Zahlen, Daten und Fakten

Soziokulturelle Zentren in NRW

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Die empirische Untersuchung

Das hier vorliegende Datenmaterial basiert auf einer Erhebung, die die Bundesvereinigung Soziokultureller Zentren e.V. in Zusammenarbeit mit den Landesarbeitsgemeinschaften seit 1994 regelmäßig in zweijährigem Rhythmus durchführt. In die Befragung werden alle Mitgliedszentren sowie Einrichtungen, die kooperierend in die Arbeit der Landesverbände integriert sind, einbezogen.

Bundesweit wurden für das Erhebungsjahr 2000 insgesamt 435 Zentren angeschrieben, davon haben 243 (56%) an der Erhebung teilgenommen und den zwölf-seitigen Fragebogen ausgefüllt.

In NRW konnte die bundesweite Rücklaufquote noch übertroffen werden: 57 von 71 Zentren haben geantwortet (80,3%), darunter 52 von 65 Mitgliedszentren der LAG soziokultureller Zentren NW e.V., so dass die Repräsentativität der Untersuchung sicher gestellt ist.

Mit den regelmäßigen Befragungen stellt die Bundesvereinigung Soziokultureller Zentren e.V. eine Datenerhebung zur Verfügung, die in ihrer Ausführlichkeit nur mit der jährlichen Theaterstatistik des Deutschen Bühnenvereins vergleichbar ist.

Die gleichbleibende Struktur der Befragung ermöglicht an Hand von Zeitreihen Entwicklungen und Trends der Arbeit und der Rahmenbedingungen soziokultureller Zentren deutlich zu machen. Um die Erhebung auch in absoluten Zahlen vergleichbar zu machen, wurden alle Daten aus den Vorjahren hochgerechnet auf die aktuelle Zahl der beteiligten soziokulturellen Einrichtungen in NRW (71). Auf die erfolgte Hochrechnung wird im Text jeweils hingewiesen. Alle anderen Zahlenangaben beziehen sich nur auf die 57 Zentren, die für das Jahr 2000 den Fragebogen vollständig ausgefüllt haben.

Ein letzter methodischer Hinweis: alle Angaben für die Jahre 1994 – 2000 zur Finanzstruktur der befragten Zentren wurden natürlich noch in DM gemacht. Für die konsistente Systematik wurden daher eine Umrechnung in Euro vorgenommen.

Trägerschaft und Eröffnung

Trägerschaft

Als das Trägerschaftsmodell für soziokulturelle Zentren hat sich der gemeinnützige „eingetragene Verein“ bewährt: 97% aller Einrichtungen sind in dieser Rechtsform organisiert. Offenbar können die offenen und flexiblen Organisationsstrukturen eines Vereins, die zusätzlich nur sehr begrenzt gesetzlich reglementiert sind, den Ansprüchen der Akteure nach niederschwelligen Zugangsmöglichkeiten und demokratischer Partizipation besonders gut gerecht werden. Dem Prinzip der Selbstverwaltung verpflichtet, werden dabei Hemmnisse, wie z.B. langsamere Entscheidungsprozesse, in Kauf genommen, die jedoch durch breite Gestaltungsspielräume in den jeweiligen Vereinssatzungen teilweise relativiert werden können.

Weitere mögliche Rechtsformen wie z.B. Genossenschaftsmodelle oder GmbH’s spielen nur eine untergeordnete Rolle: nur das ZAKK in Düsseldorf und die KAUE in Gelsenkirchen sind als GmbH organisiert.

Im Vergleich zum restlichen Bundesgebiet fällt in NRW auf, dass der Anteil kommunaler Einrichtungen deutlich geringer ist. Nur eine Einrichtung, die Flottmannhallen in Herne, arbeitet in Trägerschaft der Stadt.

Eine weitere Besonderheit ist auffällig, die mittelbar auch mit der Organisationsform zusammenhängt, viel stärker jedoch mit dem inhaltlichen Profil und dem Selbstverständnis der Zentren: fast 65% der Einrichtungen in NRW sind „anerkannte Träger der freien Jugendhilfe“, d.h. ihnen wurde seitens der Sitzkommune bescheinigt, dass ihre Arbeit bzw. erhebliche Teilbereiche den Anforderungen des Jugendhilfegesetzes entspricht. In den anderen Altbundesländern liegt dieser Anteil bei 38,5%, nur in Hamburg und Rheinland-Pfalz werden ähnlich hohe Zahlen erreicht. Dies dokumentiert das mehrheitliche Verständnis der nordrhein-westfälischen Einrichtungen von Soziokultur, die sich nicht auf den engen Kulturbereich begrenzen lässt, sondern auch soziale und gesellschaftspolitische Themenfelder bearbeitet.

Eröffnung

In einer ersten Gründungsphase eröffnen bis 1980 in NRW 10 soziokulturelle Zentren (17,5%) ihre Türen, im Zeitraum bis 1990 gleich 26 (45,6%) und nach 1990 weitere 21 Einrichtungen (36,8%). Das älteste Zentrum in NRW, das sich an der zu Grunde liegenden Befragung beteiligte, ist die börse in Wuppertal, die 1974 ihren Betrieb aufnahm.

Der Gründungsschwerpunkt in den 80er Jahren erklärt sich, wie bereits angesprochen, auch aus der umfangreichen Finanzierung von Umbau- und Ausstattungsmaßnahmen durch die Städtebauförderung in NRW. In dieser Zeit eröffnen Zentren v.a. in den nordrhein-westfälischen Großstädten. In den 90er Jahren „erobert“ der soziokulturelle Gedanke verstärkt auch die Klein- und Mittelstädte. Außerdem bringt die Internationale Bauausstellung Emscherpark mit ihrem Programm „Initiative ergreifen“ einen weiteren Schub.

Im Vergleich mit den anderen westlichen Bundesländern setzt der Gründungsboom soziokultureller Einrichtungen zeitlich etwas versetzt ein: vor 1970 existiert in NRW noch kein einziges soziokulturelle Zentrum, während zum gleichen Zeitpunkt in den anderen Bundesländern bereits 6 Einrichtungen (4,4%) ihre Arbeit aufgenommen haben. Bis 1980 sind es in NRW 8 Zentren (14%) gegenüber 21 Zentren (26%) in den anderen Bundesländern. In den 80er Jahren, Zeitspanne des ‚Gründungsbooms’, eröffnen 26 Zentren in NRW (45,6%), in den anderen Westländern sind es 65 Zentren (48,1%). Während in den 90er Jahren die Zahl der Neugründungen in NRW fast konstant hoch bleibt – bis zum Jahr 2000 eröffnen nochmals 21 Einrichtungen (36,8%) – flacht die Kurve im übrigen Bundesgebiet mit 35 Einrichtungen (25,9%) deutlich ab.

Tabelle: Vergleich NRW – westliche Bundesländer Eröffnungsjahr

Eröffnung der Zentren Bund (Bundesländer West) NRW

absolut

%

kumuliert

absolut

%

kumuliert

vor 1970

6

4,44

4,44

0

0,00

0,00

1970 bis 75

8

5,93

10,37

2

3,51

3,51

1976 bis 80

21

15,56

25,93

8

14,04

17,54

1981 bis 85

32

23,70

49,63

13

22,81

40,35

1986 bis 90

33

24,44

74,07

13

22,81

63,16

1991 bis 95

23

17,04

91,11

11

19,30

82,46

nach 1996

12

8,89

100,00

10

17,54

100,00

Analysiert man den Eröffnungszeitpunkt der Zentren nach Größe der jeweiligen Sitzkommune, wird deutlich, dass sich soziokulturelle Zentren ausgehend von den Großstädten in NRW mit zeitlicher Verzögerung in die mittleren und kleinen Städte ausdehnen. In den Städten zwischen 500 TSD und 1 Mio. Einwohner wurden von insgesamt 13 Zentren knapp 70% vor 1990 eröffnet, der Mittelwert liegt bei 1985,85. In Städten zwischen 200 TSD und 500 TSD Einwohnern wurden von insgesamt 18 Zentren 72% vor 1990 (Mittelwert 1986,67), in Städten von 50 TSD bis 200 TSD Einwohnern von insgesamt 19 Zentren 63% vor 1990 (Mittelwert 1987,84) und in Gemeinden unter 50 TSD Einwohnern von 7 Zentren rd. 14% (Mittelwert 1994,0) vor 1990 eröffnet.

Heute kann nicht mehr davon ausgegangen werden, dass soziokulturelle Zentren allein ein Phänomen der Großstädte sind. In NRW haben 45,6% der Zentren ihren Sitz in einer Gemeinde unter 200 TSD Einwohnern und immerhin noch 12,3% in Gemeinden unter 50 TSD Einwohnern.

Tabelle: NRW – Eröffnung nach Gemeindegrößenklassen

Einwohnerzahl

Anzahl Zentren

in %

Mittelwert

500.001 – 1 Million

13

22,8

1985,85

200.001 – 500.000

18

31,6

1986,67

50.001 – 200.000

19

33,3

1987,84

bis 50.000

7

12,3

1994,00

Gebäude und Raumangebot

Gebäude

Bei Betrachtung der Gebäude, in denen soziokulturelle Zentren in NRW beheimatet sind, wird deutlich, der Grundsatz „Umnutzen statt abreißen“ hat sich durchgesetzt. 27 der untersuchten 57 Zentren (47%) sind in Gebäuden untergebracht, die zuvor schwer(industriell) oder gewerblich genutzt wurden. Das Spektrum reicht von Zechen, Schmieden und Lokschuppen bis hin zu alten Kinos. Weitere 13 Zentren (23%) haben sich in Räumlichkeiten angesiedelt, die ursprünglich auch schon „öffentlich“ genutzt wurden (Schulen, Bahnhöfe und Bunker). Die übrigen 17 Zentren (30%) sind in Gebäuden beheimatet, die zuvor als Verwaltungsgebäude, Ladenlokal oder Gaststätte genutzt wurden. Knapp 40% der Gebäude steht inzwischen unter Denkmalschutz.

Bei den Eigentumsverhältnissen dominieren eindeutig die jeweiligen Sitzkommunen mit 78% vor Privatleuten mit 21%. Nur ein Gebäude befindet sich im Besitz des Trägers selbst (KAUE in Gelsenkirchen).

Die kommunale Verantwortung entlastet die Träger soziokultureller Zentren finanziell erheblich, denn 29 Einrichtungen (51%) sind von Mietzahlungen befreit und immerhin noch 12 Einrichtungen (21%) müssen auch nicht für Energie- und Nebenkosten aufkommen.

Raumangebot

Durchschnittlich steht den soziokulturellen Zentren eine Nutzfläche von 1.443 qm zur Verfügung. Die Bandbreite reicht von 7.713 qm in der Alten Feuerwache in Köln, dem größten Zentrum in NRW, bis zur Lichtburg in Wetter mit 150 qm.

Die programmatische Vielfalt der Einrichtungen korrespondiert mit der räumlichen Kapazität und Funktionalität der Gebäude: 49 Einrichtungen (86%) verfügen mindestens über einen Seminar- oder Gruppenraum, das Maximum liegt hier beim Klösterchen in Herzogenrath, wo 14 solcher Räume zur Verfügung stehen.

33 Zentren (58%) halten Werkstätten für eine öffentliche Nutzung vor, die in Form von Kursen, fachlich betreuten Angeboten oder als Selbsthilfe realisiert wird. Das Spektrum reicht über die Bereiche Holz, Metall, Textil bis zu Foto/Film, Medien, Computer und Druck/Siebdruck. Das umfangreichste Angebot bietet auch hier mit 11 verschiedenen Werkstätten die Alte Feuerwache in Köln.

Die Zielsetzung soziokultureller Zentren den künstlerischen Nachwuchs v.a. in den Bereichen Musik und Theater durch die Bereitstellung entsprechender Infrastruktur zu fördern, spiegelt sich im Raumangebot ebenfalls wider: 25 Zentren (43,9%) stellen dauerhaft oder temporär begrenzt Probenräume und Ateliers für Gruppen und einzelne Künstler zur Verfügung. Spitzenreiter ist hier der Musikbunker in Aachen, der als regionales Probenzentrum über 97 Räume bereit hält.

Für die wirtschaftliche Überlebensfähigkeit der meisten Zentren ist ein gastronomisches Angebot unerlässlich. Kontinuierlich können 42 Einrichtungen (73,7%) auch räumlich ein gastronomisches Angebot vorhalten. 19 Zentren verfügen über Gasträume bis zu einer Größe von 80 qm, 23 Zentren über Räume zwischen 80 qm und 300 qm.

In 15 Zentren (26,3%) findet eine Bewirtung der Besucher auf Grund fehlender Gasträume nur im Rahmen von Veranstaltungen und nicht als dauerhaftes Angebot statt.

