Landesarbeitsgemeinschaft Soziokultureller Zentren

Selbstdarstellung der LAG 1996


Die Landesarbeitsgemeinschaft Soziokultureller Zentren Nordrhein-Westfalen (LAG NW) ist der Zusammenschluß von derzeit 50 soziokulturellen Zentren und Initiativen in freier Trägerschaft. Mit 30 weiteren Einrichtungen und Initiativen kooperiert die LAG NW. Die LAG NW verfolgt als Ziel, die Zusammenarbeit zwischen allen Einrichtungen zu fördern, die eine alternative und soziale Kulturarbeit betreiben, neue Initiativen zu unterstützen, die Öffentlichkeit über die geleistete Arbeit zu informieren und die Interessen der soziokulturellen Einrichtungen gegenüber öffentlichen Stellen zu vertreten.

Zu den Grundsätzen der Arbeit gehören u.a.: Basis- und NutzerInnenorientierung, demokratische Entscheidungsstrukturen, Selbstverwaltung, Formen sozialer und politischer Arbeit sowie demokratischer Kultur (Initiierung sozialer, politischer und kultureller Lernprozesse sowie der generationsübergreifende Ansatz.Die Zentren zeichnen sich durch spartenübergreifende Veranstaltungsprogramme aus, sprechen unterschiedliche soziale Gruppen, Bevölkerungskreise und Nationalitäten an. Sie fördern selbstorganisierte Aktivitäten von Gruppen und bieten Möglichkeiten zur Entwicklung kreativer Eigeninitiativen, sowohl auf kulturellen, sozialen und politischen Gebieten. Die Schwerpunkte der Arbeit der Zentren umfaßt alle Sparten von Kunst und Kultur, von politischer Bildung und Förderung von politischer Initiativen sowie die Jugend- und Sozialarbeit.

Soziokultur als zentrales Element neuer Kultur, in der Gesellschaft, in der Gemeinwesenarbeit und Politik hat in den letzten Jahren einen größeren Stellenwert erhalten. Die Soziokulturellen Zentren verfolgen den "Dritten Weg" der Mischfinanzierung mit dem Problem der Abhängigkeit vom Markt und den politischen Entscheidungsträgern in den Kommunen. Soziokultur und insbesondere Soziokulturelle Zentren sind als Strukturmodell, als Modell im Rahmen der wohlverstandenenen Verwaltungsreform zu begreifen und deren Innovationspotential (dezentral, finanziell effektiv, ressourcen-verantwortlich, selbstverwaltet, basiorientiert, sozialgebunden und vor allen Dingen in den Regionen verankert) im Sinne von festen Bestandteil fortschrittlich konzipierter Stadtentwicklung und Kulturpolitik zu sehen.

Die Zentren arbeiten flächendeckend und dezentral. Zentren sind in allen Regionen Nordrhein-Westfalens zu finden, in den großen Städten, wie auch in den Klein- und Mittelstädten. Dabei wirken die bestehenden Zentren vorbildhaft für Initiativen in den kleineren Städten und Gemeinden. Soziokulturelle Zentren sind Zentren der sozialen, kulturellen und ökologischen Innovation. Soziokulturelle Zentren können für die lokalen und regionalen Szenen der Initiativ- und Selbsthilfegrupppen, der selbstorganisierten Projekte und für sogenannte Randgruppen oder Subkulturen verschiedene Funktionen erfüllen:

  • Modellfunktion an anschaulicher Beweis der Machbarkakeit und Beständigkeit selbortorganisierter Projekte
  • Kristallisationsfunktion für die Sammlung von Interessengruppen und Subkulturen
  • Freiraumfunktion für diskriminierte Minderheiten
  • Ressourcenfunktion für Selbshilfegruppen und Bürgerinitiaitiven, die nicht über eigene Räume verfügen
  • Starthilfefunktion für Projekte, die nach ihrer Festigung dann in eigene Räume nach draußen gehen - fast im Sinne einer alternativen Wirtschaftsförderung
  • Vernetzungsfunktion für regionale Projekte- und Initiativszenen
  • Sprachrohr- oder Lobbyfunktion bei der Einbringung von gemeinsamenen Interessen aus der Initiativszene, insbesondere dann, wenn ein Zentrum das größte und renommiersteste Szeneprojekt am Ort ist." (Schulze, Soziokulturelle Zentren und Stadtereneuerung, 1993).

Einige Aufgaben und Arbeitsschwerpunkte der LAG NW

- Beratung

Die Geschäftsstelle der LAG NW ist nicht nur Beratungs- und Kooperationsinstanz für die Mitgliedseinrichtungen, sondern vermehrt auch für neue Initiativen, Einrichtungen und kommunale Träger. Die weiterhin vielen Anfragen von neuen Initiativen, von Zentren, von anderen Organisationen, insbesondere aber auch von Kulturverwaltungen nach Beratung und Unterstützung in organisatorischer, konzeptioneller und juristischer Hinsicht (Satzung, Verträge u.ä.) aus ganz Nordrhein-Westfalen belegen, daß diese Beratung und Unterstützung eine von wichtiger strukturbildender Bedeutung für die kulturelle Infrastruktur in NRW ist. Im Hinblick auf die sehr umfangreiche ehrenamtliche Arbeit gerade der im Aufbau befindlichen Initiativen ist hier die Unterstützung und Begleitung der LAG NW unentbehrlich.

