Landesarbeitsgemeinschaft Soziokultureller Zentren NW e.V.

 

BERICHT ÜBER DIE PROJEKTMITTEL  2002 DER LAG NW

 

Münster, den 29.7.2003

 

Inhalt

 

1. Gesamtübersicht

2. Darstellung der einzelnen Projekte

 

 

1. Gesamtübersicht

 

Die LAG NW hat 2002 mit den Mitteln des Ministeriums für Städtebau und Wohnen, Kultur und Sport des Landes Nordrhein-Westfalen 51 Projekte von 45 Zentren/ Initiativen gefördert.

 

Es gab insgesamt 106 Anträge aus 70 Einrichtungen mit einem Gesamtkostenvolumen von 1.863.446 € und einem Zuschussbedarf von 618.847 €. Der Beirat hat in zwei Sitzungen über die Anträge befunden und die obengenannten 51 Anträge bewilligt. Diese Ergebnisse wurden auf den jeweiligen LAG NW Tagungen vorgestellt, diskutiert.

 

Nach der Abrechnung betrugen die Gesamtausgaben 613.866,83 €. Dabei betrug der Anteil des Landes mit 200.000 € = 32,58 %. Insgesamt wurde 12 Projekt mit (mehr) als 5.000 € und mehr gefördert. 21 Projekte erhielten 3.000 € und mehr und 28 Projekte wurden jeweils mit weniger als 3.000 € aus Landesmitteln finanziert.

 

Die Leistungen Dritter (vor allen Dingen der Kommunen) betrugen 173.632,97 €. Die Leistungen der Kommunen waren jedoch weit höher, denn sie sind entweder Bestandteil innerhalb einer direkten Kooperation und/oder Bestandteil der Zuschüsse zu den Betriebs- und Programmkosten der jeweiligen Zentren. Die Eigenleistungen der Träger lagen insgesamt bei 240.233,98 €. Das sind 39,13 %.

 

Die Gesamtkosten verminderten sich um den Betrag von 1.540,05 €, das entspricht 0,25 % Abweichung vom ursprünglichen Kostenplan.

 

Grundsätzlich haben die Zentren in allen Kunst- und Kultursparten (Musik, Theater, Literatur, Medien) sowie spartenübergreifende Projekte durchgeführt. Tendenziell sind die Projekte in erster Linie der Stadtteilarbeit, der Kulturpolitik und dem Kinder- und Jugendbereich zuzuordnen.

 

 

2. Darstellung der einzelnen Projekte

 

Die Darstellungen der einzelnen Projekte verdeutlichen, dass die Ergebnis- und Prozessorientierung von Projekt zu Projekt variieren. Nicht allein das Ergebnis und die Besucher/innenzahl, sondern auch die Nachhaltigkeit eines Projektes soll in der folgenden Kurzdarstellung dokumentiert werden. Folgende Kernfragen stehen dabei grundsätzlich im Vordergrund:

 

Welche künstlerischen, gesellschaftlichen, politischen Ideen, Vorstellungen und Perspektiven liegen dem Projekt zu Grunde?

Welche bestehenden Kultur-Zusammenhänge werden im Haus, in der Kommune, in der Region intensiviert oder neu initiiert?

Sind weitere öffentliche und/oder private Finanzierungsquellen erschlossen und mobilisiert worden?

Gibt es persönliche, semi-professionelle oder berufliche Entwicklungsmöglichkeiten für die Partner/innen?

 

 

Antrag-Nr. 1 a

BÜZ Schuhfabrik Ahlen - Weltstadt Ahlen

Projektvorgeschichte und Aufgabenstellung

Bei der Projektentwicklung Anfang 2002 wurde daran gedacht zwei Gruppierungen zu beteiligen: zum einen sollten Menschen mitarbeiten, die aus unterschiedlichen ethnischen Gruppen kommen und zum anderen ging es um eine neue Zusammenarbeit derjenigen, die im Gebiet der Interkultur oder Migrationsarbeit tätig sind. Schon bei den ersten Vorgesprächen der Planungsgruppe stellte sich heraus, dass allen Beteiligten nicht daran gelegen war ein möglichst großes Spektrum von Kulturvereinen miteinander zu verbinden, sondern das es um die Einbeziehung von und eine Angebotserweiterung für einzelne/n Personen gehen soll, die bisher nicht in Vereinen gebunden sind. Diese Veränderung der Zielgruppe wurde im Planungsgremium gemeinsam getragen. Der vorläufige Arbeitstitel wurde als festes Markenzeichen für die Veranstaltungsreihe angenommen, da er auf humorvolle Weise die Zielsetzung des Projektes wiedergibt: es gibt kein Inseldasein in Deutschland im 21. Jahrhundert, auch nicht für Kleinstädte wie zum Beispiel Ahlen.

 

Projektbeschreibung und Anmerkungen zu den einzelnen Veranstaltungsteilen

 

Das Projekt startete im Sommer mit einer kleinen Reihe von drei Konzerten, mit denen jeweils Musik aus unterschiedlichen Ländern unter dem Titel Fernweh präsentiert wurde. Am 1. September wurde im Rahmen des Antikriegstags die Welttafel als Kunstobjekt dieses Projektes erstmalig der Öffentlichkeit gezeigt. In Ahlens Fußgängerzone wurde sie aufgestellt und die Passanten konnten mit Hilfe von bunten Fäden darstellen, woher sie kommen, wo sie Freunde bzw. Verwandte haben und wohin sie schon gereist sind. Innerhalb von zwei Stunden hatte sich eine stattliche Personenanzahl beteiligt. Verblüffend war für alle zu sehen, dass die Fäden auf der Weltkarte schon nach nur zwei Stunden und einer Zufallsgruppe von Beteiligten fast alle Erdteile und Länder erreichten. Diese dreiteilige, metallisch blaue Weltkarte wurde das Objekt innerhalb des Projektes, das bei allen weiteren Veranstaltungen aufgestellt wurde.

Im folgenden nun eine Übersicht der einzelnen sich zeitlich hieran anschließenden Projektteile:

 

Lesung mit Feridun Zaimoglu in der Fritz Winter Gesamtschule in Ahlen, die laut Aussage der Lehrerin einen fast 50% Migrantenanteil hat: Diese Schulveranstaltung war überaus bemerkenswert, da der Autor die Schülergruppe innerhalb kürzester Zeit in seinen Bann zog. Die anwesende Lehrerin war verblüfft über die entstandene konzentrierte Aufmerksamkeit und die lebhafte Diskussion, die sich an die Lesung anschloss. Die offene Abendveranstaltung wurde zahlenmäßig nicht sehr gut angenommen, aber auch hier schloss sich eine lange und intensive Diskussion an die Lesung an.

 

Ausstellung „Gesichter der Migration“ in Zusammenarbeit mit dem Bildungswerk des „Grend“ in Essen: in der ersten Etage der Schuhfabrik, in der sich Gruppenräume und die Büros befinden gibt es einen breiten und langen Flur, den wir für diese Ausstellung nutzten. Durch die Hängung der Bilder (nicht nur an den Wänden, sondern auch frei im Raum) entstanden Nischen, die den Flur unterteilten. Besonders die Nutzer der Räume haben hier in dem Zeitraum von einem Monat immer wieder einzelne Tafeln gelesen und sich mit dieser Ausstellung auseinandergesetzt. Zu den regelmäßigen Nutzern der Gruppenräume und somit Besuchern der Ausstellung gehörten: die Flüchtlingsberatungsstelle mit ihren Klienten, die wöchentlichen Integrationskurse für Frauen und Mädchen, die täglichen vormittäglichen Sprachkurse für AussiedlerInnen, die wöchentlich stattfindende Mieterberatung und die Lohnsteuerhilfe sowie zahlreiche Gruppen, die im Laufe der Woche hier tagen. Diese Ausstellung hat für uns deutlich gemacht, wie viele Menschen hier mit einer Ausstellung – eher zufällig und niedrigschwellig – erreicht werden können.

 

Filmreihe: in Zusammenarbeit mit der Flüchltingsberatungsstelle und der Ahlener Flüchtlingshilfe wurden innerhalb eines Monats zwei Filmabende angeboten, die sich mit Dokumentarfilmen zum letzten Krieg im Irak, Schattenmenschen in Deutschland, über Menschenhändler und mit der Geschichte Armeniens auseinandersetzten. Es gelang mit diesem überaus interessanten und ambitioniertem Angebot leider nicht neue Besucherkreise anzusprechen.

 

Theaterworkshop für Jugendliche mit Migrationshintergrund: von den Projektbeteiligten wurden zahlreiche Jugendliche persönlich und mit einem Flyer angesprochen. Letztlich meldeten sich nur vier Jugendliche an, mit denen wir aber trotzdem einen Start wagten. An nur fünf Terminen entstand eine kurze Soap-Folge, die mit einem Publikum von ca. 30 Personen, das sich ausschließlich aus dem Freundeskreis zusammensetzte, angemessene Beachtung fand. Nach diesem Erfolg starten die Jugendlichen jetzt richtig durch: die Gruppe der Aktiven stieg nun auf 10 und zur nächsten Folge soll die Presse eingeladen werden. Die Kursleiterin begleitet die zweite Folge auch unter dem Gesichtspunkt, die Jugendlichen mit Tipps auszustatten, um weitere Folgen in alleiniger Regie entstehen zu lassen. Es sieht bisher so aus, dass hier ein Selbstläufer entsteht, der für Jugendliche einen Anziehungspunkt bildet.

 

Internetkurs für Einwanderer: das Angebot wurde angenommen. Allerdings ist hier klargeworden, dass oftmals gerade die sprachlichen Voraussetzungen so unterschiedlich sind, dass eine Einzeleinweisung und Anleitung nötig ist.

 

Konzerte: zwei für die Schuhfabrik ungewöhnliche Konzerte fanden im Rahmen des Projektes statt: eine deutsche Sängerin, die türkische Balladen intoniert und eine belgische Band, die aus dem Punk kommend sich zu einer Weltmusik weiterentwickelt hat.

 

Infoabend mit Attac: ein Infoabend mit Referenten Sven Gigold vom Attac-Netzwerk zum Thema Entstehung und Motivation von Attac. Alle Anwesenden äußerten Interesse an weitergehender Zusammenarbeit.

 

Eine eintägige Fachtagung zum Thema: Zuwanderungsgesetz, die mit 30 TeilnehmerInnen aus den verschiedensten Arbeitsfeldern überaus gut besucht war.

 

Die erste virtuelle Silvestershow: zahlreiche KünstlerInnen, die schon in der Schuhfabrik aufgetreten sind, wurden um einen kleinen Videobeitrag speziell für eine Silvestershow in Ahlen gebeten. Die Idee das Projekt Weltstadt Ahlen mit einer Show und zahlreichen bekannten Künstlern zu beenden, fand ungeteilten Zuspruch. Das es mittels der Technik auch in einem kleinen Saal und mit wenig Geld möglich ist, prominente Künstler gemeinsam an einem Abend auftreten zu lassen, wurde Silvester mit einer halbstündigen Show bewiesen. Auf drei Leinwänden wurden mit vorher ebenfalls aufgezeichneten Überleitungen durch einen Moderator die verschiedenen Beiträge von insgesamt 8 Künstlern von den Sechszylindern, über Erwin Grosche bis zu Peter Spielbauer und Olinka Orphea und Band präsentiert.

 

Auswertung und Perspektiven

Im Laufe des Projektes entwickelten sich die einzelnen Projektteile immer stärker in Richtung Inhaltlichkeit. Sah es noch vorab so aus, dass die Wichtigkeit in der Organisationsgruppe und den beteiligten Akteuren liegt, wurden zum Ende hin die Inhalte wie Globalisierung, Zuwanderung, Informationstechniken, Virtualität immer zentraler. Dies stellte sich gerade für die Nachhaltigkeit unserer Arbeit als absolut richtig heraus. Selten hat ein Projekt so viele Nebeneffekte und längerfristige Aspekte hervorgebracht.

Zu nennen sind hier: drei neue Gruppen haben sich in der Schuhfabrik gebildet und Räumlichkeiten gefunden. Eine Saz-Gruppe trifft sich seit Dezember einmal wöchentlich. Ebenfalls einmal in der Woche bieten Jugendliche in Eigenregie eine multikulturelle Teestube an. Darüber hinaus wird in den Nachmittagsstunden das Internetcafé des Hauses regelmäßig von einer Gruppe aramäischer Mädchen genutzt, die nach mehreren misslungenen Versuchen in anderen Internetcafés bei uns ihren Ort gefunden haben, wo sie ungestört als Mädchen und geachtet als Migrantinnen surfen können.

Zur Zeit befindet sich die Attac-Ortsgruppe Ahlen in Gründung und schon jetzt ist absehbar, dass diese Gruppe von mindestens 15 aktiven Menschen getragen wird.

Die neu entdeckte Ausstellungsfläche wird ab Beginn 2003 von einem regionalen Künstler betreut, der uns auf die Räumlichkeiten angesprochen hat. Das Konzept sieht vor hier einerseits einen Ort für die Nachwuchsförderung für Bildende KünstlerInnen zu schaffen und andererseits immer wieder politisch interessante Foto- oder Plakatausstellungen zu präsentieren.

In einer gelungenen Kooperation zwischen dem Bürgerzentrum, der Flüchtlingsberatungsstelle und dem Gymnasium St. Michael finden seit dem letzten Jahr Informationsveranstaltungen zur Friedensarbeit von Givat Haviva in Israel und Palästina statt. Mittlerweile gab es organisiert von dem Kooperationsbündnis zwei viel beachtete Benefizkonzerte, deren Erlös zur finanziellen Unterstützung von Givat Haviva beiträgt. Eine Überraschung zum Ende dieses Berichtes: der Trägerverein der Schuhfabrik hat in den letzten Monaten 2002 über 30 Personen mit Migrationshintergrund aufgenommen. Insgesamt gehören dem Verein Initiative Bürgerzentrum Schuhfabrik e.V. nun 240 Menschen, davon ca. 50 Migranten, an. Inwieweit diese Menschen sich in die einzelnen Arbeitsgebiete des Vereins einfinden wollen oder ob neue Angebote innerhalb des Vereins entwickelt werden, wird sich in diesem Jahr zeigen. Das Augenmerk der hauptamtlich Beschäftigten ebenso wie der VorständlerInnen liegt im Jahr 2003 auf der Aktivierung der Mitglieder.

Durch Projekte wie Weltstadt Ahlen hat sich die Schuhfabrik als Ort für Interkulturalität und gegen Rassismus in der Stadt einen Namen gemacht.

 

 

Antrag-Nr. 110 b

BÜZ Schuhfabrik Ahlen - Videofilm über die Seniorentheatergruppe der Schuhfabrik Ahlen

 

Ausgangslage

Durch einen Artikel in der Lokalzeitung Warendorf wurde ich aufmerksam auf eine Amateurvideofilmerin, die als 72jährige auf eine 25jahrige Erfahrung im Videofilmbereich zurückblicken kann. 1987 gelang ihr mit dem Film ,,Die Ems von der Quelle bis zur Mündung“ die Aufnahme in den Gütersloher Videofilmclub. Seither wird sie mit Auszeichnungen für ihre Werke überhäuft. Zuletzt für ,,Die Kunstwerke der Anni Weyer“ eine zehnminütige Dokumentation über die Arbeit der Warendorfer Hutmacherin. Beim Wettbewerb des Bundes deutscher Film- und Videoamateure setzte die Jury den Film auf Platz zwei.

Der Gedanke diese alte Frau zu beauftragen, einen Dokumentarfilm über die Seniorentheatergruppe des Bürgerzentrums zu erstellen, ließ mich nicht mehr los. Die Möglichkeit einen Bericht über engagierte Schauspielerinnen im Alter zwischen 77 und 87 Jahren aus dem Blickwinkel einer 72jährigen Filmerin zu erhalten, war überaus reizvoll. Im Mai diesen Jahres begannen die ersten Vorgespräche für das Filmprojekt. Zu dieser Zeit spielte die Theatergruppe mit dem Gedanken ein neues Stück mit dem Arbeitstitel ,,Erinnerungsstücke“ zu entwickeln. Doch zunächst stand eine Wiederaufnahme von älteren Stücken an, da unter anderem auch Auswärtsauftritte gebucht waren.

In dieser Situation lernte die Filmerin Frau Roodus die Gruppe kennen und war zunächst daran interessiert deren Arbeitsweise und bisherigen Stücke kennen zu lernen.

Frau Paula Roodus ließ sich nach dem ersten Treffen begeistert auf das Projekt ein. Aufgrund der Entfernung und ihrer privaten Situation brauchte sie einen Mitarbeiter, der sie als Fahrer und Kameramann unterstützte.

Darüber hinaus wird aufgrund des hohen Alters aller Teilnehmerlnnen eine Moderation und organisatorische Hilfe notwendig sein.

Geprägt wurde der gesamte Projektzeitraum durch die Vertragskündigung für das Bürgerzentrum durch die Stadt Ahlen zum Ende des Jahres 2002. Diese Situation löste bei den alten Damen große Unsicherheiten aus und ihre Gespräche mit der Filmerin wurden häufig davon dominiert. Für Frau Roodus und Herrn Eckloff waren diese Hintergründe absolut neu, da sie bisher keinerlei Berührungen mit Ahlen und dem Bürgerzentrum hatten.

 

Filmentstehung

 

Bei einer solchen neuen Zusammenarbeit zwischen Film- und Theaterleuten müssen viele Selbstverständlichkeiten neu erklärt und begründet werden. Empfindlichkeiten, die oftmals nur aus Missverständnissen leben, stehen hoch im Kurs und müssen mit Bedacht ausgeräumt werden. Auf der einen Seite will die Filmerin ihren Film entstehen lassen, sich nicht herein reden lassen, auf der anderen Seite ist sie auf Informationen und auf das filmische Material angewiesen. Beides zu erhalten gestaltet sich für Frau Roodus als Warendorferin mit einem pflegebedürftigen Mann und ohne Auto als sehr schwierig und verlangte oftmals eine Menge Geduld von ihr. Auch die Zusammenarbeit zwischen der Filmerin und dem Kameramann ist neu. Beide sind es ausschließlich gewohnt, ihre Filme alleine zu drehen und fertig zu stellen. Hier gab es eine Menge Reibungsverlust.

So entstand ein Film über die Seniorentheatergruppe, der in einem Vorspann das Haus mit seinen verschiedenen Facetten zeigt und dann auf die einzelnen Schauspielerinnen der Gruppe in Porträtaufnahmen und Einzelinterviews eingeht. Die Filmerin wählte die als Bedrohung empfundene Situation als roten Faden.

Vorgestellt in der Öffentlichkeit wurde der Film letztlich im September, in der heißen Phase um den Erhalt des Hauses und dem Kampf um einen neuen Nutzungsvertrag ab 2003.

Die Projektvorstellung wurde von der Theatergruppe selbst in die Hand genommen. Die acht Frauen der Gruppe schrieben handschriftliche Einladungen an jeweils 1-2 Personen des öffentlichen Lebens. Eingeladen wurden der Bürgermeister, der Chef der Wirtschaftsförderungsgesellschaft, die Vorsitzenden der Parteien und bedeutende ,,graue Eminenzen“ des öffentlichen Lebens, um mit der Uraufführung des Filmes auch auf die Situation der alten Menschen innerhalb der Schuhfabrik aufmerksam zu machen. Dieser Runde wurde bei Schmalzstullen der Film präsentiert, um sich anschließend unter Ausschluß der Öffentlichkeit (Presse> auszutauschen. So kam es zu einer kleinen, aber ausgewählten Abschlussveranstaltung, die politisch viel Aufmerksamkeit erhielt, leider aber in der Presse etwas unterging.

 

Abschlussbemerkungen

 

Die Arbeit mit alten Menschen ist schwierig. Aber sie ist auch besonders berührend. Zu sehen, mit welcher Energie diese Menschen ihre Entscheidungen umsetzen und etwas leisten, wirkt ansteckend. Sie müssen sich nicht mehr beweisen, aber sie wollen gute Arbeit abliefern. Für eine ernsthafte Auseinandersetzung sind sie dankbar. Aber die ist nicht einfach zu führen, da es ungewohnt ist mit alten Menschen respektvoll zu streiten und zu fordern. Um den Rückfluss der jeweiligen Zwischenstände und evt. gegenseitige Ansprüche zu moderieren, brauchte diese Gruppe unter Berücksichtigung des Alters zwingend eine Begleitung und Moderation.

 

Es war schön zu beobachten, wie ansteckend diese Theatergruppe wirken kann. Nachdem Frau Roodus zunächst aufgrund ihrer privaten Situation sehr zögerlich in das Projekt eingestiegen war, war sie am Ende mit der Begeisterung für diese Gruppe und die Arbeit der Schuhfabrik nicht mehr zu bremsen. Nach Abschluss des Filmes ,,Bewundernswerte Senioren“ arbeitete sie mit weiterem Material an einem zweiten Film über die Gesamtsituation der Schuhfabrik. Der daraus entstandene Film mit dem Titel ,, Wie geht es weiter?“ wurde von ihr als Beitrag für den Landeswettbewerb des Bundes Deutscher Filmamateure eingereicht. Sie schaffte den Landessieg und erhielt zusätzlich den Ehrenpreis der Stadt Gütersloh. Die Jury lobte bei der Laudatio ihr außerordentliches Engagement für ein gesellschaftliches Thema und ihre dokumentarische Leistung. Erfreulich für die Schuhfabrik war es von einem Jurymitglied zu hören, dass ,,die Verantwortlichen nach so einem Film doch nicht anders können, als dieses Haus zu erhalten“. Darüber hinaus wurde lobend die gute Korrespondenz zwischen der ,,alten Stimme“ (der Sprecherin) und dem Alter der Theatergruppe erwähnt. Man kann gespannt sein, wie sich der entstandene Kontakt nun weiter entwickeln wird.

 

 

Antrag-Nr. 6

Cooperative Kunsthaus e.V., Bieleeld - „Minotaurus“

 

Projektskizze:

Es fanden insgesamt 4 Vorbereitungstreffen zwischen den Verantwortlichen der therapeutischen Wohngruppen Loxten, Casum und der Projektleitung des AlarmTheaters statt. In diesen gemeinsamen Arbeitssitzungen wurden zunächst die terminliche und finanzielle Organisation geklärt. Danach die Rahmenbedingungen und die Einbindung des Projektes in die Lebenswelt der Jugendlichen und jungen Erwachsenen. Verständigung über Art und Umfang der theaterpädagogischen Arbeit und der Betreuungszeit.

 

Die Zielsetzungen der Kooperationspartner waren sehr hoch:

 

Ein großer Teil der therapeutischen Infrastruktur der Einrichtung Loxten (durchschnittliches Alter zwischen 18 – 24 Jahre/ Teilnehmer 8) wurde für die Dauer des Theaterprojektes nach Bielefeld ins AlarmTheater verlegt. Full time von 9 –17.00 Uhr. Der Faktor „Mehraufwand an Betreuungszeit“ wurde über eine hauptamtliche Kraft aus Loxten und durch Praktikanten auf Seiten des AlarmTheater, bzw. durch eine stärkere handwerkliche Ausrichtung neben der Theaterarbeit aufgefangen.

 

Aus der Wohngruppe Casum (durchschnittliches Alter zwischen 26- 40/Teilnehmer8), die auf beidseitigem Wunsch in das Projekt ebenfalls full time integriert werden sollte, um an die positiven Erfahrungen des letzten Jahres (hier hatte sich eine auf Freiwilligenbasis im Vorfeld aktive Musikgruppe angeschlossen) weiterzuentwickeln. Hier wurde mit 2 betreuenden Sozialarbeitern(Sporttherapeut/Praktikant im Anerkennungsjahr) die volle Integration der Teilnehmer aus Casum begleitet.

 

Neben dem theaterpädgogischen Prozess steht am Ende eine Reihe von Vorstellungen. Nicht nur Fachöffentlichkeit oder geneigte Zuschauer fanden Zugang, sondern massiv auch die Öffentlichkeit im lokalen und regionalen Bereich. Zudem wurden schulische und außerschulische Kooperationspartner für die Aufführungen unter dem Thema „Theater und Prävention“ gewonnen, sodass insgesamt 10 Aufführungen standen.

 

Verlauf

 

Die praktische Durchführung des Projektes gliederte sich in 2 Phasen. Die 1. Phase dauerte vom 26. August – 6. Oktober 2002 und fand im AlarmTheater/Bielefeld statt. Die 2. Phase war in der Alten Pauline/Detmold vom 7.-11. Oktober 2002.

 

1. Am Anfang stand die Begegnung und der Austausch zwischen den Jugendlichen und den KünstlerInnen. In 4 Wochenblöcken wurden mit den TN in künstlerischen Laboratorien (Schauspiel, Akrobatik, Tanz, Rhythmus, etc.) Material erarbeitet und gesammelt. In den 2 folgenden Blöcken kam es zur Erarbeitung der Szenen, der theatralen Montage und schließlich zur Einprobung des Stückes. Premier war am 27. September. Im letzten Block vom 27. September – 6. Oktober wurden am Wochenende abends Vorstellungen für die Öffentlichkeit gemacht und in der dazwischenliegenden Woche SchülerInnenvorstellungen mit anschließenden Diskussionsrunden.

 

2. Unter Einbeziehung von TN aus der ersten Phase wurde in Zusammenarbeit mit örtlichen Kooperationspartnern in der alten Pauline/Hackedahl in einer Woche eine Arbeitsdemonstration in Form einer Raumbespielung erarbeitet und öffentlich aufgeführt. Aufführung war am11. Oktober .

 

Die erste Voraussetzung für die Teilnahme an der ganztägigen Theaterarbeit war, dass die Teilnehmer zum Zeitpunkt des Projektes drogenfrei waren. Da eine Verpflichtung am Theaterprojekt bestand, wurden nur 3 Gründe für den Abbruch festgelegt (Abbruch der Therapie, schwere Krankheit und Tod). Ansprechpartner in dem theatralen Prozess waren die 2 Leiter des AlarmTheaters. Ein Psychologe aus der Therapieeinrichtung arbeitete aktiv in der Gruppe als Schauspieler mit und war Ansprechpartner während der Betreuungszeit und der handwerklichen Aktivitäten. Neben der künstlerischen Arbeit ging es zu einem großen Teil auch um Training der körperlichen Belastbarkeit, da ein nicht kleiner Teil der Drogenabhängigen wenig Kondition und körperliche Leistungsfähigkeit hatten. Sie kamen z. T. direkt aus dem Entzug in das Projekt.

 

Klare Regeln wurden von der Projektleitung gleich zu Anfang festgelegt und im Laufe des Prozesses immer wieder eindringlich wiederholt. Sie bezogen sich vor allem auf die Arbeitsdisziplin, sollten aber den spielerischen Freiraum für Improvisation so weit wie möglich erhalten. Mit „Strenge und Liebe“ so ein Teilnehmer, wurden die Akteure nicht bloß zu der Erarbeitung eines Arbeitsergebnisses geführt, sondern vielmehr begleitet. Voraussetzungen für das Gelingen eines solchen Projektes war die präzise Beobachtung der gesamten Gruppe, ihrer Dynamik , und der einzelnen Teilnehmer.

 

Zu Beginn der Arbeitssitzungen mit den Drogenabhängigen wurde das Thema Minotaurus unter der Fragestellung Held oder Antiheld bearbeitet. In Form schriftlicher und mündlicher Äußerungen sollte das Thema zunächst frei assoziativ erarbeitet werden.

 

Fernab von der herkömmlichen Bühnenarbeit – wo jede Handbewegung der Regievorgabe folgt, entwickeln die Akteure hier ein Theaterstück aus der Improvisation heraus. Einen Leitfaden, eine Geschichte brauchten die jungen Männer aber, die noch nichts mit Theater spielen zu tun hatten.

Texte, Literatur und Musik wurden einerseits vorgeschlagen, andererseits wurden persönliche Wünsche und Auseinandersetzungen der Männer respektiert und integriert. Die volle Einbringung der Einzelnen für diese szenische Collage wurde stets gefordert. Die Facetten und Kompetenzen jedes Einzelnen mussten erkannt werden und in individueller Arbeit herausgebildet werden. Niemand sollte in diesem Projekt `fremdbestimmt´ oder `blamiert´ werden, vielmehr wurden die vorhandenen persönlichen Fähigkeiten (z.B. tanzen, singen, Text präsentieren, etc.) der Einzelnen bewusst gemacht und für die theatrale Arbeit genutzt.

 

Fazit

Als die Aufführungen den Prozess enden ließen, war es für alle das Erleben eines Vulkanausbruchs. Wichtig waren auch die Wiederholungen der Aufführungen, damit die Akteure glauben und annehmen lernten, dass das hervorgeholte Beste, die Kraft und auch die Liebesfähigkeit keine Eintagsfliege ist. An dieser Stelle ist auch die Öffentlichkeit in Form der Zuschauer mitten im Prozess des Erlebens vom schönen, würdevollen Menschen, der in die Gesellschaft gehört. Spätestens hier wurde klar, dass unser aller Leben eine Bereicherung erfährt, wenn wir vom Wegschauen/Ignorieren hin zur Begegnung kommen.

 

 

Antrag-Nr. 111

Bahnhof Langendreer/Bochum und Kulturzentren Ringlokschuppen/Mülheim –Werkstattgesprächen Odyssee-Kulturen der Welt 2002

 

Die Werkstattgespräche im Rahmen der Odyssee-Kulturen der Welt fanden von August bis November 2002 statt. Wechselweise wurden sie durchgeführt in den Veranstaltungsräumen der Kulturzentren Ringlokschuppen/Mülheim und Bahnhof Langendreer/Bochum. Finanziell gefördert wurden sie durch die Nordrhein-Westfälische Stiftung für Umwelt und Entwicklung und aus Landesmitteln durch die Landesarbeitsgemeinschaft soziokultureller Zentren NRW. Die Werkstattgespräche beschäftigten sich mit der Kultur der MigrantInnnen in Deutschland. Die Industriemetropolen Europas sind das Sammelbecken der Migrationsbewegungen. Hintergrund und Ansatz der Veranstaltungen ist das migrantische Leben im Ruhrgebiet.

Die Veranstaltungen waren angelegt, die Erfahrungen der eigenen Geschichte der MigrantInnen aufzunehmen und das Verhältnis von Mangel an kultureller Präsenz und den Bemühungen um Eingliederung aufzuzeigen. So erreichten die Werkstattgespräche ein interessiertes deutsches Publikum und die Teilnahme von MigrantInnen, vor allem aus dem Kulturbereich. So konnte bei allen Gesprächen ein anregender und informativer Diskurs mit themeninteressierten Menschen geführt werden.

Der Vortrag zur Ausstellungseröffnung Zuhause in der Fremde stellte an ausgewählten Beispielen und Personen die Gefühlswelten und Erfahrungen von einwanderInnen in der neuen Heimat dar. Einige der befragten und fotografierten MigrantInnen waren selber anwesend und machte die nachfolgende Diskussion sehr lebend und spannend. Das Werkstattgespräch Strategien der Interkulturellen Kulturarbeit griff die verschiedenen interkulturellen Konzepte der Mehrheitsgesellschaft auf. Gerade die aufgezeigten Zuweisungen der MigrantInnen auf eine MultiKulti-Schiene und die Herausarbeitung der institutionellen und kulturellen Rassismen wurden von Publikum aufgegriffen und kontrovers diskutiert.

Da ein Mitreferent selber Migrationshintergrund hatte konnte er aus eigener Erfahrung aus der Kulturarbeit einer Migrantenorganisation berichten.

Im Werkstattgespräch Antirassismus offensiv für ein Recht auf Legalisierung wurde mit der Diskussion um das geplante rot-grüne Einwanderungsgesetz das politisch brisante Thema der „illegalen“ Einwanderung aufgeworfen. Im Vortrag und in den Publikumsbeiträgen ging es dabei vor allem um die Frage einer Einschätzung und den Herausforderungen für die bundesrepublikanische Gesellschaft. In der Diskussion wurde der Forderung nach einem Recht auf Legalisierung nachgegangen und das Publikum debattierte über das Verhältnis von MigrantInnenorganisationen und deutschen Flüchtlingsunterstützungsgruppen in der Arbeitsteilung im Antirassismus.

In der Veranstaltung Chancen, Problem, Perspektiven des deutsch-türkischen Kuturdialogs beschrieben die Referenten den Einfluß der türkischen Migration auf den deutschen Kulturbetrieb. In einem facettenreichen Bogen von Beispielen beleuchteten die Vorträge die musikalische Bandbreite der türkisch beeinflußten Kulturbeiträge in der deutschen Gesellschaft. Wichtig war die Feststellung der Selektion durch Migration und Aufnahmegesellschaft. Die Vorstellung eines deutsch-türkischen Kulturvermittlungsbüros in NRW regte einen Austausch unter den Anwesenden an, der einen großen Pool von Anregungen, Anforderung und Ansprüchen der selber Kulturschaffenden im Publikum zutage förderte.

In der letzten Veranstaltung über „Hybride Identität“ als pädagogische Perspektive wurde ein universitärer Diskurs über die Identitätsentwicklung von Migrantenkindern vorgestellt. Begeistert und erstaunt verfolgte das Publikum die Darstellung und Ausbreitung der vielfältig entwickelten Identität von Kindern und Jugendlichen mit Migrationshintergrund. Und erkenntnisreich war die Darlegung über die Ängste und Befürchtungen der ‚eindimensionalen‘ Einheimischen in der Begegnung mit hybriden Identitäten. Mit Freude konnte beobachtet werden das die Ausführungen des Referenten für die anwesenden MigrantInnen selber neue Erkenntnisse brachten und zu neuen Gedanken zum eigenen Selbstbild führte.

Insgesamt blieben die Veranstaltung in einem kleinen Kreis von interessierten Menschen. Erwähnenswert ist die Tatsache, dass von einigen die Ortswechsel der Veranstaltungen zwischen Bochum und Mülheim mitverfolgt wurden und nicht vom Besuch abschreckten. Alle Veranstaltungen wurden von ihren Themen her gut angenommen und die anregenden Diskussionen drückten sicherlich auch die Zufriedenheit des Publikums mit unseren vorgelegten Themen aus. Trotzdem muss über die geringe Besucherzahl nachgedacht werden. Aber weniger in einer Verbesserung der Öffentlichkeitsarbeit, da diese sicherlich in ausreichenden Maße durchgeführt wurde und mit einem Anschreiben von Migrantenorganisation auch sehr direkt war. In Zukunft aber muss es darum gehen, die Zielgruppen der Veranstaltungen genauer zu definieren und neben der Bewerbung eine Ebene der Kontakte aufzubauen bis hin in einen Bereich der Kooperation.

 

Durch den Einsatz eines Dolmetscher konnte die Beteiligung von türkisch-sprechenden MigrantInnen an den Diskussionen erheblich gesteigert werden und darüber hinaus eine eigene kleine türkischsprachige Führung durch die Ausstellung organisiert werden.

Leider mußten die Veranstaltungen Lebenswelten von MigrantInnen und Feminismus und Migration wegen Erkrankung der Referentin und Terminüberschneidungen ausfallen. Trotz Bemühungen konnten beide Gespräche nicht nachgeholt werden.

 

 

Antrag-Nr. 9 a

Brotfabrik, Bonn-Beuel – Begegnungen

 

Basierend auf der Grundidee, im Rahmen des Projekts „Begegnungen“ Musik – speziell Jazz – und andere Kunstrichtungen zusammenzubringen, sah die ursprüngliche Konzeption vier Begegnungen vor: Jazz und Lyrik, Jazz und Tanz, Jazz und Film sowie Jazzgeschichte(n) für Kinder.

Als erstes Arbeitsergebnis wurde im Juni 2002 „Jazz und Lyrik“ vorgestellt. Die Veranstaltung war dabei eng an das ursprüngliche Konzept angelegt und verband die Musik des Jazz-Quartetts sublim (sowohl im Ensemble wie auch in Form von solistischer Begleitung) mit den Texten bzw. Gedichten von Autoren aus fünf Ländern: Japan, Polen, Irak, England und Deutschland (s. beiliegende Texte).

Die Auswertung von „Jazz und Lyrik“ hatte zwei Veränderungen für den weiteren Projektverlauf zur Folge: es hatte sich gezeigt, dass die Realisierung wie anfangs geplant deutlich mehr Zeit und Finanzmittel in Anspruch nehmen würde als vorgesehen, so dass eine Konzentration des Programms notwendig wurde. Gleichzeitig hatte die Zuschauerreaktion auf „Jazz und Lyrik“ gezeigt, dass eine Übertragung des Konzepts auf das Publikum für die „Jazzgeschichte(n)“, also hauptsächlich Kinder und Jugendliche, zwar möglich, aber nicht unbedingt zweckmäßig ist. Um den vorab formulierten Bedenken, Jazz sei nun wirklich nichts für Kinder, zu begegnen, konzipierten die am Projekt Beteiligten eine zusätzliche Aufführung als Vorbereitung und Einführung in die „Jazzgeschichte(n)“: den „Klanggarten“. Damit sollte die unmittelbare Begegnung von Musikern und Publikum ermöglicht werden. In sechs Stationen, verteilt über die ganze Brotfabrik, wurden die Instrumente (Percussion, Saxofone, Trompete/Flügelhorn, Marimba/Vibraphon, Bass) vorgestellt, konnten angefasst und angespielt werden. Gleichzeitig erläuterten die Musiker die Geschichte der Instrumente, ihrer Spielarten und Besonderheiten. Der zweite Teil machte die Auftrittssituation der Künstler nachvollziehbar: Ankunft, technische Absprachen, Vorbereitung in der Künstlergarderobe, das Betreten der Bühne, der Kontakt zum Publikum. Den Abschluss des „Klanggartens“ bildete ein kurzes Konzert mit Erläuterungen: welche Noten gibt es? Was bedeutet Improvisation? Wie verständigen sich die Musiker auf der Bühne?

Die „Jazzgeschichte(n)“ folgten wieder weitgehend der ursprünglichen Konzeption. In Form einer Detektivgeschichte erzählten Musiker und Autor die Geschichte des Jazz nach. Eingebettet in die Rahmenhandlung wurden die verschiedenen Epochen und Stile des Jazz live vorgestellt.

Die Publikumsreaktion auf die beiden Vorstellungen für Kinder war – nicht zuletzt aufgrund der großen Aufmerksamkeit, die das Projekt in der Presse gefunden hatte – sehr positiv. Die verfügbaren Karten reichten auch nach der Organisation von Sondervorstellungen nicht annähernd aus. Die Rückmeldungen des Publikums waren durchweg begeistert, eine Auswahl ist beigefügt.

Rückblickend ist das wesentliche Ergebnis der „Begegnungen“ 2002 für die weiter Arbeit der Brotfabrik die Etablierung einer Programmsparte „Familienkonzerte“ und eines Projektbereichs „Musik für Kinder“, in dessen Rahmen regelmäßig Kontakte und Arbeitsprozesse zwischen Musikern und Kinder bzw. Jugendlichen ermöglicht werden sollen.

 

 

Antrag-Nr. 9 b

Brotfabrik, Bonn-Beuel –Forum Junge Bühnen

 

Das Projekt „Forum Junge Bühnen“ verfolgte im wesentlichen zwei Ziele: zum einen die Fertigstellung der neuen Theaterproduktion der Jungen Bühne Bonn „Nachtgestalten“ sicherzustellen und darauf aufbauend die Begegnung und den Austausch von Jungen Bühnen aus Deutschland zu ermöglichen, die auf einer vergleichbaren Grundlage wie die Junge Bühne Bonn arbeiten, d.h. mit Jugendlichen unter der Anleitung professioneller Theatermacher.

Da das „Forum Junger Bühnen“ in der geplanten Form, also mit Aufführungen, Workshops und Diskussionen, zum ersten Mal in NRW stattfand und bislang zwischen den einzelnen Gruppen kaum Kontakte bestanden, erwiesen sich Vorbereitung und Organisation als vergleichsweise aufwendig. Das Fehlen professioneller Strukturen bei den Theatern machte Kontaktaufnahme, Verhandlungen und schließlich Terminabsprachen zu einer immer wieder von Überraschungen geprägten Angelegenheit und führte zu Änderungen im Programmplan bis unmittelbar vor Beginn des Forum im November. Vier Junge Bühnen aus Berlin, Münster, Frankfurt und Bonn mit insgesamt rund 50 Jugendlichen und 20 erwachsenen Begleitern (Regisseure, Autoren, Theaterpädagogen) stellten ihre aktuellen Produktionen vor, diskutierten sie und nahmen gemeinsam an Workshops teil. Zwei Teilnehmerinnen haben ihre Eindrücke in eigenen Texten formuliert, die dem Bericht beigefügt sind und ein anschauliches Bild von den dreieinhalb Tagen, in denen das Forum stattfand, liefern.

Festzuhalten ist in der Rückschau, dass für vergleichbare zukünftige Veranstaltungen deutlich mehr personelle Kapazitäten für Vorbereitung, Betreuung und Öffentlichkeitsarbeit bereitgestellt werden müssen. Zwar kann das Forum unter dem Strich als erfolgreich angesehen werden, weil Begegnung und Austausch der einzelnen Theater in der erwarteten Weise stattgefunden haben. Gleichzeitig ist es allerdings nicht im gewünschten Umfang gelungen, das Forum über den Kreis der Beteiligten hinaus bekannt zu machen und für einen breiteren Zuschauerkreis, aber auch interessierte andere Gruppen wie beispielsweise Theater-AGs an Schulen zu öffnen. Bei der hohen Qualität der aufgeführten Stücke wäre dies zu wünschen gewesen.

Aufbauend auf die Erfahrungen des „Forum Junger Bühnen“ 2002 entwerfen Brotfabrik und Theater Marabu/ Junge Bühne Bonn zur Zeit die Konzeption für die Folgeveranstaltung im Herbst 2003. Dabei zeichnet sich ab, dass nicht zuletzt aufgrund der positiven Rückmeldungen der teilnehmenden Theater beim Forum 2002 die Einbindung von Fachverbänden (u.a. Kinder- und Jugendtheaterzentrum Frankfurt) gelingen wird und die Idee des „Forum Junger Bühnen“ damit bundesweit bekannt wird.

 

 

Antrag-Nr. 13

Balou e.V., Dortmund - „Kulturwoche gegen Rassismus“ - Eine Ausstellung im balou

 

Seit sieben Jahren beteiligen sich Schulen aus Dortmund, Schwerte, Hagen, Lünen, Lippstadt, der Kontaktstelle Evangelischen Jugend des Kirschenkreises Dortmund-Mitte-Nordost und die RAA Dortmund am Arbeitskreis „Schule ohne Rassismus - Schule mit Courage“. Sie suchen in ihrer politischen Arbeit nach Wegen und Möglichkeiten, dem Rassismus, der Gewalt, dem Antisemitismus und dem Rechtsextremismus „das Wasser abzugraben“.

