Bericht über die Projektmittel 2004 der LAG NW

 

Münster, den 16.8.2005

 

Inhalt

 

1. Gesamtübersicht

2. Darstellung der einzelnen Projekte

 

 

1. Gesamtübersicht

 

Die LAG NW hat 2004 mit den Mitteln des Ministeriums für Städtebau und Wohnen, Kultur und Sport des Landes Nordrhein-Westfalen 42 Projekte von 36 Zentren/ Initiativen gefördert.

 

Es gab insgesamt 89 Anträge von 70 Zentren/ Einrichtungen/Initiativen mit einem Gesamtkostenvolumen von 1.364.084 € und einem Zuschussbedarf von 495.116 €. Der Beirat hat in einer Sitzung und einem Mailverfahren für Nachrücker über die Anträge befunden und die obengenannten 42 Anträge bewilligt. Diese Ergebnisse wurden auf den jeweiligen LAG NW Tagungen vorgestellt, diskutiert und letztendlich entschieden.

 

Nach der Abrechnung betrugen die Gesamtausgaben 471.338,40 €. Dabei betrug der Anteil des Landes mit 130.000 € =  27,586 %. Insgesamt wurde 5 Projekte mit 5.000 € und mehr gefördert. 23 Projekte erhielten 3.000 € und mehr und 14 Projekte wurden jeweils mit weniger als 3.000 € aus Landesmitteln finanziert.

 

Die Leistungen Dritter (vor allen Dingen der Kommunen) betrugen 152.895,47 €. Die Leistungen der Kommunen waren jedoch weit höher, denn sie sind entweder Bestandteil innerhalb einer direkten Kooperation und/oder Bestandteil der Zuschüsse zu den Betriebs- und Programmkosten der jeweiligen Zentren. Auf der anderen Seite sind hier auch Landesmittel enthalten, die von anderen Stellen bewilligt worden sind. Die Eigenleistungen der Träger lagen insgesamt bei 188.442,93 Euro €. Das sind 39,98 %.

 

Die Gesamtkosten verminderten sich um den Betrag von 1.485,60 €, das entspricht 0,31 % Abweichung vom ursprünglichen Kostenplan.

 

Grundsätzlich haben die Zentren in allen Kunst- und Kultursparten (Musik, Theater, Literatur, Medien) sowie spartenübergreifende Projekte durchgeführt. Tendenziell sind die Projekte in erster Linie der Stadtteilarbeit, der Kulturpolitik und dem Kinder- und Jugendbereich zuzuordnen.

 

 

 

Zu den einzelnen Projekten

 

 

BÜZ Schuhfabrik Ahlen - Theaterproduktion mit dem Arbeitstitel „Als Eva Adam den Apfel gab – Hunger im Überfluss“

 

Projektentstehung

Seit Jahren ist das Bürgerzentrum Schuhfabrik regional für seine Theaterproduktionen bekannt. Neben zahlreichen Auftritten der Amateurtheater und –kabarettszene entstehen an diesem Ort jährlich ein bis zwei Eigenproduktionen. So hat sich im Verlauf der letzten Jahre eine Gruppe von ca. 40 Menschen ausgebildet, die im Umfeld des Bürgerzentrums bereits an mehreren Theaterproduktionen teilgenommen hat. Für das aktuelle Projekt sollten gezielt Menschen mit Vorerfahrung angesprochen werden. Durch Plakate an ausgewählten Stellen, Pressearbeit und persönliche Briefe an TeilnehmerInnen früherer Theaterproduktionen wurde für das Projekt geworben. Entscheidend für die Auswahl durch die beiden Regisseure war aufgrund des umfangreichen Probenplanes zum einen die Motivation der Bewerber  und zum anderen deren Vorerfahrung. Von ursprünglich 25 Bewerbungen blieben schließlich 7 Frauen und 6 Männer übrig. Diese Gruppe arbeitete ab Oktober konstant an der Realisierung der Produktion.

Projektverlauf

Gearbeitet wurde von Beginn an in zwei geschlechtsspezifischen Gruppen. Als Arbeitsweise wählten beide Regisseure die freie Improvisation gemeinsam mit den TeilnehmerInnen. Neben Alltagssprüchen und Klischees zum Thema, nahmen Prägungen aus der Kindheit einen großen Anteil ein.  Aus diesem gemeinsam entwickelten Material konzipierten die Regisseure die jeweiligen Szenen. Bis auf wenige Ausnahmen konnten die Probentermine aufgrund der logistischen Möglichkeiten des Bürgerzentrums (mit einem Saal und einem großen weiteren Seminarraum) parallel stattfinden. Dies ermöglichte jederzeit einen inhaltlichen Austausch zwischen Regisseuren, aber auch bei Bedarf zwischen den SchauspielerInnen. Beide Gruppen begrüßten es ausschließlich mit Männern oder eben nur mit Frauen zu arbeiten.

Projektabschluss

Die parallele Arbeitsweise zeigte auch auf der organisatorischen Seite viele Vorteile. Abstimmungen über Termine wie z.B. einen zweiten Aufführungstermin, Stücktitel oder Werbematerialien konnten durch diese Arbeitsweise unkompliziert und schnell mit allen Beteiligten entschieden werden. Diese Einflussnahme führte für alle Projektteilnehmer zu einer überaus hohen Identifikation. Einen besonderen Vorteil für diese Form der Theaterproduktion bietet das Bürgerzentrum durch die enge Zusammenarbeit mit der hauseigenen Gastronomie. Absprachen über die Menüfolge und über die Formen der Essensausgabe (Tellergerichte oder Schüsseln) sind mit der Köchin problemlos möglich. Die Teilnahme der Köchin an einer Probe und ihre Service-Schulung für die SchauspielerInnen ist gegeben. Die Einbindung aller Beteiligter im Probenverlauf  wirkte sich immens auf den Zuspruch für die Theaterkarten aus. Beide Aufführungen mit jeweils 80 Karten waren schnell und zügig ausverkauft.

 

 

Alarm Theater, Bielefeld - Orlando – Die Wilden

Multimediales Theaterprojekt mit Sucht- und Gewaltgefährdeten männlichen Jugendlichen und jungen Erwachsenen aus verschiedenen Kulturkreisen

 

Projektskizze:

Es fanden insgesamt 4 Vorbereitungstreffen zwischen den Verantwortlichen der therapeutischen Wohngruppe Loxten und der Projektleitung des AlarmTheaters statt.

In diesen gemeinsamen Arbeitssitzungen wurden zunächst die terminliche und finanzielle Organisation geklärt. Danach die Rahmenbedingungen und die Einbindung des Projektes in die Lebenswelt der jungen Erwachsenen. Verständigung  über Art und Umfang der theaterpädagogischen Arbeit und der Betreuungszeit.

 

Die Zielsetzungen  der Kooperationspartner waren sehr hoch:

Ein großer Teil der therapeutischen Infrastruktur der Einrichtung Loxten (durchschnittliches Alter zwischen 18 – 32 Jahre/ Teilnehmer 16) wurde für die Dauer des Theaterprojektes nach Bielefeld ins AlarmTheater verlegt. Full time von 9 –17.00 Uhr.

Der Faktor „Mehraufwand an Betreuungszeit“ musste ohne eine hauptamtliche Kraft aus Loxten

auskommen (Einsparungen der Institution).Dies musste auf Seiten des AlarmTheater durch einen Mehraufwand an Betreuung (insgesamt 4 PraktikantInnen) und eine stärkere handwerkliche Ausrichtung neben der Theaterarbeit aufgefangen werden. Dies musste speziell vorbereitet werden und auch eine Fortbildung der PraktikantInnen in Bezug auf den Umgang mit den jungen Erwachsenen durchgeführt werden

Neben dem theaterpädagogischen Prozess steht am Ende eine Reihe von  Vorstellungen. Nicht nur  Fachöffentlichkeit oder geneigte Zuschauer fanden Zugang, sondern massiv auch die Öffentlichkeit im lokalen und regionalen Bereich. Zudem wurden schulische und außerschulische Kooperationspartner für die Aufführungen unter dem Thema  „Theater und Prävention“ gewonnen, sodass insgesamt 10 Aufführungen angesetzt wurden. Hinzu kam eine Einladung zum Jugendtheaterfestival „Inspiration und Irritation“ in Münster.

 

Verlauf

Die praktische Durchführung des Projektes lief über den Zeitraum vom 6. September – 17. Oktober 2004. Die Theaterarbeit mit den Drogenabhängigen war sehr am Prozess orientiert. Sie wurde in aufeinander folgenden Phasen artikuliert und immer von Abschnitten  der Evaluation, der Reflektion und des  Innehaltens alterniert.

Am Anfang standen die Begegnung und der Austausch zwischen den jungen Erwachsenen und den KünstlerInnen. In 4 Wochenblöcken wurden  mit den  TN  in künstlerischen Laboratorien (Schauspiel, Akrobatik, Tanz, Rhythmus, Gesang) Material erarbeitet und gesammelt. In den 2 folgenden Blöcken kam es zur Erarbeitung der Szenen, der theatralen Montage und schließlich zur Einprobung des Stückes. Premiere war am 8. Oktober. Im letzten Block vom 8. Oktober – 17. Oktober wurden am Wochenende abends Vorstellungen für die Öffentlichkeit gemacht und in der dazwischen liegenden  Woche Schulvorstellungen mit anschließenden Diskussionsrunden. Am Mittwoch den 13. Oktober kam der Auftritt in Münster beim Festival.

Die erste Voraussetzung für die Teilnahme an der ganztägigen Theaterarbeit war, dass die Teilnehmer zum Zeitpunkt des Projektes drogenfrei waren.

Da eine Verpflichtung am Theaterprojekt bestand, wurden nur 3 Gründe für den Abbruch festgelegt (Abbruch der Therapie, schwere Krankheit und Tod).

Neben der künstlerischen Arbeit ging es zu einem großen Teil auch um Training der körperlichen Belastbarkeit, da ein nicht kleiner Teil der Drogenabhängigen wenig Kondition und körperliche Leistungsfähigkeit hatten. Sie kamen z. T. direkt aus dem Entzug in das Projekt.

Klare Regeln wurden von der Projektleitung - Dietlind Budde und Harald Otto Schmid vom AlarmTheater - gleich zu Anfang festgelegt und im Laufe des Prozesses immer wieder eindringlich wiederholt. Sie bezogen sich vor allem auf die Arbeitsdisziplin, sollten aber den spielerischen Freiraum für Improvisation so weit wie möglich erhalten. Mit „Strenge und Liebe“ so ein Teilnehmer, wurden die Akteure nicht bloß zu der Erarbeitung eines Arbeitsergebnisses geführt, sondern vielmehr begleitet. Voraussetzungen für das Gelingen eines solchen Projektes war die präzise Beobachtung der gesamten Gruppe, ihrer Dynamik, und der einzelnen Teilnehmer.

Im Vorfeld hatten die Tn die Aufgabe einen umfangreichen Fragebogen zur Themenstellung Orlando und einer möglichen theatralen fiktiven Figur auszufüllen. In Form schriftlicher und mündlicher Äußerungen der Teilnehmer sollte das Thema zunächst frei assoziativ erarbeitet werden. Zu Beginn der Arbeitssitzungen mit den Drogenabhängigen wurden die Berichte und Aufzeichnungen der Tn unter der Fragestellung Vorbild – Selbstbild - Fremdbild bearbeitet.

Fernab von der herkömmlichen Bühnenarbeit – wo jede Handbewegung der Regievorgabe folgt, entwickeln die Akteure hier ein Theaterstück aus der Improvisation heraus. Einen Leitfaden, eine Geschichte brauchten die jungen Männer aber, die noch nichts mit Theater spielen zu tun hatten.

Texte, Literatur und Musik wurden einerseits vorgeschlagen, andererseits wurden persönliche Wünsche und Auseinandersetzungen der Männer respektiert und integriert.

Die volle Einbringung der Einzelnen für diese szenische Collage wurde stets gefordert. Die Facetten und Kompetenzen jedes Einzelnen mussten erkannt werden und in individueller Arbeit herausgebildet werden. Niemand sollte in diesem Projekt `fremdbestimmt´ oder  `blamiert´ werden, vielmehr wurden die vorhandenen persönlichen Fähigkeiten (z.B. tanzen, singen, Text präsentieren, etc.) der Einzelnen bewusst gemacht und für die theatrale Arbeit genutzt.

 

Fazit

Als die Aufführungen den Prozess enden ließen, war es für alle das Erleben eines Vulkanausbruchs. Wichtig waren auch die Wiederholungen der Aufführungen, damit die Akteure glauben und annehmen lernten, dass das hervorgeholte Beste, die Kraft und auch die Liebesfähigkeit keine Eintagsfliege ist. An dieser Stelle ist auch die Öffentlichkeit in Form der Zuschauer mitten im Prozess des Erlebens vom schönen, würdevollen Menschen, der in die Gesellschaft gehört. Spätestens hier wurde klar, dass unser aller Leben eine Bereicherung erfährt, wenn wir vom Wegschauen/Ignorieren hin zur Begegnung kommen.

 

 

Bahnhof Langendreer, Bochum - Deutsch-Südwest / Deutschland – Namibia: Eine hierarchisch geteilte Geschichte

 

Im Jahr 1904 führte das Deutsche Reich einen Krieg gegen die afrikanische Bevölkerung Namibias. Dieser Krieg war das prägendste Ereignis deutscher Kolonialherrschaft im damals so genannten „Deutsch-Südwestafrika“ (1884 – 1915). In der deutschen Öffentlichkeit wurde die deutsche Kolonialherrschaft und mit ihr der Krieg von 1904 bis zum Jahr 2004 nur selten thematisiert. Dennoch stellt die koloniale Herrschaft des deutschen Reiches in Namibia auch die Grundlage für die deutsch-namibischen Beziehungen von heute dar.

In dem Projekt wurde sich zwischen März und Oktober 2004 in unterschiedlichen Formen mit der Geschichte des Verhältnisses von Deutschland und Namibia, insbesondere mit dem Kolonialkrieg und dessen Folgen, auseinandergesetzt.

1. Vortrags – und Diskussionsreihe im soziokulturellen Zentrum Bahnhof Langendreer

Im März 2004 wurde das Projekt mit einer lockeren Folge offener Abendveranstaltungen im Bahnhof Langendreer gestartet. Den Auftakt bildete am 17.3. die Veranstaltung „Hundert Jahre Völkermord in Namibia: Das Erbe des deutschen Kolonialismus“ mit Reinhart Kößler,  Professor für Soziologie an der Uni Münster, Vorstandsmitglied der Informationsstelle Südliches Afrika (ISSA) und in der Redaktion der Zeitschrift Peripherie. 46 BesucherInnnen wurde  ein instruktiver Überblick über den von 1904 bis 1908 dauernden Kolonialkrieg im damaligen Deutsch-Südwest-Afrika gegeben. In seinem Verlauf wurden durch die militärische Vernichtungsstrategie und die Deportation der Überlebenden in Konzentrationslager weit über die Hälfte der zuvor in Zentral- und Südnamibia lebenden Herero und Nama umgebracht. Dies entsprach einer ausdrücklichen Vernichtungsstrategie der Kolonialmacht. Diese Ereignisse wurden von Reinhart Kößler  in eine übergreifende Praxis deutscher Kolonialexpansion und -herrschaft ein. Darüber hinaus wurden sie in eine Entwicklungslinie politischer Kultur gestellt, in der in wilhelminischer Zeit wesentliche Vorbedingungen für die Herrschaftspraxis der Nazis und den von ihnen verübten Holocaust geschaffen wurden. In der Diskussion wurde insbesondere auf die Verantwortung der Bundesrepublik Deutschland als Rechtsnachfolgerin des Deutschen Reiches eingegangen – hier wurde auch die Idee eines „Bochumer Appells“ zum ersten Mal diskutiert, der dann in den nächsten Monaten entwickelt und im September der Öffentlichkeit vorgestellt wurde.

Die Reihe wurde am 27.5. mit der Veranstaltung „Gegenwärtige Vergangenheit“ mit Luther Zaire fortgesetzt. Nach dem zu Beginn die 23 BesucherInnen interessiert den Ausschnitten der wdr-Dokumentation „Die Zaires und die Voigts“, die die Geschichte der Familie des Referenten zum Gegenstand hat, folgten, berichtete Luther Razemua Zaire aus Bochum über sein Leben. Luther Zaires Vater war ein Herero, hat aber schon als Kind unter deutschen Kolonialherren leiden müssen. Sein Leben wurde von deutschen Eigenschaften und Forderungen bestimmt. Trotz dieser schwierigen Umstände wuchs Luther Razemua Zaire bewusst als Herero auf. So versteht er sich als Nachfahre kolonialer Herrschaftspolitik und kann daher ein ganz persönliches Bild über die deutsche Vergangenheit in Süd-West-Afrika – heute Namibia - zeichnen. Zu Beginn der sechziger Jahre wurde Luther Zaire Mitglied der SWAPO-Youth, um gegen die Apartheidpolitik Südafri­kas zu kämpfen. Dafür verließ er 1964 sein Land. Nach Jahren im Exil gab es 1989 erstmals ein Wiedersehen mit seiner Mutter. Heute setzt sich Luther Zaire für Frieden und Völkerver­ständigung ein. Engagiert fördert er Kontakte zwischen Deutschen und Namibiern auf verschiedenen Ebenen, um so einen Beitrag für eine gemeinsame friedliche Zukunft zu leisten. In seinem Vortrag spielte die bis heute fortbestehende extrem ungleiche Landverteilung in  Namibia eine wichtige Rolle.

 

Schon in  Begleitung der Ausstellung, die ab Anfang September im Bahnhof Langendreer gezeigt wurde (vgl. 3), fand am 13.9. die Veranstaltung  „Der Völkermord in Deutsch-Südwestafrika“ mit dem Historiker Jürgen Zimmerer (Coimbra) statt. Seine Schwerpunkte sind die (Post-)Kolonialgeschichte und die  vergleichende historische Genozidforschung. Er hat 2003 gemeinsam mit Joachim Zeller das Buch „Völkermord in Deutsch-Südwestafrika. Der Kolonialkrieg (1904-1908) in Namibia und seine Folgen“ herausgegeben. Die Geschichte des deutschen Kolonialreiches dauerte nur dreißig Jahre. Eine im europäischen Vergleich derart kurze Zeitspanne, dass sich bis heute bei vielen Deutschen der Eindruck aufdrängt, die formale Kolonialherrschaft sei nur eine unbedeutende Episode ihrer Geschichte gewesen. Für die betroffenen Gegenden vor allem in Afrika gilt dies auf gar keinen Fall. Gerade in den beiden größten deutschen Kolonien, in Deutsch-Ostafrika (heute Tansania) und in Deutsch-Südwestafrika (heute Namibia) kam es gleich zu Beginn des 20. Jahrhunderts zu kriegerischen Konflikten, die zu den blutigsten und folgenreichsten der gesamtem Kolonisierung Afrikas gehörten. In Deutsch-Südwestafrika gelang der deutschen Armee zudem die traurige Leistung, den ersten Genozid des 20. Jahrhunderts und zugleich der deutschen Geschichte verübt zu haben – so die These Zimmerers, die von den 32 BesucherInnen der Veranstaltung intensiv und kontrovers diskutiert wurde.

Die Reihe offener Abendveranstaltungen im Bahnhof Langendreer wurde am 23.9. mit der Veranstaltung „Zur Konstruktion von "Rasse" und "Geschlecht" in der deutschen kolonialen Afrikaliteratur“ mit Rosa Schneider beendet. Rosa Schneider studierte in Göttingen Deutsch, Philosophie und Ethnologie. 1996 machte sie an der University of Lancaster/ Großbritannien ihren Masters of Arts in Women´s Studies. Nach einem Forschungsaufenthalt 1998 in Namibia promovierte sie 2001 mit einer Arbeit über die koloniale Afrikaliteratur an der Universität Greifswald. Rosa Schneider lebt heute in Bochum und arbeitet als freiberufliche Dozentin in der Frauen- und Mädchenbildung. Vollkommen in Vergessenheit geraten sind die vielen Kolonialromane und Autobiographien, die in der Kaiserzeit erschienen sind und von einem breiten Publikum mit Begeisterung gelesen wurden. Ihre Wirkungsgeschichte dauert jedoch bis in die Gegenwart: Denn ganz entscheidend hat diese Literatur die Bilder geformt, die noch heute die Vorstellungen über Afrika, den "dunklen Kontinent" prägen. Besonders interessant sind Romane und Autobiographien von Frauen, die um die Wende zum 20. Jahrhundert nach Afrika auswanderten und über ihr neues Leben in den Kolonien schrieben. Die Referentin versuchte, ein Bewusstsein für offene und versteckte Rassismen zu schaffen und , hält führte die 35 BesucherInnen  auf eine Entdeckungsreise in die Kolonialliteratur, deren Wirkungsgeschichte bis heute anhält.

2. Auseinandersetzung mit Film und bildender Kunst

Am 22.6. wurde der Düsseldorfer Künstler Klaus Klinger in den Bahnhof Langendreer eingeladen, um in einer Veranstaltung mit dem Titel „The New Monument. Bilder und Diskussionen zu einem Wandbild in Windhoek“ seine Arbeit in Namibia vorzustellen. Klaus Klinger studierte an der Kunstakademie Düsseldorf und begann 1978 zusammen mit an­deren Künstlern die ersten Wandbildern im öffentlichem Raum zu malen.  Seit 1987 organisiert er eine Vielzahl von interkulturellen Wandmalprojekten mit Künstlern aus Lateinamerika, arbei­tete in Nicaragua, Chile, Brasilien, Senegal und vor allem in Cuba.  1992 initiierte er das erste große Interkulturelle Wandmalprojekt Lateinamerika – Europa, zu dem 35 KünstlerInnen nach Europa eingeladen wurden.  Seit 1998 organisiert er das weltweite Wandmalprojekt „Mural-Glo­bal“ zur Agenda 21. Ende Juli 2001 flogen die Künstler Klaus Klinger aus Düsseldorf und Uwe Teschner aus Ham­burg nach Windhoek, um gemeinsam mit KünstlerInnen aus Namibia zwei Wandbilder zu ma­len. Das Wandbild von Klaus Klinger und Nata­sha Beukes entwickelte sich aus der Dis­kussion um das "Schutztruppen - Monu­ment". Ein stolzes Reiterstandbild, das über der Stadt ausschließlich der "Tapfe­ren deutschen Krieger" gedenkt, die zwi­schen 1903 - 1908 Tausende von Herero, Frauen und Kinder umgebracht haben, um das Land für Kaiser und Reich zu retten. Lange besteht schon die Diskussion, was mit dem militaristischem, rassistischem Monument passieren soll - es abreißen, ins Museum stellen oder der deutschen Bot­schaft zurückschenken? Symbolisch wird das Monument auf dem Wandbild, das an der Theaterschule von Windhoek entstand,  durch einen Hasen ersetzt, ein Symbol, das für eine neue, friedliche Kultur steht, die es zu suchen und zu entwickeln gilt. Auf der Gedenkplatte steht jetzt ein Gedicht des schwarzen Künstlers Sandile. Es gab sehr kontroverse Reaktionen auf das Wandbild, aber es ist ein in den Augen der Künstler ein Anstoß zur Diskussion, die heute nicht nur in Namibia wichtig ist. In der Veranstaltung hat Klaus Klinger Bilder aus dem Entstehungsprozess der Kunstwerkes gezeigt und mit den 22 BesucherInnen über die Idee und über die Reaktionen auf das Kunstwerk diskutiert. Dabei spielten in der Publikumsdiskussion vor allem prinzipielle Fragen einer angemessenen Erinnerungskultur eine Rolle.

Am 6.7. zeigten wir zusammen mit dem endstation.kino den Dokumentarfilm „Wir hatten eine Dora in Südwest“. Film und Diskussion mit Tink Diaz. Der Dokumentarfilm „Wir hatten eine Dora in Südwest“ greift einen hochinteressanten Aspekt der deutschen Kolonialgeschichte und ihrer Folgen auf. 1907 wird der Deutschkoloniale Frauenbund gegründet, mit dessen Hilfe u.a. die "Zufuhr" von deutschen Bräuten an die Schutztruppen und Siedler gefördert werden soll, um der vermeintlich drohenden "Verkafferung der Männer in Deutsch Südwest und Deutsch Ostafrika" entgegenzuwirken. Auch noch nach 1918, als Deutschland gar keine Kolonien mehr hatte, vermittelt der Frauenbund noch ausreisewillige junge Frauen als "Trägerinnen deutscher Zucht und Sitte" nach Windhoek, Swakopmund oder Tanga. Der Film kompiliert historisches Archivmaterial, zeitgenössische Fotos, Lieder, Zitate aus Theaterstücken oder Kolonialromanen und er kontrastiert diese collagenartige Zusammenschau mit den aktuellen Aussagen einiger Frauen, die in den dreißiger oder vierziger Jahren mit dem Frauenbund nach Namibia gingen und die noch heute dort leben. Dadurch ist der Film auch nicht nur von historischem Interesse, sondern er thematisiert auch die politische Einstellung und die Verhaltensweisen deutschstämmiger Namibier gegenüber den Schwarzen in dem von Südafrika unabhängig gewordenen Namibia. Die Filmaufführung besuchten 47 Menschen, zu der anschließenden Diskussion mit der Regisseurin Christina Tink Diaz zur über den Film kamen noch 32 BesucherInnen.. Christina Tink Diaz ist in Hamburg geboren, studierte Kunstgeschichte, Soziologie und Philosophie in England, war von 1976 bis 1979 zu einem Forschungsaufenthalt im Sudan, promovierte 1987 an der University of Sussex über deutsche Medien-Entwicklungshilfe in Afrika. In der Veranstaltung wurden insbesondere Fragen zur Bedeutung des  Deutsch-Kolonialen Frauenbundes, zum Leben der Südwestler in Namibia, aber auch formal-ästhetische Aspekte diskutiert.

3. Ausstellung zum Kolonialkrieg (1904 - 1908) in Namibia

Die Ausstellung „Völkermord in Deutsch-Südwestafrika“ beruht im wesentlichen auf zeitgenössischen Fotodokumenten, die das Alltagsleben in Deutsch-Südwest und die Protagonisten des Krieges, aber auch Kriegsgefangene und das Leben in den Konzentrationslagern wiedergeben (Eine A 4 Reproduktion der Ausstellung befindet sich in der Anlage). Mit der Ausstellung, die am Antikriegstag eröffnet wurde, sollte an den hundertsten Jahrestag des Herero- und des Nama-Aufstandes gegen die deutsche Kolonialherrschaft in Namibia erinnert werden. Dabei wurde im wesentlichen auf Fotodokumente zurückgegriffen, die Joachim Zeller (Berlin) aus dem National Archive of Namibia in Windhoek, aus dem Stadtarchiv in Nürnberg, aus der Frankfurter Stadt- und Universitätsbibliothek und aus Buchveröffentlichungen zusammen getragen hat. Die Ausstellung beruht auf einem Konzept, das Reinhart Kößler (Bochum) für die Ausstellung „Der erste Genozid im 20. Jahrhundert“ für das Museum für Weltfrieden in Kyoto entwickelt hat. Sie wurde von Uwe Vorberg realisiert. Die Ausstellung wurde vom 1.9. bis zum 3.10. im Café des Bahnhof Langendreer zu den üblichen Öffnungszeiten präsentiert. Die Ausstellung wurde von Teilen der örtlichen Presse positiv wahrgenommen.

Parallel zur Ausstellung wurde ein Bochumer Appell „Deutschland muss sich seiner kolonialen Verantwortung stellen“ der Öffentlichkeit vorgestellt (siehe Anlage), mit dem die mit dem Projekt befassten versucht haben, gemeinsam mit WissenschaftlerInnen aus der gesamten Bundesrepublik Einfluss auf die Schuldeingeständnisse der Bundesregierung und daraus folgende materielle Verpflichtungen zu gewinnen.

Im Anschluss an die Präsentation der Ausstellung im Bahnhof Langendreer war die Ausstellung in den Räumen der Evangelischen Studierendgemeinde an der Ruhr- Uni Bochum vom 11.10 – 5.11. zu sehen. Unmittelbar in Anschluss daran wurde sie vom 6.11. bis zum 22.11. im Gemeindezentrum der Evangelischen Kirchengemeinde Hattingen Winz-Baak gezeigt. Die Ausstellung steht im Bahnhof Langendreer für weitere Ausleihen zu Verfügung.

4. Vorträge an anderen Veranstaltungsorten

Im Rahmen des Projektes wurde versucht, das Thema der deutschen kolonialen Vergangenheit im heutigen Namibia auch an anderen Orten zu verankern. Hervorzuheben ist dabei vor allem die Kooperation mit der Bochumer Initiative Südliches Afrika und dem  Museum Bochum. In Begleitprogramm der Ausstellung „New Identities“ im Museum Bochum, die zeitgenössische Kunst aus Südafrika präsentierte, gestaltet die Bochumer Initiative südliches Afrika (BISA) am 1.9., dem Tag der Eröffnung unserer Ausstellung, einen Abend im Museum Bochum mit mehr als 40 BesucherInnen. Einleitend sprach die Vorsitzende, Marie Luise Bartz, über die Antiapartheidsbewegung in Bochum und die aktuelle Arbeit der BISA zum südlichen Afrika. Anschließend hielt der Literaturwissenschaftler Historiker Merdardus Brehl vom Institut für Diaspora- und Genozidforschung an der RUB unter dem Titel »Der Völkermord an den Herero und seine zeitgenössische Legitimation« einen Vortrag über den Kolonialkrieg in Deutsch-Südwestafrika im Spiegel der zeitgenössischen Literatur.

Im Begleitprogramm der Ausstellung hielt auf unsere Vermittlung der Bochumer Soziologe Reinhart Kößler am 12.10. einen Vortrag unter dem Titel „ Hundert Jahre Völkermord in Namibia“ in der Evangelischen Studierendengemeinde.

Zur Eröffnung der Ausstellung in der Evangelischen Kirchengemeinde Hattingen Winz-Baak am 6.11. hielt Uwe Vorberg von Nord-Süd-Büro im Rahmen des Hattinger Afrika-Tages einen Vortrag vor ca. 70 Besuchern zum Thema „Völkermord in Deutsch-Südwestafrika“.

