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Soziokulturelle Zentren in Zahlen in NRW

Ergebnisse der Umfrage 1996

von Gerd Spieckermann


Einleitung

Die statistische Erfassung der Situation soziokultureller Zentren in der Bundesrepublik Deutschland, die die Bundesvereinigung sozio-kultureller Zentren in Kooperation mit den Landesarbeitsgemeinschaften im zweijährigen Rhythmus durchführt, hat gegenüber den Anfängen nochmals an Breite gewonnen und sich beim Rücklauf gegenüber der letzten Umfrage auf hohem Niveau gehalten.

Wurden 1992 insgesamt 311 Einrichtungen einbezogen (Beteiligung 53,1%) so waren es für das Jahr 1994 insgesamt 352 und 1996 insgesamt 381 Zentren, von denen sich 64,57% beteiligten. An den steigenden Zahlen kann nicht nur die gewachsene Dichte der soziokulturellen Landschaft abgelesen werden, sondern auch die größere Akzeptanz solcher Untersuchungen seitens der Zentren.

Die Repräsentativität der Ergebnisse erscheint aufgrund der hohen Beteiligung gewährleistet, auch wenn es, speziell bezogen auf die ostdeutschen Bundesländer, Schwächen zu verzeichnen sind: da in Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern keine Landesverbände der Bundesvereinigung existieren und die LAG Thüringen aus internen Gründen nicht der Lage war, die statistische Erhebung durchzuführen, liegen aus diesen drei Bundesländern keinerlei Daten vor (von den Westländern fehlt nur das Saarland). Dieser Mangel kann auch durch die überdurchschnittlich hohe Beteiligung in Sachsen und Brandenburg (75% bzw. 71%) nicht vollständig ausgeglichen werden.

Tabelle 1: Beteiligung nach Bundesländern

19941996
Land/ EingangVersandtJaNein%VersandtJaNein%
Baden-Württemberg47242351,0651272452,94
Bayern1410471,432191242,86
Berlin63350,0075271,43
Brandenburg137653,85
Bremen1741323,53127558,33
Hamburg2217577,271716194,12
Hessen2213959,0923101343,48
Niedersachsen46331371,1747371078,72
Nordrhein-Westfalen5150198,0458481082,76
Rheinland-Pfalz107370,00138561,54
Schleswig-Holstein2217577,272318578,26
Brandenburg137653,8586275,00
Sachsen45242153,3377552271,43
Thüringen24121250,00240240,00
Gesamt35222812464,7838124613564,57


Personal

Die Personalsituation soziokultureller Zentren bundesweit hat sich von 1994 auf 1996 leicht verbessert. Die Zahl der MitarbeiterInnen ist absolut um insgesamt rd. 18,5% angestiegen. Dabei schlägt sich der Beschäftigungszuwachs v.a. im Bereich von Aushilfs- und Honorartätigkeiten nieder. Aber auch die hauptamtlichen, sozialversicherungspflichtigen Beschäftigungsverhältnisse nahmen zu: unbefristete Stellen um knapp 20%, befristete um 16,7%, dagegen ist die Zahl der Ehrenamtlichen leicht rückläufig, 2,1% weniger als noch 1994.

In Nordrhein-Westfalen sehen die Zahlen etwas anders aus, wobei hier zu vermerken ist, daß nicht alle Zentren, die sich 1994 an der Umfrage beteiligt hatten, auch in 1996 dabei waren, während andere Zentren dazugekommen sind. Ohne die Gastronomie gab es einen Rückgang der Mitarbeiterinnen, mit Gastronomie gab es einen Anstieg. Dabei schlägt sich der Beschäftigungszuwachs v.a. im Bereich von Aushilfs- und Honorartätigkeiten nieder, während die hauptamtlichen, sozialversicherungspflichtigen Beschäftigungsverhältnisse leicht rückläufig waren: unbefristete Stellen blieben in der Größenordung, befristete sanken um ca. 20%, dagegen ist die Zahl der Ehrenamtlichen wieder leicht gestiegen: 13,5% mehr als noch 1994.