 

Im letzten Jahr sind sie nun an das Kulturzentrum balou herangetreten, um sich in einer Ausstellung in der „Galerie balou“ einer neuen, kulturpädagogischen Auseinandersetzung zu stellen. Mit der Unterstützung der „balou-KünstlerInnen“ Silke Bachner und Andrea Freckmann und anderer ehrenamtlich arbeitetender KunstpädagogInnen wollten sie der Öffentlichkeit ein neues Forum der Diskussion bieten. Das bereits breite Bündnis der „Kulturwoche gegen Rassismus“ wurde außerdem von der Bibliothek Brackel und dem Jugendamt Dortmund unterstützt.

 

Im Kunstprojekt im balou entstanden Acrylbilder, Skulpturen und kleine Installationen zum Thema Heimat, Gewalt und Ausgrenzung, die am Tag der Vernissage, nämlich am 10. Juni, präsentiert wurden. Außerdem brachten einzelne Schulen Werke ein, die im Kunstunterricht entstanden. So zum Beispiel Plakate gegen Gewalt und zwei Kurzfilme. Es gehört zum Konzept der KunstpädagogInnen, die Bilder und Objekte gemeinsam mit den Kindern und Jugendlichen zu hängen. Da die Werke in so unterschiedlichen Zusammenhängen entstanden und von so unterschiedlicher Machart und Qualität waren, war dies eine besonders große Herausforderung. In der Reflexion kristallisierte sich jedoch heraus, dass die Kinder und Jugendlichen viel Gespür für Raum und die Regeln der Hängung entwickelt hatten.

 

Der 10. Juni war gleichzeitig der Tag der Eröffnung der „Kulturwoche gegen Rassismus“, die Veranstaltungen in den diversen Schulen beinhaltete. Die Eröffnung wurde auch deshalb zum Höhepunkt der Kulturwoche, weil die Ergebnisse der politischen Auseinandersetzung nicht nur in Farbe und Formen, sondern auch in Tanz und Bewegung umgesetzt wurden. Unter der Leitung der Tänzerin Irina Goubernik entstanden Bilder und Assoziationen zum Thema Konflikt und Konfliktlösungen. Ergänzt wurde die selbsterdachte Choreographie durch Szenen der Steinbrink-Grundschule aus dem Stück „Der überaus starke Willibald“. Ca. 480 Kinder und Erwachsene haben sich die Ausstellung im Laufe der Woche angesehen – und darunter viele die zum ersten Mal den Weg ins balou gefunden haben. Das war Grund genug für uns, die Ausstellung um zwei Wochen zu verlängern.

 

 

Antrag-Nr. 112

Stadtteilzentrum Adlerstraße, Dortmund - ,,Weißt Du, was Liebe und Sex für DICH bedeuten?“

 

Vom 08. bis zum 12. Juli 2002 fand ein kunstpädagogisches Projekt

mit Klassen der Jahrgangsstufen 8-10 der Hauptschule Innenstadt West zum Thema:

,,Weißt Du, was Liebe und Sex für DICH bedeuten?“ gegliedert in die thematischen Bereiche:

*           Das erste Mal

*           Klischeevorstellungen Frau/Mann

*           Pornographie

*           Homosexualität

*           Aids.

Die Ziele dieser Projekttage waren:

-           die positive Wahrnehmung des eigenen Körper fördern,

-           zu einer selbstbewussten Artikulation sexueller Wünsche gegenüber (potentiellen) Partnerinnen und Partner anregen

-           die Diskriminierung von Homosexualität und Homosexuellen problematisieren,

-           Geschlechtsrollenklischees besprechen und überdenken,

-           unterschiedliche Moralvorstellungen (in Deutschland/im Ausland) diskutieren,

die Entwicklung von künstlerischen Fähigkeiten fördern und Entdecken eigener künstlerischer Potentiale zu ermöglichen in den Bereichen, Theater, Musik, Malen bzw. künstlerisches Gestalten, Video oder Fotografie

 

Zu Anfang wurden die Mädchen und Jungen gemeinsam in die Thematik eingeführt mit Referenten von Beratungsstellen die in diesen Bereichen tätig sind. Dann wurden in kleineren Arbeitsgruppen ihre Kenntnisse, Auffassungen und Vorstellungen zu den verschiedenen Unterthemen durch die Herstellung und Erarbeitung von Plakatwänden, Collagen, Tonbandinterviews, kurzen Theaterstücken, Musikstücken, Videofilmen usw. aufzeigt.

Die Trennung nach Geschlechtern ermöglichte den Schülerinnen und Schülern in den spezifischen Arbeitsgruppen eine größere Offenheit und erleichterte die Diskussionen für die Teilnehmer/innen des Projekts erheblich. Am Anfang eines jeden Projekttages fand ein Treffen aller am Projekt beteiligten Personen statt. Dies ermöglichte eine Reflexion der bisherigen Arbeit, die Ideensammlung für das weitere Vorgehen und eine positive Beeinflussung der Arbeitsgemeinschaften untereinander. Die Motivation aller Schüler war groß als die ersten Hemmschwellen abgelegt waren.

Am Ende des Projektes setzen sich alle Teilnehmer/innen zu einer gemeinsamen Auswertung zusammen und es standen die Fragen im Raum und vielleicht auch das als Fazit: Warum kann Schule nicht immer so arbeiten? Und Warum reden wir so wenig miteinander über dieses Thema?

 

 

Antrag-Nr. 15

Fabrik e.V., Duisburg - Rhein-Ruhr-Reggae-Resort (Ska-Nighter)

 

Mit dem Rhein-.Ruhr-Reggae-Resort (RRRR) wurde in der Fabrik eine Discoveranstaltung etabliert, auf der hauptsächlich schwarze Musik gespielt wird und zwar die Art von schwarzer Musik, die nicht in den Hitparaden stattfindet, wie Rocksteady, Reggas, traditioneller und moderner Ska und Soul. Ziel der Veranstaltung war ein unkommerzieller Treffpunkt für Liebhaber dieser Musik, ist es heutzutage doch fast unmöglich in NRW Discos/Kneipen zu finden, wo solche Musik gespielt wird. Das in dieser Richtung Bedarf besteht zeigten die sechs Veranstaltungen von RRRR. Sie wurden gut besucht, und auch die Skinheads antirassistischer Einstellung waren da. Das Ziel, aufzuzeigen, das die Skinheadkultur aus der schwarzen Musik entstammt und von daher weder faschistisch noch rassistisch sein kann, ist jedoch nicht ganz einfach zu vermitteln.

 

 

Antrag-Nr. 18 a

Zakk, Düsseldorf - Global Listening

 

Das Projekt Global Listening im zakk gab mit vier Konzerten, einer Lesung mit anschließender Themen-Disco und einer Podiumsdiskussion Statements zur Fragestellung ab: „Welchen Stellenwert hat Weltmusik im allgemeinen Trend der Globalisierung von kulturellen Inhalten ?“

 

Wir stellten vier herausragende Vertreter von Weltmusik vor, die für ein Crossover zwischen Tradition und Moderne stehen, stellten einen Autor vor, der nach der Lesung an die Plattenteller ging und reflektierten die Fragen des Projektes „Global Listening“ in einer Podiumsdiskussion mit mehreren Experten.

 

Den Anfang machte am 20.2.2002 der portugiesische Bassist Carlos Bica und seine musikalische Partnerin Ana Brandão. Sie stellten ihr neues Programm „Diz!“ vor, eine Collage aus traditionellem Fadogesang, Spoken Word ­Passagen und europäischer Kunstmusik.

 

Brother Resistance aus Trinidad gab am 24.02.2002 ein Gastspiel im Rahmen von „Global Listening“ und brachte die Rapso-Kultur ins zakk. Rapso ist nicht nur eine Mischung aus Rap und Calypso sondern auch eine literarisch-soziokulturelle Bewegung. Brother Resistance lässt bei seinen Auftritten rund um den Globus keinen Zweifel an der Ernsthaftigkeit seiner Botschaft. Seine lyrischen Texte handeln von den afrikanischen "roots", aber auch von den aktuellen Problemen unserer Gesellschaft. Umweltverschmutzung, Oberflächlichkeit und Gefahren der Globalisierung. In seiner charismatischen Performance im zakk verband er authentische afro-karibische Musikkultur mit einem politischen Ansatz, der kritisch auf brennende gesellschaftlichen Themen eingeht.

 

Am 24.4.2002 kam einer der Musiker ins zakk, die Weltmusik zu dem gemacht haben, was sie ist. Rabih Abou-Khalil hat es als einer der ersten geschafft, die Musik seiner Heimat in seinem Fall ist das der Libanon mit modernen Elementen wie denen des Jazz zu verbinden.

 

Den konzertanten Schlusspunkt des Projekts bildete Habib Koité am 16.5.2002. Der aus Mali stammende Musiker stammt aus einer alten Griot-Familie (afrikanische Musiker -& Sängerdynastie) und spielt auf traditionellen Instrumenten seinen einzigartigen „World-Rock“ auf traditionellen Instrumenten aus Mali.

 

Am 12.06. gab es „listening“ im doppelten Sinne: zuerst las Wladimir Kaminer aus seinen Büchern, in denen die Probleme russischer Immigranten behandelt werden, die im Westen nicht nur das gelobte Land finden. Nach der Lesung gab es schräge und unerwartete Klänge unter dem Motto „Russendisko“. Wladimier Kaminer und DJ Gurzhy spielten mit den Erwartungen des Publikums und stellten ein außergewöhnliches DJ-Set vor, das keine Klischees bediente.

 

Am 31.07. wurde im Rahmen einer Podiumsdiskussion die Frage nach der Beziehung zwischen Globalem Mainstream und World Music gestellt. Befruchten sich die Musikarten gegenseitig oder droht ein weltweiter musikalischen „Einheitsbrei“ alle Differenzierungen lokaler Musikkulturen zu zerstören?Das Podium war mit prominenten Experten besetzt. Unter anderen nahmen Jay Rutledge (Süddeutsche Zeitung, Ars Electronica Linz), Björn Döring (Womex, popdeurope Berlin) und Reinhard Allgaier (La Candela, globalklang) an der Diskussion teil, die von Francis Gay (WDR) moderiert wurde. Die Diskutanten wiesen auf die Chancen hin, die ein globaler Musikmarkt auf die Verbreitung von lokalen Musikrichtungen haben kann. Allerdings bestehe die Gefahr, dass authentische Weltmusik immer mehr durch die universellen Codes eines weltweiten Musikmarktes ihrer Einzigartigkeit beraubt würde.

 

 

Antrag-Nr. 114 b

Zakk, Düsseldorf – Big Brother im Zakk

 

Das Kulturzentrum zakk in Düsseldorf beschäftigt sich schon seit Jahren mit dem Thema „Neue Medien/Internet“ und hat dazu mehrere Projekte realisiert. Mit dem Big Brother-Projekt (Nov 02-Feb 03) haben wir zwei Ziele verfolgt: Zum einen sollten „normale“ BesucherInnen des Zentrums für das Thema Datensicherheit/-schutz sensibilisiert werden, zum anderen ging es darum interessierten Laien und „Experten“ auf den neusten Stand der Diskussion zu bringen und zu vernetzen. Im Projektzeitraum wurden im Zentrum deutlich sichtbar Überwachungskameras (Attrappen!) installiert.

 

Dazu gab es verschiedene Diskussionsveranstaltungen und Workshops. Das ganze Projekt wurde in Kooperation mit verschiedenen Partnern durchgeführt, u.a. dem Chaos Computer Club / Düsseldorf, der Vereinigung demokratischer Juristinnen und Juristen, sowie der Journalistengewerkschaft. Parallel zu den Veranstaltungen wurde eine Website erstellt mit aktuellen Hintergrundinfos zum Themenkomplex, deren Essential auch in Printform den BesucherInnen zur Verfügung standen.

 

Mit der Auftaktveranstaltung "AUS HYGIENISCHEN GRÜNDEN WIRD DIESE TOILETTE VIDEOÜBERWACHT" am 26.11.02 (die in Kooperation mit der Deutschen JournalistInnen Union sowie der Vereinigung Demokratischer JuristInnen stattfand), wurde durch den Rechtsanwalt Nils Leopold und den Medienkünstler Padeluun grundlegendes Wissen zu den Fragen "Was kann, was darf die Überwachungsgesellschaft? Wer überwacht wen, wie und warum? Und: Wie überwacht werden wir demnächst sein?" vermittelt. Die Beteiligung der zahlreichen ZuhörerInnen war rege und langanhaltend, so dass die Veranstaltung erst eineinhalb Stunden nach dem geplanten Ende tatsächlich beendet werden konnte. Mit dazu beigetragen haben könnte auch die Installation von Videoüberwachungskameras an der Tür zum Veranstaltungsraum und innerhalb desselben, die ein Gefühl der direkten Betroffenheit von Überwachung vermittelten.

 

Interessant war, dass durch die Einbeziehung eines recht bekannten Künstlers und Aktivisten, wir auch ein überregionales Interesse erzeugen konnten. Zu dieser Veranstaltung kamen auch Gäste aus Köln und dem Ruhrgebiet, was nach unseren Erfahrungen eher selten vorkommt.

 

Um das „normale“ zakk-Publikum, das sich bislang wenig für das Thema Überwachung interessierte, zu erreichen wurden in der Folgezeit vom Projekt die Toiletten des zakk mit Aufklebern versehen, in denen behauptet wurde, dass diese videoüberwacht seien. Verstärkend wurden Kameraattrappen installiert. Ziel war hierbei, dass erschrockene Gäste sich beim zakk-Personal beschweren und dort die Veranstaltungshinweise zum Big Brother-Projekt erhalten. Wir waren jedoch überrascht, wie selten das geschah. Ob die Aufkleber als satirisch erkannt wurden, ob sie einfach ignoriert wurden oder ob so eine Aktion bereits als „normal“ angesehen wird, konnten wir nicht eindeutig feststellen. Insgesamt haben wir bei dieser Zielgruppe mit mehr Resonanz gerechnet.

 

Der Workshop PGP - SICHER DURCH DAS INTERNET am 10.12.2002 behandelte die Frage "Wie bringt mir das Verschlüsselungsprogramm PGP mehr Sicherheit im Umgang mit sensiblen Daten ?". Hier entspann sich unter einem Teil der ZuhörerInnen nach einiger Zeit eine technische Diskussion, der ein anderer Teil nicht mehr folgen konnte. Wenngleich die Gesamtresonanz des Workshop gut ist, muss perspektivisch darauf geachtet werden, unterschiedliche Kenntnisstände und Erkenntnisinteressen deutlicher voneinander abzugrenzen.

 

Als Resultat der Veranstaltung wurden noch einige weitere Workshops an spezielle NutzerInnen-Gruppen vermittelt, die aber außerhalb des Projektes stattfanden.

 

Der renommierten Journalistin, Buchautorin und Dozentin an der Universität Dortmund, Christiane Schulzki-Haddouti, gelang es am 17.12.2002 auf der Veranstaltung "INTERNATIONALE ABHÖRPOLITIK" mit einem einfach nachvollziehbaren Vortrag ein komplexes Themengebiet zu erläutern. Das Zusammenspiel deutscher und nichtdeutscher Geheimdienste bei der Überwachung des internationalen Datenverkehrs stand im Mittelpunkt; Probleme der nationalstaatlichen Gesetzgebung wurden behandelt. In der nachfolgenden Diskussion wurde zentral das Gefühl des Ausgeliefertsein benannt und nach Gegenwehr gefragt, woraufhin TeilnehmerInnen des PGP-Workshops ihr erworbenes Wissen weitergaben.

 

Als teilweise erfolgreich angesehen werden kann der Versuch, mit der Veranstaltung "ÜBERWACHUNG AM ARBEITSPLATZ" am 04.02.2003, neben dem allgemein interessierten Publikum auch speziell Betriebsräte Düsseldorfer Unternehmen anzusprechen. Trotz einer Mailing-Aktion in mehr als 50 Betriebe lag die Zahl der teilnehmenden Betriebsräte unter unseren Erwartungen. In der Diskussion wurde als Grund hierfür Arbeitsüberlastung und Mangel an Interesse/Nichterkennen der Bedeutung genannt. Geplant ist, diese Veranstaltung zu einem späteren Zeitpunkt in Gewerkschaftsräumen zu wiederholen. Wegen Erkrankung des Referenten musste diese Veranstaltung kurzfristig in den Februar verlegt werden.

 

Fazit: Insgesamt kann das BigBrother-Projekt verbuchen, das Thema Überwachung stärker in Düsseldorf verankert zu haben. Interessant war für uns, dass die Zahl der Besucher unsere Webseite www.zakk.de/bigbrother mit rund 5.000 virtuellen BesucherInnen die Zahl der realen BesucherInnen unserer Veranstaltungen und Workshops um ein Vielfaches überstiegen hat. Dies korrespondiert mit der hohen Zahl an Mail-Anfragen, die uns nach dem Beginn des Projektes erreichten (und noch immer erreichen). Es scheint, dass die Akzeptanz technischer Überwachung bei der "DuchschnittsbürgerIn" sehr hoch ist und erst mit zunehmenden Fachkenntnissen das Interesse am Thema und die Kritikfähigkeit steigt.

 

Die Reihe Big Brother wird in Kooperation mit dem Chaos Computer Club fortgesetzt, eine gutbesuchte Veranstaltung zum Thema WER BESTIMMT ÜBER MEINEN COMPUTER? "TCPA, Palladium, DRM, DMCA ... So what ?" fand bereits im März im zakk statt, weitere sind in Planung. Auch das Interesse an der im Rahmen des Projektes entstandenen Website hält an, außerdem stehen diese Informationen auch in Printform zur Verfügung.

 

 

Antrag-Nr. 19

Stroetmanns Fabrik, Emsdetten – Ohne Glotze und game boy

 

120 Kinder reisten an 4 Projekttagen in die Vergangenheit. In zahlreichen Workshops ging es um Alltags- und Arbeitsbedingungen der Menschen vor 100 und mehr Jahren. Wichtigste Projektidee war dabei die Eigenaktivität der Kinder. Nicht Zusehen, sondern Selbermachen stand im Mittelpunkt. Es ging um das „Begreifen“ der Vergangenheit im wörtlichsten Sinn. Durch das eigene Tun konnten die Kindern nachhaltige Erfahrungen zum Thema „Früher“ machen und gleichzeitig die eigenen Lebensrealität von „Glotze und game boy“ mit anderen Augen sehen.

Als Kooperationspartner für die ersten beiden Projekttage „Ernte und Backen“ gewann Stroetmanns Fabrik den Heimatbund Emsdetten, der in Nachbarschaft zum sozio-kulturellen Zentrum verschiedene Museen betreibt, die sich mit dem Leben der Menschen im letzten Jahrhundert beschäftigen. Als Partner für den dritten und vierten Projekttag lud Stroetmanns Fabrik das „Museum im Koffer“ aus Nürnberg ein. Die Themen der Workshops waren „Waschen“ und „Papierwerkstatt“. Der museumspädagogische Ansatz ist auch hier handlungsorientiert.

Unser Projekt war ein voller Erfolg. Darin sind sich Veranstalter, Betreuer, Eltern und Kinder einig. Wir waren in der Planungsphase nicht sicher, ob überhaupt ausreichend Kinder Interesse an unseren Workshops haben würden. Um so überraschter waren wir über den Ansturm der Anmeldungen; viele Kinder konnten wir nicht mehr aufnehmen.

 

Unser Anliegen, Ferienspaß mit soziokulturellen Inhalten zu verbinden, ist in jeder Hinsicht aufgegangen. Ein wichtiger Aspekt waren dabei all die Effekte, die durch das gemeinsame Arbeiten entstanden: Die Kinder wurden zu einer Gruppe, die zusammenarbeitete. Es gab kein Gedrängel um Gerät, es gab tatsächlich keinen Streit, keine Ermahnungen der Betreuer, keine Aufforderungen, doch mal Zuzuhören oder leise zu sein. Die Kinder waren mit Aufgaben, die sie leisten konnten und die sie voll in Anspruch nahmen, ausgefüllt. Es ging ihnen um die Sache, um die Arbeit, die zu erledigen war und bei der sie sich gern gegenseitig halfen.

Ein weiteres Ziel unseres Projektes war das Heranführen der Kinder an die Dimension „Vergangenheit“ in unserem sich immer schneller wandelnden Alltag. Auch in diesem Bereich konnten wir die Kinder für eine Auseinandersetzung gewinnen. Durch die vier Projekttage entwickelte sich eine dichte Atmosphäre. Die Kinder erlebten, dass der Alltag früher mehr von Arbeit bestimmt war, von Arbeit mit den Händen, dem ganzen Körper. All dieser Mühe stand zwar auch ein selbst produziertes Ergebnis gegenüber, das man in seinem gesamten Entstehungsprozess mitgestaltet hatte und auf das man stolz sein konnte, aber die Anstrengung und Belastung blieb für die Kinder als eine wichtige Erfahrung stehen. Alle waren sich einig: „Heute geht es uns besser.“ Für viele Kinder war auch die Frage wichtig: „Warum war es denn früher anders? Warum haben sie den Strom und die Waschmaschine nicht einfach früher erfunden?“ Im Verlauf der Tage wurde den Kindern durch ihr eigenes Tun die Bedeutung von Entwicklungsprozessen klar. Auch die Abhängigkeit der Menschen heute von den Errungenschaften der Technik kam während des Projektes zur Sprache, z.B. als beim Marmeladenkochen der Strom ausfiel und im Steinofen weiter gebacken werden konnte.

Eines der wichtigsten Ergebnisse war gewiss der Stolz der Kinder auf das, was sie jeden Tag produziert hatten und zu Hause präsentieren konnten. Einige Eltern berichteten, dass ihre Kinder sich plötzlich für Arbeiten im Haus und Garten interessierten. Sie wollten mithelfen und Dinge verstehen, die sie zuvor nicht interessierten.

 

 

Antrag-Nr. 23 a

Grend, Essen – ,,Gut gebrüllt, Löwe!“

 

Veranstaltet von dem Werkstatt­Bildungswerk e.V. und der Werkstatt e.V. fand vom 19.8. bis zum 30.8.2002 der vierte Kinderkultursommer im Kul­turzentrum Grend unter dem Titel ,,Gut gebrüllt, Löwe!“ statt. Ebenso wie die Charaktere in dem gleichnamigen Kin­derbuch von Max Kruse sollten die Kin­der auch hier Abenteuer bestehen, ge­meinsam Probleme lösen und Konflikte meistern. Die pädagogische Intention des diesjährigen Kinderferienprojekts war es, die Kinder in ihren sozialen Fä­higkeiten, speziell in ihrem Konfliktver­halten zu fördern und zu stärken. Neben gemeinsamen Spiel- und Bewegungsak­tionen, sowie gemeinsamen Mahlzeiten, Spiel- und Ruheangeboten in der Mit­tagspause, konnten die Kinder eine von fünf Projektgruppen wählen, die durch­gehend von einer Fachkraft angleitet wurde. In diesen fünf Kleingruppen (Ar­tistik, Tanz & Bewegung, Improvisations­theater, Gestaltung und Buchtheater) fanden die Kinder einen geschützten Rahmen, in dem sie sich an neue Aufga­ben und Herausforderungen wagen konnten. Pro Woche nahmen über 40 Kinder im Alter zwischen 6 und 11 Jah­ren teil. Am jeweils letzten Tag der Wo­che konnten sich die Eltern während kleiner Vorführungen der Projektgruppen und eines prozessbegleitenden Video­films selbst ein Bild vom Verlauf der Wo­che machen.

 

 

Antrag-Nr. 23 b

Grend, Essen – Zusammenleben in Deutschland

 

Das Zusammenleben von Menschen unterschiedlicher kultureller, religiöser und sozialer Herkunft gestaltet sich nicht immer reibungslos. In Deutschland hat es u.a. im Zuge der Veränderung des Asylrechts Anfang der 90er Jahre, in der Diskussion um das neue Zuwanderungsgesetz Ende der 90er Jahre und nicht zuletzt seit den Ereignissen vom 11. September 2001 in New York immer wieder grundsätzliche Debatten über die Ausgestaltung des Zusammenlebens von Menschen unterschiedlicher sozialer, kultureller und religiöser Herkunft gegeben. Dabei herrscht auf beiden Seiten - jener der Einheimischen und jener der Zuwanderer - letztlich wenig Klarheit über die wechselseitigen Wünsche und Ansprüche an ein Zusammenleben in Deutschland.

In dieser Situation erscheint es sinnvoll, sich über die Aspekte und Probleme des Zusammenlebens auszutauschen. Mit dem Projekt "Zusammenleben in Deutschland" wurde ein solcher Austausch zwischen Menschen unterschiedlicher kultureller, sozialer und religiöser Herkunft angestrebt. Dies geschah in Kooperation mit ausländischen Vereinen, pol. Verbänden und anderen in der Migrationsarbeit tätigen Organisationen. Der Austausch vollzog sich sowohl im Rahmen von Vorträgen und Diskussionen als auch in kulturellen Veranstaltungen und Workshops mit Selbsterfahrungscharakter. Zielgruppe waren jeweils Angehörige verschiedener Zuwanderungsgruppen und Einheimische, die sich an gemeinsamen Diskussionen und Projekten beteiligen. Das gesamte Projekt umfasste 9 Einzelveranstaltungen und eine Ausstellung und erstreckte sich über das gesamte Jahr 2002. Folgende Veranstaltungen wurden durchgeführt:

 

1. Der Islam - eine Religion in Deutschland

In Kooperation mit der türkisch-islamischen Gemeinde im Stadtteil wurde am 23.01.2002 eine Vortrags- und Diskussionsveranstaltung zum Thema Islam durchgeführt. Der Hoca der Gemeinde gab eine Einführung in die Grundlagen des Islams und stellte sich den teils sehr kritischen Fragen der Teilnehmer und Teilnehmerinnen. An der Veranstaltung nahmen sowohl Mitglieder türkisch-islamischer Gemeinden als auch Angehörige der umliegenden christlichen Gemeinden teil. Zum Vortrag wurde Tee und Gebäck gereicht.

 

2. Integration in Deutschland

In Kooperation mit einer interkulturellen Arbeitsgruppe von Bündnis90/DIE GRÜNEN wurde am 07.02.2002 ein Workshop mit interkulturellen Spielen und Selbsterfahrungselementen zum Thema Integration durchgeführt. Eingeladen wurde eine Gruppe von Asylbewerbern aus Togo, die zusammen mit einheimischen Teilnehmern in spielerischer Form die Grenzen einer Integration von Asylbewerbern in die deutsche Gesellschaft ausloteten.

 

3. Zuwanderungs- und Terrorismusbekämpfungsgesetz

In Kooperation mit Pro Asyl/Flüchtlingsrat Essen und dem Antirassismustelefon Essen wurde am 27.03.2002 eine Informations- und Diskussionsveranstaltung zum neuen Zuwanderungs- und Terrorismusbekämpfungsgesetz angeboten. Der anerkannte Experte Volker Maria Hügel vom GGUA-Projekt-Büro in Münster gab einen Einblick in das zu diesem Zeitpunkt gerade im Bundesrat beschlossene Gesetz. Die Veranstaltung erfreute sich großer Nachfrage von betroffenen Zuwanderern und Einheimischen unterschiedlicher politischer Orientierungen, so dass das in der Diskussion sehr unterschiedliche Auffassungen zum Thema Zuwanderung vertreten wurden.

 

4. Gesichter und Geschichten der Migration

In Kooperation mit dem Fotografen Wolfgang Golz wurde eine Ausstellung mit Fotos und Textelementen konzipiert. Angefertigt wurden Portraitfotografien von Migranten und Migrantinnen aus Essen. Die Portraitierten haben das Setting für die Fotos selbst bestimmt und dabei u.a. auch entschieden, ob und wie sie ihr Gesicht zeigen. Semra Uzun-Önder, angehende Diplom-Pädagogin, hat die spezifischen Lebensläufe und Erfahrungen der Portraitierten anhand eines Leitfadeninterviews erfragt und zusammen mit Dr. Andreas Klink (GREND-Bildungswerk) zu einer kleinen persönlichen Geschichte zusammengefasst. Entstanden sind Exponate, in denen Portrait und Geschichte zusammen es dem Betrachter der Ausstellung ermöglichen, die individuellen Migrationsgeschichten von Menschen kennen zu lernen, die in Deutschland ihr zweites Zuhause gefunden haben. Die gesamte Ausstellung besteht zur Zeit aus 29 Exponaten, die am 18. Mai 2002 im Kulturzentrum GREND zum ersten Mal der Öffentlichkeit vorgestellt worden sind. An der Ausstellungseröffnung nahmen ca. 70 Gäste teil. Bis zum 30. August 2002 konnte die Ausstellung im GREND besucht werden. In dieser Zeit hatte sie ca. 300 Besuchern und Besucherinnen. Von Mitte Oktober bis Ende November 2002 wurde sie im Bürgerzentrum Schuhfabrik in Ahlen gezeigt. Seit Januar 2003 sind Teile der Ausstellung in der Volkshochschule Essen zu sehen. Die Ausstellung ist insbesondere auch für den Besuch von Schulklassen geeignet. Das gesamte Projekt wird ab dem Frühjahr 2003 im Internet begleitet. Unter www.multikultur.net existiert ein Forum für weitere Gesichter und Geschichten der Migration.

 

5. Integration - aber wie?

In Kooperation mit dem Asienhaus und ProAsyl/Flüchtlingsrat – Essen wurde am 06.07.2002 ein ganztägiger Workshop mit kleinen Übungen und Spielen zu den Themen Integration, Toleranz, Zivilcourage etc. angeboten. An dem Workshop nahmen ca. 30 Einheimische und Zuwanderer teil.

 

6. Macht Theater gegen Diskriminierung

In Kooperation mit ProAsyl/Flüchtlingsrat Essen und dem Antirassismustelefon Essen wurde ein zweiteiliges Theaterprojekt zum Thema Diskriminierung durchgeführt. In einem ersten Schritt setzte sich eine Gruppe von 25 Einheimischen und Zuwanderern zunächst am 11. und 12. Oktober theoretisch und szenisch mit dem Thema "Diskriminierung" auseinander. Produkt dieses ersten Teils war eine kleine Szene, die dann 2 Wochen später durch Stilmittel aus dem "Theater der Unterdrückten" in der Essener Fußgängerzone im Rahmen einer Informationskampagne zum Thema "Todesurteile in Nigeria" zur Aufführung gebracht wurde. Die Gruppe trifft sich weiterhin und arbeitet an weiteren Szenen.

 

7-10. Filmreihe

An den Adventsonntagen im Dezember 2002 wurde eine Reihe mit Filmen türkischer Autoren veranstaltet. Alle Filme thematisierten in irgendeiner Weise das Leben in und mit zwei Kulturen - sei es in Deutschland oder in der Türkei. Die einzelnen Vorführungen wurden begleitet und moderiert von Semra Uzun-Önder, Diplom-Pädagogin und Mitarbeiterin in verschiedenen interkulturellen Projekten. Gezeigt wurden die Filme "Kurz und schmerzlos" von Fatih Akin, "Reise zur Sonne" von Yesim Ustaoglu, "Dealer" von Thomas Arslan und "Im Juli" von Fatih Akin.

 

Die gesamte Reihe hat an vielen Punkten zum Austausch über das Zusammenleben in Deutschland zwischen Menschen unterschiedlicher kultureller, sozialer und religiöser Herkunft beigetragen. Einige der durchgeführten Veranstaltungen haben wiederum Schneeballeffekte gehabt, weil die in ihnen behandelten Aspekte in anderen Teilnehmerkreisen erneut aufgegriffen wurden. Insbesondere die Ausstellung "Gesichter und Geschichten der Migration" und der Theaterworkshop "Macht Theater gegen Diskriminierung" sollen auch im Jahr 2003 ihre jeweilige Fortsetzung in Folgeprojekten finden.

 

 

Antrag-Nr. 25 a

Die Weberei, Gütersloh – Schulkulturprogramm für Toleranz und Verständigung

 

Das Projekt „Schulkulturprogramm für Toleranz und Verständigung“ konnten wir vom soziokulturellen Zentrum Die WEBEREI e.V. Gütersloh aus, in Kooperation mit dem Verein BAOBAB/ Welthaus Bielefeld erfolgreich an 2 Projekttagen realisieren. Als Projektpartner konnte die Böckstiegel Gesamtschule Borgholzhausen und die Gütersloher Gesamtschulen Anne- Frank und Janusz Korczak gewonnen werden.

 

Auf Initiative des Verein BAOBAB/ Welthauses Bielefeld, wurde die Gruppe „M.U.K.A. Kids- Project“ aus Johannesburg, Südafrika eingeladen. Das M.U.K.A. Project („Most United Knowledgeable Artits“) wurde 1995 als ein Theaterprojekt von Straßenkindern gegründet und ist Mitglied der Vereinigung für Straßenkinder in Johannesburg. Die Gruppe engagiert sich in Theater-, Entwicklungs- und Stadtteilprojekten, die alle das Ziel haben, jungen Menschen, die ein Leben in Gewalt, Drogenabhängigkeit, Prostitution und Benachteiligung führen, Alternativen aufzuzeigen.

Eines dieser Projekte ist im Johannesburger „Hillbrow Theatre“ entstanden: Kinder und Jugendliche zwischen 6 und 16 Jahren kommen bis zu dreimal pro Woche in das Theater, um mit M.U.K.A. Theater zu spielen, zu tanzen und Musik zu machen.

 

I. Projekttag (chronologisch der 2. Tag):

17 Personen (13 Kinder und Jugendliche und 4 Begleitpersonen) der M.U.K.A. Kids waren am 26.09.02 in der WEBEREI e.V. Gütersloh zu Gast, mit einem 1 ½ stündigen Musik- und Tanzprogramm. Die KünstlerInnen des M.U.K.A. Kids Projekt kamen am 26.09.02 morgens um 9.00 Uhr in der WEBEREI an. Nach einer Begrüßung mußten sich die Kids aufwärmen und es folgten ein technischer Durchlauf und eine Generalprobe ihres Programms. Um 11.00 Uhr begann die Aufführung an, welche sie vor 120 ZuschauerInnen, bestehend aus SchülerInnen der Anne- Frank Gesamtschule Gütersloh und der Janusz Korczak Gesamtschule Gütersloh, präsentierten. Am Ende der Vorstellung gab es eine anschließende Gesprächsrunde, in der sich die SchülerInnen der Gütersloher Gesamtschulen mit den jungen KünstlerInnen des M.U.K.A. Kids Projects über ihr Leben in Johannesburg angeregt und engagiert ausgetauscht haben. Zum Schluß gab es noch ein etwas verspätetes Mittagessen. Die M.U.K.A. Kids brachen dann gegen 15.00 Uhr zum Flughafen auf.

 

II. Projekttag (chronologisch der 1. Tag):

Am 25.09.02 nahmen in der Böckstiegel-Gesamtschule, Borgholzhausen insgesamt 400 ZuschauerInnen an der 1 ½ stündigen Musik- und Tanz- Veranstaltung der M.U.K.A. Kids teil. Nach der Vorstellung gab es ein gemeinsames Mittagessen in der Schulmensa. Die Schule übernahm die Verpflegungskosten. Es folgte ein einstündiges Austauschgespräch zwischen 30 SchülerInnen der Böckstiegel-Gesamtschule Klasse 7 und den KünstlerInnen des M.U.K.A. Kids Projects. Anfangs war das Gespräch von Berührungsängsten geprägt und gestaltete sich etwas zögerlich und verhalten von Seiten der Borgholzhausener Gesamtschüler. Die Kinder und Jugendlichen der M.U.K.A. Kids waren aber ihrerseits neugierig auf das Leben der SchülerInnen hier und stellten viele Fragen, die die westfälischen Kinder und Jugendlichen dann doch lockerer werden ließen. Im Anschluss an das Austauschgespräch folgte ein Tanz- Workshop, an dem 60 SchülerInnen der Böckstiegel- Gesamtschule teilnahmen. Unter Leitung von Peter Ndebele, dem Begründer des M.U.K.A. Kids Projects, wurden zu Beginn des Workshops sozialpädagogische Kennenlernspiele veranstaltet, die in unseren Breitengraden auch bekannt sind. Dieses Vorgehen wurde teilweise aus den Reihen der PädagogInnen und SchülerInnen bemängelt. Es stellte sich auch heraus, das die M.U.K.A. Kids nicht viel Erfahrung im Veranstalten von Workshops hatten. Trotzdem waren die teilnehmenden SchülerInnen zufrieden mit dieser Aktion. Die Böckstiegel-Gesamtschule Borgholzhausen zeigte sich insgesamt aber sehr begeistert von diesem Tag und möchte auch nächstes Jahr wieder am Schulkulturprogramm teilnehmen.

 

 

Antrag-Nr. 26 a

Kulturzentrum Pelmke – Mädchentheaterprojekt: DAS IST GEWALT(IG) - Eine Kooperation des Kulturzentrums Pelmke und dem WiWa - Mädchentreff in Hagen-Wehringhausen.

 

Das Projekt, an dem zwölf Mädchen teilnahmen, begann Ende Februar 2002, alle Teilnehmerinnen sind regelmäßige Besucherinnen des Mädchentreffs WiWa im Hagener Stadtteil Wehringhausen. Betreut wurde das Projekt von 2 Theaterpädagoginnen und einer Fachkraft für Videoarbeiten und Bühnenbild. Die Einführung in das Thema `Gewalt aus der Sicht von Mädchen aus dem Stadtteil Wehringhausen`, erfolgte über die Anfertigung eines Mindmapping aller Beteiligte unter der Fragestellung „Wo und wie nehmt ihr Gewalt wahr, was ist für euch Gewalt?

Dieses Mindmapping diente anschließend der Strukturierung aller gesammelten Vorschläge und Ideen. Auf dieser Grundlage wurde das Konzept entwickelt wie das Thema kreativ erarbeitet und präsentiert werden kann. Begonnen wurde die Arbeit mit der Befragung zum Thema Gewalt von BürgerInnen auf der Strasse und in Geschäften des Stadtteils. Den Mädchen wurden Videokameras und Aufnahmegeräte zur Verfügung gestellt, mit der vorhandenen Technik interviewten sie selbständig mehrere Nachmittage Passanten. Aus dem verfügbaren Filmmaterial wurde ein zehnminütiger Videofilm zusammengeschnitten. Weitere technische Produkte waren Dias von besonders „unbeliebten“ Orten und Ecken im Stadtteil und deren Vertonung, Tonaufnahmen von Gewalterfahrungen der Mädchen, die sie im Alltag erleben und Fotografien, die sie von ihrem Stadtteil für die spätere begleitende Ausstellung erstellten.

Der Wunsch der Mädchen möglichst viel an Erarbeitung in Form von szenischem Spiel umzusetzen, wurde nachgekommen, indem insgesamt fünf Szenen für die Bühne erarbeitet wurden. Begleitend zur Erarbeitung des Bühnenstückes wurde gemeinsam das Bühnenbild und die Ausstellung entwickelt und gebaut. So wurde u.a. wurde eine große Skulptur aus Pappmaché angefertigt, die `Gewalt` symbolisch darstellt und von den Mädchen als symbolisches „Maskottchen“ betrachtet wurde.

Die Projektphase musste für zwei Wochen unterbrochen werden, da ein Teil der Mädchen sich aufgrund interner Streitigkeiten dem Mädchentreff entzogen hatten. Aus diesem Grund musste die geplante Aufführung für den 25. Mai um vier Wochen verschoben werden. Nachdem sich die Mädchen dem Projekt erneut angeschlossen haben, gab es eine verstärkte Motivationsphase, mit der dieses Projekt auch abgeschlossen wurde. Die Aufführung fand im Saal des Kulturzentrums vor Eltern, anderen Mädchen und Jungen und interessierten Erwachsenen statt. Dokumentiert wurde die Projektaufführung mit einer digitalen Kamera. Die Mädchen moderierten die ca. einstündige Präsentation selbst. Zum Abschluss des Projektes, das von allen Beteiligten als sehr erfolgreich bezeichnet wurde, gab es eine gemeinsame Abschlussparty mit Kuchen und Limo.

Die Ziele , die mit diesem Projekt verbunden wurden, wurden auf allen Ebenen erreicht. Besonders hoch bewerten lässt sich die aktive Bühnenpräsenz der Mädchen, da auch die Mädchen teilnahmen, die sich zuvor eine Darstellung vor Publikum nicht zutrauten. Die erstmalige Kooperation zwischen Mädchentreff und Kulturzentrum erwies sich im Sinne stadtteilorientierter Vernetzung als sehr erfolgreich. Die erzielte öffentliche Präsenz war für den Mädchentreff sehr wichtig, da im Frühjahr/Sommer die Existenz des Treffs durch fragwürdige städtebauliche Planungen bedroht war. Die Zusammenarbeit soll in Zukunft auf unterschiedlichen Ebenen fortgesetzt werden.

 

 

Antrag-Nr. 26 b

Kulturzentrum Pelmke – Frauenprojekt des Kulturzentrums Pelmke:

"Ich will heute Schokolade" im Frühjahr 2002

 

Das Frauenprojekt "Ich will heute Schokolade" hat vom 8.3. bis 21.6.2002, wie geplant stattgefunden. Die Projektidee entwickelte sich aus dem regelmäßig stattfindenden Frauenstammtisch des Kulturzentrums.

Mit einem vielfältigen Veranstaltungsangebot sowohl kreativer, informativer als auch vergnüglicher Art, wurden gezielt weibliche Besucher aller Altersgruppen angesprochen. Das Projekt kann als durchaus erfolgreich gewertet werden, da es zum einen zu guter Zusammenarbeit mit in Hagen aktiven Frauengruppen und Künstlerinnen geführt hat, zum anderen waren die Kino-, Kabarett- und Theatervorstellungen gut besucht. Die Idee, mit dieser Reihe möglichst viele Frauen anzusprechen und für mögliche weitere Aktivitäten zu interessieren wurde erreicht.

Viele der BesucherInnen haben im Rahmen des Projektes das Kulturzentrum zu ersten Mal als Treffpunkt wahrgenommen. Dies ist sicherlich nicht zuletzt auf die intensive Öffentlichkeits- arbeit einiger aktiver Frauen zurückzuführen.

Auch die begleitenden offenen Gesprächs- und Diskussions­abende wurden begrüßt und gerne angenommen. Abschließend lässt sich feststellen, dass das Kulturzentrum Pelmke als attraktiver und konfliktfreier Treffpunkt für Frauen bekannter geworden ist. Eine Fortsetzung dieser Arbeit wäre überaus wünschenswert.