5: Schülerprojekte

Durch persönliche Ansprache wurden LehrerInnen dazu zu gewonnen, in der gymnasialen Oberstufe im Rahmen des Geschichtsunterrichts das Thema Kolonialgeschichte in Deutsch-Südwestafrika zu behandeln. Drei Geschichtskurse Bochumer Gymnasien bzw. Gesamtschulen haben im Rahmen ihrer Kurse die Ausstellung besucht. Im Graf-Engelbert-Gymnasium wurde das Thema intensiver im Leistungskurs Geschichte der Klasse 12 behandelt. Von diesem wird auch eine Proektwoche der Schule Ende Februar 2005 vorbereitet, bei dem auch die Ausstellung „Völkermord in Deutsch-Südwestafrika“ gezeigt wird.

Insgesamt hat das Projekt dazu geführt, dass sich sehr viele BochumerInnen, darunter viele Jugendliche, zum ersten Mal intensiv mit der deutschen Kolonialgeschichte auseinandergesetzt haben. Im Bahnhof Langendreer wird das Thema deutsche Kolonialgeschichte weiter Gegenstand sein, die entstandenen Kontakte zu Kooperationspartnern werden dazu weiter genutzt.

 

 

Brotfabrik Bonn - Projekt ORIENTierung

 

Die vier unter dem Dachbegriff „ORIENTierung“ konzipierten und durchgeführten Veranstaltungen der Brotfabrik waren eingebunden in das gleichnamige Netzwerkprojekt, das 2004 in den Städten Bergheim, Bonn, Köln, Siegburg und Troisdorf realisiert wurde. Ausgangspunkt des Projekts war die künstlerische Auseinandersetzung von Kindern und Jugendlichen mit einem fremden Kulturkreis, in diesem Fall dem „Orient“. Wir verbinden mit diesem Begriff meist Exotik, unbekannte Lebensweisen und eine oft als bedrohlich beschriebene Religiosität und schwanken in unserem Empfinden zwischen Neugier und Furcht. Ziel des Projekts war es, Kindern und Jugendlichen eine Orientierungshilfe zu geben im Umgang mit einem fremden Kulturkreis, Berührungsängste abzubauen und den Blick dafür zu öffnen, dass orientalische und okzidentale Kultur mehr gemeinsame Wurzeln haben, als viele wissen.

Musik, Theater, Bildende Kunst und Literatur können mit ihren universellen Ausdrucksformen zu Fremdenführern werden, die Verständigung zwischen den Kulturen fördern und einen Blick auf gemeinsame Werte wie Toleranz und Respekt ermöglichen. Die Brotfabrik hat aus dem Orient stammende und deutsche Künstler eingeladen, in dieser Weise als Fremdenführer mit Kindern und Jugendlichen künstlerisch zu arbeiten. Im diesen kreativen Prozessen wurde gemeinsam Vorurteilen und Klischees nachgespürt, um sie mit künstlerischen Mitteln zu hinterfragen.

 

Märchen und Musik aus dem Irak. Konzertmärchen für Kinder ab 6 Jahren

Ob Kalifen oder Flaschengeister, ob Sindbad oder Sheherazade – es ist beinahe unmöglich, den Erzählungen aus 1001 Nacht nicht irgendwann als Erzählung oder Film zu begegnen, auch wenn die exotischen Geschichten im Laufe der Zeit immer mehr dem europäischen Geschmack angepasst wurden. Die Veranstaltung „Märchen und Musik aus dem Irak“ stellte hierzulande unbekannte Märchen aus dem Land vor, die zeigen, dass es jenseits von Ali Baba und Sindbad viele spannnende Geschichten aus dem Orient gibt. Begleitet wurden die alten Erzählungen von traditioneller irakischer Musik, gespielt von dem Trio Sidare auf Trommeln, Kniegeige und Kanun. Eine Vorstellung wurde nachmittags für Kinder und Erwachsene angeboten, eine Vorstellung richtete sich an Schüler im Grundschulalter.

 

Kunstworkshop: Visuelle Poesie mit Issmat Abdulkader

In diesem Workshop entwickelte der syrische Künstler Issmat Abdulkader „ Visuelle Poesie“. Bei dieser Kunstform werden Bild- und Wortelemente harmonisch miteinander verbunden. Die Kunst der Kalligraphie dient dabei als Ausdrucksmittel, das in der arabischen Welt aufgrund des islamischen Bilderverbots zu besonderer Virtuosität entwickelt wurde. 
Den Ausgangspunkt bildete das Thema „ Wege“: Wege zwischen Orient und Okzident, Lebenswege, Schulwege, Handelswege, Wege zwischen den Menschen .
Issmat arbeitete mit Schülern und Schülerinnen, die von den Kunstlehrern der Realschule Bonn-Beuel ausgewählt wurden. Leider war es nicht möglich, wie ursprünglich geplant direkt im Freien am Bauzaun zu arbeiten. Der Workshop fand in den Räumen der Realschule statt.
Issmat führte in das Thema ein, indem er die Schüler auf die bereits bestehenden künstlerischen Brücken zwischen Orient und Okzident hinwies.   Er wies darauf hin, dass die europäische Kunst und Kultur durch den Orient hinsichtlich Farbe und Ornamentik in der Vergangenheit sehr bereichert wurden. Die Grundlagen für die Beflügelung der westlichen Kunst legten letztlich  lebendige Handelsbeziehungen mit dem Orient, z.B. über die Seidenstraße. So findet man heute noch in Istanbul und Venedig viele Elemente orientalischer Architektur und Ornamentik, die wir wie selbstverständlich als europäische Kulturgüter empfinden. Besonders markante Spuren der interkulturellen Begegnungen begründen heute noch den Ruhm Andalusiens.
Fruchtbare künstlerische Beziehungen zwischen Orient und Okzident finden sich auch in anderen Kunstgattungen wie der Literatur, wie der „West-östliche Diwan“ des Dichterfürsten Goethe eindrucksvoll zeigt.
Nach der Einführung wurden erste Entwürfe mit Bleistift und Aquarell auf einen Block gemacht. So bekamen die Bilder von Anfang an eine durchdachte, künstlerische Struktur. Jeder Schüler erarbeitete zugleich einen Text zum Thema „ Wege“ und seine persönliche Beziehung dazu. Diese gleichzeitige Arbeit mit Text und Bild intensivierte den Zugang zum Thema.  Es war eine wichtige Erfahrung , den geschaffenen Text der Gruppe vorzutragen und sich damit zur eigenen künstlerischen Kraft zu bekennen. Am darauffolgenden Tag wurden die Skizzen korrigiert und Komposition und Farbgestaltung in künstlerischen Einklang gebracht. Issmat brachte den Schülern bei, wie man ein Bild richtig aufbaut.
Die Jugendlichen arbeiteten mit großer Konzentration und Ernsthaftigkeit an ihren Bildern. Offensichtlich fühlten sie sich von dem Thema „Wege“ sehr angesprochen.
Der Höhepunkt des Workshops war die Erstellung eines gemeinsamen Bildes auf einer großen Rolle. Thema dieses Gemeinschaftswerkes waren Wege zueinander, die sie im künstlerischen Prozeß finden sollten. Hierbei begannen die Schüler gleichzeitig, von den Rändern der Rolle aus aufeinander zu zu malen.  Issmat verknüpfte als Bindeglied die individuellen Einzelteile zu einer ausgewogenen Komposition. Es entstand ein eindrucksvolles Gesamtkunstwerk mit kalligraphischen Elementen. Die Schüler empfanden bei der Gestaltung dieses Werkes ein großes Zusammengehörigkeitsgefühl durch das gemeinsame Schaffen von Kunst, unabhängig von ihrer Nationalität und Gesellschaftsschicht.
Danach wurden die einzelnen Leinwände bemalt. Hier wartete eine ganz besondere Erfahrung auf sie, da sie zum ersten Mal mit Leinwand und Acryl arbeiten konnten. Es entstanden farbenfrohe Bilder, die in Kombination mit den Wortelementen eine große künstlerische Ausdruckskraft und Originalität besaßen. Zum Abschluß stellte jeder noch einmal sein Bild zusammen mit dem Text vor und erläuterte sein Ergebnis der Gruppe.                
Issmat selbst sah seine Aufgabe als Künstler darin, in den „kreativen Seelen der Schüler neue Fenster zu öffnen“ und sein künstlerisches Wissen  weiter zu geben. Das Feedback der Schüler und Schülerinnen bestätigte, dass dies gelungen ist. Er war sehr beeindruckt von der Begeisterungsfähigkeit der Schüler und ihrem respektvollen Umgang  miteinander. Der Workshop hat gezeigt, dass die universelle Sprache der Kunst Wege zueinander findet   

 

Schreibworkshop: Klassische orientalische Fabeln : „Kalila und Dimna am Rhein“
Orientalische Märchen sind bekannt. Jeder hat schon einmal Geschichten von Sheherazade gehört, die 1001 Nacht lang erzählen musste, um ihr Leben zu retten. Ihr Motto war: Du sollst nicht langweilen! Dass es neben diesem orientalischen Bestseller noch andere ebenso verbreitete Geschichtensammlungen gibt, wissen hierzulande nur die Kenner orientalischer Literatur und nun auch die Teilnehmerinnen des Workshops. Kalila und Dimna, die beiden Hauptfiguren der gleichnamigen Fabelsammlung, sind orientalischen Schulkindern fast so vertraut wie hiesigen Rotkäppchen oder Hänsel und Gretel. Die beiden Schakale führen ihre Leser durch eine Sammlung von dreizehn Fabeln, die sich ausgehend von Indien über das damalige Persien und Europa hinweg über die ganze Welt  verbreitet hat. Mehr als 200 Bearbeitungen sind in 54 Sprachen überliefert. Neben der Bibel hat es kaum ein anderes Buch geschafft, so oft übersetzt zu werden. Anders als die Bibel wurde dieses Werk jedoch über die Jahrhunderte hinweg verändert, weitergedichtet und dem jeweiligen Lokalkolorit angepasst.

Diese Tradition griffen die Teilnehmerinnen des Workshops auf. Die dabei entstandenen „Fortsetzungen“ stehen dem Original an Ideenreichtum und dichterischer Kreativität nicht nach. So beobachten die Schakale kritisch, wie falsche Bettler  gutgläubige Passanten um ihr Geld bringen. Schakal-Agent Dimna rettet in letzter Minute die Kennedy-Brücke vor einem teuflischen Anschlag und wird natürlich in eine Love-Story verwickelt.
Die Phantasie und das Einfühlungsvermögen der  jungen Dichterinnen wurde  hier in zweierlei Hinsicht stark gefordert: Auf der einen Seite mussten sie sich in die Erlebnis- und Gefühlswelt eines Schakals hineinversetzen. Dazu wurden Recherchen des Lebensraumes und der Gewohnheiten dieser Wüstenbewohner angefertigt. Eine Foto-Story erleichterte es , sich dieses ungewohnte Tier bildhaft vorzustellen.
Auf der anderen Seite  mussten sie diese neue Erlebniswelt im Spiegel des Orients betrachten. Hier zeigte sich im Verlauf des Workshops ein großer Wissensbedarf , der über so einfache Fragen wie „ Was trägt man eigentlich im Orient für Kleidung?“ über das Zusammenleben in orientalischen Familien bis hin zu religiösen Fragen über unreine Tiere ging. Diskutiert wurde auch über die Frage: „ Wo ist der Orient überhaupt?“ Dabei waren die jungen Dichterinnen eher neugierig und aufgeschlossen und zeigten sich tolerant. Dies war sicherlich auch darauf zurückzuführen, das zwei von ihnen aus multikulturellen Elternhäusern stammten.
Ein Ziel des Workshops war , kulturelle Unterschiede in Sprache und Denkweise  dadurch zu zeigen, dass die verschiedenen Erzählweisen untersucht wurden. Gleichzeitig sollte die Erzählkompetenz der Teilnehmerinnen dadurch gesteigert werden.
Unsere Märchen erzählen linear, das heißt, man kann einem Erzählfaden folgen, der eine logische Entwicklung zum Höhepunkt und dann zur Auflösung bringt. Ganz anders sind orientalische Märchen aufgebaut. Wie russische Matrioschka-Figuren sind sie ineinander verschachtelt. Hat man gerade die erste geöffnet, taucht darunter schon eine zweite auf, die ein viel farbenprächtigeres Kleid trägt als ihre Vorgängerin. So geht es in  rasantem Tempo und mit großer Komplexität von einer Geschichte in die andere. Europäische Leser verwirrt diese Vielfalt oft. Im Workshop führte diese Beschäftigung mit unterschiedlichen Erzählstrukturen zu der Frage, wie mit Zeit in der westlichen verglichen mit der orientalischen Kultur umgegangen wird.
Es wurde jedoch nicht nur diskutiert, sondern vor allem viel geschrieben. Dabei wurde eine große Bandbreite von Schreibtechniken ausprobiert, von der Speed-Writing – Technik bis hin zum spielerischen Umgang mit Sätzen und Worten. Die Teilnehmerinnen reichten ein Blatt Papier herum, wobei jede einen Satz auf das Blatt schrieb und es dann weiter gab. Es wurde so umgeknickt, dass die nächste nur den letzten Satz lesen konnte. Das Blatt erreichte teilweise atemberaubende Umlaufgeschwindigkeiten. Denn:  Schreiben lernt man nur beim Schreiben!   
 

Theaterworkshop  mit dem Theater mini-art und Schülern der Klasse 5 der Realschule Bonn-Beuel

Konzipiert und durchgeführt wurde der Workshop vom Theater mini-art aus Bedburg-Hau, das seit vielen Jahren als kompetenter Anbieter auf dem Gebiet tätig ist. Mini-art beschreibt seinen dramapädagogischen Ansatz wie folgt: Kinder und Jugendliche da „abzuholen“, wo sie sind – räumlich und inhaltlich – sie für das Theater zu begeistern und ihnen dadurch andere Erfahrungsräume zu öffnen, ist zentrales Thema von mini-art. In dem Workshop lernten die Schüler nicht nur das Theater und seine Grundtechniken kennen, sondern erfuhren etwas über die Grundbedingungen menschlichen Zusammenlebens, über Miteinander und Toleranz und Verständigung.

Dem entsprechend wurde das Theaterprojekt mit Schülern der Realschule Bonn-Beuel, basierend auf dem von den Schülern selbst eingebrachten Material, erarbeitet und nach fünf Tagen für Eltern und Mitschüler zur Aufführung gebracht.

 

 

Förderverein Universum Bünde - Jugendliteraturwerkstatt

 

Das erste Projektziel, einen geschützten Raum für schreibende Jugendliche zu installieren, wurde durch die Jugendliteratur Werkstatt erreicht. Seit Juni 2004 gibt es für schreibende Jugendliche, aus Bünde und Umgebung regelmäßige betreute Treffen. Die Treffen mit den Jugendlichen fanden in einer zwanglosen Atmosphäre statt und gaben einen interessanten Eindruck in die Arbeiten der Jugendlichen.

Nach einer kurzen Kennenlernphase, wurde den Jugendlichen die Möglichkeit geboten, die von ihnen geschriebene Texte, in Auszügen - da alle bisher längere Geschichten geschrieben hatten – vorzutragen. Diese Texte wurden anschließend von der Gruppe besprechen und abschließend dann durch die Projektbetreuerinnen unter dem Aspekt des Stils, der Grammatik und der Rechtschreibung (nur am Rande) reflektiert. Dieses Angebot wurde von den Jugendlichen gern angenommen und hat sich über die Treffen bis zum Jahresende hingezogen. Erst am Ende des Projektjahres und aufgrund der hohen Fluktuation bei den Jugendlichen, wurde vereinbart, einen Text für die bevorstehende Abschluss-Veranstaltung, als szenische Lesung vorzutragen.

Die hohe Fluktuation der JuLit hatte mit den vielen, unterschiedlichen Terminen der Jugendlichen zu tun. So ist es bisher das größte Problem, einen regelmäßigen gemeinsamen Termin zu finden, an dem sich alle beteiligten Jugendlichen treffen können. Die Projektbetreuerinnen und die Jugendlichen arbeiten daran.

Die Abschlussveranstaltung mit dem Künstler Marcus Jeroch als Gast, hatte das Ziel, JuLit vorzustellen, einen Einblick in die Projektarbeit zu geben und interessierte Jugendliche für eine Mitarbeit zu gewinnen. Mittels einer kurzen Vorstellungsrunde und der szenische Lesung eines eigenen Textes einer Teilnehmerin konnte sich Julit vor dem Auftritt des Künstlers dem Publikum vorstellen. Die Resonanz beim Publikum war gut und wie erhofft, haben sich einige Gäste spontan bereiterklärt, für JuLit zu werben. Werbung für JuLit steht auch perspektivisch ganz oben auf der „To Do – Liste“ des Projekts. Beschlossen wurde eine offensive Herangehensweise an die Fachlehrer der Bünder Schulen, da das Werbematerial oft den Weg aus den Sekretariaten nicht herausfindet. Durch die persönliche Ansprache der Fachlehrer erhofft sich JuLit eine bessere Resonanz.

Das erste Projektjahr hat aber auch einen anderen, sehr positiven Aspekt an die Oberfläche gefördert: Die Geschichten und Texte, die von den Jugendlichen geschrieben und vorgetragen wurden, befinden sich auf einem qualitativ sehr hohem Niveau.

Es sind frische, energiegeladene und fantasievolle Geschichten, die die Erwartungen der Projektbetreuerinnen übertroffen haben. Das macht Lust und schafft Motivation, um weitere Ideen zu entwickeln und das Projekt weiterzuentwickeln.

 

 

Künstlerhaus Dortmund - among other – unter anderem 5

 

Das Projekt Unter Anderen - among others, 5 konnte wie geplant durchgeführt werden. Dies gilt für den Umfang der durchgeführten Veranstaltungen ebenso wie für den finanziellen Gesamtaufwand. In der Finanzierung ausgefallene Partner konnten dabei durch stärkeres Engagement anderer Partner aufgefangen werden.

Sowohl die Performances als auch der Workshop, die Begleitveranstaltungen und die Ausstellung selbst waren gut besucht. Besonders die Anbindung unserer Veranstaltung an das Festival “scene:schweiz - Internationale Kulturtage der Stadt Dortmund” hat sich positiv bemerkbar gemacht. Von den Schweizter Veranstaltungen verdient die Performance der Gruppe “CodAct” eine nachdrückliche Hervorhebung. Darüberhinaus zu den beeindruckenden Veranstaltungen gehörte der Eröffnungsabend der Ausstellung, bei dem eine Performance von Marcelo Aguirre und Karen Scheper und später auch eine von Pieter Morrens und Juha Valkeapää stattfand. Hiervon existieren umfangreiche Bild- und Videoaufnahmen, die in die Dokumentation einfließen. Diese ist gerade in der Herstellungsphase und geht allen Beteiligten und Sponsoren automatisch nach Fertigstellung zu. Auf der Vorstellung Schweizer Künstlerinitiativen konnte wir zwei Gäste aus Zürich begrüssen, die einen nachhaltigen Kontakt begründeten.

 

 

Farbfieber e.V., Düsseldorf - Achtung Abriß... - Kunstaktion und Veranstaltungen zur aktuellen gesellschaftlichen Situation

 

Begleitend zu drei Veranstaltungen wurde das Großbild an öffentlichen Orten ausgestellt und innerhalb der Veranstaltungen wurde zu dem Thema des Projektes referiert.

 

1. Veranstaltung „Rettet Kunst Stadt?“ am 1.12.04 im Kulturzentrum zakk, Düsseldorf

2. Veranstaltung „Retten SIE den Kapitalismus – jetzt!“ am 12.12.04 im Atelier des Vereins Farbfieber, Düsseldorf

3. Veranstaltung „Widerstand entwickeln“ des Düsseldorfer Sozialforums am 26.02.05 im Geschwister-Scholl-Gymnasium, Düsseldorf

 

Projekthintergrund

„Arbeitsmarktreform", „Rentenreform", „Gesundheitsreform", „Bildungsreform" und diverse Kommissionsempfehlungen sind Ausdruck einer Politik, die in Sozialabbau und Verschärfung staatlicher Repressionen gegen sozial Benachteiligte, Abbau des freien Zugangs zu Bildung und Kultur, Privatisierung von Gesundheitsrisiken und Ausweitung von Überwachung und Kontrolle mündet. Soziale Sicherheit wird vom Geldbeutel abhängig macht, Arbeit unter Dumpingbedingungen erzwungen und öffentliche Güter privatisiert. Die Gründe dieses „Umbaus“ liegen scheinbar auf der Hand: Von "Herausforderungen der Globalisierung“, des „demographischen Wandels" sowie „des Schutzes vor internationalem Terrorismus“ ist die Rede und davon, dass der einzelne Mensch immer mehr für seine "Beschäftigungsfähigkeit" und soziale Daseinsvorsorge aufkommen soll. Hinter diesen Schlagworten verbergen sich scheinbar alternativlose Konzepte, mit denen in Kauf genommen wird, dass die natürlichen Lebensbedingungen weiter untergraben werden. Die Folge dieser Politik ist eine gewaltige Umverteilung von unten nach oben, sie führt zu Armut und unwürdigen Lebens- und Arbeitsverhältnissen in einem Klima sozialer Unsicherheit und Ungleichheit. Sie richtet sich insbesondere gegen Erwerbslose, gegen kranke und alte Menschen, gegen Beziehende von Transferleistungen, gegen abhängig und prekär Beschäftigte, gegen kleine und mittlere Unternehmen und gegen zivilgesellschaftliche Projekte. Gleichzeitig werden Vermögen, hohe Einkommen und Unternehmensgewinne zunehmend entlastet und aus der Verantwortung für die Finanzierung der Sozialsysteme und öffentlichen Daseinsvorsorge entlassen.

Das Projekt „Achtung Abriß!“ kennzeichnet kritisch die Entwicklung der Politik, das Gesellschaftsgebäude durch einen radikalen Umbau einem Einsturz nahe zu bringen bzw. es in seinen Grundfesten zu erschüttern. „Gesellschaftliche Umbauarbeiten in Bild und Wort“ sollen der Verdeutlichung dieses „Abrissunternehmens“ dienen, Alternativen erkennbar machen und eine Gegenöffentlichkeit schaffen. Das heißt: Den Diskurs durch und mit kreativen Formen in die Öffentlichkeit tragen. Vorrangig werden die Themen Soziales, Kultur und Demokratie behandelt: Wie gestalten sich die aktuellen Entwicklungen? Wie wirken sich diese auf die Menschen und das Zusammenleben aus? Welche anderen Entwicklungen sind möglich? Welche Beteiligungsmöglichkeiten der Menschen am demokratischen Prozess kann es geben?

 

Ziel des Projekts

Ziel des Projektes ist es, durch die Hängung der mobilen Großbilder an öffentlichen Orten bzw. an soziokulturellen Zentren Präsenz zu den Themen in der Öffentlichkeit zu schaffen und mit verschieden Menschen, Gruppen, Initiativen in einen Diskurs zu treten, der – jenseits der vorherrschenden Lamenti – einen kreativen Diskurs anregt sowie Alternativen zur derzeitigen ökonomischen, sozialen und politischen Entwicklung aufzeigt.

 

Umbauarbeiten in Bild....“

In einem ersten Schritt wurde ein zweiteiliges mobiles Wandbildes entworfen. Die Teile sind jeweils 2,50 Meter hoch und 7 Meter breit. Die Bilder sind auf leichten Kunststoff gemalt, transportabel und mit Ösen versehen, so dass sie an vielen öffentlichen Orten und Plätzen für einen Tag oder für Wochen außen angebracht werden können, entweder als ein Ensemble oder Einzeln. Sie können an Gebäude, Gerüsten, aber auch in großen Hallen oder an Bühnen angebracht werden.

Das Gesamtbild reflektiert kritisch, ironisch die politischen „Abrissarbeiten“ – namentlich in den Themenfeldern Kultur, Bildung, Demokratie, Arbeit, Rente, Soziales etc.......

Das große Wandbild ist für diese Thematik ein besonderes Medium, weil es öffentlich eingesetzt wird und viele Menschen auffordert, über bestimmte Themen nachzudenken. Das Bild setzt sich mit den gesellschaftspolitischen Entwicklungen auseinander, gibt Anregung, Impulse und bringt Kunst in den Alltag.

 

„Umbauarbeiten in Wort....“

Im zeitlichen Kontext zur Aufhängung des Bildes finden Veranstaltungen statt, d.h., es sollen – in enger Kooperation mit Gruppen und Initiativen vor Ort – Vorträge, Workshops und Diskussionen geben.

 

Veranstaltung „Rettet Kunst Stadt?“am 1.12.04 im Kulturzentrum zakk, Düsseldorf

Am 1.12.04 fand im Kulturzentrum zakk in Düsseldorf die Veranstaltung „Rettet Kunst Stadt?“ statt. Neben Klaus Klinger vom Verein Farbfieber e.V. nahmen an der Diskussion Andrea Knobloch (Initiative Stadtraum.org), Dr. Alexander Fils (CDU, Mitglied im Kulturausschuss und Vorsitz APS – Ausschuss für Planung und Stadtentwicklung) und Anne Mommertz (Künstlerin mit Aktionen auf dem Worringer Platz in Düsseldorf) teil. Die Diskussion über die Funktion von Kunst im öffentlichen Raum gerade in diesen „bewegten und bewegenden Zeiten“ hatte thematisch zur Grundlage, dass in Stadtgebieten, die sich - auch aufgrund aktuellen gesellschaftspolitischer Entwicklungen - im Umbruch befinden die Präsenz von Kunst Spannungen erzeugt und auf Veränderungen verweist. Dabei ist mit Kunst im öffentlichen Raum vieles zu verbinden: Künstlerischer Ausdruck und urbanistische Intervention auf der einen Seite, funktionale Einbindung in die offizielle Stadtplanung und in das Stadtmarketing auf der anderen Seite.

Nach den Eingangsstatements der Teilnehmer, die schon die unterschiedlichen Ansichten über die Thematik sehr gut widerspiegelten, setzte ein lebhafte Debatte ein, die sich auch auf das Publikum auswirkte. War das Thema eigentlich breiter angelegt, so fokussierte sich die Diskussion auf die Zustände in Düsseldorf. Klaus Klinger brachte eloquent seine Meinung zum oftmals un-kooperativen Verhalten der Stadtverwaltung bei innovativen Projekten ein, während der Vertreter des Kulturausschusses Düsseldorf in diesen Belangen als führend ansah. Neben dem Verhalten der Stadtverwaltung bei der Kooperation und Förderung freier Künstler und ihrer Projekte, spielte natürlich auch die Vereinnahmung der Kunst in Sachen Stadtmarketing eine wichtige Rolle in der Debatte. Hier war der starke Bezug auf Düsseldorf als Beispiel bestens gewählt, da die Stadt in den letzten Jahren verstärkt die „Schiene fährt“ und ihr daran gelegen ist, unkritische bzw. sehr fotogene Werke im öffentlichen-touristischen Raum auszustellen.

Die circa 25 Besucher der Diskussionsrunde beteiligten sich im weiteren Verlauf der Veranstaltung sehr engagiert an der Diskussion, so dass bezüglich dieses Themas über eine weitere Veranstaltung nachgedacht werden muss.

 

Veranstaltung „Retten SIE den Kapitalismus – jetzt!“ am 12.12.04 im Atelier des Vereins Farbfieber, Düsseldorf

Unter dem Titel „Retten SIE den Kapitalismus- jetzt!“ fand am 12.12.04 in den Räumen des Vereins Farbfieber ein Veranstaltung statt, die sich kritisch mit den aktuellen Entwicklungen des Kapitalismus, seine Auswirkungen auf den einzelnen Menschen beschäftigte und künstlerische Maßnahmen vorstellte.

Der Künstler Klaus Klinger stellte das Projekt Mural-Mobil vor und zeigte an vielen Beispielen wie eine Gegenöffentlichkeit in der Stadt mit künstlerischen Mitteln erreicht werden kann. Einleitend zum Thema referierte Alexander Flohé, Redakteur beim Forschungsjournal Neue Soziale Bewegungen und Lehrbeauftragter an der FH Düsseldorf, zum Thema „Einzelkämpfer ohne Bewegung? - vom bewegten zum flexiblen Menschen“ über die Auswirkungen ökonomischer und sozialer Entwicklungen auf das Individuum. In seinem soziologisch geprägten Vortrag beleuchtete er kritisch die Facetten einer sich beschleunigten Individualisierung deren Motor eine ökonomische Entwicklung ist, die von dem Menschen eine immer stärkere Flexibilität fordert. Meint Individualisierung heutzutage eine Periode der beschleunigten Vereinzelung, die dazu führt, dass die Menschen mehr und mehr gezwungen sind, sich selbst zum Zentrum ihrer eigenen Lebensplanung zu machen, so treten an die Stelle von Klasse, Schicht und Familie die Zwänge des Arbeitsmarktes und des Konsums. Individualisierung bedeutet also auch eine Marktabhängigkeit in allen Dimensionen der Lebensführung, die der grundsätzlichen Freiheit zur Entscheidung eine neue Form der Außenstandardisierung und -steuerung zur Seite stellt. Die damit einhergehende Flexibilität bedeute abrupte Kurswechsel durch Dritte, bedeute Trennen und Fragmentierung des eigenen Lebens. Ausgesprochen blieb die Frage im Raume, ob und wie diesem Drift des Kapitalismus zu entkommen sei. 

Im Anschluss an die soziologische Zeitdiagnose und einer lebhaften Diskussion, referierte Gera Hoogland, langjährige Nicaragua-Aktivistin und aktiv in der niederländischen Globalisierungsbewegung, über die Folgen der Globalisierung v.a. in Entwicklungsländern und die Gegenbewegungen in den Niederlanden.  Nach einer genauen Analyse des Begriffs der Globalisierung (mal als „Zauberformel“, mal als „Sündenbock, mal als „Forderung“) mit der Schlussfolgerung, dass kaum ein Begriff in der öffentlichen Diskussion so vielfältig belegt ist wie der der „Globalisierung" stellte die Referentin fest, dass Augenblicklich (leider) kaum irgendetwas dafür spricht, dass die rein profitorientierte Ausrichtung anderen Wert- und Bewertungssystemen weichen wird, auch wenn die Prosteste in den letzten Jahren massiv zugenommen haben: Erinnert wurde an die Widerstände gegen das MAI – das multinationale Investitionsabkommen –, Proteste gegen die (Entwicklung-)Politik von Weltbank und IWF oder das Wirtschaftstreffen in Davos, in denen zum Ausdruck kommt, dass immer deutlicher die Frage bezüglich der Thematik Globalisierung gestellt wird: „Wofür“ und „Für wen“.