Einen besonderen Stellenwert in soziokulturellen Zentren nehmen die Veranstaltungsräume ein. Bis auf die Kulturinitiative Kubischu in Hattingen verfügen alle untersuchten Einrichtungen dementsprechend auch über mindestens einen Raum für kulturelle Veranstaltungsangebote, der dauerhaft genutzt werden kann. Der Mittelwert liegt hier bei 2,1 Räumen, der Maximalwert bei 8 Räumen.

Die Größe des Veranstaltungsraumes ist unter betriebswirtschaftlichen wie unter inhaltlichen Gesichtspunkten von Bedeutung. Sie beeinflusst maßgeblich, welche Gagen und Veranstaltungsnebenkosten sich aus Eintrittsgeldern refinanzieren lassen und damit welche Künstler und Gruppen engagiert werden können. Wird das kulturelle Veranstaltungsangebot ausschließlich auf Amateure und semiprofessionelle Künstler ausgerichtet oder können auch professionelle Gruppen verpflichtet werden? Wie „bekannt“ darf eine Gruppe, ein Künstler schon sein, um ein Engagement im jeweiligen Zentrum noch realisieren zu können?

In NRW steht 4 Zentren (7%) ein Veranstaltungsraum bis 80 qm, 20 Zentren (35,1%) ein Raum zwischen 81 qm und 150 qm, 16 Zentren (28,1%) ein Raum zwischen 151 qm und 300 qm und immerhin noch weiteren 16 Zentren (28,1%) ein Raum mit einer Nutzfläche über 300 qm zur Verfügung. Durchschnittlich können je Zentrum zwei Räume parallel für unterschiedliche Veranstaltungen genutzt werden.

Die nachfolgende Tabelle gibt an Hand drei verschiedener Preiskategorien Auskunft über das Verhältnis von Raumgröße und Einnahmemöglichkeit. Die Berechnung von Raumkapazitäten erfolgte an Hand der von der GEMA vorgegebenen Werte (bestuhlt: 1 qm = 1,5 Plätze; unbestuhlt: 1 qm = 2,3 Plätze).


Tabelle: NRW – Verhältnis Raumgröße und Einnahmemöglichkeit

Raum-größe

maximale Kapazität

Brutto-Einnahme bei Vollauslastung in €

Eintritt 5,00 €

Eintritt 10,00 €

Eintritt 15,00 €

qm

bestuhlt

unbestuhlt

bestuhlt

unbestuhlt

bestuhlt

unbestuhlt

bestuhlt

unbestuhlt

80

120

184

600,00

920,00

1.200,00

1.840,00

1.800,00

2.760,00

125

188

288

937,50

1.437,50

1.875,00

2.875,00

2.812,50

4.312,50

240

360

552

1.800,00

2.760,00

3.600,00

5.520,00

5.400,00

8.280,00

400

600

920

3.000,00

4.600,00

6.000,00

9.200,00

9.000,00

13.800,00

Die Grenzen wirtschaftlicher Potentiale soziokultureller Zentren bei der Durchführung eines kulturellen Veranstaltungsprogramms wird in dieser Übersicht sehr deutlich. Selbst wenn optimale Bedingungen zu Grunde gelegt werden – ein 400 qm großer Veranstaltungssaal, ein ausverkauftes Konzert mit 920 Besuchern ohne Bestuhlung und ein durchschnittlicher Eintrittspreis von 15 € (für soziokulturelle Zentren mit einem relativ niedrigen Preisniveau und zu berücksichtigenden Ermäßigungen wie VVK, Studenten, Arbeitslose u.ä. in der Regel nur schwer zu realisieren) – beträgt die Bruttoeinnahme nur 13,8 TSD€. Davon müssen sämtliche Kosten bestritten werden. Legt man als Gagenzahlung an die Künstler das häufig von Agenturen geforderte Modell 70% Künstler/30% Veranstalter zu Grunde, verbleiben dem Zentrum gerade einmal rd. 4 TSD€, um damit Vergütungen an die GEMA und die Künstlersozialkasse, anfallende Steuern, Kosten für Hotelunterkunft, Catering, Werbung, Technik sowie für das Personal am Veranstaltungstag (Kasse, Security, Auf- und Abbau, Reinigung etc.) zu bestreiten. Wenn dann nach Abzug aller Kosten am Ende die „schwarze Null“ oder gar ein kleiner Überhang steht, kann der jeweilige Veranstaltungstag zumindest als „wirtschaftlicher Erfolg“ gewertet werden. In dieser Rechnung nicht enthalten sind dabei anteilige Kosten für Personal (Programmplanung, Gestaltung Werbematerial, Buchhaltung), Miet- und Mietnebenkosten, Instandhaltung, Abschreibung etc.

In der Praxis führen die räumlichen Beschränkungen dazu, dass immer mehr soziokulturelle Zentren Veranstaltungen zusätzlich in größeren Hallen durchführen, die höhere Bruttoeinnahmen ermöglichen, ohne dass die Kosten analog dazu steigen. 40 Zentren (70,2%) gaben an, dass sie regelmäßig externe Räumlichkeiten für die Durchführung von Konzerten und Theater- und Kabarettveranstaltungen nutzen.

Angebote und Besuche

Die Angebotsstruktur soziokultureller Zentren umfasst prinzipiell drei Kernbereiche:

  • Veranstaltungsangebote: Musik, Theater, Film, Diskussionen/Tagungen, Vorträge, Diskothek und anderes,
  • Kontinuierliche Angebote: Kurse/Workshops, Gruppentreffs und Beratungsangebote für unterschiedliche Zielgruppen
  • Zielgruppenorientierte Arbeit und Offene Angebote: Kinder, Jugendliche, Frauen, Senioren

Als vierter Bereich müssen natürlich die gastronomischen Angebote angeführt werden, schon allein, weil sie für die ökonomische Absicherung der Einrichtungen von zentraler Bedeutung sind und, wie weiter hinten bei Betrachtung der Finanzausstattung noch aufgezeigt werden wird, in letzter Konsequenz erst ein breitgefächertes inhaltliches und künstlerisches Angebot finanziell ermöglichen.

Die gastronomischen Angebote erfüllen darüber hinaus zahlreiche Funktionen. Sie vermitteln die Atmosphäre eines Hauses und sind Ort für Begegnung und Kommunikation mit Machern und anderen Besuchern sowie Informationsbörse über Programm und Angebote. Zwanglos und niederschwellig, ohne gleich die Theaterkarte erwerben zu müssen oder den Sprachkurs zu buchen, sich als ehrenamtlicher Helfer zur Verfügung zu stellen oder in Vereinsstrukturen einzutauchen, bieten die gastronomischen Betriebe ein Forum für den ersten unverbindlichen Kontakt und ermöglichen ein weiteres Kennenlernen. In soziokulturellen Zentren ist die Kneipe oder das Café auch „Türöffner“ für mehr.

Dass die Gastronomie in soziokulturellen Zentren häufig einen ‚anderen’ Charakter hat zeigt sich auch darin, dass rund 15% der Ehrenamtlichen, im Jahr 2000 dort tätig gewesen sind. Dabei hat der Charakter des gastronomischen Betriebes, je nach Zentrum, eine eigenständige Prägung. In großen Einrichtungen wird der Besucher den Unterschied zu einer „normalen“ Kneipe vielleicht kaum wahrnehmen, während in kleinen Einrichtungen häufig eine ‚Wohnzimmeratmosphäre’ vorzufinden ist, die ökonomische Interessen in den Hintergrund treten lässt.

Ungeachtet dieser Unterschiede ist es wichtig, die Doppelfunktion gastronomischer Betriebe in soziokulturellen Zentren im Blick zu halten: Ökonomisches Standbein und Türöffner!

Trotzdem konzentrieren sich die weiteren Ausführungen hinsichtlich der Angebote und Besucher ausschließlich auf die originär inhaltlichen Arbeitsbereiche der Zentren bzw. werden die Besucher der Gastronomie durchgängig getrennt aufgeführt.

Gesamtbesucher

In den untersuchten Zentren wurden im Jahr 2000 insgesamt 80 TSD Veranstaltungen und Kurse durchgeführt bzw. Beratungsangebote und Gruppentreffs bereitgestellt. Dabei besuchten insgesamt 2.917 TSD Mensche die soziokulturellen Zentren in NRW. Weitere 1.340 TSD Besucher wurden in den gastronomischen Betrieben verzeichnet, was einer Gesamtbesucherzahl von 4.257 TSD Menschen entspricht.

Durchschnittlich wird jedes Zentrum jährlich von 51 TSD Menschen (incl. Gastronomie von fast 75 TSD) aufgesucht. Damit liegen die Zentren in NRW deutlich über den im Bundesdurchschnitt zu verzeichnenden Besucherzahlen: 32 TSD bzw. 49 TSD. Auffällig ist, dass die nordrhein-westfälischen Zentren einen überproportionalen Anteil am gesamten Besucheraufkommen im Bundesgebiet für sich beanspruchen: während ihre Zahl einem Anteil von 23,5% entspricht, verzeichnen sie 32,8% der Besucher (ohne Gastronomie) an den Gesamtbesuchern.

Tabelle: Besuche – Durchschnitt

 

Besuche

Durchschnitt je Zentrum

 

Veranstaltungen Kurse u.ä.

Gastronomie

Summe

Veranstaltungen Kurse u.ä.

Gastronomie

Summe

 

absolut

%

absolut

%

       

NRW
(57 Zentren)

2.917.348

68,5

1.340.040

31,5

4.257.388

51.182

23.509

74.691

Bund
(186 Zentren)

5.980.295

65,4

3.158.376

34,6

9.138.671

32.152

16.981

49.133

Allerdings muss bei den für NRW ermittelten Durchschnittswerten einschränkend berücksichtigt werden, dass sie von einigen sehr großen Zentren deutlich geprägt werden. Allein die fünf besucherstärksten Einrichtungen vereinen knapp über 30% des Publikums auf sich und erreichen allein jeweils über 140 TSD Besucher (Fußnote: Zentrum Altenberg, Oberhausen; ZAKK, Düsseldorf; Die Weberei, Gütersloh; Ringlokschuppen, Mülheim/Ruhr; Alter Schlachthof, Soest).

Werden diese Einrichtungen nicht in die Ermittlung des Durchschnitts einbezogen, liegen die Zentren in NRW zwar immer noch über dem Bundesdurchschnitt, der Abstand jedoch verringert sich deutlich: 39 TSD in NRW zu 32 TSD im Bund.

Die überwiegende Mehrheit der soziokulturellen Zentren in NRW liegt unterhalb von jährlich 100 TSD Besucher: 47 Zentren oder 82,5%, wenn die Gastronomie-Besucher nicht einbezogen werden und 45 Zentren oder 78,9% incl. der Gastronomie.

Tabelle: Besuche nach Größenklassen

 

Anzahl Zentren

Besucher, jährlich

ohne Gastronomie

mit Gastronomie

bis 50.000

36

28

50.001 – 100.000

11

17

100.001 – 200.000

9

7

200.001 – 300.000

1

4

über 300.000

0

1

Besuche nach Bereichen

Grundsätzlich lässt sich bei den untersuchten Einrichtungen in NRW eine bereichsbezogene Rangfolge des Besucherzuspruchs ermitteln: der Veranstaltungsbereich findet den höchsten Besucherzuspruch (1.887 TSD Besuche 44,3%), gefolgt von den gastronomischen Angeboten 1.340 TSD = 31,5%) und den kontinuierlichen Angeboten (811 TSD = 19,1%). Zielgruppenorientierte und Offene Angebote (219 TSD = 5,2%) stehen an letzter Stelle der Besucherresonanz und spielen quantitativ einen vergleichsweise eher untergeordnete Rolle.

Grafik: NRW 2000 – Besuche nach Bereichen

Im Vergleich zu den Zentren im Bundesgebiet sind in den Bereichen „Veranstaltungen“ und „Gastronomie“ die größten Unterschiede zu beobachten: NRW liegt bei den Veranstaltungen um 3 Prozentpunkte höher und bleibt im gastronomischen Bereich um 2 Prozentpunkte zurück.

Tabelle: NRW – Bund 2000 – Besuche nach Bereiche

Besucher nach Bereichen
– absolut/in %
Veranstaltungen Kurse/ Gruppen Offener Bereich Gastronomie Summe
absolut % absolut % absolut % absolut % absolut
NRW 1.887.124 44,33 811.148 19,05 219.076 5,15 1.340.040 31,48 4.257.388
Bund 5.542.943 41,38 2.739.904 20,45 614.796 4,59 4.498.416 33,58 13.396.059

Bei Betrachtung der Entwicklung der Besucherzahlen seit 1994 fällt auf, dass soziokulturelle Zentren in NRW im Jahr 2000 erstmals einen Besucherrückgang – bezogen auf die vorhergegangene Erhebung aus dem Jahr 1998 – zu verzeichnen haben, zumindest wenn die Besuche in den gastronomischen Betrieben einbezogen werden: während 1998 noch 5.640 TSD Besuche registriert wurden, waren es im Jahr 2000 nur noch 5.303 TSD Besuche. (Fußnote: Um die Vergleichbarkeit der absoluten Zahlen zu gewährleisten, wurden die Untersuchungsergebnisse der Vorjahre insgesamt hochgerechnet auf die Anzahl der Zentren, die für das Jahr 2000 in NRW einbezogen wurden (71 Einrichtungen)).