 

 

Antrag-Nr. 26 c

Kulturzentrum Pelmke – „Pelmke-Exhibition 2002“

 

Grundidee der Exhibition ist es, Hagener KünstlerInnen die Möglichkeit zu geben ihre Arbeiten im Rahmen einer Gemeinschaftsausstellung zu präsentieren. Hierbei werden verstärkt Leute angesprochen werden, die bisher aus den unterschiedlichsten Gründen noch nicht ausgestellt haben oder ausstellen konnten. Aber auch KünstlerInnen, die schon länger im „Geschäft“ sind nehmen teil. Wichtiger Aspekt der Exhibition ist das Kennenlernen der Szene untereinander und die gemeinsame Planung, bzw. Durchführung eines Kunstspektakels.

 

Schwerpunkt war der Bereich „bildende Kunst“, aber auch andere Genres, wie Film, Theater, Musik u.a. waren mit einbezogen. Das Kulturzentrum war während der 3 Tagen Atelier, Galerie und Bühne in einem – vom Keller bis unters Dach. Nach einem ersten Treffen im Frühjahr 2002 wurde ein Aufruf entworfen der u. a. über die Lokalpresse verbreitet wurde. An den weiteren Planungstreffen nahmen jeweils 15 bis 20 Personen teil.

 

Bis zum Herbst meldeten sich ca. 45 KünstlerInnen, von denen letztlich 35 an der Exhibition teilnahmen (zwischen 8 und 75 Jahre alt). Vom Konzept her gab es keine inhaltlichen bzw. qualitativen Vorgaben. Soweit möglich, unterstützten sich die TeilnehmerInnen gegenseitig bei Auswahl und Präsentation ihrer Arbeiten. Das Kulturzentrum stellte das technische Equipment (Beleuchtung, Bildhalter, etc.) zur Verfügung und übernahm die Gesamtkoordination. Zur Ausstellungseröffnung wurde ein kleiner Katalog produziert, in dem die TeilnehmerInnen die Möglichkeit hatten sich vorzustellen. An den 3 Tagen kamen ca. 500 Besucher.

Von den Teilnehmerinnen wurde die Veranstaltung als Erfolg gewertet und soll möglichst jährlich wiederholt werden. Es wurden neue Kontakte geknüpft und auch die ersten Schritte zu einem Gemeinschaftsatelier einiger KünstlerInnen wurden eingeleitet (viel Erfolg!!!). Für das Kulturzentrum war die Exhibition eine wichtige Darstellungsmöglichkeit als multifunktioneller Ort für Experimente, Selbstorganisation und Treffpunkt für unterschiedlichste Bevölkerungsgruppen.

 

 

Antrag-Nr. 26 d

Kulturzentrum Pelmke – Musikprojekt „Osteuropa meets Hagen“

 

Grundidee der Reihe war es, osteuropäischen Musikbands der Independent-Szene die Möglichkeit zu geben, ihre Arbeiten in der westlichen „Provinz“ zu präsentieren und gleichzeitig Kontakte mit der lokalen Musikszene herzustellen.

In den Ländern Osteuropas existiert eine vielfältige Musikszene, der es bisher aber nur selten gelingt über die eigenen Landesgrenzen hinaus bekannt zu werden. In Kooperation mit dem Kulturzentrum „Cesta“ in Tabor (Tschechien), und der Musikerinitiative „Trottel Records“ in Ungarn wurden die Auftritte geplant. Das musikalische Spektrum der tschechischen Bands „Traband“ und „Uz Jzme Doma“ und der ungarischen Bands „Persona Non Grata“ reicht von landestypischen folkloristischen Einflüssen bis hin zu Jazzcore und experimenteller Rockmusik. In ihren Heimatländern sind die Bands schon lange keine Unbekannten mehr.

 

An drei Abenden standen jeweils eine ost- und eine lokale Band auf der Bühne. Bei einem Termin wurde zusätzlich noch ein Dokumentarfilm über eine osteuropäische Band gezeigt. Als Fazit lässt sich feststellen, dass ein sehr fruchtbarer Austausch zwischen den beteiligten MusikerInnen und dem Kulturzentrum eingeleitet wurde, der in den nächsten Jahren möglichst fortgeführt und ausgebaut werden soll. Außerdem war es eine sehr Gute Erfahrung , mal wieder festzustellen, dass das musikalische Niveau auch „kleiner“ unbekannter osteuropäischer Bands sehr hoch ist und gerade unsere heimische Musikszene noch viel lernen kann. Ein regelmäßiger Ost-West-Kontakt ist natürlich nicht nur unter dem künstlerischen Aspekt sehr wünschenswert.

Auch beim (leider noch nicht sehr zahlreichen) Publikum stieß die Reihe auf sehr positive Resonanz und es wurde der Wunsch geäußert, weiter in diese Richtung zu arbeiten und musikalische Experimente zu fördern.

 

 

Antrag-Nr. 27

Werkhof Hohenlimburg e.V., Hagen - Theater- und Kreativworkshop für Kinder

 

Der Theater- und Kreativworkshop für Kinder gegen Fremdenfeindlichkeit, „Struwwelpeter und die schwarzen Buben“, vom 14. – 18. Oktober 2002, wurde mit 24 Kindern in den Räumen des Kulturzentrums Werkhof täglich von 9.00 Uhr bis 16.00 Uhr durchgeführt. Unter der Leitung einer Theaterpädagogin, einer Theaterplastikerin und eines Musikpädagogen wurde ein Theaterstück zum Thema des Workshops entwickelt. Die Kinder erarbeiteten unter Anleitung das Theaterstück und studierten es ein; sie bauten selbst Kostüme und Bühnenbild, wählten die Bühnenmusik aus und probten sie ein. Den Höhepunkt des Theaterworkshops bildete wie immer die öffentliche Aufführung des Einstudierten, in diesem Jahr am 18. Oktober. Die Planung und Organisation wurde vom Kulturbüro des Werkhofes übernommen, das auch für die Verköstigung der Kinder in der Mittagspause sorgte.

 

Die Entwicklung und das Training von Spiel und Kreativität, Fantasie und Spaß, künstlerischen, musischen und handwerklichen Geschickes, sowie des sozialen Verhaltens in der Gruppe standen im Mittelpunkt des Workshops, der von allen Beteiligten als sehr gelungen angesehen wurde. Auch das eigentliche Thema des Workshops, die verschiedenen Aspekte von Fremdenfeindlichkeit, Toleranz und Gewalt, konnte den Kindern spielerisch näher gebracht werden. Dieser jährlich stattfindende Kinder-Theaterworkshop ist ein wesentlicher Bestandteil der Theaterarbeit des Werkhof Kulturzentrums geworden. Er leistet einen wichtigen Beitrag zur kulturellen Grundversorgung im Stadtteil Hohenlimburg. Der Workshop und die öffentliche Abschlusspräsentation erfuhr von Seiten der Zuschauer und der Presse eine äußerst positive Resonanz. Selbst der WDR brachte in der Sendung Westzeit einen kleinen Fernsehbeitrag über den Workshop.

 

 

Antrag-Nr. 29

Kulturrevier Radbad - Jugend und Kultur e.V., Hamm - Kampmann-Räume - Förderung Musiknachwuchs - Workshops und „Das erste Mal“ nicht nur für drei Newcomer-Bands

 

Das Kulturrevier Radbod im Hammer Stadtteil Bockum-Hövel beherbergt neben sieben Ateliers auch neun Proberäume, von denen drei in Zusammenarbeit mit dem privaten Axel Kampmann-Fonds eingerichtet wurden und nun gemeinsam mit ganz eigener Konzeption betrieben werden (näheres unter http://www.axel-kampmann-fonds.de ). Ziel dabei ist es, die bei Jugendlichen vielfach vorhandenen Einstiegsschwellen (‑Ein Instrument ist viel zu teuer für mich.“, ‑In 'ner Band würd ich ja gerne spielen, aber wer nimmt mich?“, etc.) abzubauen und es möglichst vielen jungen Musikern zu ermöglichen, sich ganz unkompliziert mit Musik zu beschäftigen.

Um diese Konzeption bekannt zu machen, auch mit dem Ziel, dass die Idee sich künftig finanziell selbst tragen kann, haben wir zusammen mit der LAG im Juli 2002 vier Workshops und ein Konzert auf die Beine gestellt, die durchweg hervorragend angenommen wurden:

Rockgesang für Mädchen und Frauen, durchgeführt von Micha Ela Schäper (Sendenhorst)

Perkussion für Anfänger, durchgeführt von Lars Rohlffs (Münster) Trommeln für Kinder, durchgeführt von Dorothee Marx (Münster) PA&Licht, durchgeführt von Achim Matzka und Volker Helm (Hamm) Insbesondere die Kurse Rockgesang und Trommeln für Kinder stießen auf eine so große Nachfrage, das schon jetzt eine Warteliste für die geplanten Wiederholungsveranstaltungen geführt wird.

Abschluss des Workshops PA&Licht war das am letzten Tag (gleichzeitig dem letzten Schultag) stattfindende School's Out-Konzert, das von den Kursteilnehmern selbst abgemischt und ausgeleuchtet wurde und bei dem drei Bands, die alle ihre musikalische Karriere in den Axel Kampmann-Räumen begonnen hatten, erstmals die Möglichkeit bekamen, öffentlich vor fast 200 begeisterten Zuschauern aufzutreten. Das musikalische Spektrum reichte dabei von Fun-Punk (Scratch the surface) über Cross Over (Zimmerlautstärke) bis hin zu Coverversionen im Stil der Commitments (Mr. Moneypenny).

Als Ergebnis ist festzuhalten, dass junge Leute sich durch solche erfolgreiche Projekte ermutigt fühlen, gemeinsam etwas "auf die Beine" zu stellen und sich damit im positiven Sinne in ihre Lebenswelt einbringen indem sie kulturelles Leben mitgestalten. Diese Wirkung ist besonders in einem strukturschwachen Stadtteil wie Bockum-Hövel, der von hoher Arbeitslosigkeit und häufig leider auch Perspektivlosigkeit (mit allen Folgewirkungen) geprägt ist, kaum hoch genug einzuschätzen.

Tatsache ist allerdings auch, dass all dieses ohne die große private Förderung und ehrenamtliche Arbeit nicht zustande gekommen wäre. Die Unterstützung durch die LAG hat gezeigt, wie lohnend hier in konkrete Jugendkulturarbeit investiert werden kann. Auch die lokale Politik hat inzwischen auf die Weiterentwicklung von Jugendkulturarbeit reagiert. Inzwischen ist das "Netzwerk Jugendkultur" gegründet worden, das die jugendkulturellen Aktivitäten auf lokaler Ebene koordiniert, mit dem Kulturrevier als einem der Hauptpartner.

 

 

Antrag-Nr. 30

KuBiSchu, Hattingen- Literaturprojekt „Nachteulen – Literatur von, für und über ebensolche“

 

Dieses Projekt wandte sich an ein breites Publikum von aktiven Mitarbeitern in den Arbeitsgruppen und Zuhörern bei den Veranstaltungen. So ging es von einem speziellen Erwachsenenthema „Literatur und Wein“ bis hin zu einem Kinderprojekt („Wer gruselt sich mit unseren kleinen Geistern?“), das in Zusammenarbeit mit einer Grundschule durchgeführt wurde.

Die verschiedenen Arbeitsgruppen bildeten sich im Laufe des Frühjahrs und Sommers und bearbeiteten die Themenbereich konzeptionell und inhaltlich, wobei ein breites inhaltliches Spektrum des Themas „Nachteulen“ aufgegriffen wurde, von rein literarischen Texten über experimentelle Text-Ton-Collagen und musikalischen Lesungen bis zu kreativen Mitmachangeboten. Die Ergebnisse waren Veranstaltungen und Vorträge einer Veranstaltungsreihe der KUBISCHU im September. Termin: 6. bis 29.9.2002. Parallel dazu schrieben wir einen Literatur-Förderpreis für junge Autorinnen und Autoren von 16 bis 25 Jahren aus. Diese Ausschreibung erfolgte bundesweit und im deutschsprachigen Ausland. Hier zeigte sich eine große Resonanz: Es gab über über 100 Bewerbungen, darunter zahlreiche Bewerbungen aus dem Ausland (Österreich, Schweiz, Großbritannien, USA und Ukraine). Acht Bewerber lud eine Jury nach Hattingen zu einer Lesung in das Alte Rathaus in Hattingen ein.

 

 

Antrag-Nr. 116 a

Kultur im Bahnhof e.V., Jülich - Time Machine – Rauminstallation im Kulturbahnhof

Künstlerische Gestaltung eines Raums im Gastronomiebereich des Kulturbahnhofs

 

Der ehemalige Billardraum wurde zu einem Kunst-Raum umgestaltet. In den jeweiligen Ecken entstanden Sitzgruppen, die jeweils unter einem eigenen Motto stehen. In der Science-Fiction-Ecke erstreckt sich über dunklen Sitzmöbeln ein weiter Sternenhimmel. Eine Hommage an die 70-er und 80-er Jahre befindet sich weiter hinten im Raum. Schallplatten zieren die Wände, ein paar Plateauschuhe krönt die Dekoration. Marmorierte Säulen und ein umlaufender Fries, Efeuranken, ein Samtvorhang und ein antiker Leuchter verleihen der Ecke Nummer drei einen barocken Reiz. Eine Wikingerecke mit einem Strandgemälde runden den neuen Erlebnisraum ab. Im gesamten Café können sich die Besucher nun auf kunstvollen Stühlen und Hockern niederlassen. Ob mit Kronkorken bestückt, als Thron herausgeputzt oder mit Metallbesatz zum futuristischen Möbel umgestaltet – die Kreativität und die Experimentierlust kannte keine Grenzen.

Kunst selber und erlebbar machen wurde als das Ziel des Pojektes verstanden und erreicht.
Präsentation und Ausstellungseröffnung am 10.05.02 Teilnehmerzahl. Ca. 8 ständige Teilnehmerinnen und eine Vielzahl von „Helfern und Schaulustigen" Die Maßnahme wurde von den Referentinnen erfolgreich durchgeführt, alle Teilnehmer erarbeiteten sich während des Projekts sowohl künstlerische als auch handwerkliche Grundfertigkeiten.

 

 

Antrag-Nr. 117 b

Kultur im Bahnhof e.V., Jülich – „Mach Mit Team-Bandcoaching“

 

Das Mach Mit Team hilft seit Mai 02 als Aufbauhelfer und Ehrenamtler bei den Rockveranstaltungen und führte selbständig 2 Kuba-Charts Veranstaltungen, sowie eine Simpson-Filmnacht durch. Hierbei erhielten alle Beteiligten Einblick in Planung, Organisation und Durchführung von Veranstaltungen.

Im Bandcoaching-Projekt wurden Vortragsveranstaltungen und Workshops zu den folgenden Themen gehalten und durchgeführt: Bands gründen, Booking, Live Auftritt, Bands im Internet, PR für Bands, Bands und Buchführung, Album und Merchandise, PA-Technik, vom Proberaum durch die ganze Welt. Die Maßnahme wurde von den Projektleitern und den einzelnen Referenten erfolgreich durchgeführt. Aus den beiden Projekten wurde das „NewActs Team“ gegründet. Seit dem 05.10.02 trifft sich diese Gruppe dienstags von 19-20 Uhr und bereitet das NewActs-Konzert vor.

 

 

Antrag-Nr. 34

Bürgerzentrum Alte Feuerwache, Köln – Soziokultur A Live ! - Darstellung der Entwicklung, der Inhalte und der Lebendigkeit soziokultureller Arbeit in der Alten Feuerwache/ Köln

 

Dieses umfangreiche Projekt sollte anhand über das Jahr verteilter Aktivitäten das Konzept, die Inhalte und die Qualität soziokultureller Arbeit in der Öffentlichkeit deutlich machen sowie die Entstehung und Entwicklung der Alten Feuerwache dokumentieren. Anlass war die geplante Neubestimmung der Arbeit der Bürgerzentren in Köln sowie das 25jährige Bestehen der Idee und des Vereins „Bürgerzentrum Alte Feuerwache“. Das breite Spektrum soziokultureller Arbeit sollte durch folgende Bestandteile des Jahresprojektes dargestellt werden: Begegnung mit Musik, Tafel der Kulturen , Skulpturen, Kulturpädagogische Präsentation, Ausstellung, Podiumsdiskussion

 

Für die Koordination des Projektes wurde – der Selbstverwaltungsstruktur der Feuerwache entsprechend – eine für alle zugängliche Arbeitsgruppe gebildet, in der Mitglieder und MitarbeiterInnen gemeinsam an der weiteren Planung und Umsetzung gearbeitet haben. Die wichtigsten Informationen über die Aktivitäten des Projektes wurden in dieser Arbeitsgruppe gesammelt und diskutiert und die wesentlichen Entscheidungen für die Umsetzung getroffen. Das „Festkomitee“ übernahm die Presse- und Öffentlichkeitsarbeit und lud zu einer Pressekonferenz ein, um auf das Projekt und die auf das Jahr verteilten Aktionen hinzuweisen. Es wurden Mitlieder und Nutzergruppen angesprochen, sich an den Aktionen zu beteiligen wie an der Tafel der Kulturen, der Erstellung von Skulpturen und der Erarbeitung der Ausstellung. Ideen bezüglich des Inhaltes und der Besetzung der Podiumsdiskussion wurden diskutiert und weiterentwickelt. Es wurde festgelegt, welche VertreterInnen aus Politik, Verwaltung und Öffentlichkeit zu den Jahresereignissen eingeladen wurden.

Neben den o.g. geförderten Teilprojekten führten wir eine Vollversammlung mit „Empfang nach 25 Jahren“ (am 27.2.2002) durch, beteiligten uns an einem in Köln bedeutsamen Karnevalsereignis, dem Veedelszug, unter dem Motto „25 Jahre Alte Feuerwache – Feuer und Flamme für das Viertel“ und veranstalteten mit dem Netzwerk „Kein Mensch ist illegal“ den „Tanz aus der Reih - in den Mai“. Auch die Tagung „Fit für die Zukunft – Soziokulturelle Zentren vor neuen Heraus-forderungen“ der LAG Soziokultureller Zentren NRW, die am 15, März 2002 in der Alten Feuerwache stattfand, brachte mit der Frage nach dem Konzept soziokultureller Zentren für die Zukunft unser „Jahresthema“ in die öffentliche Diskussion.

 

I. Begegnung mit Musik

Alle in der Konzertreihe aufgetretenen Ensembles konzertieren regelmäßig in der Alten Feuerwache und haben in diesem Rahmen den besonderen Anlaß - 25 Jahre Alte Feuerwache – in ihrem Abendprogramm berücksichtig; in der Form der Darbietung – Gesprächkonzert – und in den Inhalten. Dies läßt sich aus den beigefügten Programmen und Pressemitteilungen ablesen. Vielleicht sollte erwähnt werden, daß sich für das in Köln bisher weniger bekannte Ensemble „pazzaCagliaaus dem hervorragenden Konzertabend heraus eine Reihe von neuen Konzertakten und einige Konzertangebote ergeben haben.

 

II. Mahlzeiten

Die Menschen, geschaffen aus Fleisch und aus den Farben des Mais, heben eine Wiege für den Mais aus, bedecken ihn mit guter Erde und säubern ihn von schlechten Kräutern, begießen ihn und sprechen Worte der Liebe zu ihm. Und wenn der Mais gewachsen ist, zermahlen ihn die Menschen aus Mais auf dem Stein und sie erheben ihn, sie feiern ihn und sie legen ihn zur Liebe des Feuers und sie essen ihn, damit der Mais so weiter geht in den Menschen, ohne auf der Erde zu sterben. (Eduardo Galeano)

 

Die Zyklen

Tamiil Tigers und Sri Lanka Linos trafen sich bei frittierten Süssbananen aus der Elfenbeinküste, Familien aus Gambia und Bulgarien bestaunten die Kunstfertigkeit in der Herstellung palästinesischer Mahlzeiten, viele bio-deutsche BesucherInnen erfuhren nicht nur, daß es auch außer Mc-Donalds-Spezialitäten und Tiefkühlpizza weit "ausländischere" Köstlichkeiten gibt, sondern nahmen die Möglichkeit wahr, mit den "Köchen" ins Gespräch zu kommen über unterschiedliche Essensgewohnheiten und Esskulturen.

Dank der am Morgen durchgeführten Regenzeremonie blieben wir von demselben bis zum Abbau am späten Abend verschont, was nicht ganz unbedeutend war, für den Erfolg der Veranstaltung im Innenhof.

Die Nachhaltigkeit des Erfolges äußert sich in neuen Freundschaften, in einer Reihe von telefonischen Anfragen von BesucherInnen nach Kontakten zu einzelnen Beteiligten und nicht zuletzt in dem Wunsch von Beteiligten, BesucherInnen und Gruppen, die davon gehört haben, die Veranstaltung in diesem Jahr zu wiederholen. Diese Entscheidung steht noch aus, es fehlt nicht der Enthusiasmus oder die Bereitschaft, Arbeiten zu übernehmen, sondern an Geld zur Finanzierung. Ohne den Zuschuß hätten auch die scheinbar geringen Kosten im letzten Jahr für Werbung und Mobiliar nicht aufgebracht werden können.

 

III. Skulpturen

In der hauseigenen Metallwerkstatt wurden sechs Metallrohlinge in der Form des Steigeturmes (1.50 m Höhe) erstellt. Künstler und Gruppen aus der Feuerwache gestalteten diese Rohlinge nach ihren eigenen Vorstellungen. Die Kinder ließen einen ganz bunten Steigeturm mit Schwimmbad auf dem Dach entstehen. Cosima Havemann und Simon Schubert ( Atelier für Bildhauerei und Malerei in der Feuerwache) umschweißten ihren Rohling mit Draht, füllten den Innenraum mit Kohle und entfachten zur Eröffnung ein großes Feuer.

Sabine Zabel und Heino Lonnemann ( Holzwerkstatt in der Alten Feuerwache) arbeiteten mit Treibholz und einem roten Luftballon, "Listen to your heart" ist der Titel der Skulptur. Der Mädchenbereich gestaltete einen Steigeturm mit Innenleben. Durch kleine Gucklöcher konnte man sehen, was den Mädchen an ihrem Mädchentreff wichtig ist. Bernhard Saß ließ zwei Steigetürme durch Blumen und Gewächse eine neue Form annehmen. Es entstanden sechs ganz unterschiedliche Steigetürme, die an verschiedenen Plätzen im Hof platziert wurden. Am 4.10.02 wurden die Objekte der Öffentlichkeit präsentiert und fanden bei den BesucherInnen großen Anklang.

 

IV. Kulturpädagogische Präsentation

Auch die Kinder, Mädchen und Jugendlichen aus den pädagogischen Bereichen der Alten Feuerwache werden als Akteure kulturellen Handeln gesehen und unterstützt. In der Präsentation am 10.11.2002 haben sie Raum bekommen, sich mit ihren Themen und Ausducksformen öffentlich zu zeigen. Es wurden verschiedene kulturpädagogische Projekte präsentiert, die im Kinder-, Mädchen- und Jugendbereich der Alten Feuerwache im Herbst 2002 erarbeitet wurden.

 

Zirkustheater:

"Kinder der Alten Feuerwache reisen auf einem fliegenden Teppich durch ihre Welt"

 

Das Zirkus- und Theaterprojekt fand in dem Zeitraum vom 17.10 bis 10.11.2002 im Rahmen des Kindertreffs der Alten Feuerwache statt. Das Projekt ist hauptsächlich in den Herbstferien erarbeitet worden und umfasste neun Einheiten zu jeweils drei Stunden. Für die Durchführung des Projektes haben wir die TheaterpädagogInnen Regine Bree und Markus Martinovic engagiert, die schon vor zwei Jahren erfolgreich mit den Kindern des Kindertreffs gearbeitet haben.

Vor Beginn des Projektes wurde ein "Schnuppernachmittag" angeboten, bei dem die Kinder die Möglichkeit hatten, verschiedene Zirkustechniken auszuprobieren. So konnten sie herausfinden, ob sie Freude am "Zirkustheater" haben und am Projekt teilnehmen möchten. Am Probiernachmittag beteiligten sich 22 Kinder, von denen sich anschließend 19 Kinder verbindlich anmeldeten. Die Kinder waren deutscher und türkischer Herkunft, im Alter zwischen sechs und elf Jahren. 15 Kinder besuchten schon seit längerem den Kindertreff und kannten sich untereinander. Weitere Kinder, von denen wir aber nur noch vier annehmen konnten, meldeten sich aufgrund der Ankündigung im Kinderprogramm.

In den ersten Stunden standen Kennenlernspiele (Bewegungsspiele, Tanzspiele u.v.m.) so wie theaterpädagogische Übungen im Vordergrund. Da das Projekt mit einer Präsentation im großen Saal der Alten Feuerwache enden sollte, war es wichtig, die Kinder von Anfang an mit der Bühne vertraut zu machen. Die Kinder lernten das Aufgehen und Abgehen von der Bühne, das Spielen kleiner Szenen sowie das Präsentieren von Standbildern. Alle Kinder hatten großen Spaß an den theaterpädagogischen Übungen, so dass sie aus eigener Initiative selber kleineTheatersequenzen inszenierten und sich gegenseitig vorführten. Ein großer Teil probte gemeinsam und völlig selbständig das Märchen "Schneewittchen", welches auch Bestandteil der Präsentation wurde. Die Kinder wurden so in ihrem Selbstbewusstsein gestärkt und konnten sich auch in die Rolle des Publikums versetzen.

Neben den theaterpädagogischen Durchführungen war ein weiterer Schwerpunkt das Ausprobieren und Erlernen verschiedener Zirkustechniken wie Jonglage, Akrobatik, Clownerie, Scherbenlaufen und Laufen auf dem Nagelbrett sowie dem Arbeiten mit Hulla-Hupp-Reifen, Diabolos, Einrädern, einer große Laufkugel und Rolle-Brettern. Im Laufe der Zeit entwickelte sich bei den Kindern eine Vorliebe für bestimmte Requisiten und Techniken, die sie dann für die Aufführung gezielt einübten.

Die Kinder zeigten sehr unterschiedliche Stärken, so dass immer wieder darauf geachtet wurde, das einzelne Kind in seinen Interessen und Fähigkeiten zu fördern. Viele Kinder waren bei Misserfolgen sehr schnell demotiviert und mussten immer wieder unterstützt werden, es neu zu versuchen.

 

Während der Phase des Ausprobierens war den Kindern viel Freiraum für eigene Initiative und Ideen gegeben, so dass ihre Kreativität besonders gefördert wurde. Als Rahmen für die Präsentation war die Reise auf einem fliegenden Teppich vorgegeben, zu der die Kinder eine Geschichte entwickelten und kleine Szenen darstellten. Auf der Reise besuchten die Kinder verschiedene Orte ihrer Lebenswelt und stellten sie mit Zirkustechniken und theaterpädagogischen Elementen dar. Solche Orte waren z.B. der Dom, der Zoo, die Alte Feuerwache oder der Fußballplatz.

Zwei Tage vor der Aufführung fand die Generalprobe im Saal der Alten Feuerwache statt. Sie erwies sich als schwierig, da einige der Kinder sehr unruhig waren und sich nicht an vereinbarte "Theater-Regel" halten konnten. Die Präsentation des Zirkustheaters begann mit dem Auftritt eines Jungen, der dem Publikum die Rahmengeschichte des fliegenden Teppichs vorlas. Anschließend betraten die übrigen Kinder die Bühne und spielten die Reise als Szene vor. So landete der fliegende Teppich auf seinem Weg auf dem Fußballplatz, wo vier Kinder in Trikots und zu Fußballmusik eine witzige Fußballszene darstellten. Eine weitere Landung war unter vielen anderen der Kölner Zoo, in dem die Affen eine bunte Jonglage vorführten.

Die Kinder gaben nach der Durchführung des Projektes ein positives Feedback, was auch schon durch die kontinuierliche Teilnahme deutlich wurde. Keines der Kinder hat öfter als ein Mal gefehlt und alle Kinder waren bei der Präsentation am 10.11.2002 dabei. Durch die lange, regelmäßige Zusammenarbeit ist das Gruppengefühl unter den Kindern gestärkt worden.

Die Kinder waren sehr stolz auf ihre Präsentation vor einem zahlreichen Publikum, unter dem sich viele Eltern und Freunde befanden. Die Aufführung zeichnete sich besonders durch Phantasie und Lebendigkeit aus. Einige Kinder hatten erneut Schwierigkeiten, sich hinter dem Vorhang ruhig zu verhalten und den Ablauf genau zu verfolgen. Die TheaterpädagogInnen hätten im Rückblick mehr Zeit für die Erarbeitung der Präsentation gebraucht, da die Kinder nicht "nur" Zirkustechniken erlernten, sondern darüber hinaus alle Geschichten zu dem fliegende Teppich selbst entwickelten und als Theater-Sequenzen gespielt haben.

 

"Be crazy"- Mädchen zeigen ihre Welt

Im Mittelpunkt des diesjährigen LAG-Projekts standen bei den BesucherInnen des Mädchentreffs der Alten Feuerwache orientalischer Bauchtanz und eine Ton-Dia-Show mit dem Thema "11-Jahre Mädchentreff". Im Rahmen der Ausstellung "25-Jahre-Alte Feuerwache" konnte eine Foto-ausstellung zum Thema "Mode" präsentiert werden, die die Kooperation des Mädchentreffs mit der Kostümwerkstatt zeigte.

Ziel des Projekts war es, die Mädchen und jungen Frauen mit ihren Themen in den Mittelpunkt zu setzen. Sie sollten die Möglichkeit erhalten, ihre Wünsche, Gefühle, Vorstellungen und ihre Kritik mit Hilfe von künstlerischen Mitteln und Ausdrucksweisen zu erkennen, zu benennen und darzustellen.

Insgesamt haben sich ca. 27 Mädchen und junge Frauen im Alter von 12-24 Jahren unterschiedlichster kultureller Herkunft an dem Projekt beteiligt. Popmusikerinnen wie Shakira setzen ihre Musik in Videoclips mit Bauchtanzelementen in Szene. Dadurch war dieser Tanzstil bei jugendlichen Mädchen verschiedener Kulturen plötzlich sehr gefragt. Zur Zeit der Projektentwicklung absolvierte eine junge Marokkanerin ihr Praktikum im Mädchentreff. Da sie den orientalischen Bauchtanz sehr gut beherrscht, konnte sie einige Mädchen für dieses Projekt begeistern. Da die Praktikantin jedoch keine Erfahrung im Unterrichten von Gruppen hatte, wurde zur Unterstützung eine professionelle Tanzlehrerin und Choreographin engagiert, um einen Orientalischen Bauchtanzkurs anzubieten. Dieser Kurs begann im Oktober 2002 und fand jeweils Dienstags von 17.30 bis 19.00 Uhr statt. 10 Mädchen und junge Frauen im Alter von 12 bis 17 Jahren und unterschiedlicher kultureller Herkunft beteiligten sich daran. Jedoch verringerte sich diese Gruppe aufgrund von Krankheit und Verboten seitens der Eltern oder Freunde letztendlich auf 6 Teilnehmerinnen.

Der Kurs war für die Mädchen eine sehr positive Gruppenerfahrung. Sie arbeiteten konzentriert zusammen und erfuhren die Bedeutung eines jeden Gruppenmitglieds für die gesamte Gruppe. Weiterhin konnten sie die Bewegungselemente des Orientalischen Tanzes kennenlernen und üben. Sie gewannen Einblick in die Entstehung einer Tanzaufführung. Durch die knappe Zeit bis zur Aufführung war es notwendig, während der Probentermine sehr intensiv zu arbeiten, was den Mädchen außerordentlich gut gelang. Die Gruppe führte ihren Tanz nicht zu moderner Popmusik, sondern zu einer klassischen ägyptischen Musik auf.

Ebenfalls im Oktober konnten die Mädchen in Zusammenarbeit mit einer Schneiderin der Kostümwerkstatt in der Alten Feuerwache ihre eigenen Bauchtanzkostüme entwerfen und schneidern. Die Teilnehmerinnen lernten dabei alle Schritte vom Entwurf bis zur Fertigstellung eines Kleidungsstückes sowie den Umgang und die Funktionsweisen einer elektrischen Nähmaschine kennen.

Die Mädchen trafen sich jeweils Dienstags von 15.30-17.30 Uhr in Kleingruppen von jeweils drei Mädchen. Unter Anleitung der Schneiderin fertigten die Mädchen ihre eigenen Kostüme. Sobald die Mädchen fertig waren, konnte die nächste Gruppe nachrücken, so dass sechs Termine zustande kamen. Alle 6 Mädchen haben das Projekt mit hoher Motivation beendet. Jede konnte das Kostüm ihrer Wahl fertig stellen. Die Mädchen waren alle sehr zufrieden mit ihren Endprodukten und sehr stolz auf ihre eigene Leistung.

Eigentlich sollten einige alte Bilder in Form von Dias als Bühnenbild für die Tanzvorführung verwendet werden. Auf Grund des umfangreichen Foto- Materials entstand dann die Idee einen eigenständigen Beitrag in Form einer Dia-Schau zu gestalten. Es lag nahe die 11- jährige Geschichte des Mädchentreffs zum Thema zu nehmen. Sowohl aktuelle als auch ehemalige BesucherInnen wurden eingeladen, einen Textbeitrag zu gestalten, der ihre Eindrücke, Erlebnisse oder Erfahrungen im und mit dem Mädchentreff beinhalten sollte. 10 Mädchen und junge Frauen im Alter von 13 bis 24 Jahren beteiligten sich an der Gestaltung der Ton-Dia-Show. Sie überlegten sich eigenständig einen Text, den sie dann auf ein Tonband sprachen und wählten die Musik und die Bilder aus, die ihren Textbeitrag untermalen sollten. Obwohl die Ton-Dia-Show insgesamt ca. 40 Min dauerte und es auch längere Textpassagen gab, haben besonders die BesucherInnen des Treffs (auch die an der Show selber nicht beteiligt waren) sehr intensiv zugehört. Das Ergebnis hat allen Mädchen besonders gut gefallen.

Die beiden Beiträge wurden während einer gemeinsamen Veranstaltung mit dem Kinder- und Jugendbereich im großen Saal der Alten Feuerwache aufgeführt. Die Veranstaltung war ein großer Erfolg für die Mädchen und sie waren sehr stolz auf ihre Darbietungen.

Im Rahmen der Auststellung "25 Jahre Alte Feuerwache" konnte ein Modeprojekt, welches im vergangenen Jahr als LAG Projekt durchgeführt worden war, präsentiert werden. Das Projekt hatte großen Anklang bei den Mädchen und jungen Frauen gefunden, so daß die Modewerkstatt noch weiter angeboten wurde. Anstatt einer Modenschau, wie im vergangenen Jahr, sollten die Modelle in Form von Fotos präsentiert werden. Mit Unterstützung einer Fotografin entstanden 11 Bilder, die großformatig entwickelt und anschließend in der Ausstellungshalle gezeigt wurden. Die Ausstellung verdeutlicht auch die gute Zusammenarbeit des Mädchentreffs mit der Kostümwerkstatt der Alten Feuerwache.

 

Videofilm:

„40 Jahre Migration – 25 Jahre BAF“

Aufgabenstellung

Unter Anleitung des Journalisten und Filmemachers Martin Schorn produzieren jugendliche Besucher des offenen Jugendbereichs der Alten Feuerwache im Rahmen des LAG-Projekts „40 Jahre Migration – 25 Jahre BAF“ ein Video mit Interviews von drei ehemaligen Besuchern der „Teestube“ in den 80er Jahren. Außerdem stellen sie eine Auswahl von Bild- und Textdokumenten von ehemaligen und heutigen Besuchern des offenen Jugendbereichs des BAF zusammen. Das Video und die Dokumente wurden am 10.11.02 in der Alten Feuerwache öffentlich präsentiert.

 

Dokumentation des Verlaufs

Vorbereitung:

Die Projektplanung begann bereits im Frühjahr 2002, aber die Finanzierungszusage und der Vertragsabschluss erfolgten im Juli letzten Jahres. Mit der Umsetzung konnte deshalb erst nach den Sommerferien begonnen werden.

Organisation:

Ein Mitarbeiter des offenen Jugendbereichs übernahm die sozialpädagogische Betreuung, der Projektleiter die Anleitung der Jugendlichen beim Umgang mit der Technik, Gestaltung der Dreharbeiten und Interviews.

 

Ablauf:

Nach der langen Sommerpause mussten die Jugendlichen von neuem an die Filmarbeit herangeführt und für die Mitarbeit an dem Projekt motiviert werden. An vier Terminen, an denen erfahrungsgemäß die meisten jugendlichen Besucher im offenen Jugendbereich erscheinen, stellten der pädagogische Mitarbeiter und der Projektleiter das Projekt den Jugendlichen vor. Nach und nach wurden gezielt einzelne interessierte Jugendliche angesprochen, für die konkrete Mitarbeit gewonnen und mit der Videokamera und Aufnahmetechnik vertraut gemacht.

Im gleichen Zeitraum wurde der Kontakt zu den ehemaligen Teestubenbesuchern auf. Die ersten Dreh-Termine wurden vereinbart und mit den Jugendlichen, die die Interviews führen sollten, abgesprochen. Doch dann ergab sich ein unerwartetes Hindernis. Bei einem Vorberei­tungsgespräch kurz vor dem ersten Dreh-Termin stellte sich heraus, dass keiner der Jugendlichen bereit war, vor der Kamera das Gespräch mit dem ehemaligen Teestubenbesucher zu führen. Die beteiligten Jugendli­chen, alle Kinder von türkischen Migranten, waren überwiegend zu sehr darin gehemmt, ältere Landsleute, die ihre Väter hätten sein können, die zum Teil mit starkem Akzent oder nur gebrochen Deutsch sprachen, zu interviewen.

Um die Situation für alle Beteiligten zu erleichtern, wurden für Ende September die heutigen und die ehemaligen Besucher des offenen Jugendbereichs zu einem gemeinsamen Abend / einer ersten Begegnung bei Tee, Snacks etc. eingeladen. Der Mitarbeiter des Jugendbereichs hatte inzwischen von den Ehemaligen zahlreiche Fotos eingesammelt und Vergrößerungen davon im offenen Jugendbereich ausgehängt. Die meisten dieser Fotos waren Anfang der achtziger Jahre in der Teestube (dem damaligen offenen Jugendbereich) oder im Hofbereich der Alten Feuerwache aufgenommen worden und zeigten Gruppenszenen mit den damaligen jugendlichen Besuchern, also den „Ehemaligen“ von heute.

Diese Fotoausstellung im offenen Jugendbereich wurde zum entscheidenden Verbindungsglied zwischen den beiden Generationen. Die heutigen Jugendlichen sahen sich die Bilder an diesem ersten Abend und in den folgenden Wochen immer wieder mit großem Interesse an. Und die Ehemaligen, die in den folgenden Wochen noch mehrmals zu Besuch kamen, waren gerührt und begeistert. Nach einer anfänglichen Befangenheit kam es beim Betrachten der Bilder zu ersten Späßen und Gesprächen. Ohnehin kannten sich fast alle zumindest oberflächlich, die meisten leben hier im Viertel rund um die Feuerwache.

Diese insgesamt drei gemeinsamen Abende, die Gespräche und Fotos, aber auch das Wohnumfeld rings um die Feuerwache und das Gelände der Feuerwache selbst wurden filmisch dokumentiert. Die Kamera wurde wechselweise von einzelnen Jugendlichen, Ehemaligen und dem Projektleiter geführt. Bei den Dreharbeiten in und rund um die Feuerwache kam es zu zahlreichen unerwarteten Begegnungen mit Ehemaligen und spontanen Erweiterungen in der Dokumentation.

Ergänzend mussten noch thematisch stärker ausgearbeitete Einzel-Interviews mit drei der Ehemaligen durchgeführt werden. Doch trotz der inzwischen erzeugten größeren Vertrautheit miteinander blieb es dabei, dass die Jugendlichen sich weigerten, die Ehemaligen direkt zu befragen. Deshalb führten die Mitarbeiter des offenen Jugendbereichs und der Projektleiter die geplanten Einzel-Interviews durch.

 

Abschluss:

Die Fotoausstellung und der Film wurden am 10. November auf dem LAG-Fest öffentlich vorgeführt und im Anschluss daran mit den Jugendlichen, den Ehemaligen, dem Projektleiter und den Mitarbeitern des offenen Jugendbereichs im Jugendcafé diskutiert.

 

Bewertung:

Das Projekt hat bei den jetzigen Jugendlichen im offenen Jugendbereich der Alten Feuerwache, die fast alle einen Migrationshintergrund haben, das Bewusstsein für ihre Herkunft und den geschichtlichen und kulturellen Hintergrund ihrer Identität und sozialen Situation geschärft. Bei den „Ehemaligen“ hat es sowohl den Blick für die Väter-Generation als auch für die eigene und die nächste Generation geweitet und zu mehr Verständnis geführt. Die intensiven persönlichen Momente im Produktionsprozess des Films lösten bei allen Beteiligten eine Art Bilanzierung des eigenen Lebens aus, die – manchmal mit Wehmut und Verlusten – insgesamt positiv ausfiel, einige mit Stolz erfüllten, und alle von einem tieferen Wissen ihrer besonderen Identität erfüllte.

 

Ausblick:

Die sehr authentische und offene Beschreibung der Situation, in der sich die 1. Generation der aus der Türkei nachziehenden Jugendlichen befand und jetzt befindet, dient weiterhin zum Gesprächsanlass: So wird der Film in Kooperation mit anderen Einrichtungen einer Gruppe sogenannter „Heiratsmigrantinnen“ gezeigt – Frauen also, die ohne Deutschkenntnisse aus der Türkei aktuell nach Deutschland geholt wurden. Oftmals werden sie ebenfalls aus ihren Zusammenhägnen herausgerissen und kommen in eine fremde Welt – genau wie vor etwa 25 Jahren

die damaligen Jugendlichen.

 

V. Ausstellung

„Feuer und Flamme – 25 Jahre Alte Feuerwache e.V.“

Das 25jährige Bestehen des Vereins „Bürgerzentrum Alte Feuerwache“ nahmen wir zum Anlass, Material aus der Entstehungsgeschichte des Vereins und des soziokulturellen Zentrums zusammenzutragen, zu sichten und für eine Ausstellung zu ordnen und zu präparieren.

Eine StudentInnengruppe der Fachhochschule Köln – Sozialpädagogik – beteiligte sich im Rahmen eines Projektstudiums im Bereich Erwachsenenbildung an der Erarbeitung und Durchführung der Ausstellung.