Diese Fragen des „Wofür“ und „für wen“ waren im Anschluss die leitenden Themen der Diskussion und die Verknüpfung der Referate. Neben der immer wiederkehrenden zentralen Frage nach den Auswirkungen der Globalisierung auf Länder und Staaten, war auch die Frage von großem Interesse, wie diese negativen Globalisierungsprozesse den Menschen hier deutlich gemacht werden können und welche Aktionsformen dazu möglich sind. Das Interesse der circa 30 anwesenden Teilnehmer war sehr groß weitere Veranstaltungen oder Workshops durchzuführen um konkrete Aktionen zu planen.

 

Veranstaltung „Widerstand entwickeln“ des Düsseldorfer Sozialforums am 26.02.05 im Geschiwster-Scholl-Gymnasium, Düsseldorf

Unter dem Motto „Widerstand entwickeln! Für eine soziale Stadt, in der alle in Würde leben können!“ fand am 26.02.05 das zweite Düsseldorfer Sozialforum statt. Zur Erläuterung hieß es in dem Aufruf: „Immer mehr Menschen in Düsseldorf leben am Rande des Existenzminimums. Durch die Hartz- Gesetze werden ab Januar 2005 allein in unserer Stadt fast 60.000 Menschen in Armut leben und vom gesellschaftlichen Leben ausgeschlossen sein. Gleichzeitig wird durch die Schaffung von 1.-€ - Jobs der Niedriglohnsektor ausgebaut und Lohndumping betrieben. Betroffen sind nicht nur die Arbeitslosen und Sozialhilfeempfänger, sondern auch die, die noch Arbeit haben. Auch ihre Arbeitsplätze sind nicht mehr sicher, wie uns die Beispiele Opel und KarstadtQuelle aktuell zeigen. Es wird zum Großangriff auf erkämpfte Arbeitnehmerrechte geblasen. Mitbestimmung, Tarifautonomie und Kündigungsschutz stehen auf der Abschussliste. Mit Lohnverzicht und Arbeitszeitverlängerung erkaufen sich die Kolleginnen und Kollegen den kurzfristigen Erhalt ihrer Arbeitsplätze. Verlieren sie ihre Arbeit droht auch ihnen nach einem Jahr Arbeitslosigkeit durch die Hartz- Gesetze der Absturz in die Armut. Die sozialen Sicherungssysteme werden zerstört, gesellschaftliche Gruppen gegeneinander ausgespielt. Krank gegen gesund, jung gegen alt, Arbeitende gegen Arbeitslose, Ausländer gegen Inländer, um nur Beispiele zu nennen.

Dagegen setzen wir die Kraft der Solidarität, die wir entwickeln und erarbeiten müssen. Solidarität heißt auch Widerstand. Gegen die Pläne der Konzerne, die von den Politikern willfährig umgesetzt werden. Widerstand ist vielfältig: Montagsdemonstrationen und Streiks, Proteste vor Arbeitsämtern und Aktionen zivilen Ungehorsams sind Beispiele aktiven Widerstands, sei es in Einzelaktionen, sei es in vernetzten Bewegungen. Was verstehen wir unter Widerstand, wie entwickeln wir ihn weiter, dies sind die zentralen Themen auf dem 2. Düsseldorfer Sozialforum. Dazu wollen wir Erfahrungen austauschen- über Widerstand in anderen Ländern, zu anderen Themen, in anderen Zeiten und in anderen Situationen. Gemeinsam wollen wir lernen, Kraft schöpfen und Perspektiven entwickeln. Wir laden Dich und Sie herzlich ein, dabei zu sein.“

Im Rahmen dieser Veranstaltung nahm Farbfieber mit einem Informationstisch teil und das Bild „Rettet den Kapitalismus“ hing als markantes Zeichen an dem Veranstaltungsort.

 

Kooperationspartner: Kulturzentrum zakk, Düsseldorfer Sozialforum

 

Es geht weiter:

Geplant ist, dass die Bilder weiter auf Reisen gehen und im Rahmen von Veranstaltung bspw. an soziokulturellen Zentren aufgehängt werden, um so den Umbauarbeiten in Wort mit den Umbauarbeiten in Bild zu verzahnen.

 

 

KABAWIL e.V., Düsseldorf - hungryfeet.de

 

Die Audition war Bestandteil des Street-Dance-Projektes ,hungryfeet.de“. Mit der Audition wurde die Aufgabe realisiert, Jugendliche aus benachteiligten Lebensverhältnissen eine Chance für die Teilnahme an dem zweijährigen Tanzprojekt zu eröffnen. Vorbereitend führten die Pädagogen und Tanzlehrer/in Petra Kron und Othello Johns Workshops in Einrichtungen der Jugendhilfe und in Jugendfreizeiteinrichtungen durch. Die hierbei angesprochenen Jugendlichen wurde in besonderen Vorbereitungskursen, begleitet und stabilisiert durch kulturorientierte Beziehungsarbeit (u.a. gemeinsame Freizeitaktivitäten im Kulturbereich) auf die Audition vorbereitet. Die Audition, für die auch andere Jugendliche angesprochen wurden, fand an drei Tagen im Düsseldorfer Kulturzentrum zakk statt. Die hierbei gewonnen Jugendlichen (ca. 30 aus der o.g. Zielgruppe) wurden gemeinsam mit der gesamten Crew weiter für das Projekt ,,hungryfeet.de“ qualifiziert.

 

 

Künstlergruppe Worringer Platz, Düsseldorf - Play Station Worringer Platz

 

Einleitung

Vom  10.07. –17.07.2004 konnten  Besucher des Worringer Platzes in Düsseldorf ein außergewöhnliches Kulturereignis erleben:

Hier wurde ein Computerspiel ohne Computer gespielt, das „erste reale Computerspiel der Welt“.

Ausgehend von Sprache und Ästhetik eines Computerspiels, konnte von den Besuchern eine lebende Spielfigur über den Platz und durch vielfältige Spielwelten gesteuert werden.

Der Held des Spiels wurde vom Besucher  mittels Joystick und Befehlsknöpfen von einem Glashaus mitten auf dem Platz aus navigiert.

»the handbag reloaded world« , so der Name des Spiels, wurde in 4 aufeinander aufbauenden Kapiteln, den Leveln, an 4 Spieltagen inszeniert. Zur Realisierung war an jedem Spieltag ein 20-köpfiges Team vor Ort. Alle klassischen Elemente eines Computerspiels, wie Egoshooter, Jump and Run oder Rollenspiele wurden umgesetzt: von der Virtualität in die Realität.

 

Teilnahme

Jeder, der Lust hatte, konnte sich bei Moderator Volker Ziebarth anmelden. Der neue Spieler füllte dann seinen persönlichen Spielerausweis aus, gab seinem Helden einen Namen und wies ihm Charaktereigenschaften zu.Der Moderator wies den neuen Spieler in die Handhabung der Kommandopallette ein, und dann konnte er  seinen Helden für max 20 min durch das Spiel navigieren. Sein Held folgte den Befehlen, bestand eine Aufgabe oder verlor ein Leben. Ein Ärtzteteam konnte in bis zu dreimal reanimieren, dann war Game over.

 

Der Worringer Platz in Düsseldorf

Seit 2001 setzten sich Künstler auf unterschiedliche Weise mit dem Worringer Platz auseinander. Hierbei spielt eine große Rolle, dass der Platz lange Zeit ein Waisenkind der Stadt Düsseldorf war. Die Nähe des Hauptbahnhofes machte ihn zum sozialen Brennpunkt.

„the handbag reloaded world“ bezieht die stadträumliche Situation und die Passanten in das Spielgeschehen ein. Die Spielfigur tritt in Kommunikation mit dem Platz. Jeder Level beginnt mit einem Intro an einem ausgewählten Startort (Bushaltestelle, Grünstreifen in der Mitte einer 4spurigen Strasse, türkisches Billardcafé auf der 1. Etage mit Blick auf den Platz).

 

Die Technik

Ausgerüstet mit einem Empfänger, kann Schauspieler Clemente Fernandez auf die Befehle seines Spielers reagieren. Eine Kopfkamera sendet seinen subjektiven Blick auf den Spielermonitor.

Alle Befehle werden manuell getätigt. Die Spielfigur empfängt sie über einen Ohrhörer.

DJ Michael Scheibenreiter sitzt mit dem Spieler im Glashaus und vertont das Spiel live.

Zielgruppe Jugend

„Wie ein Computerspiel aber in echt“

Die Feststellung, dass  Computerspiele wesentlicher Bestandteil unserer Jugendkultur sind, bewog uns, einen anderen Umgang mit diesem Thema zu suchen. Jugendliche haben sich längst die Sprache ihrer virtuellen Helden angeeignet und in ihren Alltag adaptiert, malen in Jugendclubs  „Charakterbögen“, oder spielen Computerspielszenarien mit liebevoll angemalten Figuren auf selbstgebauten  Landschaften, die in ihrer Perfektion den Modelleisenbahnlandschaften ihrer Väter in nichts nachstehen.

Was passiert, wenn ich eine solche virtuelle Welt in eine reale Umgebung verpflanze? Es entspricht der Fantasie des Spielers vor dem Monitor, sich die Fiktion des Spiels als real vorzustellen.

Wie werden Jugendliche damit umgehen, wenn sie wissen, sie steuern einen lebenden Menschen? Was passiert, wenn dieser aus der Virtualität entsprungene Held in Kontakt mit den Passanten auf dem Platz tritt?  Was bedeutet sterben und „Drei Leben haben“ in einer solchen Umsetzung?

Es  gab drei Aspekte in unserer Arbeit mit den Jugendlichen:

1.Wir boten ein Spiel an, das ihre Sprache traf, sie jedoch mit einem völlig ungewohnten Umgang mit Schein und Wirklichkeit konfrontierte. Handlungen im Spielverlauf hatten auch immer Konsequenzen, die, weg von der passiven Spielerrolle vor dem Monitor, den Spieler aktiv in das Spielgeschehen einbezog.

(Beispiel: in Level III versetzt der Held seinen Spieler. Der Spieler gehört nun dem „Schleuser“ und wird vom Monitor weggeholt in die „Spiellandschaft“. Hier tritt er dem sonst für ihn nur auf dem Monitor erscheinenden Quizmasterteam real entgegen und muss sich  persönlich in der Quizshow bewähren).

2.Das Spiel bezog Jugendliche aktiv als Darsteller ein. So wurde vermieden, dass Profis den konsumierenden Jugendlichen etwas vorspielen. Es war sehr schön zu sehen, wie die teilnehmenden Jugendlichen schnell an Selbstwertgefühl gewannen und als vollwertige Mitarbeiter vom gesamten Team ernst genommen wurden.

3.Während der „RELOAD DAYS“ navigierten Jugendliche sich gegenseitig über den Platz. Hier war der Aspekt der Macht über die Spielfigur tragend. Anders als im Computerspiel waren sich die Spieler aber auch über die Verantwortung für ihren Partner „da draußen“ bewusst.

 

RELOAD DAY

Jeden zweiten Tag wurde ein neuer Level  der »handbag reloaded world«  inszeniert. Dazwischen gab es den  »RELOAD DAY«.

 

Interessierten Anwohnern wurde die Aktion erklärt. Die Kameraaufzeichnungen des Vortags wurden gezeigt. Jugendliche nutzten das Angebot, die Technik der Play Station auszuprobieren. Sie steuerten bzw. ließen sich über den Worringer Platz steuern. So navigierte ein Jugendlicher seinen Freund in einen Dönerladen. Dort begann eine ferngesteuerte Kommunikation mit den Verkäufern.

 

Entgegen den Ankündigungen verzichteten wir auf das Computerspielmuseum. Wir wollten eine Spielhöllenkonsumhaltung vermeiden. Der »RELOAD DAY« blieb so inhaltlich auf das Spiel und die Umsetzung von Virtualität in Realität fokussiert.

Rückblende:

jeder Level wurde am Morgen nach dem Spieltag, zum »Reload Day« an den Glashausscheiben dokumentiert. Im Glashaus wurden die Aufzeichnungen der Kopfkamera unseres Helden gezeigt.

 

Die Geschichte

Die Spielgeschichte von »the handbag reloaded World«  erstreckt sich über 4 aufeinander aufbauende Level. Jeder Level wurde an einem der 4 Spieltage inszeniert.

Stellvertretend wird hier der erste Level dokumentiert.

 

Die goldene Handtasche: Preisverleihung

Mit einer Siegerehrung der besten Spieler wurde am Samstag Abend, den 17.7.2004, die Kunstaktion »the handbag reloaded world« abgeschlossen.

 

4 goldene Handtaschen wurden verliehen: 

Lotti Nüsken (6) und Melanie Carrera(31) steuerten im 3. Level ihren Helden “Admiral (20)” in den Supermarkt und hatte dort ein Gespräch mit dem Filialleiter.

 

Florian Pacheko-Züge(17) wagte sich im 2. Level am weitesten hinaus mit seiner Spielfigur “A.E. Mandelbrot(163)”.

 

Madga Sanidce (28) durchlief mit “Walter König (38)” souverän den 1.LEVEL in 18 min ohne den Verlust von Leben.

 

“Gorok 2004 (1024)”, gesteuert von Timour Mahmout(19), nutzte seine besonderen Merkmale (“gut gebaut, dumm”) für den schnellsten Sieg aller Level. Schon nach drei Minuten verkaufte er seine Seele an den Rote-Taschen-Schuster und erlangte somit eine neue magische Tasche: Ewiges Glück ! Dennoch schade für Timour Mahmout, der seinen Helden sehr elegant durch das Tutorial gesteuert hatte: das Spiel war vorbei, seine seelenlose Figur war nicht mehr steuerbar.

 

 

zakk Düsseldorf - Naher Osten Europa

Musik –und Literaturveranstaltungen im Rahmen des Projekts „Naher Osten“

 

In unserem Projekt „Europas Naher Osten“ hat das Kulturzentrum zakk im Zeitraum von September bis Dezember 2004 drei EU-Neulingen (Polen, Tschechien und Ungarn) vorgestellt.

Es fanden drei „Länderabende“ statt, an denen sowohl aktuelle Musik als auch zeitgenössische Literatur des jeweiligen Landes zu sehen und zu hören waren. Leider war es aus terminlichen Gründen nicht immer möglich die Musik- und Literaturveranstaltung am gleichen Abend statt finden zu lassen. 

Wichtig bei dem Projekt war uns, lebendige  Ausschnitte der jeweiligen Kulturszene zu zeigen und nicht etwa eine kompletten Überblick über die Kultur des jeweiligen Landes zu geben. Es ging um angesagte Acts in den jeweiligen Ländern, die in Deutschland weitestgehend noch unbekannt sind. Dies hatte natürlich bei einigen Veranstaltungen zur Folge, dass die Künstler mehr Zuschauer verdient hätten, von den Anwesenden jedoch begeistert aufgenommen wurden. Das Publikum bei allen Veranstaltungen war eine bunte Mischung aus interessierten Deutschen und MigrantInnen aus den jeweiligen Ländern. Ferner wurde das Projekt insgesamt auch äußerst positiv von Presse aufgenommen. 

Am 23. September gab die Musikgruppe Besh o droM aus Ungarn einen gefeierten Auftritt im zakk. Die aus Budapest stammende, futuristische "Wedding Band" Besh o droM ist eine aus neun Musikern bestehende elektro-akustische Formation, die mit einer Fusion aus traditioneller Romamusik vom Balkan, schnellen Beats und wilden Jazz-Improvisationen eine spektakuläre Wirkung erreicht.

Aus Tschechien hatten wir am 25.November den Autoren Jaroslav Rudis zu Gast, dessen Debütroman „Der Himmel unter Berlin“ in Tschechien bereits zu einem Bestseller avanciert ist. Der Roman erzählt die Geschichte eines jungen Tschechen, der nach Berlin kommt und dort mit 2 Deutschen die Band „U-Bahn“ gründet. In seinem Buch schrieb Rudis die Texte von "U-Bahn" auf, was dazu führte, dass in Tschechien jeder die Band hören wollte, die es gar nicht gab. Daraufhin gründete Rudis die Band, die ebenfalls im zakk spielte und im Jahr 2005 ihr erstes Album aufnehmen wird.

Am 23.November las der ehemalige Leiter des ungarischen Kulturinstituts in Berlin, György Dalos, aus seinem Buch „Ungarn in der Nussschale“.  Der Autor versuchte dem Publikum die Essenz des ungarischen Lebens näher zu bringen und gab während des Abends einen Überblick über die mehr als 1000jährige Geschichte Ungarns. Der Abend war sehr politisch geprägt, da Herr Dalos besonderes Augenmerk auf die Rolle der Gewalt in der Geschichte seines Landes legte. Herr Dalos war selbst Mitglied der Ungarischen KP, bis er wegen "staatsfeindlicher Aktivitäten" 1968 Berufs- und Publikationsverbot erhielt.

Der Länderabend Polen fand in Kooperation mit polnischen Institut Düsseldorf statt und war der letzte der drei Länderabende.

Literarisch wurde Polen am 14.Dezember im zakk durch Dr. Janusz Wisniewski vertreten, der von seinem Debütroman“ Eins@mkeit im Netz“ erzählte. Das Buch war in Polen ein Sensationserfolg mit über 150.000 verkauften Exemplaren. In Polen gilt ein Buch bereits ab 10.000 verkauften Exemplaren als Bestseller, da die Bücher genauso teuer sind wie in Deutschland, die Menschen aber sehr viel weniger verdienen und dementsprechend weniger Bücher kaufen, wie der Autor erklärte. Dr. Wisniewski wohnt seit 15 Jahren in Deutschland, ist hier aber als Autor völlig unbekannt. Obwohl sein Buch so ein Erfolg in Polen war, ist es bisher noch nicht ins Deutsche übersetzt, da der Autor hierzulande noch keinen Verlag gefunden hat. Im Gegensatz dazu wird das Buch in Polen derzeit als eine der teuersten polnischen Produktionen, die es jemals gegeben hat, verfilmt und Ende 2005 als Theaterstück in Warschau uraufgeführt werden. Das Publikum zeigte sich sehr interessiert an der (Erfolgs-) Geschichte des Buches und war ein wenig enttäuscht, als die Veranstaltung nach ca. 75 Minuten abgebrochen werden musste, da das Konzert mit dem Orkiestra Sw. Mikolaja im Club des zakk begann.  

Das achtköpfige Ensemble aus Polen präsentierte traditionelle Weisen aus den Karpaten,

mit deren Interpretationen es zur Inspiration und Bereicherung der zeitgenössischen Kultur beitragen will. In seinen akustischen Arrangements schöpft Orkiestra Sw. Mikolaja aus den Quellen verschiedenster musikalischer Kulturen Osteuropas und spannt dabei den weiten Bogen von folkloristischen Stilmitteln zu moderner Instrumentierung.

 

 

Stroetmanns Fabrik, Emsdetten - Wasserwelten – Kunst, Spiel + Wissen rund ums Wasser

 

Eine Gruppe von 30 Kindern arbeitete eine Woche lang in einem alten Klärwerk zum Thema „Wasser“. Ziel war die Vorbereitung eines großen Aktionstages für Familien im Rahmen der Regionale 2004.

Unter den Aspekten „Spiel“ und „Wissen“ erstellten die Kinder unter Anleitung des Gelsenkirchener Künstlers Michael Friedrich unterschiedlichste Aktions- und Mitmachstationen,  die sie am Aktionstag den Besuchern präsentierten und die sie eigenständig betreuten. Im Bereich Spiel stand ein großes Wasserlabyrinth im Mittelpunkt. Die Kinder entwickelten ein oberirdisches Rinnen-, Röhren-, Kanal- und Schlauchsystem. Schöpfräder, Pumpen und Ziehbrunnen brachten das Wasser turmauf, über Bambusrinnen, Kunststoffrohre, Schläuche und Trichter ging es wieder bergab in das Ausgangsbecken. In Werkstätten entstanden mechanische Spielereien wie Paddelrädchen, Pendelobjekte, Wasser-Kugelbahnen und Kippbehälter, die während des Aktionstages in das Labyrinth integriert wurden.

Im Bereich Wissen thematisierten die Kinder u.a. das alte Klärwerk. Der inzwischen pensionierte Klärmeister war nach anfänglich großen Vorbehalten vom Projekt begeistert. Es fand sich eine Gruppe interessierter Kinder, die von ihm geschult und zu „Klärwerkführern“ ernannt wurden. Während des Aktionstages führten sie zahlreiche Gruppen durch die alte Anlage und konnten dabei auch Fragen fachlich interessierter Erwachsener beantworten.

Für die beteiligten Kinder war die Woche ein einmaliges Erlebnis. Alle Kinder wurden zu „Projektkollegen“ ernannt, die in täglichen Projektkonferenzen planten, Regeln für die Zusammenarbeit festlegten, Beschlüsse fassten, Probleme besprachen und zu einem Team zusammenwuchsen. Das Selbstbewusstsein der Kinder wuchs deutlich, ihre Ideen und Meinungen waren gefragt, aber auch ihr Durchhaltevermögen (jeden Tag acht Stunden Arbeit, darüber hinaus oft Überstunden!) Mit den Gestaltungsaufgaben des Projektes wuchsen auch die kreativen Ideen, handwerkliches Geschick und der verantwortungsvolle Umgang mit Bohrmaschine und Stichsäge waren für alle (auch für die Nerven der Verantwortlichen) eine ernstgenommene Herausforderung.

Leider war der Aktionstag komplett verregnet, sodass der erwartete Besuchersturm ausblieb. Die Arbeit der Kinder fand dennoch große Anerkennung. Höhepunkt war für alle der Besuch eines Fernsehteams, das im strömenden Regen die Aktionen der Kinder festhielt.

 

 

Kulturzentrum Pelmke – Hagen - Werbespot für soziokulturelle Zentren in NRW

Format: Beta SP  und DVD   Länge: ca. 50 Sekunden

 

Grundidee des Werbespots

Der Werbespot soll die verschiedenen Angebote und Aktivitäten eines soziokulturellen Zentrums darstellen und die unterschiedlichen Menschen ( jedes Alter, vom Punk bis zum Studienrat etc. ), die ein solches Haus besuchen aufzeigen, kurz, die Vielfalt eines soziokulturellen Zentrums einfangen.

Da der Begriff Soziokultur nach wie vor den Beigeschmack von „ Wenig Spass und viel Diskussion “ hat, versucht der Spot dieses Vorurteil aufzulösen, indem er selbstironisch damit umgeht und zeigt, dass soziokulturelle Zentren sich vor allem durch eine große Bandbreite und quirligem Tun auszeichnen.

Da im Spot nicht alle Aktivitäten eines soziokulturellen Zentrums gezeigt werden können, werden nur einige exemplarisch herausgegriffen. In dem Spot werden Kino, Theaterveranstaltung, Kneipe, politische Information und Akrobatikgruppe als Eckpunkte aufgegriffen. Der Spot ist darauf ausgerichtet dem Zuschauer in erster Linie eine Emotion zu vermitteln und nicht so sehr eine Information mitzugeben. Der Zuschauer soll mit einem Gefühl, nicht mit Wissen, aus dem Spot entlassen werden.

 

Headline: Statistik ist Zufall – Kultur ist kein Zufall

Statistik ist eine unzuverlässige Größe, was sich gut anhand von Arbeitslosenstatistiken ablesen lässt. Statistiken werden verschönt, zurechtgebogen und für den jeweiligen Zweck frisiert. Für den Spot wird eine frei erfundene Statistik herangezogen ( vom Zuschauer zuerst als wahr empfunden ), die Daten zu soziokulturellen Zentren verkündet und von einem Sprecher aus dem Off gelesen werden. Jeder statischen Zahl werden reale Szenen aus einem soziokulturellem Zentrum gegenübergestellt, die diese Statistik ad absurdum führen oder mit ihr spielen. Schon bald wird klar, dass es nicht um Statistik zur Selbstbeweihräucherung geht, sondern sie Mittel zur selbstironischen Betrachtung ist.

Mit der abschließenden Headline am Ende des Spots ( Statistik ist Zufall – Kultur ist kein Zufall  ) wird auf die Bedeutung soziokultureller Zentren hingewiesen, nämlich, dass diese Zentren eine wichtige gesellschaftliche und kulturelle Arbeit leisten, die sich nicht von alleine macht und für jeden, im Verhältnis zu Statistiken, an greifbaren Ergebnissen ablesbar ist.

 

Angebote eines soziokulturellen Zentrums

Kino, Konzertveranstaltungen, Theaterveranstaltungen, Disco, Kneipe, Kursangebote – z.B. Tanzkurse, Yoga etc., Gesellschaftspolitische Veranstaltungen / Diskussionen, Raumangebot für Gruppen – z.B. Akrobatikgruppe, Schwulengruppe, Attac – Forum, Theatergruppe etc., Sonstiges – Trödelmarkt, Sportveranstaltungen, Ausstellungen etc.

 

Schauspieler und Statisten

In dem Spot soll möglichst jede Altersgruppe einmal vorkommen, sowie die unterschiedlichste Typen auftauchen. Außerdem werden die Rollen gleichmäßig auf beide Geschlechter verteilt.

 

Drehbuch

Der Spot besteht aus insgesamt sechs Szenen und einer abschließenden Headline. Über dem gesamten Spot liegt eine Musik.

Jede Szene besteht aus einer Kameraeinstellung, die zuerst eine totale Unschärfe zeigt, über der die Statistik gelesen wird, und die dann scharf auf die reale Szene zieht. Auf der Unschärfe wird die jeweilige statistische Zahl grafisch animiert. Die Statistik wird von einem Sprecher aus dem Off gelesen, die reale Szene findet im On statt.

 

Szene 1.  – Exposition – 3 %

Ein Möbelhaus innen. Die Küchenabteilung. Ein Verkäufer führt ein Verkaufsgespräch mit einem Ehepaar mittleren Alters. Im Hintergrund schaut sich ein Kunde einen Hängeschrank an. Die Szene ist noch nicht zu erkennen, das Bild hat eine totale Unschärfe. Darüber erscheint die animierte Zahl 3 %.

Sprecher aus dem Off: 3 % haben noch nie etwas von uns gehört

Die Kamera zieht die Schärfe, die Szene ist zu erkennen. Der Verkäufer schreckt aus seinem Verkaufsgespräch hoch, als hätte die Kamera ihn angesprochen. Er schaut direkt in die Kamera. Das Ehepaar reagiert nicht, bemerkt die Kamera nicht, blättert in einem Katalog.

Verkäufer (irritiert / leicht verärgert): Wie bitte? Was?

 

Szene 2. – Im Kino – 17 %

Ein Kino innen. Ein Film wird gezeigt, die Zuschauer verfolgen den Film. Jemand hat einen großen Becher Popcorn in der Hand. Nah an der Kamera sitzt ein älterer Mann. Die Szene ist noch nicht zu erkennen, das Bild hat eine totale Unschärfe. Darüber erscheint die animierte Zahl 17 %.

Sprecher aus dem Off: 17 % mögen unsere OMU – Filme nicht.

Die Kamera zieht scharf. Das Publikum bemerkt die Kamera nicht. Der älterer Mann dagegen wendet sich der Kamera zu.

Der ältere Mann (fühlt sich sichtlich wohl): Ich liebe Filme im Original (Diesen Satz sagt er auf Sorbisch. Im Untertitel steht: Ich liebe Filme im Original) Er zwinkert in die Kamera, wendet sich wieder dem Film zu.

 

Szene 3. – Theaterveranstaltung – 24 %

Ein Saal mit Stühlen, im Hintergrund ein Kasperletheater. Die Vorstellung ist gerade beendet, einige Kinder sind noch mit ihren Eltern im Saal. Die Puppenspielerin hat noch eine Kasperlefigur in der Hand und unterhält sich mit zwei Kindern. Die Szene ist noch nicht zu erkennen, das Bild hat eine totale Unschärfe. Darüber erscheint die animierte Zahl 24 %.

Sprecher aus dem Off: 24 % finden unsere Theaterproduktionen zu anspruchsvoll.

Die Kamera zieht scharf. Ein Kind läuft  auf die Kamera zu und schaut in die Kamera. Der Rest bemerkt die Kamera nicht. Einige verlassen den Saal. Andere stehen herum.

Das Kind (noch ganz aufgeregt von der Vorführung): Ich fand das Kasperle toll.

 

Szene 4. – Kneipe – 50 %

Abends in der Kneipe. Sie ist voll, aber nicht zu voll. Im Hintergrund spielen ein paar Leute Karten, andere unterhalten sich oder durchqueren das Bild. Am Tresen sitzen drei jüngere Kneipenbesucher und unterhalten sich, zwei Männer und eine Frau. Die Szene ist noch nicht zu erkennen, das Bild hat eine totale Unschärfe. Darüber erscheint die animierte Zahl 50 %.

Sprecher aus dem Off: 50 % unserer Besucher sind Besucherrinnen.

Die Kamera zieht scharf. Die junge Frau schaut in die Kamera. Die jungen Männer schauen die Frau an, grinsen verschmitzt. Die drei bilden eine verschworene Gemeinschaft.

Junge Frau (als hätte die Kamera sie angesprochen): Wir? (Sie schaut kurz zu einem der  jungen Männer und grinst ebenfalls) Wir kommen immer zu dritt. (Sie sieht den anderen jungen Mann an und wieder zur Kamera. Dann schauen die beiden jungen Männer auch in die Kamera, alle drei sind sich der doppeldeutigen Aussage der Antwort anscheinend bewusst)

 

Szene 5. – Politische Information – 67 %

Ein Saal. Auf der Bühne findet eine Podiumsdiskussion statt. Im Hintergrund ein Plakat zu regionalen Produkten. Im Vordergrund zwei Zuhörer. Eine Frau und ein Mann. Die Kamera schaut zwischen sie hindurch. Die Szene ist noch nicht zu erkennen, das Bild hat eine totale Unschärfe. Darüber erscheint die animierte Zahl 67 %.

Sprecher aus dem Off: 67 % nutzen unsere politischen Informationen.

Die Kamera zieht scharf. Die Frau wendet sich der Kamera zu. Sonst bleibt die Kamera unbemerkt.

Frau ( von regionalen Produkten überzeugt): Ich kaufe nur regional ein. (Sie hält inne, überlegt was sie gerade gesagt hat)... außer Coca Cola.

 

Szene 6. – Akrobatik – 92 %

Ein Raum mit Turnmatten ausgelegt. Eine Akrobatikgruppe, zwei Frauen und zwei Männer, übt eine komplizierte Figur ein. Die Szene ist noch nicht zu erkennen, das Bild hat eine totale Unschärfe. Darüber erscheint die animierte Zahl 92 %.

Sprecher aus dem Off: 92% entdecken ganz neue Möglichkeiten.

