Bericht über die Projektmittel 2007 der Landesarbeitsgemeinschaft Soziokultureller Zentren Nordrhein-Westfalen (LAG NW)                                               Münster, den 29.8.2008

 

Inhalt

1. Gesamtübersicht

2. Darstellung der einzelnen Projekte

 

1. Gesamtübersicht

 

Die LAG NW hat 2007 mit den Mitteln des Ministerpräsidenten/Staatskanzlei des Landes Nordrhein- Westfalen 37 Projekte von 31 Zentren/ Initiativen und KünstlerInnen gefördert.

 

Es gab insgesamt 84 Anträge von 66 Zentren/ Einrichtungen/Initiativen/KünstlerInnen mit einem Gesamtkostenvolumen von 1.610.036 € und einem Zuschussbedarf von 684.357 €. Der Beirat hat in einer Sitzung und einem Mailverfahren für Nachrücker über die Anträge befunden und die obengenannten 37 Anträge bewilligt. Diese Ergebnisse wurden auf den jeweiligen LAG NW Tagungen vorgestellt, diskutiert und letztendlich entschieden.

 

Nach der Abrechnung betrugen die Gesamtausgaben der geförderten Projekte 420.491,96 €. Dabei betrug der Anteil des Landes mit 130.000,00 € = 30,92 %. Insgesamt wurde 8 Projekte mit 5.000 € und mehr gefördert. 19 Projekte erhielten 3.000 € und mehr und 10 Projekte wurden jeweils mit weniger als 3.000 € aus Landesmitteln finanziert.

 

Die Leistungen Dritter (vor allen Dingen der Kommunen) betrugen 151.565,00 €, das entspricht 36,04 %. Die Leistungen der Kommunen waren jedoch weit höher, denn sie sind entweder Bestandteil innerhalb einer direkten Kooperation und/oder Bestandteil der Zuschüsse zu den Betriebs- und Programmkosten der jeweiligen Zentren. Auf der anderen Seite sind hier auch Landesmittel enthalten, die von anderen Stellen bewilligt worden sind. Die Eigenleistungen der Träger lagen insgesamt bei 138.926,96 €. Das sind 33,04 %.

 

Die Gesamtkosten erhöhten sich um den Betrag von 52.691,96 €, auf 420.491,96 €, das entspricht 14,33 % Erhöhung vom ursprünglichen Kostenplan.

 

Grundsätzlich haben die Zentren in allen Kunst- und Kultursparten (Musik, Theater, Literatur, Medien) sowie spartenübergreifende Projekte durchgeführt. Tendenziell sind die Projekte in erster Linie der Stadtteilarbeit, der Kulturpolitik und dem Kinder- und Jugendbereich zuzuordnen.

 

 

2. Darstellung der einzelnen Projekte

 

 

1. Alarm Theater, Bielefeld - Leben sollst du für dein Glück

 

Vorlauf

Während der Planung zu Beginn des Jahres, kam eine Anfrage der Bielefeld Marketing GmbH eine Produktion zu erstellen zum Thema „Generation Bi – Wem gehört die Stadt“ im Rahmen der NRW weiten City Offensive „Ab in die Mitte“. In weiteren Gesprächen konnten wir unser Vorhaben in diesem Theaterprojekt in den Rahmen der City Offensive NRW integrieren.

Nach den Sommerferien fanden mehrere Vorbereitungstreffen zwischen interessierten Gruppen und Laiendarstellern und der Projektleitung des AlarmTheaters statt. In diesen gemeinsamen Arbeitssitzungen wurde zunächst die inhaltliche und finanzielle Organisation geklärt. Danach die Rahmenbedingungen und die Einbindung des Projektes in die Lebenswelt der Akteure und beteiligten Gruppen. Darüber hinaus kam es zu einer Verständigung über Art und Umfang der theatralen Arbeit und dem Zeitaufwand.

Die Anforderungen waren sehr anspruchsvoll:

Anstatt einer Indoor Produktion sollte eine Straßentheateraufführung stattfinden. Dies ergab sich aus der von dem Bielefelder Marketing vorgegebenen Richtung, die Innenstädte und dort vor allem die Außenflächen zu beleben.

Die Produktion sollte im Oktober stattfinden, einer Zeit, in der die Saison des Straßentheaters vorbei ist. Da wir auch mit kleineren Kindern und auch älteren Menschen arbeiten wollten, mussten geeignete Räumlichkeiten zur Pause während der Probe, aber auch während, bzw. vor der Straßenshow gefunden werden.

Für die insgesamt 60 Akteure musste ein genauer Stundenplan und auch ein genaues Skript erstellt werden. Dies entsprach nicht dem herkömmlichen Modus unserer Arbeit: „jedem seine Zeit, für die Prozesse und Entwicklungen des Stückes.

Es wurde auch sehr schnell klar, dass zum Teil zeitgleich geprobt werden musste. Auch hier mussten wir unsere bisher praktizierten gruppendynamischen Prozesse modifizieren.

Die TN des Berufs- und Ausbildungsjahr „Junge Bühne“ sollten als Teil ihrer Ausbildung in und hinter den Kulissen mitarbeiten. Dies musste speziell vorbereitet werden, insbesondere in Bezug auf die Dynamik einer so großen Gruppe.

Neben dem theaterpädagogischen Prozess stand am Ende eine Straßentheateraufführung inmitten der Fußgängerzone in Bielefeld. Nicht nur Freunde und Bekannte fanden Zugang, sondern massiv auch die Öffentlichkeit im lokalen und regionalen Bereich.

 

Verlauf

Die erste Voraussetzung für die praktische Teilnahme an der Theaterproduktion, die sich über einen Monat erstreckte, war, dass die Teilnehmer alle Termine wahrnehmen konnten.

Neben der künstlerischen Arbeit ging es zu einem großen Teil auch um Training der körperlichen Belastbarkeit, da ein nicht kleiner Teil besonders Kinder und ältere Menschen wenig Kondition und körperliche Leistungsfähigkeit hatten.

Klare Regeln wurden von der Projektleitung gleich zu Anfang festgelegt.

Die praktische Durchführung des Projektes lief über den Zeitraum vom 24. September – 21. Oktober 2007.

Am Anfang standen die Begegnung und der Austausch zwischen den Akteuren und den KünstlerInnen. In den ersten 2 Blöcken wurden mit den TN zeitgleich in verschiedenen künstlerischen Laboratorien (Schauspiel, Akrobatik, Tanz, Rhythmus, Gesang) Material erarbeitet und gesammelt. In den 2 folgenden Blöcken kam es zur Erarbeitung der Szenen, der theatralen Montage und schließlich zur Probe des Stückes.

Im Vorfeld hatten die TN die Aufgabe, über einen umfangreichen Fragebogen sich zum Motto „Leben sollst Du für dein Glück“ unter Einbeziehung des Themas des demografischen Wandels einzubringen. Rahmenhandlung, Szenen, Literatur und Musik wurden einerseits vorgeschlagen, andererseits wurden möglichst viele Ideen, Texte Lieder der Teilnehmer in das Stück integriert.

Die volle Einbringung der Einzelnen für diese szenische Collage wurde stets gefordert. Die Facetten und Kompetenzen jedes Einzelnen mussten erkannt werden und herausgebildet werden. Niemand sollte in diesem Projekt `fremdbestimmt´ oder `blamiert´ werden, vielmehr wurden die vorhandenen persönlichen Fähigkeiten (z.B. tanzen, singen, Text präsentieren, etc.) der Einzelnen bewusst gemacht und für die theatrale Arbeit genutzt.

 

Fazit

Als die Aufführung den Prozess enden ließen, war es für alle das Erleben eines Vulkanausbruchs. Wichtig war die Präsentation in der Stadt auch, damit die Akteure glauben und annehmen lernten, dass das hervorgeholte Beste, die Kraft und auch der Applaus des zahlreichen Publikums verdient waren.

Wir sind sicher, dass bei allen aktiv Beteiligten und auch bei den Besuchern nachhaltige Eindrücke im Gedächtnis bleiben werden. Dabei ging es um das gemeinsame Erleben und Gestalten, aber auch um wichtige Zukunftsfragen. Wir glauben, dass viele Impulse und Anregungen aus diesem Projekt dauerhaft Einfluss auf die Teilnehmer aber auch auf Formen bürgerschaftlichen Engagements haben werden. Spätestens bei dieser Aufführung wurde klar, dass unser aller Leben eine Bereicherung erfährt, wenn wir vom Wegschauen/Ignorieren hin zur Begegnung kommen. Ein Satz, vorgebracht von einem TN ganz am Anfang, wurde zum Leitsatz: „Tradition ist nicht die Verwahrung von Asche, sondern die Weitergabe des Feuers.

 

 

2. Bahnhof Langendreer, Bochum - G8: Gipfel der Ungerechtigkeit

 

Veranstaltungsreihe G8 und Globalisierung

Im Juni traf sich die G8 in Heiligendamm in Mecklenburg. Den G8-Gipfel haben wir im Bahnhof Langendreer zum Anlass genommen, um über die Institutionen internationaler Regulierung, über Globalisierungsprozesse und deren Auswirkungen zu informieren. Dazu haben wir im Bahnhof Langendreer und an anderen Orten offene Abendveranstaltungen mit ReferentInnen zu den Themen „G8 und WTO“, „Globalisierung und Gender“, „Globalisierung und Krieg“, Der Club der Mächtigen“ sowie „African Renaissance““ angeboten und über Kinofilme zu den Themen „Nahungsmittelproduktion“, „Unternehmensethik“, „Migration“ und „globalisierungskritische Bewegung“ einen anderen Zugang zu aktuellen Fragen der Globalisierung geschaffen. In einem Workshop mit dem Titel „ES wird viel passieren...!“ wurde sich mit Formen, Inhalten und Grenzen politischen Protests auseinandergesetzt. Künstlerisch wurde das Thema durch eine Aufführung von GENUA 01 von Fausto Paravidino in der Inszenierung des Theaters Pump fiction und durch den Auftritt von Marta Campos, Vertreterin der kubanischen Trova nueva, bearbeitet. Zudem wurden die Proteste in Heiligendamm mit einem täglichen Public Screening in der Bochumer Innenstadt begleitet. Nach den Protesten wurde der Zusammenhang von G8, Globalisierung und deren Kritik an der Politik und Kultur Cubas reflektiert.

Die Veranstaltungen waren gleichzeitig Teil einer größeren Veranstaltungsreihe zum G8-Gipfel, die gemeinsam mit der Broschüre und dem Plakat „Gute Nacht, G8“ beworben wurden. Selbstverständlich wurden die Veranstaltungen des Bahnhofs Langendreer auch durch das Monatsprogramm des Bahnhofs, durch Pressemitteilungen und Handzettel beworben. Bei der Veranstaltungsreihe wurde dem endstation.kino, dem Bochumer Sozialforum, der AG feministische Theorie und Praxis, dem Bochumer Friedensplenum, der DFG-VK, der BISAdem Sozialen Zentrum, attac und Cuba Cult kooperiert.

Einige der Veranstaltungen (Vorträge und Dokumentarfilme) wurden von der Bochum Agenda 21, der europäischen Akademie NW und der VHS finanziert. Auf diese wird im Finanzbericht nicht näher eingegangen, weil sie als Einzelveranstaltung eigenständig abgerechnet wurden.

Die offenen Abendveranstaltungen waren mit 25 – 40 TeilnehmerInnen gut besucht. Im Vergleich zu anderen Veranstaltungen war auffällig dass insbesondere Jüngere (u 25) und ein hoher Anteil von Frauen die Veranstaltungen besuchten. In der Regel wurde nach den Vorträgen rege diskutiert. Auch die Dokumentarfilme waren mit 25 bis 35 Personen relativ gut besucht. Der angebotene Workshop zu den Protesten in Heiligendamm fand regen Zulauf. Im Anschluss an diese Veranstaltung bildeten sich zwei Arbeitskreise (AK Camp Reddelich und AK block g8), die sich bis Anfang Juni regelmäßig trafen und die Gipfelaktivitäten konkret vorbereiteten.

Problematisch gestaltete sich die Theateraufführung. Das Theater Gegendruck musste die für den 20.5. geplante Aufführung aufgrund interner Differenzen absagen und konnte für die Inszenierung von Genua 01 auch keinen Ersatztermin vereinbaren. Zwar konnte mit dem Theater Pump fiction ein Ersatzensemble gefunden werden, die anlässlich des Katholikentages in Köln eine Wiederaufnahme von Genua 01 spielten. Allerdings fand die eigentlich gelungene Aufführung nur einen sehr mäßigen Publikumszuspruch; dies mag auch an dem unmittelbar nach den Gipfelprotesten gelegenen Termin 10.6. gelegen haben.

Sehr gut hingegen wurde das public Screening angenommen. Vom 3.-8.6.wurde abendlich im RIFF, einer Bochumer Veranstaltungshalle in der Innenstadt, TV-Berichte und eine Live-Sendung von G(-TV aus Rostock gezeigt. Zudem wurden Telefon-Interviews mit Bochumer AktivistInnen in Heiligendamm geführt. Bis zu 60 ZuschauerInnen kamen zu den Übertragungen, im Anschluss wurde rege diskutiert.

Insgesamt handelte sich um eine sehr gelungene Veranstaltungsreihe, die viele vor allem jüngere Menschen dazu anregte, sich mit den Widersprüchen der Globalisierung kritisch auseinander zu setzen.

 

 

3. Brotfabrik Bonn - Jugendtheater "All you need" mit „Ich knall Euch ab!“

 

Die Stückvorlage „Ich knall euch ab!“ von Boris Pfeiffer und Felix Huby nach dem Roman von Morthon Rhue wurde durch die Realität stark geprägt und beeinflusste intensiv unsere Auseinandersetzung. Wir wurden mit unserem Thema von der Realität eingeholt.

16. April 2007: Beim bislang blutigsten Amoklauf an einer US-Hochschule sterben an der Virginia Tech in Blacksburg mindestens 33 Menschen, unter ihnen der Täter. Der aus Südkorea stammende, 23 Jahre alte Cho Seung Hui erschießt 27 Studenten und fünf Hochschullehrer und verletzt außerdem 20 weitere Menschen.

1 Tag nach unserem ersten Probenwochenende:

7. November 2007: Der 18-jährige Abiturient Pekka-Eric Auvinen erschießt am Jokela-Gymnasium in der finnischen Stadt Tuusula acht Menschen, bevor er sich selbst tötet. Er feuert insgesamt 69 Kugeln ab. Seine Tat kündigte er Stunden zuvor im Internet an.

4 Tage nach unserer Premiere:

Genau diese Daten verdeutlichen die Brisanz des Themas, obwohl hier nur Eckdaten genannt sind. In den 6 Monaten unserer Probenzeit fanden so viele Androhungen, Amoklaufversuche, vereitelte Amokläufe statt – und nicht nur woanders – sondern genau bei uns „vor der Tür“.

Die Stückvorlage war die „milchige Glasscheibe“ sich der Konfliktproblematik zu nähern. Alle beteiligen Spieler schienen von der fiktiven Geschichte angesprochen wegen der Dramatik, Spannung und Wildheit. Die Dimensionen die sich eröffneten stellten sich erst in der Entwicklung der Proben heraus.

Ausgrenzung, Außenseiter, Mobbingopfer, Mobbingtäter, Respektlosigkeit, Missachtung, Gewalt, unterschiedliche Formen der Gewaltanwendung, Aggression, Autoaggression, Rache, Qual, Demütigung… um nur ein paar Begriffe zu benennen, die sehr schnell und essentiell unseren Probenverlauf in der Auseinandersetzung geprägt haben. Durch Improvisationen und klar strukturierte Szenenvorgaben entstand ein eigenes Stück über Gewalt und wie diese 7 Spieler sich in der Gesellschaft/ in der Schule sehen und was sie verändern möchten. Es erforderte sehr starke Auseinandersetzung mit dem eigenen Schulleben, der Reflexion über den Schullalltag, den man bis zur Berührung mit dem Stücktext anders wahrgenommen hat, so wie aber auch eine Gruppendynamik, die die Themen wieder spiegelte, durch Erfahrungen eines Jeden Einzelnen - die auch durch das Thema geprägt wurde. 

 

 

4. Marabu Projekte e.V., Bonn - Experimentierplatz Regie: Bis einer weint

 

Ausgehend von dem Arbeitsentwurf des spartenübergreifenden Theaterprojektes mit dem Titel „Bis einer weint...Knigge 2007“, dessen Schwerpunkt darin lag Theater mit Film zu verbinden, ist das Theaterstück „Ein Stück Autokino“ entstanden.

In der ersten Konzeptionsphase entwickelte sich das Projekt durch das Experimentieren mit verschiedenen Medien weiter. Die Grundidee der Regisseurin Eva von Schweinitz, eine Verbindung zwischen Theater und Film zu schaffen ist zum Schwerpunkt der Inszenierung geworden. Die inhaltlichen Veränderungen, die ganz dem Motto des Projekts Experimentierplatz entsprechen, wurden auch durch die Improvisationen der Schauspielerinnen Hannah Biedermann und Manuela Neudegger unterstützt. Wie von der Regisseurin beabsichtigt, sind gemeinsam mit den Schauspielerinnen skurrile Charaktere entstanden, mit deren Ängsten und Wünschen man sich dennoch identifizieren kann.

In „Ein Stück Autokino“ lassen zwei Frauen alles zurück und schaffen sich ihren eigenen „Roadmovie.“ Sie wollen die absolute Freiheit spüren und Abenteuer erleben. Dafür klauen sie ein Auto und begehen einen Banküberfall. Es gibt rasante Verfolgungsjagden mit der Polizei und ruhige Momente am Lagerfeuer, genau wie im Film. Doch die Beiden werden von ihrer Vergangenheit eingeholt, als sie ihr Alter Ego per Anhalter mitnehmen und mit den Ängsten und Sorgen des realen Lebens konfrontiert werden.

Den Kontrast zwischen Film und Wirklichkeit schafft die Regisseurin mit Hilfe einer Videokamera deren Bild auf eine Leinwand im Hintergrund projiziert wird. Der Zuschauer hat zum Einen den Blick auf die Leinwand, auf der er aber lediglich einen Ausschnitt des Geschehen sieht, zum Anderen wird ihm aber auch der Blick auf das Gesamtbild gewährt, welches die Scheinwelt des Films dabei entlarvt. Zu diesem Kontrast gehört auch die Verkleidung der beiden Charaktere mit viel Schminke und Perücke, welche sie in den Momenten ablegen, in denen sie aus ihrer Rolle heraustreten.

Durch Actionszenen, Videoprojektionen und Liveaufnahmen der Regisseurin ist mit „Ein Stück Autokino“ ein rasanter Roadmovie auf der Bühne entstanden, der einen trotzdem immer wieder auf den Boden der Realität zurückholt und mit alltäglichen Ängsten und Wünschen konfrontiert. Dabei wird neben der Faszination „Kino“ auch immer wieder seine Scheinwelt entblößt.

Im Rahmen des Experimentierplatz Regie bekam Eva von Schweinitz dabei professionelle Unterstützung von Tina Jücker und Claus Overkamp vom Theater Marabu.

Die inhaltliche Vorbereitung zu dem Stück begann Ende Mai 2007, die Proben begannen im August 2007. Uraufgeführt wurde das Stück am 22. und 23. September 2007.

Zu der Produktion "Ein Stück Autokino " gab es ein Plakat und eine Postkarte mit Information und Benennung der Darsteller, Informationen zu dem Stück im Marabu-Spielplan 2007 sowie in den monatlichen Brotfabrik-Programmheften.

Im August 2007 fand eine Verschickung des aktuellen Spielplans und der Postkarte von "Ein Stück Autokino" an alle weiterführenden Schulen im Bonn Rein Sieg Kreis, an interessierte Einzelpersonen und den Kulturausschuss sowie weitere Kulturinstitutionen statt.

Es wurden Vorankündigungen an Presse, Hörfunk, TV verschickt. Zudem wurden Einladungen zur Premiere verschickt. Die Pressekritik waren sehr positiv und liegen bei.

Mit „Ein Stück Autokino“ ist im Rahmen des Projekts Experimentierplatz 2007 wieder ein aktuelles und erfolgreiches Stück entstanden, das Nachwuchsregisseuren die Möglichkeit gibt unter professionellen Bedingungen und mit fachlicher Betreuung erste Berufserfahrung zu sammeln.

 

 

5. hartware medien kunst verein, Dortmund - Satelliten-Voyeurismus

 

Ein Workshop mit Modellcharakter in NRW nimmt sich der Produktion und Rezeption von Satellitenbildern aus künstlerischer Sicht an. Neben öffentlichen Vorträgen von internationalen MedienkünstlerInnen, kritischen WissenschaftlerInnen und Firmenvertretern der Geo-Datenbranche aus der Region am Samstag, dem 20. Juli, fand ein zweitägiges praxisorientiertes Workshop-Programm mit 13 TeilnehmerInnen und 4 Referenten statt. Als Vortragende konnten gewonnen werden: Tristan Thielmann (Uni Siegen), Daniel Schulz (Fraunhofer Institut), Regine Debatty (We Make Money not Art), Francis Hunger (HMKV). Im Hands-On Teil des Workshops wurde von Matthew Biederman, Kathy Marmor und Thomas Köner sowie Marc Böhlen am Beispiel der Software Google Earth und alternativer Software die Bearbeitung von Geodaten erprobt, sowie weitere relevante Softwarewerkzeuge vorgestellt. Thilo Elsner (Sternwarte Bochum) erklärte, wie man mithilfe einer Antenne und eines PC die Bilddaten der NOAA-Wettersatelliten empfangen kann. Im Workshop wurden auch die Grundlagen zu einer Publikation gelegt werden, die im Anschluss produziert wurde und aktuelle Medienkunstprojekte im Bereich Mapping, Satellitenbilder, Satellitentechnologie darstellt.

 

Vortragsveranstaltung und Workshop

Das Vortragsprogramm sollte eine breite Öffentlichkeit ansprechen und in das Thema einführen. Folgende öffentliche Vorträge fanden statt:

Francis Hunger: Einige Kommentare zum Erfolg von Google Earth (http://sputnik.irmielin.org )

Daniel Schulz: Geomarketing (http://www.iais.fraunhofer.de)

Regine Debatty: Artist projects using satellite images and geo-data (http://www.we-make-money-not-art.com )

Tristan Thielmann: Geomedialität - Neue A-Perspekticen auf den blauen Planeten, (http://www.fk615.uni-siegen.de, http://www.spatialturn.de)

Es erschienen ca. 60 Besucher und die Workshopteilnehmer nahmen teil. Nach den Vorträgen bestand die Möglichkeit zur Diskussion und für Fragen, die nachhaltig genutzt wurde.

 

Die Workshopgruppe bestand zur Hälfte aus KünstlerInnen aus Deutschland und NRW und zur anderen Hälfte aus internationalen KünstlerInnen. Auf eine gleichmäßige Einladung von Frauen und Männern wurde Wert gelegt. Die Teilnahme war öffentlich in den einschlägigen Mailinglisten und Publikationen ausgeschrieben und brachte mehr Bewerbungen als Teilnehmerplätze zu vergeben waren. Jede/r potentielle TeilnehmerIn sollte die eigenen Erfahrungen und Erwartungen schildern und ein konkretes Ziel für die Workshopteilnahme formulieren – darauf basierend erfolgte die Auswahl.

Die Einführung in das NOAA Wetter-Satellitensystem durch Thilo Elsner war ein voller Erfolg. Mindestens ein Teilnehmer des Workshops (Andreas Bär) hat die dabei gewonnenen Erkenntnisse bereits in einer künstlerischen Arbeit umgesetzt und ausgestellt. Von weiteren Teilnehmern kam sehr gutes Feedback und konkrete Ideen sind in Vorbereitung. Thilo Elsner bot eine weitere Zusammenarbeit zwischen der Sternwarte Bochum und dem HMKV an.

