stadtteilen - zwei kamen bis dato bis zur Produktion „ihres“ Stückes - und den Schulen wurde lediglich vorgegeben, dass möglichst über das Leben in Ahlen getextet werden sollte. Den Gruppen wurde für jeweils zwei Tagen ein Raum, ein erfahrener Hip-Hoper als Texter und Musiker sowie das technische Equipment nebst Begleitung gestellt. Das Ziel, das auch jede Gruppe ehrgeizig verfolgte, war es, in dieser Zeit zumindest eine Strophe sowie den evtl. Refrain zu erstellen, einzustudieren und aufzunehmen.

Schließlich sollten die Ergebnisse in einer öffentlichen Veranstaltung - umrahmt von einem Profiprogramm - vorgestellt und in einem zweiten Schritt auf CD veröffentlicht werden.

Obwohl in den einzelnen Workshops intensiv und erfolgreich gearbeitet wurde und die Ergebnisse sich durchaus hören lassen können, hat die Präsentation der Ergebnisse leider nicht geklappt - lediglich drei Gruppen waren zunächst bereit, auf die Bühne zu gehen und verzichteten schließlich darauf, als sich abzeichnete, dass auch die anderen nicht mitmachen würden.

Dennoch sind von den bestehenden Gruppen wiederum viele bereit, ihre Arbeitsergebnisse zu perfektionieren, um sie nun auch zu veröffentlichen. Aus den Schulen und Jugendzentren gibt es rege Nachfrage nach einer Fortsetzung des Projektes, der sich die Organisatoren auch nicht entziehen wollen, trotz der Enttäuschung wegen der Life-Auftritte.

Unter dem Strich bleibt zunächst, dass

-          mit zehn Schulklassen an jeweils zwei Tagen

-          mit zwei informellen Freizeitgruppen an jeweils einem Wochenende

intensiv gearbeitet wurde, schließlich gab es

-          das Eröffnungswochenende mit den Workshopleitern sowie

-          ein weiteres Studiowochenende mit fast allen Gruppen und

-          den vorläufigen Abschluss des Events.

 

Resümee: Wir haben mit diesem Projekt in einer sehr intensiven Arbeit rund zweihundert Jugendliche für mehrere Tage erreichen können und zudem hilfreiche Kontakte zwischen Jugend- und Kulturszene auf der einen und vielen LehrerInnen auf der anderen Seite knüpfen können. In den Gruppen entstanden zumeist neuartige Eindrücke von den Wahrnehmungsweisen der anderen Kulturen, und die öffentliche Aufmerksamkeit des Projektes in Zeitungen als auch im Schulalltag gab uns Recht in unserer Annahme, dass über den Versuch einer lebendigen kulturellen Praxis alte Vorurteilsstrukturen bearbeitet werden können. Allerdings sind zumindest die in unserem Projekt beteiligten Jugendlichen - bei aller Freude am Präsentieren - erheblich ängstlicher und „scheuer“, als wir ursprünglich gedacht haben. Sie fühlten sich nach der doch recht kurzen Vorbereitungszeit noch nicht in der Lage, ungeschützt auf der Bühne zu stehen und ihre Produkte zu vertreten. Hier müssen wir uns wohl mehr Ruhe und Geduld verordnen und zudem immer bedenken, dass die öffentliche Präsentation, die für unsere Aufgaben notwendig ist, für die Jugendlichen ein sehr zweischneidiges Ereignis darstellt. Derzeit laufen die Gespräche über eine Fortsetzung des Projektes - wir sind zuversichtlich, dass der Hip-Hop weiterhin Thema in Ahlen bleiben wird.

 

 

31) Cobra „Die Provinz lebt“: Integrative Behindertenkultur

 

Im vergangen Jahr haben wir gemeinsam mit unseren Kooperationspartnern (Heimstätte für Behinderte, Werkstatt für Behinderte, Wilhelm-Hartschen-Schule, Adolf Kolping Werk) mehrere Discos mit dem Namen ,,GOME TOGETHER“ veranstaltet.

Diese Discos finden jeweils von 18.OOUhr bis ca. 21.OOUhr statt. Projektleiter ist Herr Gerhard Hensel­Losenske. Ziel dieser Veranstaltung ist es, Behinderte und Nichtbehinderte zum gemeinsamen Tanzen zu animieren. Die Resonanz der Teilnehmer (je ca. 60) ist  sehr positiv. Eine solche Veranstaltung verleiht den Personen mit geistiger und körperlicher Behinderung das Gefühl an ganz normalen Veranstaltungen wie Discos teilnehmen zu können, von den Nichtbehinderten akzeptiert und integriert zu werden. Aber auch die Nichtbehinderten (auch wenn sie meistens in der Unterzahl sind) begrüßen diese Veranstaltungen, da es für sie einfach mal eine ganz andere Art von Disco ist. Häufig gelingt es den Behinderten aufgrund ihrer lockeren Art einige Tanzmuffel (die man zwar selten findet, wenn aber eher unter den Nichtbehinderten) sehr schnell doch noch zum Tanzen zu animieren. In gewisser Weise findet bei diesen Discos also eine Integration von beiden Seiten statt.

Egal ist jedoch wer hier wen integriert, wichtig ist letztlich nur, dass Behinderte und Nichtbehinderte gemeinsam Spaß haben - und das ist hier ganz eindeutig der Fall!

 

 

33) Die Börse Wuppertal: do.it://gegen.gewalt.handeln

 

Gewalt ist alltäglich. Gerade rassistisch motivierte Gewalt bestimmt immer mehr den Alltag. Ziel des Projektes war es, einige der Probleme im großen Themenfeld „Gewalt und Rechtsextremismus“ anzudiskutieren und konstruktive Wege aus Gewalt und Rechtsextremismus aufzuzeigen. Zielgruppe waren im Schwerpunkt Jugendliche.

Allgemeine und strategische Zielsetzungen des Projektes.

Dieses Projekt sollte dem soziokulturellen Zentrum die börse eine inhaltliche Profilierung in einem gesellschaftspolitisch wichtigen Themenfeld ermöglichen. Hintergrund für dieses verstärkte Engagement war der Wunsch, dass die börse wieder stärker in den politischen Diskurs in der Region eingebunden ist und hierbei selbst ihr Profil als Anbieterin kritischer kultureller und politischer Veranstaltungen, Workshops und Seminare weiterentwickelt.

Gleichzeitig sollte die inhaltliche Auseinandersetzung im und um das Projekt für die börse Möglichkeit sein abzuklären, ob und in welcher Form sie in diesem Themenfeld weiterarbeiten will.

Weiterhin wollten wir mit dem Projekt erproben, die web-page der börse nicht nur zur Programmankündigung, sondern auch als Forum der inhaltlichen Auseinandersetzung zu nutzen.

 

Zur Umsetzung des Projektes und allgemeine Bewertung

Das Projekt wurde von den drei Programmbereichen Weiterbildung, darstellende Kunst und Musik der börse spartenübergreifend geplant und durchgeführt. Diese Verknüpfung der Programmbereiche hat sich als sehr sinnvoll und produktiv erwiesen. Intern hat diese Zusammenarbeit einen Reflexionsprozess über eine grundsätzliche und neue Positionierung des Programms der börse in Gang gesetzt und uns ermutigt, weitere Projekte spartenübergreifend zu planen, um der börse so wieder ein schärferes gesellschaftspolitisches Profil zu geben. Ein wichtiger Effekt in der Außendarstellung war, dass die sehr unterschiedlichen Zielgruppen des Kommunikationszentrums durch das Projekt angesprochen und so Synergien genutzt werden konnten.

Wichtig für die gemeinsame Außendarstellung war die Herstellung eines Plakates und Programmfolders zu allen Veranstaltungen des Projektes in einer Auflage von 500 Plakaten und 4000 Folder. Diese Werbemittel wurden im Zeitraum von August bis November im gesamten Wuppertaler Stadtgebiet verteilt und an alle wichtigen öffentlichen Institutionen und weiterführenden Schulen in Wuppertal und Umgebung geschickt. Durch die intensive Bewerbung über den langen Zeitraum hatte das Projekt eine große öffentliche Aufmerksamkeit und einen hohen Wiedererkennungswert. Die inhaltliche Verknüpfung der einzelnen Projektteile wurde von den Medien sehr interessiert aufgenommen und hat die Pressearbeit für die einzelnen Veranstaltungen erheblich erleichtert, da immer wieder auf das Gesamtprojekt Bezug genommen werden konnte.

Von den Vertretern der Stadt und der Parteien, die u.a. im Beirat der börse vertreten sind, wurde das Projekt sehr begrüßt, zumal es die städtische Initiative „Für Demokratie und Toleranz“ sinnvoll ergänzt. Angesichts des immer knapper werdenden städtischen Haushaltes, aus dem auch die börse ihre Grundfinanzierung erhält, fördert ein solches Projekt die Akzeptanz und die Anerkennung der Arbeit der börse. Durch das Projekt wurde die Stellung und Rolle der börse innerhalb der städtischen Kulturlandschaft gestärkt und behauptet. Die Durchführung von Projekten von anerkannter gesellschaftspolitischer Relevanz liefert gute Argumente in der Diskussion um die Existenzberechtigung des soziokulturellen Zentrums.

Gefördert wurde das Projekt zusätzlich durch einen Zuschuss des Kulturbüros Wuppertal für die Veranstaltung mit Serdar Somuncu am 23.10.2001. Die Stadtsparkasse unterstützte das Konzertprojekt „Rock against facism“ am 03.10.2001. Leider gelang es uns nicht, weitere Sponsorengelder zu akquirieren.

 

Wupper-Theater: German Angst – 25./26.09.2001

In diesem Theaterstück geht es um einen nach Deutschland eingewanderten Nigerianer, Christoph Arano, der Schwierigkeiten mit seiner Tochter Lucy hat, die seit dem Tod ihrer Mutter Straftaten begeht und nicht mehr zu bändigen ist. Die Deutsche Natalia Horn, die Christoph liebt, wird von Rechtsradikalen entführt. Damit soll die Ausweisung von Christoph Arano und Lucy erpresst werden. Das Schicksal der drei wird zum Spielball von Politik und Meinungsmacher/innen.