 

Vorgehensweise/Konzept

Materialien aus Kellern in der Alten Feuerwache, dem Köln-Archiv, Beständen der Arbeiterfotografie und aus privaten Sammlungen von (früheren) Vereinsmitgliedern wurden zusammengetragen, gesichtet und chronologisch geordnet. Dazu mussten Anschriften von ehemals aktiven Vereinsmitgliedern recherchiert werden; soweit möglich wurden alle „alten“ ebenso wie die aktuellen Mitglieder angeschrieben, um Materialien und Unterstützung, z. B. bei der Ausstellungsaufsicht, gebeten.

Mit einigen (Gründungs-)Mitgliedern wurden Interviews geführt; ein Interview wurde gefilmt und später in der Ausstellung gezeigt. Aus verschiedenen Ausstellungskonzepten kristallisierte sich dann die Ausstellung in Form von Dokumenten vorwiegend auf Wandtafeln als realisierbar heraus: Große Packpapier-Charts wurden mit Fotokopien von Fotos, Zeitungsartikeln, Briefen, Notizen, Zeichnungen etc. gestaltet. Texte beleuchteten Hintergründe und stellten Zusammenhänge her. Zusätzlich zu den Wandtafeln gab es weitere Exponate (s.S. 2), auf Tischen ausgelegte Dokumente, Videofilme.

 

Die Ausstellung

Ziel der Ausstellung war es, die Geschichte der Alten Feuerwache, insbesondere in der Zeit zwischen 1974 und 1986 zu dokumentieren. Der Schwerpunkt bezog sich auf die Auseinandersetzungen zwischen der Initiative für ein soziokulturelles Zentrum und dem Rat bzw. der Stadtverwaltung Köln bis zu dem Ratsbeschluss, der die Einrichtung eines Bürgerzentrums in freier Trägerschaft durch den Verein „Bürgerzentrum Alte Feuerwache“ beinhaltet. Mit einzelnen aktuellen Exponaten sollte auf die Entwicklung in jüngerer Zeit hingewiesen werden.

 

Ergänzt wurden die Wandtafeln durch Stellwände aus den 70er Jahren, mit denen gegen den Abrissbeschluss der Stadt protestiert und die Öffentlichkeit hinsichtlich der Pläne für ein soziokulturelles Zentrum informiert wurde. Ein großer Haufen Briefumschläge war Sinnbild für den umfangreichen Schriftverkehr mit der Stadtverwaltung: jede Raumnutzung musste von der Stadt genehmigt werden; oft gingen mehrmals täglich Briefe zwischen der Feuerwache und der Stadt hin und her. Ein Teil der Briefe wurde gebunden zur Einsicht ausgestellt. Alte Programmhefte und Konzepte lagen ebenfalls zur Ansicht aus. Ein Interview mit Konnie Müller, dem Initiator für ein soziokulturelles Zentrum, wurde als Videoaufzeichnung gezeigt.

Die Feuerwehr baute anlässlich ihres Auszuges aus ihrem alten Domizil die Feuerwache in ihrem Vorkriegszustand als Modell nach. Dieses Modell stellte sie uns für die Ausstellung zur Verfügung.

Die jüngere Zeit wurde neben den Wandtafeln 11 und 12 durch eine Skulptur aus der Steinwerkstatt, Fotos aus dem Mädchenbereich (Projekt "Eine Modewerkstatt"), Veranstaltungsankündigungen, ein „Netzwerk“, das die vielfältige Nutzung der Alten Feuerwache durch Gruppen darstellt, dokumentiert. Video-Clips der pädagogischen Bereiche ergänzten den aktuellen Teil.

Neben Plakaten im Viertel und im Hof der Alten Feuerwache machte eine selbstgebaute beleuchtete Litfasssäule mit alten und neuen Plakaten auf die Ausstellung aufmerksam.

 

BesucherInnen

 

Anlässlich der Ausstellung wurde zu einem „feurigen Empfang“, mit Sambuca und einem wilden Feuerwerk eingeladen: aktuelle und ehemalige Vereinsmitglieder, Rats- und BezirkspolitikerInnen, Oberbürgermeister, VertreterInnen der städtischen Verwaltung, KooperationspartnerInnen sowie der Alten Feuerwache besonders verbundene Persönlichkeiten in Köln.

Die Ausstellung dauerte 3 Wochen. In dieser Zeit kamen sowohl frühere und heutige Mitglieder des Vereins als auch andere erwachsene und jugendliche BesucherInnen des Zentrums. Kinder interessierten sich besonders für das Feuerwachen-Modell.

 

Ergebnis

Durch die Ausstellung wurde deutlich, in welchem Maße die Bürgerinitiative BINA und in diesem Zusammenhang der frühe Verein „Bürgerzentrum Alte Feuerwache“ prägend für die Struktur und das Bild des Stadtteils waren. War das Stadtviertel in den 70er Jahren fast ohne jegliche soziale und kulturelle Infrastruktur, zogen Familien weg, gab es statt Platz zum Verweilen ein hohes Verkehrsaufkommen, so präsentiert sich heute das Agnes-viertel und seine Umgebung als bevorzugtes Wohnviertel in Köln mit guter sozialer und kultureller Infrastruktur, Spielstraßen und Verkehrsberuhigung.

Mit der Ausstellung konnte auch auf die Bedeutung der Alten Feuerwache heute – weit über den Stadtteil hinaus – hingewiesen werden. In Anbetracht der sich weiter verschärfenden Finanzsituation der Stadt, die auch Auswirkungen auf die Alte Feuerwache hat, ist dies besonders wichtig.

 

VI. Podiumsdiskussion

Als Abschluss des Festjahres "25 Jahre Verein Alte Feuerwache" wurde eine Podiumsdiskussion geplant, in der die Feuerwache in den Kontext der Stadtentwicklung gestellt werden sollte. Das Thema für den Abend sollte zentrale Fragen zum Zentrum, zur Stadtentwicklung und zu kommunaler Politik behandeln.

Die PodiumsteilnehmerInnen sollten unterschiedlichen Fachgebieten angehören, um einen breiten Zugang zum Thema aus verschieden Perspektiven zu erreichen: aus Kunst, Kultur, Politik, Verwaltung und Wissenschaft.

 

Am 29.11.02 fand die Podiumsdiskussion im Saal der Alten Feuerwache statt. Es fanden sich ca. 80 Besucher ein. Für das Podium gewonnen werden konnten:

Irene Franken (Historikerin, Begründerin des Kölner Frauengeschichtsvereins)

Karl Jürgen Klipper (MdR, Vorsitzender des Stadtentwicklungsausschusses)

Prof. Dr. Carl Fingerhuth (Architekt, ehem. Stadtbaumeister in Basel, Stadtplaner und Mitglied des Gestaltungsbeirates Köln)

Reinhold Knopp (Stadtsoziologe)

Moderation: Rolf Bringmann (WDR)

 

Gregor Leschig (Vorstandssprecher der Alten Feuerwache) eröffnete die Diskussion mit einem Impulsreferat. Es entwickelte sich eine angeregte Diskussion um die Fragen: Was macht städtische Zentren aus? Wie und wo entstehen Zentren, was charakterisiert sie? Wie werden Orte zu Zentren? Ist die Produktion von Zentren zentrales Anliegen von PolitikerInnen, PlanerInnen oder BewohnerInnen? Was sind zentrale Fragen der Stadtentwicklung und wie werden diese "zentral"?

Karl Jürgen Klipper, Vorsitzender des Stadtentwicklungsausschusses, erläuterte: " ... oberstes Ziel sei es, dass Menschen sich in der Stadt wohlfühlen und entwickeln können." Professor Carl Fingerhut vom Gestaltungsbeirat der Stadt Köln bemängelte, beim Städtebau in Köln sei die "Dominanz des Wirtschaftlichen" zu groß.

Auch der Soziologe Reinhold Knopp sprach die "Kommerzialisierung" der Stadt an und wünschte sich mehr Zentren, "die wirklich von den Bürgern getragen werden".

Irene Franken vom Frauengeschichtsverein vertrat die These, dass Zentren wie die Alte Feuerwache sich "da bilden, wo Utopien sind". Schließlich entsprach die Beteiligung und die lebhafte Diskussion zum Thema den eingangs erwähnten Planungen in vollem Umfang.

 

Ausblick

Das Jahresprojekt "SOZIOKULTUR A LIVE!" wird über die verschiedenen stattgefundenen Aktivitäten hinaus auch in die Zukunft wirken. Das Projekt „Mahlzeiten“ soll im Jahr 2004 mit einem weiterentwickelten Konzept wiederholt werden.

Die kulturpädagogische Präsentation wird jedes Jahr mehr zu einem festen Element des Feuerwachenjahres. Kinder, Mädchen und Jugendliche erwarten neue kreative Herausforderungen, und BesucherInnen und NutzerInnen warten auf die wiederkehrenden und doch immer neuen künstlerischen Darstellungen aus der Lebenswelt der heranwachsenden Feuerwachen-BesucherInnen.

Es wurde eine Dokumentation des gesamten Projektjahres erarbeitet, die demnächst vorliegen soll. Der Schwerpunkt der Dokumentation ist die Ausstellung zur Entstehung und Entwicklung der Alten Feuerwache, d.h. es werden die einzelnen Exponate (Texte/Fotos) der Ausstellung abgebildet. Die Dokumentation soll an interessierte Personen des Zentrums und des öffentlichen Lebens weiter gegeben werden.

Die zusammengetragenen und dadurch teilweise vor der Verrottung bewahrten Dokumente werden dem Köln-Archiv zur Aufbereitung und Aufbewahrung zur Verfügung gestellt und damit einer breiten Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Das Köln-Archiv sammelt Materialien aus den sozialen Bewegungen seit den 70er Jahren unter dem Titel „Protest in Köln“.

Die Wandtafeln der Ausstellung einschließlich des Netzwerkes hängen nun in den verschiedenen Gruppenräumen und im Info-Büro der Alten Feuerwache weiterhin aus. Ein Künstler, der Gründungsmitglied des Vereins war, fühlte sich durch die Ausstellung dazu angeregt, ein Projekt zum Thema „Soziale Skulptur“, angelehnt an Joseph Beuys, im Zusammenhang mit der Alten Feuerwache zu entwickelt. Derzeit arbeitet er an einem Konzept, das im Laufe des Jahres 2003 in der Vollversammlung vorgestellt wird und das wir dann gemeinsam umsetzten wollen.

Auch das Thema der Podiumsdiskussion, die Verortung des Zentrums Alte Feuerwache in der Stadt und im politischen Raum, wird weiterverfolgt. Die Aktualität des Themas bleibt unter den Bedingungen eines sehr knappen kommunalen Haushaltes weiterhin erhalten. In diesem Zusammenhang bleibt ebenfalls der Kontakt zu dem Stadtplaner Professor Fingerhut bestehen.

 

 

Antrag-Nr. 37

Bürgerzentrum Engelshof e.V., Köln – Kulturzapping/Jugendkulturtag

 

Vom 21.05. bis 26.10 2002 fanden im Rahmen des „Kulturzapping„, Jugendkultur im Bürgerzentrum Engelshof e.V. sechs verschiedene Workshops statt. Hip Hop, DJ Kurs, Mixen am PC, Graffiti / Wandgemälde Workshop, Kunstworkshop im Freien, Computeranimation / Musik visuell

 

Die Ergebnisse wurden der Öffentlichkeit am 02.11.2002 im Rahmen eines offenen Jugendkulturtages vorgestellt.

 

Teilnehmer

Je nach Charakter und Inhalten der Kurse variierte die Teilnehmerzahl zwischen drei und zwölf Personen. Alle Teilnehmer waren Besucher des Jugendbereiches. Die Ideen und die Initiativen hatten hier ihren Ursprung. Ohne eine Förderung durch das Land / die LAG wäre dieses Projekt sowohl finanziell als auch personell nicht durchführbar gewesen. Die Motivationen der einzelnen Teilnehmer entwickelten sich während der Kurse sehr different. Waren einige sehr engagiert und dauerhaft anwesend, so gab es bei anderen manchmal die Schwierigkeit sie über den kompletten Verlauf des Kurses zu motivieren. Das lag mit Sicherheit daran, dass für die Kurse keine Gebühr zu entrichten war. Bei zukünftigen Projekten sollte besser eine Gebühr, wenn auch gering erhoben werden.

 

Koordination

Auch die Koordination der einzelnen Kurse erwies sich als sehr anstrengend. Einmal brach die komplette Computeranlage zusammen, so dass einzelne Kurse zeitweise unterbrochen werden mussten. Dann kam die komplette Vorbereitung der Stadtranderholung, die Durchführung und die Abrechnung dazwischen. Die angekündigte Dokumentation via Internet scheiterte, weil wir eine neue Telekommunikationsanlage bekommen sollten, aufgrund der städtischen Haushaltslage und der damit verbundenen Sperre bis heute jedoch nicht erhalten haben. Abschließend zu diesem Punkt erwägt der Verein bzw. der Verantwortliche für dieses Projekt in Zukunft kleinere Projekte zu planen. Oftmals wurden hier die Grenzen erreicht.

 

Verlauf und Ergebnisse

Mit den Ergebnissen können wir sehr zufrieden sein. Der Graffitikurs diente auch dazu, den Jugendraum zu verschönern; jetzt schmückt ein schönes großes Bild die Wand.( Bilder liegen bei.) Der Musikcomputerkurs hat die Teilnehmer und auch andere Besucher motiviert kreativ zu sein und selber Musik am PC zu machen. (Promo Cd liegt bei).das Angebot wird im Jugendbereich fortgeführt. Aus dem DJ Kurs gingen zwei sehr gute DJs hervor, die mittlerweile in der Teenydisco des Hauses auflegen. Insgesamt hatte das Projekt zur Folge, dass die Teilnehmer als Gruppe enger zusammen gewachsen sind, eine größere Identifikation mit dem Hause statt gefunden hat und schließlich jeder einzelne für sich einen Erfolg verbuchen konnte.

Wie angekündigt wurden die Ergebnisse an einem Offenen Jugendkulturtag der Öffentlichkeit vorgestellt. Zwar nicht am 14.09.2002 wie ursprünglich geplant, sondern erst am 02.11.2002. So gab es an diesem Abend ein Hip Hop Konzert, teils mit Profis und den Teilnehmern. Danach ging es in den Keller zum Abtanzen mit heißen, selbst gemixten Sounds und Beats. Oben im Jugendcafe konnte die Kunst betrachtet werden. Insgesamt waren circa 80 Jugendliche und 10 bis 15 erwachsene Besucher anwesend. Es war eine schöne Atmosphäre.

 

Presse und Öffentlichkeit

Von Seiten der Presse gab es keine Unterstützung. Die Pressetexte und die Ankündigungen des Jugendkulturtages wurden einfach ignoriert bzw. nicht in der Presse veröffentlicht. Auch die persönliche Einladung, einen Mitarbeiter vorbei zu schicken wurde nicht angenommen. Eine Haltung der Presse, die uns leider auch in der übrigen Arbeit behindert. Deshalb als Nachweis bzw. Dokumentation nur die beigefügten Beispiele.

 

 

Antrag-Nr. 118

Kulturbunker Mülheim e.V., Köln - "Bunkerbeschallung – Bunkerkultur"

 

Im Jahre 2002 fand im Kulturbunker Mülheim, durchgeführt vom Kulturbunker Mülheim e.V. eine Veranstaltungsreihe mit dem Titel "Bunkerbeschallung – Bunkerkultur" statt. Diese Reihe wurde mit Mitteln der LAG gefördert. Ziel der Veranstaltungsreihe war es, das historisch determinierte Baudenkmal Bunker zu beleben und anhand von künstlerischen Impulsen in einen neuen Kontext zu überführen. Der Bunker soll zu einem Ort der Kultur und der Begegnung werden.

 

Die Veranstaltungsreihe gliederte sich in zwei Schwerpunkte.

 

Im Bereich "Bunkerbeschallung" wurde ein Konzertprogramm organisiert, welches Künstlern aus dem Bereich der experimentellen elektronischen Musik Möglichkeiten der Entfaltung gab. Angestrebt war auch ein thematisches Aufgreifen der Architektur und Funktion des Gebäudes durch die Künstler. Hier ist besonders die Performance von Asmus Tietchens zu erwähnen, der einen Livesoundtrack zu einer Filmvorführung der Bunkerdokumentation "Dienststelle Marienthal" von Andreas Magdanz aufführte. Weitere spannende Darbietungen gab es vom kalifornischen Künstler John Wiese und John Sharp, die mit Kontaktmikrofoninstallationen direkt das Gebäude bespielten. Der zweite Bereich der Veranstaltungen - "Bunkerkultur" widmete sich den Bereichen der Bildenden Kunst und der Literatur. Mit zusätzlicher Unterstützung des Kultursekretariats NRW konnte eine Jugendlesereihe organisiert werden, die im Bunker Themen wie Krieg, Ausgrenzung, Flucht, Entwurzelung und politische Verfolgung bearbeiteten. Außerdem konnte mit der Ausstellung von Christian Schwarzwald und Lee Taylor ein echtes Highlight im Rahmen der Museumsnacht Köln präsentiert werden. Beide Künstler setzten sich dezidiert mit der Beschaffenheit der Bunkerräume auseinander und installierten ihre Bilder so, dass bestimmte Merkmale der Architektur besonders betont wurden.

 

Insgesamt ist festzuhalten, dass die Veranstaltungsreihe "Bunkerbeschallung – Bunkerkultur" das oben definierte Ziel erreicht hat. Die Veranstaltungen wurden größtenteils mit starkem Interesse aufgenommen und auch die Presse berichtete häufig. Ein erster Grundstein zur Öffnung des Bunkers für die Bürgerinnen und Bürger konnte Dank der Unterstützung der LAG gelegt werden.

 

 

Antrag-Nr. 38 a

AK Kulturarbeit der Mütze., Köln-Mülheim - CASAnova

 

Mit der ,,Graffitirevolution“ am 1. Mai lud Casanova nach Braunsfeld an eine alte Wall of fame ein. Ca. 50 Maler kamen, und auch die SEK Farbe hatte einen schönen ersten Mai. Man zeigte Präsenz und versuchte Minderjährigen mit Ausweiskontrolle zu imponieren, dies jedoch ziemlich grundlos da es ja keinen Kläger gab.

 

In diesem Frühjahr nahmen dann auch vermehrt Maler, die in Bedrängnis gekommen waren, Kontakt mit uns auf. Schnelle Vermittlung juristischer Hilfe und ein sehr gutes Treffen mit Eltern waren angesagt. Seither diskutiert die Gruppe die Herstellung und Verteilung von lnfoflyern, die sich speziell mit dem „Erwischtwerden!“ beschäftigen. Ein erstes Treffen mit dem Kölner Jugendring konnte den Eindruck der vollkommenen Ausgrenzung der Kölner Jugendpädagogik aus der Konfliktbewältigung nur bestätigen. Von allen Seiten kamen Ermutigung und Unterstützungsangebote. Wir sind nicht ALLEIN.

Das SOMA Festival vom 9. bis 11.8.02 wurde durch einen Workshop bereichert. Hier gelang es auch eine witzige Form ,,legalen“ Graffitis zu etablieren. Die Hinweisschilder zum Workshop wurden auf tapezierte Brückenpfeiler der Zoobrücke gesprüht. Der Tip kam von städtischen Beamten.

 

Unser großes ,,Legale Wand Projekt“ an der MüTZe wurde während des gesamten Sommers vorbereitet. 10 Anwohner gaben die Genehmigung zur farblichen Gestaltung der tristen Grundstücksmauern zum MüTZe Park. 10 Tage lang wurde gemalt um die neue Wall of fame zur Eröffnung des Parks zu gestalten. Das Malen am hellen Tag brachte für viele Anwohner ein entspanntes, durchweg. positives Graffitierlebnis. Einzelne Maler ziehen bereits nach und arbeiten im Schutz der Legalität weiter.

Auch die Öffentlichkeit konnte mit 2 großen Artikeln sowohl im Kulturmagazin Kölner Illustrierte (4102) und in der Szenezeitschrift ,,Backspin,, Oktober 02 an der Entwicklung teilhaben Einige Malerlnnen bereiteten eine Ausstellung auf dem neuen Bauwagenplatzgelände vor. Sie wurde am 11.9.02 mit verschiedenen Performances, und unerwarteten Besuchermengen eröffnet. Die Aktion fand ihren Abschluss am 21.9. mit einer ,,Beatz against Fascism“ Veranstaltung der Antifa Köln, und einer Veranstaltung zum Thema ,,Jetzt wird‘s zu bunt hier!- Graffiti-Kontrolle in Köln und anderswo“

 

Die Reihe Graffitolog lief mit dem Filmabend am 16.11 erst mal recht schlapp an. Die beiden weiteren Veranstaltungen ( Diskussion und Party) übertrafen jedoch die Erwartungen bei weitem und sollen sporadisch weitergeführt werden.

 

Kooperationsanfragen aus Schulen, Privathaushalten, Uni Köln, öffentliche Stellen etc geben für die Zukunft das Thema der Professionalisierung vor. Es wird eine spannende Entwicklung.

 

 

Antrag-Nr. 142 b

AK Kulturarbeit der Mütze., Köln-Mülheim – ,,Mülheimer Portraits“

 

In einem Stadtteil, in dem ein besonders hohes Maß an Toleranz und lntegrationsbereitschaft gelebt werden muss, ist es uns ein besonderes Anliegen immer wieder ein Forum des Zuhörens und Verstehens zu schaffen. Im Verlauf des Projektes ist es gelungen viele Menschen zu erreichen, in einem gemeinsamen Zusammenhang darzustellen, und doch wieder aus dem Kontext als Jemand ,,Besonderes“ hervorzuheben.

 

Wir forderten die Bewohner über Flyer, Presse und Plakate dazu auf, eigene Texte zu verfassen und ftir eine gemeinsame Ausstellung zur Verfügung zu stellen. Wir besuchten die umliegenden Alten- und Behindertenheime und baten die dort zuständigen Mitarbeiter, auf das Projekt aufmerksam zu machen. Dem Hause SBK Mülheim boten wir die Veranstaltung eines Schreibworkshop an. Das Angebot wurde dankend angenommen. Das ABS Mühlheim erlaubte uns einen Tag lang mit Hilfe von Kamera, Flyer sowie direkter Ansprache, mit den Bewohnern der Einrichtung Kontakt aufzunehmen.

Um mit jugendlichen Bewohnern des Stadtteils in Kontakt zu kommen, nutzten wir die Hip-Hop Veranstaltung ,,CologneUnited‘ des Theaterpädagogischen Zentrums Köln am 24.11 .02.in der benachbarten Jugendeinrichtung Don-Bosco Club. Mit Hilfe eines Flipchart stellten wir uns auf das Bedürfnis, spontan zu .,texten“ ein und sammelten auf diese Weise interessante Statements.

 

Am Tag der Ausstellungseröffnung konnte, dank der offenen Bereitschaft der Schreiber, eine Lesung mit wertvollen Beiträgen gefüllt werden. Texte über das ,,Alte“ sowie das ,,Neue“ Mühlheim, über die Befürchtungen und Hoffnungen von Einzelnen und sehr intime Seelenzusammenhänge sind vorgelesen und gehört worden. In Anbetracht der Tatsache dass einige Autoren schon ein sehr hohes Alter erreicht haben, wurden die Texte von zwei Schauspielern gelesen, wobei jedoch die Möglichkeit bestand, die eigenen Beiträge selbst vorzustellen. Parallel zur Lesung konnten zahlreiche Portraits betrachtet werden, die das Ergebnis einer dreimonatigen Motivsuche im Stadtteil waren. Die s/w Photos entstanden größten Teils spontan, ohne Vorbereitung oder Terminabsprache auf den Straßen sowie dem Marktplatz. Oft wurde die spontane Gelegenheit der Kontaktaufnahme dazu genutzt, sich über den Sinn des Projekts sowie Stadteilgeschehen auszutauschen.

Einige der Portraits entstanden während der Veranstaltung des TPZ und im Hause ASB. Insgesamt wurden es 145 Aufnahmen, die durch die Art der Präsentation( ein lückenloses Band in der Ausstellungshalle von Din A4 Portraitabzügen in Augenhöhe) dem Betrachter die Möglichkeit geben nachzuvollziehen, wie sehr sich N4enschen voneinander unterscheiden und doch gemeinsam eine Einheit sind.

 

Die schriftlichen Beiträge wurden zu einer Broschüre zusammengefasst und konnten zur Ausstellungseröffnung von den Besuchern kostenlos mitgenommen werden. Auf Grund der großen Nachfrage sind zurzeit 300 weitere Exemplare in Druck, die zum Selbstkostenpreis erworben werden können.

In der zweiten Auflage befindet sich ein Vermerk darüber, dass weitere Texte eingereicht werden können um einen weiteren Band entstehen zu lassen. In der ldee eines zweiten Bandes liegt auch der Wunsch, die im Haus, durch das Projekt entstandene Schreibwerkstatt, zu motivieren. Außerdem planen wir derzeit mit Mitarbeitern des ASB, die Ausstellung in Verbindung mit Lesung der Texte, anlässlich der Einweihung eines ,,Galerie­Caffee“ in deren Haus, zu präsentieren.

Wir sind bemüht in diesem Rahmen die Autoren zu ermuntern ihre Beiträge selbst zu lesen. Wir wollen die begonnen Dynamik aufgreifen und das Thema einer ,,Portraitierung“ unseres Stadtteils mit den Besonderheiten seiner Bewohner, auch in die weitere Projektarbeit der MüTZe- AK Kultur einfließen lassen.

 

 

Antrag-Nr. 77

Schmiede in Marl, Marl - Schmiede total -Sommerfestival 2002

 

FR 23.08.02

Kurzfristig ist auf dem Gelände der Alten Schmiede ein Benefizflohmarkt zugunsten der Flutopfer in unserer Partnerstadt Bitterfeld organisiert worden. Dadurch sind wir im vorgesehenen Zeitplan mit den Aufbauarbeiten für das Sommerfestival 2002 sehr zurückgeworfen worden, da wir bis 17:30 Uhr weder den Innenhof bestuhlen konnten und auch alle Sachen einzeln von der Straße auf das Gelände tragen mussten, das auch die Zufahrt mit Flohmarktständen zugebaut war. Mit vereinten Kräften ließ sich der Rückschlag aber aufholen. Bei schönem Wetter kamen dann auch, wie erwartet, viele Gäste (140), um die Marler Musiker der „Sofa Blues Band“ und „Barbara Ruscher“ zu erleben. Während die „Sofa Blues Band“ in Marl hinreichend bekannt ist, sagte der Name der Kabarettistin vielen Besuchern nichts. Dafür wurde Ihr Programm aber um so begeisterter angenommen. Barbara zog mit Witz und Charme die Besucher schnell in Ihren Bann und etliche Gäste haben hinterher, auch noch in den folgenden Wochen, gefragt, wann und wo man sie denn wiedersehen könnte.

 

SA 24.08.02

In einem Vorort von Marl, war eine Zeltparty der „Landjugend“ (Schützenfestzelt für 600 Gäste mit Live-Band) organisiert. Da diese Partys aber eher auf das jüngere Publikum (bis Ende 30) abzielt, haben wir bewusst unser Programm auf eine andere Zielgruppe ausgerichtet und haben den Abend als „Jazzabend“ geplant. Leider haben sinnflutartige Regengüsse am Nachmittag und im Verlauf des Abends viele Keller in Marl voll laufen lassen. Die Veranstaltung musste ins Café Schmiede gelegt werden, da auch eine als Regenschutz gedachte Plane dem Sturm nicht standhielt. Aber aufgrund des schlechten Wetters hatten wir auch nur 48 Eintritte.

 

FR 30.08.02

Super-Sonnenschein, 30 °C und eine ausgewogene Mischung aus Musik (Bluebyrds) und Kabarett (Hennes Bender) ließen 263 Gäste auf das Geländer der Alten Schmiede strömen. Ein Abend so wie man ihn sich immer wünscht. Es gab keine Pannen, keine Probleme und die Künstler mussten eine Zugabe nach der Nächsten geben. Unerwartet, aber auch begeistert angenommen, wurde die Feuershow eines befreundeten Feuerspuckers, der sich spontan eine unsere Gartenfackel nahm und den Gästen zeigte, was er damit so alles machen kann.

 

SA 31.08.02

Auch heute hatte der Wettergott kein Mitleid mit uns. Um 16:00 Uhr zogen die ersten dunklen Wolken auf, so dass wir beschlossen uns den Wetterprognosen zu beugen und die Veranstal­tung in das Café zu verlegen. Obwohl der am Abend einsetzende Regen unser „Fahrad­publikum“ nicht ganz so zahlreich kommen ließ, hatten die Soul-Band „Public-Address“ und „Moses W.“ ihren Auftritt in einem, mit ca. 85 Gästen, fast ausverkauften Café.

 

FR 06.09.02

Der heutige Abend war als Marler Newcomer-Abend geplant und speziell für unsere jüngeren Gäste konzipiert. Da die Band erwartungsgemäß laut sein würden, haben wir die Veran­stal­tung, mit Rücksicht auf die Nachbarn (Krankenhaus) von Anfang an im Café geplant. Im Vorfeld hatten wir mit den jungen Bands einige Probleme, da die Bands immer wieder absagten. Zuletzt haben noch am Sonntag, 01.09.02 zwei Marler Bands abgesagt, so dass die auftretenden Bands letztendlich aus z.T. auf Gelsenkirchen und Gladbeck kamen. Die entsprechend schlechte Vorbereitung, da wir am Montag vorher die beteiligten Bands des Festivals bekannt geben konnten, brachten uns dann auch nur 50 Eintritte.

 

SA 07.09.02

Dieser Abend war geplant, dem ortansässigen Kultur- und Kommunikationsverein „Der Bunker e.V.“ eine Bühne im Rahmen unseres Sommerfestivals zur Verfügung zu stellen. Der Verein blickt auf eine 10 jährige Geschichte zurück und nachdem es in den letzten Jahren etwas ruhiger um den Bunker geworden war, plant die neue Geschäftsführung wieder neue Aktionen. Das Konzert heute soll als Auftaktveranstaltung dienen und im kommenden Winter sollen noch mehrere Kooperationen stattfinden, um die Marler Musikszenen zu beleben.

 

SA 14.09.02

Die Dorstener Band Madrugada, die schon seit fast 20 Jahren das regionale Publikum be­geistert, sollte das Festival abrunden. Probleme hierbei gab es an der Abendkasse, das eine zweite Band „Madrugada“ in diesem Sommer auf vielen Festivals aufgetreten war und ein Teil der Gäste eine z.T. relativ weite Anfahrt in kauf genommen hatten, um diese neue Band zu sehen. Dass es sich hierbei um eine Haus-Band handelte sorgte zuerst für Verwirrung, aber ein Glas Bier und die gute Musik, konnte die Gemüter wieder beruhigen. Für das nächste Jahr muss auf jeden Fall ein Regenschutz für den Innenhof konzipiert werden.

 

 

Antrag-Nr. 41

Kulturzentrum BÜZ Johanniskirchhof , Minden - Weltoffen in die Zukunft – Rio +10

 

Anlässlich des zum Zeitpunkt der Veranstaltung bevorstehenden Weltgipfels in Johannesburg hat sich das Informationszentrum 3. Welt gemeinsam mit dem Kulturzentrum BÜZ und weiteren Kooperationspartnern in der Stadt Minden (siehe Folder) mit den Prozessen und Ergebnissen der Agenda 21 auseinander gesetzt. Der Bürgermeister der Stadt Minden hatte die Schirmherrschaft übernommen. Auf einem Markt der Möglichkeiten wurden auf dem Johanniskirchhof vor dem BÜZ aktuelle Maßnahmen und Aktionen zum Thema Nachhaltigkeit vorgestellt.

 

Zwei Tage lang präsentierten Mindener, wie sich Menschen für die Ziele eines rücksichtsvollen Umgangs mit den Stoffen der Erde und guten Lebensbedingungen für alle Menschen aller Kulturen vor Ort einsetzen. Bestehende Projekte und deren Entwicklung konnten vorgestellt werden und zu einer Sensibilisierung für ökologische Denk- und Handlungsweisen beitragen. Dem Regierungspräsidenten Andreas Wiebe wurde am 13.07.02 in Anwesenheit der stellvertretenden Landrätin des Kreises Minden-Lübbecke der „Koffer für Johannisburg“ überreicht, den diese an Bärbel Höhn weiter geleitet hat.

 

Erweitert wurde das Programm um kultur- und künstlerische Aktivitäten, die ebenso als Zukunftsressource zu verstehen sind. In der Nachmittags- und Vorabendzeit zeigten landestypische Beiträge von Mitbürgern verschiedener Nationen die kulturelle Vielfalt Mindens. Professionelle Bands rundeten die Tage jeweils ab und mündeten in dem Höhepunkt der Veranstaltung: der Afrikanischen Nacht.

 

Die gewünschte Zusammenarbeit mit vielen Gruppen und Initiativen machte einen langen Vorlauf notwendig, sodass die erste Pressemitteilung zur Veranstaltung bereits im Februar erschien. Im Verlauf der Vorbereitungen bis zum Veranstaltungstermin begleitete die Presse das Projekt sehr wohlwollend und öffentlichkeitswirksam. Bereits im Vorfeld hat das Mindener Tageblatt mehrere große Anzeigen gesponsert. Der Ablauf der Veranstaltung wurde dann noch einmal mit Plakaten und Foldern aufgezeigt.

 

Neben den zahlreichen Mitwirkenden war die Publikumsresonanz mit 2000 Besuchern am Samstag besonders gut. Am Freitag (1000) erwies sich die Ausrichtung auf Jugendliche so kurz vor den Ferien als relativ schwierig. Die zahlreich stattfindenden Schulfeste sorgten noch bis kurz vor der Veranstaltung für sehr kurzfristige Absagen. Weitere Inhalte sind den zahlreichen Presseartikeln und der Homepage des Weltladens www.wl-minden.de zu entnehmen.

 

 

Antrag-Nr. 42

JugendkulturzentrumVolksschule, Moers- Projekt „Generations Swap statt Generation Gap“

 

Einführung

Existiert der „Generati0nenkonflikt“ auch innerhalb der Musikszene, oder besser, innerhalb der buntgefächerten Musik-Szenen und den ihnen verbundenen (Sub)kulturen? Herrscht zwischen mittlerweile in und mit ihrem jeweiligen Umfeld –und dazu zählt immer auch der „Tatort“ früher Proben und erster Auftritte- „gewachsenen“ Gruppen, die vielleicht sogar schon internationale Tourneen absolvieren und/oder auf den diversen Musikvideo-Fernsehsendern zu bewundern sind und den ihnen nacheifernden noch jungen Bands der örtlichen Szenen die „große Verständnislosigkeit zwischen den Generationen“, wie wir sie in anderen Bereichen der Gesellschaft mehr und mehr erleben müssen? Wenn dem so wäre, fände hier eine geradezu unermessliche Verschwendung von Erfahrungen und Know How statt, die jungen Musikerinnen und Musikern auf ihrem Weg von unschätzbarer Bedeutung wären und die an keiner Schule und in keinem Fortbildungsprogramm so zu erlangen sind. Der lange und schwierige Weg aus dem Proberaum im Keller des lokalen Jugendzentrums auf die großen Bühnen und auf die Fernsehschirme wird zwar mittlerweile durch großangelegte Casting-Aktionen, aus denen dann Retorten-Stars hervorgehen, hier und da übersprungen, dem Großteil ernsthaft an Musik interessierter junger Leute bleibt er jedoch nach wie vor nicht erspart.

 

In der nunmehr 15 Jahre umfassenden Geschichte des Jugend-Kultur-Zentrums „Die Volksschule“ gab es immer sowohl lokale Bands, die hier ihre ersten öffentlichen Gehversuche unternommen haben und mittlerweile, und sei es nur als „Vorband“ für große und internationale Acts buchstäblich in aller Welt „herumgekommen“ sind, als auch Szenegrößen aus entfernteren Regionen, die hier zu Beginn ihrer Laufbahn noch „gegen Bier und Essen“ gespielt haben und mittlerweile nur noch für viel Geld über die großen Agenturen zu buchen sind. Mit Gruppen beider Kategorien stehen wir als Veranstaltungsort bis heute in engem persönlichen Kontakt und haben auf diese Weise so manche Karriere in jedem ihrer Stadien geradezu „hautnah“ miterlebt. In den unzähligen, oft anekdotenartigen Erfahrungsberichten und Erlebnissen dieser Gruppen verbirgt sich ein gewaltiger Reichtum an Erfahrungen sowohl mit den freien Szenen als auch mit dem „Business“ der Unterhaltungsindustrie, und nicht zuletzt wurden hier unzählige Fehler begangen, die jungen Musikerinnen und Musikern heute ohne weiteres erspart bleiben könnten.

 

Es sind die Backstage-Räume der Republik, in denen der „große Star“ auf den lokalen Nachwuchsmusiker trifft, und wenn beide sich auf menschlicher Ebene verstehen, findet hier auch stets ein informeller Erfahrungsaustausch statt. Als wir das Projekt „Generations Swap“ aus der Taufe hoben, stellten wir uns die Frage, ob man das Zustandekommen eines solchen Erfahrungsaustausches dem Zufall überlassen muss oder ob man durch das gezielte Zusammenführen von arrivierten und die Szenerie erst neu betretenden Gruppen hier nicht echte Nachwuchsförderung betreiben kann, indem man eben diese Weitergabe von Erfahrung gleichsam kanalisieren, zumindest aber unterstützen kann.

 

Aus dieser Grundidee entstand ein Konzept, das vorsah lokale Gruppen, die ihre ersten Auftritte –mitunter vor sehr langer Zeit- bei uns absolviert haben, überregionale Gruppen, die in der Anfangsphase ihrer Karriere bei uns gespielt haben und internationale Acts, unabhängig vom Status ihrer Laufbahn, die wir im Laufe der Jahre kennengelernt haben mit regionalen „Newcomern“, die hier in unterschiedlichem Ausmaß aktiv sind, zusammenzubringen. Im Rahmen gemeinsam bestrittener, selbstverständlich öffentlicher und regulär beworbener Veranstaltungen, sollte sowohl die Möglichkeit zum informellen Austausch, als auch ein Forum zur gemeinsamen Erarbeitung konkreter Hilfen für alle, die den Weg in den „Musikzirkus“ antreten wollen, bereitgestellt werden.

 

Erfahrungsbericht

Die Suche nach geeigneten „Kandidaten“ für dieses Vorhaben erwies sich dabei als weniger problematisch denn zunächst angenommen. Die lokalen Newcomer sind ohnehin stets begeistert, wenn es darum geht, mit „altgedienten Szenehelden“ zusammenzutreffen und ein gemeinsames Konzert zu bestreiten; aber auch letztere zeigten sich von der Idee durchweg angetan, sei es, um aus nostalgischen Gründen noch einmal einen kleineren Club zu bespielen, oder auch aus reiner Verbundenheit zu einer Einrichtung, die sie in einer Frühphase ihrer Laufbahn unterstützt hatte. Selbst „altgediente“ britische Punkbands der ersten Stunde, die seit langen Jahren der Volksschule auf jeder ihrer Touren einen Besuch abstatten, fanden die Idee, mit den aktuellen örtlichen Newcomern zu spielen, absolut unterstützenswert. Eine Band änderte sogar ihren kompletten Tourneeplan, um teilnehmen zu können.

 

Projektbezogene Termine und Veranstaltungen:

 

5.9.02 Konzert & Austausch:

Wohlstandskinder – mittlerweile arrivierte Band, die es aus dem „Deutschpunk“-Umfeld in Charts und auf MTViva geschafft hat; trifft Fahnenflucht – Punkband aus Rheinberg, die sich in und mit Zuff! und Volksschule bereits eine Fangemeinde erspielen konnte, trifft Die Parasiten – junge Frauenpunkband aus Krefeld.

Bereits diese erste Veranstaltung geriet zum Paradebeispiel für das gesamte Projekt. Die „Wohlstandskinder“ aus dem Rheinland, mittlerweile bei einer der großen Plattenfirmen unter Vertrag und „bekannt aus TV und Radio“, erklärten sich gerne bereit, den „Headliner“ zu spielen, schließlich verbanden einige Bandmitglieder Erfahrungen aus ihrer Jugend mit unserem Haus und waren auch gespannt darauf zu sehen, was sich hier so in Sachen Nachwuchsbands abspielt. Schnell waren auch weitere Teilnehmer gefunden: Fahnenflucht aus Rheinberg hatten ihre ersten Auftritte im „Zuff“ in Rheinberg und in der Volksschule in Moers. Der Status ihrer Laufbahn lässt sich als „intermediär“ charakterisieren; man hat in der weiteren Region bereits einen Namen und tourte auch schon im Paket mit den Szenegrößen im Bereich des Deutschpunk durch die Lande. Die „Parasiten“, eine durchweg mit jungen Frauen besetzte Punkband –durchaus immer noch eine Ausnahmeerscheinung in der Szene- spielten zwar bereits ebenfalls als Vorband für arriviertere Acts, stehen jedoch zweifellos noch am Anfang ihrer Karriere.

Bereits beim Eintreffen der beteiligten Bands am Veranstaltungsort und dem gemeinsamen Entern des Backstageraums zeichneten sich erste Erfahrungen ab; die „Herren Rockstars“ verblüfften durch zielgenaues und professionelles Handeln, mussten sich jedoch nur in der Anfangsphase den Vorwurf elitären Auftretens gegenüber dem restlichen beteiligten musikalischen Personal des Abends gefallen lassen. Schon nach kurzer Zeit wurde lebhaft über die Situation der Szene vor Ort, aber auch über die –ja ebenfalls noch recht frischen- Erfahrungen im „Reich des großen Musikbusiness“ debattiert. Am Ende des Abends wurden Adressen getauscht und weitere gemeinsame Aktivitäten aller beteiligten Bands beschlossen – für die lokalen „Vorbands“ des Abends kann dies ohne Übertreibung die Initialzündung der weiteren Laufbahn darstellen.