Dieser Rückgang basiert ausschließlich auf Einbußen im gastronomischen Bereich, der im Vergleich zu 1998 rd. 712 TSD besuche oder 29,9% ausmachen. Alle inhaltlichen Bereiche verzeichnen deutliche Zuwächse. Die offenen Angebote konnten um knapp 45 TSD (19,5%), der Veranstaltungsbereich um 274 TSD (13,2%) und Kurse und Workshops um 56 TSD (5,9%) Besuche zulegen.

Insgesamt reichten diese Zuwächse jedoch nicht aus, um das rückläufige Besucheraufkommen in der Gastronomie auszugleichen. Im Saldo blieb ein Verlust von 337 TSD Besuchen. Der deutliche Verlust im Gastronomiebereich spiegelt einen Trend wieder, den auch der Hotel- und Gaststättenverband für „normale“ gastronomische Betriebe im gleichen Zeitraum konstatierte, fällt aber in soziokulturellen Zentren erheblich höher aus.

Im Veranstaltungsbereich haben sich die Besucherzahlen seit 1994 um mehr als 1.000 TSD (87%) kontinuierlich erhöht. Im Bildungs- und Beratungsbereich sind deutliche Schwankungen zu verzeichnen. Hier konnte im Jahr 2000 mit 1.010 TSD Besuchern zwar nicht der Höchststand aus dem Jahr 1996 erreicht werden, aber immerhin konnte der Einbruch im Jahr 1998 (Verlust von 100 TSD Besuchen) mit einem Zuwachs von fast 60 TSD Besuche halbwegs wett gemacht werden. Die Besucherzahlen im offenen Bereich haben im Jahr 2000 mit 273 TSD einen Höchststand erreicht.

Tabelle: NRW 1994 – 2000 – Besuche nach Bereichen, absolut (hochgerechnet auf je 71 Zentren)

Jahr

Veranstaltungen

Kurse/ Gruppen

Offener Bereich

Gastronomie

1994

1.257.169

1.020.173

237.396

1.325.059

1996

1.751.549

1.059.450

214.444

1.309.891

1998

2.076.916

953.984

228.325

2.380.688

2000

2.350.628

1.010.377

272.884

1.669.173

Betrachtet man die Verteilung der Besuche auf die unterschiedlichsten Angebotsbereiche fällt im Vergleich zur vorangegangenen Untersuchung besonders die Verlagerung des Schwerpunktes zugunsten des Veranstaltungsbereiches auf. Waren 1998 noch 42% der Besuche im gastronomischen Bereich zu verzeichnen und nur knapp 27% bei Kulturveranstaltungen, hat sich das Verhältnis im Jahr 2000 umgedreht. Nun sind 44,3% bei den Veranstaltungen und nur noch 31,5% in der Gastronomie. Während der Anteil im Veranstaltungsbereich damit einen Spitzenwert erreicht, fällt der Gastronomieanteil (31,5%) noch hinter das Niveau des Jahres 1994 zurück. Mitverursacht durch den drastischen Rückgang in der Gastronomie, aber auch mit eigenen absoluten Zuwächsen verzeichnen der Kurs- und Beratungs- sowie der offene Bereich mit Anteilen von 19,1% bzw. 5,2% am Gesamtbesucheraufkommen zwar merkliche Anstiege, können jedoch die Maximalwerte aus dem Jahr 1994 noch nicht wieder erreichen.

Grafik: NRW 1994 – 2000 – Besuche nach Bereichen, prozentuale Verteilung

Veranstaltungsbesuche

Ein spartenübergreifendes Veranstaltungsspektrum ist charakteristisches Merkmal soziokultureller Einrichtungen. Das Angebot deckt mit unterschiedlicher Intensität alle künstlerischen Bereiche ab. Insgesamt wurden 2000 in den untersuchten Einrichtungen über 11 TSD Veranstaltungen (+ 18,9% gegenüber 1998) durchgeführt, je Einrichtung wurden durchschnittlich fast 200 Veranstaltungen angeboten. Die Spannbreite reicht dabei von 4 bis zu 1.288 Veranstaltungen pro Zentrum.

Die spartenbezogene Auswertung des Veranstaltungsangebote weist bezüglich der Anzahl der durchgeführten Veranstaltungen eindeutige Schwerpunkte auf. Vor allem die Bereiche Kino/Film (22,3%), Musikkonzerte (15,9%), Discoveranstaltungen (14,1%), Theater und Kabarett (12,7%) werden bevorzugt angeboten.

Eine untergeordnete Rolle spielen Tanz- und Ballettveranstaltungen (1,5%), Lesungen (1,7%), Ausstellungen (1,8%) und Feste (2,3%).

Die Ruhrgebietszentren weichen in einzelnen Sparten von diesem allgemeinen Trend ab. Hier besteht ein höheres Angebot an Filmveranstaltungen (24,65%), Discothekenveranstaltungen (21,58%) und Musikveranstaltungen (16,88%) sowie ein geringeres Angebot an Fremdveranstaltungen (4,83%) und Diskussionen/Tagungen (3,19%).

Die untersuchten Veranstaltungen wurden im Jahr 2000 von knapp 1.900 TSD Menschen (+ 13,2% gegenüber 1998) besucht. Die Besucherzahl variiert dabei je nach Zentrum von 350 bis zu 184 TSD Besuchern. Der Durchschnitt liegt bei 33 TSD Veranstaltungsbesuchern je Zentrum.

Die besucherstärksten Angebote soziokultureller Zentren in NRW sind dabei mit großem Abstand Disko- und Tanzveranstaltungen (38,1%), Feste (17,3%), Konzerte (14,7%) und Theater/Kabarett (10,4%). Eher geringfügige Besucheranteile verzeichneten Tanz und Lesungen mit jeweils 0,6% sowie Ausstellungen und Seminare/Tagungen mit je 1,3%.

Auf den Filmbereich entfallen nur 3,5% der Besucher, obwohl dies die mit Abstand häufigste Veranstaltungsform ist (fast 2.500 Veranstaltungen). Hier schlägt sich die für einen Kinobetrieb charakteristische hohe Programmdichte nieder, jedoch auch die geringe Kapazität der von den Zentren betriebenen Kinos, die lediglich max. 89 Plätze aufweisen.

Grafik: NRW 2000 – Veranstaltungen und Besuche, absolut

Vergleicht man die bereinigten und auf 71 Zentren in NRW hochgerechneten Veranstaltungszahlen seit 1994, lässt sich eine kontinuierliche Zunahme feststellen. Bezogen auf das Jahr 1998 wuchs die Zahl nochmals um 18,9%, von 11.860 auf 14.104, bezogen auf das Jahr 1994 (8.876 Veranstaltungen) sogar fast 59%.

Die Steigerungen können quer durch alle Veranstaltungsarten beobachtet werden, allerdings fallen einige Spitzen deutlich ins Gewicht. Besonders auffällig ist der Zuwachs im Bereich von Fremdveranstaltungen, Veranstaltungen in denen die soziokulturellen Zentren nicht selbst für die Durchführung verantwortlich zeichnen, sondern ausschließlich als Vermieter auftreten. Damit muss dann zwar kein eigenes wirtschaftliches Risiko eingegangen werden, aber auch die inhaltliche Verantwortung wird weitgehend an Dritte abgegeben. Die Möglichkeiten der programmatischen Einflussnahme sind darauf begrenzt, an wen und für welche Art von Veranstaltung vermietet wird. Unter dieser Rubrik werden in der Befragung sowohl die Vermietungen für private Feiern als auch die Bereitstellung von Räumen für andere gemeinnützige Dritte oder auch an privatwirtschaftliche Agenturen u.ä. subsumiert. Dieser Bereich nahm seit 1994 um insgesamt 165% zu.

Darüber hinaus verzeichnet der Bereich „Disco“ als Veranstaltungstyp seit 1994 mit 59,5% sehr hohe Zuwächse. Gerade dieser Bereich birgt die Option, wirtschaftliche Erträge zu erzielen und ist daher auf Grund der zunehmenden Abhängigkeit von eigenerwirtschafteten Mitteln von hoher Bedeutung. Allerdings kann die Veranstaltungsdichte dieses Veranstaltungssegments in jüngster Zeit scheinbar nicht mehr erhöht werden. Während von 1994 auf 1996 der Zuwachs 35,1% betrug, ging er bis 1998 auf 18,4% zurück, um von 1998 auf 2000 praktisch zu stagnieren (- 0,3%).

Bezogen auf 1994 verzeichnen ebenfalls hohe Zuwachsraten die Bereiche Kino (+ 41,1%), Theater (+ 40,9%) und Konzerte (+ 34,8%).

Unterdurchschnittliche Zuwächse in den Bereichen Tanz (+ 5,4%), Tagungen (+ 9,8%) sowie Feste (+12,3%)

Auch die Besucherzahlen im Veranstaltungsbereich sind seit 1994 kontinuierlich angestiegen. Hochgerechnet und bezogen auf das Jahr 1998 gab es Zuwächse um fast 274 TSD (13,2%) auf 2.351 TSD Besucher, bezogen auf das Jahr 1994 insgesamt um 1.093 TSD (87%).

Obwohl, wie weiter oben beschrieben, die Veranstaltungszahlen in allen Bereichen seit 1994 deutlich zugenommen haben, sind die Besucherzahlen in zwei Bereichen auch absolut gegenüber 1994 gesunken (Tanz: - 10,9%; Tagungen: - 23,7%).

Da soziokulturelle Zentren der politischen Diskussion und Bildung traditionsgemäß einen hohen Stellenwert einräumen, ist der Einbruch im Bereich „Tagungen/Diskussionsveranstaltungen“ bemerkenswert. Hier kann davon ausgegangen werden, dass die sich allgemeine gesellschaftliche Trends zunehmender Entpolitisierung in der Besucherresonanz niederschlagen, die allein durch die Bereitstellung von gesellschaftspolitischen Angeboten nicht aufgehoben werden können.

Besonders hohe Zuwächse demgegenüber erwartungsgemäß in den Bereichen, in denen auch die Zahl der Veranstaltungen stark angewachsen ist: Fremdveranstaltungen + 174,5%, Disco + 123,2% und Konzerte + 34,3%.

Im Vergleich zum Anstieg der Veranstaltungszahlen eher überraschend die Zunahme der Besucher im Bereich Feste um 112,4% – die Zahl der Veranstaltungen stieg hier nur um 12,3% – und im Bereich Theater um 97,5% – hier stieg die Zahl der Veranstaltungen nur um 40,9%.

Unterdurchschnittliche Zuwächse sind bei den Lesungen mit 15,9% zu verzeichnen und auch bei den Kinoveranstaltungen, die bei einer um 42,1% gesteigerten Programmdichte nur einen Besucherzuwachs von 10,55 verzeichnen.

Grafik: NRW 1994 – 2000: Veränderungen Veranstaltungen und Besuche in ausgesuchten Bereichen

Soziokulturelle Zentren in NRW haben sich mittlerweile einen wichtigen Platz in der Kulturlandschaft des Landes erarbeitet. Der Zuspruch des Publikums hat sich zahlenmäßig auf einem hohen Niveau stabilisiert, die Angebotsdichte in den Einrichtungen steigt weiterhin kontinuierlich an.

Damit die Publikumsresonanz der soziokulturellen Zentren auch in einem erweiterten Kontext eingeordnet werden kann, sollen einige Kennziffern, die der Deutsche Bühnenverein in seiner Theaterstatistik 1999/2000 für NRW veröffentlicht hat, zum Vergleich herangezogen werden (Fußnote: Deutscher Bühnenverein – Bundesverband Deutscher Theater (Hg.), „Theaterstatistik 1999/2000“, Köln 2001, Seite 178 ff). Danach verzeichneten die 26 Theaterunternehmen in NRW in 111 Spielstätten insgesamt 3.780 TSD Besucher bei 10,5 TSD Aufführungen und Gastspielen. Dies entspricht einem durchschnittlichen Besuch von 34 TSD Menschen und 95 Aufführungen je Spielstätte. Für soziokulturelle Zentren wurden allein 33 TSD Besucher und 199 Veranstaltungen im Mittel errechnet, wenn Besucher im Bildungsbereich, im offenen Bereich und in der Gastronomie nicht berücksichtigt werden. Werden Kursangebote u.ä. einbezogen, steigen die Mittelwerte auf 51 TSD Besuche und 1.234 Angebote.