Im weiteren Verlauf wurden Software-Alternativen zu Google Earth vorgestellt sowie anhand einzelner künstlerischer Projekte über Eigenentwicklungen technisch und inhaltlich diskutiert. Besonders hervorzuheben ist das Bemühen aller Beteiligten, die eigenen Arbeitsweisen für die anderen TeilnehmerInnen transparent zu machen, sodass insbesondere im technischen Bereich ein unerwartet großes Spektrum von Wissen anhand von Beispielen untereinander vermittelt werden konnte.

In den Abendstunden bestand die Möglichkeit zum Knüpfen von Kontakten, aus der sich inzwischen weitere Kollaborationen ergeben haben.

Mit ihrer Teilnahme am Workshop verpflichteten sich die Dozenten, KünstlerInnen und Interessierten an einer Publikation mitzuwirken, die im Dezember 2007 veröffentlicht wurde und in verschiedenen Textformaten (wiss. Aufsatz, Interview, gedankliche Assoziationen) die Themen und Ergebnisse des Workshops dar stellt. Die Publikation wurde als Reader realisiert und durchgehend in Englisch – der Workshopsprache – veröffentlicht. Sie ist auch als PDF Download von der Homepage des HMKV kostenlos verfügbar.

 

Erfolg und Auswirkungen der Maßnahme

Drei wesentliche Ziele konnten erreicht werden:

1. In der Öffentlichkeit konnte das Thema erfolgreich über die Vorträge sowie über Presseberichte platziert werden. Einem interessierten Publikum wurde ein Crossover aus Wissensvermittlung und Diskussion in den Bereichen Kunst und Technologie ermöglicht. Die zeitgenössische Relevanz wurde durch Publikum und Presse mehrfach positiv hervorgehoben.

2. Die TeilnehmerInnen des Workshops erhielten die Möglichkeit für ihre künstlerische Arbeit in den praktischen Austausch über technologische Möglichkeiten zu treten. Seitens der Künstler wurde mehrfach die Wichtigkeit eines solchen Ansatzes betont, insbesondere durch Künstler, die nicht mehr an Akademien studieren und daher auf andere Möglichkeiten der Wissensvermittlung angewiesen sind.

3. Die Workshopergebnisse konnten durch eine Publikation einer breiten Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden.

 

 

6. domicil e.V., Dortmund - baender bender

 

Im Ruhrgebiet existiert eine interessante Szene im Bereich der elektronischen und improvisierten Live Musik. Im Rahmen der Reihe „baender bender“ wurde im domicil in Dortmund als einer zentralen Spielstätte für aktuelle Musik erstmals ein regelmäßiges Forum dafür eingerichtet.

Die Reihe fand zwischen Mai und Dezember 2007 einmal monatlich im Club des domicils statt. Als Kurator und künstlerischer Leiter fungierte Jim Campbell. Insgesamt fanden 8 öffentliche Veranstaltungen statt. Dazu kamen zahlreiche informelle Treffen und Vorab- Proben. In der Regel tauschten die vom Kurator speziell eingeladenen Künstler im Vorfeld des Auftritts bereits Material aus oder besuchten sich gegenseitig bei Auftritten zum Kennenlernen. Am Nachmittag des Auftritts stand das domicil schließlich nochmals für Proben zur Verfügung, was von den Künstlern ausgiebig genutzt wurde, auch, um ihre Arbeitsweise und Instrumente kennenzulernen und um neue Konzepte und Ideen gemeinsam zu entwickeln.

Die Auftritte selbst waren stets interessante improvisierte Grenzgänge mit vielfältigen elektroakustischen Instrumentarien von Low-Tech bis High-Tech und Mischformen von „normalen Musikinstrumenten“, Computer mit Live-Sampling bis zu handverkabelten Analog- Synthesizern und selbstentwickelten Klangmaschinen. Einige der Abende sind in Ausschnitten als Videoclips im Internet dokumentiert (eingestellt auf youtube.com). Ein Ziel der Reihe war, die regionale Vernetzung der lokalen Szenen im Ruhrgebiet und darüber hinaus in NRW voranzutreiben. So konnten u.a. der Austausch zwischen Künstlern und Künstlergruppen aus Dortmund und Mülheim, Duisburg und Köln nachhaltig angeschoben werden. Über die Reihe konnte auch ein Kontakt mit einer Künstlergruppe und einem Plattenlabel aus Brüssel realisiert werden.

Die Bühne stand im zweiten Teil des Abends stets offen für spontane „Session“-Gäste. Diese Möglichkeit wurde mit Fortgang der Reihe immer reger genutzt, auch von einzelnen bis dato völlig unbekannten Tonkünstlern aus dem gesamten Ruhrgebiet.

 

Die Termine und geladenen Künstler in der Übersicht:

3.5.2007 „Kick off“ mit Jim Campbell

31.5.2007 Brinkmann Pedersen Siegel Campbell Geitner

20.6.2007 Juhls Corteyn Siegel Campbell Lochny

30.8.2007 Niehusmann Campbell Siegel Geitner

29.9.2007 Rossi Strickmann Campbell

25.10.2007 Eisold Campbell Grimshaw Geitner Siegel

22.11.2007 DJ Elephant / Campbell

27.12.2007 Strickmann Rossi Geitner Pedersen Eimermacher Campbell

 

Die Reihe wird – nach erfolgreicher Evaluierung durch den Trägerverein domicil und den Künstlern - nach Auslaufen der Förderung durch die LAG Soziokultur seit Januar 2008 fortgesetzt und gehört zur festen monatlichen Programmstruktur des domicils. Mit Hilfe der Förderung konnte somit eine neue Reihe zur Vernetzung einer jungen und innovativen Musik-Szene im Ruhrgebiet ins Leben gerufen und erfolgreich etabliert werden.

 

 

7. KABAWIL e.V., Düsseldorf - Spurensuche - wo komme ich her - wo will ich hin?

 

Am Projekt beteiligt waren 23 Jugendlichen aus Familien mit unterschiedlichen Herkunftsländern. Das Projekt wurde in der Zeit vom 30.3.07 bis 5.4.07 durchgeführt, sowohl in den Räumen von KABAWIL e.V. als auch in einem Jugendhotel im Hunsrück.

Den Tagesablauf prägten ein kontinuierliches Tanztraining, gemeinsames Kochen und Essen und gemeinsame Unternehmungen. Im Mittelpunkt des Projektes stand die Auseinandersetzung mit der eigenen Biografie und den Wünschen und möglichen Perspektiven für das weitere Leben. In kleineren Gruppen setzten sich die Jugendlichen mit ihrer Vergangen („Was war mein schönstes Erlebnis?“), mit der Gegenwart („Was ist mir in der Gegenwart am Wichtigsten?“) und der Zukunft („Was wünsche ich mir für die Zukunft?“) auseinander. Die Äußerungen dazu wurden schriftlich festgehalten und dann von den Jugendlichen durch Bilder symbolisiert. Die Diese Zeichnungen, Grafiken etc. wurden in Zusammenarbeit mit der bildenden Künstlerin Elspeth Pikaar großformatig umgesetzt und als Schablonen fixiert, die zum Ende auf zwei großen Leinwänden zusammengeführt wurden. Vorher stellten sich die Jugendlichen „auf“ ihre Zeichnungen und erzählten der Gruppe dazu die Geschichte, die dahinter steht. Einige der Bilder und Szenen wurden dann in Zusammenarbeit mit dem Choreografen Othello Johns tänzerisch umgesetzt.

Ein Beispiel: Ein Jugendlicher stellte dar, dass für ihn seine Heimat Kongo und der Glaube an Gott in der Gegenwart besonders wichtig sind. Für ihn drückt sich dies aus in seiner Kultur, die er wesentlich durch Tanz und Musik bestimmt sieht. Ein anderes Bild stellt die Zukunft dar: Die jeweils „halbe“ Weltkugel, die doch ein Ganzes ergibt und auf der eine tänzerische Übung die Bedeutung von Tanz für die Zukunft symbolisiert.

Das Projekt wurde mit einer Präsentation vor Gästen (zum Teil Eltern, Vereinsmitglieder, befreundete Künstlerinnen und Künstler) für die Jugendlichen abgeschlossen. Es folgte am 6.4. ein Auswertungstreffen der beteiligten Akteure.

 

 

8. Düsseldorfer Arbeitslosentheater, Düsseldorf - Europäische Kommission Oberbilk

 

Das Projekt EUROPÄISCHE KOMMISSION Oberbilk hat zwischen Februar und September 2007 langzeitarbeitslose Düsseldorfer in diversen Werkstätten, zu regelmäßigen Treffen und szenisch-praktischen Proben vernetzt und anhand von Kunstformen wie Theater, Drehbuch und Film, Kreatives Schreiben, Recherche und Dokumentation, Öffentlichkeitsarbeit, Planung und Projektmanagement um das vorgegebene Thema Europa in Düsseldorf/Düsseldorf in Europa zu selbstständiger, langfristiger und aktiver gesellschaftlicher Teilnahme eingeladen, ermutigt und befähigt.

Im Projektzeitraum haben drei einer breiten Öffentlichkeit präsentierte Veranstaltungen statt gefunden, die durch die beteiligten Langzeitarbeitslosen entworfen, recherchiert, geplant, gestaltet und durchgeführt wurden:

- die work-in-progress Theateraufführung im Rahmen der Düsseldorfer Amateurtheatertage am 19. Mai 2007 im Theatermuseum Düsseldorf

- eine Podiumsdiskussion mit der Rechtsanwältin Gabriele Lausch (Praxis für soziales Recht) aus dem Stadtteil Flingern/Oberbilk

- eine zweitägige Stadtrauminszenierung an verschiedenen Spielorten in Oberbilk und dem Stadtgebiet Düsseldorf am 01./02.September 207, die durch eine Abendveranstaltung „Ein Abend für Europa – Galavorstellung mit Überraschungsgästen“ im Kulturzentrum zakk flankiert wurde.

 

Das Thema Europa wurde durch die künstlerische Leitung in ersten Treffen zunächst dem Netzwerk D.A.T. Düsseldorfer Arbeitslosen Theater vorgestellt und beworben. Zum Thema Europa kann man nicht freiwillig kommen, so der Ausgangspunkt, insbesondere nicht aus der Perspektive einer zunehmend von der gesellschaftlichen Teilnahme ausgeschlossenen Personengruppe. Zu dieser Kerngruppe von 10 Personen, die teilweise seit 2002 in diesem Netzwerk zusammenkommen, stießen durch das öffentlich ausgeschriebene Angebot (Flyer) und durch eine erste Pressekonferenz im März, der eine ausführliche Berichterstattung in lokalen Printmedien und im lokalen Rundfunk folgte zum Projektbeginn in Kooperation mit dem Erwerbslosenfrühstück des Kulturzentrum zakk weitere, bis zu 80 Interessierte. Zu Beginn des Projektes wurde das Ziel gesetzt, für das erste Septemberwochenende eine Stadtrauminszenierung zu entwickeln und zu präsentieren, die Laien und professionelle Künstler, aber auch Anrainer und Geschäftsleute zu einer gemeinsamen künstlerischen Arbeit zusammenbringen sollte. Als Try-out für den theatralischen Teil wurde die Teilnahme an den Düsseldorfer Amateurtheatertagen verabredet, die bereits im Mai Teile der Inszenierung vor Publikum vorstellen sollten (50 Zuschauer). Dieser Schritt in die Öffentlichkeit erwies sich als wesentlich für das Selbstbewusstsein und die Motivation des Düsseldorfer Arbeitslosen Theaters. Zudem war der Auftritt bei den Düsseldorfer Amateurtheatertagen ein echter Multiplikator, da entweder als Zuschauer Interessierte oder aber auch nur durch die Presse aufmerksam Gemachte zu dem Projekt und seinen verschiedenen Werkstätten, je nach Interessenslage, hinzukamen.

Auf besonderen Wunsch der Teilnehmer wurden früh dreitägige Workshops unter Leitung von professionellen Schauspielern, aber auch Einführungen in ästhetische Fragen wie Kostüm und Maske angeboten, sowie eine Filmwerkstatt durch einen professionellen Dokumentarfilmer, der durch gemeinsame Analyse von Filmen, der gemeinsamen Entwicklung eines Skripts zu zwei Kurzfilmen führte, die den „Stadtteil mit Erneuerungsbedarf“ Oberbilk ins Zentrum rückte und ein fiktives Bewerbungsvideo der Europäischen Kommission Oberbilk zum Ergebnis hatte (Anlage). Das Medium Film hat sich als ein besonders wirksames und beliebtes für die Arbeit mit Laien gezeigt, da der doppelt geschützte Raum der Vorab-Produktion, also keiner unmittelbaren Konfrontation mit Publikum, und der angeleiteten Möglichkeit zur Wiederholung und Nachbesserung als äußerst positiv empfunden wurde.

Ab März wurde regelmässig eine Theatergruppe (Dienstags, zwei Stunden, abends) und eine Schreibwerkstatt (Mittwochs, 2 Stunden, tagsüber) angeboten unter der künstlerischen Leitung von Friederike Felbeck. Hinzu kam bald eine dritte Gruppe, die sich speziell mit dem Parcours der Stadtrauminszenierung beschäftigte. Hierzu gehörten Recherchen vor Ort im Stadtteil, Befragungen von Anwohnern und Geschäftsleuten, die Akquise von Veranstaltungsorten, vor allem aber die logistische Planung des Veranstaltungsablaufs. In diesen Sitzungen der selbsternannten „Findungskommission“ wurde ein Szenario entwickelt, das best-practice-Orte im Stadtgebiet Düsseldorf mit Schwerpunkt des Stadtteils Oberbilk mit solchen, die durch die Veranstaltung besondere Aufmerksamkeit erhalten sollten, verbunden. In nächsten Schritten wurde das Wunsch-Szenario auf seine Machbarkeit hin überprüft und adaptiert. Hierdurch entstand bei den Beteiligten eine sehr gute Kenntnis des Standorts Düsseldorf unter historischen, soziologischen, städteplanerischen, lokalpolitischen und kulturellen Gesichtspunkten. Eine erstaunliche Bereicherung für die später zum Prozess hinzu stoßenden professionellen Künstler aus dem Bereich Schauspiel, Bildende Kunst und Film war die besondere und einzigartige Sicht auf die gemeinsame Heimatstadt, ihre Vorzüge und ihre Probleme.

In einer zweiten Projektphase ab Juni 2007 wurden verstärkt auch professionelle Schauspieler, Musiker, Bildende Künstler und Schriftsteller an dem Prozess beteiligt. Unter einer ansteigenden Frequenz von Treffen und Proben wurden mit der Theatergruppe gemeinsam Szenen entwickelt und einstudiert. Für die Abendverstanstaltung am 01.09. wurde ein fiktiver Wettbewerb zwischen den EU-Kommissaren aus Brüssel (Schauspieler) und der Europäischen Kommission Oberbilk (Laien), also den Spezialisten für den Standort und die Belange der Anwohner, insbesondere der sozial Schwachen konzipiert. Dies drückte sich in einer bühnentechnischen Aufteilung und Spiegelung an zwei Konferenztischen (oben und unten) aus. Während die Schauspieler anhand von Originaltexten und Reden von EU-Politikern agierten, präsentierte die Europäische Kommission Oberbilk, also das Düsseldorfer Arbeitslosen Theater auf der Grundlage von eigenen Improvisationen entstandene Szenen (Anlage), die vor allem eine satirische Sicht auf Brüssel und die EU zeigten. Daneben standen in der Schreibwerkstatt entwickelte Szenen, aber auch Texte von J. W. v. Goethe (eine adaptierte „Hartzreise im Winter“), dem Düsseldorfer Heinrich Heine, sowie Shakespeare. Der Abend folgte dem Szenario einer Show oder Gala-Vorstellung und wurde durch Interviews mit Gästen, die sich im Rahmen der Recherchen als besonders verdient um den Stadtteil Oberbilk oder durch eine besonders fundierte Kenntnis gezeigt hatten, aber auch durch die Einspielung der in der Filmwerkstatt entstandenen Kurzfilme, ein Europa-Quiz für die Zuschauer sowie ein musikalisches Quiz mit dem Pianisten Boleslav Martfeld angereichert. An der Abendveranstaltung nahmen ca. 70 Zuschauer teil.

 

Während die Zuschauer neben der Abendveranstaltung ab Samstag nachmittags bereits Gelegenheit hatten, an einer alternativen Führung durch den Stadtteil Oberbilk teilzunehmen, gab es am zweiten Veranstaltungstag die Möglichkeit zwischen 11.00 und 17.00 Uhr den Darstellern zu Fuß und per Bus-Shuttle von Spielort zu Spielort zu folgen, wobei ab mittags auch Ziele im Norden Düsseldorfs angesteuert wurden, die im Vorfeld den Beteiligten als repräsentativ und wesentlich für die öffentliche Darstellung Düsseldorfs und ihre eigenen Vorlieben und Identität erschienen. An den verschiedenen Schauplätzen wurden Installationen, szenische und musikalische Interventionen und Lesungen präsentiert. Ein Aufführungsort sollte sicherlich in diesem Zusammenhang hervorgehoben werden: der Besuch im jüdischen Altersheim, dem Nelly-Sachs-Haus, das aus Sicherheitsgründen normalerweise der Öffentlichkeit nicht zugänglich ist, aber auf ausdrücklichen Wunsch der Findungskommission angefragt wurde und auch äußerst positiv auf diesen Wunsch reagiert und die Veranstaltung ermöglicht hat. Zuschauer waren hier auch die Bewohner des Nelly-Sachs-Hauses. Aus den Vorabgesprächen und der Qualität der Veranstaltung ist derzeit beim Düsseldorfer Arbeitslosen Theater geplant, ein Rechercheprojekt zur Lebenssituation von alten Menschen, insbesondere Künstlern in Düsseldorf anzuschließen.

Ebenso befindet sich z.Zt. bereits ein weiteres Folgeprojekt „Oberbilk on the move“ in der Antragsphase (LOS), das sich in formaler Fortsetzung des regelmässigen wöchentlichen Werkstattprinzipes speziell mit den anstehenden strukturellen Veränderungen des Stadtteils Oberbilk auseinandersetzen will, z.B. dem geplanten Bau des neuen Amts-/Landgerichtes auf einer durch Industrieabbau entstandenen Freifläche und der abzusehenden Kommerzialisierung und Entwicklung zum Schlaf-Stadtteil um das Handelszentrum Moskauer Straße hin, ohne die Integration und Teilnahme der nach wie vor sozial äußerst schwachen und durch einen hohen Migrantenanteil geprägten Bezirke um die Kölner Straße. Die angebotenen Werkstätten werden erstmals von Langzeitarbeitslosen selbst angeleitet. Das Medium (Dokumentar-)Film soll die verschiedenen künstlerischen und soziologischen Recherchen und Kontakte bündeln. Der voraussichtliche Projektzeitraum reicht von November 2007 bis Juni 2008.

Der gesamte Prozess wie auch die entstandenen Veranstaltungen sind von allen Beteiligten, insbesondere auch der beteiligten Künstler, für die die Kooperation und die Inhalte durchweg Neuland waren, durchaus positiv bewertet worden und streben nach Fortsetzung. Kritisch sei in dem Zusammenhang angemerkt, dass ein solches Projekt nur durch ein hohes Maß an ehrenamtlicher Tätigkeit oder aber zu erheblich ermäßigten Bedingungen durch die Künstler möglich war und – bei uneingeschränkter Notwendigkeit solcher Projekte und Kooperationen – einen Ausblick auf den sich zunehmend entwickelnden prekären „Ausverkauf“ von künstlerischer Arbeit zugunsten von Dienstleistungen gewährt. Darüber hinaus haben gerade Kontakte zu möglichen Kooperationspartnern aber auch Behörden noch einmal sehr deutlich gemacht, in welchem Grad derzeit eine Ausgrenzung von Langzeitarbeitslosen und Migranten und entsprechende Vorbehalte und Berührungsängste statt finden. An dieser Stelle ist äußerst viel zu tun und wohl gerade auch in der Zusammenarbeit mit Künstlern.

Statistik:

1. Proben Düsseldorfer Arbeitslosen Theater

54 Stunden/27 Termine: Februar 2007:   27.02.

März 2007: 06./13./20./27.03

April 2007:03./10./17./24.04

Mai 2007: 08./11./14./15./16./17./18./19./20./22./29.05

Juni 2007: 05./12./19.06.

Juli 2007:          03./06./10./11.

 

2. Proben Düsseldorfer Arbeitslosen Theater und Profis

135 Stunden/27 Termine

Juli 2007: 17./31.07

August 2007: 01./02./03./04./05./06./07./08./10./15./16./17./18./19./20./21./22./23./25./26./27./28./29./30./31.

 

3. Schreibwerkstatt

42 Stunden, 21 Termine: 07./14./21.03; 04./11./18./25.04. ; 02./09./16./23./30.05. ; 13./27./.06. ; 06./13./18./27./07. ; 08./10./22.08.2007

 

4. Findungskommission

28 Stunden, 8 Termine: 11./19./23.06 ; 03./20./23./24.07. ; 14.08.2007

 

5. Filmwerkstatt: 3 Drehtage à 10 Stunden am 22.07./28.07. und 11.08.2007

 

6. Veranstaltungen

- 2 Themen-Workshops 09./10./11.03. und 15./16.03.2007

- Vorstellung Düsseldorfer Amateurtheatertage, Theatermuseum, 19. Mai 2007

Titel: Europäische Kommission Oberbilk, Sitzung: 19. Mai 2007

- Podiumsdiskussion RA Lausch – Praxis für soziales Recht, 04.07.2007

Europäische Kommission Oberbilk, Stadtrauminszenierung 01./02.September

 

 

9. zakk, Düsseldorf - Zukunftsforum - Wie wollen wir leben?

 

Zukunftsängste sind stark auf dem Vormarsch – das war unsere Erfahrung aus vielen Projekten mit Jugendlichen, mit Berufstätigen und Erwerbslosen, aber auch mit Menschen der Generation 50plus. Lange vor dem 30. Geburtstag begann deshalb im zakk eine Debatte darüber, wie dem Blick in die eigene Vergangenheit ein Blick in die (eigene) Zukunft hinzugefügt werden kann. Im Ergebnis sollte versucht werden, durch einen Kongress der Frage nachzugehen, wie wir – also der einzelne Mensch unter Berücksichtigung der gesellschaftlichen Bedingungen – leben wollen. Dafür beantragte und erhielt zakk Gelder von der LAG Soziokultur.

 

Warum einen Kongress ?

In unseren Überlegungen gingen wir davon aus, dass die objektiven Bedingen für eine Welt ohne Hunger, Armut und Dummheit gegeben seien, die subjektiven Erfahrungen von Milliarden weltweit, aber mittlerweile auch von Millionen hierzulande andere sind. Nach wie vor, so unsere Einschätzung, sehe die überwältigende Mehrheit der Menschen jedoch keine realistische Alternative zum Bestehenden. Wenn die bestehenden Verhältnisse geändert werden sollen, muss es zuvor eine Verständigung über Interessen und Möglichkeiten geben. Auf unserem Kongress wollten wir den interessierten Normalmenschen ebenso das Wort geben wie den VertreterInnen der realistische Utopien und der wissenschaftlichen Alternativen. Wir gingen davon aus, dass ein Kongress mit kurzen Inputreferaten und anschließenden Diskussionsrunden sowie kulturellen Beiträgen eine geeignete Form zur Erörterung kultureller und sozialer Interessen sei.

 

Vom Kongress zum Zukunftsforum.

