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Soziokulturelle Zentren in Zahlen in NRW

Ergebnisse der Umfrage für das Jahr 1998

von thomas molck und Rainer Bode


Ergebnisse im Überblick

Die Ergebnisse im Einzelnen
Einleitung
Allgemeines
MitarbeiterInnen
BesucherInnen und Angebote
Einnahmen
Ausgaben

Anhang: Tabellarische Auswertungen


Die Ergebnisse im Überblick

Die Ergebnisse der Befragung im Jahre 1998 betätigen den festen Platz, den die Soziokultur in der nordrhein-westfälischen Kulturlandschaft eingenommen hat. Das Angebot der Zentren erfreut sich einer deutlich wachsenden Gunst des Publikums. Der Besuch von Kulturveranstaltungen ist 1998 deutlich gestiegen, die Beteiligung an offenen Angebote sowie Kursen, Gruppenangeboten und ähnlichen, die von 1994 bis 1996 noch leicht zurückgegangen war, blieb 1998 konstant. Damit wird der steigende Bedarf eines differenzierten Kulturangebotes, wie es die soziokulturellen Zentren bieten, deutlich.

Auch die Anzahl der Arbeitsstellen in soziokulturellen Zentren ist 1998 wieder beträchtlich gestiegen. Dies bestätigt sowohl den wichtigen Beitrag der Soziokultur zur Kulturwirtschaft als auch zum Arbeitsmarkt in Nordrhein Westfalen.

Dabei dürfen die Augen jedoch vor Veränderungen in der MitarbeiterInnenstruktur und der inhaltlichen Arbeit der Zentren, die vor allem der tendenziell sinkenden öffentlichen Förderung geschuldet sind, nicht verschlossen werden. Im Grunde bestätigt die Befragung, dass die Zentren mit immer weniger Fördergeldern immer mehr machen! Dies führt allerdings auch immer mehr zu problematischen Entwicklungen.

Die Zentren sind gezwungen, mehr in "gewinnbringende" Kultur zu investieren um ihre Existenz zu sichern. Nicht umsonst nehmen die Veranstaltungs- und BesucherInnenzahlen vor allem im Bereich von Musik- und Discoveranstaltungen sowie in der Gastronomie zu. Die Zentren sind mit dieser Strategie des Ausgleichs der mangelnden öffentlichen Förderung relativ erfolgreich, was an der Steigerung der selbst erwirtschafteten Einnahmen deutlich wird.

Aber die Zentren sind im Bezug auf die Steigerungsmöglichkeiten der selbst erwirtschafteten Mittel an eine Schmerzgrenze gekommen. Die Spielräume in dieser Richtung sind ausgeschöpft. Ohne eine deutliche Verbesserung der öffentlichen Förderung ist die Aufrechterhaltung des differenzierten und erfolgreichen soziokulturellen Angebotes der Zentren in Gefahr. Schon jetzt führen die sinkenden öffentlichen Zuschüsse zu Abstrichen in der soziokulturellen Arbeit.

In verschiedenen Sparten bieten die soziokulturellen Zentren eine kulturelle Vielfalt, die ohne öffentliche Zuschüsse nicht möglich ist. Im Bereichen wie Tanz, Lesung, Ausstellung und Diskussion werden zum Beispiel relativ viele Veranstaltungen angeboten, auch wenn hier nicht immer hohe BesucherInnenzahlen erreicht werden können. Ähnliches gilt für die Kinoprogramme in soziokulturellen Zentren die sich teilweise weniger am Mainstream orientieren und so ebenfalls viele Vorführungen für relativ wenig BesucherInnen bieten. Auch diese Funktion soziokultureller Zentren, ein breites kulturelles Angebot auch in weniger profitablen Sparten aufrechtzuerhalten, ist in der momentanen finanziellen Situation gefährdert.