Die Kamera zieht scharf. Die komplizierte Figur steht gerade, als sie auch schon wieder in sich zusammenfällt. Eine Frau schaut zur Kamera.

Frau (völlig erschöpft und leicht genervt) : Ohhh, ich kann nicht mehr.

Andere Frau: Scheisse, ich falle.

Abblende ins Schwarzbild. Darüber eine letzte animierte Prozentzahl. 113 %.

Sprecher aus dem Off (Räuspert sich kurz): 113 % kommen nächste Woche wieder.

Erste Einblendung (weiße Schrift auf schwarzen Grund) : Statistik ist Zufall

Zweite Einblendung unter Statistik ist Zufall : Kultur ist kein Zufall

Dritte Einblendung mit kleiner Schrift: Soziokulturelle Zentren in NRW

Abblende Bild und Musik.

 

Analyse des Werbespots

Nach einer Uraufführung oder besser gesagt einem Pre-View des Werbespots im Kino Babylon des Kulturzentrums Pelmke sind folgende Punkte nach einer eingehenden Diskussion zu bemerken:

 

1. Die Exposition, also die erste Szene des Spots, ist zu schnell. Der Zuschauer könnte Schwierigkeiten haben dem Spot von Anfang an zu folgen. Mögliche Abhilfen wären vielleicht eine Schrifttafel an den Anfang zu setzen, ähnlich wie die Schrifttafel am Ende des Spots, die den Zuschauer auf den Spot / Inhalt vorbereitet. Zum Beispiel „Kultur und Statistik“, weiße Schrift auf schwarzem Grund. Der genaue Text muss erarbeitet werden. Der Text des Sprechers „3% haben noch nie etwas von uns gehört“ könnte gekürzt werden, indem man das „etwas“ weg lässt. Die Szene könnte noch einmal neu gedreht werden, wobei dem oben genannten Problem Rechnung getragen würde.

2. Der Ton des Spots war nicht gut genug zu verstehen. Ein Manko, das unbedingt behoben werden muss. Eine Nachbearbeitung ist geplant. Wünschenswert wäre den kompletten Text des Sprechers ein zweites mal in überarbeiteter Form aufzunehmen, da er aufgrund der zur Verfügung stehenden Zeit im Ausdruck noch nicht so ist wie er sein könnte.

3. Die letzte Szene funktioniert nicht so wie die ersten Szenen. Hier musste beim Schnitt eine Zwischenlösung gefunden werden. Es wäre angebracht die letzte Szene neu zu schreiben und neu zu filmen. Die letzte Szene würde dann so angelegt, dass der Sprecher als letzte statistische Zahl „113% kommen nächste Woche wieder“ sagen könnte, was in der jetzigen Fassung nicht möglich war.

4. Allgemein wurde die Idee des Spots als gut empfunden. Die Schauspieler fanden große Anerkennung, ebenso die Bildästhetik, der Schnitt und die Musik. Die Headline am Schluss des Spots fand großen Zuspruch, besonders weil der Satz „Kultur ist kein Zufall“ auch in anderen Zusammenhängen funktioniert. Zum Beispiel Printmedien, Internetseite, weitere Werbespots etc.

 

Persönliches Abschlusswort

Ich finde, dass das Projekt sehr gut gelaufen ist. Allein die Tatsache fast fünfzig Menschen, meist freiwillig, auf ein Wochenende zu terminieren und sie kommen sogar pünktlich, ist ein kleines Wunder. Aufgrund eines sehr begrenzten Budgets lässt sich aber zwangsläufig nicht alles realisieren wie man es sich vielleicht wünscht. Abstriche im Ton, zu knappe Drehzeit etc. sind normal. Im Falle des „Werbespots für soziokulturelle Zentren“ ist jedoch ein Werbespot herausgekommen, der sich sehen lassen kann, besonders wenn die oben aufgeführten Punkte nachgearbeitet werden. Es wäre mehr als Schade, wenn dieses nicht geschehen würde. Ein Nachkalkulation, d.h. ein wenig mehr Geld könnte diese Nachbearbeitung möglich machen. Eine Nachbearbeitung würde einen weiteren Drehtag, einen Tag im Schnittstudio, sowie einen Tag für die Sprachaufnahmen bedeuten und etwa eine Woche Vorbereitungszeit. Da bisher sehr viel auf freiwilliger Basis geschah, zum Beispiel war u.a. der Sprecher umsonst, sollten in der Nachbearbeitung ein paar kleinere Honorare fließen. Man kann nicht erwarten, dass die Leute immer freiwillig und ohne Gegenleistung kommen. Ich kann nur noch mal darauf hinweisen, dass das Projekt sehr gut gelaufen ist und gründlich darüber nachgedacht werden sollte, welches Potential in dem Werbespot liegt.

 

 

Kulturzenrum Pelmke - „Pelmke Exhibition 2004“

 

Grundidee der Exhibition ist es, KünstlerInnen aus Hagen und der Region die Möglichkeit zu geben ihre Arbeiten im Rahmen einer Gemeinschaftsausstellung zu präsentieren. Hierbei werden verstärkt Leute angesprochen, die bisher aus den unterschiedlichsten Gründen noch nicht ausgestellt haben oder ausstellen konnten. Aber auch KünstlerInnen, die schon länger im „Geschäft“ sind nehmen teil. Wichtiger Aspekt der Exhibition ist das Kennenlernen der Szene untereinander und die gemeinsame Planung, bzw. Durchführung eines Kunstspektakels.

Schwerpunkt war der Bereich „bildende Kunst“, aber auch andere Genres, wie Film, Tanz, Musik  waren mit einbezogen. Das Kulturzentrum war während der 3 Tagen Atelier, Galerie und Bühne in einem – vom Keller bis unters Dach. Nach einem ersten Treffen im Sommer 2004 wurde ein Aufruf entworfen der u. a. über die Lokalpresse verbreitet wurde. An den weiteren Planungstreffen nahmen ca. 15 Personen teil.

 

Bis zum Herbst meldeten sich ca. 45 KünstlerInnen, von denen letztlich 35 an der Exhibition

teilnahmen  (zwischen 8 und 75 Jahre alt).

Vom Konzept her gab es keine inhaltlichen, bzw. qualitativen Vorgaben. Soweit möglich, unterstützten sich die TeilnehmerInnen gegenseitig bei Auswahl und Präsentation ihrer Arbeiten. Das Kulturzentrum stellte das technische Equipment (Beleuchtung, Bildhalter, etc.) zur Verfügung und übernahm die Gesamtkoordination. Zur Ausstellungseröffnung wurde ein kleiner Katalog produziert, in dem die TeilnehmerInnen die Möglichkeit hatten sich vorzustellen.

 

Was gab es zu sehen und zu hören:

-                      auf dem Hof wurde ein „Feuer-Kunst-Recycling“ veranstaltet

-                      Malerei unterschiedlicher Techniken

-                      Skulpturen aus Metall und Stein

-                      Kurzfilmprogramm von Hagener und Wuppertaler FilmemacherInnen

-                      Tanzperformance

-                      Fotografie

-                      Theaterperformance

-                      Lyriklesung

 

Die Exhibition wurde über Presseartikel, über Plakate und Mundpropaganda beworben. An  den 3 Tagen kamen ca. 400 Besucher. Ablauf:

Freitag – Aufbau tagsüber, Preview ab  20.00 h mit Lyrik und Musikimprovisation

Samstag – das grosse Spektakel

Sonntag – der ruhige Tag mit Matinee und Möglichkeit zu Werkstattgesprächen

 

Von den Teilnehmerinnen wurde die Veranstaltung als Erfolg gewertet und soll möglichst regelmäßig wiederholt werden. Es wurden neue Kontakte geknüpft und es sollen regelmäßige Ausstellungen im Café des Kulturzentrums organisiert werden.

Für das Kulturzentrum war die Exhibition eine wichtige Darstellungsmöglichkeit als multifunktioneller Ort für Experimente, Selbstorganisation und Treffpunkt für unterschiedlichste Bevölkerungsgruppen.

 

 

Kultur im Bahnhof, Jülich - Theaterprojekt: Theater Arttacke spielt: Zu(g)flucht? 

 

Autorin, Regie und künstlerische Leitung: Sonja Wirtz

Beginn des Projekts: 07.01.02 19.00 Uhr

Dauer:              ca. 7 Monate, ca. 30 Probentermine donnerstags von 19.00 – 22.00 Uhr

2 Probenwochenenden im April und Juni

Abschluss:       09.07.04 20.00 Uhr Premiere, 10.07.04 20:00 Uhr 2. Vorstellung, 13.07.04 20:00 Uhr 3. Vorstellung

 

Mit 10 jungen Erwachsenen, einem Großteil bereits in zwei Projekten erfahrener Schauspieler und Neueinsteigern startete das Kuba-Ensemble Arttacke das bisher aufwendigste Theaterprojekt.

Zu Beginn diente Sybille Bergs Episodenroman „Ein paar Leute suchen das Glück und lachen sich tot“ als Grundlage für Charakterstudien und Themenfindung. Durch Improvisationen und Kreativitätstraining entwickelten sich schnell eigene Charaktere und passende Konflikte. Traurige Geschichten von heute. Und sehr komische.

Zehn junge Erwachsene brachten so auf die Bühne, was ihre Generation bewegt. Und die Zeiten sind düster: Alkohol, Süchte einschließlich Todessehnsucht, Ausbruch aus Zwängen, Sehnsucht nach Liebe und immer wieder die Frage nach dem Sinn.

Die Maßnahme wurde von der Regisseurin erfolgreich durchgeführt, alle Teilnehmer erarbeiteten sich während des Projekts sowohl schauspielerische als auch soziale Grundfertigkeiten.

 

 

BAF Alten Feuerwache, Köln - Schwarz / weiß – Leben in Gegensätzen

ein Projekt von Kindern, Mädchen und Jugendlichen

 

Die Auseinandersetzung mit den verschiedenen Polen eines Gegensatzes macht die große Bandbreite, die sich zwischen diesen Polen bewegt, deutlich.

Diese Bandbreite war auch bei der lebendigen Projektpräsentation am 13.November 2004 im Saal der Alten Feuerwache zu sehen. Mit Elementen des Theaters, der Performance und des Videofilms haben sich die Mädchen und Jungen der pädagogischen Bereiche der Alten Feuerwache in vielfältiger und unterschiedlicher Art und Weise mit dem Thema beschäftigt und eindrucksvolle Ergebnisse präsentiert. Die kleinen und großen Zuschauerinnen und Zuschauer verbrachten einen spannenden Nachmittag, den sie im Veranstaltungscafe bei Saft, Kaffee und Kuchen unterbrechen oder ausklingen lassen konnten. Die jungen Akteurinnen und Akteure konnten die gelungenen Ergebnisse, die sie teilweise in wochenlanger Arbeit unter großer Anstrengung entwickelt hatten, mit viel Stolz dem voll besetzten Saal präsentieren.

Ein gelungenes Projekt, welches allen Beteiligten viel Spaß bereitet hat!

 

„Schwarz – weiß – klein – groß – laut – leise ...Gegensätze treffen sich“ mit Kindern der Alten Feuerwache

Das Theaterprojekt für Kinder von sieben bis zwölf Jahren hat hauptsächlich in den Herbstferien 2004 stattgefunden. Die Probe-Zeiten waren der 25. bis 29.Oktober 2004 (2. Herbstferienwoche) sowie der 4., 11. und 12. November jeweils von 14 bis 17 Uhr.  Das Projekt fand in Kooperation mit dem Verein ConAction statt und wurde von zwei Theaterpädagoginnen durchgeführt.

Es haben sich zehn Kinder verschiedener kultureller Hintergründe (deutsch, türkisch, griechisch, afrikanisch, kroatisch) für das Projekt angemeldet. Sieben der Kinder sind BesucherInnen des Offenen Kindertreffs der Alten Feuerwache; von diesen konnte ein Mädchen die geforderte Verbindlichkeit nicht einhalten und hat abgebrochen. Drei  weitere Kinder kamen speziell zu dem Projekt in den Kinderbereich. Von den neun verbliebenen TeilnehmerInnen waren sechs Mädchen und drei Jungen.

Für die Kinder war es eine hohe Anforderung, die Probetermine einzuhalten und drei Stunden intensiv zu arbeiten. Da viele der Kinder die Termine selbstständig einhalten müssen, wurden sie darin von den Pädagoginnen des Kinderbereiches unterstützt, z.B. durch Anrufe und Elterngespräche.

Für die Umsetzung des Themas haben wir als Schwerpunkt das Medium Schattentheater ausgesucht, weil der Kontrast von Licht und Schatten dafür besonders geeignet ist. Diese Form des Theaters hat sich motivierend auf die Kinder ausgewirkt, da sie gut spielerisch genutzt werden konnte : die Kinder wurden durch die Effekte zum Spielen und Experimentieren angeregt. Wesentliches Ausdrucksmittel war die Körpersprache der Kinder, da sich viele der Kindertreff-Kinder weniger verbal ausdrücken können.

Neben dem Schattentheater  wurden auch spielerische kleine Theater- und Bewegungs-Improvisationen entwickelt. Während der Proben wurde häufig mit der Technik des „Einfrierens“ von Bewegungen gearbeitet, um die Kinder zu unterstützten, ihren Körperausdruck wahrzunehmen und zu intensivieren.

Zu Beginn des Projektes haben die Kinder mit der Methode des Brainstormings Gegensatzpaare aus ihrer Lebenswelt gesammelt, die auf einem großen Plakat  aufgeschrieben wurden. Im Laufe der Projektwoche haben sich die Kinder paarweise Gegensatzpaare vom Plakat ausgesucht und dargestellt. Dafür haben sie sich gegensätzliche Bewegungsmuster und Bewegungsabläufe ausgedacht, die das gewählten Gegensatzpaar wie schnell – langsam, jung - alt, Mädchen – Junge verdeutlichen. Bei der Ausarbeitung wurden sie von Theaterpädagoginnen durch ergänzende Anregungen unterstützt. Während der Proben haben sich  die Kinder ihre Gegensätze immer wieder gegenseitig vorgespielt und haben dadurch als Zuschauende geübt, die Darstellung der anderen und ihre Wirkung wahrzunehmen.

Um den Kindern eine weitere Anregung zu dem Thema  zu geben, wurde im Projekt das Gedicht für Kinder „Du bist da, und ich bin hier“ von Franz Wittkamp vorgestellt, das lauter Gegensatzpaare beinhaltet. Von den kurzen Strophen mit verschiedenen Gegensatzpaaren haben sich die Kinder jeweils paarweise eine Strophe ausgesucht.  Bei der Aufführung haben sie diese im Rahmen der Bewegungsimprovisation „Textfangen“ in spielerischer Form vorgetragen.

 

Zusätzlich konnten die Kinder schon eine Stunde vor den Probeterminen in den Proberaum kommen und an einem Tisch mit Stiften und Papier in Schwarz und Weiß zum Thema „Gegensätze“ malen und schreiben.  Die entstandenen Bilder waren während der Präsentation in unserem Veranstaltungs-Cafe zu sehen.

Motiviert durch das Gedicht haben drei Mädchen in dieser Zeit selbst kleine Gedichte zum Thema geschrieben, die sie bei der Präsentation vorgetragen haben.

Für die Aufführung haben die Kinder eine Szenenfolge von ca. 25 Minuten erarbeitet. Der erste Teil beinhaltete spielerische Theater-Improvisationen (Italienischer Regen, Blume, Energiestufen, Textfangen) und die zwei Gedichte der Kinder. Im zweiten Teil  haben die Kinder im Schattentheater 14 von ihnen ausgearbeitete Gegensätze als kleine Theaterszenen präsentiert. z.B. Sängerin - Alte Frau, Kind allein – im Spiel mit anderen, der Arme – die Reichen , ein Kind ist lieb – böse, Mutter - Tochter.  Die ohne Sprache dargestellten Szenen wurden durch den Einsatz von unterschiedlichen Musikstücken untermalt.

Die professionelle Präsentation des Theaterprojektes ist beim Publikum sehr gut angekommen, und besonders das Schattentheater hat viel Beifall bekommen. Positiv bei der Aufführung des Schattentheaters war für die Kinder zum einen, dass sie sich hinter dem Vorhang in einem geschützten Raum bewegen konnten. Zum anderen wurden die Körper der Kinder durch das Schattentheater vergrößert,  wodurch sie auf der großen Bühne in ihrer Darstellung eindrucksvoller wirkten.

 

„Schwarz / weiß - Leben in Gegensätzen“ - eine Modenschau des Mädchentreffs der Alten Feuerwache

Das Projekt „Schwarz / weiß - Leben in Gegensätzen“ wurde über einen Zeitraum von zehn Wochen durchgeführt. Es haben 17 Mädchen im Alter von 13 bis 16 Jahren verschiedener kultureller und sozialer Herkunft teilgenommen. Zwei Drittel der Teilnehmerinnen sind deutsch und ein Drittel haben einen Migrationshintergrund (türkisch, kurdisch, iranisch). Ursprünglich war das Projekt für 12 –14 Mädchen geplant, doch da die Nachfrage so groß war, wurde die Gruppe um drei Plätze erweitert.

Zunächst suchten die beteiligten Mädchen in Form eines Brainstormings verschiedene Gegensatzpaare, die in ihrer Lebenswelt von Bedeutung sind. Diese wurden auf einem großen Plakat notiert. Die meisten Gegensätze, die genannt wurden, beschrieben verschiedene Gefühle und Stimmungen.

In einem Kommunikationsspiel wählte jedes Mädchen einen Begriffe aus, um sich dann auf einer Werteskala entsprechend ihrer momentanen Stimmung einzuordnen. Es entwickelte sich eine lebhafte Diskussion über Erwartungen und Ansprüche von Freunden, Freundinnen, Eltern oder Lehrern und dem individuellen Umgang mit diesen.

Ziel dieser Einheit war es, die Mädchen zu ermutigen ihren eigenen Meinungen und Gefühlen zu benennen, ihnen zu vertrauen oder auch Standpunkte zu entwickeln und diese zu vertreten.

In der konkreten Umsetzung wurden solche „Gegensätze“ aus dem Pool gesucht,

die für das Leben der jugendlichen Mädchen relevant und zur Darstellung geeignet waren. Dabei standen sowohl „Stimmungen und Gefühle“, als auch „Umstände des Alltags“ im Vordergrund. Tenor bei der Auswahl war, dass kein Gegensatzpaar eine negative Ausrichtung haben durfte, da dies kein Mädchen darstellen wollte (z.B. dick – dünn, schön – hässlich).

Es wurden folgende Paare ausgewählt: Sportlich – elegant, Weiblich – männlich, relaxed – gestresst

orientalisch – westlich, gelangweilt – in Action, hell – dunkel, happy – unhappy, natürlich – gestylt

 

Paarweise entwickelten die Mädchen kleine Szenen oder Choreografien zu den von ihnen ausgewählten Begriffspaaren, um diese später gemeinsam auf der Bühne zum Ausdruck zu bringen. Für die Kostüme wurde ganz bewusst der Charakter eines „normalen“ Kleidungsstücks gewählt, um so die Alltäglichkeit der ausgesuchten „Gegensätze“ zu unterstreichen.

Als eine attraktive Darstellungsform für die Zielgruppe wurde eine Modenschau mit medialer Unterstützung gewählt.

Das Projekt wurde in Kooperation mit der Nähwerkstatt in der Alten Feuerwache durchgeführt. Eigene Ideen entwickeln, verschiedene Modelle entwerfen und zeichnen, Materialien auswählen, die Stoffe einkaufen, die Kleidung zuschneiden und nähen – Schritt für Schritt wurden die Mädchen an das selbstständige Nähen ihres Kleidungsstücks herangeführt. Mit großer Spannung wurde die Umsetzung der eigenen Idee verfolgt. Die Mädchen entwickelten viel Kreativität und sie zeigten handwerkliches Geschick. Die erforderliche Ausdauer und Geduld konnten einige Mädchen allerdings nur unter größter Anstrengung aufbringen. So wurden sie von der Pädagogin des Mädchentreffs intensiv begleitet, ermutigt und motiviert. Mit der fachkompetenten Unterstützung der Schneiderinnen konnten alle Mädchen ihre Ideen umsetzen, wenn auch die eine oder andere kleine Veränderung an den Entwürfen vorgenommen werden musste.

Eine professionelle Tänzerin und Choreografin entwickelte mit den Teilnehmerinnen die Bühnenperformance. Die bereits entwickelten Szenen und Elemente der Darstellung wurden mit von den Mädchen ausgesuchter Musik zu einem Ganzen zusammengefügt. Für das Bühnenbild wählten die Mädchen passende Bilder und Portraitfotos von sich aus, die während der Show auf einer großen Kinoleinwand im Hintergrund des Laufstegs im Wechsel gezeigt wurden. Die Begriffe der Gegensätze wurden jeweils zu Beginn der Vorführung der Kleingruppen kurz als Text in die Bilder eingeblendet. Beispielsweise leuchteten bei der Darstellung von „orientalisch – westlich“ die Skylines von Istanbul und Köln im Hintergrund auf.

Im Rahmen der Performance haben die Mädchen ihre „Gegensätze“ eindrucksvoll zum Ausdruck gebracht. Trotz größter Aufregung haben sie ihre Modenschau stolz und souverän vor einem kräftig applaudierendem Publikum präsentiert.

Nach der Präsentation gab es im Mädchentreff vermehrt Anfragen nach einer Fortführung des Projekts. So wurde das Nähprojekt im Dezember weiterhin angeboten und noch vier Mädchen konnten sich ein individuelles Kleidungsstück anfertigen.

Mit dem Projekt wurde ein wesentliches Ziel der pädagogischen Arbeit im Mädchentreff der Alten Feuerwache aufgegriffen und umgesetzt: die Mädchen stärken und sie in der Entwicklung ihres Selbstwertgefühls und ihres Selbstbewusstseins zu fördern.

 

Filmprojekt 2004 des Jugendbereichs

An dem diesjährigen Projekt haben 8 Jugendliche aus dem Jugendcafé im Alter von 12 – 14 Jahren teilgenommen.

Innerhalb dieses zweimonatigen Projektes, erlernte die Kerngruppe, bestehend aus 6 Jungen, durch kontinuierliche Treffen 1-2 mal wöchentlich, den einfachen Aufbau sowie Umgang mit der Kamera- und Tontechnik.

Das Team bestand aus einem Filmemacher und einem Pädagogen, deren Aufgabe es anfangs war, den Jugendlichen eine sensible und verantwortungsvolle Handhabe der hochwertigen Filmtechnik (Kamera, Mikrofon etc.) zu vermitteln.

Durch abwechselnde Einnahme der Kamera- und Tonpositionen, bot sich für die Teilnehmer innerhalb der ersten Treffen die Möglichkeit, die verschiedenen Filmmaterialien und technischen Gegenstände sowie deren Gebrauch bzw. Umgang kennen zu lernen. Die anfänglichen Übungen zur Interviewführung untereinander, waren geprägt duch starke Unsicherheit der Jungen, welche sich wiederum in Albernheiten und Beleidigungen des Gegenübers äußerten. Aufgrund dessen wurde es notwendig nach jedem praktischen Tonus einen theoretischen folgen zu lassen, sodass Störungen dieser Art  möglichst ausgeschlossen werden konnten. Im Zuge der praktischen sowie theoretischen Auseinandersetzungen und Übungen  innerhalb des Jugendcafés folgte dann auf Wunsch der TN erste Filmaufnahmen in deren Viertel, welche anschließend besprochen wurden.

 

Der Bauwagenplatz

In Folge der thematischen Auseinandersetzung geprägt von zahlreichen Diskussionen, Nachbesprechungen sowie Exkursionen mit dem Schwerpunkt „Gegensätze“ wie Wohnen, Leben, Denken als auch äußeren Merkmalen ergab sich in erster Linie für die Jugendlichen der Wunsch, den Bauwagenplatz aufzusuchen und die dort wohnenden Menschen zu ihrem Leben zu interviewen.

Bedenken der Jugendlichen: „ die sehen komisch aus“, „ da sind so viele Hunde“, „ die sind gefährlich“

„ da ist dauernd Polizei“

Bedenken der Betreuer: „ Werden wir eine Dreh- bzw. Filmerlaubnis erhalten?“

Bedenken der Bewohner: nach einer mehr minütigen Erklärung des Vorhabens: KEINE

Der Film: „ Die Entdeckungsreise“

Das Resultat des zweistündigen Aufenthaltes auf dem Bauwagenplatz ist ein 15 minütiger Film mit original Titel. Im Laufe der Interviewsituation erwiesen sich die im Vorfeld durchgeführten Übungen, welche die Jungen anfänglich eher lästig empfanden, als sehr wertvoll. Auf Grund der daraus resultierenden Routine entwickelte sich in kürzester Zeit ein lebhafter und beidseitiger Dialog zwischen Konträren Welten. Zum Erstaunen der Jugendlichen erwiesen sich die Biographien der Platzbewohner als nicht so abenteuerlich, wie erwartet, fast normal. Die anfangs artikulierten Bedenken, Ängste und Vorurteile konnten zum Großteil relativiert werden, einzig die räumliche Enge der Unterkünfte sowie der Krach von der Straße wurde von den Jungen als unangenehm empfunden.

Auch die Hunde waren sehr liebenswürdig!

 

 

aufabwegen Köln - Geräuschwelten 2004

in Kooperation mit: Kulturbunker Mülheim e.V., Berliner Str. 20, 51063 Köln

 

Im Jahre 2004 fand im cuba, Achtermannstr. 12, 48143 Münster und im Kulturbunker Mülheim, durchgeführt von aufabwegen eine Veranstaltungsreihe mit dem Titel "geräuschwelten - bunkerfrequenzen" statt. Diese Reihe wurde u.a. mit Mitteln der LAG gefördert.

 

Ziel der Veranstaltungsreihe war es, internationale Musiker aus der Szene der nicht-akademischen elektronische Musik auf lokale Künstler aus Deutschland treffen zu lassen, um so den internationalen Austausch zu fördern. Angeregt werden sollte die Interdisziplinarität und das Arbeiten in mehreren Medien, wie z.B. Musik, Performance Art oder Video.

 

Dies sollte auf zwei Weisen umgesetzt werden:

Zum einen mit einer regelmäßig durchgeführten Konzertreihe im cuba, Münster, bei der internationale Acts der Geräuschmusik sich in oft exklusiven Auftritten dem Publikum präsentieren. Durch die Form einer regelmäßigen Reihe wird dem Bereich der nicht-akademischen elektronischen Musik ein wichtiges Forum gegeben – es kam regelmäßig zu Gesprächen zwischen Künstlern und Publikum. Im Vorprogramm dieser Gastspiele war fast immer ein einheimischer Künstler eingeladen, der so von den internationalen Ansätzen des Hauptkünstlers profitieren konnte. Ziel war, dass sich neue Arbeitsweisen, ästhetische Fragestellungen und technische Herangehensweisen im lokalen Milieu verfangen.

Zum anderen wurde das Thema internationaler Austausch für den Aufführungsort Köln in Form eines Festivals verdichtet. Im Kulturbunker Mülheim wurde an drei Abenden exemplarisch elektronische Musik aus bestimmten europäischen Ländern vorgeführt und diese in einen Dialog mit einheimischen Künstlern und DJs gebracht. Hier konnte ein Abend mit Musik aus der Schweiz und mit Musik aus Großbritannien, bzw. Spanien realisiert werden.

Neben der Förderung durch die LAG Soziokulturelle Zentren NW e.V. wurde die Veranstaltung vom Kulturamt der Stadt Münster, sowie anteilig vom Kulturamt der Stadt Köln, dem British Council und der Stiftung ProHelvetia gefördert. Bei allen Förderinstitutionen möchten wir uns heirmit ncoh einmal herzlich bedanken!

Insgesamt ist festzuhalten, dass die Veranstaltungsreihe das oben definierte Ziel erreicht hat. Die Veranstaltungen wurden größtenteils mit starkem Interesse aufgenommen und auch die Presse berichtete häufig.

 

 

Werkhaus, Krefeld - 20 Jahre Soziokultur am Beispiel: Werkhaus e.V.

 

Mit unserem Projekt beabsichtigten wir einerseits unsere 20jährige Geschichte spielerisch und in Form von Ausstellung und Trödelmarkt zu skizzieren und anderseits eine interessante und öffentlichkeitswirksame Momentaufnahme unserer Aktivitäten zu präsentieren.

Die sehr positive Resonanz hat uns in unserer Arbeit bestätigt und ein hervorragendes Bild auf unsere Einrichtung und die Soziokultur im weiteren Sinne geworfen.

Die Presse hat unsere Aktivitäten lokal wie auch überregional begleitet.

Die beständige Arbeit unserer Einrichtung auf den unterschiedlichen Feldern der Kinder- und Jugendhilfe, der Jugendkunstschule, der kulturellen Bildung und die kulturellen Aktivitäten selber waren über mehrere Monate Thema in der Öffentlichkeit. Soziales Engagement gepaart mit kreativer und lebensbejahender Energie, ehrenamtlicher Arbeit  und Kontinuität vermittelten der Öffentlichkeit ein positives Bild der Arbeit soziokultureller Einrichtungen.

Eingeleitet wurden unsere Veranstaltungen mit  dem Kids-Museum im Juli 04 und dem Trödel- und Fundusmarkt im Spielhaus Dießemer Straße sowie 20 Jahre Werkhaus e.V. „Werkhaus von A-Z“ im September und Anfang Oktober 04.

Gleichzeitig begannen ab September unsere Kleinkunstveranstaltungen, ebenfalls im Rahmen der 20-Jahrfeiern. Bei diesen Veranstaltungen konnten sich die Zuschauer in ein Gästebuch eintragen und nahmen dadurch an einer öffentlichen Verlosung von 10 Jubiläumsabos während der Improshow MaMaLässig im Dezember 04 in der Blücherstr. 13 teil, mit der die Veranstaltungsreihe abgeschlossen wurde.

Eingerahmt von diesen Aktivitäten fand am 16.10.2004 auf dem Spielplatzgelände und den Räumlichkeiten des  SpieDie unsere 20- Jahrfeier statt.

Ab 15.00 Uhr tummelten sich das Publikum und die Aktiven bei einem Stadtteilfest, bei Essen und Trinken und einem nonstop Kulturprogramm bis tief in die Nacht auf dem Gelände. Mehr als 1000 Gäste wurden geschätzt, die über den ganzen Zeitraum verteilt das Geschehen auf zwei Bühnen und dazwischen genossen und trotz mieser Wetterbedingungen feierten.

Das auf Grund des großen Andrangs um mehr als eine Stunde verspätet beginnende Kabarettprogramm musste wegen des großen Andrangs bei offenen Rolltoren und in drängender Enge abgehalten werden.