 

20.9.02 Konzert & Austausch:

The Lurkers – eine der dienstältesten englischen Punkbands, die sich ihrer Verbundenheit zur Jugendzentrums-Szene gerade in Deutschland noch sehr bewusst ist und nie Rockstar-Allüren oder –Ansprüche entwickelt hat sondern stets nach Basiskontakt sucht trifft Bullshit – eine noch sehr junge Punkrock-Nachwuchsband um einen Zuff-Zivildienstleistenden und auch sonst Szene-Aktiven aus Rheinberg

An diesem Abend wäre der „Generation Gap“, hätte es ihn denn gegeben, wohl am größten gewesen: Bei den Lurkers aus London handelt es sich um eine der ältesten noch existierenden Punkbands überhaupt (man gründete sich bereits im Jahr 1977), während Bullshit, eine Hardcoreband um einen der Zivildienstleistenden des „Zuff!“ Rheinberg, gerade ihre allerersten öffentlichen Gehversuche hinter sich gebracht hatten. Gerade die britischen „alten Herren“ erwiesen sich jedoch als eine der unkompliziertesten Bands, die jemals die Volksschule bespielt hatten, und boten neben ihren unzähligen Erlebnissen und Erfahrungen aus 25 Jahren Bandgeschichte quasi „nebenbei“ auch noch die Mitbenutzung ihres professionellen Equipments an. Sowohl für die beteiligten Bands als auch für die zahlreich vertretenen Besucher, unter denen sich seinerseits eine Vielzahl musikalischer Aktivisten fand, dürfte dies ein unvergesslicher Abend geworden sein.

 

2.10.02 Konzert & Austausch:

The Cokeras – ein klassisches Beispiel für eine Band, die über lange Jahre in und mit unseren Einrichtungen gewachsen ist und mittlerweile fester Bestandteil der Ruhrpott-Szene ist trifft Wrecking Dead – eine skandinavische Band, die ihre Erfahrungen in Sachen internationalem Touren weitergeben konnte

 

Bei dieser Veranstaltung wurde das Konzept von seiner anderen Seite aus angegangen; die Cokeras aus Duisburg sind ein klassisches Beispiel für eine seit vielen Jahren existente Band, die aus dem unmittelbaren Umfeld der Volksschule stammt und hier seit ebenso langer Zeit Auftritte absolviert. Haben die Cokeras ihrerseits bereits Erfahrungen auch im überregionalen Bereich sammeln können, so sind sie jedoch nie Teil des „Musikbusiness“ geworden, nicht zuletzt, weil sie dies auch nie beabsichtigten. Auf der anderen Seite bestritt eine noch junge Rockabilly-Combo aus Norwegen den Abend, die sich ihrerseits durchaus ambitioniert zeigte, auch international bekannt und erfolgreich zu werden. Durch die Internationalität dieses Settings ergab sich vor allem die Möglichkeit, Bedingungen, Chancen und Probleme von dem „Untergrund“ verpflichteten Bands, ob seit Jahren bestehend oder noch neu, zu vergleichen; des weiteren bot sich die Möglichkeit, im Rahmen eines „Bandaustausches“ über den eigenen Tellerrand herausblicken zu können: Im nächsten Jahr werden die „Cokeras“, eingeladen von den Norwegern, ein Konzert in Oslo bestreiten. Die norwegischen „Wrecking Dead“ akzeptierten in ihrem Vertrag private Unterbringung; daher wurden sie mit Taxis ins Zuff! Rheinberg verbracht, in dem –im Gegensatz zur Volksschule Moers- zu diesem Zeitpunkt noch ein Übernachtungsraum für Künstler vorhanden war.

 

19.10.02 „Schlussrunde“:

Dimple Minds – wohl dienstälteste und bekannteste deutsche Punkband, begleitet von „Fabsi und der Peanutsclub“ treffen auf Jugendrente – mittlerweile ebenfalls arrivierte Punkband mit Wurzeln in Moers (leider ausgefallen).Dieser als „Schlussrunde“ gedachten Veranstaltung, zu der die „Helden“ wohl jedes deutschen Punkrock-Begeisterten gewonnen werden konnten, standen leider bereits im Vorfeld schwerwiegende Probleme entgegen; durch einen Konflikt mit der sich über störende Lärmemissionen beklagenden Nachbarschaft der Volksschule und eine damit einhergehende, starke Beschneidung des Veranstaltungszeitraumes, musste die lokale Band, die wohl die stärkste Verbundenheit aller am Projekt beteiligten Gruppen zur Einrichtung aufweist, aus dem Programm gestrichen werden und durfte somit nur als Zuschauer teilnehmen.

 

Projektzeitraum: September bis Oktober 2002

TeilnehmerInnenzahl: Insgesamt ca. 480 TeilnehmerInnen auf den Konzertveranstaltungen, ca. 36 beteiligte MusikerInnen.

 

 

Antrag-Nr. 119 a

Kultur im Ringlokschuppen, Mülheim - Ghana: today

 

Im September war die ghanaische Tanzcompanie »Dance Factory“ aus Accra im Rahmen der Ruhr Trienale zu Gast im Ringlokschuppen. Der im Ringlokschuppen beheimatete Choreograph Mark Sieczkarek entwickelte mit dem Ensemble der Dance Factory aus Accra die Produktion „Living with Aids“. Bei dem Stück vermengen die 15 Tänzerinnen und Tänzer ghanaische Tanztraditionen mit europäischen Tanzstilen.

Wir wollten die Chance, das zeitgenössische Ensemble aus Ghana zu Gast zu haben nutzen, uni dem Publikum einen tieferen Einblick in die heutigen aktuellen gesellschaftlichen Verhältnisse dieses Westafrikanischen Landes zu geben und das jenseits des europäischen Blicks auf Afrika.

„Kein Tabu kann so groß sein, dass man es in Afrika nicht tanzen könnte“ sagt Mark Sieczkarek. Unter diesem Thema stand dann am Sonntag den 8.9. 02 bei „INSIGHT“ die Diskussion, bei der es darum ging, Einblicke in die Probenarbeit zu „Living with Aids“ zu geben. 25 interessierte Leute erkundigten sich über die Situation der Tänzer in Afrika, deren Bedingungen und Möglichkeiten durch Tanzarbeit das Thema Aids zu problematisieren.

Am 12.9. gab es dann eine Diskussionsveranstaltung zum Thema ,,Aids in Afrika“.

Hier gab es vorab Informationen zur derzeitigen Lage, es gab Zahlen und Fakten zum Thema sowie Informationen zu kulturellen Hintergründen, zum Aktionsbündnis gegen Aids in Afrika, zur Pharmakampagne und zum unterschiedlichen Blickwinkel auf das Thema.

Die Diskussionsveranstaltung war mit der Aids- Hilfe Duisburg/Oberhausen vorbereitet und veranstaltet worden. An der Diskussion nahmen ca. 70 Personen teil. Es stellte sich heraus, dass wir Deutschen doch einen sehr eingeschränkten Blickwinkel auf das Thema haben, und dass es noch vieler Diskussionen bedarf, um dem Thema gerecht zu werden. Das Rahmenprogramm zu den zwei Tanzveranstaltungen am 10/11.9.02 wurde abgerundet mit einem Konzert der Percussionsgruppe Adesa aus Ghana.

 

 

Antrag-Nr. 141 b

Kultur im Ringlokschuppen, Mülheim – Mondfieber

 

Das Projekt Mondfieber hat im Mai 2002 mit ersten Treffen und der Auswahl der Schauspieler und Schauspielerinnen begonnen. Zum Probe Start im August stand ein 12- köpfiges Ensemble aus Laien, Semiprofessionellen und Schauspieler, sowie Hospitanten aus Schultheaterprojekten und professionelle Theaterleute. Darauf folgten drei Probephasen von insgesamt zwei Monaten. Mitte Oktober feierte Mondfieber eine gelungene Premiere im Jahr 2002 kam das Projekt dann mit sieben weiteren Aufführungen zum Abschluss, die Aufführungen waren alle überdurchschnittlich gut besucht und wurden verstärkt von Schulgruppen und Jugendlichen gesehen, die über die Produktion Mondfieber einen lockeren und unkonventionellen Einstieg als Theaterzuschauer hatten. Der inszenierte Klassiker Sommernachtstraum, der in Mondfieber zu einem Bühnenspektakel zwischen Alltags- und Medienwelt wird, schafft somit neben wachsender Zuschauerkompetenz auch eine Brücke zu den Klassikern.

 

 

Antrag-Nr. 49

Arbeitskreis Ostviertel e.V., Münster –Projekt "Intercult 2002"

 

1 Intercult 2002

 

Im Rahmen des Projektes "Intercult 2002 - Art & Media" wurden in der Zeit vom 01.06. bis 31.12.2002 sämtliche geplanten Aktivitäten, in erster Linie die multimediale Verbreitung von Musik, bildender Kunst, audiovisueller Kunst und Fotografie sowie die interkulturelle Kommunikation mit Künstlern und Jugendlichen aus soziokulturellen Zentren auf einer multimedialen Internetplattform realisiert.

Jugendliche und Multiplikatoren aus soziokulturellen Einrichtungen nutzten im Rahmen des Projektes auf Fortbildungsseminaren und Begegnungen die Angebote, spezifische Erfahrungen beim Zusammenwachsen von Fernsehen und Internet zu machen und die mulitimediale Verbreitung von Musik, bildender Kunst, Fotografie und interkultureller Kommunikation kennen zu lernen. Mit der Verbindung von Fernsehen und Internet griff das Projekt ein für die moderne Kunst zentrales Medium - die Videodarstellung - auf und kombinierte es mit dem Internet.


Gemeinsam mit Multiplikatoren und jungen Aktiven aus den Partnereinrichtungen wurde im Internet eine offene Multimediaplattform gestaltet, die eine funktionierende Basis für die Kooperation, Kommunikation, Kreativität und die Förderung des interkulturellen Dialogs mit Künstlern und soziokulturellen Einrichtungen bereitstellt. So wurde neben der Plattform www.youth4media.com auch eine Pilotseite für die Kooperation, Kommunikation und als Verbreitungskanal für Soziokultur unter www.soziokult.de initiiert. Das Projekt hat die Etablierung grenzüberschreitender Mediennetze mit europäischen Partnereinrichtungen vorangebracht. Eine Leitlinie der Arbeit bestand darin, einen Anstoß zu geben und weitere Partner zu ermutigen, sich am Netzwerk zu beteiligen. Die Internetplattform will auch weiterhin die Aufgabe realisieren, die Soziokultur zu stärken, kommunikative Infrastrukturen zu schaffen, Qualifikation und Beratung anzubieten, ein kreatives, künstlerisches Webforum zu bilden, Kontakte zu europäischen Partnern zu vermitteln, gemeinsame Förderprogramme zu nutzen und Jugendliche in Europa zur medialen Artikulation eigener Interessen und zur interkulturellen Diskursbereitschaft zu bewegen.

 

Aktive folgender Einrichtungen waren an der Projektarbeit beteiligt:

Arbeitskreis Ostviertel e.V - Bennohaus, Offener Kanal TV Münster ZAKK, Düsseldorf - Zentrum für Aktion, Kultur und Kommunikation Depot, Dortmund - Zentrum für Handwerk, Kunst, Medien und Kommunikation, Alte Feuerwache, Köln - Zentrum für Soziokultur Alter Schlachthof - Kulturzentrum in Soest Kristiansand Medienhochschule, Komm. Sögne - Videregaende Skole, (N) Nowy Staw, Europ. Informations- und Kulturzentrum Lublin (PL) Revivim Highschool, Rishon Le Zion (Israeel) Pädagogische Hochschule Rjasan (Russland)


1.1 Qualifikationsseminare digitale Mediengestaltung

Dieses Pilotprojekt ermöglichte Multiplikatoren eine Qualifizierung im Bereich der gestalterischen Grundlagen digitaler Medienkunst. Die Qualifizierung zur Medienkunst wendete sich vorrangig an Personen innerhalb soziokultureller und pädagogischer Berufsfelder (vor allem der Jugendarbeit), Betreuer von Jugendbegegnungen, europäische Freiwillige und junge Menschen, die sich für Medienkunst interessieren. Ausgangspunkt der Qualifizierungsmaßnahme war der Mangel an ausreichend qualifizierten Fachkräften für die künstlerische Gestaltung mit digitalen Medien.

 

Insgesamt wurden im Bennohaus und den Schulungsräumen des CUBA, Kultur- und Begegnungszentrum in Münster, 12 Workshops für Jugendliche und Multiplikatoren durchgeführt. Insgesamt sind innerhalb der Projektarbeit ca. 100 Jugendliche und Multiplikatoren qualifiziert worden (s. Anlage Teilnehmerlisten). Es wurde gezielt mit Hard- und Software gearbeitet, die für soziokulturelle Einrichtungen und Einrichtungen der Jugendarbeit erschwinglich und praktikabel sind, um eine Weiterführung der Angebote auch nach Projektende möglich zu machen. Die Seminare wurden von dem staatl. geprüften Onlinedesigner, Thorwald Neumann, und den Internetspezialisten Jörg Emmerich, Interface Medien, sowie Faden Baloglou, Hochschule für Design (Köln), sehr kompetent geleitet

 

1.2 Interkulturelles Lernen und künstlerische Aktivitäten auf lokaler Ebene Fähigkeiten im Bereich der künstlerischen Mediengestaltung sind für den Zugang zur Kultur und für die Gestaltung kreativer und künstlerischer Elemente im Internet sowie für eine aktive Teilhabe an der europäischen Bürgergesellschaft wichtig. Der Zusammenhang zwischen beruflichen Chancen in einer globalen Informationsgesellschaft und Kompetenzen bei der Nutzung und Gestaltung digitaler Medien wird zunehmend deutlich. Eine Vielzahl von neuen Berufen, die sich um die neuen Medien gruppieren, sowie gänzlich neue Karrieremuster, die sich im Kontext vieler neuer Internet- und Multimedia-Firmen herausbilden, motivieren Jugendliche, sich mit den kreativen Möglichkeiten digitaler Medien auseinander zu setzen.

 

Die Multiplikatoren, die im Rahmen des Projektes qualifiziert wurden, organisieren in 2003 eigene Workshops, die in den europäischen Partnereinrichtungen auf lokaler Ebene durchgeführt werden. In diesen Workshops werden kreative, künstlerische Kompetenzen im Umgang mit digitalen Medien erprobt. Die Teilnehmer produzieren unter Anleitung erste eigene Werke. Die Jugendlichen können ihre eigenen Themenideen und Interessen einbringen. Sie beteiligen sich an der öffentlichen Kommunikation und setzen sich kreativ mit ihrer sozialen und politischen Lebenswelt auseinander. Sie qualifizieren sich im kompetenten Umgang mit den Medien, lernen Wirkungs- und Manipulationsmechanismen von Medien zu durchschauen, kreative Kompetenzen in der Nutzung von Medien für eigene Interessen zu entwickeln, und die Befähigung zu Kommunikation und Partizipation zu erweitern.

 

2. Intercult - internationales Jugendmediencamp

Vom 19. August bis 1. September 2002 veranstaltete der Arbeitskreis Ostviertel e. V. das dritte internationale Jugendmediencamp. Insgesamt 55 Jugendliche und Betreuer aus Lublin (Polen), Braniewo (Polen), Rjasan (Russland), Kristiansand (Norwegen) und Rishon Le Zion angereist. Die Zusammenarbeit mit den europäischen Partnern funktioniert seit vier Jahren ausgezeichnet. Der AKO kooperiert mit zuverlässigen Kontaktpersonen aus Schulen sowie Kultur- und Medienzentren in den europäischen Partnerstädten. Dort bewarben sich die Jugendlichen und erhielten Vorbereitungskurse im Bereich der Mediengestaltung. Von den zwölf deutschen Teilnehmern stammten sechs aus türkischen, griechischen und russischen Migrantenfamilien. In der Vorbereitungsphase im Frühling 2002 wurden die soziokulturellen Zentren in NRW angesprochen, Jugendliche für die internationale Begegnung zu kontaktieren.

 

Der AKO e.V. als Träger der Maßnahme übernahm die Kosten für Unterbringung, Verpflegung, Qualifizierung, Aktivitäten, Produktionsmaterialien und Programm sowie 50% der Reisekosten. Von den Teilnehmern wurden keine Gebühren erhoben, da sie überwiegend aus Familien mit geringem Einkommen stammen und insbesondere die Jugendlichen aus Osteuropa nicht hätten teilnehmen können. Alle Teilnehmer waren im benachbarten Jugendgästehaus an der Schillerstraße untergebracht, wo auch gemeinsam gegessen wurde.

Leider wurde der Förderantrag für Jugendbegegnung im April 2002 von der Europäischen Commission im Programm Jugend für Europa abgelehnt, sodass der Träger einen hohen Eigenanteil bei der Maßnahme zu tragen hatte.

 

2.1 Mediengestaltung

Die Jugendlichen erhielten eine intensive Qualifizierung im Bereich digitaler Medienproduktion (Video, Bildgestaltung und Internet) im Bürgermedienzentrum Bennohaus. Es standen fünf digitale Kameras, Computerschnittplätze, ein Internet - Cafe, Beamer, Monitore und zwei große Seminarräume sowie ein Atelier mit Leinwänden und Farben zur Verfügung. Die Qualifizierung sowie die inhaltliche und produktionstechnische Betreuung wurde von Fachkräften und Betreuern aus dem Bereich Mediengestaltung und Medienpädagogik kompetent durchgeführt.

 

2.2 Gesellschaftliches Engagement

Das inhaltliche Spektrum der gestalterischen Aktivitäten bildeten Kunst, Kultur, Antirassismus und internationale Partnerschaft. Mit diesen Themen setzten sich die 17-22 jährigen Teilnehmer auf künstlerische Art und Weise auseinander. Die Jugendlichen konnten ihre eigenen Ideen einbringen, hohe künstlerische Ansprüche blieben außen vor. Beabsichtigt war, einen niedrigschwelligen Zugang zu künstlerischem Schaffen anzubieten und einfache künstlerische Elemente im Internet, in Medieninstallationen und Bildbeiträgen zu gestalten. Die Aktionsfelder der Teilnehmer waren während des Mediencamps folgendermaßen aufgeteilt:

Im Internet-Cafe wurde an einer multimedialen Internetplattform gearbeitet, es wurden Websites, Animationen und digitale Bilder erstellt. Das Aktionsfeld Kunststreifzüge gestaltete Videofilme, Dokumentationen und künstlerische Arbeiten über Schauplätze von Kunst und Kultur in der Region. Besucht wurden u.a. das Künstlerdorf Schöppingen, Kunsträume in soziokulturellen Zentren in NRW sowie die Picasso Ausstellung und die Documenta in Kassel. Im großen Saal des Bennohauses wurden Medienkunstinstallationen vorbereitet und großflächige Bilder mit Acrylfarben gemalt.

 

2.3 Programm und Freizeitaktivitäten

In der dreimonatigen Vorbereitungsphase wurde ein detailliertes Programm zusammengestellt (s. Anlage Programmplan). Für jeden Tag gab es einen Stundenplan, der von den Teilnehmern einzuhalten war. Es wurden viele Freizeitangebote realisiert: Kennenlernspiele, Stadtführungen, Besichtigung des WDR-Redaktionshauses in Köln, ein Besuch der Documenta und des Picasso Museums, Grillparty, Kino, Tanzabende, Ballspiele, Schwimmen.

 

3. Intercult - Festival

Abschließender Höhepunkt der Begegnung war ein zweitägiges Festival rund um das Bennohaus mit Präsentationen der Ergebnisse, multimedialer Kunstausstellung, Fernsehlivesendung im Offenen Kanal TV Münster, internationalen Musikbands, Kleinkunst und einer Abschlußparty im großen Saal. Am Bennohaus wurde eine Open Air Bühne errichtet, auf der ein kontinuierliches Programm geboten wurde. Das Festival wurde von den Teilnehmern mitorganisiert. Alle waren von früh bis spät in den reibungslosen Ablauf eingebunden. Die Jugendlichen boten an einem großen Verköstigungsstand typische Landesgericht nach den originalen Rezepten an. An den beiden Veranstaltungstagen waren rund 1000 Besucher vor Ort. Im Vorfeld wurde mit 300 Plakaten, Flyern und Zeitungsartikeln für das Fest geworben. Eingeladen wurden u.a. auch die internationalen Freundeskreise der Partnerstädte und Initiativen internationaler Arbeit in Münster.

 

3.1 Interkulturelles Musik- und Kulturprogramm

Das Bühnenprogramm startete am Samstag, den 31.08.02, um 16 Uhr mit der afrikanischen Band Ujamaa, die das zahlreiche Publikum mit einer Mischung aus traditionellen Klängen und Worldmusik mit originalen Instrumenten aus Südwestafrika bestens einstimmte. Anschließend fand ein informativer Talk über afrikanische Migranten und deren Kultur mit dem Vorsitzenden des Afrika e.V. in Münster statt. Um 18 Uhr begann eine Livesendung auf der Bühne, die von den Jugendlichen des Mediencamps moderiert und gestaltet wurde. Gesprächsgäste waren die Vorsitzenden der Partnerschaftsvereine von Münster´s Partnerstädten Rishon Le Zion, Lublin und Rjasan sowie MitarbeiterInnen des für die Städtepartnerschaften zuständigen Amt des Oberbürgermeisters.

 

Um 19:30 wurde das Live Programm mit der Musikband Charters Tower fortgesetzt. Die sechs hervorragenden Musiker spielten Folkmusik und Celtic Rock. Um 21.30 präsentierten die Teilnehmer des Mediencamps im großen Saal des Bennohauses den zahlreichen geladenen Gästen die Ergebnisse ihres künstlerischen Schaffens, untermalt mit folkloristischen Einlagen aus ihrer traditionellen Kultur. Am Sonntag, den 01.09.02, wurde das Festival mit einem internationalen Frühschoppen fortgesetzt. Internationale gemeinnützige Organisationen aus Münster stellten in einer moderierten Talkrunde ihre Aktivitäten vor und diskutierten über interkulturellen Austausch und internationale Projektarbeit. Umrahmt wurde der Nachmittag von Informationsständen dieser Organisationen (Amnesty International, Afrika e.V., Deutsch-Russische Gesellschaft, Lettischer Freundeskreis etc.)

Für die musikalische Unterhaltung sorgte von 14 - 16 Uhr die cubanische Band Son Cafe, ab 17 Uhr gab es auf der Livebühne World und Reggaemusik mit der Formation "Iriah and the massive vibes" bis zum Abschluß des Festes gegen 22 Uhr. Die Verköstigung der zahlreichen Besucher besorgten die jugendlichen Campteilnehmer mit traditionellen Gerichten aus der Türkei, Israel, Polen, Russland, Deutschland und Norwegen. Auf dem Spielplatz am Bennohaus gab es mit Akrobatik, Pantomime, Clownerie und Ballonkunst Unterhaltung für Familien und Kinder.

 

3.2 Medienkunstinstallationen und Ausstellung

Junge Künstler aus fünf Partnerstädten stellten Installationen und Objekte in den Räumen des Bennohauses aus. Das Thema Ausgrenzung wurde mit Projektionen, Videoinstallationen und Toncollagen dargestellt. Ein weiterer Schwerpunkt behandelte die Gewalt in den Medien und ihre Wirkung auf den Fernsehkonsumenten, installiert von der israelischen Gruppe aus RishonLe Zion in Zusammenarbeit mit jungen Kunstschaffenden der nordrhein-westfälischen Soziokultur. Eine Gruppe stellte großflächige Acrylbilder mit naturnahen Motiven aus. Im Internetcafe wurden künstlerische Animationen und eigene Kreationen der Netzkunst vorgestellt. Darüber hinaus gab es eine Ausstellung zum Thema Münster´s Partnerstädt in Europa.

 

4 Multimediale Kommunikationsplattform

Im Internetbereich wurde die Multimediaplattform unter www.youth4media.com mit den nationalen und europäischen Partnereinrichtungen als Basis für die Kooperation, Kommunikation und als Verbreitungskanal für die Beiträge der Jugendlichen ausgebaut. Der Träger der Projektmaßnahme hat sich beim Telekommunikationsanbieter Citykom in Münster einen leistungsstarken Server gemietet, der für die Übertragung und Speicherung von großen Datenmengen ausgelegt ist. Das Internet - Cafe im Bürgermedienzentrum ist mit DSL - Technologie ausgerüstet, mit einem DSL/ISDN - Stream werden Videobeiträge in guter Bildqualität übertragen. Zusätzlich zu den Bildbeiträgen können Informationen zu den Filmen und weiterführendes Material und Links eingegeben werden. Im Chatforum tauschen sich die Jugendlichen über die Inhalte und Aktivitäten aus.

Die Plattform erfüllt darüber hinaus auch projektübergreifend die Funktion, den interkulturellen Austausch zwischen Ost und West zu fördern, indem sie für Jugendliche und für Multiplikatoren interkultureller bzw. soziokultureller Einrichtungen sowie öffentlichen Medienzentren einen konkreten Nutzwert durch Serviceangebote bietet.

Die Projektpartner haben während dieser Projektmaßnahme wichtige Erfahrungen im Einsatz der neuen Streamin - Technologien im Internetbereich gesammelt. Im Rahmen der Workshops wurde die Handhabung dieser Technologie an etwa 100 Multiplikatoren und Jugendliche weitervermittelt. Die Beiträge der Jugendlichen können so jederzeit und weltweit kommuniziert werden, sofern der User die erforderlichen Programme ( Real Player) installiert hat, die kostenlos im Internet erhältlich sind.

Dieses Projekt der internationalen Jugendmedienarbeit unterstützt den europäischen Einigungsprozess durch die Etablierung grenzüberschreitender Mediennetze mit europäischen Partnereinrichtungen. Eine Leitlinie der Arbeit bestand darin, einen Anstoß zu geben und weitere Partner zu ermutigen, sich an der Netzwerkarbeit zu beteiligen. Die Internetplattform realisiert die Aufgabe, kommunikative Infrastrukturen zu schaffen, Qualifikation und Beratung anzubieten, ein kreatives, künstlerisches Webforum zu bilden, Kontakte zu europäischen Partnern zu vermitteln, gemeinsame Förderprogramme zu suchen und zu nutzen und Jugendliche in Europa zur medialen Artikulation eigener Interessen und zur interkulturellen Diskursbereitschaft zu bewegen. Service und Chat erhöhen den Nutzwert. Die Plattform ermöglicht den Projektpartnern optimale Kommunikationsmöglichkeiten. Mithilfe eines Zugangscodes können sie eigenständig Informationen, Beiträge und Berichte ins Netz stellen, wobei die Abstimmung der Produktionen vom Projektträger geleitet und koordiniert wird. Für 2003 sind sowohl auf regionaler, nationaler und europäischer Ebene Anträge gestellt worden, um die Projektarbeit fortzusetzen. Produkte und Verbreitung

Die Beiträge werden auf der Internetplattform veröffentlicht. Zwei interkulturelle, europäische Jugendmagazine, sowie mehrere Beiträge über Kunst und Kultur in soziokulturellen Zentren sowie eine Vielzahl von künstlerischen Videobeiträgen, die während des Jugendmediencamps entstanden sind, werden online angeboten. Sämtliche Beiträge und Magazinsendungen sind via Kabelfernsehen auch im Offenen Kanal TV Münster gesendet worden.

 

Das Projekt hat über 100 Mitarbeitern, Honorarkräften und ehrenamtlichen Aktiven der Partnereinrichtungen wichtige Erfahrungen und die technischen Grundlagen für die Verbreitung von Berichten, Beiträgen und kommunikativen Elementen im Internet geliefert. Die multimediale Internetplattform www.youth4media.com bietet vielfältige Informationen und Beiträge, die jederzeit zugänglich sind. Mehrere Livesendungen wurden erfolgreich im Internet veröffentlicht.

Die im Rahmen des Projektes qualifizierten Multiplikatoren werden ihr Wisssen in Workshops in ihren Einrichtungen an die Jugendlichen weiter vermitteln. Die Kooperation der beteiligten Online-Redakteure aus den kooperierenden Zentren der Soziokultur hat hervorragend funktioniert. Eine Pilotseite für die NRW - Soziokultur ist unter www.soziokult.de initiiert worden, die nach künstlerischen Gesichtspunkten gestaltet ist. Hier wollen die Aktiven aus den Zentren 2003 weiterhin gestalten und die Online - Präsenz multimedial erweitern.

 

 

Antrag-Nr. 46 a

Cuba-cultur, Münster – TransWest

 

Das Projekt konnte Dank der Landesförderung mit insgesamt fünf Veranstaltungen – zwei Performances ein Konzert und zwei Multimedia-Aufführungen im Laufe des Jahres 2002 realisiert werden. Der Kontakt zu den beteiligten Künstlerinitiativen in Polen, Tschechien, Ungarn und der Slowakei konnte vertieft werden, so das ein Austausch nicht nur auf der Bühne sondern auch mit hiesigen Künstlerkollegen stattfand. Einzelne konnten Künstler auch an andere Auftrittsorte weiter vermittelt. Schwierig war es ein Publikum für die hierzulande nicht bekannten Künstler zu interessieren. Wahrscheinlich könnte nur eine längere Laufzeit des Projekts oder erweiterte Werbestrategien, wie z.B. eine stärkere Zusammenarbeit mit bilateralen Freundschaftsverbänden – einen größere Neugier wecken.

 

 

Antrag-Nr. 46 b

Cuba-cultur, Münster – Ausstellungsreihe „Begegnungen“

 

Das Projekt der Ausstellungsreihe „Begegnungen“ konnte trotz des reduzierten Etats durch Wegfall der Förderungen der GWK (Gesellschaft zur Förderung der westfälischen Kulturarbeit) und eingerechneter Sponsorengelder realisiert werden. Wie geplant fanden insgesamt sechs Ausstellung statt, in denen – bis auf zwei Ausnahmen - jeweils zwei KünstlerInnen pro Ausstellung aufeinander trafen, von denen je einer / eine regionalen und einer / eine überregionaler Herkunft war. Sie entwickelten Sparten übergreifend in ihren Arbeiten gemeinsame Ausstellungswerke / -inhalte.

 

Folgende Einzelausstellungen fanden im Rahmen der Reihe „Begegnungen“ statt:

7. - 15. März 2002: Manual Eardrums – Judy Dunaway und Jennifer Hymer. Zum Auftakt fand eine Kooperation zwischen der Münsteraner Pianistin J. Hymer und der Klangkünstlerin und Ballonspielerin J. Dunaway aus den U.S.A. statt.

2. Mai – 2. Juni 2002: A day in the life – Verena Püschel und Max Sudhues. Der Münsteraner M. Sudhues und die Trierin v. Püschel erschaffen Paarsituationen aus Kleiderbügeln, Obstkisten und wachsenden Kartoffeln.

14. Juni – 14. Juli 2002: nah und fern – Toneko Ohkita und Peter Paul Berg. Die klaren Linien mit dem ausgeprägten Licht-Schatten-Spiel auf der Wand von P.P. Berg aus Münster treffen auf die organisch-plastisch geformten Objekte aus Polyester und Papier der japanischen Künstlerin T. Ohkita.

11. September – 6. Oktober 2002: 15.03 – Halil Shalabi und Moshe Rosenfeldt. Zu dem besonderen Anlass des 11. September arbeiteten die beiden in Berlin ansässigen Künstler palistinensischer und israelischer Herkunft gemeinsam in künstlerischer Auseinandersetzung.

18. Oktober – 3. November 2002: One has seen horses, puke in front of the pharmacy – Susanne von Bülow und Burkhard Saur. Schwarz-Weiß-Karikaturen auf pergamentähnlichem Papier von der Münsteranerin S. von Bülow stehen den auf Farbfotos herausgearbeiteten Karikaturen von dem in den U.S.A. lebenden Künstler B. Saur gegenüber.

15. November – 20. Dezember 2002: vorübergehend abwesend – Kai Hörstensmeyer und Kutlu Gürelli. Zum Abschluss der Reihe begegneten sich der türkische Künstler K. Gürelli und der Münsteraner K. Hörstensmeyer und erarbeiteten jeweils ein Einzel so wie ein Gemeinschaftswerk, die sich inhaltlich auf sehr unterschiedliche Weise mit dem Thema „Begegnungen“ beschäftigten.

 

Dabei wurde der gesamte Foyerbereich und ins Besondere auch die durch die breite Fensterfront zur Straße hin offen gehaltene Ausstellungssituation in den Arbeiten genutzt und einbezogen, also ortsbezogen verarbeitet, wodurch Passanten - wie auch Hauspublikum gleichermaßen angesprochen wurden.

Die stets gut besuchten Ausstellungseröffnungen ( 30 bis 40 Besucher) sowie die regelmäßige Anwesenheit beider ortsansässigen Tageszeitungen zeugen von einer allgemeinem Interesse und öffentliche Akzeptanz des Projekts. Auch in der örtlichen Kunstszene traf die Ausstellungsreihe auf positive Resonanz. So fand ein Kolloquium der Kunstakademie Münster zur Ausstellung in den Räumen des Foyers statt, das von Lehrenden und Mitstudenten des Künstlers Kai Hörstensmeyer abgehalten wurde.

 

Die geplante Katalogerstellung musste aufgrund der oben genannten, fehlenden Mittel leider gestrichen werden. Stattdessen entstand jedoch eine ausführliche Internetdokumentation über die Ausstellungsreihe Begegnungen, die unter www.cuba-cultur.de einzusehen ist. Insgesamt wird das Ausstellungsprojekt sowohl von unserer Seite aus wie auch von Seiten der Künstler und des Publikums als Gewinn bringend eingestuft, da sich hier Begegnungen im soziokulturellen Kontext vollzogen, d.h. sowohl die hier im Hause arbeitenden Menschen als auch zufällige Straßenpassanten und Hausbesucher sowie die KünstlerInnen selbst durch die Arbeiten miteinander in Austausch treten konnten. Aus dieser Form der Begegnung resultieren ebenso zunehmende internationale Kontakte der beteiligten KünstlerInnen untereinander.

 

 

Antrag-Nr. 121

Kreativhaus, Münster – Das Haus im Focus

 

Vom 02. September bis zum 07. Oktober 2002 fand im Kreativ-Haus das Fotoprojekt „Das Haus im Focus“ statt. Vier Wochen beschäftigten sich Kinder und Erwachsene mit den Fragen: Was ist das Eigentliche, das Besondere des Kreativ-Hauses? Was macht das Kreativ-Haus aus?

Wo finden Begegnungen und wo findet Kommunikation statt? Und: Kann man diese Momente, Ansichten und Empfindungen mit der Kamera einfangen? Kann man „Atmosphäre“ fotografieren? Nach einer kurzen Einführung in Fototechnik und Bildgestaltung legten die beiden Gruppen los.

Die erwachsenen Kursteilnehmerinnen und Kursteilnehmer fotografierten vier Wochen lang im Haus – im Café, in den Kursen, bei den Bühnenveranstaltungen am Abend und mitten im Alltagsgeschehen. Entstanden sind sehr persönliche, sehr interessante Ansichten vom Kreativ-Haus. Die Mitwirkenden, Anfängerinnen und Anfänger, bzw. Hobbyfotografen, begaben sich mit viel Engagement auf Motivsuche und entdeckten erstaunliche Motive, Ausschnitte und Perspektiven.

 

Die Kinder des Projekts gingen an vier Foto-Nachmittagen im Kreativ-Haus auf die Fotopirsch. Nach dem Motto „Kinder dokumentieren, was Kinder machen“ konnten die 8-11jährigen selbständig mit Einmalkameras im Haus fotografieren. Sie waren von ihrer Kursleiterin gut auf die Aktion vorbereitet worden, hatten Grundlegendes zum Fotografieren, Camera Obscura und zur Entwicklung von Negativen gelernt.

 

Die Kinder besuchten Kurse der Jugendkunstschule und fotografierten andere Kinder beim Malen & Matschen, beim Theater spielen, beim Musizieren und beim HipHop. Dabei kamen z.T. sehr witzige Fotos zustande, z.B. von einem Jungen, der alle Fotos auf dem Boden liegend schoss. Einige der Kinder hatten vorher noch gar nicht fotografiert, einige schon ab und zu die Kamera der Eltern benutzt. Um so erstaunlicher das Ergebnis: die Fotos sind durchweg gelungen und spiegeln die ganz eigenen Sicht- und Arbeitsweisen der Kinder wider.

Beide Ausstellungen wurden auf einer gemeinsamen Vernissage am 07. Oktober 2002 präsentiert. Die Vernissage war Teil der Feierlichkeiten anlässlich des 25jährigen Geburtstages des Kreativ-Hauses. Die Fotos der Erwachsenen wurden im Café und Foyer gezeigt. Insgesamt war die Ausstellung in der Bandbreite der Fotografien sicher eine kreative und eigenwillige Antwort auf die Frage nach dem „Besonderen“ des Kreativ-Hauses. Die Fotografien der Kinder wurden im Eingangsbereich und im Treppenhaus ausgestellt. Die Gestaltung der Ausstellung wurde von den Kindern bestimmt.

Die wählten die Fotos aus und bei der Frage, wie gehängt werden soll, entschieden sich die Kinder für eine bunte Mischung aller Kurse, Hoch- und Querformat, neben- und übereinander.

 

 

Antrag-Nr. 50 a

Theater am Schlachthof, Neuß – „DU bist das Volk“

 

Vorgeschichte

Ausgangspunkt der Planungen war eine lapidare Feststellung der Shell-Jugendstudie 2000:

„Das politische Interesse der Jugendlichen geht weiter zurück.“ Nicht nur die Wahlbeteiligung unter den jungen Menschen geht zurück, auch das immense persönliche Desinteresse an Politik, die Distanzierung zu politischen Prozessen, die politische Entfremdung, Anomie und die erschreckende Anpassungsbereitschaft sind Kennzeichen der aktuellen politischen Entwicklung unter Jugendlichen. So kommen die Autoren der Shell-Studie 2000 zum Schluss:

„Wenn es gelingt, das Verständnis für gesellschaftliche Zusammenhänge bei den Jugendlichen zu steigern, so wird auch ihre Distanz zu Politik kleiner werden. Es ist sicher nicht damit getan, lediglich den Versuch zu unternehmen, Politik besser zu verkaufen oder demokratische Regeln einzuüben.“

 

„DU bist das Volk“ soll ein Beitrag in diesem Sinne sein. Da wir glauben, dass Politikverdrossenheit kein jugendspezifisches Problem ist, richtet sich unser Angebot auch an Erwachsene. „DU bist das Volk“ ist ein kurzweiliges Theaterstück, das sich auch kabarettistischer und musikalischer Mittel bedient, wie auch gezielt auf Formate des Improvisationstheaters zurückgreift, um eine unterhaltsame Beschäftigung mit politischen Grundsätzen und Grundgedanken herbeiführen.

 

Zielgruppe

Wie schon in den vorangegangenen Projekten „Die weiße Rose – der geheime Widerstand der Geschwister Scholl“ und „Kein schöner Land – Rostock Lichtenhagen Tage der Gewalt“ soll auch mit „DU bist das Volk!“ vor allem jugendliches und Publikum und junge Erwachsene angesprochen werden, ohne dabei erwachsene Zuschauer auszuschließen. Das Stück soll abendspielplankompatibel sein, aber in der Hauptsache für den Vormittagsspielbetrieb in und für Schulen gedacht sein. Nicht zuletzt deshalb ist das Thema Grundgesetz deshalb ausgewählt worden, weil es eine Nähe zu schulischen Lernstoffen aufweist.

 

Durchführung

Die Durchführung des Projekts „DU bist das Volk!“ wurde im Kern in zwei Schritten vollzogen. Der erste Schritt war die Recherche und Textfindungsphase. In dieser Phase wurde die Textvorlage erarbeitet. In langen Gesprächen mit Jugendlichen und Erwachsenen, die in der Jugendbetreuung arbeiten wurde ermittelt, wie man das vermeintlich theoretische Thema Grundgesetz in die Erfahrungswelt Jugendlicher so einbinden kann, dass der Theaterabend nicht als Belehrungsstunde wahrgenommen wird, sondern als unterhaltsame Bereicherung. Kombiniert mit Recherchen zum Grundgesetz wurde darauf hin von den Autoren eine Textvorlage entwickelt, die als Grundlage für die zweite Arbeitsphase diente, der Probenarbeit. In der Probenarbeit wurden die entwickelten Texte szenisch mit den Darstellern erarbeitet, wobei an ausgewählten Stellen durch gezieltes Improvisationstraining bewusst freie Umsetzungsformen eingefordert und eingebunden wurden. Ziel dieser Arbeitsweise war es auch die Erfahrungswelten der Darsteller in den Probenprozess einzubinden, um damit in der Rollenfindung ein Maximum an Authentizität zu erreichen.

 

Bühnenbild/Inszenierung/Requisiten

Die Bühnenkonzeption war darauf hin ausgerichtet, dass vor allem eines gewährleistet bleibt: Mobilität. So war es wichtig mit wenig Requisiten und Bühnenaufbauten Bilder erzählen und Spielsituationen für die Darsteller schaffen zu können. Letztlich besteht die Bühne aus einer mobilen, universell einsetzbaren Holzkonstruktion, die auf den ersten Blick an eine Schultafel erinnert, im Spielverlauf aber flexibel zu bespielen ist. Der Einsatz von Requisiten erfolgt sehr spärlich und oftmals mit der Zielsetzung der ironischen Brechung des Verhandelten.

 

Pläne

„DU bist das Volk!“ soll nach der Projektentwicklung gezielt als Tourneestück Schulen, Kulturämtern und sonstigen Gastspielhäusern angeboten werden. Dabei kann auf die Vielzahl der Veranstalterkontakte zurück gegriffen werden, die durch die bisherigen Jugendprojekte getätigt wurden. In einem Zeitrahmen von ca. zwei Jahren soll „DU bist das Volk!“ angeboten werden.

 

Fazit

Das Ziel mit „DU bist das Volk!“ bewusst den Grenzbereich zwischen Theater und Kabarett auszuloten scheint nach dem bisherigen Erkenntnisstand gelungen zu sein. Durch eine schnelle, abwechslungsreiche Spielweise gelingt es jugendliche Zuschauer zu begeistern. Das erlebte kann dann inhaltlich vertieft werden und als Grundlage für eine Diskussion über Demokratie und politische Verantwortung dienen. Das Stück wird nie eine Schulstunde ersetzen können, was es aber leisten kann ist, mit den Mittel des Theaters jugendlichen Zuschauern einen gemeinsamen Erfahrungshorizont zu geben, mit dem politische Themen diskutierbar gemacht werden.

 

 

Antrag-Nr. 50 b

Theater am Schlachthof, Neuß – „Von Nomaden und Indianern“

 

Zum achten Mal fand in diesem Jahr die traditionelle kulturpädagogische Sommeraktion des Theaters am Schlachthof statt. 80 Kinder hatten von Montag bis Freitag (jeweils von 10 bis 17 Uhr) die Möglichkeit, spielerisch einen Kulturkreis kennen zu lernen.