Grafik 1: MitarbeiterInnen 1996

1.780 MitarbeiterInnen
in soziokulturellen Zentren 1996 (schwarz, n = 48)

Grafik 2:MitarbeiterInnen 1996 und 1994 nach Status ohne Ehrenamtliche

1.192 bezahlte MitarbeiterInnen
in soziokulturellen Zentren 1996 (schwarz, n = 48)

- 1.056 MitarbeiterInnen 1994 (grau, n = 45)

Grafik 3: MitarbeiterInnen 1996 und 1994 nach Status mit Ehrenamtlichen

1.780 MitarbeiterInnen
in soziokulturellen Zentren 1996 (schwarz, n = 48)

- 1.574 MitarbeiterInnen 1994 (grau, n = 45)

Die Personalsituation der Zentren, die in der Vergangenheit häufig als strukturelle Schwäche beschrieben wurde, ist durch den deutlichen Anstieg der nicht sozialversicherungspflichtigen Beschäftigungsverhältnisse gekennzeichnet, so daß der Nachholbedarf, den die Soziokultur gerade im personellen Bereich hat, noch längst nicht befriedigt ist.

Auf Qualität und Kontinuität konzentrierte Kulturarbeit braucht ganz besonders einen Stamm von festen MitarbeiterInnen - unter diesem Aspekt kann die Beschäftigungssituation der soziokulturellen Zentren längst noch nicht als ausreichend angesehen werden. Denn gerade einmal 25% aller MitarbeiterInnen sind sozialversicherungspflichtig beschäftigt, davon 15% mit unbefristeten Arbeitsverträgen; knapp 40% der Hauptamtlichen sind Teilzeitbeschäftigte.

Die große Abhängigkeit von ehrenamtlicher Tätigkeit und speziell von prekären Beschäftigungsverhältnissen bleibt bestehen.

Dies wird besonders deutlich, wenn man nur die bezahlten MitarbeiterInnen betrachtet - hier hat sich das Verhältnis zwischen Haupt- und Nebenamtlichen in zwei Jahren um 6,63% verschlechtert.

Tabelle 2: Personalstruktur in %

NRWBundesweit
19941996Diff.19941996Diff.
unbefristete Mitarbeit.22,0621,73-0,33 24,2020,00-4,20
befristete Mitarbeit.21,4015,10-6,30 24,4019,70-4,70
Aushilfen52,2759,14+6,87 48,1058,10+10,00
Zivildienstl.4,264,03-0,23 3,402,30 -1,10

Grafik 4: Verhältnis Vollzeit/Teilzeitstellen

Verhältnis von 374 Vollzeit/ Teilzeit-Stellen
bei Hauptamtlichen MitarbeiterInnen in soziokulturellen Zentren 1996 (n=48)

Grafik 5: Verteilung der Hauptamtlichen nach Geschlecht


Verteilung der hauptamtlichen Personalstellen
in soziokulturellen Zentren nach Geschlecht 1996 (n = 48)


BesucherInnen

Soziokulturelle Zentren haben ihre Aktivitäten im Jahr 1996 noch einmal erweitert und in über 6951 (bundesweit 1996 = 55.000 und 1994 = 44.000) Veranstaltungen, Kursen und Workshops, projektorientierten und offenen Angeboten sowie im gastronomischen Bereich insgesamt 2,9 Millionen Menschen (bundesweit 11,9 Millionen ) erreicht, was einem bereinigten Zuwachs von 8,4 % oder 233.000 BesucherInnen (bundesweit 2,35% oder 250.000 BesucherInnen) entspricht. Die folgende Grafiken verdeutlicht die Verteilung der NutzerInnen auf die einzelnen Arbeitsbereiche der Zentren:

Grafik 6: BesucherInnen 1996

BesucherInnen in soziokulturellen Zentren 1996 (n = 48)
Gesamt 2.930.930 (1994 = 2.704.052)

Grafik 7: BesucherInnen 1996 im Vergleich zu 1994

BesucherInnen in soziokulturellen Zentren 1996 (n = 48)
Veränderungen nach Bereich zu 1994

Gegenüber 1994 fällt auf, daß bis auf die Veranstaltungen alle Bereiche Besucher-Rückgänge verzeichnen: Kurse u.ä. _ 2,13% (bundesweit -12,8%); Offene Angebote _ 1,24% (bundesweit -4,0%) und Gastronomie _ 4,29% (bundesweit -14,8%), obwohl die Anzahl der Angebote konstant geblieben, bzw. sogar leicht angestiegen ist. Der Besucher-Zuwachs im Veranstaltungsbereich, der bei 7,66% (bundesweit bei 26,3%) liegt, geht zumindest teilweise auch auf eine gestiegene Anzahl von Veranstaltungen zurück: 13,9% (bundesweit +13,9%). Die Schwerpunkte im Veranstaltungsbereich liegen, wie die nachfolgende Grafik zeigt, bei Konzerten, Theater und Kinoaufführungen, Disco- und den Fremdveranstaltungen sowie bei Festen u.ä.