Auf dem Weg zum Kongress begegneten wir verschiedenen Schwierigkeiten. In Gesprächen mit KooperationspartnerInnen und in den von uns beauftragten Interviews wurde schnell deutlich dass der Begriff Kongress bei vielen als belastet empfunden wurde. Wir einigten nach ausführlicher Diskussion und dahingehend, dass wir ein Zukunftsforum mit moderierten Werkstätten anbieten wollten. Zudem wurde deutlich, dass viele Interviewte auf die ausdifferenzierten Fragen danach, wie sie leben wollen würden, dahingehend antworteten, was sie befürchteten, wie sie leben werden müssen. Wir reagierten daraufhin u.a. mit einer Veränderung des Ablaufes. Gingen wir zuerst davon aus, dass wir mit einem prominent besetzen Referat zur kritischen Bestandsaufnahme, dann mit den Werkstätten und abschließend mit einer Diskussionsrunde über bereits realisierte Alternativen den sinnvollsten Verlauf hätten, so erschien uns nach Kenntnisnahme der Reaktionen nötig, bereits zu Beginn der Veranstaltungen die Positiverfahrungen realisierter Utopien zu setzen. Gerade von studentischer Seite wurde eine Debatte eingefordert, die "geerdet" sein sollte. Terminschwierigkeiten von angefragten ReferentInnen ließen eine Verschiebung nötig werden, nicht verschoben haben wir die Veranstaltung mit Brigitte Pick, der ehemaligen Rektorin der Rütli Schule in Berlin Neukölln, die am 16.10.07 vor 50 TeilnehmerInnen aus ihrem Buch “Kopfschüsse. Wer PISA nicht versteht, muss mit RÜTLI rechnen” las. Diese Veranstaltung war noch gemäß der älteren Konzeption der "Bestandsaufnahme am Anfang" geplant und begleitet von einer lebhaften Debatte unter den BesucherInnen.

 

Kooperationen und Jugendabstinenz

zakk ist es zwar gelungen, für das Zukunftsforum Kooperationspartner wie das Sozialforum Düsseldorf, attac-Düsseldorf, Rosa-Luxemburg-Club Düsseldorf und den AStA der FH Düsseldorf zu gewinnen, aber leider niemanden aus dem Bereich der Jugendorganisationen. Zakk begegnete der erwarteten und auch stattgefunden Abwesenheit von Jugendlichen durch Einladung der Mitverfasserin der Shell-Studie, Dr. Gudrun Quenzel, die über die Zukunftserwartungen (!) der Jugendlichen referierte und diskutierte.

 

Das Forum selbst

Während die Teilnehmerzahl mit 120 Menschen am unteren Rande der Erwartungen blieb, ist der Verlauf des Forums widersprüchlich zu bewerten. Die extra gehängte Ausstellung "social-aspects". public-spirit" des Düsseldorfer Künstlers Dirk Dominicus begrüßte die TeilnehmerInnen mit sarkastisch durchleuchteten Bildern wie " Zuflucht", "Wenn das Gute liegt so nah", oder " Alles liegt auf der Straße, Sie müssen nur zugreifen" und zog auch im Verlauf reges Interesse auf sich. In der Auftaktrunde schilderte Hubert Ostendorf, Herausgeber der Obdachlosenzeitschrift fifty-fifty, wie es mit dem Zeitungsprojekt gelungen sei, hunderten Düsseldorfer Obdachlosen nicht nur materiellen Zugewinn sondern auch ein Stück mehr Würde zu geben. Ingo Niebel berichtete von den Erfolgen im Venezuelanischen Transformationsprozess. Bereits die anschließende Diskussion verdeutlichte ein Problem, das sich durch den ganzen Tag ziehen sollte: die Unfähigkeit oder Nichtbereitschaft größerer Teile der Sprechenden, über Wünsche und Interessen zu diskutieren, sondern sich am Beklagen bestehender Missstände festzubeißen. Das wurde in unterschiedlicher Intensität auch in den fünf Werkstätten deutlich.

1. Das Ende des Menschen, wie wir ihn kennen.

Welche Möglichkeiten, Chancen und Gefahren schaffen die Entwicklung von Wissenschaft & Technik im 21. Jahrhundert ?

Mit Dr. Achim Zielesny, Professor für Chemie, Chemo- und Bioinformatik an der FH Gelsenkirchen.

2. Von Bionadeglück, Kreativität und dem Ende der Kommerzkultur.

Welche Rolle, welchen Stellenwert soll Kultur in meinem Leben haben?

Mit dem Sozialwissenschaftler und Philosophen Dr. Werner Seppmann, moderiert von dem Kulturjournalisten Dr. Olaf Cless.

3. Urbane Lebensqualität in der Stadt der Zukunft.

Heute wird die Stadt geplant und gebaut, in der morgen gelebt werden kann und muss. Höchste Zeit also, die eigenen Interessen zu formulieren.

Mit dem Stadtplaner Dipl. Ing. Jochen Kral, moderiert von Alexander Flohé.

4. Zwischen Arbeitszwang und dem Recht auf Faulheit.

Die einen arbeiten sich tot, für die anderen bleibt existenzsichernde Arbeit nur ein Traum. Bürgergeld, Existenzgeld, bedingungsloses Grundeinkommen, radikale Arbeitszeitverkürzung und Arbeitsverteilung - wie will ich meinen Lebensunterhalt bestreiten?

Mit Udo Bonn, Betriebsratsvorsitzender, moderiert von Dr. Artur Aschmoneit.

5. Leben. Wild und gefährlich !?

Schule, Beruf, Rente – der Klassiker hat ausgedient, die Biographien verlaufen nicht gradlinig. Angepasstes Durchwursteln und/oder sinnvolles Gestalten - was will ich alles machen und erleben, wie will ICH leben ?

Mit Dipl. Päd. Karin Nell, moderiert von Dr. Reinhold Knopp.

 

Überraschenderweise entwickelten sich die Werkstätten dabei derart lebhaft, dass auf Wunsch der TeilnehmerInnen ein großer Teil der geplanten Pausen zugunsten längerer Diskussionszeit ausfiel. Auf reges Interesse stieß der Videoclip von Los Dos Media mit den Interviews zum Thema "Wie wollen wir leben?", auf weniger großes Interesse der Kabarettbeitrag von Jens Neutag.

Die Abschlussrunde war eher von der Müdigkeit des langen Tages geprägt; lediglich der bereits erwähnte Beitrag von Dr. Gudrun Quenzel über Jugendwünsche sorgte für lebhafte Debatte.

 

Ein erstes Fazit.

Schon während des Zukunftsforums sind wir von verschiedener Seite angesprochen worden, das Forum als Reihe fortzusetzen. Die Wünsche reichten dabei von aufeinander abgestimmten Abendveranstaltungen bis zu weiteren Ganztagesveranstaltungen. Zakk prüft die eigenen Möglichkeiten und hat bereits Kooperationsgespräche mit attac und dem Sozialforum vereinbart. Dabei muss dann auch nach Wegen gesucht werden, den Altersdruchschnitt der Beteiligten deutlich zu senken.

Ein grundlegendes Problem wird jedoch die Durchbrechung der Denksperre beim Thema Zukunft sein. Nicht nur in der Vorbereitung, auch beim Forum selbst, zeigte sich deutlich, dass es schwer bis unmöglich ist, sich aus den aktuellen Sorgen soweit zu lösen, dass es möglich wird positive Zukunftswünsche zu formulieren.

Dies ist besonders bemerkenswert, weil das zakk traditionell eher Angehörige der Mittelschichten als Besucher hat und zu vermuten steht, dass ein Teil dieser materiell noch abgesichert ist. Dennoch scheint der Deklassierungsprozess der letzten Jahre tiefe Verheerungen bewirkt zu haben, die sich unter anderem in der Unfähigkeit ausdrückt, Gesellschaftsvisonen zu skizzieren, die nicht Horrorbildern gleichen. Am deutlichsten wurde das bei der Gruppe der Erwerbslosen die – auch durch die Strukturen der Agentur für Arbeit - gerade mal auf die Bewältigung der nächsten 6-12 Monate eingestellt waren. Ein Leben danach war für viele gerade nicht greifbar und planbar und unrealistisch utopisch.

Der Anspruch, aus den Möglichkeiten des Bestehenden das abzuleiten, was für den Einzelnen als gesellschaftlich wünschenswert empfunden wird, konnte von Zukunftsforum nicht eingelöst werden. Es scheint, dass es dazu anhaltender Debatte, der eigenen realitätsverändernden Praxis und des Verweises auf stattgefunden habende bzw. stattfindende positive Veränderungen, seien sie evolutionären oder revolutionären Charakters bedarf. Zakk wird sich im Rahmen seiner Möglichkeiten daran beteiligen.

 

 

10. Stroetmanns Fabrik, Emsdetten - Bühnenzauber „Magic Mystery-Show“ – Workshopprojekt mit Jugendlichen

 

Seit über zehn Jahren bietet Stroetmanns Fabrik in den Sommerferien intensive Kulturprojekte für Kinder an. Unser Anliegen ist es, Kindern den Zugang zu Kunst und Kultur nicht durch Rezipieren oder pädagogische Vermittlungsversuche zu ermöglichen, sondern Angebote zu machen, die zu eigenem schöpferischen Handeln und Gestalten in Kooperation mit professionellen Künstler einladen. Bisher haben wir dabei vor allem Kinder angesprochen, da Jugendliche ihre Freizeit meist lieber unabhängig und unorganisiert verbringen.

Im Hintergrund unserer Planungen in diesem Jahr standen auch die Gedanken um den Amoklauf an der Geschwister-Scholl-Schule in Emsdetten. Die großen Fragen „Wie konnte es dazu kommen – Und was muss getan werden, um es zu verhindern?“ - können dabei in ihrer gesellschaftlichen Komplexität nicht befriedigend beantwortet werden. Anti Gewalt/Mobbing Training sollten aus unserer Sicht in Schulen und Jugendeinrichtungen stattfinden, dort wo Jugendliche in Gruppen zusammen sind. Wir sprechen mit unseren Angeboten eher den Einzelnen und seine persönlichen Entwicklungspotentiale an. In diesem Jahr wollten wir als Zielgruppe Jugendliche zwischen 13 und 15 Jahren ansprechen und Jungen dabei besonders berücksichtigen.

Folgende Fragen haben wir uns in Zusammenhang mit der Planung gestellt:

- Wie können wir Jugendliche erreichen, die u.U. Opfer von Mobbing werden können, weil sie vielleicht zurückhaltender und ruhiger sind, weil das Selbstwertgefühl nicht stark genug ist usw.?

- Welche Angebote können wir machen, um Jugendlichen Erfolgserlebnisse zu verschaffen, um ihre kreativen und darstellenden Fähigkeiten zu fördern?

- Welche Angebote können Jungen eine Alternative zu Computerspielen geben?

Das Ergebnis zu diesen Überlegungen war die Entwicklung eines Performance Projektes zum Thema „Magie“. Jugendliche sollten unter Anleitung eines professionellen Künstlers eine Magiershow planen, organisieren und umsetzen, die mit spektakulären Tricks und Effekten weit über das hinausgehen soll, was auf Kindergeburtstagen u.ä. zum Thema Zaubern präsentiert wird. Dabei sollten sie die Möglichkeit haben, ihre Begeisterung für „Magie“ und „Fantasy“ nicht nur an Konsole und PC, sondern „live“ ausleben zu könne.

In vielen Punkten ist unser Projekt aufgegangen. Die Anmeldungen für den Workshop kamen nicht so schnell, wie wir es von früheren Projekten gewohnt waren. – Aber sie kamen, zumeist – ebenso im Gegensatz zu den Vorjahren – von einzelnen Teilnehmern, nicht von Freunden oder kleinen Gruppen. Bis auf ein Mädchen meldeten sich nur Jungen an und es waren hauptsächlich „ruhigere“ Vertreter. Jungen, die sich für Magie begeistern, ein Thema, das für sie mit dem Wunsch nach Stärke und Größe verbunden ist.

Wir waren unsicher, ob es im Rahmen der Workshopwoche gelingen würde, Bühnenpräsenz und Auftreten so zu fördern, dass die Teilnehmer eine abendfüllende Show gestalten können. Hier wurden wir überrascht, - alle bewegten sich von Anfang an sehr sicher und frei auf der Bühne, die Präsentation der spektakulären Tricks gab große Sicherheit. Alle Tricks waren in kleine schauspielerische Sequenzen eingebunden, die von allen überzeugend dargestellt wurden. Die Begleitung der Nummern durch aktuelle Filmmusik trug ebenfalls dazu bei, die Motivation der Jugendlichen zu stärken.

Wie immer gab es natürlich auch Entwicklungen, mit denen wir nicht gerechnet hatten. In der Mitte der Workshopwoche gab es einen „Durchhänger“, der entstand, als alle Tricks verraten waren. Dahinter steckte die Enttäuschung der Jugendlichen über die oft überraschend einfachen Geheimnisse gerade der spektakulärsten Tricks. In einem sehr persönlichen Gespräch erzählte der Künstler dann von seinem Umgang mit diesem Phänomen, das alle Zauberer „für sich“ behalten müssen. Die Magie findet in den Köpfen der Zuschauer statt und daraus schöpft der Magier seine Kraft und Motivation. Nur indem man die Geheimnisse auch Geheimnisse bleiben lässt, besteht die Zauberkunst fort. – Damit war die Krise gewendet und das Lampenfieber begann zu steigen. Die Abschlussperformance war gut besucht und die Akteure lieferten eine hervorragende Show.

Die Resonanz der Eltern im anschließenden Gespräch zeigte, dass wir tatsächlich einige Teilnehmer im Workshop hatten, die ihre Freizeit sonst fast ausschließlich vor dem PC verbringen. Die Eltern waren sehr erfreut und erstaunt, dass dies während der Workshopwoche tatsächlich kaum Thema mehr war. In einigen Familien blieb selbst der Fernseher aus, weil die Tricks „bis zum Erbrechen“ – dem Testpublikum vorgeführt wurden, natürlich ohne die Geheimnisse zu verraten. Wir waren uns in der Planungsphase nicht sicher gewesen, ob die Jugendlichen die auch altersbedingte Zurückhaltung, sich zu präsentieren und zu spielen überwinden würden. Dies ist aber durch die professionelle Vermittlung und die aufwendige Technik komplett geglückt. Alle Teilnehmer legten größten Wert darauf, dass möglichst alle Verwandten und Bekannten zur Abschlusspräsentation kamen. Der Workshop hat aus unserer Sicht wieder einmal bewiesen, was auch allmählich in der Öffentlichkeit mehr Gehör bekommt: Kulturelle Bildung stärkt Jugendliche, schafft Kontakte, bringt Erfolgserlebnisse, aktiviert und motiviert den ganzen Menschen. Hier haben vor allem oft die Kinder und Jugendlichen eine Chance, die sonst weniger integriert sind oder z.B. in der hoch gepriesenen Welt des Vereinsports keinen Platz für sich finden.

 

 

11. Open System e.V., Essen - FlussKlang:RiverSound

 

Mit Jon Rose und Michael Rodach hat Karl-Heinz Blomann zwei international renommierte Klangkünstler eingeladen, sich gemeinsam mit ihm dem Wandel im Emschertal zu nähern. Die geplante Rückgewinnung der Flusslandschaft ist von enormer ökonomischer, sozialräumlicher sowie baulich-ästhetischer Bedeutung für das gesamte Ruhrgebiet. Diese sozial-kulturelle Seite des Emscher-Umbaus thematisiert und bearbeitet FlussKlang:RiverSound mit künstlerischen Mitteln.

Die Beteiligten hielten sich zwei Wochen in der Region auf. Zum Einstieg wurde ihnen im Rahmen einer ganztägigen „Emschertour“ von der Quelle bis zur Mündung der Projekthintergrund nahegebracht. Vorträge und umfangreiches Infomaterial ergänzten die vor Ort gesammelten Eindrücke.

Im Anschluss entstanden Konzepte, wurden O-Töne aufgenommen und der weitere Produktionsablauf geplant. Dazu konnten die eingeladenen Künstler auf Materialien und kulturelle Aktivitäten zurückgreifen, die bereits vor geraumer Zeit im Rahmen dieser Umbauaktivitäten in der Region initiiert wurden (Beispiel: www.emscherplayer.de).

2007/2008 wurden 4 Projekte der Akustischen Kunst realisiert:

„THE TEMPLE OF JUICE“ / Komposition, Musikeinspielungen, Regie, Produktion: Karl-Heinz Blomann, Jon Rose / Länge: 20 MIN.

„EINE STIMME, EINE SAITE, EIN FLUSS“ / Komposition, Musikeinspielungen, Regie, Produktion: Karl-Heinz Blomann, Jon Rose / Länge: 20 MIN.

„AUF DER EMSCHER SIND NOCH NIE SCHIFFE GEFAHREN“ / Komposition, Musikeinspielungen, Regie, Produktion: Karl-Heinz Blomann, Michael Rodach / Länge: 20 MIN.

RÖHREN“ / Komposition, Musikeinspielungen, Regie, Produktion: Karl-Heinz Blomann, Michael Rodach / Länge: 20 MIN.

 

Auf der Internetseite www.riversound.de findet man neben sämtlichen Informationen zu Projektidee und –Hintergrund zahlreiche Video- und Soundbeispiele.

Außerdem entsteht eine produktionsbegleitende DVD.

Eine Fortführung des Projekts bis 2010 wird angestrebt. Im Kontext von FlussKlang:RiverSound sind die unterschiedlichsten Hörproduktionen denkbar - von der Dokumentation über O-Toncollagen bis zu Sound-Scapes, Surround-Produktionen, Kollektiv-Hörspielen, Kinder-Hörspielen oder Installationen.

Die seit dem Festival open systems 2005 bestehende Kooperation mit der Emschergenossenschaft wurde kontinuierlich fortgeführt und vertieft, ebenso die Zusammenarbeit mit dem WDR. (Der Sendetermin im WDR 3 / Studio Akustische Kunst ist für Ende 2008 anberaumt.)

Bereits 2006 wurde die Idee zu FlussKlang:RiverSound auf den EBU-Konferenzen (European Broadcast Union) in Stockholm und Paris vorgestellt und erfreute sich dort großer Resonanz, so dass die Ausstrahlung durch weitere europäische Rundfunksender nicht ausgeschlossen ist.

FlussKlang:RiverSound hat bislang erfolgreich regionale Identität mit externer Perspektive verknüpft. Das Medium Klangkunst bietet dabei eine neue ungewöhnliche Möglichkeit der Auseinandersetzung – sowohl für Beteiligte als auch für Rezipienten. Die geschaffenen Werke können als Ausgangsmaterialien für zukünftige kreative Aktivitäten genutzt werden und in der angedachten Fortführung bis 2010 eine nachhaltige Wirkung erzielen.

 

 

12. Kulturzentrum Pelmke – Hagen - Musikprojekt Utopia im Alltag

 

Eh die Zeit anfing lernte ich fliegen – ein Resümee

 

Projektzeitraum: September – Dezember 2007

Projektleitung: Elke Ortmann, Stefanie Heine

 

Am 8.12.2007 fand das Projekt „Eh die Zeit anfing lernte ich fliegen“ in einer einstündigen Aufführung im Kulturzentrum Pelmke seinen erfolgreichen Abschluss.

Vorausgegangen waren 3 Monate intensiver Arbeit im schauspielerischen, musikalischen und stimmlichen Bereich, aber auch immer wieder Diskussionen, wobei die Themen Erkenntnis, Lernen, Wissen, Fluch und Segen der Wissenschaft immer mehr in unseren Fokus rückten. Unser Ziel, die TeilnehmerInnen zu unterstützen, ihre eigenen Ideen und Wünsche einzubringen und theatralisch und musikalisch zu bearbeiten haben wir erreicht.

 

Durch unsere Entscheidung, die vielen verschiedenen Ideen und Texte zu einer chorischen Collage zusammenzuführen, konnten wir einigen TeilnehmerInnen, die zeitlich sehr begrenzt waren aber doch an dem Projekt teilnehmen wollten, die Möglichkeit bieten, sich auf einzelne Szenen oder Lieder zu konzentrieren, so dass sie nicht an allen Proben teilnehmen mussten.

 

Die Kerngruppe, bestand aus 9 Frauen und einem Mann, dazu kamen 5 weitere Frauen, die sich – je wie es ihre Zeit erlaubte – einbrachten und noch einige, die die Aufführung nicht mitmachten, aber ihre selbstgeschriebenen Texte zur Verfügung stellten und eine Zeit lang das Projekt begleiteten. Unterstützt wurden wir zudem noch von dem bereits seit einem Jahr bestehenden Pelmke-Chor, der unsere Lieder einstudierte und die Aufführung mitbestritten.

 

Insgesamt war es eine sehr intensive und interessante Zeit, in der wir alle viel über uns selbst und voneinander gelernt haben und Qualitäten an uns selbst und den anderen entdeckt haben, die wir vorher nicht kannten. Auf Wunsch vieler Teilnehmerinnen nach weiterer schauspielerischer Arbeit werden wir im Frühjahr einen Schauspiel-Workhop anbieten, um die angefangene Arbeit fortzusetzen.

 

 

13. Kubischu – Kulturinitiative, Hattingen - Projekt „Polski Blues“

 

Das Projekt wurde wie geplant im Frühjahr und Sommer 2007 in den wöchentlichen Sitzungen und zusätzlichen Arbeitsgruppen der Kubischu vorbereitet, inhaltlich konzipiert und organisiert. Hier wurden Themenvorschläge erarbeitet, Texte gelesen und ausgewählt und Texte selbst geschrieben. Diese Arbeit mündete in 9 öffentlichen Veranstaltungen in der Zeit vom 12. August bis zum 21. September 2007. Dabei wurde neue polnische Literatur vorgestellt, es gab ein Kinderprogramm, in dem Bücher von Janosch im Mittelpunkt standen, und ein Fest unter dem Motto „Polen und das Ruhrgebiet“. Musikalisch präsentierten wir u.a. die polnische Sängerin Jola Wolters und ein polnisches Jazz-Trio.

Es gab gute Kontakte und Zusammenarbeit mit dem Verein „Deutsch-Polnische Freundschaft Sprockhövel-Hattingen-Krakau“, der seit 1994 einen regelmäßigen Austausch von Studenten organisiert.

Zudem gab es eine Zusammenarbeit mit der VHS Hattingen und dem Kunstverein Hattingen, die sich mit einer Ausstellung des polnischen Künstlers Zygmund Januszewski aus Warschau beteiligten. Die VHS führte im Rahmen des Projektes zusätzlich eine eigene Veranstaltung über die Welt der literarischen Kurzform (Aphorismen) in Polen durch.

Zusammen mit dem Stadtmuseum Hattingen führte die Kubischu einen SteinBildhauer Workshop mit einen deutschen und einem polnischen Bildhauer als Kursleiter durch.

Im Rahmen des Projektes „Polski Blues“ wurde auch eine Granitplastik von einem der bekanntesten polnischen Bildhauer, Zbigniew Frączkiewicz, in einem Park in Hattingen aufgestellt. Neben dem finanziellen und ideellen Einsatz der Kubischu gab es hier erhebliche Unterstützung beim Transport durch das Sponsoring eines Hattinger Unternehmers und durch die Stadt Hattingen.

Im Rahmen dieses Projektes wurde auch der Hattinger Förderpreis für junge Literatur vergeben. Es gab 130 Bewerbungen aus Deutschland, Österreich, der Schweiz, Frankreich, Großbritannien, Finnland, Spanien und Bulgarien. Die Förderpreise gingen an Christoph Aistleitner aus Graz (Österreich) und Finn-Ole Heinrich aus Hannover.

Das vollständige Programm ist der nachfolgenden Übersicht zu entnehmen. Ausgewählte Presseberichte über die insgesamt sehr erfolgreiche Durchführung sind ebenfalls angefügt.

 

 

14. aufabwegen, Köln - sound transport

 

Im Mai 2007 wurde das Projekt „sound transport“ von aufabwegen durchgeführt, welches mit Mitteln der LAG und des Japanischen Kulturinstituts Köln gefördert wurde.