Grußworte des Kultur- und Jugenddezernenten Herrn Roland Schneider und die Anwesenheit lokaler Politiker und unterschiedlicher Verbandsvertreter zeigten die Wertschätzung, die unserer Einrichtung entgegengebracht wird. 

 

 

Anne Engelhardt, Lengerich - Was also ist Zeit? – ein interkulturelles Generationenprojekt

 

Das Lengericher Zeitprojekt hatte im September 2003 begonnen und mit einer Aufführung am 18. 9.2004 zur Eröffnung der Gempthalle, eines neuen soziokulturellen Zentrums in Lengerich, abgeschlossen.

Das Zeitprojekt  wurde in Kooperation mit dem Jugendzentrum der Stadt Lengerich und mit Förderung des Kreisjugendamtes und der LAG  NW durchgeführt.

Es waren verschiedene Gruppen und Einzelpersonen aus Lengerich aus verschiedenen Kulturen und Generationen beteiligt. Insgesamt haben 47 Menschen dieses Zeitprojekt aktiv gestaltet und zwar im Alter vom 12 bis 70 Jahren und aus 4 verschiedenen Kulturkreisen. In fünf Arbeitsgruppen zu den Medien Akustik, Video, Fotografie, Musikimprovisation und Tanz wurde die Aufführung, eine Multimedia – Show, erarbeitet.Die Aufführung war ein großer Erfolg, sowohl von der Zuschauerzahl, als auch von der inhaltlichen Resonanz.

Seit diesem Projekt gibt es persönliche Kontakte und Zusammenarbeit zwischen den bestehenden deutschrussischen, türkischen und deutschen Gruppen in Lengerich und es besteht der Wunsch, ein weiteres Projekt in Angriff zu nehmen. Auch die Stadt Lengerich und einige Sponsoren haben sich auf Grund der beeindruckenden Aufführung bereit erklärt, ähnliche Projekte weiterhin zu unterstützen.

 

 

Kulturausbesserungswerk, Leverkusen - Selbstproduzierte Filmreihe zum Thema Jugend und Politik

 

Geplante Reihe:

1.                   „Punks und Politik“

2.                   „HipHopper und Politik“

3.                   „Gothics/Waver und Politik“

4.                   „Raver und Politik“

 

März 2004: Drei Wochenden lang findet im Kulturausbesserungswerk ein Videoworkshop statt.

Inhalt: Grundfunktionen der Kamera, Umgang mit der Kamera, Aufnahmeperspektiven,  Licht, Interviewtechnik, Drehgenehmigungen einholen, Rechtesituation (Recht auf das eigene Bild), einspielen in den Computer, Schnitt

 

Teilnahme:9 -14 Jugendlichen an allen drei Wochendenden unter der Leitung von Petra Clemens. Ziel ist es eine Videogruppe zu bilden, die die Filme zum Thema Jugend und Politik dreht und schneidet.

 

April 2004  - Die Videogruppe

Treffen: einmal die Woche, Montags im Kulturausbesserungswerk

Die Gruppe, bestehend aus 6 Jugendlichen im Alter zwischen 15 Jahren und 19 Jahren (4 Mädchen und zwei Jungen) kamen zu der Entscheidung einen lagen Interviewfilm zu drehen, statt 4 einzelne Filme, da sich, schon nach ersten Interviews im Kulturausbesserungswerk herausstellte, daß die einzelnen Jugend-Szenen nicht so leicht zu trennen sind.

Eine Kamera und Videomaterial steht jederzeit zur Verfügung. Die Jugendlichen müssen sich lediglich in eine Liste eintragen und die Kamera anschließend, mit aufgeladenem Akku, an die gleiche Stelle zurücklegen.

Die Gruppe recherierte in folgenden Büchern zum Thema Jugend und Politik:

Die Szene von innen – M.Stock / P. Mühlberg

Expressin myself – Projektgruppe Jugendkulturen Rohmann - Tilgner

Das WG Buch – Jeep/Nelle/Neumann

Jugend und Jugendkulturen – D. Baake

Jugend und Jugendmacher – Deese/Hüllenbach – Kaiser/Michatsch

Die Jüngeren – B. Mischer

 

Anschließend erarbeiten sie  gemeinsam einen Fragenkatalog:

 

Fragen:

Wer bist du? Was ist deine Lieblingsmusik? (Bands?) Bist du Teil einer Jugendkultur? Fühlst du dich einer Jugendkultur zugehörig? Wie aktiv bist du in dieser Szene? Gibt es in dieser Szene bestimmt Regeln oder Normen? Wen oder was magst du? Wen oder was hasst du? Hast du Vorbilder? Bist du politisch? Aktiv? Weißt Du schon was du nach der Schulemachen willst? Was machst du am Wochenende? Was machst du die Woche über? Was sind deine Lieblingsklamotten? Was bedeutet Outfit für dich? Wo kaufst du die Klamotten? Ist das Outfit wichtig für die Szene? Findest du dein Outfit provokant? Was nervt dich an der Welt? Was hast du für Träume und Wünsche? Verstehst du dich mit deiner Familie? Was wolltest du schon immer sagen, in die Welt hinaus schreien?

 

Mai 2004

Die Gruppe teilte sich im Mai in eine “Intro-Gruppe”, die hauptsächlich Orte, Kleidung, Geschäfte, Impressionen, zufällige Menschengruppen in Leverkusen filmte, die für sie Jugendkultur symbolisieren.

Die zweite Gruppe ist die “Interview-Gruppe”, die an verschiedenen Orten in Leverkusen Interviews mit Jugendlichen führt.

Gedreht wird jetzt nach Absprache an z.B. folgenden Orten:

Eissporthalle, Stelzenbrücke (Skatebahn), Punkkonzert – TpuntError, HipHop- Konzert –, Brennpunkt Jam, Fußgängerzone Opladen, vor dem Gymnasium Landrat-Lukas, vor der kaholischen Kirche St. Remigius

 

23.09.2004 - Erstes gemeinsames Materialsichten – es gibt schon mehrere Stunden Material

Oktober 2004 / November 2004: Dreh

Dezember 2004: erster Schnitt

voraussichtlicher Premierentermin März 2004

 

 

Kulturausbesserungswerk, Leverkusen -  Osterferiencamp

 

Das Osterferiencamp im Kulturausbesserungswerk Leverkusen stand unter dem Motto  „Eine Woche lang zusammen leben, arbeiten und Freizeit gestalten“. 

An dem Projekt nahmen 25 Jugendliche und junge Erwachsene kontinuierlich teil. Zwischen fünfzig und hundert Personen kamen zu den Abendveranstaltungen, die zum Teil altersgemischt und Generationen übergreifend konzipiert waren. Das Konzept ging auf und im Rückblick zeigt sich, dass diese Woche eine wichtige Funktion für das gesamte Zentrum bekommen hat. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer des Osterferiencamps waren anschließend problemlos in der Lage, Verantwortung für bestimmte Teilbereiche der Veranstaltungsplanung oder/und der Instandhaltung und Verschönerung der Räume zu übernehmen. Mehrheitlich wurde der Wunsch nach einem Sommerferiencamp geäußert, das ein Vierteljahr später das Begonnene fortsetzte, aber auch neue Akzente setzte. Die Workshops wurden zum Teil von jungen Erwachsenen aus dem BesucherInnenpool selbst angeleitet, so dass keine lange Kennenlernphase nötig war. Die in dieser Woche neu erworbenen Fähigkeiten, unter anderem in Holz- und Metallbearbeitung, stärkten bei einigen bisher relativ unsicheren jugendlichen TeilnehmerInnen das Selbstbewusstsein und das Vertrauen in die eigenen Möglichkeiten.

 

Montag  5.4.2004   ab  12.00 Uhr bauen

ab 16.00 Uhr Einführung für den Videoworkshop

Nach dem Abendessen: Ideen sammeln für das Osterferiencamp, Baubesprechung und Sonstiges (Flugblatt, Kochgruppe, Innenstadtaktion…)

Vorbereitung der Perspektivenwerkstatt am 11.4.2004 - anschließend Spiele

 

Dienstag 6.4.2004   ab 12 Uhr bauen

Nach dem Abendessen: ab 19 Uhr Klettern im A-Werk  Unkostenbeitrag 6,- € pro Person

 

Mittwoch 7.4.2004   ab 12 Uhr bauen

Nach dem Abendessen: Top Secret – Nirvana Abend

 

Donnerstag 8.4.2004  ab 12 Uhr bauen

Nach dem Abendessen: Film in der Halle

Der Blutige Pfad Gottes anschließend Swing Kids

 

Freitag 9.4.2004    ab 12 Uhr bauen

Nach dem Abendessen – offener Abend – Party, Theater, Kneipe...

 

Samstag 10.4.2004 ab 12 Uhr bauen

Parallel ab 11 Uhr  Trödelmarkt in der Halle zugunsten des KAW - Abends Chaos-Kneipe

 

 

Kulturzentrum BÜZ Minden, Schaufenstergalerie „Leben in unserer Stadt“

 

Der Kulturverein Wolkenstein und das Kulturzentrum BÜZ führten im Jahr 2004 das Mitmachprojekt SCHAUFENSTERGALERIE für verschiedene Bevölkerungsgruppen unserer Stadt als Beitrag zur Wiederbelebung der Innenstadt mit kulturellen Mitteln durch in Zusammenarbeit mit dem Leerstandsmanagement der Stadt Minden und den Geschäftsleuten rund um den Rathausinnenhof.

Kooperationspartner waren ausserdem das Seniorenbegegnungszentrum OASE und die Kinder-Kunst-und-Kulturwerkstatt LILLE KUNTERBUNT. Hierdurch wurden auch "Leute ohne Lobby" über ihre Kreativität präsent im öffentlichen Bewusstsein. Dieses Mitmachprojekt bot viele Identifikationsmöglichkeiten und half, Berührungsängste auf allen beteiligten Seiten zu überwinden und konstruktiv zu nutzen.

Hierbei setzten wir das sowohl regional wie überregional inzwischen bekannte stadttypische Markenzeichen „Mail-Art-Mekka Minden“ gezielt ein als „typical feature“ unserer „corporate identity“, die in der Öffentlichkeit eng mit dem BÜZ verknüpft wird.

Mailart-Künstlerinnen und Künstler aus 10 Ländern entwickelten in Workshops im Gebäude des Kulturzentrums BÜZ in der alten Johanniskirche  mit Besuchern aus Minden visuelle Zukunftsvisionen in individuellen Darstellungen und setzten sie gestalterisch in grossformatigen kollektiven Collagen als praktisches Beispiel lokal-globaler Vernetzung um. Dieses Projekt war für die teilnehmenden Künstler eine gern angenommene Herausforderung, sich aus etwaigen musealen "Elfenbeintürmen" heraus auf  die schnelle Aufmerksamkeit erfordernde Bildwelt einer Fußgängerzone umzustellen. Die Produkte wurden zusammen mit bestehenden Arbeiten der beteiligten Künstler  und Künstlerinnen rund um den Rathausinnenhof in den Schaufenstern unvermietet leerstehender Geschäfträume und bestehender Ladenlokale ausgestellt. Unser Projekt trug gezielt zur Verbesserung der Qualität unseres unmittelbaren städtischen Umfelds bei.

Als Arbeitsmittel kamen Acrylfarben, Karton, Öl, "Found Objects" aus verschiedenen Werbebereichen und postalische Elemente zum Einsatz im Stile der Dadaisten. Diese Arbeiten haben eine sehr plakative Wirkung . Die anspruchsvolle Aufgabenstellung "Was tun gegen die drohende Verödung der Innenstadt" konnte mit den Teilnehmern gut erarbeitet und bildnerisch umgesetzt werden. Das gewählte Thema "LEBEN IN UNSERER STADT" gab dabei bewusst einen lokalen Bezug vor. Außer dem Effekt des "Learning by Doing" der Workshopteilnehmer konnten wir so Sehgewohnheiten der Passanten in der Innenstadt mit künstlerischen Mitteln aufbrechen, um diesen Bereich als lebendigen Teil der Stadt zu unterstreichen. Im Vorgehen also ähnlich den Open Air Galerien, die wir in den Vorjahren mit Unterstützung der LAG auf öffentlichen Plakatwänden in der Innenstadt gestalteten, aber dies Mal hinter Glas im autofreien Bereich und nicht an befahrenen Strassen.

Die stellvertretende Bürgermeisterin eröffnete die Schaufenstergalerie mit einer Ansprache und einem Rundgang von Schaufenster zu Schaufenster, bei dem die anwesenden Teilnehmer ihre Arbeiten vorstellten. Dabei verlieh unser „Kunstpostamt“ mit eigenem Stempel und handgemachten Künstler-Sondermarken, die die Workshopergebnisse im Kleinformat zeigten und exklusiv nur dort erhältlich waren, der Ausstellungseröffnung einen Event-Charakter, was die Publikums-Akzeptanz noch erhöhte.

Das Leerstandmanagement der Stadt unterstützte uns bei der Projektdurchführung mit der Perspektive, diese Zusammenarbeit als Pilotprojekt anzusehen für ähnliche Veranstaltungen in der Zukunft. Bereits im Sommer fand dann schon tatsächlich ein Anschlussprojekt „Kunsthalle“ mit Mindener Künstlerinnen und Künstlern in einem leerstehende Kaufhaus statt

 

 

Ringlokschuppen Mülheim - LEER.PFAD -  Spurensuche in Zeit und Raum

 

Das Projekt LEER.PFAD fand vom 23. April 2004 bis zum 26.5.2004 im Ringlokschuppen in Mülheim, der Stadthalle Mülheim und in der Jahrhunderthalle Bochum statt.

Die Veranstaltungsreihe war als  assoziativer Countdown  zu RAUM.PFAD, den vier OFF-Trienale-Produktionen, die als Kooperationen der RuhrTrienale und des Ringlokschuppens ab Juni 2004 an außergewöhnlichen Orten im Ruhrgebiet zu sehen waren , gedacht.

Dabei bewegte sich die Veranstaltungsreihe zwischen Science und Fiction, Wissenschaft und Wahnsinn, Witz und Wahrheit  mit Lesungen, Inszenierungen, Vorträgen und Dokumentarfilmen und bot ein Konzept, dass es möglich machte 2 Dinge miteinander zu verknüpfen: zur Erheiterung unserer Erkenntnis beitragen und belustigen.

Die „neue Epoche“ der Entschleunigung läutete der „Verein zur Verzögerung der Zeit“ mit einem Abend im Zeitsalon am 23.4.04 ein.

Aufgefordert, Literatur zum Thema Zeit, „Lieblingsstellen oder Passagen aus größeren Werken, Kurzgeschichten, Krimis etc. vorzutragen, nutzte das zahlreich erschienene Publikum  die Gelegenheit für  eine anregende Diskussion.

Am 24.4.04 begab sich der Berliner Volksbühnen-Schauspieler Jürgen Kuttner auf die Mission in die Zukunft. Mit seiner Medienanalyse in Form eines Videoschnipselvortrags zum Thema: Zukunft von  gestern: Wie man im Fernsehen Zukunft beschrieben hat,  prüfte er mediale Reste auf ihre Verwertbarkeit und das gelang ihm ausgezeichnet.

Am 13.5.04 berichtete der Autor Wolfgang Jeschke spannend und nicht ohne gelegentliche Ironie, wie die Menschen seit 300 Jahren in Forschung, Wissenschaft, Literatur und Film immer wieder ihre Hoffnungen und Befürchtungen auf den Mars gerichtet haben. Sein Vortrag Marsfieber – Aufbruch zum roten Planeten. Phantasie und Wirklichkeit , war angesiedelt an den Rändern von Science und Fiction, Wunschträumen, Schreckensbildern, Visionen und Missionen.

Der Philosoph Peter Sloterdijk ist einer, der die Gemüter mit seinen Zukunftsvisionen immer wieder erhitzt hat.

Am 20 Mai hielt Sloterdijk einen Vortrag zum Thema: „Für eine Philosophie der Raumstation“ in der Jahrhunderthalle in Bochum. Hier gab er Einblick in seine philosophische Betrachtungen, die er in seinen Sphären Bänden vorgenommen hat. Er warf dabei die Frage auf, nach dem Wo oder, wie er es selber formulierte, „nach dem Ort, den Menschen erzeugen, um zu haben worin sie vorkommen können, als die, die sie sind.“ 

Einem Raum den Menschen erschufen, widmete sich anschließend auch der Film „Out of the Present“ von Andrei Ujica. Dieser einmalige Dokumentarfilm erzählt mit seinen phantastischen Weltraumbildern von der MIR  viel über uns und unsere Zeit.

Die  Veranstaltung:  Eine kommentierte Führung durch den Matrix-Kosmos des Filmkritikers und Science-Fiction-Spezialisten Georg Seeßlen musste leider wegen Erkrankung des Referenten ausfallen.

 

 

cuba-cultur, Münster – Ausstellungsreihe AUSBLICKE – Nachwuchspositionen der regionalen KünstlerInnen-Szene zum Thema „Zukunft“

 

Das Ausstellungsprojekt Ausblicke wurde annähernd wie geplant durchgeführt. Wie geplant fanden insgesamt acht Ausstellungen im monatlichen Wechselstatt sowie eine Sonderausstellung anlässlich der münsterschen Langen Nacht der Museen und Galerien. Somit entwickelten und präsentierten insgesamt neun junge Künstler und Künstlerinnen im Rahmen des thematischen Ausstellungsprojekts Ausblicke in die Zukunft ihre Arbeiten:

 

9. – 25. Januar 2004: „miese tricks“ – Julia Gröning. Die Münsteraner Kunstakademiestudentin entwickelte und reflektierte in ihrer Rauminstallation mit Ton und Objekten eine Vision gesellschaftlicher Massenmanipulation, der sich das Individuum – schwankend zwischen Rebellion und Hilflosigkeit – gegenüber sieht.

5. März – 11. April 2004: „Neueröffnung“ – Maria Gamper. Eine Rauminstallation, die mit schlichtem Kunstgriff das aktuelle Thema „Ladenleerstand“ und damit verbundene gesellschaftliche und ökonomische Möglichkeiten – im Gegensatz zu den vielfach prognostizierten Unmöglichkeiten – aufgriff, präsentierte die Kunststudentin aus Münster. Somit setzte sie sich zugleich mit eigenen Visionen auseinander.

7. – 30. Mai 2004: „heldenspeck“ – Nora Grunwald. Mit ihren Zeichnungen dickleibiger Figuren, welche die (zu) kleinen Rahmen zu sprengen drohten, diskutierte die Münsteraner Künstlerin sowohl das Ästhetikideal unserer Zeit als auch rück- und somit vorausweisend dasjenige anderer Zeiten. Übergreifendes Thema war „die“ Norm als Ordnungsprinzip, das als Voraussetzung gesellschaftlich-menschlichen Zusammenlebens verhandelt wurde.

4. – 27. Juni 2004: „Zeitfenster“ – Timo Kube. Mit seiner Videoinstallation und weiteren Objekten im Raum stellte der Münsteraner Kunststudent den inneren Spannungszustand gesellschaftlicher Individuen zwischen (Selbst)Zerstörung und dem Eintreten neuer Zustände in der Zeit dar. Dabei galt Destruktion als Bedingung für (individuelle) Fortentwicklung im Prozess.

3. – 26. September 2004: „Paraplü 3“ – Henri Unsenos. Mit den an der decke schwebenden Objekten und seiner Audioinstallation konfrontierte der Künstler das Publikum mit der Konstrukthaftigkeit all dessen, was in unserer Gesellschaft als real und wahrhaftig angesehen wird, und regte damit zur Diskussion dieser als allgemein gültig akzeptierten „Ist“-Wahrheiten wie z. B. Schallübertragung und elektromagnetischer Wellen im Kosmos, sprich: naturwissenschaftliche Erkenntnisse, an.

1. – 31. Oktober 2004: „magischer würfel“ – Ralf Hanrieder. Die Rauminstallation mit Video, Grafiken und Objekten des Dachauer Kunstautodidakten setzte sich mit der uralten chinesischen Tradition des kosmologischen Prinzips „magisches Quadrat“ auseinander. Sie zeigte das immer währende menschliche Bedürfnis auf, – vía Logik – vermutete, übermenschliche Ordnungsprinzipien zu enthüllen und diese möglicherweise genau aus diesem Grund selbst zu entwerfen. Dabei wurde die Einseitigkeit der Logik als Ordnung und Klärung bringende Instanz in Frage gestellt.

Der Kontakt mit dem Dachauer Künstler entstand über den Austausch mit einem der früheren Aussteller zum Thema Zukunft und kann daher als übergreifende Netzwerkbildung zum Projektthema Ausblicke gewertet werden, der zudem durch überzeugende Klarheit in Form und Inhalt eine bereichernde künstlerischen Perspektive möglich machte.

5. – 29. November 2004: „Suche im Dunkel“ – Anetta Küchler-Mocny. Ihre Charakterportraits zeigte die Münsteraner Kunststudentin in einer verdunkelten Rauminstallation. Nur Ausschnitte der Gemälde waren im kleinen Lichtkegel zu sehen, die das Auge für die Vielschichtigkeit der Farbaufträge wie auch menschlicher Charaktere gerade im Detail schärften. Der Besorgnis, in all der zunehmenden alltäglichen Reizüberflutung der aktuellen und zukünftigen Zeit den Sinn für die Vielfalt im Kleinen zu verlieren, wurde Ausdruck verliehen und entgegengetreten. Auch war das Verhältnis von Kunst und Rezipient Inhalt der Ausstellung.

3. – 19. Dezember 2004: „Umbilicus Pulvisculus“ – Frank Bölter. In seiner Rauminstallation zeigte der münstersche Künstler eine Jahresuntersuchung aus dem Jahr 2000: Ertrag der eigenen Bauchnabelflusen. Anhand dieser produktorientierten Methode karikierte die Ausstellung das westliche Wirtschaftsdenken als das Non-Plus-Ultra, und es wurde der etablierte Unterschied zwischen so genannter „erster“ und „dritter Welt“ (und der Umgang der Industrienationen mit diesem Thema) auf sarkastische Art und Weise kritisiert und diskutiert. Auch die Aufgabe von Kunst hinsichtlich politisch-gesellschaftlicher Problematiken gab Anlass zur Diskussion.

 

Alle Künstler und Künstlerinnen griffen mit und in ihren Arbeiten gesellschaftsrelevante Themen und Problemfelder auf abstrakte wie konkrete Weise auf, zeigten sie als Anlass zur Besorgnis und/oder Option für Neues oder schlicht als Phänomen auf und setzten sich mit gesellschaftlich etablierten Umgangsformen auseinander. In dieser Reflektion schufen sie sich Positionen, indem sie soziale Spannungszustände in ihren Arbeiten aufgriffen und sie als auch in der Zukunft bestehende Aufgaben begriffen. Teils klare Positionierungen im Sinne von deutlicher Kritik an offensichtlichen Missständen waren zu beobachten, konkrete zum Beispiel weltpolitische oder ökonomische Bedrohungen als Themen wurden verarbeitet und boten Anlass, auch die Rolle der Kunst im Verhältnis zu ihren Rezipienten zu verhandeln.

Größere Zusammenhänge bis hin zu philosophischen Fragestellungen nach Ordnungsprinzipien im Welt-Individuum-Verhältnis fanden sich – mehr oder weniger offensichtlich – nahezu in jeder der künstlerischen Arbeiten.

Die ursprünglich geplante öffentliche Diskussion zur kulturpolitischen Zukunftsentwicklung aus Sicht der teilnehmenden KünstlerInnen musste leider ausfallen, da sie aufgrund der kurzfristigen/späten Zusage für die finanzielle Projektunterstützung in angemessener Form nicht mehr organisiert und durchgeführt werden konnte. Stattdessen erscheint die das Projekt abschließende Gesamtdokumentation in einer angemessenen Auflage.

Zudem fand eine Sonderausstellung anlässlich der Langen Nacht der Museen und Galerien in Münster statt:

18. September 2004: „G-Player“ – Jens Brand. Die Installation des ehemaligen münsterschen Kunststudenten bot die technische Möglichkeit,..., welche die Besucher interessiert aufnahmen. Hier zeigte sich die Verknüpfung von Kunst und technischer Zukunftsvision zum aktiven Ausprobieren.

Die Sonderausstellung trug dazu bei, eine höhere Aufmerksamkeit auf das Projekt insgesamt zu lenken und – durch die Erweiterung des Publikumskreises im Rahmen der von den Münsteraner Bürgern und Bürgerinnen positiv angenommenen Langen Museumsnacht – für eine weitere Etablierung der gesamten Reihe in der Öffentlichkeit zu sorgen.

Den gesamten Foyerbereich und auch die durch die breite Fensterfront zur Straße hin offen gehaltene Ausstellungssituation nutzten und verarbeiteten die KünstlerInnen für ihre Ausstellungen, so dass während des Projekts ortsbezogene Arbeiten entstanden, wodurch Passanten wie auch Hauspublikum gleichermaßen angesprochen wurden.

Die stets gut besuchten Ausstellungseröffnungen sowie die regelmäßige Berichterstattung in beiden ortsansässigen Tageszeitungen weisen auf ein allgemeines Interesse und eine öffentliche Akzeptanz des Projekts.

Aufgrund der offenen Struktur unseres Hauses sind keine gesicherten Aussagen über weitere Besucherzahlen möglich. Aber gerade durch diese offene Situation kann davon ausgegangen werden, dass auch Besucher, die üblicherweise keine Kunstevents besuchen, mit den Arbeiten bzw. den KünstlerInnen selbst in Kontakt kamen. Für viele Nutzer des sozialen Beratungsangebots unseres Hauses stellen sich Zukunftsfragen in ganz konkreter Weise, so dass sich ein zusätzlicher inhaltlicher Bezugspunkt zu dem Thema Ausblicke in die Zukunft eröffnete.

Es entstanden zum einen als Printversion eine ausführliche Dokumentationsbroschüre (s. Anlage/wird nachgereicht) und zum anderen eine Internetdokumentation über die Ausstellungsreihe Ausblicke unter:http://www.muenster.org/cuba/haus/cultur/foyerindex/index.html

Insgesamt wird das Ausstellungsprojekt sowohl von unserer Seite aus wie auch von Seiten der KünstlerInnen und des Publikums als Gewinn bringend eingestuft, da sich hier zum einen Begegnungen im soziokulturellen Kontext vollzogen, d.h. sowohl die hier im Hause arbeitenden Menschen als auch zufällige Straßenpassanten und Hausbesucher sowie die KünstlerInnen selbst durch die Arbeiten miteinander in Austausch treten konnten. Zum anderen deswegen, weil der Raum als Experimentierfeld von den jungen KünstlerInnen genutzt wurde, auf positive öffentliche Resonanz stieß und somit im doppelten Sinne als erfolgreicher Beitrag zur Nachwuchsförderung zu werten ist.

 

 

cuba-cultur, Münster - Grenzgänger / Tanz und neue Musik

 

Das Projekt konnte nicht zuletzt Dank der Förderung der LAG – Soziokultureller Zentren  im geplanten Umfang stattfinden. Auch die erlangte Förderung der Kunststiftung NRW wies das grenzüber-schreitende Projekt als Richtungweisend aus.

Zudem waren die drei geförderten Aufführungen noch in ein über NRW hinausgehendes Netzwerk eingebunden. Die Auftritte in Düsseldorf (Museum Kunstpalast) und Saarbrücken (Stadtgalerie) sind eigen finanziert durchgeführt worden.

Es gelang dank der finanziellen Unterstützung und Kooperation der Veranstalter: MeX, Dortmund

Galerie Rachel Haferkamp, Köln, cuba-cultur, Münster in drei neuen Produktionen auf hohen künstlerischem Niveau die Begegnung von Tanz und Neuer Musik zu realisieren:

Lotta Melin & Christina Kubisch – electrical dance improvisation“

Labor G. RAS – The Habit To Create

Iris Sputh & Michael Vorfeld – SCHLAGLICHT

Alle drei Produktionen wurden in Köln, Münster und Dortmund aufgeführt.

 

 

Die Linse, Münster - Das Labor – Raum medialer Vernetzungen

 

Ausgangssituation

Die enormen Umbrüche im Kino waren Ausgangspunkt für die Idee des __labors. Das __labor sollte Gegenkonzept zum Kino sein, als Kontrapunkt die Möglichkeit sich mit Kino produktiv zu reiben, zum anderen, Kino um einen Veranstaltungs- und Ausstellungsraum zu ergänzen.

 

Was ist im __labor geschehen?

Die Programmvielfalt war sehr groß.  Hier chronologisch einige Beispiele:

Installation: Unser Ausland - Die Installation einer Berliner Gruppe zum Thema Migration war ein Rück- und Vorgriff auf Münster-Globale Stadt

FlashKino - Das Internet ist mittlerweile ein großes Forum für Kurzfilme. Die mit dem Programm „Flash“ animierten Filme spielen dabei eine große Rolle und bilden förmlich ein Art Subgenre im Animationsfilmbereich.

Globale Stadt – Café - Im Rahmen unseres soziokulturellen Projektes Münster-Globale Stadt verwandelte sich das __labor in einen Ausstellungsraum und ein Café.

lost & found - Die Gruppe ephemer e.V. kuratierte ein 6-wöchiges Projekt mit verschiedenen Programmpunkten unter der headline „lost and found“. Von der eigenen Performance „Werteladen“ über Ausstellungen gefundener Dinge bis zu Einkaufszettellesung und der Multi-Media-Performance „Filme aus dem Meer“ bot das Programm eine Vielzahl an Gelegenheiten zur Begegnung.

Memory - der Münsteraner Künstler Stefan Us stellte im __labor seine Ausstellung „Memory“ aus.

Raum für politische Veranstaltungen - Ein Aktionsbündnis „Wem gehört der Reis“ zum Thema „Biopiraterie“ stellte im __labor aus und zeigte Filme und veranstaltete Diskussionen.

GeldWert - Im Rahmen von UniArt fand eine Ausstellung zum Thema Geldwert statt.

SILO - NachwuchskünstlerInnen der niederländischen Gruppe SILO aus Enschede stellte Rauminstallationen aus.

Filmpremieren - Neben Premierenfeiern einiger Filme stellte eine Grundschulklasse die Ergebnisse ihrer Trickfilm-Workshops aus.

Buchladen - Die Zeitschrift „draußen!“ nutzte das __labor nach Weihnachten als Buchladen.

 

Diese, nicht vollständige Auflistung zeigt die Bandbreite, in der sich die Nutzung und die Arbeiten im __labor bewegten.