Grafik 8: Anzahl der Veranstaltungen im Vergleich zu 1994

Anzahl Veranstaltungen - Veränderungen zu 1994 nach Bereichen/ Sparten (n = 48)

Grafik 9 Anzahl und BesucherInnen der Veranstaltungen 1996

6.951 Veranstaltungen (Anzahl und BesucherInnen) in soziokulturellen Zentren 1996 (n = 48)

Grafik 10 BesucherInnen der Veranstaltungen im Vergleich zu 1994

BesucherInnen Veranstaltungen - Veränderungen zu 1994 nach Bereichen/ Sparten (n = 48)

Die Altersstruktur der BesucherInnen soziokultureller Zentren hat sich 1996 leicht verändert. Der Schwerpunkt liegt nach wie vor in der Altersgruppe zwischen 21 und 40 Jahren, auch wenn ihr Anteil leicht abgenommen hat (bundesweit rd. 3,7%), aber in Nrodrhein-Westfalen weiterhin über bei über 50% liegt. Entsprechende Zuwächse sind in der Altersgruppe 41 - 60 Jahre (bundesweit 2,36%) und in der Gruppe über 60 Jahre (bundesweit 1,25%) zu verzeichnen.

Tabelle 3: Altersstruktur der BesucherInnen

< 6 Jahre3,96%
6 - 14 Jahre11,07%
15 - 20 Jahre17,09%
21 - 30 Jahre26,35%
31 - 40 Jahre22,76%
41 - 60 Jahre13,63%
> 60 Jahre5,14%

Grafik 11 Alterstruktur der BesucherInnen


Einnahmen

Der Einbruch der öffentlichen Förderung kann auch nicht durch die nochmals gesteigerte Eigenfinanzierung der Zentren aufgefangen werden, obwohl sie inzwischen 23,2 Millionen (bundesweit 72 Millionen DM) durch Gastronomie, Eintritte und Kursgebühren einnehmen.

Die folgende Tabelle zeigt die anteilsmäßige Zusammensetzung der Haushalte und verdeutlicht insbesondere die Verschiebung im Bereich der öffentlichen Förderung.

Den untersuchten 48 (bundesweit 246) soziokulturellen Zentren standen 1996 insgesamt 45,9 Millionen DM (bundesweit 172 Millionen DM) zur Finanzierung ihrer Arbeit zur Verfügung.

Während bundesweit erstmals die Einnahmen der Zentren real sanken und zwar um 5,35% im Vergleich zu 1994, obwohl die Eigenerwirtschaftung sich um 18,55% und sogar die Sponsorengelder um 15,23% angestiegen sind, gab es in NRW einen anderen Trend: Die Einnahmen stiegen im Vergleich zu 1994 um 4,3 Mio. DM, Sponsoring hat sich verdoppelt (bleibt aber auf gleich niedrigen Niveau von unter 1%) und der Eigenanteil stieg ebenfalls kräftig.

Die Zusammensetzung der Einnahmen der Zentren im Detail zeigt die untenstehende Grafik 12.

Ursache für das veränderte Haushaltsvolumen ist der Rückgang der öffentlichen Förderung in einer Größenordnung von 8,28%. Dabei sind zwei gegenläufige Entwicklungen zu beobachten: Während die institutionelle Förderung durch die öffentliche Hand nur geringfügig um 0,62% sank, sanken die zweckgebundenen Zuschüsse für Pesonal und Projekte um 7,67%. Die drastischen Änderungen, wenn die Zuschüsse für investive und Baumaßnahmen einbezogen werden, sieht man in der Tabelle 4.