Auch die absoluten Zahlen – Theater = 3.780 TSD Besucher, soziokulturelle Zentren = 2.917 TSD bzw. 4.257 TSD (incl. Gastronomie) Besucher; 10,5 TSD Aufführungen in den Theatern gegenüber 11 TSD Kulturveranstaltungen in den Zentren oder gar 80 TSD Angebote insgesamt – zeigen, dass das quantitative Leistungsvermögen der soziokultureller Zentren das der kommunalen und Landestheater inzwischen übersteigt.

KünstlerInnenauftritte in soziokultureller Zentren

Im Jahr 2000 sind, hochgerechnet auf 71 Zentren, insgesamt über 18.000 Künstlerinnen und Künstler in soziokulturellen Einrichtungen in NRW aufgetreten. Spartenmäßig liegen dabei die Schwerpunkte eindeutig im Musik- (53,0%) und Theaterbereich (19,8%), in den anderen Sparten und Bereichen sind es zusammen insgesamt nur 27,2%.

Auch in soziokulturellen Zentren sind Künstlerinnen deutlich weniger präsent als ihre männlichen Kollegen: ihr Anteil liegt nur bei 30,7%. Besonders eklatant stellt sich das Ungleichgewicht zwischen Frauen und Männern im Bereich „Disco“ – nur 13,7% aller DJ’s sind weiblich – und im Musikbereich dar, hier erreichen die Musikerinnen nur einen Anteil von 23,5%.

Tabelle: NRW 2000 – KünstlerInnenauftritte nach Bereichen/Sparten

Bereich/Sparte

Männer

Frauen

absolut

%

Musik

7.480

2.299

9.779

52,96

Theater/Kabarett

2.267

1.393

3.659

19,82

Tanz

497

591

1.088

5,89

Ausstellungen/Lesungen

568

586

1.154

6,25

Diskussionen/Vorträge

635

587

1.222

6,62

Disco

1.349

214

1.563

8,47

Summe

12.795

5.670

18.465

100,00

Grafik: NRW 2000 – KünstlerInnenauftritte nach Bereichen/Sparten


Besucher soziokultureller Zentren

Angaben zu den räumlichen und soziale Herkunft der Besucher und Nutzer von soziokulturellen Einrichtungen werden von der Bundesvereinigung Soziokultureller Zentren nicht erhoben. Repräsentative Angaben hierzu könnten nur über eine flächendeckende Besucherbefragung gewonnen werden. Anhaltspunkte zur räumlichen Herkunft der Besucher und zum Anteil von Migranten an den Besuchern soziokultureller Einrichtungen liefert jedoch eine Expertise, die der Kommunalverband Ruhrgebiet (KVR) im Jahr 2000 in soziokulturellen Zentren im Verbandsgebiet durchgeführt Hat. Die Ergebnisse aus dem sehr verdichteten Ballungsraum Ruhrgebiet, in dem überdurchschnitlich viele große Einrichtungen angesiedelt sind, können jedoch nur Anhaltspunkte liefern und sind nur sehr bedingt auf das Land NRW übertragbar.

Räumliche Herkunft

Die Datenerhebung zur räumlichen Herkunft basiert auf Schätzungen der verantwortlichen Mitarbeiter und berücksichtigt die Angaben aus 16 soziokulturellen Zentren. Demnach kommen die Nutzer und Besucher im Durchschnitt zu 27% aus dem unmittelbaren Nahbereich (Stadtteil), 40% aus der gesamten Sitzgemeinde und 33% aus dem regionalen Umfeld. V.a. der Zuspruch aus der Region variiert dabei sehr stark. In der Tendenz wächst der Besucheranteil aus der Region mit der Größe der Zentren und der Profilierung als kultureller Veranstaltungsort. Zentren wie die KAUE in Gelsenkirchen, der Ringlokschuppen in Mülheim und die Zeche Carl in Essen ziehen ihr Publikum bis zu 60% aus dem gesamten regionalen Umland, während kleinere Einrichtungen keine oder nur sehr geringe regionale Ausstrahlung entwickeln.

Besucheranteil von Migranten

Die Befragung des KVR ermittelte den Besucheranteil von Migranten und Besuchern nichtdeutscher Herkunft bei 16 Einrichtungen im Ruhrgebiet. Je Einrichtung wurde ein Besucheranteil von 4% bis 25% und von durchschnittlich 13% angegeben.

Im allgemeine Programmangebot soziokultureller Zentren werden auch die kulturellen Ausdrucksformen von Migranten und Menschen ausländischer Herkunft berücksichtigt. Das Festival „Odyssee – Kulturen der Welt“, das von drei soziokulturellen Zentren gemeinsam veranstaltet wird lässt sich als charakteristisches Beispiel hierzu anführen. Weiterhin werden ausschließlich auf die Bedürfnisse von Migranten zugeschnittene Beratungs- und Kursangebote bereitgestellt. Dazu gehören Sprachkurse, Beratungsangebote etwa in Asylrechtsfragen, zudem Theater- und Filmveranstaltungen beispielsweise in türkischer Sprache. Zusätzlich stellen viele Zentren ausländischen Gruppen und Initiativen Räume für eigene Veranstaltungen zur Verfügung.

Die Erkenntnisse des KVR decken sich mit den Ergebnissen der Befragung der Bundesvereinigung Soziokultureller Zentren: Knapp 25% der Einrichtungen in NRW unterbreiten zielgruppenspezifische Angebote für Migranten und Flüchtlinge.

Zielgruppenorientierte Angebote

Weitere Schwerpunkte zielgruppenorientierter Arbeit soziokultureller Zentren sind inhaltliche und Veranstaltungsangebote für Jugendliche (in 66,7% der untersuchten 57 Einrichtungen), für Kinder (56,1%), für Frauen (50,9%) und für Senioren (45,6%).


Grafik: NRW 2000 – Zielgruppenorientierte Angebote

Alterstruktur der Besucher

Der Mehrheit der Besucher soziokultureller Zentren in NRW ist zwischen 21 und 40 Jahren alt (53,6%), gefolgt von der Altersgruppe unter 20 Jahren (27,1%) und der Gruppe über 40 Jahren (19,3%). Im Vergleich zum Bundesgebiet sind die Besucher in NRW geringfügig jünger.

Die Ergebnisse für NRW im Einzelnen: Im Jahr 2000 waren 29,5% der Besucher zwischen 21 und 30 Jahren alt, gefolgt von der Gruppe zwischen 31 und 40 Jahren mit 24,1%. An dritter Stelle, mit einem deutlichen Abstand von 7 Prozentpunkten liegt die Altersgruppe zwischen 15 und 20 Jahren mit fast 17%. Die 41 – 60 jährigen erzielen einen Anteil von 15,5% der Besucher, mit einem Abstand von 8 Prozentpunkten erreichen die 6 – 14 jährigen einen Anteil von 7,4%, die über 60 jährigen 3,8% und an letzter Stelle stehen die unter 6 jährigen Besucher mit 2,8%.

Grafik: NRW 2000 – Altersstruktur der Besucher


Grafik: NRW – Bund 2000 – Vergleich der Altersstruktur der Besucher

Bei Betrachtung der Anteile verschiedener Altersgruppen in ihrer Entwicklung seit 1994 zeigt sich zunächst, dass die Alterstruktur der Besucher prinzipiell eine hohe Kontinuität aufweist. Bei genauen Betrachtung eröffnen sich interessante Details. Im Vergleich zu 1994 gibt es im Jahr 2000 in vier Altersgruppen keine signifikanten Veränderungen, die Differenzen liegen im vernachlässigungsfähigen Bereich von maximal 1,7 Prozentpunkten. In den drei weiteren Altersgruppen gibt es unterschiedlich ausgeprägte Verschiebungen: Der Anteil der 41 – 60 jährigen nimmt kontinuierlich zu und liegt 2000 um fast 6 Prozentpunkte höher als 1994. Der Anteil der 21 – 30 jährigen sinkt – von 35,4% auf 29,5% – im gleichen Maße. Der Anteil der 31 – 40 jährigen geht geringfügig um 1,5 Prozentpunkte zurück. Der originäre Kern der Besucher soziokultureller Einrichtungen im Alter zwischen 20 und 40 Jahren schmilzt um 7% von ehemals 61% im Jahr 1994 auf knapp 54% zusammen, jedoch der Anteil der Altersgruppe zwischen 15 und 20 Jahren legt 4,2 Prozentpunkte zu.

Grafik: NRW 1994 – 2000 – Altersstruktur der Besucher


Soziokulturellen Zentren in NRW gelingt es offenbar immer noch, mit großer Flexibilität und der Lust an Experimenten auf gewandelte gesellschaftliche Bedingungen und die veränderten Bedürfnisse ihrer potentiellen Nutzer zu reagieren.

Mit einem integrativen Ansatz zielt das Konzept Soziokultur quasi programmatisch darauf ab, sich gegenüber neuen Themen und Trends zu öffnen. Gerade auch jüngere Menschen in der Altersgruppe bis 30 Jahre, fanden und finden hier einen Ort, um kulturelle Bedürfnisse und Vorlieben auszuleben, für die andere Kulturinstitutionen nur unzureichend Raum bieten.

Auf diese Besonderheit soziokultureller Zentren, hat der Staatsminister für Angelegenheiten der Kultur und der Medien, Dr. Julian Nida-Rümelin, in der Bundestagsdebatte vom 18. Januar 2001 hingewiesen und damit der Soziokultur ein großes Kompliment ausgesprochen: Bei der Gesamtheit der kulturellen Angebote der öffentlichen Hand liege das Alter der Adressaten tendenziell über dem Bevölkerungsdurchschnitt. Speziell die Altersgruppe zwischen 15 und 30 Jahren entferne sich von den kulturellen Angeboten der Städte und Gemeinden und würde damit von der öffentlichen Kulturpolitik nicht oder nur ungenügend angesprochen.

Nach wie vor also sind die soziokulturellen Zentren in NRW mit ihren Angeboten ‚jung’. Ihnen gelingt es, junge Menschen anzusprechen, um sie als Akteure und Besucher zu gewinnen. In den untersuchten Einrichtungen liegt der Anteil der 15 bis 30 Jährigen Besucher bei durchschnittlich 36,5%, 10,2% der Besucher sind maximal 14 Jahre alt. Damit bieten – neben den städtischen Musikschulen und Bibliotheken – viele soziokulturellen Einrichtungen speziell Kindern und Jugendlichen einen ersten Zugang zur kontinuierlichen Auseinandersetzung mit künstlerisch-kreativen Angeboten.

Die Personalstruktur

Für die Qualitätssicherung und Entwicklungsfähigkeit soziokultureller Zentren ist die Art und der Umfang der zur Verfügung stehenden Personalstellen von zentraler Bedeutung. Ob eine ausreichende Anzahl von unbefristeten Arbeitsverhältnissen zur Verfügung steht, wie hoch die Abhängigkeit von arbeitsmarktpolitischen Förderinstrumentarien und der Anteil ehrenamtlicher – also unbezahlter – Arbeit ist, entscheidet darüber, ob die personelle Ausstattung strukturell den Anforderungen einer auf Kontinuität angelegten Kulturarbeit gerecht werden kann.

Grundsätzlich sind vier Beschäftigungsformen für soziokulturelle Einrichtungen charakteristisch:

  • unbefristet sozialversicherungspflichtig Beschäftigte
  • befristet sozialversicherungspflichtig Beschäftigte,
  • Praktikanten, geringfügig Beschäftigte und so genannte freie Mitarbeiter und
  • ehrenamtlich Tätige.

Im Jahr 2000 waren in den 57 untersuchten Zentren 1.592 Menschen, durchschnittlich also 27,9 Personen je Zentrum gegen Bezahlung tätig. Von der Gesamtzahl der Beschäftigten sind 685 Personen (43,0%) mit unbefristeten oder befristeten Arbeitsverträgen ausgestattet, das Verhältnis liegt bei 515 unbefristeten zu 170 befristeten Arbeitsverhältnissen. Den hauptamtlich Tätigen stehen 907 Beschäftigte (57,0%) gegenüber, die als geringfügig Beschäftigte, Aushilfen, freie Mitarbeiter oder auch als Zivildienstleistende tätig werden. Damit ist der überwiegende Teil der Beschäftigten (67,7%) in so genannten prekären Beschäftigungsverhältnissen oder auf befristeten Stellen tätig, die in der Regel aus arbeitsmarktpolitischen Programmen (ABM, SAM, LKZ, ASS u.a.) finanziert werden.