Die Verschiebung der Förderstruktur zu weniger institutioneller Förderung und mehr projekt- und zweckgebundener Förderung sowie die erheblichen Schwankungen bei der Förderung insgesamt zwingen die Zentren zur Vorsicht und tendenziell zum Abbau bei unbefristeten Stellen. Am ehesten werden in dieser Situation neue befristete und nicht sozialversicherungspflichtige Stellen geschaffen. Diese arbeitsmarktpolitisch bedenkliche Entwicklung ist nur veränderbar, wenn es einen Ausbau und eine Stabilisierung der institutionellen Förderung gibt.

Insgesamt gefährdet die unzureichende und schwankende Förderung der Zentren in Nordrhein Westfalen die soziokulturelle Arbeit. Bei der Vorstellung der Untersuchungsergebnisse für das Jahr 1994 wurde mit Hinweis auf die grundsätzliche Gleichrangigkeit der Soziokultur mit anderen Kulturinstituten in förderungspolitischer Hinsicht als Anfang gefordert die Soziokulturellen Zentren mit 10,- DM je BesucherIn in einem Zentrum zu fördern. Angesichts einer Förderung öffentlicher Theater in der Größenordnung von 80,- DM bis 250,- DM je BesucherIn eine eher bescheidene Forderung. Tatsächlich ist die Förderung pro BesucherIn (ohne Förderung von Baumaßnahmen und Investitionen) von 1996 bis 1998 von 7,39 DM auf 5,72 DM zurückgegangen. Hier besteht dringender Handlungsbedarf!

Die Ergebnisse im Einzelnen

Einleitung

Die Grundlage dieser Untersuchung ist die Befragung zur statistischen Erfassung der Situation soziokultureller Zentren in NRW (und in der Bundesrepublik Deutschland), die die Bundesvereinigung sozio-kultureller Zentren e.V. im Jahr 1999 in Kooperation mit der Landesarbeitsgemeinschaft soziokultureller Zentren in NRW (LAG NW) zum dritten mal durchgeführt hat. Die Befagungen erfolgten im zweijährigen Rhythmus. Diese Befragung bezieht sich in allen Daten auf das Jahr 1998.

In NRW beteiligten sich 52 Zentren an der Befragung wovon 48 Mitglied in der LAG NW sind. Die Befragung hat sich damit beim Rücklauf gegenüber der letzten Umfrage auf hohem Niveau gehalten. Die Repräsentativität der Ergebnisse ist aufgrund dieser Beteiligung von 78,8% gewährleistet.

Zusätzlich zum Ergebnis der Befragung dieser 52 Zentren haben wurde in einigen Auswertungen eine Hochrechnung auf 66 Zentren vorgenommen. Die Ergebnisse dieser Hochrechnung beruhen auf Schätzungen der Einnahmen und Ausgaben der 14 Mitgliedszentren der LAG NW, die sich nicht beteiligt haben und einzelner Bereiche, in denen die befragten Zentren keine Angaben gemacht haben. Die Hochrechnung der Ausgaben beruht auf der Ausgabenschätzung, alle andere Hochrechnungen beruhen auf der Einnahmenschätzung, da nach unserer Erfahrung die Einnahmen der Zentren den besten Index für den Umfang in anderen Bereichen wie z.B. MitarbeiterInnen oder Veranstaltungen bieten.

Die Ergebnisse der Hochrechnung beziehen also alle 62 Mitglieder der LAG NW und die vier Zentren, die sich an der Befragung beteiligt haben ohne Mitglied der LAG NW zu sein, ein und geben damit ein realistisches Bild über soziokulturelle Zentren in NRW.

 

Allgemeines

Die befragten 52 Zentren in Nordrhein Westfalen wurden zwischen 1969 und 2000 eröffnet. Allerdings hatten nicht alle Zentren-Initiativen schon bei ihrer Gründung eigene Räume. Die Vorlaufphase bis zur Eröffnung der Räume dauerte durchschnittlich 4 Jahre. Ein Zentrum hatte auch im Bezugsjahr 1998 noch keine eigenen Räume sondern konnte diese erst im Jahr 2000 eröffnen. Drei der befragten Zentren bestehen bereits über 25 Jahre und weitere acht bestehen über 20 Jahre. Der größere Teil der Zentren wurde allerdings nach 1980 eröffnet. In den letzten Jahren nahm die Zahl der Eröffnungen ab.