 

Themen der diesjährigen Sommeraktion waren „die Wanderung der Menschheit seit Anbeginn der Zeit“, „Warum zogen Indianer und Nomaden von Ort zu Ort ?“, „Warum werden manche sesshaft und wie ist die Entwicklung heute ?“, „Welche Rolle spielen Versteppung, gesellschaftliche und Umwelteinflüsse beim herumziehen ?“, „Warum gibt es Gastarbeiter, die `modernen` Nomaden unserer Zeit ?“, „Was ist multikulturelle Gesellschaft und warum gibt es Asylsuchende ?“

Auch in diesem Jahr wurden wieder vier Programmgruppen gebildet, in denen künstlerisch und völkerkundlich gearbeitet wurde. Die verschiedenen Gruppen wurden von erfahrenen Künstler, Absolventen der Düsseldorfer Kunstakademie, Rhythmikern und Choreographen geleitet.

 

Am ersten Tag hatten die Kinder die Möglichkeit, alle Angebote der verschiedenen Programmgruppen kennen zu lernen, um sich dann je nach Interesse für eine der Gruppen zu entscheiden. Zu Beginn jedes Tages wurde von den Kindern ein Begrüßungslied in englischer Sprache („The Earth is our mother“) eingeübt und gemeinsam mit den Referenten gesungen.

 

Bildhauer und Maskenbau:

Auf dem Außengelände des Theaters wurden drei originalgetreue Indianer-Zelte (Tipis) aufgebaut. Die Zelte wurden von den Kindern selber geschmückt und dekoriert. Des weiteren wurde ein für die damalige Zeit üblicher Lehmofen gemeinsam mit den Kindern gebaut. Es wurde Indianer-Schmuck, wie z.B. Amulette, Kugeln und Tiere, getöpfert, die dann von den Kindern im selbstgebauten Lehmofen gebrannt werden konnte. Die Kinder stellten außerdem kleine Ledertaschen her, die von jedem Kind individuell verziert werden konnten. Die in eigener Herstellung angefertigten Kostüme, Instrumente, Schmuck und Skulpturen wurden in verschiedenen Bereichen genutzt, z.B. in der Ritual-Gruppe und in der Tanz- und Theatergruppe.

 

Rhythmik und Rituale:

In dieser Gruppe wurden die 4 Elemente „Wasser“, „Erde“, „Luft“ & „Feuer“ plastisch dargestellt. Es wurde für jedes Element ein Kunstobjekt hergestellt, dass das jeweilige Element widerspiegelt. Außerdem unternahmen die Kindern diversere Exkursionen in alle vier Himmelsrichtungen „Norden“, „Süden“, „Westen“ & „Osten“. Außerdem wurde ein kleines Theater-Stück zu den vier Elementen und den Himmelsrichtungen einstudiert

 

Instrumentenbau und Musikgruppe:

Die Arbeit an der Musik und am Rhythmus stand in dieser Gruppe im Vordergrund. So wurden von jedem Kind Ritual-Stäbe (Besenstile) individuell gestaltet und damit Rhythmen, die man damals auf der Wanderschaft gespielt hat, einstudiert. Die Kinder haben Instrumente wie zum Beispiel Trommeln selbst gebaut. Nach einfachen Anfangsübungen wurden Lieder und verschiedene Rhythmen auf den gebauten und mitgebrachten Instrumenten und den Ritual-Stöcken einstudiert. Als Ausgleich wurden mit den Kindern auch Entspannungsübungen/Meditationen durchgeführt .

 

Tanz- und Theatergruppe:

Die Teilnehmer spielten und tanzten Alltagssituationen, Geschichten, Sagen und Mythen der Nordamerikanischen Ureinwohner nach. Die passenden Kostüme, der Schmuck, und die Zelte wurden von den Kindern selber erstellt. So wurden Stoffe bemalt oder bedruckt. Neben der Vermittlung der Mythen waren Körperarbeit und Wahrnehmungsspiele Schwerpunkt der Gruppenarbeit. Dazu wurde ein kleines Theater-Stück „Der heilige Fluß“ einstudiert. Die Geschichte des Theaterstückes haben die Kinder selber geschrieben. Es wurden auch verschiedene Solo- und Gruppentänze (Sozialformen im Tanz) mit eigenen Tanz- und Bewegungsmustern erstellt und einstudiert.

 

An jedem Tag um 16.00 Uhr versammelten sich alle Kinder im Veranstaltungsraum. Es wurde, wie an jedem Morgen, das gemeinsam eingeübte Lied gesungen. Die Gruppen, die an diesem Tag etwas erarbeitet hatten, zeigten Ihre Tänze, Theaterstücke oder Trommelrhythmen.

 

Elterntag:

Zum dritten Mal fand in diesem Jahr am Mittwoch eine Elternveranstaltung statt. Eltern und Kinder konnten gemeinsam die Gruppenangebote nutzen und am späten Nachmittag ihre Arbeitsergebnisse allen vorstellen bzw. aufführen. Außerdem fand ein kleiner Basar statt auf dem fair gehandelte Ware angeboten wurde. Zum Abschluss gaben die Referenten ein Konzert. Der Elterntag wurde mit einen traditionellen „Nomaden-Buffet“ beendet.

 

Abschlussveranstaltung:

Als Höhepunkt der einwöchigen Sommerspaß-Aktion 2002 fand am letzten Tag eine öffentliche Abschlussveranstaltung statt, bei der die Kinder ihren Angehörigen und dem interessierten Publikum die Ergebnisse ihrer einwöchigen Projektarbeit in einer sehenswerten Bühnenshow in Form eines Theaterstücks mit Tanz und Musik zur Indianer-Kultur darboten. Wie in jedem Jahr klang der Nachmittag mit dem traditionellen Kuchenbuffet aus.

 

 

Antrag-Nr. 50 c

Theater am Schlachthof, Neuß – Suburbia

 

Zielgruppe

Jugendliche von 12-18 Jahren speziell aus den Stadtteilen Barbaraviertel (in dem das Theater liegt) und dem daneben liegenden Vorort Rheinparkcenter. Beide Stadtteile sind dadurch gekennzeichnet, dass dort ein großer Ausländeranteil lebt, sowie Arbeitslose und „Sozial Schwache“. Im Christdemokratisch regierten Neuss ist an einem Aufbau von Jugendarbeit in diesen Stadtteilen kein Interesse vorhanden. Im Arbeitskreis Jugendkultur der Stadt Neuss hat eine Anfrage zu diesem Punkt kein Ergebnis gebracht. Das Jugendamt der Stadt Neuss fördert diese Arbeit seit Jahren mit einem völlig unzureichenden Betrag.

 

Stadtteil Barbaraviertel

Das Theater im Schlachthof liegt im Barbaraviertel, einem Stadtteil mit einem Ausländeranteil von 46,3 % , von den 784 Kindern und Jugendlichen (0-18 Jahre), sind 438 anderer Nationalität, also über 50 %. Stadtteil Rheinparkcenter Etliche Hochhausblocks prägen den Stadtteil, der von Gewerbesiedlungen und großen Einkaufszentren eingeschlossen ist. Ein Stadtteil, der kaum Freizeitangebote für Jugendliche anbietet.

 

Jugendliche

Die Situation der jugendlichen Teilnehmer des Projektes ist gekennzeichnet von den typischen Problemen von Jugendlichen:

Schulische Schwierigkeiten

Auffällige Psychische Symptome

Drogenkonsum

Schwierigkeiten mit den Eltern

Ausländerfeindlichkeit

 

Das Theater am Schlachthof ist die einzige Institution in Neuss, die für diese Stadtteile seit Jahren Kinder- und Jugendarbeit anbietet. Diese Arbeit ist jedes Jahr durch fehlende Gelder gefährdet.

 

1. Werbung der Jugendlichen

a) im Barbaraviertel, Treffpunkt der Jugendlichen ist der Spielplatz, hier wurde durch die Mitarbeiter der Kontakt und das Gespräch gesucht.

 

b) das Rheinparkcenter (ein sozialer Brennpunkt) wurde von unseren Mitarbeitern aufgesucht und der Kotakt zu den Jugendlichen hergestellt. Die Einbindung des Stadtteiles Rheinpark Centers geschah auch durch das UCI-Kinocenter. Dieses Center befindet sich zwischen den Stadtteilen und ist Treffpunkt der Jugendlichen. Hier fand schwerpunktmäßig die Anwerbung der Jugendlichen für das Projekt statt.

 

2. Durchführung

a) Handlung

Ein Vorort irgendwo und überall. Jugendliche hängen an einer Ecke rum und machen nichts. Nichts außer kiffen, Pizza fressen, ficken, saufen und quatschen. Alle finden es sterbenslangweilig. Zwei der sieben Jugendlichen haben den Ausbruch aus der miefigen Enge geschafft. Tim ist zur Armee gegangen, und Pony ist als gefeierter Sänger ins große Musikgeschäft eingestiegen. Tim ist bald als Säufer und rassistischer Looser in den Vorort zurückgekehrt und hängt – jeden Tag betrunken – mit den anderen wieder an der Ecke ab. Und dann gibt es noch Buff, der sich über nichts Gedanken macht außer darüber, woher er Gras und ein williges Mädchen bekommen kann.

 

b) Thematik

Auf die Thematik des Stücks wurde besonders intensiv eingegangen. Es entwickelten sich bei den Jugendlichen große Diskussionen: Reflexionen über die eigenen Zukunftsperspektiven, die eigenen Träume, das gegenwärtige Leben.

 

3. Vorbereitung: Bühnenbild, Requisiten, Assistentin

Es wurden zwei Teams gebildet, damit auch andere Berufsbilder erkundet werden konnten: z. B. Bühnenbildner, Bühnenarbeiter, Maler und Lackierer, Schauspieler, Regieassistentin, Requisiteur Ein Team war neben der Schauspielerei auch für die Regieassistenz und die Requisite zuständig. Das andere beschäftigte sich neben der Schauspielerei mit der Entwicklung, Konstruktion, Aufbau und Abbau des Bühnenbildes.

 

4. Inszenierung

Aufgrund der Brisanz des Themas gestaltete sich die Arbeit für die Mitarbeiter zeitweise schwierig und sehr abenteuerlich, weil ein Teil der Mitwirkenden noch sehr unerfahren war und der Bezug zur eigenen Realität sehr nah war. Natürlich wurde auch deutlich, daß einige Jugendliche mehr „Darstellertalent“ hatten als andere. Aber gerade dieser Unterschied zwischen den Jugendlichen (das laienhafte in der Darstellung) verhalf der Produktion zu einer beängstigenden Realitätsnähe.

 

5. Presse

Das Stück „Suburbia“, gespielt vom Jugendensemble des Theaters am Schlachthof verblüfft mit einer brillanten Realitätsnähe, die auch Profis nicht besser hätten darstellen können. Sven Post hat als Regisseur den Darstellern viel Freiraum gelassen . Vor allem David Kosock als Jeff und Stefanie Jansen als Sooze brillierten. ( WZ)

 

Fünf Jugendliche in einem Vorort irgendwo: Keine Perspektive und doch der Traum vom großen Glück. „Suburbia“ von Eric Bogosian ist eine bedrückende Geschichte. Brutal, aggressiv und immer ein wenig zu real, als das man sich ihr vollkommen entziehen könnte. Das Jugendensemble des Theaters am Schlachthof hat diesen Stoff nun eindrucksvoll verarbeitet. (NGZ)

 

6. Umbesetzung / Weiterentwicklung

Aufgrund der schwierigen Situation der Jugendlichen (Krankheit, Umzug, schulische Probleme u.a.) waren und sind immer wieder Umbesetzungen notwendig, so das dieses Projekt ein fortwährender Arbeitsprozess bleibt .

 

7. Fazit

Trotz anfänglicher Schwierigkeiten entwickelte sich die Arbeit sehr positiv.Alle waren mit sehr viel Freude und Einsatz bei der Sache. Man kann also von einem schönen Erfolg sprechen, der allen beteiligten neue Sichtweisen eröffnet hat.

 

 

Antrag-Nr. 122 d

Theater am Schlachthof, Neuß – Graffiti - Jugendkultur oder Schmiererei?

 

Sprayer ernten mehr Unmut als Bewunderung. Der Beginn der Graffitibewegung geht auf einen New-Yorker Jugendlichen zurück, der 1970 während seiner Botengänge die Stadt mit seinem Pseudonym "Taki 183" signierte. Er fand schnell Nachahmer. Die Nutzung des Namens als Marke wurde den Jugendlichen in der Werbung vorgemacht, so dass sich in den 70ern schon erste differenzierbare "styles" der "writer" entwickelt hatten. Erste Ausstellungen und zeitgleich die Ausbildung von Graffiti-Sonderkommissionen der örtlichen Polizei zur Eindämmung der "Schmierer", wie die Graffitikünstler oft diffamierend dargestellt werden, erweiterten die Präsenz und scheinbare Wichtigkeit dieser Art des Ausdrucks, so dass diese Welle der jugendlichen Kultur über den großen Teich schwappte, und in Europa Resonanz fand.
In Deutschland wurde diese Welle 1980 bekannt. Heute haben viele europäische Länder Sprayerszenen, die 3. und 4. Generation von Sprayern kann auf Spraytechniken und eine Fachsprache zurückgreifen und diese weiterentwickeln. An Schulen wird das Sprayen unterrichtet, tausende Buchtitel, Studentenarbeiten und einige Filme sind zum Thema Graffiti erschienen, der Zweig der Graffiti-Forschung wächst und die Industrien setzen jährlich 50 Milliarden Dollar (Kleidung, Werbung, Reinigung) durch Graffiti um. Ist es da nicht sonderbar, dass diese GlobalArt in der Gesellschaft wenig Anerkennung findet, ja sogar strafrechtlich verfolgt wird? Verdrängen die Menschen diese Kunst, um sich nicht mit den Aussagen der Heranwachsenden auseinander setzen zu müssen?
Ist das (illegale) Besprühen von Wänden ein Symptom dieser symbolgewaltigen, konsumorientierten Gesellschaft? Bei der heutigen kontinuierlichen Bebauung und folglich der Verknappung von Freiflächen kann man die Wandmalerei als eine Wiederaneignung des entfremdeten Raumes sehen, mit dem sich die Hineingeborenen so, neuartig, arrangieren.
Und ist es nicht mehr als friedlich, seine Probleme und Ängste innerlich zu verarbeiten, um sie dann in Bildern zu kompensieren, die für die Öffentlichkeit zugänglich sind? Selten findet man heute eigene, nicht reproduzierbare Produkte. Im Gegensatz zur 39 000 Jahre alten Kunst der Höhlenmalerei sind die Begriffe "Außenwand" und "Privateigenturm" eine relativ späte Erfindung.
Die Graffitikunst als Ventilfunktion sowie die sozialisierende Funktion der "crews" sollte unter den Bürgern mehr anerkannt und weniger diffamiert werden. Und die Polizeibeamten, die sich mit diesen Kleinkriminellen beschäftigen, könnten sich um wirkliche Straftaten kümmern. Sehen wirs doch mit Rio Reiser: "Graffitis machen graue Wände lebendig." (Berliner Zeitung, Medien, 06.05.2000)

 

Aufgrund unserer Aufrufe an Schulen und Geschäften in der Nähe des Theaters, haben sich 10 Jugendliche im Alter zwischen 12 und 17 Jahren zu dem Graffiti-Workshop gemeldet. Nach Gesprächen mit den interessierten Jugendlichen wurde beschlossen, auf die Teilnehmergebühr zu verzichten, da nur wenige in der Lage gewesen wären, diese zu bezahlen. Nach Rücksprache mit den Jugendlichen wurde vereinbart, sich im August und September jeweils zweimal die Woche zu treffen und unter Aufsicht der Mitarbeiter Britta Franken und Vladimir Simonov Wände und Tore einer Halle des Theaters Am Schlachthof und einem Platz in der Innenstadt mit Graffitis zu besprühen.

 

Die Jugendlichen konnten unter Anleitung alle Möglichkeiten ausprobieren. Namen und Zeichen der Sprüher waren natürlich vorherrschend. Ebenso Musik und verwandte Bezüge. Nach fünfzehn Treffen waren vier verschiedene Motive entstanden, die seither die Besucher des Theaters mehr oder weniger begeistern, auf jeden Fall zur Diskussion herausfordern. Alle Jugendlichen hatten Spaß und viele kreativen Ideen, die zur Umsetzung Ihrer Freizeitbeschäftigung zu einem legalen Graffiti notwendig waren. Die entstandenen Kunstwerke wurden leider sehr schnell von anderen Sprühern übermalt.

Das Thema wurde nicht immer getroffen, jedoch stand auch Freizeitbeschäftigung und Deeskalation von Gewalt im Vordergrund, da die Gewaltbereitschaft und der Vandalismus im Barbaraviertel und in Neuss in letzter Zeit stark zugenommen hat. Wesentlicher war die Kommunikation und das gegenseitige Akzeptieren lernen unter den Beteiligten.

 

 

Antrag-Nr. 53

Jugend- und Kulturzentrum Druckluft e.V., Oberhausen – Wir wollen spielen ! Open-Stage - Veranstaltungsformat für Newcomerbands aus Oberhausen und Nachbarstädten

 

Seit Februar 2002 hat das Jugend- und Kulturzentrum eine neue Veranstaltungsreihe: Die Open-Stage ! An jedem ersten oder zweiten Freitag des Monats wird jungen und unerfahrenen Musikgruppen aus Oberhausen und Umgebung die Möglichkeit gegeben, ohne große Formalien Auftrittsmöglichkeiten zu erhalten und so ihre (ersten) Bühnenerfahrungen machen zu können. Dieses niederschwellige Angebot gilt auch für junge Gruppen, die zwar schon erste Erfahrungen gemacht haben, aber in dieser Region keine Chancen für Auftritte erhalten. Für die Auswahl der Gruppen gibt es keine qualitativen Kriterien und kein Auswahlverfahren. Bewerbungen mittels Demoaufnahmen sind nicht notwendig. Entscheidend ist nur der Wunsch spielen zu wollen, vorrangig Jugendliche oder junge Erwachsene als Mitglieder in der Gruppe zu haben und aus der Region zu sein ! (Alles können wir ja nun auch nicht abdecken) Ebenso befinden sich keine Beschränkungen was die Musikstile betrifft. So haben alle die Möglichkeit bei uns aufzutreten, es sei denn, die Gruppe vertritt menschenfeindliche Inhalte.

 

Wer zuerst kommt oder anruft, spielt auch beim nächst möglichen freien Termin ! Die terminliche Koordinierungen und Vorschlage bezüglich einer Zusammenlegung von Gruppen wird von Druckluftmitarbeitern vorgenommen und/oder die Gruppen werden gefragt, ob sie eigene Vorschläge für weitere Bands haben, so dass an einem Abend möglichst zwei bis drei Bands spielen können.

Druckluft übernimmt die komplette Pressearbeit (Monatsmagazine, Lokalpresse, Radio etc.), präsentiert die Gruppen im eigenen Programmheft, einem Monatsplakat und auf der Druckluft-Homepage. Für den Veranstaltungstag stellt Druckluft eine PA (Beschallungsanlage incl. Monitoring) und einen erfahrenen Mischer zur Verfügung. Während des Auftrittes besteht die Möglichkeit der Erstellung einer Demo-Aufnahme. Das Catering (Getränke und eine warme Malzeit) übernimmt ebenfalls Druckluft. Auch die Musikgestaltung des gesamten Abends (vor und nach dem Konzert) können die Gruppen gestalten oder sogar eine Disco anbieten. Des weiteren obliegt es den Bands, ob und wie viel Eintritt genommen werden soll. Dieser geht dann auch vollständig an die Gruppen.

 

Anfang 2003 wurde eine CD produziert, auf der alle Gruppen, die von Februar bis Dezember 2002 im Rahmen der Open-Stage aufgetreten sind, präsentiert werden konnten. Das Interesse seitens der Bands an dieser CD war ausgesprochen groß. Bis auf wenige Gruppen, die sich im Laufe des Jahres auflösten, wollten alle Bands auf dieser CD vertreten sein. Diese CD wurde nach Fertigstellung am 22.Februar 2003 auf einem Festival präsentiert. Alle Bands erhielten 50 Exemplare zur freien Verfügung. Die ersten 120 Besucher des Festivals erhielten ebenfalls jeweils Freiexemplare. Die restlichen CD’s stehen Druckluft zur Öffentlichkeitsarbeit und Dokumentation zur Verfügung. Die CD ist nicht im Handel erhältlich, sondern dient ausschließlich der Öffentlichkeitsarbeit der Musikgruppen und zur Dokumentation des Projektes.

Als weitere Plattform für die Musikgruppen wurde eine Internetpräsenz konzipiert und ein Internetportal angelegt, in der Informationen, Fotos, Musikfiles und Kontaktadressen der Bands präsentiert werden. Diese Seiten sind unter www.drucklufthaus.de/openstage abrufbar und werden jeden Monat mit den auch in diesem Jahr auftretenden Bands aktualisiert.

 

Nach etwa einem Jahr können wir ein erstes Fazit ziehen:

Der Bedarf für unbekannte Bands aus der Region an Auftrittsmöglichkeiten ist besonders groß, so dass wir einen hohen Andrang seitens der Bands auf diese Veranstaltungsreihe feststellen konnten. Open-Stage hat sich als Veranstaltungsformat etabliert und wird auch im Jahre 2003 fortgesetzt. Alle Auftrittstermine bis September dieses Jahres sind schon vergeben und weitere freie Wochenend-Termine werden nun schon als zusätzliche Termine herangezogen. Die Veranstaltungen sind bislang zur Zufriedenheit Aller außerordentlich gut bis sehr gut besucht und konnten verschiedene Musikstile präsentieren. (Von Metal, über Grunge, Rock, Pop, Rock’n Roll, Punk). Da die Eintrittseinnahmen besser waren, als ursprünglich kalkuliert, sind auch die Gagen höher ausgefallen. Dadurch wurden Mehrausgaben getätigt, die auch den Eigenanteil prozentual erhöhten.

 

Nicht nur für die Gruppen ist diese Veranstaltungsreihe eine Bereicherung, sondern auch für Druckluft selbst. Hier werden die einzelne Veranstaltungen nicht einfach nur gebucht, sondern sie entstehen als Produkt eines gemeinsamen Planungsprozesses, aus dem heraus auch Kontakte zur regionalen jungen Musikszene intensiviert werden. Die Bands erleben Druckluft als einen Raum, dem sie zumindest für einen Abend ihr Gesicht geben können. So präsentiert sich die Open-Stage als ein Bestandteil der Konzeption unserer Jugendkulturarbeit.

 

Auszug der aktuellen kulturellen Konzeption:

Der Druckluft e.V. versteht sich als Jugendkulturzentrum mit einer starken kulturellen Ausrichtung, die sich der immer stärker werdenden Kommerzialisierung im „Kulturturbetrieb“ entgegenzustellen versucht. Die Konzeption des Veranstaltungsbereiches bietet Gruppen und Einzelpersonen von Jugendlichen und jungen Erwachsenen die Möglichkeit in Kooperation mit den MitarbeiterInnen Veranstaltungen zu planen, zu organisieren und durchzuführen. Kulturarbeit bietet hier einen Entwicklungsprozess gemeinschaftlicher Überlegungen und gemeinsamen Arbeitens und fördert somit das kulturelle Bewusstsein. Experimentelle Ausdrucksformen sollen die Wahrnehmung schärfen, Sinne bilden, neue Sichtweisen eröffnen und gegenseitige Toleranz fördern. Druckluft setzt hier bewusst einen Gegenpol zu Veranstaltungen mit reinem Unterhaltungswert.

In den letzten Jahren entstanden etliche Gruppen junger Menschen, die sich für bestimmte Musikrichtungen, wie HipHop, Alternative, Punk oder Hardcore interessieren und an einem Abend in der Woche oder im Monat ihre eigenen Kultur-, Konzert- oder Discoveranstaltungen durchführen.

Weitere kulturell wichtige Schwerpunkte, die von diesen Gruppen nicht aufgegriffen werden, setzen die hauptamtlichen MitarbeiterInnen des Kulturbetriebes des Drucklufthauses. Somit wird sichergestellt, dass eine möglichst große Bandbreite an kulturellen Veranstaltungen angeboten wird und weitere Zielgruppen in Oberhausen und Umgebung angesprochen werden. Jungen NachwuchskünstlerInnen bietet Druckluft Auftrittsmöglichkeiten, hilft ihnen bei der Erstellung ihrer Werbeplakate und übernimmt die Werbung im hauseigenen Programmheft, in der lokalen und regionalen Presse und anderen Medien wie Radio, TV und Internet. Ein weiterer Schwerpunkt ist die Förderung der lokalen Kunst- und Musikszene, der die Möglichkeit geboten wird sich und ihre Projekte einem interessierten Publikum vorzustellen. Druckluft stellt dabei die technische und organisatorische Infrastruktur zur Verfügung. Analog zu dieser Konzeption ist es uns mit der Veranstaltungsreihe Open-Stage gelungen, ein neues Veranstaltungsformat zu etablieren, welches in der Zukunft fortgesetzt wird, um jungen NachwuchsmusikerInnen kontinuierlich ein Forum anzubieten.

 

Text im CD-Sampler Open-Stage:

"Kein Plattenvertrag? Kein Auftritt!" Normalsterblichen dürfte nicht klar sein, wie häufig junge Musikgruppen diesen und ähnliche Sprüche zu hören kriegen. In Zeiten der kommerz-strategisch zusammengecasteten Zuchtschauen ist der Mythos der Band, die aus Freunden besteht und im Proberaum autark an ihrem Traum der großen Bühne feilt, ohnehin zu einem nostalgischen Auslaufmodell geworden. Durch sogenanntes Event-Marketing in schierem Überangebot hat die Zeitgeist-Industrie große Teile des potentiellen Publikums längst umerzogen und weggelockt aus den kleinen Clubs. So ist es nicht einmal ein Wunder, dass Nachwuchsbands bestenfalls im Vorprogramm etablierter Kollegen ihre Chance bekommen, für die sie oft auch noch bezahlen müssen...Umso lobenswerter das Konzept der Open Stage-Konzertreihe im Druckluft. Open Stage ist ein Veranstaltungsformat, das Newcomerbands nicht nur die Möglichkeit zur ersten Bühnenerfahrung bietet, sondern darüber hinaus die Option, auch sämtliche Rahmenbedingungen selbst zu bestimmen. Unterstützt durch Infrastruktur, Arbeitskraft, Technik, Planung und Organisation eines erfahrenen Teams, obliegt den Jugendlichen oder jungen Erwachsenen sowohl die Wahl des Auftrittortes (große Halle oder gemütliches Café, im Sommer womöglich Open Air...) als auch die individuelle Gestaltung von Bühne und Zuschauerraum. Dabei kann es schon einmal passieren, dass beherzte Besucher aufblasbare Sexpuppen nicht als Bühnendeko akzeptieren. Der Backstageraum ist dennoch geputzt und beheizt. Und oft im Laufe eines gut besuchten Konzertes, mit vielen Freunden und Bekannten der Bands, die diese überschwänglich feiern, stellt sich heraus: mein Gott, die sind ja richtig gut!

 

 

Antrag-Nr. 54

Initiativkreis Altenberg e.V., Altenberg – Ihr sollt es mal besser haben als wir - Endlich den Kinderschuhen entwachsen - Nachwuchsförderung und anderes.... denn Altenberg wird 20!

 

Das Jahr 2002 ist abgeschlossen und es ist an der Zeit abzurechnen. Der Titel zum Projekt bleibt Tenor, alles ist eigentlich nur noch schlimmer... Nichts desto trotz haben wir im Jahr 2002 vieles durchgeführt und dazu hier ein kleiner Text über die Veranstaltungen, die mit der Förderung durch die LAG Soziokultur stattfinden konnten.

 

1. Newcomer-Förderung

Als Soziokulturelles Zentrum haben wir besonders jungen KünstlerInnen, Formationen und Bands die Möglichkeit eines öffentlichen Auftritts unter professionellen Bedingungen geboten. Im Speziellen haben wir mit der Reihe „Flutlicht“ KabarettistInnen und Darstellenden KünstlerInnen ein Forum geboten, welches sowohl vom Publikum als auch durch schon bekanntere KünstlerInnen sehr gewürdigt wurde. Die Veranstaltung „Flutlicht“ fand monatlich mit Kurzauftritten von echten Newcomern und bekannteren KünstlerInnen statt. Aus dieser Veranstaltungsreihe heraus fanden zudem vier „Solo-Abende“ statt, bei denen die erfolgreichsten Flutlicht-Künstler abendfüllend ihr Programm präsentieren konnten.

Der zweite Schwerpunkt im Bereich Newcomer-Förderung lag in der Unterstützung junger Bands und MusikerInnen, die mit selbstverfassten Titeln Botschaften aus ihrer Lebenswelt transportieren. Unter dem Titel „Laut und gemein“ fanden im Jahr 2002 zehn Konzerte statt, bei denen junge Bands aus unterschiedlichen Musiksparten (Punkrock, HipHop,…) ihre Musik präsentierten.

 

2. “20 Jahre IKA”

Mit der Broschüre zum 20jährigen Bestehen des Zentrum Altenberg ist eine kleine Übersicht des Zentrum Altenberg entstanden, in der die Geschichte des Zentrums vorgestellt wird, ein Blick auf die Geschichte der Soziokultur geworfen wird und auch der aktuelle Stand des Zentrum Altenberg präsentiert wird.

Am 8. September 2002 fand dann auch die Geburtstagsfeier in Form eines großen Sommerfestes statt, bei dem alle Gruppen des Zentrum Altenberg sich bei freiem Eintritt den Geburtstagsgästen präsentierten. In diesem Rahmen fand eine Ausgabe der Veranstaltungsreihe „Flutlicht“ statt, diverse Oberhausener Newcomer-Bands traten auf; die soziokulturellen Gruppen präsentierten sich mit vielen Ständen und auch in den übrigen Bereichen, wie z.B. dem Programm-Kino „Walzenlager“, gab es Sonderveranstaltungen zum Jubiläum.

 

3. “Vorwärts, und nicht vergessen...”

In unserem Programmangebot zur Reflektion und Diskussion des Themas „Krieg und Frieden“ fanden diverse Veranstaltungen statt. So las Serdar Somuncu aus der Göbbels-Rede “Wollt ihr den totalen Krieg?”, in Kooperation mit dem VVN (Verein der Verfolgten des Naziregimes) wurden die Texte des Dichters Nazim Hikmet dargeboten.

 

Fazit:

Dank der Unterstützung der LAG Soziokultur konnten wir im Jahr 2002 ein vielseitiges, anspruchsvolles Angebot schaffen, das unserem soziokulturellem Anspruch gerecht wurde, unseren MitbürgerInnen die Möglichkeit zu bieten, sich kulturell und politisch zu bilden und zu informieren und sich an Prozessen zur Gestaltung des Lebensraumes aktiv –und auch passiv- zu beteiligen.

 

 

Antrag-Nr. 56 a

Kraftstation, Remscheid – „Pop und Wort – eine Spurensuche im Soziokulturellen Zentrum“

 

„Tatsächlich sind Kämpfe auf dem Feld der Kultur wichtiger denn je, und es lohnt sich definitiv auch weiter um Repräsentation zu streiten.“ Tom Hollert / MarkTerkessidis; „Mainstream der Minderheiten. Pop in der Kontrollgesellschaft“; S.19 ; Berlin 1996

 

Mit der Reihe „Pop und Wort“ begab sich die Kraftstation mit dem Publikum auf Spurensuche. Eine ging der Frage nach der Bedeutung der Kraftstation als soziokulturelles Zentrum nach 15 Jahren Kulturarbeit nach. Was zeichnet die Kulturarbeit der Kraftstation heute, in Zeiten der „Spaßgesellschaft“ und bei verändertem Freizeitverhalten aus? Wie unterscheiden wir uns von kommerziellen Veranstaltern? Wir begaben uns damit reflexiv und perspektivisch auf den „Prüfstand“.

 

Die zweite Spur stellte Pop in den Mittelpunkt. Pop ist in Zeiten der Mediasierung aller Lebenswelten ein umfassender gesellschaftlicher Faktor. Pop ist bunt und der Inbegriff von Jugend und Junggeblieben. Pop ist „up to date“ und macht Spaß. Ist Pop der Inbegriff der Spaßgesellschaft? Pop hat mit Freizeit zu tun und Freizeit ist neben der Arbeit das Wichtigste, Identitätsstiftend, individuell und als Community. Gibt es den politischen Diskurs im Pop? Was wird mit Texten vermittelt ? Was haben uns Popliteraten zu sagen?

Wo sind die Auseinandersetzungen mit Pop und Gesellschaft. Gibt es Auseinandersetzung, oder zählt der nette Abend. Liefert Pop einen gesellschaftlichen Diskurs? Wie äußert sich dieser? Gibt es politische Lieder, Botschaften ? Wie gehen die verschiedenen Szenen damit um. Pop und Wort war eine Spurensuche nach politischem Diskurs, nach gesellschaftlichen Themen, nach der Rückeroberung des Raumes, nach der Suche im kommenden Jahrhundert. Das Projekt „Pop und Wort“ war eine nach vorne gewandte Rückbesinnung. Die Kraftstation wollte mit dieser Veranstaltungsreihe Spuren hinterlassen.

 

Ablauf

14.09. - Virginia Jetzt ! / Astra Kid

Beide Bands überzeugten mit gitarrendominierten Melodien und mit Texten, die den Bauch trafen. Ihre Pophymnen führten melancholisch in den rosablauroten Pophimmel, gaben entspannte Lebenshilfen durch den Herbst zu kommen.

 

20.09. - Martin Büsser (testcard)

„Strategien politischer Texte in der Popmusik“ Martin Büsser (Autor verschiedener Bücher, u.a. „If the kids are united – von Punk zu Hardcore und zurück“ und „Wie klingt die Neue Mitte?“) zeigte anhand von Musikbeispielen, welche Formen von politischem Text sich in den letzten Jahren im Pop herausgebildet haben – das reichte von den Dead Kennedys bis Blumfeld, von Ton Steine Scherben bis Tocotronic. Büsser stellte einzelne Positionen vor und zeigte, das es auch ohne Slogans und Parolen möglich ist politische Musik zu machen.

 

27.09. -The Wohlstandskinder / Shandon

Die Kölner The Wohlstandskinder setzen sich frech über jede Kategorisierung ihrer Musik hinweg und mischten einen Cocktail aus Punk, Ska oder Pop. Ihre Texte handelten von den Alltäglichkeiten in der Wohlstandsgesellschaft. Der Spaß war in jeder Note spürbar: es rockte !! Dafür sorgten auch Shandon, die in Italien große Hallen füllen, mit ihrem Punkbillyskacore.

 

04.10. - Poetry Slam und Wortschwingungen mit Philipp Schiemann

Ein Abend, der ganz im Zeichen der Popliteratur und des Spoken Word stand. Der Düsseldorfer Philip Schiemann, „ König des Trash“, „Undergroundliterat“ und „Nachkomme der Beatgeneration“ traf mit seinen packenden, sprachlich prägnanten und radikal vorgetragenen Stories ins Schwarze. Undergroundliteratur vom Feinsten. Nachdem die ZuhörerInnen sich erholt hatten, war die Bühne für alle „DichterInnen“ offen, um sich beim 8. Remscheider Poetry Slam zu messen. Mit dabei der Remscheider National Slam Teilnehmer Roger Spohnheimer, der auch diesmal gewann.

 

11.10. - Fiva MC & DJ Radrum / We Burn Connected / Reimsatzkommando

Die derzeit bei Jugendlichen angesagteste Musikrichtung durfte bei einer Veranstaltung zu Pop und Wort natürlich nicht fehlen ! Gerade hier ist die Diskrepanz von politischen Statements und Mainstream am deutlichsten. Mit Fiva MC & DJ Radrum aus München hatten wir ein junges Rapduo engagiert, das mit ihrem Debüt „Spiegelschrift“ deutlich Zeichen setzt. Fiva’s Gedankenwelt unterlegt von Radrums klangvollen Beats zeigte eine nachdenkliche Seite von deutschem Hip – Hop. Für den Warm – Up sorgten mit ihren Rhymes die Lokalbands von We Burn Connected und Reimsatzkommando.

 

09.11. - Wiglaf Droste (solo)

Auch er durfte nicht fehlen ! Erstmals in Remscheid begrüßten wir Wiglaf Droste, Popliterat, Satiriker, Romantiker, und Kolumnist der Wahrheitsseite der taz. Mit seinen zynischen Texten wurde er geliebt oder gehasst – Wiglaf Droste polarisierte das Publikum und sorgte für Diskussionsstoff.

 

Prüfstand Spur Eins

Die Verortung des soziokulturellen Zentrums als „Jugendkulturzentrum“ mit den kulturellen Standbeinen Pop und Wort ist in Remscheid angenommen. Wir sind ein Zentrum, das ein überwiegend jugendliches Publikum, von 16 – 22 Jahre, hat. Hier gibt es ein sehr großes Stammpublikum, dabei sehr viele Mädchen / Frauen !!! Dies ist umso erstaunlicher, da Popmusik eine Domäne der Männer ist.

Die Presse nahm diese Veranstaltungsreihe sehr gut auf. Das größte Interesse bestand bei der Veranstaltung von Martin Büsser, die zwei ganze Seiten auf der Jugendseite X – Ray bekam. Hier war das Medieninteresse größer, als der Zuschauerzuspruch. Die Musikveranstaltungen waren jedoch alle sehr gut besucht, am besten das Wohlstandskinderkonzert, das restlos ausverkauft war und auch ein Publikum jenseits des Bergischen zog. Wenn wir Highlights setzen, dann strahlen diese auch in andere Regionen. Im Schwerpunkt der Szenen gibt es eine Verschiebung in Richtung Punk und Hardcore. Die Hip – Hop Szene wird weniger. Ob das mit dem Boom der Achtziger zusammenhängt lässt sich nur erahnen, bzw. sollte dieses in einem Anschlussprojekt Untersuchungsgegenstand sein.

Bei der Reihe überwog ein Interesse an Pop“musik“, die Wortveranstaltungen hatten es schwer. Ein Hoffnungsschimmer war hier jedoch Wiglaf Droste, zum ersten Mal in Remscheid, dessen Veranstaltung viele ZuschauerInnen aus dem Nichtbergischen in die Seestadt am Berge lockte. Perspektivisch war diese Reihe ein großer Erfolg, welche die Bedeutung der Kraftstation aufzeigte und verdeutlichte, das wir ein Jugendkulturzentrum sind. Dies wird im nächsten Jahr in der Kulturausrichtung noch mehr berücksichtigt.

 

Prüfstand Spur Zwei

Hier lässt sich kein abschließendes Urteil treffen. Die Vermittlung lief über Flyer und über die Presse. Von der Presseresonanz zu urteilen, hatten wir den Nerv getroffen. Es gibt ein großes Interesse sich mit politischen Texten in der Popmusik auseinander zusetzen. Diese kommen ebenso bei den Bands mehr in den Vordergrund. Die Tendenz ist, weg von der Innerlichkeit und dem Subjektivismus. Die Resonanz der Konzerte und die  Szeneverschiebungen lassen das auch bei den KonsummentInnen vermuten. Es gibt ein Interesse an politischen Texten und Themen. Um letztendliche Aussagen zu treffen, sollte auch diese Spur Untersuchungsgegenstand eines anschließenden Projektes sein.

 

 

Antrag-Nr. 56 b

Kraftstation, Remscheid – Mann 2 = 0

 

Das Projekt hatte die Thematik MannSein, das gesellschaftliche Rollenverhalten von Männern und Gewalt zum Gegenstand. Mann und Gewalt ist miteinander verknüpft. Männer lösen Konflikte mit Gewalt. Die Ereignisse des 11. September und der folgende Krieg sind männlicher Logik entsprungene Handlungen. Männer fliegen in den Tod und Männer bringen fliegend den Tod. Warum reagieren Männer immer wieder nach den Grundsätzen des Stärkeren?

Diese Mechanismen und die Unfähigkeit Konflikte kommunikativ zu lösen beobachten wir sowohl bei den Jungen in der „Kümb“, als auch bei den Jugendlichen in der OT. Männer lieben den Wettkampf und wollen immer siegen. Das Projekt wollte die Thematik MannSein mit verschiedenen Kulturangeboten, drei Theaterproduktionen und einem Film im Rahmen des Open Air Kino´s Yellow Movieng, deutlich machen.

 

Die Stücke

03.05. - Theater Marabu „Zwei Unzertrennliche Feinde“

Dieses famose Stück lebt von dem Bühnenaufbau. Eine Tischtennisplatte, an der sich zwei Jungen / Männer duellieren, über Ihnen thront mit einer Violine kommentierend eine Frau. Die 70 8 – 11 Jahre alten ZuschauerInnen wurden vollkommen in den Bann gezogen. Mal tobt der Wettkampf mit Tischtennisschlägern, dann wer der bessere Vater ist, im nächsten Moment kämpfen Cowboy und Indianer gegeneinander. Das unausweichliche Ende lässt einen mit einem Kloß zurück.

 

12.07. - Film „alaska.de“

Der Film besticht durch seine dichte atmosphärische Stimmung. In einer Plattenbausiedlung ersticht ein Teenager im Kampf einen anderen. Die Schülerin Sabine versucht in dieser kalten Atmosphäre zu bestehen, verliebt sich und steht hilflos der Männergewalt gegenüber. Die leider nur wenigen ZuschauerInnen sind überwältigt. Ein sehr genau gezeichnetes Bild der Regisseurin Esther Gronenborn.

 

04.11. - Jörg Tewes „Dreck“

Der Migrant Sad besucht zwei Schulklassen, eine Theatergruppe an der Gesamthauptschule Hakenberg und eine 10. an der Hermann Löns Realschule. In unmissverständlicher Sprache provoziert Sad Reaktionen und Zustimmungen. „Wer fährt denn die dicken Wagen ? Absolut überzeugend und aufzeigend wie viel Vorurteile und falsche Bilder in den Köpfen existieren. Wie leicht ist Mensch zu verführen. Als in der Melodie von „König von Deutschland“ „und alle Türken ins Meer...“ gibt es das ein oder andere Summen und rhythmische Klatschen !! In der Aufarbeitung wurden die jeweiligen Reaktionen besprochen. Die PädagogInnen waren restlos begeistert.

 

07.11. - Theater Grüne Soße „Fliegenspiel“

Aufgrund des großen Interesses zog die Kraftstation erstmals in das Forum Hakenberg. Zwei Vorstellungen mit jeweils 200 Jugendlichen im Alter von 13 – 15 Jahren waren ein großer Erfolg. Das Stück „Fliegenspiel“ in Anlehnung an William Golding „Herr der Fliegen“ war von 5 Schauspielern begeisternd umgesetzt. Die männlichen Gewaltphantasien und Machtkämpfe waren offen sichtlich. Die apokalyptischen Auswirkungen ließen die ZuschauerInnen nachdenklich nach Hause gehen.