Tabelle 4: Einnahmenstruktur NRW

ohne Bauohne Bau
1994199419961996
Institutionelle Förderung29,0220,1928,4028,01
Personal- und Projekt-Förderung26,6618,5519,3919,13
Bau- und Investitionsförderung0,0031,370,001,38
Sponsoring0,620,431,061,04
Eigenerwirtsch.42,3329,4551,1550,44

Tabelle 5: Einnahmenstruktur bundesweit

19941996
Institutionelle Förderung26,3332,15
Personal- und Projekt-Förderung18,9719,27
Bau- und Investitionsförderung20,545,82
Sponsoring0,670,81
Eigenerwirt.33,4941,94

Grafik 12: Einnahmen soziokultureller Zentren

Einnahmen soziokultureller Zentren 1996 (n = 48) - Gesamteinnahmen 45.957.691,08 DM


Ausgaben

Den größten Kostenfaktor in soziokulturellen Zentren stellten auch 1996 die Personalkosten dar, die insgesamt fast die Hälfte aller Ausgaben umfaßten. Weitere wichtige Ausgabepositionen sind die Kosten für Veranstaltungen (Gagen, Nebenkosten) und Betriebskosten (Mieten, Energie, Versicherungen u.ä.).

Vergleicht man die 96er Kostenstruktur mit der von 1994 wird deutlich, daß die Zentren offenbar verschiedene Maßnahmen ergriffen haben, um Kosten zu reduzieren. Ein Indiz dafür ist z.B., daß die Anzahl der bezahlten MitarbeiterInnen, wie weiter oben ausgeführt, um 12,88% (bundesweit um 45%) gestiegen ist, der Anstieg der Personalkosten im gleichen Zeitraum jedoch nur 5,98% (bundesweit 31,8%) beträgt.

Grafik 13: Ausgaben soziokultureller Zentren

Ausgaben soziokultureller Zentren 1996 (n=48) - Gesamtausgaben 44.592.099,49 DM


Fazit

Soziokulturelle Zentren erfreuen sich nach wie vor der Gunst des Publikums. Die Akzeptanz eines differenzierten Programms kann an weiter wachsenden BesucherInnenzahlen abgelesen werden, allerdings sollten auch negative Trends, wie z.B. der BesucherInnen-Rückgang im Bereich von Kursen, Workshops, Gruppentreffs u.a. sowie in den offenen Angebotsfeldern und der Projektarbeit aufmerksam beobachtet werden.

Ein reduziertes Kursangebot bei gleichzeitig erhöhtem Veranstaltungsangebot ist sicher auch ein Ergebnis des wachsenden ökonomischen Drucks. Allerdings muß die Entwicklung im Finanzbereich sehr differenziert betrachtet werden, da es sowohl positive als auch negative Veränderungen gibt. Schlecht ist, daß sich das Gesamtvolumen der öffentlichen Förderung insgesamt deutlich verringert hat. Speziell auch die drastischen Einsparungen im investiven Bereich sind wenig zukunftsfähig. Hier ist der Schritt der Landesregierung von Nordrhein-Westfalen, mit einem Fördervolumen von 5,5 mio. DM in den Jahren 1998 und 1999 zur Moderniseirugn der soziokulturellen zentren ein wichitger und löängst notwendiger Schritt gewesen.

Die verbesserten Strukturen der öffentlichen Förderung dagegen, d.h. zumindest die stabilen institutionellen Zuschüsse sind ein Schritt in die richtige Richtung. Dies festzuhalten ist selbst dann noch von Bedeutung, wenn darauf hingewiesen werden muß, daß die verbindlichen und meist längerfristig gesicherten Leistungen der öffentlichen Hand gerade einmal 34,6% der notwendigen Ausgaben der Zentren abdecken.

Bei der Vorstellung der Untersuchungsergebnisse für das Jahr 1994 wurde mit Hinweis auf die grundsätzliche Gleichrangigkeit der Soziokultur mit anderen Kulturinstituten in förderungspolitischer Hinsicht als Anfang gefordert: 10,— DM Förderung je Besuch in einem Zentrum! 1996 waren es durchschnittlich 7,39 DM (bundesweit 7,43 DM), was immerhin im Laufe von zwei Jahren einer Steigerung um 0,74 DM (bundesweit 0,61 DM) entspricht! Die gleichen prozentualen Steigerungen vorausgesetzt, haben die heutigen Akteure der Soziokultur gute Chancen, das Durchbrechen der Schallmauer von DM 10,— im Jahr 2004 noch mitzuerleben. Zum Vergleich: die Theater in öffentlicher Trägerschaft wurden in der Spielzeit 1995/96 mit 166,— DM je Besuch gefördert.

Grafik 14 Förderung je BesucherIn

Öffentliche Förderung je BesucherIn in soziokulturellen Zentren in Nordrhein Westfalen 1996 (n = 48)


Diese Seite ist ein Teil der Homepage soziokultur-nrw der Landesarbeitsgemeinschaft Soziokultureller Zentren in Nordrhein Westfalen.