Die Träger der Zentren in Nordrhein Westfalen sind in den meisten Fällen eingetragene Vereine. Nur zwei Zentren haben sich die Rechtsform einer GmbH gegeben. 29 Zentren, dass sind mit 56% mehr als die Hälfte der Befragten, sind anerkannte Träger der freien Jugendhilfe.

Nur zwei Zentren in Nordrhein Westfalen sind Eigentümer ihrer Räume. Bei knapp zwei Dritteln der Zentren ist die Eigentümerin die Kommune, bei den anderen sind es in der Regel private Vermieter. Den Zentren steht eine sehr unterschiedliche Raumnutzungsfläche von 100 qm beim Kleinsten bis zu 7.713 qm beim Größten zur Verfügung. Mit 40 Zentren verfügen mehr als drei Vierteln der Befragten über Aussenanlagen für Veranstaltungen. Zusätzlich stiegt die Nutzung fremder Räumlichkeiten ausserhalb des eigenen Hauses seit 1996 von 18 auf 23 Zentren, womit 1998 bei fast der Hälfte der Befragten die eigenen Räume nicht mehr ausgereicht haben.






Eröffnung

ABBILDUNG 1
Anzahl der Zentreneröffnungen



Räume

ABBILDUNG 2
Eigentümer der Räumlichkeiten


 

MitarbeiterInnen

1998 gab es in den 66 hochgerechneten Zentren in Nordrhein Westfalen insgesamt 2.711 MitarbeiterInnen (2.332 MitarbeiterInnen in den 52 befragten Zentren).

Ohne die MitarbeiterInnen in der Gastronomie haben etwa die Hälfte der MitarbeiterInnen befristete Stellen (sozialversicherungspflichtige befristete Stellen und Aushilfen), ein Drittel arbeitet ehrenamtlich und nur 15% der MitarbeiterInnen haben unbefristete Stellen. Hier wird zum einen der nach wie vor hohe Stellenwert der Ehrenamtlichkeit in der Soziokultur deutlich, zum anderen aber auch die tendezielle Unsicherheit der bezahlten Arbeitsstellen. Diese Unsicherheit wird noch dadurch verschärft, dass nur ein Drittel aller MitarbeiterInnen sozialversicherungspflichtig beschäftigt sind.

Werden die Stellen im Bereich der Gastronomie mit einbezogen, so fällt der Anteil der Ehrenamtlichen, die sich eher in der inhaltlichen soziokulturellen Arbeit als in der Kneipe engagieren. Der Anteil der Aushilfen hingegen steigt auf fast die Hälfte.


  ohne Gastronomie Hochrechnung auf 66 Zentren mit Gastronomie Hochrechnung auf 66 Zentren
Unbefristet Sozialversicherungs-
pflichtige Beschäftigte
223 259 340 395
Befristet Sozialversicherungs-
pflichtige Beschäftigte
255 296 271 315
Aushilfen u.ä. 442 514 1.112 1.293
Zivildienstleistende 41 48 41 48
Ehrenamtliche 481 559 568 660
Insgesamt 1.442 1.676 2.332 2.711

TABELLE 1
MitarbeiterInnen in soziokulturellen Zentren in NRW 1998



Insgesamt hat sich die Anzahl der MitarbeiterInnen in Nordrhein Westfalen 1998 wieder gesteigert. Es gibt eine Steigerung der Mitarbeiterzahlen in allen Bereichen ausser bei den Zivildienstleistenden und den Ehrenamtlichen, aber bei den unbefristet Beschäftigten ausserhalb der Gastronomie ist die Steigerung sehr viel geringer. Insgesamt gibt es die größte Steigerungsrate bei den Aushilfen. Die Steigerungsraten sind natürlich auch auf die Steigerung der Beteiligung an der Befragung zurückzuführen. Aber auch eine Auswertung der durchschnittlichen Steigerung der Zahlen pro Zentrum ergab keine signifikant geringere Steigerungsrate.