Das Wupper-Theater ist der börse seit langen Jahren verbunden. Seine interkulturelle Arbeit ist beispielhaft. Die Produktion „German Angst“ behandelt Themen, mit denen sich das Wupper-Theater schon seit seiner Gründung befasst: die Auseinandersetzung mit Menschen verschiedener Herkunft, Angst vor Fremden, Mitläufertum, Gewalt, Verzweiflung und Liebe. Die differenzierte dramaturgische Aufbereitung und theatrale Umsetzung des Themas wurde von Publikum und Presse hochgelobt (s. Pressekritik). Das schnelle und spannungsreiche Spiel, die zahlreichen Rollenwechsel und der Einsatz von Filmmedien machte die Produktion für ein junges Publikum sehr attraktiv. Aus der Verbindung des spannenden Thriller mit aktueller politischer Thematik entstand ein Theaterstück, das Jugendlichen Lust auf eine inhaltliche Auseinandersetzung macht.

Im Rahmen des Projektes konnte das Wupper-Theater gegen ein Festgage für zwei Abendvorstellungen in der börse gewonnen werden. Das Honorar ist als eine Art Produktionskostenzuschuss zu bewerten, durch den das Wupper-Theater eine Finanzierungslücke im Finanzierungsplan für die Produktion German Angst zumindest teilweise kompensieren konnte. Die Produktion wurde somit durch die Unterstützung der börse wesentlich gefördert. Auch die Endproben haben in der börse stattgefunden. Außer den 2 Vorstellungen am Abend fanden 2 Schulvorstellungen im Haus der Jugend statt sowie 6 Workshops für Schüler, davon einer in der börse.

 

Theater-Workshop German Angst – 26.09.2001

Der Theaterworkshop wurde von 3 Schauspielern geleitet und unterteilte sich in drei Teile: 1. Vorstellungsrunde und Körpertraining. 2. Spiel einzelner Szenen oder bestimmter Situationen aus dem Stück in unterschiedlichen Fassungen: z.B. Aggressivität, Denken in Kategorien, Sensationsgier der Medien. 3. Auswertungsgespräch. Der Workshop fand mit Schülern einer Realschule statt.

 

Konzertabend mit jungen Bands „Rock against fascism“ – 03.10.2001

Das Konzert „Rock against fascism“ fand zum zweiten Mal in der börse statt. Eingeladen waren drei junge Bands aus Wuppertal und Umgebung, Blunt / Punk Rock, Mental Cut / hArt Rock und Trigger / New Metall sowie die überregionale Newcomer Band Zombie Joe, die schon auf großen Rockevents Erfolge feiern konnte. Die jungen Bands bewiesen an diesem Abend ihrer Altersklasse, wie man/frau seine/ihre Freizeit selbstbestimmt gestalten kann, statt sich von Parolen schwingender, gewaltbereiter Schwachköpfe manipulieren zu lassen. Vor ihren Konzerten gaben die bands dazu statements ab. An Infoständen hatte das junge Publikum die Möglichkeit, sich über das Thema rechte Gewalt zu informieren. Weiterhin agierte die börse mit dieser Veranstaltung aktiv im Bereich der künstlerischen Nachwuchsförderung, was wir als wichtigen Aufgabenbereich begreifen.

 

Serdar Somuncu liest aus „Mein Kampf“ – 23.10.2001

Seit mehr als vier Jahren liest der in Deutschland lebende türkische Schauspieler und Regisseur Serdar Somuncu öffentlich Ausschnitte aus Adolf Hitlers „Mein Kampf“ und erntete für seine mutige, wie spannende Darstellung allerorts Lob und Anerkennung, aber auch Drohbriefe sind für ihn an der Tagesordnung. Überall, wo er gastiert, wandelt sich die anfängliche Skepsis in Verwunderung darüber, wie sehr auch heute noch dieses Buch zum Kultobjekt verblendeter Alt- und Neugestriger wird, obwohl kaum einer weiß, was tatsächlich drin steht. Während der Lesung erzählte Somuncu von seinen Erlebnissen auf seinen Lesereisen und gab dabei interessante Einblicke in die Befindlichkeit der „deutschen Seele in der Gegenwart“.

Die Lesung wurde von dem durchweg sehr jungen Publikum mit großer Begeisterung und viel Interesse aufgenommen und überzeugte durch die hohe Qualität des Vortrags des Künstlers. Im Anschluss richteten sich viele interessierte Zuschauer mit ihren Fragen an Serdar Somuncu.

Als sehr positiv war zu bewerten, dass es zu keinerlei Störungen von Seiten der rechten Szene kam. (Im Vorfeld einer Lesung in Remscheid hatte es dort massive Drohanrufen gegeben.) Die börse hatte durch die Information der zuständigen Polizeidienststelle und mit zwei Security entsprechend Vorsorge getroffen.

Wir hoffen, Serdar Somuncu im nächsten Jahr noch einmal für eine Lesung seines neuen Programms, das Anfang 2002 Premiere haben wird, gewinnen zu können. Die Veranstaltung hat uns bestätigt, dass der kabarettistische Zugriff Somuncus auf das Thema Rechtsextremismus ein sehr geeigneter Ansatz ist, um ein junges Publikum zu der Auseinandersetzung mit dem Thema zu bewegen.

 

Projektentwicklung & drei Theatervorstellungen

Solingen – von John von Düffel

Lehrer und Referendarin teilen miteinander Schlaf- und Klassenzimmer. Doch am unterschiedlichen Engagement für Schüler/innen und Deutschunterricht scheiden sich die Geister. In der Diskussion über den richtigen Umgang mit rechtsradikalen Schülern tritt unfreiwillig eine komische Hilflosigkeit zutage und die Frage gerät zum rein theoretischen Gedankenspiel, bis die reale Gewalt sie überholt: der private Konflikt entwickelt sich parallel zu den Vorgängen unter den Jugendlichen der Stadt. Das Stück endet mit der Nachrichtenmeldung über den Solinger Brandanschlag.

Es geht um Verharmlosung und Dämonisierung von Gewalt, um Rechthaberei, um die Verselbständigung von Analysen, um Herrschaftsansprüche im Kleinen und Großen. Und wenn es endlich knallt, passiert nichts!

„Solingen“ ist mehr als ein komisch-bissiger Spiegel bürgerlicher Strukturen, es zeigt die Verbindung von (Neo-)Faschismus und Bürgertum, ohne zu moralisieren oder Lösungen zu präsentieren. Es fordert zum Denken und Handeln auf.

Das Theaterprojekt „Solingen“ wurde in sechswöchiger Probenzeit in der börse entwickelt, das Lichtdesign erstellten Techniker unseres Hauses. Insgesamt fanden drei Vorstellungen statt, davon eine Schulvorstellung am Vormittag.

Für den Regisseur Christoph Wehr war die Kooperation mit der börse im Rahmen von do.it://gegen.gewalt.handeln der entscheidende Anstoß zur Realisierung seines dreiteiligen Theaterprojektes zu Formen bürgerlicher Gewalt, wovon das Stück von John von Düffel den ersten Teil bildet. Eine Fortsetzung der Gewalt-Trilogie ist für Herbst 2002 geplant.

Das Theaterprojekt wurde sehr breit in den lokalen Medien angekündigt (TV, Hörfunk und in Monatszeitschriften und Zeitungen) und fand große Beachtung. 154 LehrerInnen erhielten Informationsmaterial zum Stück und wurden eingeladen. Aufgrund der sehr guten Resonanz beim Publikum wird es im Januar 2002 eine Wiederaufnahme mit zwei Vorstellungen in der börse geben. Weiterhin ist das Stück bisher nach Bochum und in eine Solinger Schule eingeladen. Somit ist das Konzept, ein komplexes Stück unter unaufwändigen technischen Bedingungen zu entwickeln, das an möglichst vielen, auch technisch wenig ausgerüsteten Spielstätten spielbar ist, aufgegangen.

Begleitend wurde eine zeitgemäße Präsentation dieser Theaterarbeit im WWW entwickelt, die viele Hintergrundinformationen bietet und der Gruppe die Möglichkeit gibt, das Stück weiteren Interessenten überregional anzubieten.

 

Diskussionsveranstaltung „Was tun gegen rechte Gewalt?“ - 13.11.2001

In dieser Podiumsdiskussion sollte es um Strategien gegen Rechtsextremismus gehen. Als Moderatorin konnten wir die in Wuppertal sehr bekannte Journalistin Corinna Schlechtriem gewinnen, die u.a. Moderatorin bei der WDR Lokalzeit ist. Eingeladen waren Axel Dirx, SPD, MdL, Burkhard Mast-Weisz, Stadtbetrieb Jugend & Freizeit Wuppertal, Dr. Andreas Zick, Sozialpsychologe an der Uni Wuppertal, Frau Barbara Krott, Theaterleiterin des Wupper Theaters, Christoph Wehr, Regisseur von „Solingen“ und Sandra Heil, angehende Sozialarbeiterin und Mutter eines Jungen, der sich der rechten Szene angeschlossen hat.

Aufgrund der kurzfristigen Absage von zwei Diskussionsteilnehmern musste die Veranstaltung auf Frühjahr 2002 verschoben werden. Wir würden sie dann gern im Zusammenhang mit einer erneuten Lesung von Serdar Somuncu und ein oder zwei Vorträgen wiederholen.

 

Abschließende Bewertung

Insgesamt ist die Reihe do.it://gegen.gewalt.handeln als voller Erfolg zu werten. Das Projekt erhielt die erhoffte öffentliche Resonanz und regte auch intern Reflexions-prozesse und neue Arbeitsansätze an, was uns ermutigt, weitere Projekte zu gesellschaftspolitischen Themen zu planen.

Dank der großzügigen Unterstützung durch die LAG aus Mitteln des MSWKS des Landes NRW konnte das Projekt innerhalb des vorgesehenen Finanzrahmens durchgeführt werden. Die Kasseneinnahmen erfüllten nur zum Teil unsere Erwartungen. Leider war der Besuch des Konzertes „Rock against fascism“ schwächer als im Vorjahr. Die Einnahmeprognose für die Theatervorstellungen war etwas zu optimistisch, da auch viele Gäste aus dem öffentlichen Leben, Pressevertreter und Kollegen die Veranstaltungen besuchten, was natürlich sehr positiv war.