Grafik: NRW 2000 – Bezahlte Mitarbeiter (absolut)

Von den 685 Hauptamtlichen haben 287 oder 41,9% eine Vollzeitstelle, 177 (25,8%) sind Teilzeitstellen zwischen 75% und 50% der Normalarbeitszeit, 221 (32,3%) sind Teilzeitstellen unterhalb von 50%.

Grafik: NRW 2000 – Hauptamtliche Mitarbeiter – Vollzeit/Teilzeit (absolut)

Der Blick auf die bundesweit ermittelten Werte zeigt, dass die Abweichungen in NRW sich in einem sehr engen Rahmen bewegen: Bei den unbefristeten Hauptamtlichen, den Aushilfen und bei den Zivildienstleistenden liegt NRW mit 3,5, 2,4 und 0,7 Prozentpunkten geringfügig höher. Die größte Abweichung besteht bei den befristeten Hauptamtlichen, wo die Zentren in NRW 6,6 Prozentpunkte hinter dem bundesweiten Wert zurückbleiben.

Es kann davon ausgegangen werden, dass hier der bundesweit ermittelte Wert auch im Jahr 2000 noch stark von den ostdeutschen Bundesländern beeinflusst wird, in denen die Verfügbarkeit von ABM und anderen arbeitsmarktpolitischen Sonderprogrammen noch nicht in dem Maße eingeschränkt wurde wie in den westdeutschen Ländern.

Grafik: NRW – Bund 2000 – Bezahlte Mitarbeiter

Bei der Personalentwicklung seit 1994 können interessante Verschiebungen festgestellt werden. Unbefristete Beschäftigungsverhältnisse sind hochgerechnet auf 71 Zentren seit 1994 sowohl anteilsmäßig als auch in absoluten Zahlen kontinuierlich angestiegen und haben im Jahr 2000 mit 641 Beschäftigungsverhältnissen oder 32,4% einen Höchststand erreicht. Gegenüber 1994 bedeutet das fast eine Verdoppelung (+93,7%), gegenüber 1998 einen Zuwachs von 35,5%.

Die Entwicklung bei den befristeten Stellen, die überwiegend aus arbeitsmarktpolitischen Sonderprogrammen finanziert werden, verläuft uneinheitlich mit rückläufiger Tendenz: Von 1998 auf 2000 erfolgt ein besonders massiver Einbruch in Höhe von 165 Personalstellen (43,8%). Der Anteil der befristeten Stellen an den gesamten Personalkapazitäten der soziokulturellen Zentren geht von 15,4% auf nur noch 10,7% zurück. Ursächlich für diesen Rückgang sind die insgesamt reduzierten Haushaltsmittel seitens der Bundesanstalt für Arbeit für ABM und andere Förderprogramme, zugleich aber auch die verschlechterten Vergabebedingungen (kürzere Förderzeiträume, höherer Trägeranteil, gedeckelte Förderung, verringerte Gehaltsspielräume), die diese Fördermaßnahmen für soziokulturelle Zentren nicht mehr sonderlich attraktiv erscheinen lassen. Diese Entwicklung wird, betrachtet auch vor dem Hintergrund der aktuellen Diskussionen um den Reformbedarf bei der Bundesanstalt für Arbeit auch in Zukunft anhalten, so dass davon ausgegangen werden kann, dass arbeitsmarktpolitische Programme massiv an Bedeutung verlieren werden.

Ohne dass das durch das vorliegende Datenmaterial im Einzelnen verifiziert werden könnte, liegt die Schlussfolgerung nahe, dass in den soziokulturellen Einrichtungen ein Teil der weggebrochenen befristeten ABM-Stellen durch unbefristete Stellen ersetzt worden ist: Ebenfalls hochgerechnet auf 71 Zentren sind von 1998 auf 2000 165 befristete Stellen weggefallen, dafür 168 unbefristete Stellen neu hinzugekommen.

Beim weiteren Vergleich der Entwicklungen im Personalbereich seit 1994 ist die Zahl der Aushilfen und Freien Mitarbeiter besonders beachtenswert: Von 1994 bis 1998 hat sich die Zahl der geringfügig Beschäftigten nahezu verdoppelt, von 784 im Jahr 1994, über 1.043 im Jahr 1996 auf 1.548 im Jahr 1998. Von 1998 auf 2000 geht diese Zahl um 471 Stellen zurück.

Bereits im Herbst 1999 zeichnete sich in Umfragen der LAG soziokultureller Zentren NW ab, dass zwei Gesetzesänderungen auf Bundesebene – „Gesetz zu Korrekturen in der Sozialversicherung und zur Sicherung der Arbeitnehmerrechte“ (Stichwort „Scheinselbständigkeit“) und das „Gesetz zur Neuregelung der geringfügigen Beschäftigungsverhältnisse“ (Stichwort: „630-DM-Jobs“) – massive Einbrüche in diesem Beschäftigungssegment in soziokulturellen Zentren zur Folge haben würden. Die zum 1.1.1999 bzw. 1.4.1999 in Kraft getretenen Änderungen brachten einen erheblich gesteigerten bürokratischen Aufwand und natürlich erhebliche Kostensteigerungen mit sich, so dass schon 1999 viele Mitgliedseinrichtungen der LAG erklärten, zukünftig die Zahl solcher Beschäftigungsverhältnisse reduzieren zu wollen.

Die nun vorliegenden Daten bestätigen den drastischen Rückgang: in NRW um 30,4%, bundesweit um 25,5%.

Im gleichen Zeitraum ist in NRW die Zahl der Ehrenamtlichen Mitarbeiter um 306 (38,7%) angestiegen. Es liegt der Schluss nahe, dass die Gesetzesänderungen für einen nicht unerhebliche Teil der geringfügig beschäftigten Mitarbeiter dazu geführt haben, erneut unbezahlt tätig zu sein. Der gleiche Trend bestätigt sich auch auf der Bundesebene: hier nahm die Zahl der Ehrenamtlichen von 1998 auf 2000 um 1.122 (17,1%) zu.

Tabelle: NRW 1994 – 2000: Personalstatus (in %)

Jahr Sozialversicherungspflichtig unbefristet B. Sozialversicherungspflichtig befristet B. Aushilfen, Freie Zivildienstleistende Ehrenamtliche
  % absolut % absolut % absolut % absolut % absolut
1994 14,80 331 14,36 321 35,07 784 2,86 64 32,91 736
1996 14,55 383 10,11 266 39,61 1043 2,70 71 33,03 870
1998 14,58 473 11,62 377 47,68 1548 1,76 57 24,36 791
2000 20,82 641 6,87 212 34,98 1077 1,70 52 35,62 1097

Wenn zur Beurteilung der Personalentwicklung in soziokulturellen Zentren in NRW allein die Zahl der hauptamtlichen Mitarbeiter herangezogen wird, könnte durchaus ein positives Fazit gezogen werden: der deutliche Zuwachs bei den unbefristeten Beschäftigungsverhältnissen gleicht den Einbruch bei den befristeten Stellen aus. Diese durchgängig positive Einschätzung muss jedoch eingeschränkt werden, wenn der zeitliche Umfang der sozialversicherungspflichtigen Beschäftigungsverhältnisse näher analysiert wird.

Im Zeitraum von 1998 auf 2000, in dem die unbefristeten Arbeitsverhältnisse deutlich zugenommen haben, sinkt die Zahl der Vollzeitstellen von hochgerechnet 451 auf 357 (-20,8%), die Zahl der 3/4-Stellen von 90 auf 81 (-10,8%), der 2/3-Stellen von 42 auf 40 (-5,3%) und die Zahl der 1/2-Stellen von 148 auf 100 (-32,6%). Dagegen steigt die Zahl der Stellen, die mit weniger als 19,25 Stunden ausgestattet sind, um 155 (+129%) an. Im Saldo bedeutet die Verschiebung von Vollzeit zu Teilzeit und innerhalb der Teilzeitstellen unter die 50% Grenze einen realen Verlust von ca. 75 Vollzeitstellen.

Grafik: NRW 1998 – 2000 – Hauptamtliche Mitarbeiter Vollzeit/Teilzeit

In erster Linie dokumentiert die im Vergleich zu anderen Kultureinrichtungen hohe Zahl von Teilzeitstellen den ökonomischen Mangel, dem soziokulturelle Zentren nach wie vor ausgesetzt sind und der dazu führt, dass von Mitarbeitern ein erhebliches Maß unbezahlter Mehrarbeit erwartet wird.

Andererseits versuchen soziokulturelle Einrichtungen aber auch, den Bedürfnissen ihrer Mitarbeiter entgegenzukommen und möglichst flexible Arbeitszeitmodelle zu verwirklichen, sei es um Alleinerziehenden überhaupt eine Berufstätigkeit zu ermöglichen oder auch KünstlerInnen, die (noch) nicht von ihrer künstlerischen Tätigkeit leben können, eine materielle Basis zu verschaffen.

Die Personalsituation soziokultureller Zentren in NRW muss nach wie vor als problematisch eingeschätzt werden. Positive Entwicklungen – wie die Zunahme von unbefristeten Arbeitsverhältnissen – werden durch eine Vielzahl von deutlich negativen Entwicklungen mehr als neutralisiert. Der Rückgang von befristeten Arbeitsverhältnissen, die reduzierte Anzahl von Aushilfsstellen und die extensive Ausdehnung von Teilzeitstellen ergeben einen deutlich von prekären Beschäftigungsverhältnissen dominierten Personalschlüssel. Bei gesteigerter Programmdichte und Veranstaltungszahl ist von 1998 auf 2000 die Zahl der durchschnittlich Beschäftigten von 34,6 auf 27,9 Personen je Zentrum gesunken.

Die Personalstruktur wird der Komplexität des ausdifferenzierten Angebots und der damit verbundenen Qualifikationsanforderungen an Mitarbeiter nicht gerecht und stellt ein entscheidendes Hindernis für eine dauerhafte Sicherung und Entwicklung soziokultureller Arbeit dar.

Neben den notwendigen Managementfähigkeiten sind langfristige Planungssicherheit, eine angemessene Bezahlung und ausreichende Stundenkontingente im Personalbereich erforderliche Bedingungen, die soziokulturelle Zentren vielfach nicht bieten können. Natürlich wird dadurch die Gewinnung von neuen, qualifizierten Mitarbeitern erschwert.

Die begrenzte Personaldecke zwingt die Zentren trotz des beschriebenen Rückgangs noch immer zur Nutzung beschäftigungspolitischer Programme – von den sozialversicherungspflichtigen Beschäftigungsverhältnissen machen solche Stellen immerhin noch einen Anteil von knapp 25% aus. Die vorhandenen Hauptamtlichen werden durch befristete Stellen nur in geringem Umfang entlastet, da der in der Regel jährliche Wechsel von Personen neben der Antragstellung und Abrechnung auch ständig neue Orientierungs- und Qualifizierungsphasen erfordert. Aber selbst wenn, je nach Qualität des Personalmanagements der Einrichtungen, der „Arbeitszeitgewinn“ bei einer vollen Stelle nur zwischen 30 und 50% liegen mag, müssten soziokulturelle Zentren in NRW auf Grund der zu erwartenden Änderungen bei der Bundesanstalt für Arbeit und der Einschränkungen der Arbeitsmarktprogramme zukünftig vermutlich zwischen 60 und 95 Vollzeit-Personalstellen ersetzen. Eine Herausforderung, der sich gerade kleinere Zentren, deren Personalausstattung und deren finanzielle Ressourcen noch relativ dünn sind, kaum gewachsen sehen. Auch hier sind die Gemeinden und das Land NRW gefragt, ein zumindest kleines „Beschäftigungsprogramm Soziokultur“ auf den Weg zu bringen.

Ehrenamtliche Tätigkeit

Der erhebliche Umfang ehrenamtlicher Arbeit unterscheidet soziokulturelle Zentren substantiell von anderen Kultureinrichtungen. Nur hier sind ehrenamtliche Tätigkeiten konstituierender Bestandteil des „Stellenplans“, durch die eine existentielle Abhängigkeit von ehrenamtlicher Tätigkeit besteht. In vielen soziokulturellen Zentren werden Grundfunktionen des Betriebes, in nahezu allen Zentren projektbezogene Aufgaben auf dieser Basis durchgeführt. Über die Einbindung ehrenamtlicher Mitarbeiter in alltägliche Arbeitsabläufe hinaus engagierten sich weitere 5.000 Menschen als Mitglieder in Träger- und Fördervereinen sowie in Vorständen und Beiräten der Zentren.

Die Bedeutung des ehrenamtlichen Engagements zeigt sich daran, dass im Jahr 2000 nur in 15 Zentren keine Ehrenamtlichen in die inhaltlichen Arbeitsbereiche eingebunden waren. In den verbleibenden 56 Zentren waren 1.097 Frauen und Männer in die Alltagspraxis ohne Entgelt involviert, was für NRW einem Mittelwert von 15,5 Personen je Zentrum entspricht.