  ohne Gastronomie mit Gastronomie
1994 1996 1998 1994 1996 1998
Unbefristet Sozialversicherungspflichtige Beschäftigte 207 203 223 233 259 340
Befristet Sozialversicherungspflichtige Beschäftigte 218 171 255 226 180 271
Aushilfen u.ä. 309 246 442 552 705 1.112
Zivildienstleistende 45 48 41 45 48 41
Ehrenamtliche 437 505 481 518 588 568
Insgesamt 1.216 1.173 1.442 1.574 1.780 2.332
Summe ohne Ehrenamtliche 779 668 961 1.056 1.192 1.764

TABELLE 2
MitarbeiterInnen in soziokulturellen Zentren in NRW 1994 bis 1998



Das die Steigerung der unbefristet Beschäftigten sehr viel geringer ist, hängt sicherlich mit der unsicheren Fördersituation zusammen die unten noch näher erörtert wird. Große Schwankungen im Bereich der institutionellen Förderung führen zu größerer Vorsicht bei der Einrichtung unbefristeter sozialversicherungspflichtiger Stellen. In einzelnen Zentren werden solche Stellen gar nicht mehr eingerichtet.

In dieser unsicheren Fördersituation ist die Gastronomie in vielen Zentren in Nordrhein Westfalen von existenzieller Bedeutung, was die höheren Steigerungsraten bei den MitarbeiterInnen incl. der Gastronomie erklärt.

Die hohe Anzahl der Ehrenamtlichen widerspiegelt den nach wie vor hohen Stellenwert der ehrenamtlichen Arbeit im Kernbetrieb der Zentren. Ungezählt sind dabei die zahlreichen Gruppen und Initiativen die in den Zentren arbeiten, teiweise Büros unterhalten und Veranstaltungen durchführen.








MitarbeiterInnen

ABBILDUNG 3
MitarbeiterInnen ohne Gastronomie



MitarbeiterInnen

ABBILDUNG 4
MitarbeiterInnen mit Gastronomie






MitarbeiterInnenentwicklung

ABBILDUNG 5
MitarbeiterInnenentwicklung 1994 bis 1998



In den soziokulturellen Zentren in Nordrhein Westfalen arbeiten mehr Frauen als Männer. In den befragten Zentren ist das Verhältnis von Frauen zu Männern 1.258 zu 1.033, hochgerechnet auf 66 Zentren sind das 1.463 Frauen und 1.201 Männer. Dabei zeigt die Differenzierung in die einzelnen Beschäftigungsbereiche, das bei den meisten Stellen das Verhältnis zwischen Frauen und Männern relativ ausgeglichen ist. Lediglich im Bereich der Aushilfen arbeiten deutlich mehr Frauen als Männer.

Nach wie vor arbeiten in Soziokulturellen Zentren in Nordrhein Westfalen die sozialversicherungspflichtig beschäftigten MitarbeiterInnen mit sehr vielfältigen Arbeitszeitregelungen. Dabei ist allerdings von 1996 bis 1998 der Anteil der Vollzeitstellen von 62% auf 53% zurückgegangen und der Teilzeitstellen hat sich von 38% auf 47% erhöht.

Der relativ hohe Anteil von Teilzeitstellen entspricht auf der einen Seite veränderten Anforderungen der MitarbeiterInnen soziokultureller Zentren an ihre Arbeitsorganisation aber auf der anderen Seite teilweise auch ökonomischen Zwängen aufgrund einer unzureichenden öffentlichen Förderung.