Wir sind von der Nachhaltigkeit dieses Projektes überzeugt und hoffen, durch die positive Bilanz von do.it://gegen.gewalt.handeln für unsere künftigen Projekte weitere Förderer und Sponsoren zu finden.

 

 

34) BÜZ Johanniskirchhof, Minden: "LYRIK GEGEN RECHTS"

 

Die Aktion "Lyrik gegen Rechts" wurde vom Kulturverein Wolkenstein im Kulturzentrum BÜZ im Dezember 2001 durchgeführt. Sie bestand aus einer Schreibwerkstatt für Jugendliche in Zusammenarbeit mit der Kunst- und Kulturwerkstatt Lille Kunterbunt im Bildungswerk und Forum für Friedensarbeit und einer Autorenlesung mit Publikumsdiskussion in Zusammenarbeit mit dem Heike-Wenig-Verlag im Kulturzentrum BÜZ. Beworben wurde die Veranstaltung mit dem Titel des vorgestellten Buches "Wieder schlägt man ins Kreuz die Haken". Bei der Durchführung konnten wir auf Erfahrungen aus unserem Projekt "Pflücke die Sterne, Sultanim" zurückgreifen. Diesmal waren in unserer Schreibwerkstatt Jugendliche die Zielgruppe. In der Schreibwerkstatt konnte Raum geschaffen werden für kreative Entwicklung angesichts der Erfahrung rechter Gewalt vor Ort : die literarische Ausdrucksmöglichkeit ermutigte und befähigt die Jugendlichen, Gefühle zu verbalisieren und alternative Identifikationsmuster in eigenen Positionen zu formulieren, um aktiver

regieren zu können. Aus Anlass des Erscheinens der neuen Anthologie des Wenig-Verlags lasen 10 von den insgesamt über 110 Autoren aus diesem Buch, darunter auch wieder

mehrere MindenerInnen und Mindener,mit musikalischer Rahmengestaltung, unter ihnen der Mindener Friedensarbeiter Siegfried Menze und der Vositzende der Christlich-Jüdischen Gemeinschaft, Dr. Winter . In der Abendveranstaltung stellten wir das Thema und die Autoren der Mindener Öffentlichkeit vor. Herr Fierens aus Belgien als ausländischer Autor erweiterte mit seinen Beiträgen die  lokale Erfahrung von Rassismus und Gewalt als globales Phänomen. Durch die Veranstaltung kamen auch nicht-professionelle Autoren in Kontakt

mit dem Publikum und erhielten wertvolle Rückmeldungen für ihre weitere Arbeit in

der anschließenden Publikumsdiskussion die Raum gab für spontane Impulse. Durch unsere Öffentlichkeitsarbeit konnten wir eine Sensibilisierung für dieses aktuelle Thema bewirken.

 

38) Jugendkulturzentrum Volksschule Moers: HipHop gegen Rechts

Hip-Hop gegen rechts:

Projekt ,,Hip­Hop gegen rechts", das im Zeitraum vom Juli bis Dezember in der Volksschule Moers und im Zuff! Rheinberg durchgeführt worden ist.

 

1.0.      Voraussetzungen und Rahmenbedingungen des Projekts

Das Projekt hat sich in dem vereinbarten zeitlichen Rahmen bewegt und war nicht auf ein Datum festgelegt, sondern wurde über Monate hinweg mit verschiedenen Künstlern der Öffentlichkeit dargeboten. Im Rahmen des Projektes wurden Workshops, Themenabende und auch Konzerte angeboten. Das zugehörige Werbematerial war stets mit dem ,,HipHop gegen rechts“- Logo versehen und vor jedem Konzert, Workshop oder Themenabend wurde der jeweilige Veranstaltungsort mit entsprechenden Informations-­Blättern und Postern ausgestattet, so dass alle Besucher sich von vornherein ein Bild machen konnten, was die Volksschule in Moers und das Zuff! in Rheinberg mit diesem Projekt bezwecken wollten. Dieses war das erste ,,Hip-Hop gegen rechts“ Projekt, welches in unserer Region durchgeführt worden ist und eines der ersten im ganzen Bundesgebiet. Auch wenn Probleme kleinerer Natur auftauchten, ist es als eine gute und erfolgversprechende Basis für das Nachfolgeprojekt ab April 2002 zu bewerten.

 

2.0.      Inhalt, Verlauf und Ergebnisse des Projekts:

2.1.      Zu den Workshops: Die Workshops wurden leider nicht im erwarteten Maße besucht. Im Durchschnitt beschränkte sich die Teilnehmerzahl pro Workshop auf nur jeweils 5-6 jugendliche. Insgesamt umfasste das Angebot drei Workshops; der erste war themenbezogen auf das Rappen, hier konnten die Jugendlichen mit Unterstützung von szenebekannten Musikern Texte schreiben und diese dann selbst rappen. Beim zweiten und dritten Workshop standen das Dung und die Graffitikunst im Mittelpunkt. Beinahe alle Teilnehmer waren in irgendeiner Form bereits mit der Hip-Hop-Szene in Berührung gekommen und brachten natürlich einiges an Interesse und Arbeitsbereitschaft mit.

·          Insofern kann man, wenngleich auch in begrenztem Maße, durchaus von einem Erfolg des Workshopangebotes sprechen, wenn auch mehr Jugendliche hätten kommen können. Nicht unerwähnt bleiben sollte jedoch, dass gerade durch die kleinen Gruppen die Workshopleiter in besonderem Maße auf die spezifischen Erwartungen und Vorstellungen der Teilnehmer eingehen konnten, so dass das subjektive Erfolgserlebnis bei den Jugendlichen sehr ausgeprägt war und auch die objektiv erworbenen bzw. verbesserten Fähigkeiten und Kenntnisse der Teilnehmer von den Workshopleitern als überdurchschnittlich gut bewertet werden konnten. An den Workshops nahmen übrigens sowohl Jungen als auch Mädchen teil, wobei letztere in einigen Fällen jedoch (wieder einmal) eher als ,,Freundin von...“ mitgekommen zu sein schienen.

 

2.2. Zu den Themenabenden: Die Themenabende waren sehr beliebt bei den Jugendlichen, da sie letztlich eine Mischung aus angeregten Diskussionen über Rechtsradikalismus und DJ- Abenden, wie sie in der Szene als Parties üblich sind, darstellten. Es wurden gemeinsam Vorschläge erarbeitet, wie und in welchem Umfang die Hip-Hop-Szene und -Kultur nach Außen hin gegen Rechtsradikalismus Stellung beziehen kann. Hier kann man sogar von einem unmittelbaren Erfolg sprechen, da auch viele als Musiker aktive Moerser Hip-Hopper mitgewirkt haben, die nunmehr auch

bei ihren auswärtigen Auftritten auf dieses Thema aufmerksam machen wollen und somit einen erneuten Denkanstoss an andere Jugendliche weiterleiten werden. Gerade unter diesem Gesichtspunkt schien einer insgesamt politisch nach rechts bereits abgegrenzten Szene lediglich der konkrete Anstoß gefehlt zu haben, sich ihrer Einstellung selbst klarer bewusst zu werden, sie nicht nur leben sondern auch verbalisieren zu können, und sie in der szenespezifischen Ästhetik zum Thema der kulturellen Aktivität werden zu lassen. Altersmäßig dürfte der Schwerpunkt bei den Besuchern der Themenabende zwischen 1 5 und 20 Jahren gelegen haben, mit geringen Abweichungen nach oben bei den bereits länger in der Szene Aktiven. Auffällig war hier eine für Veranstaltungen insgesamt recht hohe Quote an Mädchen und Frauen; dies dürfte darauf zurückzuführen sein, dass ,,man“ auch in dieser Szene an Wochentagen durchaus paarweise ausgeht, und dass sich in Moers und Umgebung bereits einige feste Mädchen-Cliquen gebildet haben, die regelmäßig gemeinsam HipHop-spezifische Veranstaltungen besuchen.

 

2.3. Zu den Konzerten: Die Konzerte waren sehr zufriedenstellend besucht, so dass man über Monate hinweg eine Vielzahl der Moerser und Rheinberger sowie auch Jugendliche aus dem näheren Umkreis begrüßen konnte. Im Durchschnitt waren ca. 100 Besucher bei den Konzerten vor Ort. Jede Band wurde vom Veranstalter damit beauftragt, sich bereits im Vorfeld Gedanken zum Thema zu machen und auf der Bühne gegenüber den Besuchern ihre Meinung darzustellen. Dies haben auch die Bands, die den Teilnehmern des Projektes nicht bereits im Rahmen der Workshops oder der Themenabende begegnet waren, sondern gleichsam ,,hinzugebucht“ wurden, mit großem Engagement getan und dadurch maßgeblich an dem Erfolg des Projektes mitgewirkt — ihre Multiplikatorenwirkung als ,,significant others“ innerhalb der Szene ist nach wie vor nicht zu unterschätzen. Des weiteren waren die Projektträger sehr bemüht mit vielen ausländischen Künstlern zu arbeiten, so dass das Thema ,,Hip-Hop gegen rechts“ nochmals deutlich unterstrichen wurde - es sind unter anderem Künstler und Künstlerinnen türkischer oder polnischer Herkunft aufgetreten, um nur einige zu nennen. Die unausgesprochene, aber mit Selbstverständlichkeit gelebte interkulturelle Verbundenheit innerhalb der Szene machte sich auch durch die Anwesenheit verschiedener Glaubensrichtungen bemerkbar, nicht nur bei der Abschlussveranstaltung am 21 .12.2001 etwa standen auch Muslime auf und vor der Bühne. Ein weiteres erklärtes und erreichtes Hauptziel war es, möglichst viele Künstler aus verschiedenen Regionen in das Projekt einzu binden, da es von Region zu Region auch unterschiedliche Erfahrungswerte zum Thema Faschismus gibt. So konnten wir unter anderem Musiker aus Berlin, Dortmund, dem Sauerland und natürlich aus unserer Region begrüßen. Der mit dem Projekt angestrebte verbesserte Austausch zwischen den einzelnen lokalen Szenen untereinander einerseits und zwischen dem ,,Nachwuchs“ und bereits arrivierten und anerkannten ,,großen Namen“ andererseits konnte in jeder Phase und in jedem Bestandteil von ,,HipHop gegen Rechts“ stets konkret erreicht werden. Das Publikum bei den Konzertveranstaltungen darf in jeder Hinsicht als ,,bunt gemischt“ bezeichnet werden; die Altersspanne reichte oftmals von 1 5 bis Anfang 30, auch waren immer Jungen und Mädchen in recht ausgewogenen Anteilen vertreten.