Das Gesamtvolumen ehrenamtlicher Tätigkeit beträgt insgesamt rund 150.000 Stunden. Das entspricht einer Arbeitsleistung von 83 Vollzeitstellen. Bei dem Versuch, den ‚geldwerten Vorteil’ dieser Leistung zu ermitteln, wird die Bedeutung ehrenamtlicher Arbeit besonders deutlich: Werden beispielsweise für eine Personalstelle die Arbeitgeberkosten von nur 30.000 € zu Grunde gelegt, ergibt sich die Summe von 2.490 TSD€, das entspricht ca. 27% der institutionellen Förderung der öffentlichen Hand in 2000.

Der Anteil ehrenamtlicher Tätigkeit an der Gesamtzahl der Beschäftigten liegt bei durchschnittlich 35,6% und ist damit auffällig hoch. In 31 der untersuchten Zentren sind mehr ehrenamtliche als hauptamtliche Mitarbeiter tätig, sechs Zentren werden gänzlich ohne bezahlte Beschäftigte geführt. Jeder unbefristeten Stelle stehen in NRW 1,7 ehrenamtlich Tätige gegenüber.

Der Umfang ehrenamtlicher Tätigkeit am gesamten Arbeitsaufkommen variiert erheblich. Ein differenzierter Blick auf die Anteile ehrenamtlicher Beschäftigung in Zentren verschiedener Größenklassen zeigt, dass ehrenamtliches Engagement in dem Maße zurückgeht, wie die Anzahl sozialversicherungspflichtiger Stellen zunimmt.

Während in Zentren mit maximal 2 sozialversicherungspflichtig Beschäftigten der Anteil der Ehrenamtlichen im Gesamtdurchschnitt bei 74,8% liegt, sinkt er bei zunehmender Beschäftigtenzahl. In Zentren mit mehr als 11 Beschäftigten liegt der Anteil im Durchschnitt nur noch bei 15,7%.

Auch bei Betrachtung der absoluten Zahlen wird dieser Trend bestätigt: in Zentren mit maximal 2 sozialversicherungspflichtig Beschäftigten werden durchschnittlich 31 Personen, in Zentren mit mehr als 11 Beschäftigten nur noch 9,7 Personen ohne Entgelt tätig.

Zentren in dieser Größenordnung sind in der Regel in ihrem Angebotsprofil wie in ihrer internen Strukturierung erheblich ausdifferenziert. Die damit verbundene Professionalisierung und Arbeitsteilung erschwert die Einbindung ehrenamtlichen Engagements, gleichzeitig relativiert sich auch der Zwang zur Einbindung ehrenamtlicher Ressourcen.

Grafik: NRW 2000 – Verhältnis Hauptamtliche/Ehrenamtliche

Trotz dieser Einschränkungen ist festzustellen, dass sich in NRW die Zahl der ehrenamtlich Tätigen in soziokulturellen Zentren seit 1994, wiederum hochgerechnet auf 71 Einrichtungen, kontinuierlich erhöht hat, von 736 Personen auf 1.097 Personen im Jahr 2000.

Bedingt durch die hohe Anzahl von sehr großen und hochgradig professionalisierten Einrichtungen liegt der Anteil ehrenamtlicher Tätigkeit in NRW deutlich unter den bundesweit ermittelten Zahlen. Hier lag der Anteil der Ehrenamtlichkeit im Jahr 2000 bei 48,1%, gegenüber 35,6% in NRW.

Grafik: NRW – Bund 1994 – 2000 – Verhältnis Ehrenamtlichkeit

Ehrenamtliche Arbeit in einem gesellschaftlich sinnvollen Bereich ist seit jeher Bestandteil der Konzeption soziokultureller Arbeit. Um die Partizipation an Gesellschaft und Kultur zu ermöglichen, wurden Organisationsformen entwickelt, die ehrenamtliche Tätigkeit als vorwiegend projektbezogene Leistungen in die Arbeits- und Entscheidungsabläufe der Kultureinrichtungen integrieren.

In den Organisationsformen und Entscheidungsstrukturen der Zentren wurden Modelle erarbeitet, die ein hohes Maß an Transparenz gewährleisten; sie erleichtern die Einbindung von Mitarbeitern und unterstützen den Prozess der Einbeziehung neuer Mitwirkender. Die parallele Struktur von hauptamtlicher und ehrenamtlicher Mitarbeit wird so vorwiegend als selbstverständliche Rahmenbedingung akzeptiert.

Das Ehrenamt ist – als programmatisches Essential und zugleich als Überlebenshilfe – in einem funktionalen Spannungsfeld angesiedelt: Ohne Ehrenamtlichkeit würden die Zentren ein konstituierendes Element verlieren. Von der anderen Seite betrachtet ist es so, dass die ehrenamtliche Mitarbeit interessierten Nutzern relativ einfach eine Möglichkeit eröffnet, eigene Ideen und Wünsche in die Praxis eines Hauses einzubringen und Bedürfnisse nach Partizipation und Kommunikation einzulösen. Darüber hinaus können so neue Entwicklungen und Trends in die Aktivitäts- und Angebotspalette integriert werden.

Die Kehrseite der ‚Medaille Ehrenamtlichkeit’ dokumentiert sich eindrucksvoll in den dargestellten Untersuchungsergebnissen. Für viele der untersuchten soziokulturellen Zentren bleibt das Ehrenamt bis heute Überlebenshilfe. Die existenzielle Abhängigkeit von ehrenamtlicher Arbeit ist letztlich Abhängigkeit von der individuellen Lebensplanung oder den temporär begrenzten Interessenlagen ‚freiwilliger’ Mitarbeiter; sie kann in vielen Fällen Entwicklungshemmnis, Planungsunsicherheit und Aushöhlung der kontinuierlichen und verbindlichen Absicherung von Leistungsstandards bedeuten.

Personal – geschlechtsspezifische Verteilung

In den untersuchten soziokulturellen Zentren in NRW arbeiten 353 Frauen als hauptamtliche Beschäftigte, 433 als Aushilfen und freie Mitarbeiterinnen und 400 als Ehrenamtliche. Im Gesamtbild ergibt sich daraus, wie schon in den Jahren davor, im Wesentlichen ein ausgewogenes Verhältnis von Frauen und Männern. Nur bei der ehrenamtlichen Betätigung, häufig als „typisch weiblich“ beschrieben, gibt es auffällige Unterschiede. Sie ist in soziokulturellen Zentren deutlich männlich dominiert: den 400 Frauen stehen 481 ehrenamtlich tätige Männer gegenüber.

Grafik: NRW 2000 – Personal – geschlechtsspezifische Verteilung

Personal – Alter

Erstmalig für das Jahr 2000 wurde auch das Alter der Mitarbeiter in soziokulturellen Zentren erhoben. Vorurteile und Befürchtungen von vergreisten Belegschaften in soziokulturellen Zentren konnten dabei nicht bestätigt werden. Werden die Mitarbeiter in den gastronomischen Betrieben nicht einbezogen, so ergibt sich, dass 63% der Mitarbeiter unter 40 Jahren sind, 36% zwischen 41 und 60 Jahren und 1% über sechzig Jahren. Eine „Alterspyramide“, die sich viele Kulturverwaltungen, Verbände und Institutionen vermutlich wünschen würden und die so manchem „start-up“ Unternehmen zur Ehre gereichen würde.

Bezieht man auch noch die Beschäftigten in der Gastronomie ein, die naturgemäß z.B. im Servicebereich deutlich jünger sind, sind 8% der Mitarbeiter unter 20 Jahren, 30% zwischen 21 und 30 Jahren, 34% zwischen 31 und 40 Jahren und 27% zwischen 41 und 60 Jahren.

Graphik: NRW 2000 – Altersstruktur der Mitarbeiter

Die Finanzen

Finanzierungspool

Die soziokulturellen Zentren in NRW finanzieren sich hauptsächlich aus Zuwendungen der Städte und Gemeinden, des Landes und der Bundesanstalt für Arbeit sowie zu einem erheblichen Teil durch eigenerwirtschaftete Mittel. Dieser Finanzierungspool wird in eher geringem Umfang durch Zuwendungen seitens der Europäischen Union, des Bundes und durch Förderungen von Stiftungen und Fonds ergänzt. Die verfügbaren Mittel der untersuchten Zentren Zuschüsse, Sponsorengelder und eigene Einnahmen – beliefen sich 2000 insgesamt auf über 34,4 Millionen €.

Betrachtet man die Herkunft der öffentlichen Mittel, zeigt sich, dass die föderalen Strukturen der Bundesrepublik Deutschland sich in der Förderung soziokultureller Einrichtungen widerspiegeln. Zu den wichtigsten Zuwendungsgebern zählen die einzelnen Städte und Gemeinden sowie das Land NRW. Dabei stehen die Kommunen mit einem Anteil von 52,5% an erster Stelle, allerdings decken die Zuwendungen der Kommunen gerade einmal 23,2% des Gesamtetats. Es folgt das Land mit einem Anteil von 22,9%. Auffällig hoch und nur für kulturelle Einrichtungen mit soziokultureller Ausrichtung charakteristisch ist der Finanzierungsanteil der Bundesanstalt für Arbeit von 15,1%. Weitere Finanzmittel werden durch Stiftungen und Fonds mit 8,4%, den Bund mit 1,0% sowie der EU mit 0,1% erzielt.

Die öffentlichen Zuwendungen sind in unterschiedlichen Ressorts schwerpunktmäßig in den Kulturhaushalten, aber auch in den Bereichen Jugend, Soziales, Bildung/Weiterbildung, Umwelt und Stadtentwicklung etatisiert.

Den größten Anteil an der Finanzierung soziokultureller Arbeit leisten jedoch die Einrichtungen selbst. Die Anteile der Eigenerwirtschaftung am Gesamtetat liegen bei 54,7%. Die Finanzierung durch Sponsoring spielt mit 1,1% der Gesamteinnahmen eine nur untergeordnete Rolle.

Der Anteil der Eigenerwirtschaftung liegt in NRW erheblich über dem bundesweit ermittelten Durchschnitt von 45%.

Grafik: NRW 2000 – Einnahmen soziokultureller Zentren

Öffentliche Förderung

Für die mittelfristige Planungssicherheit soziokultureller Einrichtungen ist die Art der öffentlichen Förderung von entscheidender Bedeutung. Grundsätzlich sind zwei Förderungsarten zu unterscheiden: die institutionelle oder auch Regelförderung und die zweckgebundene oder Projektförderung.

Die institutionelle Förderung delegiert die betriebliche Verantwortung an die betroffene Einrichtung, schafft die Voraussetzung für ein hohes Maß an Flexibilität und ermöglicht im Idealfall ein langfristig ausgerichtetes, planvolles Handeln. Hier wird eine in der Höhe fest­gelegte Zuwendung über einen längeren Zeitrahmen gewährt und die geförderte Einrichtung kann die Mittel im Rahmen eines allgemein bezeichneten Zuwendungszwecks frei verausgaben.

Projekt- oder zweckgebundene Zuwendungen – auch eine maßgebliche öffentliche Finanzierung – dagegen schränken die Bewegungsspielräume der Zentren deutlich ein. Praktiziert werden mehrere Varianten dieses Zuwendungsmodells. Bei der originären kulturellen Projektförderung wird für ein zeitlich begrenztes Einzelvorhaben, z.B. eine Theaterproduktion, ein Zuschuss auf Antrag gewährt. Mit der Zuwendung können nur die Ausgaben bestritten werden, die innerhalb des inhaltlichen und zeitlich begrenzten Projektrahmens anfallen. Weitere Formen der zweckgebundenen Förderung sind die Zuwendungen für Bau- und investive Maßnahmen und die Zuwendungen der Bundesan­stalt für Arbeit für Arbeitsbeschaffungs- und andere arbeitsfördernde Maßnahmen. Hier werden Zuschüssen zu den Personalkosten für Arbeiten gewährt, die „zusätzlich“ ausgerichtet sind und im „öffentlichen Interesse“ liegen.

Vor dem Hintergrund der in Ausschnitten skizzierten Finanzierungsarten der öffentlichen Hände soll nun ein differenzierterer Blick auf die strukturellen Merkmale soziokultureller Förderung folgen.

Insgesamt fließen 15,2 Millionen € öffentliche Förderung an soziokulturelle Zentren in NRW. Dabei steht die institutionelle Förderung mit 52,4% an erster Stelle, gefolgt von der zweckgebundenen Förderung für bauliche und investive Maßnahmen mit 25,3%, der zweckgebundenen Personalförderung mit 16,1% und der zweckgebundenen Projektförderung mit 6,2%.