In der geschlechtsspezifischen Verteilung fällt auf, dass mehr Männer als Frauen Vollzeitstellen besetzen und mehr Frauen als Männer Teilzeitstellen aller Art besetzen.

MitarbeiterInnengeschlecht

ABBILDUNG 6
MitarbeiterInnen nach Geschlecht



Teilzeit

ABBILDUNG 7
Arbeitszeit der sozialversicherungspflichtig beschäftigten MitarbeiterInnen nach Geschlecht





 

BesucherInnen und Angebote

1998 gab es eine erhebliche Steigerung der BesucherInnen um ein Drittel der BesucherInnen von 1996. Besuchten 1996 insgesamt 2,93 Millionen Menschen soziokulturelle Zentren in Nordrhein Westfalen, so waren es 1998 insgesamt 4,05 Mio in den befragten Zentren. Hochgerechnet auf 66 Zentren gab es 1998 4,71 Millionen BesucherInnen.

Im Veranstaltungsbereich setzt sich die Steigerung der BesucherInnenzahlen von 1994 bis 1996 auch 1998 fort. Einen deutlichen Anstieg gab es hier vor allem bei den Konzerten und Discos.

Nach einem Rückgang der BesucherInnenzahlen von 1994 bis 1996 gab es 1998 die größte Steigerung der BesucherInnenzahlen in der Gastronomie. Sie wurde 1998 von mehr als doppelt so vielen Menschen besucht wurde wie 1996. Diese Entwicklung korrespondiert mit der MitarbeiterInnen- und der Einnahmenentwicklung in der Gastronomie.

Die Beteiligung an offenen Angebote sowie Kursen, Gruppenangeboten und ähnlichen blieb seit 1994 relativ konstant.

Bei den beschriebenen Entwicklungen ergab ein Vergleich der Veränderungen nach absoluten Zahlen und nach dem Mittelwert der BesucherInnen je befragten Zentrum keine signifikanten Unterschiede. Daher können die Entwicklungen unabhängig von den leicht differierenden Beteiligungen an den Befragungen als allgemeine Tendenzen betrachtet werden.

  Ergebnis der Befragung Hochrechnung auf 66 Zentren
Anzahl BesucherInnen Anzahl BesucherInnen
Veranstaltungen Musik 1.543 257.244 1.794 299.079
Theater 1.245 170.062 1.447 197.719
Tanz 130 21.976 151 25.550
Kino 1.396 40.967 1.623 47.629
Lesungen 208 9.441 242 10.976
Ausstellung 198 37.910 230 44.075
Diskussion 496 22.399 577 26.042
Disco 1.434 525.979 1.667 611.517
Feste 195 227.981 227 265.057
Sonstige 1.026 116.516 1.193 135.465
Fremdveranstaltungen 648 61.394 753 71.378
Summe 8519 1.491.869 9.904 1.734.487
Gastronomie Summe   1.710.072   1.988.176
Kurse, Gruppen, ... Kursangebote 34.788 385.424 40.445 448.104
Gruppentreffen 22.386 233.844 26.027 271.873
Beratungsangebote 8.788 27.976 10.217 32.526
Sonstiges 5.044 38.012 5.864 44.194
Summe 71.006 685.256 82.553 796.697
Offene Angebote Summe   164.008   190.680
  Gesamtsumme 79.525 4.051.205 92.458 4.710.040

TABELLE 3
Anzahl der Veranstaltungen und BesucherInnen der soziokulturellen Zentren in Nordrhein Westfalen 1998










BesucherInnen

ABBILDUNG 8
BesucherInnenentwicklung 1994 bis 1998



Wenig Veränderungen gab es in der Altersstruktur der BesucherInnen seit 1994. Jeweils in etwa ein Viertel der BesucherInnen gehörte 1998 zur Gruppe der unter 20-jährigen, der 21- bis 30-jährigen, der 31- bis 40-jährigen oder der über 41-jährigen. Damit kann davon ausgegangen werden, dass knapp die Hälfte aller BesucherInnen weiterhin jünger als 27 Jahre ist.