 

3. Resümee

Alles in allem sollte man mit dem Verlauf des Projektes ~,Hip-Hop gegen rechts“ zufrieden sein, da es weitestgehend auf positive Resonanz gestoßen ist. Bei Teilprojekten‘ wie z. B. den Workshops, hätte sich sowohl der Träger als auch die aktiven Teilnehmer wir uns über mehr interessierte Jugendliche sehr gefreut, dennoch werden sie ein fester Bestandteil für das konsequent ausgebaute Projekt in seiner zweiten Phase 2002 bleiben. Gerade durch den Erfolg der flankierenden Veranstaltungen angeschoben, ist hier mit einer deutlich verbesserten Resonanz zu rechnen. Die Erfahrungswerte mit den Künstlern sowie mit den Besuchern der Konzerte und den Workshopteilnehmern waren stets erfreulich, da alle in diesem Projekt mitwirkenden Personen es hundertprozentig unterstützt haben und von vornherein von seiner Bedeutung und seinem Konzept überzeugt waren. Des weiteren gab es bereits einige Anfragen von anderen Jugendzentren am Niederrhein, die von ,,HipHop gegen rechts“ gehört hatten, von der Idee und Durchführbarkeit des Projektes sehr angetan waren und nunmehr an der nächsten Phase teilnehmen oder ähnliche Projekte ins

·          Leben rufen wollen. Dadurch ist es möglich geworden, in der zweiten Phase des

Projekts mit Jugendeinrichtungen aus Wesel, Kamp-Lintfort und Mönchengladbach

zusammen zu arbeiten. Durch die erste Phase des Projektes bereits mit einer soliden

Basis und mit einigem Bekanntheitsgrad in Szene und Öffentlichkeit versehen, sieht der

Träger ,,HipHop gegen Rechts II“ nunmehr mit einigen Erwartungen entgegen.

 

43a) BIS: Klassische Musik aus Persien

 

Seit einiger Zeit bieten wir unter dem Titel Entrechoc in unserem Hause Musik unserer ausländischen Mitbürger an. Ziel dieser Veranstaltungen ist es, "Einheimische" und ausländische Mitbürger gleichermaßen anzusprechen und einen Ort der Begegnung der Kulturen zu schaffen im Medium der Musik. Hohe Priorität hat dabei die Qualität der dargebotenen Musik und Professionalität der Interpreten. Nur so "kann der Funke überspringen", lässt sich das Publikum vom Wert des kulturellen Umfeldes, aus der die Musik

stammt, überzeugen. Die Aufmerksamkeit, die unser Podium erzeugt, muß mit Intensität gefüllt werden. Wichtig ist uns aber auch ein unmittelbarer Bezug zu unserem Publikum und zu den Menschen, die in der Region leben.  So bemühen wir uns, die ausländischen Kulturvereine anzusprechen und arbeiten eng mit dem Ausländerbeirat der Stadt und der RAA zusammen, die die Veranstaltungsreihe mit unterstützt. So haben wir in der Vergangenheit mit einem türkischen Musiker und Pädagogen zusammengearbeitet, der durch dieses Kooperation mittlerweile einen großen Schülerkreis aufgebaut hat. Die Jazzpianistin Ilse Storb ist mit dem tunesischen Musiker Sachbi Amara aufgetreten und hat das Konzert ergänzt mit einem Workshop für Kinder und Jugendliche. Wichtig ist uns, daraus eine Kontinuität zu entwickeln, die das Interesse für die Musik speziell aus dem islamischen Kulturraum lebendig hält, weil gerade die islamische Kultur mit vielen Vorurteilen zu kämpfen hat.

Das Projekt "Soohrideh" fand statt am Freitag, den 14.09.2001. Es präsentiert klassische Musik aus Persien mit dem Ensemble Shoorideh. Die Musiker des Ensemble Shoorideh stammen aus einem diktatorisch regierten Land und leben in Deutschland im Exil. Der Verein "Kultur ohne Grenzen" hat diesen Kontakt vermittelt. Vor dem Konzert gab es einen Workshop für interessierte Hörer in Zusammenarbeit mit der RAA. Er vermittelte eine

Einführung in die Welt der orientalischen Musik und in die Situation der in Europa lenbenden Künstler. Besondere Brisanz erlangte diese Veranstaltung im Hinblick auf eine latente islamkritische Stimmung kurz nach den Ereignissen des 11. September

 

Entrechoc - Musik der Kulturen in Mönchengladbach

one world - Sushi, Hamburger, Rollmöpse, Katchup, Pizza und Senf miteinander vermischen und das Ergebnis als den ultimativen Kick verkaufen - dahinter steckt ein gehöriges Maß Überdruß am medialen Verschleiß der eigenen Kultur - was gäbe es schlimmeres als one world ... Was Not täte, wäre einfach nur Aufmerksamkeit dem gegenüber, was man (noch)

nicht versteht, schließlich - ist das Fremde nicht das einzig wirklich Interessante?

 

Entrechoquer bedeutet einerseits "aufeinanderprallen", aber auch (in Geselliger Runde) "die Gläser klingen lassen".

 

 

43b) BIS: RaumKlangRäume 7 Klanginstallationen von Hubert Steins im BIS-Zentrum für offenen Kulturarbeit Mönchengladbach

 

Im Februar 2002 verwandelt sich das Mönchengladbacher Kulturzentrum BIS in ein Haus der Klänge. In der bislang umfangreichsten Ausstellung des in Köln lebenden Klangkünstlers Hubert Steins präsentiert das BIS insgesamt sieben mehrkananlige Klanginstallationen, die sich in meditativer Weise mit medienhistorischen und wahrnehmungspsychologischen Aspekten des Hörens beschäftigen.

Bereits im Treppenhaus empfangen den Besucher die Klangröhre(n). Die aus insgesamt acht Lautsprechern bestehende Wandinstallation entsendent metallische Klangimpulse, die sich zu massiven Tonballungen und wellenartigen Klanggirlanden ergänzen.

Im ersten Raum der Ausstellung verweisen die GlockenKlangGlocken auf die kulturhistorische Bedeutung  der Glocke. Die aus zwei Lautsprecherschalen bestehende Arbeit bearbeitet historische Klänge von im Krieg zerstörten Glocken. Durch bewegliche, an der Raumdecke aufgehängte Schalenpendel über den Lautsprechern können die Glockenklänge vom Besucher in ihrer Klangfarbe beeinflusst werden.

Auch in der Installation obis mechanicae oder Das Spieluhrenspiel ist der interaktive Eingriff des Besuchers möglich. In der Arbeit entsenden acht Lautsprecher elektronisch manipulierte Klänge mechanischer Spieluhren sowie Textzitate zum Thema „Mensch und Maschine“. Mit insgesamt 40 „Spieluhrenspieler“ aktiv an dem meditativen Soundenvironment beteiligen.

Neben den Schallschalen für mechanische Tieftöner und Gewürzkörner sowie Organum, einer Klanginstallation für vier Orgelpfeifen werden mit den Schallschwimmern und der Sprachklanginstallation in principio erat verbum zwei neue Arbeiten von Steins im BIS präsentiert.

 

Ausstellung Hubert Steins – RaumKlangRäume

Einem breiten Publikum mit der Projekterstellung Klang- und Raumobjekten neue Dimensionen im Verhältnis von Raum und Skulptur erschließen. Diese konnten wir an den erstaunten Reaktionen des Publikums entnehmen, indem Kunst sehen mit Kunst hören in origineller Form verbunden und in dem gegebenen Rahmen verwirklicht wurde.

Insbesondere weißt die Ausstellung auf das Interesse von Kunst- und Musiklehrern, die mit ihren SII – Kursen die Ausstellung besuchten und im Gespräch mit dem Künstler einen Zugang der Jugendlichen zu moderner Kunst  eröffnete und somit die elementarische Technik der Objekte finden konnten.

Die Stellungsnahmen in den Aufzeichnungen der Besucher (im Gästejahrbuch etc.) lassen erkennen, dass die anvisierten Vermittlungen weitgehend gelungen sind.

 

 

48b) Depot Dortmund: Eröffnung

 

Mit einem zweitägigen Programm wurde das Depot am 01. und 02.09.2001 nach 6 ½ Jahren Planungs- und Umbauzeit offiziell eröffnet.

An der Organisation und Durchführung des Programms waren ca. 100 Akteure beteiligt. Davon kamen mehr als 60 KünstlerInnen (Laien, Semi-Professionelle und Profis) aus den Sparten Bildende Kunst, Tanz, Theater, Musik und Literatur.

 

Der Samstagabend hatte den Charakter eines „Gastmahls“. 420 Personen bekamen, an von KünstlerInnen gestalteten Tischen, ein Menü serviert. Vor und nach den einzelnen Gängen wurde ein Kulturprogramm geboten (Programm siehe Anlage). Hierfür wurde ein Eintrittsgeld in Höhe von 60,-DM/Person erhoben. Die Veranstaltung war ausverkauft.

 

Am Sonntag konnten sich die BesucherInnen über die vielfältigen Möglichkeiten, die dieses Haus und die NutzerInnen bieten informieren. Darüber hinaus wurden den ganzen Tag über, an verschiedenen Orten Kleinkunstdarbietungen und Mitmachaktionen für alle Altersgruppen angeboten (Programm siehe Anlage).

An diesem Tag wurde kein Eintritt erhoben.

 

Die Resonanz seitens der BesucherInnen und der Presse war positiv. So war die Veranstaltung am Samstag ausverkauft und am Sonntag kamen ca. 3.000 Menschen.