Nicht selten begleitet die LAG die Entstehung eines Zentrums von der Idee bis zur funktionierenden soziokulturellen Einrichtung, indem sie an Gründungstreffen, an Vereinssitzungen, an Podiumsdiskussionen, an Gesprächen mit KommunalpolitikerInnen und -verwaltungen teilnimmt und in Fragen der baulichen Planung und der Programmgestaltung berät.

- Öffentlichkeitsarbeit und LAG-Tagungen

Der Rundbriefe der LAG NW waren und sind gedacht als Gewährleistung eines flexiblen und schnellen Informationsflusses zwischen der Landesebene und den einzelnen Mitgliedszentren. Er enthält Themen zu Förder- und Finanzierungsmöglichkeiten, Steuerfragen, Weiterbildungsangebote der LAG NW und anderer Träger, Frauenkulturarbeit, Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen, Jugend- und Jugendkulturarbeit in den soziokulturellen Zentren, Tagungen und Kongresse u.a. und ist ein wichtiges Mittel für den Diskussionsprozess der Zentren untereinander als auch für die landesweite Klärung zu inhaltlichen Fragen zur Soziokultur.

Die LAG NW trifft sich regelmäßig auf öffentlichen LAG-Tagungen und Mitgliederversammlungen. Es geht es thematisch im wesentlichen um Erfahrungsaustausch von ZentrumsmitarbeiterInnen, Entwicklung und Initiierung von Kooperationsprojekten, kritische Begleitung der Arbeit der Zentren von externen Fachleuten, Diskussion um Frauenförderung, Förderungs- und Finanzierungsmöglichkeiten für die Zentren, Weiterbildung, Jugend- und Jugendkulturarbeit, ABM-Problematik, Positionsbestimmung und Selbstverständnis der LAG NW und der Zentren in der soziokulturellen Fachdiskussion. Die Diskussion über Perspektiven von Soziokultur und freier Kulturarbeit nimmt einen breiten Raum auf den LAG-Tagungen ein, wo es jeweils um aktuelle Standortbestimmung und damit eine Weiterentwicklung ihrer Arbeit und evtl. Neubestimmung ihrer Aufgaben zu formulieren geht.

- Fort- und Weiterbildung/ Qualifizierung

Seit 1988 führt die LAG NW in eigener Regie regelmäßige Seminare und Tagungen zur Fort- und Weiterbildung von ZentrumsmitarbeiterInnen durch. Durch die enge Abstimmung mit den Mitgliedseinrichtungen ist es möglich, ein an den unmittelbaren Bedürfnissen und Problemen der Zentren orientiertes Programm zu entwickeln.

- Projektmittel des Kultusministeriums

Seit 1986 fördert das Kultusministerium des Landes NRW die projektbezogene Kulturarbeit in Zentren aus dem "Feuerwehrfonds". Die LAG NW hat in diesem Zusammenhang die Aufgabe übernommen, jeweils jährlich ein Konzept für die Verteilung der Mittel zu erarbeiten und die verwaltungsmäßige Abwicklung des Verfahrens zu gewährleisten. Inhaltliche Kriterien sind dabei insbesondere: Dezentralität, Selbstverwaltung, Strukturausgleich, Bürgernähe sowie die Förderung regional und überregional bedeutsamer oder modellartiger Projekte.

- Perspektiven

Es wird notwendig sein, Diskussionen, Untersuchungen und Konzepte zur Weiterentwicklung der Betriebs- und Organisationsformen der soziokultuellen Zentren zu initiieren und zu organisieren. Da die Zentren immer wieder neuen Entwicklungen ausgesetzt sind und sie sich den neuen Erfordernissen und Aufgaben stellen müssen, wird es keinen Stillstand ihrer Tätigkeit geben. Akzentverschiebungen der jeweiligen Arbeit sind von daher zwangsläufig. Im Spannungsfeld des "Aushaltens von Widersprüchen oder Anpassung" bleibt die Bandbreite der Arbeit der Zentren von "Konflikte lösen" bis zu "Konflikte auslösen". Offenheit und Transparenz sind nach wie vor wichtige Kriterien und Merkmale der Arbeit.

Als Hauptaufgabe der LAG NW bleibt, die Forderungen zur existentiellen Absicherung der Zentren weiter und entschiedener bei den politischen EntscheidungsträgerInnen zu verankern

Münster, 1996


Diese Seite ist ein Teil der Homepage soziokultur-nrw der Landesarbeitsgemeinschaft Soziokultureller Zentren in Nordrhein Westfalen.