Nach wie vor gibt es zielgruppenspezifische Angebote für Kinder, Jugendliche, Frauen, Männer, SeniorInnen, ImmigrantInnen, Behinderte und andere spezielle Zielgruppen in allen Zentren wobei einige Zentren ihr Zielgruppenspektrum nochmals erweitert haben. Spezifische Angebote für Kinder, Jugendliche und Frauen gibt es etwa in zwei Dritteln der Zentren, Angebote für weitere Zielgruppen in einem Drittel.

Spezifische Angebote gibt es für
Kinder in 69% der Zentren
Jugendliche in 71% der Zentren
Frauen in 67% der Zentren
Männer in 33% der Zentren
SeniorInnen in 38% der Zentren
ImmigrantInnen in 33% der Zentren
Behinderte in 31% der Zentren
Sonstige in 4% der Zentren

TABELLE 4
Zielgruppenspezifische Angebote in soziokulturellen Zentren in Nordrhein Westfalen



1998 traten in den 66 hochgerechneten Zentren in Nordrhein Westfalen insgesamt 16.580 KünstlerInnen auf (14.261 in den 52 befragten Zentren). Die Hälfte der KünstlerInnen traten im Bereicht Musik auf, etwa ein Viertel im Bereich Theater und Kabarett und ein weiteres Viertel verteilt sich auf andere Bereiche. Von den KünstlerInnen waren etwa ein Drittel Frauen.

Wegen des hohen BesucherInnenanteils, der nur von der Gastronomie noch übertroffen wird, und wegen der Vielfalt des Programmangebotes verdient der Bereich der Veranstaltungen eine differenziertere Betrachtung. In fast allen Sparten gab es von 1994 bis 1998 eine Steigerung der Anzahl und der BesucherInnen der Veranstaltungen und dort wo es Schwankungen gibt sind sie nur geringfügig. Deutliche Schwerpunkte sind in den Sparten Musik, Theater, Kino und Disco zu verzeichnen.

Dabei fällt bei den Kinoveranstaltungen auf, dass bei sehr vielen Veranstaltungen (im Verhältnis zu den anderen Sparten) relativ wenig BesucherInnen zu verzeichnen sind. Dies könnte mit den räumlich oft relativ kleinen Kinos in den soziokulturellen Zentren in Nordrhein Westfalen zusammenhängen, die trotzdem ein umfangreiches Programm bieten.

Auch bei den anderen Sparten mit geringeren BesucherInnenzahlen wie Tanz, Lesung, Ausstellung und Diskussion werden im Verhältnis zu den Sparten mit hohen BesucherInnenzahlen wie Musik, Theater, Disco und Feste mehr Veranstaltungen für weniger BesucherInnen angeboten. Hier wird die weiterhin bestehende Funktion soziokultureller Zentren deutlich, ein breites kulturelles Angebot auch in weniger profitablen Sparten aufrechtzuerhalten.

Bei den BesucherInnenzahlen fallen die 1998 wiederum erheblich gesteigerten Zahlen der DiscobesucherInnen ins Auge. Diese Entwicklung wiederspiegelt sich auch in der Steigerung der selbst erwirtschafteten Einnahmen. Mit einer Steigerung des Discobesuches ist es vielen Zentren teilweise gelungen, die unzureichende öffentliche Förderung der soziokulturellen Arbeit auszugleichen.