 

Was hat's gebracht?

Die Linse zeigt im Cinema ihre Filmprogramme und -reihen.

Das Labor hat die Arbeit des Vereins mit einem neuen öffentlichen Ort erweitert.

Das Labor hat Raum geboten – (und bietet weiter) für

Filmgespräche und filmbegleitende Ausstellungen

beginnt nun, in 2005 verstärkt den Schwerpunkt Videokunst zu profilieren

neue Formen des digitalen Kinos zu entwickeln

ein Forum für unbekannte und ungewöhnliche Kunst- und Kulturschaffende

 

Finanzen

Dank der Förderung konnte die Linse mit zusätzlichen Eigenmitteln ein Programm in diesem Raum ermöglichen. Neben den in der Tabelle aufgeführten Kosten fielen zusätzlich Büro-, Transport- und Veranstaltungskosten an, die wir hier nicht einzeln aufgeführt haben.
Nach harten und langen internen Diskussionen und Entscheidungsprozessen wird der Verein den Raum dank zweier Sponsoren weiterbetreiben. Die NutzerInnen müssen klar eigene Initiative in ihr Projekt einbringen. In der Regel muss von ihnen neben ihrer Arbeit und ihren Materialkosten zusätzlich auch die Öffentlichkeitsarbeit getragen werden, da der Verein dazu finanziell nicht in der Lage ist.

 

Wie geht's weiter?

Für 2005 haben wir über Sponsoren die Raumkosten finanzieren können. Eine längerfristige Perspektive ist damit leider nicht verbunden. Zu befürchten ist eine Jahr für Jahr neue Suche der Finanzierung, die sich letztlich auch auf die Qualität der Arbeit niederschlagen würde.

Die Koordination, inhaltliche Fokussierung und die technische Betreuung haben sich mittlerweile eingespielt. So könnten wir mit einer längerfristigen Finanzierung der Raumkosten perspektivischer arbeiten.

Die Anschubfinanzierung der LAG Soziokultur hat uns sehr geholfen überhaupt so weit zu kommen und hat unseres Erachtens Münster einen neuen Begegnungsort mit ungewöhnlichen Kunst- und Kulturformen gebracht, die auch dem Stadtteil und der Kommunikation unter den Menschen dient.

 

 

Kreativhaus, Münster - Europäisches Festival für Improvisationstheater, Münster 2004

 

Vom 08. bis 11. Oktober 2004 veranstaltete die Theaterbühne im Kreativ-Haus in Kooperation mit der Improtheatergruppe Ratzfatz.de ein „Europäisches Festival für Improvisationstheater“. Neben der Vorstellung sehr unterschiedlicher Improshow-Formate war die improvisatorische Begegnung auf der Bühne der zentrale Gedanke dieses Festivals. Schauspielerinnen und Schauspieler aus fünf europäischen Ländern ließen gemeinsam Theater entstehen – ohne Proben, ohne Texte – alles entstand live und unmittelbar vor den Augen des Publikums. Dabei ging es um die Freude am Theater, um den Austausch von kreativen Ideen und um einen sportlichen Wettkampf.

Zum Auftakt des Festivals am Freitagabend gab es ein „Theatersportmatch“ zwischen dem Gastgeber Ratzfatz.de aus Münster und dem Schweizer Ensemble Improphil aus Luzern. Die ausverkaufte Show wurde vom Publikum begeistert gefeiert.

Der Samstag begann am Nachmittag mit einem „Festival Café Spezial“: Sechs Münsteraner Improtheatergruppen zeigten im voll besetzten Café des Kreativ-Hauses einen „Freeze-Day-Marathon“: Mitten im Spiel wird die Szene eingefroren, neue Spieler übernehmen die Körperhaltung und setzen das Stück fort.

Der Samstagabend stand im Zeichen des slowenischen Improtheaters. Die international gefeierte Gruppe Teater Narobov aus Ljubljana präsentierte die von Insidern als besondere Herausforderung geschätzte Langform des Improtheaters: Ein vom Publikum ausgewähltes deutsches Gedicht diente den jungen Slowenen als Basis für eine poetisch-tragikomische Improvisation in Englisch.

Der von allen Gruppen ausgetragene Wettstreit um den Titel des „European Maestro“ war in diesem Format eine Münster-Premiere. Die Schauspielerinnen und Schauspieler aus Luzern, Ljubljana, Amsterdam, Wien und Münster spielten, sangen, tanzten allein oder gemeinsam um den begehrten Titel des besten Spielers des Abends.

Am Sonntagnachmittag präsentierte der Niederländer André Bessling, ein international gefragter Lehrer des Improvisationstheaters, die Ergebnisse eines Improtheater-Workshops. Gemeinsam mit erfahrenen Impro-Spielern aus ganz Deutschland hatte Bessling zwei Tage Langformen der Improvisation trainiert und eine neue Langform, die sogenannte Münster-Form entwickelt.

Danach zeigte die Münsteraner Gruppe Impro 005 ihr neues Showformat „Mit dem Traumschiff 005 durch Europa“.

Einen „Impro-Krimi“ präsentierten am Sonntagabend die österreichischen Schauspieler vom U.R. Theater. Die vier Wiener ermittelten in typischer Krimi-Manier im improvisierten Münsteraner Verbrechenssumpf.

Am letzten Tag des Festivals zeigte das niederländisches Ensemble Impromptu, dessen englische und niederländische Schauspieler alle auch Musiker sind, ein „Impro-Musical“, das sein Publikum begeisterte.

Hier einige Pressestimmen zu dem Festival:

„Ehrlich-muffige Westfalen gegen präzise, aber langsame Schweizer. Schreiend komisch.“ (WN 11.10.04)

„Die Zuschauer waren von der Show begeistert – ein gutes Training für die Lachmuskeln.“

(MZ, 13.10.04)

„Ein im wahrsten Sinne des Wortes einmaliges und absolut unterhaltsames Theatererlebnis.“ (MZ 12.10.04)

„Ob Rache-Szene nach Shakespeare auf Slowenisch, Schwanensee als Stummfilm mit turtelnden Schwänen, eine aus dem Publikum eingestreute Verlobungsgeschichte spontan als Musical umgesetzt – das Zusammenspiel der komischen Talente aus ganz Europa funktionierte reibungslos.“ (WN 12.10.04)

Das  „Europäische Festival für Improvisationstheater“ war ein großer Erfolg und fand in der deutschen und europäischen Improtheater-Szene viel Resonanz.

Von sechs Veranstaltungen, die auf der Theaterbühne stattgefunden haben, waren vier restlos ausverkauft, die anderen beiden waren sehr gut besucht. Auch die beiden „Spezials“ im Café, für die kein Eintritt genommen wurde, waren mit jeweils ca. 50 Zuschauern ein schöner Erfolg.

 

 

Lebenshilfe Münster - Theaterprojekt Märchen, Mut und Möglichkeiten

 

Wir über uns - Die Lebenshilfe Münster

Die Lebenshilfe für Menschen mit geistiger Behinderung Ortsvereinigung Münster e.V. wurde 1961 als Eltern-Selbsthilfeorganisation gegründet. Sie zählt heute mehr als 630 Mitglieder. In Zusammenarbeit mit anderen Verbänden und der Stadt Münster ist ein breites Netz von Beratungs- und Hilfeangeboten für Menschen mit geistiger Behinderung und ihre Familien entstanden. Die Lebenshilfe ist sowohl eine professionelle Institution mit hauptamtlichen Fachkräften als auch weiterhin Selbsthilfe-Vereinigung. Zunehmend vertreten auch Menschen mit geistiger Behinderung ihre Interessen selbst. So ist die Lebenshilfe heute Elternvereinigung, Vereinigung von Menschen mit geistiger Behinderung, Fachverband und Einrichtungsträger.

 

Der Freizeitbereich der Lebenshilfe

Einer der Fachdienste der Lebenshilfe Münster e.V. ist der Freizeitbereich. Dort schafft ein Team von haupt-, neben- und ehrenamtlichen MitarbeiterInnen organisatorische Rahmenbedingungen, gibt Impulse und begleitet Kinder, Jugendliche und Erwachsene mit geistiger Behinderung bei der Gestaltung ihrer Freizeit. Der Freizeitbereich umfasst feste und offene Freizeitgruppen, den Sportbereich, musikalisch-tänzerische Auftrittsgruppen, die Ferien und Reiseangebote und den Bereich der kulturellen Bildung, der in Form von Projekten angeboten wird. Die “Probierstube”, das Malprojekt, beschäftigt sich mit der bildenden und das Theater “Wawanko” mit der

darstellenden Kunst. Ganz nach dem Leitgedanken ”Es ist normal, verschieden zu sein”, will die

Lebenshilfe geistig behinderten Menschen in jedem Lebensalter helfen, ein möglichst normales Leben zu führen. Zu diesem selbstbestimmten Leben gehört auch der Anspruch auf kulturelle Bildung.

 

Das “Wawanko-Theater”

Im Mai 2002 wurde das “Wawanko-Theater” unter der Leitung der Dipl. Theaterpädagogin Annette Knuf, als Freizeitangebot der Lebenshilfe gegründet und fand seinen Sitz im TPZ Münster. Im Dezember 2003 feierte es seine erste Premiere mit dem Stück „Ein Bonbon für Neuseeland“ im Theater im Pumpenhaus. Dieses Stück wurde vier Mal aufgeführt und von 600 ZuschauerInnen einhellig gefeiert. Dieses Stück hat deutlich gemacht, dass KünstlerInnen mit

Behinderungen einen ganz besonderen Beitrag zur Kulturszene in Münster leisten können.

Für das neue Projekt „Märchen, Mut und Möglichkeiten“ war vorgesehen, vornehmlich mit DarstellerInnen mit Theatererfahrung zu arbeiten. Des Weiteren hat die Gruppe eine neue Heimat bekommen. Es ist eine Kooperation mit dem Kreativ-Haus Münster geschlossen worden. Ziel ist es, diese Theaterarbeit auf Dauer auch ohne direkte Unterstützung der Lebenshilfe zu ermöglichen, und sie in einem Kunst und Kulturbetrieb zu etablieren. Wir wollen die darstellende Kunst der Menschen mit Behinderungen nicht in karitativen Nischen präsentieren, sondern in der hiesigen Theaterlandschaft ansiedeln.

 

Das Projekt 2004/2005 - Märchen, Mut und Möglichkeiten

Wer kennt sie nicht, die Märchen aus Kindertagen. Als höre diese Zeit nie auf, werden sie häufig in Theatergruppen mit Menschen mit Behinderungen gespielt. Das diese Menschen keine Kinder mehr sind und ihre Lebensrealität keine Märchenhafte ist, soll in diesem integrativen Theaterprojekt mit

theatererfahrenen SpielerInnen mit und ohne Behinderungen thematisiert werden.

Die Proben zum Stück haben im September 2004 mit 14 SchauspielerInnen angefangen. Von den SchauspielerInnen haben die Hälfte eine Behinderung. Damit ist eines der Ziele erreicht, nämlich ein integratives Projekt für Menschen mit und ohne Behinderung zu schaffen.

Die Proben laufen zur Zeit auf Hochtouren. Das Stück nimmt Konturen an, Requisiten und Bühnenbild entstehen, die Sicherheit der SchauspielerInnen auf der Bühne nimmt zu. Da das Stück seine Uraufführung zum April des Jahres 2005 erleben wird, ist der Zwischenstand sehr ermutigend.

 

Zeitplanung

Begonnen hat das Projekt im September 2004 mit einer Zeit der Gruppenfindung, des Kennenlernens und Herantastens an das Thema. Die Premiere ist für den 1. April 2005 geplant. Der Spielort ist die Bühne des Kreativ-Hauses, die 99 Plätze umfaßt. Es sind acht Aufführungen (u.a. Schulaufführungen) vorgesehen. Um diese Arbeit über Münster hinaus zu tragen, ist eine Tournee mit drei Aufführungen in Theatern der Region geplant. Die Termine und Spielorte hierfür stehen noch nicht fest.

 

 

Ohrpilot/ Andreas Tiedemann, Münster - Ohrensessel – Hören ist das bessere Sehen

 

Erfahrung & Perspektive

Hören ist das bessere Sehen. Damit fing die Überlegung an, eine Hörkunstreihe ins Leben zu rufen, die der visuellen Gewalt aus Fernseher und Bildschirm entgegentritt. Ein regelmäßiger Termin, an dem das Publikum dazu eingeladen wird, die Bilder im Kopf entstehen zu lassen, sich nicht von vorgefertigte Visualisierungen berieseln lassen zu müssen. Nach dem ersten Block unserer Reihe sind wir schlauer geworden, können eine Zwischenbilanz ziehen. Es ist gelungen, die Reihe mit einer konstanten künstlerischen Qualität zu etablieren, und das auf einem sehr guten Niveau. Der Wunsch, mit der Reihe auch ein blindes und sehbehindertes Publikum erreichen zu können hingegen ließ sich da schon schwerer umsetzen.

Die Koproduktionsstruktur hat sich nach einigem Unklarheiten in der frühen Planungsphase zu einem stabilen Teamwork entwickelt. Die künstlerische Qualität der ersten “ohrenSessel”-

Veranstaltungen war bemerkenswert hoch. Das ist nicht nur an den durchweg positiven Reaktionen der Presse, sondern besonders auch durch die Reaktionen aus dem Publikum zu erkennen: offensichtlich füllt die Reihe eine Lücke aus, die gerne angenommen wird. Zwar lagen die Besucherzahlen unter unseren Einschätzungen im Vorfeld, doch hat sich herausgestellt, dass dieses kleine Publikum der Reihe treu bleibt. Das lässt sich aus den Rückläufen unserer Rabattkarten (boardingCard) ermessen. All diese Erfahrungen – Erreichtes und Unerreichtes – ermutigen uns, für eine Weiterführung der Hörkunstreihe zu

werben. Bereits jetzt ist es uns gelungen, zwei ursprünglich nicht vorgesehen Veranstaltungen im April und Mai zu organisieren.

 

Koproduktion & Partner

Um einen festen monatlichen Termin festlegen zu können, haben wir uns entschieden, die Reihe im Hot Jazz Club Münster stattfinden zu lassen. Der Hot Jazz Club profiliert sich seit fast 5 Jahren durch eine überdurchschnittlich gute Programmierung von Live Konzerten aus dem Jazz- und AvantgardeBereich. Für eine Hörkunstreihe also ein denkbar gut geeigneter Ort. Beide Koproduzenten (das Theater im Pumpenhaus und der Hot Jazz Club) haben das Projekt in der Hauptsache personell und mit Sachleistungen unterstützt.

Sein Monatsprogramm hat der Hot Jazz Club leider gleich zu Beginn der Hörkunstreihe aus finanziellen Gründen einstellen müssen; der an diese Stelle getretene Monatsflyer bietet leider ausschließlich Raum für eine tabellarische Ankündigung der monatlichen Veranstaltungen. Ein deutlich geminderter

Werbeeffekt. Der Hot Jazz Club hat  die ohrenSessel Reihe regelmäßig auf seiner Website angekündigt und einen Teil der Flyerverteilung übernommen. Auch bei der Pressearbeit war die Zusammenarbeit mit dem Hot Jazz Club eine große Hilfe für das Projekt.

Der Hot Jazz Club hat sich als idealer Spielort für unser Vorhaben erwiesen. Auch wenn es mit großem Aufwand verbunden war, Auf- und Abbauten, Transporte von Bühnenbild und Bühnentechnik zu organisieren, ist der Hot Jazz Club als bekannte Adresse für hochwertige Konzerte eine gute Wahl für “ohrenSessel”.

Das Theater im Pumpenhaus hat die Produktion mit personellen und Sachleistungen unterstützt. Die Produktionen wurden im Spielplan und auf der Website des Pumpenhauses veröffentlicht. Dass die Ankündigungen hier meist eher am Rande stattfanden, hat vermutlich wenig geschadet, da das

Publikum des Pumpenhauses den Weg in den Hot Jazz Club wahrscheinlich ohnehin selten gesucht hätte. Die Produktion hat ebenfalls Unterstützung im bühnentechnischen Bereich bekommen: Lichtanlage, Filter etc.

 

Künstlerisch

Im Frühjahr 2004 haben wir die Entscheidung getroffen, für die Reihe vornehmlich Künstler der lokalen Musik- und Theaterszene zu engagieren. Für viele der Künstler war es eine große Herausforderung, einen Abend zu gestalten, der sich ausschließlich klanglich vermittelt.

Die Herausforderung wurde angenommen: die sieben Todsünden-Abende waren vor allen Dingen durch ihre Diversität und die Unterschiedlichkeit der verschiedenen Ansätze so wertvoll. Das Ziel, Zuhörabende zu gestalten, die Text, Stimme und Musik verschmelzen lassen wurde erreicht.

Hochmut: Robert Michler (Drums, Live Elektronik) und Andreas Ladwig gestalteten den Eröffnungsabend, der sich sehr dezent an die Hörkunst heranschleicht, fast eine Lesung

ist, aber durch den sensiblen Einsatz von gedämpftem Schalgzeug und Live Elektronik einen sehr feinfühligen klanglichen Mehrwert zu Gehör bringt.

 

Neid: Jan Klare (Saxopon) und Christian Fries (Stimme, Klavier) gaben ihrem Abend ein ganz anderes akustisches Gesicht: der klang der menschlichen Stimme und der des Saxophons waren hier in einem ausgeglichenen Dialog. Die Grenzen zwischen Texten (Laotse, Chatprotokolle, Platon

etc.) und Musik verschwammen.

 

Zorn: Pitt Hartmann, Udo Herbst und Bernd Kortenkamp brachten den Zorn auf eine ganz andere Weise in eine akustische Form: eine furiose Dada-Improvisation mit stimmlichen und instrumentalen Wutausbrüchen. Mit Gitarre, Saxophon und “Wachtelrealisator” begeisterten sie das Publikum. Wegen dieses Erfolgs wurde der Abend im Theater im Pumpenhaus wiederholt.

 

Trägheit: Ekkehard Freye (Stimme) und Kai Niggemann (Synthesizer, Thereminvox, Live Elektronik) haben mit ihrem Sündenabend mit einer Collage aus Texten von Lessing, Rilke,

Baudelaire, einem Portrait des Faultiers Ai und einem Soundtrack aus Theremin, Synthesizer und Live Elektronik überzeugt.

 

Geiz: Hier zeigte sich, dass Geiz nicht nur geil, sondern auch lustig sein kann: Redmer rezitierte Charles Dickens’ Weihnachtsgeschichte, las aktuelle Börsenkurse, erzählte Schottenwitze. Zu Hörkunst wurde der Abend durch Buntjers Posaune, die er verfremdete, während des Spiels zerlegte,

jedes Einzelteil zu einem eigenständigen Instrument machte.

 

Völlerei: Lars Evers (Laptop, Stimme) und Cornelius Kabus (Laptop, Stimme) verstanden die Völlerei als etwas sehr zeitgemäßes: die Manie, digitale Informationen aufzusaugen. So war es nur logisch, an diesen Abend in großen Teilen auch das Wort an zwei Laptops abzugeben, die sich durch Text-to-Speech Software unterhielten.

 

Wollust: die Elektronik-Formation Resonator verzichtete gänzlich auf Sprecher, und baute ihren Wollust-Abend auf Texte auf, die in einer großen Aktion vom Publikum auf einen eigens eingerichteten Anrufbeantworter gesprochen wurden. Eine teils amüsante, teils befremdliche Reise des Publikums

durch die eigene wollüstige Phantasie.

 

Blinde

Obschon wir die Reihe ausdrücklich auch für Blinde zugänglich gemacht haben, blieb der Zuspruch des blinden Publikums weitgehend aus. Nur bei wenigen Vorstellungen haben wir diese Zielgruppe erreichen können.

 

Folgende Maßnahmen haben wir ergriffen:

Sowohl die Mitarbeiter von Ohrpilot als auch die des Hot Jazz Club wurden bei jeder Veranstaltung darauf aufmerksam gemacht, dass die Vorstellung auch Blinde und sehbehinderte

anspricht, und gebeten hier besonders aufmerksam undbehilflich zu sein (Wege im Veranstaltungsort etc.). In Zusammenarbeit mit einem Taxi-Dienst wurde ein Sammeltaxi-Service eingerichtet, um die Anfahrt und den Heimweg für Blinde und Sehbehinderte problemlos organisieren zu können.

 

Unsere Website ist direkt ab der Eingangsseite als blindengerechte Version aufrufbar. Hier ist das komplette ohrenSessel-Programm mit allen Hintergrundinformationen und alle Informationen zu Reservierung und den Sammeltaxi-Service aufrufbar.

In jeder Presseankündigung wird die lokale Presse darüber informiert, dass wir die Veranstaltungen blindengerecht organisiert haben. Auch Informationen über das Sammeltaxi kommunizieren wir über diesen Weg. Es sind Radiotrailer (10” und 20”) produziert worden, die bei unserem Medienpartner, dem Bürgerfunk gelaufen sind. Über diesen Weg hatten wir gehofft, die Blinden erreichen zu können, nachdem die fest verabredete Zusammenarbeit mit der Blindenhörbücherei nicht zustande kam. Die langfristig vereinbarte Zusammenarbeit mit der Westdeutschen Blindenhörbücherei hat de facto nicht

stattgefunden. Geplant war, dass die Blindenhörbücherei zwar nicht finanziell sich aber doch besonders im Bereich der Öffentlichkeitsarbeit für das Projekt engagiert. Es war mit langem Vorlauf vereinbart, dass die Blindenhörbücherei Ankündigungen direkt an ihren eigenen Verteiler schickt, und so das blinde Publikum direkt erreicht. Im Vorlauf der ersten Veranstaltung wurde uns dann mitgeteilt, dass es keinen Sinn habe, Ankündigungen an den Postverteiler zu schicken, da Blinde in der Regel nicht zu öffentlichen Veranstaltungen gehen. Aus diesem Grunde wolle man das also auch gar nicht erst ankündigen. Für uns ein großes Problem, denn auf genau diesen Kanal hatten wir vertraut. Wie sollen sich Blinde dafür

entscheiden können, (möglicherweise entgegen ihren Gewohnheiten) das Haus zu verlassen, wenn sie nicht einmal wissen, das es dieses Angebot gibt? In Gesprächen mit Rainer Benz (enger Mitarbeiter des

Beauftragten der Bundesregierung für die Belange Behinderter) war uns die Problematik klar geworden, dass es schwierig werden würde, Blinde und Sehbehinderte dazu zu bewegen, ihren gewohnten Alltag zu verlassen und sich auf unbekanntes Terrain zu begeben. Der Bundesbeauftragte verfolgt mit seinen eigenen Veranstaltungen die Strategie, Veranstaltungen nicht explizit auf Behinderte auszurichten,

sondern sie ausdrücklich auch für Behinderte zu öffnen, und schafft somit auch Begegnungsmöglichkeiten, wirkt Ausgrenzung entgegen. Eben diese Strategie haben wir auch angestrebt, nur zeigte nach dem Ausscheiden der Blindenhörbücherei aus unserem Koproduktionskontext, dass die geplante Öffnung des Programms in Gefahr geraten würde, weil wir Blinde und Sehbehinderte mit unserer Öffentlichkeitsarbeit nicht erreichen konnten. In gewisser Weise ein Teufelskreis, denn mit konventionellen Werbemaßnahmen erreicht man dieses Publikum nicht: Flyer und Einladungskarten, Verteilungen in der Innenstadt erreichen das blinde Publikum nicht. Während die Veranstaltungreihe lief, ist es uns nicht gelungen, eine andere Strategie aufzubauen, um Blinde gezielt

ansprechen zu können, da wir mit der Durchführung der monatlichen Veranstaltung ausgelastet waren Dennoch sind wir davon überzeugt, dass die Reihe sich besonders für diese Zielgruppe eignet. Wir planen eine Fortsetzung der Reihe ab Herbst und suchen nun neue Wege, Blinde erreichen zu können. Dieses Ziel der Reihe wurde bisher nicht erreicht, aber wir halten weiterhin daran fest.

 

Fazit & Ausblick

Die monatliche Hörkunstreihe ohrenSessel (gefördert vom Kulturamt der Stadt Münster, der LAG Soziokultur und dem Fonds Soziokultur) hat mit sieben Veranstaltungen über die Todsünden begonnen.

Der Versuch von Ohrpilot, Schauspieler und Musiker aus  Münster zu ermutigen, Klangkunstabende zu gestalten, war künstlerisch sehr erfolgreich: die sieben Todsünden als übergreifender thematischer Faden wurden mit sehr unterschiedlichen Herangehensweisen umgesetzt. Diese

Vielfalt im klanglichen und akustischen Ausdruck reichte von Lesung mit Musik bis zu gewagten Soundcollagen und dadaistischen Klangimprovisationen. Wir glauben mit dieser Reihe, die sich inzwischen zu einer kleinen festen Größe entwickelt hat, eine Lücke zu schließen und einen Beitrag zur

Klangkunst in Münster zu leisten. ohrenSessel will eine Höroase sein. Wir wollen der Zuhörkultur eine Plattform schaffen, die offen ist für Experimente: Ungehörtes und Unerhörtes soll hier stattfinden, dargeboten von Machern mit unterschiedlichsten Hintergründen. Sprecher, Schriftsteller, kleine Bands und Einzelmusiker treffen aufeinander und erarbeiten Abende aus Text, Musik, Geräusch. Grundsätzlich

steht ein musikalisch-literarisches Hören im Vordergrund. Wichtig ist uns, eine Kontinuität zu erreichen und damit eine Höroase für Münster zu schaffen, die spartenübergreifend Künstler aus hörorientierten Genres verbindet. Wir wünschen uns ein hörfreudiges, aber nicht zwangsläufig sehendes Publikum. ohrenSessel versteht sich als Podium für Künstler und Zuhörer, als offene Zuhör-Werkstatt. Ein angenehme, intime Atmosphäre unterstreicht den Podiumscharakter und das öffentliche und offene Konzept. ohrenSessel findet monatlich im HotJazz Club statt. Für eine Weiterführung erscheint es uns wichtig, nach den erfolgreichen sieben Todsünden keine Lücke in der Kontinuität der Reihe entstehen zu lassen. Wir wollen vermeiden, dass die Reihe vom Publikum als einmaliger Veranstaltungsblock über die Todsünden wahrgenommen wird, sondern als Hörkunstreihe. Um dies zu unterstreichen haben wir uns entschlossen, im April und Mai weitere Veranstaltungen durchzuführen und dann in den Sommermonaten zu pausieren. Die Reihe soll dann im Herbst wieder aufgenommen werden. In den nächsten Wochen werden wir uns verstärkt um die Finanzierung der ohrenSessel-Veranstaltungen im Herbst

2005 kümmern. Unser Ziel ist es, die Reihe in den Monaten Oktober/November/Dezember 2005 ohne öffentliche Zuschüsse finanzieren, bevor mit Beginn des Jahres 2005 wieder eine öffentliche Förderung möglich ist.

 

Finanzen

Die Zuschauerzahlen blieben hinter den Einschätzungen in unserem Finanzplan. Es ist uns aber gelungen, diese Fehlbeträge durch geringere Ausgaben auszugleichen.

 

 

Stephan US, Münster - Projekt ZERO 2004

 

Die „Demonstration für Nichts“ war der Auftakt des Projekt ZERO. Am 10. Juli trafen sich über 50 Menschen um für das Nichts zu demonstrieren. Mit weißen leeren Plakaten, Transparenten, Fahnen und Flugblättern zog die Demonstration durch Münsters Innenstadt und irritierte die Münsteraner Bevölkerung. Schon im Vorfeld der Organisation der Demonstration für Nichts war die Irritation groß.

Die örtliche Polizeibehörde Münsters beriet sich zwei Tage mit ihrer Rechtsabteilung darüber, ob sie die Demonstration bewilligen kann. Sie lehnte die Bewilligung mit der Begründung ab, es werde bei der Demonstration nichts mitgeteilt , wodurch das Demonstrationsrecht ausgehöhlt werde. Bei meiner persönlichen Vorsprache entstand ein absurd philosophisches Gespräch mit den zuständigen Beamten über das Nichts, was jedoch nichts an der ablehnenden Haltung änderte. Ich beantragte daher telefonisch beim Ordnungsamt einen Umzug, was zunächst formlos bewilligt wurde. Weitergehend in den Instanzen des Ordnungsamtes führte der Antrag jedoch wiederum zu lebhaften Diskussionen und Auseinandersetzungen innerhalb der Behörde und schließlich mit mir. Nach etlichen Gesprächen wurde der Antrag auf Bewilligung eines Umzuges mit dem Titel “Demonstration für Nichts“ dann doch genehmigt.

Diese lebhafte Auseinandersetzung im Vorfeld setzte sich während der Demonstration fort. Die weißen leeren Flächen der Plakate waren gleich einer Projektionsfläche für die zufälligen Betrachter. Demnach waren die Reaktionen und Erklärungen entsprechend vielfältig:

„Is that for silence?“, „Das ist ein Volkshochschulkurs, die üben Demonstrieren!“, „Seid ihr gegen Schwarze?“, „Ich bin kein Mitläufer. Auch für nichts laufe ich nicht mit.“, „Für alles und Nichts“

„Die sind für weiß“, „Wir gucken mal hinten. Da steht bestimmt drauf, wofür das ist.“, „Das ist zum Ausmalen.“, „Ist das die weiße Partei?“, „Nimm´ mal dein weißes Schild mit und demonstriere hier mit!“ (Agenda 2010 Demonstrant)

Die nächste Aktion fand im August/September 2004 an drei Tagen statt. „Ich schreibe Nichts“ war eine minimale Aktion im öffentlichen Raum. Bestückt mit einer Schale Wasser und einem Japanpinsel schrieb ich an verschiedenen Orten in Münster immer wiederholend das Wort „Nichts“ mit Wasser auf dem Straßenpflaster bzw. Bürgersteig. Die Menschen blieben vor dem verdunstenden „Nichts“ stehen, sprangen über das Nichts, machten einen großen Bogen um das Nichts, assoziierten über Bedeutung von Nichts, stellten Fragen über Sinn und Zweck der Aktion. Diese Aktionen dauerten jeweils zwei Stunden.

Vom 30. November bis 6. Dezember 2004 fand „eine Woche Nichts“ an verschiedenen Orten in Münster statt. Herausheben möchte ich die Aktion „Kaufen Sie Nichts!“.