 

 

59c) Theater am Schlachthof, Neuss: Breakdance-Aktion

 

Motivation den Workshop zu veranstalten war die Beobachtung, das Jugendliche vor der Kirche im Barbaraviertel (einziger Platz im Stadtteil) mit einem Ghettoblaster Breakdance improvisierten. Jedoch aufgrund von Beschwerden von Nachbarn, durch die Polizei regelmäßig vertrieben wurden. Es existiert kein Jugendzentrum im Barbaraviertel. Aufgrund unserer Aufrufe an Schulen und Geschäften in der Nähe des Theaters, haben sich 14 Jugendliche im Alter zwischen 12 und 17 Jahren zu dem Breakdance-Workshop gemeldet.

Nach Gesprächen mit den interessierten Jugendlichen wurde beschlossen, auf die Teilnehmergebühr zu verzichten, da nur wenige in der Lage gewesen wären, diese zu bezahlen.

Nach Rücksprache mit den Jugendlichen wurde vereinbart, sich im Oktober bis Dezember jeweils zweimal die Woche zu treffen und unter Anleitung des Theaterpädagogen Sven Post eine Breakdance-Performance einzustudieren und auf  Video aufzunehmen. Unter Mithilfe einer Tanzpädagogin und einer Musikexpertin wurden verschiedene Lieder und Tanzformen (Performances) ausgesucht.

Themen waren:

Die Jugendlichen konnten unter fachkundiger Anleitung alle Möglichkeiten ausprobieren, Musik kam vom Band, ein Stück wurde selbst komponiert. Nach zehn Treffen waren drei Performances zu verschiedenen Themen entstanden.

Unter Mithilfe einer Ausstatterin und einer Kamerafrau, wurde das Filmen des Videoclips vorbereitet.

Die gefilmten Szenen wurden dann unter Mithilfe der Jugendlichen so zusammen-geschnitten, dass ein ca. zehnminütiges Video entstand. Dieses Video wurde dann allen Interessierten, Freunden und Bekannten offiziell vorgeführt. Alle Jugendlichen hatten viel Spaß und viele kreativen Ideen, die zur Umsetzung Ihrer Freizeitbeschäftigung zu einem professionellen Videoclip notwendig waren. Die Vorführung wurde von allen Zuschauern sehr positiv aufgenommen und die Jugendlichen waren sehr stolz und zufrieden mit Ihrer geleisteten Arbeit.

Einige der Jugendlichen halten den Kontakt zum Theater durch Thekendienste  und Aushilfsarbeiten.

 

 

83) Stadtteilladen Dransdorf: „Internet ohne Grenzen“ 2001

 

Ausgangslage:

Im Rahmen der Arbeit in unserer Stadtteilbegegnungsstätte wurde es dem Stadtteilverein Dransdorf e.V. durch finanzielle Unterstützung der Sparkasse Bonn und der LAG Soziokultureller Zentren NRW (LAG NW) ermöglicht, einen kostenlosen, zu den Öffnungszeiten der Begegnungsstätte frei zugänglichen Internet-Computer den Dransdorfer Bürgerinnen und Bürger zur Verfügung zu stellen, der regelmäßig von einer Honorarkraft betreut wurde.

Dieses bedarfsorientierte Angebot wurde vom Stadtteilverein entwickelt, da zum einen kaum eigene Computer in den Haushalten in Dransdorf anzutreffen sind, die ortsansässigen Schulen mit dem Aufbau dieser “Schulmittel“ noch nicht begonnen haben und auf der anderen Seite sich die Nutzung des Computers und vor allem des Internets zu einer beruflichen Schlüsselqualifikation entwickelt.

Zu berücksichtigen ist hierbei, dass sich der Nutzen des Internets erst erschließt, wenn ein ständiger schneller, niederschwelliger Zugriff auf das Medium möglich ist.

Dies ist gewährleistet worden durch unser hardware-Angebot.

 

Ziele des Projektes:

Die Ziele des Projektes waren:

-          einen niederschwelligen Zugang zum Internet zu gewährleisten, nicht nur für

die „information rich“ sonder auch für die „information poor“

-          einen Zugang zur beruflichen Schlüsselqualifikation PC/Internet zu schaffen

-          das Internet in den Alltag der Nuterinnen und Nutzer zu integrieren

-          eine ehrenamtlich tätige „user-group“ zu bilden, die den Zugang und neue Interessentinnen und Interessenten betreut

-          die Nutzung des Stadtteil-Cafés zu erhöhen

 

Durchführung des Projektes/Problematik/Lösung:

Nachdem der PC im Café des Stadtteilvereins aufgebaut und angeschlossen war, konnte das Projekt durch einen Pressetermin und die flächendeckende Verteilung von entsprechenden Handzetteln beworben werden.

Ab dem 01.07.2001 stand eine qualifizierte Fachkraft für 3 Stunden wöchentlich zur Verfügung, die allgemeine Fragen beantwortete.

Inhalte waren von allgemeiner bis spezieller Art: Windowsgrundlagen, Grundverständnis Internet (und seine Dienste), Browser u. Funktionen, Suchmaschinen, Einrichtung email-Account, Chatten, Jobsuche, homepage, HTML, Sicherheit im Netz etc..

Nach anfänglich schleppender Nutzung des Angebotes durch die Dransdorfer Bürgerinnen und Bürger entwickelte sich doch nach ca. 4 Wochen eine Nutzungsfrequenz von 3 bis zu 10 „usern“ über die tägliche Öffnungszeit verteilt.

Sehr schnell stellte sich jedoch heraus, dass die wöchentliche Betreuung des Internet-PC durch die Fachkraft für die täglichen Anfragen der Nutzerinnen und Nutzer bei weitem nicht ausreichte. Ein „vertrösten“ von Fragen bzw. das Verschieben von Problemlösungen auf die Arbeitzeit der Fachkraft war faktisch nicht möglich, da dieses Vorgehen natürlich dem niederschwelligen Anspruch des Projektes widersprach und sich die Nutzerinnen und Nutzer zu den Arbeitszeiten der Fachkraft i.d.R. nicht mehr meldeten.

Diese Problem der fehlenden Präsenz der Fachkraft konnte leider nicht gänzlich gelöst werden. Behelfen konnten wir uns damit, dass die Fachkraft das Stammpersonal des Cafés so weit wie möglich in die Thematik Internet/PC eingeführt hat, so daß wenigstens die „leichten Anfragen“ zeitnah beantwortet werden konnten.

 

Um dass Projekt nicht ganz zu gefährden, wurden die wöchentlichen Präsenzzeiten von Donnerstag nachmittag 16:00 Uhr bis 19:00 Uhr um drei weitere Stunden, jeweils dienstags von 15:00 Uhr bis 18.00 Uhr erweitert.

Dieses Vorgehen erwies sich als nützlich, da Anfragen an den nicht betreuten Tagen theoretisch spätestens am nächsten Tag beantwortet werden konnten.

Fast durchgängig nur Jugendliche im Alter von 16 bis 25 Jahren waren Nutzerinnen und Nutzer unseres Angebotes.

Hauptmotive waren

 

Überraschenderweie zeigte sich, dass die Nutzerinnen und Nutzer kaum

 

In diesem Zusammenhang sollten die Nutzerinnen und Nutzer dieses Angebotes die Möglichkeit erhalten durch eine Schulungssequenz ein „Internetzertifikat“ zu erwerben

Geplante Inhalte waren:

 

In den Gesprächen am Internet- PC stellte sich schnell heraus, dass bei den Nutzerinnen und Nutzer zu den angebotenen Themen zwar Interesse bestand. Dafür jedoch extra eine Schulung zu besuchen, stieß nicht auf große Zustimmung.

Die Fachkraft reagierte situativ, verzichtete auf die Durchführung dieser Seminare und entschied sich grundlegende Kenntnisse direkt bei Fragestellung am PC vermitteln.

Der Anspruch arbeitsloser Dransdorfer Bürger zu schulen liegt bei den statistischen Daten für den Stadtteil auf der Hand:

Im Bonner Stadtteil Dransdorf sind ca. 14 % der potenziellen Erwerbstätigen arbeitslos (Bonn 6,1%). Die Arbeitslosenquote der unter 25jährigen liegt mit 15,2 % noch höher.

Die Anzahl der Sozialhilfeempfänger liegt mit 14,01 % (Bonn 7,2) an zweiter Stelle im Vergleich mit allen Bonner Stadtteilen.

Gerade diese Bevölkerungsgruppen müssten eigentlich an das Medium Internet als Schlüsselqualifikation für eine berufliche Integration heran geführt werden.

Leider waren nur wenig Interessierte aus dieser Zielgruppe bei den Nutzerinnen und Nutzern anzutreffen, so dass wir auf eine Schulung speziell dieses Personenkreises verzichten mussten.

 

Konsequenzen:

Eine Projektplanung, die über einen so kurzen Zeitraum von 6 Monaten den Anspruch hat Schulungsteilnehmerinnen und –teilnehmer zu aquirieren, ist nicht realistisch. In dieser Zeit ist es eigentlich nur möglich Nutzerinnen und Nutzer zu gewinnen, denen man über direkte und persönliche Hilfe am PC zeitnah Unterstützung anbietet und somit langsam die Möglichkeit gibt, sich über learning bei doing die vielfältige Dimension des Internets und die Einsatzmöglichkeiten des PCs zu „erobern“.

Um das Internet/den PC als Alltagsmedium zur Verfügung zu stellen ist es außerdem notwendig über eine „rudimentäre“ Betreuung von zweimal drei Stunden in der Woche hinaus Fachpersonal zur Verfügung zu stellen.

Dieser Einsicht kommen wir nach und beantragen aktuell im Rahmen einer Arbeitsbeschaffungsmaßnahme beim Arbeitsamt eine entsprechende Fachkraft. Diese Ressource soll die in 2001 begonnene Arbeit zu unserem Projekt aufnehmen und mit einer etwas realistischeren Zeitplanung in den kommenden 12 Monaten fortführen.

 

 

89) Maschinenhaus Essen: Total 3000

 

Die Arbeiten zum Projekt „Total 3000“ begannen am 10.09.2001 und dauerten an bis zum Ende des Jahres.