BesucherInnenalter

ABBILDUNG 9
Altersstruktur der BesucherInnen



Veranstaltungsanzahl

ABBILDUNG 10
Anzahl der Veranstaltungen in den einzelnen Sparten 1994 bis 1998



VeranstaltungsbesucherInnen

ABBILDUNG 11
BesucherInnen der Veranstaltungen in den einzelnen Sparten 1994 bis 1998





 

Einnahmen

Die soziokulturellen Zentren in Nordrhein Westfalen konnten 1998 wieder eine Steigerung der Einnahmen erziehlen. Die 66 hochgerechneten Zentren erzielten 1998 Einnahmen von 71,63 Millionen DM (61,61 Millionen DM in den 52 befragten Zentren). Trotz der stagnierenden öffentlichen Zuschüsse bei der institutionellen- und der Projektförderung wurde die Erhöhung der Einnahmen vor allem durch eine weitere Steigerung der selbst erwirtschafteten Einnahmen durch Gastronomie, Eintritte und Kursgebühren sowie durch durch die Stadterneuerungsmittel des Landes für die Modernisierung soziokultureller Zentren in Nordrhein-Westfalen möglich.

  1996 (DM) 1998 (DM) ohne Bau- und Investitionskosten Hochrechnung auf 66 Zentren
Eigenerwirtschaftung 23.181.521,26 50% 31.922.243,29 52% 57% 37.113.659,10
Institutionelle Förderung 12.873.837,88 28% 12.500.357,30 20% 22% 14.533.251,79
Zweckgebundene Förderung 8.789.555,73 19% 10.671.173,26 17% 19% 12.406.593,20
Zweckgebundene Förderung für Bau und Investitionen 633.000,00 1% 5.804.600,00 9% - 6.748.584.17
Sponsoring 479.776,21 1% 715.045,21 1% 1% 831.330,80
Summe 45.957.691,08 100% 61.613.419,06 100% 100% 71.633.419,06

TABELLE 5
Einnahmen der soziokulturellen Zentren in Nordrhein Westfalen 1996 und 1998



Während die institutionelle Förderung sogar leicht zurückging gab es eine Steigerung der selbst erwirtschafteten Mittel fast um die Hälfte der Einnahmen von 1996. Eine leichte Steigerung gab es bei zweckgebundenen Zuschüssen (Arbeitsmarktförderung, Projektförderung für Kultur-, Jugend- und Sozialprojekte, Zivildienststellen, ...) und eine deutliche Steigerung bei den zweckgebundenen Zuschüssen für Baumaßnahmen und Investitionen, was auf das Sonderprogramm des Landes für die Modernisierung soziokultureller Zentren in Nordrhein-Westfalen zurückzuführen ist. Sponsoring spielt nach wie vor keine besondere Rolle in der Finanzierung der soziokulturellen Zentren in Nordrhein Westfalen.







Einnahmen

ABBILDUNG 11
Einnahmenstruktur 1998







Da die öffentliche Förderung für die soziokulturelle Arbeit nach wie vor von existenzieller Bedeutung ist, soll sie etwas genauer analysiert werden. Insgesamt ist 1998 die öffentliche Förderung pro Besucherin - nach einem geringfügigen Anstieg 1996 - wieder deutlich gesunken. Die Institutionelle Förderung, also das Geld mit denen die Zentren unabhängig von Projektanträgen, Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen und ähnlichen rechnen können, macht nur 44% der gesamten öffentlichen Förderung und nur ein Fünftel der Gesamteinnahmen aus. Den größten Anteil haben bei der institutionellen Förderung die Kommunen mit 39% der öffentlichen Förderungen und 18% der Gesamteinnahmen. Bei der gesamten öffentlichen Förderung tragen die Kommunen fast die Hälfte.