 

Ausblick

Die Veranstaltungsreihe Mann2=0? War ein durchschlagender Erfolg. Das Thema kam an und die Zusammenarbeit mit den Schulen wurde intensiviert. Die Presse berichtete hierüber ebenso, was nicht selbstverständlich ist, da Kinder - und Jugendtheater in Remscheid meistens kein Forum findet. Auch mit dieser Reihe gilt. Die Kraftstation steht für anspruchsvolles Theater, jenseits von Clownbespaßung und sind in dieser Sparte, gerade für Jugendliche der einzige Anbieter in Remscheid. Die Option des anderen Ortes ist ein zusätzlich positiver Ausdruck des Projektes.

 

 

Antrag-Nr. 123

Die Welle e.V./Kraftstation, Remscheid – " WER HAT ANGST VOR DEM SCHWARZEN MANN"

 

Das Projekt ( Kooperationsangebot mit der Kraftstation) fand am 12.12.02 von 12 Uhr-17 Uhr in der Welle statt. Anwesend waren an diesem Tag 4 Betreuer, 24 Kinder und Victor Kodzo Dzissah, der das Projekt leitete. Ein Betreuer hielt den Tag anhand von Digitalfotographien fest, die sehr bald im Internet zu sehen sind.

 

Ziel dieses Projektes war, Kinder mit einer fremdartigen Kultur vertraut zu machen, vieles über sie zu erfahren, neues Wissen mitzunehmen und somit eventuelle Ängste vor " dem schwarzen Mann" abzubauen bzw. Vertrauen aufzubauen.

 

Den Tag führte Victor K.D. mit einer Kennenlernrunde ein, bei der er sich zuerst, und dann jeder weitere, kurz vorstellte. Schon zu Beginn stellten die Kinder viele Fragen ( " Wo bist du geboren"?, "Ist Afrika ein Land?" ..... ), die Victor K.D. den Kindern mit Ruhe und Offenheit beantwortete. Damit jedoch nicht zu viel Zeit verloren geht erklärte er; weitere Fragen in einer Extrarunde zu beantworten. Als nächstes ging es mit afrikanischen Spielen weiter. Hierbei lernten die Kinder ein Geschicklichkeitsspiel mit Nüssen und Seilchenspringen auf ganz neue Art und Weise, die die Kinder begeisterte. Gesprungen wurde zu zweit, wobei ein Dialog bzw. ein Lied gesungen werden sollte, ohne sich zu versprechen bzw. zu versingen. In diesem Fall waren dann die nächsten beiden an der Reihe. Die Kinder- auch die Betreuer- nahmen mit großer Begeisterung an den Spielen teil.

Nach ca.45 Minuten fand ein hauswirtschaftliches Angebot statt, bei dem die Kinder die Möglichkeit hatten, eine afrikanische Spezialität zuzubereiten. Hierfür brachte Victor K.D. afrikanische Zutaten, wie z.B. afrikanische Kartoffeln, Kochbananen etc., die sich von den Zutaten, die uns bekannt sind, unterscheiden. Die Kinder wurden in 3 Gruppen aufgeteilt. Victor K.D. erklärte genau, worin die Aufgabe jeder einzelnen Gruppe besteht. Eine Gruppe war zuständig für das Zubereiten der Kartoffeln, die andere für die Kochbananen und die 3. Gruppe richtete eine Sauce aus Erdnussbutter an. Die Gruppen arbeiteten konzentriert, selbst die Kinder, die in der Regel Schwierigkeiten haben, sich längerfristig mit einer Sache zu beschäftigen, waren voller Elan dabei. Nicht nur die Zutaten waren etwas Neues für die Kinder, ebenso die Essenssituation, bei der mindestens 3 Personen von einem Teller aßen- „Eine Art und Weise, die alltäglich und typisch innerhalb der Familien in Afrika ist“ erklärt Victor K. D.

Die anfängliche Skeptik der Kinder ( z.B. „ Muss das denn sein ?“), was jedoch nicht dazu führte, dass sich eines der Kinder verweigert hat mitzumachen, da sich die Gruppe vertraut ist, endete mit „ Das hat Spaß gemacht, können wir das jeden Tag machen?“. Über den Geschmack der Spezialität wurde sich ebenso positiv geäußert, so, dass wir das Rezept schriftlich festhielten. Weiter ging es nun mit einer gemeinsamen Runde, bei der die Kinder Fragen an Victor K.D. stellen konnten, bzw. sich gegenseitig über ihr Wissen austauschen konnten. Um viele Fragen zu veranschaulichen, präsentierte Victor den Kindern eine große Karte, bzw. viele alltägliche Gegenstände, wie zum Beispiel einen handgemachten Besen, Kleidung, die auch angezogen werden durfte. Außerdem lernten wir den Trick, Töpfe auf dem Kopf zu tragen, bzw. wie die Babys auf den Rücken gebunden werden. Jedes Kind durfte und wollte mal auf Victors Rücken gebunden werden. Womit das wichtigste Ziel, nämlich keine Angst vor dem „schwarzen Mann zu haben“, mit großem Erfolg erreicht wurde. Zum Schluss lernten wir das afrikanisches Mitmachlied „ Tsche Tsche Kulet“ kennen, wobei alle so viel Spaß hatten, dass wir es jeden Tag singen und das den Eltern auf unserer Weihnachtsfeier beibrachten Durch seine freundliche, lustige, offene und liebenswerte Art ist es Victor gelungen, volles Vertrauen der Kinder zu bekommen und ihnen vieles über eine fremde, für viele neue Kultur mitzugeben, das ihnen mit großer Sicherheit positiv in Erinnerung bleiben wird

 

 

Antrag-Nr. 61

Kulturzentrum Lindenbrauerei e.V., Unna - „Pukchong Kwanmo Bong“

 

Das Projekt „Pukchong Kwanmo Bong“ wurde als musikalisch-theatralische Bühnenshow konzipiert, die im Prozess bei Zusammenwirken von Profis und Laien zunächst entwickelt und dann aufgeführt wurde. Auch der entgültige Name entwickelte sich im Laufe des Projektprozesses. Es wurde in engem Zusammenwirken von künstlerischer Leitung und den Mitwirkenden eine Mischung aus Theaterstück, Revue und Singspiel auf Grundlage einer von einem Unnaer Autor vorgegebenen Krimirahmenhandlung kreiert.

Die Aufführungen fanden am 12. und 13.10.02 im Kulturzentrum Lindenbrauerei statt. Beide Veranstaltungen waren ausverkauft. Das Publikum zeigte sich begeistert, die Presseberichterstattung war äußerst positiv (die Artikel liegen bei). Die Aufführungen wurden ausgiebig per Fotographie dokumentiert. Eine Auswahl der enstandenen Bilder liegt auf CD bei.

Die Mitwirkenden konnten sich zahlreiche künstlerische Kompetenzen aneigenen, der gemeinsame Umgang und Schaffungsprozess hat den Akteuren neue Erfahrungen eröffnet. Zusammen erlebte man die Aufführungen als großen Erfolg. So sind die Beteiligten motiviert auch in Zukunft künstlerisch tätig zu werden. Auch das Kulturzentrum Lindenbrauerei strebt weiter an, ähnliche soziokulturelle Projekte zu ermöglichen und durchzuführen. Da insgesamt nicht so viele Fördermittel und Sponsorgelder akquiriert werden konnten, wie geplant war, wurden Kosten in verschiedenen Bereichen eingespart (u.a. Werbung, Requisiten, Bühnenbild, Dokumentation und Nebenkosten). Insgesamt stieg der Eigenanteil des Kulturzentrums jedoch.

 

 

Antrag-Nr. 64 a

Die Börse, Wuppertal - Brrr. Rotkäppchen ist tot.

Ein Tanztheaterprojekt von und mit Jugendlichen

 

Kurzbeschreibung

Was ist dir wichtig? Was würdest Du sagen, wenn Du vor 10.000 Menschen sprechen könntest? Der brasilianische Tänzer Geraldo Si ging mit einer Gruppe von Jugendlichen diesen Fragen nach. In drei Monaten der Improvisations- und Probenarbeit entstand das Tanztheaterstück Brrr. Rotkäppchen ist tot, das am 9. Juli 2002 Premiere hatte. Neben der Probenarbeit mit Geraldo Si und Dagmar Beilmann hatten die Jugendlichen Gelegenheit, in verschiedenen Workshops einen Einblick in die unterschiedlichen Bereiche des Theaters zu bekommen. Angeboten wurden Workshops zu Textarbeit, Freier Tanz, Butoh Tanz, Stimmarbeit, Kostümgestaltung, Werbegraphik und Licht- und Tontechnik. Durch die aktive Teilnahme am gesamten Produktionsprozess konnten die Jugendlichen mit der Unterstützung von Profis eigene Fähigkeiten und Interessen erproben und erfahren. Die Teilnahme an dem Projekt war kostenlos.

Wir sind sehr stolz auf die Leistung der Jugendlichen, die nicht nur die in den verschiedenen Workshops erarbeiteten Inhalte, freien Tanz, Textinterpretation und Stimmarbeit auf der darstellerischen Ebene im Rahmen ihres Stückes verbinden konnten, sondern auch mit der Tatsache der völlig offenen Form dieser Theaterarbeit gut zurecht kamen: Bewegungssequenzen entstanden aus Improvisationen, die Monologtexte wurden in der Probenarbeit von den Jugendlichen selbst geschrieben, die einzelnen Bausteine wurden erst kurz vor der Aufführung zu einem dramaturgischen Ganzen zusammengesetzt. Das Stück wurde von den Darstellern in hohem Maße selbst mitgestaltet, nur partiell wurde auf Textvorlagen zurückgegriffen.

Diese Vorgehensweise hat, das war deutlich zu spüren, den Begriff, den sich die Jugendlichen vom Theater durch ihre Vorerfahrung, z.B. in den schulischen Theater-AGs, bereits größtenteils gemacht haben, erweitert und modifiziert. Natürlich lag hierin auch ein Problem für diejenigen, die das Projekt vorzeitig aufgaben, da sie diese Arbeit nicht mit ihren Erwartungen und Erfahrungen aus „herkömmlichen“ Theaterarbeiten mit Textvorlage und klarem Ablauf, oder „herkömmlichem Tanz“ mit festgelegten Bewegungsabläufen und von Außen bestimmter Choreographie, vereinbaren konnten.

 

Verbunden mit dem gleichzeitigen Einbringen in all die anderen Bereiche des Theaters (Werbung, Kostüm- und Bühnenbild, Marketing und Technik) bestand die äußerst seltene Möglichkeit, einen Einblick in den gesamten Produktionsprozess einer Theateraufführung zu gewinnen. In diesem Zusammenhang zeigte sich allerdings, dass durch den für dieses Pensum äußerst eng gesteckten Zeitrahmen, diese zusätzlichen Bereiche lediglich angerissen werden konnten, da sich die meisten Jugendlichen für mehrere dieser Bereiche interessierten. Bei der schulischen Belastung der Jugendlichen und deren ausgedehnten Freizeitaktivitäten (fast jede/r Teilnehmer/in lernte außerdem in seiner Freizeit noch ein Instrument und übte mindestens eine Sportart aus) war es sehr schwierig, für die zusätzlich zu den 3 Stunden Probenarbeit pro Woche angebotenen Workshops Termine zu finden. Eine längere Laufzeit eines Projektes solchen Ausmaßes wäre also dringend erforderlich, zumal die enge zeitliche Verquickung verschiedener Themen, die aus diesem Zeitmangel entstand, bei einigen Schüler/innen ein frustrierendes Gefühl des Nicht-Voran-Kommens in der eigentlichen Probenarbeit und daher teilweise auch einen Ausstieg aus der Produktion hervorrief.

Eine klarere Trennung der einzelnen Workshop-Einheiten von der Probenarbeit (diese mussten teilweise parallel in Gruppen stattfinden) und eine größere zeitliche Ausdehnung, mit der Möglichkeit abgeschlossene Einheiten aufeinander aufbauend zu durchlaufen, wäre also wünschenswert gewesen.

Bewundernswert, mit welcher Ernsthaftigkeit und Hingabe und mit welch hohem Niveau die Texte entstanden, wie positiv sich die Bewegungsarbeit auf das gesamte darstellerische Können auswirkte, wie faszinierend und künstlerisch eigenständig die Kostüme gerieten und mit welch natürlicher spielerischer Leichtigkeit die Darsteller schließlich die einzelnen Komponenten innerhalb der Aufführungen selbst verbanden.

Im Ergebnis entstand eine sehr eigenwillige 50-minütige Aufführung, deren ästhetischer Reiz besonders in der völligen Abkehr von Trend und Zeitgeist lag. Die Aufführung verzichtete vollkommen auf Musik. Geräusche und Musik entstanden allein aus dem Klang der im Müll gesammelten Plastikflaschen und gebrauchten CDs, aus denen die Kostüme gemacht waren. Hinzu kamen die von den Jugendlichen selbst geschriebenen Texte, die aus der Frage „Was würdest du sagen, wenn du vor 10.000 Menschen sprechen könntest? entstanden sind, und die von den Darstellern gelesenen Texte über die Weltreligionen. Auf der vorwiegend durch abstrakte farbige Diaprojektionen von 8 Projektoren erleuchteten Bühne bewegten sich die Darsteller in faszinierend langsamen und sich wiederholenden Bewegungssequenzen in einer märchenhaften Welt. Stille, Wiederholung, Langsamkeit, statt schneller Bilderflut und lauten Soundteppichs, wie sie derzeit die „jugendliche“ Ästhetik vor allem in den Medien beherrschen. Das Stück widersetzte sich den herkömmlichen Sehgewohnheiten des Publikums, was von den Zuschauern fasziniert und begeistert aufgenommen wurde. Es war außerordentlich beeindruckend, mit wie viel Selbstbewusstsein und Ausdrucksstärke die jungen Darsteller jenseits der Norm agierten.

Zu den Aufführungen gibt es Videomitschnitte. „Brrr. Rotkäppchen ist tot“ als Metapher für den Verlust der Kinderwelt der Märchen und den Aufbruch in die fremde Welt des Erwachsenseins hat den Teilnehmern neue Erfahrungshorizonte und –räume geöffnet und in ihnen ungeahnte kreative Potentiale freigesetzt. Die Zusammenarbeit war für alle – Dozenten und Jugendliche – sehr befruchtend und gewinnbringend. Aus diesem Grund wollen wir das Projekt in 2003 weiterführen.

 

 

Antrag-Nr. 64 a

Die Börse, Wuppertal - do.it://gegen.gewalt.handeln

 

do.it://gegen.gewalt.handeln ist ein Projekt, in dem sich „die börse“ im Herbst 2002 zum zweiten Mal spartenübergreifend mit unserem Umgang mit Gewalt und Rechtsextremismus beschäftigte. Im Rahmen der Veranstaltungsreihe mit einer Theaterproduktion, koproduziert von der börse, einer kabarettistischen Lesung, einem Rockkonzert, Workshopangeboten und zwei Gesprächsrunden standen die Themen Formen bürgerlicher Gewalt in unserem Alltag und Demagogie und Propaganda – gestern und heute im Mittelpunkt.

 

Zur Umsetzung des Projektes und allgemeine Bewertung

Wie schon bei der Durchführung der Projektreihe do.it://gegen.gewalt.handeln im Herbst 2001 hat sich die Zusammenarbeit der drei Programmbereiche der börse – Weiterbildung, Bühne und Musik – und der spartenübergreifende Ansatz des Projektes als sehr sinnvoll und positiv erwiesen. Die gemeinsame Auseinandersetzung mit einem Thema machte in der Außendarstellung das soziokulturelle Profil unseres Hauses deutlich und unterstrich die gesellschaftspolitische Relevanz der Arbeit unseres Zentrums. Der Umstand, dass während des Projektzeitraums mehrfach Nazi-Aufmärsche in Wuppertal angemeldet wurden bzw. auch stattgefunden haben (am 7. September 02), zuletzt im Zusammenhang mit der Eröffnung der Neuen Synagoge in Wuppertal-Barmen, ließ keinen Zweifel an der Aktualität unseres Projektthemas und bestärkte uns in unserem Vorhaben. Intern war die Zusammenarbeit der drei Projektbereiche sehr befruchtend, da das Projekt mit dem Blick auf sehr unterschiedliche Zielgruppen geplant und durchgeführt werden konnte und ein sehr breites Publikum (Schüler, Jugendliche, Multiplikatoren und sonstige am Thema interessierte Erwachsene) angesprochen wurde. Sehr positiv ist auch die Zusammenarbeit mit anderen Wuppertaler Institutionen und Initiativen zu bewerten, besonders mit der Wuppertaler Initiative für Demokratie und Toleranz (bei der Vorbereitung der Gesprächsrunden), dem DGB – Region Bergisch Land (Durchführung der Veranstaltung mit Serdar Somuncu) und dem Ronsdorfer Rockprojekt (Konzert „Gegenwind – Rock gegen Rassismus), die uns wichtige Anregungen gaben und vor allem sehr engagiert an der Durchführung der jeweiligen Veranstaltungen beteiligt waren. Durch diese Zusammenarbeit war v.a. eine viel breitere Ansprache von Publikum möglich, da die einzelnen Veranstaltungen zusätzlich von unseren Partnern beworben wurden. Diese Kooperationen stärken und fördern die Anerkennung und den Stellenwert der börse als Partner innerhalb der städtischen Kulturlandschaft. Ein vernetztes und kooperatives Arbeiten empfinden wir nicht erst in Zeiten schwindender Budgets als grundlegend für das kulturelle Klima unserer Stadt. Hinzukommt die Vielzahl von positiven Synergieeffekten solcher Kooperationen aufgrund des Wissens-, Know-how- und Zuschauer-Transfers.

Bei der Werbe- und Öffentlichkeitsarbeit haben wir dieses Mal auf die Herstellung eines Plakates verzichtet, da es uns aufgrund der vielen unterschiedlichen Veranstaltungen zu wenig aussagekräftig erschien. Statt dessen wurde die Auflage des Programmfolders erhöht und auf den hohen Wiedererkennungswert unseres „Logos“ – der beiden Playmobil-Männchen – gesetzt, die in veränderter Form schon im Vorjahr prägnanter Aufmacher der Werbemittel der Reihe waren. Die Folder und Postkarten zu der Veranstaltung mit Serdar Somuncu und zum Konzert wurden besonders intensiv an Schulen verteilt. Eine positive Reaktion darauf war, dass die Schulvorstellung der Theaterproduktion „Le Schmürz“ schon zwei Monate vorher ausverkauft war.

Insgesamt erfüllte die Publikumsresonanz nur teilweise unsere Erwartungen. Es hat sich wieder einmal gezeigt, wie schwierig und langwierig es ist, ein Publikum für ein politisch anspruchsvolles Programm zu gewinnen. Die Gesprächsrunden waren mit 20-30 Gästen eher schlecht besucht, dennoch kam in beiden Fällen eine sehr engagierte Diskussion mit dem Publikum zustande. Auch die Theatervorstellungen waren mit Ausnahme der Premiere und Schulvorstellung nicht so besucht, wie wir es uns gewünscht hätten. Die Besucherzahlen bei der kabarettistischen Lesung waren befriedigend, allerdings hatten wir gehofft, noch mehr Zuschauer durch die Zusammenarbeit mit dem DGB zu gewinnen. Sehr erfreulich war der Zuspruch des sehr jungen Publikums bei dem Rockkonzert.

 

Bewertung der einzelnen Projektteile

18.09.2002 - Wo stehen wir? – Strategien gegen Gewalt und Rechtsextremismus

Podiumsdiskussion mit Prof. Dr. Christoph Butterwegge, Sebastian Goecke, Peter Vorsteher und Christoph Wehr, Moderation: Ulrike Römer

 

Den Auftakt zu der Reihe machte eine Podiumsdiskussion, in der es um eine Bestandsaufnahme unserer Strategien im Umgang mit Gewalt und Rechtsextremismus gehen sollte. Ins Zentrum wollten wir die „Formen bürgerlicher Gewalt“ stellen, d.h. die Haltung unserer bürgerlichen Gesellschaft zu rechtsextremen und rassistischen Einstellungen und Taten, mit denen sich der freie Regisseur Christoph Wehr in seiner Theaterarbeit schon im ersten Teil der Reihe in 2001 beschäftigt hatte. Wie ist unser Umgang mit Gewalt und wie unser Bewusstsein darüber? Wie verhalten sich unsere Institutionen? Welche Rolle spielen die Medien in diesem Zusammenhang? Wie wirken solche sozialen und kulturellen Projekte?

Im Vorfeld wurden wir auf den renommierten Kölner Sozialwissenschaftler Christoph Butterwegge aufmerksam, der in seinen Publikationen die These vertritt, dass aktuelle Erscheinungsformen und Wirkungsmöglichkeiten des Rechtsextremismus nicht vom politischen Diskurs der Mitte getrennt, sondern nur in Verbindung damit begriffen werden können. Wir baten Herrn Prof. Butterwegge unsere Diskussionsrunde mit einem Eingangsreferat einzuleiten.

Zum Gespräch auf dem Podium luden wir weiterhin den stellvertretenden Oberbürgermeister der Stadt Wuppertal, Herrn Jung, der leider aus Krankheitsgründen am Tag der Diskussion absagte und als Vertreter Herrn Peter Vorsteher, Fraktionsvorsitzender der Grünen in Wuppertal, entsandte. Die Bürgermeister der Stadt Wuppertal hatten im November 2000 nach einem Brandanschlag in einem Flüchtlingswohnheim in Wuppertal-Wichlinghausen, rechtsradikalen Übergriffen an der KZ Gedenkstätte Kemna und Schmierereien an der Alten Synagoge in Wuppertal zu einem Aktionsprogramm für Demokratie und Toleranz aufgerufen. Aus diesem Aktionsprogramm ging die Wuppertaler Initiative für Demokratie und Toleranz e.V. hervor, deren Geschäftsführer Sebastian Goecke wir ebenfalls zur Teilnahme an der Diskussion einluden. Weiterhin nahm der Regisseur Christoph Wehr teil. Fachkundig geleitet und moderiert wurde die Runde von der Journalistin Ulrike Römer vom WDR Köln.

Nach einer Anmoderation von Frau Römer, die kurz die Podiumsteilnehmer vorstellte, leitete Prof. Butterwegge den Abend mit einem kurzen Referat ein. Er gab zunächst einen Überblick über die Ansätze der klassischen und modernen Rechtsextremismusforschung und legte in der Folge seine These dar, dass es zunehmend Schnittmengen zwischen den Themen und Argumentationsmustern der Rechten und der bürgerlichen „Mitte“ in Politik, Medien und Wissenschaft gibt: Laut Butterwegge vollziehen sich rechtsextreme Propaganda und rassistisch motivierte Gewalt in einem gesellschaftlichen Klima, das durch Horrormeldungen über den demographischen Wandel („Vergreisung“ und „Schrumpfung der Bevölkerung“) einerseits sowie eine Auseinandersetzung über Formen der Zuwanderung und des interkulturellen Zusammenlebens andererseits geprägt ist. In der öffentlichen Debatte darüber drohe die Gefahr einer Ethnisierung sozialer Beziehungen und ökonomischer Konflikte. Typisch hierfür seien Diskussionen um die Reform des Staatsbürgerschaftsrecht („Doppelpass“), um Initiativen zur Anwerbung ausländischer Fachleute („Greencard“ oder auch „Kinder statt Inder“) sowie um die von Zuwanderern erwarteten Integrationsleistungen (Anpassung an die „deutsche Leitkultur“). Anhand von vielerlei Beispielen erläuterte Butterwegge, wie rechtsextreme Strömungen mit ihren Argumentationsmustern Bezug auf die „Mitte“ nehmen, die ihrerseits zunehmend Problemstellungen aufgreift, die zunächst nur in ultrarechten Kreisen erörtert worden sind. Die Thesen von Prof. Butterwegge sorgten für reichlich Diskussionsstoff und führten zu einem regen Gespräch, das zwischen Podium und Publikum hin- und herwechselte. Eine interessante Ergänzung zu dem Beitrag von Herrn Butterwegge war v.a. die Bilanz der Wuppertaler Initiative für Demokratie und Toleranz e.V., die im Rahmen der Veranstaltung ihren Projektbericht über geförderte Projekte und Maßnahmen in 2000/2001 vorstellte. Der Ansatz der Initiative liegt besonders in der Herstellung neuer Formen von interkultureller Auseinandersetzung, so dass Sebastian Goecke viele interessante Erfahrungen aus der praktischen Arbeit zur Diskussionsrunde beisteuern konnte. Über zwei Stunden entwickelte sich so ein spannendes Gespräch, an dem ca. 30 Besucher beteiligt waren.

 

09.10.2002 – „Diese Stunde der Idiotie“

Der Kabarettist Serdar Somuncu liest aus einer Rede von Joseph Goebbels

 

Nach der spektakulären Lesung aus Hitlers „Mein Kampf“ im Rahmen von do.it://gegen.gewalt.handeln in 2001 präsentierte der Neusser Kabarettist Serdar Somuncu ein nicht minder brisantes Projekt: Am 18. Februar 1943 hielt Reichspropagandaminister Joseph Goebbels im Berliner Sportpalast eine der bedeutsamsten Reden seiner Amtszeit. Berühmt und berüchtigt ist der Höhepunkt der Veranstaltung, als Goebbels schrie: „Wollt ihr den totalen Krieg?“. Die Menge jubelte ihm frenetisch zu. Ein paar Tage später notierte Goebbels ziemlich nüchtern in sein Tagebuch: „Diese Stunde der Idiotie. Hätte ich gesagt, sie sollen aus dem dritten Stock des Columbus-Hauses springen, sie hätten es auch getan.“ Der türkisch-stämmige und in Deutschland aufgewachsene Schauspieler und Regisseur analysierte, kommentierte und parodierte scharfzüngig die Rhetorik der nationalsozialistischen Propaganda und zeigte, wie deren Argumentationsmuster auch heute noch weiterwirken. „Schnell mal gegen rechts sein“, so vermittelte Somuncu dem vorwiegend jugendlichen Publikum eindringlich, doch ohne zu moralisieren, genügt nicht. In perfekter Dramaturgie machte er deutlich, wie schnell aus Lüge Wahrheit, aus Meinung Fakt werden kann.

Am Ende der Veranstaltung stand Somuncu für Fragen aus dem Publikum zur Verfügung, was mit viel Interesse wahrgenommen wurde. Erfreulich war, dass es zu keinerlei Störungen der Veranstaltung aus der rechten Szene kam, was zu befürchten stand, da es in anderen bergischen Städten bei Somuncus Lesungen massive Drohungen von dieser Seite gegeben hatte.

 

13.11.2002 – Rechte Rattenfänger – Mitgliederwerbung rechter Parteien

Gesprächsrunde mit Markus Stetten, Dr. Andreas Zick und Sandra X.

 

Bei der Projektplanung des Themenschwerpunktes „Demagogie und Propaganda – gestern und heute“ ergaben sich schon bei ersten Vorgesprächen für alle Beteiligten interessante Fragen: Was hält rechte Gruppen zusammen? Welche Faktoren spielen eine Rolle bei der Identifizierung und Zugehörigkeit zur rechten Szene? Wie wird überhaupt erst einmal Interesse geweckt bei den Jugendlichen? Wie das Engagement des Einzelnen für die rechte Szene auch gegen Einwände seines „ehemaligen“ Umfeldes – Familie, Freunde, Schule/Job – gehalten? Und wie, wenn möglich, kann gerade dieses Umfeld einen Ausstieg unterstützen?

Fest stand schon bald, dass die Antworten auf diese Fragen unter verschiedenen Gesichtspunkten zusammengetragen werden sollten. Zum einen wollten wir eine theoretisch-wissenschaftliche Herangehensweise an dieses vielschichtige Thema, zum anderen sollte auf jeden Fall auch ein praxisnahes realistisches Bild entstehen, von dem, was Eltern und Betroffene in dieser Situation erleben und was sie als Quintessenz mitgenommen haben. Informationen zu diesem Thema sind massenweise zu erhalten. Aber wie verhält es sich mit der Verwertbarkeit dieser Informationen, wenn man sie Erfahrungsberichten Betroffener gegenüberstellt? Ergebnis dieser Überlegungen war also, die Referentenrunde dementsprechend zusammenzustellen.

Eingeladen wurden: Dr. Andreas Zick, Sozialpsychologe an der Bergischen Universität Wuppertal – arbeitet seit über 10 Jahren in der Rechtsextremismus-Forschung, v.a. über die Hintergründe von fremdenfeindlichen und rassistischen Einstellungen und Taten aus sozialpsychologischer Sicht

Markus Stetten, Sozialwissenschaftler – beschäftigt sich mit dem Thema Rechtsextremismus und seinen Auswirkungen auf sozialwissenschaftlicher sowie auf praktischer Ebene bei seiner Arbeit in einer staatlichen Bildungseinrichtung.

Sandra X., Mutter eines ausgestiegenen Jugendlichen – erlebte zweimal den Einstieg sowie den Ausstieg ihres Sohnes in die / aus der rechte/n Szene.

Nach der Begrüßung und der Vorstellung der Referenten hielt der Sozialwissenschaftler Markus Stetten ein kurzes Eröffnungsreferat und gab eine Bestandsaufnahme zum Rechtsextremismus in der BRD seit ihrer Gründung. Er erläuterte einerseits das Entstehen und Wirken sowie den Wandel rechter Parteien innerhalb des politischen Spektrums, andererseits die „Wellenbewegungen“ fremdenfeindlicher Gewalttaten in der Geschichte der BRD. Anschließend stellte Dr. Zick in einem Kurzreferat die wichtigsten Ergebnisse und Thesen seiner Forschungen zum Thema fremdenfeindliche und rassistische Einstellungen vor und erläuterte „Täterprofile“ gewaltbereiter Jugendlicher und Erwachsener, die Sandra X. als betroffene Mutter eines Ein- und Aussteigers aus der rechten Szene mit ihrer persönlichen Erfahrung aus der Praxis kommentierte.

Schon bei den Referaten hat sich gezeigt, dass sich Sozialwissenschaft und Sozialpsychologie in der Darstellung der Gesamtproblematik sinnvoll ergänzen. Wichtiges Thema war vor allem, mit welchen Strategien rechte Gruppierungen Jugendliche für ihre Ziele gewinnen. Es war ungeheuer interessant zu erfahren, wie geschickt und mit welchen finanziellem Aufwand die rechte Szene Mitgliederwerbung betreibt. Nach den Kurzreferaten wurde sogleich die Gesprächsrunde eröffnet. Im Laufe der Diskussion – die von zahlreichen Publikumsbeteiligungen profitierte – wurden von Referenten und Gästen verschiedene Erfahrungen, bekannte Statements und neue Rückschlüsse zu einem facettenreichen Gesamtbild verdichtet. Insbesondere die Schilderungen der betroffenen Mutter – die sowohl als Mutter, als auch als Sozialarbeiterin im Bereich Jugendarbeit dieses Thema zu fassen versuchte – fanden ausgesprochenes Interesse beim Publikum.

Die Referate wurden vom Publikum als sich sinnvoll ergänzende Beiträge erlebt, als informativ und engagiert bewertet. In der Diskussion konnten die vorher gehörten Thesen auf ihre Praxistauglichkeit überprüft und um neue Standpunkte erweitert werden. Sowohl die Referenten als auch die Gäste beurteilten die Veranstaltung als gelungenen Rahmen für einen informativen Austausch.

 

20.11.2002 – Theaterproduktion „Le Schmürz“ von Boris Vian

„Als gefährliches Gemisch aus Rührseligkeit und Gewaltbereitschaft zeichnet Boris Vian in seinem Drama ‚Le Schmürz’ den Abgrund, der hinter der Fassade der trauten Familienverbundenheit liegt. In einer außergewöhnlichen Inszenierung wurde das Stück in der Börse an der Wolkenburg aufgeführt“, schreibt die Westdeutsche Zeitung zur Premiere der im Rahmen der Projektreihe entstandenen Theaterproduktion. Wir sind sehr stolz auf das Ergebnis dieser Inszenierung, an der die börse als Koproduzent maßgeblich beteiligt war. In ca. zehnwöchiger Probenarbeit, die zunächst in der Arturo-Schauspielschule in Köln, in den letzten 6 Wochen dann in den Studios und im Blauen Saal der börse stattfand, entstand ein verstörendes und sehr nachdenklich stimmendes Theaterstück über den Umgang mit Gewalt in unserem Alltag.

„Le Schmürz“ von dem französischen Autor Boris Vian ist der dritte Teil einer Reihe zu den Formen bürgerlicher Gewalt, in der sich der Regisseur Christoph Wehr mit Zustand und Wirkung bürgerlicher Herrschaft auseinandersetzt. Der erste Teil „Solingen“ von John von Düffel entstand im Herbst 2001 in Koproduktion mit der börse, „US Amok“ wurde als szenische Lesung im Side by Side Art Center aufgeführt.

Bizarr und extrem beschreibt Le Schmürz eine Familie im Umgang mit sich und ihren Nachbarn. Es geht um Liebe, um Fürsorge und Hoffnung, um Angst und Isolation, um die Folgen der Hilflosigkeit von Vätern, Müttern und Kindern. Begriffe wie Realität, Kommunikation und Gefühl erfahren eine sehr eigenwillige Deutung. Zum Inhalt: Eine Familie flüchtet vor einem undefinierbaren Geräusch in einem Mietshaus von Etage zu Etage in die Höhe. Der ihr zur Verfügung stehende Wohnraum wird dabei kleiner und kleiner. Die Familienmitglieder werden auf ihrer Flucht von einem scheinbar harmlosen Wesen – Le Schmürz – begleitet, an dem sie ihre Aggressionen und Ängste abreagieren. Das „Schmürz“ wird geschlagen, getreten, gestochen und gequält, aber nie angesprochen. Mit Ausnahme der Tochter leugnen alle Familiemitglieder die Anwesenheit des Schmürz. Sie verharmlosen ihre Situation und behaupten verzweifelt eine Normalität, die de facto nicht mehr existiert. Auf dem Weg nach oben reduziert sich die Familie, bis am Ende nur noch der Vater und das Schmürz übrig sind.

Das Stück bezieht sich auf den Kern der Gesellschaft – die Familie. Der surreale Rahmen, in dem die Geschichte erzählt wird, liefert eine allegorische Basis für das Phänomen der bürgerlichen Gewalt. Angst und Gewalt verändern die von Vian beschriebene Familiensituation.

Der Bühnenraum steht Spielern, Figuren und Schauspielern gleichermaßen zur Verfügung, d.h. es existiert keine Rampe, sondern die gesamte Halle wird bespielt. Die in verschiedenen Richtungen gewendeten Stuhlreihen für die Zuschauer sind im ganzen Raum verteilt, die Schauspieler bewegen sich um sie herum. Der Zuschauer gerät so in eine vergleichbare Situation wie die Darsteller, Unsicherheit und Irritation begleiten ihn durch die Aufführung. Schon beim Betreten des Saals steht das Publikum vor vier verschlossenen Türen, ein Schauspieler lässt es nur einzeln durch die verdunkelten Schleusen in den Saal treten. Die Verunsicherung ist enorm und wird noch dadurch gesteigert, dass es hinter den Türen keinen konventionellen Zuschauer- und Bühnenraum vorfindet, sondern sich selbst, gefolgt von einem Schauspieler, einen Platz mitten im Saal suchen muss. Wenn das Licht ausgeht, beginnen die Schauspieler zunächst auf Französisch zu sprechen, was das Unbehagen noch steigert. Gespielt wird in sich stets verändernden Licht-Räumen, die die Zimmer der immer kleiner werdenden Wohnungen andeuten, was die Schauspieler und auch den Zuschauer immer wieder zum Wechsel der Position zwingt. Zwischendurch reagieren die Figuren ihre Aggressionen immer wieder an dem „Schmürz“ ab, was der Zuschauer hautnah miterlebt – bei den Aufführungen war spürbar, wie manche Zuschauer dies kaum aushalten konnten und eingreifen wollten.

Primär steht die gemeinschaftliche und sinnliche Erfahrung von Angst und Gewalt im Vordergrund. Normalerweise kann sich der Zuschauer allein durch seine Position vom Geschehen auf der Bühne distanzieren. Ziel der Inszenierung ist es, diese Distanz immer wieder zu durchbrechen. Dabei erlebt der Zuschauer ganz unmittelbar ein sonst eher schauspielinternes Phänomen, nämlich die Trennung zwischen Darsteller und Figur. Jede dargestellte Figur wird in einer besonderen Künstlichkeit erhalten, was den Darsteller vor allem in Bezug auf sein Handwerk fordert. Nach eigenem Gusto kann der Darsteller jederzeit für den Zuschauer in besonderer Weise sichtbar werden. Diese Form des Spielens verstärkt den surrealen Charakter des Stückes und die Klischees, deren es sich bedient. Es entsteht ein permanentes Wechselspiel zweier Realitätsebenen, in denen sich Zuschauer, Darsteller und Figuren bewegen.

Für die börse ist es ein Glücksfall, dass wir in Christoph Wehr einen Partner gefunden haben, der einerseits anspruchvolles und politisch engagiertes Theater macht, das zu unserem Profil passt, und sich andererseits auf die Produktionsbedingungen in unserem Haus, das nicht den Normen einer konventionellen Theaterspielstätte entspricht, mit großer Experimentierfreude einlässt.

die börse will künstlerisches Experimentierfeld für die kreativen Potentiale in Wuppertal sein – mit „Le Schmürz“ scheint dies gelungen. Besonders positiv ist die theaterpädagogische Arbeit zu werten, die im Umfeld von „Le Schmürz“ geleistet wurde. Schon im Vorfeld besprach Chr. Wehr in einem Werkstattgespräch an einem Gymnasium mit SchülerInnen wichtige Fragen der Inszenierung. Die SchülerInnen, die zu der Schulvorstellung kamen, waren in der Mehrheit zwischen 13-14 Jahre alt, davon zwei Hauptschulklassen. Für die Schauspieler war es nicht leicht, die Konzentration und Aufmerksamkeit dieser zum Teil sehr unruhigen und auffälligen SchülerInnen zu erhalten, v.a. weil der Text sehr anspruchsvoll ist. Durch ihr engagiertes Spiel gelang es ihnen trotzdem, die SchülerInnen zu interessieren.

 

30.11.2002 – GEGENWIND – Rockkonzert gegen Rassismus in Zusammenarbeit mit dem Ronsdorfer Rockprojekt e.V.

 

„Du hast Gegenwind, weil Dein Weg nicht stimmt. Du hast Gegenwind, denn wir sind nicht blind...!“ Mutig traten beim Konzert gegen Rassismus und Gewalt 12 junge Bands in der börse auf, um zu zeigen, dass sie demokratische Grundprinzipien verteidigen. Organisiert wurde das Konzert in Zusammenarbeit mit dem Ronsdorfer Rockprojekt, das seit 17 Jahren das jährlich stattfindende Schüler-Rockfestival veranstaltet und in engem Kontakt zu den jungen Musikszenen in Wuppertals Stadtteilen und Schulen sowie im Stadtumland und in der Region Bergisches Land steht. Seit langem arbeitet das Rockprojekt an einem CD-Sampler, für den junge Bands neue Texte/Lieder gegen Rassismus schreiben und komponieren sollen. Da seit Mitte 2002 endlich Fördergelder für das CD-Projekt bewilligt wurden, bot sich im Rahmen von do.it://gegen.gewalt.handeln die Möglichkeit, ein Auswahlkonzert für die CD-Produktion zu veranstalten. Die börse griff diese Möglichkeit gern auf, da durch die CD-Produktion und den Rückgriff auf schon vorhandene Strukturen eine viel nachhaltigere Wirkung erzielt werden kann als durch ein einzelnes Konzertevent.

Eine besondere Brisanz erhielt das Konzert durch einen anonymen Anruf: die Westdeutsche Zeitung hatte die Rufnummer des Büros des Ronsdorfer Rockprojektes e.V. mit dem Hinweis auf die Bewerbungsmöglichkeit veröffentlicht. In dem Anruf, der auf dem Anrufbeantworter mitgeschnitten wurde, werden Ausländer mit rassistischen Parolen beleidigt und zum sofortigen Verlassen Deutschlands aufgefordert. Spontan gab Herr Waldinger vom Rockprojekt die Kassette an den jungen italienischen Rapper SARDO G weiter. Zusammen mit dem jungen Produzenten Toto Passon produzierten sie unter der Verwendung der Aufzeichnung den Rap 'Stimme aus dem Volke'. Die fertige Aufnahme, an der außerdem der türkisch-stämmige Rapper JUCEE mitgewirkt hat, liegt diesem Bericht bei. Die Aufnahme wurde sofort von Radio Wuppertal incl. Interview mit den Musikern gesendet und der Westdeutsche Rundfunk stellte den Song in Funkhaus Europa (in der italienisch-sprachigen Sendung 'al dente') vor.

Für das Konzert gab es zahlreiche Bewerbungen. Teil nahmen die Ronsdorfer Bands SARDO G & JUCEE sowie PASTELL, die Remscheider IRGENDWIESOETWAS und RUMBUSTIOUS, die Solinger STRIKE, die Cronenberger BEAT THE WAVES, FEINHERB aus Vohwinkel, SURFSIDE sowie ROMAN aus Schwelm/Barmen (diesmal ohne Partner FLOKO, aber mit seinen Top D-Jays), HONIGTEE aus Velbert, HASAN AKCA aus Wülfrath, BLEZZ THE MEZZ und WATERPROOF. Über fünf Stunden boten die Bands ein anspruchsvolles Musikprogramm.

Das Auswahlkonzert GEGENWIND wurde im Vorfeld in den lokalen Medien vorgestellt und fand viel Interesse in der Szene (Schulen, Jugendeinrichtungen, Jugendring Wuppertal, Fanzirkel der Bands). Freiwillig waren ca. 150 Jugendliche an der Durchführung des Konzertes beteiligt: Als Bandmusiker auf der Bühne, als Verteiler der Flyer, als Ordnungsdienst, als Betreuer des Backstage-Cafés und als Mitglieder der Jury. Das Gegenwind-Logo trugen sie sichtbar als Backstage-Pass – eine politische Aussage gegen Rassismus und Gewalt. Insgesamt wurden 260 Eintrittskarten verkauft, hinzu kamen ca. 50 Gäste.

Da die Bands und das Rockprojekt hier als Veranstalter auftraten, war die Solidarität immens und die Wirkung in den Klassen / Jugendcliquen positiv, d.h. die rassistisch denkenden Jugendlichen fanden kein ihnen vertrautes Feindbild vor, sondern waren irritiert und zogen sich zurück. Einige Jugendliche, die zu diesen Kreisen zählen, kamen ins Konzert und hielten sich dort mehr am Rande auf, wo sie das Geschehen verfolgten. Insgesamt verlief das Konzert ausgesprochen friedlich und in ausgelassener Stimmung.