Die am Projekt zu beteiligenden Künstlerinnen und Künstler wurden ausgewählt, über das Projekt informiert und zu Ortsterminen nach Essen eingeladen. Da die Auflage zur Mitarbeit an Total 3000 die Erstellung einer eigens für den Ort Einkaufszentrum Altenessen konzipierten Arbeit war, waren diese Reisen, Besichtigungen und Gespräche elementarer Bestandteil des Projektes. Bis auf wenige Ausnahmen konnten die angefragten Künstlerinnen und Künstler für Total 3000 gewonnen werden. Auf Grund der eingegangenen Konzepte wurde die technische Durchführbarkeit geprüft und mit dem Management des Allee-Centers abgestimmt.

Die notwendigen Arbeiten zur Information über das Vorhaben, die Kontakte zu den Künstlerinnen und Künstlern und die Koordination der Aktivitäten wurden in dem Zeitraum von September bis Dezember 2001 von Conni Sandmann ausgeführt.

 

 

91a) Musikbunker Aachen: Euregio Premier League

 

Vorhaben des Projektes war es, einen entscheidenden Impuls zur Einrichtung einer dauerhaft funktionierenden Vernetzung von Auftrittsorten und Musikern in den Provinzen Regio Aachen, Deutschsprachiges Ostbelgien, Belgisch-Limburg und Limburg (NL) zu geben. Mittel dazu war die Durchführung eines neunmonatigen Wettbewerbes mit fußballähnlichem Charakter (Punkte, Tabellen, Play Offs, Hin- und Rückspiele).

Zur Realisierung wurden im Frühjahr und Sommer 2001 Absprachen getroffen mit Chudosznik Sunergia, Eupen (B), Muziek'o'Droom, Hasselt (B), Perron 55, Venlo (NL), Stichting Popmuziek Limburg, Sittard (NL) sowie Eifel Events, Mechernich.

Ab August 2001 wurde der Wettbewerb zweisprachig in den drei Ländern ausgeschrieben, durch eigene Werbemittel (Programmheft MuBu, mtl. 10.000 Ex), in den Printmedien und per zweisprachigen Flyern. Daraufhin bewarben sich 135 Musikprojekte zur Teilnahme. Eine Jury wählte aus den Einsendungen 10 Gruppen aus, die in einer Qualifikation am 09.11.2001 antraten, um vier Wettbewerbsteilnehmer zu ermitteln. Bereits am 03.11.2001 qualifizierten sich im Rahmen des "Rock It" Wettbewerbes nach Absprache mit dem Landesmusikrat NRW vier weitere Teilnehmer.

Nachdem die Teilnehmer feststanden und auf die abgesprochenen Veranstaltungsorte verteilt werden sollten, sagten im Laufe von vier Wochen die Partner ihre Beteiligung ab. Lediglich Eifel Events stellte einen einzigen Termin zur Verfügung. Da über die Teilnahme mit den Bands bereits Verträge geschlossen worden waren, wurde die gesamte Veranstaltungsreihe in den Musikbunker Aachen verlegt.

Dadurch änderte sich der grenzüberschreitende Charakter des Projektes bedeutend, und der Vernetzungsgedanke kann als vorerst gescheitert betrachtet werden. Die o.a. Akteure arbeiten aufgrund einer Initiative der Regio Aachen aus dem Jahr 2000 zusammen an einem langfristigen Vernetzungsprojekt unter dem Titel "Euregio Roundtable". Auch dort zeigte sich, daß nicht einmal die Teilnahme an den ungefähr zweimonatlich stattfindenden Arbeitsgesprächen aufrechterhalten werden konnte.

Unter dem künstlerisch-kulturellen Gesichtspunkt ist das Projekt ein Erfolg. Die Musiker lernten, in der Wettbewerbssituation schnell und kreativ aufeinander zu reagieren und dem Publikum abwechslungsreiche Konzerte zu bieten. Immerhin noch zwei niederländische Bands sind am Finale am 06.07.2002 beteiligt. Für den Sieger steht ein Platz in der mit Mitteln des Landesmusikrates geförderten "LA Tours" im Winter bereit.

 

 

95) ephemer e.V., Münster: Hybrid – Projekt 2001 / Was ist überhaupt Kultur?
 
Der Kulturbegriff wird in Deutschland seit längerem heftig diskutiert. Es fallen Begriff wie „deutsche Leitkultur“, „Multikultur“, „unsere Kultur“ etc.. Diese Art der Diskussion weißt den Blick auf die Verunsicherung und die immer noch geschlossenen Augen unserer Gesellschaft, denn es gibt heute nicht die „deutsche Kultur“, und es gab sie noch nie. Die Kultur ist in einem ständigen Wandel, unterliegt immer neuen Einflüssen und kreuzt sich mit anderen Kulturen. Wir leben in der Hybridkultur.
„hybrid“ - das Wort stammt eigentlich aus der Biologie und bedeutet soviel wie Bastard. Ein Schimpfwort in unserem Sprachgebrauch, doch weißt dieses Wort genau auf unsere Kultur hin. Unsere Kultur ist nicht rein und sie war es noch nie. Doch was ist überhaupt Kultur?
Die Vermittlung dieses Kulturbegriffs, dieser Frage, das Gespräch, der Austausch, der Dialog war das Ziel in dem Performanceprojekt vom 12.- 13. Oktober 2001.
Eingeladen wurden 6 PerformancekünstlerInnen aus Polen, Chile, Berlin und Münster, an und zu dieser Frage zu arbeiten.
Heraus kamen sechs sehr unterschiedliche Arbeiten, welche jeweils in den Pausen und nach den Veranstaltungen lebhaft vom zahlreich erschienenen Publikum diskutiert und besprochen wurden. Die verschiedenen Ansätze der Künstler bezüglich der Fragestellung spiegelte sich genauso in den Diskussionen des Publikums wieder. Die Spanbreite reichte vom traditionellen Kulturbegriff des Pflegens und Bewahrens über das jeweilige nationale Kulturbewusstsein bis zu Einstellungen, welche mit Multikultur und Weltbürgertum beschrieben wurden. Eine spannende und bewegende Diskussion, in der sich herausgestellte, dass die Performance-Art ein richtiges Medium ist, um an so eine Fragestellung heranzutreten, doch als Fazit des Projektes muss gesagt werden, dass auf die Frage „Was ist überhaupt Kultur?“ nicht wirklich eine Antwort gefunden wurde. Ein Besucher stellte für sich fest. „Ich glaube, auf diese Frage gibt es keine gültige Antwort, denn so wie sich der einzelne Mensch im Prozess verändert, seinen Horizont erweitert oder verengt, verändert sich auch der Kulturbegriff eines jeden Einzelnen.“
Dieses Statement weißt vielleicht die Richtung, in welche ein Hybrid-Projekt 2 schreiten könnte: in ein künstlerisch-wissenschaftlichen Workshop ( mit Soziologen, Psychologen und Performancekünstlern ), in dem sowohl künstlerisch interessierte Laien wie auch Künstler öffentliche Aktionen und Interventionen entwickeln und durchführen würden.

 

 

97) Theater Don Kid`schote: Going Public

 

Das Projekt Don Kid`schote / Going Public ist voll aufgegangen und somit als voller Erfolg zu bewerten. Basierend auf der Kindertheaterneuproduktion hat die über das Jahr währende Öffentlichkeitsarbeit im Jahr 2001 zu folgenden Erfolg geführt: Insbesondere die Going Public Maßnahme hat natürlich dazu beigetragen: 45 gespielte Vorstellungen und unzählige weitere Kontakte und Interessenten an unserer Arbeit. Ein wichtiger Basisstein ist gelegt und von den Nachwirkungen  profitieren wir in diesem und sicherlich kommenden Jahren noch.

 

 

98) Schmiede in Marl: Stadtteilorientiertes Kulturfest

Schmiede total – das Sommerfestival 2001

 

Die Solidaritätsgemeinschaft arbeitsloser Bürger e.V. plante auch im vergangenem Jahr ein Sommerfestival in Kooperation mit dem Jugendamt der Stadt Marl, der Drogenberatung WestVest und erstmalig mit Unterstützung der LAG. Abwechslungsreiches Programm soll Anwohner des Ortsteils und der ganzen Stadt an sechs Abenden im August ansprechende Unterhaltung bieten.

Den Auftakt der Veranstaltungsreihe am 10.08.01 bildete die Marler Rock-Band „Good Times“ und der Kabarettist „Kalla Wefel“. An diesem Tag war auch das WDR-Fernsehen mit einem Ü-Wagen vor Ort, um für die „ WDR-lokalzeit“ einen Bericht über die Alte Schmiede zu drehen. Nachdem Vormittags gebangt werden musste, ob das Wetter mitspielen würde, riss der Himmel pünktlich um 18 Uhr auf, so dass wir gutes Open-Air Wetter hatten. Extra dafür haben wir dann den Konzertbeginn von 20 Uhr auf 19.15 Uhr vorverlegt, damit der Bericht des WDRs über die Alte Schmiede durch einen Live-Mitschnitt unseres Sommerfestivals aufgepeppt werden konnte. Ca.160 (zahlende) Gäste füllten an diesem Abend den Innenhof und kamen bei dem Programm von Kalla Wefel aus dem Lachen nicht mehr heraus. Der kommende Samstag stand dann, bei gutem Wetter, im Zeichen des Jazz. Zuerst bezauberte Karin Zimny, auf dem Klavier begleitet von Niclas Floer, mit swingenden Jazz-Songs. Mit „TRIO FLAMINGO“ sahen und hörten die 110 Gäste Chansons, Schlager und Filmhits – in jazzogen, meist deutschsprachigen Versionen – wie durch eine rosa Brille.

Die Lokal-Presse (Marler Zeitung und WAZ Marl) lobte am Montag den gelungenen Auftakt des Sommerfestivals auf über einer ½ Seite. Nun blieb nur zu hoffen, dass das Wetter auch am nächsten Wochenende wieder mitspielen würde, da die baulichen Gegebenheiten um den Innenhof der Alten Schmiede keine Möglichkeiten zur Überdachung bieten.

Da auch an den folgenden Abenden das Wetter warm und trocken war, wurden auch die folgenden Abende für die Alte Schmiede und deren Besucher zum Erfolg. Am 17.08.01 verzauberte das Duo Diagonal mit „bewegter Komik“ und Feuerjogglage, während das Günter Gall Duo mit Bänkellieder in Mittelalterlichen Kostümen zum Ausklang ans große Lagerfeuer lockte. Der Samstagabend wurde dann musikalisch von der „For Ears Only“ eröffnet, bevor Hans Gerzlich das Publikum so richtig zum Lachen brachte.