Institutionelle Kommunale Förderung 39% 11.190.337,30 DM
Institutionelle Landesförderung 5% 1.305.020,00 DM
Institutionelle Sonstige Förderung 0% 5.000,00 DM
Zweckgebundene Kommunale Förderung 9% 2.730.475,00 DM
Zweckgebundene Landesförderung 17% 4.929.050,00 DM
Zweckgebundene Bundesförderung 2% 626.206,63 DM
Zweckgebundene EU-Förderung 1% 295.010,00 DM
Zweckgebundene Arbeitsmarktförderung 26% 7.447.765,63 DM
Zweckgebundene Sonstige Förderung 2% 447.266,00 DM
  100% 28.976.130,56 DM

TABELLE 6
Förderstruktur der soziokulturellen Zentren in Nordrhein Westfalen 1998



Trotz der leichten Steigerungstendenz bei der öffentlichen Förderung insgesamt gibt es bei der Förderung der einzelnen Zentren erhebliche Schwankungen. Eine Auswertung der Veränderung der öffentlichen Förderung bei den 37 Zentren, die hierzu sowohl 1996 als auch 1998 detaillierte Angaben machen konnten, ergab bei 20 Zentren eine Erhöhung der Förderung um bis zu 369.500 DM (insgesamt 2,41 Millionen DM, der Mittelwert der Erhöhungen liegt bei 120.401 DM) und bei 17 Zentren eine Kürzung der Förderung um bis zu 1,18 Millionen DM (insgesamt 2,75 Millionen DM, der Mittelwert der Kürzungen liegt bei 161.744 DM). Diese Schwankungen erschweren eine kontinuierliche soziokulturelle Arbeit erheblich.

Förderung

ABBILDUNG 13
Entwicklung der Förderung pro BesucherIn 1994 bis 1998
(ohne Förderung von Baumaßnahmen und Investitionen)






Förderstruktur

ABBILDUNG 14
Förderstruktur 1998








 

Ausgaben

Die 66 hochgerechneten soziokulturellen Zentren in Nordrhein Westfalen hatten 1998 Ausgaben in der Höhe von 71,40 Millionen DM (58,52 Millionen DM in den 52 befragten Zentren). Den größte Anteil haben nach wie vor die Personalkosten, die trotz einer höheren Beteiligung an der Befragung 1998 und vor allem trotz höheren MitarbeiterInnenzahlen 1998 gegenüber 1996 leicht gesunken sind. Real müssen die MitarbeiterInnen 1998 damit für weniger Geld arbeiten als 1996!

Bei den meisten weiteren Kosten gibt es nur geringfügige Veränderungen. Die Kosten in der Gastronomie steigen entsprechend der Steigerung der BesucherInnenzahlen in der Gastronomie, die Veranstaltungskosten sind trotz einer erheblichen Steigerung der Anzahl der Veranstaltungen sogar deutlich gesunken. Hier wird deutlich, dass auch viele KünstlerInnen in den Zentren 1998 für weniger Geld arbeiten müssen als 1996.

Die Bau- und Investitionskosten sind erheblich gestiegen aufgrund des Sonderprogrammes des Landes für die Modernisierung soziokultureller Zentren in Nordrhein-Westfalen.

  1996 (DM) 1998 (DM) ohne Bau- und Investitionskosten Hochrechnung auf 66 Zentren
Personalkosten 19.351.648,31 43% 19.343.560,18 33% 38% 23.601.087,32
Betriebskosten 3.139.871,28 7% 3.310.442,38 6% 6% 4.039.072,38
Veranstaltungskosten 8.655.723,41 19% 7.806.568,14 13% 15% 9.524.797,64
Sachkosten 1.907.895,28 4% 2.211.328,83 4% 4% 2.698.043,40
Verwaltungskosten 1.258.064,88 3% 1.156.523,78 2% 2% 1.411.075,23
Bau- und Investitionskosten 1.239.686,49 3% 6.990.490,31 12% - 8.529.100,67
Sonstiges 673.089,81 2% 1.353.204,31 2% 3% 1.651.045,25
Gastronomie 8.366.120,03 19% 16.346.606,01 28% 32% 19.944.502,05
Summe 44.592.099,49 100% 58.518.723,94 100% 100% 71.398.723,94

TABELLE 7
Ausgaben der soziokulturellen Zentren in Nordrhein Westfalen 1996 und 1998









Ausgaben

ABBILDUNG 15
Ausgabenstruktur 1998







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