Während des Konzerts notierten junge Jury-Mitglieder ihre Kommentare zu den Liedern auf den Bewertungsbogen und stellten so die Weichen zur Teilnahme am CD-Sampler „Gegenwind'“, der zur Zeit noch produziert und am 18. Januar 2003 anlässlich des 17. Wuppertaler Schülerrockfestivals in der Uni-Halle in Wuppertal der Öffentlichkeit präsentiert wird.

Das Konzert in der 'börse' zeigte deutlich, dass starke Worte und vernünftige Argumente, gefühlvolle Appelle und subtile Denkanstöße in den Liedern der jungen Bands vorhanden sind und das Album ein hohes Niveau haben wird.

 

 

Antrag-Nr. 139

Förderverein Universum e.V., Bünde – TOPACT 2002

 

Der Verein ist mit der Resonanz und der Umsetzung von Topact insgesamt sehr zufrieden. Topact war klar und zielgerichtet an die Bedürfnisse von Musiker und musikschaffende gerichtet, so dass sich die Teilnehmer eine klare Vorstellung von Art und Umfang des Projekts machen konnten. Werbung (Flyer und Plakate) wurden gut verteilt und die örtliche Presse hat das Projekt angekündigt und begleitet.

Der anfallende Arbeitsaufwand - in Stunden gemessen - war doch um einiges höher, als vorher erwartet und unter wirtschaftlichen Gesichtspunkten muss das "erste" Topact leider noch als grenzwertig betrachtet werden. Die anschließende, sehr positive Resonanz, lässt allerdings eine Einnahmesteigerung für ein eventuell. folgendes Projekt erwarten. Topact hat uns (den Machern) und vor allem den drei Bands viel Spaß gemacht.

Die Inhalte der einzelnen Vorträge waren für die Musiker sehr informativ und jeder Teilnehmer konnte hier "neuen und weiterbringenden Stoff" mit nach Hause oder in den Probenraum nehmen. Trotz großer, qualitativer Unterschiede und Ansätze waren die Bands sehr zufrieden mit den Workshops. Vor allem die Möglichkeit, die eigene Bühnenpräsenz, den Bühnenaufbau und die Selbstdarstellung zu reflektieren und zu verbessern sind als Highlight des Projekts anzusehen. Das Topact - Festival wurde zum gelungenen Abschluss des Projekts und hat neben den teilnehmenden Bands, auch dem Publikum richtig viel Spaß gemacht. Am Veranstaltungsabend ging so zu sagen "echt die Post ab", wobei wir insgesamt mehr Publikum erwartet hatten. Die Resonanz der Projektteilnehmer und im Nachfeld auch der Musiker, die von Teilnehmern, Freunden und aus der Presse von Topact erfuhren, war sehr positiv, so das wir das Projekt gern noch mal – mit Unterstützung der LAG - anbieten würden.

 

 

Antrag-Nr. 91

Projektgruppe k(urz)+(k)napp, Essen - MiniDramaFestival Kurz und Knapp

 

Am 29. und 3o. Juni verwandelte sich das Kulturzentrum GREND in Essen in ein Theaterhaus der besonderen Art. Die Projektgruppe ,,K(urz) & k(napp)“ rückte die theatralisch-literarische Kunstform „Minidrama“ in das Licht einer breiteren Öffentlichkeit und bot somit ein Forum für dieses eher unbekannte und doch höchst eigenwillige Genre. Als Schirmherr der Veranstaltung konnten wir Herrn Dr. Karlheinz Braun gewinnen, Mitbegründer des Verlag der Autoren“ in Frankfurt am Main. Bisher ist kein Festival bekannt, das mit dieser besonderen Theatergattung derart publikumsnah zu arbeiten versuchte. Sowohl regional als auch überregional wirkende AutorInnen, Regisseurlnnen, SchauspielerInnen und Gruppen näherten sich dem absurden, anarchistischen, bisweilen auch makabren MiniWeltTheater auf ganz unterschiedliche Weise. So wurden Stücke ersonnen, gesprochen, geschrieben, erprobt, kommentiert und vor Publikum (ur)aufgeführt. Neben dem eigentlichen Festivalprogramm wurden unter anderem Schauspiel- und Schreibwerkstätten angeboten sowie eine musikalisch untermalte Matinee, in der AutorInnen ihre Dramen vorstellten. Als Spielstätte für Aufführung und Inszenierung eigener und fremder Stücke diente die Bühne des Theater Freudenhaus.

 

 

Antrag-Nr. 131

Verein für Sozial- und Kulturarbeit, Herford - Theaterworkshop

 

Vom 12.10.02 bis zum 08.12.02 fand im JZ Fla Fla ein Theater-Workshop statt, der dem Bedürfnis der Besucherinnen des JZ Fla Fla nach einem solchen Angebot nachkommen sollte. Ziel des Workshops sollte es sein, theaterinteressierten Jugendlichen einen Einblick in das Feld des Theaterspielens mit seinen vielfältigen Ausdrucksmöglichkeiten zu geben. Vorerfahrungen waren für die Teilnahme an diesem Workshop nicht erforderlich.

Die Gruppe der TeilnehmerInnen bestand aus 12 Personen mit unterschiedlichen Vorerfahrungen, wobei der überwiegende Teil über nur sehr begrenzte Erfahrungen verfügte. Unter Berücksichtigung dieses Aspektes wurde der Workshop in zwei Phasen gegliedert. In der ersten Phase ging es darum, die Teilnehmerlnnen mit den verschiedenen Bereichen des Theaterspielens, wie z.B. lmprovisation, Akrobatik, Körperarbeit, Konzentrationsübungen und Maskenspiel vertraut zu machen. In der zweiten Phase sollte ein Stück selbst erarbeitet werden, das zum Abschluss des Workshops aufgeführt werden sollte.

Um einen Eindruck zu bekommen, über welchen Kenntnisstand und über welche Fertigkeiten die einzelnen Teilnehmerlnnen verfügten, standen zu Beginn der ersten Phase unterschiedliche Übungen zum Kennenlernen und zum Hemmungsabbau auf dem Programm. Hierbei stellte sich heraus, dass es sich bei den TeilnehmerInnen um eine sehr homogenen Gruppe handelte, sicherlich aufgrund der Tatsache, daß sich alle Beteiligten bereits vorher kannten, die Kenntnisse und Fähigkeiten Einzelner z.T. jedoch sehr weit auseinander lagen. Aufgrund dieser Tatsache wurde versucht ein Konzept zu entwickeln, das allen Bedürfnissen gerecht wurde. Der Schwerpunkt der Arbeit lag daraufhin in Körperübungen, die das Körpergefühl sensibilisieren, in der Aneignung von Theatertechniken um mehr Selbstvertrauen zu entwickeln und eigene Ausdrucksmöglichkeiten zu erweitern, Konzentrationsübungen, Übungen zu Rhythmus, Schauspielübungen zu Gefühl und Charakter und die Arbeit mit Improvisationen, die die Spontanität fördern.

Pro Einzelveranstaltung, die jeweils von 11:00 bis 18:00 stattfand, wurde nach den ersten drei Stunden eine einstündige Pause eingelegt. Die ursprüngliche Planung, den Workshop kompakt an vier Wochenenden stattfinden zu lassen, fand aufgrund der Wünsche der TeilnehmerInnen eine andere Umsetzung. So fand in den ersten Wochen jeweils ein Treffen statt und erst hinsichtlich der bevorstehenden Aufführung wurden die letzten beiden Wochenenden des Workshops für jeweils zwei Treffen genutzt.

Ab Mitte November ging der Workshop in die zweite Phase, in der gemeinsam ein Stück einstudiert werden sollte, das vor Publikum als Werkstattaufführung geplant war. Zur Auswahl stand ein vorgegebenes Stück oder die Erarbeitung einer eigenen Geschichte. Die Gruppe entschied sich hierbei für ein eigenes Stück, da sie sich hiervon mehr Authentizität versprach. Szenen aus dem Leben der TeilnehmerInnen boten daraufhin die Grundlage für das Stück, das sich thematisch dem Leben Jugendlicher in ihrem Alltag annahm.

Hinsichtlich der geplanten Aufführung fühlten sich die TeilnehmerInnen aufgrund der nur begrenzt zur Verfügung stehenden Zeit für die Proben jedoch nicht in der Lage, ihr Stück einer breiten Öffentlichkeit zu präsentieren. Sie betrachtete den Workshop allgemein eher als eine Einführung in das Feld des Theaterspielens, und so beschloß die Gruppe, die Aufführung eher semi-öffentlich nur dem näheren Bekanntenkreis vorzuführen.

Zur Aufführung kam am Ende des Workshops ein etwa einstündiges Stück, das im Veranstaltungsraum des JZ Fla Fla gezeigt wurde. Dies wurde mit einer entsprechenden Ton- und Lichtanlage in Szene gesetzt und auch die von der Gruppe selbst entworfene Bühnendekoration stieß bei den ca. 40 BesucherInnen auf eine sehr positive Resonanz. Aufgrund der Reaktionen, die die Gruppe für ihre Aufführung bekam, scheint es denkbar, dass sie auch weiterhin im Bereich des Theaterspielens im JZ Fla Fla tätig sein wird.

 

 

Antrag-Nr. 140

Open Systems e.V., Herne - open systems 2002 Das Revier in Bewegung

 

Als Vorbereitung für „open systems 2003“ hat sich das Festival in diesem Jahr verstärkt der inhaltlichen Auseinandersetzung gestellt und mit Themen zur Ästhetik, Musik und Performance neue Zieldefinitionen für die konstruktive Erweiterung der künstlerischen Kontexte geboten. Die Kunst der Zukunft wird auf der Basis neuer gesellschaftspolitischer Settings stattfinden. Die Motivation, sich mit einem neuen Selbstverständnis und Selbstbewusstsein auch anderen Zirkeln zu öffnen, verlangt nach einer verstärkten inhaltlichen Definition. Hierzu wollte das Festival die Plattform liefern. Die Projekte der Avantgarde in seinen neuen Facetten zu präsentieren, war das Anliegen von „open systems 2002“. Im Gegensatz zur zunehmenden Kommerzialisierung von Kultur begreift sich „open systems“ als Label für Qualität.

 

Neue künstlerische Projekte wurden im Rahmen der diesjährigen Veranstaltung vom 05.-08.12.02 zur Aufführung gebracht. Die Macher versuchten mit diesem Anstoß - im Vorfeld anderer herausragender Ereignisse in der „Ruhrstadt“, - das Festival im Schauspielhaus Bochum, den Flottmann-Hallen Herne, dem Folkwang Museum in Essen und der Brückstr. in Dortmund als Marktplatz für Ideen und Prozesse zu installieren.

Die Veranstaltung wurde von „open systems e.V. i.G.“, Bochum in Kooperation mit AufRuhr Records, Herne, der GNMR (Gesellschaft Neue Musik Ruhr), Essen, und MeX e.V. Dortmund durchgeführt.

 

Konzeption:

Das Festival „open systems“ wurde in den Jahren 1997, 2000 und 2001 mit großer Resonanz in den Städten Bochum, Herne, Essen und Dortmund durchgeführt. Schwerpunkt des Festivals ist zeitgenössische Avantgardemusik im Grenzbereich von Improvisation, neuer Komposition, Elektronischer- und interaktiver Computer Musik, Industrial Noise und Jazz. Gerade in diesem Bereich experimenteller Musik gibt es im Ruhrgebiet ein besonderes Künstlerpotential, welches in den letzten 20 Jahren eine deutliche Kontur und Reputation im In- und Ausland erlangt hat. Dabei reflektiert diese Musik z. T. bewusst oder unbewusst von der Industrie geprägte Traditionen dieser Region. In internationalem Kontext wird die regionale Szene mit Ihren weltweiten Verflechtungen gezeigt.

 

Ein weiterer Bestandteil sind seit einigen Jahren interdisziplinäre Projekte (Tanz, Film, Video), die in Verbindung mit dieser Musik in ganz Nordrhein-Westfalen selten zu finden sind. Dialog und Offenheit zwischen zeitgenössischen Musikformen sowie interdisziplinäre Öffnung zu anderen Kunstsparten werden im neuen Jahrtausend immer wichtiger. Gerade in Grenzbereichen passieren abseits von überkommenen Sparten- und „Schubladendenken“ die eigentlich innovativen Dinge in der Musik und der Kunst. „open systems“ bietet somit ein zukunftsweisendes und sich von anderen Festivals deutlich unterscheidendes Konzept.

 

Um dem Festival einen seiner Bedeutung angemessenen Charakter zu geben und im Ruhrgebiet, einer künstlerisch innovativen Region, ein international einzigartiges Kunstkonzept zu verwirklichen, hat sich eine Initiative aus Künstlern und Kunstvermittlern verschiedener Ruhrgebietsstädte gebildet.

 

Das Festival

Das Festival fand im Oktober 2002 in der Qualität der Musik angemessenen Spielstätten mit folgenden Zielsetzungen statt:

a) Stärkung der regionalen Szene im internationalen Austausch, sowie Vertiefung bereits bestehender künstlerischer Kontakte.

b) Schaffung interdisziplinärer und multimedialer Aktivitäten.

c) Schaffung einer künstlerischen, konzeptionell stringenten und veranstalterischen Kontinuität, die für das langfristige Gelingen und die überregionale und internationale Ausstrahlung eines solchen Festivals unabdingbar ist (vgl. z.B. Donaueschinger Musiktage, Documenta etc.).

d) Vergabe von projektbezogenen Kompositionsaufträgen.

 

Fazit

Prozesse der Veränderung wurden oft auch durch künstlerische Einflüsse eingeleitet. Das Revier ist eine Region, in der wie in keiner anderen über Veränderungen und Wandlungen nachgedacht wird und werden muss. Die künstlerisch anspruchsvolle Veranstaltungsreihe „open systems“ übernimmt hierbei die Funktion der Motivation, der Identitätsstiftung, des Strebens nach Aufmerksamkeit und signalisiert einen klaren Blick über den sogenannten „Tellerrand“ hinaus.

Die Aufgabe, das Selbstbewusstsein dieser Region zu stärken - sowohl über sportliche als auch über künstlerisch herausragende Aktivitäten auf internationalem Niveau - gewinnt auch im Rahmen der Idee von einer „Ruhrstadt“ an Bedeutung.

„open systems“ bietet die Chance, „Unerhörtes“ aufzuführen und künstlerische Aufbrüche zu präsentieren, bislang kaum entdeckte Kleinode voller Liebe und Konsequenz und weltweit anerkannte Künstlerformationen in einem anspruchsvollen Programm zu integrieren, das eine Identifikation der Besucher zulässt und sie gleichzeitig mit Neuem konfrontiert. Somit ist „open systems“ zu einem Imageträger und unverzichtbaren kulturellen Bestandteil der Ruhr-Region geworden und drückt mit der Präsentation seiner kreativen und innovativen Kunst deren Strukturwandel aus.

Vor diesem Hintergrund ist die Weiterentwicklung des Festivals „open systems“ hin zu einem internationalen Kultur- und Medienereignis mit anerkannten Größen und Werken der zeitgenössischen Künste, aber auch noch nicht bekannten aber dennoch hochinteressanten Projekten aus allen Facetten der Musik, eine logische Konsequenz.

 

Das Auge führt den Menschen in die Welt.

Das Ohr führt die Welt in den Menschen.

 

 

Antrag-Nr. 95

Aufabwegen, Köln - Konzertreihe „Geräuschwelten“

 

Konzertreihe mit experimenteller elektronischer Musik/Post-Industrial von aufabwegen, veranstaltet im cuba, Münster

 

Im Jahre 2002 führte aufabwegen eine Konzertreihe unter dem Titel „geräuschwelten“ im cuba Münster durch. Ziel der Reihe war es, internationalen Künstlern aus dem Bereich der experimentellen elektronischen Musik (Geräuschmusik/Post-Industrial) ein Forum zu geben. Dank der Unterstützung des Kulturamts der Stadt Münster und der LAG Soziokulturelle Zentren NW e.V. konnten 4 Konzerte organisiert werden, wobei der Höhepunkt das zweitägige Festival im Dezember war. Es waren Musiker aus Japan, England, Frankreich, den Niederlanden, den USA und Deutschland zu Gast im Rahmen unserer Reihe. Ein wesentliches Ziel der Konzertreihe war es, die internationale Vernetzung voranzutreiben und bekanntere Acts auf Neulinge stoßen zu lassen. Beides ist im Rahmen der Konzerte gelungen. Mit der eigenen Website www.geraeuschwelten.de und zahlreichen Berichten in der lokalen Presse konnte die öffentliche Wahrnehmung für die Geräuschmusik, zumal in Münster, stark verbessert werden. Die Präsentation und Durchführung einer eigenen Konzertreihe, die sich speziell mit diesem randständigen Gebiet von populärer Musik befasst, trägt wesentlich zur Erweiterung des kulturellen Profils der Stadt Münster bei. Mit der Konzertreihe „geräuschwelten“ konnte sich Münster neben Berlin, Hamburg, Köln und Frankfurt zu einem der wichtigsten Konzertorte in Deutschland etablieren. Auch wenn es sich bei der Geräuschmusik nicht um ei Massenphänomen handelt, ist es doch wichtig, gerade dieser Spielart ein Forum zu geben. Unter den heutigen Produktionsbedingungen von Musik (Computer, MD) ist die Geräuschmusik aktueller und bedeutungsvoller denn je, wie zum Beispiel Veröffentlichungen wie das Buch soundcultures (edition suhrkamp) beweisen.

 

 

Antrag-Nr. 96

Art Obscura e.V., Mülheim - Heisses Eisen - integratives Straßentheaterstück

 

Im Jahre 2002 produzierte der Verein Art Obscura e. V. die mobile Theateraktion ,,Flugmaschinen“. Hauptakteure waren 3 behinderte Schauspieler in Ihren Rollstühlen. Die Rollstühle wurden umgebaut zu fantastischen Flugmaschinen. (Rakete, Fesselballon, Hubschrauber). Darüber hinaus waren. Darüber hinaus waren 4 nichtbehinderte Menschen an dem Projekt beteiligt, als Projektleiter, Helfer, Techniker usw. Die Produktionsphase dauerte von ca. Juli — Oktober 2003. Zunächst wurden die Flugobjekte in einer Bühnenbildwerkstatt gebaut. Helfer und Schauspieler führen in dieser Zeit oft in die Werkstatt zum anprobieren der Objekte und um den Entwicklungsprozess allgemein zu verfolgen. Anschließend folge eine Phase in der sich die Schauspieler mit ihren Objekten vertraut machten und ausprobierten, was mit den so umgebauten Rollstühlen technisch möglich ist. In dieser Phase wurden auch ,,Typen“ entwickelt, sowie der Rahmen für eine Geschichte entwickelt. Das Konzept besagte, dass nicht im Proberaum eine fertige Story entwickelt wird. Sondern es sollten Ansätze einer möglichen Geschichte entwickelt werden, diese dann aber über die Improvisation im „realen Leben“, also in der Stadt und unter Leuten, weiterentwickelt werden. Wir haben einiger solcher Experimente gemacht - mit sehr unterschiedlichen Ergebnissen. Einige dieser Auftritte verliefen sehr gut und die Zuschauer waren von der Performance begeistert. Andere verliefen so, dass es doch bei einer sehr großen Distanz zwischen Spielern und Zuschauern blieb. In jedem Fall lernten die Schauspieler aber mit der besonderen Situation und dem direkten Kontakt auf der Straße umzugehen. Somit hatten wir am Ende des Jahres eine Performance, die vorzeigbar ist, nach unserer Meinung aber noch nicht fertig ist. Wir planen für 2003 die Produktion fertig zustellen. Auch den Druck eines Flyers haben wir zurückgestellt.

 

Im Frühjahr 2003 haben die Schauspieler noch einmal über einige Tage mit einer Regisseurin aus Bremen gearbeitet. Ziel war es die einzelnen Rollen weiter auszuarbeiten und an der Choreografie zu arbeiten. Für den Sommer d. J. sind wieder einige Experimente und Auftritte geplant.

 

 

Antrag-Nr. 133

Kaktus e.V., Münster - „Kultur für Frieden“ 2002

 

Das von Radio Kaktus Münster e.V. durchgeführte Projekt „Kultur für Frieden“ im Jahre 2002 hat mehrere Lesungen, Musikveranstaltungen und Ausstellungen beinhaltet. Nach groben Schätzungen sind diese Veranstaltungen von über zweitausend verschiedenen Personen besucht worden und haben sicherlich das Zusammenleben von deutschen und nicht-deutschen Mitbürgern bestärkt und gefördert.

Beispielhaft ist zu nennen, dass die mit mehreren Musikern im Stadthaus I der Stadt Münster durchgeführte Musikveranstaltung ihren Höhepunkt darin gefunden hat, dass unter der Leitung von Danielle Bazanta Hunderte Kinder und Erwachsene verschiedenster Nationalitäten zu der von den Besuchern selbst auf Trommeln gemachten Musik getanzt und gefeiert haben, nachdem die Musikerin und Erzieherin Dagmar von Kemphen mit den Kindern etliche Lieder gesungen hatte.

Anderes Beispiel : Zur Eröffnung der Ausstellung bzgl. der Werke von I. Coban und J. Perker haben annähernd dreihundert Personen teilgenommen, ebenso wie an der Lesung von I. Ulusoy und Horst Breiter, die Gedichte von Nazim Hikmet und Berthold Brecht vorgetragen haben. Daneben haben im „Cuba“ mehrere Musik- und Tanzveranstaltungen stattgefunden, die von deutschen und nichtdeutschen Mitbürgern zu gleichen Teilen gut aufgenommen wurden.

Die Auffassung der Mitarbeiter von Radio Kaktus Münster e.V. ist daher, dass das Ziel, ein besseres Miteinander der Menschen verschiedenster Nationalität und Herkunft nach über vierzig Jahren Einwanderung zu erreichen, durch solche Projekte und Veranstaltungen gefördert wird und daher auch in diesem Jahr solche Veranstaltungen noch in vermehrter Form stattfinden sollen. In dieser Auffassung werden wir durch die vielen Anrufe und durch genau dreiundvierzig Briefe, die uns erreicht haben, bestärkt, die allesamt die Wichtigkeit solcher Veranstaltungen hervorgehoben haben.

Somit hat es sich auch im vergangenen Jahr wieder erwiesen, dass gerade die Musik, die Kunst und die Literatur die Menschen einander näher bringen kann.

Daher bedankt sich Radio Kaktus Münster an dieser Stelle vor allem bei der LAG, dem Ausländerbeirat und dem Kulturamt Münster, die uns durch Finanzierung und Beratung dir Durchführung unserer erfolgreichen Arbeit erst ermöglicht haben.

 

 

Antrag-Nr. 134

ephemer e.V., Münster - Workshops zu Circles - Festival der lebenden Skulptur

 

Circles im Allgemeinen

In Münster und dem Münsterland bot CIRCLES der Performancekunst im öffentlichen Raum erstmals ein eigenes Forum. Dazu lädt der Veranstalter ephemer e.V. KünstlerInnen aus Israel, Berlin, Frankfurt, der Bodenseeregion und Münster ein. Die von ihnen geschaffenen lebenden Bilder arbeiteten alle mit dem menschlichen Körper und entwickeln eine starke visuelle Kraft.

Die Kreisform spielt inhaltlich und/oder formal in jeder Aktion eine Rolle und verbindet sie miteinander. In Münster wurden charakteristische Münsteraner Stadträume ins Bewusstsein gerückt und punktuell subtil verändert, so der Aasee, der Hafen, die Innenstadt mit Salzstraße, Prinzipalmarkt und Lambertikirchplatz. In Telgte wurden Ems bzw. Dümmer einbezogen, in Havixbeck die Fußgängerzone belebt, in und um Rheine wird der ”Landkreis” befahren.

Die entstehenden ”lebenden Bilder” haben sich nicht in erster Linie an den an zeitgenössischer Kunst Interessierten gewendet, sondern den sich im alltäglichen Kontext bewegenden Passanten zum Innehalten eingeladen, irritiert, berührt. Sie boten dem Betrachter die Möglichkeit, sich in eine andere, neue Beziehung zu sich selbst, zu seinen Mitmenschen und zum Stadtraum zu setzen.

 

Eine Ausführliche Dokumentation mit Photos und Videoclips der Workshops und des gesamten Projekts ist unter www.ephemer.de/projekte/circles abzurufen.

 

Die Workshops

Workshop: “Cover your tracks” von BBB Johannes Deimling

In diesem Workshop arbeitet BBB Johannes Deimling mit Schülern der Gesamtschule Havixbeck und des Gymnasium Paulinum, Münster an der performativen Installation “Cover your tracks”:

Workshop Havixbeck: Montag, 03.06.

Aufführung: Havixbeck Fußgängerzone, 16.00 Uhr

Workshop Münster: Dienstag, 04.06.

Aufführung: Münster, Salzstraße, 16.00 Uhr

 

Die Performance wird zusammen mit Schülergruppen aus Münster und Havixbeck erarbeitet. Die teilnehmenden Menschen begeben sich schwarz bekleidet (Hände und Füße sind nackt) in die kniende Position, stecken ihren Kopf in den Blumentopf, der anschließend ganz mit Erde bedeckt wird. Da durch den Hinterkopf die darrübergeschüttete Erde von Gesicht, Nase und Mund ferngehalten wird, ist es ohne Probleme möglich zu atmen. Von außen betrachtet hat es den Anschein, als wäre der Kopf gänzlich in der Erde versunken. In dieser Stellung verharren die Akteure ca. 40 Minuten, bis sie von einem ”frei beweglichen” Akteur berührt werden. Danach ziehen sie ihren Kopf aus dem Blumentopf und distanzieren sich vom Gesamtbild. Eine minimale choreographische Anordnung der Topfpositionen ist erforderlich, um eine optimale Wirkung des Gesamtbildes zu erzeugen. Bewegungen der Teilnehmer sind lediglich im Rahmen einer Veränderung der knienden Position vorgesehen. Die Gliedmaßen können sich frei in alle Richtungen bewegen. Jede Bewegung äußert sich ”wachsend”, d.h. in einem extrem langsamen Tempo.

 

Cover your tracks, Münster

An dem Workshop und der Aktion haben folgende SchülerInnen des Gymnasium Paulinum Münster teilgenommen: Gesa Hauck, Constantin von Kleinsorgen, Johanna Rademacher, Julius Eggert, Marcel Mork, Frederike August, Miriam Dahlhaus, Jan Rickers, Jascha Riesselmann, Mirijam Schmitz, Otto Uhlhorn

 

Kommentare der teilnehmenden SchülerInnen in Münster:

"Ich habe die Kommentare gehört. War echt lustig." Julius Eggert

"Ich habe total das Zeitgefühl verloren." Otto Uhlhorn

"Das war eine andere Welt." Gesa Hauck

"Wie es wohl aussieht, der ganzen Welt den Hintern entgegen zu strecken?" Johanna Rademacher

Kommentare von der Straße:

"Das soll zeigen, dass Menschen keinen Ekel vor der Erde haben sollen, die sie umgibt."

"Kann ich nicht mit ansehen, die leiden doch."

"Wie bekommen die Luft? Ist da ein Schlauch? Oder ein Loch in der Erde?"

"Elf Leute. Hat das was mit Fußball zu tun?"

"Die Antwort auf die deutsche Bildungsmisere."

"Wie lange halten die das aus?"

"Machen die das freiwillig?"

 

Presse

WN, 6. Juni 2002

"Aufsehen erregende Performance in der Salzstraße"

"Privat - das ist die dunkle, nach Erde riechende Atmosphäre im Topf. Öffentlich - das sind die Menschen, die die Aktion beobachten, stehen bleiben, über den Sinn spekulieren."

MZ, 5. Juni 2002

"Die Passanten betrachteten die eingepflanzten Kinder mit stillem Staunen."

 

Cover your tracks, Havixbeck

An dem Workshop haben folgende SchülerInnen der Anna-Frank-Gesamtschule Havixbeck teilgenommen: Hanna Lork, Laura Mertens und Sarah Spletzer

 

Presse

WN, 5. Juni 2002

"Künstler inszeniert Spannung zwischen Privatem und Öffentlichem. .... Staunen, Lachen, Kopfschütteln, angestrengtes Beobachten und Grübeln: Die Reaktionen waren vielfältig."

 

Workshop: Out of Order von Elletra de Salvo

Elettra de Salvo, freischaffende Schauspielerin und Performerin, lebt in Berlin und Frankfurt. Sie erarbeitet seit 1991 eigene experimentelle Theaterprojekte und führte diese im In- und Ausland, u.a. Theater am Turm, Künstlerhaus Mousonturm / Frankfurt/M, Kampnagel / Hamburg, Sophiensäle / Berlin, Documenta Kassel, Centro Petralata /Rom, Avant les mouches / Strasbourg auf.

 

In de Salvos Workshop steht der weibliche Körper und die weibliche Sexualität im Mittelpunkt. Diese Arbeit wird in die künstlerische Installation Out of order Münden: Ca. 40 Frauen belegen den Umfang eines leeren, mittelgroßen Raumes, schulterbreit voneinander entfernt und “stellen" sich somit dem in diesem Raum verweilenden Publikum. Gesicht und Oberkörper sind mit einem schwarzen Tuch bis unter den Nabel bedeckt. Geschlecht und Beine bleiben nackt. In dieser 30-minütigen Performance, die mehrmals an einem Abend wiederholt werden kann, werden die Frauen nichts anderes tun, als stehen, dasein, “geschlossene Wände" herstellen. Auch der Zugang zum Raum ist nur durch das Zur-Seite-Schieben zweier Schultern möglich. Die Zuschauer können durch diese “Tür" den Raum jederzeit betreten und verlassen. Der meditative Charakter der Performance soll durch striktes Schweigen eingehalten werden. Die Performerinnen (mind. 10 max. 40, je nach Raumgröße) werden in Münster gesucht. Es sollen vorzugsweise Frauen jeder Herkunft, jedes Alters, jedes Berufes sein, denen ein zweitägiger Workshop zur Vorbereitung kostenlos angeboten wird. In diesem praktischen Seminar werden die Teilnehmerinnen durch spezielle Übungen den Unterschied zwischen sexualisiertem und existentiellen Körper, sexualisierter und existentieller Nacktheit wahrnehmen.

 

“Es gibt Löcher, die uns erfüllen" (J.P. Duprey) Thema dieser performativen Installation ist der weibliche Körper, und insbesondere die weiblichen Geschlechtsteile. Ausgangspunkt ist hier das grausame Ritual der weiblichen Genitalverstümmelung, das an Mädchen und Frauen in Afrika (aber auch in Europa!) vorgenommen wird. Diese Arbeit möchte über die politisch-soziale Brisanz hinaus die Zuschauer, und selbstverständlich auch die teilnehmenden Performerinnen, mit dem anderen Gesicht des menschlichen Körpers konfrontieren. Vor allem beim weiblichen Körper ist die Korrespondenz zwischen Gesicht und Genitalien offensichtlich. Dazu Gerburg Treusch-Dieter, ausgehend von einer Beobachtung Leonardo da Vincis: “...Das Geschlecht, das weibliche Geschlecht, das nicht sichtbar werden darf, ist in der Tat die Kehrseite des Gesichts." Gleichzeitig entsteht eine Trennung Gesicht-Geschlecht, die der Geist-Körper-Trennung entspricht. In der Realität des 21. Jahrhunderts wird trotz allgemeiner sexueller Befreiung die weibliche Lust und somit auch der Körper immer noch reglementiert, beschnitten. Diese performative Installation zeigt daher den weiblichen Körper auch halbiert. Sie verdeckt das eine Gesicht, um das andere - das bedrohliche, das tabuisierte - Gesicht auszustellen.

 

Workshop: Freitag, 7.06. und Samstag, 08.06.

Aufführung: 8.06., Münster, cuba cultur, 20.00 Uhr

 

An dem Workshop nahmen fünf Frauen teil, welche ein beeindruckendes kraftvolles Bild in der Ausführung produzierten.

Kommentare:

„Das Betreten des Raumes war wie ein Tabubruch, ein Eintreten in die Intimsphäre der Frauen. „

"Wir sind die Königinnen heute Abend, die Nackten sind die Zuschauer"

Elletra de Salvo nach der Performance

 

 

Antrag-Nr. 135

arachne e.V. Förderverein für Künstlerinnen, Nordkirchen - „Ortstermin landschaftsprägend“

 

Vom 24. bis 30. August 2002 arbeiteten 7 Künstlerinnen aus unterschiedlichen Sparten vor Ort.: Vera Briewig (Schauspiel/Gesang), Lucia Maria Derks (Installation/Objekte), Eva von der Dunk (Lyrik/Klanginstallation), Simone Prothmann (Objekte/Installationen), Regine Rostalski (Objekte/Installationen), Ulla Schlüter (Keramik) Lyrik,) Birgit Sommer (Objekte/Installationen)

 

Durch die Arbeitsgemeinschaft auf Zeit entstand eine Ausnahmesituation, in der Austausch, Inspiration und Konfrontation zu einem innovativen künstlerischen Dialog führten. Als Standort spielte hier das Münsterland und der Projekthof mit seinem charakteristischen Umfeld eine bedeutende Rolle. Die Künstlerinnen griffen die besondere Atmosphäre der Gebäude auf und bezogen sie in ihre Arbeit ein. Alle Arbeiten sind in der Woche entstanden. Diese gesamte Woche haben die Künstlerinnen auf dem Anwesen des Projekthofes verbracht, um sich mit den Begebenheiten vor Ort auseinander zu setzen und sich auf die vorgefundene Situation einzulassen. Für die beiden auf dem Hof lebenden Künstlerinnen war das Projekt ein Versuch die Räumlichkeiten (das bestehende Atelier, brachliegende ehemalige Wirtschaftsgebäude) für andere Künstlerinnen und interessiertes Publikum, als kulturelle Begegnungsstätte, zu öffnen. Die Künstlerinnen wählten ihre Räume selber aus. Die Bandbreite reichte vom Außenbereich, einer Installation auf einer Wiese, bis hin zu einer überdimensionalen Installation auf dem Tennenboden.

Die Arbeitsergebnisse sind in einem Katalog dokumentiert (zu beziehen bei arachne e.V.)

Deutlich und manchmal nicht unproblematisch kam in dieser Woche die unterschiedlichen Arbeitsweisen der einzelnen Sparten zum Tragen. Der Schwerpunkt lag auf dem raumbezogenen Arbeiten der bildenden Kunst und stieß bei Schauspiel und Lyrik auf Grenzen.

Für alle Künstlerinnen war das gemeinsame Arbeiten und leben auf dem Projekthof eine positive Herausforderung. Da bildende Künstlerinnen und Autorinnen in der Regel sehr isoliert arbeiten, haben alle Beteiligten diesen Austausch und diese Erfahrung als sehr positiv erlebt. In der Woche stand neben der künstlerischen Arbeit auch die inhaltliche Auseinandersetzung und Diskussion über Kunst sowie die politische und gesellschaftliche Situation von Künstlerinnen im Mittelpunkt. Die erfolgreiche Abschlusspräsentation der Arbeitsergebnisse, wurde von über 100 Gästen besucht, die zu einem großen Teil aus dem nahegelegenen Nordkirchen kamen.

Die Reaktionen der Besucher waren sehr positiv hier einige Auszüge aus dem Gästebuch:

 

„... zwei Stunden Leben, gesehen, gehört, gefühlt, verstanden (vielleicht) und nicht vergessen. Eintrag eines stillen Betrachters“ (75 Jahre alt)

 

„... Wir danken euch für einen wunderschönen, abwechslungsreichen, anregenden, und alle Sinne öffnenden Abend.“

 

„... euer Mut euch zu zeigen, mit dem, was ihr seid, den Gefühlen, Gedanken, Witz, Kunst, und auch Unzulänglichem, finde ich bewundernswert.“

 

„.. Eine gelungene Präsentation, ein Schmaus für alle Sinne – für mich ein eindrucksvoller Abend...“

 

„... Wir sind gerne hier, an einem Ort, der immer wieder eine Bereicherung ist für : Kreativität, gute Gespräche, ein entspanntes Miteinander, mit viel Zeit und Muße...“

 

„... Danke, dass ich den schönen Sommerabend auf dem Hof meiner Kindheit und Jugendzeit miterleben durfte....“ (Dorfbewohnerin 70 Jahre)

 

 

Antrag-Nr. 136

LEBE DEN TAG e.V., Siegen – Musikvideo

 

Jungen KünstlerInnen und Medieninteressierten wurde die Möglichkeit gegeben, die Produktion eines Musikvideos unter professionellen Bedingungen mit professionellen Möglichkeiten unter fachlicher Leitung zu organisieren, technisch umzusetzen und zu vermarkten.

Das Projekt wendete sich an aktive Semiprofis aus den bereichen Rock, HipHop Theater, Film. Für die meisten ist es mittlerweile Routine, ihre Musik zu produzieren, digital zu verändern und dieses als Produkt in CD Form, meist in kleiner Auflage, zu vermarkten. Die Organisation dessen und die technisch optimale Umsetzung ist meist bekannt.

Da es mehr und mehr erforderlich ist, seine Musik zu visualisieren; um seine Zuhörer und Zuschauerpotential zu erreichen, sollten die Interessierten am vollständigen Produktionsablauf beteiligt sein. MusikerInnen bekamen einen Einblick in neue Möglichkeiten. Theater und Filmleute lernen Musikvideo als Betätigungsfeld kennen.

Es gab einen fachlichen und allgemeinen Austausch zwischen Kulturschaffenden verschiedenster Bereiche.

Beispielhafte multikulturelle Zusammenarbeit

1. Das Musikstück, sowie dessen Treatment war vorgegeben. Da das Projekt mit einem marktfähigen Produkt abschließen sollte, wählten wir bewusst Oro Below als Künstler. Ein togolesischer Musiker, der in Siegen Informatik studiert und in seiner Heimat zu einem der ersten Worldmusiker avancierte. Seine Mixtur aus afrikanischem Traditional und Raps in Französisch und Ewe ( togol. Landessp.) sind sehr lebendig und machen Spaß, hat aber in Deutschland keine kommerziellen Marktchancen.

2. Umsetzung des Storybooks durch verschiedene Künstler aus dem Comic / Grafikbereich.

3. Kalkulation der notwendigen Technik, Aufbau und Benutzung eines Kamerawagens, Beleuchtung, 16mm Kamera, etc., Beachten der räumlichen und klimatischen Aspekte, Umsetzung des Storybooks als Workshop.

4. Schauspielerische Umsetzung des Storybooks unter fachlicher Leitung als Workshop.

5. Tontechnik in Bezug auf Tonaufnahmen vor Ort und im Studio als Workshop.

6. Nachbearbeitung des Filmmaterials als Workshop.

7. Viertägiger Videodreh mit allen Beteiligten in der Siegener Innenstadt.

8. Vermarktung des Produktes

9. Erstellen der Internetseite

 

Zielgruppe waren Menschen, die bereits über einige Erfahrung in ihrem Tätigkeitsfeld ( Musik, Film, Theater etc.) verfügen und diese durch einzelnen Gesichtspunkte und praktische Erfahrung im Prozess einer Videoproduktion erweitern wollen.

 

Seminarräume wurden angemietet, die Videoproduktion selbst wurde in der Siegener Bahnhofstraße und im Plattenladen Kratzer stattfinden, die einzelnen Arbeitsschritte wie Storybook, Einüben des schauspielerischen Erfordernisse, Erstellen der Internetseite etc. können in kleinen Arbeitsgruppen in privaten Räumen durchgeführt werden.

 

Das Projekt begann Ende Mai mit der ersten Veröffentlichung in der hiesigen Tagespresse, in der auf den Workshop aufmerksam gemacht wurde. Einzelne abschließende Schritte des Prozesses und Arbeit, die in den ersten vier Tagen nicht bewältigt werden konnten, fanden später in einzeln abgesprochenen Terminen statt.

 

Die Dokumentation erfolgte in Form eines Videos, das von den Dreharbeiten gedreht wird. In der Tagespresse und den hiesigen Veranstaltungsmagazinen wurde abschließend berichtet. Das fertige Video wird in TV in Togo und einem französischen Sender präsentiert. Es wird in Zusammenarbeit mit dem Filmclub Kurbelkiste eine Videoabschlussparty stattfinden, in dessen Rahmen u.a. das Video gezeigt wird und befreundete Künstler auftreten.

Die Ergebnisse werden sowohl unter künstlerischen als auch unter fachlichen Aspekten in Form einer Internetseite verfügbar sein.

 

 

Antrag-Nr. 143

Beate Albrecht, Witten - Theaterprojekt `penthesilea@war´

 

Zeitplan

Das Theaterprojekt penthesilea@war begann mit seinen ersten Proben im Ende September 2002 und endete mit seiner Premiere am 16.1.2003. Der Bitte um Verschiebung des Premierentermins von Dezember 2002 auf Januar 2003 aufgrund überlappender Termine wurde von der LAG Soziokultur NRW stattgegeben - die Abrechnung erfolgt jedoch für den Zeitraum Oktober - Dezember 2002.

 

Lernprozesse / Ziele:

Verschiedene neue Erfahrungen mit der Theaterarbeit, (Rollen, Dramaturgie, Technik, Verantwortung), mit sich selbst( soziales Umgehen in der Gruppe, emotionale Erfahrungen bzgl. der Rollen ...) und mit der Schauspielerei als Beruf ( Verkauf und Akquise für das Stück, Organisation weiterer Spielorte ) wurden von allen Beteiligten als positiv bewertet.. Da die Gruppe mit seinen 5 TeilnehmerInnen bewusst sehr klein gehalten war, war ein konzentriertes Arbeiten sowie eine intensive Auseinandersetzung mit Stück und Thema möglich. Die verschiedensten Standpunkte u.a. zu der Frage nach Auswirkungen von Gewaltdarstellungen in den neuen Medien oder Frauen und Mädchenleben in Kriegszeiten u.a. wurden erörtert und flossen in unser dramaturgisches Konzept ein. Für alle Beteiligten stand die Frage nach Professionalität in künstlerischen Berufen immer wieder zur Diskussion. Unter anderen entschloss sich die Kostümbildnerin, die 3 Jahren arbeitslos war, selbständig zu werden und hat diesen Prozess zu Beginn des Jahres 2003 eingeleitet.

 

Ausblick:

Wir haben alle eine wertvolle Erfahrung gemacht, sind nun dabei unser Stück im deutschsprachigen Raum anzubieten und dort auch zu spielen und freuen uns auf ein weiteres Theaterprojekt und .... wir danken für ihre Unterstützung!!!