Mit unserem Top-Act am Sonntag, 26.08.01, hatten wir auch noch richtig Glück. Für den Abend hatte der Wetterbericht Sturmwarnungen herausgegeben, da wir aber schon so viele Eintrittskarten für die „Kleinen Mäxe“ im Vorverkauf verkauft hatten, hätten wir die Gäste im Café Schmiede nicht unterbringen können. Das Wetter hielt jedoch und das Sturmtief erreichte erst spät in der Nacht, so dass 170 Gäste bei wunderbarer Freiluftatmosphäre das Programm „Alles Gute“ in vollen Zügen genießen konnte. Ein Problem stellte sich uns an diesem Abend. Die kleinen Mäxe brauchten zwingend einen Backstageraum, um die vielen Kostümwechsel während der Aufführung zu durchzuführen. Da uns ein solcher Raum nicht zur Verfügung steht, haben wir im Café das hintere Podest mit Zugang zur Terrasse/Open-Air Bühne mit Vorhängen zum Gastraum hin abgehängt, um somit den fehlenden Raum zu schaffen.

Lediglich der „Mambo Kurt“ musste am 31.08.02 sein Programm „The Return of the Alleinunterhalter“ im Café zum Besten geben, da das Wetter nicht mehr mitspielte. Aber bei einer Polonäse von über 50 Leuten um die Theke und über sämtliche Bänke, durch einen eigentlich überfüllten Laden, kann man beruhigt davon ausgehen, dass der Abend gelungen war.

Mit hochwertigem Programm und gutem Open-Air-Wetter konnten an sechs Abenden über 700 Gäste ein kurzweiliges Programm geboten werden. Von den Künstlern wurde neben der gemütlichen Biergartenatmosphäre unter Kastanien, bei einsetzender Dämmerung mit Fackelbeleuchtung, unsere Speisen vom Grill und die hausgemachten Salate sehr gelobt. Mal ein etwas anderes Catering.

 

 

99) MeX- Dortmund: Ausstellungsprojekt - among other

 

Der "praktische" Teil eines Ausstellungsprojektes beginnt bekanntlich mit dem Eintreffen der Künstler. In diesem Fall hatten letztere dafür eine Woche Zeit. Wir hatten den verschiedenen Gruppen die Möglichkeit offengehalten 2-3 Wochen vor der Eröffnung in Dortmund anzukommen, um hier zu arbeiten oder die nicht unkomplizierte Situation in den Ausstellungsräumen in Genk, Belgien zu  erkunden.

Entsprechend begann "AO,4" recht formlos für das belgisch-australische Duo Wishart/Engels mit dem Nachbarschaftsfest in der Nettelbeckstraße, oder etwas formaler für die Japaner am Düsseldorfer Flughafen mit dem (temporären) Verlust des Gepäcks. Der Termin, zu dem erwartungsgemäß alle Beteiligten vor Ort sein mußten, wurde mittels Nachdruck gehalten, so daß rechtzeitig zum Symposium am 26.August 2001 auch alle Künstler vor Ort eingetroffen waren. Der erste öffentliche Tag der Veranstaltung erwies sich mit 20 Neugierigen als gut

besucht. Das Publikum bewies dabei ein erstaunliches Durchhaltevermögen und Verständnis für das Sprachwirrwarr, das immerhin 4 Stunden voll in Anspruch nahm. Die Kurzvorträge wurden durch spontane Konzerte von Yukio Fujimoto an 3 Casio-Taschenrechnern und Stevie Wishart an der Drehleier experimentell aufgelockert und  mit dem kollektivem Pizza-Essen aller Beteiligten und Gäste im Garten des Hauses erst nach Mitternacht abgeschlossen.

Wie zu erwarten war (und wie auch sonst im Leben so üblich) erwies sich die Küche als der entscheidende Meetingpoint der Veranstaltung. Es gab bald ein Crossover zwischen den Künstlern. Das "Für-Einander-Kochen-Und Gemeinsam-Essen" wurde als ähnlich anregend empfunden wie die Diskussion über die eigenen Arbeiten ...

Die Einheit aus Ausstellungs-, Produktions- und Lebensraum erwies sich auch in den folgenden Tagen als idealer Nährboden für Kommunikation. Die Woche vor der Eröffnung war naturgemäß "busy". Die Italiener beschäftigten sich mit dem Austauschs des infolge eines Armbruchs ausgefallenen Musikers Dario Parisini durch David Tuzzi, während die

anderen Künstler teils zwischen Genk und Dortmund pendelten. Die Eröffnung war mit ca 150 Personen gut und dank der Ausrichtung des Projektes international besucht. Am nächsten Tag wurde die allgemeine Weiterreise nach Genk organisiert und durchgeführt, wo eine leere Zechenanlage eine etwas disparatere Struktur zur Verfügung stellte, der die belgischen Partner mit einer zentral eingerichteten "Mensa" entgegenzuwirken wussten.

Wir haben im Folgenden mit der Struktur des  Kataloges (vgl. insbesondere letzte Seite) versucht, die kommunikative Stimmung des Projektes ebenso festzuhalten wie die entstandenen Arbeiten. Es wäre in diesem Sinne interessant gewesen, wenn das Projekt noch weniger Produkt orientiert gewesen wäre und mehr Zeit und Raum für spontane Experimente zur Verfügung gestellt hätte. Andererseits ist "die (gelungene) Ausstellung"

bzw.  "die Präsentation" natürlich auch ein entscheidender Beitrag zum künstlerischen Selbstverständnisses und naturgemäß Initiator für eine Beteiligung von Künstlern, von Rezipienten und letztlich auch von Sponsoren.

In Genk kam es schließlich ansatzweise zu Zusammenarbeiten  der Gruppen untereinander. Zur Annäherung bedarf es eben erst eines gemeinsam verlebten Zeitraumes und natürlich des wechselseitigen Kennenlernens der künstlerischen Arbeiten. Letztlich war die gegenseitige Unterstützung – etwa als der Computer der tschechischen Künstler "abrauchte" -  in Belgien ein fast gleichwertiges Thema geworden, das dann in einer andauernden

Kooperation von Stevie Wishart und Dirk Wachtelaer bleibende Spuren hinterließ.

Die Italienischen Künstler bemühen sich zur Zeit um eine mögliche Realisation eines "Among Others, 5"-Projektes in Bergamo, Italien.

 

 

100) LAG NW Projekt: Soziokultur today

 

Die LAG NW hatte auf ihren Mitgliederversammlungen im Jahr 2001 beschlossen, eine Kampagne Soziokultur in NRW durchzuführen. Das ursprüngliche größere Projekt wurde reduziert und die LAG NW konzentrierte sich auf eine neue Internetpräsentation, unabhängig von den bundesweiten Seiten von www.soziokultur.de. Des weiteren wurde ein neuer Folder erstellt, um kurz und knapp über die LAG NW, die Inhalte und Themen zu informieren. Der Folder wurde in einer Auflage von 3.000 Stück an Politik, Verwaltung und Presse in den Städten und Gemeinden von NRW verschickt.

Des weiteren wurde eine umfangreiche Selbstdarstellungsbroschüre erstellt, um eingehend über die Arbeit der Zentren, der Arbeit der LAG NW, über Zahlen, Daten und Fakten und Projektbeispiele zu informieren. Diese Broschüre wurde in einer Auflage von 1.000 Stück an einem eingeschränkten Personkreis versandt, der sich eingehender mit der Soziokultur beschäftigt.

 

 

104) hardware medien kunst verein: Bignes? - Stadt im großen Maßstab

Film- und Videoprogramm + Workshop | 8. + 9. Dezember 2001

 

Der Workshop und das Film -und Videoprogramm Bignes? – Stadt im großen Maßstab, das am 8. + 9. Dezember 2001 in den Ausstellungsräumen des medien kunst vereins hartware stattfand, hat die Erwartungen voll erfüllt: Nicht nur was den  großen Publikumszuspruch  angeht, sondern gerade auch die Intensität des inhaltlichen Austausches zwischen ZuschauerInnen, FilmemacherInnen, ReferentInnen und KuratorInnen.

Ca. 150 BesucherInnen verfolgten die insgesamt elf Filmvorführungen und fünf Vorträge, die von Madeleine Bernstorff, Filmwissenschaftlerin und Kommissionsmitglied der Internationalen Kurzfilmtage Oberhausen, und dem Berliner Autoren und Filmkuratoren Jochen Becker zusammengestellt wurden. Besonders erfreulich war, dass mit Volker Köster (...und viel Vergnügen beim Einkauf), Sandra Schäfer (A country’s new dawn) und Klaus Weber (Videospots von A-clip) einige der FilmemacherInnen persönlich anwesend waren. Außerdem konnten mit Ellen Bareis (Frankfurt/Main) und Michael Zinganel (Graz) zwei in sowohl akademischen als auch Kunstkreisen renommierte ReferentInnen gewonnen werden.

Ob im Vorführsaal oder im Eingangsbereich, wo ein Buffet mit Snacks und Getränken  bereitgestellt worden war: Es herrschte eine Haltung konzentrierter Aufmerksamkeit, die sich in den an die Filmprojektionen und Vorträge sich anschließenden Diskussionen und beim lockeren Pausengespräch in einem angeregten Kommunikationsaustausch zwischen allen Beteilig- ten und Anwesenden entlud.

Dieses große Interesse am Gesehenen und Gehörten und die Bereitschaft, miteinander in Dialog zu treten, unterstrich die Relevanz und politische Brisanz der thematischen Ausrichtung.