Der Münsteraner Wochenmarkt auf dem Domplatz liegt damals wie heute mitten in der „Machtzentrale“ Münsters. Der Dom als religiöse Macht, das Rathaus und die Bezirksregierung als politische Macht, eine Privatbank als wirtschaftliche Macht und Universität wie Landesmuseum als kulturelle Macht umringen den wöchentlichen Handel mit internationalen Produkten. Es ist alles was den Gaumen und die Sinne erfreut im Überfluss zu bekommen, die globalisierte Warenwelt.
Mitten in diesem Überfluss, in dieser Machtzentrale habe ich das bescheidene aber ebenso internationale Nichts in seinen Erscheinungsformen verkauft, mit dem Kunden über diese „Ware“ geredet, gefeilscht und gehandelt. Und ich wollte natürlich Gewinn machen.

Von der momentanen politischen und wirtschaftlichen Lage, der Kaufzurückhaltung des Kunden („Die Kunden kaufen nichts!“ - Zitat eines Einzelhändlers auf dem Markt), des vorweihnachtlichen Konsums und der Besinnung bis zu den geistig und religiösen Sphären des Nichts: „Kaufen Sie Nichts“ – der neue Marktstand brachte es auf den Tisch. Es wurde gefeilscht und gehandelt, verkauft, aber vor allem viel über den Wert des Nichts diskutiert und geredet. 

Jeder konnte Nichts kaufen oder aber nichts kaufen, doch jeder nahm etwas mit nach Hause: ein Teil vom Nichts.

 

Fazit

Die Resonanz der Öffentlichkeit und Presse war vielfältig und bunt (siehe Presseartikel). Sie hatte die Spannbreite von Provokation, humorvoller Kenntnisnahme bis ernsthaften Gesprächen. In diesen Gesprächen wurde deutlich, wie unterschiedlich und subjektiv dieser Wert des Nichts wahrgenommen wird. Dabei stieß die Möglichkeit der Teilnahme an dem ganzen Projekt durch das Archiv des Nichts auf große Resonanz. Leider kam nur die Förderung der Aktionen und Performances für 2004 zustande, so dass ich das Archiv des Nichts nur mit bescheidenen Mitteln in kleiner begrenzter Form in Münster ins Leben rufen konnte, quasi als erste Versuchsanordnung. Aber selbst dadurch kam schon eine Fülle ans Tageslicht:

rund 70 Büchertipps mit Texten zum Nichts, der Stille, der Leere von „Alice im Wunderland“ und Michael Ende über Böll und Tucholsky bis zu wissenschaftlichen Büchern wie „Die Entdeckung des Nichts“ von Henning Genz, Leere und Fülle im Universum oder „Die Geschichte der Null“ von Robert Kaplan

Akustische Beiträge von John Cage bis Loriot

17 Mails mit persönlichen Gedanken zum Nichts

3 Kataloge von Künstlern die zum Nichts, zur Null etc. gearbeitet haben

Briefe mit kleinen Arbeiten, Gedichten und Geschichten  zum Nichts wie zum Beispiel die Gründung der Nix-Partei

Infos zu Aktionen wie der Non-buying-day von attac

Diese Resonanz für so wenig Input bestätigte meine Arbeit noch mal mehr, so dass ich für 2005 meine Arbeit zum Projekt ZERO auf das Archiv des Nichts konzentrieren möchte.

 

 

 

Triptychon/Morgen Frieler, Münster - das C:Projekt

 

Seit dem 7. November 2003 steht auf dem Gelände am Hawerkamp (52 grad West) ein Überseecontainer. Dieser öffentlich sichtbare Raum ist die Basis, der erste Baustein, das erste Modul für das C.Projekt.

Das C.Projekt soll als soziokulturelle Erweiterung auf diesem Gelände entwickelt werden, dann jedoch auch als mobiles Modul auf Reisen gehen. Der Container als kompatibler, multifunktionaler Baustein soll  künstlerische Inhalte / kulturelle Aktivitäten aus den Bereichen Kunst, Medien, Musik und Performance in sich beheimaten, über alle Grenzen transportieren, dort immer wieder durch temporäre künstlerische Arbeiten neu gefüllt werden und aus verschiedenen Ländern zusammentragen. Der Drang nach Mobilität und die Flucht in ephemere Zustände sollen im C. Projekt manifestiert und dokumentiert werden.

Am 27. Februar startete  das C.Projekt im Rahmen des „Photoanschlags“ mit einer Installation von Robin Conan Shields (UK), Rikke Korswagen (NL) und Jeffrey Tzu Kwan Valino Koh (CAN).

Darauf folgend wurden Performances von dem Performancekünstler Stephan US und dem Klangperformanceduo Staht realisiert. Vom 21.-25. April ging der Container zum European-Media-Art-Festival „transmitter“ nach Osnabrück. Dort wurden Performances, Installationen und Videos gezeigt. Im Mai 2004 wurde eine Installation von dem Münsteraner Künstler Michael Göring und eine Performance der Künstlerin Fairy von Lilienthal im Container realisiert.

Im Sommer ging der Container zum AKI Ausstellungsrundgang und wurde dort als Aktionsraum von Studenten der AKI Enschede genutzt. Im Anschluss wanderte der Container nach Warendorf und wurde dort als öffentlicher Ausstellungsraum genutzt.

 

 

Theater am Schlachthof Neuß - Jugendensemble „Der Club der toten Dichter“

 

Inhalt des Projektes war die Fortführung der Jugendarbeit im Barbaraviertel und Rheinparkcenter mit einem Jugendensembles mit dem Stück "Club der toten Dichter".

Schule ist, wie die Gewalttaten der letzten Zeit zeigen (Schulmassaker in Littleton und Erfurt, rechtsradikale Ausschreitungen, Gewalt und Erpressungen unter Schülern), ein Ort an dem Gewalt ausbrechen kann.

Der Film "Der Club der toten Dichter" schildert eindrucksvoll das Leben an einer Schule und zeigt, wie ein Lehrer seine Schüler zum eigenständigen Handeln und Denken mit Hilfe von Gedichten und Theater anregt. Für einen der Schüler endet die Befreiung aber schließlich mit dem Tod. Dieser Filmstoff wurde von einem Autor in eine dramatische Bühnenfassung gebracht und in die heutige Zeit mit ihren Problemen verlegt. Die Lehrer wurden von erfahrenen Schauspielern des TaS dargestellt werde.

Für die Schüler wurde ein aufwendiges Casting ins Leben gerufen. Aufgrund von Aufrufen an Schulen und in der Presse kamen ca. 50 Jugendliche. Wir wählten die 15 besten Jugendlichen aus und besetzten so fast jede Rolle doppelt, um möglichst vielen die Gelegenheit zu geben an diesem Projekt teilzunehmen. Durch diese Arbeit wurden die Jugendlichen an das Theater heran geführt und bekamen dadurch eine Form der Freizeitgestaltung aufgezeigt und kamen dadurch auch zu mehr Selbstbewußtsein. In den angebotenen Workshops und während der Proben konnten Erfahrungen mit Gewalt an Schulen ausgetauscht werden. Gemeinsam wurden Lösungs- und Vermeidungsstrategien erarbeitet.

Wie man den Presseartiklen entnehmen kann, wurde die Inszenierung zu einer der erfolgreichsten Produktionen des Theaters am Schlachthof. Vor allem Schulklassen waren häufige Besucher dieser Vorstellungen. Außerdem bekamen wir vile Anfragen von Schulen, die dieses Stück mit ihrer Theater-AG aufführen wollen und sich nach unseren Erfahrungen erkundigten. So konnten wir auch Hilfestellungen für neue Produktionen dieses Soffs sorgen.

 

 

Theater am Schlachthof Neuß - Die grünen Bilder

           

Durch Plakate und Aufrufe an Schulen fanden wir zwanzig Jugendliche aus dem Neusser Barbaraviertel, die an der Entstehung des Theaterstücks „Birdy“ und an der Ausstellung „Die grünen Bilder“ mitarbeiten wollten.

Das Stück Birdy versucht die Auswirkungen und die Umgehensweise mit Menschen, die Kriegsgeschehen unmittelbar erlebt haben (in diesem Fall als Soldaten) darzustellen.

Dabei erleidet die Hauptfigur (AL) starke äußerliche Verletzungen, der Freund Birdy ein seelisches Trauma.

Wohl kein anderer Stoff schildert so intensiv wie und warum sich ein Mensch in sich selbst zurück zieht und keinen Weg mehr heraus findet.

Dabei spielt gerade der Gegensatz zwischen erlebtem Trauma und dem Vorstadtleben mit seinen Höhen und Tiefen eine entscheidende Rolle.

Diese Vorlage behandelt typische Problemlagen von Jugendlichen:

Selbstfindung – Pubertät - Erste Liebe - Konflikte mit den Eltern - Wehrdienst / Kriegsteilnahme

Das Stück wurde im Rahmen der Probenarbeit in Zusammenarbeit mit den Jugendlichen aktualisiert und in den konkreten Vorort Barbaraviertel in Neuss als Schauplatz verlegt. Eigene Erfahrungen der Jugendlichen wurden eingebracht , denn gerade die männlichen Jugendlichen befinden sich in einem Alter, in dem Sie für sich entscheiden müssen, ob Sie zur Bundeswehr gehen möchten und dann vielleicht irgendwann Kriegshandlungen erleben werden.

So wurde den Jugendlichen einerseits die Welt des Theaters näher gebracht und zum anderenkam es zu interessanten Gesprächen über die  Problematik Krieg und seine Auswirkungen auf den Einzelnen.

Während der Probenarbeit konnten die Jugendlichen an den einzelnen Proben teilnehmen und vor allem beim Bau des Bühnenbildes, dem Entwurf und der Herstellung der Kostüme und der Requisiten mitwirken. Während der Aufführungszeit konnten die Jugendlichen sowohl bei der Maske als auch bei der Bereitstellung der Requisiten und des Bühnenbildes mitarbeiten. Da es sich um ein Jugendstück handelt, werden verstärkt Schulklassen zu den Aufführungen eingeladen. Nach den Veranstaltungen kam es immer wieder zu Gesprächsrunden mit den Klassen und den beteiligten Jugendlichen und Schauspielern.

 

Im Rahmen der Ausstellung „Die grünen Bilder“ wurden begleitend zu den Aufführungen selbstgestellte Gewaltszenen der Jugendlichen mit Hilfe eines Video-Beamers groß, aber unscharf mit Grünfilter im Foyer des Theaters projiziert, um den Unterschied zwischen Realität und Fiktion deutlich zu machen.

Außerdem wurden gefilmte reale Totalen bzw. Szenen (z.B. aus dem Einkaufscenter Rheinparkcenter) mit Grünfilter auf einem Fernseher im Foyer dauergesendet. Belanglosigkeiten des Alltäglichen sollten so dargestellt/vermittelt werden..

 

Mit Hilfe eines Fotografen wurden Fotos von Jugendlichen (Alltäglichkeiten und emotionale Großaufnahmen) mit grünem Filter aufgenommen und so zu einer Fotoausstellung zusammengestellt und begleitend zu den Aufführungen von „Birdy“ im Foyer ausgestellt.

 

 

Theater am Schlachthof Neuß - Als erstes stirbt das Mitgefühl

 

Vorbereitung:

Im Februar 2004 begannen die Vorbereitungen für das Projekt „Als erstes stirbt das Mitgefühl“. So wurden das Bühnenbild und die Kostüme für die Produktion „Stones“ geplant, gebaut und ausgesucht. Für das Bühnenbild wurde entschieden, dass die Brückensituation durch eine, die gesamte Bühnenbreite verschließende, Leiterkonstruktion hergestellt werden sollte. Da die Schauspieler sowohl die Jugendlichen Steinewerfer, als auch die beiden ermittelnden Polizisten darstellen sollten, wurden verschiedene Kostüme ausgesucht, die einen schnellen Kostümumzug auf der Bühne ermöglichen sollten, um somit einen schnellen Wechsel der Rollen zu verdeutlichen.

Die Proben wurden neben dem Regisseur und dem Theaterpädagogen ebenfalls von einer Bewegungstrainerin begleitet, um neben dem Theaterstück auch einige Gewaltszenen zu erarbeiten, die im Deeskalationstraining eingesetzt werden konnten.

Aufgrund unserer Anschreiben an Schulen fanden sich zwei interessierte Klassen, die dieses Projekt zu ihrem Unterrichtsinhalt machten. Sie begleiteten einige Proben zur Produktion „Stones“, nahmen an einem Nachmittag am so genannten Play-Day teil und luden das Team zum Deeskalationstraining in Ihre Schule ein.

 

Theaterstück „Stones“:

Wie man an den Pressekritiken sehen kann, waren die Premiere und die Folgevorstellungen ein voller Erfolg. Künstlerisch war diese Produktion eine große Weiterentwicklung der Theaterarbeit des Hauses. Da dieses Stück nur für zwei Schauspieler konzipiert ist, konnte besonders intensiv gearbeitet werden.

Es handelt vom Kampf zweier Jugendlicher gegen die Langeweile des Alltags und endet auf einer Autobahnbrücke. „Ganz zufällig“ haben die beiden Steine im Gepäck, mit denen sie vorbeifahrende Autos bewerfen. Ein Stein durchschlägt die Windschutzscheibe eines Fahrzeugs, der Fahrer stirbt, die Jungen fliehen. Sie werden verhaftet und vor Gericht gestellt. Übrig bleiben Fragen: Was soll mit den beiden geschehen? In welchem Maß sind sie verantwortlich? Und welche Strafe ist angemessen? Wo sind die Ursachen für solch sinnlose Gewalt?

Das Stück basiert auf Ereignissen, die sich 1994 in der Nähe von Melbourne ereigneten, aber auch in Deutschland immer wieder geschehen.

 

Play-Day:

In Zusammenarbeit mit einigen Betreuern fand an einem Nachmittag der Play-Day im Theater am Schlachthof statt. Wir bauten verschiedene Spielekonsolen auf, die teilweise mit einem Video-Beamer auf eine Leinwand übertragen wurden. Die Schüler spielten verschiedene Turniere mit Sportspielen. Aufgrund von verschiedenen Gesprächen mit den Betreuern wurde jedoch klar, dass jeder bereits Erfahrung mit Gewaltspielen hatte. Es ergaben sich viele Diskussionen über die Form der dargestellten Gewalt in Videospielen.

 

Deeskalationstraining:

Für das Deeskalationstraining fuhren die zwei Schauspieler, die Übungsleiterin und eine Betreuerin in die Schulen der beteiligten Jugendlichen. Dort wurden von den Schauspielern verschiedenen Gewaltszenen angespielt, die dann mit Hilfe der Jugendlichen zu einem ende gebracht wurden, welches entweder aus der Erfahrungswelt der Jugendlichen kam oder der Wunschvorstellung von Gewaltlösung entsprach. Aufgrund dieser Szenen kam es zu sehr angeregten Diskussionen über das Thema Gewalt, Gewaltlösung und Gewaltvermeidung.

 

 

Druckluft Oberhausen - das war vor Jahren – 25 Jahre Druckluft

 

Geschichte:

Hervorgegangen aus einer Jugendinitiative betreibt der Verein Druckluft eV. seit mittlerweile 25 Jahren Jugend- und Kulturarbeit in Oberhausen. 40 junge Menschen, die dem Druck von Eltern, Schule und Betrieb Luft machen wollten, trafen sich seit Ende 1979 um ihre Freizeitinteressen selbst in die Hand zu nehmen. Anfang 1980 begannen sie, sich für ein selbstverwaltetes Jugendzentrum einzusetzen, in dem es möglich sein sollte Druck abzulassen, aber auch Gegendruck aufzubauen.

Durch öffentliche Forderungen und Verhandlungen mit der Stadt OB erreichten sie im Oktober 1980 ihr Ziel:

die Stadt Oberhausen überließ dem mittlerweile gegründeten Verein Druckluft eV:, das ehemalige von Babcock genutzte Gelände am Förderturm 27 zwecks Nutzung des Hauses zur Jugendarbeit. Das Gebäude war jedoch in einem überaus schlecht erhaltenem Zustand und so waren die folgenden Jahre geprägt durch

Um und Ausbaumaßnahmen. Mit Engagement, Muskelkraft und viel Enthusiasmus, aber wenig finanziellen

Mitteln, wurde dieses Haus zum Jugend- und Kulturzentrum.

Parallel zum Umbau entwickelten sich die Grundpfeiler des inhaltlichen Konzeptes, nämlich:

Jugendlichen Infrastruktur anbieten, deren Eigenverantwortung unterstützen und ihre inhaltliche Mitgestaltung

fördern.

 

Das Programm:

Mo. 22.11. 20h Live Piano Session

Di.   23.11. 20h Anarchists teapott Special Alle DJ~s und mehr

Mi.  24.11. 20h Konzert: Kultur Shock (USA) & BLACK ASH (Bochum)

Do.  25.11. 20h FilmSpecial—DaswarvorJahren Ausgesuchtes Filmmaterial aus dem Jahre 1979

Fr. 26.11. 21 h Beat Boutique präsentiert: Mojo Club the original jazz rockers feat“die optische bank“

MOJO CLUB - DANCEFLOOR JAZZ PARTY

Sa. 27.11. ab 16 Uhr 25 Jahre Druckluft Die große Party

Haus:        17.00h offizieller Empfang: (Sekt/Häppchen)

Reden:       Bürgermeisterin EIia Albrecht-Mainz, Rainer Kascha (PJW-NRW), Druckluft-Vorstand, Druckluft-

Leitung

Programm:          Die Kulturtechniker Collage Druckluft 25 Jahre

19.30        Präsentation Druckluft-Film (Presseclub des Jugendamtes)

20.00        Frauentheater Druckluft

20.30        Druckluftcombo

22.00        Feuershow Plan B

22.00        Rockcafe mit Thilo und Christian

01.00        Disco mit Jörg und Reiner

Ab 22Uhr mit Missing Link, Trico Parsa, NE!N, Die übliche Zusammenkunft

Ab 2OUhr Filmprogramm —25 Jahre Druckluft, 15 Jahre Druckluft Film, Sonstiges Material, Videoclips

 

Jubiläumsveranstaltung 27.11.

Schwerpunkt des Projektes war die große Jubiläumsveranstaltung am 27.11.04, auf der neben des offiziellen Empfanges mit Vertretern aus Politik und Verwaltung vor allem ein Programm realisiert wurde, welches zum einen die geschichtlichen Hintergründe der Entstehung Druckluft künstlerisch vermittelte, zum anderen ein Querschnitt der jetzigen Aktivitäten und Gruppen des Hauses präsentierte. Diese Melange spiegelte sich so nicht nur in der außerordentlich großen Anzahl von ca. 600 BesucherInnen, sondern auch in der Mischung des Publikums (Altersstruktur und Szenen) wieder.

 

25 Jahre Druckluft Eine Collage mit den Kulturtechnikern

Künstlerischer Höhepunkt des Programms war die Collage der Kulturtechniker (Als CD Anlage), welche Zeitdokumente aus der Entstehungsphase wie Flugblätter, Zeitungsartikel, Druckluftlieder, Protokoll- und Briefauszüge künstlerisch verarbeitete.

DIE KULTURTECHNIKER entwickeln eine neue Form der musikalisch-literarischen Performance, ein elektronisches Lesekonzert, dass im Spannungsfeld zwischen Live-Hörspiel und Musiktheater angesiedelt ist. Sowohl die rezitierende Stimme als auch das Violoncello werden elektronisch verstärkt und durch Live Elektronik klanglich modifiziert. Samples und vorproduzierte Umweltgeräusche ergänzen die Darbietung. Das musikalische Spektrum der Kompositionen und Improvisationen reicht von New Jazz und Kammermusik bis hin zu groove-betonten Passagen.

 

Druckluftcombo

Fast rührend war der Auftritt der Druckluftcombo aus ehemaligen Gründern und Mitarbeitern der Druckluftinitiative. Nach mehr als über 2ojähriger Bühnenabstinenz präsentierte diese Band ihr Programm aus größtenteils politisch motivierten Liedern, das nicht nur den Zeitgeist der Gründungsphase, sondern auch die eigene Motivation an der damaligen Beteiligung an gesellschaftlichen Prozessen widerspiegelt.

 

 

Präsentation des Filmes des Presseclubs (Video 18 Minuten) Anlage

Der Presseklub, ist ein Angebot für Jugendlicne die sich tnemenoezogen intensiv mit den verschiedensten neuen Medien auseinander setzen wollen. In der Zeit von Juni bis September haben jugendliche Mitglieder des Presseclubs an einem Film über die Entstehungsphase der Initiative Druckluft gearbeitet. Dieser Film wurde ebenfalls am 27.11. präsentiert.

,,Vor allem auf die abenteuerlichen Gründertage des selbstverwalteten Jugendzentrums richtet der Film sein Augenmerk. So war nicht nur die Suche nach einem Gebäude ein schwieriges Unterfangen. Auch die ersten Jahre, die geprägt waren von renovierungsarbeiten der runtergekommenden Immobilie, waren schwierig. Gab es Unterstützung? Ja, der damalige Jugenddezernent war mit dabei und hat tatkräftig mitgeholfen das Zentrum aufzubauen.‘ (aus der Mitteilung des Presseclubs)

 

Sonstige Anmerkungen zum Sachbericht:

Das Projekt des Jugend- und Kulturzentrums Druckluft ,,Das war vor Jahren 25 Jahre Jugend- und Kulturzentrum Druckluft“ fand planmäßig in der Zeit vom 22. bis zum 27.November 2004 statt. Zum Zwecke der Vorbereitung des Projekt wurden bereits im Januar 2004 Gründungsmitglieder und ehemalige Mitarbeiterinnen von Druckluft angeschrieben und zu mehreren Vorbereitungstreffen eingeladen. Neben der Schwerpunktsetzung der Festaktivität am 27.11.2004 wurde sich dort intensiv mit der Realisierung des Buchprojektes auseinandergesetzt.

 

Stichpunkte zum Buchprojekt:Ursprung/Geschichte/Phasen/Entwicklungen

Auch Präsentation des aktuellen Standes 1 Gruppen im Haus + Perspektiven und Positionierungen

Form:   Collage aus Chronologie, Zeitungsartikeln, Photos, Programmhefte, Flyer, Interviews,

Zeitzeugenberichten, Erinnerungen (unterschiedliche Sichtweisen), Momentaufnahmen, Außenerscheinung

Heterogene Darstellung (Vielfalt des Hauses) aus unterschiedlichen Blickwinkeln

(Arbeit/Freizeit/Bildung/Kultur)

Das ursprüngliche Vorhaben während der Festaktivitäten dieses Buch präsentieren zu können, wurde jedoch im Frühjahr wegen des Umfanges als nicht realisierbar betrachtet und aus den Vorbereitungen des Projektes ausgegliedert. So wurde an einer Konzeption der Finanzierung unabhängig der Förderung innerhalb des Projektes gearbeitet. Mit der Realisierung ist jedoch nicht vor Ende 2005 zu rechnen.

 

Selbstdarstellung und Logoentwicklung

Das 25 jährige Bestehen von Druckluft und das damit verbundene öffentliche Interesse, sollte auch genutzt werden, um die Selbstdarstellung zu überarbeiten und während der Jubiläumswoche präsentieren zu können. In diesem Sinne wurde nicht nur die Selbstdarstellungsbroschüre neu erarbeitet, sondern auch mit Hilfe einer professionellen Werbeagentur der gesamte öffentliche Auftritt von Druckluft neu konzipiert. Diese Arbeit an dem Corperate Identity wurde im Zusammenhang mit dem Jubiläum von der Werbeagentur kostenlos realisiert.

 

Weitere Veränderungen zur ursprünglichen Planung haben sich ergeben da:

1. Der Film (25 Jahre Druckluft) ehrenamtlich durch Jugendliche des Presseclubs des Jugendamtes

Oberhausen umgesetzt wurde.

2. Künstlerhonorare gestiegen sind

3.  Die Broschüre zunächst herausgenommen wurde.

 

Und noch ein paar kritische Töne...

Der Versuch möglichst viele Beteiligte der Druckluftgeschichte wie auch jetzige Nutzerlnnengruppen in die Planung des Projektes einzubeziehen, haben das Spektrum des Projektes und der Feierwoche erweitert, führte aber auch dazu, dass sich viele Prozesse wie zum Beispiel das Buchprojekt deutlich verzögerten. Im Sinne einer Mitgestaltung gerade der lnitiativgründer ließ sich das Projekt nicht in der Form realisieren, wie es ursprünglich geplant wurde.

 

 

Theater Gegendruck, Recklinghausen -  Genua 01

 

Das Projekt (auch unter pädagogischen Gesichtspunkten betrachtet)

Vorab: Die Idee und das Ziel des Projektes:

Es wendet sich die neue Produktion des Theaters GEGENDRUCK auch und gerade an ein junges Publikum, das nach einem Standpunkt und Handlungsmöglichkeiten sucht. Auch hier ist bereits der Schaffensprozess selbst ebenso wie schon in dem Projekt „Philoktet“ wesentliches Ziel des Projektes.

Durch die Terroranschläge des 11. Septembers 2001 sind Gewaltverbrechen des Staates, der Polizei in den Hintergrund gerückt, die unfassbare Brutalität und Gewaltherrschaft verdeutlichen. So geschehen in Genua, wo friedliche Demonstranten brutal misshandelt wurden – und das mit Erlaubnis und Duldung derer, die gleichsam behaupten sich um die Belange der Menschen, die Freiheit und die Gerechtigkeit zu kümmern.

Das Stück berichtet. Die, die dabei waren berichten. Die, die nur gehört haben, was geschehen ist, berichten auch und dabei wird verzichtet auf wohlfeile Antworten und gerade dadurch wird der Zuschauer ebenso wie der Spieler zur Auseinandersetzung mit dem Stoff angeregt.

 

Zur Durchführung: Die Anfänge

Wie bereits in unserem Änderungsantrag, der der LAG vorliegt, erwähnt, ist das Arbeiten mit Jugendlichen eine Herausforderung. So starteten die Proben nicht wie gedacht im Mai 2004, sondern erst im September des Jahres konnte es endlich losgehen. Das AKZ –ein selbstverwaltetes alternatives Kulturzentrum- in RE-Süd wurde als Probenort gewonnen. Zwei der dort tätigen jungen Menschen schlossen sich unserer Projektgruppe an und übernahmen mehr als nur Rollen! Die „Schauspieler“ akquirierten wir bei einer Veranstaltung im Ruhrfestspielhaus, die die Stadt RE unter dem Titel Respect4u dort durchführte. Nach unserem lustigen Casting gab es erste Treffen im o.g. AKZ und der feste Kern derer, die bei dem Projekt mitmachen wollten, stellte sich schnell heraus. Die ersten 12 Schauspieler waren gefunden – und das Chaos begann. Denn die einen steckten in Abi-Klausuren, die anderen hatten Prüfungszeit an den Unis, die nächsten hatten Wechselschicht im Zivildienst. Andere wurden von Eltern gebracht und der Fahrdienst klappte nicht immer so reibungslos. Und einige hatten sich zu einem Leben abseits der vorgegebenen Normen entschieden und keinen typischen Lebensrhythmus. Sie schafften es einfach nicht, Sonntags zu den Proben bis 14:00 Uhr aus den Betten zu steigen, weil das für sie noch mitten in der Nacht war!

Im weiteren Verlauf sprangen einige Darsteller ab, andere kamen dazu. Bis wir letztendlich mit 14 Darstellern, einem Soufleur mit einer kleinen Nebenrolle und einigen engagierten Fotografen, Technikern und Musikern neben dem Regiesseur, der Bühnenbildnerin und mir, einer theaterpädagogischen und assistierenden Mitarbeiterin, ein komplettes Team bilden konnten. Die Altersstruktur unserer bunten Gruppe: 15 – 55 Jahre!

 

Der Verlauf

Natürlich probten wir was das Zeug hielt! Und es war faszinierend. Der bunt gemischte Haufen junger Menschen wuchs zur Gruppe zusammen. Die Passagen des Stücks, in denen sie zusammen den Chor bildeten, geben Zeugnis von der Kraft und Spiellust und der

Entwicklung, die jeder Einzelne von ihnen während dieser Zeit durchgemacht hat. Diese Menschen setzten sich kritisch mit dem, was sie da auf die Bühne bringen sollten, auseinander. Von wegen „no future“! Doch die Nerven derer, die stringentes Arbeiten, Einhalten vereinbarter Zeiten, Konzentration und Disziplin mit Theaterarbeit verbinden, wurden arg strapaziert. Viele von den Darstellern arbeiteten aber auch das erste Mal in ihrem Leben konsequent an einem Projekt – und leider bekamen auch einige von ihnen hier zum ersten Mal eine Bestätigung für ihr Tun, die sie in früheren Jahren sicher dringend gebraucht hätten. Zur Intensivierung unserer Arbeit führten wir ein Probenwochenende durch. Wir kooperierten hier mit dem DGB in Hattingen und erhielten die Bestätigung, dass in der Arbeit besonders mit jungen Menschen solche Wochenenden unverzichtbar sind. Wir selbst erfuhren viele Details über einzelne, die wir in der späteren Arbeit berücksichtigen konnten.

Vor jeder Probe fand eine theaterpädagogische Einheit statt. Diese wissbegierigen und motivierten jungen Leute konnten so gut auf ein Zusammenspiel vorbereitet werden. Keiner von ihnen hatte bereits Bühnenerfahrung und diese Einheiten waren wertvolle Lernhilfen für Körper und Stimme.

Es stellte sich gleichzeitig schnell heraus, dass die Selbstversorgung mit Lebensmitteln die Darsteller absolut überforderte. Während der Proben sorgten also wir für die leibliche (und seelische) Verpflegung. Einige Wochenenden fanden auch in Privaträumen statt. Auch mussten Fahrdienste für Mensch und Material organisiert werden, denn viele der Darsteller hatten keinen Führerschein, kein Auto und alle hatten kein Geld!

 

Die Aufführung

Dieser Bericht muss bis zum 18.02.2005 bei der LAG vorliegen. Doch bis dahin ist das Projekt noch lange nicht beendet. Bis zum heutigen Zeitpunkt haben wir lediglich eine großartige Premiere hinter uns. Und ich möchte an dieser Stelle ein Gespräch skizzieren, dass ich mit einem der „außergewöhnlichen“ Haustechniker des Bürgerhauses Süd hatte. Dieser wollte mich eine Stunde vor Einlass trösten, dass es nicht schlimm sei, wenn wenig Menschen kämen, um sich dieses Stück anzuschauen. Schließlich interessiere das ja nun wirklich nicht jeden, na ja, kaum jemanden, was wir da zu sagen hätten. Als sich der Saal dann jedoch füllte, und mehr als 200 Personen offensichtlich sehr an dem interessiert zu seien schienen, was wir da zu sagen hätten, verstummte er – und wart nicht mehr gesehen. Jedenfalls haben unsere jungen Darsteller viele vom Sofa locken können. Wir werden mit diesem Stück noch in Gelsenkirchen (Flora, 05.03), in Bochum (Bahnhof Langendreer, 25.02) und Aachen (Asta, 12.03) auftreten. Und die Kontaktaufnahme zu Schulen ist in vollem Gang. Wir haben eine Einladung aus Berlin und werden uns in Bochum beim Schülertheaterwettbewerb bewerben.