Im Rahmen des Projekts „sound transport“ wurde der japanische Klangkünstler AUBE (Akifumi Nakajima) eingeladen, an mehreren Orten in Europa seine Klangkunst zu präsentieren. Ziel des Projektes war es zum einen, avancierte Geräuschmusik an möglichst verschiedenartigen Orten aufzuführen: vom besetzten Haus, über den Club bis zum Museum, um so möglichst neue Hörerschichten an diese Art der Musik heranzuführen. Zum anderes war es aber vor allen Dingen Ziel, über das Thema der Geräuschmusik in einen Austausch zu kommen: mit anderen Musikern aus den jeweils lokalen Szenen oder mit dem Publikum vor Ort. Zu diesem Zweck wurden, wenn immer dies möglich war, nicht nur „normale“ Konzerte von AUBE abgehalten, sondern Mitmach-Workshops, Präsentationen oder Sessions mit lokalen Musikern abgehalten, um die Produktionstechniken für experimentelle Musik auch Laien näher zu bringen, bzw. um sich mit Künstlern aus den jeweils lokalen Szenen über Ästhetik und Produktionstechnik auszutauschen. AUBE wurde während der gesamten Konzertreise von DJ Zipo (Till Kniola) begleitet, der ebenfalls das Publikum über Mischtechniken in der Geräuschmusik informierte und in drei Fällen auch einen Vortrag über die Geschichte der Geräuschmusik und die Produktionstechniken am Beispiel von Akifumi Nakajima hielt (Bremen, Göteborg, Stuttgart). Till Kniola war für die gesamte Organisation der Konzertreise verantwortlich; die Fahrten wurden in seinem privaten PKW absolviert.

 

Die Stationen waren im Einzelnen:

12.05 Parkhof, Alkmaar, NL: Session mit lokaler Gruppe A Challenge Of Honour

13.05. WORM, Rotterdam, NL: Konzert & Workshop

14.05. MS Stubnitz, Rostock: Konzert & Workshop

15.05. Lodz, PL: Präsentation & Konzert

16.05. AZ Conni, Dresden: Konzert

17.05. Stichting Intro: Konzert & anschließende Diskussion

18.05. Kulturbunker Mülheim, Köln: Konzert & Präsentation

20.05. Museum Rosket, Göteborg, S: Konzert & Vortrag

21.05. Fylkingen, Stockholm, S: Konzert, Präsentation, Session mit lokaler Gruppe Diskrepant

22.05. Muscicaffeen, Aarhus, DK: Konzert, Session mit lokaler Gruppe Wäldchengarten

27.05. Waggons, Stuttgart: Konzert & Vortrag

28.05. Cave 12, Genf, CH: Konzert und Session mit Musikern Kahn/Müller/Möslang

29.05. Paradise, St. Gallen, CH: Konzert und Session mit Musikern Kahn/Müller/Möslang

30.05. Paradox, Tilburg, NL: Konzert, Präsentation, gemeinsame Session AUBE + DJ Zipo

31.05. Museum Weserburg, Bremen: Konzert, Vortrag, Diskussionsrunde

 

Insgesamt ist festzuhalten, dass die Veranstaltungsreihe das oben definierte Ziel erreicht hat. Besonders an Orten, wo experimentelle elektronische Musik kein alltägliches Vergnügen darstellt, waren die Reaktionen des Publikums äußerst intensiv (Lodz, Göteborg). Auch das Aufeinandertreffen mit lokalen Musikern brachte spannende Ergebnisse. Die Veranstaltungen waren unterschiedlich besucht; immer kam es jedoch zum gewünschten intensiven Austausch über die Geräuschmusik. Dabei reichte die Form der Vermittlung über eine lebhafte Diskussion und Teilnahme bei kleinen Veranstaltungen (z.B. Rostock, 15 Besucher), über eine offene, eher akademische Diskussion (Museum Weserburg, Bremen, 80 Besucher), bis hin zur einer klassischen „Konfrontation“ [vorne steht jemand und erzählt, hinten sitzt jemand und hört zu] (Göteborg, 200 Besucher).

Soweit dies möglich war, habe ich Flyer/Werbeträger der lokalen Veranstalter gesammelt und diese der Dokumentation beigefügt. Vom Workshop in Rotterdam gibt es keine Bilder, weil ich dort so in Aufregung und mit anderen Dingen beschäftigt war, weil mir mein PKW aufgebrochen wurde (dies ist allerdings dokumentiert). AUBE hat von aufabwegen und dem japanischen Kulturinstitut ein Gesamthonorar von 2.000,00 Euro erhalten. Einnahmen wurden nicht erzielt; wurde Eintritt erhoben, so verblieben die Einnahmen bei den lokalen Veranstaltern zur Deckung ihrer Kosten (Hotel für Nakajima/Kniola, Essen, etc.). Viele der Veranstaltungen wurden aber auch mit freiem Eintritt durchgeführt.

 

 

15. aufabwegen, Köln – geräuschwelten - geräuschbilder

 

Im Jahre 2007 wurde von März bis Dezember das Projekt „geräuschwelten - geräuschbilder“ von aufabwegen durchgeführt, welches mit Mitteln der LAG und des Kulturamts Münster gefördert wurde.

Im Rahmen des Projekts „geräuschwelten – geräuschbilder“ sollte der Zusammenhang von Sound und Bild untersucht werden und zwar weit über die Ansätze von VJing oder Bilder zur Musik hinaus. Für die Konzerte, die im cuba Münster, sowie im Studio 672/Stadtgarten Köln (und als Kooperation in der Stichting Intro in Masastricht/NL) stattgefunden haben wurde Musikprojekte/Klangkünstler engagiert, die in Ihren Arbeiten Prinzipien der Bildbearbeitung und der filmischen Komposition anwenden. Wenn möglich und vorhanden, wurden im Konzert auch immer Filme der auftretenden Musiker gezeigt. Bei den Konzerten von Marc Behrens und Paul Devens kamen studentische Kurzfilme zum Einsatz, die speziell für die Konzertabende entstanden waren und ein musikalisches Thema in Bildsprache umzusetzen versuchten. Kurator der Reihe „geräuschwelten – geräuschbilder“ war Till Kniola. Folgende Konzerte konnten 2007 veranstaltet werden, wobei das für Dezember geplante Konzerte aufgrund der Geburt der Tochter von Till Kniola auf Januar verschoben werden musste. Das Konzert am 06.05. mit Asmus Tietchens, Richard Chartier (USA) und Heribert Friedl (Wien) wurde in Kooperation mit cuba cultur e.V. veranstaltet – aufabwegen hat die Gagen der Künstler Tietchens/Friedl übernommen, cuba cultur hat den auswärtigen Künstler Richard Chartier bezahlt und deshalb auch die Einnahmen für sich behalten.

 

Die Konzerte waren im Einzelnen:

09.03. Mathias Grassow, R.O.T., Dinosaurs with Horns, cuba/blackbox, Münster

13.04. Fire In The Head, Feien Trinkers bei Pinkels Daheim, cuba/blackbox, Münster

06.05. Asmus Tietchens, Heribert Friedl, Richard Chartier, cuba/blackbox, Münster

07.09. Roger Rotor, Big City Orchestra, cuba/blackbox, Münster

25.09. Troum, Voice Of Eye, Asia Nova, studio 672/Stadtgarten, Köln

05.10. Roel Meelkop, Marc Behrens, cuba/blackbox, Münster

23.11. Norbert Möslang, Günter Müller, Jason Kahn, cuba/blackbox, Münster

25.11. Norbert Möslang, Günter Müller, Jason Kahn, Stichting Intro, Maastricht

15.01. John Wiese, Paul Devens, DJ Kim Laughs, studio 672/Stadtgarten, Köln

 

Insgesamt ist festzuhalten, dass es durch die Veranstaltungsreihe gelungen ist, neuartige Verbindungsmöglichkeiten von Bild und Sound zu präsentieren. Insgesamt wäre eine stärkere Einbindung von Studenten wünschenswert gewesen – hier zeigt sich, dass man doch erheblich mehr Zeit investieren müsste, um das kreative Potential, z.B. der Studenten der Kunstakademie Münster, abzurufen.

Die Welten von Film und zeitgenössischer elektronischer Musik zusammenzuführen könnte auch für die Zukunft ein wichtiger und geh barer Weg sein, weil sich hier Szenen berühren, die ästhetisch sich viel zu sagen haben, deren Publikumskreise sich aber kaum durchmischen. Es wurde besonders in den filmlastigen Konzertabenden deutlich, dass hier jeweils Besucherpotenzial vorhanden ist und man mit solchen Mischformen neue Menschen an z.B. die Geräuschmusik heranführt. Dies war zu beobachten beim Abend mit Grassow, Dinosaurs With Horns etc., da die Dinosaurs With Horns aufgrund ihrer Verwurzelung in der US-amerikanischen OFF/Fluxus Szene der Bay Area sehr stark mit Film und Bildmaterial arbeiten. Und im Falle von Paul Devens, der Rotterdamer Kunststudenten den visuellen Part seines Konzerts gestalten ließ konnte Interesse auf der Kölner Gegenseite generiert werden.

 

 

16. BAF Alten Feuerwache, Köln - Klappern, Schnattern - Lakirti, Takirti: Was geht ab?

 

 

KLAPPERN, SCHNATTERN – LAKIRI, TAKIRI: WAS GEHT AB?

 

Kinder, Mädchen und Jugendliche der Alten Feuerwache verschiedener Kulturen zeigen, was sie bewegt.

Das Projekt „Klappern, Schnattern – lakiri, takiri: Was geht ab?“ wurde in der Zeit von August bis Dezember 2007 in den pädagogischen Bereichen der Alten Feuerwache

durchgeführt. Mädchen und Jungen verschiedener kultureller und sozialer Herkunft waren aufgefordert ihre Sicht der Welt mit ihnen entsprechenden künstlerischen Mitteln zum Ausdruck zu bringen.

Die Projektergebnisse präsentierten die jeweiligen Gruppen des Kinder- Mädchen- und Jugendbereichs an einem Sonntagnachmittag im Oktober im Saal der Alten Feuerwache. Rund um die Veranstaltung waren große und kleine Gäste in das selbstorganisierte Veranstaltungscafe gegenüber des Saals zu Kaffee, frisch gebackenem Kuchen und Apfelschorle eingeladen.

 

Die Kinder aus dem Kindertreff zeigten ihr Maskentheater „Wer bist Du denn?“. Maskenwesen zeigten die Momente aus der Alltags- und Fantasiewelt der Kinder. Die Hauptthemen der verschiedenen Szenen, die von den Kindern selbst entwickelt wurden, waren Streit, Wut und Freundschaft. In einer Szene wurde als zweites Medium ein Hörspiel eingebunden.

 

Die Mädchen des Mädchentreffs präsentierten das Tanztheaterstück „It`s my life“. In dem Projekt setzten sich die Mädchen mit Themen ihres Alltags auseinander, um sie anschließend mit verschiedenen Tanz- und Theatertechniken zu einem lebendi­gen Bühnenstück zu verarbeiten. Die Tanztechniken orientieren sich an der Hip-Hop Kultur. Zur Einleitung präsentieren die Mädchen einen Videoclip, in dem sie individu­elle Aussagen zu wesentlichen Themen ihres Lebens wie Freundschaft, Familie oder Zukunft trafen.

 

Der Film „Stimmen aus dem Block“ des Jugendbereichs, ließ junge Rapper zu Wort kommen, die rund um den Ebertplatz und die Alte Feuerwache in Köln aufge­wachsen sind. Der Film zeigt sie während ihrer Gesangsproben und bei den Diskus­sionen über die Texte mit Musikern und Pädagogen im offenen Jugendbereich der Feuerwache und bei einem Gang durch den "Block".

 

Die Veranstaltung wurde von ca. 250 jüngeren und älteren ZuschauerInnen besucht, die mit viel Freude und Spannung die Vorführungen der Mädchen und Jungen ver­folgten. Das Projekt war sowohl für die jungen Teilnehmerinnen und Teilnehmer, als auch für die pädagogische Arbeit der Alte Feuerwache ein großer Erfolg.

 

Theater- und Hörspiel-Projekt mit Kindern

 

Im Herbst 2007 hat im Kinderbereich der Alten Feuerwache ein kombiniertes Thea­ter- und Hörspiel-Projekt stattgefunden. Zielgruppe des Projektes waren Kinder aus dem Offenen Kindertreff, der von Kindern unterschiedlicher kultureller und sozialer Hintergründe im Alter von sechs bis zwölf Jahren besucht wird. Im Kindertreff werden insbesondere Kinder mit besonderen Unterstützungsbedarf aufgrund von Migration oder sozialem Hintergrund angesprochen. Für diese Kinder ist es oft schwierig, Zei­ten einzuhalten und Verbindlichkeiten einzugehen, da sie ihre Freizeit meist selbst organisieren. Auch das Einhalten von Regeln und Absprachen, die in einem Projekt mit einem gemeinsamen Produkt notwendig sind, ist für viele eine hohe Anforderung. Daher brauchen die kulturpädagogischen Projekte im Kinderbereich für ein positives Gelingen stets eine intensive Begleitung durch die hauptamtlichen Pädagoginnen des Kindertreffs.

 

Hörspiel „Verschwunden im Geisterschloss“

Das Hörspiel-Projekt hat an vier Nachmittagen stattgefunden und wurde von einem Pädagogen mit Erfahrung im Hörspiel mit Kindern durchgeführt.

Am Hörspiel haben fünf Kinder im Alter von 10 bis 12 Jahren aus verschiedenen Kulturen (türkisch, tunesisch, irakisch) teilgenommen. Der einzige männliche Teil­nehmer hat trotz verbindlicher Anmeldung nach der Hälfte abgebrochen. Die Zu­sammenarbeit in der Gruppe war aufgrund der Konstellation der Kinder und der Per­sönlichkeit einer Teilnehmerin mit vielen Konflikten behaftet. Erst an den letzten bei­den Nachmittagen, als das Produkt langsam ersichtlich wurde, waren die vier übrig gebliebenen Teilnehmerinnen motiviert, ihre Energie in ein „richtig gutes“ Hörspiel zu investieren.

 

Zu Anfang des Projektes haben die Kinder gemeinsam in der Gruppe die Grundlagen für eine Fantasie-Geschichte entwickelt, indem sie einen Rahmen und handelnde Personen ausgedacht und festgelegt haben : In einem Zauberland verschwinden der König und die Königin und die beiden Königskinder begeben sich mit ihren Body­gards auf die Suche nach ihren Eltern.

Die konkrete Geschichte wurde erarbeitet, indem die Kinder jeweils ein bis zwei Sätze in das Mikrofon gesprochen haben und die nächste Person die Handlung fort­gesetzt hat. Die in dieser Form entstandene Handlung wurde den Kindern beim nächsten Treffen vorgestellt und es wurde gemeinsam entschieden, welche Passa­gen letztendlich beibehalten werden sollten. In dieser Einheit wurden auch mögliche Geräusche für die Geschichte ausgedacht und ausprobiert wie z.B. Türen-Öffnen, Schritte, Wasser-Rauschen u.a.

Nach der Überarbeitung der Geschichte wurde ein Skript erstellt, dass am folgenden Nachmittag probeweise gelesen und mit passenden Geräuschen versehen wurde. Es erfolgten die ersten Aufnahmen, die zu Anfang häufig wiederholt werden mussten, weil es für die Gruppe sehr schwierig war, leise zu sein.

Am letzten Nachmittag wurden die Aufnahmen fertig gestellt und mit den vorher erar­beiteten Geräuschen untermalt, die in der Regel mehrfach produziert wurden, um beim Schneiden über eine größere Auswahl zu verfügen. Dann wurde das aufge­nommene Material geschnitten und auf CDs überspielt.

Alle Teilnehmerinnen haben am Schluss des Projektes eine CD mit ihrer Geschichte erhalten und waren sehr stolz und zufrieden mit ihrem professionellen Produkt.

Die ca. 7-minütige Geschichte „Verschwunden im Geisterschloss“ zeigt deutlich Themenbereiche und Bilder von Kindern/ Mädchen im Alter von zehn bis zwölf Jah­ren auf wie Königstöchter mit eigenen Bodygards sein zu wollen, sich von den „Königs“- Eltern zu lösen und die Rollen zu verändern sowie die Fantasie-Welt mit Vampiren, Einhörnern und Hexen zu bevölkern.

 

Maskentheater „Wer bis Du denn?“

Im Theaterprojekt haben wir uns für das Medium Maskentheater entschieden, weil wir mit dem Thema Masken im Kindertreff kurz vorher bereits gearbeitet hatten und sich die Möglichkeit anbot, vorhandene Masken weiter zu bearbeiten und im Thea­terprojekt zu nutzen. Dadurch war es möglich, trotz des relativ kurzen Zeitraums ein qualitativ hochwertiges Projekt zu realisieren.

Als Grundlage für das Projekt haben wir mit einer Buchvorlage gearbeitet, um einen inhaltlichen Rahmen zu setzen. Für das Theaterstück wurde das Kinderbuch „Mellis Teufelchen“ von Sabine Both ausgewählt, in dem Möglichkeiten von Kindern im Umgang mit Konflikten und Freundschaften thematisiert werden.

Das Theaterprojekt fand an fünf Nachmittagen von jeweils drei Stunden im Oktober 2008 statt und wurde mit Unterstützung von zwei Theaterpädagoginnen durchge­führt.

 

An dem Theaterprojekt haben zehn Kinder (vier Jungen und sechs Mädchen) ver­schiedener kultureller Herkunft (deutsch, türkisch, irakisch, iranisch) im Alter von acht bis elf Jahren aus dem Kindertreff der Alten Feuerwache teilgenommen, die sich ver­bindlich zu dem Terminen angemeldet haben.

Zunächst wurde den Kindern in einer kurzen Zusammenfassung die Geschichte des Buches vermittelt. Dann wurden die agierenden Personen und die wesentlicher Handlung besprochen und festgelegt. Als Themenbereiche wurden Freundschaft, Schule, Eltern und der Umgang mit Streit und Wut herausgearbeitet.

Die Kinder konnten sich den agierenden Personen zuordnen und ihre Rollen aus­wählen.

Jede Rolle wurde mit mehreren Kindern besetzt, die im Wechsel eingenommen wur­den, und jedes Kind hat im Stück mehrere Rollen übernommen. Aus der erarbeiteten Handlung wurden nun unter Anleitung der Theaterpädagoginnen acht Szenen entwi­ckelt, die die Kinder nach ihren Vorstellungen und mit eigenen Formulierungen gefüllt haben. Die Formulierungen der Kinder wurden mitgeschrieben und in ein Skript ge­fasst. Danach haben alle Kinder eine eigene Mappe mit dem Skript erhalten, in der sie jeweils ihre Rollen markiert haben. Bei den folgenden Probeterminen wurden die Szenen auf dieser Grundlage weiter ausgearbeitet und die Rollen und Texte eingeübt.

Ein besonderer Anreiz des Theaterprojektes bestand in der spielerischen Einbezie­hung der Masken. In verschiedenen Theater-Übungen wurden die Kinder angeregt, Kontakt zu ihrer Maske aufzubauen, sie mit Leben zu füllen und zu bespielen. Das Bespielen der Maske hat den Kindern ebenso wie die verschiedenen Theater-Spiele besonderen Spaß gemacht. Es wurden vielfältige Spiele eingesetzt, um den Grup­penprozess und eine produktive Atmosphäre zu fördern, Theatertechniken einzu­üben, Reaktionsvermögen und Konzentration zu stärken und den eigenen Körper­ausdruck zu intensivieren.

Der spielerische Anteil im Projekt war für das Engagement der Kinder sehr wichtig. Mit dem Einüben des Textes, der zu Beginn von den Kindern stark eingefordert wurde, haben sich einige Kinder recht schwer getan. Die meisten der Kinder brauchten viel Motivation, Zuwendung und Unterstützung, um in der Gruppe arbeiten zu können und dabei zu bleiben.

Das Hörspiel wurde, wie von Anfang an geplant, in das Theaterstück eingebaut. Das Zusammenbringen der beiden Medien führte jedoch – entgegen der Planung - eher zu Unruhe und Konfusion im Theaterprojekt und reduzierte beim abschließenden Auftritt auf der Bühne die Wirkung des Hörspiels.

Krönender Abschluss des Theaterprojektes war die Präsentation des ca. 25minütigen Theaterstückes auf der Bühne des Veranstaltungssaals der Alten Feuerwache. Die Kinder waren durch eine intensive Generalprobe im Saal und das kontinuierliche Er­arbeiten von Bühnenpräsenz gut auf die Bühne vorbereitet. Sie zeigten mit viel Spaß und hoher Sicherheit eine professionell gestaltete Theaterinszenierung, die grundle­gende Themen der Alltagswelt von Kindern zum Ausdruck brachte und mit Masken­spiel belebte.

Der Applaus von Familien, Freunden und BesucherInnen der Alten Feuerwache war groß.

 

„It´s my life“ - ein Tanztheater von Mädchen des Mädchentreffs

 

Das Tanztheater- Projekt „It`s my life“ wurde über einen Zeitraum von zehn Wochen im Rahmen des Mädchentreffs durchgeführt. 12 Mädchen im Alter von 12 bis 16 Jahren verschiedener kultureller (deutsch, türkisch, iranisch, kroatisch-italienisch) und sozialer Herkunft nahmen am Projekt teil.

Unter Anleitung einer Tanzpädagogin und mit Unterstützung einer Sozialpädagogin entwickelten die Mädchen mit verschiedenen Tanz – und Theatertechniken ein le­bendiges Bühnenstück zu Themen ihres Alltags.

 

Alle interessierten Mädchen waren eingeladen sich ohne Aus­wahlverfahren, bzw. ohne Vorerfahrung an dem Projekt zu beteiligen. Anfänglich war der Prozess von häufigem Teilnehmerinnenwechsel geprägt, da im­mer wieder neue Mädchen Interesse zeigten und dann aber abbrachen. Entweder konnten die Interessentinnen keine kontinuierliche Mitarbeit leisten, der Tanzstil ent­sprach nicht ihren Vorstellungen oder die Gruppe wurde als unpassend betrachtet. Nach den ersten drei Terminen wurde die Gruppe geschlossen und die Mädchen sollten sich für oder gegen eine aktive Beteiligung entscheiden. 20 Mädchen schnupperten, bis sich eine Gruppe von 13 Mädchen gefunden hatte. Auf Grund einer Knieverletzung musste noch eine Teilnehmerin im Laufe des Projekts ausscheiden.

 

In einem gemeinsamen Brainstorming sammelten die Mädchen Aussagen zu Inhalten und Themen, die ihr Leben und ihren Alltag betreffen: Schulleben, Berufswünsche, Angst vor Umweltzerstörung, geheime Träume und Wünsche, Familie, Religion, Zukunftsvorstellungen und Freizeitaktivitäten. Verschiedene Musikstücke wurden vorgeschlagen, diskutiert und entschieden. Das Tanztheaterstück spielt in der Schule. Die Mädchen entwickelten eine Geschichte, die den realen Schulalltag und ihre damit verbundenen Gefühle, Erfahrungen und Wünsche zum Inhalt hatte.

Unter Anleitung der Tanzpädagogin entstand eine Choreografie, welche die Gruppe einstudierte.

 

Um den Mädchen eine Ausdrucksmöglichkeit der vielfältigen Themen zu bieten, wurde parallel zum Tanztheater ein Videoclip gedreht. Unter Anleitung einer Medien­pädagogin, begleitet von einer Sozialpädagogin, wurden Fragen zum Leben von Mädchen entwickelt. Mit diesen Fragen interviewten sich die Mädchen anschließend gegenseitig. Passende Bilder und Aktionen wurden an verschiedenen, von den Mäd­chen ausgewählten Orten und Plätzen in Köln und Umgebung gefilmt.

In Kleingruppen wechselten sich die Mädchen vor und hinter der Kamera ab. Eine zum Tanztheater passende Musik wählten die Mädchen für die Vertonung des Films aus.

 

Viele gute Ideen, Im­provisationsgabe, darstellerische Fähigkeiten, technisches Inte­resse und viel Ausdauer wurden hier gezeigt. Es ist ein spannendes und lebendiges Selbstportrait mit großer Aussagekraft über das Leben und die Interessen von 12 – 16 jährigen Mädchen entstanden.

Der Videoclip und das Tanztheater sind durch Inhalte und Musik zu einer Einheit ver­bunden. Sie wurden nacheinander unter professionellen Bedingungen auf der Bühne aufgeführt.