 

von Bignes?. Die Filme und Vorträge kreisten um die Aus- einandersetzung mit der in den letzten Jahren augenfällig gewordenen Welle von städtbaulichen Großprojekten . Als Leitmotiv, das sich durch die Diskussionen an beiden Tagen zog, erwies sich dabei aufgrund des lokalen Bezuges das CentrO in Oberhausen. Es wurde als „Blaupause“ für kom- mende „Urban Entertainment Center“ gewertet und als gleichermaßen eindrückliches wie folgenreiches Symbol des postindustriellen Strukturwandels im Ruhrgebiet. Dieser Wandel wurde durch die Programmstruktur besonders anschaulich: So wurde Herbert Victors Film „Schichten unter der Dienstglocke“ von 1959, in dem das Ruhrgebiet noch als aktiver Industriestandort gezeigt wird, gefolgt von „...und viel Vergnügen beim Einkauf“ (1997) von Volker Köster, der darin die Schulung des zukünftigen CentrO-Personals verfolgt. Der zweite Teil der Veranstaltung spitzte das Ausgangsthema auf die Frage zu, welche Möglichkeiten von Widerstand gegen die zunehmende Privatisierung des öffentlichen Raumes zu Ver- fügung stehen. So beschäftigte sich Ellen Bareis in ihrem Vortrag „Privileg Kritik“ mit heterogenen Formen eines „städtischen Handelns“, das imstande sei, die „Kritik-Hoheit“ etablierter  Stadtpolitik, -analyse zu unterlaufen. Klaus Weber von dem aktivistischen Videoprojekt „A-clip“  lieferte dazu gleichsam den Praxistest: Er zeigte Videos, die von rassis- tischen Ausgrenzungen und neoliberalem Stadtmangement handeln und vor einiger Zeit als „Kurzzeit-Interventionen“ in den Werbeblöcken großer Berliner Kinos zirkulierten.

Was die Publikumsstruktur anbetraf, gelang die in der Öffentlichkeitsarbeit angestrebte Anbindung an die regio- nalen Hoch- und Fachhochschulen, so daß sich ein gewichtiger Teil der Besucher aus StudentInnen und DozentInnen der kunst-, fernseh- und filmwissenschaftlichen Institute der Ruhr-Universität Bochum und insbesondere der Graphikdesign- und Kamerastudiengänge der FH Dortmund zusammensetzte.

Der große Erfolg von Bignes? wird von den Veranstalter- Innen und KuratorInnen als Ermunterung und auch als Aufforderung gesehen, die Beschäftigung mit dem öffent- lichen Raum fortzusetzen  und sich darin auch künftig mit dem Thema unternehmerische Stadtentwicklung auseinander- zusetzen.

 

 

32b) zakk Düsseldorf: Global Listening - Abschluss-Veranstaltung mit Silvana Deluigi

 

Mit „Global Listening“ startete zakk im September 2001 eine neue Konzertreihe, in der auf hohem Niveau, bedeutende KünstlerInnen aus den verschiedensten Bereichen der Worldmusic vorgestellt wurden. Der Bogen, den dieses Programm mit 9 Konzerten von September bis Dezember spannte, reichte von arabischem World-Jazz über Fadogesang aus Portugal bis zum Gypsy Swing von Titi Winterstein. Das noch nachträglich in die Reihe aufgenommene (und mit Projektmitteln geförderte) Konzert von Silvana Deluigi und dem Quinteto Tango Sur setzte noch einmal einen künstlerischen Höhepunkt, mit guter Publikumsresonanz. Wir konnten mit einem etwas bekannteren Namen noch einmal größer in die Öffentlichkeit gehen und haben die Möglichkeit genutzt das Publikum zu befragen (s.u.), um eine bessere Entscheidungsgrundlage für das kommende Jahr zu haben.

Außerhalb der Reihe Global Listening gab es dann noch weitere Einzelkonzerte im zakk  (u.a. Taj Mahal, Sam Tschalabala, Fanfare Ciocarlia, Maceo Parker), mit dem zakk im Bereich Worldmusic ein attraktives Gesamtangebot für die Landeshauptstadt geschaffen hat.

Das Konzert mit Silvana Deluigi, wie auch alle anderen Konzerte, erfüllte die hohen künstlerischen Erwartungen und wurde in der Presse sehr positiv rezensiert. Mit der Reihe ist es gelungen die Grundidee, Hörkulturen aus verschiedenen Teilen der Welt zu präsentieren und sie in ein Gesamtkontext zu stellen, erfolgreich umzusetzen. Der gemeinsame Rahmen ist das Hörerlebnis intensiver Musikstile, seien es argentinischer Tango, portugiesischer Fado oder englische Folk-Balladen. Jede regionale Kultur drückt sich in anderen Harmonien, Melodien und Rhythmen aus. Und doch steckt hinter jedem Ansatz, sich musikalisch auszudrücken, die gleiche Bewegung, Emotionen und Seelenzustände von innen nach außen zu bringen, hörbar zu machen.

In dieser Hinsicht sind die portugisische Fado-Sängerin Dona Rosa und der italienische Songdichter Gianmaria Testa musikalische Geschwister. Und die Musik eines Dhafer Youssef vermittelt eine Kraft und musikalische Tiefe, wie sie sich in den Kompositionen von Gianluigi Trovesi & Gianni Coscia wiederfindet.

Die Globalisierung findet nicht nur virtuell im Internet und in sich  teilweise kritisch verändernden Wirtschaftsstrukturen statt, sie findet auf einer emotionalen Ebene in der Musik statt. In der universellsten Sprache, die es auf dieser Erde gibt.

Auch das Publikum war begeistert, es gab zahlreiche spontane Rückmeldungen, Faxe und E-Mails (Tenor: „Gut, dass es endlich wieder attraktive Weltmusik-Konzerte in Düsseldorf gibt“), allerdings blieben die Besucherzahlen z.T. noch hinter den Erwartungen zurück. Wir führen es darauf zurück, dass sich das zakk über längere Zeit nicht als Standort für Worldmusic  profiliert hat. Eine ganze Reihe von Besuchern war zum ersten Mal bei uns gewesen.

Um die Publikumsresonanz messbarer zu machen und das Marketing weiter verbessern zu können, führten wir bei dem Konzert mit der Tango- Diva Silvana Deluigi am 10.12. eine Publikumsbefragung durch. Auch hier war die Resonanz sehr positiv: 75% der Befragten bewerteten die Veranstaltung während der Pause als sehr gut, 19,1% hat die Veranstaltung gut gefallen. Lediglich drei der befragten Personen befanden das Konzert für mittelmäßig.

Diese repräsentative Veranstaltung von Global Listening zog vor allem Düsseldorfer Düsseldorfer Publikum an. 67,6 % der befragten Personen – an der Umfrage beteiligte sich ca. 2/3 des Publikums – waren Düsseldorfer, nur 26,4 % waren von außerhalb angereist. Daraus schließen wir, dass in unserer Stadt ein großes Potential liegt, eine Weltmusik-Reihe langfristig aufzubauen, auf die das Publikum lange gewartet hat.

 

 

12) Balou e.V., Dortmund: „HipHop, Orientalischer Tanz und Modern Dance“ – Kleines Festival mit großer Beteiligung

 

Ins balou kommen wöchentlich etwa 520 Kinder und Jugendliche, davon sind 40% im Tanz-und Bewegungsbereich aktiv. Die Bedarf an solchen Angeboten steigt sicher nicht zuletzt wegen der zunehmenden Bedeutung von Videoclips im Fernsehen. Die Identifikation der TeilnehmerInnen mit den Stars in den Medien wächst – ein Grund mehr, die Jugendlichen zu einer kreativen Auseinandersetzung anzuregen.

Am 14. und 15. Dezember 2001 fand erstmalig im balou ein Tanzfest statt, das dem Bedürfnis der Kinder Ausdruck gab, sich der Öffentlichkeit zu präsentieren.

Beteiligt waren Gruppen aus den Projektwerkstätten „HipHop und Modern Dance“, „Orientalischer Tanz“ und „Ballett“.

Die unterschiedlichen Tanzausrichtungen kontrastierten sich schon in der Musikwahl und waren damit ein hörbarer Ausdruck für US-amerikanische, orientalische, russische und deutsche Kultur.

Die erarbeiteten Choreographien wurden so konzipiert, dass die Unterschiede auch durch die Bewegungsabläufe sichtbar blieben. Natürlich wurde gerade bei den Übergängen von einer Choreographie zur anderen auch Gemeinsamkeiten beleuchtet. Das Vorhaben, das Fest in Kooperation mit den Kindern und Jugendlichen aus dem Instrumentalbereich zu gestalten, scheiterte an den unterschiedlichen Ideen der Beteiligten. Dennoch gab es eine intensive Zusammenarbeit mit den Projektgruppen der beiden bildenden Künstlerinnen Era Freidzon und Silke Bachner. Sie beschäftigten sich mit der Erstellung einer passenden Kulisse. Dabei wurde vor allem mit Lichtprojektionen gearbeitet. Die „Kunst“-Kinder und -Jugendlichen besuchten die Proben der TänzerInnen und ließen sich dabei zu ihren Darstellungen inspirieren. Die entstandenen Werke beinhalteten sowohl abstrakte als auch gegenständliche Motive. Gemalt wurde – ganz klassisch- mit Acryl auf Papier. Es wurden bewusst kleine Formate gewählt, um die Ergebnisse einscannen zu können, sie digital bühnentauglich zu vergrößern und mit dem Beamer zu projezieren.

Die Verknüpfung der einzelnen Tanzgruppen und der Kunstgruppe wurde hergestellt durch das Thema „Eng“ & „Weit“. Am gruppendynamische Prozess der Themenwahl beteiligten sich alle TeilnehmerInnen. Die Diskussionen rund um das geeignete Thema schulten die „Demokratiefähigkeit“ und die Fähigkeit zum Konsens

Die unterschiedliche Herangehensweise an das Thema beleuchtete unterschiedliche Qualitäten: Die Flüchtigkeit der darstellenden Kunst Tanz - wurde ergänzt durch die „materielle“ bildende Kunst. Durch die Präsentation konnten die Kinder und Jugendlichen viele ZuschauerInnen  im  Stadtteil erreichen, und somit ein Forum für ihre Belange schaffen. Gerade die etwas zurückhaltenderen TeilnehmerInnen hatten somit die Gelegenheit, sich mit ihren Kommunikations­fähigkeiten auseinanderzusetzen.  Die Werke der Kunstgruppe wurde nach der Aufführung noch zwei Monate lang in der Treppengalerie des Kulturzentrums ausgestellt und dokumentierte somit den Prozess und das bereits vergangene Ereignis der Präsentation.