Institutionelle Förderung erhalten in NRW 49 der 57 untersuchten soziokulturellen Zentren. Die Fördersummen liegen zwischen 0,75 TSD€ und 582 TSD€. Von der Gesamtsumme der institutionellen Förderung in Höhe von rund 8.000 TSD€ beträgt der kommunale Anteil 7.100 TSD€. Weitere 900 TSD€ an institutioneller Förderung leistet das Land NRW überwiegend aus dem Kulturetat (Weiterbildung, Theaterförderung).

Tabelle: NRW 2000 – Öffentliche Förderung nach Finanzierungsart (absolut/%)

Institutionelle Förderung

Zweckgebundene Förderung: Personal

Zweckgebundene Förderung: Bau

Zweckgebundene Förderung: Projekte

Summe

absolut

%

absolut

%

absolut

%

absolut

%

absolut

9.094.063,85

52,4

2.799.276,76

16,1

4.383.669,04

25,3

1.078.607,54

6,2

17.355.617,18


Grafik: NRW 2000 – Öffentliche Förderung nach Finanzierungsart

Die institutionelle Förderung der soziokulturellen Zentren in NRW bleibt damit erheblich hinter dem Bundesdurchschnitt zurück: In der Gesamtheit der Bundesländer liegt der Anteil der institutionellen Förderung an der gesamten öffentlichen Förderung bei 61,1%. Auch die zweckgebundene Förderung für Personal und kulturelle Projekte, die in NRW einen Anteil von 22,3% erreicht, liegt im Bund immerhin noch bei 25,6%. Bei den Anteilen für Investitionsförderung wirkt sich die engagierte Förderpolitik des Landes NRW aus Mitteln der Städtebauförderung positiv aus: während hier im Bundesdurchschnitt nur ein Anteil von 13,3% erreicht wird, macht sie in NRW 25,3% aus.

Allerdings vermag die auf Bau- und investive Maßnahmen begrenzte Städtebauförderung die strukturellen Schwächen der öffentlichen Förderpolitik in NRW nicht auszugleichen.

Da diese Art der Öffentlichen Förderung nur in geringem Maße geeignet ist, die Zentren dauerhaft in ihrem Bestand zu sichern wird sie bei der Betrachtung der Entwicklung seit 1994 nicht Berücksichtigt. Auch wenn selbstverständlich nicht verkannt wird, dass eine bauliche Verbesserung bzw. eine Modernisierung von Inventar und Technik die Attraktivität einer Einrichtung – und damit auch ihre finanziellen Spielräume – durchaus erhöht.

Der Gesamtetat aller Einrichtungen – zur Vergleichbarkeit wiederum hochgerechnet auf 71 soziokulturelle Zentren – ist seit 1994 insgesamt um 6.400 TSD€ (20,1%) angestiegen. Dieses Wachstum konnte nur erreicht werden, da die eigenerwirtschafteten Mittel um 8.600 TSD€ zugenommen haben und so zusätzlich auch der Rückgang im Bereich der öffentlichen Förderung in Höhe von fast 2.600 TSD€ (-15,3%) aufgefangen werden konnte. Bei differenzierter Betrachtung der öffentlicher Förderung kann positiv vermerkt werden, dass die institutionelle Förderung um knapp 1.300 TSD€ zugenommen hat, allerdings sowohl die zweckgebundene Förderung für Personal – also v.a. Mittel der Bundesanstalt für Arbeit – als auch die kulturelle Projektförderung sich annähernd halbiert haben, nämlich um fast 2.800 TSD€ (- 47,4%) bzw. um 1.100 TSD€ (- 48,2%). Speziell im Bereich der Personalkostenförderung wird sich – bezieht man die aktuelle Diskussion um Reformmaßnahmen hinsichtlich der Bundesanstalt für Arbeit und ihrer Förderinstrumentarien ein – dieser Trend vermutlich in den nächsten Jahren weiter fortsetzen.

Einnahmen im Bereich Sponsoring verzeichnen zwar mit 152,6% die mit weitem Abstand größten Zuwachsraten, fallen aber auf Grund der geringen absoluten Höhe kaum ins Gewicht.

Grafik: NRW 1994 – 2000 – Einnahmeentwicklung nach Bereichen

Öffentliche Förderung je Besuch

Der Anteil der öffentlichen Förderung pro Besuch ist eine wichtige Kennziffer des Vergleichs von Kultureinrichtungen. Zur differenzierteren Beurteilung wird der Anteil der öffentlichen Förderung je Besuch in zwei Kennziffern ausgedrückt.

Von zentraler Bedeutung ist das Verhältnis von institutioneller Förderung je Besuch. In einer weiteren Kennziffer, die das Verhältnis der gesamten öffentlichen Förderung je Besuch darstellt, gehen neben der institutionellen Förderung auch zweckgebundene Zuschüsse für Projekte, Baumassnahmen und Personal ein.

In NRW wurde jeder Besuch eines soziokulturellen Zentrums im Jahr 2000 mit 3,57 € von der öffentlichen Hand gefördert. Legt man nur die Höhe der institutionellen Förderung zu Grunde, wird jeder Besuch noch mit gerade 1,87 € gefördert.

Besonders auffällig ist, dass insgesamt die öffentliche Förderung je Besuch zwischen 1994 und 2000 um fast 55%, von 7,89 € auf 3,57 € zurückgegangen ist. Auch die institutionelle Förderung je Besuch hat sich, trotz des oben dargestellten Anstiegs in absoluten Zahlen, um fast 17%, von 2,25 € auf 1,87 € verringert.


Grafik: NRW 2000 – Öffentliche Förderung je Besuch

Eigenerwirtschaftung

Eigenerwirtschaftete Mittel sind die größte Einnahmequelle soziokultureller Einrichtungen. Die Einnahmequellen sind Eintrittseinnahmen, Kursgebühren, Gastronomieerlöse, Mieteinnahmen und Spenden. 2000 erzielten die 57 untersuchten Zentren in NRW insgesamt Einnahmen in Höhe von 19.200 TSD€. Im Durchschnitt erwirtschaftete jedes Zentrum jeweils 336 TSD€.

Werden die Gastronomieerlöse nicht berücksichtigt, bilden die Eintrittseinnahmen aus Kulturveranstaltungen mit 64,6% den eindeutig größten Anteil an der Eigenerwirtschaftung. Es folgen die Bereiche Vermietung mit 17,5%, Einnahmen aus Kursgebühren mit 9,2%, sonstige Einnahmen mit 4,6% sowie Spenden mit 4,13%.

Ausgaben

Die untersuchten 57 soziokulturellen Zentren in NRW haben im Jahr 2000 insgesamt 34.200 TSD€ verausgabt. Der größte Anteil an den Ausgaben sind die Personalkosten mit 33,8%, gefolgt von den Ausgaben in den gastronomischen Betrieben mit 28,9%. Die Aktivitätskosten (Veranstaltungen, Kurse und die zuzuordnenden Nebenkosten) machen einen Anteil von 12,8% aus, bauliche und investive Maßnahmen liegen bei 11,9%.


Grafik: NRW 2000 – Ausgaben nach Bereichen (Anteil in %)

Die Kostenentwicklung in soziokulturellen Zentren ist offensichtlich geprägt dem Bemühen, einerseits Einsparungen zu realisieren bzw. Etatansätze einzufrieren, andererseits Arbeitsabläufe im Alltag zu effektivieren, um zusätzliche finanziellen Bewegungsspielraum zu gewinnen. Rechnet man die Gesamtausgaben hoch auf 71 Zentren, sind sie von 1994 auf 2000 sogar um knapp 555 TSD€ oder 1,3% gesunken

Betrachtet man die Entwicklung der Ausgaben seit 1994 fällt besonders auf, dass die Aufwendungen für Personal in acht Jahren nur um 8,5% gestiegen sind, obwohl im gleichen Zeitraum die Anzahl der Mitarbeiter, sowohl Haupt- als auch Nebenamtliche, deutlich angestiegen ist. Als eine Erklärung kann darauf verwiesen werden, dass bereits weiter oben dargestellt wurde, dass viele Vollzeit- in Teilzeitstellen umgewandelt wurden. Weitere Maßnahmen, um die Kostensteigerungen im Personalbereich zu verringern, sind im Bereich der soziokulturellen Zentren die Umwandlung von ursprünglich nach BAT bezahlten Stellen in außertariflich bezahlte Stellen, die Festschreibung eines früheren BAT-Niveaus (teilweise auf dem Niveau von 1992), der Verzicht auf Zahlung eines 13. Monatsgehalts oder anderer üblicher Geldleistungen, die Einführung von niedrigen Einheitslöhnen u.ä.

Eine ähnliche Entwicklung ist bei den Veranstaltungskosten zu verzeichnen: obwohl allein die Zahl der Kulturveranstaltungen seit 1994 um fast 60% zugenommen hat und laufende Steigerungen im Nebenkostenbereich (GEMA, KSK, Catering, Werbung etc.) üblich sind, sind die Veranstaltungskosten in soziokulturellen Zentren nur um 1,9% gestiegen. Auch hier hat die angespannte Finanzsituation dazu geführt, dass die Gagen gedeckelt bzw. gesenkt wurden, das Veranstalterrisiko an Dritte weitergegeben wurde (siehe Anstieg der „Fremdveranstaltungen“) oder mehr „kleinere“ oder kostengünstigere Veranstaltungen durchgeführt wurden.

Zusammenfassung

Die Finanzierungsstruktur soziokultureller Einrichtungen hebt sich durch einen breit gefächerten Finanzierungsmix und die hohen Anteile von selbst erwirtschafteten Mitteln augenfällig von anderen Kulturinstitutionen wie Theatern, Orchestern und Museen ab. Im Gesamtdurchschnitt werden 54,7% der zur Verfügung stehenden Finanzmittel selbst erwirtschaftet. Doch die wirtschaftliche Effizienz der Einrichtungen erweist sich als zweischneidiges Schwert: Die in den meisten Fällen unzureichende Finanzierung durch öffentliche Zuwendungsgeber zwingt die Einrichtungen zu einer offensiven Orientierung am Marktgeschehen, um die benötigten Finanzmittel zu erwirtschaften. Damit zeigen sich in den soziokulturellen Zentren in geradezu idealtypischer Weise sowohl die Potentiale als auch die Gefahren einer zu starken Öffnung zum Markt.

Das soziokulturelle Profil zeichnet sich durch die Präsentation aller kulturellen Sparten und durch die Darbietung auch junger und experimenteller Kulturformen aus. Der Zwang zum ‚Marktgängigen’, schränkt die inhaltlichen Spielräume der soziokulturellen Zentren allerdings ein und gefährdet einen zentralen Anspruch, möglichst vielen Bevölkerungsschichten den Zugang zu kulturellen und künstlerischen Angeboten zu ebnen. Zudem: Kulturelles Profil verödet und wird beliebig, wenn nur die wechselnde Nachfrage des Publikums bedient wird. Der zahlungskräftige Bildungsbürger wird leicht zum idealtypischen Adressaten, wenn weniger finanzstarke Bevölkerungsschichten durch hohe Eintrittsgelder und Kursge­bühren ausge­schlossen werden. Dabei sind es zuerst die zielgruppenspezifischen- und fördernden Angebote, die von einer solchen selektierenden Programm- und Preispolitik verdrängt werden. Der Verzicht auf soziale, pädagogische und politische Arbeitsansätze, auf die kulturelle Nachwuchsförderung und auf künstlerische Experimente wird da, weil dies ja alles ‚unwirtschaftlich’ ist, schnell unvermeidlich.

Daher kann die Verbesserung der finanziellen Situation und die dauerhafte Sicherung soziokultureller Einrichtungen nicht mehr über eine weitere Steigerung der Eigeneinnahmen erfolgen. Die Möglichkeiten der Selbstfinanzierung sind für die Soziokultur inzwischen nahezu ausgereizt.

Dies wird besonders deutlich, wenn eine entscheidende betriebswirtschaftliche Problemstellung für Kultureinrichtungen betrachtet wird: die Frage nach dem Kosten­deckungsgrad, der durch die gewährte institutionelle Förderung erreicht wird. Dies gilt vor allem für die zentralen Kostenbereiche (Personal- und Betriebskosten), die für den Bestand soziokultureller Zentren herausragende Bedeutung haben.

Bei den 57 untersuchten Zentren in NRW lagen die Aufwendungen für Personal- und Betriebskosten (Miete, Energie, Versicherungen u.a.) bei insgesamt 13.600 TSD€, denen eine institutionelle Förderung in Höhe von knapp 8.000 TSD€ gegenüberstand.

Damit wurden in den Zentren nur 58,6% der grundlegenden Kosten für die Bereitstellung und Aufrechterhaltung der Infrastruktur der Einrichtungen durch regelmäßige, dauerhaft gesicherte, Zuschüsse der öffentlichen Hand abgedeckt – ganz zu schweigen von den Kosten für das laufende Programm. Im Bundesdurchschnitt lag dieser Anteil immerhin bei 67,3%.