 

Im Rahmen des Tanztheaters „It`s my life“ präsentiert die Mädchen ihr Stück trotz größter Aufregung eindrucksvoll und souverän vor einem kräftig applaudierendem Publikum. Per Video wurde die Präsentation gefilmt, so dass sich alle Teilnehmerin­nen bei einem späteren Treffen selber sehen konnten. Das gemeinsame Betrachten löste noch einmal große Aufregung, aber auch Stolz und Freude bei vielen Mädchen hervor. Jede erhielt eine Kopie ( DVD) des Videoclips.

 

Die Teilnahme am Projekt unterstützte die Mädchen bei ihrer Entwicklung zu einer selbstbewussten Identität, gleichzeitig wurden sie in ihren kreativen Ausdrucksmög­lichkeiten gefördert. Sie erhielten Einblicke in die Entstehung eines Tanztheater­stücks und die Entstehung eines Videofilms. Dies sind wesentliche Ziele der pädago­gischen Arbeit im Mädchentreff der Alten Feuerwache.

 

Hüh und Hott – Hip Hop als Ausdrucksform von Jugendlichen für ihre Lebenswelten

Dauer: Von April bis Dezember; Teilnehmer: 16. Es entstand der Dokumentarfilm „Stimmen aus dem Block“.

 

Zielgruppen für das Projekt:

Clique der Altersstufe 18 - 21 Jahre, im Kern 20 junge Erwachsene, 95% Migrationshintergrund ( türkisch, griechisch, italienisch, polnisch);

Clique der Altersstufe 16 – 18 Jahre, im Kern 10 Jugendliche, 95% Migrations­hintergrund (50% türkisch, 25% italienisch, griechisch, albanisch);

Clique der Altersstufe 14 – 16 Jahre, im Kern 8 Jugendliche, 90% Migrations­hintergrund.

 

Arbeitsweisen des Jugendbereiches

Seit mehr als 15 Jahren arbeitet das Jugendteam der Alten Feuerwache in der jetzi­gen personellen Konstellation kontinuierlich mit Jugendlichen und jungen Erwachse­nen im Viertel. Die Arbeit findet entsprechend den Anforderungen - soweit personell möglich - in der Bandbreite von Streetwork bis hin zu Jugendkul­turarbeit statt.

Unser Einzugsgebiet ist im Schwerpunkt die nördliche Innenstadt Kölns: Agnes­viertel, Mediapark, Eigelstein, Teile von Nippes.

Im Zusammen­hang mit der städtebaulichen Entwicklung und höheren Mieten ist hier ein Verdrängungsprozess auf Kosten finanziell schwacher BewohnerInnen zu beo­bach­ten. Die soziale Schere klafft dadurch insgesamt weiter auseinander. Integrati­onsarbeit ist hier sehr wichtig, gerade auch durch nicht – kommerzielle Angebote für benachteiligte Jugendliche.

Etwa 95% unserer BesucherInnen haben einen Migrationshintergrund.

Etwa 75 % der 13 – 17 jährigen männlichen Jugendlichen stammen aus Haushalten mit nur einem Elternteil.

Durchgängige Grundprobleme, mit denen die Jugendlichen immer wieder aus deren Umfeld heraus konfrontiert werden sind Drogen­missbrauch, Gewalt, politischer Ex­tremismus, fehlende Unterstützung von zu Hause.

Die bekannten Folgen davon können sein Gewalt, Sucht, Delinquenz, Intole­ranz, politischer Extremismus, Schulversagen, häufige Abbrüche in Bildungs– und Be­rufseinrichtungen, Perspektivlosigkeit.

Mit unserer Basisarbeit im offenen Jugendbereich sowie Projekten versuchen wir an diesen Punkten die Stärken der Jugendlichen zu fördern.

Auf Grund besonderer Problemlagen mit Gewaltszenarien im Viertel wurde von uns 1997 der „Runde Tisch zu Fragen offener Jugendar­beit“ hier bei uns in der Feuerwa­che ins Leben gerufen. An ihm neh­men VertreterInnen der umliegenden Jugendein­richtungen, Bewährungs­hilfe, Polizei, Bezirksjugendpflege, Interkultureller Dienst des Allge­meinen Sozialen Dienstes (ASD) der Stadt Köln, Jugendgerichtshilfe und die Schulsozialarbeiterin der Hauptschule Gereonswall seitdem regelmäßig teil.

Auch wenn durch diese und andere enge Kooperationen viel Präventi­onsarbeit, vor allem Gewalt- und Drogenprävention, geleistet wird, bleibt die Alte Feuerwache selbst schließlich der Ort, zu dem die Jugendlichen gerne und freiwillig oft täglich kommen – und hier bei uns muss die konkrete Arbeit mit die­sen Jugendlichen stattfinden.

 

Das LAG Projekt 2007

Über einen Zeitraum von mehreren Monaten arbeiteten die Jugendlichen an der ver­balen Formulierung und künstlerischen Umsetzung der von Ihnen gewählten Schwerpunkte. Es wurde gesampelt, das heißt, selbst erarbeitete Texte über eigene Alltagserleb­nisse und Vorlieben wurden mittels Computertechnik musikalisch unterlegt und dar­aus Musikstücke erstellt. Dabei wurden die Jugendlichen auf technischer und inhalt­licher Ebene von Fachkräften kontinuierlich unterstützt.

Es fand die künstlerische und inhaltliche Auseinandersetzung mit Themen wie Liebe, Hass, Gewalt, Fremdenfeindlichkeit, und Anderssein statt. Die Jugendlichen waren stark motiviert, eigene Texte in Versform zu erstellen und entwickelten nach anfänglichen Problemen zum Teil einen eigenen Stil.

Während des Prozesses wurden intensive Diskussionen über die Inhalte der Lieder und Formulierungen geführt. Insbesondere Gewaltverherrlichung, Sexismus und das Abkupfern einschlägiger texte waren Dauerthemen.

Die Jugendlichen wollten zusätzlich einen Clip zu einem Lied herstellen. Diesem Wunsch haben wir nicht entsprochen, da wir erst einmal den Prozess und die Le­benswelten der Jugendlichen in Verbindung mit ihrer Vorliebe für Hip Hop und Rap dokumentieren wollten. Der Film zeigt Diskussionen und Probleme, lässt Fortschritte erkennen und gibt einen Einblick in die Denkweise und Lebenswelt der Jugendlichen Teilnehmer. Er ist daher sowohl für die Jugendlichen als auch für die unbeteiligten Zuschauer ein Stück Arbeit im Sinne von Reflexion auf der einen und Kennen lernen auf der anderen Seite.

Er wurde im Rahmen der Präsentation im Saal der Alten Feuerwache uraufgeführt.

 

 

17. Bürgerzentrum Engelshof e.V., Köln - Porzrockt!

 

Mit jungen Musikern aus dem Porzer Raum haben wir gemeinsam ein Band-Festival vorbereitet und durchgeführt.

Vom 11.01. bis zum eigentlichen Festival am 28.04.07 fanden zunächst im Kreis von 3 Personen wöchentliche Treffen statt, die der Vernetzung der örtlichen Bands und der Vorbereitung und Organisation des eigentlichen Festivals dienten.

Begleitet von jeweils einer hauptamtlichen Mitarbeiterin fanden sich sehr schnell interessierte junge Musiker/innen, die sich von der Idee begeistern ließen und aktiv an den Treffen teilnahmen und sich engagiert in das Projekt einbrachten.

 

Zunächst wurde der Rahmen diskutiert, in dem das Festival stattfinden sollte. Es wurde festgelegt, dass maximal 8 Bands jeweils für eine halbe Stunde spielen könnten. Da es sehr schnell mehr interessierte Bands gab, wurde ein Anmeldebogen entwickelt. Da aber alle Bands qualitativ ähnlich ein zu stufen waren, war die Entscheidung sehr schwer. Entschieden wurde dann letztendlich per Los, ebenso, wie die Reihenfolge der Auftritte ausgelost wurde. Zufälligerweise war die Musikauswahl dann doch sehr metal-lastig.

Auch die Gestaltung des Plakates, des Flyers und der Anzeige wurde gemeinsam in Angriff genommen. Hier wurde einige Male allerdings die für die Öffentlichkeitsarbeit zuständige Kollegin es Engelshofes e. V. zu Rate gezogen, die einige gute Hinweise und Hilfestellungen geben konnte.

 

Zunächst bestand bei den an der Vorbereitung beteiligten Musikern/innen noch die Hoffnung, das gesamte technische Equipment ohne zusätzliche Kosten besorgen zu können. Das war, in Bezug auf die Instrumente und einige kleinere Boxen und Verstärker auch möglich, aber da die Anlage des Engelshofes für ein derartiges Konzert nicht ausgelegt ist, musste doch noch die ein oder andere Technik hinzu gebucht werden.

 

Genauso sah es mit dem Techniker aus. Alle Mit-Organisatoren waren zunächst der Meinung, einen Techniker besorgen zu können, der die Veranstaltung ehrenamtlich betreuen würde. Zu guter Letzt musste dann doch auf den Stammtechniker des Engelshofes zurück gegriffen werden, der auch die Erweiterung der notwendigen Technik übernahm. Netterweise führte er den notwendigen Soundcheck am Tag zuvor dann aber kostenlos durch.

 

Die Frage, ob es am Abend eine Bewirtung durch die Veranstalter/innen geben sollte oder nicht wurde ebenfalls ausgiebig diskutiert. Zunächst waren die meisten der Meinung, dass die Besucher/innen sich sowieso mit eigenen Getränken eindecken würden. Da sich aber Leute fanden, die die Bewirtung übernehmen wollten, wurde diese am Abend dann auch angeboten. Ebenso fanden sich Personen, die die Security ehrenamtlich übernahmen, so dass in diesem Bereich ebenfalls keine Kosten anfielen. Kasse, Bandbetreuung, Bewirtung, Veranstaltungsbetreuung wurden ebenfalls größtenteils ehrenamtlich abgedeckt. Ebenso wie die Bands die Verteilung der Plakate und Flyer übernahmen. Auch GEMA-Gebühren entfielen, da die Songs, die gespielt wurden, offensichtlich nicht GEMA-pflichtig sind. (Trotz Anmeldung kam bis heute keine Rechnung J)

 

Die Veranstaltung selbst fand am Samstag, den 28.04. statt, einen Tag später als ursprünglich angedacht, um den Bands noch die Möglichkeit eines geordneten Aufbaus und eines Grundsoundcheques zu ermöglichen. Am Veranstaltungstag selber gab es dann nur noch einen Linecheque.

 

Das Festival selbst fand an einem, für die Jahreszeit bei weitem zu warmem Wetter statt. An diesem Aprilwochenende herrschten sommerliche Temperaturen bis zu 30 Grad. Das machte sich, trotz intensiver und guter Werbung, leider auch bei den Besucherzahlen bemerkbar. Da es sich auch noch um ein langes Wochenende (mit der Möglichkeit eines Brückentages zum 01. Mai) handelte, nutzten offensichtlich viele Personen dieses, um für ein paar Tag weg zu fahren, oder einfach draußen zu grillen, statt sich in eine Konzerthalle zu begeben. Auch auf dem schönen Innenhof des Engelshofes herrschte reges Treiben, mit einer sehr schönen Festivalatmosphäre. Man konnte die Musik gut hören, musste aber dafür nicht hineingehen, so dass sich im Saal nur 91 zahlende Gäste aufhielten, obwohl der Eintritt mit 5,00 Euro sehr moderat war. Mit den Gästen der Bands, die über die Gästeliste freien Eintritt hatten, schätzen wir die Besucherzahl im Saal auf ca. 200 – 250 Personen. Trotz allem waren Vorbereitungsgruppe und die teilnehmenden Bands sehr zufrieden. Es hat allen großen Spaß gemacht und die Gesamtatmosphäre war sehr gut.

 

Deshalb wollen wir im nächsten Frühjahr eine Wiederholung wagen. Vielleicht haben wir Glück und es regnet!

 

 

18. Kulturbunker Mülheim e.V., Köln - Schwarz-Rot-Gold: Filmische Betrachtungen zur deutschen Mentalität

 

Das neue Gefühl für Deutschland, die „Entdeckung“ des letzten Sommers, ausgelöst durch die Begeisterung an der deutschen Fußball-Nationalmannschaft bei der Weltmeisterschaft im eigenen Land und jetzt gerade wiederbelebt bei der EM stand im Mittelpunkt dieses Projektes. Nachdem die Deutschen Jahrzehnte lang ihr Deutschsein heruntergespielt oder sogar bewusst Ausgehend vom neuen Deutschlandgefühl sollte in einer Reihe ausgewählter Filme die deutsche Mentalität, ihre Ausprägungen und Verwandlungen vom Beginn des zwanzigsten Jahrhunderts bis heute zum Thema gemacht werden. Vom „Untertan“ der preußisch-wilhelminischen Zeit über die autoritären Persönlichkeiten und Mitläufer im nationalsozialistischen Dritten Reichs, die Täter von Auschwitz und Buchenwald, die leistungsbereiten und ihre Vergangenheitsschuld verdrängenden BürgerInnen des Nachkriegs-Deutschland, die zwei Arten deutscher BürgerInnen in der Bundesrepublik Deutschland und in der Deutschen Demokratischen Republik, die revoltierenden Deutschen der Studentenbewegung und die unzufriedenen, nach Wiedervereinigung strebenden Ostdeutschen bis hin zum Bürger der Erlebnis- und Spaßgesellschaft und den (gesamt-)deutschen Existenzen nach der Wiedervereinigung im Zeichen der aktuellen Dauerkrise hat sich eine lange Entwicklung in Deutschland vollzogen, die gleichermaßen von Brüchen und Kontinuitäten in der deutschen Erfahrung gekennzeichnet ist. Zwischen fanatischem Nationalstolz und der Weigerung, ein Deutscher zu sein, der totalen Identifikation mit Deutschland und dem völligen Fehlen eines deutschen Kultur- und Nationalverständnisses zeigt sich die Erfahrung des Deutschseins im Gang der Generationen als ein zunehmender Schwund von bekennendem und bewussten Deutschsein.

In der fehlenden Beziehung vieler seit Mitte der 1950er-Jahre geborener Deutscher zu Deutschland, speziell in Westdeutschland, zeigen sich erst heute die Folgen des Nationalsozialismus und des verlorenen Zweiten Weltkriegs in ihrem ganzen Ausmaß. Die gegenwärtige Beschwörung eines neuen Gefühls und Bewusstseins für Deutschland in Werbekampagnen („Du bist Deutschland“) und bei der Fußball-WM ist nur das Indiz für das tatsächliche Fehlen eines solchen Gefühls und Bewusstseins. Seit Auschwitz ist Deutschland und das Deutschsein den Deutschen nicht mehr selbstverständlich. Und den nach 1945 Geborenen ist die Dramatik dieser Entwicklung bis heute nicht einmal bewusst. Wie hängen also das aktuelle Fußball-Deutsch-Geschrei und die deutsche Geschichte zusammen? Und welche geschichtlich gewachsene, größtenteils unbewusste deutsche Mentalität bestimmt jenseits der aktuellen Beschwörungsformeln das Verhalten der Menschen im Land? Was hat die aktuelle, von Angst, Orientierungs- und Zukunftslosigkeit gekennzeichnete Situation in Deutschland mit der Beschwörung eines (neuen) deutschen (National-)Gefühls zu tun? Welche dunklen Erinnerungen ruft das wach? Und welche Sehnsüchte und Bedürfnisse stecken darin?

Die gezeigten Filme griffen einzelne Phasen und Ereignisse der deutschen Geschichte auf, die im Spiegel individueller Lebensläufe die (Be-)Deutung einer deutschen Erfahrung zum Ausdruck brachten. In der Entwicklung durch ein Jahrhundert zeigten sie sowohl prägende Elemente im Deutschsein als auch Ereignisse, die zu Brüchen, Widerständen und Verwandlungen führten. Um die Verflechtung von Gegenwart und Tradition, Aktualität und Geschichte grundsätzlich im Blick zu behalten, zeigten wir die Filme nicht bloß chronologisch aufeinander folgend, sondern zugleich in thematischer Beziehungen gerückt. „Disziplin, Gehorsam, Egoismus und Ideale“, „Gemeinschaft, Leistung und Identifikation“, „Der Einzelne und das Ganze, Verantwortung und Perspektiven“ sowie „Anpassung, Widerstand, Mut und Mittelmaß“ lauteten die Stichworte, unter denen jeweils mehrere Filme aus unterschiedlichen Jahrzehnten aufeinander bezogen waren. Ein Jahrhundert deutscher Spielfilme über Deutsche und Deutschland boten eine Vielzahl von Betrachtungs- und Vergleichsperspektiven.

In den Spielfilm-Geschichten, die von Geschichte und von persönlichen Lebensschicksalen erzählten, wurden diese (deutschen) Erfahrungen für zwei Stunden eindringlich erlebbar. Wir tauchten darin in eine frühere Zeit und in ein anderes Leben ein, das zugleich unser eigenes und unsere eigene Vergangenheit auf nahezu wunderliche Weise berührt. Das war die besondere Qualität von Filmen, das macht ihre Faszination und „Magie“ aus. Sie springen spielerisch über die zeitlichen Grenzen der Geschichte hinweg. Spielfilme, die beim gewöhnlichen Filmschauen zu einem flüchtigen Erlebnis werden, können dabei durchaus auch die Qualität einer kleinen Vorlesung, Geschichtsstunde und Lebensstudie erhalten. Ein konzentriertes, neugieriges Gespräch genügt häufig, um über einen flüchtigen Eindruck hinauszugehen und ein spannendes Filmerleben um allerhand Wissenswertes zu erweitern. Hier setzte das Gespräch an: an der Schnittstelle von persönlichem Berührt sein und den Tatsachen der Geschichte, der Betrachtung des Wechselspiels von individuellen Perspektiven und gesellschaftlichen Tendenzen. Genau hier setzte das Nachdenken über Geschichte und die eigenen Selbstverständlichkeiten überhaupt an.

Folgendes Filmprogramm zeigten wir, das unterschiedlich vom Publikum angenommen wurde. Die Filmgespräche waren jedoch gut besucht und der gewünschte Diskussionsprozess in Gang gesetzt.

 

Die Filme:

Teil 1 - Disziplin, Gehorsam, Egoismus und Ideale

Der Untertan (Regie: Wolfgang Staudte, DDR 1951, 104 Min.)

Die Buddenbrocks (Regie: Alfred Weidemann, BRD 1959, 145 Min.)

Schindlers Liste (Regie: Steven Spielberg, USA 1993, 187 Min.)

Aus einem deutschen Leben (Regie: Theodor Kotulla, BRD 1976/77, 145 Min.)

Die verlorene Ehre der Katharina Blum (Regie: Volker Schlöndorff, BRD 1975, 106 Min.)

Die Ehe der Maria Braun (Regie: Rainer Werner Fassbinder, BRD 1978, 90 Min.)

Die fetten Jahre sind vorbei (Regie: Hans Weingärtner, D/A 2004, 126 Min.)

Die innere Sicherheit (Regie: Christian Petzold, D 2000, 102 Min.)

 

Teil 2 - Gemeinschaft, Leistung und Identifikation

Die Brücke (Regie: Bernhard Wicki, BRD 1959, 105 Min.)

Die weiße Rose (Regie: Michael Verhoeven, BRD 1982, 123 Min.)

Taking Sides – Der Fall Furtwängler (Regie: Istvan Szabo, D/F/GB 2001, 110 Min.)

Das Wunder von Bern (Regie: Sönke Wortmann, D 2003, 117 Min.)

Ansichten eines Clowns (Regie: Voytech Jasny, BRD 1975, 111 Min.)

Die Legende von Paul und Paula (Regie: Heiner Carow, DDR 1973, 105 Min.)

Oi! Warning (Regie: Benjamin und Dominik Reding, D 1999, 90 Min.)

40 qm Deutschland (Regie: Tevfik Baser, BRD 1985, 80 Min.)

 

Teil 3 - Der Einzelne und das Ganze: Verantwortung und Perspektiven

Die Mörder sind unter uns (Regie: Wolfgang Staudte, D 1946, 81 Min.)

Karbid und Sauerampfer (Regie. Frank Beyer, DDR 1963, 80 Min.)

Spur der Steine (Regie: Frank Beyer, DDR 1966, 129 Min.)

Das Brot der frühen Jahre (Regie: Herbert Vesely, BRD 1961, 89 Min.)

Nicolai-Kirche (Regie: Frank Beyer, D 1995, 138 Min.)

Falsche Bewegung (Regie: Wim Wenders, BRD 1974, 1o3 Min.)

Goodbye Lenin (Regie: Wolfgang Becker, D 2002, 121 Min.

Halbe Treppe (Regie: Andreas Dresen, D 2001, 111 Min.)

 

Desweiteren boten wir begleitend einige Konzerte mit Lesung zum Thema an und das Projekt ergänzte sich mit einer Ausstellung – und Konzertreihe d_bilder, die das Thema „Nationalisierung“ aus einem Popkontext beleuchteten. Diese Veranstaltungen waren alle sehr gut besucht und es entwickelte sich manche intensive Diskussion. Aktuell wurde die Veranstaltungsreihe durch die Diskussion um einen „Extremismus der Mitte“ in Köln und NRW, durch die Aktivitäten von Pro Köln und die angedachte Erweiterung auf Pro NRW. Gerade in einem migrantischen Stadtteil wie Köln Mülheim werden so Entwickelungen genau beobachtet und Diskussionen angenommen.

Als Fazit blicken wir auf eine sehr erfolgreiche, bewegende Reihe.

 

 

19. Kulturbunker Mülheim e.V., Köln - Klangtransfer Ost - West

 

Im Jahre 2007 wurde im April und Mai das Projekt „Klangtransfer Ost - West“ vom Kulturbunker Mülheim e.V. durchgeführt, welches mit Mitteln der LAG gefördert wurde.

Im Rahmen des Projekts „Klangtransfer Ost - West“ wollte der Kulturbunker Mülheim die Chance nutzen, seine jahrelange Aufbauarbeit im Bereich zeitgenössischer elektronischer Musik im Rahmen der MusikTriennale Köln thematisch zu verdichten und zuzuspitzen, um dieser Klangfarbe die ihr gebührende Aufmerksamkeit zu schenken. Gleichzeitig sollte das Schaufenster eines Großen Festivals wie der MusikTriennale genutzt werden, um die internationalen Künstler mit deutschen Musikern zu vernetzen und die Ästhetik der Geräuschkunst niederschwellig zu präsentieren.

Der Kulturbunker Mülheim veranstaltete mit „Klangtransfer Ost – West“ ein Festival im Festival, indem zum Zeitpunkt der Kölner MusikTriennale mehrere Konzertabende und zwei Klanginstallationen präsentiert wurden.

Mit dem thematischen Schwerpunkt der Begegnung von Ost und West sollten zwei in den letzten Jahren besonders starke ästhetische Positionen einander gegenüber gestellt werden, die in dieser Breite in Deutschland nicht oft zu hören sind. Zum einen die Noise Musik aus Japan, China, Russland und Korea, der zu eigen ist, dass sie oft ein sehr starkes Zerrbild westlicher Einflüsse und Ästhetiken zurückwirft. Zum anderen die eher improvisatorisch und an Spielarten des Pop orientierte US-amerikanische Szene.

Die Klanginstallationen griffen dieses Thema ebenfalls auf und präsentierten zwei raumbezogene Arbeiten von Joe Colley (USA) und Yunchul Kim (Korea), bei deren Entstehung Studenten der Kunsthochschule für Medien (KHM) mitwirkten. Die gezeigten Arbeiten funktionierten bewusst intuitiv und einfach, so dass z.B. bei der Eröffnung auch Kinder spielerisch mit Geräuschkunst umgehen konnten. Joe Colleys Installation bestand aus einer auf einer alten Schulbank montierten unbeschrifteten Steuerung, mit der zwei im Raum verteilte Lautsprecher und zwei Glühbirnen angesprochen werden konnten. Die Steuerung reagierte sehr sensibel und konnte je nach Bedienung subtile Geräusche oder großen Lärm produzieren, mit dem die Intensität der Lampen korrespondierte. Yunchul Kims Arbeit bestand aus einer Fieberglas-Skulptur, in der wirbelsäulenartig Festplatten eingelassen waren. Die Skulptur war mit einem Außenfühler versehen, der auf Handwärme reagierte und je nach Intensität der Befühlung ein Computerprogramm startete, das die Festplatten in Schwingung brachte. Das Sirren der Festplatten war die „Musik“.