Und das Wichtigste ist: Alles wird gut!

 

 

Kraftstation Remscheid - Wut und Liebe, Pop zwischen Subversion + Innerlichkeit

 

Das Projekt „Wut und Liebe“ knüpfte an die letzten Projekte „Pop und Wort“ und „Pop vor Ort“ an, in denen wir uns gemeinsam mit dem Publikum erfolgreich auf Spurensuche nach gesellschaftlicher Bedeutung von Pop begeben hatten.

Mit dem Projekt „Wut und Liebe“ richteten wir das Augenmerk auf das „Jetzt“.

Zentrale Fragen waren ? Wie positionieren sich PopKünstlerInnen angesichts weitreichender gesellschaftlicher Umstrukturierungen, z.B. im Zuge von Hartz und Agenda 2010 ein fortschreitender „Sozialabbau“, zunehmende Verarmung und Perspektivlosigkeit, oder Ressourcensicherung durch Beteiligung an Kriegseinsätzen ? Wo sind die Ecken und Kanten von Pop (KünstlerInnen) ?

Texte werden immer wichtiger. Diese pendeln zwischen Wut und Protest und Liebe und Gefühl. Was kommt an ? Wie sieht die „große Welle“ aus ? Brauchen wir „mehr Dynamit“ oder einen „ganzen Sommer“ ? Repolitisierung der Musik oder neue Innerlichkeit ? Ist beides zusammenzubringen ?

Mit dem Projekt "Wut und Liebe" wollten wir Zeichen für eine sich einmischenden Popkultur setzen und den Diskurs mit dem Publikum führen, wohin Pop im gesellschaftlichen Kontext heute steuert. Subversion und Innerlichkeit, jede(r) kann sich entscheiden.

 

Wir stellten verschiedene Bands gegenüber.

Planlos / Tut das Not / Ni Ju San und Vortrag von Marvin Chlada

Planlos zeichneten sich durch Texte frontal ins Gesicht aus. Bei Tut das Not war der Name Programm, politische Texte auf den Punkt gebracht. Der Vortrag von Marvin Chlada über “Punk reloaded“ wurde vom Publikum angenommen! Wann ist vor einem „Punkkonzert“ schon ein Vortrag ?

Britta / Ikarus

Mit der Berliner Frauenband Britta und den Wuppertalern Ikarus wurde der Genderaspekt beleuchtet. Texte zwischen „Wut und Liebe“.

Die Elenden / NADA

Intelligente Texte trafen auf „Bier und Spaß“.

Von Spar / Schneller Autos Organisation / Vortrag von Martin Büsser

Pflichtermin, der leider mitten in der Woche nur mäßig besucht war. Punk 2004, anarchistischer TrashFunkPunk. Beide Bands brachten Subversion und Innerlichkeit zusammen. Leider musste Martin Büsser absagen. 

Turbostaat / Trend / Lesung Jan Off

Beide Bands setzen Akzente, musikalisch wie textlich, subversiver Pop pur. Vorab las Jan Off trashige Geschichten über das Leben als Punker.

Karamelo Santo

Ein knalliger Ska - Punk Abschluss des Projektes. Karamelo Santo demonstrierten wie „Wut und Liebe“ aus Übersee klingt.

 

Das Projekt kam beim Publikum an und vermittelte sich über die Flyer. Schade war die Absage von Martin Büsser und das kein Referent von Kulturattac gefunden wurde. Viele BesucherInnen machten sich erstmals Gedanken über Inhalte, (textliche) Ausdrucks -formen von Bands und gesellschaftliche Zusammenhänge. Im Zuge einer Nationalisierung des Pop sind Projekte die alternative gesellschaftliche Ansätze liefern wichtiger denn je.

 

 

Kraftstation Remscheid - „Blick in die Matrix“

 

„How many sexes are there? Three: the male sex, the female sex and the in-sects!” (Billy Tipton)

 

Diese Spielerei der Saxophonist Billy Tipton, die in den 50iger Jahren in den USA als Frau keine Anstellung bekam und daraufhin als Mann auftrat, war Ausgangspunkt des Projektes „Blick in die Matrix“. Wir haben verschiedene Fragen gestellt.    

Sind Geschlechterrollen festgelegt ? Keine Frage, oder eine Frage, Jungs sind cool, Mädchen sind zickig ? Wie gehen Jugendliche heute, wo ein Patchwork von unterschiedlichen (Geschlechter -) Rollen vorhanden ist, mit Geschlechterkonstruktionen um. Werden die Rollen hinterfragt ?

Wir boten verschiedene Theaterstücke an und erstmals ein Konzert mit Bands, in der hauptsächlich Frauen spielten, bzw. mit Gender gespielt wurde. 

Wir begannen mit dem Münsteraner Theater Cactus, die in der Kraftstation „Balz“ spielten. In dem Theaterstück “Balz” gehen sieben junge Männer auf die Pirsch, in der Hose die Gebrauchsanweisung zum Anbaggern. Mit großem Eifer werden Strategien erprobt, um bei „ihr“ zu landen. Jeder auf der Suche nach der einzig Wahren, die zu ihm passt. Da dieses eine Abendveranstaltung in der Kraftstation war, besuchten leider nur ca. 30 Jugendliche diese Vorstellung. In den Nachbesprechungen waren viele Jugendlichen von dem Stück enttäuscht. Sie hatten wohl ähnliches erwartet wie bei „Männersache“, das letztes Jahr vom Theater Cactus aufgeführt wurde. Leider konnte diesmal die Produktion den  hohen Standard und eine vergleichbar gute Geschichte nicht wiederholen.

Als zweites Stück spielte das Theater Gruene Soße das Stück „Strandläufer“ im Forum Hackenberg der GHS. In dem Theaterstück treffen sich vier Männer am Strand. Es sind : 4 Jungs aus dem gleichen Stadtteil. 4 Jungs, die sich zufällig im Urlaub kennen lernen. 4 Männer, die Abschied genommen haben. 4 Väter, die auf Erholungsreise sind.

Dieses Stück wurde vor „nur“ Jungen, der 5. und 6. Klasse und Lehrern aufgeführt. Diese Entscheidung war ein voller Erfolg, das Stück wurde begeistert aufgenommen und in der Nachbesprechung wurde über Jungen -, und Männerrollen gesprochen. Wann dürfen Männer weinen ? Wann zeigen Männer / Jungen Gefühle ? Sind sie dann schwach ? etc.

Wir hoffen dieses großartige Stück nächstes Jahr noch mal anzubieten.

Beim Konzert „In – sects“ spielten Die Lolas, Rumbustious, Twiggy Killers und Räuberhöhle. Folgende Fragestellungen standen im Mittelpunkt : Pop – male, female, queer ? Was hat Pop mit Geschlechtlichkeit zu tun ? Inwieweit ermöglicht es Popmusik mit der heterosexuellen „Matrix“ zu spielen, sie zu hinterfragen, sie zu „queeren“ ? Als Referentin hatten wir Tine Plesch eingeladen, die tragischerweise drei Wochen vorher in Folge eines septischen Schocks, starb. Das Konzert fand in Gedenken an Tine statt.

Das Theaterstück „Stones“ vom Theaterhaus Frankfurt veranstalteten wir vor über 200 Jugendlichen im Forum Hackenberg der GHS.  Das Stück „Stones“ handelt von zwei Jugendlichen, die Steine von einer Brücke werfen und dabei einen Autofahrer töten. Zwei Polizisten befassen sich mit dem Fall. Zwei Schauspieler spielen in diesem authentischen Fall alle Rollen. Ein Theaterstück in atemberaubender Geschwindigkeit, das die Jugendlichen begeisterte.

Abschluss des Projektes war das Stück „Dachlawine“ der Theatergruppe des JZ „Die Welle e.V.“ in der Kraftstation. Das Stück zeigte Sequenzen eines normalen Lebens mit all seinen Schattenseiten. Ausgebrannt Sein, mit Dingen nicht fertig werden, Verlust der Arbeitsstelle, das was viele Jungen und Mädchen miterleben. Leider wurde sich zu sehr an den textlichen Vorgaben orientiert und die kurz vorher vorgenommenen personellen Umbesetzungen wurden deutlich. Zusammenfassend war das Projekt ein voller Erfolg. Das Projekt ist auf einer DVD dokumentiert worden.

 

 

ZUFF Rheinberg - „Bootcamp – Die Erniedrigungsshow“

 

„Bootcamp – Die Erniedrigungsshow“ – 10 junge Erwachsene zwischen 16 und 21 Jahren entwickeln ein Stück zum Thema Medienkritik: Wie weit darf das Fernsehen gehen? Ist die Grenze der Darstellung von körperlicher und psychischer Demütigung nicht schon erreicht? Welche Interessen stehen hinter Sendeformaten, die mit der Ausschlachtung alltäglicher Beziehungen und  der künstlichen Erzeugung von psychischem Druck Profit anstreben?

Warum macht man da mit, warum schaut man da zu?

Auf der theatralen Suche  der Gruppe nach Antworten auf diese Fragen wurde viel szenisch experimentiert, viel erlebt und erfahren und vor allem: Viel diskutiert! Über persönliche Erlebnisse mit Macht und Ohnmacht, über Grenzen dessen, was gezeigt werden darf und was die Gruppe zeigen will. Über ästhetische Prinzipien, Arbeitsaufteilung, persönliche Konflikte. Die Auseinandersetzung war intensiv und aufreibend. Damit war sie symptomatisch für die Beschäftigung der Gruppe mit dem komplexen Thema: Reality-Shows, die vor allem mit Aspekten von Ekel, Gewalt und Konflikten arbeiten, produzieren kontroverse Reaktionen. Sich, wenn auch nur fiktiv, mit der Situation eines Teilnehmenden einer solchen Show zu beschäftigen und sich im Spiel dessen Erfahrungen auszusetzen, irritiert (und erschüttert) das Selbstbild und die Erwartung in Andere, produziert und schürt aggressives Potential. Die Dynamik der medialen Kanditatengruppen erscheint im „Selbstversuch“ nachvollziehbar, die Skrupel- und Verantwortungslosigkeit der Produzenten, die mit der Psyche der Teilnehmenden spielen, wird zunehmend unverständlich. Das Produkt der intensiven Ensemble-Arbeit wurde viermal vor ausverkauftem Saal im Kultpool des Amplonius-Gymnasiums gespielt (weitere Aufführungen waren leider aufgrund  von organisatorischen und finanziellen Gründen nicht möglich) und die Betroffenheit der Akteure während ihrer Beschäftigung mit dem Thema spiegelte sich in der unmittelbaren Beteiligung und Betroffenheit der Zuschauerinnen und Zuschauer.

Die Vorbereitungszeit der Gruppe umfasste eine weitreichende Recherche der Teilnehmenden. Spielfilme (u.a. „Das Experiment“), Dokumentationen („Bootcamps in den USA“), Literatur und Internet wurden kritisch durchleuchtet und bewertet. Aus diesen Recherchen fanden viele Zitate ihren Weg in die Inszenierung. Daneben fand eine umfassende Selbstbefragung zur eigenen Medienbiographie statt:

Warum siehst Du fern? Was schaust Du Dir an? Wann? Zappst Du oder siehst Du gezielt Sendungen an? Was dürfen Medien zeigen? Inwiefern ist ihr Auftrag zu unterhalten, bzw. zu informieren und zu bilden? Welche Verantwortung haben die „Medienmacher“? Welche Verantwortung hat die Öffentlichkeit? Was ist: Die öffentliche Meinung? Inwieweit wird unser alltägliches Leben von den Medien bestimmt? Wie groß ist der Einfluss der Medien?

Als zentrale Elemente wurden die Aspekte „Agressivität“ und „Banalität“ der untersuchten Medienformate (in Deutschland z.B.: „Big Brother“, „Dschungelcamp“ etc.) herausgearbeitet. Die Struktur der Inszenierung fächert beispielhaft die inhaltliche Auseinandersetzung der Beteiligten auf, die sich vor allem auch mit der persönlichen Motivation der gecasteten Teilnehmer solcher Reality-Shows beschäftigte:

Der erste Teil behandelt wirklichkeitsnah die Situation einer TV-Show, amte die gängigen Mechanismen zunächst nach, um sie im zweiten Schritt in der Distanz der theatralen Überhöhung entlarvend sichtbar zu machen. In der Entwicklung der Figuren und der szenischen Situation schreitet die Inszenierung weiter fort, wechselt zwischen dynamischen Machtspielen zwischen den Teilnehmenden der fiktiven Fernsehshow, meditativen Monolog-Sequenzen und absurder Persiflage. Der Live- bzw. Performance-Charakter der Darstellung unterstützt die Verfremdung des Gezeigten und führt zu zunehmender Irritation des Publikums.

Insgesamt unterschätzt wurde der technische Aufwand und Aufbau der Inszenierung auf finanzieller und organisatorischer Ebene. Höhere Ausgaben für Leihgebühren für technisches Material sowie für personelle Arbeitsstunden waren die Folgen. Die Möglichkeit des Experimentierens mit einer  (für ein theaterpädagogisches Projekt im soziokulturellen Rahmen) aufwändigen Technik führte jedoch zu interessanten inszenatorischen Effekten. Zusätzlich war der Umgang mit der Technik ein gutes „Training“ der Teilnehmenden, zwischen Anspruch und Möglichkeiten ästhetischer Prinzipien zu vermitteln. Der Wunsch der Teilnehmenden der Ästhetik einer Fernsehsendung so nah wie möglich zu kommen, wurde an seine Grenzen geführt. Es musste ein Umdenken in theatral-ästhetische Prinzipien erfolgen: Eine Sprache von Metaphern und Symbolen wurde ausschlaggebend und in ihrer Umsetzung sehr wirkungsvoll.

„Bootcamp“ hat bei allen Beteiligten die Auseinandersetzung mit Medienrealität, Sendeformaten und Darstellungsethik nachhaltig angeregt und dadurch zur Bildung von Medienkompetenz beigetragen, d.h. zur Fähigkeit, Mechanismen von Medienproduktion zu durchschauen, Inhalte zu reflektieren und eine Haltung dazu einzunehmen. Die Beschäftigung mit dem Phänomen Reality-TV wirkt über die Probenarbeit hinaus, alle Teilnehmenden berichten über veränderte Sehgewohnheiten. Auch die Publikumsgespräche im Anschluss an die Aufführungen sowie die Kommentare im Gästebuch zeigen den intensiven Diskussionsbedarf des Publikums und die ungebrochene Aktualität des Themas. Da sich die Medienlandschaft stetig wandelt und in ihren Sendeformaten zusehends kompromissloser auf potentiellen Profit hin ausgerichtet scheint, bleibt die Notwendigkeit medien-/ bzw. kulturpädagogischer Projekte weiterhin fraglos.

 

 

Kulturzentrum Lichtburg Wetter - HeartChoir

 

Das künstlerisch-musische Projekt „HeartChoir“, unterstützt von der LAG Soziokultur, der Dörkenstiftung und der Musikschule, ist beendet.

In der 1.Phase des Workshops bot die Gesangsdozentin Julia Barbig dem angehenden Chor und den Solisten ein wöchentliches Stimmtraining an. Stimmumfang, Stimmbildung, Atemtechniken und spezielle Frasierungen wurden den Teilnehmern gezeigt.

Nach den Sommerferien hat der eigentliche Gospelchor begonnen.

Angemeldet waren 22 Jugendliche von 12 – 25 Jahren aus Wetter und Umgebung, die wöchentlich 2 Stunden miteinander geprobt haben.

Die Band Ashtray hat den Chor in den Proben und bei den Konzerten begleitet.

Es wurde ein abendfüllendes, interaktives Programm erarbeitet, mit Gospelmusik der unterschiedlichsten Sparten und zahlreichen Solobeiträgen. Die Teilnehmer haben selbst die Moderation übernommen und den Abend gestaltet.

Der Saal der Lichtburg war an beiden Auftritten am 10. und 11. Dezember mit über 350 Besuchern restlos ausverkauft.

 

Was nehmen die Teilnehmer mit aus dem Projekt?

Die Teilnehmer haben während der Proben ein unglaubliches Gemeinschaftsgefühl entwickelt.

Trotz der großen Altersunterschiede zeigten sie hohe soziale Kompetenzen. Die Motivation und die Eigeninitiative war, für Jugendliche in dem Alter, ungewöhnlich hoch.

Fast jedes Chormitglied hatte auf den Konzerten die Chance Solo zu singen. Viele sind über ihren Schatten gesprungen und standen zum ersten Mal allein auf der Bühne. Die Angst wurde Ihnen durch das tolle Klima unter den Projektteinehmern einfach genommen.

Da sich die Jugendlichen mit dem Chor und der Gospelmusik identifizieren können, ist geplant das Projekt zu verlängern und den Chor in das Angebot der Musikschule/Lichtburg mit aufzunehmen.

Alle Teilnehmer möchten diesen Chor weiterführen.

 

 

Janina Sasse/Beate Albrecht , Witten - Broiler oder Brathähnchen?

Ein deutsch-deutsches Jugendtheaterprojekt

 

In unserem Jugendtheaterprojekt „Broiler oder Brathähnchen?“ beschäftigten wir uns mit Unterschieden und Gleichheiten zwischen Westdeutschen und Ostdeutschen in Vergangenheit und Gegenwart. Es entstand ein Theaterstück in kritischer Auseinandersetzung mit Vorurteilen, Klischees und Wahrheiten in Ost und West.

Das Projekt entstand in einer Kooperation von *theaterspiel* und der Werk°Stadt Witten mit der Theatergruppe der „Großen Stadtschule“ in Wismar.

Das Projekt unterteilte sich in verschiedene Arbeitsphasen. In der Vorbereitungsphase recherchierten wir im Rahmen des Leitungsteams historische Hintergründe und entwickelten daran anlehnend Inhalt und Geschichte des Theaterstückes.

Im April 2004 während der Osterferien gab es das erste Zusammentreffen der beiden Gruppen. Die vier Jugendlichen aus Wismar zwischen 14 und 20 Jahren kamen für eine Woche nach Witten und trafen dort auf die gleichaltrigen Jugendlichen aus Witten und Lüdenscheid. Die Unterbringung fand in den Familien der TeilnehmerInnen statt.

Eröffnet wurde die gemeinsame Arbeit durch einem Schreibworkshop in der Werk°Stadt Witten, geleitet von Kerstin Hof, Dozentin für kreatives Schreiben aus Hamburg. Über zwei intensive Tage setzen sich die jugendlichen TeilnehmerInnen im kreativen Schreibprozess mit Thema, Geschichte und Figurencharakteren auseinander.

Darauf aufbauend hatten die Jugendlichen Gelegenheit die Theaterarbeit kennen zu lernen, thematische Grundlagen über eigene Erfahrungen mit Unterschieden in Ost und West auszutauschen und durch Improvisationen in die Stückgeschichte sowie Figuren einzusteigen.

Es war spannend für uns zu erfahren, welche Vorurteile und Unterschiede tatsächlich noch zwischen Ost und West präsent waren. Zum Beispiel bestätigte sich die Unwissenheit der „Wessis“ über den Osten. Nicht nur, dass die Jugendlichen aus dem Westen kaum etwas über Geschichte und Politik der DDR wussten, auch der für die Ostjugendlichen selbstverständliche „DDR- Kult“ war ihnen kein Begriff. Bei der Frage, in welchem Bundesland Wismar denn liege, riet die Gruppe der Westjugendlichen munter drauf los und zählte alle ihr bekannten neuen Bundesländer auf: Sachsen, Sachsen-Anhalt, Niedersachsen....

Die „Ossis“ kritisierten ganz nach Klischee besonders die finanzielle Situation im Westen: alles sei hier viel teurer, die Brötchen, das Bus fahren und die Eintrittspreise.

Von diesen kleinen Abweichungen abgesehen, gab es wenig, was die Jugendlichen aus Ost und West noch voneinander trennte und spätestens nach der zweiten Arbeitsphase in Wismar bildeten sich enge Freundschaften innerhalb der Gruppe.

Zwischen der nächsten Begegnung in der Gesamtgruppe lagen drei Monate, in denen in den getrennten Gruppen jeweils in Ost und West geprobt wurde. Zusätzlich zu den Theaterproben beteiligten sich die einzelnen TeilnehmerInnen in Zusammenarbeit mit professionellen Fachkräften in den Bereichen Bühnenerstellung, Bühnentechnik, Kostüme, Öffentlichkeitsarbeit, Erarbeitung einer Textfassung und Hintergrundrecherchen.

Die Unterbringung während der zwei Wochen in den Sommerferien fand im Austausch in den Familien der Wismarer Jugendlichen statt. Diese letzte gemeinsame Probenphase in den Räumlichkeiten der Großen Stadtschule Wismar zeichnete sich durch eine sehr kreative und ergebnisreiche Zeit aus. Die Jugendlichen nutzten die Gelegenheit nicht nur ihre Fähigkeiten im Theaterspielen zu vertiefen, sondern sammelten auch praktische Erfahrungen in der Erarbeitung eigener Szenen, Regiekonzeption und Regiearbeit.

Eine weitere sehr spannende und prägende Erfahrung waren die Begegnungen und Gespräche mit den Eltern und Großeltern der OstteilnehmerInnen. In unserer Geschichte, die wir 20 Jahren zurück versetzten, spielten die TeilnehmerInnen jugendliche Charaktere zu einer Zeit, die ihre Eltern tatsächlich in diesem Alter miterlebt hatten.

Nach dieser Intensivphase waren wir bereit unser Theaterstück im Theater Wismar in zwei ausverkauften Vorstellungen erfolgreich zu präsentieren. Das Ostpublikum nahm das Stück mit großer Begeisterung auf, erkannte darin authentische Momente und lobte vor allem die spielerisch- humorvolle Weise in der, die für viele immer noch brisante Thematik umgesetzt wurde.

Einen Monat nach der Premiere in Wismar kam die Gruppe noch einmal in Witten zusammen, um dort zwei weitere erfolgreiche Aufführungen in der Werk°Stadt Witten zu präsentieren.

Das Projekt „Broiler oder Brathähnchen?!“ hat in der Durchführung und Umsetzung seine konkreten Zielvorgaben erreicht: vom Entwickeln und künstlerischer Umsetzung eines Theaterstückes in kritischer Auseinandersetzung mit Vorurteilen, Unterschieden und Gleichheiten zwischen Westdeutschen und Ostdeutschen, über interaktive Zusammenarbeit der Jugendlichen aus Ost und West in den verschiedenen Arbeitsbereichen und dem einhergehenden Austausch, bis hin zu erfolgreichen Aufführungen, sowohl in Wismar als auch in Witten entspricht die Arbeit dem Projektvorhaben.

 

 

Beate Albrecht , Witten - „Luxusbunker“

 

Das generationsübergreifende Theaterstück „Luxusbunker“ sollte als Anregung dienen, sich mit den heutigen Werten und den Geschehnissen der (Nach-)Kriegszeit zu beschäftigen.

Zu Anfang suchte die Gruppe von zehn Schauspielern das Gespräch mit Zeitzeugen, die bereit waren Erlebnisse von Luftschutzbunkern oder Stollen zu erzählen. Weiter wurden die Darsteller dazu aufgefordert, in ihrer eigenen Familie zu recherchieren, welche Art der Verarbeitung mit der Kriegszeit dort gemacht wurde. Dabei wurde vereinzelt auf „Geschichtslöcher“ gestoßen: 1938-45, eine Zeit ohne Erinnerungen? Auch wenn die eigenen Eltern oder Großeltern nicht gerne über diese Zeit sprachen, begaben sich die Bühnenstürmer auf ihre eigene Zeitreise. Angeregt durch einen zweitägigen Schreibworkshop, wagten sich die Mitglieder in eigene Phantasien und Improvisationen zu diesem Thema.

Die vorerst freien Improvisationen der einzelnen Darsteller wurden durch theater-pädagogische Spiele nach Keith Johnstone weitergeführt. Regelmäßige Aufwärm-Übungen und Theater-Sport-Spiele halfen vor allem den Anfängern, Hemmungen abzubauen und ins freie Spiel zu finden.

Nachdem jedes Gruppenmitglied sich für einen Charakter entschieden hatte, begann die Rollenarbeit. Alle Teilnehmer entwickelten eine eigene Biografie zu ihrer Figur, und in verschiedenen Gruppenarbeiten, entstanden selbst entwickelte Szenen.

Nachdem der Grundstein für die dramatische Textfassung gelegt war, begannen die Textproben. Anstatt frei zu improvisieren, galt es nun eine konkrete Szene auf der Bühne umzusetzen. Die jeweilige Szene wurde zunächst an die beteiligten Schauspieler abgegeben, und diese sollten vorab ergründen, was in jener Szene transportiert wird und wie es dargestellt werden kann. Trotz ihrer großen Eigeninitiative, wurde die Gruppe stets von Regisseurin Beate Albrecht und Assistentin Sabrina Ullrich inszenatorisch unterstützt und geleitet.

Auf Grund der schweren Thematik kam es aber auch zu einzelnen Konflikten in den Rollen.         

Auch die Umstellung vom Probenraum zum realen Bunker stellte für manche Mitglieder eine große Herausforderung da: „ [...] auch die Herausforderung des Bunkers. Auch wenn es niemand bemerkt hat, für mich war das eine: Keine Fenster, der Gestank, dunkel und das Wissen, dass dieser Raum "real" ist!“ (Wiebke Blumberg, Rolle: Charly).

Die Gruppe kümmerte sich gemeinsam um die Erstellung von Requisiten und jeder einzelne begab sich auf die Suche, nach einem geeigneten Kostüm. Zudem wurden Medien wie Musik und Videoprojektionen eingesetzt, bei deren Einsatz Präzision und Geduld gefragt waren.

Nachdem durch Plakate, Postkarten und Presse die Werbetrommel kräftig gerührt worden war, bereiteten sich die Bühnestürmer auf die Premiere vor. Nach fünf Vorstellungen kam die Gruppe zu dem gemeinsamen Fazit, dass der „Luxusbunker“ ein gelungenes Theaterprojekt für Jung und Alt gewesen ist.

 

 

Die WerkStadt, Witten - Gehacktes - Talentbühne

 

Zeitraum des Projekts: Mai bis Dezember 2004, Alle 2 Monate, 5 Termine

 

Warum „GEHACKTES“?

Diese Frage stellte sich die WERK°STADT  weniger in einem ernährungswissenschaftlichen Zusammenhang.

Vielmehr ging es um die Entwicklung eines Forums für junge Nachwuchskünstler und Talente aus unterschiedlichen Sparten und Zielgruppen.Die Talente gibt es, aber es fehlt an ihrer Präsenz in der Öffentlichkeit. Gesucht  wurde der eigene Charakter dieser vielfältigen Jugend-Kultur oder auch: die vielfältigen Charaktere der eigenen Kultur. Man wurde fündig!

Mit der Unterstützung zunehmender Selbstorganisation durch Jugendliche und der Unterstützung in der Erarbeitung kleiner Auftritte für die Öffentlichkeit konnte sich das Angebot mehr und mehr etablieren und immer wieder neue und „nachwachsende“ junge Künstler für das Angebot gewinnen.

Nicht zuletzt reagierte die WERK°STADT damit auf ein deutlich artikuliertes Bedürfnis von Seiten der Wittener Jugend.

Das Bedürfnis wurde bedient, präsentiert wurden 5 mal die wilden Mischungen roher Elemente – GEHACKTES.

 

Nur für Vegetarier?

2004 hat sich die Talentbühne „GEHACKTES“ der WERK°STADT mittlerweile zu einer „Institution“ entwickelt. Die Veranstaltung ist für junge Menschen zwischen 14 und 25 Jahren zu einem Synonym für pulsierende Jugendkultur in Witten geworden.

Mehr als 2000 Jugendliche genossen die künstlerischen Freiräume vor und auf der Bühne.

Zahlreiche Nachwuchs-Künstler verschiedener Sparten und Bands unterschiedlichster Stilrichtungen vorrangig aus Witten aber auch aus dem gesamten Ruhrgebiet präsentierten ihre Werke mit einer besonderen Resonanz - Vorort durch das Publikum und als Nachruf durch die Medien.

Insbesondere bei themenbezogenen Veranstaltungen mit Ausstellungen oder Lesungen, mischte sich die Publikumsgruppe vielfältiger als sonst.

 

Mehr GEHACKTES?

Gehacktes ist ein Teil Wittens und der Regio geworden.

Wittener Jugendliche identifizieren sich in hohem Maße mit dem Angebot, es mangelte im gesamten Jahr nie an interessierten Künstlerinnen und Künstlern, die sich oftmals ein erstes mal auf die Bühne gewagt haben.

Teilweise musste einigen Interessenten aufgrund der großen Nachfrage sogar abgesagt werden. Für ihre Auftritte haben die Jugendlichen selbständig Ideen entwickelt und in unterschiedlichsten Sparten ihr Talent unter Beweis gestellt.

Auch die Organisation im Vorfeld machte vielen Jugendlichen Spaß. Sie haben Verantwortung übernommen für Dekoration, Moderation und Programmabfolge.

Der Kulturpädagoge der WERK°STADT stand dem jungen Orga-Team jederzeit als Ansprechpartner zur Verfügung.

Genauso gefragt waren aber auch Materialien und Equipment welches aufgrund der freundlichen Unterstützung der LAG von der WERKSTADT zur Verfügung gestellt werden konnte.

Insbesondere hierdurch wurde Kreativität gestützt und herausgefordert. Es wurden Projekte ermöglicht, die sich die Jugendlichen aus Eigenmitteln nicht hätten finanzieren können. Auch die Räumlichkeiten der WERK°STADT wurden viel zum Proben genutzt.

 

Resümierend lässt sich sagen, das Projekt Gehacktes ist eindeutig nachfrage- und dienstleistungsorientiert.

Genau damit fordert das Projekt die Initiative der jungen Wittener heraus.

Das letzte Jahr hat gezeigt, dass diese Idee erfolgreich aufgeht.

Das Projekt kann als erfolgreich bewertet werden und sollte im nächsten Jahr unbedingt weitergeführt werden.

 

Ende!