Es bleibt also ein zentrales Problem, dass zu wenige Einrichtungen eine abgesicherte Finanzierung durchsetzen konnten und sich viele Zentren in völlig unzureichenden Förderstrukturen und Finanzierungsmodellen einrichten mussten. Das Spiel auf der Klaviatur der Förderprogramme, die Inkaufnahme von ungesicherten, unterbezahlten Arbeitsverhältnissen, die ‚ehrenamtliche’ Arbeit und Mehrarbeit – all das hat Strukturen zementiert, die zahlreiche Einrichtungen existentiell belasten. Es zeugt zwar von Kreativität und Managementqualitäten der Zentren, mit Projektzuschüssen, Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen und Eigeneinnahmen ein anspruchsvolles Leistungsspektrum aufrecht zu erhalten. Kulturpolitisch gesehen, kann damit aber die Notwendigkeit einer kontinuierlichen und angemessenen Bezuschussung durch die Städte und Gemeinden, aber auch durch das Land NRW, nicht überdeckt werden.

Bis heute gleicht speziell die kommunale Kulturförderung der Freien- und Soziokultur häufig einem modernen Ablasshandel. Zu oft wird die kommunale Soziokulturförderung nicht aus Überzeugung und auf Grundlage kulturpolitischer Zielsetzungen, definierter Leitlinien und rationaler Bedarfsanalysen gemacht, sondern unter dem Druck der innerstädtischen Konfliktminderung realisiert.

Dass die Soziokultur in der Vergangenheit effektiver und wirtschaftlicher mit öffentlichen Mitteln gearbeitet hat, als vergleichbare öffentliche Kulturinstitutionen, wendet sich heute längst gegen sie. In der Logik mancher Kulturverwaltung lässt sich das in schönster Dialektik verbal so zuspitzen: „Wer über Jahre gezeigt hat, dass oft mit geringer öffentlicher Zuwendung eine erfolgreiche, professionelle Kulturarbeit leistbar ist, wird dies auch weiterhin noch tun können“.

Resümee

Das vorgestellte Datenmaterial zeigt, dass die Soziokultur innerhalb der Kulturlandschaft in NRW eine ‚starke’ Position einnimmt: Durch die flächendeckende Verbreitung der Einrichtungen, ihre vielfältige kulturelle Positionierung, die überregionale Profilierung einzelner Zentren, den hohen Zuspruch des Publikums sowie durch die Entwicklung effizienter Strukturen im Personal-, Organisations- und Finanzbereich sind sie zu zentralen Kristallisationspunkten der Freien Kulturszene geworden.

Vorbildlich ist der seit der Gründungsphase realisierte, prinzipiell kooperative und solidarische Umgang der soziokulturellen Zentren untereinander. Das Denken und Handeln über die engen Mauern einer Einzeleinrichtung hinweg und über die eigenen Stadtgrenzen hinaus wird durch zahlreiche Zusammenschlüsse, Netzwerke und Kooperationsbeziehungen systematisch entwickelt. Dabei sind die Aktionsfelder ebenso auf praktische Fragen der Veranstaltungsplanung, Werbung und des Projektmanagements wie auf thematisch-inhaltliche Fragen ausgerichtet:

Die Landesarbeitsgemeinschaft soziokultureller Zentren NRW e.V. nimmt auf Landesebene die politische Interessenvertretung, Beratung und Qualifizierung der aktuell 65 Mitgliedseinrichtungen wahr.

Räumlich begrenzte Netzwerke von soziokulturellen Zentren, freien Theatern, Künstlerinnen und Künstlern und verschiedenen Kulturinitiativen haben sich in den Prozess der Regionalen Kulturpolitik eingebracht. Besonders zu nennen ist hier die OFF-Szene Ruhr, die schon die Entwicklung der Internationalen Bauausstellung Emscherpark begleitet hat und die sich aktuell mit eigenen Projekten am künstlerischen Programm der Triennale im Ruhrgebiet beteiligt.

Während es um Kommunikation und Kooperation der soziokulturellen Zentren untereinander und mit der freien Kulturszene gut bestellt ist, sind die Beziehungen zwischen den Zentren, den kommunalen Kulturverwaltungen und der Kulturpolitik von solchen Arbeitsformen noch zu weit entfernt. Im historischen Vergleich ergibt sich: Das häufig konfrontative Gegeneinander der 70er und 80er Jahre ist heute zu einem eher gleichgültigen Nebeneinander geronnen. Die inhaltlichen und kulturpolitischen Auseinandersetzungen der Anfangsjahre wurden, wenn überhaupt, durch Konflikte über Finanzierungsfragen abgelöst.

Vernetztes Wirken ist eher die Ausnahme, obwohl es auch positive Beispiele gibt:

  • das Theaterfestival „Stücke“ in Mülheim, das in gemeinsamer Trägerschaft von städtischem Kulturbüro und Ringlokschuppen durchgeführt wird;
  • der Alte Schlachthof in Soest, der die Aufgaben des kommunalen Kulturamtes übernommen hat oder
  • die Volkschule in Moers und die Kraftstation in Remscheid, die inzwischen als Betreiber ehemals kommunaler Jugendeinrichtungen auftreten.

Gleichwohl: Auch wenn Ansätze kooperativen Zusammenarbeitens zwischen soziokulturellen Zentren und Kulturverwaltungen durchaus bestehen, gibt es hier auf beiden Seiten einen unübersehbaren Nachholbedarf.

Ein vergleichbares Spannungsfeld kann auch für die Beziehungen zwischen kommunal verantworteten Kulturinstitutionen und soziokulturellen Zentren festgestellt werden: Nur für einzelne Akteure sind die starren Grenzen zwischen freien und staatlichen Institutionen durchlässiger geworden.

Schon vielfach ist die Bedeutung der Kultur für die Identifikation der Menschen mit ihrem Lebensumfeld konstatiert worden. Die inhaltliche Frage „Welche Stadtkultur wollen wir?“ sollte im gleichberechtigten Dialog – nach gemeinsamer kulturpolitischer Prioritätensetzung und vor einer Debatte um die Verteilung von Ressourcen – von Kulturpolitik und -verwaltung, freier und soziokultureller Szene, Künstlern und Kulturinstitutionen beantwortet werden.

Gerade weil sich das Kulturprofil in NRW aus einer großen Vielfalt kultureller Milieus zusammensetzt, ist hier das ‚Zusammenspiel’ aller Beteiligten gefordert.

Handlungsempfehlungen

1. Qualitätssicherung

  • Kommunale und Landeskulturpolitik müssen sicherstellen, dass die Grundabsicherung (v.a. der Personal- und Betriebskosten) gewährleistet ist, um eine längerfristige Planungssicherheit der soziokulturellen Zentren zu gewährleisten.

Gerade die Soziokultur hat den effektiven Umgang mit öffentlichen Mitteln exemplarisch deutlich gemacht. Grundsätzlich wird der Finanzierungsmix von öffentlichen Zuwendungen und eigenerwirtschafteten Mitteln für den Betrieb soziokultureller Einrichtungen weiterhin charakteristisch bleiben. Um das Leistungsprofil soziokultureller Einrichtungen auf tragfähiger Basis abzusichern muss die kommunale Kulturpolitik ihren finanziellen Anteil mittelfristig steigern. Die Verfahren der kommunalen Kulturförderung müssen überprüft und erneuert werden. Die notwendige Planungssicherheit kann nicht durch überwiegend kurzfristige Projektfinanzierungen erreicht werden, sondern sollte verstärkt durch Finanzierungsverträge mit mehrjähriger Laufzeit abgesichert werden.

Besonders im Personalbereich besteht großer Handlungsbedarf. Hier könnte ein zeitlich befristetes „Beschäftigungsprogramm Soziokultur“, finanziert aus kommunalen Zuwendungen und komplementären Mitteln des Landes NRW, einen wichtigen Beitrag zur Qualitätssicherung leisten.

2. Qualitätssteigerung

  • Soziokulturelle Zentren sollten ihre Programmarbeit verstärkt akzentuieren, um durch programmatische Schwerpunkte eindeutig identifizierbare Qualitätsprofile von regionaler Wirkungskraft zu generieren.

Auf Grund der Notwendigkeit, Finanzmittel in hohem Maße selbst zu Erwirtschaften wird das nebeneinander von eher populären Angeboten des kulturellen „mainstream“ und von künstlerisch innovativen Angeboten für die soziokulturellen Zentren charakteristisch bleiben. Professionelle Veranstaltungsangebote, die Förderung subkultureller Trends und stadtteilbezogener Aktivitäten sollten dabei in einem ausgewogenes Verhältnis angeboten und die inhaltlichen Schwerpunkte auf die jeweils charakteristischen Bedingungen vor Ort abgestimmt werden.

Neben den bereits entwickelten programmatischen Schwerpunkten bieten sich die Wirkungsfelder

  • Förderung und Präsentation zeitgenössischer junger Künstler
  • Interkultureller Dialog
  • Jugendkultur
  • Stadtentwicklung
  • Tourismus

als weitere entwicklungsfähige Programmschwerpunkte an. Die Akzentuierung des inhaltlichen Angebotes soziokultureller Zentren in den genannten Feldern sollte durch die Förderung entsprechender Modellprojekte durch das Land NRW über einen Zeitraum von mindestens drei Jahren flankiert werden.

  • Inhaltliche wie strukturelle Qualifizierungsangebote sollten als öffentliche Aufgabe betrachtet werden um die qualitative und organisatorische Entwicklung soziokultureller Zentren zu fördern.

Die soziokulturellen Einrichtungen sind aufgrund ihrer finanziellen Situation in der Regel nicht in der Lage umfassende Qualifizierungsmaßnahmen aus eigenen Mitteln zu finanzieren. Um die Qualitätsstandards soziokultureller Zentren zu sichern und zu erweitern sollten Qualifizierungsangebote in den Bereichen Betriebswirtschaft/Controlling, Organisationsentwicklung, Qualitätsentwicklung/Qualitätskontrolle und Marketing öffentlich gefördert werden. Soziokulturelle Zentren, als Einrichtungen des dritten Sektor – zwischen Markt und Staat – sollten darüber hinaus auch Zugriff auf Wirtschaftsförderungs- und Existenzgründungsprogramme erhalten. Hier sollten geeignete Fördermodelle entwickelt werden.

3. Vermarktung

  • Die Soziokulturelle Zentren sollten sich verstärkt als eigenständiger Typus von Kultureinrichtung profilieren (Leitbildentwicklung) und ihren konzeptionellen Ansatz in einem gemeinsamen Marketingkonzept transportieren.

Das Publikum sowie die mediale Öffentlichkeit und vermutlich selbst die Kulturpolitik nehmen den konzeptionellen Ansatz soziokultureller Zentren kaum wahr, sondern registrieren das soziokulturelle Programm als Vielfalt der Einzelaktivitäten. Daher sollte die Soziokultur ihre inhaltlich-konzeptionellen Grundlagen verstärkt kommunizieren. Beispielsweise könnte ein eigenes Ticket- oder Vorverkaufssystem, ein Gesamtprogramm oder eine eigene kontinuierlich erscheinende Programmzeitschrift dazu beitragen, dass der konzeptionell-programmatische Ansatz und eigenständige Charakter des Leistungsprofils in der Öffentlichkeit vermittelt wird. Auch regional ausgerichtete, thematisch orientierte „Tourneeprogramme“ bieten sich als ein Marketinginstrument an, um die Vielfalt und inhaltliche Schwerpunktsetzung soziokultureller Einrichtungen zu transportieren. Wenn ‚erklärungsbedürftige Dienstleistungen’ erfolgreich kommuniziert werden, kann auch eine Steigerung der Effizienz und wirtschaftlichen Leistungskraft erzielt werden.

4. Kooperation

  • NRW ist durch die große Vielfalt kultureller Milieus gekennzeichnet. Die Vernetzung soziokultureller Ansätze sollte als Kernaufgabe kommunaler Kulturpolitik betrachtet und gefördert werden.

Das Netzwerk der soziokulturellen Zentren ist durch effektive Kooperation gekennzeichnet, während die kooperative Zusammenarbeit mit der kommunaler Kulturverwaltung- und Kulturpolitik sowie mit den kommunal verantworteten Kulturinstitutionen nach wie vor eher eine Ausnahme ist. Die Zusammenarbeit sollte verstärkt – und auch mit regionaler Dimension – als Aufgabe der kommunalen Kulturpolitik begriffen werden. Gerade weil sich das Kulturprofil in NRW aus vielfältigen kulturellen Milieus zusammensetzt, ist hier das kreative Zusammenspiel aller Beteiligten gefordert.


Diese Seite ist ein Teil der Homepage soziokultur-nrw der Landesarbeitsgemeinschaft Soziokultureller Zentren in Nordrhein Westfalen.