 

Die Veranstaltungen waren im Einzelnen:

28.04. - 09.05.2007 Klanginstallation von Joe Colley und Yunchul Kim

28.04. Eröffnungskonzert Klangtransfer Ost-West: Crawl Unit (USA) & Jacob Kirkegaard (Köln)

04.05. Konzertabend Klangtransfer Ost – West mit Daniel Menche (USA), Chessmachine (RUS/USA), Pita (A), Asmus Tietchens (D) und Tetsuo Furudate (JAP)

09.05. Abschlusskonzert zur Klanginstallation mit Marc Behrens (D) und Pe Lang & Zimoun (CH)

11.05. Konzertabend Klangtransfer Ost – West Burning Star Core (China), Various Artists Play Buddha Machine: Erhard Hirt (D), Minit (D), Michael Prime (UK), DJ Frank Dommert (Köln)

18.05. Konzertabend Klangtransfer Ost – West mit Sandro Perri (CAN/USA), Tetuzi Akiyama (JAP), Toshimaru Nakamura (JAP), Noel Akchote (F), Lucio Capece (ARG)

24.05. Konzertabend Klangtransfer Ost – West mit Keiji Haino + Merzbow (JAP) & Aube (JAP)

 

Insgesamt ist festzuhalten, dass es durch die Veranstaltungsreihe gelungen ist, neue Menschen an die Geräuschmusik heranzuführen und den künstlerischen Austausch, wie beabsichtigt, zu fördern. Sämtliche Konzerte wurden von WDR 3 / Studio Akustische Kunst mitgeschnitten und im Laufe des Sommers im Radio gesendet. Der Auftritt von Tetsuo Furudate wurde für ein Themenfeature „Improvisation“ im WDR Fernsehen mitgeschnitten.

 

 

20. Jugendkulturzentrum Volksschule, Moers – Zurück in die Zukunft

 

Ziel des Projekts war die Begegnung verschiedener Generationen im Haus des Jugendkulturzentrums „Die Volksschule“. Initiiert wurden diese Begegnungen aus einem bestimmten Grund: In direkter Nachbarschaft der Volksschule befindet sich ein Komplex für über 70 Senioren-Eigentumswohnungen im Bau. Heute, im Februar 2008 sind diese Bauarbeiten nahezu abgeschlossen, im Moment stehen der Innenausbau und die Fassadengestaltung der Gebäude auf dem Bauplan. Mit dem Wachsen der nachbarschaftlichen Gebäude (insgesamt 4 Komplexe), wuchs auch der Unmut der jugendlichen Zielgruppe. „Die Volksschule“ hatte mit erheblichen Vorwürfen zu kämpfen und zudem häuften sich die anonymen Angriffe auf die Baustelle. Es war keine Seltenheit, beim morgendlichen Arbeitsantritt einen zerlegten Bauzaun und eine wütende Nachricht des Bauleiters auf dem Anrufbeantworter vorzufinden. Unter diesen Voraussetzungen stand das Projekt „Zurück in die Zukunft“ unter keinem guten Stern. Es fiel immer schwerer, den Frust der Jugendlichen aufzufangen und zwischen den Generationen zu vermitteln. Zudem wuchs die öffentliche Diskussion um einen Umzug des Jugend-Kultur-Zentrums an einen alternativen Standort. Dadurch geriet die Volksschule in eine öffentliche Auseinandersetzung der beteiligten lokalpolitischen Kontrahenten: Es hagelte Vorwürfe von allen Seiten. In mehreren Sitzungen diskutiert wurde schließlich der Umzug des Jugend-Kultur-Zentrums politisch beschlossen. Gegenwärtig laufen die Planungen zur Gestaltung des neuen Gebäudes (eine Lagerhalle, die noch eines kompletten Innenausbaus bedarf). Diese Standortverlegung, vom Trägerverein und der Mitarbeiterschaft als (einzige) Chance und Herausforderung empfunden und bei den zukünftigen Bewohnern des Gebäudekomplexes mit Erleichterung quittiert, löst bei den Jugendlichen sehr unterschiedliche Reaktionen aus. Teilweise wird die Veränderung als Chance erkannt, teilweise als „Verrat“ gewertet und löst heftigen Frust aus. Einig sind sich alle in ihrer Trauer über den Verlust der Heimat des Zentrums: Das über hundertjährige Gebäude der Volksschule mitten im Stadtkern in dessen Mauern seit über 30 Jahren Jugend(kultur)arbeit stattfindet. All dies als Einführung, um die Ausgangssituation des Projekts zu umreißen.

Vor dem Hintergrund dieser Fakten scheint es nicht verwunderlich, dass es schwierig war, eine Gruppe von Jugendlichen zu motivieren, Workshop-Konzepte vorzubereiten, Senioren ins Haus einzuladen und mit ihnen zu „jammen“, über Literatur zu diskutieren oder gemeinsam zu zeichnen. Der Wunsch nach Begegnung war auf Seiten der Jugendlichen völlig erschlafft. Daher wurden die geplanten Workshops nicht durchgeführt. Die Projektleitung entschied sich, stärker auf Veranstaltungen als Begegnungsräume zu setzen und diese mit zum Anlass für Diskussionen zu nutzen. Unter dem Stichwort „Themenabend“ lud die Volksschule zu verschiedenen Veranstaltungen, die in ihrer Bandbreite jung und alt ansprechen sollten. In der Auswahl der Künstler spiegeln sich unterschiedliche Sparten und Themen wider. Mit allen Künstlern war zudem verabredet, dass sie im Anschluss in lockerer Atmosphäre zum Gespräch einladen, unterstützt von der hauseigenen Moderation der Veranstaltenden.

Es war schwierig, älteres Publikum ins Haus zu locken. Wo es gelang, glückte auch die Idee der Begegnung zwischen Jung und Alt über ein gemeinsames Interesse. Als besonders hervorzuheben sei dabei das Konzert mit anschließender Session von Klaus Wrochem alias „Klaus der Geiger“, das vor einem Publikum aus Punks und „Alt68igern“ stattfand. Die mitreißende Dynamik der Auftretenden sowie die Auseinandersetzung mit den aufrührerischen und mittlerweile naiv-idealistisch anheimelnden Songtexten, initiierten einen interessanten Prozess der schleichenden „Aha-Erlebnisse“. Da sich herausstellte, dass Musik als gemeinsames Thema mit am besten als Impuls funktionierte und zudem noch Finanzmittel zur Verfügung standen, entschied sich die Projektleitung, ein weiteres Konzert zu veranstalten. Die Led Zeppelin Cover –Band „Lead Zeppelin“ bot einem großen Publikum verschiedener Szenen und Altersstufen ein wunderbares Revival-Konzert. Die Diskussionen gingen selbstverständlich im Alltag weiter: Dabei stand die Auseinandersetzung darüber, wer auf wen zugehen solle und die empfundene Zwangslage der Jugendlichen immer stärker im Vordergrund. Aus den Gesprächen der Gruppe kristallisiert sich immer stärker der Wunsch nach dem Deutlichmachen der eigenen Situation und dem „Gesehen werden“. Projektvorschläge häufen sich und die Gruppe ist weiterhin im Kontakt. Ansatzpunkt ist nun, die Perspektive auf den kommenden Abschied sowie den Neubeginn am neuen Standort.

 

 

21. Jugendkulturzentrum Volksschule, Moers - online-Radio Volksschule

 

Nach einigen Anlaufschwierigkeiten startet am 04.06.2007 das Online-Radio-Volksschule mit seiner ersten Sendung. Insgesamt 20 Moderatoren und Co-Moderatoren zwischen 15 und 24 Jahren haben sich in einer lebhaften Projektgruppe zusammengefunden. Die musikalischen Sparten reichen von Rock, Punk, Hardcore und Oi!, über Ska, Reggae, Hip-Hop, Industrial, EBM, Gothic-Rock, Metal bis hin zu Deutsch-Pop. Jede wird in einer eigenen wöchentlichen Sendung präsentiert. Eine Besonderheit bildet das Moderatorinnen-Paar „Zitronen-Junkies“, die sich in ihrer Sendung ganz auf weibliche Interpreten verschiedener Stile konzentrieren.

Aus der Gruppe heraus formulierte sich der Wunsch nach „Radio-Parties“, um das Radio weiter bekannt zu machen und die eigenen Fähigkeiten als DJ zu erproben und weiter auszubauen. Aus diesen Gehversuchen haben sich mittlerweile einige der Moderatoren als semi-professionelle DJ´s etabliert. Das Radio-Team war zudem mit beteiligt an der Planung und Durchführung verschiedener Motto-Parties, wie „Halloween“ und „Schools Out“. Auch im weiteren Veranstaltungsbereich der Volksschule wurde die Gruppe nach und nach immer stärker aktiv. Ein erklärtes Ziel der Gruppe war es, die Aktionen und Veranstaltungen des Hauses mit in das Programm des Radios einfließen zu lassen. Interviews mit Bands und Berichte von Konzerten mit Versteigerungsaktionen von gespendeten Merchandise-Produkten der auftretenden Bands, gehörten bald zum Repertoire der Sendungen.

Bei einer Open-Air-Veranstaltung im Juni („Parkfest“) waren zudem viele der Projektgruppe als ehrenamtliche Helfer im Veranstaltungsbereich aktiv. Zusätzlich bestand von Anfang an ein großes Interesse daran, Kontakt zu Bands und Musik-Labels aufzunehmen, auch um eigene Konzert-Veranstaltungen zu initiieren. Da die Kosten der Technischen Begleitung und der technischen Anschaffungen wesentlich geringer ausfielen, als zu Beginn gedacht, wurden in diesem Bereich über 600 € eingespart. Dieser finanzielle Freiraum wurde genutzt, um zusätzlich zu den Radio-Parties auch ein Radio-Konzert zu veranstalten.

Die Projektgruppe trifft sich im Verlauf der Projektdauer alle 14 Tage, um einen Erfahrungs- und Musikaustausch unter den Moderatoren lebendig zu halten. Interessanterweise haben sich auch bei vermeintlich gegensätzlichen Musikgenres ergebenen Moderatoren Überschneidungen der „Playlist“ ergeben. Immer wieder werden neue Sendeformate mit neuen „Crossover“ geboren. Die Redaktionstreffen dienen zudem der Koordination des Sendeplans und der Website. Aktuell wird ein neues Format der Website-Gestaltung diskutiert. Weiterhin plant die Redaktion die Veranstaltungen der Radio-Parties oder von speziellen Themen-Sendungen an besonderen Wochenenden. Die Gruppe der Moderatoren hat ein großes Interesse an der Weiterführung des Radios und dessen Organisation nun selbst in die Hand genommen: Man darf also auf viele weitere originelle Sendeformate gespannt sein!

 

 

22. AZ Mülheim. Mülheim-Ruhr – Kunst ist eine Tochter der Freiheit - Automatentreff

 

Im Rahmen des Projektes "Die Kunst ist eine Tochter der Freiheit" fanden 5 Veranstaltungen statt,

welche auf teilweise sehr große Resonanz stießen. Die TeilnehmerInnenzahlen waren den Themen

entsprechend und über die letzte Veranstaltung zum Thema "Kunst fressen Straße auf", auf Wunsch des Referenten in den November verlegt, berichtete in einem etwas ausführlicheren Artikel auch die Mülheimer WAZ vom 13.11.2007. Vor allem über die breit gestreute Werbung (Unis, Zentren) fühlten sich viele, vor allem auch jüngere Menschen, angesprochen an den Veranstaltungen teilzunehmen. Im Anschluss an die Vorträge kam es zu angeregten Diskussionen, die auch außerhalb des Veranstaltungsraumes in der Kneipe weitergeführt worden sind. Das Forum, welches wir im Rahmen unserer Internetpräsenz zur Verfügung gestellt hatten, wurde leider nicht angenommen und aufgrund nicht eindämmbarer Spams gelöscht. Unsere Internetpräsenz bietet ein Archiv der gelaufenen Vorträge, sowie die Möglichkeit sich Tonaufnahmen gelaufener Vorträge zuschicken zu lassen. Der Automatentreff will auch im Anschluss an dieses Projekt Vorträge zu verschiedenen kritischen Themen anbieten und freut sich neue Menschen begrüßen zu können, die Interesse daran zeigen

Vorträge gemeinsam mit uns zu veranstalten.

 

23. Cactus Jugendtheater, Münster - Diskothek 

 

Gefördert vom Fonds Soziokultur, dem Kulturamt der Stadt Münster, der LAG NW, dem Theater im Pumpenhaus, dem JIB, der Bäckerei cibaria und dem Jugendtheaterwerkstatt e. V. konnte im Januar 2007 mit den ersten Proben für das Projekt „Diskothek“ begonnen werden.

 

Nach ersten Treffen mit ca. 20 Jugendlichen, die sich für das Theaterspiel und das Thema „Disko“ interessierten, kristallisierten sich elf Jugendliche (3 mänl. und 8 weibl. Im Alter von 15 bis 21) heraus, die auch bis zum Ende des Projektes teilnahmen.

Die Recherche zum Thema „Musik und Disko“ fing zunächst bei den Jugendlichen selber an:

In Schreibwerkstätten und mit Hilfe von Diktiergeräten entwickelten die Jugendlichen Texte zu ihren „Musikbiographien“. Die Frage „Wann hat mich welche Musik beeinflusst, und Warum?“ beschäftigte das Ensemble neben dem Schauspielunterricht und den Improvisations-, Tanz-, und Stimmübungen. Die Proben fanden einmal wöchentlich statt, in den Oster – und in den Sommerferien gab es insgesamt 4 Wochen Intensivproben, in denen täglich von 14.00 bis ca. 21.00 Uhr abends geprobt wurde.

Weitere Recherchen fanden durch das gemeinsame Analysieren von Musiksendungen im Fernsehen (MTV, VIVA, etc), Zeitungsberichten (Bravo, Rolling Stone, Musikexpress, etc) und Radiobeiträgen statt.

Außerdem interviewten die Jugendlichen andere junge Menschen, die sich bestimmten Musikgenres zugehörig fühlten, sich mit Tanzformen (Breakdance, Gabba, Headbanging) identifizieren, oder einer bestimmten Modeerscheinung (Manga-Look, Punk, Gothik) nacheiferten.

Vermischt mit den eigenen Erfahrungen und Interessen in Bezug auf Musik, Mode und Disko entwickelten die 11 Teilnehmer Theaterfiguren, in denen sie die Klischees ausgewählter Musikrichtungen auf die Spitze trieben, um diese dann zu hinterfragen.

Nach gemeinsamen Diskobesuchen mit dem gesamten Ensembel, bei denen Momente, Dialoge und Menschen beobachtet und auf Diktiergerät und/oder per Notitzblock festgehalten wurden, entwickelten die Spieler unter der Leitung der Regisseure Szenen, die die Stimmung in den Diskotheken, aber auch die Begegnungen der einzelnen Musikgenres und Interessensgruppen wieder gegeben wurde.

 

In der Besetzung des Künstlerteams gab es einige Änderungen. Da Helmut Buntjer aus terminlichen Gründen kurzfristig aus dem Projekt ausstieg, konnte mit Stefan Kappenberg (Sozial- und Theaterpädagoge) ein neuer Co- Regisseur und mit Kai Niggemann ein neuer Musiker für das Projekt gewonnen werden.

Da sich in der Entwicklung des Stückes ein Bühnenbild herauskristallisierte, das nicht in jede Diskothek passte, und wir bemerkten, das der Spielraum im Theater im Pumpenhaus als immer geeigneter erschien, wurde umgeplant und das Ensemble zog nicht mit der Inszenierung in eine Disko, sondern das Theater im Pumpenhaus wurde zur Disko gemacht. Dies spiegelte sich auch im Bühnenbild: Ein Teil der Publikumsempore wurde herausgenommen und auf der Bühne, in Drehelemente verwandelt, verwendet. Nicht nur hier, auch in der Inszenierung spiegelt sich das Verhalten von Diskobesuchern mal ironisch, mal ernst, mal überzogen wieder.

Am Freitag, dem 24.08.07 fand die Premiere statt, an dem darauf folgenden Wochenende weitere Aufführungen, so dass „Diskothek“ im Sommer 07 insgesamt 6 mal gespielt wurde. Das Theater im Pumpenhaus eröffnete mit „Diskothek“ die Spielzeit 07/08. Geplant ist, die Spielzeit im Sommer 08 ebenfalls mit „Diskothek“ zu beenden.

Zum Konzept von „Diskothek“ gehört es, das die Zuschauer in der Welt der Disko eintauchen. So wurde nach jeder Aufführung ein musikalisches Highlight geboten. Von Konzerten Münsteraner Newcomerbands (Honeymoon Killaz, Twinned) über Hip Hop und Raggea Partys bis hin zu klassischen Disko-DJ fand man an jedem Abend nach „Diskothek“ im Pumpenhaus Gelegenheit zum Feiern, Tanzen und Musikerleben. Der Eintritt zu den Musikveranstaltungen war in der Theaterkarte zu „Diskothek“ enthalten. Dies erwies sich gerade für das Pumpenhaus als sehr sinnvoll, da gerade Jugendliche, die sonst schwieriger den Weg ins Theater finden, diese Angebote wahrnahmen.

 

Diskothek wurde von der Presse und dem Publikum sehr gut aufgenommen. (Presseberichte liegen bei). Im Oktober 2007 fand eine Wiederaufnahme für 2 Vorstellungen statt, auch diese waren sehr gut besucht. Weitere Aufführungen sind für 2008 geplant. Die Arbeit mit den jugendlichen Ensemblemitgliedern erwies sich als nachhaltig: Fast alle sind momentan in weiteren Cactus-Projekten involviert und spielen weiterhin Theater.

 

 

24. cuba-cultur, Münster – Stage-off-limit

 

Forum für experimentelle Musik und Klangkunst - Kurzbeschreibung: STAGE off LIMITS ist ein Forum für improvisierte und experimentelle Musik und Klangkunst. Es bot mit Workshops und Konzerten und einem erweiterten Publikum Zugang zu ungewöhnlicher Musik.

 

Geplante Bausteine:

- Im Laufe des Jahres 2007:

- Workshops (erste und zweite Jahreshälfte)

- offene Treffen (zweiwöchentlich)

- Konzerte (monatlich)

 

Zur Durchführung:

a) Workshops:

– Der geplante Workshop Elektronische Musik mit Kunstakademie Münster konnte leider in diesem Jahr nicht realisiert werden, da die Kunstakademie alle ihre finanziellen Mittel im Zusammenhang mit den Skulpturprojekten Münster verausgabt hatte.

- Mit dem amerikanischen Klangkünstler Dan Senn und 15 Mitwirkenden aus Münster wurde ein Stadtmusik-Konzept erarbeitet und unter dem Titel SPACEBAND am 12. Und 13. Oktober in Münster Innenstand aufgeführt. Eine ausführliche Dokumentation befindet sich unter:

http://www.newsense-intermedium.com/Spaceband/Muenster07/index.html

 

b) Improvisationstreffen:

Die offenen Improvisationstreffen fanden in Zusammenarbeit mit Jan Sakurai-Termath, dem Leiter des Ensemble:Hörsinn (www:ensemble-hoersinn.de) statt und richten sich an eine recht vielfältige lokale Musikszene, die von Jazzmusikern über Elektronikspezialisten bis hin zu Absolventen der örtlichen Musikhochschule reichten.

Leider sind die Treffen auf Grund der vielfältiger (beruflicher) Verpflichtungen der Teilnehmer mit der Zeit wieder „eingeschlafen“.

 

c) Konzerte:

Auf Grund günstiger Buchungen (und Kooperation mit anderen Initiativen und Veranstaltern in NRW), konnten insgesamt 14 Konzerte realisiert werden, die ein weites Spektrum aktueller Improvisierter Musik und eine internationale Beteiligung von Musikern aus USA, Großbritannien, Portugal, Spanien, Belgien Niederlande, Österreich und Russland beinhaltete. (Eines der Konzerte musste aus Termingründen auf So, den 6, jan. 08 verlegt werden.)

 

Programm 08

14. Jan

Jaruzelski (Köln)

04. Feb

Theurer-Muche-Hirt (Witten/Köln/MS)

04. Mär

Werner Cee – Martin Speicher (Kassel)

01. Apr

Trio Sowari (GB/D) & Dorschner

03. Jun

La Donna Smith & Leo Feigin (USA/RUS)

02. Sep

Realtime Research (Köln)

13. Sep

SIN RED (Spanien)

07. Okt

Josef Klammer – Seppo Gründler Duo (A)

Workshop und Stadtraumkonzert:

11. - 13. Okt

Dan Senn – international SPACEBAND

04. Nov

Jennifer Hymer (D/USA) – neue Klaviermusik

02. Dez

Bass-Duo: Clayton Thomas & (AUS/A)

 

Guy de Bievre, Anne La Berge, Xavier Verhelst (B/USA)

06. Jan 08

Keune-Schneider-Kremer (D)

 

Vermittlung & Ziele

Wir sind mit der Resonanz sowohl des zwar kleinen, aber umso interessierten Publikums, wie der Wahrnehmung in der örtlichen Presse recht zufrieden.

Auch als Plattform für den internationalen Austausch sich weiter vernetzenden independent Musikszene werden Spielort, wie Programm als wichtiger Anlaufstelle angenommen.

 

 

25. cuba-cultur, Münster – Tatwort – Poetry Slam

 

TatWort – angewandte Literatur um Kultur- und Begegnungszentrum cuba

 

Die Reihe TatWort hat 2007 in über 20 Veranstaltungen ein vielschichtiges Gesamtbild zeitgenössischer Popliteratur dargestellt und dabei gerade viele junge Menschen für die Literatur gewinnen können. Mit monatlich bis zu drei Veranstaltungen hat sich das Kultur- und Begegnungszentrum cuba e.V. hier einen neuen Schwerpunkt mit der Wortbühne schaffen können.

 

Der 2006 angelaufene Poetry Slam, der Dichterwettstreit in unserem Haus wurde auch 2007 weiter fortgesetzt und ausgebaut. Hatten wir schon 2006 hohe Publikumszahlen, konnten wir den Erfolg 2007 weiter steigern. An manchen Tagen durften wir so auch, den für Wortveranstaltungen seltenen Satz aussprechen: „Es ist ausverkauft.“ Auch hat sich der TatWort Poetry Slam unter den Performance Literaten herumgesprochen: 2007 kamen Gäste aus Süd- und Ostdeutschland nach Münster, um an dem renommierten Poetry Slam teilzunehmen. Monatlich traten auf der Poetry Slam Bühne bis zu 15 „Slammer“ auf, lasen Lyrik, performten Erzählungen, zeigten eine große Bandbreite heutiger Spoken Word Kunst.

 

Auch Lesungen renommierter Autoren, die ihre Wurzeln in der Lesebühnenkultur und Spoken Word Szene haben, konnten einen neuen Personenkreis für Performance Literatur, lebendiger Literatur auf der Bühne, begeistern und Vorurteile junger Menschen gegenüber Lesungen beseitigen. So kamen zum Beispiel aus Köln die beiden Autorinnen Dagmar Schönleber und Katinka Buddenkotte nach Münster und begeisterten in einer zweistündigen Lesung das Publikum.

 

Immer wieder füllten die Autoren ihre Lesungen auch mit musikalischen Stücken oder wurden von Liedermachern in ihren Texten unterstützt. Gerade die monatliche Lesebühne, die jüngeren oft unbekannten Autoren ein Forum bietet, lud sich 2007 immer wieder auch Singer/ Songwriter ein, um mit Wort und Musik den Abend zu füllen. Viele der Autoren haben sich nach ihren Lesungen dem Publikum gestellt, um Fragen rund um das Schreiben zu beantworten, aber auch ihre Texte zur Diskussion zu stellen.

Betrachtet man die steigenden Publikumszahlen und die große Presseresonanz, so zeigt sich der Erfolg der TatWort Reihe, die selbstverständlich auch 2008 weiter fortgesetzt und ausgebaut wird.

 

 

26. Stephan US, Münster – Büro für Nichts & mehr

 

Im Mai 2007 fand das Büro für Nichts und mehr für 11 Tage seine Heimat in der Stadthausgalerie der Stadt Münster. Mitten im Herzen von Münster drehte sich öffentlich alles um das Nichts und den verwandten Bereichen Leere, Stille, Null, Abwesenheit, .... und nicht nur in dem Büro, sondern auch durch Aktionen und Performances internationaler Künstler im öffentlichen Raum.

Trotz der anfänglichen widrigen Umstände mit der Sanierung des Rathausinnenhofes und Stadthausgalerie haben über 500 Besucher das Büro für Nichts & mehr vom 4. – 14. Mai besucht, ohne die Besucher der Aktionen im öffentlichen Raum gerechnet. Das Projekt stieß sowohl in der Presse als auch bei den Besuchern auf viel Interesse und gute Kritik (siehe Pressespiegel).

Das Konzept der Partizipation der Besucher ging auch in diesem Projekt auf, viele haben Gegenstände annullieren lassen, sich dem Nichtstun hingegeben, für Nichts demonstriert oder ihren Beitrag in das Archiv des Nichts gegeben.

Auch das, im Rahmen des Büro für Nichts & mehr, veranstaltete Aktions- und Performancefestival fand breiten Zuspruch und gute Besucherzahlen:

 

Freitag 4. Mai | 19.46 Uhr | Nichts ist komplex – Performance von Stephan US | Rathausinnenhof MS

Freitag 4. Mai | 20 Uhr | Büro für Nichts & mehr – Eröffnung | Stadthausgalerie Münster – Rathausinnenhof | Öffnungszeiten vom 05. – 14. Mai | Mo. - Fr. 10 - 13 Uhr + 15 - 18 Uhr | Sa. 12 - 16 Uhr

Samstag 5. Mai | 10 - 16 Uhr | Weisse Zone/Slubfurt - Aktion von Michael Kurzwelly (PL/D)

Stadthaus 1 – Ecke Syndikatplatz

Sonntag 6. Mai | 20 Uhr | carte blanche | Stadthausgalerie Münster - Rathausinnenhof

Montag 7. Mai | 20 Uhr | Nichts bewegt sich - Werkstattaufführung v. Schülern Gymnasium Paulinum

Stadthausgalerie Münster - Rathausinnenhof

Mittwoch 9. Mai | 20 Uhr | Silence - akustische Aktion von Jan Termath

Stadthausgalerie Münster - Rathausinnenhof

Freitag 11. Mai | 20 Uhr | o.T. – Axel Dörner (D) und Robin Hayward (GB)

Stadthausgalerie Münster- Rathausinnenhof

Samstag 12. Mai | 11-15 Uhr | Arbeiten für ein Kulturdenkmal – Performance von Rolls Rolf Langhans

Öffentlicher Raum - Innenstadt Münster

Sonntag 13. Mai | 20 Uhr | carte blanche | Stadthausgalerie Münster- Rathausinnenhof

Montag 14. Mai | 20 Uhr | ZERO – A….the end – Klangperformance von Stephan US

Stadthausgalerie Münster- Rathausinnenhof

 

Besonders hervorheben möchte ich die an den beiden Sonntagen veranstaltete Carte blanche. Hier waren Menschen dazu eingeladen, einen Beitrag zu dem Thema Nichts, Stille, Leere, etc. auf einer offenen Bühne in der Stadthausgalerie aufzuführen. Am zweiten Sonntag entstand dabei ein Programm von 2 Stunden mit über 10 Darbietungen von Performances über Improvisationen, von Rezitationen bis experimentellen Beiträgen. Dabei kamen die Darbietenden nicht nur aus Münster, sondern auch aus Bielefeld angereist.

Nach den Resonanzen zu urteilen und nach meiner eigenen Beurteilung war das Projekt ein voller Erfolg. Das Konzept ist aufgegangen und ist bereits für November 2007 in Hoyerswerda und für September 2008 in Gera gebucht.

 

 

27. Theater am Schlachthof Neuss - Ein Ring - Geschichten u. Theater für und mit Senioren

 

Alte Menschen prägen zunehmend das Gesicht unserer Gesellschaft. Das Lebensalter ist gestiegen und der prozentuale Anteil an der Gesamtbevölkerung nimmt zu. Die Erwartungen und die Wünsche an den so genannten dritten Lebensabschnitt sind gestiegen. Der Anspruch einer umfassenden Betreuung weicht der Vorstellung auch im Alter noch kulturell, geistig und kreativ tätig zu sein.

Daher entstand die Projektidee ein Seniorenprojekt zu initiieren:

1.Eine mobile Produktion nicht für Schulen, sondern für Senioren-Treffpunkte und Altenheime.

Aus diesem Grund haben wir eine Thematik gesucht, die ältere Menschen anspricht. Deshalb haben wir uns für die Nibelungen-Saga entschieden, eine Geschichte, die die Generationen verbindet, da sie seit jeher in der Schule bearbeitet wird und durch zahlreiche Opern- und Theaterinszenierungen zu den bekanntesten Stoffen überhaupt gehört.

Eine Bearbeitung mit zwei Schauspielern ermöglichte eine mobile Produktion. Es fanden zahlreiche Aufführungen in Schulen und Seniorenheimen statt. Auch die Vorstellungen im TAS wurden in der Mehrzahl von Senioren besucht.

2. Eine Lesung aus dem Buch: "Wenn alte Neusser erzählen…"

Im Zusammenhang mit einer Aufführung im Theater am Schlachthof haben wir außerdem eine Lesung des gerade erschienenen Buches "Kappes, Kirmes, St.Quirin" angeboten, in dem verschiedene Neusser Senioren Anekdoten aus ihrer Jugend zu Papier gebracht haben. Für diese Lesung und den Workshop haben wir per Zeitungsanzeigen Senioren gesucht und waren überrascht von der großen Resonanz. Acht Senioren erarbeiteten zusammen mit dem Schauspieler und Regisseur Johann Wild eine Lesung, die wir an zwei Terminen vor der Vorstellungen von „Der Ring“ mit großem Erfolg angeboten haben.

3. Ein Workshop und Aufführung zum Thema: Deine Geschichte. Meine Geschichte.

Auf der Grundlage des Buches: „Wenn alte Neusser erzählen...“, haben wir mit Hilfe der Schauspielerin und Regisseurin Ilva Melchior und 14 Senioren, die sich auf die Zeitungsanzeige gemeldet haben, eine szenische Aufführung auf die Bühne gebracht. Diese Aufführung haben wir im Anschluss an die letzte Vorstellung vom Ring auf die Bühnen gebracht. Die Zuschauerresonanz war beeindruckend und auch die beteiligten Senioren waren mit großem Eifer bei der Sache.

Aufgrund dieser Zusammenarbeit werden wir in Zukunft zahlreiche Projekte mit Senioren auf die Bühnen bringen und auch verstärkt Theaterstücke anbieten, die die Lebenswirklichkeit von Senioren Beinhalten. Der Aufbau einer Seniorentheatergruppe ist in Arbeit.

 

 

28. Theater am Schlachthof Neuss - Jugendensemble Carpe Diem - Neuss gegen Gewalt an Schulen

 

In Zusammenarbeit mit dem mobilen Freizeitmobil des Geschwister Scholl Hauses, der Treffpunkte der Jugendlichen im Rheinparkcenter und Barbaraviertel anfährt, Machten wir Jugendliche auf das Projekt aufmerksam.

Auch der Kontakt zu Schulen in beiden Stadtteilen machte viele Jugendliche neugierig auf das Projekt.

Wir gewannen ca. 20 Jugendliche aus beiden Stadtteilen, die an dem Projekt mitarbeiten wollten. Einige hatten schon Erfahrungen in Theater-AG’s gesammelt, für andere war die Theaterarbeit völliges Neuland.

Es wurde ein fester wöchentlicher Termin als Treffpunkt in den Räumen des tas angeboten, der auch von fast allen dauerhaft wahrgenommen wurde.

Es fand unter Anleitung von Theo Meller ein Deeskalations-Workshop zum Thema Gewalt an Schulen statt, der von den meisten Jugendlichen gut angenommen wurde. Unter Leitung des Theaterpädagogen Christian Fuchs und der Regisseurin Miriam Michel fanden verschiedene Theater-Workshops statt und es wurden Szenen aus dem Stück „Carpe diem"(Nutze den Tag) erarbeitet.

Verschiedene Schulklassen wurden zu Proben und zur Abschlussveranstaltung eingeladen, um die Arbeit am Theater kennen zu lernen und ihre Erfahrungen mit Gewalt an Schulen in die Diskussion einzubringen.

Im Anschluss an die Aufführung fand eine Diskussionsrunde mit Mitgliedern des Jugendensembles und erfahrenen Schauspielern statt, die von den zahlreichen Zuschauern gut angenommen wurde.

Die Abschlussaufführung war ein großer Erfolg und ein Teil der Jugendlichen möchte weiter im Jugendensemble des TAS mitarbeiten.

 

 

29. Druckluft Oberhausen - Rauchzeichen - (K)eine Klarheit über Rauch

 

In der Zeit vom 31.10.2007 bis zum 30.01.2008 hat in den Räumlichkeiten des Jugend- und Kulturzentrums Druckluft das Projekt Rauchzeichen – (K)eine Klarheit über Rauch stattgefunden. Zielsetzung war es in einem spartenübergreifenden Kulturprojekt sich den Begriffen Rauch und Klarheit auf einer künstlerischen und kreativen Ebene zu nähern. Der Bezug zum Nichtraucherschutzgesetz, welches in NRW ab Januar 2008 in Kraft treten sollte, bestand zunächst nur zu dessen zeitlicher Nähe. Im Projekt selbst ging es uns als Initiatoren, im Wesentlichen, um die künstlerische Auseinandersetzung mit dem Thema in all seinen Facetten.

Dies wurde weniger, als ursprünglich geplant, durch die Präsentation von künstlerischen Darbietungen durch Musik, Theater oder Film umgesetzt, als vielmehr durch die Umsetzung des wesentlichen Schwerpunktes der kreativen Bildung mittels der Eigenbeteiligung von zum Größtenteils jungen Menschen innerhalb von Workshops.

Hierzu wurden verschiedene Workshops in den Bereichen Medienarbeit, Fotografie, Musik etc. angeboten. Im Einzelnen waren das:

- Pixelwelt und Bilderrauschen

- Einführung in die digitale Fotografie und die Bildbearbeitung

- Klangwelten

- Computer und Musik

- 3. Camera Obskura

- Die Lochkamera und Bildentwicklungsarbeiten

- Virtuelles Rauchhaus

- Gestaltung von Internetseiten

- Bilder und Töne

- Video und Podcast fürs Internet

- Wandmalprojekt

- Fassadenbemalung am Drucklufthaus

 

Beginn des Projektes war die Info-Auftaktveranstaltung u.a. mit dem Konzert der italienischen Musikgruppe Talko. Bei dieser Veranstaltung haben wir die Gelegenheit genutzt umfangreich über die Inhalte des Projektes und der Workshops zu informieren. An diesem Abend konnten die Besucher bzw. Interessenten sich für die Workshops anmelden. Zu unserer positiven Überraschung war die Resonanz so groß, dass wir alle Workshops durchführen konnten. Auch Aufgrund dieser zahlreichen (kostenlosen) Anmeldungen verlängerten wir die Laufzeit der Workshops um einen Monat, um die Inhalte entsprechend der höheren Anzahl der Workshopteilnehmer auch vermitteln zu können.

Die Teilnahme an den Workshops war geprägt von guter Kontinuität und einer intimen und persönlichen Atmosphäre. Es ging bei der Entwicklung innerhalb der Workshops weniger um ein präsentierbares Endprodukt, als vielmehr um den Prozess, das Lernen und den Austausch. Innerhalb der Workshops entstanden viele persönliche, sogar intime Situationen der künstlerischen Auseinandersetzung. Das Projekt wurde von Workshopleitern und Teilnehmern als absolut Positiv empfunden.

 

 

30. Die Welle e.V., Remscheid – Zwischentöne

 

Geschichte und Geschichten der Gleichberechtigung

Das Projekt ‚Zwischentöne’ fand wie geplant im Zeitraum ´Mai bis Dezember 2007 statt.

Geleitet wurde das Projekt von zwei Honorarkräften, einer Mediengestalterin und einer Künstlerin / Medienpädagogin.

Als durchführende Gruppe des Projektes fungierte im Kern die Mediengruppe Supa8 der Welle.

Hier handelt es sich um 8 Jugendliche im Alter von 17 – 20 Jahre.

Bereits in der Planungsphase des Projektes gestaltete sich die Zusammenarbeit mit dem Altenheim als schwierig. Trotz einer Zusage, sich am Projekt zu beteiligen, scheiterte dies am Widerstand der Bewohnerinnen und Bewohner. Dieser Absage fiel auch der fotografische Teil des Projektes zum Opfer.

Die Durchführung des Projektes wurde daraufhin neu strukturiert.

Gemeinsam mit den beteiligten Jugendlichen wurde entschieden, sich ausschließlich auf die Arbeit mit dem Medium Film zu konzentrieren. Des weiteren wurde entschieden, auf die Zusammenarbeit mit deutlich älteren Menschen (Altenheim) zu verzichten und stattdessen eine Auseinandersetzung mit Menschen zu suchen, die noch im Berufsleben stehen.

Von den Jugendlichen kam ebenso die Idee, das Projektziel der Reflektion ihrer eigenen Geschlechter Rolle / Rolle in der Gesellschaft, direkt in Form von Interviews im Video einzubinden.

Zu Beginn des Projektes stand also eine Phase, in der die Jugendlichen sich selbst zu dem Themenkomplex Gleichberechtigung der Geschlechter interviewten.

Im Anschluss wurden die Interviews auf die Straße verlagert und Passanten und Anwohner der Lenneper Altstadt zum Thema befragt!

Nach Abschluss der Interviews, die in einem Zeitraum von mehreren Wochen entstanden, erfolgte eine Auswertung und die erste Aufarbeitung der Aufnahmen für den Videofilm!

Parallel zu den ersten Schnittarbeiten fing die Gruppe an, sich um weitere Interviewpartner (-innen) zu kümmern! Diese sollten Frauen sein, die schon einige Jahre im Arbeitsleben stehen.

Die Jugendlichen wollten wissen, wie dies für sie ist, welche Erfahrungen sie gemacht haben und wie ihre Perspektive ist. Geplant war hier auch Frauen mit Migrationshintergrund zu befragen. Dies lies sich auf Grund einer ablehnenden Haltung mehrere für die Interviews angefragter Frauen allerdings nicht realisieren.

In der Vorbereitungsphase für diese Interviews gab es eine thematische Recherche. Diese wurde von den Jugendlichen überwiegend mit dem Medium Internet durchgeführt.

Bei dieser Recherche wurden auch viele Bilder gesammelt, die später Eingang im Film finden sollten.

Die thematische Auseinandersetzung hielt auch nach der Beendigung der jeweiligen Dreharbeiten an.

Auch beim Sichten und Schneiden des Filmmaterials entwickelten sich inhaltliche Diskussionen unter den Jugendlichen und zwischen den Teamerinnen und den Jugendlichen.

In der Schlussphase des Projektes interviewten sich einige der Jugendlichen noch einmal gegenseitig zu dem von ihnen durchgeführten Projekt, ihren Gedanken und (Um-) Denkprozessen.

Der fertige Film wird aus organisatorischen Gründen im März 2008 aufgeführt. Der Film wird auf DVD erscheinen und interessierten Personen zur Verfügung gestellt.

Fazit

Trotz Absagen von Interview Teilnehmenden, die für die jugendlichen Projektteilnehmenden nicht immer nachzuvollziehen waren, ist es immer wieder gelungen, die Jugendlichen zu motiviert oder diese motivierten sich selber.

Die teilnehmenden Jugendliche suchten bewusst immer wieder den Austausch mit älteren Menschen, auch wenn dies manchmal schwierig war, diese ja oft ihre Eltern oder Großeltern hätten sein könnten (von denen man in diesem Altern evtl. gar nichts wissen will). Das Interesse am Thema und die Neugierde nach Information machte dies möglich.

Zu beobachten war, dass ein theoretischer Zugang schwer möglich war, obwohl die Jugendlichen über ein relativ hohes Bildungsniveau verfügten. Spannender war immer die direkte Auseinandersetzung.

Der Ansatz dieses Projektes, dies mit einer Geschlechtergemischten Gruppe durchzuführen, erwies sich als gut. Immer wieder ergaben sich unter den Jugendliche belebende Diskussionen zum Thema der Gleichberechtigung. Es entwickelte sich der Eindruck, eine Geschlechter getrennte Gruppe wäre von den Jugendlichen als aufgesetzt empfunden worden.

Die thematische Aufarbeitung mit medialen Mitteln, hier einer Videoproduktion, zu bewerkstelligen, erwies ich als ein guter Ansatz. Inhaltliche, thematische Diskussionsprozesse setzten sich bis in den Bereich der Postproduktion des Films fort.

 

 

31. Kraftstation Remscheid - In - sects, Gender und Musik

 

How many sexes are there? Three: the male sex, the female sex and the in – sects”.

(Billy Tipton, die nur Jobs als Saxophonist in den USA der 50er Jahre bekam, weil sie als Mann auftrat)

„Frauen wird immer wieder suggeriert: Es ist alles erreicht! Ihr könnt alles schaffen, wenn ihr nur wollt! Aber sind die Forderungen des Feminismus wirklich eingelöst worden?“ (Klappentext Sonja Eismann „Hot Topic – Popfeminismus heute“, 2007)

Was haben Geschlechterverhältnisse mit Popkultur zu tun?, dieser Frage gingen wir in dem Projekt, das wir ab Oktober mit mehreren Veranstaltungen durchführten nach.

Heute muss Frau nicht mehr als Mann verkleidet auftreten, jedoch sind Frauen in der Musik immer noch unterrepräsentiert. „Wenn eine Musikzeitschrift die 100 besten GitarristInnen auflistet, sind darunter nur fünf Frauen“ (Sonja Eismann in terz 12/07).

Gerade in der populären Musik, vor allem im Rock / Punk / Hardcorebereich, ist der Anteil von Musikerinnen verschwindend gering und liegt um ca. 5 %. In der experimentellen Musik dürfte der Anteil sogar noch niedriger sein. „Unsere männlichen Mitmusiker halten ihre Bands nach wie vor streng monogeschlechtlich, und so herrscht in der Popkultur ein ähnlich ausgewogenes Geschlechterverhältnis wie in der KFZ – Meisterinnung und in der Astronautenszene“ ( Beiheft zum Flittchen – Record Sampler Stolz und Vorurteil, zit. Testcard 8, S. 20). Dieses Verhältnis zieht sich durch alle Bereiche der Musikindustrie, Frauen sind nahezu ausgeschlossen.

Frauen werden erst dann wahrgenommen, wenn sie hörbar erfolgreich sind.

Wenn Frauen in Bands spielen, dann als Sängerinnen. Ein Instrument spielende Frauen treten kaum auf. An Schlagzeug und Gitarre sind Frauen nahezu ausgeschlossen. „ Ihre Rolle ist immer noch die der Konsumentin, der Tänzerin vor der Bühne, des Fans, des Groupies, der Backgroundsängerin, allenfalls der Sängerin als Interpretin – diese den jungen Frauen werden in der Popdiskussion nicht ernst genommen, weder als Themen an sich noch in ihren frauenspezifischen Implikationen“ (ebd., S.23).

Hier setzte das Projekt „in-sects“ an.

Warum ist der Anteil von Frauen in der populären Musik so gering?

Welche Rollenbilder werden transportiert und durch Medien vermittelt?

Mit „in-sects“ sollte ein Forum geschaffen werden, das die Geschlechterverhältnisse in der populären Musik in Frage stellte und ins Wanken brachte.

In der Reihe gab es zwei Konzerte, mit den „Frauen / Grrrls - Bands The Tommys, Question Mark, Rhythm King, Black Sheep und Miss Fortune, mit Filmen, Vortrag und Diskussion.

Vor allem der Vortrag von Sonja Eismann, die den Reader Hottopic zusammenstellte, wurde vom jungen Publikum und der Presse sehr gut angenommen und berichtet. Die Berichterstattung fand sich sogar auf der ersten Seite des Lokalteils. Nach mehreren durchgeführten Genderprojekten war hier erstmals eine breitere Öffentlichkeit präsent. Das führte zu einer anschließenden großen Aufmachung des Grrrlsworkshops, den die Kölnerinnen Black Sheep durchführten. An Gitarre, Bass, Schlagzeug und Gesang übten die Teilnehmerinnen einen Song ein, der im abschließenden Konzert präsentiert wurde.

Ein großartiger Erfolg des Projektes, das sich hoffentlich irgendwann auch in den ZuschauerInnenzahlen ausdrückt. Aber wir sind schon ein Stück weiter gekommen bis zum „Jawohl, sie hat`s geschafft“ (Les Reines Prochaines).

 

 

32. Kraftstation Remscheid - Tonspuren - 20 Jahre soziokulturelles Zentrum

 

Mit dem Projekt Tonspuren wollen wir mit Jugendlichen kommunizieren, mit ihnen das Programm gestalten, sie selber zu Wort kommen lassen, den kulturellen Ausdruck von Jugendkulturen verdeutlichen und neue Spuren gehen. Tonspuren ist eine nach vorwärts gewandte Rückbesinnung mit Pop und Wort.

Unter dieser Zielsetzung startete das Projekt Tonspuren in der zweiten Hälfte des Jahres 2007.

Gemeinsam mit Jugendlichen der Kraftstation wurde die erste Tonspur „Es lebe der Punk“ ins Programm aufgenommen. Inspiriert durch die verschiedensten Punkkonzerte der vergangenen Jahre wurden mit T-Punkterror, Atemnot, Lükopodium und Schwarze Schafe, sowohl Newcomer als auch alte Helden der Punkszene in die Playlist für den Abend aufgenommen. Leider fand das Konzert nicht den von uns erhofften Zuspruch. Nichtsdestotrotz bewerteten sowohl die wenigen anwesenden Zuschauer als auch die Bands den Abend durchweg positiv. Als Resultat stellt sich nun für uns die Frage, auch aus den Erfahrungen der letzten Konzerte, ob Punk als Jugendkultur in Remscheid noch angesagt ist?

Die zweite Wurzel unseres Hauses ist die Hip-Hop-Kultur. Nicht nur das Jugendliche dieses Konzert in der Kraftstation mit geplant haben, auch die Durchführung auf der Bühne hat in enger Zusammenarbeit mit den Jugendlichen des Hauses stattgefunden. Gerade das jüngere Remscheider Publikum begrüßte die Crews des Abends mit sehr großem Zuspruch. Mit RSI, 42897 Family und Bergisch Heights konnten lokale Newcomercrews gefunden werden, die dem Publikum einen stimmungsvollen sowie abwechslungsreichen Abend bereiteten. Innerhalb dieser Veranstaltung kamen Jugendliche zu Wort, die sonst kaum Möglichkeiten haben sich „kulturell zu artikulieren“.

Poetryslam und Jugend waren die Stichworte der dritten Tonspur des Projektes. In der Vergangenheit haben wir mit Experimenten der Darstellenden Poesie sowohl positive als auch negative Erfahrungen im „Kulturkonservativen“ Remscheid erleben können bzw. müssen. Glücklicherweise hat sich der Poetry-Slam 2007 von seiner besten Seite gezeigt und wurde ein bunter Abend voller Überraschungen. Nicht nur das sich unglaubliche 7 SlamerInnen im Alter von 15 bis 21 Jahren an diesem Abend dem Remscheider Publikum präsentierten, konnten unter ihnen auch wahre Talente entdeckt werden, die dadurch inspiriert nun auch zukünftig an ihren eigenen Texten arbeiten möchten. Das gesprochene Wort ist auf nahrhaften Boden gestoßen und ist schon jetzt tief in der Remscheider Kulturlandschaft verwurzelt und ist darüber hinaus im Begriff weiter zu wachsen.

Das Projekt Tonspuren war in vieler Hinsicht ein Erfolg. Nicht nur das wir eine neue Generation Jugendlicher für die Kulturarbeit in Remscheid gewinnen konnten, auch neue kulturelle Angebote konnten erprobt und gefestigt werden. Tonspuren hat Spuren hinterlassen und das nicht nur in der Ausrichtung des Programms.

 

 

33. Alter Schlachthof, Soest – Ob-Dach-Los

 

Ob-Dach-Los | Aktionstage der Wohnungslosenhilfe - Kulturprojekt zum Thema Wohnungslosenhilfe in Soest

Ein Kooperationsprojekt von Sozialwerkstatt, Sozialberartungsstelle, Wohnhaus Briloner Straße und Kulturbüro Soest der Träger Ev.-Perthes-Werk e.V. und Kulturhaus Alter Schlachthof e.V.

 

Vom 19. August bis 29. September 2007 veranstaltete die vorgenannte Arbeitsgemeinschaft verschiedene Aktionen, die in Verbindung mit Künstlern und Kulturschaffenden die zunehmende Not, Armut und Wohnungslosigkeit thematisierten.

 

Inhalt

· Idee, Konzeption

· Finanzielle Vorraussetzungen

· Durchführung

· Resümee

 

Idee, Konzeption

Obdachlosigkeit ist ein unbequemes Thema, außer der winterlichen Erfrierungen findet es selten in die Medien und die Köpfe der Obdach-Habenden. Der Tag der Wohnungslosigkeit wird zum Anlass genommen, sich dem Thema und den Betroffenen von Obdachlosigkeit auf verschiedene Weise zu nähern - dabei werden `eingekaufte´ Bestandteile mit eigenen kombiniert. Geplant waren:

- Schuberts "Winterreise" - Szenische Ein-Man-Oper im Obdachlosen-Milieu

- TafelMusik - Mitwirkende: Soester Musiker & Soester Tafel

- soziale Kunst - bildender Künstler und Wohnungslose erarbeiten gemeinsam Großplastik

- `Wohnungslose im Nationalsozialismus´ (Wanderausstellung der BAG Wohnungslosenhilfe)

- `Wohnungslose in Soest´ (eigene Fotoausstellung)

- Gottesdienst mit Armensuppe

- Stadtführung `Geschichte der Stadt aus der Sicht von Wohnungslosen´

 

Finanzielle Vorraussetzungen

Gegenüber der ursprünglichen Planung und Antragstellung mussten die Projektpartner Ev. Perthes-Werk e.V. und Kulturhaus Alter Schlachthof e.V. mit deutlich weniger finanziellen Mitteln wirtschaften.

Insbesondere die Ablehnung des Projektantrages beim Fonds Soziokultur führte zu einer Reduzierung der verfügbaren Finanzmittel um 25 %.

Ein Teil dieses "Verlustes" konnte im Laufe des Projektes durch Kollektenmittel der Ev. Kirche ausgeglichen werden; allerdings fraßen die Mindereinnahmen während des Projektverlaufes (insbesondere bei Eintrittsgeldern) diese Spende wieder auf.

Da auch weitere eingeplante Finanzquellen nicht wie geplant sprudelten, musste das Projekt letztendlich mit fast 40% weniger Mitteln auskommen; das Gesamtbudget betrug 8.484.29 €.

Die beiden Kooperationspartner haben ihre Eigenleistungen und Eigenanteile deutlich erhöht - so konnte das Projekt ganz im Sinne der ursprünglichen Planung erfolgreich durchgeführt werden.

 

Durchführung

Ein thematisch-historische Stadtführung, vier Ausstellungen, ein künstlerischer Bildhauer-Workshop mit Betroffenen, zwei thematische Konzerte und ein Abschlussgottesdienst - Programm, Publikums- und Medien-Resonanz verliefen zur vollsten Zufriedenheit der Beteiligten.

 

Stadtführung: 200 Teilnehmer überraschten | Soester Altstadt

Enorme Publikumsresonanz überraschte am Sonntag morgen die beiden Vorstandsmitglieder des Heimat- und Geschichtsverein. Ilse Maas und Jochen Grade gaben einen Einblick in die Geschichte der Armut in Soest, ohne den Bezug zum Heute zu vernachlässigen; der knapp zweistündige Rundgang endete in der Übernachtungsstelle der Stadt Soest.

 

Foto-Ausstellung | Bürgerzentrum Alter Schlachthof

In ein Projekt mit Wohnungslosen wurden Not, Armut Wohnungslosigkeit in Soest dokumentiert. Die im Januar 2005 entstandenen Bilder sind immer noch aktuell - obwohl bereits gezeigt, wurde die Ausstellung aufmerksam wahrgenommen: Peter Wiesrecker, Leiter des Wohnhauses Briloner Straße führte mehrere Schulklassen durch die dokumentarische Ausstellung im Bürgerzentrum.

Durch die Resonanz wurde der Kirchenkreis Soest auf die Fotoausstellung aufmerksam und zeigte sie im Anschluss in seinen Räumen.

 

Historische Wanderausstellung | Kreishaus Soest

Experten schätzen die Zahl auf über 10.000 Bettler und Landstreicher in Konzentrationslager eingeliefert wurden. Quellentexte, Faksimiles, Fotos und kommentierende Texte gaben im Foyer des Kreishauses einen Einblick in ausgewählte Schicksale.

 

Sozial-künstlerischer Objektworkshop | Ev. Perthes-Werk

Der Objektkünstler Angelo Monitillo arbeitete eine Woche mit sieben Betroffenen; zuvor hatte das Perthes-Werk aus eigenen Ressourcen eine Einführung in die Arbeitstechniken der Metallverarbeitung gegeben.

 

Ausstellung Metallskulpturen | St. Maria zur Wiese

Die Ergebnisse dieses "Bildhauer"-Workshops wurden in der Wiesenkirche gezeigt und bebilderten den dort stattfindenden Abschlussgottesdienst.

 

Oper für Obdach | Bürgerzentrum Alter Schlachthof

Christoph von Weitzel schilderte in Form einer Ein-Mann-Oper in eindrucksvoller Weise die Ursachen und Auswirkungen der bitteren Realitäten von denen Obdachlose betroffen sind und machte die damit verbundenen psychischen Abgründe erlebbar.

Diese einzige - künstlerisch herausragende - Veranstaltung hatte deutlich weniger Besucher als geplant. Als ursächliche Gründe hierfür ist heranzuführen, dass das Bürgerzentrum noch nicht als Spielort ernster klassischer Musik wahrgenommen wird und das entsprechende Zielpublikum damit nicht ausreichend erreicht wurde, sowie der angekündigte "Problemhintergrund": "Lieder werden zur großen Oper - Liebe, Verlust, Einsamkeit, Suche, Kälte, Tod und die Sehnsucht alles zu überwinden", hieß es in der Ankündigung.

 

Benefiz-Konzert | Schiefer Turm / Alt St. Thomä

Lokale Musiker, Cellist und Musikschulleiter Ulrich Rikus, das Soester Madrigal Syndikat und der Gitarrist Wolfgang Bargel, gestalteten das gut besuchte zwei-teilige Benefizkonzert. In der Pause reichten Freiwillige der Frauenhilfe kleine Gaumenfreuden, die von der Soester Tafel bereitet worden waren und die auf diesem Wege ebenfalls auf sich aufmerksam machte und ihre Mitarbeiter vor eine abwechslungsreiche Aufgabe stellte.

Das schmucklose gotische Kirchenschiff wurden für diesen Abend mit Skulpturen des Workshopleiters Angelo Monitillo ausgestellt.

 

Abschlussgottesdienst | St. Maria zur Wiese

Inmitten der Skulpturen des Objektworkshops und vor großer Gemeinde fand der thematische Abschlussgottesdienst statt.

 

Resümee

Das Projekt war ein Erfolg. Trotz deutlich geringerer finanzieller Ausstattung konnten die geplanten Aktionen durchgeführt werden. Das Thema wurde - zumindest für den Projektzeitraum - ins Bewusstsein der Öffentlichkeit gerückt. Enormes Pressecho, und gute Publikumsresonanz sprechen für sich.

Nach Abzug der Bewirtungskosten des Benefizkonzertes, sowie die spontan durchgeführte Sammlung bei der Stadtführung erbrachten eine Spende zu Gunsten der Sozialberatungsstelle i.H.v. ___€.

 

 

34. BahnhofWerl Kultur Für Werl e.V., Werl - Fanclubs der Sehnsucht - Stagedivers

 

Nach Vorbereitung der Werbemittel ab Mitte Juli 2007, begannen ab Beginn des Monats August die Teilnehmerakquisition und die entsprechende Pressearbeit für das Projekt.

Ab dem 24. September startete das so genannte „Theater- und Musik-Camp“ unter dem Titel „Stagedivers“ in den Räumlichkeiten des Kultur- und Eventzentrums Bahnhof Werl.

Die beiden künstlerischen Leiter im Bereich Theater erarbeiteten in intensiver gemeinsamer Zusammenarbeit mit den teilnehmenden Jugendlichen das Stück „Werl in Space oder die fantastische Reise der goldenen Schallplatte“. Ab dem 01. Oktober stießen dann die beiden Leiter des Bereichs Musik zu der Gruppe und entwickelten mit den Jugendlichen die musikalischen Anteile.

Parallel arbeiteten in zusätzlichen Workshops Jugendliche am Rahmenprogramm. Zum einen handelte es sich um die Erstellung von Gemälden auf Airbrush-Basis, zum anderen bereitete eine ausgebildete Trainerin passende Walk-Acts vor.

Die Aufführungen des Stücks erfolgten am 05. und 6. Oktober und stießen auf große Publikumsresonanz. Die Pressebesprechungen waren hervorragend.

Während die Kostenrahmen für Gagen, Honorare und Personalkosten und die Verbrauchsmaterialien weitgehend eingehalten wurden, fielen im Bereich der Organisationskosten weniger Ausgaben an. Insbesondere bei der Anmietung von weiterer Technik und der Dokumentation waren die Kosten geringer als geplant.

Auf der Habenseite wurden jeweils weniger Einnahmen in den Bereichen der Eintritte und Teilnehmergebühren erzielt. Die Mindereinnahmen und weniger Ausgaben hielten sich insgesamt ungefähr die Waage. So fiel der Anteil an Eigenmittel lediglich um 124,80 Euro geringer aus, als geplant.

 

 

35. Beate Albrecht , Witten – Hin&Weg.Sehen

 

Hin&Weg.sehen war als ein generations- und medienübergreifendes Theater- und Filmprojekt mit dem inhaltlichen Fokus auf Zivilcourage und Toleranz, gegen rechtes Denken und Gewalt, mit dem Ziel der Inszenierung einer mobilen Jugendtheaterproduktion angedacht.

In Zusammenarbeit mit BürgerInnen aus zwei Städten (Ost und West) sollten Texte zusammengetragen werden und diese in einer gemeinsamen Schreibwerkstatt zu einer zu dramatisierenden Textvorlage zusammen gefasst werden. Vorgesehen waren Proben bis zur Premiere, sowie weitere Aufführungen

Projektverlauf

Recherche und Infomaterial

Das Theaterprojekt `Hin&Weg.sehen´ hatte seinen Beginn im Dezember 2006, als bei Auftritten des Theaters rechtsorientierte und rechtsradikale Jugendliche im Publikum saßen und mit rechtspopulistischen Sprüchen auf sich aufmerksam machten, entstand die Idee ein Theaterprojekt zum Thema zu machen.

Das Team, bestehend aus Sabrina Ullrich, Beate Albrecht, Tobias Vorberg und Kirsten Mohri, begann nun in der eigenen Stadt Nachforschungen zur rechtsextremen Szene anzustellen und musste bemerken, dass der Stadtteil Witten-Annen, in dem das Theater angesiedelt ist, ein beliebter Treffpunkt der hiesigen rechten Szene ist.

Nun begannen viele Recherchen zum Thema – es wurde Kontakt mit Jugendlichen aus der antifaschistischen Szene aufgenommen, mit dem Bündnis gegen Rechts, mit dem soziokulturellen Zentrum `Haus am Anger´ in Falkensee und vor allem mit drei Mädchen, die aus der rechten Szene ausgestiegen waren. Unterstützt wurde das Team bei letzteren Kontakten von der Aussteigerberaterin der Stadt Witten, Sylvia Eilhardt. Es folgten zahlreiche Treffen und Gespräche, die bis über die Premiere des Stückes andauerten.

Das Team nahm nach einigen Abwägungen Mailkontakt mit den Freien Nationalisten aus Witten auf, die zu einem persönlichen Treffen nicht bereit waren und Forderungen stellten, auf die wir nicht bereit waren zu einzugehen.

Schreiben, Schreibwerkstatt, Textfassung

Nach und auch noch parallel zu den Recherchen folgte eine intensive Schreibphase. Die verschiedenen Texte wurden zusammengetragen und in einer Schreibwerkstatt mit Kerstin Hof und in einer Schreibsupervision mit Anne Schimkus zusammen gefasst und überarbeitet.

Die Idee mit BürgerInnen aus zwei verschiedenen Städten zusammen zu arbeiten, mussten das Team aufgrund der fehlenden Förderzusagen aufgeben. Auch konnte es zur Teilnahme an der Schreibwerkstatt einen älteren Bürger gewinnen, der mit eigenen Eindrücken und Texten mit Rat und Tat den Projektleuten zur Seite stand.

Eine erste Textfassung stand – und es ging in die Probenphase

Probenphase

Die Probe war neben den schauspielerischen Anforderungen weiterhin von der Auseinandersetzung mit Fragen zum Rechtsextremismus geprägt.

Die Aussteigerinnen begleiteten das Team, von einem Mitspielen wurde jedoch Abstand genommen, da das Interesse mehr in den Bereichen der Recherchen bzw. Probenbegleitung stand.

Premiere, Aufführungen, Aktionen

Am Ende stand ein Theaterstück mit folgendem Inhalt:

Sem und Juli waren füreinander bestimmt, doch dann ist alles anders gelaufen. Verletzungen, Mobbing, Vorurteile haben sie getrennt, so liegen sie seit Jahren mit ihren Cliquen im Clinch. Alles im Rahmen, trotz empörter Reaktionen aus der Erwachsenenwelt, bis rechtsradikale Schläger und deren Menschen verachtendes Gedankengut die Situation eskalieren lassen. Während Sem und seine Freunde um ihr Leben fürchten, denkt Juli immer noch, dass sie für die rechte Sache kämpft. Bis sie schmerzlich erkennen muss, dass Rechts nicht Recht ist.

Das Stück hatte seine Premiere am 2.9.07 in der Werk°Stadt Witten, eine weitere Vorstellung in Witten und Fröndenberg folgte. Für den 25.1.08 ist zusammen mit anderen ortsansässigen Jugendorganisationen ein Aktionstag gegen rechte Gewalt geplant, `Hin&weg.sehen´ wird neben einer Podiumsdiskussion ein wichtiger Programmpunkt sein.

Zudem wird das Stück im Rahmen einer Aktionswoche in Gevelsberg gezeigt, und auf dem Festival freier Theater aus Südwestfalen gezeigt. Weitere Auftritte im deutschsprachigen Raum sind für 2008 in Planung.

Änderungen gegenüber Projektplan

Aufgrund der späten Förderzusagen, zum einen erst zwei Wochen vor der Premiere, veränderte sich das Projekt wie folgt:

Das Team verlegte den Schwerpunkt der Aktionen und Erarbeitung auf Witten und korrespondierte nach Falkensee / Berlin bzw. ließ eine Theaterpädagogin von Berlin nach Witten kommen, um von deren Erfahrung in der Arbeit mit rechtsradikalen Jugendlichen zu profitieren.

Mit ihr entwarf und verwarf das Team jedoch auch schließlich wieder die Idee, realistische Videosequenzen in das Stück einzuarbeiten.

Aufgrund ihrer Arbeit bei `Kamerakultur´, Medien- und Kulturpädagogen, die verschiedene auch preisgekrönte Dokumentarfilme zum Thema gemacht haben, hatte sie Zugriff auf bestehendes Material sowie die Möglichkeit Kontakte herzustellen und diese um – zum Beispiel ein Interview zu bitten. In den Proben stellte sich jedoch heraus, dass das Stück als solches ohne Videoeinblendungen stärker wirkte.

 

 

36. Die WerkStadt, Witten – Ideal

 

HIPHOP TanzTheaterprojekt zum Thema “Schönheitsideale“

Eine Kooperation der WERK°STADT und des JugendFreizeitHaus Vormholz

Im September und Oktober 007 wurde das Tanztheaterprojekt „Ideal“ in der WERK°STADT durchgeführt. Eine Choreographin, ein Theaterpädagoge, eine Objektdesignerin, ein Videograph und die Pädagogin aus dem JFH Vormholz haben das Projekt gemeinsam umgesetzt und realisiert.

 

Als Auftakt wurde am 02. September 2007 eine Audition im großen Saal der WERK°STADT veranstaltet. Durch einen Flyer, ein Radiointerview und die örtliche Presse wurden die Jugendlichen darauf aufmerksam gemacht. Durch die Teilnahme an einen Tanzworkshop, ein Schauspieltraining und die Möglichkeit vorzusingen wurden aus knapp 40 Jugendlichen 20 ausgewählt, die an dem Projekt teilnehmen konnten!

 

Die Jugendlichen kamen aus Witten, Dortmund, und Bochum und waren zwischen 13 und 20 Jahren alt. 2 Wochen lang wurde täglich hart gearbeitet.

Ein Tanztraining bildete den täglichen Einstieg, die zweite Hälfe des Tages wurde theaterpädagogisch gearbeitet. Zudem wurde mit den Jugendlichen zusammen ein Bühnenbild entwickelt.

Die Jugendlichen haben ihre Erfahrungen rund um das Thema Schönheitsideale eingebracht. Diese waren sehr vielfältig. So hatten fast alle schon einmal diätet oder haben Bekannte die unter Essstörungen leiden.

Zwei Mädchen wurden dadurch ermuntert von ihren persönlichen Essstörungen zu berichten und diese für die Grundlage der Choreographie darzustellen.

All diese persönlichen Erlebnisse, aber auch die theoretische Auseinandersetzung mit dem Thema - dank des pädagogischen Begleitmaterials von der Suchthilfe direkt Essen gGmbH- sind in das Stück eingeflossen.

Die Jugendlichen haben zunächst selbst Szenen entwickelt, die dann mit Hilfe der Dozenten theatral ausgearbeitet wurden. Die TeilnehmerInnen haben selbst Songtexte geschrieben und die Songs gesungen. Ein Junge hat ein Stück auf dem Klavier selbst komponiert.

Die HipHop Tänze fügten sich thematisch in das Stück ein.

Entstanden ist eine dreiviertel Stunde lange Collage zum Thema „Ideale. Diese wurde am 06.- und am 07.10.07 in der WERK°STADT aufgeführt. Danke der Spende der Soroptimist Witten konnte man diese zwei Vorstellungen gratis für Schulklassen und Freunde anbieten.

 

Durch die Auswahl der Jugendlichen zu Beginn des Projektes, ist das Tanztheaterstück tänzerisch, schauspielerisch und gesanglich qualitativ sehr hochwertig einzustufen. Durch die Bühnentechnik und das dazugehörige Bühnenbild wurde die Professionalität noch untermauert.

Es ist geplant im nächsten Jahr weitere Auftrittsmöglichkeiten auch in anderen Städten zu organisieren.

Grundsätzlich ist das Projekt als voller Erfolg zu werten.

Die Jugendlichen haben die eigenen Erfahrungen in einer professionellen Form auf die Bühne gebracht. Diese Erfahrung hat ihr Selbstbewusstsein extrem gesteigert. Die Atmosphäre war durchgehend sehr positiv und die Jugendlichen waren mit vollem Einsatz und Kreativität bei der Sache. Es ist ein außergewöhnliches Gruppengefühl entstanden. Hervorzuheben ist die Zusammensetzung der Gruppe: Viele der Teilnehmerinnen kommen aus sozial sehr schwierigen Verhältnissen und haben schon einschlägige Erfahrungen mit dem

Gesetz und Grenzüberschreitungen gemacht.

Darüber hinaus hat das Projekt die Zusammenarbeit der WERK°STADT und dem JFH Vormholz nachhaltig gestärkt und es ist ein weiteres Projekt für 2008 geplant und beantragt!

 

 

37. Die Börse, Wuppertal – The killer in my is the killer in you, my love

 

„The killer in me is the killer in you, my love“ von Andri Beyeler ist ein renommiertes Jugendstück, das im Frühjahr 2007 (Premiere am 24.02.2007) unter der Leitung des Kölner Regisseurs Christoph Wehr und mit Unterstützung des Dramaturgen Thomas Emmert an der börse in Wuppertal inszeniert worden ist. Der Text thematisiert den Selbstfindungsprozess von Jugendlichen und sensibilisiert dabei für gesellschaftliche Themen im Spannungsverhältnis von Selbstfindung versus Egoismus. Dadurch, dass die Inszenierung an der börse mit jugendlichen Nachwuchsschauspielern erarbeitet worden ist, wurde die Nähe der Spieler zu der Erfahrungswelt der Figuren zu einer wichtigen Achse. Vor allem bei den jugendlichen Zuschauern konnte auf diese Weise ein Verständnis für die Beziehungsgeflechte und Verhaltensweisen der Figuren geweckt werden. Das Stück hat die jugendlichen Zuschauer mit den Unsicherheiten, Fantasien und Problemen der körperlichen wie geistigen Selbstfindung im Pubertätsprozess konfrontiert und gezeigt, wie plötzlich aus Freunden Konkurrenten werden, welche Probleme in der Auseinandersetzung mit Schönheitsidealen und Potenzgehabe entstehen können. Die Inszenierung hat dabei für auslösende Situationen sensibilisiert, die die Weichen stellen können, entweder für ein positives Wachsen an der Situation oder für einen emotionellen Rückzug in entsprechende Krankheitsbilder.

Zu Beginn des Sommers. Gerber und Surbeck im Schwimmbad. Sie spannen. Sie rauchen ihre ersten Zigaretten. Gerber gelingt erstmals ein Kopfsprung vom Dreimeter. Die Jungs interessieren sich für Mädchen. Vor allem für Hanna. Klein Gerber, Gerbers jüngerer Bruder, stört ständig, will bei diesem schönen Wetter einfach nur baden gehen - und dazugehören. Lena schwimmt gern, will sich aber nicht ausziehen. Gerber und Hanna werden ein Paar. Surbeck schwimmt und schwimmt, zählt seine Bahnen.

Am Ende des Sommers ist Surbeck der Einzige, der noch schwimmen geht. Klein Gerber beobachtet am Fenster gegenüber Lena. Hanna interessiert sich nun mehr für Moser. Gerber ist verzweifelt. Szenen und Monologe erzählen die Erlebnisse der Heranwachsenden aus verschiedenen Blickwinkeln. Jeder erlebt die gleiche Situation anders. Widersprüche sind nicht ausgeschlossen. Das Stück erinnert schmunzelnd, schmerz- und sehnsuchtsvoll an den Sommer, in dem man plötzlich erwachsen wird.

Unter der künstlerische Leitung, des in Köln lebenden Regisseurs, Schauspielers und Schauspiellehrers Christoph Wehr, der in der freien Theaterszene Wuppertals durch zahlreichen Inszenierungen bekannt ist, und dem Dramaturgen Thomas Emmert, der u.a. an den Bühnen Köln und bei pretty ughly Tanz Köln beschäftigt war, ist an der börse eine lebendige und unkonventionelle Jugendtheaterinszenierung entstanden, die das überwiegend jugendliche Publikum auch ästhetisch auf ein ganz besondere Art angesprochen.

 

 

Münster, den 29.8.2008